1834 / 228 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

1u

wurde zur Abstimmung geschritten,

zweite Lesung der Bill. Anwesende.. durch Vollmacht

und es stimmten fuͤr die

85 104 EEME 189 so daß die Bill mit einer Mojoritaͤt von 67 Stimmen ver⸗ worfen wurde. Unterhaus. Sitzung vom 11. August. Herr Grat⸗ tan richtete eine Frage in Betreff der Cholera in Irland an Herrn Littleton, und aus der Antwort des Letzteren ging her⸗ vor, daß die Krankheit dort wieder sehr im Zunehmen ist. Dann wurde die Armen⸗Bill mit den von den Lords dazu angenom⸗ menen Amendements wieder dem Unterhause vorgelegt. Herr Hughes trug auf Verwerfung derselben an; diese Motion wurde aber mit 79 gegen 24 Stimmen beseitigt. Die 18te Klausel der Bill, wie sie das Unterhaus angenommen hatte, war vom Ober⸗ hause verworfen worden, und ersteres beschloß nun nach einigen Debatten einstimmig, dieses Amendement des letzteren nicht zu genehmigen. Es soll daher deshalb um eine Konferenz mit dem Oberhause nachgesucht werden, um demselben die Gruͤnde darzulegen, weshalb das Unterhaus von seiner Ansicht abweicht. Eine andere Abstimmung wurde durch Lord Somerset’s An⸗ trag, daß die Klauseln uͤber die unehelichen Kinder in der vom Oberhouse veraͤnderten Gestalt ganz weggelassen werden sollten, veranlaßt; die Motion ward mit 50 gegen 19 Stimmen ver⸗ worfen. Ein von Herrn Aglionby vorgeschlagenes Amende⸗ ment, in gewissen Faͤllen keine andere Beweise fuͤr die Vater⸗ schaft, als den Eid der Mutter, zu fordern, siel ebenfalls durch; es ergaben sich 4 Stimmen dafuͤr und 44 dagegen. Die uͤübri⸗ gen von den Lords vorgenommenen Amendements passirten, und die Bill hat demnach Gesetzeskraft erhalten. Am Schlusse der Sitzung trug Lord Althorp darauf an, daß sich das Haus bis zum 15ten vertagen solle; die Irlaͤndischen Mitglieder J. Grattan und Ruthven fanden dies zwar zu lange, fuͤr den Fall, daß die Irlaͤndische Zehnten⸗Bill im Oberhause verworfen wuͤrde, weil dann schleunige Maßregeln zum Ersatz fuͤr dieselbe noͤthig seyn duͤrften; die Vertagung wurde jedoch beschlossen, da das Schicksal dieser Bill erst zwei Stunden spaͤter im Ober⸗ hause entschieden wurde.

dagegen Anwesende .... durch Vollmacht

gwvondon, 12. August. Die Herzogin von Kent und die Prinzessin Victoria kamen am Dienstag in dem Brunnen⸗Ort Tun⸗ bridge an, wo sie mit dem groͤßten Enthustasmus empfangen wurden.

Im Devonport Telegraph heißt es: „Ein Sohn des Prinzen von Oranien, der eine Charge in der Hollaͤndischen Marine heokleidet, wird taͤglich aus Rußland in unserem Hafen erwartet, und es sind Befehle hier eingegangen, ihn mit allen seinem Range gebuͤhrenden Ehrenbezeugungen zu empfangen“

Heeute fruͤh wurde ein Kabinets⸗Rath gehalten. 3

Man glaubt jetzt, daß die Prorogation des Parlaments nicht vor dem 15ten oder 18ten d. M. wuͤrde stattfinden koͤnnen.

Dem Grafen Grey ist eine Adresse von dem Gemeinderath uͤberreicht worden, die am 9ten d. in einer Versammlung dessel⸗ ben votirt wurde, und worin dem Grafen fuͤr seine dem Staat geleisteten Dienste gedankt wird. 1

Es wird jetzt als ganz bestimmt versichert, daß der Herzog von Norfolk den durch den Tod des Grafen Bathurst erledigten Hosenband⸗Orden erhalten werde.

Der Fuͤrst Talleyrand ist noch nicht abgereist; er hatte heute fruͤh noch eine Unterredung mit Lord Palmerston. 8

Bei der Parlaments⸗Wahl zu Gilocester hatte gestern, am Schlusse des ersten Wahltages, der Tory⸗Kandidat Herr Codring⸗ ton die Mehrheit der Stimmen, naͤmlich 2292, waͤhrend seinem Gegner, Herrn Leigh, nur 2180 zu Theil geworden waren.

Es scheint jetzt gewiß, daß Herr Frankland Lewis zum er⸗ sten Armen-⸗Kommissar ernannt werden werd.

Der Brastlianische General⸗Konsul fuͤr Frankreich ist von Rio⸗Janeiro hier angekommen. 1 1

Herr O'Connell ist noch in London, waͤhrend einige Blaͤtter ihn schon seit ein paar Tagen nach Irland zuruͤckgekehrt seyn ließen; er hatte gestern eine Unterredung mit Lord Althorp.

Mit Hinsicht auf die Verwerfung der Irlaͤndischen Zehnten⸗ Bill im Oberhause sagt der Globe: „Das Publikum wird den Charakter Heis! fen worden ist, kennen zu lernen wuͤnschen. Die Zehnten von Irland wurden nach ihrem Nominal⸗Werth abgeschaͤtzt. Die Zehn⸗ ten⸗Bill bestimmte, daß die Geistlichkeit fuͤr jede 100 Pfd. dieses Nominal⸗Betrages 60 pCt. von den Gutsbesitzern und 20 pCt. aus dem konsolidirten Fonds empfangen und daß diese 20 pCt. durch e Einkuͤnfte der vermoͤge einer fruͤhern Parlaments⸗Akte aufgehobe⸗ nen Bisthuͤmer gedeckt und in den konsolidirten Fonds zuruͤckgezahlt werden sollten. Auf diese Weise sicherte die vom Oberhause verwor⸗ fene Zehnten⸗Bill der Irlaͤndischen Geistlichkeit 80 pCt. von dem Nominal⸗Werth ihrer Zehnten. Von diesem Nominal⸗Betrage vermochte sie an vielen Orten nicht uͤber 10 Ct. einzutreiben, und dies noch mit Gefahr ihres Lebens, mit Huͤlfe des Bajonets, unter Greueln und Blutvergießen. Jetzt werden sie gar nichts erhal⸗ ten; sie muͤssen betteln gehen oder verhungern. Ein Trost jedoch verbleibt uns. Durch die gestrige Entscheidung hat die Tory⸗ Partei ihr End⸗Urtheil uͤber ihr eigenes Schicksal besiegelt und sich fuͤr ewige Zeiten von der Regierung des Landes ausgeschlossen. Das aufgeklaͤrte England verachtet sie; wollten sie noch einmal ihr bigottes Scepter schwingen, so wuͤrde das gekraͤnkte und ge⸗ folterte Irland uͤber den Haͤuptern seiner Unterdruͤcker seine Ket⸗ ten brechen. Man hat nicht zu erwarten, daß die Minister in Folge der Verwerfung der Irlaͤndischen Zehnten⸗Bill von Sei⸗ ten der Lords einen direkten Schritt thun werden, da es fuͤr's erste hinreichen wird, mit gcehoͤriger Aufmerk⸗ samkeit auf die Bewahrung der oͤffentlichen Ruhe diese Verwerfung zu ihrer eigenen Verdammniß wirken zu lassen. Das Publikum wird natuͤrlich fragen, ob der Herzog von Wel⸗ lington einen Theil seines Einkommens zur Unterstuͤtzung der Irländischen Geistlichkeit hergeben will, und ob Lord Ellenbo⸗ rough, der die Verwerfung der Bill vorschlug, auf einige von den bedeutenden Einkuͤnften, die er von seinen Sinekuren bezieht, zu verzichten gesonnen ist, um der Hungersnoth vorzubeugen, die das gestrige Votum des Oberhauses herbeifuͤhren duͤrfte.“

Das Koͤnigliche Dampfboot „Medea“, welches am Donner⸗ stag von Coruna in Portsmouth anlangte, hatte auf seiner Hin⸗ reise einen Spanischen Courier an VBord, den es nach Bilbao und dann nach Corunia brachte, und der an allen zwischen diesen beiden Plaͤtzen liegenden Hafenorten mit ansprach, um, wie es scheint, den Behoͤrden irgend eine geheime Nachricht mitzu⸗ theilen. 1 Die hier wohnhaften Verwandten des Herrn Bertrand de Lys, der als einer der Raͤdelsfuͤhrer bei den vor dem 26. v. M.

9ö,v1 * 9 1 4

in einem Lande unternommen worden.

der Maßregel, die von der erblichen Weisheit verwor⸗

Hofe ein.

chem siehen Fuͤrstliche Damen strahlten;

928 in Valencia vorgefallenen Unruhen auf Befehl des Generals Valdez erschossen worden seyn sollte, haben Briefe aus Valen⸗ cia vom 29sten v. und aus Madrid vom 2ten d. M. von ihren dortigen Bekannten erhalten, worin davon keine Rede ist, so daß man die Wahrheit jener Nachricht in Zweifel zieht.

Der Courier widerruft heute die gestern von ihm gege⸗ bene Nachricht, daß der beruͤhmte Tenorist Braham ploͤtzlich an der Cholera gestorben sey.

1 greift die Cholera wieder sehr um sich; es sind schon mehrere angesehene Personen ein Opfer derselben geworden.

Briefe aus Kalkutta vom 26sten Maͤrz melden den Tod des bekannten Radschah Rana Madhu Serigh, Sohnes des Zalim Sing, der sich durch seine Verwaltung von Kota beruͤhmt gemacht hat. Ihm folgt mit Zustimmung aller Klassen der Be⸗ voͤlkerung sein Sohn Madden Sing in der Regierung.

Im Boͤrsenbericht der Times heißt es: „Die Berichte aus

New⸗ York bestaͤtigen vollkommen die gehegte Vermuthung, daß

der in dem verhaͤttnißmaͤßigen Muͤnzwerthe des Goldes und Silbers der Unson vorgenommenen Veraͤnderung eine große Nachfrage nach Gold folgen duͤrfte. Es ist klar, daß die Re⸗ gierung des General Jackson mit sehr raschen Schritten eine der groͤßten Reformen im Muͤnzwesen zu Stande bringt, die je

und ungemünzten edlen Metallen schon fuͤr 4 Millionen Pfund

Sterling von Europa in den Vereinigten Staaten eingegangen,

und es wird noch eine weitere betraͤchtliche Einfuhr erwartet. Uebrigens ist weohl zu bemerken, daß damit, daß die Staats⸗

weges zu verstehen ist, als ob es dann in den Vereinigten Staa⸗ ten gar keine Schuld mehr geben wuͤrde. Die Schulden der

einzelnen Staaten betragen zusammen eine ungeheure Summe.“

NMiedevylande.

Amsterdam, 13. August. Die hier bestehende Gesellschaft „tot Nut van't Allgemeen“, welche sich durch ihre jaͤhrlichen Preis⸗Vertheilungen, so wie uͤberhaupt durch gemeinnuͤtzige Zwecke auszeichnet, feierte heute ihr 50 fjaͤhriges Jubilaͤum durch Reden in glaͤnzender Versammlung, so wie durch verschiedene Musik⸗ Auffuͤhrungen. Die Gesellschaft zaͤhlt jetzt im ganzen Lande 11,500 Mitglieder, die in 193 Sectionen vertheilt sind.

Der Buchhaͤndler Thompson hat erklaͤrt, von dem ihm zu⸗ stehenden Rechte, auf Cassation des uͤber ihn verhaͤngten Urtheils anzutragen, keinen Gebrauch machen zu wollen.

Beigiten.

Bruͤssel, 12. August. Aus ist zur Staats⸗Minister ernannt worden, wird sedoch, wie der Moni⸗ teur ausdruͤcklich bemerkt, keinen Sitz im Minister⸗Rathe aben. 3 1 Man sieht bereits uͤbermorgen der Ruͤckkehr des Koͤniglichen Paares aus Flandern entgegen.

Lord Seymour ist von hier nach Paris abgereist.

8 Deutschland. Muñnchen, 10. Aug. Das Regierungs⸗Blatt enthaͤlt folgende Bekanntmachung: „Staats⸗ Ministerium des Innern und der Finanzen. Se. Maj. der g haben im Vollzuge des unterm 1. Juli d. J. sanctionirten esetzes, die Erbauung eines Kanals zwischen der Donau und dem Rheine betreffend⸗ eine eigene Kommission zu ernennen geruht, bestehend unter dem Vorsitze des Koͤnigl. Geh. Raths v. Klenze, von Seiten des Koͤ⸗ nigl. Staats⸗Ministeriums der Finanzen: aus dem Koͤnigl. Geh. Rathe v. Wirschinger und Ministertalrathe v. Knorr; dann von Seiten des Koͤnigl. Staats⸗Ministeriums des Innern: aus dem Koͤnigl. Ministeriakrathe Kleischrod und dem Koͤnigl. Oberbau⸗ rathe Frhrn. v. Pechmann. Die Aufgabe dieser Kommission ist: Alles auf den Vollzug des Gesetzes Bezuͤgliche zur gemeinsamen Beschlußfassung berder Staats⸗Ministerien vorzubereiten, mit den zur Begruͤndung des Kanal⸗Unternehmens geneigten Kapitalien⸗ Besitzern sich unmittelbar zu benehmen, die an sie gelangenden Anfragen zu beantworten, die Aetien zu sammeln, vorerst und so lange die zur Wahl eines Direktortums noͤthige Zahl von Actionairen nicht subskribirt seyn wird, die Stelle des Direkto⸗ riums zu vertreten, und Alles aufzubieten, um den schnellen und vollstaͤndigen Vollzug des erwaͤhnten Gesetzes zu bewirken. Diese Alterhoͤchste Anordnung wird hiermit durch das Regie⸗ rungsblatt mit der Aufforderung zur oͤffentlichen Kenntniß ge⸗ bracht, alle auf die Erbauung eines Kanals zwischen der Donau und dem Rheine bezuͤglichen Anfragen und Vorschlaͤge ausschlie⸗ ßend an die obenerwaͤhnte Kommission, als die zu Unterhand⸗ lungen allein kompetente Behoͤrde, zu richten. Muͤnchen, den „August 1834.“ 1 Aagh Vernehmen nach hat das Koͤnigl. Staats⸗Ministerium des Innern bereits eine Kommission zur Leitung der diesjaͤhri⸗ gen Industrie⸗Ausstellung niedergesetzt, welche alle Vorbereitun⸗ gen zu treffen hat, damit diese Ausstellung auf eine wuͤrdige Weise stattfinden koͤnne. Es soll eine bedeutende Anzahl golde⸗ ner und silberner WJE“ Belohnung der ausgezeichnetsten ikanten ausgetheilt werden. Nhf gshe eatssecg Aug. Se. Maj. der Koͤnig und Ihre Koͤnigl. Hoh. die Prinzessinnen setzen, nach den gestern aus Ca⸗ stellamare eingegangenen Nachrichten, Ihre Badekur daselbst mit dem besten Erfolge fort und werden unmittelbar nach Beendi⸗ gung derselben die Ruͤckreise nach Stuttgart antreten.

Gestern Abends sind Ihre Maj. die Koͤnigin mit Ihrer Koͤnigl. Hoh. der Prinzessin Auguste und Gefolge aus den Baͤ⸗ dern von Karlsbad, nach hh G Aufenthalte, in erwuͤnschtem Wohlseyn wieder hier eingetroffen. *

t Wäns stadt, 7. August. Ihre Majestaͤt die Koͤnigin Ka⸗ roline von Bayern, Schwester unserer Großherzogin, verweilt seit mehreren Wochen am hiesigen Hofe. Vor einigen Tagen traf auch die Großherzogin Stephanie von Baden mit ihren Prinzessinnen Toͤchtern, Josephine und Marie von Baden, dann der Prinz von Wasa mit Gemahlin (gleichfalls einer Tochter der Großherzogin Stephanie) zum Besuche am Großherzoglichen Haͤufig macht die Großherzogliche Familie kleine Aus⸗ fluͤge mit ihren hohen Gaͤsten in die freundliche Umgegend von Darmstadt, wo die Bergstraße und der Odenwald reizende Aus⸗ sichten darbieten. Vorgestern speisten sie auf dem nahen Jagd⸗ schlosse Kranichstein, das von den herrlichsten Wald⸗Partieen um⸗ geben ist, deren prachtvoller Baumschlag und anmuthiger Schat⸗ ten einst Goethe und Herder so entzuͤckte. Gestern Abend er⸗ schienen sie im Großherzoglichen Hof⸗ Opern⸗ Theater, wo der Wiener Hof Saͤnger Wild verschiedene große Scenen aus Opern darstellte und dabei von neuem seinen Ruf als einer der ersten dramatischen Saͤnger Deutschlands bewaͤhrte. Mit noch groͤße⸗ rer Theilnahme aber erblickte das sehr zahlreich versammelte Publikum diesen Kreis Fuͤrstlicher Personen, an welche sich auch so manche interessante historische Erinnerung reiht, und in wel⸗ unter ihnen unsere lie⸗

Es sind an gemuͤnzten 8 1 ger vele zweiten Ausschuß beschaͤftigt, ist der Art. 72. und 73. der Va⸗

Herr August Duvivier ist zum Beruf kund gegeben.

benswuͤrdige Erb⸗Großherzogin, die Bayerische Koͤnigstochter. E war ein schoͤner Verein der durch die Bande der Freund⸗ und Verwandtschaft so innig verbundenen hohen Haͤuser, Bayern Baden und Hessen, den man hier erblickte. b -

Darmstadt, 10. August. Bald werden die in der zwei ten Kammer der Staͤnde vorkommenden Gegenstaͤnde wichtiger werden, als in den letzten Wochen. Außer dem Berichte uͤber das vorgelegte Forst⸗Strafgesetz, welcher im zweiten Ausschuse vorbereitet wird, ist man dort mit den Regierungs⸗Commissaiten in Unterhandlung wegen des Art. 103 der Verfassungs⸗Urkunde, wonach fuͤr das ganze Großherzogthum ein buͤrgerliches Geset buch, ein Straf⸗Gesetzbuch und ein Gesetzbuch uͤber das Ver⸗ fahren in Rechtssachen eingefuͤhrt werden soll. Dieser Artzkal war schon Gegenstand der Berathung auf dem vorigen Landtage. Eine Vereinigung zwischen der zweiten Kammer, welche die Rhein⸗Hessische Gesetzgebung mit den von der Erfahrung a wuͤnschenswerth bezeichneten Abaͤnderungen wollte, und der Staats Regierung, welche besonders an der Einfuͤhrung des Geschwornen, Gerichts diesseits des Rheins Anstoß nahm, kam aber damals nicht zu Stande. Neulich aber erklaͤrten die Regierungs⸗Commissaitt, daß das Gesetzgebungswerk seit dem vorigen Jahre ruhe. Mma wird nun sehen, ob, und zu welchem Resultate die neuen Unter, handlungen fuͤhren. Ein anderer Gegenstand, welcher da

fassungs⸗Urkunde. Die Regierungs⸗Commissaͤre behaupten naͤm, lich, gesezliche Bestimmungen nach Art. 73. der Verfassung —†

wonach der Großherzog, ohne staͤndische Mitwirkung, in drin

Schuld der Union naͤchstens ganz abgetragen seyn wird, keines⸗ genden Fällen selbst das Noͤthige zur Sicherheit des Staane

vorkehren darf von dem Großherzog erlassen, beduͤrften der

Zustimmung aller Staats⸗Gewalten, also auch namentlich zu Staats⸗Regierung, um wieder aufgehoben zu werden. Mit di⸗ ser Ansicht konnte sich aber bis jetzt der zweite Ausschuß nicht

befreunden. 88 Frankfurt a. M., 12. August. In diesem Augenblich macht die Erscheinung und Verhaftung eines Volks⸗Predigert

in dem nahen Offenbach, wo auch Proli, der Gesalbte, sein Wesen eine Zeit lang trieb, den Gegenstand des allgemeinen Ge⸗

spraͤches aus. Dieser junge Bursche von etwa 26 Jahren sst ein Bauer, und fuͤhrte sonst einen exemplarischen Lebenswandel Sein Name ist Hermann. An Ostern will er eine goͤttliche Er⸗ scheinung gehabt haben, welche ihn bestimmt habe, das Vil⸗ oͤffentlich zu lehren. Er giebt naͤmlich vor, er sey in seinm Hofe auf einem aus dem Felde, seiner ungevoͤhnlichen Bildum wegen, mitgebrachten Steine gesessen; da sey eine weiße Walh zu ihm niedergeschwebt, und eine Stimme habe ihm seinen neun Darauf nahm er die Bibel noch fleißige Der Stein, auf welchem er saß, sey ia Augenblicke der Erscheinung geborsten, und in dem Risse seyg nun biblische Charaktere zu schauen. Zuerst hielt er seine Vorh traͤge in seiner Stube vor wenigen Zuhoͤrern; nach und na vergroͤßerte sich sein Ruf, er mußte auf der Straße predign, da die Masse der Zuhoͤrer auf Hunderte stieg, und in den lie ten Tagen uͤber Tausend gewesen seyn soll. Er blieb säe nen Beruss-Geschaͤften treu, und hielt seine Vortraͤge jedn Morgen nach der Vollbringung derselben. Er ermahnee das Volk, den Weg der Tugend zu betreten, da wir eine grofe, Alles erschuͤtternde Begebenheit zu erwarten haͤtten. Er schomt die Geistlichkeit keinesweges und behauptete, daß öIn Thel ihrem hohen Berufe untreu geworden sey. Den Schritten det Behoͤrden, um diese oͤffentlichen Reden zu unterdruͤcken, seßte n den Ausspruch entgegen: Er muͤsse das Volk lehren, wenn auch seiner Feuer und Schwerdt warte. Um nun dem Unwesen dieses immer mehr Einfluß gewinnenden Fanatikers, dessen ei gentlichen Zwecke noch gar nicht zu durchschauen waren, Eiahal zu thun, sah sich die Behoͤrde veranlaßt, ihn zu verhaften. 8 ist gestern unter großem Zulaufe von Menschen, jedoch ohne daf diese eine Widersetzlichkeit zeigten, nach Darmstadt gebract worden.

In Wuͤrzburg ist ein Veteran der dasigen Universitat, Pro fessor Geier sen., am 7ten d. mit Tode abgegangen. b

OestervoeiG.

Witen, 12. August. Se. K. K. Majestaät haben nachse hendes Allerhoͤchst eigenhaͤndig geschriebenes Handbillet an da Geheimen Rath, Staats⸗ und Conferenz⸗Rath, Freiherrn im. Stifft, erlassen: 8

„Lieber Freiherr v. Stifft! Aus Ihrer an Mich geriche ten Vorstellung habe Ich die Hindernisse, welche der Zusten Ihrer Augen nach einer vierzigjaͤhrigen Laufbahn der Fortsezung Ihrer Verwendung bei dem Staatsrathe in den Weg legt, mn den Wunsch ersehen, von diesem Geschaͤfte dieserwegen enthoben zu werden. Indem Ich demselben entspreche, belasse Ich 9-“ nen die Bezuͤge einer Stelle, deren Erfordernisse Sie mit Tre und dem regsten Eifer wäͤhrend einer langen Reihe von Jahta u Meiner Zufriedenheit unausgesetzt erfuͤllten. Ich fuͤge he ser Entschließung den Wunsch bei, daß durch die groͤßere Nüse welche sie Ihnen sichert, Ihre Kraͤfte zur sonstigen Verwendumg um so laͤnger aufrecht erhalten werden. Baden, den 10, 7” gust 1834. Franz.

Der juͤngere Koͤnig von Ungarn ist am 6ten d. M. mit i ner Gemahlin in Linz angekommen, von wo dieselbe ihre Nes nach Gmunden im Salzkammergute fortsetzten.

Im Laufe der vorigen Woche ist der an unseren Hof im nannte Koͤnigl. Sicilianische Geschaͤftstraͤger, Marquis Gaglik, hier eingetroffen, um den bisherigen Geschaͤftstraͤger, Gemfe

Caraffa, zu ersetzen. V

als vorher zur Hand.

Zuͤrich, 9. August. Bei der Berathung der Tagsatzu in Betreff der Bundes⸗Revision stimmten fuͤr Revision dung einen Verfassungsrath Bern und Luzern, mithin 2 Staͤnde, un Basel⸗Landschaft. Sodann erhielt der Modus einer Revist

durch eine Konferenz 3 Stimmen (St. Gallen, Genf und Thu⸗

au). Endlich stimmten dafuͤr, daß zur Fortsetzung der von -- Lagsatzung fruͤher beschlossenen Bundes⸗Revision eine Tagsch zungs⸗Kommission gebildet werde, 13 Stäaͤnde. Der Antrag n St. Gallen, daß dieser Kommission der spezielle Auftrag erthei werde, sich wo moͤglich uͤber die Grundlagen eines neuen Bun des zu verständigen und daruͤber Antraͤge zu machen, erhielt⸗ Stimmen; Bern, Uri, Swyz, Unterwalden, Tessin, Wallis un Basel⸗Landschaft erklaͤrten, an den Kommissional⸗Arbeiten 7 Theil nehmen zu wollen. Stadt Basel und Neuenburg behie ten sich das Protokoll offen. 1 In der zwoͤlften Sitzung der Tagsatzung verlas der Ala⸗ ordnete von Neuenburg eine foͤrmliche Verwahrung gegen 10 Beschluß der Tagsatzung vom 29. Jult ruͤcksichtlich des von ac sem Stande in seinen Beziehungen zur Eidgenossenschaft zu f renden Titels. buj Basel, 9. August. Der Obmann des Schiedsgerichts nc das Endurtheil uͤber das Universitaͤtsgut erlassen. Dem̃zufoll

.

wird das gesammte Gut der Stadt Basel zugetheilt, mit der Verpflichtung, es zu Zwecken wissenschaftlicher Bildung zu ver⸗ wenden. Das in die Theilung Fallende betraͤgt 621,060 Fr.; davon sollen 25 pCt. abgezogen werden, wegen der Anspruͤche der Stadt aus Dotations⸗Urkunden, Untheilbarkeit u. s. w.; der Rest wird getheilt, und zwar so, daß der Landschaft 64 pCt. auszubezahlen sind, deren Betrag sie zu wissenschaftlichen Zwecken u verwenden hat. Mit andern Worten, der Stadttheil hat die sandschaft mit 298,108 Fr. 80 Ct. abzufinden, um welche Summe ihm das uralte Recht und Eigenthum Basels an der Universi⸗ taͤt wieder zugesprochen wird.

Das Journal de Gendve meldet die Ankunft des Ex⸗ Ministers, Herrn d'Argout, in dieser Stadt. „Wir wissen nicht“, sagt es, „ob es wahr ist, wie man uns versichert, daß er mehr⸗ mals mit einigen der Legitimisten, die sich hier aufhalten und unter anderen mit dem Marschall Bourmont zusammengetrof⸗ seh seh e ee

I

Florenz, 7. August. Die heutige Florentiner Zei⸗ tung enthaͤlt eine Großherzogliche Verordnung, wodurch die Stadt Livorno vom 1. August ab fuͤr einen vollstaͤndigen Frei⸗ hafen mit allen fuͤr einen solchen Hafen stattfindenden Ver⸗ guͤnstigungen erklaͤrt wird. Rom, 2. Aug. (Allg. Ztg.) Nach der Ankunft eines Cou⸗ riers berief der Pabst gestern eine außerordentliche Versammlung der Kardinaͤle, worin den Eminenzen die betruͤbte Nachricht mit⸗ getheilt wurde, daß der Kardinal Patriarch von Lissabon, Patri⸗ so da Silva, die Bischoͤfe geweiht habe, welche Dom Pedro er⸗ nannt hatte. In der Rede des Pabstes soll sich das Gefuͤhl eines tief beleidigten Vaters ausgedruͤckt haben, welcher alle Ungerech⸗ tiakeiten eines ungehorsamen Sohnes herzaäͤhlt, der die Priester shche und verfolgt und das Gut der Kirche verschleudert. Er der Franzoͤsischen Revolution nicht vorgekommen, welche in die⸗ ser Hinsicht doch immer die Rechte des Oberhauptes der Kirche und des kanonischen Gesetzes anerkannt habe. Es wurde dar⸗ auf beschlossen, eine zweite Warnung an Dom Pedro zu erlas⸗ sen, damit er von diesem verdammungswuüͤrdigen Wege zuruͤck⸗ kehre. Sollte Dom Pedro diese zweite und letzte Ermahnung nicht hoͤren wollen, so duͤrfte kein Mittel mehr uͤbrig bleiben, als den Bann uͤber ihn zu sprechen. In demselben Konsistorium hat der Papst die uͤbliche Handlung vollzogen, den drei neuen Kardinaͤlen Polidori, Bottiglia und Canali den Mund zu oͤffnen, wodurch sie Stimme in dieser Versammlung erhalten. Der Oesterreichische Botschafter, Hr. v. Luͤtzow, hat uns vor⸗ gestern verlassen und wird erst nach einem mehrmonatlichen Auf⸗ enthalte in Deutschland hier zuruͤck erwartet. Baron Marschall, welcher bereits hier angekommen ist, wird waͤhrend der Abwe⸗ senheit des Grafen die Geschaͤfte uͤbernehmen. Zur Zeit der Repolution in Bologna war Baron Marschall bei dem Kardi⸗ nal Albani, dessen Abtreten von seinem Posten in Bologna da⸗ mals sein Werk gewesen, so wie er auch viel dazu beigetragen haben soll, die Gemuͤther zur Versoͤhnung und zum Gehorsam gegen die Regierung zu bewegen. Der Sicilianische Marquis Spaccaforno, welcher seit laͤngerer Zeit hier lebt, ward von dem Koͤnige von Neapel zum ersten Secretair bei der Gesandtschaft in Paris ernannt. In den letzten drei Monaten Mai, Juni und Juli sind hier und in der Umgegend von den verschtedenen Tribunalen nicht weniger als 132 Individuen zu den Galeeren verurtheilt worden.

88 Spanien Cortes⸗Verhandlungen. Sitzung vom 2. August. Um 10 Uhr war die Kammer ver⸗ sammelt. An der Tageserdnung stand die Eroͤrterung des in der Sitzung vom 31. Juli vorgelegten Abreß⸗Entwurfs. Vor⸗ erst verlas noch der Secretair der Kammer, Herr Angel Saa⸗ vedra, Herzog von Rivas, mehrere Schreiben, worunter eines von dem General Palafox, welcher anzeigte, daß er den Eid nicht habe leisten koͤnnen, weil er in seiner Wohnung verhaftet und ins Gefaͤngniß gebracht worden sey; er rechnete jedoch dar⸗ auf, daß er bald auf sein Ehrenwort in Freiheit gesetzt werden und in der Kammer wuͤrde erscheinen koͤnnen. Nach einer kur⸗ zen Debatte uͤber die Praͤrogariven eines Procers, die der Graf von Parsent veranlaßte, kuͤndigte der Praͤsident an, daß der Adreß⸗Entwurf zur Berathung gebracht werden solle. Ehe noch der erste Paragrarh eroͤrtert wurde, verlangte Herr Ange⸗ Saavedra das Wort. s erhebungen der Koͤnigin⸗Regentin, deren Tugenden und guten Wällen er pries; dann warf er der Kommission vor, daß sie sich nicht weit genug uͤber die Grundlagen verbreitet habe, welche die Nation gebieterisch fordere. Herr Tarrebia Burgos er⸗ wiederte hierauf, daß die Kommission keine andere Pflicht gehabt habe, als sich streng an die Worte der Thron⸗Rede zu halten, wie es ja auch in den Parlamenten von Frankreich und Eng⸗ land stets Gebrauch sey. Der Praͤsident des Minister⸗Rathes, Herr Martinez de la Rosa, meinte, die Regierung habe 89 mehr gethan, als man von ihr zu erwarten berechtigt ge⸗

esen. „Der erlauchte Herzog“, fuhr der Redner fort, „findet, daß das Ministerium sich an das Lülohr. eenh nicht bone⸗ Febng vlcge⸗

Proceres⸗Kammer.

sprochen habe, weil es die Regterungs⸗Geheimnisse nicht enthuͤllt

hat; er sollte jedoch wissen, daß, wenn auch die Einweihung in das Geheimniß einer Sache bei geybriger Discretion nuͤtzen kann, man ich im Gegentheil, wenn man das Publikum zum Vertrauten macht, der Gefahr aussetzt, Alles zu verlieren, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein Jeder dieses Geheimniß nach sei⸗ ner Weise und nach seiner Einsicht beurtheilt. Das Ministerium muß in allen Punkten den Befehlen der Koͤnigin folgen, und die glaͤnzende Zukunft, die sich vor unsern Blicken entschleiert, laͤßt uns das Schoͤnste hoffen. Es handelt sich jetzt nur darum, die Thron⸗Rede zu beantworten, noch nicht darum, alle moͤgliche Re⸗ formen zu verlangen; denn noch ist der Augenblick nicht da, sie zu erfuͤllen. Ein edler Procer hat es bedauert, daß man nicht eine Erklaͤrung uͤber die Rechte der Nation erlassen babe, nach Art der⸗ enigen, die von einer benachbarten Nation bekannt gemacht wurde F. eine unbestimmte Erklaͤrung ohne allen praktischen Nutzen, die eigentlich weiter nichts war, als ein Widerhall des philosophischen edantismus des achtzehnten Jahrhunderts; der Erfolg wuͤrde ihre kutzlosigkeit unter uns zeigen. Der Redner, dem ich antworte, verlangt ie Freiheit der Presse; wir wuͤnschen sie auch. Wir werden gern auf jede Eroͤrterung eingeheu, die von der Presse aufgeworfen werden wird; sther es muß doch ein Jeder eingedenk seyn, daß die Civilisation n diesem Lande erst beginnt, und daß auch den Eroͤrterungen ver⸗ nuͤnftige Graͤnzen gesteckt werden muͤssen. Wir dulden Alles, und fver werden noch mehr dulden. Man hat auch von der Amerikani⸗ hen Frage gesprochen. Ich muß sagen, daß sie der Gegenstand 8g- Betrachtungen im Minister⸗Conseil war; aber die Zuruͤckhal⸗ ung, die eine so wichtige Angelegenheit gebietet, gestattet noch keine ffentliche Erdrterung elner schon an sich so schwierigen Sache, bei 8 die Handels⸗Interessen der Nation aufs tiefste betheiligt sind.

as die Aushoͤhnung der Parteien und die Wiedervereinigung aller

agte ferner, ein solches Schisma sey selbst in der Schreckenszeit

Der Redner erging sich erst in Lobes-⸗

929 8

Spanier in eine einzige Familie anbetrifft, so wuͤnscht Niemand sie so sehr, als das Ministerium. Wir wollen die Fehler der vorigen Regierung nicht entschuldigen. Wir sind nicht ihre Helfershelfer; im Gegentheil, wir befinden uns unter der Zahl ihrer Opfer. Las⸗ sen wir jedoch das Vergangene vergangen seyn, und wenden wir unsere Blicke nur auf die Gegenwart, um die Hoffnungen der Na⸗ verwirklichen und ihr eine ihrer wuͤrdigere Zukunft zu be⸗ reite

Dieser improvisirte Vortrag des Ministers wurde sehr gut aufgenommen. Die Kammer begann sodann die Eroͤrterung des Gesetz⸗Entwurfes. Die drei ersten Paragraphen wurden ein⸗ stimmig angenommen; zu dem Aten, 5ten, 6ten und Fien schlug man einige Amendements vor, die jedoch durchfielen. Als die Kammer zu dem Paragraphen in Betreff des Don Carlos ge⸗ langt war, nahmen mehrere Redner das Wort. Herr Cuadra fragte, ob der General Rodil gemessene Befehle gehabt habe, den Praͤtendenten gefangen zu nehmen. Hierauf erwiederte Hr. Martinez de la Rosa, nachdem er die ganze Reihefolge der diplomatischen Unterhandlungen mit den Kabinetten von Frank⸗ reich und England, die der Abschließung des Quadrupel⸗Traktats vorhergingen, auseinandergesetzt hatte, daß der Praͤtendent, als die Spanische Armee zu Zamora angelangt sey, sich schon am Bord eines Englischen Fahrzeuges befunden habe, und daß ihn folglich die Spanischen Truppen nicht haͤtten gefangen nehmen koͤnnen. Der Redner wiederholte dann das bereits Bekannte in

Betreff des Jahrgehalts, das man dem Don Carlos habe be⸗

willigen wollen, und in Betreff der Konfiszirung seiner Guͤter, als

er sich geweigert, die ihm gestellten Bedingungen, unter welchen er der Die Worte des Ministers schienen großen Eindruck auf die Versammlung zu machen. Hierauf that Herr von San Felius eine Frage in Bezug auf den oͤffentlichen Unterricht, und der Praͤsident des Minister⸗Raths erklaͤrte aufs bestimmteste, daß den Kammern binnen einigen Tagen ein Gesetz uͤber den Elementar⸗Unterricht vorgelegt werden solle, und daß bereits eine Kommission zu die⸗ Auf die Anfrage eines anderen Pro⸗ cers versicherte der Redner auch, daß die Stadt⸗Miliz naͤchstens zum Gegenstand eines besonderen Gesetzes gemacht werden solle. In Frankreich, fuͤgte er hinzu, seyen ganze Baͤnde voll Regle⸗

Spanischen Krone entsagen sollte, anzunehmen.

sem Zwecke ernannt sey.

ments angehaͤuft worden, ehe man dazu gekommen, die Natio⸗ nal⸗Garde so zu konstituiren, wie sie jetzt eingerichtet sey. Einige Bischoͤfe und Erzbischoͤfe, namentlich dte von Mijoco, Indien und Majorka, eiferten gegen die Attentate des 17. Juli. Dann faßte man die Berathungen uͤber den ganzen Adreß⸗Entwurf zu⸗ sammen, und dieser ging fast ohne Opposition durch.

Madrid, 2. August. Die Hof⸗Zeitung meldet, daß die Koͤnigin dem Portugiesischen Gesandten am hiesigen Hofe, Don Thoͤmas de Moraes Sarmento, das Großkreuz des Koͤnigl. Amerikanischen Ordens Isabella's der Katholischen, und dem Se— cretair der Portugiesischen Legation, Don Manuel Gaudencio de Acevedo, das Commandeurkreuz dieses Ordens verliehen habe.

Franzoͤsische Blaͤtter enthalten folgendes Privat⸗Schrei⸗ ben aus Madrid vom 2. August: „Die Adresse der Pairs⸗ Kammer ist nur das Echo der Rede der Koͤnigin. Sie ist von den Anhaͤngern des Ministeriums vollkommen gebilligt und von der Opposition als nichtssagend betrachtet worden. Dies ist nicht der Fall mit der Adresse der Prokuradoren. Sie hat in der That die Erwartungen der Patrioten uͤbertroffen und behan⸗ delt folgende wichtige Gegenstaͤnde: 1) die Verantwortlichkeit der Minister; 2) die Jury; 3) die Vertheilung und Verleihung der Aemter; 4) die Preßfreihett. Bei der Wiedervereinigung der Kommission kam die Frage uͤber die Finanzen sehr stark zur Sprache. Man ist allgemein der Meinung, daß die Regierung in die⸗ ser Frage eine starke Majoritaͤt haben wird. Alles laͤßt glauben, daß die morgende Sitzung der Prokuradoren sehr stuͤrmisch seyn wird. Martinez de la Rosa und seine Kollegen werden zu allen ihren Talenten ihre Zuflucht nehmen muͤssen, um den jetzigen Entwurf der Adresse durch einen anderen zu ersetzen. Wenn die Oppo⸗ sittion nicht die Masoritat erhaͤlt, so wird sie wenigstens sehr energisch und sehr maͤchtig in der Kammer der Prokuradoren seyn. Die Frage uͤber den Norden beschaͤftigt uns fortdauernd; aber das Ministerium setzt ein großes Vertrauen in seine Macht, und besonders in die Mitwirkung Frankreichs, im Falle es noͤthig seyn sollte. Es ist nicht zweifelhaft, daß, wenn man eine strenge Aufsicht zu Bayonne beibehalt, und wenn unser Ministerium energisch verfaͤhrt, die Partei der Insurgenten bald ver⸗ nichtet seyn wird. Die Nachrichten aus Lissabon melden, daß, sobald man daselbst die Einschiffung des Don Car⸗ los nach Spanien erfuhr, sich das Ministerium in Queluz ver⸗ sammelte, wo es eine lange Konferenz mit Dom Pedro hatte; in Folge derselben wurde ein Courier mit Depeschen nach Lon⸗ don geschickt. Es scheint, daß der General Alava zum Kom⸗ mandanten der Festung St. Sebasttan ernannt worden ist. Ein Trupp Kavallerie, der ploͤtzlich in der Naͤhe von Perale erschien, ist durch die Truppen der Koͤnigin schnell zerstreut worden. Man schreibt aus Barcelona, daß der Infant Don Sebastian, welcher jetzt sich in Marseille aufhaͤlt, nach Italien gehen wird. Gestern Abend kam hier ein Courier aus Paris an. Hr. Har⸗ douin hat haͤufige Zusammenkuͤnfte mit dem Grafen Torreno. Auch ein Agent des Hauses Rothschild, der vor einigen Tagen hier angekommen ist, hat haͤusige Konferenzen mit unseren Fi⸗ nanciers. Man versichert, daß der Minister alle Emigrirte in ihre Aemter wieder einsetzen wird. Wir schaͤtzen uns gluͤcklich, die Abnahme der Cholera melden zu koͤnnen. Gestern starben nur 107 Personen. Morgen wird die Discussion in der Kam⸗ mer der Prokuradoren beendigt werden. Es scheint gewiß, daß am Montag das allgemeine Budget vorgelegt wird.“

Die Quotidienne meldet aus Bayonne vom 5. Au⸗ gust: „Man wird nicht unterlassen haben, Ihnen gestern eine Depesche Rodil's im Augenblicke ihrer Ankunft durch den Teles graphen zu uͤbersenden, worin er sich darauf beschraͤnkt, anzuzei⸗ gen, daß er am 1. August das Haupt⸗Corps der Insurgenten angegriffen und gaͤnzlich geschlagen habe. Das Lakonische dieser Nachricht laͤßt an der Wirklichkeit des Berichtes und noch mehr seines Gehaltes zweifeln; man fuͤgt sogar hinzu, es sey moͤglich, daß in jedem Augenblicke gerade entgegengesetzte Nachrichten ein⸗ liefen. Man versichert, daß in der Stadt ein handschriftlicher Bericht von Zumalacarreguy existire, worin es unter anderm heißt, daß er, der Unthaͤtigkeit Rodil's muͤde, beschlossen hatte, ihn anzugreifen, und daß, in Folge dieses heftigen Kampfes, 400 bis 500 Mann zu Gefangenen gemacht und 300 getoͤdtet oder verwundet worden sind. Man fuͤgt noch hinzu, Rodil habe 2 bis 3000 Mann nach Alt⸗Castilien absenden muͤssen, wo Merino wieder mit einer beunruhigenden Macht erschienen sey. Wie Sie sehen, gebe ich Ihnen alle Nachrichten bis auf die oͤffentlichen Geruͤchte, die ich indeß nicht verbuͤrgen kann. Eine, wie ich glaube, nicht zu bezwei⸗ felnde Thatsache ist, daß die Truppen der Koͤnigin unvermoͤgend sind, die noͤrdlichen Provinzen zur Unterwerfung zu bringen. Es ist laͤcherlich, Don Carlos zu Vera ankommen zu lassen, von

wo er den Befehl an Zamalacarreguy erlassen haben soll, sich mit ihm zu vereinigen; es scheint wahrscheinlicher, daß er sich 8 St. Estevan aufhaͤlt, ohne Furcht, beunruhigt zu werden.

on allen Seiten verstaͤrkt die Jugend der Provinzen die Koͤ⸗ nigliche Armee, so daß da, wo die Regierung der Koͤnigin ihre Macht ausuͤbt, es bei Todesstrafe verboten ist, sein Haus zu verlassen. Den Karlisten fehlt es noch immer an Waffen; man sagt jedoch, daß in den letzten Tagen ein, in dem kleinen Hafen Lequetio von England angekommenes Schiff ihnen dergleichen uͤberbracht habe. Pampelona ist fast ausgehungert; es fehlt an Allem, selbst an Brod, da die Civil⸗Behoͤrden immer nur auf ein Jahr Getraide vorraͤthig haben. Zumalacarreguy hat die Zufuhr bei Todesstrafe verboten, ein Verbot, das strenge beob⸗ achtet wird. Wir sehen jetzt nicht mehr die Arrieros (Fuhrleute), die sonst regelmaͤßig in jeder Woche kamen. Gegen die Borunda hin errichten die Karlisten ein Fort, woran Alles arbeitet.“

Die Gazette de France berichtet unter demselben Da⸗ tum aus Bayonne: „Der Telegraph wird Ihnen ein Bulle⸗ tin Rodil's uͤberbracht haben, worin er, nach seiner gewoͤhnli⸗ chen Manier, uͤber das Gefecht am 31sten Nachricht giebt. Er sagt, der Kampf habe in der Umgegend von Estella stattgefun⸗ den, allein um dies zu glauben, muͤßte man keine Karte von Spanien vor Augen haben. Die telegraphischen Nachrichten sind so wenig wahr, so laͤcherlich, wegen der Maͤrsche und Con⸗ tre⸗Maͤrsche, die man die Einen oder die Andern thun läßt, daß man glauben moͤchte, der Telegraph stehe einigen Banquiers zu Diensten, um die Verluste an der Boͤrse wieder gut zu machen⸗ Man hat heute den nachstehenden Bericht Zumalacarreguy s er⸗ halten, der sein Bulletin uͤber die glaͤnzende Affaire des 31sten Juli bestaͤtigt. Bald werden die Couriere aus Madrid ganz ausbleiben. Catalonien und Aragonien sind in Bewegung. Die Reisenden, welche Jaca passiren, werden durch Karlistische Gue⸗ rilla-⸗Banden angehalten, die sich bis dorthin erstrecken. Der Courier aus Paris ist aufgehalten worden durch die Ueber⸗ schwemmungen, welche die Bruͤcke von Tartas zersooͤrt haben. Glauben Sie den telegraphischen Depeschen nicht. Sie koͤnnen sich auf die Richtigkeit des Bulletins von Zumalacarreguy ver⸗ lassen; es ist gäͤnz von ihm geschrieben und er ist ein gewissen⸗ hafter Mann, der nichts als die Wahrheit sagt.“

Ueber Zumalacarreguy, den unternehmenden Karlisten⸗ Hauptling, giebt das Monthly Magazine folgende Notit. Juan Zumalacarreguy ist einer von den Menschen, die durch Umwaͤlzung der Dinge aus der Unbedeutenheit zu einer nam⸗- haften Rolle im Lebensdrama hervorgezogen werden. Er war 1820 Capitain bei der Infanterie und galt fuͤr einen warmen Anhaͤnger der Cortes⸗Constitution. Bei dem Kriege vom Jahr 1823 eskortirte er einen Trupp Gefangener nach Pampelona, und wurde auf dem Weg von einen Guerilla⸗Corps der Glau⸗ bens⸗Armee uͤberfallen. Er mußte sich ergeben und wurde nach Irati gebracht. Von da aus wußte er zu entkommen; als er aber Pampelona erreichte, wurde er verhaftet und wegen vor⸗ geblichen Verraths vor ein Kriegsgericht gestellt. Am Tage vor dem zur Abfassung der Sentenz bestimmten, die ohne Zweifel ein Paß in jene Welt gewesen wäͤre, gelang es ihm,

u entfliehen. Er begab sich in's Hauptquartier der Glaubens⸗ rmee und wurde als Oberst angestellt. Von da an bis 1831 war er in Ferdinand's Dienst und sehr gut angeschrieben. Als aber spaͤter die Koͤniglichen Freiwilligen aufgeloͤst wurden, ging er in seine Geburts⸗Provinz Navarra zuruͤck. Bei Ferdinand’'s Tod war er Secretair des Vice⸗Koͤnigs von Navarra fuͤr die Mi⸗ litairsachen. Vielleicht wuͤrde er sich fuͤr die Koͤnigin Isabella erklaͤrt haben, waͤre ihm nicht eine Zuruͤcksetzung widerfahren, die auf ein Gemuͤth, wie das seine, einen tiefen Eindruck ma⸗ chen mußte. Sein Name war ausgelassen in der Liste von Be⸗ koͤrderungen, welche die Koͤnigin⸗Regentin, als sie die Zuͤgel de Regierung nahm, so verschwenderisch bewilligte. Daher sein Entschluß, fuͤr Don Carlos die Waffen zu ergreifen. E

Törkei.

Konstantinopel, 22. Juli. Den offenkundigen Beschwer den des Griechischen Gesandten ist abgeholfen worden; auch soll wegen der an einigen Griechen veruͤbten Executionen eine genuͤ⸗ gende Entschuldigung erfolgt seyn. Zogrophos wird deshalb blei⸗ ben, obgleich ohne Hoffnung baldiger Anerkennung von Seiten der Pforte. Offenbar hat man diese vorlaͤufige Ausgleichung der Vermittelung des Russischen Gesandten zu danken. b

Die Frage wegen der den Hosvodaren beizugebenden Di⸗ van⸗Efendi's ist zu Gunsten jener entschieden worden; die Pforte mußte von ihrem Wunsche abstehen, nachdem der Russische Ge⸗ sandte denselben dem Sinn des letzten Petersburger Traktats zu⸗ wider erklaͤrt hatte.

Aus Erzerum ist die Nachricht hier eingegangen, daß eine der reichsten Karavanen, welche sich auf dem Wege nach Persien befand und allein uͤber 700 Pferde zaͤhlte, von einer zahlreichen und wohlbewaffneten Raͤuberbande uͤberfallen und des dritten Theiles ihrer kostbaren Waaren, den man auf 2 Millionen Pia ster schaͤtzt, beraubt worden ist. Den Sultan soll diese Nach⸗ richt in die heftigste Aufwallung versetzt haben, und es sollen die strengsten Befehle ergangen seyn, Alles aufzubieten, um die Raͤu ber auszumitteln und zu bestrafen.

Die Pest macht hier Fortschritte; in Smyrna ist sie dage⸗ gen ihrem Erloͤschen nahe; seit geraumer Zeit hat sich kein neuer Fall mehr eeeigener

Griechenland.

Nauplia, 4. Juli. (Allgemeine Zeitung.) Der Aufruhr in der Provinz Maina ist gaͤnzlich gestillt. Die Wild⸗ heit und Unwissenheit jener rohen Berg⸗Bewohner waren von Intriganten benutzt worden, um der Regierung Verlegenheiten zu bereiten, allein die Kraft des Gesetzes hat auch dort den Sieg davon getragen. Als die Mainoten uͤber den wahren Stand der Dinge aufgeklaͤrt wurden, und einsahen, daß die Koͤnigliche Regierung Macht und Mittel genug besitze, um ihren Wiellen auf dem Wege der Gewalt durchzusetzen, so zeigten sie ihre Un⸗ terwerfung an, und flehten um die Koͤnigl. Gnade. Die Hauprfe⸗ stung ist bereits von den Koͤnigl. Truppen besetzt, und mit dem Einreißen der festen Thuͤrme und der Wegnahme der Kanonen hat es den besten Fortgang. Die Ruhe und Sicherheit in dieser Provinz duͤrfte daher in kurzem voͤllig hergestellt seyn, und zwar dauer⸗ hafter als je. Die Regentschaft erwirbt sich dadurch das grözte Verdienst, indem sie Ordnung und Civilisation in einem Land⸗ striche einfuͤhrt, an dem seit undenklichen Zeiten alle Regierun⸗ gen 35 waren. Raub, Mord und Blutrache erdruͤckte in der Maina jeden Anfang zu einem sozialen Zustande, und es ist daher recht gut, daß endlich sich die Gelegenheit dargeboten hat, dieses Uebel radikal auszurotten. Auch ist es ein Glluͤck, daß durch die Maßregeln der Regentschaft auch diese Seite des Landes noch zur Ruhe gebracht wird, bevor der junge Koͤ⸗ nig selbst die Zuͤgel der Regierung ergreist. Die einzelnen Raͤuberhorden, welche in den andern Theilen des Landes, beson⸗