1834 / 203 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

alb der Verwaltung gemacht, und daß, wenn er vorher etwas davon haͤtte ahnen koͤnnen, er alles Moͤgliche angewandt haben wuͤrde, um es zu verhindern; uͤbrigens sey der Secretair fuͤr Irland, den Graf Grey damit gemeint habe, nicht ein⸗ mal Mitglied des Kabinets, sondern nur der Verwaltung. Er fragte sodann, ob es wohl raͤthlich sey, auf den erwaͤhnten drei Klauseln zu bestehen, da man wisse, daß das Unterhaus eben so gern die Aufhebung der katholischen Emancipations⸗Bill oder der Reform⸗Bill selbst, als die Beibehaltung jener Klauseln gestatten und daß also, wenn das Oberhaus nicht davon ablassen wollte, eeine Kollision zwischen beiden Haͤusern unvermeidlich seyn wuͤrde. Der Graf von Wicklow ging aber von seiner Be⸗ auptung nicht ab, daß Graf Grey sich so, wie er es bezeich⸗ net, ausgedruͤckt habe; er warf dem Lord⸗Kanzler vor, daß der⸗ selbe bald so, bald so denke und spreche, denn noch neulich habe er mit dem Grafen Gren darin uͤbereingestimmt, daß die Zwangs⸗Bill, wenn man jene Klauseln wegließe, ganz nutzlos werden wuͤrde; dies gab er demselben zu bedenken und fuͤgte hinzu, dann moͤchte er hingehen und sehen, wie ihm das Abendbrod schmecke. (Beifall von der Opposition.) Der Lord⸗Kanzler behauptete dagegen, er habe niemals sich so geaͤußert, daß einer der edlen Lords haͤtte glauben koͤnnen, er stimme fuͤr die Beibehaltung der mehrerwaͤhn⸗ ren Klauseln. Der Herzog von Wellington machte auch auf den Widerspruch in der Denk⸗ und Handlungsweise der Mini⸗ ster, und namentlich des Lord⸗Kanzlers, aufmerksam, und Lord Melbourne suchte sich, so wie der Lord⸗Kanzler, dadurch zu recht⸗ fertigen, daß er versicherte, er habe zwar immer dem Grafen Grey in Hinsicht auf die Nothwendigkeit der Erneuerung der Zwangs⸗ Bill im Allgemeinen beigepflichtet, aber nicht gerade jene drei Klauseln fuͤr unumgaͤnglich noͤthig zur Erhaltung des Friedens in Irland betrachtet. Gegen den Schluß der Debatte entspann sich noch ein sehr heftiger Wortwechsel zwischen dem Herzog von Buckingham und dem Lord Kanzler, indem der Erstere von den Lustgelagen und Zechereien sprach, denen Letzterer beizuwohnen pflege. Der Lord ⸗Kanzler wurde daruͤber sehr aufgebracht und erwiederte, daß er frei⸗ lich sich nicht erinnere, den edlen Herzog beim Zechen ge⸗ troffen zu haben, weil er nicht die Schenken und Bierhäͤuser be⸗ suche, in denen Jener zu finden sey. Der Marquis von Bute rief den Lord⸗Kanzler zur Ordnung, dieser ließ sich aber nicht eher beruhigen, bis der Herzog von Buckingham erklaͤrt hatte, daß er seine Bemerkung nur zum Spaß gemacht habe, indem er hinzufuͤgte, er habe sich nur der Worte Schakespeare's aus

dessen Hamlet bedient.

Unterhaus. Sitzung vom 17. Juli. Lord Althorp zeigte dem Hause die neuen Ministerial⸗Ernennungen an, bean⸗ tragte die Erlassung eines neuen Wahl⸗Ausschreibens fuͤr Not⸗ tingham, weil das bisherige Parlaments⸗Mitglied fuͤr diesen Ort, Lord Duncannon, ins Kabinet getreten sey, und aͤußerte sich dann ungefaͤhr folgendermaßen: 8

‚Die eingetretenen Veraͤnderungen im Kabinette sind der Zahl nach nicht groß, aber bedeutend erscheinen sie allerdings, wenn man bedenkt, daß jetzt dem Lande die Dienste des edlen Grafen entzogen sind, der bisher an der Spitze der Regierung stand. Ich kann es mir selbst nicht verbergen, und ich wuͤrde heucheln, wenn ich es dem Hause nicht sagen wollte, daß meiner Ueberzeugung nach das neue Kabiner, ohne den Grafen Grey an seiner Spitze, nicht so gut im Stande seyn wird, das Vertrauen des Landes zu verdienen, wie dasjenige Kabinet, welches unter der Leitung des edlen Grafen stand. (Hort! hoͤrty) Ich selbst kann nur mein innigstes Bedauern außern uͤber den Zuruͤcktritt meines edlen Freundes, fuͤr dessen oͤffentlichen und Privat⸗Charakter ich . Bewunderung bege, als meine Worte ausdruͤcken koͤnnen. Von dem Augenblicke an, als ich Mitglied die⸗ ses Hauses wurde, habe ich auf ihn, als meinen Fuͤhrer, geblickt, und ich wuͤrde niemals ein Amt angenommen haben, wenn es nicht in der Aussicht geschehen waͤre, meinem edlen Freunde bet Zusam mensetzung seines Ministeriums behuͤlflich seyn zu koͤnnen; und an⸗ ders, als unter seiner Leitung haͤtte ich niemals die Durchfuͤhrung der Parlaments⸗Reform unternommen. Die Vertraulichkeit, in wel⸗ cher ich waͤhrend meiner Amts⸗Verwaltung mit dem edlen Grafen gestanden, bat meine Verehrung und meine Ach⸗ tung uch vermehrt. Alle Eigenschaften, die dem Charak⸗ ter eines Staatsmannes unentbehrlich sind, konnte Niemand in hoͤherem Grade besitzen, als mein edler Freund Aber eben so sehr zierten ihn auch die Tugenden des Privatmannes. Ich sehe den Vernust, den das Kabinet und das Land durch den Austritt des Grafen Gerey erlitten, fuͤr unersetzlich an. Se. Majestat hat nun geruht, Lord Melbourne an die Spitze der Regierung zu stellen, und ich muß gestehen, Se. Majestaͤt haͤtte keine weisere Wahl treffen koͤnnen. Der edee Lord besitzt, neben seinen angebvornen und erwor⸗ benen Faͤhigkeiten, tiefes, richtiges Urtheil und große Entschlossen⸗ heit. Was meine Ansichten in dieser Beziehung betrifft, so bin ich so gluͤcklich gewesen, in allen Dingen, die im Kabinet, dessen Mitglieder wir Beide waren, zur Berathung kamen, mit ihm einerlei Meinung zu seyn. Unter diesen Umstaͤnden haben Se. Majestaͤt gnaͤdigst geruht, die Fortdauer meiner Dienste zu verlangen. (Anhaltender Beifall.) Ich habe von jeher eine Abneigung gegen die Uebernahme eines Amtes gehabt und bate diese Abneigung auch fruͤher zu erkennen gegeben, und ich muß gestehen, daß die Erfahrungen, die ich seit⸗ zem gemacht, nicht dazu beigetragen haben, meine Abneigung zu vermindern. Außerdem sind auch noch gerade jetzt die Schwierig⸗ keiten dieser Stehung vermehrt. Alles dies habe ich meinem edlen Freunde, dem Grafen Grey, angezeigt, und ich bin vollkommen uͤberzeugt, daß meine Resignation die seinige nach sich ge⸗ zogen hat. Dies hat denn begreiflich meine Unlust zum Wle⸗ dereintritt ins Ministerium vermehrt; doch wurde sie dadurch wieder geschwaͤcht, daß mein edler Freund selbst mich sehr dringend aufforderte, das Amt wieder zu uͤbernehmen. Als ich dies und Alles, was sonst in diesem Hause vorgegangen, und den Zustand des Landes ins Auge faßte, glaubte ich, daß meine Pflicht zegen das Vaterland mir dringend gebote, den Wunsch meines Sou⸗ verains zu grfuͤllen (Beifall.) Ich habe jetzt nur noch etwas uͤber die Grundsaͤhe, nach denen die neue Regierung ihr Verfahren ein⸗ zurichten gedenrt, hinzuzufuͤgen. Die Grundsaͤtze, nach denen die Regierung dieses Landes zu handeln hat, sind diezenigen, durch welche, mit Beibehaltung der Institutionen des Landes, solche ver⸗ staͤndige, aber wirksamr Reformen herbeigefuͤhrt werden koͤnnen, wie die Nation sie als Folgen der Parlaments⸗Reform zu erwarten berechtigt ist; und waͤhrend die Regierung sich verpflichtet fuͤhlen wird, bei der Legislatur keine Maßregel in Vorschlag zu bringen oder zu foͤrdern, die den Institutionen des Landes Gefahr drohen koͤnnte, wird sie zu⸗ gleich sich bemuͤhen, diesen Institutionen Fs A Gestaltung zu geben, als zur Erreichung des beabsichtigten Zwe kes unumgaͤnglich nothwendig und der Lage des Landes angemessen seyn wird. Dieses varen die Grundsätze, nach denen die Regierung Lord Grey's sich gerichtet hat, wenn gleich sie oft auf viele Schwierigkeiten und Hin⸗ dernisse stoßen mußte; diese Grundsatze, aller jener Schwierigkeiten ungeachtet, zu befolgen, und alle sich ihr entgegenstellende Hinder⸗ nisse zu bestegen, ist auch die gegenwaͤrtige Regierung fest ent⸗ schlossen.“ -

Nachdem Lord Althorp diese Erklaͤrungen gegeben, entspann sich eine ziemlich lange Debatte uͤber das Verfahren des Mini⸗ steriums Grey. Oberst Evans tadelte dasselbe, sprach aber die Hoffnung aus, das neue Kabinet werde es besser machen. Herr Tennoyson erklaͤrte, in der Ueberzeugung, daß das neue Kabi⸗ net nach durchaus liberalen Prinzipien handeln werde, die schon erwoͤhnte Adresse an Lord Althorp mit unterzeichnet zu haben.

ctrio erif dadgeqgen Herr Attwood, sowohl das neue als das

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dasselbe thaten in Bezug auf das letztere, doch im entgegenge⸗ setzten Sinne, Sir Robert Peel und Herr Baring, waͤh⸗ rend sie dagegen meinten, uͤber das neue Kabinet zu urtheilen, moͤchte wohl zu fruͤh seyn. Herr O'Connell freute sich uͤber das Verbleiben des Lord Althorp im Ministerium, und Herr Gisborne daruͤber, daß das Kabinet jetzt eine „Versamm⸗ lung von alten unverfaͤlschten Whigs“ sey. Diese Ansicht wollte Sir Rob. Peel nicht gelten lassen, und als Herr Gisborne replicirte, es seyen doch weder Tories noch Radikale im Kabi⸗ net, entgegnete Jener, wenn das Ministerium ein reines Whig⸗ Ministerium sey, so muͤsse es nach reinen Whig⸗Prinzipien han⸗ deln, das koͤnne aber nicht der Fall seyn, wo Minister im Kabi⸗ nette saͤßen, die bereits in Tory-Ministerien und gemischten Mi⸗ nisterien eine Stelle eingenommen haͤtten. Dies bezog Lord Palmerston auf sich, und versicherte, um sich dagegen zu ver⸗ wahren, er sey kein Tory, worauf Sir R. Peel antwortete: „Ich habe den edlen Lord gar nicht bezeichnet und habe ihn auch nicht einen Tory genannt, wenn er mich aber doch einmal provo⸗ cirt, so muß ich allerdings sagen, daß ich den edlen Lord nicht als einen „reinen alten Whig“ ansehen kann, wenn ich daran denke, daß der edle Lord Mitglied des Ministeriums Perceval, des Ministeriums Liverpool, des Ministeriums Canning, des Ministeriums Ripon und des Ministeriums Wellington war. Ich glaube nicht, daß ein Mitglied dieser Ministerien „ein rei⸗ ner alter Whig“ genannt werden kann.“ Sir Henry Har⸗ ding machte hierzu die Bemerkung, man moͤge den edlen Lord lieber „einen jugendlichen Whig“ oder „einen reinen jungen Whig“ nennen. Die folgenden Redner erklaͤrten sich mit der Zusammensetzung der neuen Administration zufrieden. Hierauf erklaͤrte Herr Spring Rice auf eine Anfrage des Herrn Ba⸗ ring, daß es die Absicht der Regierung sey, eine neue Kolonie in Australien zu gruͤnden, und daß eine desfallsige Bill einge⸗ bracht werden wuͤrde, deren Zweck nicht dahin gehe, irgend einer Compagnie einen besonderen Vortheil zu gewaͤhren, sondern nur der Regierung einen Ort zu verschaffen, wohin sie die auswan⸗ derungslustigen Personen senden koͤnnte. Herr Sheil machte den Secretair fuͤr Irland auf die in Irland herrschende Noth auf⸗ merksam und sagte, er habe Briefe von dort erhalten, aus denen hervorgehe, daß von den 7000 Einwohnern von Thurles 2400 dem Hungertode nahe waͤren, auch in Clomnell, Carrik-on⸗Suir und Galway sey die Noth sehr groß; er wuͤnsche daher, daß die Re⸗ gierung Mittel auffinden moͤchte, um den Irlaͤndischen Armen wenigstens Arbeit zu verschaffen, was noͤthiger sey, als die Ver⸗ schoͤnerung des Windsor-Schlosses und der Londoner Straßen; er fuͤhrte an, daß, als der Marquis von Anglesea Vice⸗Koͤnig von Irland gewesen, in der Grafschaft Tipperary zum Besten derselben und ohne Nachtheil fuͤr den Schatz 10,000 Pfund verausgabt worden seyen, und trug auf eine Adresse an den Koͤnig an, worin Se. Majestaͤt ersucht werden sollten, den Nothzustand Irlands zu beruͤcksichtigen. Herr Littleton wider⸗ setzte sich diesem Antrage und behauptete, die Noth sey nicht so allgemein, und es koͤnne ihr leicht abgeholfen werden. Da der⸗ selbe noch die Versicherung ertheilte, daß er sein Moͤglichstes in dieser Sache thun werde, nahm Herr Sheil seine Motion zu⸗ ruͤck. Das Haus verwandelte sich darauf in einen Ausschuß uͤber die Bier⸗Bill und nahm mehrere Klauseln derselben an.

London, 18. Juli. Nachdem in den letzten Tagen die Minister, meist mit Zuziehung des Grafen Grey oder in dem Hause desselben, haͤufige Berathungen gepflogen, nachdem vor⸗ gestern der Koͤnig bei seinem Lever die meisten Minister empfan⸗ gen und spaͤter einen Kabinetsrath gehalten hatte, in welchem Graf Grey sein Amt niederlegte, wurden am Nachmittag die neuen Ministerial⸗Veraͤnderungen durch die oͤffentlichen Blaͤtter bekannt gemacht und am Abend die Richtigkeit dieser Angaben im Unterhause von Lord Althorp bestaͤtigt. Danach beschraͤnken sich die eingetretenen Veraͤnderungen, wie zu erwarten stand, auf folgende drei: An die Stelle des ausgetretenen Grafen Grey tritt der bisherige Minister des Innern, Viscount Melbourne, als erster Lord des Schatzamtes und Premier⸗Minister. An seine Stelle tritt der bisherige Ober⸗Intendant der Forsten und Waldungen, Viscount Duncannon, als Staats⸗Secretair im Departement des Innern. Er wird, da nach etner aͤlteren Par⸗ laments⸗Akte im Unterhause nur 2 Staats⸗Secretaire ihren Sitz haben sollen, von nun an im Oberhaus seinen Sitz nehmen. Statt seiner wird der ehemalige Kriegs⸗Secretair, Sir John Cam Hobhouse, Ober⸗Intendant der Forsten und Wal⸗ dungen werden und Sitz und Stimme im Kabinet erhal⸗ ten. Im Kabinette bleiben folgende Minister: Viscount Althorp, Kanzler und Unter⸗Schatzmeister der Schatzkammer; Lord Brougham, Lord⸗Kanzler, Marquis Lansdowne, Praͤsident des Geheimen Raths; Lord Auckland, erster Lord der Admiralitaͤt; Herr Spring Rice, Staats⸗Secretair im Departement der Kolonieen; Viscount Palmerston, Staats⸗ Secretair fuͤr die auswaͤrtigen Angelegenheiten; der Graf von Carlisle, Lord-Siegelbewahrer; Herr Poulett Thomson, Praͤsident des Handels⸗Departements; Herr Abercrombie, Muͤnzmeister; Marquis Connyngham, General⸗Postmeister; Lord Holland, Kanzler fuͤr das Herzogthum Lancaster; Lord John Russell, Zahlmeister fuͤr die Armee; Herr Littleton, Ober⸗Secretair fuͤr Irland. Auch bleibt der Marquis Wel⸗ lesley Lord-Statthalter von Irland. Diese Zusammensetzung scheint die Majoritaͤt des Unterhauses fuͤr sich zu haben; die Tories scheinen sich dabei zu beruhigen, weil sie selbst die Hoff⸗ nung aufgegeben hatten, zum Amte zu gelangen, und die Radi⸗ kalen sind wenigstens damit zufrieden, daß das neue Kabinet kei⸗ nen Zusatz von Toriismus erhalten hat. Aehnlich aͤußern sich die diesen Parteien angehoͤrigen Blaͤtter, nur die Times wiederholt ihre drohende Prophezeiung, das Ministerium werde als solches nicht das Ende der gegenwaͤrtigen Paclaments⸗Ses⸗ sion erleben.

In der heutigen Sitzung des Oberhauses wurde die Bill uͤber die Abschaffung der Todesstrafe zum zweiten Male verlesen. Der Herzog von Richmond erklaͤrte sich gegen die Abschaffung derselben bei dem Brief⸗Diebstahl, bis eine andere Strafe dafuͤr bestimmt sey. Die einzige Buͤrgschaft, welche das Publikum habe fuͤr die unermeßlichen Summen, die taͤglich durch die Post befoͤrdert wuͤrden, sey die Ehrlichkeit der Post⸗Beam⸗ ten. Er ersuche Ihre Herrlichkeiten, dies wohl zu be⸗ denken, ehe sie die Kaufleute des einzigen Schutzes, welchen die⸗ selben fuͤr die sichere Ueberlieferung ihrer Rimessen haͤtten, beraubten. Dies sey die Meinung aller oberen Beamten des Post⸗Amtes. Die Klausel in Bezug auf die Veruntreuung der Briefe wurde demgemaͤß geaͤndert. Hierauf erhob sich Lord Wharneliffe und trug auf die Vorlegung des Briefes des Lord⸗Lieutenant von Irland an, welcher kuͤrzlich gewisse edle Lords zu einer Meinungs⸗ Aenderung in Bezug auf die Zwangs⸗Bill bewogen habe. (Das Weitere kann erst nach Ankunft der naͤchsten Post mitgetheilt werden.)

fruͤhere Ministerium, als zu saͤumig in seinen Maßregeln an;

In der heutigen Sitzung des Unterhauses erwieder Herr Littleton auf eine an ihn gerichtete Frage, daß noch kein Bericht von den Munizipal⸗Kommissarien aus Irland 8 gegangen, auch nicht vor dem November zu erwarten sey er ohne Zweifel befoͤrdert werden wuͤrde, nachdem er dem F nige sey vorgelegt worden. Auf Antrag des Lord Ebrina, ton wurde beschlossen, fuͤr den Rest der Sitzung den neuen 8” stimmungs⸗Plan nicht fortdauern zu lassen. Herr Hume drant wieder auf den Bau eines neuen Gebaͤudes fuͤr die Sitzunge des Unterhauses. Lord Althorp bat um Erlaubniß, eine B zur Erneuerung eines Theils der Zwangs⸗Bill einbringe zu duͤrfen. In Kilkenny seyen die wohlthaͤtigen Ersolge der 8 unverkennbar. Sie sey auch in einigen Theilen von Weß meath und Galway und in drei anderen Grafschaften in Anwen dung gebracht. Die Frage sey, ob man verhindern wolle n Regierung noch ferner zu ermaͤchtigen, den friedlichen Einweß nern Irlands Schutz zu gewaͤhren. Er schlage die Erneuerung der Akte vor, sofern sie den Lord⸗Lieutenant ermaͤchtige, gewist Distrikte in Aufruhr-⸗Zustand zu erklaͤren, und Volks⸗Versamm, lungen, die er, oder der Sherif nicht genehmigt, zu verhinder,

Bei dem vorgestrigen Lever wurde der Contre⸗Admiral gg. W. Parker vom Koͤnige mit den Insignien des Bath⸗Otteng beliehen. Herr Cutlar Fergusson ward als Mitglied des Gg heimen⸗Raths vereidigt. Der Marquis von Clanricarde legt das Amt eines Capitains der Leibgarde in die Haͤnde des . nigs nieder. Auch wurden Sr. Majestaͤt der Portugiesische Ge⸗ schaͤftstraͤger in Belgien, Herr von Almeida Garrett, und die Hannoversche Hof⸗Medicus Dr. Tanberger vorgestellt.

Graf Grey will, nachdem er sein Amt niedergelegt hat, ein kurze Zeit im Privatleben zubringen und sich nach Brighton zw ruͤckziehen, wo er fuͤr die naͤchste Woche ein Hotel gemiethet bat

Die von 240 Mitgliedern des Unterhauses unterzeichne Adresse an Lord Althorp wurde demselben vorgestern von Hern C. Lefevre, begleitet von einem Circular⸗Schreiben der Herrn Pendarves, Lambton, Bannerman, Tennyson, Lefevre und Et John Byng, uͤberreicht.

Die erste hohe Stelle, welche das neue Ministerium n vergeben haben wird, ist das durch den so eben erfolgten doh des Generals Chowne erledigte Kommando des 76sten Regiment, welches der Verstorbene seit dem Jahre 1814 fuͤhrte.

Der Herzog von Wellington hat seit seiner Ernennung zun Ober⸗Vorsteher der fuͤnf Haͤfen den ganzen Ertrag dieses Aane— zum Besten des oͤffentlichen Dienstes in den Schatz fließen lassan

Herr Angelo Taylor, Parlaments⸗Mitglied fuͤr Sudbun, in seiner Jugend ein Anhaͤnger Pitt's, spaͤterhin aber einer de eifrigsten Whigs, ist im 77sten Jahre seines Alters mit Ahe abgegangen.

Das Dunkel, das noch immer um die Reise des Don Eu⸗ los nach Spanien schwebt, war besonders gestern wieder we Hauptgegenstand des Gespraͤches in der City, und die Zahl a jenigen, welche das Ganze bezweifeln, ist noch sehr groß. Nat⸗ stehendes ist das, was einige hiesige Zeitungen daruͤber enthalte⸗ „Ein Umstand, hoͤchst unwichtig an sich, aber der Erwaͤhnumn werth, weil er das Faktum bestaͤrkt, ereignete sich im Laufe die Tages. Man bemerkte an der Boͤrse einen jungen Mann, e nicht Englisch sprach, und an mehrere Anwesende Fragen richten, die nicht verstanden wurden, bis Einer, der Spanisch verstam, erfuhr, daß er nach der Bank gefuͤhrt zu seyn wuͤnsche, u Banknoten in Sovereigns umzuwechseln. Es begleitete ihn dar auf Jemand in das Bureau des Cassirers, wo es sich ergab, daß erm Diener des Don Carlos war, der zu dem erwaͤhnten Z'vecke vo Brompton, wo die Familie des Praͤtendenten wohnt, abgeschickt war Man versaͤumte nicht, ihn uͤber seinen Herrn zu befragen, und antwortete, daß derselbe sich in Spanien befinde. Wenn duß Ganze, wie noch Viele versichern, eine muͤßige Erffndung wam so muß man ihr wenigstens das Verdienst lassen, daß sie au ausgedacht war.“ Der Morning Herald spielt heute darans an, daß die Erzaͤhlung vielleicht von den Freunden des Dar Carlos erfunden und verbreitet worden, um bei der Boͤrse de gewuͤnschte Anleihe in Gang zu bringen. Auch sagt man, dif bereits in Paris eine Anleihe von 3 Millionen Pfd. Sterl. sir Don Carlos gemacht worden sey. Der Courier von heun Abend enthaͤlt Folgendes: „Die Pariser Blaͤtter vom Mittwegh sind voll von Bemerkungen und Muthmaßungen uͤber Don Cw⸗ los, in Bezug auf welchen unsere Nachbarn eben so sehr in Dunkeln sind, als wir. Es scheint ausgemacht, daß de Franzoͤsische Regierung keine positive Nachricht uͤber die sen Gegenstand erhalten hat, waͤhrend die Geruͤchte, dis Don Carlos an der Spanischen Graͤnze erschienen sey, vyn dem Spanischen Konsul zu Bayonne widerlegt werden, und de herrschende Meinung in Paris ist, daß die Erzaͤhlung von de Flucht eine Boͤrsen⸗Speculation sey. Zugleich muͤssen wir hi zufuͤgen, daß diejenigen, welche den zu Paris verhafteten Bah quier, Herrn Jauge, genau kennen, uns versichert haben, di derselbe sich, wissentlich, nie zur Aussprengung einer falsch Nachricht dieser Art hergeben wuͤrde. Nach seiner Versicherumg schenken viele achtungswerthe Personen der ganzen Erzaͤhlung unbedingten Glauben, und sind der Meinung, daß Don Carboh sich jetzt im noͤrdlichen Spanien befindet. Die Nachrichten! Bezug auf Don Carlos sind gleich unbestimmt in Paris und ig Loöndon. Wir haben einen Brief erhalten, der bestim versichert, daß Don Carlos sich noch in London befinde Eine andere Autoritaäͤt benachrichtigt uns, daß Don Carlos, doch nicht vor dem 9ten, London verlassen habe, er konnte dah wohl noch nicht am 8ten in Bayonne seyn, und am gten d Spanische Graͤnze passiren. Unser Berichterstatter sagt, er se von Moreno begleitet gewesen und habe sich in der Absicht mat Frankreich eingeschifft, um sich mit Calomarde zu berathen. C. wird hinzugefuͤgt, daß alle seine Bewegungen genau bewac wuͤrden. Unsere Regierung bezweifelt nicht, wie wir Geund h ben zu glauben, die Nachricht, daß Don Carlos England vrn lassen habe und in Spanien sey. Wir bekennen daher, daß wh fuͤr jetzt unfaͤhig sind, ein bestimmtes Urtheil uͤber diesen Gegel⸗ stand zu faͤllen.“

Herr Arguelles, einer der Spanischen Liberalen, der sih noch bei dem Diner, welches kuͤrzlich dem General Mina hit gegeben wurde, in London befand, ist bekanntlich von der Peu vinz Asturien zu ihrem Repraͤsentanten in den Cortes ernang worden, und der Globe versichert jetzt, daß die Waͤhler, a einen Beweis ihrer Achtung fuͤr den genannten Herrr und 1 Anerkennung seiner in den fruͤheren Cortes geleisteten Dienste durch Subscription die Summe zusammengebracht haͤtten, -- derjenige besitzen muß, der zum Prokurador gewaͤhlt wird.

Kanada⸗Zeitungen vom 20. Juni zufolge, ist der Copf tain Morris mit 36 Passagieren der bei der St. Pauls⸗JInse gescheiterten „Isabella“ in Miramichi angekommen: bekanntl haben 248 Personen bei diesem Schiffbruch ihren Tod gefunden

London, 18. Juli. Gestern Abend erklarten bon Melbourne im Oberhause und Lord Althorp im Unterhause, dar

das Ministerium definitiv reorganisirt und bereit sey, in alerl⸗

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Erforderlichen bie ihm zukommende Verantwortlichkeit zu uͤber⸗

nehmen. Die ergaͤnzenden Mitglieder sind in Lord Duncannon und Sir John Hobhol se, von denen jener die bisherige Stelle des Lord Melbourne uͤbernimmt und, zur Britischen Pairie er⸗ hoben (er ist naͤmlich Irlaͤndischer Pair) ins Oberhaus tritt, und dieser die Stelle des Lord D. als Praͤsident des Koͤnigl. Do⸗ mainenwesen, mit Sitz und Stimme im Kabinette, uͤbernimmt. Lord D., als kuͤnftiger Pair, hat natuͤrlich die Vertretung der Stadt Nottingham aufgegeben, und Sir John ist dorthin ge⸗ reist, um sich an seiner Stelle waͤhlen zu lassen. Er hat bekannt⸗ lich, seitdem er, wegen der damaligen Unzufriedenheit mit dem Grey'schen Ministerium, von der Vertretung der Stadt West⸗ minster ausgeschlossen wurde, weder ein Amt bekleidet, noch im Parlament gesessen, und Lord Althorp, wel⸗ cher, besonders seitdem Herr Stanley das Ministerium verlassen, fast alle Regierungs⸗Maßregeln allein zu vertheidigen gehabt, wird gewiß eine große Stuͤtze an ihm finden. Lord A. versicherte, daß das Ministerium fortfahren wuͤrde, wie unter dem Grafen Grey, dessen Austritt er jedoch auf's Hoͤchste be—

klagte, die Institutionen des Landes, ohne an dem Hauptgebaͤude

der Verfassung etwas zu verletzen, nach Zeit und Umstaͤnden und den jedesmaligen Beduͤrfnissen zu verbessern und zu vervollkomm⸗ nen. Sir Robert Peel wollte bei der Gelegenheit keine Bemer⸗

kung machen, aber Herr Baring unternahm es, die Verwaltung

des Grafen Grey auf Kosten der jetzigen herauszustreichen, in⸗ Quadrupel⸗Alltanz⸗Traktates wuͤrde also nur seyn, daß dem Buͤr⸗

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dem er behauptete, der Charakter des Grafen sey fuͤr die Freunde der Verfassung eine Buͤrgschaft gewesen, welche die jetzige Zu-

sammensetzung des Kabinets nicht gewähre. Besonders, meinte er, daß der Eintritt des Lords Duncannon ihm Besorgniß ein⸗ fioͤße, als wolle man die Irlaͤndische Kirche und Alles, was in

Irland Werth habe, der Wuth des Poͤbels opfern und zu den Füßen O'Connells legen. O'Connell selbst schien dieses eben⸗

falls zu erwarten, indem er aus demselben Grunde von dem neuen Ministerium die Hoffnung schoͤpfte, daß es Irland wuͤrde Ge⸗ rechtigkeit widerfahren lassen. Wahrscheinlich irren sich Beide,

indem das jetzice Ministerium wahrscheinlich eben so ungeneigt

seyn wird, als das vorige, bloß Herrn O'Connell zu gefallen,

wiewohl es nicht unterlassen wird, die Gesinnungen der Irlaͤn⸗ den ni 1 . Koöoͤniglichem Hause zu verhaften.

dischen Katholiken zu beruͤcksichtigen. Den ersten Beweis hier⸗

von giebt es schon dadurch, daß es die Zwangs⸗Bill im Ober⸗ hause fallen laͤßt und diesen Abend durch Lord Althorp im Un⸗ terhause nur die Erneuerung desjenigen Theiles des Gesetzes vorschlagen wird, welcher selbst nach O'Connell unerlaͤßlich ist. Meine Briefe haben Ihre Leser bereits auf diese Wendung der

Dinge vorbereitet, digkeit einsah, wenn anders nicht die reit erklarten, das Staatsruder uͤbernehmen

Tories zu

sich

von der jeder Parteilose die Nothwen⸗ be⸗ wollen.

Desto mehr wuͤrde man nun uͤber die Heftigkeit erstaunen muͤs- sen, welche gestern Abend die Opposition im Oberhause bei der Ankuͤndigung dieser ministeriellen Entschließung an den Tag legte,

wenn man andererseits nicht wuͤßte, daß in der Kriegskunst po⸗ litischer Parteien die Billigkeit selten Eingang findet. Was aber den Debatten alle Wuͤrde benahm und wieder einmal eine Scene in dem Hause hervorrief, wie man sie fast nie in der

mehr demokratischen Versammlung des Unterhauses sieht, war

eine Anspielung des Herzogs von Buckingham auf Lord Broug⸗ hams Liebhaberei fuͤr hitzige Getraͤnke. Diese Beschuldigung ist seit Kurzem so oft und so kuͤhn wiederholt worden, daß der Lord sich schon einmal bewogen gefunden, solche gewissermaßen oͤffentlich 2 widerlegen; und da er sie am Abende, wo Lord Grey seine

löschieds⸗Rede hielt, auch von Damen hoͤren mußte, welche

in der Gallerie zugegen waren und ziemlich laut riefen: „Er ist betrunken“, so darf man sich nicht wundern, daß er aufge— bracht wurde. Er sprang auf und fing in einer Weise an, die leicht zu einer Art von Kneipen⸗Gezank gefuͤhrt haͤtte, wenn er nicht von mehreren Lords durch den Ruf: „Zur Ordnung!“ unterbrochen worden waͤre. Hierdurch gewann er denn Zeit,

sich zu sammeln, und versicherte, daß er zwar glauben muͤsse, der

Herzog habe nur scherzen wollen, wenn sie aber im Ernste ge⸗ meint gewesen, die Beschuldigung in jeder Hinsicht unwahr sey.

Der Herzog erklaͤrte darauf, er habe bloß gescherzt; doch dauerte es lange, ehe die allgemeine Aufregung sich verlor, so daß der

Groß⸗Kanzler dreimal fragen mußte, ob das Haus geneigt sey, sich zu vertagen, ehe man auf ihn hoͤrte. Vorher zeigte er je— doch an, daß er am naͤchsten Montag auf die zweite Verlesung des Armen⸗Gesetzes antragen werde. Wahrscheinlich wird das unterdruͤckte Feuer der Tories im Unterhause diesen Abend los⸗ brechen, wenn Lord Althorp die Zwangs⸗Bill mit den ausgelas⸗ senen Klauseln vorschlagen wird. Da er aber hierbei die Irn⸗ laͤnder auf seiner Seite hat, so kann er dem Resultate ruhtg entgegensehen. Naͤchsten Mittwoch versprach der Lord das Budget vorzulegen. Auch sagte er, daß die Regierung entschlos⸗ sen sey, die Irlaͤndische Zehnten⸗Bill diese Session noch durch⸗ zusetzen, was wahrscheinlich geschehen wird, obgleich weder O'Con⸗ nell noch die Tories ganz damit zufrieden sind. Die Maßregel ist unvermeidlich; man muͤßte denn ein Mittel entdecken, wie der Klerus noch ein Jahr vor dem Verhungern geschuͤtzt wer⸗ den koͤnne, ohne dem Staat noch einmal einen Vorschuß von einer Million aufzubuͤrden. Sonst aber wird man alle wichtige Maßregeln zuruͤcksetzen, um das Parlament so schnell wie moͤg⸗ lich schließen zu koͤnnen. Ich aͤußerte mich in meinem letzten Schraben üͤber die große Ruhe, welche die Nation bei der letz⸗ ten Kaysis beobachtet habe. Dies scheint aber doch nur vorzuͤg⸗ lich in der Naͤhe der Hauptstadt der Fall gewesen zu seyn, wo man keinen Augenblick an dem Ausgang zweifelte. In Schott⸗ land jedoch haben einige Versammlungen stattgefunden, und an⸗ dere waren berufen worden, um den Koͤnig zu bitten, die To⸗ ries nicht wieder ins Ministerium zu bringen. Letzteres war besonders zu Edinburg der Fall. 8 116“

8 3 Nederlansze. Aus dem Haag, 18. Juli. Ihre Majfestaͤt die Kaͤnigin Bayern hat gestern die hiesige Gemaͤlde⸗Gallerie besichtigt. Die Prinzessin von Oranien wird am naͤchsten Sonntage von ihrer Reise nach Deutschland auf dem Lustschlosse Loo zu⸗ ruͤckerwartet.

1 Der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Baron Ver⸗ scht van Soelen, hat vorgestern zum ersten Male wieder nach n aus Wien ein großes Diner gegeben, bei wel⸗

in sich das ganze diplomatische Corps und mehrere hohe Be⸗ amte befanden. 1 8 Die Sache des einer ungesetzlichen Verbindung mit den Belgiern angeklagten Buchdruckers Thompson von Rotterdam wird am 6ten August vor dem hiesigen Assisenhofe verhandelt werden. Der Advokat Herr Gefken ist demselben ex olflicio als Beistand gegeben worden.

Deutschland.

Braunschweig, 20. Juli. (D. Nat. Zt Die Ei senbahn⸗Verbindung zwischen Hannover und öbö

von

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des Débats vor 14 Tagen sagte, daß

von der bereits so viel die Rede gewesen ist, kom ie wi eits Rede gewe mt wie wir jetzt mit entschiedener Gewißheit ankuͤndigen koͤnnen wirklich c. Stande. Sicherm Vernehmen nach, hat die Hannoversche Regierung bereits eine Kommission niedergesetzt, welche die zu

der Arbeiten erforderlichen Vorbereitungen tref⸗ en soll.

Frankfurt a. M., 20. Jult. Ueber die von allen Seiten verkuͤndigte Abreise des Don Carlos nach Spanien aͤußert das Journal de Francfort sich folgendermaßen: „Es ist dies ein Ereigniß von hoͤchster Wichtigkeit. Wir haben das Betragen des Don Carlos getadelt, als er uns zu fruͤh an seinem guten Gluͤcke hn verzweifeln schien; eben deshalb haben wir auch ein Recht, ihn heute zu loben, ohne daß man uns deshalb der Schmei⸗ chelei beschuldigen wird. Don Carlos hat seine Pflicht erkannt Wohl ihm! Wenn das Ereigniß an sich schon einen Eindruck auf alle Gemuͤther gemacht hat, so koͤnnen die Folgen desselben noch maͤchtiger wirken. Wir wollen die Zukunft ruhig abwar⸗ ten; mittlerweile aber erinnern wir an Dasjenige, was das Journal naͤmlich der Q V Allianz⸗Traktat Spanien und Portugal mit heäe sicirt habe. Der Courrier francais vom 15ten d. M. enthaͤlt dagegen folgende merkwuͤrdige Worte: „„Die Gegenwart des Don Earlos kann die Insurrection noch wetter ausdehnen Das Resultat des

gerkriege neue Nahrung gegeben und dem Throne der verwitt⸗ weten Koͤnigin neue Gefahren bereitet worden waͤren. Unter diesen Umstaͤnden lohnt es wahrlich nicht der Muͤhe, jene große diplomatische Kraft⸗Aeußerung so gewaltig herauszustreichen.““ Wir hoffen, daß der Courrier uns nicht zu denen rechnen werde die den gedachten Traktat gelobt haben. Eben dieses Blatt sagt, es fehle jetzt nichts weiter, als daß auch noch Dom Miguel sich von Italten aus wieder nach Portugal einschiffe. Dies ist auch unsere Meinung, und wenn jenem Prinzen die Lust hierzu an⸗ wandelte, so moͤchten wir wohl wissen, wen er deshalb um Erlaubniß zu bitten haͤtte, und welche voͤlkerrechtliche Bestim⸗ mung irgend Jemanden die Befugniß ertheilte, in Friedenszeiten den niedrigsten Buͤrger, geschweige denn einen Prinzen aus Koͤniglichem Ha Der Courrier fragt schließlich noch, ob Don Carlos nicht geschworen habe, in England zu blei⸗ ben. Hierauf erwiedern wir, daß, wo Gewalt vor Recht geht, Niemand an einen Eid gebunden ist, den er nicht freiwillig ge⸗ leistet hat, daß ein solcher Eid vielmehr null und nichtig in den Augen Gottes wie der Menschen ist. Eine Eroͤrterung uͤber diesen Gegenstand ist uͤbrigens aus einem sehr einfachen Grunde voͤllig uͤberfluͤssig, da Don Carlos keinen Eid geleistet hat.“

Oesterreich.

Wien, 17. Juli. Ihre Majestaͤten der Kaiser und die Kaiserin haben gestern das K. K. Lustschloß Schoͤnbrunn ver⸗ lassen, um Allerhoͤchstihren Aufenthalt in Baden zu nehmen, wohin auch Ihre Majestaͤt die Erzherzogin Marie Luise, Her⸗ zogin von Parma ꝛc., abgegangen ist. Se. Majestaͤt der juͤn⸗ gere Koͤnig von Ungarn und Hoͤchstdessen Gemahlin haben sich deregts vorgestern gleichfalls von Schoͤnbrunn nach Baden be⸗ geben. .

Bei unserem Heere haben wiederum zahlreiche Befoͤrderun⸗ gen und Veraͤnderungen stattgefunden, von denen die heutige Wiener Zeitung das Verzeichniß enthaͤlt.

Am 25. Juni brach in der Koͤnigl. Ungarischen Freistadt Gran Nachts um 10 Uhr durch Unvorsichtigkeit Feuer aus, das 17 Haͤuser verzehrte, und am 5ten wiederholte sich das Unaluͤck zweimal; das eine Mal in der Freistadt Mittags um 12 Uhr, wobei gegen 10 Haͤuser eingeaͤschert wurden, das zweite Mal um halb 2 Uhr Nachmittags am Fuße des Thomasberges, als

sich noch alle Wasserspritzen in der Freistadt befanden; doch ge⸗

lang es durch angestrengte Muͤhe, das Feuer in dem Preßhause, wo es offenbar durch boͤse Menschen angelegt war, zu loͤschen, ehe es die benachbarten Haͤuser ergriff. ö“ (16166öblnmn

Rom, 10. Juli. Folgendes sind noch einige Stellen aus dem (gestern erwaͤhnten) encyklischen Schreiben des Papstes in Bezug auf das Werk des Abbé la Mennais: „Wir sind von Entsetzen ergriffen worden bei dem ersten Blick, den Wir in dasselbe warfen, und indem Wir die Verblendung des Verfassers

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senschaft, die nicht nach Gott, sondern nach den Lehren der Welt ist, fuͤhre. in seiner Erklaͤrung gegeben hatte, schen Schleier schoͤner Phrasen stigung einiger verfaͤnglichen katholische Lehre anzugreifen und umzustuͤrzen, die kraft der Unserer Demuth uͤbertragenen Unserem fruͤheren Rundschreiben uͤber den

hat er es unter dem truͤgeri⸗ und unter der Fictionen unternommen,

die

den

jener aͤußersten Zuͤgellosigkeit der Meinungen und Reden einen

Zaum anzulegen, endlich uͤber jene verdammliche Gewissens⸗Freie

beit, die man auf Alles ausdehnt, und uͤber jene fluchwuͤrdige Verschwoͤrung von Associationen, die aus Mitgliedern bestehen, welche zu allen Arten von Sekten gehoͤren und gegen die Kirche und gegen die weltliche Macht verbuͤndet sind, dargestellt haben. Un⸗ ser Gemuͤth fuͤhlt einen Widerwillen dagegen, Alles zu bezeichnen, was dieser Verfasser geschrieben hat, um alle Bande der Treue und des den Fuͤrsten schuldigen Gehorsams zu zerreißen, die Anstrengungen anzufuͤhren, die er gemacht hat, indem er uͤberall hin die Fackel der Zwietracht schleuderte, um die oͤffentliche Ordnung zu saͤren, die Magistrate veraͤchtlich zu machen, die Gesetze zu uͤbertreten und alle Elemente der geistlichen und weltlichen Gewalt zu ver⸗ nichten. Daher jene neue und ungerechte Behauptung, wodurch er die weltliche Gewalt als dem goͤttlichen Gesetze zuwider und feindselig darstellt; daher jene abscheuliche Verleumdung, wo sie das Werk der Suͤnde und die Macht des Satans genannt wird; daher jene an die hoͤhern Geistlichen wie an die Fuͤrsten, unter dem ungereimten Vorwande eines strafbaren zwischen ihnen geknuͤpften Buͤndnesses, um die Rechte der Voͤl⸗ ker zu vernichten, gerichteten Beschimpfungen. Nicht zufrieden mit diesem verwegenen Versuche, maßt er sich an, eine unbe⸗ schraͤnkte Meinungs⸗, Rede⸗ und Gewissens⸗Freiheit zuzulassen; er wuͤnscht den Soldaten, welche kaͤmpfen werden, um wie er sagt, diese Freiheit der Tyrannei zu entreißen, Gluͤck und segnet sie; wie durch einen Anfall von Wuth hingerissen, ruft er aus allen Welttheilen die Liguen und Associationen auf, draͤngt, reizt und treibt sie zu diesen verbrecherischen Attentaten mit so großer Hef⸗ tigkeit, daß Wir auch in Betreff dieses Punktes einsehen, daß er Unsere Warnungen und Instructionen mit Fuͤßen tritt.“ „Wir wuͤrden ermuͤden, wenn Wir Alles aufzaͤhlen muͤßten, was in diesem gottlosen und frevelhaften Werke aufgehaͤuft ist,

um die goͤttlichen und menschlichen Einrichtungen zu vernichten.

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Beguͤn⸗

Wir, Autoritaät, in 1 1 1 uͤbe Maͤchten schuldigen Gehorsam, uͤber die Verbindlichkeit, die Voͤlker von der unseligen Ansteckung des Indifferentismus zu befreien und

Aber was vorzuͤglich Unwillen erregt, was die Religion durch⸗ aus nicht dulden kann, ist, daß der Verfasser sich dendonh 8 auf die goͤttlichen Gesetze zu berufen, um seine Irrthümer auszusaͤen und dieses Gemisch bei unklugen Lesern auszukra⸗ men; daß er, waͤhrend er als ein begeisterter Schriftsteller, als ein Abgesandter Gottes sich ihnen zeigt, und sein Werk im Namen der allerheiligsten Dreieinigkeit beginnt, um die Voͤlker vom Gesetze des Gehorsams zu entbinden, uͤberall die Sprache der heiligen Schriften auf eine gesuchte Art an ubringen und die Worte derselben, welche die Worte Gottes sind, anzuwenden wagt, um ihnen jene verbrecherischen Thorheiten einzupraͤgen, indem er kuͤnstlich und verwegen den Sinn des Textes verdreht, um mit desto groͤßerem Zutrauen, wie der h. Bernard sagt, Finsternisse statt Lichtes, Gift statt Honig oder vielmehr Gift mit Honig vermischt geben zu koͤnnen und so ein neues Evan⸗ gelium fuͤr die Voͤlker schmiedet und eine andere Grundlage, als die bestehende, aufstellt. Derjenige aber, der Uns zu einem Waͤchter in Israel einsetzte, um vor dem Irrthum diejenigen zu warnen, die Jesus Christus, der Gruͤnder und Vollender des Glaubens, Unserer Sorgfalt anvertraut hat, verbietet Uns, uͤber dieses ungeheure Attentat gegen die heilige Lehre zu schweigen.“ „An Euch ist es jetzt, ehrwuͤrdige Bruͤder, Uns aus allen Eu⸗ ren Kraͤften zu unterstuͤtzen und Alles zu thun, was nothwendig das Heil der Kirche und des Staats erheischt, damit dieses zum Verderben der Menschen aus den Finsternissen hervorgegangene Werk nicht um so verderblicher werde, als man sich heutz utage mit einer Art von Wuth der Sucht nach diesen Neuerungen uͤberlaͤßt und das Uebel wie ein Krebs unter den Voͤlkern um sich greift. Macht es Euch daher zur Pflicht, die heilige Lehre uͤber diesen Gegenstand zu verbreiten, die Arglist der Neuerer aufzudecken, mit groͤßerer Sorgfalt, als je, die Heerde Jesu Christi zu huͤten, damit die Liebe zur Religion, die Froͤmmigkeit der Handlungen und der oͤffentliche Friede bluͤhen und gluͤck⸗ lich sich mehren. Mit Zutrauen erwarten Wir diese Mitwir⸗ kung von Eurem Glauben und von der emsigen Sorgfalt, wo⸗ mit Ihr zum gemeinsamen Wohl arbeitet, damit, unterstuͤtzt durch Den, Der der Vater des Lichts ist, wir uns wieder freuen koͤnnen, sagend mit dem h. Cyprian, die Irrlehre ist eingesehen und widerlegt; sie ist eben dadurch entkraͤftet, daß sie erkannt und aufgedeckt ward.“ „Aber waͤhrend Wir beschaͤftigt sind, dies niederzuschreiben und Uns so der Pflicht zu entledigen, die Uns von Oben aufzetragen ist, naͤmlich: die heilige Lehre zu erkennen, zu unterscheiden und zu bewahren, preßt die grausam unserm Herzen durch die Verwirrung Unseres Sohnes geschla⸗ gene Wunde uns Seufzer aus, und in dem tiefen Schmerze, womit er uns zu Boden druͤckt, haben wir keine an⸗ dere Hoffnung des Trostes, als in seiner Ruͤckkehr zu den Pfaden der Gerechtigkeit. Erheben wir daher vereint unsere Blicke und Haͤnde zu Demjenigen, der der Fuͤhrer der Weisheit und der Verbesserer der Weisen ist; flehen wir zu Ihm durch verdop⸗ pelte Gebete, Ihm einen folgsamen Geist und ein großes Herz zu geben, damit er die Stimme des zaͤrtlichsten und betruͤbtesten der Vaͤter hoͤre, und damit er sich beeile, die Kirche, und Euren Stand, und den heiligen Stuhl und endlich Uns selbst wieder zu erfreuen. Wir werden gewiß als einen gluͤcklichen Tag be⸗ trachten, wo es Uns gewaͤhrt seyn wird, Unsern Sohn zu⸗ ruͤckkehren zu sehen und ihn an Unser vaͤterliches Herz zu druͤcken; und Wir hoffen sehr, daß sein Beispiel alle Uebrigen zuruͤckfuͤhren werde, die, durch seine Lehren verfuͤhrt, sich zum Irrthum verleiten ließen, dann wird zwischen Allen jene Ein⸗ heit der Lehren, des Rathschlages und der Mittel, jene Einheit der Wirksamkeit und Liebe seyn, die erforderlich ist, um den Staat und die Kirche zu vertheidigen. Wir erwarten von Eurer Hirten⸗Sorgfalt, daß Ihr zum Herrn flehen werdet, uns guͤ⸗ tigst diese ausgezeichnete Gnade zu gewaͤhren. Indem Wir zu diesem Ende den goͤttlichen Beistand erflehen, ertheilen Wir Euch, so wie den Euch anvertrauten Heerden aus wahrer Liebe und Zuneigung Unsern apostolischen Segen. Gegeben zu Rom, in St. Peter, den 25sten Juni des Jahres 1834, des vierten Unseres Pontifikats. Gregor P. P. XVI.“

Spanien.

Ein Privat⸗Korrespondent des Morning Herald schreibt demselben unterm 11ten Juli von der Spanischen Graͤnze: „In meinem letzten Schreiben versicherte ich, trotz

2 d ind d der entgegengesetzten Geruͤchte, die in Bayonne v 1 8

beweinten, sahen Wir ein, zu welchen Ausschweifungen die Wis- he-e .v. venbn ach O Bastan durch diese Stadt gekommen sey. Denn mit Verletzung des Versprechens, das er Uns 8 g

daß Don Carlos wirklich auf seinem Wege nach dem Thal von durc t Ich kann außerdem noch hinzufuͤgen, daß unsere Behoͤrden heute Abend die offizielle Bestaͤtigung dieses Ereignisses erhalten haben. Don Carlos war heute Vormittag im Thal von Bastan. Sein Gepaͤck wurde um 4 Uhr Morgens von Bayonne dorthin geschafft, und Don Carlos saate zu der Person, die ihn von Bayonne nach der Spa⸗ nischen Graͤnze begleitete: „„Waͤhrend ich hier mit Ihnen spreche, geben sie mir in London Arznei ein.““ Auch weiß man daß er sich, als er das Spanische Gebiet betrat, das Ver⸗ gnuͤgen machte, den ihm unterweges begegnenden Karlistischen Soldaten Fuͤnffranken⸗Stuͤcke zuzuwerfen, die diese dankbar auf⸗ hoben, ohne zu ahnen, daß Karl V. der Geber sey.“

2 Brasilten.

Rio⸗Janeiro, 3. Mai. Die diesjaͤhrige Session der Kammer wurde heute durch die Regentschaft auf gewoͤhnliche Weise eroͤffnet. Die Regentschaft zeigte an, daß das gute Ein⸗ verstaͤndniß zwischen der Regierung des Kaisers und den frem⸗ den Mäaͤchten unveraͤndert fortbestehe. Was die inneren Ange⸗ legenheiten des Reiches betreffe, so haͤtten einzelne Unerdnungen stattgefunden, die von der Faction genährt wuͤrden, die noch im⸗ mer hoffte, das System wieder herzustellen, welches die Nation im Jahre 1831 verworfen habe. Die Regentschaft ist indeß fest entschlossen, die ihr obltegenden Pflichten zu erfuͤllen, und schäͤtzt sich gluͤcklich, berichten zu koͤnnen, daß, ungeachtet der geringen Huͤlfsmittel der Regierung und der bestaͤndigen Hindernisse auf die sie stoͤßt, ganz Brastlien der Ruhe sich erfreue, mit Aus⸗ nahme des ungluͤcklichen Kampfes, der noch in Pernambuco und Alagras fortdauert, jedoch auch bald beendigt seyn wird. Die Regentschaft lenkt die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die Nothwendigkeit, eine hinreichende Land⸗ und Seemacht zu hal⸗ ten, um jeden moͤglichen aͤußeren Angriff auf die Integritaͤt Sicherheit und Wuͤrde des Reichs abwehren zu koͤnnen. 80 Am 16. Mai begann die Deputirten⸗Kammer die Diskussion des Gesetz⸗Entwurfes in Bezug auf die Verhinderung der Ruͤck⸗ kehr des Ex⸗Kaisers nach Brasilien. Herr Martins schlug die Vertagung der Diskussion vor, wurde aber nach einigen De⸗ batten uͤberstimmt. Die Kammer ging darauf zu der Dis kus⸗ sion des Gesetz⸗Entwurfes uͤber, die jedoch noch nicht beendigt war, als die Stunde der Vertagung schlug. 8

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