in diesem Zweige des Handels bezeichnen, und daß ihre Wirkung
in den Provinzen nur von sehr geringer Bedeutung seyn wird.
Die Haͤuser, welche in London ihre Zahlungen eingestellt haben, sind die der Herren Thomas Carter, der Herren Halliley und Carter und der Herren Brown, Danson und Compagnie. Die Schulden des Herrn Thomas Carter sollen sich auf un— gefaͤhr 60,000 Pfund belaufen; wir haben jedoch ge⸗ hoͤrt, daß der Verlust der Glaͤubiger nach vorgenommener Regulirung nicht sehr groß seyn wird. Die Herren Brown, Danson u. Comp, Amerikanische Kaufleute, haben keine bedeu⸗ tende Verbindlichkeiten und namentlich in Yorkshire nur sehr wenige. Das Haus Halliley und Carter steht nicht mit dem Hause der Herren Halliley und Brarke zu Dewsbury in Compagnie, leider hat sich jedoch das letztere, das seit so langen Jahren in der Grafschaft York in hohem Ansehen stand, da⸗ durch, daß es auf das Haus Halliley und Carter Wechsel zi trassiren pflegte und deren zum Belauf von 16 — 21,000 Pfund in Umlauf hatte, genoͤthigt gesehen, in Folge der Insolvenz des Londoner Hauses seine Inhtungen einstweilen einzustellen. Es ist uns aber aus guter Quelle versichert worden, daß das Ver⸗ moͤgen dieser achtbaren Firma mehr als hinreichend ist, um allen ihren Verpflichtungen zu genuͤgen, daß sie, mit Ausnahme obi⸗
ger Wechsel, nur sehr geringe Schulden hat, und daß sie daher,
wenn ihr Zeit vergoͤnnt wird, ihre Zahlungen wieder aufnehmen zu koͤnnen hofft. Nach Allem, was wir hoͤren, zweifeln wir
nicht im mindesten daran, daß sie alle Forderungen wird befrie⸗
digen koͤnnen. Ihre Fabriken sind fortwaͤhrend im Gange, und
sie werden es auch hoffentlich bleiben, da das Stillstehen dersel⸗
ben in Dewsbury großes Elend herbeifuͤhren wuͤrde. Diese un—
gluͤcklichen Ereignisse haben weit mehr Aufsehen gemacht, als sie
wirklich zu bedeuten haben. Wir sind uͤberzeugt, daß kein Grund
zu Besorgnissen vorhanden ist. Mit dem Handel in Yorkshire
steht es keinesweges schlecht; es ist in der letzten Zeit zu wenig
spekulirt worden, als daß etwas zu befuͤrchten waͤre; die hohen
Wollpreise haben die Fabrikanten vorsichtig gemacht und den Speculationsgeist, das rohe Material selbst ausgenommen, im
Zaum gehalten; und selbst von letzterem haben die Haͤndler nicht
viel mehr angekauft, als der Markt erforderte und das Verhͤlt⸗
niß zwischen Vorrath und Nachfrage rechtfertigte.“
Die Koinmissarien der Admiralitaͤt haben kuͤrzlich neue Ver⸗ ordnuͤngen in Bezug auf die Bemannung der Koͤnigl. Marine erlassen, wodurch die Mannschaft betraͤchtlich reduzirt wird, und zwar im Allgemeinen in dem Verhaͤltniß von 1 auf 15; nur in wenigen Faͤllen sind Ausnahmen davon gestattet worden; auch ist den Capitainen erlaubt worden, wenn sie es wollen, immer sbatt zwei Schiffsjungen einen Matrosen zu nehmen.
Am Sonnabend wurde in einer Kirchspiels Versammlung zu Marylebone darauf bestanden, daß man sich der Zahlung der Kirchen⸗Steuern, als einer druͤckenden, willkuͤrlichen und unver⸗ antwortlichen Abgabe nicht laͤnger unterwerfen wolle; eben so wurde anempfohlen, sich der Entrichtung der Grafschafts⸗ Abga⸗ ben, wegen ihrer ungleichen Vertheilung, zu widersetzen.
Die Arbeiter, welche mit dem Ausgraben des Fundaments fuͤr die Eisenbahn zwischen London und Greenwich beschaͤftigt sind, haben bei der London⸗Bruͤcke eine große Anzahl Roͤmischer
Muͤnzen gefunden. . 4 — Niederlande. 8 Aus dem Haag, 30. Okt.
Gestern empfingen Se. Maj. von einer Deputation beider Kammern die Adresse als Antwort auf die Thronrede, worin es zunaͤchst heißt: „Sire! Ehrerbietig treten bei Erneuerung ihrer Wirksamkeit die Vertreter der ge⸗ treuen Niederlaͤnder vor Ew. Maj, um Allerhoͤchstderselben ihre uldigungen auf's neue darzubringen. Nicht ohne gemischte Empfindungen haben wir Ewr. Maj. Mitthetlungen hinsichtlich unserer auswaͤrtigen Angelegenheiten empfangen. Wir freuten uns uͤber den beruhigenden Zustand unserer Beziehungen zu aus⸗ waͤrtigen Maͤchten und uͤber die Beweise aufrichtiger Freundschaft, welche Ew. Maj. von denselben erhalten haben. Von vielen die⸗ ser Maͤchte haͤtten wir zugleich erwarten duͤrfen, daß, in Folge dieser freundschaftlichen Gesinnung, unsere Interessen und Anspruͤche einem endlichen Arrangement näher gebracht wuͤrden, aber die unvorhergesehenen, im Laufe der Un⸗ terhandlungen fortwaͤhrend eingetretenen Hindernisse haben unsere Erwartungen getaͤuscht. Bei der Gerechtigkeit serer Sache sehen wir inzwischen, auf den Hoͤchsten und die Leitung Ew. Majestaͤt bauend, der ven uns so feurig gewuͤnschten Beseitigung Vertrauen entgegen, waͤhrend die General⸗Staaten den ehrerbie⸗ tigen Wunsch hegen, von nungen zu erhalten.“ — Ermaͤßigung in den Ausgaben mentlich durch Entlassung der Schutters, d thuung uͤber den regelmaͤßigen Gang der inneren Verwaltung aus, erkennen die Guͤte der Vorsehung, daß die heftigen Stuͤrme im vorigen Winter keinen so ansehnlichen Schaden angerichtet haben, als zu befuͤrchten stand, ternden Aussichten der Landes⸗Industrie, des Handels, der Fi⸗ scherei und der Schifffahrt, druͤcken den Wunsch aus, daß die Lasten des Ackerbauers, der unter den niedrigen Preisen der Feldprodukte so sehr leide, bald vermindert werden moͤgen, aͤu⸗ ßern uͤber den bluͤhenden Zustand der uͤberseeischen Kolonieen und daruͤber, daß die Staats⸗Einkuͤnfte den fruͤheren Veran⸗ schlagungen davon im Ganzen entsprochen haben, ihre Freude und die Hoffnung, daß dies auch bei der Abgaben⸗Ermäͤßigung in folgenden Jahren der Fall seyn werde, versprechen den von der Regierung vorgelegten und noch vorzulegenden Gesetz⸗Ent⸗ wuͤrfen die groͤßte Aufmerksamkeit und Thaͤtigkeit dachenden und schließen dann mit folgenden Worten: „Mit Ruhe ihren Weg fortsetzend werden die Generalstaaten, als Volksvertreter, die durch ihre echte Liebe fuͤr Fuͤrst und Vaterland und durch ihr standhaftes Festhalten an den grundgesetzlichen Institutionen bekannt sind, nach allen ihren Kraͤften wirken, um, in Einklang mit den Beduͤrfnissen und der Eigenthuͤmlichkeit der Nation, deren Interessen zu ordnen, deren gesellschaftliche Einrichtungen zu vervollkommnen und deren wahre Freiheit zu befestigen.“ Heute versammelt sich die zweite Kammer, um den Bericht ihrer mit Ueberreichung der Adresse beauftragt gewesenen De⸗ putation und die Antwort Sr. Koͤnigl. Majestaͤt zu vernehmen. Die Sectionen sind bereits mit der Pruͤfung der ihnen vorge⸗ legten Finanz⸗Gesetze beschaͤftigt.
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Bruͤssel, 30. Okt. Hiesige Bläͤtter melden aus Pa⸗ ris, daß unsere daselbst befindlichen Handels⸗Kommissarien bin⸗ nen wenigen Tagen die vorbereitenden Unterhandlungen zu einem Handels⸗Traktate beendigt zu sehen hoffen. — Bei unserm Mi⸗ nisterium des Innern wird eifrig an der Herstellung eines ge⸗ nauen statistischen Tableaus von Belgien, namentlich in Betreff von Handel, Fabriken und Landbau, gearbeitet.
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10 Haͤuser wurden indeß ein Raub der Flammen.
stimmt. Allein es wurde mit Recht bemerkt, daß dergleichen An⸗
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Schutz des dieser Hindernisse mit
Ew. Majestaͤt einige politische Eroͤff⸗ ierauf danken die Kammern fuͤr die en in dem Kriegs⸗Departement, na⸗
druͤcken ihre Genug, nd hei Rhein ꝛc
Wir die Staͤnde⸗Versammlung des sechsten Landtags aufgeldst und Wir sinden Uns bewogen, Unserem treuen Volke die Gruͤnde zu
freuen sich uͤber die aufmun⸗ mit dem lebhaftesten Bedauern schreiten konnten. welche Richtung die zweite Kammer des fuͤnften Landtags in ihrer
1248 Schweden und Norwegen.
Stockholm, 28. Okt. Die amtliche Zeitung enthaͤlt bereits einen Bericht uͤber die von der Regierung veranlaßten Anstalten zum Wiederaufbau der abgebrannten Stadt We⸗ nersborg.
Der Fuͤrst Mentschickoff hat vorgestern seine Ruͤckreise an⸗ getreten. — Einige Leute von der Besatzung des Russischen Dampfbootes haben sich in Haͤndel verwickelt, um derentwillen sie gefaͤnglich eingezogen werden mußten.
Das Kommerz⸗Kollegium hat unterm 2isten d. M. die Staͤdte Bremen und Emden als von der Cholera angesteckt und alle uͤbrigen Haͤfen Ostfrieslands, so wie die des Großherzog⸗ thums Oldenburg, als verdaͤchtig erklaͤrt, weshalb die von den Weser, und Ems⸗Muͤndungen nach Schweden kommenden Schiffe mit einer Quarantaine zu belegen sind.
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Warschau, 31. Okt. Der Fuͤrst Statthalter besuchte am Montage die hiesige Bank; der Praͤsident, der Vice⸗Praͤsident und die Direktoren fuͤhrten den Fuͤrsten in allen Buͤreaus um⸗ her, und zeigten ihm die ganze Einrichtung dieses Instituts., Se. Durchlaucht besuchte auch die Druckerei der Bank, und be⸗ sichtigte alle Details.
Der General Rozniezki ist von Moskau hier angekommen.
Der Briefwechsel zwischen Napoleon und Josephine ist hier in einer Polnischen Uebersetzung erschienen.
In der Stadt Isbiza im Krasnostawer Bezirk brach in der Nacht vom 12ten auf den 13ten an zwei verschiedenen Punkten Feuer aus; nur der schnellen Huͤlfe, die durch die eifrigen Be⸗ muͤhungen des Beamten Herrn Kowatsch herbeigeschafft wurde, ist es zu verdanken, daß nicht die ganze Stadt in einen Aschen⸗ haufen verwandelt wurde, was bei dem raschen Umsichgreifen des Feuers und der Bauart der Stadt sehr zu befuͤrchten stand;
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Dresden, 1. Nov. (Leipz. Ztg) Der Schluß unserer Staͤnde Versammlung, welche 21 Monate gedauert und alle ge⸗ heime und einzelne Setzungen an denselben Tagen mit einge⸗ rechnet, wohl uͤber 700 Sitzungen gehabt haben mag, ist in den 3 letzten Tagen des v. M. der Gegenstand gewesen, um welchen sich ale Unterhaltungen des gebildeten Publikums bewegten. Ungemein ergreifend sind, dem Vernehmen nach, die Schluß⸗ Sitzungen in beiden Kammern am Losten in schon spaͤten Abend⸗ stunden durch die Abschieds⸗-Reden der Praͤsidenten v. Gers⸗ dorf und v. Leyser gewesen, sowie die zur Erwiederung avs⸗ gesprochenen Danksagungen, die in den Beilagen zur Leipziger Zeitung zu lesen seyn und wohl den sprechendsten Be⸗ weis von dem harmonischen Einverstaͤndnisse aller Abge⸗ ordneten und Mitglieder bis zur letzten Stunde ablegen werden. Ein Zeugniß von der ungeheuchelten Zufriedenheit bei⸗ der Kammern gegen ihre Praͤsidenten giebt wohl der Umstand, daß beiden von ihren Mitstaͤnden ein schoͤn gearbeiteter, durch die darauf ausgesprochene Zueignung ausgezeichneter Pocal feier⸗ lich uͤberreicht worden ist. Viele hatten fuͤr eine Denkmuͤnze ge⸗
erkennung besser vom Staate selbst ausgehe; wie dies die schoͤne Constitutions⸗Muͤnze mit den Koͤpfen des Koͤnigs und des Prin⸗ zen Mitregenten auf der Vorderseite und mit der Rolle der Ver⸗ fassungs⸗Urkunde von 1831 auf der andern Seite gezeigt hat.
Gotha, 1. Nov. Ihre Koͤnigliche Hoheit die Prinzessin Friedrich von Preußen, Hoͤchstwelche seit dem 20. v. M., von Bernburg kommend, sich zu einem Besuche bei Ihrer Tante, unserer verwittweten Frau Herzogin Hoheit, in Gotha befand, ist heute Vormittag von hier nach Duͤsseldorf abgereist.
Kassel, 31. Okt. Se Hoheit der Kurprinz und Mitre⸗ gent haben den Vorstand des Ministeriums des Innern, Ge⸗ heimerath Hassenpflug, nunmehr zum Minister des Innern er⸗ nannt.
Muͤnchen, 29. Okt. Se. Durchl. der Herzog von Leuch⸗ tenberg ist heute nach Tegernsee, und der Koͤnigl. Portugiesische Kabinets⸗Courier, Chevalier Bayard, nach Wien abgereist.
Karlsruhe, 31. Okt. Der Erbprinz und die Erb⸗Prin⸗ zessin von Hohenzollern⸗Sigmaringen haben gestern gegen Mit⸗ tag Karlsruhe verlassen, und, von der verwittweten Frau Groß⸗ herzogin bis nach der Favorite begleitet, die Reise nach Sigma⸗ ringen angetreten.
Darmstadt, 30. Okt. Das Großherzogl. Hessische Re⸗ gierungs⸗Blatt enthaͤlt folgende Verkuͤndigung:
„Ludwig II., von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen Durch Unser Edikt vom 2ästen d. M. haben
verkuͤnden, welche Uns veranlaßt haben, eine Maßregel zu ergrei⸗ fen, zu der Wir nur aus einer unabwendbaren Nothwendigkeit und Es ist bekannt,
Mehrheit genommen hatte, und Unsere Verkuͤndigung vom 2. Nov. v. J. enthaͤlt die Thatsachen, welche Uns damals die Ueberzeugung geben mußten, daß ein ferneres Verhandeln mit jener Kammer zu keiner Vereinigung fuͤhren konnte. Wir sprachen wohlmeinend die Erwartungen aus, welche Wir von den bevorstehenden Wahlen heg⸗ ten. Aber kaum hatte das Wahlgeschaͤft begonnen, so wurden ver⸗ brecherische Druckschriften im Verborgenen unter den Waͤhlern ver⸗ vreitet, darauf berechnet, durch Entstellung wahrer und Vorspiege⸗ lung falscher Thatsachen den verderblichsten Einfluß auf die Wahlen zu uͤben. Wenn sonach aus diesen Wahlen, mit geringen Ausnah⸗ men, die Majorität der fruͤheren Kammer wieder hervorging, so aben Wir Uns doch gern der Hoffnung hin, es werde die gemachte Prfabrung den Weg der Klugheit und Maͤßigung kennen gelehrt haben, welchen Staͤnde-⸗Versammlungen einhalten muͤssen, wenn sie nicht selbst die Verwirklichung der von der Verfassung dargebotenen Wohlthaten hemmen wollen. ÜUnsere Erwartung ist getaͤuscht worden! Bei der am 2 Mai d. J. geschehenen Eroͤffnung des nun aufgelͤsten sechsten Landtags ließen Wir den Staͤnden verkuͤnden, daß ihnen hauptsaͤchlich nuͤr Gegenstaͤnde der Ftnanz⸗Verwaltung vorgelegt wer⸗ den sollten und daß Wir daher erwarteten, es werde ihnen moͤglich seyn, ihre Arbeiten binnen drei Monaten zu beendigen. In der That hatte der Voranschlag der Staats⸗Einnahmen und Ausgaben fuͤr die Jahre 1833 — 1835 der vorhergegangenen 2ten Kammer naͤchst eilf Monate lang vorgelegen und wenn schon deren Ausschuß in diesem langen Zeitraume daruͤber nicht berichtete, so bestand doch der Ausschuß der
zweiten Kammer des sechsten Landtags, seinem groͤßeren Theile nach, aus den naͤmlichen, mit der Maerie bereits vollkommen vertrauten Mitgliedern, welche den ersten Ausschuß der vorhergegangenen Kam⸗ mer gebildet hatten; und dennoch ließ jener Ausschuß die vorbe⸗ stimmte Dauer von drei Monaten und noch laͤngere Zeit verstrei⸗ chen, ehe er uͤber das Staats⸗Budget Bericht erstattete. Waͤhrend sonach der Landtag in der 2ten Kammer auf eine schwer zu verant⸗ wortende Weise verzoͤgert wurde, sah man Antraͤge wiederkehren, deren Realisirung, in der gestellten Weise, Wir schon fruͤher fuͤr
wieder aufgelebt, welche sich dem beklagenswerthen Wahne hingege⸗ ben, das Wohl des Landes und der Beruf der Staͤnde bestehe darin, auf jede Weise die landesherrlichen Rechte zu beschraͤnken und die Befugnisse der Kammern zu erweitern. Trotz allen dem wollten Wir die Hoffnung nicht aufgeben, es werde Unsere Langmuth durch ein befriedigendes Ende des Landtags segensreiche Fruͤchte tragen; Wir estatteten eine dopppelt groͤßere Dauer, als Wir anfaͤnglich vorge⸗ ü rieben hatten, und schon glaubten Wir dem Ziele entgegensehen mit Uns auch Unsere getreuen Unter⸗ thanen ersehnten, — als sich in der Mitte der 2ten Kam⸗ mer ein Vorfall ereignete, der klar zu Tage legte, wie sehr Wir Uns getaͤuscht hatten, wenn wir der in der Dank⸗ Adresse dieser Kammer vorkommenden Belobung ihrer Vorgaͤngerin wohlmeinend eine mildere Auslegung gestatteten. Ein Mitglied der zweiten Kammer erlaubte sich in oͤffentlicher Sitzung gegen diejeni⸗ gen, welche Wir an die Spitze der Geschaͤfte berufen, und welche dieselben ganz in Unserem Sinne und zu Unserer vollkommensten Zufriedenheit bisher gefuͤhrt haben, einen so beleidigenden und her⸗ abwuͤrdigenden Ausfall, daß dadurch das Ansehen und die Achtung, die jede Regierung anzusprechen hat, im hoͤchsten Grade gefaͤhrden war. Wenn aber der Praͤsident der Kammer bei dieser Gelegenheit von den anwesenden Regierungs⸗Kommissarien vergeblich aufgefor⸗ dert wurde, jenes Mitglied zur Ordnung zu verweisen, und wenn end⸗ lich die Majoritaͤt dieser Kammer durch einen in oͤffentlicher Sitzung gefaßten Beschluß aussprach, daß keine Ruͤge zu verhaͤngen sey und
zu duͤrfen, welches
sich somit jener schweren Beleidigung selbst theilhaftig machte, so war ein System aufgestellt, das in seinen nothwendigen Folgen Unsere Regierungs⸗Commissaire, ja sogar die nicht mit der Majoritaͤt stim⸗ menden Abgeordneten, jeder Beleidigung preisgegeben und die Kam. mer selbst zum Tummelplatze strafloser Ausbruͤche der Leidenschaft⸗ lichkeit und Achtungslosigkeit herabgewuͤrdigt haben wuͤrde. Es mwar die Disciplin der Kammer in die Haͤnde der Majoritaͤt gelegt; konnten Unsere Regierungs⸗Kommissarien und die Minoritaͤt der Abgeordneten an den Berathungen der zweiten Kammer nicht mehr Antheil nehmen; die Wuͤrde der Staats⸗Regierung und ihr Ver⸗ haͤltniß zu den Staͤnden erschien auf das Tiefste erschuͤttert und dee Kammer hatte sich selbst in die Lage gebracht, ihren verfassungsmi⸗ ßigen Beruf nicht mehr erfuͤllen zu koͤnnen. Die landesfuͤrstliche Entschließung, welche Wir zu fassen hatten, konnte keinen Augen⸗ blick zweifelhaft seyn. Wir waren abermals zur Aufloͤsung der Staͤnde⸗Versammlung gendthigt. Es erfuͤllt Unser Herz mit leb⸗ haftem Kummer, daß Wir den Gang der Staats⸗Verwaltung in seiner Entwickelung noch laͤnger gestoͤrt, und die Verwirk⸗ lichung mancher Wohlthat entruͤckt sehen muͤssen, die Unseren ge⸗ liebten Unterthanen zugedacht war; Wir beklagen den großen ver⸗ geblichen Kosten⸗Aufwand und Wir bedauern insbesondere, daß die aufrichtige und mit namhaften Opfern verbundene Be⸗ strebung fuͤr das allgemeine Wohl, welcher sich die ersten Kam⸗ mer und nicht weniger eine achtungswerthe Minderzahl der 2ten Kammer hingegeben hat, und woduͤrch gegruͤndete Anspruͤche auf Unseren und des Landes Dank erworben worden sind, zu keinem andern Resultate fuͤhren konnten. Aber alle diese Ruͤcksichten muß⸗ ten verschwinden vor Unserer Regentenpflicht, daruͤber zu wachen, daß das Ansehen, welches Unserer Regterung gehuͤhrt, wie außer so in der Kammer bewahrt werde, ein Ansehen, ohne welches der Staat der Anarchie anheim fallen wuͤrde. Auf der Majoritaͤt der 2ten Kammer der Staͤnde⸗Versammluug, welche deren Aufloͤsung herbei⸗ efuͤhrt hat, ruht hiernach die Verantwortlichkeit fuͤr alle aus einer olchen Maßregel Ne Nachtheile; an diejenigen aber, welche verfassungsmaͤßig berufen sind, an den nun bevorstehenden neuen Wahlen Theil zu nehmen, lassen Wir Unsere landesvaͤterliche, wohl⸗ gemeinte, aber auch ernstliche Mahnung ergehen, wohl zu erwaͤgen, ob die Interessen des Volkes durch eine Kammer gefoͤrdert werden koͤnnen, deren Mitglieder der Regiernng mit entschiedener Feindse⸗ ligkeit entgegentreten. Welche aber auch die Ergebnisse ihrer Wah⸗ len seyn moͤgen, so thun Wir hier den unwandelbaren Entschluß kund, gleichwie Wir die bestehende Verfassung ehren, so auch durch keinerlei Versuche, so oft sie sich auch erneuern moͤgen, die Rechte schmaͤlern zu lassen, welche verfassungsmaͤßig Uns zustehen und in deren Besitz Wir Uns befinden. Ürkundlich Unserer eigenhaͤndigen Unterschrift und des beigedruckten Staats⸗Siegels. Darmstadt, den 30. Oktober 1834. (L. S.) Ludwig. du Thil.“
— Der Schwaͤbische Merkur schreibt aus dem Groß⸗ herzogthum Hessen vom 27. Oktober: „Die vorgestern stattge habte Aufloͤsung der Landstaͤnde hat im Großherzogthume, wo sich die Kunde davon mit Blitzesschnelle verbreitete, einen sehr un⸗ angenehmen Eindruck erregt. Also abermals ein nutzloser Lande tag von sechs Monaten, der den Steuerpflichtigen mindestens 60,000 Fl. gekostet hat! Allein die Schuld daran ist, wie aus dem ganzen Hergang der Sache erhellt, keinesweges der Regie⸗ rung zur Last zu legen; denn indem die Kammer mit 20 gegen 14 beschloß, der Abgeordnete von Gagern sey nicht zur Ordnung u verweisen, eignete sie sich dessen Ausdruck selbst an. Die
ufloͤsungs⸗Akte verkuͤndigt zwar die unverzuͤgliche Vornahme neuer Wahlen; indessen erfordern die Vorarbeiten zu denselben immer einen Zeitaufwand von mehreren Monaten, weshalb denn abzusehen, daß vor Ende Januar k. J. kaum der Anfang ge⸗ macht werden duͤrfte.“
Gießen, 28. Okt. (O. P. A. Z.) Die Entruͤstung uͤber die unwuͤrdige Weise, in welcher ein Theil unserer Landstaͤnde, Herr v. Gagern an der Spitze, die Aufloͤsung des Landtags her⸗ beifuͤhrten, ist hier allgemein und spricht sich an oͤffentlichen Or⸗ ten laut aus. Die Mehrzahl der hiesigen Bewohner erklaͤrt un⸗ verholen, sie wuͤrde sich zu einer dritten Wahl fuͤr diese Finanz⸗ Periode, in welcher die Staͤnde das Land beinahe 200,000 Gul⸗ den kosteten (jede Wahl allein kostet 10,000 Fl.), ohne daß sie die Interessen des Volkes in irgend einer Beziehung gefoͤrdern haͤtten, nicht draͤngen. Die plumpen und unbegruͤndeten Ausfaͤlle gegen die hiesige Universitaͤt, welche in der Kammer gehoͤrt wur⸗ den, ohne daß eine Stimme ihnen entgegen getreten waͤre, und welche die Frequenz der hohen Schule und sonach die Interessen unserer Stadt bedeutend gefaͤhrden, haben ohnehin hier einen sehr unguͤnstigen Eindruck gemacht. Die schon am Tage nach der Aufloͤsung der Kammer hier zirkulirenden Briefe, welche die Aufloͤsung ganz andern Ursachen, als den wahren und bekannten, zuschreiben wollen, sind, wie man sich nach Obigem denken kann, mit Verachtung aufgenommen worden.
Frankfurt a. M., 31. Okt. Ihre Hoheit die verwitt⸗ wete Frau Fuͤrstin von Thurn und Taxis ist gestern Abend hier angekommen.
Frankfurt a. M., 1. Nov. Der Senat hat in seiner Sitzung vom 30sten d. M. in Gemaͤßheit Art. 9 und 10. der Constitutions⸗Ergaͤnzungs⸗Akte nunmehr ebenfalls seine 20 Mit⸗ glieder zur diesjaͤhrigen gesetzgebenden Versammlung gewaͤhlt.
Demoiselle Haus, Koͤnigl. Wuͤrtembergische Hof⸗Saͤngerin,
hat sich ihrer Kontrakt⸗Verbindlichkeit vor der bestimmten Zeit entzogen, befindet sich gegenwaͤrtig hier, und soll, wie man sagt, bereits in Braunschweig engagirt seyn. Als Ursache giebt man
an, daß dieser Saͤngerin ihr Gesuch um eine lebenslaͤngliche
Anstellung, und somit um Gleichstellung mit den Herren Dob⸗ ler, Roßner u. s. w. abgeschlagen worden sey. Spanien.
Madrid, 23. Okt. Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt folgenden amtlichen Artikel: „Ihre Majestaͤt die Koͤnigin⸗Regentin hat fuͤr
—unmdoͤglich erklaͤrt hatten.
Es war jene enggeschlossene Majoritaͤt
angemessen befunden, zu befehlen, daß, in Folge der Weigerun⸗
gen der Durchlauchtigsten Infanten, des regierenden Herzogs von Lucca und der Prinzessin von Beira, die legitime Regie⸗ rung Allerhoͤchstihrer erhabenen Tochter, der Koͤnigin Donna Isabella, anzuerkennen, die denselben auf den Koͤniglichen Schatz angewiesenen Pensionen nicht mehr ausgezahlt werden sollen.
Die Bestimmungen des Finanz⸗Gesetz⸗Entwurfs in Bezug auf die Anleihe von 400 Millionen sind von dem uͤbrigen In⸗ halt dieses Gesetz⸗Entwurfs abgesondert und als ein einzeln da⸗ stehendes, besonderes Gesetz publizirt worden. Die vorgestrige Hof⸗Zeitung enthält nämlich ein vom 19ten d. datirtes De⸗ kret der Koͤnigin, wesches den Zeitpunkt feststellt, bis zu welchem man Anerbietungen entgegennehmen wird. Der erste Artikel bestimmt, daß alle in Betreff der Kontrahirung der von den Cortes bewilligten Anleihe zu machende Vorschlaͤge bis zum 20. Rovember bei dem Finanz⸗Minister eingereicht werden muͤssen. Der zweite Artikel besagt, daß der Finanz⸗Minister an demsel⸗ ben Tage saͤmmtliche Vorschlaͤge einer 2 diesem Zweck ernannten Kommission einhaͤndigen werde; diese Kommission besteht aus dem
Hrocer Don Antonio Martinez, dem Prokurador Don Jose e d'Aquirre Solarte, dem Direktor des Tilgungs Fonds, Don Antonio Barata, dem Direktor der Provinzial⸗Einkuͤnfte, Don Domingo de Torres, dem General⸗Militair⸗Intendanten Don Joachim Liagno, dem Direktor der Bank von San Fer⸗ nando, Don Andreas Caballero, und dem Direktor des Schatzes, Don Julian Aquilino Perez. Die Anerbietungen sollen dann, mit Beifuͤgung der Gutachten der Kommission, an den Regent⸗ schafts⸗Rath uͤberwiesen werden, der seine Meinung daruͤber aͤußern soll, und die Koͤnigliche Autorität wird demnaäͤchst die letzte Entscheidung uͤber die Annahme der Vorschlaͤge treffen. Ein dritter Artikel verfuͤgt, daß der Finanz⸗Minister, sobald die Koͤ⸗ nigliche Genehmigung ertheilt seyn wird, mit der Person oder Gesellschaft, deren Vorschlaͤge angenommen werden, einen Kon⸗ trakt abschließen und daß dieser Kontrakt auf amtlichem Wege bekannt gemacht werden soll.
Der Finanz⸗Gesetz⸗Entwurf ist in der Gestalt, wie ihn die Proceres angenommen haben, so unvollstaͤndig und schlecht ab⸗ gefaßt befunden worden, daß man es fuͤr noͤthig erachtete, ihn noch einmal durchzusehen und theils die widersprechenden Be⸗ stimmungen desselben zu modifiziren, theils die bemerkten Luͤcken auszufuͤllen, ehe er wieder an die Prokuradoren⸗Kammer zuruͤck⸗ gesandt wurde. Es ward daher zu diesem Zweck eine gemischte Kommission ernannt, aus 5 Proceres und 5 Prokuradoren be⸗ stehend, naͤmlich den Herren von Ofalia, Alava, Gonzales Val⸗ leso, Albeida und Casteion von Seiten der Proceres⸗Kammer, und den Herren Flores Estrada, Montevirgen, Arguelles, Al⸗ cala, Galiano und Carrillo de Albernoz von Seiten der Proku⸗ radoren⸗Kammer. Die Zuruͤcksendung des Entwurfs an die letz⸗ tere Kammer erfolgte am 20. Oktober.
Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt auch folgenden, von dem Mi⸗ nister des Innern gegengezeichneten Koͤniglichen Befehl in Be⸗ — auf die Mobilmachung der Stadt⸗Miliz: „Um die edle
egeisterung der Stadt⸗Miliz fuͤr die gerechte Sache unserer Koͤnigin nicht unbenutzt zu lassen, und damit diese Miliz stets in Bereitschaft seyn moͤge, die Linien⸗Truppen zu ersetzen und sowohl Garnison⸗ als andere Kriegsdienste zu verrichten, so wie ein der Absicht, diese Miliz zu dem wichtigen Zweck der Erstik⸗ kung emporkeimender Aufstaͤnde unter die verschiedenen Propin⸗ zen zu vertheilen, hat Ihre Majestaͤt beschlossen, daß ein Theil derselben unter der Aufsicht der General⸗Capitaine, um Verzoͤ⸗ gerungen und Konflikte mit den Oetsbehsbden zu verchetden, so⸗ gleich mobil gemacht werden soll. Die mobil gemachte Stadt⸗Mi⸗ i; soll nach Verhäͤltniß der Bevoͤlkerung der Gemeinden in Com⸗ pagnieen, halben Compagnieen und Drittel⸗Compagnieen organi⸗ sirt werden; auch in Bataillonen und halben Bataillonen, je nach der Anzahl der Freiwilligen und dem Erforderniß der oͤrt⸗ lichen Verhaͤltnisse. Die einzelnen Vorschriften, so wie alle die den Sold und die Eidleistung betreffenden Bestimmungen, sollen auf das Franzoͤsische Gesetz hinsichtlich der beweglichen National⸗ Garde basirt werden.“
Dasselbe Blatt enthaͤlt nachstehende, beim Kriegs⸗Mini⸗ sterium eingegangene Depesche: Der General⸗Capitain von Alt⸗ Castilien zeigt an, daß die von dem Rebellen Alonzo el Toresano angefuͤhrte Partet der Aufruͤhrer bei Matacomba von den Trup⸗ pen, welche die mobile Kolonne von Palencia bilden, geschlagen worden ist. Die Fluͤchtlinge haben ihre Waffen zuruͤckgelassen; zwei von ihnen fielen in die Haͤnde der Koͤniglichen Truppen und ihr Anfuͤhrer ist gezwungen gewesen, sich nach Biscaya zu⸗ üͤckzuziehen.“ 8
— — Madrid, 23. Okt. Der Vorfall in der Proceres⸗ ammer mit Herrn Burgos, welcher genoͤthigt wurde, den Saal u verlassen, ohne daß er sich vertheidigen konnte, nimmt fort⸗ aͤhrend die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Kam⸗ er hatte nicht das Recht, einem von der Regierung ernannten rocer seinen Sitz in der gesetzgebenden Versammlung zu neh⸗ en; man ist der Meinung, daß sie sich in diesem Falle ein Recht ngemaßt habe, das zu den Koͤniglichen Praͤrogativen gehoͤrt.
aͤre Herr Burgos schuldig, so sollte man ihn verhaften und em richterlichen Ausspruche unterwerfen. Waͤre er dann ver⸗ rtheilt oder freigesprochen worden, so haͤtte er entweder das echt gehabt, in der Kammer zu sitzen, oder sich der Strafe ei⸗ es schimpflichen Ruͤckzugs zu unterwerfen; ehe es aber zu die⸗ em Extrem gekommen waͤre, haͤtte es jedenfalls eines Prozesses edurft. Die Kammer vergaß, daß Hr. Burgos in seiner Eigenschaft als Procer, unverletzlich ist und zog es vor, sich eines schnellern Mittels zu bedienen. Uebrigens hat diese Angelegenheit fuͤr den ich entfernenden Procer nicht das Aufsehen und die Gefahren ervorgerufen, welche aus einem Urtheilsspruch, der sein ganzes nrecht in ein helles Licht gestellt haben wuͤrde, erfolgt seyn wuͤr⸗ en. Vier Stunden nach diesem Vorfall fuhr Herr Burgos in inem praͤchtigen Wagen im Prado spazieren, indem er seiner itelkeit wahrscheinlich mit dem troͤstenden und natuͤrlichen Ge⸗ anken schmeichelte, daß man sein schlimmes Abenteuer der gro⸗ en Zahl von Feinden zuschreiben wuͤrde, die er in der Kam⸗ er hat. Das Publikum theilte bei dieser Gelegenheit icht die Leidenschaftlichkeit der Kammer und ließ den Mann, em eben ein so blutiger Schimpf von Seiten der Pairs iderfahren war, ruhig seinen Weg ziehen. Man versichert, err Burgos habe es sich angelegen seyn lassen, sich mit Paͤssen s Ausland zu versehen; Herr Ballesteros, sagt man, habe ein leiches gethan; man glaubt jedoch, daß Herr Burgos sich nicht her zur Entfernung aus dem Lande anschicken werde, bis er auf ie taͤglich erwartete Broschuͤre des Herrn Galiano wuͤrde ha⸗ en antworten koͤnnen. Der Ex-⸗Minister wird eine Entgeg⸗ nung publiziren und dann abreisen. Es moͤchte schwer alten, die eigentliche Lage der Finanz⸗Angelegenheiten anzugeben. Die Kommission, welche die Prokuradoren ernannt haben, um die von der ersten Kammer zu dem Entwurf hinzugefuͤgten Amendements zu pruͤfen, laͤßt sich noch nicht genau charakterisi⸗ ten; es heißt zwar, die Minister haͤtten mehrere Deputirte auf
ihre Seite bekommen; die Opposition aber legt ihrerseits auch die Haͤnde nicht in den Schooß. 11
Saragossa, 18. Okt. (Allg. Ztg.) Nach Ueberwindung unbeschreiblicher Schwierigkeiten und Gefahren bei Uebersteigung der Pyrenaͤen und dem Zusammentreffen mit Banden bin ich gestern hier angekommen. — Ober⸗Aragonien von der Franzoͤ⸗ sischen Graͤnze an bis gegen die Ebene zu genießt einer leidlichen Ruhe. Jaca, eine mit Karlistisch gesinnten Moͤnchen und Prie⸗ stern angefuͤllte Stadt, wird durch ein Kastell und eine zahlreiche Garnison, die aus zwei Linien⸗Bataillonen und dem Miliz⸗Regi⸗ mente von Burgos besteht, im Zaume gehalten. Naͤher nach Saragossa zu wird die Gegend etwas unsicherer; als wir vorgestern Abend das Thor der kleinen Stadt Yerves erreichten, waren die dort aufgestellten Soldaten, welche uns, da wir zu Pferde waren, fuͤr In⸗ surgenten hielten, schon im Begriff, auf uns Feuer zu geben, als wir sie noch zur rechten Zeit von unseren friedlichen Gesinnun⸗ gen unterrichteten. Wir erfuhren in dem Orte, daß Carnicer am Tage zuvor mehrere benachbarte Ortschaften uͤberfallen und ausgepluͤndert hatte; man gab uns am folgenden Tage bis auf die Entfernung einer Stunde von der Stadt eine Eskorte mit. In Nieder⸗Aragonien wird eine Bande von 1000 Mann durch den Oberst Rebollo verfolgt, und auch von Valencia aus sind Truppen gegen sie geschickt. Hier in Saragossa lief gestern die Nachricht ein, daß es dem Zumalacarreguy gelungen ist, mit 6000 Mann in der Gegend von Soria in Castilien einzudrin⸗ gen; dies erregte hier große Bestuͤrzung, da man voraussetzte, daß er bedeutenden Anhang finden wuͤrde, und er, zumal Don Car⸗ los sich bei ihm befinden soll, gegen Madrid vorzudringen beab⸗ sichtige. Gestern Abend jedoch versicherte der General⸗Kapitain Ezpeleta, die Nachricht erhalten zu haben, daß Zumalacarreguy bereits wieder uͤber den Ebro zuruͤckgegangen sey, nachdem er sich mit Lebensmitteln versehen. In einer hier angeschlagenen amtlichen Bekanntmachung heißt es, Zumalacarreguy sey am 12. drei Leguas oberhalb Logrono mit sechs Bataillonen und der Ka⸗ vallerie uͤber den Ebro gegangen, und habe vier andere Batail⸗ lone auf dem linken Ufer zuruͤckgelassen, um seinen Ruͤkzug zu deken; die Generale Cordova, Oraa und Lopez seyen ihm 5 gleich nachgeruͤckt, und wuͤrden ihn zwingen, die Flucht zu er⸗ reifen. Uebrigens ist die Ansicht derjenigen falsch, welche in
umalacarreguy nur einen fanatischen und grausamen Banden⸗ Chef erblicken. Spanische Offiziere von Rang und Ansehn, die mit 1s gedient, haben mich versichert, daß er immer fuͤr einen der tuͤchtigsten Offiziere der Armee gegolten, und der groͤßten Achtung genossen habe; er war stets der constitutionnellen Sache aufrichtig zugethan, und folgendes ist das wahre Ver. haͤltniß, welches ihn bewog, die Rolle zu uͤbernehmen, die er gegenwaͤrtig spielt. Als im vorigen Jahre unter den Galeeren⸗ Sklaven in Ferrol, wo Zumalacarreguy als Obrist stand, eine Revolte ausbrach, kam eine Meldung nach Madrid, daß Zu⸗ malacarreguy bei dieser Angelegenheit seine Pflicht nicht gehoͤrig erfuͤllt habe. Ohne ihn sich vertheidigen zu lassen, schickte ihm der General Quesada, welcher damals General⸗Inspektor der Ar⸗ mee war, seine Entlassung zu. Zumalacarreguy, im hoͤchsten Zorn uͤber diese Ungerechtigkeit und Beschimpfung, eilte nach Madrid, und stellte dem Kriegs⸗Minister das ihm widerfahrene Unrecht vor. Dieser verwies ihn an Quesada, der die Sache zu verantworten habe. Als nun Zumalacarreguy letzteren bat, ihn nicht ohne Urtheil und Recht zu verdammen, erklaͤrte Que⸗ sada, er wuͤrde ihn unter keiner Bebingung wieder im Kriegs⸗ dienste anstellen. „Nun gut, rief Zumalacarreguy in Wuth aus, so werde ich mich selbst anstellen und euch den Krieg erklären.“ Darauf ging er nach Navarra. Die Regierung hat vor Kur⸗ zem seinen Bruder zum Beisitzer des Gerichtehofs von Vittoria ernannt, und man vermuthet, daß sie auf diese Weise mit ihm zu unterhandeln suchen werde. Allein Zumalacarreguy ist nicht der Mann, der von dem einmal gefaßten Entschlusse so leicht G — Die ganze gegen ihn operirende Macht be⸗ aͤuft sich, den Versicherungen unterrichteter Offiziere zufolge, auf hoͤchstens 8000 Mann. Auf Mina setzt man kein großes Ver⸗ trauen, da viele seiner fruͤheren Anhaͤnger jetzt dem Zumalacar⸗ reguy folgen. Nur der eintretende Winter wird vielleicht beide Parteien zwingen, sich ruhig zu verhalten, da seit dem 14. die Gipfel der Pyrenaͤen mit hohem Schnee bedeckt, und dadurch die Paͤsse ganz unzugaͤnglich gemacht worden sind. — In Barcelona ist die Cholera ausgebrochen; Alles fluͤchtet von dort nach Frank⸗ reich, oder uͤber hier nach Madrid; die Plaͤtze auf den dorthin gehenden Diligencen sind auf vierzehn Tage im Voraus belegt. Auch hier rafft die Krankheit noch taͤglich betraͤchtliche Opfer hin.
KEWWTT
Die Allg. Zeitg. meldet in einem Schreiben aus Triest vom 20. Okt. „Schon vor 8 Tagen war aus Alexandrien ein Schiff hier eingelaufen, durch welches dem Vernehmen nach Herr Jussuff, der hiesige Agent des Aegyptischen Vice⸗Koͤnigs, wichtige Depeschen empfangen haben sollte, die nichts Geringeres als dessen Unabhaͤngigkeits⸗Erklaͤrung betraͤfen. Da indessen viele Handels⸗Briefe, die mit dieser Gelegenheit gekommen waren, nichts oder nur mit Zweifeln davon erwaͤhnten, so schenkte man dieser Angabe nur wenig Glauben, da man zu gleicher Zeit aus Konstantinopel erfuhr, daß der Sultan einen Kom⸗ missair nach Alexandrien geschickt habe, um die wegen der Syri⸗ schen Angelegenheiten entstandenen Differenzen auszugleichen. Allein bald wurde bekannt, daß Hr. Jussuff in Folge der empfan⸗ genen Mittheilungen eilig nach Wien gereist sey, was dann dem Geruͤchte wieder mehr Gewicht gab, obgleich man nichts Bestimmteres oder Genaueres erfahren konnte. Heute ist nun wieder nach 21 taͤgiger Fahrt ein Schiff aus Alexandrien hier eingelaufen, welches Briefe an verschiedene Handelshaͤuser uͤber⸗ bringt, die beinahe einstimmig melden, daß Mehemed Ali’'s Un⸗ abhaͤngigkeits⸗Erklaͤrung definitiv beschlossen und daher taͤglich zu erwaͤrten sey. Wie dem nun auch seyn mag, so viel ist gewiß, daß Mehemed Ali den Gedanken, sich unabhaͤngig zu machen, ernstlich erfaßt hat, und daß nur besondere Zufaͤlle oder fremde Vermittlung diesen Schritt noch verzoͤgern koͤnnen. Ohne Zwei⸗ fel wuͤrde derselbe eintretenden Falls von der Pforte als eine Kriegserklaͤrung betrachtet werden, und den Ausbruch der Feind⸗ seligkeiten, da beide Theile dazu geruͤstet sind, zur unmittelbaren Folge haben. Nachschrift vom 21. Okt. Ein Schreiben aus Aleppo von glaubwuͤrdiger Haud meldet den neuen Ausbruch von Unruhen in Syrien mit aller Bestimmtheit, und fuͤgt bei, daß die Lage Ibrahims dadurch abermals kritisch geworden sey, indem ihm auch der Drusenfuͤrst Emir Beschir seinen Beistand entzogen habe. Aus welchen Gruͤnden diese kurze Allianz wie⸗ der ein Ende genommen hat, wird nicht angegeben, doch ist zu vermuthen, daß die Stimmung seiner Untergebenen den Emir gezwungen hat, die Aegyptische Sache zu verlassen. Dieser Um⸗ stand koͤnnte Mehemed Alt's Unabhaͤngigkeits⸗Plane ploͤtzlich durchkreuzen; ja selbst die Frage wegen des Besitzes von Syrien
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In Italiaͤnischen Blaͤttern liest man: „Ein Engli⸗ sches Schiff, welches kuͤrzlich aus Tripoli in Sprien zu Palermo eingetroffen ist, brachte nach Handelsbriefen folgende Nachrich⸗ ten mit: „Die Unruhen in Syrien sind noch keinesweges been⸗ digt. Die Autorität Mehmed Ali's wird nicht laͤnger aner⸗ kannt, wenige feste Staͤdte ausgenommen, welche sich noch gegen die Insurgenten halten. Die Drusen des Libanon stehen unter den Waffen. Ihre unvergleichliche Reiterei hat sich wie ein Strom uͤber alle Theile Syriens ergossen, und Ibrahim Pa⸗ scha wird vielleicht kapituliren 1 Effen. Dieser allgemeine Aufstand, der schwer zu unterdruͤcken seyn wird, hat mehrere Veranlassungen. Ibrahim hat durch seine Ausschweifungen und Grausamkeiten die Langmuth des Volkes erschöpft. Seine Schwelgereien und unmaͤßigen Forderungen an Leuten und Geld sind die eine Ursache des Aufstandes; die zweite liegt in dem Buͤndnisse der Pforte mit Rußland, und in dem Glau⸗ 1” der Sprier, kraͤftigen Beistand von beiden Seemuͤchten zu erhalten.“
Mexiko.
Mexiko, 25. Aug. Der Kongreß von Tamaulipas hat den Hafen von Tampico in Santana de Tamaulipas umgetabft zu Ehren des jetzigen Praͤsidenten, der dort im Jahre 1829 die Spanische Expedition unter General Barradas vertrieben hat. Von der Kaufmannschaft wird zwar der Name Tampico noch gebraucht. Dagegen muͤssen alle gerichtliche Dokumente unter dem neuen Namen ausgefertigt werden.
Berlin, 4. Nov. Ihre Majestaͤt die Kaiserin von Ruß⸗ land hatte sich am 31sten v. M. zu einer Zusammenkunft mit Sr. Koͤnigl. Hoh. dem Großherzog von Sachsen⸗Weimar und dessen Gemahlin Kaiserl. Hoh. nach Wittenberg begeben, von wo aus uns nunmehr uͤber die dortige Anwesenheit dieser Aller⸗ hoͤchsten und oͤchsten Herrschaften unterm 1. Nov. nachstehende gefaͤllige Mittheilung zugeht: „Kanonendonner und Festgeläͤute verkuͤndigten den Nesdöbnere hiesiger Stadt gestern Nachmit⸗ tags bald nach 2 Uhr die erfreuliche Ankunft Ihrer Masestaͤt der Kaiserin von Rußland und der Großfuͤrstin Marta Kaiserl. G- Vom Schloßthore an bis jenseits einer von Seiten der
tadt errichteten Ehrenpforte, auf welcher 2 Fahnen mit den Nationalfarben Rußlands und Preußens angebracht waren, hatte die Buͤrgerschaft mit ihren Fahnen sich aufgestellt, durch deren Reihen, umwogt von einer freudig bewegten Volksmenge aus allen Staͤnden, die erlauchte Tochter und Enkelin unseres All⸗ verehrten Koͤnigs, begleitet von den Prinzen und Prinzessinnen Wilhelm und Karl Koͤnigl. Hoheiten, Iöhren Einzug hielten, unter Fuͤhrung des Kommandanten, General⸗Majors von Brock⸗ husen, welcher Ihre Kaiserl. Majestaͤt am Fuße des Glacis der Festung empfangen hatte. In dem Kommandantur⸗Gebaͤude, wo das Quartier bereitet und freundlich dekorirt worden war, wurden Allerhoͤchstdieselben von Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Groß⸗ herzog und von Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Großherzogin von Sachsen⸗Weimar, Hoͤchstwelche schon am 30. Oktober ange⸗ kommen waren, erwartet, und von dem kommandirenden Gene⸗ ral der Provinz, General der Infanterie von Jagow, in mehrerer anderer Generale aus Magdeburg, dem Geheimen Staats⸗Minister van lense dem Bischof Dr. Draͤ⸗ secke und dem Regierungs⸗Pr n von Bonin, so wie von dem Offizier⸗Corps der Garnison, von der Geistlichkeit des Orts und den Stadt⸗Behoͤrden freudigst und ehrfurchtsvoll empfangen. Abends war die Stadt aus freiem Willen und Antriebe der Hausbewohner erleuchtet, wodurch besonders der Marktplatz mit seinen Umgebungen ein lebhaftes Ansehen erhielt. Ueberall herrschte die froheste Bewegung, bis, heute Nachmittags halb 3 Uhr, Ihre Majestaͤt die Kaiserin und die mit anwesenden uͤbri⸗ gen Mitglieder des Koͤnigl. Hauses die Zuruͤckreise nach Pots⸗ dam antraten. Das freudige Wiedersehen, wie die schmerzliche Trennung machte auf Alle, denen das Gluͤck zu Theil wurde, Augenzeugen dieses vertraulichen Zusammenkommens erlauchter Familienglieder zu seyn, den tiefsten Eindruck. Uns, den Be⸗ wohnern Wittenbergs, werden diese beiden Tage unvergeßlich bleiben, ein erfreuliches Denkmal in den Jahrbuͤchern der Stadt, deren treue Anhaͤnglichkeit an das Koͤnigl. Haus keine Graͤnzen kennt in den weiten Raͤumen, welche die erhabene Koͤnigstochter aͤußerlich trennen von dem theuren Vaterlande.“
— Der Hallesche Courier meldet aus Halle vom 2. November: „Freitag den 31. Okt. beging die Universitäͤt Halle⸗ Wittenberg ein hoͤchst denkwuͤrdiges Fest. An eben diesem dem Andenken der Reformation heiligen Tage wurde das neue Uni⸗ versitaͤts⸗Gebaͤude, zu welchem am 3. Aug. 1832 der Grundstein gelegt worden war, feierlich von der Universitaͤt in Besitz genom⸗ men und eingeweiht. Nachdem sich der akademische Senat, das gesammte Lehrer⸗Personal und die Beamten der Universitäͤt Vor⸗ mittags um 9 Uhr zum letzten Male im Waage⸗Gebaͤude versam⸗ melt hatten, begaben sich dieselben unter dem Gelaͤute aller Glok⸗ ken zu Wagen nach dem neuen Universitaͤtsgebaͤude. Am großen Aufgange desselben, wo ein Spalier des Militairs aufgestellt war, bildete sich sodann der feierliche Zug, welcher lang⸗ sam durch die schoͤne Eintritts⸗Halle die praͤchtigen Treppen hinanstieg. Voran schritten die Pedelle in ihrer Amtstracht mit den Zeptern der Hallischen und Wittenberger Universitaͤt, Stu⸗ dirende mit den Insignien beider Universitäͤten, und, den Pro⸗ rektor und die Dekane im Amts⸗Ornate an der Spitze, folgte nach seiner Ordnung das gesammte Universitaͤts⸗Personal, von Studirenden als Marschaͤllen begleitet. Nachdem der Zug unter festlicher Musik in die Aula eingetreten war und Alle die be⸗ stimmten Plaͤtze eingenommen hatten, ordnete der Herr Prorek⸗ tor eine Deputation ab, um den Spezial⸗Bevollmaͤchtigten und Kommissarius Sr. Excellenz des Herrn Geheimen Staats⸗Mi⸗ nisters ꝛc. von Altenstein, Herrn Geheimen Regierungs⸗Rath Delbruͤck, zur Vollziehung seines hohen Auftrags einzuladen und feierlich einzufuͤhren. Als dies geschehen war, bestieg der Herr Kommissarius die Rednerbuͤhne, richtete gedankenreiche ergreifende Worte an die Versammlung und vollzog den feierlichen Akt der Uebergabe der Schluͤssel an die Universitaͤt, welche der Herr Prorek⸗ tor in Empfang nahm und den Insignien der Universitaͤt bei⸗ fuͤgen ließ. Hierauf druͤckte der Prorektor, Herr Professor Ger⸗ mar, in einer eben so wuͤrdigen als gemuͤthvollen, auch an die Schicksale und Fress Erinnerungen der Universitaͤt mahnenden, Rede den Dank derselben gegen Se. Majestaͤt den Koͤnig aus, dessen vaͤterliche Huld und Gnade sich von jeher und jetzt aufs neue und glaͤnzendste an unserer Hochschule verherrlicht hat. Nach einem von dem Herrn Universitaͤts⸗Musik⸗Direktor Naue eigends fuͤr diese Feierlichkeit komponirten Gesange, wurde ein dhavlschen uͤber den Akt der Uebergabe aufgenommenes Pro⸗ tokoll von dem Herrn Universitaͤts⸗Richter Schulze ver⸗ lesen. Jetzt machte die Universitaͤt zum erstenmale in ihrem
wieder zweifelhaft machen.
neuen Eigenthum einen feierlichen Gebrauch von ihren Rech’