lautet: „George Canning, geboren den 11. April 1770, gestorben
en 8. August 1827. Mit einer seltenen Verbindung von Ta⸗ jenten begabt, ausgezeichneter Staatsmann, vollkommener Ge⸗ lehrter und durch Niemanden uͤbertroffener Redner, vereinigte er die glaͤnzendsten Eigenschaften des Geistes mit den waͤrmsten Gefuͤhlen des Herzens. Durch eigenes Verdienst emporgehoben, kleidete er nach einander die wichtigsten Aemter des Staates nd wurde endlich der erste Minister der Krone. Im vollen Genusse der Gunst seines Souverains und des Zutrauens der
Nation wurde er zu fruͤh der Bahn entrissen, auf welcher er
ne weise und großartige Politik befolgte, deren Aufgabe das
zluͤck und die Groͤße seines Vaterlandes war, waͤhrend sie zu- gleich das Wohl fremder Nationen umschloß und ihnen Bewun⸗
derung gebot. Dieses Denkmal errichteten ihm seine Freunde und Landsleute.“
Aus dem bereits (in Nr. 242 der Staats Zeitung) erwaͤhn⸗
neuen Send⸗Schreiben O'Connells an seine Irlaͤndischen
dsleute wird besonders nachstehende Stelle von mehreren Blaͤttern als merkwuͤrdig hervorgehoben. Nachdem naͤmlich Hr. O'Connell von der Errichtung liberaler Klubs in Irland ge: sprochen, faͤhrt er solgendermaßen fort: „Bevor ich auf die Hflichten dieser Klubs uͤbergehe, erlaubt mir vor allen Dingen, mich offen und ehrlich fuͤr einen Ministeriellen zu erklaͤ⸗ ren. Ich bin jetzt ein Freund des gegenwaͤrtigen Mi⸗ nistertums. Ich will selbst sothandeln, und wuͤnsche, das Volk von Irland zu einer solchen Handlungsweise zu bewegen, wie sie dem Ministerium am wenigsten Hindernisse in den Weg zu legen und am meisten Kraft zu verlethen am geeignetsten ist — dem Ministerium, welchem uͤbrigens die Hauptpflicht obliegt⸗ vor allem Anderen und uͤber allem Anderen das Interesse Irlands wahrzunehmen. Nur, weil ich uͤberzeugt bin, daß
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eine tadeln; sie muͤssen den Vorzug der Monarchie vor der Re publik, als zu offenbar, um einer Erlaͤuterung zu beduͤrfen, an nehmen, und wie sehr sie auch uͤber die Bischoͤfe und die Zehn
ten in der Meinung differiren, so muͤssen sie doch die hoͤchste Sie muͤssen diese Lehren einpraͤgen, weil sie mit den Meinungen der großen Masse der hoͤheren und mittleren Klasse uͤbereinstim⸗ men, und ein Tagesblatt, welches eine entgegengesetzte An⸗ durchfuͤh⸗
Achtung und Verehrung vor der Religion selbst zeigen.
sicht von einem dieser Gegenstaͤnde beharrlich ren wollte, wuͤrde bald nur wenig Subskribenten zaͤhlen. Tritt jedoch die Abschaffung des Zeitungs⸗Stempels ein und wird die Times fuͤr 3 bis 4 Pence verkauft, so wird die große Masse der Zeitungsleser aus einer Klasse bestehen, die jetzt sel⸗ ten Tages⸗Blaͤtter zu sehen bekommt, und die keinesweges das⸗ selbe Interesse hat fuͤr die Erhaltung der jetzigen Institutionen des Landes und der oͤffentlichen Ruhe, wie die Mittel⸗Klasse. Der Ton der bestehenden Zeitungen wird sich daher veraͤndern, und sollte dies nicht der Fall seyn, so werden neue Journale von verschiedenen Grundsaͤtzen und Ansichten erscheinen
die Gin⸗Trinker verhalten sich zu den Portwein⸗Trinkern wie 10 zu 1, und dies wird unter dem neuen System das Verhaͤltniß des ungesitteten Scherzes zu den Vernunftschluͤssen, und der Un⸗ wahrheit zur Wahrheit seyn. Wir sind daher durchaus gegen die vorge schlagene Veraͤnderung. Sie verbessert keine wirklichen Maͤngel und unterwirft die arbeitende Klasse einer Macht, deren Wirken sich zwar jetzt noch nicht bestimmen laͤßt, die aber jedenfalls den be⸗ stehenden Institutionen des Landes hoͤchst gefaͤhrlich werden wird. Ist jedoch eine Veraͤnderung beschlossen, so sollte sie wenigstens nach und nach eingefuͤhrt werden. Wuͤrden die Zeitungs⸗Stem⸗ pel auch nur um einen Farthing jaͤhrlich herabgesetzt, so traͤte
tuͤrlich wird es immer Zeitungen fuͤr die Reicheren geben, aber
1 Stuttgart, 3. September. Se. Koͤnigl. Maiestaͤt haben „den Umweg durch Tyrol, welchen Hoͤchstdieselben auf der Ruͤck, freise aus Italien, wegen außerordentlicher Ueberschwemmungen und gaͤnzlicher Verheerung der Straßen durch die Schweiz, zu nehmen sich genoͤthigt fanden, gluͤcklich zuruͤckgelegt und sind gestern Abend um 4 Uhr im erwuͤnschtesten Wohlseyn hier ein⸗ getroffen. — JJ. KK. HH. die Prinzessinnen, welche Sich gleichfalls ganz wohl befinden, werden morgen erwartet.
Darmstadt, 1. (Ober⸗Post⸗Amts⸗Zeitung.)
Sept.
die Wahl eines landstaͤnd. Direktors der Staats⸗Schulden⸗Tilt⸗ gungs⸗Kasse, vorgenommen. In dem Staats⸗Schulden⸗Tilgungs Gesetze vom 29. Juni 1821 ist naͤmlich bestimmt, daß die speziell⸗ Direction des Staats⸗Schulden⸗Tilgungs⸗Instetuts durch einen von der Staats⸗Regierung zu bestellenden hoͤhern Beamten und ein von den beiden Kammern zu ernennendes Mitglied einer der beiden Kammern besorgt werden soll. — Hinsichtlich der Wahl des letztern soll, wenn beide Kammern sich nicht vereinigen, eine Alternation unter beiden Kammern eintreten; in ganz gleicher Weise haben die Staͤnde fuͤr den landstaͤndischen Direktot auch zugleich einen Substituten fuͤr den Fall des Abgang⸗ des Direktors zu waͤhlen. Spaͤterhin wurde noch bestimm daß die Wahl des landständischen Direktors und seines Substi tuten immer nur auf die Dauer ihrer landstaͤndischen Wahl⸗Pe⸗
Functionen immer noch so lange fortgesetzt werden sollten, bis ihre Nachfolger ernannt seyn wuͤrden. Bisher wurdbe die Direc⸗ tion der Staats⸗Schulden⸗Tilgungs⸗Kasse versehen: Vom Jahr 1821 bis Ende 1833 durch den Geh. Rath Balser als landes
In der Sitzung der 2. landstaͤnd. Kammer vom 30. Aug. wurde ein auch fuͤr das auswaͤrtige Publikum wichtiger Gegenstand,
riode beschraͤnkt seyn solle, nach deren Erloͤschung aber jedoch die⸗
die I denen der gegenwaͤrtigen Ad⸗
Interessen Irlands mit ministration identisch sind, unterstuͤtze ich die Minister.
Freilich kann man sagen, daß die meisten derselben dem Mini⸗
sterium Stanley's und Grey's angehoͤren, welches das Volk von Irland mit so vielem Unrecht und so vielen Kraͤnkungen uͤber⸗ haͤufte. Es ist allerdings wahr, daß wir noch einige Mitglieder ener verhaßten Administration im Kabinette haben; aber der chlimmste Theil derselben ist abgeschuͤttelt worden, der groͤßten Feinde Irlands unter ihnen haben wir uns entledigt. Da ist uerst Stanley. Ich bin fest uͤberzeugt, daß ein unversoͤhnliche⸗ rer Feind der Reltgion und der Freiheiten des Irlaͤndischen Vol⸗
nie gelebt hat. Er hegte einen eingefleischten Haß — ein odium plus quam theologicum — gegen die Erstere, und Ver— nchtung gegen die Letzteren. Dabei war er ein Mann von gro⸗ ver Energie und mit einem Geiste begabt, der dazu gemacht ist, vnentschlossene Leute in sein Gefolge zu ziehen; mit ansehnlichem Talent zu Geschaͤften und zur Durchfuͤhrung streitiger Debatten. Deswegen war er Irland gefaͤhrlich. Es ist nichtsdestoweni⸗ ger vollkommen wahr, daß von dem Anhauche des Ge—⸗ nius nichts an ihm war, und daß er durchaus ein Redner ohne Herz ist. Nie hat er irgend ein hochk⸗ herziges, edles Gefuͤhl geaͤußert, die meus divinior fehlte ihm gaͤnzlich. Nie hat ein Strahl poetischer Phantasie seinen Geist erwaͤrmt, oder seine Rede erleuchtet; und was die bilderreiche Sprache anlangt, so erhob er sich nie uͤber die niedrige Region alltaͤglicher Spruͤchwoͤrter. Aber wie gesagt, er hatte Eigenschaf⸗ gen, die ihn eben so gefaͤhrlich machten, als seine Feindschaft ge⸗ gen Irland innig war. Er ist seiner Wege gegangen und hat Sir J. Graham mit sich genommen, den aͤrgsten Tory jener schlimmsten Klasse von Tories — der nominellen Whigs. Ein anderer und wo moͤglich noch groͤßerer Feind Irlands ist gleich⸗ salls abgetreten — Graf Grey. Ihr erinnert Euch, wie lange es her ist, daß ich dem Irlaͤndischen Volke anzeigte, daß der Graf Gzrey Gesinnungen hege, die der Freiheit und der Wohlfahrt des Volkes von Irland durchaus entgegen seyen. Es ist wahr⸗ lich eine Aufgabe fuͤr das ernstlichste Nachdenken, die Gruͤnde senes unhetlvollen Uebelwollens gegen Irland heraus zu finden, die einen so hervorstechenden Theil des Charakters Lord Grey's machen. Ich habe lange und tief uͤber den
rasch ein.“
Wettrennen, entstand hier zwischen einigen Seeleuten und eini⸗ gen Soldaten vom 88sten Regimente ein Streit. Letztere zogen den Kuͤrzeren und vier von ihnen mußten in das Hospital ge⸗ bracht werden. Am folgenden Abend um vier ein halb Uhr kamen die Seeleute, mit Pruͤgeln bewaffnet, unter Vortragung einer Flagge und mit Musik, stellten sich vor der Kaserne des genannten Regiments auf und sorderten die Soldaten heraus. Es entstand ein neuer Kampf, der jedoch durch die Dazwischen⸗ kunft der Offiziere bald beendiat wurde. Zwei Seeleute erhiel⸗ ten Bajonnetstiche, sind aber schon aus dem Hospital entlassen, wohin in den beiden Tagen uͤberhaupt nur vier Personen ge⸗ bracht wurden.“
In der vorigen Woche zog ein Fischer aus dem Wrack des „Royal George“, der 1780 bei Spithead sank, eine Flasche mit Wein herauf, die also 54 Jahre im Meere gelegen hat. Sie
war mit Austern und Schnecken bedeckt und wurde dem Sir F. L. Maitland uͤberreicht.
“
Aus dem Haag, 2. September. Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz von Oranien ist gestern Abend mit seinem aͤltesten Sohne aus dem Hauptquartier hier eingetroffen. Heute Abend ist ein großer Ball im Hotel Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Friedrich. Se. Majestaͤt der Koͤnig und Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin Albrecht von Preußen werden sich in der naͤchsten Woche wieder nach dem Loo begeben. Die Schiffe unter Griechischer Flagge werden in den Nieder⸗ laͤndischen Haͤfen gegen Erlegung eines Tonnengeldes, gleich den beguͤnstigtsten Nationen, zugelassen.
Einer im Handelsblad befindlichen Berechnung zufolge, betraͤgt die Summe der Zinsen, die Holland jetzt saͤhrlich von seiner Staats⸗Schuld zu bezahlen hat, 26,800,000 Gulden, wo⸗ bei die von Belgien zu uͤbernehmenden 5,400,000 Gulden bereits in Abzug gebracht worden. Im Ganzen betraͤgt die jetzige Rente (die der Staat seinen Glaͤubigern zu entrichten hat) un⸗
Grund dieser Thorheit nachgeforscht, und bin jetzt nicht aufge⸗ legt, ein Wort des Vorwurfes oder der Freude uͤber den Unfall, der ihn betroffen hat, zu aͤußern. Dennoch kann ich und will ich die Freude nicht verbergen, die ich daruͤber empfinde, daß ich — selbse ich in meiner Niedrigkeit — zu der Entfernung dieser Maͤnner aus dem Ministerium beigetragen habe. Unter den Zuruͤckgebliehrnen mag noch Einiges von jener feindseligen Stim⸗ mung gegen Irland, die der Marquis von Lansdowne — denn dieser ist gewiß kein Freund Irlands — zu erhalten sucht, vor⸗ handen seyn; die uͤbrigen Mitglieder des Ministeriums aber sind entweder neutral oder thaͤtig in ihrer Freundschaft gegen dieses Land, und wenn sie nicht — wie zu befuͤrchten steht — verfuͤhrt werden von den orangistischen Werkzeugen, deren sie sich bei der Verwaltung der Irlaͤndischen Angelegenheit bedienen, so koͤnnen wir vielen Nutzen und wenig thatsaͤchlichen Schaden von der gegenwaͤrtigen Regierung erwarten. Ueberdies sind sie die Feinde unserer Feinde — die wuͤthenden Fuͤhrer der Oran⸗ gisten hassen sie.“*)
Im Courier liest man: „Die von dem Lord⸗Kanzler ausgesprochene Meinung, daß es rathsam seyn wuͤrde, den Zei⸗ tungs⸗Stempel abzuschaffen, hat natuͤrlich große Aufmerksamkeit erregt. Da es nicht anzunehmen ist, daß Se. Herrlichkeit sich so bestimmt uͤber diesen Gegenstand wuͤrde ausgesprochen haben, wenn nicht seine Kollegen derselben Meinung waͤren, so duͤrfte die Abschaffung des Zektungs⸗Stempels als nahe bevorstehend anzusehen seyn. Wir haben persoͤnlich nichts dagegen einzuwen⸗ den, im Gegentheil werden unsere Interessen, und, wie wir gauben, die aller anderen Zeitungen durch eine Maßregel dieser Art besoͤrdert. Wir werden dann statt einer Zeitungs⸗Nummer zwei oder drei verkaufen eend unser Gewinn wird verhaͤltnißmaͤßig zunehmen. Aber obgleich wir die Ueberzeugung haben, daß die Abschaffung dieses Stempels den jetzt erscheinenden Zeitungen nicht nachthei⸗ lig seyn kann, so glauben wir doch keinesweges, daß sie irgend einen oöͤffentlichen Nutzen haben wird. Nach unserer Ansicht ist es ein boͤchst gewagtes Experiment, dessen Resultate sich unmoͤglich vor⸗ hersehen lassen. Wir wuͤnschen sehr die Annahme kluger, wohl erwogener, maͤßiger Reformen, die mit unseren Institutionen übereinstimmen; allein nach Abschaffung des Zeitungs⸗Stempels wird der vierte Stand (die Presse) die Macht und wahr⸗ scheinlich auch den Willen haben, die gefahrvollsten Ver⸗ aͤnderungen unuͤberlegt zu beschleunigen. Der Charakter der Presse wird dadurch wesentlich veraäͤndert und wesent⸗ lich verschlechtert werden. Jetzt besteht die Masse der Zei⸗ tungsleser aus den hoͤheren und mittleren Staͤnden, d. h. aus Personen, die meist alle bedeutendes Eigenthum besitzen, und die, welches auch ihre politische Meinung seyn mag, bei der Erhaltung der Ruhe und guten Ordnung betheiligt sind. Die Zeitungsschreiber, Whigs oder Tories, und welche Meinung
sie sonst haben moͤgen, muͤssen jetzt die groͤßte Achtung vor dem
nach Ostende abgereist.
gefaͤhr das Doppelte der reduzirten Rente von 1813.
WN Bruͤssel, 2. Sept. Der Minister des Innern ist heute
Herr Vandeweyer ist seit vorgestern zu Bruͤssel angekommen. Aus Gent schreibt man vom 1. Sept. Eine glaubwuͤrdige, von der Graͤnze bei Sas de Gand angekommene Person berich⸗ tet, daß die Hollaͤnder ihre ganze Artillerie von der Graͤnze nach den festen Plaͤtzen abgefuͤhrt haben. Zu Antwerpen liefen im Monat August 98 Schiffe, zusam⸗ men von einem Gehalt von 13,102 Tonnen ein.
Schweden und Norwegen. Stecholm, 2. Sept. JS. KS. HeH der Kronprinz und die Kronprinzessin sind nebst den Koͤnigl. Kindern nach der Hauptstadt zuruͤckgekehrt.
Beim Bauernstande des Reichstages hat das bekannte Mit⸗ glied Anders Danielson auf die Errichtung von Volks⸗Schulen auf dem Lande angetragen und dabei bemerklich gemacht, daß sich die Kosten sowohl durch freiwillige Beiträge als durch Distrikts⸗Zuschuͤsse sehr leicht wuͤrden aufbringen lassen.
Der Ausschuß des Reichstages hat zwar entschieden, den vom Grafen Froͤlich gemachten Antrag auf Aufhebung der Cho⸗ lera⸗Sperren nicht zu beruͤcksichtigen, doch sind, dem Vernehmen nach, gestern in einem Regierungs⸗Conseil mehrere Beschluͤsse gefaßt worden, die mit dem Zwecke jenes Antrages, der Haupt⸗ sache nach, uͤbereinstimmen.
Hier sind vom 31. August bis 1. Sept. 101 Personen und vom 1. zum 2. Sept. 165 Personen an der Cholera erkrankt. Im u“ erkrankten bisher 595, genasen 99 und star⸗
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Deutschland.
Dresden, 6. Sept. Nach einem gestern an die Kam⸗ mern gelangten Koͤnigl. Dekret soll die jetzige Staͤnde⸗Versamm⸗ lung mit dem 30. Oktober d. J. geschlossen werden. Bremen, 5. Sept. Nachrichten aus Emden zufolge, soll sich zwar die Cholera daselbst wirklich gezeigt haben, doch be⸗ merkt die hiesige Zeitung in dieser Beziehung; „Aus ei⸗ nem uns guͤtigst mitgetheilten Privat⸗Schreiben aus Emden vom 2. Sept. ersehen wir, daß die Cholera dort sehr wenig zu be⸗ deuten habe und schon so gut als wieder vorbei sey. Man war sogar der Meinung, daß das Medizinal⸗Kollegium wohl etwas zu voreilig sich fuͤr die Existenz der wirklichen Asiatischen Cho⸗ lera ausgesprochen habe.“
Muͤnchen, 2. Sept. Die Grundsteinlegung der Festung Germersheim im Rhein⸗Kreise hat am 25. August nicht stattge⸗ funden, indem die Vorarbeiten bis dahin nicht beendigt werden konnten. Solche wird nun am 5. Oktober, als dem Namens⸗
die Reduction fuͤr das oͤffentliche Interesse auch noch immer zu
Man schreibt aus Chatham: „Am 21sten August, nach dem
herrlichen und durch den Geh. Rath Schenk als landstaͤndi⸗ schen Direktor; seit Anfang des Jahres 1834 aber, nachdem da Geh. Rath Balser wegen geschwaͤchter Gesundheit seine Stelle niedergelegt hatte, durch den Geh. Rath Schenk als landesherr⸗ lichen, und den Regierungsrath und Deputirten Goldmann als landstaͤndischen Direktor, indem Letzterer, als im Jaht 1827 erwaͤhlter Substitut in die durch die Versetzung des Geh. Raths Schenk erledigte Stelle des landstaäͤndischen Direktors ein⸗ ruͤckte. Diese drei Beamten haben ihre Functtonen unentgeltlich verse⸗ hen. Da wegen der im J. 1832 schon abgelaufenen Wah⸗Pleriode auf dem gegenwaͤrtigen Landtage eine neue Wahl der landstaͤndischen Beamten vorgenommen werden mußte, so hatte unlaͤngst auch der 1ste Ausschuß der zweiten Kammer in seinem Berichte uͤber den Haupt⸗Voranschlag der Beduͤrfnisse der Staats⸗Schuld fuͤr die Jahre 1833 — 1835 darauf aufmerksam gemacht, auffallen⸗ der Weise aber freilich in einer Form, durch welche nicht bloß die bisherigen anerkannten patriotischen Leistungen des landes⸗ herrlichen Direktors, Geheimen Raths Balser, sondern auch der seit dem 1. Januar 1834 erfolgte Eintritt des bisherigen Sub⸗ stituten, des Abgeordneten Goldmann, in die Stelle des land⸗ staͤndischen Direktors (eines sich durch seine große Geschaͤfte⸗ gewandtheit, Erfahrenheit und finanziellen Kenntnisse ganz vor⸗ zuͤglich zu dieser Stelle eignenden Mannes) ganz ignorirt wurde. — Bei der hierauf erfolgten Wahl der zweiten Kam⸗ mer erhielt (wie bereits gemeldet) der Abgeordnete von Ga⸗ gern 26, der Abgeordnete Goldmann aber 11 Stimmen, und als hierauf ersterer seine schon im April d. J. bei einer Zusammenkunft der sogenannten Kammer⸗Majoritaͤt abgegebene Erklaͤrung wiederholte, daß er von Darmstadt wegziehen werde und die ihm zugedachte Stelle nicht annehmen koͤnne, wurde nach einer desfallsigen besondern Berathung an dessen Stelle von der auf diesen Fall schon vorbereiteten Majoritaͤt mit 23 Stimmen der Abgeordnete Emmerling zum Direktor und der Abgeordnete Reh zu dessen Substituten erwaͤhlt, so daß also von Seiten der 2. Kammer die landstaͤndischen Interessen bei der Staats⸗Schul⸗ den⸗Tilgungs⸗Anstalt nun den Haͤnden zweier Advokaten anvertraut sind. — Man ist jetzt darauf begierig, ob die 1. Kammer diesen Beschluͤssen der 2. Kammer beitreten wird oder nicht? Geschieht ersteres, so bleibt es natuͤrlich dabei; im letztern Falle aber wird diesmal der von der ersten Kammer Gewaͤhlte den Vor⸗ rang behalten und die Direktorstelle bekleiden muͤssen, weil im Jahre 1821, als die erste Wahl erfolgte, ebenfalls beide Kam⸗ mern verschiedene Personen gewaͤhlt und sich damals daruͤber vereinigt hatten, daß durch das Loos entschieden werden solle, bei welcher von beiden Kammern mit der gesetzlich vorgeschrie⸗ benen Alternation angefangen werden solle. Das Loos entschied damals, daß die Alternation bei der zweiten Kammer anfangen und daher ihr Kandidat die Direktorstelle erhalten solle; erst nachher, als dieser um seine Entbindung von derselben bat, waͤhlte die 2. Kammer ihrerseits nun auch den Kandidaten der 1. Kam⸗ mer, und im Jahr 1827 bei der zweiten Wahl waren beide Kammern uͤber das Personal einverstanden. — Es unterlieat daher keinem Zweifel, daß diesmal im Fall einer Abweichung in den Ansichten der beiden Kammern der Fall des Ausschlags oder der gesetzlich vorgeschriebenen Alternation bei der ersten Kam⸗ mer steht.
Wiesbaden, 1. Sept. Obgleich Wiesbaden seit laͤnger als zehn Jahren stark besucht wird, so hat doch die Frequenz des⸗ selben in diesem Sommer Alles uͤbertroffen, was man vorher gesehen hat. Außer den Badegaͤsten aus fast allen Theilen Deutsch⸗ lands wimmelte es hier von Englaͤndern, Hollaͤndern und Rus⸗ sen. Die vielen Hollaͤndischen Familien waren gewissermaßen eine neue Erscheinung in den Baͤdern des Taunus. Die Reise der Hollaͤnder schien die Richtung nach Deutschland zu nehmen, seitdem sie nicht mehr wie sonst die schoͤne Jahreszeit in Belgien, vornehmlich in Bruͤssel, zubringen. Die Behauptung, daß die Reisenden und Kurgaͤste in den Taunus⸗Baͤdern mancherlei Foͤrmlichkeiten hinsichtlich der Paͤsse unterworfen seyen, ist nicht gegruͤndet. Nur in den Schloßgarten zu Bi⸗ berich wird kein Fremder ohne vorgaͤngige Vorzeigung seines Passes eingelassen. Eine Annehmlichkeit, deren sich kein anderer Badeort so erfreut, ist die Liberalitaͤt, womit der Ge— brauch der hiesigen, unter der Direction des Hosfraths Weitzel stehenden Landes⸗Bibliothek dem hier verweilenden Fremden ver⸗ göͤnnt ist. Es ist damit zugleich eine Gemaͤlde⸗Gallerie und eine Sammlung von Alterthuͤmern und naturgeschichtlichen Gegen⸗ ständen verbunden. Die hier durch gesammelte Beitraͤge er⸗ baute, vor Kurzem aber wegen mangelnden sicheren Grundes wieder eingestuͤrzte katholische Kirche liegt noch in Truͤmmern. Sie soll jetzt neu und fester wieder erbaut werden.
Bad Ems war seit der Mitte des Juni dergestalt mit Bade⸗ gaͤsten und Fremden uͤberfuͤllt, daß, ungeachtet viele neue Haͤuser er⸗ baut worden und der Speculationsgeist mehrere ansehnliche und ge⸗ raͤumige neue Gasthoͤfe errichtet hatte, doch mit Muͤhe ein Unter⸗ kommen zu finden war. Manche Gaͤste mußten in den anstoßenden Doͤrfern wohnen. Die Kays am rechten Ufer der Lahn, an welchen sich die Haͤuser-Reihe des Badeorts hinzieht, werden jetzt mit vielen Kosten eingedaͤmmt und zu Spaziergaͤngen eingerichtet.
Eigenthum jeder Art beweisen; sie muͤssen die Handwerker⸗Ver⸗
feste unserer allverehrten Koͤnigin stattfinden.
Hier wird auch ein neuer Kursaal erbaut werden, da der bishe⸗
rige lange nicht geraͤumig genug war, um besonders bei schlech⸗ tem Wetter die zahlreichen Badegaͤste aufzunehmen. Unter den diesjährigen Badegaͤsten bemerkte man auch die C111“ stin Gartoristh, die mit ihrem jungen Sohne und einem Arzte Haris gekommen war.
G Per 25 10 Jahren das Bad Langenschwalbach be⸗ suchte, kennt es jetzt kaum mehr. Aus einem vnansehnlichen Dorfe, das sich laͤngs einer einzigen langen Straße hinzog, ist ein Ort mit stattlichen Gebaͤuden und prachtvollen Gasthoͤfen geworden. Die Frequenz von Fremden war auch hier in diesem Sommer sehr bedeutend. Obgleich es an bequemem Unterkommen hier nicht so sehr fehlte, wie in Ems, so zeigt sich doch die Speculation in der Erbauung noch mehrerer Haͤuser. Es wird sogar in der Naͤhe des Kurhauses eine ganz neue Straße errich⸗ tet. Das erst seit mehreren Jahren von dem Herzog erbaute große Badehaus mit einer geschmackpollen Saͤulenhalle hat uͤber 190,000 Fl. gekostet. Die oͤffentlichen Anlagen und Spazier⸗ gaͤnge, welche von einer Heilquelle zu der andern fuͤhren, haben sich in der juͤngsten Zeit ebenfalls sehr verschoͤnert, und sind bei ihrer nicht geringen Ausdehnung und den schattigen Alleen ein Vorzug, den Schwalbach vor Ems besitzt.
Osstorrech
Wien, 3. Sept. Als IJ. MM. auf Ihrer Reise nach Bruͤnn in die Gegend vor Nicolsburg kamen, brach gerade in dieser Stadt, und zwar in einer Gasse, die das Kaiserliche Paar auf seinem Wege zu passiren hatte, ein heftiges Feuer aus. Von Seiten der Behoͤrde wurde zwar sogleich die Anstalt getroffen, daß die Hohen Reisenden, Behufs der Umspannung ihrer Wa⸗ gen, einen andern Weg einschlagen konnten; der Kaiser ließ sich jedoch nicht davon zuruͤckhalten, sich persoͤnlich nach der Brand⸗ stätte zu begeben, dort fast eine Stunde zu verweilen, die Ret⸗ tenden aufzumuntern und die von dem Feuer Betroffenen — es brannten fuͤnf Haͤuser ab — zu troͤsten. Nachdem der Flamme Einhalt gethan worden war, besichtigte der Kaiser noch mit sei⸗ ner erhabenen Gemahlin die von der Stadt Nicolsburg errich⸗
Ehrenpforten.
“ G rreichische Beobachter enthaͤlt nunmehr eben⸗ falls die bereits von uns Cnach der Schlesischen Zeitung) gegebenen Nachrichten aus Konstantinopel vom 12. August, welche gleichlautend auch vom Hamb. Korrespondenten und der Algem. Zeitung mitgetheilt worden. Der Oesterreichi⸗ sche Beobachter macht noch darauf aufmerksam, daß, waͤhrend den Berichten aus Alexandrien vom 17. Juli zufolge, Ibra⸗ him Pascha sich zu seinem Vater nach Jaffa begeben habe, das Journal de Smvrne vom 2. August melde, daß Ibrahim fortwaͤhrend zu Jerusalem durch die Rebellen eingeschlossen ge⸗ halten werde. (Die Berichte uͤber die Ereignisse in Syrien lau⸗ ten eben so widersprechend in Deutschen, als in den gleichzeitig eingetroffenen Franzoͤsischen und Englischen Blaͤttern.)
Die neueste Nummer der Tuͤrkischen Zeitung enthaͤlt einen langen Artikel uͤber die Organisation der Tuͤrkischen Landwehr; auch meldet sie die Ernennung des Mukataa⸗Nastri (Ober⸗Aufsehers der Pachtungen), Abvurrahman Nafis Efendi, zu der neugeschaffenen Stelle eines Finanz⸗Ministers fuͤr die Großherrliche Armee.
Schweiz.
Zuͤrich, 1. Sept. Die von der Tagsatzung uͤber die Han⸗ delsverhäͤltnisse mit Deutschland niedergesetzte Kommission, welche die HH. Zellweger und v. Gp s ac Vater zugezogen hatte, trug in der Sitzung vom 29. Aug. auf Folgendes an: „Der Vorort erhaͤlt Auftraͤge und Vollmachten, mit Befoͤrderung ent⸗ weder allgemeine oder getheilte Unterhandlungen mit Bayern, Wuͤrttemberg und Baden, so wie mit dem gesammten Deutschen Zollvereine anzuknuͤpfen; er soll den Staͤnden von Zeit zu Zeit Kenntniß uͤber den Fortgang geben; die Abschließung der Ver⸗ traͤge bleibt dem Gutachten der Tagsatzung uͤberlassen.“ Nach Verlesung eines Badischen Ministerialschreibens vom 15. Aug., worin der modus vivendi aufgekuͤndet, allein die Aufkuͤndigung erst dann ins Leben zu rufen versprochen wird, wenn Baden dem Zollvereine beigetreten, uͤbrigens auch Geneigtheit zu einem Provisorium bis zum Abschlusse eines Zollvertrags der Schweiz mit dem Deutschen Zollvereine ausgedruͤckt ist, — stimmen alle Staͤnde zum Kommisstons⸗Antrage; Basel⸗Stadttheil, dem mo⸗ dus vivendi fremd geblieben, kann an keinen Unterhandluͤngen Theil nehmen.
Der Koͤnig von Sardinien hat dem Vororte (und dieser den Staͤnden) Kenntniß gegeben, daß er seinen Vetter, den Prinzen Eugen von Sovoyen Carignan als Prinzen vom Ge⸗ bluͤte und Nachfolger auf dem Throne von Sardinien aner⸗ kannt habe.
Die Baseler Ztg. berichtet: „Daß im Lager, Dank dem guten Geiste der Truppen und der Festigkeit des Befehlshabers, Ordnung und Ruhe fortwaͤhrend erhalten sind, scheint manchen Personen unertraͤglich, und sie versuchen auf alle Weise, Rei⸗ bungen hervorzubringen. Darum klagt Herr Oberst Hirzel in seinem Berichte uͤber die von umherrodirenden Civilpersonen aus⸗ gehenden Aufreizungen. Indessen ritt kuͤrzlich Oberst⸗Lieutenant Vogelsang aus dem Solothurnschen, neuen Zuzuͤgen von Bern, Waadt und Solothurn entgegen, lenkte das Gespraͤch auf die Neuen⸗ burger Kokarden und Ehrenzeichen, und sprach den Soldaten zu, man muͤsse sie zum Ablegen derselben zwingen! Die Truppe scheint jedoch ihre Pflicht besser gekannt zu haben; eine Anzeige geschah und dem Anstifter wurde von Herrn Oberst Hirzel auf der Stelle der Degen abgefordert, eine Arreststube angewiesen und eine Wache vor die Thuͤre gestellt. Wir sehen dieses Versahren fuͤr sehr gelind an, denn wenn ein hoͤherer Offizier sich im Dienste so weit vergißt, Soldaten zum Widerstande gegen die Befehle des
Chefs aufzufordern und anzufeuern, so gehoͤrt er, falls die be⸗
richteten Thatsachen wahr sind — vor ein Kriegs⸗Gericht.“
NGl
Turin, 23. August. Die gegen den Marquis von St. Prié wegen seiner Theilnahme an der Piemontesischen Revo⸗ lution von 1821 ausgesprochene Todesstrafe ist mittelst Dekrets des Koͤnigs von Sardinien unterm 15ten in Verbannung ver⸗ wandelt worden. Auch erhaͤlt derselbe seine konfiszirten Guͤter Uruͤck. Neapel, 21. August. (Allgemeine Zeitung.) Es ist in der That sonderbar, mit welcher Geflissentlichkeit man neuerdings in Franzoͤsischen Blaͤttern alle Akte der hiesigen Re⸗ gierung angreift. Namentlich ist es die — wie behauptet wird — jedes Maß uͤbersteigende Stoaͤrke der Armee im Verhaͤltniß zu der Bevoͤlkeaung, welche zu immer wiederholten spoͤttischen Be⸗ merkungen Stoff giebt. Nun ist es aber eine erwiesene That⸗ sache, daß es, den Kirchenstaat ausgenommen, kein Land in Europa giebt, dessen mililtairischer Etat, mit der Bevoͤlkerung verglichen, so unbedeutend waͤre, als gerade der des Koͤnigreichs
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mit eingeschlossen, belaͤuft sich auf 50,000 Mann, die Bevoͤlke⸗ rung des Koͤnigreichs mit Sicilien auf ungefaͤhr 8 ½ Millio⸗ nen was also ungefaͤhr 6000 Soldaten auf eine Mil⸗ lion giebt!
Der Koͤnig von Wuͤrttemberg, der kuͤrzlich bei Hofe speiste, und welchem zu Ehren vor einigen Tagen ein großes Manoͤver auf dem Marsfelde gegeben wurde, ist heute mit dem Dampf⸗ schiffe „Francesco primo“ in Begleitung der drei Prinzessinnen von Wuͤrttemberg nach Genua abgereist, um nach seinen Staa⸗
ten zuruͤckzukehren. General Toledo, der von Don Carlos zu seinem Gesandten
am hiesigen Hofe ernannte Diplomat, hat in dieser Eigenschaft
keine Audienz vom Koͤnige von Neavpel erhalten koͤnnen, was
dem Geruͤchte einer Aenderung in dem Verhaͤltnisse der beiden
sonst so befreundeten Kabinette von Madrid und Neapel neue
Kraft gegeben hat.
Statt des Generals Sebastiani, den man als Gesandten des Franzoͤsischen Hofes hier erwartete, soll nun Graf Flahault, fruͤher Minister in London, in dieser Eigenschaft nach Neapel kommen.
Herr v. Mollerus, Geschaͤftstraͤger des Koͤnigs von Holland, ist zuruͤckberufen, und seine Stelle wird, wie verlautet, nicht wieder besetzt werden; die ohnehin so seltenen diplomatischen Rapports sind den respektiven Konsulaten beider Hoͤfe uͤbertra⸗ gen worden.
Der große Hafen von Nisita schreitet seiner Vollendung entgegen, und wird dem lange gefuͤhlten Beduͤrfniß, einen sichern Ankerplatz fuͤr Kriegsschiffe von allen Groͤßen in der 18 von Neapel zu haben, auf die befriedigendste Weise ent⸗ prechen.
Die Hitze erhaͤlt sich seit ungefaͤhr zwei Monaten bestaͤndig zwischen 25 und 28 Grad R. In Castellamare, das schon an⸗ faͤngt, einige der bedeutendsten Familien zu verlieren, hat ein durch den gluͤcklichsten Zufall nur halb tragisches Ereigniß die allgemeinste Theilnahme erregt. Die Gattin eines achtungswer⸗ then Offiziers der Englischen Armee, Lady Gardener, ist mit ihrem Pferde in einen beinahe zweihundert Fuß tiefen Abgrund gestuͤrzt, aber gluͤcklicher Weise im Falle von einigen Baͤumen aufgehalten worden, und hierdurch bloß mit dem Bruche eines Beines davongekommen, waͤhrend das Pferd zerschmettert in der Tiefe gefunden wurde.
Eine beinahe laͤcherliche Furcht vor der Cholera hat sich der hiesigen Behoͤrden bemaͤchtigt. Auf den, wie es sich spaͤter er⸗ wiesen hat, ganz unbegruͤndeten Verdacht der Ankunft eines, Cholera⸗Kranke an Bord habenden Schiffs von Barcelona im Hafen von Marseille, werden alle Briefe eroͤffnet, durchstochen, beraͤuchert, in Essig getaucht und unleserlich gemacht; dabei kom⸗ men sie nun noch einen ganzen Tag spaͤter an ihre Adresse. Man hofft, die von dem hiesigen Kaufmannsstande gemachten Vorstellungen werden die unverzuͤgliche Zuruͤcknahme dieser druͤk⸗ kenden Maßregeln zur Folge haben.
Sphssben.
Madrid, 23. August. Die heutige Hof⸗Zeitung ent⸗ haͤlt einen Bericht des Herren Martinez de la Rosa, welcher die verschiedenen Reductionen aufzaͤhlt, die er mit dem Gehalte der im Ministerium der auswaͤrtigen Angelegenheiten angestellten Beamten vorzunehmen beabsichtigt und die 166,000 Realen be⸗ tragen. Die Verhandlungen in der Prokuradoren⸗Kammer sind von geringem Interesse. In der Sitzung vom 18ten las Herr Moscoso, Minister des Innern, einen Bericht des Justiz⸗Mini⸗ sters vor. Am 20sten verwandelte sich die Kammer in einen ge⸗ heimen Ausschuß zur Berathung der an der Tages⸗Ordnung be⸗ findlichen Gegenstaͤnde, und entschied, daß darin nur vermittelst einer Petition eine Aenderung vorgenommen werden koͤnnte, worauf die Opposition sogleich eine solche Petition verfaßte.
Mehrere Prokuradoren haben kuͤrzlich verschiedene Bittschrif⸗ ten uͤberreicht, worunter einige die Unterdruͤckung aller Gesund⸗ heits⸗Kordons, das Gesetz uͤber die Preßfreiheit, jenes uͤber die persoͤnliche Freiheit, die Abschaffung des Geluͤbdes des h. Ja⸗ kob, die Unterdruͤckung einiger Auflagen, endlich die Wieder⸗ herstelung des Dekrets vom 30. Sept. 1823 und die Vernich⸗ tung jenes vom 1. Okt. verlangen. Beide Dekrete wurden durch Ferdinand VII., das eine bei seiner Abreise von Cadix, das an⸗ dere bei seiner Ankunft zu Porto Santa⸗Maria erlassen. Das erstere versprach Vergessenheit, Amnestie, Buͤrgschaften jeder Art, was das zweite wieder zuruͤcknahm. Das erwaͤhnte Geluͤbde des h. Jakob hat eine Auflage geschaffen, die auf einigen Provinzen des Suͤdens lastet.
Dem Mensagero de las Cortes zufolge, hat die Re⸗ gierung zur Verfuͤgung des General Rodil und seiner Armee monatlich die Summe von einer Million Franken gestellt, die derselbe in Bayonne erheben lassen kann.
Der (gestern unter Neueste Nachrichten erwaͤhnte) zwischen dem Grafen von Toreno und dem Franzoͤsischen Banquier Ar⸗ doin abgeschlossene Vertrag, von dem man aber nicht weiß, ob er wirklich erfuͤllt worden ist, lautet folgendermaßen: „Art. 1. Herr Ardoirn verpflichtet sich, dem Koͤnigl. Schatze monatlich 12 Millionen Realen vorzuschießen, und zwar von jetzt an, bis die Regierung zur Abschließung einer definitiven Anleihe ermaͤchtigt seyn wird. Jedenfalls aber soll dieser Vorschuß, den gegenwaͤr⸗ tigen Monat mitgerechnet, nur vier Monate lang fortgesetzt werden, so daß derselbe die Summe von 48 Millionen Rea⸗ len nicht uͤbersteigen darf. Art. 2. Außer den durch den vori⸗ gen Arrtikel festgestellten monatlichen Vorschuͤssen verpflichtet sich Herr Ardoin noch, den drei Gebruͤdern Rothschild in Paris die Summe von 60 Millionen Realen, die jenes Haus der Spani⸗ schen Regierung zur Bezahlung der am 1. Juli in Pa⸗ ris faͤllig gewesenen Zinsen vorgeschossen hat, so wie die fuͤr diesen Vorschuß schuldigen Zinsen und Preovisionen zuruͤckzuzahlen. Wenn indeß das naͤchstens von der Regierung abzuschlteßende Anlehen durch eine andere Compagnie, als die von Hrn. Ardoin repraͤsentirte, uͤbernommen wuͤrde, so braucht Hr. Ardoin sich der Ruͤckzahlung der besagten 60 Millionen nicht zu unterziehen. Art. 3. Fuͤr die beiden Arten von Vorschuͤsse wer⸗ den Bons auf den Koͤnigl. Schatz, in 6 und 9 Monaten faͤlliag, die 5 pCt. jaͤhrlicher Zinsen tragen, an Zahlung gegeben. Diese Bons werden in Pfund Sterlinge ausgestellt, und bei ihrem Verfall in London eingeloͤst. Sie koͤnnen auch bei der ersten Anleihe, welche die Spanische Regierung abschließt, an Zahlung gegeben werden. Art. 4. Die Zahlung jener Bons oder ihre Annahme bei der naͤchsten Anleihe wird den Inhabern durch die Obligationen derjenigen Cortes⸗Obligationen gesichert, welche sich noch fuͤr Rechnung der Spanischen Regierung in den Haͤnden des Herrn Ardoin befinden, und die als besondere Buͤrgschaft dienen sollen. Diese Bestimmung hat durchaus keinen Einfluß auf den Werth der letzt erwaͤhnten Obligationen, oder auf das, was die Cortes definitiv in dieser Beziehung beschließen duͤrften. Art. 5. Die in dem ersten Artikel erwaͤhnten 12 Millionen
Neapel. Der Effektivstand saͤmmtlicher Truppen, die Schweizer
messen von London auf Madrid, oder in? Gold und Silher⸗Bar⸗ ren, nach Abzug von 2 Prozent Kommissions⸗Gebuͤhren bezahlt werden. Art. 6. Die Regierung Ihrer Majestaͤt verpflichtet sich, den zunaͤchst zu versammelnden Cortes das Interesse der Besitzer alter Spanischer Obligationen, welche in den Jahren 1820, 1821 und 1822 im Auslande ausgegeben worden sind, zu empfehlen. Madrid, 8. Juli 1834.
(gez.) Graf von Toreno.
Madrid, 24. August. (Journ. d. Déb.) Näaͤchst dem Plane des Grafen von Toreno beschaͤftigt man sich hier am meisten mit dem Bericht des Herrn Garelly uͤber den Infanten Don Carlos, der Niemanden zufriedengestellt hat. Man haͤtte gewuͤnscht, daß der Minister deutlicher und kuͤhn genug gewesen wäre, die Wahrheit zu sagen, naͤmlich: daß der Prinz und seine Nachkommen mit der Ordnung der Dinge, die man in Frank⸗ reich einfuͤhren will, unverträglich sind. Von diesem Gesichts⸗ punkte wird die Frage wahrscheinlich in den beiden Kammern betrachtet werden, wenn man nicht uͤberhaupt sede Eroͤrterung der Grundsaͤtze vermeiden will. In dieser Weise hat auch der Regentschafts⸗Rath seine Meinung motivirt, und man begreift nicht, daß ein so aufgeklaͤrter Mann, wie Herr Garelly, eine Maßregel, der man nicht ausweichen konnte, mit so schwachen Argumenten unterstuͤtzt hat. Nicht weniger hat man die Insi⸗ nuationen gegen die fruͤheren Plaͤne des Don Carlos getadelt, da man allgemein weiß, daß er nie an irgend einer Intriaue gegen den Koͤnig Ferdinand hat Theil nehmen wollen. Viele Proceres bezeugen durch ihre Haltung, und durch die Schritte, welche sie thun, um der Debatte uͤber den eben erwaͤhnten Gegenstand nicht beiwohnen zu muͤssen, in welcher Verlegenheit, um nicht zu sagen in welcher Furcht sie sich befinden; aber der groͤßere Theil der in Madrid anwesenden Prokuradores zeigt die groͤßte Entschlos⸗ senheit. Es ist daher wahrscheinlich, daß die Ausschließung des Don Carlos und seines Stammes in beiden Kammern fast ein⸗ stimmig beschlossen werden wird. Die mißbilligenden Aeußerun⸗ gen aller Franzoͤsischen Journale uͤber den Toreno schen Finanz⸗ Plan scheinen taͤglich mehr Eindruck auf die Minister, die Kam⸗ mern und das Publikum zu machen. Es ist schwer, sich gegen⸗ waͤrtig eine Meinung uͤber diesen Gegenstand zu bilden; aber in wenig Tagen wird man Gewißheit haben. — Die Nachrichten aus dem Innern des Koͤnigreiches gewaͤhren kein bedeurendes Interesse. Die Cholera verbreitet sich immer weiter nach Nord⸗ westen; sie ist schon in Alava und Navarra]. In Madrid hat sie beinahe gaͤnzlich aufgehoͤrt. Man versichert, die Koͤnigin werde zuruͤckkehren. Vielleicht wird diese Ruͤckkehr das gluͤckliche Resultat haben, den abgeschmackten Gesundheits⸗ Maßregeln, welche mehr Unheil als die Cholera selbst hervorgebracht haben, ein Ende zu machen.“ — Man schreibt aus Bayonne vom 2Ssten d. M.: „Es ist in Navarra eine Verordnung publicirt worden, welche er⸗ klaͤrt, daß der Handelsstand fuͤr jeden Raub verantwortlich ist, der auf irgend einem Punkte der Provinz zum Nachtheil eines Anhaͤngers der Koͤnigin ausgeuͤbt wird. — Don Carlos befinder sich jetzt mit dem 5ten Bataillone im Bastan⸗Thale; Lorenzo be⸗ obachtet ihn. Zumalacarreguy, der Ronceval verlassen hat. marschirt auf Lumbiers. Die Junta von Navarra hat sich in der Nacht vom 25sten in die Alduden zuruͤckgezogen, da sie sich
Ardoin.“
in Elisondo nicht in Sicherheit glaubte. Eine Abtheilung von Linien⸗Truppen hatte sich, von einigen Miliz⸗Soldaten begleitet, nach Elisondo auf den Weg gemacht; aber die Junta, welche noch zur rechten Zeit benachrichtigt worden war, hatte sich be⸗ reits in aller Eile entfernt.“
— Ein Franzoͤsisches (legitimistisches) Blatt giebt einige Aktenstuͤcke, welche von Seiten Zumalacarreguhs in Na⸗ varra publicirt seyn sollen; darunter befindet sich ein Schreiben des genannten Generals an den Karlistischen Kriegs⸗Minister, Grafen von Villemur, worin derselbe mehrere Offiziere nament⸗ lich auffuͤhrt, die sich in dem Gefechte vom 19ten d. M. beson⸗ ders ausgezeichnet haben, und dieselben zu einem Avancement in Vorschlag bringt. In dem Antwortschreiben des Kriegs⸗Mi⸗ nisters werden jene Vorschlaͤge saͤmmtlich genehmigt. 8
In I d.
Berlin, 8. September. Der Herr Ober⸗Praͤsident der Provinz Preußen, wirkliche Geheime Rath von Schoͤn, macht im neuesten Blatte der Koͤnigsberger Zeitung das nachstehende an ihn gerichtete Allerhoͤchste Kabinets⸗Schreiben bekannt: „Es ist fuͤr Mich hoͤchst erfreulich gewesen, bei Meiner nach Verlauf mehrerer Jahre in der Provinz Preußen stattgefundenen Anwe⸗ senheit die laͤngst bewaͤhrte Anhaͤnglichkeit und treue Ergebenheit wieder zu finden. Ich verlasse daher die Provinz mit großer Zufriedenheit, und es gereicht Mir zur Genugthuung, dies aͤu⸗ ßern zu koͤnnen. Ich veranlasse Sie, diese Meine Anerkennung zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Koͤnigsberg, den 3. Sep⸗ tember 1834. (gez.) Friedrich Wilhelm.“
— In Folge der von Sr. Maj. dem Koͤnige huldreichst ausgesprochenen Zufriedenheit mit den Leistungen des von Aller⸗ hoͤchstdenselben inspicirten ersten Armee⸗Corps sind letzterem meh⸗ rere Gnadenbezeugungen zu Theil geworden. Außer einigen Ordens⸗Verleihungen (die zu seiner Zeit im amtlichen Theile der Staats Zeitung erscheinen werden) meldet die Koͤnigsbenger Zeitung die Ernennung des kommandirenden Generals, Gene⸗ ralLieutenants von Natzmer, zum Chef des 12ten Husaren⸗Re⸗ giments, die des Oberst⸗Lieutenants von Buddenbrock zum wirk⸗ lichen Commandeur des 5ten Infanterie⸗Regiments, und die des Majors von Heuduck zum wirklichen Commandeur des 5ten Kuͤrassier⸗Regiments. Noch andere Befoͤörderungen haben in den verschiedenen Regimentern stattgefunden; auch haben Se. Maj. der Koͤnig den Unteroffizieren und Gemeinen des Armee⸗Corps ein Geschenk in Gelde zu bewilligen geruht. — Dem Ober⸗Praͤsidete⸗ ten haben Se. M. durch eine Kabinets Ordre vom 29. Aug. die Summe von 3000 Rthlr. zur Unterstuͤtzung der huͤlssbeduͤrftigsten Supplicanten im Ober⸗„Praͤsidial⸗Bezirke, und dein Magistrate mitkelst Kabinets⸗Schreibens vom 31. August 2000 Rthlr. fuͤr die staͤdtischen Armen zustellen lassen. In dieser letztern Kabinete⸗ Ordre (sagt die Koͤnigsberger Zeitung) haben Se. Majestaͤt aus⸗ druͤcklich bestimmt: daß bei Gewaͤhrung der Wohithat mehr auf das Beduͤrfniß als auf die Meldung zur Theilnahme an dersel⸗ ben gesehen werden solle, da die Huͤlfsbeduͤrftigkeit verschämter Hausarmen oft weit dringender sey, als die der Individuen, die laut um Unterstuͤtzung baͤten. — Am 2. September gab noch die Kaufmannschaft von Koͤnigsberg einen glaͤnzenden Ball im Saale des Kneiphoͤfischen Junkerhofes. Die Ausschmuͤckung des Tanzsaales war einfach, gewaͤhrte aber ein besonderes Interesse durch die vielen mit Denkmuͤnzen und silbernen Weihgeschenken geschmuͤckten Schilder, die an eine fruͤhere Zeit, wo Koͤnigsberg
Realen sollen in Wechseln von Madrid auf London, oder in Ri⸗] Herrschaften decorirt
noch S den ersten Handelsstaͤdten gehoͤrte, erinnerten. Der kleinere Saal war geschmackvoll zu der Aufnahme der hohen J. K. H. die Prinzessin Wilhelm, J. D
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