1834 / 222 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

derwaͤrts antragen wuͤrde. Lord Althorp hat versprochen, daß die Regierung naͤchste Session eine Maßregel fuͤr die Reform der staͤdtischen Corporationen vorschlagen werde, und der eingereichte Bericht uͤber das Einkommen der Kirche und die Vertheilung desselben in England und Wales waird wahrscheinlich auch zu einer Reform⸗Maßregel in diesem Punkte fuͤhren. Erwaͤgt man ferner, daß auch der Um⸗ tausch des Zehnten, die Abschaffung der Kirchensteuer, die Re⸗ gvistrirung der Geburten, Ehen und Todesfalle in diesen Theilen des Landes nebst einem Heer von Veraͤnderungen in der Rechts⸗ pflege in allen Theilen des Reiches dringend nothwendig gewor⸗ den, so kann man dieser Session nicht ohne Furcht entgegensehen. Merkwuͤrdig ist es, daß selbst uͤber einen so wenig von Par⸗ eiung abhaͤngigen Gegenstand, als die Art der Bestrafung von Verbrechen ist, doch das Oberhaus auch mit dem Unterhaus ent⸗ zweit ist, so daß z. B. jenes die Beibehaltung von Todesstra⸗ fen fuͤr Faͤlle entscheidet, bei welchen dieses fuͤr die Ansetzung einer nicht so schweren Strafe sich entschieden hat. Aber es ist klar, daß, da die Tories im Unterhause fast gar keine Stimme haben, im Oberhause aber um so maͤchtiger sind, das antagoni⸗ stische Prinzip der Parteien, welches vor der Reform⸗Bill in beiden Haͤusern so vertheilt war, daß in der Regel eine und die⸗ selbe Partei in beiden zugleich herrschen und die andere unter⸗ liegen oder doch nachgeben mußte, immer deutlicher und feind⸗ seliger hervortreten muß. Selbst Graf Greys Austritt aus dem Ministerium scheint anzudeuten, daß der Conflict nicht läͤn⸗ ger mehr zu verschieben war. Das Unterhaus kann dabei, wie die Morning Chronicle bemerkt, nicht nachgeben (es waͤre denn, daß die Nation ploͤtzlich ihre Gesinnungen veraͤndere); denn soll⸗ en auch die Reprasentanten nachgeben wollen, so wuͤrde man in der naͤchsten Wahl zu mehr demokratischen Maͤnnern seine Zuflucht nehmen, und der Gegensatz wuͤrde nur um so greller werden. Es bleibt also dem Dberhause nichts uͤbrig, als einem zu starken Neuerungs⸗Eifer die Waage zu halten und dagegen diejenigen Veraͤnderungen, die in Kirche und Staat unvermeid⸗ ich sind, allmaͤlig und gesetzmaͤßig ins Leben treten zu lassen, weil diese sonst gewaltsam und uͤberwaͤltigend eintreten wuͤrden. Das Merkwuͤrdigste bei uns ist die Schnelligkeit, womit Ideen, welche vor Jahren einigen wenigen Geistern wie in weiter Ferne zu schweben schienen, und die Niemand ungestraft populair laut wer⸗ den lassen durfte, sich jetzt schnell hinter einander in die Wirk⸗ lichkeit hereindraͤngen, die Gemuͤther ergreifen und mit Heftig⸗ keit ausgesprochen werden, bis sich allmaͤlig auch die fruͤher ent⸗ schiedensten Gegner daran gewoͤhnen und oft froh sind, mit et⸗ nem Vergleich, der manches Opfer erheischt, durchzukommen, das freilich dann gewoͤhnlich auf der reformirenden Seite bald wieder vergessen wird. Eine solche ist nun die Idee der Besol⸗ dung der katholischen Geistlichkeit in Irland, welche immer deut⸗ icher hervortritt und bald in die Kategorie der nothwendigen Reformen kommen duͤrfte.

Belgien.

8 Bruͤssel, 5. August. Die neuen Minister haben heute hre verschiedenen Hotels bezogen und ihre Porrtefeuilles uͤber⸗ nommen. b

Der Emancipation zufolge, wuͤnscht auch der Kriegs⸗ Minister, General Evain, von seinem Posten sich zuruͤckzuziehen, und waͤre es nicht unwahrscheinlich, daß Herr Charles Rogier seinen Posten uͤbernaͤhme. Gent, 5. August. Der Koͤnig und die Koͤnigin sind hier gestern mit großem Jubel empfangen worden. Beim Eintritt in die Stadt wurde ihnen unter einem eigens dazu errichteten Zelte der Ehrenwein uͤberreicht. Abends war die Stadt er⸗

euchtet. Schweden und Norwegen

Stockholm, 5. August. Se. Majestaͤt haben den beab⸗ sichtigten Ausflug nach dem Schlosse Tullgarn, wegen eingetre⸗ enen Unwohlseyns, aufgeben und waͤhrend einiger Tage das Bett huͤten muͤssen. Die gestrige amtliche Zeitung enthaͤlt inzwischen ein aͤrztliches Bulletin, wonach es mit dem Befinden des Koͤnigs wieder besser geht. Auf die Nachricht von der Un⸗

paͤßlichkeit Sr. Majestaͤt kam der Kronprinz sofort ven Tullgarn nach der Hauptstadt, fand jedoch den hohen Patienten in einem beruhigenden Zustande. Se. Koͤnigl. Hoheit denkt darum heute je vereits fruͤher erwaͤhnte See⸗Expedition anzutreten.

Das hoͤchste Gericht hat das von dem Hofgericht uͤber den bekannten Capitain Lindeberg gefällte Todesurtheil bestaͤtigt. Alles ist nun auf die Entscheidung des Koͤnigs gespannt. 1 Die Schwedische Akademie der Kuͤnste hat den Hof⸗Inten⸗

danten Westin fuͤr das bevorstehende Triennium aufs Neue zu ihrem Direktor erwaͤhlt.

Zufolge einer in der amtlichen Zeitung vom heutigen Tage enthaltenen Bekanntmachung des Landshoͤfding⸗Amtes in Gothen⸗ burg vom 2. d. M., ist die daselbst herrschende Krankheit (S. Daͤnemark) bisher noch nicht fuͤr die Asiatische Cholera erklaͤrt worden.

Daͤnemark.

Kopenhagen, 5. August. Am 3ten d. M. haben der Bischof Muͤller, der Stadthauptmann Thortsen und der Bild⸗ hauer Freund Sr. Majestaͤt dem Koͤnige eine Denkmuͤnze uͤber⸗ reicht, welche zum Andenken an den frohen Tag geschlagen ist, da der Koͤnig nach uͤberstandener Krankheit aus Holstein nach seiner Hauptstadt heimkehrte. Der Archiater Schoͤnberg hat die Redaction der ehemaligen Daͤnischen Staats⸗Zeitung, jetzigen Berling'schen Zeitung, uͤbernommen. Es heißt, daß die Besitzer dieses Blattes, eine neue Einrichtung damit vornehmen wollen. Der Redacteur des Dagen, unseres zweiten politischen Blattes, Etats⸗Rath Thaarup, befindet sich gegenwaͤrtig in einer unangenehmen Fehde verwickelt. 1.

Seit drei Wochen haben wir hier ununterbrochen eine Waͤrme von 20 bis 28 Grad Réaumur gehabt, so daß schon viele Faͤlle vorgekommen sind, daß Leute, namentlich beim Aerndten, todt umgefallen sind. Bei der vollkommenen Duͤrre, welche we— nigstens an einigen Orten diese Hitze begleitet hat, faͤngt der Wassermangel schon an, sich fuͤhlbar zu machen, so wie Baͤume, und namentlich die Wiesen, sehr herbstlich aussehen. Die Korn— Aerndte soll indessen, mit wenigen Ausnahmen, nicht so viel elitten haben.

8 8 etwa acht Tagen berichtete ein Gothenburger Blatt von ploͤtzlichen Todesfaͤllen in Folge von Koliken, wollte aber darm bei der druͤckenden Sommerhitze nichts unerhoͤrtes finden. Jetzt aber meldet eine hiesige Zeitung aus Gothenburg vom 2ten d., es sey leider nicht mehr zu bezweifeln, daß die Cholera dort ausgebrochen. Seit einigen Tagen waren uͤber 30 Menschen in der Vorstadt Masthugget, 7 bis 8 in der Stadt selbst gestorben; das Theater und alle oͤffentliche Vergnuͤgungs⸗Oerter wurden geschlossen, sedoch wurden, dem Gutachten der Aerzte gemaͤß, noch reine Gesundheits⸗Paͤsse ausgestellt.

. Deutschland.

Darmstadt, 5. August. Unter den neuen Eingaben, wel⸗ che in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer verlesen wur⸗ den, befand sich auch ein gegen die Emancipation der Isvaeliten gerichtetes, von einem Herrn von Homboldt verfaßtes Memoire, welchem zugleich eine Druckschrift als Beleg beigefuͤgt ist. Me⸗ moire und Druckschrift wurden in der Kanzlei, fuͤr die Mitglie⸗ der der Kammer, zur Einsicht offen gelegt.

HQHesterreich

Wien, 6. August. Der Oesterreichische Beobachter enthaͤlt mit Bezug auf den von der BE am 22sten v. M. gefasßten Beschluß, das Verfahren des Vorortes in Bezug auf diejenigen politischen Fluͤchtlinge, welche das Asylrecht gemiß⸗ braucht, vollkommen zu billigen, die nachstehenden Betrachtun⸗ gen: „Dieser Beschluß ist fuͤr die Schweiz ein wichtiger Sieg, im Interesse ihrer Unabhaͤngigkeit von Außen und ihrer Wohl⸗ fahrt im Innern errungen. Sie hat den obersten Grundsatz des natuͤrlichen Rechtes, ihre wie aller Staaten einzig sichere Grundlage, denjenigen, Andern nicht zu thun, was man nicht wuͤnscht, daß Einem selbst geschehe, aus dem Andrang der Par⸗ tei⸗Leidenschaften gerettet, und uͤber sie triumphiren gemacht. Sie hat im richtigen Gefuͤhle dessen, was ihr als neutrale Macht fremmt und obliegt, das Feld gerechter Achtung fuͤr die Nach⸗ barstaaten behauptet, welches die unverstaͤndigen oder falschen Freunde, die eigentlichen Gegner ihrer Freiheit und Selbst⸗ staͤndigkeit, bestrebt waren, sie fuͤr dasjenige einer bedro⸗ henden Absonderung vertauschen zu machen. Ihr gesun⸗ der Sinn hat sie uͤber die Gefahr nicht getaͤuscht, welche derselbe Geist, der ihren Interessen nach Außen gern eine schiefe Richtung gegeben haͤtte, ihren Satzungen im Innern bringen wuͤrde. Sie hat ihr Recht, ihre Pflicht,

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ihre Wuͤrde und ihre Zukunft gleichmaͤßig im Auge gehabt und

mit Welisheit berücksichtigt. Gegen die Unterjochung durch

matertelle Kraͤfte hat die Schweiz in ihrem eigenen Willen des

Friedens und in der N sicheren Schild; gegen diesenige durch verderblichen Einfluß aber reicht keen Schutz von Autzen hin; ihre Unabhaͤngigkeit so wie ihre Freibeit ruhen in der Aufrechthaltung dessen, was ihr Le⸗ ben und Bestehen ausmacht. Daß die Schweiz dieser Bedin⸗ gungen ihres Lebens sich klar bewußt sey, und daß alle Vorspieg⸗ lungen gleißnerischer Lehren ihren geraden Sinn nicht zu ver⸗ wirren im Stande waren, davon gab die Tagsatzung in ührer Sitzung vom 22sten den glaͤnzenden Beweis. Daß die Sch veiz durch das muͤhsame Aufgebet von Verleumdungen ge⸗ gen die Absichten der Kabinette, durch die Laͤrmruse gegen Ehr⸗ geiz und Eroberungssucht, durch die Warnungen gegen geheime Plaͤne und durch die allerlei Umtriebe, welche auch diesmal die Hauptwaffen der Feinde des Friedens und der Ordnung ausmachten, sich nicht beirren ließ, ist eben so ehrenvoll fuͤr sie als fuͤr diese Kabineite selbst, die mit Vergnuͤgen hierin die Frucht ihrer Handlungswei'e uͤberhaupt und ihrer redlichen Wuͤnsche fuͤr die Schweiz erkennen. Daß sie insbesondere ihr Vertrauen in die Biederkeit der Gesinnungen Oesterreichs, ihre Zuversicht in die unverletzbare Achtung fuͤr das Recht, welche der Politik dieser Macht als oberstes Gesetz voransteht, von jeder Beeintraͤchtigung rein erhielt, ist fuͤr Oesterreich von gern anerkanntem und von hohem Werthe, weil es sich als den natuͤrlichen und sichern Ver⸗ buͤndeten der Schweiz in jedem Falle betrachtet, wo diese ihre Wuͤrde, ihre Freiheit und ihre Selbststaͤndigkeit zu verfechten bestrebt ist.“

8 Schweiz.

Zuͤrich, 2. August. Die eidgenoͤssische Militair⸗Aufsichts⸗ Behoͤrde hat ihre dieszaͤhrigen regelmaͤßigen Geschaͤfte beendigt, und es soll nun der schon in einem fruͤheren Zusammentritte aus Auftrag der Bundesbehoͤrde ausgearbeitete Vorschlag zu Ver⸗ besserung des eidgenoͤssischen Heerwesens naͤchstens die Presse ver⸗ lassen und der Tagsatzung vorgelegt werden.

Zu der am 23., 29. und 30. Juli in Luzern versammelten allgemeinen Schweizerischen Gesellschaft fuͤr Naturwissenschaften hatten sich sast aus allen Gegenden Mitglieder eingefunden. Nach Anhoͤrung mannigfacher Abhandlungen erhoͤhte ein ge⸗ meinsames Mittagsmahl die Traulichkeit und Froͤhlichkeit.

Genf, 28. Juli. Die Helvetische große Musik⸗Gesell⸗ schaft und ihr Konzert, die vor einigen Tagen, nach acht Jah⸗ ren zuerst wieder in Genf, gehalten wurden, waren ein merk⸗ wuͤrdiges Seitenstuͤck zu dem großen Scheibenschießen in Zuͤ⸗ rich. Bei beiden zeigte sich, einiger Mißtoͤne ungeachtet, aͤcht Schweizerisches Denken und Wollen in Vermeidung und Zu⸗ ruͤckstoßung alles Radikalen, beide wirkten sehr guͤnstig zur Wie⸗ der⸗Annaͤherung des Getrennten, sich lange feindlich Gegenuͤber⸗ stehenden. Hierin zeigte sich recht der Nutzen dieser großen Na⸗ tional⸗Vereine. Nur in Einem waren beide Feste verschieden von einander: in Zuͤrich herrschte bei allen Versuchen zum Sturm Ordnung und Sitte bis ans Ende; in Genf aber sah man am letzten Abend, am Abend des Balls (am 25sten), den zahlreich versammelten Poͤbel im Dunkeln gegen achtbare Genfer Frauen und Maͤdchen, wie gegen die gastlichen Eidgenoͤssischen, eine Verruchtheit uͤben, die ihres Gleichen nicht hat, und sich nicht mit muͤndlichem Hohn und Spott begnuͤgte, sondern zu Thaͤtlich⸗ keiten uͤberging. Dazu hatte die radikale Europe centrale, wenn nicht direkt aufgefordert, doch durch eine aufreizende Aeu⸗ ßerung uͤber dies Fest Veranlassung gegeben. Die vermehrten Gendarmen und das begegesen⸗ Militair waren nicht zahl⸗ reich genug, um dem Graͤuel durch rasches Einschreiten ein Ende zu machen; auch fuͤrchtete die Regierung einen Poͤbel⸗ Aufstand, den sie vermeiden wollte. Gesagt muß es aber wer⸗ den, daß diesen Unfug nur sehr wenige Einwohner Genfs, son⸗

dern hauptsaͤchlich Buben aus Carouge nit Arbeitern aus der

benachbarten Fremde veruͤbten

talt e n.

Die Allgemeine Zeitung enthaͤlt nachstehende Mitthei⸗ lungen:

„Rom, 256. Juli. wir gestern die Nachricht,

Auf außerordentlichem Wege erhielten Don Carlos sey nach Spanien zu⸗ ruͤckgekehrt. Hier scheint man der Ansicht zu seyn, der Ausgang sey nicht zweifelhaft, der Praͤtendent werde naͤchstens in Madrid einziehen. Fruͤher habe ich gemeldet, die Regierung wolle eine neue Prozeß⸗Ordnung einfuͤhren. Diese wird nun endlich erschei⸗ nen, da zu der Bekanntmachung nur noch die Bestaͤtigung des Papstes fehlt. Eine andere heilsame laͤngst schmerzlich entbehrte Verordnung ist diese Woche erschienen. Eine Gesundheitspolizei soll errichtet werden. Die Verordnung ist von dem Ministerium des In⸗ nern publicirt, und ernennt eine Kommission, welche die Auf⸗ sicht uͤber alle Maßregeln, die fuͤr oͤffentliches Wohl zu tressen sind, zu fuͤhren hat. Sie soll ein Gesetz hierzu entwerfen, und

gegenzeitigen Verpflichtung der Maͤchte den was 1 d erderblic aber dabei ein Chrenmann hat die Douanen des Koͤntgreich

und einen Schlag, wenn auch nur einen lokalen, Dieser Zustand der Unthaͤtigkeit und Erwartung

alle Doktoren, Chirurgen und Apotbeker sollen ihr ohne Aut, nahme unterworfen seyn. Nur bei Gesundheitsscheinen fuͤr die Schifffahrt macht die Regitrung eine Ausnahme, da diese, wie bisher, von der dazu bestimmten Behoͤrde ausgefertigt werden, In Betreff der Muͤnzen ist man wieder von dem Vorschlage des Tesoriere Monsignore Tosti abgekommen, und wird, wie man feuͤher beabsichtigt hatte, statt 10, 5 und 2 ½ Scudt in Geld, jetzt eine Goldmuͤnze von 4 Scudi praͤgen, um, wie man be⸗ hauptet, leichter die Berechnungen nach den fremden Goldmuüͤn⸗ zen machen zu koͤnnen. Die neue Diskonto⸗Bank wird diese Goldstuͤcke praͤgen lassen, und zuerst in Umlauf bringen. Heutr traf die vormalige Gemahlin des Prinzen Christian von Daͤne⸗ mark, unter dem Namen einer Graͤfin Gothen, auf der Durch, reise nach Neapel hier ein.“

„Neapel, 19. Juli. Die Brigg „Zephyr“, welche gestern in den Hafen eingelaufen ist, hat die erfreuliche Nachricht von der Beileagung aller Meßhelligkeiten mit Marokko gebracht. Ein Frir⸗ dens⸗Traktat, der fuͤr die Neapolitanische Schifffahrt sehr ver⸗ theilhafte Bedingungen enthaͤlt, und dem naͤchstens ein Handelt⸗ Vertrag nach dem Muster des mit Tunis abgeschlossenen felgen soll, sind die gluͤcklichen Resultate dieser von Admtral Staiti mie eben so viel Einsicht als Entschlossenheit geleiteten Expedition. Die Wuͤnsche des Volks sind endlich erhoͤrt! Es scheint fast ki nem Zwetfel mehr unterworfen, daß die junge Koͤnigin schon in vierten Monate ihrer Schwangerschaft ist, und man hofft allge mein die Geburt eines Thronfolgers. Seit einiger Zeit geht das Geruͤcht, man bemerke eine große Lauheit in den Verhm, dungen des hiesigen Hofes mit dem der Tutlerieen. Man ver⸗ muthet, der Koͤnig von Neapel sey eher geneigt, sich der Poi—⸗ tik der Nordischen Hoͤfe anzuschließen, als in die Quadrupet⸗ Allianz einzutreten. Man erwartet in den ersten Tagen des naͤchsten Monate Auagust das kleinere der in England kuäͤrzlic fuͤr Rechnung des Gouvernements erbauten Dampfschiffe, „Ney⸗ tun“, mit einer Kraft von 120 Pferden, dem binnen wenigen Wochen das andere, „Ferdinand II.“, mit einer Kraft von 150] Pferden, folgen sell. Der bekannte Herr Dupont, Neapels Huorard was die Kuͤhnheit seiner Speculationen anlangt

fuͤr eine um 25,000 Dukati vermehrte, dem Gouvernement zu bezahlende Summe auf die Dauer von vier Jahra uͤbernommen. Garant fuͤr die zu leistende Caution von 30,000 Ducati (120,000 Franken) Renten ist ein beruͤhmter Coulisse aus Paris, Namens Nicolle, der dieses bedeutende Kapital he reits in der Bank niedergelegt hat. Die Eruptionen des Vesuvs vervielfaͤltigen sich seit einigen Tagen auf eine bedref, liche Weise. Fuͤnf große und breite Lavastroͤme schlaͤngeln sih in verschiedenen Richtungen den Berg hinab. Der Kranut wirft unablaͤssig ungeheure Steinmassen aus, die die Ersteigumg des Vulkans sehr erschweren, und der bekannte Fuͤhrer Salvo⸗ tore behauptet, ein groͤßerer und, wie leider zu befuͤrchten steh⸗ verderblicherer Ausbruch sey fast gewiß. Die Brunnen in de Gegend von Resina, Torre del Greco, Bosco tre Case und 0⸗ tajano sind groͤßtentheils versiegt, und die fleißigen Bewohner dieser schon so oft heimgesuchten Staͤdtchen und Doͤrfer lebm in banger Besorgniß. Der seit gestern Abend entstandene gioße Lavastrom, dessen Richtung gegen Torre del Greco geht, hut schon einige Weinberge verbrannt und ist nur noch eine * Viertelstunde von den ersten Haͤusern dieses Staͤdtchens entfernt In Castellamare, Sorrent und Ischia wimmelt es von Frem denn VBei dieser Gelegenheit fuͤhlt man wieder recht unange] nehm, wie sehr es an einer regelmaͤßig geordneten Verbinzdung mit diesen Bade-Oertern fehlt, und man hofft, das von einigen Kapitalisten vorgeschlagene Unternehmen kleine Dampfodte von Neapel in allen Richtungen des Golfs abgehen zu lassen werde eine rege und lebendige Theilnahme finden. Unter da ausgezeichneten Badegaͤsten in Castellamare zaͤhlt man, außer den Koͤnige von Wuͤrttemberg und seinem Gefolge, den Grafen Hm⸗ kel v. Donnersmark mit seiner Familie, die Fuͤrstin von Sazm, den Grafen Beust, die Fuͤrstin Schwarzenberg, den Fuͤrstn Lichtenstein u. s. w.“ InI 8

Englische und Franzoͤsische Blaͤtter enthalten folgene Nachrichten von der Spanischen Graͤnze:

Die Times meldet aus Bayonne, 29. Juli: „Ich hebe mich bemuͤht, uͤber den wahren oder falschen Don Carlos Nath richt einzuziehen, denn es ist auffallend, daß die Bewohner die ser Graͤnzstadt uͤber die wirkliche Anwesenheit desselben in Spa nien in eben so großer Ungewißheit sind, wie die Bevoͤlkerun von London und Paris. Der allgemeine Glaube ist jedoch, dah er sich in Person unter den Insurgenten befindet. Ueber da wahrscheinlichen Ausgang dieser Expedition kann man hier wohl, als in groͤßerer Entfernung nur Vermuthungen hegen. 6 verweilt jetzt schon 16 oder 17 Tage in der Mitte derjenigen, . man als seine eifrigsten Anhaͤnger darstellt, und hat es waͤhran dieser ganzen Zeit verabsaͤumt, aus dem Muth und dem Eife, welche seine Gegenwart erzeugt haben muß, Vortheil zu ziehas auszufuͤhrn kann indeß vich dauern. Die Heere stehen einander jetzt nahe, umn Don Carlos muß einen entscheidenden Schlag wage oder sein Spiel hoffnungslos aufgeben. Er ist nich uͤberfluͤssig mit Munition versehen und wird es fernerhin no⸗ weniger seyn; denn obgleich die Insurgenten eine Pulver Fatn besitzen, so wird sie ihnen fuͤr die Zukunft von geringeremh e zen seyn, da die Franzoͤsischen Zoll⸗Beamten laͤngs der Graͤn die strengsten Befehle erhalten haben, die Ausfuhr von Salpene zu verhindern, womit eine Zeit lang ein sehr lebhafter Hande getrieben wurde. Jemand, der vor einigen Tagen, auf einan Wege von Vittoria hierher, eine Bande von 2000 Karlisten scs beschreibt sie als ziemlich gut bewaffnet, aber in jeder andemn Hinsicht als hoͤchst elend; eine große Menge war ohne S 1- und fast Alle in Lumpen gehuͤllt. Die letzten Nachrichten veh den Armeen bestaͤtigen, daß General Rodil sich in der Nachbu schaft von Salvatierra befindet, Zumalacarreguy sich nach Alzeg uruͤckgezogen hat und Don Carlos in Elisondo oder Valcarlo ist. Wir erwarten stuͤndlich bestimmtere Nachrichten.“

Ferner berichtet das Journaldes Débats aus Bavonn, vom 30. Juli: „Ein von Urroz kommender Reisender berichu uns, daff, in Folge der Bewegungen Rodil's, der Praͤtenden und Zumalacarreguy sich mit sechs Bataillonen zu St. Estevah befinden, und daß die allgemeine Insurrection von sich auf einige hundert Mann reduzirt, die es muͤde sind, ohn Waffen mit ihrem Koͤnige ein herumstreichendes Leben zu fuül und schon anfangen, sich nach Hause zu begeben. Ein Mal thiertreiber, der aus Navarra kommt, erzaͤhlt, daß man untm weges versichert, General Rodil befinde sich zu Borunda, unge daß ein Bataillon der Insurgenten, welches den Truppen 1 Koͤnigin auszuweichen suchte, von einem Bataillon der lesth zerstreut und gezwungen wurde, sich ihnen anzuschließen. Ande

laͤnger

fuͤhre

27. Juli 1834, Abends 11 Uhr.

Nachrichten giebt es nicht, und Sie wissen, wie diese Reisenden und Maulthiertreiber ihre Neuigkeiten erhalten und mittheilen; leider sind wir auf ihre Berichte beschraͤnkt und diejenigen, wel⸗ che die Behoͤrden an die Regierung uͤber die Angelegenheiten in Navarra senden, kommen aus derselben Auelle. Auf der Graͤnze wurden mehrere Personen verhaftet, die sich zu dem Praͤtendenten begeben wollten, der sich noch immer u Lesaca aufhaͤlt. Die Verhaftung einer dieser Personen hat sehr großen Eindruck auf unsere Karlisten gemacht. Heut Mor⸗ en begaben sich der General Harispe und der Spanische Kon⸗ ul nach St. Jean de Luz, und tausend verschiedene Geruͤchte zirkuliren hieruͤber in unserer Stadt, doch ist nicht eines darun— ter von Wahrscheinlichkeit.“

Im Journal des Landes vom 31sten Juli liest man: „Urasere Korrespondenz von der Graͤnze berichtet, daß Zumala⸗ carreguy, an der Spitze von 8 bis 9000 Mann, bis zum L’isten

uli in dem Thale Ulzama und Zavala, der andere Insurgen⸗ den⸗Chef, mit 4 bis 5000 Mann in Biscaya stand. General Rodil befand sich mit 9000 Mann in der Umgegend vom Pam⸗ pelona und wollte sich mit Espartero, der Oüate mit 4000 Mann besetzt hat, so wie mit Jaureguy, der in Segura 3000 Mann kommandirt, vereinigen. Alle diese Truppen sind so postirt, daß sie die Insurgenten mehr und mehr in dem Gebirge ein⸗

ießen.“ ch 8 Indicateur de Bordeaux vom 31. Juli heißt es: „Die neuesten Nachrichten aus Spanien, deren Wahrheit wir verbuͤrgen, sind keinesweges ermuthigend fuͤr die Anhaͤnger des Don Carlos. Die Truppen des Zumalacarreguy werden immer mehr und mehr in den Bergen, die sie besetzt haben, ein⸗ geschlossen und wagen nicht, sie zu verlassen. Ihre Stellung hat ihrem Anfuͤhrer, der weit mehr von dem Fanatismus der Be⸗ voͤlkerung fuͤr den Praͤtendenten erwartete, so gefaͤhrlich geschie⸗ nen, daß er den letzteren noͤthigte, sich naͤher an die Franzoͤsische Graͤnze zu begeben; dieser kiuge Rath ist befolgt worden, denn wir erfahren, daß Don Carlos am 28. zu Lesaca, einer kleinen

Stadt an der Bidassoa, angekommen ist. Er war von seinem

Generalstabe und etwa tausend schlecht gekleideten bewaffneten Insurgenten begleitet. Seine Ruͤckkehr wurde durch einen Tanz der Priester und Weiber gefeiert. Zur Unterhaltung des Prin⸗ zen wurde ein praͤchtiges Ballspiel gegeben. Am 29. naͤherte sich Don Carlos, aus Furcht vor Jaureguy, der sich mit 4000 Mann, die in drei Kolonnen getheilt sind, zu Hernani befindet, noch mehr der Graͤnze. Er ist uͤber die Bidassoa gegangen und haͤlt sich jetzt zu Vera auf, wo er nur einen Schritt zu thun braucht, um auf Franzoͤsisches Gebiet zu kommen.“ Nachschrift: „Wir erfahren so eben, daß am 25. ein sehr moͤrderisches Gefecht zwi⸗ schen den Truppen Rodils und dem groͤßten Theile der Batatllone Zumalacarreguy's stattgefunden hat. Das Naͤhere ist noch nicht bekannt.“

Die Gazette de France vom 4. Aug. meldet: „Jemand, der am 30sten v. M. zu Bayonne angekommen ist und Don Carlos um 6 Uhr Morgens verließ, versicherte, daß kein neuer Kampf stattgefunden habe. Man sagte, daß dem General Ha⸗ risve die Festnehmung des Infanten Don Francisco de Paula offiziell angezeigt worden sey, und daß er fuͤr denselben in Bayonne eine Wohnung habe einrichten lassen. Wir geben diese Nachricht, ohne sie zu verbuͤrgen.“

Endlich enthaͤlt der Messager folgendes Privat⸗Schreiben aus Bayonne vom 30. Juli: „Ich glaubte, heute die Nach⸗ richt von der Ruͤckkehr des Don Carlos nach Frankreich geben zu koͤnnen; denn in Folge der gestern empfangenen Nachrichten, daß er von Lesaca nach Vera (eine Stunde Weges von der Graͤnze) gekommen sey, begaben sich der General Harispe und der Spanische Konsul an die Graͤnze, um ihn zu empfangen. Diese Hoffnung wurde noch vergroͤßert, durch vier Deserteure, die man gestern hier examinirte und die als sehr wahrscheinlich aussagten, daß er im Laufe des Tages ankommen werde. Man hat auch in der Richtung von Navarra ein starkes Gewehrfeuer gehoͤrt und Alles laͤßt uns an die Wahrscheinlichkeit dieses Er⸗ eignisses glauben, Allein der Tag ist vergangen, ohne daß man weiter etwas hoͤrt, als daß der Praͤtendent gestern in Vera war und heute sich wahrscheinlich wieder nach Elisondo begeben hat. Rodil um⸗ giebt ihn von allen Seiten und hat seine saäͤmmtlichen Truppen in Bewegung gesetzt; aber es hat bis jetzt kein anderes Gesecht stattgefunden, als das am 27sten zwischen 3500 Mann von den Truppen der Koͤnigin und drei Bataillonen Zumalacarreguy's, sieben Lieues von Pampelona, zwischen Urciain und Baciartua. Letztere wurden geschlagen und verloren, nach dem Berichte der Vertrauten des Generals, einen ihrer beruͤhmtesten Obersten. Das Bulletin der Insurgenten⸗Junta vom 28sten spricht dage⸗ gen von diesem Kampfe, wie von einem wichtigen Triumphe; aber die Wahrheit ist, daß die Insurgenten ihre Lage nicht ver— lassen haben. Es wuͤrde nichts Außerordentliches seyn, wenn vor dem Empfange dieses Briefes eine telegraphische Depesche Ihnen die voͤllige Zerstreuung der Insurgenten meldete, die ich als un⸗ vermeidlich betrachte.“ Nachschrift. am 26ͤsten mit Zumalacarreguy vor Salvatierra, und forderte die Garnison auf, sich zu ergeben. Der Befehlshaber schien ierzu geneigt und bat ihn, naͤher zu kommen; sobald aber die

vantgarde auf Kanonenschußweite gekommen war, erhielt sie zwei volle Lagen, welche sie bald zum Ruͤckzug zwangen.“

Der Karlistische Befehlshaber Zumalacarreguy hat am 19. Juli folgende Bekanntmachung erlassen: 1) Es ist verboten, Getraide, so wie alle Arten von Lebensmitteln, in die von dem Feinde besetzten Staͤdte und Doͤrser zu bringen, naͤnlich: Pam⸗ pelona, San Sebastian, Puenta la Reyna, Estella, Los Arcos, Durango, Salvatierra, Bilbao, Portugaleta, Ordugna, Ochan— deano, Vittoria, Bergara, Villafranca, Tolosa, Irun und Gae⸗ taria. 2) Wer die feindlichen Truppen mit Lebensmitteln ver⸗ sorgt, wird erschossen. 3) Alle Personen, ohne Unterschied des

anges und Geschlechts, welche innerhalb einer halben Meile von diesen Städten betroffen werden und keinen von mir oder den General⸗Capitainen der Provinzen visirten Paß haben, wer⸗ den erschossen. Die Behoͤrden sind fuͤr die Ausfuͤhrung dieser Befehle mit ihren Wuͤrden und ihren Titeln verantwortlich.

Oro de Salinas, 19. Juli 1834.

Thomas Zumalacarreguy.“

Der Spanische Konsul zu Bayonne und der Oberst⸗Lieute⸗ nant Don Miguel de Araos, eingesetzt von Sr. Excellenz dem Vice⸗Koͤnig von Navarra, General⸗Capitain der Baskischen Pro⸗ vinzen und Ober⸗Besehlshaber der Operations⸗Armee des Nor⸗ dens, haben folgende Mittheilung von diesem General erhalten: „Fuͤnfhundert Insurgenten unter Zumalacarreguy, Uranga, Cue⸗ billas und Anderen, griffen mich heut, waͤhrend ich nach Olaza⸗ goitia marschirte, indem sie ihre Stellung benutzten, in der Flanke

an; sie wurden geschlagen, und von unseren tapferen und uner⸗

schrockenen Soldaten, die nie genug zu loben sind, verfolgt. Gott beschuͤtze Sie noch viele Jahre. Haupt⸗Quartier Aordia, den

Don José Ramon de Rodil.“

„Don Carlos zeigte sich

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Konstantinopel, 15. Juli. Der Sultan hat am 10. Juli seine Residenz nach Beylerbey uͤbertragen, wo er den uͤbrigen Theil des Sommers zuzubringen gedenkt.

Der an die Stelle des verstorbenen Hekim⸗Baschi, Bed⸗ schet Efendi, zum Praͤsidenten der Konferenzen ernannte Emin Bey Sade Abduͤl Kadir Efendi ist zum Kadiasker von Anato⸗ lien ernannt worden.

Der Gesundheits-⸗Zustand hat sich in Konstantinopel seit Ab⸗ gang der letzten Post leider nicht gebessert.

Konstantinopel, 16. Juli. (Allg. Ztg.) Die Besorg⸗ nisse wegen der Anwesenheit der Englischen Kriegs⸗Flotte sind verschwunden. Die Pforte ward benachrichtigt, daß ein Theil dieser Schiffe nach Paros, ein anderer nach Mytilene gesegeilt sey, und dort Posten gefaßt habe. Die wenigen Franzoͤsischen Kriegsschiffe, welche in dem Griechischen Archipel kreuzten, ha⸗ ben sich in Tenedos konzentrirt, und scheinen daselbst Befehle aus Toulon abzuwarten. Einstweilen communiziren sie mit dem Englischen Admiral, und scheinen ihm gewissermaßen unter⸗ geordnet zu seyn. Man ist jedoch uͤber alle diese Anord⸗ nungen unbesorgt, da man weiß, daß keine von den An⸗ drohungen, welche offiziell, halboffiziell und mittelst der Presse gemacht worden, in Erfuͤllung gehen wird. Die Zeiten sind nicht mehr, wo man um Worte und Formeln willen sich bekriegt, und nichts Anderes wuͤrde es seyn, wenn man die so sehr beschrieene Convention durch Waffenge⸗ walt zu schwaͤchen suchte, da mit oder ohne diesen Akt der Russi⸗ sche Einfluß nicht mehr und nicht minder bestehen wuͤrde. In— zwischen koͤnnen außerordentliche Dinge sich ereignen, die aller⸗ dings die Pforte wie die Maͤchte in die schwierigste Lage verse⸗ zen duͤrften. Syrien bietet dazu ein weit aussehendes, gefaͤhr⸗ liches Feld dar. Die Anwesenheit Ibrahims macht sich in die⸗ ser Provinz taͤglich mehr fuͤhlbar, die Unzufriedenheit nimmt zu, und mehrfache Versuche zum Aufstande, die freilich miß⸗ gluͤckten, Jind bereits gemacht worden. Koͤnnte die Pforte sich entschließen, dort einzuwirken, und den Syriern einigen Vor⸗ schub zu leisten, so wuͤrde es bald zu einer gewaltigen Explosion kommen, deren Folgen unberechenbar waͤren, da dann die Feind⸗ seligkeiten zwischen dem Sultan und Mehmed Ali einen noch entscheidenderen Charakter annehmen muͤßten. Wer dabei den Sieg behalten wuͤrde, mag zweifelhaft seyn, jedenfalls aber wuͤrden die Maͤchte bei dem Kampfe nicht ruhig zusehen, und es koͤnnte zu den unaufloͤslichsten Verwickelungen kommen. Dies ist es, was die hiesige Diplomatie allein aͤngstigt.

Griechenmnland.

Bayerische Blaͤtter enthalten in einem „Auszug aus den Mittheilungen eines aus Griechenland zuruͤckgekehrten Grie⸗ chenfreundes“ Folgendes: „Schon hat man angefangen, den Plan fuͤr den Straßenbau in Ausfuͤhrung zu bringen, und zu dem Ende sind in Athen, Missolunghi und Nauplia Pionier⸗Compagnieen aufgestellt. Die Straßen sind bereits in Disteikte getheilt und auf den bestimmten Punkten Baracken fuͤr die Arbeiter und Aufseher angelegt. Schon im Fruͤhjahre dieses Jahres (1834) ward ein sehr ausgezeichneter und fuͤr diesen Auftrag ganz geeigneter Ar⸗ tillerie⸗Offizier und Chef einer Ouvriers⸗Compagnie, der Haupt⸗ mann von Auerweck, von der Regentschaft nach Triest gesandt, um das saͤmmtliche Material zu den Werkzeugen fuͤr den Stra⸗ ßenbau, so wie alle noch fehlenden Werkzeuge fuͤr die Werkstaͤt⸗ ten der drei Ouvriers⸗Compagnien, im Betrage von 900,000 Drachmen, einzukaufen. Ohne Zweifel wird dieser Einkauf schon vollzogen, und die Ouvriers⸗ und Zeughaus⸗Werkstaͤtten werden so vollstaͤndig eingerichtet worden seyn, daß der Straßenbau bald mit Kraft angegriffen werden kann. Im ganzen Lande umher sind Ingenieur⸗Offiziere detaschirt, welche mit verschiedenen Bau⸗ und Kultur⸗Zwecken beschaͤftigt werden, wodurch nebenbei nicht selten im tiefsten Schoß der Wildniß ruhende, noch ganz unbekannte Alterthuͤmer entdeckt werden. Ein ganz besonderes Verdienst erwarb sich in dieser Beziehung der, um Griechen— lands Ruhe und Wohlfahrt so bemuͤhte Oberstlieutenant v. Al⸗ bert, Kommandant des 11ten Koͤnigl. Bayerischen, aus Griechen- land nunmehr zuruͤckgekehrten Linien⸗Regiments, in der Ei⸗ genschaft als Kommandant von Livadien, indem er den Loͤwen, welchen einst Philipp von Macedonien auf dem Schlachtfelde von Chaͤronea als Siegeszeichen setzte, den die Griechen aber vergraben hatten, entdeckte und ans Licht bringen ließ. Er ist noch ganz wohl erhalten, und aus zwei Haͤlften zusammenge⸗ setzt. Die Regentschaft wird diesem zweitausendjaͤhrigen Denk⸗ male eine ehrenvolle Bestimmung geben. Nur eine so emsige Sorgfalt, wie diese sie uͤbt, ist geeignet, Griechenland dem Schutte der Verwilderung und Zerstoͤrung zu entreißen. So wuͤrden Philhellenen, wenn sie nach Hellas zuruͤckkehrten, Nau⸗ plia kaum wieder erkennen, so sehr ist es ausgebaut und verschoͤ⸗ nert worden. Nicht allein sind fast alle Ruinen verschwunden, sondern auch ganz neue Straßen in der Gegend des Hafens an⸗ gelegt worden. Argos hat sich verschoͤnert; Korinth denkt auf

Vergroͤßerung; Tripolitza, Arkadiens Hauptort, oder wenn man

will, die Hauptstadt von Morea, Navarin, Kalamata, Koron und Modon, des bluͤhenden Messeniens freundliche Staͤdte, ge⸗— winnen an Leben und Einwohnerzahl. Missolunghi erwacht aus seinem Todesschlaf, Patras bluͤht als Handels⸗Stadt und Athen wird einst wieder die Krone tragen. dort viele Baulust, und wie wird diese erst erwachen, wenn zu dem neuen Athen am Pyraͤus der Grundstein gelegt ist, und die Kandioten, Samioten und Chioten als Kolonisten sich ansiedeln! So soll auch auf der Stelle, wo das alte Sparta stand, sich ein neues erheben, und, wo moͤglich mit Ruͤcksicht auf die noch vorhandenen Fragmente, nach dem alten Plan gebaut werden; indessen finden sich leider wenig Spuren der alten Hauptstadt Lacedaͤmons. Plaͤtze in Griechenland sind: Akrokorinth mit seinem Fort, Nauplia mit den Palamides, Itschkale und Burtzi, die Akro⸗ polis von Athen, Negropont, Missolunghi, Vonitza, Monem⸗ basia, Modon, Koron und Zeitun, das alte Lamia, im Ange⸗ sicht der Thermopylen. Außerdem giebt es noch eine Menge fester Punkte und alter Venetianischer Kastelle, die aber mehr oder weniger verfallen, oder wirklich geschleift sind, und welche die Griechen, wenn man fragt, selten zu nennen wissen, und mit dem allgemeinen Namen „Castro“ bezeichnen, welches Schicksal selbst die Truͤmmer von Mycene haben. Nauplia ist eine ziem⸗ lich starke Festung, und hat noch dazu drei Forts, die es schuͤtzen. Palamides nimmt sich majestaͤtisch aus; es liegt auf einem ho⸗ hen malerischen Felsen. Indessen ist es doch von den angraͤn⸗ ütden Hoͤhen zu nehmen, und die Tuͤrken hatten es beinahe erobert.. . .

Schon jetzt sieht man

Die ersten festen

GC1

Berlin, 11. August. Der 3. August hatte in diesem Jahre fuͤr die Stadt Meseritz eine dreifach wichtige Bedeu⸗ tung, indem mit dem Allerhoͤchsten Geburtsfeste zugleich die Feier der Einweihung der dortigen neuen evangelischen Kirche und diejenige der Einfuͤhrung der der Stadt von des Koͤnigs Majestaͤt Aller⸗ gnaͤdigst verliehenen revidirten Staͤdte Ordnung verbunden war.

„Die hiesige evangelische Kirche“, so schreibt man von dort, „war mit saͤmmtlichen Pfarr- und Schul⸗Gebaͤuden und dem Glockenthurme am 11. Mai 1827 ein Raub der Flammen ge⸗ worden. Ungeachtet die hiesige Stadt an diesem Tage, so wie durch eine fruͤhere große Feuersbrunst am 18. April 1824 fast gänzlich eingeaͤschert worden war, und ungeachtet zu der Wieder⸗ herstellung nur eine verhaͤltnißmaͤßig geringe Brand⸗Entschädi⸗

gung zu Gebote stand, so wurde dennoch außer den Pfarr⸗ und Schul⸗Gebaͤuden eine Kirche wieder aufgebaut, die jetzt als ein schoͤnes Denkmal des frommen Sinnes unserer Gemeine dasteht. Denn schon wenige Tage nach dem Brande sprach sich eine all⸗ gemeine Begeisterung fuͤr den Wiederaufbau aus, und der Er⸗ trag der ersten dafuͤr veranstalteten Sammlung ergab in wenigen Tagen eine Summe von 6000 Rthlr. Fortwaͤhrend mehrte sich dieser Betrag, und es wurde, in der Zuversicht auf nahe und ferne Huͤlfe, das Werk begonnen. Doch weit uͤber die Kraͤfte der durch eigenes Ungluͤck hart betroffenen Gemeinde sties der Bedarf; die unerschwingliche Summe von 44,000 Rthlr. war mit Aufopferung der letzten Kraͤfte bei weitem noch nicht zu drer Viertheilen gedeckt; da wurden durch die vaͤterliche Huld unsers gnaͤdigen Koͤnigs alle bange Sorgen zerstreut, und ein Allerhoͤch⸗ stes Gnaden⸗Geschenk von 10,000 Rthlr. setzte uns in den Stand, das angefangene Werk zu vollenden. So wie gleich anfaͤnglich Alle im Darbringen von Opfern fuͤr Vollendung des Baues selbst wetteiferten, so dauerte die Bereitwilligkeit dazu noch fort, als 7 Jahre spaͤter der Tag der feierlichen Einweihung nahte. Es erstand ein neues Streben fuͤr die innere Ausschmuͤckung der Kirche, und es wurden uns zu diesem Behufe noch werth⸗ volle Geschenke hiesiger Gemeindeglieder zu Theil, wie auch von einem entfernten Wohlthaͤter ein Altar⸗Gemälde, welches der be⸗ kannte Historienmaler Herr Huͤbner in Duͤsseldorf ausfuͤhrt, das aber erst in einigen Monaten hier anlangen wird. Wir hatten daher am 3. August das erhebende Gefuͤhl, einen Tempel einzu⸗ weihen, der ausschließlich durch die milden Gaben eines kirch⸗ lich frommen Sinnes aufgebaut worden war. Zur Verherrli⸗ chung des seltenen Festes waren der Ober⸗Praͤsident, Herr Flott⸗ well, und der evangelische Bischof und General⸗Superintendent Dr. Freymark in unserer Mitte erschienen. Nachdem am 31. Juli die Wahl der neuen Stadtverordneten unter Theilnahme der naturalisirten und zu Buͤrgern der Stadt aufgenommenen Bekenner des mosaischen Glaubens stattgefunden, in dieser Provinz der erste Fall einer wirklichen Theilnahme der Israeli⸗ ten an den stadtbuͤrgerlichen Rechten ihres Wohnsitzes, und zu⸗ gleich die faktische Buͤrgschaft fuͤr die prompte und redliche Voll⸗ ziehung des Gesetzes vom 1. Juni 1833 nachdem ferner am 1. August die Vereidigung der am Tage zuvor gewaͤhlten Stadt⸗ verordneten und am 2. August die Wahl des neuen Magistrats vorgenommen worden, verkuͤndete am Vorabende des Aller⸗ hoͤchsten Geburtsfestes das Gelaͤute aller Glocken und der Don⸗ ner des Geschuͤtzes die bevorstehende Feier. Der dritte August verwandelte die Stadt in einen großen Festsaal; die Haͤuser waren mit Festons von Blumen und Eichenlaub geschmuͤckt; in verschiedenen Straßen erblickte man Ehrenpforten mit dem Aller⸗ hoͤchsten Namenszuge geziert, und hier und da Veranstaltungen zur festlichen Erleuchtung der Stadt fuͤr den Abend. Nachdem sich von fruͤh 7 Uhr an die verschiedenen Corporationen und Autori⸗ taͤten bei ihren Vorstehern und Chefs versammelt hatten, begab sich der ganze Zug nach dem Versammlungsorte der Gemeinde, dem evangelischen Begraͤbniß⸗Kirchhofe in der Posener Vorstadt, wo in dem interimistischen Gotteshause der Ober⸗Prediger Vater eine kurze Abschiedsrede hielt, und von dort nach der neuen Kirche. Nach einem kurzen Gesange betrat hier der Bischof Dr. Freymark den Altar und hielt die Einweihungs⸗Rede, nach deren Beendigung der Gottesdienst in gewoͤhnlicher Ordnung mit Liturgie und Predigt gehalten und zum Schlusse das Tedeum angestimmt wurde. Aus der Kirche begab sich der Zug in der fruͤhern Ord⸗ nung nach dem Rathhause in den festlich geschmuͤckten Magi⸗ strats⸗Sitzungs⸗Saal, in dessen Mitte die Buͤste Seiner Maj. des Koͤnigs aufgestellt war. Nachdem der Herr Ober⸗Praͤsident, die neuen Magistrats⸗Mitglieder, die neuen Stadtverordneten und deren Stellvertreter, und saͤmmtliche Beamte der verschiedenen Dikasterien thre Plaͤtze eingenommen hatten, hielt der Ober⸗Praͤsidial⸗ Kommissarius, Ober⸗Regierungsrath Suͤvern, eine Rede, worin er die Mittel zur Erreichung wahren Buͤrgergluͤckes und gemeinsamen Wohles entwickelte, und die Repraͤsentanten der Kommune zum ein⸗ muͤthigen Streben nach diesem Ziele ermahnte. Hierauf wurden die neuen Magistrats⸗Mitglieder vereidigt und introducirt. Zum Schlusse hielt noch der Herr Ober⸗Präsident einen Vortrag, wodurch er die Versammlung an die vielen Beweise der Koͤnig⸗ lichen Huld erinnerte, die der hiesigen Stadt zu Theil geworden, dann aber zur hoͤchsten und freudigsten Ueberraschung verkuͤn⸗ digte, daß Se. Maj. geruht haͤtten, außer den, zur Unterhal⸗ tung der hiesigen Koͤniglichen Realschule auf 10 Jahre bewillig⸗ ten 1500 Rthlr., eine immerwaͤhrende jaͤhrliche Dotation von 3000 Rthlr. zu bewilligen. Um 3 Uhr fand ein von der Stadt veranstaltetes großes Festmahl von 108 Couverts statt, bei wel⸗ chem der Herr Ober⸗Praͤsident den Toast auf das Wohl Sr. Maj. des Koͤnigs ausbrachte, der mit unbeschreiblicher Begeiste⸗ rung aufgenommmen wurde, und an den sich das Volkslied an⸗ schloß. Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverord⸗ neten uͤberreichten darauf dem Ober⸗Praͤsidenten, Herrn Flottwell, das Ehren⸗Buͤrgerrecht. Mit einbrechender Dunkelheit war die ganze Stadt festlich erleuchtet.“

Auch in Salzwedel erhielt die Feier des Zten August in diesem Jahre noch eine besondere Wichtigkeit. Auf die von den beiden Stadt⸗Behoͤrden an des Koͤnigs Majestaͤt gemachte An⸗ zeige von der am 15. April d. J. begangenen 700 jäͤhrigen Feier der Belehnung des Markgrafen Albrecht des Baͤren mit der damaligen Markgrafschaft Soltwedel, hatten naͤmlich Allerhoͤchstdieselben, unter Bezeugung Ihres Wohlarcfallens, der alten treuen Stadt zum Andenken an jene Feier Jor Brustbild uͤbersenden zu lassen geruht, um solches in dem Sitzungs⸗Saale des Magistrats auf⸗ haͤngen zu lassen. Zur Enthuͤllung dieses Gemaͤldes war nun der Ite August bestimmt und, außer den Militair⸗, Civil, und staͤdtischen Behoͤrden, die gesammte Buͤrgerschaft zur Theilnahme an dieser Feier eingeladen worben. Demnach versammelte sich Vormittags um 11 Uhr, nach beendigtem Gottesdienste, eirn⸗ zahlreiche Gesellschaft in dem großen Audienz⸗Saale des Ra h⸗ hauses. Der Buͤrgermeister v. Bennigsen⸗Foͤrder eroͤffnete die Feler durch eine Rede an die Versammlung, in der er die Veranlas⸗ sung des Festes in wenigen Worten auseinandersetzte, und nach deren Beendigung das Bild enthuͤllt wurde. Hierauf ergriff der