1834 / 263 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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außer Gewandtheit und Festig⸗

gleichwohl verlangen diese Posten 2 1 8 Faͤllen, namentlich in groͤßeren

keit des Charakters, in gewissen Staͤdten, auch militairische Kenntniß. Diese koͤnnen ihre Po⸗ sten unmoͤglich ohne einige Verguͤtung uͤbernehmen, da sie sich z. B. ein Pferd halten und gewissen aͤußeren Anforderungen ge⸗ nuͤgen muͤssen. Es haben mir auch bereits die geeignetsten Kom⸗ mandanten offen erklaͤrt, sie wuͤrden sich, wenn ihnen eine solche Unterstuͤtzung nicht zu Theil wuͤrde, außer Stand gesetzt sehen, fernerhin das Kommando fortzufuͤhren. Eine Verguͤtung Sei⸗ tens der Staͤdte, bin ich aber uͤberzeugt, werden diese Maͤnner ablehnen, da sie mit Recht nicht allein den Staͤdten, sondern dem gesammten Staate ihre Dienste zu widmen meinen. Sol⸗ chemnach duͤrfte sich wohl die Bewilligung der 1500 Rthlr. als unerlaͤßlich nothwendig darstellen.“ Buͤrgermeister Reiche⸗ Eisenstuck meinte: „Ich muß gestehen, daß ich wohl eher Erstaunen uͤber die Geringfuͤgigkeit des Postulats fuͤr eine Masse von 20,000 Mann Kommunal⸗Garde erwartet haͤtte, als die da⸗ gegen erhobenen Bedenken. Ein einziger General der Linie ko⸗ stet der Staatskasse mehr, als die ganze Kommunal⸗Garde zu⸗ sammen. Freilich sind die Opfer der einzelnen Staͤdte dabei nicht in Anschlag gebracht. Mißbilligen muß ich besonders, daß mehrere Sprecher behauptet haben, die Kommunal⸗Garde sey nur fuͤr die Staͤdte bestimmt, und daran wieder eine starre Scheidewand zwischen Stadt⸗ und Land⸗Interesse gezogen haben. Die Staͤdte werden aller⸗ dings leicht wegen der sich dort vorzuͤglich aufhaltenden Fremden und des mit ihnen stattfindenden Verkehrs die hauptsaͤchlichsten Brenn⸗ punkte von Unruhen oder, wie man es jetzt nennt, Bewegun⸗ gen. Daß daher in der juͤngst verflossenen verhaͤngnißvoll⸗ sten Zeit vorzuͤglich die groͤßern Staͤdte Schauplaͤtze von Un⸗ ruhen waren, ist nicht zu leugnen, doch gerade der Sprecher v. Ziegler hat in seiner Naͤhe in Neukirchen ein handgreifliches Beispiel gehabt, daß auf Doͤrfern so etwas auch vorkommen eann, und desto mehr darauf zu fehen ist, daß die Gesetzlosig⸗ sich nicht aus den Staͤdten auf das Land verbreite.“ Herr v. Posern sagte: „Nach dem, was so eben gegen den Antrag des Herrn v. Beust geaͤußert worden i*st, finde ich mich veranlaßt, meine Freude daruͤber auszusprechen, daß ein solcher Antrag in der Kammer gestellt wurde, ich finde mich veranlaßt, offen zu bekennen, daß ich uͤber lang oder kurz einen aͤhnlichen Antrag hier zur Sprache gebracht haben wuͤrde; aber nicht, weil ich in Abrede stellen will, daß der Staat die Central⸗Verwaltunas⸗ Kosten eines von ihm gesetzlich befohlenen Instituts uͤbernehmen muͤsse, lange es besteht, sondern weil ich das Institut der Kommunal⸗ Garde, wie es dermalen besteht, fuͤr unzweckmaͤßig organisirt alte, nicht fuͤr so beschaffen erachte, daß es geeignet waͤre, dem im Fall der Gefahr, den Nutzen zu stiften, den er von

nte, wenn ihm eine zweckmaͤßigere Einrichtung

Ich will nicht verkennen, daß dieses Institut Gutes in sich enthalten koͤnne, allein auf der andern

Seite hat es die Erfahrung gelehrt, daß, wie es in den beiden groͤßern Staͤdten des Landes in den Jahren 1830 und 1831 sich gestaltet hat, mehr hat agirt werden muͤssen, uin die einzelnen Abtheilungen der Kommunal⸗Garde in Ruhe zu halten und zur Ordnung zu bringen, als daß sie beigetragen haͤtten, die Ruhe im Lande zu erhalten. Ist dieses aber der Fall, und so lange diesen Maͤngeln nicht abgeholfen wird, so sehe ich nicht ein, warum der Staat so bedeutende Geldmittel darauf verwenden soll.“ Herr von Carlowitz erklaͤrte: „Jetzt, meine Herren, duͤrfte es wohl am rechten Orte und an der Zeit seyn, sich uͤber die Zweckmäaͤßigkeit des Instituts der Kommunal⸗Garde im All⸗ gemeinen auszusprechen. Ich bin meiner Seits einer wahren National⸗Bewaffnung, im Gegensatze einer nur staͤdtischen Be⸗ waffnung, nicht entgegen. Als eine solche National⸗Bewaffnung bezeichne ich die Preußische Landwehr⸗Einrichtung. Daß diese fuͤr Preußens Unabhaͤngigkeit und Nationalitaͤt herrliches gewirkt habe und noch wirkt, wer moͤchte das verken⸗ nen? Anders unsere Kommunal⸗Garde. Diese vermag ich mit nichts Anderem zu bezeichnen, als mit dem Na⸗ men: Einer verfehlten Nachahmung einer in ih⸗ rer Grund⸗Idee fehlerhaften auslaͤndischen Ein⸗ richtung. Nach diesem harten Urtheile, meine Herren, duͤrfte es Sie vielleicht Wunder nehmen, daß ich, von meinen staͤndischen Befugnissen Gebrauch machend, dem Institute der der Kommunal⸗Garde auf dem Wege der Petition nicht offen entgegen getreten, allein es hat die oͤffentliche Meinung dasselbe mit erner leuchtenden Glorie von Volksthuͤmlichkeit umgeben, sie 8 neit einer ehernen Mauer umguͤrtet, die ich, wo ich die Pflicht es mich heißt, zu durchbrechen zwar den Muth in mir fuͤhle, nicht aber die Kraft. Unter diesen Umstaͤnden haͤtte mein An⸗ rrag nur Zeitverschwendung zur Folge gehabt; denn sicher wuͤr— den sich ihm, selbst wenn ihm die verehrte I. Kammer beigetre⸗ gen waͤre, außerhalb dieses Saales Hundert und aber Hundert Hindernisse unuͤbersteigbar entgegengethuͤrmt haben. Wende ich nun diese meine Ansicht auf die Frage an, ob und was fuͤr die Zwecke des Instituts der Kommunal⸗Garden zu bewilligen sey, so nauß ich es, ich moͤchte sagen, fuͤr unritterlich erachten, einem Institeite auf der einen Seite nicht direkt entgegenzutreten, auf Fer andern aber ihm indirekt die Mittel abzuschneiden, deren zu seiner Subsistenz nothwendig bedarf. Zu diesen Mitteln zaͤhle ich die für den Central⸗Aufwand postulirte Summe. Ich werde fuͤr Bewilmung dieser Summe stimmen. Dagegen muß ich mich bestimmt gegen die Bewilligung der 1500 Thlr. zu Ent⸗ schaͤdigungen fuͤr Orts⸗Kommandanten erklaͤren, da mir hier nur ein Luxus⸗Aufwand in Frag? zu kommen scheint, und ich der Ueberzeugung bin, daß das Institut guch ohne bezahlte Orts⸗ Kommandanten fortbestehen kann.“ Dr. Großmann erwie⸗ derte: „Die Vorwuͤrfe, welche dem Institure der Kommunal⸗ Garde eben gemacht worden sind, kommen mir zwar nicht un⸗ erwartet, scheinen aber weder angemessen, noch hinlaͤnglich be⸗ gruͤndet zu seyn. Nicht angemessen erscheinen sie, in sofern ste sich auf bie Disciplin beziehen, und in Gegenwart Seiner Koͤ⸗ miglichen Hoheit, Prinzen Johann, als Chef der Kommunal⸗ Garde, ausgesprochen worden sind. Als unbegruͤndet stellen sie sich dar, diese Vorwuͤrfe, da dieses Institut gerade da⸗ durch, daß es alle Staͤnde und Klassen des Volks einander nahe bringt, sehr geeignet ist, den noch nicht ganz erloschenen Kastengeist zu beseitigen, und dem Gemeingeiste Nahrung zu geben, der den constitutionnellen Formen, sollen sie Bedeutung gewinnen und in wohlthaͤtige Wirksamkeit treten, Seele und Leben einhauchen muß. Daß es zur Zeit noch nicht so voll⸗ zommen ausgebildet ist, wie es wohl zu wuͤnschen waͤre, und manche Maͤngel an sich traͤgt, das ist das Wahrzeichen seines Ursprungs. Das Institut ist das Kind einer bewegten Zeit; es entstand in jenen Tagen, wo das Fuͤrstenwort durchs ganze Hand widerhallte: „Vertrauen erweckt wieder Vertrauen.“ Ohne vorgaͤngige lange Berathung, ploͤtzlich und unvor⸗ bereitet, trat es ins Leben und wirkte entscheidend und un⸗ verkennbar zur Wiederherstellung der Ordnung mit. Seine Ver⸗ anlassung war die Gefahr des Augenblicks, sein Motiv die Ehre, und jedenfalls bleibt es hoͤchst ehrenwerth, wenn sich die

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Bessergesinnten, dem sich zur Anarchie hinneigenden Poͤbel widersetzen. Durch Soldaten allein kann nicht immer und uͤberall geholfen werden. Denn es koͤnnen Zeiten kommen, und sind vielleicht nicht fern, wo alles Militair aus dem Lande ruͤckt. Da werden wir Gott danken, eine geuͤbte und bewaͤhrte bewaffnete Macht, die Ver⸗ trauen besitzt und verdient, bei uns bleiben zu sehen. Und da wird es sich wieder zeigen, was man an der Kommunal⸗Garde hat; da wird man ihr vielleicht mehr Auftraͤge ertheilen, als ihr selbst lieb sind, z. B. die Bewachung von Gefaͤngnissen, Transporte Gefangener und dergleichen. Ueberhaupt erkenne ich in dem von den Kammern angenommenen Systeme der Stellvertretung beim Militair den direkten Uebergang zu einem, dem Preußischen aͤhnlichen Conscriptions⸗Systeme. Aus diesem Gesichtspunkte aber darf ich wohl die nicht unbegruͤndete Ver⸗ muthung aussprechen, daß die Kommunal⸗Garde nur als Durch— gangspunkt zu einer kuͤnftigen allgemeinen Landwehr dienen wird. Und da halte ich es fuͤr unrecht, wenn man das schwache, aber hoffnungsvolle und zum Mannesalter heranreifende Kind, durch Verweigerung des noͤthigen Lebensunterhalts, ertoöͤdten will.“ Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Johann nahm nun wieder das Wort und sagte: „Meine Stellung fordert mich auf, noch einige Worte uͤber den zur Sprache gebrachten Gegenstand zu aͤußern. Im Allgemeinen bin auch ich der Ueberzeugung, daß sich die Kammer an dem, was sie einmal fuͤr recht erkennt, nicht durch den Vorwurf einer revolutionnairen und reactionnairen Tendenz hindern lassen darf. Nun bekenne ich, daß ich das System einer allgemeinen Landes⸗Bewaffnung fuͤr vorzuͤglicher halte; allein man hat sich von dessen Unausfuͤhrbarkeit in Sachsen wegen entgegenstehender Hindernisse uͤberzeugt. Einige halten das Institut der Kommunal⸗Garde nicht fuͤr zweckmaͤßig. Der Darlegung von dessen Zweckmaͤßigkeit aber sehe ich mich uͤberho⸗ ben, da zur Zeit Niemand auf deren Aufhebung angetragen hat, Das Institut der Kommunal⸗Garde entstand im Sturm einer aufgeregten Zeit, und man hat sich nur bemuͤhen muͤssen, es in eine Form zu bringen, und wie das Institut der Verbesse⸗ rung sehr faͤhig ist, so bedarf solche auch das Gesetz, bei welchem besonders ausreichende Bestimmungen uͤber die Disciplin zu ver⸗ missen sind. Zur Reform aber muß man noch Erfahrungen und den guͤnstigen Zeitpunkt abwarten. Die Sache mag sich indeß gestalten, wie sie will, nothwendig bleibt dieses Institut oder ein aͤhnliches immer, wie denn schon fruͤher die National⸗ Garden und Schuͤtzen⸗Gilden bestanden haben. Ueber die Central⸗ kosten scheint man ziemlich einverstanden; was aber die Post von 1500 Thlr. anlangt, so haͤngt es von deren Bewilligung ab, ob man das Institut lieber gut oder schlecht haben will. Die traurigen Erfahrungen des Jahres 1831, die nan gegen das Institut angefuͤhrt hat, lassen sich nicht ableugnen, indessen muß man erwaͤgen, unter welchen Umstaͤnden die Kommunal⸗ Garde zusammengetreten ist, und daß sie damals noch im ersten Jahre ihres Bestehens gewesen. So viel muß ich bemerken, daß namentlich die Kommunal⸗Garde zu Leipzig durch die dort angeordneten strengen Maßregeln sich sehr gehoben hat, und daß ich besonders bei der e uͤber die Leipziger Kommunal⸗Garden abgehaltenen Revue Ursache gehabt habe, mit den Bemuͤhunge des dortigen Kommandanten, und mit dem Geiste und der Hal⸗ tung der Mannschaften ganz vorzuͤglich zufrieden zu seyn. Unter den Mittelstaͤdten hat sich die Kommunai⸗Garde in Chemnitz un⸗ bedingt hoͤchst nuͤtzlich bewaͤhrt, ja sie hat da eine drohende Un⸗ ruhe ganz allein gestillt und ist um so unentbehrlicher, als die Verhaͤltnisse nicht gestatten, Chemnitz mit Garnison zu belegen. In den uͤbrigen Staͤdten haͤngt der Nutzen von den Umstaͤnden ab, in mehreren, z. B. in Borna und Rochlitz, zeichnet sich die Kommunal⸗Garde vortheilhaft aus, und in andern Staͤdten, wo sich kein Sinn dafuͤr gezeigt, z. B. in Werdau und Ischopau, hat man dem Wunsche, sie eingehen zu lassen, nachgegeben.“ Staats⸗Minister von Lindenau fuͤgte hinzu: „Da ich an der ersten Einrichtung des Instituts der Kommunal⸗Garde selbst Theil genommen habe, und durch eine dreijaͤhrige Beaufsichtigung dieses Instituts mit dessen Geist und Wirksamkeit vertraut zu werden Gelegenheit hatte, so finde ich mich veranlaßt, ja ver⸗ pflichtet, auch meine Ansicht daruͤber auszusprechen. Daß ein Institut, was, wie bereits vorher bemerkt wurde, im Sturm einer aufgeregten Zeit entstand, natuͤrlich Spuren dieses Ur⸗ sprungs an sich trua, darf uns nicht verwundern; allein eben so wenig vermag der Unparteiische es zu verkennen, wie sehr dieses Institut seitdem sich gelaͤutert, gebessert und vervollkommnet hat. Die Erinnerung des Herrn von Posern an die traurigen Vor⸗ faͤlle im Jahre 1831 ist um so lebhafter in mir vorhanden, als ich deren Augenzeuge war; allein als solcher kann ich auch die Versicherung abgeben, daß damals Pflichtwidrigkeit der Kom⸗ munal⸗Garde nur als seltene Ausnahme erschien, waͤhrend Ge⸗ horsam und Pflichttreue als Regel vorherrschte, so daß noch in der ersten Nacht nach dem Aufruhr alle Arrestationen der Strafbaren durch die Kommunal⸗Garde bewirkt wurden. Die Aufloͤsung des Instituts wuͤrde also ein empfindlicher Verlust seyn, waͤhrend es in seiner jetzigen und weiter auszubilden⸗ den Gestalt gute Dienste geleistet hat und ferner leisten wird. Unerlaͤßlich aber ist die Bewilligung der 1500 Rthlr., da besonders fuͤr groͤßere Staͤdte brauchbare Kommandanten meistens nur aus dem Militair zu erlangen sind. Ist aber die Befaͤhigung des Kommandanten zur Aufrechthaltung der oͤf⸗ fentlichen Ruhe und Sicherheit durch die Kommunal⸗Garde ein wesentliches Erforderniß, und haͤngt die Ruhe des Landes vom Zustande der groͤßeren Staͤdte, namentlich der Residenz wesent⸗ lich ab, so wird auch jene kleine Bewilligung um so unbedenk⸗ licher erscheinen, als durch eine außerdem vielleicht erforderliche verstaͤrkte Militair⸗Besatzung ein weit groͤßerer Aufwand her⸗ beigefuͤhrt werden wuͤrde. Die Idee, auch in den Doͤr— fern Kommunal⸗Garden zu organisiren, kam bereits fruͤherhin zur Sprache, wurde aber nicht verfolgt, weil weder Beduͤrfniß noch Neigung dazu vorhanden war.“ Es wurden demnaͤchst die 1330 Thlr. als General⸗Kosten mit 29 gegen 2 Stimmen und die 1500 Thlr. zur Entschaͤdigung fuͤr Orts⸗Kommandanten mit 23 gegen 8 Stimmen bewilligt. Desgleichen genehmigte man auch den Antrag der Deputation, die ganze Summe der 2830 Thlr. als ein Dispositions⸗Quan⸗ tum zur Verwendung fuͤr die Zwecke des Instituts dem Mini⸗ sterium des Innern zu uͤberlassen, mit 30 gegen 1 Stimme.

Hannover, 18. Sept. Die allgemeine Staͤnde⸗Versamm⸗ lung des Koͤnigreichs ist gestern, nach Beendigung ihrer Arbei⸗ ten, vertagt worden.

Kassel, 17. Sept. Se. Hoheit der Kurprinz und Mit⸗ Fe haben den Ministerial⸗Direktor Meisterlin von dem Mi⸗ nisterial⸗Departement der Finanzen entbunden und solches dem Staats⸗ und Justiz⸗Minister von Motz einstweilen uͤbertragen.

In der heutigen oͤffentlichen Staͤnde⸗Sitzung zeigte, gleich nach deren Eroͤffnung, der Landtags⸗Kommissar Hr. Regierungs⸗

mit vereinter Kraft, wie eine eherne Mauer

M. der Herr Ministerial⸗Direktor Meisterlin, seinem Ansuchen gemaͤß, von den Landtags⸗Kommissariats⸗Geschaͤften gnaͤdigst ent⸗ bunden worden sey und legte sodann eine von Sr. Hoheit dem Kurprinz und Mitregent Hoͤchsteigenhaͤndig vollzogene Vollmacht vor, durch welche derselbe (der bisherige Mit⸗Kommissar, Hr. Re⸗ Ecassrch Koch) zum alleinigen Landtags⸗Kommissar be⸗ ellt ist.

Frankfurt a. M., 15. Sept. Zu Ehren unseres Lande⸗ mannes, des nunmehr wieder in unserer Mitte befindlichen Rei⸗ senden Eduard Ruͤppel, wird hier am 5. Okt. ein großes Gast⸗ mahl veranstaltet, woran mehr als 300 Personen Theil nehmen werden.

Aschaffenburg, 16. Sept. Se. Maj. der Koͤnig hatte ein in Vereinigung mit dem Stadt⸗Magistrate von dem hiesigen Schuͤtzen⸗Vereine veranstaltetes Festschießen auf die Bitte dersel⸗ ben angenommen. Am gestrigen Mittag verherrlichten JJ. MM. der Koͤnig und die Koͤnigin mit IJ. KK. HH. der Frau Erb⸗ großherzogin Mathilde von Hessen und dem Prinzen Luitpold das Fest mit Ihrem Besuche. JJ. KK. MM. und Hoheiten wurden bei Ihrer Ankunft von dem begeistertsten Lebehochrufe und unter dem rauschenden Spiele der Landwehr⸗Musik begruͤßt Unter dem errichteten Zeltdache, auf welchem die National⸗Fah⸗ nen weheten, brachten Se. Maj. mit hier gezogenem Weine auf das Wohlseyn der treuen Aschaffenburger einen Toast aus, der von unserm Buͤrgermeister Leo im Namen des Fest⸗Vereins erwiedert wurde. Ihre Majestaͤt die Koͤnigin verehrten der Schuͤtzen⸗Gesellschaft einen kostbaren, reich mit Gold und Silber verzierten Pokg von der huldreichen Geberin fuͤr den besten Schuß bestimmt. welches Geschenk von der anwesenden Menge mit freudigem d behochrufe angenommen wurde. Die Schuͤtzen⸗Compagnie und die Theilnehmer des Schießens zogen spaͤt am Abende unter dem Spiele der Landwehr⸗Bataillons⸗Musik in die Stadt vor das Koͤnigl. Residenz⸗Schloß, und druͤckten hier ihren Dank ge— gen die Koͤnigl. Gabe⸗Spenderin wiederholt durch einen dreima⸗ ligen Lebehochruf aus.

Se. Maj. der Koͤnig haben gestern dem seit einigen Tagen von Zweibruͤcken hier anwesenden Koͤnigl. Gendarmerie⸗Lieute⸗ nant Martin Neumann, unter Bezeugung Allerhoͤchstihrer voll⸗ kommenen Zufriebenheit mit dessen persoͤnlicher Auszeichnung und erprobter Entschlossenheit (bei der Transportirung des Dr. Wirth) Allerhoͤchsteigenhaͤndig den Civil⸗Verdienst⸗Orden der Bavyeri schen Krone uͤberreicht.

Muͤnchen, 13. Sept. Die Prinzessin Amalia, Gemahlin Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Jehann von Sachsen, wird im kuͤnstigen Monat zum Besuche Ihrer Frau Mutter, zu Toe⸗ gernsee erwartet.

Karlsruhe, 14. Sept. Das Großherzogl. Staats⸗ und Regierungs⸗Blatt vom 13. Sept., Nr. 30, enthaͤlt Folgendes: „Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog haben geruht, Hoͤchstihrem Staats, und Kabinets⸗Minister und Praͤsidenten des Staats⸗ Ministeriums, Freiherrn v. Reizenstein, die Erlaubniß zu erthei⸗ len, das ihm von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich ver⸗ liehene Großkreuz des Kaiserl. Leopold⸗Ordens zu tragen. Die naͤmliche Erlaubniß haben Se. Koͤniagl. Hoheit Hoͤchstihrem Minister⸗

mandeur⸗Kreuzes des genannten Leopold⸗Ordens ertheilt. Ferner haben Se. Koͤnigl. Hoheit Hoͤchstihrem Bundestags⸗Gesandten, Freiherrn v. Blittersdorf, gestattet, das ihm von Sr. Koͤnigi Hoheit dem Groͤßherzog von Hessen verliehene Großkreuz des Ludwig⸗Ordens zu tragen.“

Oesterreich.

Wien, 13. Sept. (Schles. Ztg.)

Mittheilung uͤber den Brand von Neustadt ist zu verbessern, daß der wichtigere Inhalt des Rathhauses, namentlich das Ar⸗ chiv, gerettet worden ist; indessen lauten die nun bekannt wer⸗ denden umstaͤndlichern Nachrichten uͤber diesen Unaäluͤcksfall nur noch trauriger und grausenhafter, als die ersten. Der Mildthaͤ⸗ tigkeit der Bewohner des Kaiserstaates und aller Menschen⸗ freunde ist dadurch ein neues weites Feld geoͤffnet worden; moͤchten die verschiedenen Aufforderungen nicht unbeachtet blei⸗ ben! Der Anblick der Ruinen dieser alten ehrwuͤrdigen Stadt, das Jammern der Waisen, Wittwen, Vaͤter, Muͤt ter u. s. w. wuͤrde kein Herz ungeruͤhrt lassen. Hier regt sich der bekannte Mildthaͤtigkeits⸗Sinn der Wiener schon auf sehr erfreuliche Weise. In zwei Theatern waren schon Vor⸗ stellungen zu Gunsten der Abgebrannten, die uͤbrigen Theater Directionen und alle Besitzer von Vergnuͤgungs⸗Plaͤtzen saͤumen nicht, diesem Beispiel zu folgen. Der Ritter von Sikingen laͤßt eben die Ruinen von Neustadt aufnehmen, dieselbe sammt der Ansicht der Stadt vor dem Brande in Kupfer ste⸗ chen, um sie mit der Chronik derselben nebst der ausfuͤhrlichen Beschreibung der Feuersbrunst zu Gunsten der Verungluͤckten zu verkaufen. In verflossener Nacht brach in Nußdorf, eine Stunde von hier, schon wieder Feuer aus, welches einige Haͤu⸗ ser in Asche legte. Gewiß ist die beispiellose Trockenheit groͤßten⸗ theils Ursache der jetzt so haͤufigen Brandfaͤlle. Seit Ansang; April hatten wir bis heute kaum 24 Stunden Regen. 1 In Triest erwartet man zu Anfang des kuͤnftigen Monats den K. K. Oesterreichischen Gesandten am Griechischen Hofe, Ritter Prokesch von Osten, auf seiner Reise nach Nauplia. Wie man versichert, hat derselbe zuvor eine Reise nach Aschaffenburg unternommen, um mit dem Koͤnige von Bayern wegen der Grie chischen Angelegenheiten, und insbesondere wegen Neutralisirung des im Stillen sich fortwaͤhrend zum unbeschreiblichen Nachtheil fuͤr die Regierung Griechenlands bekaͤmpfenden fremden Ein⸗ flusses, wodurch der Parteigeist der Griechen, statt endlich zu verschwinden, immer neue Nahrung erhaͤlt, Ruͤcksprache zu nehmen. Briefe aus Bucharest zeigen an, daß die Hospodare der Fuͤrstenthuͤmer und mehrere Groß⸗Bojaren, wie fruͤher von dem Sultan, so nun auch von dem Kaiser von Rußland reich mit Orden beschenkt worden seyen.

Wien, 15. Sept. Von den vier hiesigen Banquier⸗Haͤu⸗ sern Arnstein und Eskeles, Geymuͤller und Comp., S. M. von Rothschild und S. G. von Sina hat jedes 4000 Gulden Con⸗ ventions⸗Muͤnze zur Unterstuͤtzung der Abgebrannten von Wie⸗ nerisch⸗Neustadt beigetragen. Se. Majestaͤt der Kaiser von Rußland haben dem hiasigen Klein⸗Uhrmacher Joseph Dorer fuͤr die Uebersendung einer von ügmn sehr kunstreich verfertigten Uhr in einem Silber⸗Nubel zum eweise Ihrer Allerhoͤchsten Zufriedenheit durch die Kaiserliche Botschaft am hiesigen Hofe einen Brillant⸗Ring zustellen lassen.

Itaklien. Rom, 6. Sept. (Allg. Ztg.) Vorgestern traf Dom Mi⸗

S

rath Koch an, daß zufolge hoͤchster Entschließung vom 13ten d.

guel, unter dem Namen eines Herzogs von Braganza, mit Ge⸗

Residenten, Geh. Legations⸗Rathe v. Dusch, ruͤcksichtlich des b demselben von Sr. Kaiserl. Koͤnigl. Majestaͤt verliehenen Com⸗

meiner letzten

Majoritaͤt von einer

solge hier ein, und wurde mit allen ihm als Infanten von Por⸗ tugal gebuͤhrenden Ehren empfangen. Gestern wurde er Sr. Heiligkeit dem Papste vorgestellt, welcher sich uͤber eine halbe Stunde mit ihm unterhielt. Bei dieser Audienz war der fruͤhere esandte Dom Miguel'’s, Dom Antonio de l[meida Marquis von Lavradio, gegenwaͤrtig, er scheint als Dolmetscher noͤthig ge⸗ wesen zu seyn. Der Aufenthalt des Infanten soll nur auf einige Wochen bestimmt seyn, doch wollen Einige wissen, er werde sich jer ankaufen. Sein Aeußeres ist nicht so auffallend, als man u glauben gewohnt ist; auch ist er gegen Alle, welche sich ihm naͤhern, ungemein artig, und was ihm hier besonders gegen sei⸗ nen Bruder zum Vortheile gereicht, er scheint sehr religioͤs. Man erwartet den Koͤnig von Sardinien auf der Durchreise nach Neapel hier naͤchstens zu sehen. Auch wird die Ankunft des Koͤnigs von Bayern im Laufe dieses Monats angekuͤndigt —Einiges Aufsehen machte das Anhalten aller von und nach Neapel Reisenden in Genzano, drei Posten von hier. Anfangs sagte man, diese Maßregel sey ergriffen, um einer Verschwoͤ⸗ rung auf die Spur zu kommen, welche an unsrer Graͤnze ihren Hauptsitz haben sollte. Nun hoͤrt man, daß von Seiten der Re⸗ gierung in Neapel das Ansuchen eingegangen war, zu verhin⸗ dern, daß gewisse Papiere eingefuͤhrt wuͤrden. Der Dienst⸗ eifer einiger Beamten hat dieses mißverstanden und alle Rei⸗ senden ohne Unterschied einem langen Verhoͤre und Durchsuchung ihrer Papiere unterworfen. Auf Befehl des Kardinal⸗Staats⸗ Seecretairs ist diese Maßregel bereits wieder aufgehoben. Man erwartet noch in diesem Monat die Ernennung mehrerer Praͤlaten zu Kardinaͤlen und Bischoͤfen. Eine Bekanntmachung verbannt alle Seifen⸗Fabriken aus dem bewohnten Theile der Stadt Rom, und in dem weniger bewohnten Theile duͤrfen sie nur in einer bestimmten Entfernung von andern Haͤusern ange⸗ legt werden. Eine zweite Verordnung erlaubt den Roͤmern, we⸗ gen der Theurung des Oels, die Fasttage nicht nach der ord— nungsmaͤßigen Strenge zu halten.

Spanien 6“

Madrid, 7. Sept. In der Abeja liest man: „Heute ist in der Prokuradoren⸗Kammer der 3te Artikel der Petition in Betreff der Erklaͤrung der buͤrgerlichen Rechte eroͤrtert wor⸗ den. Wir werden nicht versuchen, auf die Meinung einzuwir⸗ ken, die unsere Leser sich uͤber diesen Gegenstand gebildet haben duͤrften. Es sey uns nur gestattet, ihnen die glaͤnzende 8 visation des Herrn Martinez de la Rosa zu empfehlen. Nie, seit dem Beginn der Sitzungen, ertoͤnte seine Stimme in die⸗ sem Saale mit einer inaͤchtigern und staͤrkern Beredtsamkeit, und nie war sie so geeignet, einen tiefen Eindruck hervorzubringen. Das Resultat dieser Sitzung war das naͤmliche, wie das der vorhergehenden. von 2 Stimmen votirt. Dieses Resultat beweist, wie dringend nothwendig es ist, daß die noch abwesenden Prokuradoren auf ihre Posten eilen. Man koͤnnte fast sagen, daß es in diesem Augenblick gar keine Majoritaͤt in der Kammer gebe; denn eine

Gelegenheit umspringen. Dieses Resultat beweist ferner, daß viele Deputirte, obgleich sie uͤber eine Frabge in einem Sinne stimmen, der der Meinung der Minister zuwider ist, dies nicht aus systematischer Opposition thun. So sah man mehrere De⸗ putirte einen Artikel annehmen und den folgenden verwerfen, obgleich die Minister sich gegen beide erklaͤrt hatten. Weit da— von entfernt, dieses Benehmen der Deputirten zu tadeln, heißen wir dasselbe im Gegentheil voͤllig gut; es ist eine Buͤrgschaft ihrer Rechtlichkeit und, Unparteilichkeit.“

Das Eco del Comereio vom ö5ten d. enthaͤlt Folgendes: „Wir koͤnnen unsern Lesern anzeigen, daß mehrere Prokurado⸗ ren eine Bittschrift an die Koͤnigin entworfen haben, um Ihrer Majestaͤt einen Gegenstand zu bezeichnen, der die Aufmerksam⸗ keit der Kammer lebhaft in Anspruch nimmt, naͤmlich die Ver⸗ laͤngerung des Buͤrgerkrieges, der die noͤrdlichen Provinzen heim⸗ sucht, und die Wichtigkeit, demselben so schnell als moͤglich ein Ende zu machen. Zu diesem Zweck bieten sie der Koͤnigin alle Mitwirkung an, welche die Regierung verlangen moͤchte, und allen Beistand, den die Kammer zu gewaͤhren im Stande ist.“

In dem in Barcelona erscheinenden Vapor liest man folgende Proclamation des Generals Llauders: „Da ich in Kennt⸗ niß gesetzt bin, daß die Banden⸗Chefs Targarona, Llange, Miral⸗ les, Montanez, Galceran, Tristany und Andere aus den Depots Frankreichs, wohin sie sich gefluͤchtet hatten, desertirt sind, um sich in Catalonien einzuschleichen, und daß sie auf verschiedenen .d der Provinz zerstreut sind, um dort Unordnung und

ebellion anzuregen, so dekretire ich folgende Artikel, die mit der groͤßten Strenge vollzogen werden sollen: 1) Wer diese Ban⸗ diten aufnimmt oder ihre Zufluchtstaͤtte kennt und sie nicht an⸗ jebt, soll auf der Stelle erschossen werden; 2) als Hehler der Raͤu⸗ er sollen betrachtet werden und die näͤmliche Strafe verwirken diejenigen, die ihnen Geld geliefert haben; 3) eben so soll es sich mit jenen verhalten, die sie auf irgend einem Punkte gesehen haben und die Regierung nicht gleich hiervon benachrichtigen; 4) die Alkaden und Mitglieder der Municipalitaͤten, welche die Pflichten ihrer Functionen vernachlaͤssigen, sollen verhaftet und nach der Wichtigkeit der Umstaͤnde gerichtet werden. 8- dem vorhergehenden Artikel sind die Pfarrer, Vikare und an⸗ dere Geistlichen der Gemeinde mit einbegriffen, weil es ihre Pflicht ist, mitzuwirken, daß die Banditen, welche die Bevoͤlke⸗ rungen auspluͤndern und das Blut der getreuen Unterthanen vergießen, von ihrer Heerde entfernt werden 6

Der Courrierfrangaisenthaͤlt nachstehendes Schreiben: „Wir erhalten aus Madrid umstaͤndliche Details uͤber die ge⸗ genseitige Lage der Regierung und der Cortes. Die Regierung ist unter sich uneinig. Zwei Minister, die Herren Moscoso und Figueroa, werden durch die Herren Martinez und Toreno be⸗ schuldigt, ihren Schritten nicht entschieden genug zu folgen, und um die Entlassung der beiden erstgenannten Minister herbeizu⸗ fuͤhren, hat sich das Conseil seit der Sitzung vom 5ten bereits mehreremale versammelt. Die Herren Martinez und Toreno haben durchaus keine Lust, sich zuruͤckzuziehen, und werden dies wur im aͤußersten Fall thun. Da indeß diese Minister, die alle ihre fruͤheren Grundsaͤtze verleugnen, erklaͤrt haben, daß sie mit der Preßfreiheit nicht regieren koͤnnen und wollen, so er⸗ wartet man, daß sie die Anwendung der von der Kammer ge⸗ nehmigten Grundsaͤtze aus allen Kraͤften bekaͤmpfen werden. Es koͤmmt nun darauf an, wie lange dieser Widerstand dauern kann, und wie der Kampf enden wird. Die Opposition in der Pro⸗ kuradoren⸗Kammer verstaͤrkt sich taͤglich. Von den ungefaͤhr an⸗ wesenden 120 Deputirten kann das Ministerium mit Gewißheit unr 35 bis 40 Stimmen fuͤr sich zaͤhlen, weil dieselben Maͤnnern angehoͤren, die auf irgend eine Weise von ihm abhaͤngig sind. Eine ungefaͤhr gleiche Anzahl unabhaͤngiger Stimmen wuͤrden dem Ministerium zugefallen seyn, wenn es keine so hartnaͤckig ruͤck⸗ gaͤngige Bewegung gemacht haͤtte; jetzt kann es kaum uͤber die Haͤlfte verfuͤgen; denn unter den 55 Stimmen, die in der Siz⸗

Impro⸗

Der Artikel wurde nur durch eine Majoritaͤt

oder zwei Stimmen kann bei der ersten

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zung vom 5ten fuͤr das Ministerium gestimmt haben, befinden sich 6 oder 7, die keinesweges fuͤr ministeriell gelten wollen, und solches laut erklaͤrt haben. Sie haben sich bei ihrem Votum bloß von ihrer Privat⸗Ansicht uͤber die Preß⸗Freiheit, und durch⸗ aus nicht von den Argumenten des Herrn Toreno leiten lassen. Die Kammer der Proceres zaͤhlt ungefaͤhr 80 anwesende Mit⸗ glieder, unter denen das Ministerium sich eingebildet hat, bei jeder Gelegenheit eine starke Majoritaͤt zu finden. Dies ist wiederum einer seiner Irrthuͤmer; es sind in der ersten Kam⸗ mer wenig Talente, und es ist in derselben nichts von jener Energie, ohne welche eine aristokratische Koͤrverschaft sich in Zei⸗ ten der Revolution nicht erhaͤlt. Jene Granden von Spanien, jene Bischoͤfe werden die Privilegien nach besten Kraͤften ver⸗ theidigen; aber endlich werden sie nachgeben, und sie sind im Gefuͤhl ihrer Schwaͤche schon resignirt; es giebt nicht 10 unter ihnen, die sich aus dem gegenwaͤrtigen Ministerium mehr mach⸗ ten, als aus jedem andern. Die Anhaͤnger des Don Carlos, welche in der ersten Kammer sitzen, oder auf dieselbe einwirken, sind durch Hrn. Martinez de la Rosa nicht bekehrt worden; und Alles, was er durch die Ausschließungs⸗Maßregel gewonnen hat, ist, daß sich einige Personen kompromittirt haben; aber fuͤr sein angebliches System hat er Niemanden gewonnen. Die Fort⸗ schritte der oͤffentlichen Meinung in Madrid sind sehr bemerkens⸗ werth. Alle Klassen legen um so liberalere Gesinnungen an den Tag, je mehr sich die Regierung bemuͤht, dieselben zu unterdruͤk⸗ gegen die ungebuͤhrliche Anmaßung der Minister aus, die das Spanische Volk bevormunden, und ihm alle Freiheiten unter

sey, einen guten Gebrauch von denselben zu machen. Puerra del Sol beschuldigt man die Minister, daß sie unter fremdem Einflusse staͤnden. Man richtet die Anklagen besonders gegen den Grafen Toreno, der einen Augenblick die Hoffnung der Patrioten war, und der, weit davon entfernt, seinen Kolle⸗ gen die verkuͤndete Entschlossenheit mitzutheilen, im Gegentheile allen ihren falschen Combinationen beigetreten ist. Man macht dem Herrn Martinez de la Rosa ebenfalls bittere Vorwuͤrfe daͤruͤber, daß er dem Herrn Persil in einer seiner verhaßtesten Maßregeln hat nachahmen wollen. Er hat naͤmlich vor kurzem eine Verordnung gegen die oͤffentlichen Ausrufer erlassen. Verordnung ist um so unpassender von seiner Seite erschienen, als sie eigentlich gar nicht von seinem Ministerium ausgehen mußte. Nach den uns zugegangenen Berichten ist es augen⸗ scheinlich, daß die aufgeklaͤrten Leberalen in Spanien nicht mehr Vertrauen in das Franzoͤsische juste-misien, als in ihr eigenes setzen, und daß sie den Einsluß des Franzoͤsischen auf das Spa⸗ nische Kabinet als die Ursache alles Unheils betrachten. Herr von Rayneval kann es trotz aller seiner Geschicklichkeit nicht erlangen, daß man seine Anstrengungen, Herrn Zea am Ruder zu erhalten, vergißt, und daß man eine Veraͤnderung seiner polttischen Grundsaͤtze glaubt. Uebrigens wuͤrde der Herr Botschafter, wenn seine Instructionen der Art waͤren, die constitutionnelle Partei zu beruhigen, es gewiß ver⸗

und in das Geschrei der Minister gegen die Preßfretheit einzu⸗

stimmen. Sicherlich wuͤrde er von der Franzoͤsischen Presse nicht

sagen, daß sie eine wahrhafte Plage sey, die sein Hof aus

S8 Kraͤften bekaͤmpfe, bis er sich ihrer ganz und gar entledigen 1eeeg-

Im Indicateur de Bordeaux vom 10ten d. liest man: „Don Carlos befindet sich an den Kuͤsten Biscayens; am 6ten war er zu Elgoybar, wo er vielleicht bald durch Rodil er⸗ reicht werden wird. Dieser Letztere passirte am 7ten den Bruͤk⸗ kenkopf von Behobia, um nach Irun zu gehen.“”)

Die Times giebt folgendes Privat Schreiben aus Ma⸗ drid vom 5. September: „Die Diskussion der Petition fuͤr die politischen Rechte hat heute einen sehr ernsten Charakter an⸗ genommen. Sie kennen schon die große Majoritaͤt gegen die Minister, wodurch die Hauptsaͤtze der Petition angenommen wurden, eben so ist Ihnen das Schicksal des ersten Artikels be⸗ kannt, der das Recht jedes Spaniers auf den Genuß der per⸗ soͤnlichen Freiheit erklaͤrt. Der zweite Artikel erklaͤrt das Recht jedes Spaniers, seine Gedanken, ohne vorhergehende Censur, durch die Presse bekannt machen zu duͤrfen, und daß sie nur den Gesetzen unterworfen sind, welche zur Unterdruͤckung des Miß⸗ brauchs dieses Rechts gegeben werden moͤchten. Die Stim— men werden von den vier Secretairen unter den Augen des Praͤsidenten gesammelt, und die Art, wie dies bisher geschah, war aͤußerst beschwerlich. Einer der Secretaire mußte bei dieser Gelegenheit die Namen der anwesenden Mitglieder nach der Reihe aufrufen, waͤhrend seine Kollegen sie niederschreiben. Den Anfang machten sie mit dem Minister zur Rechten, und folgten dann den einzelnen Baͤnken nach der Reihe, bis sie auf der lin⸗ ken Seite der Tafel ankamen. Dies System ist jetzt dahin ge⸗ aͤndert, daß eine vorlaͤufige Liste angefertigt wird, und die Na⸗ men von einer alphabetisch nach den Provinzen geordneten Rolle abgelesen werden. Es ist nicht wenig merkwuͤrdig, daß die Mit⸗ glieder der Provinzen Catalonten und Galicien, die fuͤr die libe— ralsten in Spanien gelten, fast ohne Ausnahme bis jetzt mit dem Ministerium gestimmt haben, waͤhrend diejenigen Theile des Lan⸗ des, welche am staͤrksten des Karltsmus verdaͤchtig sind, Deputirte ge⸗ sandt haben, die mit der liberalen Opposition stimmen. Die Folge der Veraͤnderung in der Art der Abstimmung war, daß ein Mit⸗ glied, welches keine selbststaͤndige Stimme hatte, sondern immer mit den ministeriellen Mitaliedern stimmte, unter denen es auch seinen Sitz genommen hatte, jetzt mit seinen Kollegen aus seiner Provinz stimmt. Dieser Umstand, verbunden mit der Abwesen⸗ heit Moscoso's, war hinreichend, der Opposition den Sieg zu verschaffen. Es zeigte sich indeß, daß die verschiedenen Meinun⸗ gen sich schon schaͤrfer zu sondern anfingen, und daß die Mini⸗ ster unmoͤglich auf eine bestaͤndige Majoritaͤt rechnen duͤrfen. Hiernach ist die heutige Abstimmung nur deshalb wichtig, weil sie offenbar die parlamentarische Schwaͤche des Ministeriums zeigt.“

Aus Bayonne schreibt man vom 9ten d.: „Die Nach⸗ richt von der Niederlage der Truppen der Koͤnigin unter den Befehlen des Oberst Oraa bei Estella werd durch Personen, die bei dem Gefechte zugegen waren, vollkommen bestäͤtigt. Die Truͤmmer der Christinos haben ihr Heil nur in der Flucht nach Estella gefunden. Das Gefecht hat mehrere Stunden gedauert, und soll sehr hitzig gewesen seyn. Man kann nicht mehr zwei⸗ feln, daß in Alt⸗Castilien Karlistische Streif⸗Corps existiren. Eine aus Burgos hier angekommene Person versichert, daß die Cou⸗ riere von Madrid nach Vittoria eskortirt werden. Diejenigen, welche eine genaue Kenntniß der Spanischen Angelegenheiten haben, zweifeln nicht mehr an dem Triumph der Sache des Don Carlos, wenn Frankreich nicht mit Gewalt der Waffen ein⸗

schreitet.“

bem 8 rechnet, eine im ganzen so evident zweckmaͤßige In allen Versammlungen spricht man sich mit Heftigkeit

dem Vorwande verweigern wollen, daß es noch nicht im Stande Auf der

Diese erwartenden Ergaͤnzung als eigentlich konstituirt anzusehen seyn

meiden, die in ganz Madrid geltenden Meinungen zu verletzen,

1313“ ö“ Lissabon, 29. August. Die Frage, ob Dom Pe⸗ dro die Regentschaft in der bisherigen Weise bis zur Vollsaͤh⸗ rigkeit Donna Maria's fortzufuͤhren habe, ist in der Deputir⸗ ten⸗Kammer zur Berathung gekommen, und, wie es vorherzuse⸗ hen war, fast mit Einstimmigkeit (90 Stimmen gegen 5) besa⸗ hend entschieden worden. Diese fuͤnf Stimmen gehoͤrten derse⸗ nigen Opposition an, die man, ihrer Sprache nach, die republi⸗ kanische nennen koͤnnte. Eine gleiche Loͤsung wird der Regie⸗ rungs⸗Antrag wegen der Vermaͤhlung Donna Maria's mit ei⸗ nem auslaͤndischen Prinzen, woruͤber bereits die betreffende Kom⸗ mission ihren zustimmenden Bericht erstattet hat, erhalten, wenn gleich hier die Majoritaͤt nicht ganz so groß ausfallen duͤrfte. Auch die Regierungs⸗Maßregel wegen Einziehung des Papier⸗ geldes ist durch ein fast einstimmig votirtes Gesetz sanctionnirt worden, welches nur den schon in der Sache selbst liegen⸗ den Zusatz enthaͤlt, daß alle vor Erlassung der betreffenden Verordnung kontrahirte Verpflichtungen nur in der damals be⸗ standenen Valuta, das heißt noch halb in Paptergeld nach dem jetzt fast regulirten Werth⸗Verhaͤltnisse desselben zum baaren Gel⸗ de, zu erfuͤllen seyen. Jene Zuruͤckfuͤhrung der Landes⸗Valuta auf Metall, und die demzufolge statthabende Einziehung des Pa⸗ piergeldes ist uͤbrigens, einige Fehlgriffe in Neben⸗Details abge Maßregel, daß nur Partei⸗Geist oder Portugiesische Unkenntniß sich ihr entge⸗ gensetzen konnten. Die Art und Weise, wie jene drei Haupt⸗An⸗ gelegenheiten in der Deputirten⸗Kammer entschieden worden sind, zeigt wohl zur Genuͤge, daß es nur eine reine Taͤuschung ist, wenn man die Deputirten⸗Kammer in Opposition gegen das be⸗ stehende Regierungs⸗Systen erblicken will. Es ist wahr, daß die Deputirten von Porto nicht die mindeste Schonung gegen die Regierung, sey es in Betreff der Sachen oder der Personen, zeigen, und daß ihre Sprache eben so leidenschaftlich als einschnerdend ist; aber die Kraft einer Opposition in einer deliberirenden Ver⸗ sammlung liegt bekanntlich in der Anzahl der Stimmen, uͤber die selbige verfuͤgt, und dieser eigentliche Nerv ist es, welcher bisher der Partei von Porto fehlte. Eben so wenig furchtbar ist der Regierung die ausgesprochene Opposition des Embryo's von Pairs⸗Kammer, die erst in einigen Tagen in Folge der zu

wird, und dann wohl sich eben so folgsam beweisen duͤrfte, als sie sich bisher aufgeregt zeigte. Nicht durch eine Opposition von Seiten der Kammern, sondern nur durch den Tod Dom Pedro's, dessen Gesundheit fortwaͤhrend aͤußerst schwankt, duͤrften nam⸗ hafte Veraͤnderungen in dem bisherigen Regierungs⸗System und den Personen des Ministeriums vorherzusehen seyn. Weit ernst⸗ lichere Beschaͤftigung, als einige republikanische Schreier in der Deputirten-Kammer, und die ohnmaͤchtigen Intriguen eines Dutzend wegen getaͤuschter persoͤnlicher Hoffnungen mißvergnuͤg⸗ ter Fidalgos, giebt der Regierung die zwar desorganisirte, aber immer noch in ihren Elementen vorhandene Partei Dom Mi⸗ guel's. Zehntausend aus den Kloͤstern vertriebene und uͤber das ganze Land verbreitete Moͤnche, gegen funzehntausend ehemalige sogenannte Koͤnigliche Frerwillige, uber 1000 reformirte Offiziere der ehemaligen Armee Dom Miguel's bilden, nebst tausenden aus ihren Aemtern vertriebenen Civil⸗Angestellten, einen Kern von entschiedenen Mißvergnuͤgten, zu deren Niederhaltung es einer kraͤftigen Hand bedarf. Die jetzige Regierung scheint dies auch sehr zu fuͤhlen; und es geschieht wohl aus daher ruͤhrenden poli⸗ tischen Ruͤcksichten, daß eine kuͤrzlich erschienene Verordnung die Beschleunigung des Verkaufs des ehemaligen Kloster⸗Eigenthums befiehlt, und daß zu diesem Verkaufe mit einer Eile geschritten wird, die sich danach beurtheilen laͤßt, daß in der heutigen Ga⸗ zette allein die Gebaͤude von zwoͤlf Kloͤstern nebst zugehoͤrigen Grund⸗ stuͤcken ausgeboten werden. Indem man den pecuniairen Verlust der aus so gehaͤuften Verkaͤufen entstehen muß, wohl als mehr wie aufgewogen durch den Partei⸗Vortheil betrachtet, daß die Kloster Gebaͤude rasch zu anderen Bestimmungen eingerichtet werden, dadurch den Moͤnchen die Hoffnung zur Ruͤckkehr be⸗ stimmter abgeschnitten wird, und eine zahlreiche Klasse von Be⸗ sitzern von Kloster⸗Guͤtern sich durch ihr Interesse bei der Auf⸗ rechthaltung der bestehenden Ordnung der Dinge interessirt be⸗ findet. Daß die herrschende Partei diejenige Dom Miguel's noch nicht ohne Besorgnisse erblickt, leuchtet auch aus den Ver⸗ handlungen in der Deputirten⸗-Kammer in Betreff der Pro⸗ testation dieses Prinzen hervor. Wer die Rolle kennt, welche der jetzige Baron Renduff bei der Expedition Dom Miguel's nach Villafranca im Jahre 1823 spielte, muß sich wundern, daß die herrschende Partei gerade diesen seitdem zum Liberalismus Bekehrten ausgewaͤhlt hat, um den Schild gegen den Prinzen aufzuheben, unter dessen Fahnen er sich damals gegen die Cortes schaarte. So lange indeß Dom Pedro lebt, duͤrfte, mindestens fuͤr die naͤchste Zukunft, keine Miguelistische Bewegung begruͤn⸗ dete Aussichten, selbst nur auf voruͤbergehende Erfolge gewaͤhren. Unterlaͤge aber der Regent dem an seine Koͤrper⸗Constitution nagenden Uebel, so duͤrften Versuche zu Partei⸗Ruͤckwirkungen nicht jange sich erwarten lassen, wenn gleich die endliche Erfolgs⸗ Aussicht wohl wesentlich von dem Ausgange des Partei⸗Kampfes in Spanien, und mehr noch von der Politik Großbritaniens abhinge. 1 .

Konstantinopel, 26. August. (Oest. Beob.) Den letzten uͤber die Ereignisse in Syrien und Aegypten hier ange⸗ langten Nachrichten zufolge, war Mehmed Ali am 29. Juli nach Alexandrien zuruͤckgekehrt. Hinsichtlich des Zustandes von Sy⸗ rien und der zur Beruhigung dieser Provinz von Ibrahim Pa⸗ scha getroffenen Maßregein sind jedoch noch immer die mannig⸗ faltigsten Geruͤchte im Umlauf. 1

Die Pestseuche nimmt leider taͤglich mehr uͤberhand und richtet, besonders unter den Tuͤrken, große Verheerungen an. Wiewohl eine genaue Berechnung der Sterbefaͤlle hier unmoͤg⸗ lich ist, so kann man doch mit einiger Wahrscheinlichkeit anneh⸗ men, daß gegen 3 bis 400 Individuen taͤglich Opfer dieser fuͤrch⸗ terlichen Krankheit werden. Man bemerkt uͤbrigens auch bei diesem Anlasse, wie sehr die Tuͤrken nach und nach von ihren alten Vorurtheilen zuruͤckkommen, indem die Raͤucherungen und sonstigen Vorsichts⸗Maßregeln, denen sich fruͤher kein Tuͤrke un⸗ terziehen wollte, nunmehr im Serail sowohl, als bei den mei⸗ sten Ministern und Pforten⸗Beamten eingefuͤhrt sind.

Konstantinopel, 30. August. Das heutige Blatt des Moniteur Ottoman enthaͤlt einen Artikel zu Widerlegung eines in der Allgemeinen Zeltung erschienenen Berichts uͤber die neue Organisation der Fuͤrstenthuͤmer Moldau und Wallachei, wonach die Pforte die Absicht gehabt haͤtte, den bei⸗ den Fuͤrsten gewisse Divan⸗Efendis beizugeben. Dies habe sagt der Moniteur, niemals in der Absicht der Pforte gelegen.