1834 / 270 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Noch immer kommt es vor, daß Belgische Schiffer und Rheder die Anerbietungen der Niederlaͤndischen Regierung, ihre

Schiffe unter Hollaͤndischer Flagge segeln zu lassen, annehmen So ist am 19ten d. das Schiff „Henriette“, Capitain Oostwel den, von Antwerpen auf der Rhede von Vliessingen angekommen, um fuͤr die Zukunft fuͤr Rechnung eines Rotterdamer Han⸗ delshauses zu fahren.

Amsterdam, 18. Sept. (Schw. Merk.) Der bekannte Toreno sche Fnanzplan, mehr aber der Antrag, den auf den Grund desseiben die zu dessen Begutachtung von der Prokurado⸗ ren⸗Kammer ernannte Kommission in ihrer Mehrheit gemacht hat, scheint bei unsern Kapitalisten der Sache des Spanischen Kron⸗Praͤtendenten, Don Carlos, sehr zu Statten zu kommen. Es haben sich naͤmlich in diesen letzten Tagen viele Unterzeichner zu der fuͤr dessen Rechnung an hiesigem Platze (so wie auch zu London) eroͤffneten Anleihe gemeldet, da man die Bedingungen derselben in sofern fuͤr vortheilhaft haͤlt, als man sich, mirtelst einer eben nicht sehr bedeutenden baaren Daraufgabe, veue An⸗ spruͤche fuͤr den Fall erwirbt, daß dieser Fuͤrst den Sieg erlan⸗ gen sollte. Auch die fuͤr ebendenselben in mehreren Hollaͤndt⸗ schen Plaͤtzen stattfindenden Schiffs Ruͤstungen und Waffen⸗An⸗ schaffungen haben auten Fortgang. Die Regierung aber, ermaͤch⸗ tigt sie solche auch nicht foͤrmlich, scheint sich doch dabei vollkom⸗ men theisnahmlos zu verhalten; ein Mittelweg, der bei den ei⸗ genthuͤmlichen Staats⸗Verhaͤltnissen Hollands gewiß nur Billi⸗

gung finden duͤrfte.

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Hannover, 22. Sept. Unter den letzten Verhandlungen der verzdaten Staͤnde⸗Versammlung war die Berathung zweiter Kamraer uͤber das Ministerial Schreiben vom 1. September von Wichtigkeit. In jenem Schreiben war naͤmlich von dem Mi⸗ masterium beantragt, es moͤchten die Geldmittel, die in Folge der verhinderten Ausfuͤhrung des Zoll⸗Vertrages mit Braunschweig und durch die Uebernahme der Kavallerie⸗Verpflegung und des Infanterie⸗Seryvices auf die Landes Kasse herbeigefuͤhrt seyen, so wie das Beduͤrfniß der Kassen und das Fortschreiten der anzu⸗ ordnenden Lequtdationen uͤber die seit dem 1. Juli 1834 zu lei⸗ stende Veerguͤtungen solche erforderten, bis zu dem Betrage von 240,909 Rchir. durch Anleihen herbeigeschafft werden. Ein Theit der Mitglieder der zweiten Kammer glaubte, sich diesem Antrage weoersetzen zu muͤssen. Sie wuͤnschten, daß die Entschädigungen wegen der Kavallerie⸗Bequartierung und Verpflegung, so wie vegen Aufhebung des Infanterie⸗Servis, zur Verminderung des Deficits bis zum 1. Januar 1835 aufgeschoben und nur eine Anleche bis zum Betrage von 90,000 Rthlr. genehmigt werde. Das System der bestaͤndigen Anleihen, welches man seit einigen Jahren befolge, sey dem Lande nur schaͤdlich, zumal auch die Zinsen dieser Summen getragen werden muͤßten; durch die so verspaͤteten Kosten wuͤrden die Vortheile der Aufhebung der AKavallerie⸗Bequartierung fast ganz vernichtet; und man muͤsse am Ende befuͤrchten, wenn man diesen Weg nicht aͤndere, einem bestaͤndigen Desicit entgegen zu gehen. Die Mehrheit der Kam⸗ mer erklaͤrte dagegen, daß man bereits fruͤher den Beschluß ge⸗ faßt habe, die Kavallrie⸗Bequartierung und den Infanterie⸗ Servis vom 1. Juli 1834 an aufzuheben; man koͤnne jetzt da⸗ von nicht abgehen, ohne durch die Aussetzung dieser Maß⸗ regel, die so lange gewuͤnscht worden sey, Unzufriedenheit zu er⸗ regen. Es duͤrfe das Versprechen doch darum nicht unerfuͤllt bleiben, daß wegen unvorhergesehener Ereignisse ein Theil der Einnahme ausgefallen sey. Die Kavallerie⸗Bequartierung und der Infanterie⸗Servis seyen druͤckend gewesen, weil sie von ein⸗ zelnen Klassen haͤtten getragen werden muͤssen; aber durch diese Anleihe werde die Last gleichmaͤßig auf alle Unterthanen vertheilt, und man koͤnne daher nicht behaupten, daß die Erleichterung der Aufhebung durch die erhoͤheten Beduͤrfnisse der Anleihen aufge⸗ wogen werde. Der Antrag des Ministeriums wurde bei der Abstimmung genehmigt. In dem Verlaufe jener Verhandlun⸗ gen wurden auch die Verhaͤltnisse des Finanz⸗Haushaltes im Ganzen gercuͤrdigt. Man erwaͤhnte tadelnd, datz 1830 in den Kassen em Ueberschuß von 400,000 Rthlr in der Steuer⸗ Kasse gewesen sey; aber seit dieser Zeit habe man der Gruand⸗Steuer erlassen, habe den Licent von Roggen erlassen, und die untere Klasse der Personen⸗Steuer vermindert. Alle oilese Ausfaͤlle seyen durch Anleihen gedeckt worden. Man habe ferner fuͤr die Kriegs⸗Ruͤstungen und fuͤr Erleichterungen des Norhstandes andere Schulden aufgenommen, und so sey der Fi— nanz Haushalt der Steuer⸗Kasse seit 1830 um 1,400,000 Rthlr. zuruͤckgegangen. Außerdem habe die Domainen⸗Kasse einen Ver⸗ lust von 1,200,000 Rthlr. erltiten. Darauf wurde jedoch er⸗ wiedert, die Verminderung in der Domainen⸗Kasse sey durch polttische Ereionisse im Allgemeinen, durch Unruhen in den be⸗ nachbarten Staaten, durch den Aufruhr im Lande selbst und ourch fehlgeschlagene Aerndten herbeigefuͤhrt worden. Gegen solche Verhaͤltnisse koͤnne doch die Finanz⸗Verwaltung nicht an⸗ kaͤmpfen. Was die Verminderung in der Steuer⸗Kasse betreffe, so habe das halbe Bundes⸗Kontingent aufgestellt werden muͤs⸗ sen. Außerdem sey mit Bewilligung der Staͤnde die Grund⸗ steuer um 90,000 Rthlr. vermindert, und allmaͤlig fuͤr Re⸗ clamationen bei derseiben 400,000 Rthlr. erlassen worden. Um den Klagen, die von den Staͤnden uͤber den Druck der unteren Klassen gefuͤhrt worden seyen, abzuhelfen, habe man den Roggen⸗ Licent aufgehoben und die Personen⸗Steuer erleichtert, wodurch ein Ausfall von 150,000 Rihlr. entstanden waͤre. Dazu habe sich die Branntwein⸗Steuer durch unguͤnstige Aerndten und die fortgeschrittene Industrie von 400,900 Rtihlr. auf 280,000 ver⸗ mindert. Den Ereignissen im Allgemeinen muͤsse man also diese Verminderungen zuschreiben, und sie wuͤrden in naͤchster Zeit sich wohl bald wieder ausgleichen. Bei allem dem koͤnne man aber gar nicht behaupten, daß die Finanzen im Ganzen sich verschlech⸗ tert haben, indem von 1830 bis 1834 jaͤhrlich 450,000 Rthlr. oder zusammen 1,800,000 Rthlr. an Schulden getilgt worden seyen.

Kassel, 24. Sept. In der Sitzung der Staͤnde⸗Ver⸗ sammlung vom 23sten September wurde das Finanz⸗Gesetz nochmals revidirt und mit den durch die neuesten Beschluͤsse uͤber den Militair⸗Etat und andere Differenz⸗Punkte nothwen⸗ dig gewordenen Moodificationen angenommen. Es wurde be⸗ schlossen, dasselbe nunmehr Behufs Sanction an die Staats⸗ Regierung zuruͤckgehen zu lassen. Nachdem sodann verschiedene Petitionen ihre Erledigung gefunden, ging die oͤffentliche Sitzung in eine vertrauliche uͤber, in welcher, dem Vernehmen nach, die Frage uͤber Creirung von Kassenscheinen diskutirt und verneint

worden ist.

Muͤnchen, 21. Sept. (Leipz. Ztg.) Von unserem Landsmanne, dem Professor Falmerayer, sind Briefe aus Grie⸗ chenland eingetroffen. Der Urlaub, welchen derselbe zur Berei⸗ sung des Orients auf drei Jahre erhalten hatte, geht mit dem

1. November dieses Jahres zu Ende. Professor Fallmerayer,

gegen Thiersch die Abkunft der heutigen Griechen von den alten Hellenen leugnen (m. s. Fallmerayers: „Geschichte der Halbinsel Morea“) scheint nicht nur von seiner Ansicht ganz zuruͤckzu— kommen, sondern schreibt selbst, er habe in Sparta einige Doͤr⸗ fer getroffen, deren Einwohner die Alt⸗Griechische Sprache noch so ziemlich in ihrer Urspruͤnglichkeit besaßen. Griechenland be⸗ duͤrfte nur der Ruhe, um die Alt⸗Griechische Sprache allmaͤlig bei der Nation einzufuͤhren. Bereits sind mehrere Geschichtschrei⸗ ber, Dichter und Grammatiker aufgetreten, deren Erzeugnisse al⸗ len Beifall verdienen, und die es mit Gluͤck versuchen, unter vielen anderen Alt Grrechischen Formen namentlich den selbststaͤndi⸗ gen Infinitiv, die alten Participial⸗Constructionen und den al⸗ ten Periodenbau zu gebrauchen. Sie bereichern auch das Ma⸗ terial der Griechischen Sprache mit vielen neuen Woͤrtern. Sie bereisen das Land, um alle im Munde des Volkes befindliche Woͤrter aufzuzeichnen und in ein Woͤrterbuch zu sammeln. Die⸗ selben haben auch bereits nicht nur die altgriechischen Woͤrter ge⸗ sammelt, welche bisher den Lexekographen entgangen waren, son⸗ dern auch durch Woͤrterbuͤcher der Alt⸗Griechischen Sprache auf die Bildung der neugriechischen zu wirken gesucht, indem sie die großen Lexika von Schneider, Riemer und Stephanus uͤbersetz⸗ ten und fuͤr die Griechen gehoͤrig bearbeiteten. Die Sprache des alten Hellas lebt noch in dem neuen Griechenland.

23. September enthaͤlt eine Bekanntmachung der Ministerien der auswaͤrtigen Angelegenheiten und des Innern, wonach durch gegenseitige, unter dem 19. August zu Parts ausgewechselte Er⸗ klaͤrungen der Koͤniagl. Wuͤrttembergischen und der Koͤnigl. Grte⸗ chischen Regierung, die Erhebung des Abzugs und der Nachsteuer gegenseitig aufgehoben und dabei bestimmt worden ist, daß die zwischen beiden Regierungen abgeschlossene, vom Tage der Aus⸗ wechselung in Kraft und Wirksamkeit tretende Uebereinkunft auf alles noch nicht ausgefuͤhrte, wenn gleich fruͤher angefallene Vermoͤgen angewendet werden soll.

Darmstadt, 22. Sept. Gestern Mittag ließen Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog, in Begleitung IJ. HH. des Erb⸗ Großherzogs, der Prinzen Karl und Emil, und eines zahlreichen Stabes, die Regimenter der hier garnisonirenden 1sten Infanterie⸗ Brigade, so wie das Regiment Garde⸗Chevauxlegers auf dem Paradeplatze nach einander die Musterung passiren. Beim De⸗ filren der Regimenter trat der dem ersten Infanterie⸗Regimente als Seconde⸗Lieutenant aggregirte sunge Prinz Alexander in sei⸗ nen Zuge ein. Se. Hohett der Prinz Emil fuͤhrte das Garde⸗ Chevauxlegers⸗Regiment Hoͤchstselbst in der Uniform des Regi⸗ ments an des Großherzogs Koͤnigl. Hoheit vorbei. Nach der Revue hatten saͤmmtliche Stabs Offiziere der Großherzoglichen Truppen die Ehre, von Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzoge zur Tafel gezogen zu werden. Heute Vormittag musterten Se. Koͤnigl. Hoheit auf gleiche Weise die Regimenter der hier durchmarschirenden zweiten Infanterie⸗Brigade, welche hierauf Cantonnements in den Ortschaften suͤdlich und oͤstlich der Stadt bezog, in welcher Gegend den 23., 25. und 27. d. M. die groͤßeren Feld⸗ Manoͤver stattfinden werden. Hierauf begaben Sich Allerhoͤchst⸗ dieselben mit Ihrem Gefolge auf den Exerzirplatz und inspizir⸗ ten hier die mit einer halben Batterie reitender, zwei Batterieen Fuß⸗Artillerie und der zur Bedienung der Belagerungs⸗Batte⸗ rieen noͤthigen Mannschaft in Parade aufgestellte Artillerie. Nach⸗ dem die Artillerie an Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzoge vor⸗ bei defilirt war, zog sie sich zuruͤck, um ein Manoͤver mit schar⸗ fem Feuer auszufuͤhren. Die reitende Artillerie ruͤckte im Ga⸗ lopp vor und nahm seitwaͤrts Position, um durch ihr Feuer den Aufmarsch der Fuß⸗Artillerie zu decken, der rasch vollzogen wurde. Auf zwei Positionen, 1000 und 600 Schritte vom Ziele, einer 80“ langen und 6 hohen Bretterwand, erfolgte ihr wohlgenaͤhr⸗ tes Feuer. Fast die Haͤlfte der abgeschossenen Kugeln durch⸗ bohrte die Wand, meistens in der Naͤhe der durch einen Streifen bezeichneten Mitte. Nicht minder guͤnstiges Zeug⸗ niß von ihrer Fertigkeit im Schießen legte die Artillerie durch das nun erfolgende Feuer aus der Demontir⸗Batterie gegen die Schießscharten einer Schanze, der Ricochett⸗Batterie gegen den Wallgang einer groͤßeren geschlossenen Verschanzung und aus der Moͤrser-Batterie ab, welche letztere Bomben, Steine und Spiegel⸗Granaten warf, so wie sie durch ihr Bataille⸗Feuer, des⸗ sen Wirkung die zahlreichen Zuschauer allgemein in Erstaunen setzte, den Beweis von ihrer vorzuͤglichen takrischen Ausbildung geliefert hatte. Das neue Matertal der Artillerie, im wesentli⸗ chen nach Englischem Muster, wobei jedoch die Hessische Artil⸗ lerie keine Verbesserung anderer Artillerieen unberuͤcksichtigt ließ, bewaͤhrte auch heute wieder seine Vorzuͤglichkeit. Alle Kenner zollen der Einfachheit und Zweckmaͤßigkeit dieses Materials ih⸗ ren Beifall. Die neuen nach der Angabe eines Franzoͤ⸗ sischen Artillerie⸗Capitains verfertigten Frictions⸗Schlag⸗ roͤhrchen, deren sich die Artillerie bei ihren diesjaͤhrigen Uebungen zum erstenmal versuchsweise bediente, haben sich im Allgemeinen bei vorsichtiger Bearbeitung als ziemlich gut ge⸗ zeigt. S. K. H. der Großherzog geruhten diesem Artillerie⸗ Manoͤver bis zu Ende beizuwohnen und Ihre Allerhoͤchste Zufrie⸗ denheit auszusprechen, die Sie uͤberhaupt bei allen Musterungen gestern und heute uͤber den trefflichen Zustand saͤmmtlicher Trup⸗ pen und ihre vorzuͤgliche Haltung zu erkennen gegeben hatten. Von allen Regimentern und Corps waren S. K. H. mit dem lebhaftesten Enthusiasmus empfangen worden. Das herrlüchste Wetter beguͤnstigte diese kriegerischen Schauspiele, denen Tau⸗ sende von Zuschauern aller Staͤnde beiwohnten.

Frankfurt a. M., 18. September. (Allgemeine Zei⸗ tung.) Die am verflossenen Sonntag Abends in unserer Stadt und naͤchsten Umgegend stattgefundene Entwickelung militairischer Streitkraͤfte soll allerdings mottvirt gewesen seyn. Man erzahlt sich, daß an diesem Tage eine ungewoͤhnliche Anzahl Studiren⸗ der in unserer Mitte verweilt habe. Einige sollen (wenn dieses wahr, vermuthlich im betrunkenen Zustande) an oͤffentlichen Or⸗ ten gesagt haben: heute Abend werden die Gefangenen befreit ꝛc., und darauf hin, und auf Mittheilungen von Außen her, sollen dann die militatrischen Anordnungen getroffen worden seyn. Ich will die Wahrheit dieser umlaufenden Geruͤchte nicht verbuͤrgen, allein bei dieser Gelegenheit eine Bemerkung mir erlauben, die von einer tollkuͤhnen Befreiungsschaar, sollte eine solche wirklich bestehen, wohl beherzigt werden moͤge. Die Bewachung der hie⸗ sigen politischen Gefangenen ist jetzt so eingerichtet, daß eine Mit⸗ theilung von außen von ihren Freunden nicht mehr moͤglich ist; sie koͤnnen also nicht wissen, was fuͤr sie unternommen werden soll. Wollte eine kleine Schaar fremder Exaltirter sich aber⸗ mals ein Rendezvous bei uns geben, und mit versteckter Waffe einen Angriff auf die Gefaͤngnisse wagen, so wuͤrden sie nicht allein, da die fruͤhern Ereignisse keine Schonung mehr zulas⸗ sen, augenblicklich mit blutigen Koͤpfen zuruͤckgeschickt werden denn die Wache ist immer stark besetzt sondern sie wuͤrden auch augenblicklich durch das Aufgebot der Bundes⸗Truppen um⸗

bekanntlich einer der gelehrtesten und heftigsten Kaͤmpfer, welche

Loos dann har e gg. Glaube man ja nicht, daß solche ver, abscheuungswuͤrdige Unternehmungen auch nur im Entfernte⸗ sten Anklang bei irgend einer Klasse von Frankfurts Beweß⸗ nern faͤnden. Wir glauben, die Ansicht aͤußern zu duͤrfen, Frank⸗ furts Bewohner haben alle Ursache, mit Wort und That dahin zu wirken, daß es nie mehr einer Schaar Verblendeter gelingt auch nur im Geringsten Unruhen bei uns zu erwirken. Abe Deutschland kann sich uͤber das Schicksal der jungen Maͤnner, welche seit jenen allbekannten bedauernswerthen Ereignissen hier im Untersuchungs⸗Arreste sitzen, beruhigen. Sie werden anstaͤn, dig behandelt, ihrem traurigen Loose geschieht jede Erleichterung die sich mit der Natur der Haft vertraͤgt. Mehr zu thun lies nicht in unserer Macht, noch in den Gesetzen. Und welche Ur⸗ sache ist vorhanden, zu glauben, daß nicht, nach beendiaten Un⸗ tersuchungen, ein milderes Loos jenen Ungzluͤcklichen bevorsteh⸗ als man vielleicht vermeint? Thatliche Theilnahme zur vermeint lichen Erleichterung ihres Schicksals, oder gar ein abermaligen Befreiungs⸗Versuch, koͤnnte basselbe nur verschlimmern. 4

DOh Wien, 21. Sept. Am 19ten Morgens sind Ihre Mas⸗

staͤten der Kaiser und die Kaiserin von Bruͤnn nach Olmuͤtz ae⸗ gereist, von wo Allerhoͤchstdieselben am 23sten wieder in Bruͤnn

Stuttgart, 24. Sept. Das Regierungs⸗Blatt vom einzutreffen gedachten.

Der Feldmarschall⸗Lieutenant und kommandirende Generul in Maͤhren, Graf von Mazzuchelti, ist zum General⸗Feldzeun meister ernannt worden

Am 11ten d. M brach in der im Olmuͤtzer Kreise liegen, den Stadt Hof um die Mitternachtsstunde Feuer aus, welche, beguͤnstigt durch die anhaltend trockene Witterung und einen hef⸗ tigen Wind, mit einer solchen Schnelligkeit und Wuth um sch griff, daß alle Rettungsversuche fruchtlos blieben, und die gang innere, aus 188 Gebaͤuden bestehende Stadt binnen weniger at einer Stunde beinahe bis auf den Grund niedergebrannt wurd, und selbst die Kirche der Wuth der Flamme nicht entging. I. eine Rettung der Habseligkeiten war nicht zu denken; Jeder wu nur auf die Rettung seines Lebens bedacht. Allein selbst dieses zu erhalten gelang nicht Allen, denn 11 Personen wurden en Opfer der Flammen.

Schweiz.

Die Zuͤricher Zeitung faͤhrt fort, Nachtraͤge von den Verhandlungen der Tagsatzung zu liefern. In der Sitzung an 5. Sept. stellte der Gesandte von Graubuͤndten instructionsge maͤß den Antrag, die Tagsatzung moͤchte gegen den Mißbraug der Presse in so weit einschreiten, daß den Staͤnden zu em⸗ pfehlen waͤre, die geeigneten Maßnahmen zu treffen, namene lich in Bezug auf Anfeindungen gegen fremde Gesandte; zu diesem Behuf solle durch den Abschied zu Instructionen auf da kuͤnftige Tagsatzung eingeladen werden. Die meisten Gesandte schaften sprachen sich ablehnend aus, sowohl weil dieser Gegen⸗ stand ausschließlich in den Bereich der Kantonal⸗Gesetzgebungen falle, als weil das niedrige und poͤbelhafte Schimpfen vieler oͤffentlichen Blaͤtter gegen Behoͤrden und einzelne Magistrate zu⸗ verlaͤssig nur Ekel und allgemeine Verachtung gegen die Ur⸗ heber errege. Gegen die Aufnahme stimmten 16 ½ Staͤnde, dafuͤr Urt, Unterwalden, Wallis, Buͤndten; ad referendum, wollten den Antrag nehmen Baselstadt und Neuenburg. Bern eroͤffnete, daß durch ein Dekret seines großen Rathes die Aus⸗ lieferung politischer Verbrecher nicht mehr geleistet werden solle, und daher dieser Stand sich in so weit außer dem noch beste⸗ henden Vertrag mit Oesterreich und Baden erklaͤre, das er den selben nur auf gemeinschaͤdliche Verbrecher anwenden werde; er wuͤnsche uͤberdies, daß die gesammte Eidgenossenschaft den glei⸗ chen Entschluß fasse. Diesen Vorschlag wollten ad instruendum in den Abschied nehmen 4 Staͤnde (Bern, Waadt, Luzern, 30⸗ rich, Baselstadt). Die uͤbrigen nahmen die Eroͤffnung einfach ad referendum. 3

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Lurin, 16. Sept. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben den diesseitigen Gesandten am Koͤnigl. Bayerischen Hofe, Oberst Graf Vittorio von Sambuy, zum General⸗Major ernannt.

Mailand, 19. Sept. Die durch die letzten Natur⸗Ereig. nisse zerstoͤrten Landstraßen im Lombardischen, so wie die Bruͤl⸗ ken uͤber die Adda sind in Folge der angestrengten Bemuͤhun gen aller dabei betheiligten Beamten bereits wieder so weit her⸗ 1gg- daß sie von allen Reisenden ohne Gefahr passirt werden unen.

In Lovere ist die Ruhe ganz wieder hergestellt. Mehrert von den Raͤdelsfuͤhrern sind festgenommen worden, andere haben die Flucht ergriffen.

Lucca, 15. Sept. Die hiesige Zeitung meldet: „I der vergangenen Nacht um 2 Uhr ist auf der Ruͤckreise von Rom nach Genua der Infant Dom Miguel von Braganza hitr durchpassirt.“

Bologna, 18. September. Der Kaiserl. Oesterreichische General⸗Major Baron Geppert, der seit zwei Jahren in Forl den Ober⸗Befehl uͤber die in der Romagna befindliche Oesterrei chische Brigade fuͤhrte, ist vorgestern von dort abgereist und duͤrfte, wie es heißt, den General⸗Major Grafen Auersberg zum Nachfolger erhalten.

Spanien.

Folgendes sind die neulich schon erwaͤhnten Betrachtungen des Eco del Comercio uͤber den Bericht der Majoritaͤt der Finanz⸗Kommission: „In der Prokuradoren⸗Kammer ist der Be⸗ richt des Finanz⸗Comités uͤber den vom Finanz⸗Minister am 7. August vorgelegten Gesetz⸗Entwurf verlesen worden. Nachdem wir uns mit dem Inhalt dieses wichtigen Dokuments bekannt gemacht, scheint es uns nicht, daß die Kommission die wahren Grundsaͤtze eines National⸗Kredits zu Rathe gezogen, den Intte⸗ ressen der Politik Genuͤge geleistet oder die schwierige Lage, wo⸗ rin wir uns jetzt befinden, beruͤcksichtigt habe. Die Kommission beruͤhrt, vielleicht ohne es zu wuͤnschen, eine wichtige und zartte Frage des oͤffentlichen Rechts, die wir schon fruͤher erwaͤhnten, nämlich, ob die jetzigen Cortes irgend einen Regierungsakt Fer⸗ dinands VII. fuͤr nichtig erklaͤren duͤrften. Wir werden zur ge⸗ hoͤrigen Zeit uͤber diese Frage, die von gefaͤhrlichen Folgen seyn kann, unsere Meinung aussprechen, die in keiner Hinsicht fuͤr die in dem oben erwaͤhnten Bericht vorgeschlagenen Maßregeln guͤnstig ausfallen wird. Wir glauben gehoͤrt zu haben, daß die Kommission den Vorschlag des Finanz⸗Ministers, eine Anleihe von 400 Millionen Realen zu machen, zu derselben Zeit, wo er eine Reduction der Schuld vorschlaͤgt, als nicht zeitgemäaͤß be⸗ trachtet; aber wir moͤchten noch groͤßeren Tadel fuͤr die Kom⸗ mission darin finden, daß sie die Regierung ermaͤchtigt, eine An⸗ leihe von 200 Millionen Realen zu kontrahiren, und zugleich

zingelt seyn; an ein Entweichen waͤre nicht zu denken, und ihr

durch die Nichtanerkennung der seit 1823 bis jetzt ge⸗

ren Nachrichten befindet sich nach seiner Aussage der

auswaͤrtigen Schuld einen absoluten Bankerott an⸗ Der 5te Artikel erklaͤrt, daß die Anerkennung de Folge des Traktats vom 30. Dezember 1828 zu Gunsten des Franzoͤsischen Schatzes creirten Schuld, bis sie von den Cortes gepruͤft worden, suspendirt, mit der Zins ahlung und Tilgung aber wie bisher fortgefahren werden soll. Dies heißt, die Nebensache zugeben und die Hauptsache verwei⸗ gern. Moͤgen indeß die Meinungen der beiden Sectionen des Finanz Comités gut oder schlecht begruͤndet seyn, wir sind erfreut u sehen, daß alle Mitglieder darin uͤbereinstimmen, die Regie⸗ rung mit allen Huͤlfsmitteln zu versehen, deren sie bedarf, wie

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es ihr e’nstimmiger Wunsch, den legitimen Thron Isabella's zu erhalten und den Frieden des Landes wiederherzustellen, erwar⸗ ten ließ.“

Die Times meldet Nachstehendes aus Bayonne vom 7. Sept.: „Vorgestern wurde unter militairischer Eskorte ein Irlaͤnder von der Graͤnze hier eingebracht, der ohne einen Paß zus Spanien gekommen war Sogleich, nachdem er die Graͤnze üͤberschritten, begab er sich zu einem Franzoͤsischen Offizier, dem er anzeigte, daß er habe ohne Paß kommen muͤssen, aber ungeachtet er sich erbot, einen Wagen, der ihn, und eine Wache, wenn man diese fuͤr noͤthig halte, nach Bayonne bringe, fuͤr sich zu bezah⸗ len, so wurde ihm diese vernuͤnftige Forderung dennoch verwei⸗ gert und er unter militairischer Bedeckung hierhergefuͤhrt, nach⸗ dem er von dem Obersten des an der Graͤnze stehenden Regi⸗ ments eine grobe Behandlung erfahren hatte. Auch der Maire von St. Pée mischte sich hinein und nannte ihn einen Unver⸗ schaoͤnten, worauf der Irlaͤnder dicht an den Maire herantrat und ihm sagte, wenn er dies Wort noch einmal wiederhole, so werde er ihn zu Boden schlagen. Bei der Ankunft des Irlaͤn⸗ ders in Bayonne setzte ihn der Unter⸗Praͤfekt sogleich in Freiheit und gab ihm einen Paß nach Paris. Ich hatte mit diesem Manne, der sich mehrere Wochen bei Don Carlos aufhielt und ihn vor 6 Tagen verließ, eine lange Unterredung, woraus sich Folgendes ergab, wobei jedoch nicht vergessen werden darf, daß er Don Carlos sehr ergeben ist. Im Widerspruch mit den neue⸗ Praͤten⸗ dent sehr wohl, reitet taͤglich 10 12 Meilen uͤber das Gebirge, ohne anscheinend zu ermuͤden oder wenigstens, ohne sich zu be⸗ klagen, und redet die Soldaten an, wenn es noͤthig ist. Er hat, wenn auch nicht mit dem Vertrauen auf einen endlichen Erfolg, den festen Entschluß ausgesprochen, den Krieg fortzusetzen, so lange noch die geringste Hoffnung uͤbrig bleibt. Seine Taktik scheint die des Koͤnigs der Niederlande zu seyn, naͤmlich, Zeit zu gewinnen, und indem er die endliche Feststellung der Dinge in Spanien verhindert, sich fuͤr irgend einen guͤnstigen Zufall, den der Wechsel der menschlichen Ereignisse oder die Veraͤnde⸗ rungen in der Europaͤischen Politik darbieten moͤchten, die Thuͤr offen zu halten. Don Carlos, oder wenigstens sein Militair⸗ Intendant, scheint immer hinreichend mit Geld versehen zu seyn. Die Ausgaben fuͤr das Heer betragen taͤglich 7000 Dollars, doch haben die Soldaten großen Mangel an Waffen und Kleidungs⸗ suͤcken, und koͤnnten sie auf irgend eine Weise hiermit versehen werden, so waͤre an dem endlichen Erfolge nicht zu zweifeln. Der Winter, fuͤgt mein Berichterstatter hinzu, wird den An⸗ strengungen der Insurgenten kein Ende machen oder sie in einem wesentlichen Grade hemmen. Was ihren Muth am meisten nie⸗ derschlaͤgt, sind die heftigen Regen, aber diese fallen nicht viel mehr im Winter, als im Sommer, und die Kaͤlte ist in diesem Theile von Spanien keinesweges so stark, daß sie die Opera⸗ tionen der Truppen verhindern sollte. Dies Alles zeigt, wie noͤthig es ist, daß die Spanische Regierung um je⸗ den Preis diesem Kriege schnell und mit Nachdruck ein Ende zu machen sucht, wenn sie nicht diese wichtigen Provinzen und wahrscheinlich in kurzem auch andere fuͤr eine unbestimmbare Zeit jeder Art von physischem und moralischem Elend und haͤu— figen Wiederholungen barbarischer Mordscenen ausgesetzt sehen will, wovon ein unversoͤhnlicher Haß zwischen den Bewohnern eines und desselben Landes und den Bekennern einer und dersel⸗ ben Religion die Folge seyn wuͤrde.“

Wesenland.

Nauplia, 15. August. (Allg. Ztg.) Am Abend des 11ten d. schifften sich Staatsrath Maurer und Geheimer Legationsrath Abel mit ihren Familien auf einem Griechischen Fahrzeuge ein, um in das Deutsche Vaterland zuruͤckzukehren. Beide hatten an demselben Tage Abschieds⸗Audienzen bei Sr. Maj. dem Koͤnige, welcher, wie man hoͤrt, sehr geruͤhrt war. Se. Maj. geruhte, jedem der zwei Abgehenden eine kostbare Tabatiere, welche mit hoͤchstihrem Portrait in Brillanten geziert ist, als Andenken zu verehren. Dieser Tage wurden 28 ehemalige Rumeliotische Palikaren Chefs theils als Obersten, theils als Majors und Haupt⸗ leute angestellt. Wie man vernimmt, ist der groͤßte Theil der Truppen aus der Maina zuruͤckgezogen und nach Coron befeh⸗ ligt worden. Nur die festen Positionen blieben noch besetzt. Gegenwaͤrtig verhalten sich die Mainotten ruhig. Aber in Ar⸗ kadien und Messenien sind Unruhen ausgebrochen. Von Kari⸗ tene, dem Geburtsorte Kolokotront's, ging die Bewegung aus. Die Neffen des Plaputas und des Kolokotroni stehen an der Spibe. Der Neffe des Plaputas hat in seiner Proclamation den Titel eines General en Chef angenommen. Diese Aufruͤh⸗ rer haben nun endlich die Maske voͤllig abgeworfen, denn sie verhuͤllen ihren wahren Plan nicht wie bei der ersten Verschwoͤ⸗ rung etwa damit, daß der Koͤnig majorenn erklaͤrt, und daß in der Regentschaft eine Aenderung getroffen werden solle, sondern sie sprechen sich direkt gegen den Koͤnig und die Regentschaft aus. Schon seyen, sagen sie laut, Schiffe mit Truppen unter⸗ wegs, welche Koͤnig Otto entthronen sollen. Mit solchen ahge⸗ schmackten Geruͤchten fuͤhren sie die Leute irre, waͤhrend sie An⸗ dere mit Gewalt zwingen, sich ihnen beizugesellen. Die Regie⸗ rung hat Maßregeln getroffen, um diesen schaͤndlichen Aufruhr zu unterdruͤcken. In Arkadien soll die Ruhe ziemlich wieder hergestellt seSyn, da das Volk keinen Antheil daran genommen, sondern jedes Zumuthen der Ruhestoͤrer mit Unwillen zuruͤckge⸗ wiesen hat. In Messenien aber, wo sie den Nomarchen und den Mirarchen uͤberfallen und gefangen genommen haben, soll der Aufstand noch fortdauern. Doch werden hier alle Vorkeh⸗ rungen sehr thaͤtig betrieben, und es ist zu wuͤnschen, daß es mit⸗ telst derselben der Regierung bald gelingen moͤge, diesem Zustande der Dinge ein Ende zu machen. Ueber die naͤchste Veranlassung dieser insurrectionellen Bewegung wird erst die Folgezeit klare Aus⸗ kunft geben, daß sie aber mit der Kolokotronischen erschwoͤrung eng zusammenhaͤngt, ist nicht zu bezweifeln. Denn die Insurgenten verlangen unter Anderm, daß die zu zwanzigjaͤhriger Gefaͤngniß⸗ strafe verurtheilten Kolokotroni und Plaputas in Freiheit gesetzt werden. Das Sonderbare bei der Sache ist, daß die aufruͤhre⸗ rische Partei auf eine Constitution dringt, und behauptet, die in den Londoner Protokohlen der Grichischen Nation versprochenen Freiheiten seyen nicht in Wirkung getreten, waͤhrend dieselbe

machten

kuͤndigt. r in

1097 gesetzt hatte. Diese constitutionnelle Partei, an deren Spitze fruͤher Koletti stand, ist der Regierung treu, indem sie sich uͤber— zeugt hat, daß in den gegenwaͤrtigen Zeiten und Umstaͤnden eine Constitution das traurigste Geschenk waͤre, welches man der Griechischen Nation machen koͤnnte. Es ist leicht moͤglich, daß die Kapodistrianische Partei nun fuͤr immer besiegt wird, was geschehen muß, wenn Griechenland zur Ruhe kommen soll. Sie hat sich noch niemals so positiv und offen ausgesprochen, als dies⸗ mal. Es wird dadurch klar, daß der Kolokotronische Prozeß kein Wahn war, wie man ihn von einer gewissen Seite hat darstel—⸗ len wollen, und die Regierung ist in ihrem damaligen Beneh⸗ men mehr als gerechtfertigt. So eben hoͤre ich, daß der vor einigen Tagen aus Rußland hierher zuruͤckgekehrte Oberst Kaler⸗ gis gestern Abend gefaͤnglich eingezogen wurde. Noch drei an⸗ dere Haͤuptlinge jener Partei, Zoaris und die beiden Bruͤder Zachioropulo, wurden ebenfalls verhaftet. Da die Regierung setzt Mangel an regulairem Militair hat, so wurde heute dem juͤngeren Griva der Auftrag ertheilt, mit 250 Palikaren gegen die Insurgenten zu ziehen Eben so hat sich von denjenigen Mainotten, weslche der Regierung treu geblieben sind, eine An⸗ zahl gegen die Aufruͤhrer in Marsch gesetzt. Vielleicht werden die Aufwiegler so in die Mitte genommen, und von diesen irre⸗

gulagiren Truppen mit Huͤlfe der Gendarmen und einigen re⸗ gulairen Milttairs vernichtet. Allem dessenungeachtet ist es unangenehm, daß die Regterung zu diesen Huͤlfstruppen hat ihre Zuflucht nehmen muͤssen, und daß das Griechische Heer nicht längst so geordnet ist, um allen diesen aufwieglerischen Bewe⸗ gungen Trotz bisten zu koͤnnen. In Rumelien sind zwei bis dreihundert Raͤuber von der Tuͤrkischen Graͤnze her eingefallen.

und wurden zerstreut. Das Gefecht soll sehr hartnaͤckig gewesen

seyn; zwei Offiziere wurden dabei verwundet. Herr Geheime

Rath Klentze ist nach Athen abgereist, um die Vorarbeiten zu

der Entwerfung des neuen Stadtplans zu beginnen. IEI

Berlin, 28. Sept. Nach einem Zeitraume von laͤnger als fuͤnf Jahren wurde gestern de Bewohnern unserer Hauptstadt wieder das hohe Gluͤck zu Theil, Ihre Majestaͤt die Kaiserin von Rußland in ihren Mauern zu begruͤßen. Allerhoͤchstdiesel⸗ ben hatten Ihr letztes Nachtquartier in Landsberg a. d. W. ge⸗ nommen, und man durfte daher erwarten, daß die Hohe Rei⸗ sende noch vor eintretender Dunkelheit in der Residenz eintref⸗ fen wuͤrde. Schon von Mittag an herrschte daher in der Naͤhe des Schlosses eine ungewöhnliche Bewegung. Mit jeder Stunde mehrte sich die Volksmenge, nicht bloß auf dem Schloßplatze, sondern in der ganzen Koͤnigsstraße vis zum Alexander⸗Platz, ja bis zum Frankfurter Thore, durch welches Ihre Kaiserliche Majestaͤt Ihren Einzug halten mußten. Se. Majestaͤt der Koͤ⸗ nig waren Allerhoͤchstdenselben bis. Friedrichsfelde entgegen⸗ gefahren, wo sich auch die Prinzen und Prinzessinnen des Koͤnigl. Hauses zur Begruͤßung Ihrer Majfestaͤt versammelt hatten. Gegen 5 Uhr näͤherten sich dee Allerhoͤchsten und Hoͤch⸗ sten Herrschaften dem Weichbilde der Stadt. In dem ersten sechsspannigen Wagen saßen Se. Maj. der Koͤnig, Ihnen zur Seite Ihre Maj. die Kaiserin, und gegenuͤber Ihre Kaiserl. Hoheit die Großfuͤrstin Maria und Ihre Koͤnigt. Hoheit die Erbgroßherzogin von Mecklenburg⸗Schwerin. In den naͤchsten Equipagen befanden sich die Mitglieder des Koͤnigl. Hauses, und mehrere Reisewagen mit dem Gefolge Ihrer Kaiserl. Maj. schlossen sich an. Ein unbeschreiblicher Jubel begleitete den Zug auf dem ganzen Wege bis zum Koͤntgl. Schlosse; alle Fenster waren mit Zuschauern dicht besetzt, und die darunter befindlichen festlich geschmuͤckten Damen gaben durch das Schwenken ihrer Tuͤ⸗ cher ihre freudige Bewegung zu erkennen, waͤhrend ein unaufhoͤrliches Lebehoch aus den gedraͤngten Menschenmassen erscholl. Nach der An⸗ kunft auf dem Schloßplatze nahm der Zug seinen Weg durch das zweite Schloß⸗Portal, unter welchem die Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaften ausstiegen. Bald darauf zeigten sich J. Kaiserl. Maj., an der Seite Ihres Koͤnigl. Vaters, auf dem großen Balcon Ihrer nach dem Schloßplatze zu belegenen Wohnung, und geruhten, Sich wiederholt gegen die versammelte Menge auf das Hutldreichste zu verneigen, was eine Erneuerung des all⸗ gemeinen Jubels zur Folge hatte. Gegen 8 Uhr Abends wurde unter den Fenstern Ihrer Majestaͤt von saͤmmtlichen Musik⸗Corps der hiesigen und der Potsdamer Garnison, so wie des 6ten Kuͤ⸗ rassier⸗Regiments (Kaiser Nikolaus), das nach den letzten Ma— noͤVvers noch in der Hauptstadt geblieben war, eine glaͤnzende Militair⸗Musik aufgefuͤhrt; die Musici bildeten einen Halbkreis, in dessen Mitte sich die Tambours aufstellten. Zur Rechten standen die Musik⸗Corps der Kavallerie, zur Linken die der Infanterie. Die Herren Obersten von Witzleben und von Barner waren mit der Aufstellung der Corps beauf⸗ tragt, und von jedem Regimente war ein Adjutant dabei kommandirt. Die Musik begann mit einem allgemeinen Tusch; sodann wurde von allen Corps, zur Erinnerung an das große Hof⸗Fest bei Potsdam im Jahre 1829 zur Feier des Geburts⸗ Festes Ihrer Majestaͤt der Kaiserin, der Turnier⸗Marsch geblasen. Das Musik⸗Corps des ersten Garde⸗Regiments stimmte hier⸗ naͤchst die Russische Volks⸗Musik, auf des jetzt regierenden Kaisers Majestaͤt komponirt, an, worauf die uͤbrigen Regimen⸗ ter abwechselnd verschiedene Musikstuͤcke auffuͤhrten. Kaum war die Musik verstummt, als die zahlreich versammelte Volksmenge, die den ganzen Schloßplatz bis zur Schloßbruͤcke in gedraͤngten Reihen bedeckte, wie aus einem Munde das „Heil Dir im Siegerkranz“ anstimmte, worauf die Militair⸗Musik mit der Retraite der Kavallerie und dem Zapfenstreiche der Infanterie schloß. Die Haͤuser am Schloßplatze waren groͤßtentheils erleuchtet.

Heute Vormittag von 11—12 Uhr fand hierselbst zur Feier der Ankunft Ihrer Masestaͤt der Kaiserin eine große Pa⸗ rade der Truppen der hiesigen und der Potsdamer Garnison, so wie des 6ten Kuͤrassier⸗Regiments statt. Nachdem Se. Ma⸗ jestaͤt der Koͤnig an der Spitze eines glaͤnzenden Generalstabes auf dem Platze zwischen dem Zeughause und der Linden⸗Allee an den Toͤten der Regimenter entlang geritten, stellten Aller- hoͤchstdieselben sich in der Naͤhe des Standbildes des Fuͤrsten Bluͤcher auf und ließen hier die Truppen, zuerst die Kavallerie, dann die Infanterie und zuletzt die Artillerte, an sich vorbei de⸗ filiren. Ihre Masestaͤt die Kaiserin mit der jungen Großfuͤrstin Kaiserl. Hoheit, die Herzogin von Anhalt⸗Dessau Koͤnigl. Ho⸗ heit, so wie die uͤbrigen Prinzessinnen des Koͤniglichen Hauses sahen dem militairischen Schauspiele aus den Fenstern des von der Frau Fuͤrstin von Liegnitz bewohnten Palais zu.

Seine Koͤnigliche Hoheit der Prinz August hat das Un⸗

gluͤck gehabt, gestern mit dem Pferde zu stuͤrzen, und dabei das linke Schluͤsselbein zu brechen, sich auch die Rippen derselben

Partei sich von jeher der sogenannten constitutionnellen entgegen

Seite zu quetschen. Wenn nicht besondere, unvorherzusehende,

und Juͤnglings⸗Alters, sitzt bequem

Sie wurden mit den gegen sie gesandten Truppen handgemein, Hockende, denn sie

gert ist, und sich nur

unguͤnstige Umstaͤnde eintreten, kann die vollstaͤndige Wiederher⸗ stellung im Voraus versichert werden.

Am 2sten d. M. Vormittags um auf 11 Uhr ent⸗ schlief in Freienwalde zu einem besseren Leben Ihre Durch⸗ laucht die Prinzessin Elisa Radziwill, Tochter Ihrer Koͤniglichen Hoheit der Prinzessin Louise von Preußen und weiland Sr. Durchlaucht des Fuͤrsten Anton Radziwell⸗ Koͤniglichen Statt⸗ halters im Großherzogthum Posen.

von Rußland

Im Gefolge Ihrer Majestaͤt der Kaiserin von Ruß befinden sich, außer den oben im amtlichen Theile dieser Zeitung

benannten Personen, die Hof⸗Damen Graͤfin von Thiesenhau⸗ Baraͤnow, so und Herr

sen, Fraͤulein von Tscheremetieff und Frau von wie die Wirklichen Staatsraͤthe Graf von Wielchursky Chambeau. 1

Ausstellung auf der Koͤnigl. Akademie der Kuͤnste.

Wir wenden uns heut zu einem ganz einfachen und anspruchs⸗ losen Bilde, das aber darum keine geringe Stelle einnimmt, viel⸗

mehr als ein wahres und echtes Kunstwerk vielen andern zum Spie⸗ gel dienen kann:

es ist ein Bild von Herrn Professor v Kloͤber Nr. 364). Der junge Bacchus traͤnkt seine Panther, der unbe⸗ svannte Wagen steht daneben; der Gott, auf der Mitte des Knaben⸗ auf dem Rasen und rechtz und Ainks hat er seine Thiere. Dem einen, welcher aufrecht siht, baͤlt er die flache Schaͤale voll rothen Weins dar, und sieht freudig zu, wie das Thier mit leckender Zunge schluͤrft; das andere, welches sich in liegender Stellung dehnt, hat er im Arm; es schmiegt seinen glatten Hals und den empvorgebeugten Kopf an den Herrn. Zwei Nymphen schauen zu, angelegentlicher die nahebei je haͤlt den Weinkrug in der Hand, um wleder zu fuͤllen; gemaͤchlicher die Andere, welche mehr hinterwaͤrts gela⸗ eben noch durch den aufgestuͤtzten Arm auf⸗ recht haͤlt.

Wie einfach ist dieser Vorgang und doch wie ansprechend das Bild. Oft mag dies, zumal im Alterthum, Gegenstand der Dar⸗ stellung geworden seyn das hindert aber hier die Neuheit und Ori⸗ ginalitaͤt nicht, wenn man weiß, wie zart und geistig gerade im Reiche der Formen kuͤnstlerisches Eigenthum ist. Zumal in einer Zeit, wie die unsere, ist das Einfache und Ungesuchte so viel schwe⸗ rer, als das Erstrebte und Gezierte, und gerade finden wir nun hier, was oft und meist heutige Kunstwerke so sehr vermissen lassen, da natuͤrlich Anmuthige. Dies Bild will so wenig seyn und ist doch so viel; was es aber ist, ist es auf den ersten Blick ganz; es . keines Kommentars und keiner Gelehrsamkeit dazu; es enthaͤlt kein versteckten Anspielungen, nichts von Allegorie und entlegener Bedeut samkeit. Dafuͤr ist es lebendig, und wie gern sieht man, gleich je⸗ nen Rymphen im Bilde, dem Spiel mit den zierlich ungeberdigen Thieren zu; die Freude und das Behagen verbreitet sich uͤber den Beschauer, es geht jenes goͤttliche dolce far niente auf ihn uͤber, und er athmet das freie und unbefangene Naturleben mit. Es ist in diesem Bilde so viel goldenes Zeitalter, d. h. diejenige Stimmung, von welcher die Kunst immer etwas an sich tragen sollte. Dieser Baecchus ist kein Abstraktum, keine Personification, sondern selbst ein⸗ Persoͤnlichkeit und Individualitaͤt, und ebenso sind hier die Panther nicht bloß Attribut, sondern es sind lebendige Thiere, deren wir uns mit dem Gott freuen; es sind aber auch wieder nicht die reißen⸗ den Panther der Naturgeschichte, sondern die einer poetischen An⸗ schauung, welche das weiche, spielende, in allen seinen Bewegungen uͤppige und schmeichelnde, freilich aber auch kraäͤftige und wilde Thier gerade diesem Gott von gleichem Wesen zugesellt hat. Und denselben bacchischen Charakter

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hat der Kuͤnstler auch in den Nyr phen, ganz vorzuͤglich in der hinterwaͤrts gelagerten, sowohl in Ge⸗ stalt und Wendung, als auch in Miene und Gesichtsbildung, treff⸗ lich ausgedruͤckt. Obwohl sie hier ruht, so spricht sich doch darin ganz die uͤppige Manade aus, die sogleich, berauscht und des wilden oites voll, dahinstuͤrmenwird. Ueberhaupt aber ist hier so viel Natur⸗ kraft und Naturleben, als nur irgend der poetische Gehalt des Ge⸗ genstandes verlangt, und gleichweit bleiben diese Gestalten von un⸗ serer unmittelbaren Natur, die im Vergleich schwaͤchlich, gebrechlich und luftscheu ist, als anderseits von der uͤberlieferten antik⸗ plasti⸗ schen Form, welche wieder marmorkalt und unbelebt zu seyn, und mit der malerischen Ausfuͤhrung in Widerspruch zu treten pflegt. Durch und durch ist unser Bild malerisch, es ist nirgendher ent⸗ lehnt, es ist nicht zusammengeschoben, sondern als Ganzes empfun⸗ den und zusammen gedacht. Bei aller Freiheit und Lebendigkeit der Gruppirung haben die Linien doch etwas Abgewogenes und Wohlgeordnetes, etwas Harmonisches und Wohlgefaͤlliges, es scheint aber dabei weder etwas vermieden noch etwas gesucht. Ebendies gilt auch vom Kolorit, welches weder abgedaͤmpft, noch auf den Esfekt gearbeitet ist, weder die unmittelbare Ratur, noch etwas Herkoͤmmliches, das man fuͤr historisch und sty⸗ lisirt zu geben pflegt. So hat denn das Ganze jene unmittelbar gewinnende Einheit, sowohl der Farben und Formen, als auch der ganzen Stimmung und Empfindung, es ist in sich abgeschlossen und genuͤgend, und der gleiche Grad von Idealitaͤt, der daruͤber ausgegossen ist, giebt ihm jene poetische Wahrheit, welche die eigent⸗ liche Heimath der Kunst heißen darf. Es waͤre allerdings moͤglich, im Einzelnen noch natuͤrlicher zu seyn, allein man verlangt es nicht; man verlangt diese Panther nicht natuͤrlicher, man verlangt nicht mehr unmittelbare Natur in der Carnation (der Kuͤnstler hat uͤbri⸗ gens das blonde und bruͤnette Kolorit in den beiden Nymphen sehr schon unterschieden und durchgefuͤhrt); man verlangt auch nicht mehr unmittelbare Natur in der Landschaft. Warum? weil hier Alles im Gefuͤhl und Charakter des Ganzen ist: und hierauf be⸗ ruht denn eben eine ganz andere Art von Illusion, als die ge⸗ woͤhnliche. Dagegen ist mit diesem Gemaͤlde wieder einmal recht kraͤftig der Beweis gefuͤhrt, wie wenig dieienigen Recht haben, welche ein⸗ fuͤr allemal das Antike und Mythologische fuͤr abge⸗ storben und nunmehr bedeutungslos halten wollen. Als bloße Sym⸗ bole freilich sind jene Gestalten, wie auch andere, meist frostig, aber daß wir sie nicht mehr mit unmittelbarem religioͤsem. Glauben ver⸗ ehren, schließt sie noch nicht von der Kunst aus. Diese hat ja eine Kraft zu beseelen, und findet sie bei dem, was einmal in der mensch⸗ lichen Brust gelebt, nur diesen wahren Lebenspunkt wieder auf, so wird sie von selbst ihr Recht schon geltend machen.

Das Bild, das wir hier an ureihen wuͤnschen, hat dem Ge⸗ genstande nach viel Verwandtes: Diang mit drei Nymphen im Bade. Der Kuͤnstler, dem wir es danken, ist Karl Sohn, und Jeder⸗ mann wird bei diesem Namen an die trefflichen Leistungen erinnert, welche in fruͤheren Jahren der Stolz unserer Ausstellungen waren; an Rinald und Armide, an den Hylas und an die schoͤne Lauten⸗ spielerin. Auf den ersten Blick wird man aäuch hier den Urheber des Hylas schwerlich verkennen, denn wer kaͤme ihm gleich in sol⸗ cher Klarheit und solchem Reiz einer leuchtenden Carnation; auch fehlt es diesem Bilde von drei lebensgroßen Figuren und der fast mehr als lebensgroßen Diana nicht an Schoͤnheiten und Auffassun⸗ gen, welche jenem Namen entsprechen; dennoch koͤnnen wir es, als Ganzes, nicht mit des Kuͤnstlers fruͤheren Werken in gleiche Hoͤhe stellen; es will nicht einen gleichen, ungetruͤbten Zauber ausuͤben.

Im Katalog (No. 756) ist das Gemaͤlde schlechthin angekuͤn⸗ digt als: „Dianendad“, allein diese Benennung reicht keinesweges aus, um die Situation verstaͤndlich zu machen. Offenbar ist es vielmehr eine Ueberraschung der Diana mit ihren Nymphen im Bade; auch hinsichtlich des Ueberraschenden kann kein Zweifel seyn, und wenn wir auch keinen Aktaͤon im Bilde sehen, so muͤssen wir doch zu⸗ naͤchst an ihn denken, denn nur er kann es seyn, gegen welchen die Goͤttin ihren ausgestreckten Arm ebieterisch richtet, um seinen Vor⸗ witz mit jener Verwandlung zu srafen, waͤhrend die Nymphen sich scheu um ihre Herrin draͤngen. Dem Vernehmen nach hatte der Kuͤnst⸗ ler anfangs auch wirklich den Aktaͤon in seinem Bilde angebracht,