oder zu hassen, muß man ihn kennen. Wir kennen a Mäaͤnner nicht, und muͤssen daher, bis daß sie handeln werden, die unparteiischste Gleichguͤltigkeit beobachten. Dieselbe Gleich⸗ guͤltigkeit koͤnnen wir aber nicht in Hinsicht der Gesinnungen behaupten, welche einige, wahrscheinlich zur Vertheidigung des neuen Kabinets bestimmte Blaͤtter demselben leihen. Wir glau⸗ ben vielmehr, den jetzigen Ministern selbst einen Dienst zu erweisen, wenn wir gegen diese Auslegungen ihrer geheimen Absichten pro⸗ testiren. Mehrere Blaͤtter legen dem jetzigen Conseils Praͤsidenten als Programm des jetzt zu befolgenden Systems die Worte in den Mund: „Das neue Ministerium wird eine Restauration der Juli⸗Revolution seyn.“ Unmoͤglich hat der Herzog von Bassano so etwas aͤußern koͤnnen, denn in diesen Worten laͤge geradezu die Beschuldigung, daß der Koͤnig durch den Antheil, den er an den oͤffentlichen Angelegenheiten genommen, die Juli⸗Revo⸗ lution gewissermaßen vernichtet habe. In der That beschuldigt man den Koͤnig schon seit 2 Jahren, daß er sich allzu viel in die Regierungs⸗Geschaͤfte mische, — eine Verleumdung, die wir oft genug zuruͤckgewiesen haben. Jetzt behaupten nun dieselben Blaͤtter, die dem Koͤnige jenen Vorwurf machten, daß der neue Conseils⸗Praäͤsident die Juli⸗Revolution restaurtren wolle; das
heißt doch wohl so viel, daß, waͤhrend unter der vori⸗ gen Verwaltung diese Revolution zu Grunde gegangen, Herr von Bassano sie neu beleben werde. Liegt hierin nicht etwas Beleidigendes fuͤr den Koͤnig? Wir sagen
daher auch, daß der neue Conseils⸗Praͤsident die obigen Worte nicht geaͤußert haben kann. Diese Worte gehoͤren vielmehr denen an, die seit vier Jahren unaufhoͤrlich wiederholen, daß die Juli⸗Revolution je mehr und mehr in Verfall gerathe. Was uns betrifft, so glauben wir, daß die Revolution einer Restaura⸗ tion nicht beduͤrfe, da sie in den Haͤnden der Herren Peérier, Guizot und Thiers keineswegs zu Grunde gegangen ist, wie sol⸗ ches die Aufrechthaltung des Friedens von Europa, die Unter⸗ druͤckung der Unruhen im Laͤnde, die Aufloͤsung der geheimen Gesellschaften und die Befestigung der Dynastie hinlaͤnglich be⸗ weisen; wir protestiren daher im Namen des Koͤnigthums und
Frankreichs gegen die Aeußerung, die man Herrn von Bassano
in den Mund legt. Unter die Hoffnungen, die man von dem neuen Kabinette hegt, gehoͤrt auch diejenige, „daß die Presse nicht mehr verfolgt werden wuͤrde.“ Hiermit sind wir vollkommen einverstan⸗ den: eine Unterdruͤckung des Preß⸗Unfugs ist aber in unseren Augen keine Verfolgung. Und will man es etwa leugnen, daß ein sol⸗ cher Unfug stattgesunden hat?... Sollte das neue Ministerium daher auf die Unterdruͤckung der Preß⸗Vergehen verzichten, sollte es die Gesetze, — und zwar nicht bloß das Preß⸗Gesetz, sondern auch die Gesetze gegen die oͤffentlichen Ausrufer, gegen die Asso⸗ riationen, gegen die geheime Waffen Fabrication u. a. einschla⸗ fen lassen, so wuͤrden wir es fuͤr unsere Pflicht halten, uns laut gegen eine solche Schwaͤche zu erheben, und in den Reihen der Opposition das System der Ordnung und Besestigung fortsetzen, das wir befolgten, als wir das Kabinet vom 11. Okt. vertheidig⸗ ten, es gegen die Verleumdungen seiner Gegner beschuͤtzten, und es auf die Fehler, die es zuweilen beging, aufmerksam mach⸗ ten. Was wir fuͤr die Presse wie fuͤr die ganze Gesellschaft verlangen, ist Freiheit, aber unter dem Schutze der Gesetze. Und auf diese Weise bedarf, unseres Erachtent, die Juli⸗Revolution keiner Restauration.“ Heute verbreitete sich das Geruͤcht, daß der Fuͤrst v. Talley⸗ rand, durch den Telegraphen von der Ernennung des Herzogs von Bassane zum Conseils Praͤsidenten benachrichtigt, dem Koͤ⸗ nige sogleich seine Entlassung als Botschafter am Londoner Hofe eingesandt habe.
Ein Journal erinnert daran, daß es Herr Maret war, der im Jahre 1789 den Moniteur gründete.
Wenn Herr Sauzet die ihm angeblich zugedachte Stelle als Minister des oͤffentlichen Unterrichts annaͤhme, so wuͤrden durch ein sonderbares Zusammentreffen der Anktaͤger der letzten Mini⸗ ster Karl's X. (Herr Persi!) und einer der Vertheidiger dersel⸗ ben, Mitglieder eines und desselben Ministeriums seyn.
Herr Villemain hat seine Entlassung als Vice⸗Praͤsident des Conseils des oͤffentlichen Unterrichts eingereicht. Er bleibt aber Rath dieses Conseils.
Der Ceonstitutionnel lobt Herrn Vitet, daß er seine Ent⸗ lassung als General⸗Secretair im Ministerium des Handels ein⸗ gereicht habe; es sey dies ein Akt strenger Gewissenhaftigkeit, und man muͤsse sich nur wundern, daß noch nicht mehr Anhaͤn⸗ r der Doctrinairs einem so ehrenwerthen Beispiele gefolgt waͤren. 8 Herr Viennet hat folgendes Schreiben an die Redaction
des National gerichtet: „M. H. Ohne Zweifel haben Sie mir noch eine Laͤcherlichkeit mehr andichten wollen, als Sie mir in Ihrem Blatte die Aeußerung in den Mund legten, daß ich bei der Bildung des neuen Kabinettes nicht um Rath gefragt wor⸗ sey. Es ist kein solches Wort aus meinem Munde gegan⸗ Ich mache keinen Anspruch darauf, bei dergleichen Ange⸗ legenheuen um Rath gefragt zu werden, und es wuͤrde mir sehr leid thun, wenn es geschaͤhe. Ich liebe mein Vaterland zu sehr, um nicht zu fuͤrchten, daß ich mich zu seinem Nachtheile taͤu⸗ schen moͤchte, und ich uͤberlasse jene Streitigkeiten der Eigenliebe und des Privat⸗Interesses gern Leuten, die unternehmender und ehrgeiziger sind, als ich.“ Herr Aubry⸗Foucault, verantwortlicher Herausgeber der „Gazette de France“, ist gestern von dem hiesigen Assisenhofe, ines Preß⸗Vergehens habber, in contumaciam zu 2ähriger Gefaͤngniß⸗- und 6000 Fr. Celd Strase verurtheilt worden. Der Moniteur enthaͤlt Folgendes: „In einer Depesche us Bayonne vom 10ten wird berichtet, daß Mina bet seiner iInkunft in Pampelona mit der Vee Koͤnigswuͤrde von Navarra o dem Oberbefehle in den Baskischen Provinzen bekleidet vorden isk. Er ist von der Einwohnerschaft sehr gut aufgenom⸗ en worden.“ — Der General Mina hat bei der Uebernahm e Is Kommando's einen Tages⸗Befehl (s. den Art. Spanien) er⸗ assen, wovon hier Abschriften; kuliren, und worin er den Truppen nzeint, daß er, den muͤtterlechen Absichten der verwittweten Koͤnigin gemaͤß, den Insurgenten den Frieden bieten, daß er sie aber, falls sie ihn verschmaͤhen sollten, auf Tod und Leben verfolgen und eben so furchtbar in seiner Rache, als nachsichtig gegen diejen⸗
21 achhe,
n seyn wuͤrde, die sich ihm schon jetzt unterwuͤrfen. Zugleich der General Mina ein: Proclamation an die Ein
hat
—
)ner von Navarra erlassen; er droht darin mit dem Tode je— a Karlisten, der auf der Landstraße angetroffen werden wuͤrde, hne sich uͤber den Zweck, der ihn dorthin gefuͤhrt, ausweisen koͤnnen; eben so soll Jeder mit dem Tode bestraft werden, r den Insurgenten Vorschud leistet, oder sie von der Annaͤhe⸗ zug oder der Stellung der Christinos unterrichtet. — Ande⸗ rersetis hat auch der Gencral Zumasacarreguy eine Proclamation erlassen; sie ist aus Lecumbery vom 1. November datirt und es wird in derselben auf das Bestimmteste erklaͤrt, daß, da der Kampf zu einem Vernichtungs⸗Kriege geworden,
er jene
“ h“ Zavala und Valdespina wieder bei Don Carlos zu Ehren ge⸗ bracht, ohne ihnen jedoch ihr Kommando zuruͤckzugeben. Er hat sich nach los Arcos begeben, um die Truppen der Koͤnigin an— zugreifen. Lorenzo hatte indessen diesen Marsch vorausgesehen, daher es ihm gelang, ein Karlistisches Bataillon bei Echaso zu uͤberrumpeln, jedoch ohne ein erhebliches Resultat. Die 680 Gefangenen, die in den Gefechten vom 27. und 28. Okt. den Karlisten in die Haͤnde fielen, haben sich in die Reihen dieser Letztern gestellt. Dem Vernehmen nach hatte Zumalacarreguy, nachdem er alle seine Kraͤfte bei Lecumbery zusammengezogen, das Geruͤcht verbreiten lassen, daß er Elisondo angreifen wolle; er soll indessen mit mehr als 8000 Mann und 2 Kanonen auf Vittoria marschirt seyn.
Großbritanten und Zrland.
London, 10. Nov. Der Tuͤrkische Botschafter, der Grie⸗ chische, der Neapolitanische, der Spanische und der Portugiesi— sche Gesandte, der Preußische und der Franzoͤsische Geschaͤfts⸗ traͤger hatten heute fruͤh Unterredungen mit Lord Palmerston. Eine hiesige Zeitung will wissen, daß der Graf Orloff an die Stelle des Fuͤrsten Lieven als Russischer Botschafter hier⸗ her kommen wuͤrde, und daß in diesem Fall vielleicht der Graf Minto zum Englischen Botschafter am Hofe von St. Peteres⸗
benstraßen, mit Magazinen und Laden, nach Art anderer
Staͤdte, reichlich versehen. Sigmaringen, 9. Nov. Se. Durchlaucht, unser Für haben aus Veranlassung der Vermaͤhlungs⸗Feier des Erbplig
und die öffentliche Stimme im Lande sich fuͤr Errichtung, vereiniaten Spar⸗ und Leihkasse ausgesprochen hat, und ein, artige Anstalt wirklich auch das dringendste Beduͤrfniß des des seyn moͤchte, eine Summe von 10,000 Fl.
dc 9
D- dop
Leihkasse des Fuͤrstenthums. ist eine Kommission aus dem Geheimen Konferenz Rath
Rath Horn bestellt worden.
Karlsruhe, 9. Nov. Die Geruͤchte von Schritten „ Roͤmischen Hofes bei unserer Regierung, um die Entferyn auszuwirken, waren nicht ungegruͤndet. Man nennt in djen Beziehung den geistl. Rath Schreiber und Prof. Stengel,] ren Gesinnungen fuͤr Aufhebung des Coͤlibats ihnen jenes M. fallen zugezogen zu haben scheinen. Auch in Bezug auf Ff
burg ernannt werden duͤrfte.
Am Freitage kam die dem Marquis von Anglesea gehoͤrige Jacht „Pearl“ von Neapel, welches sie am 19ten v. M. ver⸗ lassen hatte, in Portsmouth an. Der Marquis war seit dem April fortwaͤhrend auf derselben umhergekreuzt und hatte Castel⸗ lamare, Malta, Syrakus und Palermo besucht. Diese Reisen sollen auf seine Gesundheit sehr vortheilhaft eingewirkt haben.
Mistreß Fitzherbert war seit einigen Tagen ernstlich krank. Sir H. Halford und andere ausgezeichnete Aerzte besuchten sie. Heute soll es sich etwas mit ihr gebessert haben.
Das Dampfboot „Confiance“ ist mit Briefen vom 3ten d. von Lissabon hier angelangt. Admiral Napier befand sich als Passagier an Bord desselben. Seit den letzten Nachrichten war nichts von besonderer Bedeutung vorgefallen, außer daß am 31. v. M. die Frage uͤber die Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit der Ernennung des Herzogs von Palmella zum Praͤsidenten des Ministerraths in den Kammern zur Diskussion kam und mit einer Maäjoritaͤt von 58 gegen 42 Stimmen zu Gunsten des Her⸗ zogs entschieden wurde. Der Gesetz⸗Entwurf, wodurch Dom Miguel und seine Erben fuͤr immer vom Portugiesischen Thron ausgeschlossen werden, ist einstimmig angenommen worden. Als der „Confiance“ absegelte, hatte Herr Carvalho sein Finanz⸗ Budget noch nicht vorgelegt. Der Oberst Pizarro war verhoͤrt und freigesprochen worden. Es wurden schon Anstalten zum Empfange des Herzogs von Leuchtenberg getroffen. Dem Ver⸗ nehmen nach wird Admiral Napier von Portugal jaͤhrlich 600 Pfund als Halbsold eines Portugiesischen Admirals und Ober⸗ Befehlshabers erhalten. 79
Aus Demerara und den anderen Westindischen Kolonieen sind Nachrichten bis zum 30. September hier eingegangen. Am 26sten hatte zu Demerara eine der wichtigsten gerichtlichen Ent⸗ scheidungen stattgefunden, die fuͤr die Interessen und die kuͤnstige Ruhe dieser Kolonie von großer Wichtigkeit seyn duͤrfte; der Pro⸗ zeß gegen die wegen Rebellion gefangen genommenen sieben Neger⸗ Lehrlinge war geschlossen und uͤber alle das Todesurtheil gefaͤllt worden. An den Tagen des 20sten und 21sten September hatte in verschiedenen Theilen Westindiens ein furchtbarer Orkan ge⸗ wuͤthet, durch den viele der bedeutendsten Zucker⸗Plantagen gaͤnz⸗ lich zerstoͤrt wurden. Dominica soll am meisten gelitten haben.
Welgen. „Bruͤssel, 12. Nov. Die Revpraͤsentanten⸗Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung den Herrn Raikem von neuem zu ihrem Praͤstdenten und die Herren Fallon und Dubus zu Vice ⸗Praͤsi⸗ denten erwaͤhlt.
Polen. Warschau, 14. Nov. In der am 10ten d. stattgehabten Sitzung des Staats⸗Raths des Koͤnigreichs Polen leisteten die Mitglieder dieses Raths, Fuͤrst Valentin Radziwill und Graf Kossakowski, den vorschriftsmaäͤßigen Eid. Der Oberst Sobolewski vom Kaiserlichen Bergwerks⸗Inge⸗ nieur⸗Corps, welcher der letzten Versammlung der Naturforscher in Stuttgart beigewohnt hat, ist von dort in hiesiger Hauptstadt angekommen.
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Ballenstedt, 13. Nov. Heute hielt unser Durchlauchtig⸗ ster Herzog Alexander Karl mit seiner jungen Gemahlin Friede⸗ rike, geb. Prinzessin zu Holstein⸗Gluͤcksburg, seinen Einzug hier in seine Residenz. Es empfing und begleitete ihn eine ungemein große Menschenmasse, und begruͤßte das junge Fuͤrstenpaar mit Jubel und Musik. Durch drei Ehrenpforten ging der lange, von einer reitenden Buͤrgergarde geleitete Zug auf das Schloß. Zwei Bruͤder der jungen Herzogin, der Herzog von Gluͤcksburg und der Prinz Friedrich von Gluͤcksburg, zogen mit ein, und erhoͤheten die Feier dieses Tages, dem viele Feste folgen werden. — Außer den bereits fruͤher erfolgten Ernennungen der Regie— rungs⸗Raͤthe von Krosigk und Albert in Bernburg zu Geheimen Regierungs⸗Raͤthen, haben in diesen Tagen noch mehrere andere Befoͤrderungen Herzoglicher Beamten stattgefunden.
Weimar, 15. Nov. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog haben den Erzieher des Erbgroßherzogs, Hofrath Dr. Sorer, zum Geheimen Legationsrath ernannt und ihm das Komthur⸗ Kreuz des Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Fal⸗ ken verliehen.
Die Universitaͤt Leipzig hat dem ruͤhmlichst bekannten Ko⸗ nigl. Hannoverschen Hof-⸗Kapellmeister Marschner das Doktor⸗ Diplom honoris causa uͤbersandt.
Kassel, 15. Nov. Se. Hoheit der Kurprinz und Mit⸗ regent haben den Kammerherrn und Ceremonienmeister, Grafen Louis von Hessenstein, zum Schloßhauptmann ernannt.
Muͤnchen, 13. Nov. Seine Majestaͤt der Koͤnig sind gestern Abends um 9 Uhr zu großer Freude der hiesigen Ein⸗ wohner im erwuͤnschtesten Wohlseyn wieder hier eingetroffen.
Stuttgart, 10. Nov. In diesem Augenblick geschieht hier viel zur Verschoͤnerung und Erweiterung der Siadt. Wer Stuttgart seit zwei Jahren nicht gesehen hat, erstaunt billig dar⸗ uͤber. Ueberall Haͤuser im Bau begriffen; andere werden ein⸗ gerissen, um Platz zu gewinnen, die Straßen werden neu ge⸗ pflastert u. s. w. Vor zwei Jahren sehlten glaͤnzende Magazine noch gaͤnzlich, und viele Handwerker hielten nicht einmal offene Laden, sondern man mußte finstere Treppen hinansteigen, und sich
muͤhsam nach ihren Wohnungen durchfragen, wollte man ihre
bei seinen Truppen nur noch das Loosungswort gelte: Sieg oder Tod! Zumalacerregun hat auch die Generale
Artikel kaufen. Jetzt ist die Koͤnigsstraße, und selbst viele Ne⸗
wichtigen Werthe zu wuͤrdigen weiß,
Maßregeln die Rede gewesen seyn, unter Anderem von Entzo hung der priesterlichen Functionen, welches letztere jedoch 1 orts nicht wohl thunlich erscheinen konnte, indem mann wei dieser Gelehrte verheirathet ist und niemals Priester war. man vernimmt, hat unser Staats⸗Ministerium die gestellten traͤge zuruͤckgewiesen.
Egak
Cortes⸗Verhandlungen. Prokuradoren⸗Kam Sitzung vom 30. Oktober. Der Graf de las N nahm das Wort, um einen Antrag zu stellen, und aͤußer! folgendermaßen: „Vielleicht werden Sie es seltsam finden, Herren, daß ich in einem Augenblick, der Ihnen vielleicht ungeeignet scheint, die Rednerbuͤhne besteige. Man wird gar sagen, die parlamentarischen Formen seyen mir fremd; a diese Formen verschwinden vor meinen Augen, so oft e um das Wohl des Vaterlandes handelt, und ich muß daher den betruͤbenden Zustand der Halbinsel sprechen, deren Un und Mißgeschick alle Abgeordneten tief beklagen In un Eigenschaft als Repraͤsentanten der Nation haben wie die N pflichtung, die Aufmerksamkeit der Regierung auf einen so d. genden Gegenstand hinzulenken. Wer sollte nicht fuͤrchten, da Vaterland, seiner Vertheidiger beraubt, in den Abgrund stuͤrg
moͤchte, wenn er die tapferen Soldaten Isabella's II. unter der Han
von Meuchelmoͤrdern umkommen sieht? Was fuͤr Repressalientt nen wie gegen unsere Feinde anwenden? Wie sollen wir fen Schlachtopfer der Grausamkeit und Barbarei raͤchen? Compagnie von Tapferen hat uͤber die Klinge springen muͤs nachdem sie ihre letzte Patrone verschossen hatte. Die Vers⸗ lung wird begreifen, welchen Eindruck dies Ereigniß im b
hervorbringen mußte. Andere Tapfere haben ihren Feinden
unter dem 4ten d. M., in Betracht, daß der allgemeine Wyye m - auf die Hofkan 3 mer Kasse angewiesen fuͤr die erste Begruͤndung einer Spar, u Zu Vollziehung dieser Entschliegn!
Laßberg, Regierungs⸗Rath von Bannwarth und Regierunen
einiger theologischen Professoren von der Universitaͤt Freibuln
rath Amann, Prof. des Kirchenrechts, soll von Einschreitune
Lehre der Unerschrockenheit und Tapferkeit ertheilt und die gierung instaͤndigst gebeten, solchen Uebeln Abhuͤlfe zu scha aber taͤuschen wir uns nicht, meine Herren! es wiederholen zwar dergleichen Handlungen, weil unter den Spaniern, ine so gerechte Sache vertheidigen, Tapferkeict, Palriors mus und Heldenmuth herrscht; aber die Regierung müß sie auch schuͤtzen und raͤchen, sie muß das bis jetzt folgte bemaͤntelnde System verlassen, energische Maßrege! greifen und die Vertheidigung des Thrones Isabella's II. bloßen Subalternen⸗Haͤnden, sondern den ersten Staats⸗Ge ten anvertrauen. Es werden hier taͤglich glaͤnzende Theo vorgetragen; wir sollten uns aber lieber mit dem Kriegsse platz beschaͤftigen und dahin alle unsere Mittel, alle unsere Hi quellen wenden. Wir muͤssen aus der Lethargie erwachen, auf uns lastet; mit Einem Wort, wir muͤssen das Vate! raͤchen. Niemand wird diese Wahrheiten verkennen. Wenn Regierung der Unterstuͤtzung bedarf, so sind wir bereit, ihr diü selbe zu gewaͤhren; bis jetzt hat sie sich nicht uͤber die Ka mer zu beklagen gehabt. Wenn sie Soldaten brauch so sind wir Alle zur Vertheidigung der Freihert und des Thr. nes Isabella's II. bereit. Aber das Ministerium schlage em offene und entschiedene Bahn ein; man schuͤtze die Tapferen un bestrafe die Boͤsen; man wende das Gesetz nicht gegen die wr gluͤcklichen an, die aus Unwissenheit Verbrechen begehen, sonden gegen die Anfuͤhrer, welche sie verleiten und in den Kampf sa ken, gegen diejenigen, welche den vatermoͤrderischen Dolch schte fen, um ihn verirrten Menschen in die Haͤnde zu geben. jetzt hat man die Rebellen viel zu sehr geschont; Navarra! Biscaya sind die Beute eines hoͤllischen Feuers; wir haben gar kuͤrglich Zumalacarreguy uͤber den Ebro setzen und a dem diesseitigen Ufer dieses Flusses die Truppen der Koͤnt angreifen sehen, deren wuͤrdiger Befehlshaber alle moͤgl Kraͤfte aufbot und sich selbst aufopferte, indem er den sem bei weitem uͤberlegene Streitkraͤfte angriff. Aragonien wird ve Buͤrgertriege verheert. Carnicer steht daselbst mit 2000 Ma⸗
b grausamen Repressalien einer barbarischen Faction nachahmen?
Hat man die von den Aufruͤhrern zu Lerida veruͤbten Graͤuel⸗ b thaten eiwa vergessen? Dergleichen Abscheulichkeiten werden jir doch wohl nicht nachahmen sollen? Die Regierung
hat mit dem Gesetz in der Hand gehandelt. Taͤglich zeigt die Hof Zeitung an, daß Rebellen erschossen worden sind; ich sage es mit Schmerz, denn es sind Spanier; aber die den Generalen ertheilten Befehle sind streng. Wenn der Krieg in Navarra kein glüͤcklicheres Resutat gehabt hat, liegt da die Schuld an der Re⸗ geerung? Hat sie nicht Truppen unter dem Befehl von uͤchti⸗ ven Generalen in diese Provinz gesandt? Aber man will die „Fezierung fuͤr das Ungluck verantwortlich machen, welches die Vorsehung uͤber uns verhaͤngt. Wenn der General Mina das Fommando nicht gleich nach seiner Ernennung uͤbernommen hat, so war seine Kraͤnklichkeit daran Ursach. Die Regierung hat wie durch
wir
I einen Zauberschlag Huͤltsquellen aufgefunden. Sie hat die Mobil⸗ Sie hat onne Fonds zur Verfuͤgung des General Mina gestellt,
machung von 12,000 Mann Stadt Milizen anbefohlen.
und in diesem Augenblick begeben sich Truppen nach Aragonien und Castilien. Noch ein anderes Ungluͤck hat uns betroffen; der Graf Amtldez be Toledo hat das Kommando uͤber die Trup⸗
ven nicht uͤbernehmen koͤnnen, weil er durch eine Krankheit ans uͤber die Trup⸗
DPie
ven bekleideten Generale haben sich trefflich benommen; sie haben einstimmig und ohne Eifersucht das Kommando dem General vorenzo uͤbergeben, der, den letzten Nach⸗ ricten zufolge, gegen Elisondo vorgeruͤckt ist, um die Rebellen anzugreifen. —
ertungen. In Castilien haben sich die
Zreck erreicht zu haben. Es sind Truppen gegen Carnicer im Marsch; also ist die Sache der Koͤnigin nicht gefaͤhrdet, und das Vaterland befindet sich nicht am Rande des grundes; die Regierung hat 2500 Flinten in England angekauft, die, um schneller anzulangen, ihren Weg durch Frankreich nehmen werden. Die Kuͤsten sind mit See⸗ reitkraͤften umgeben. 1 nit gelob seyn, aber es verlangt, daß man ihm keine ungerechte wuͤrfe mache. b 18 1g manm ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wenn das Ministertum solchen Eifer gezeigt hat; wenn es wahr ist, wie man es aus den Zeitungen ersehen kann, daß die Aufruͤhrer üͤberall, wo sie das Haupt erhoben haben, geschlagen worden
—
de las Navas noch? Maßregeln, welche die
beunruhigen, zerstoͤren die Gesetze und gefaͤhrden , heit, ohne den Staͤat zu retten. Das Ministerium will die Freiheit, den Thron und das Vaterland mit seinen Gesetzen rhalten, und es glaubt, daß in dieser wie in jeder anderen Hin⸗ sicht kein Grund vorhanden ist, an seinem Eifer und Patriotis⸗ mus zu zweifeln.“ Der Graf de las Navas sagte darauf: „Um meine Rede anzugreifen, hat der Minister die Gazette de France citirt; ich fordere ihn meinerseits auf, den Moniteur nachüusehen; er wird darin finden, daß man meinen Ansichten Gerechtigkeit widerfahren laͤßt. Ich will die Generale der Ar⸗ nie Mißkredit
mee nicht in bringen; ich habe nur gesagt, bdaß die Regierung der Armee Sukkurs schicken solle. Ich habe nicht leidenschaftlich gesprochen, denn ich bin nur fuͤr
nahm noch der Graf von Toreno zur Vertheidigung des Mi⸗ nisteriums das Wort. „Wenn man“, sagte er, „von so wichti⸗ gen Sachen sprechen will, so waͤre es zu wuͤnschen, daß man die Punkte genau bezeichnete, die man sich zum Augriff gegen die Regierung ausersehen hat. Der Graf de las Navas hat drei Beschuldigungen gegen die Regierung naͤmlich die Straflosigkeit der Insurgenten, den Mangel an Verstaͤr⸗ kungen der Armee und die ungehoͤrige Anwendung der von den Cortes bewilligten Fonds. Das Wort Straflo⸗ sigkeit ist eine Waffe, deren sich alle Parteien bedienen, um die Regierungen anzugreifen. Man hat sich ihrer in den Cortes von Cadix im Jahre und in Frank—
erhoben,
1820 reich zur Zeit des Terrorismus bedient; ich muß mich also uͤber deesen Punkt erklaͤren. Straflosigkeit entspringt aus der Nichtanwendung der Gesetze. Die Kriminal⸗Gesetze zerfallen in gewoͤhnliche und außerordentliche. Die letzteren wendet man ge⸗
bewaffneter Hand angreifen. Moͤge mir der Graf de las Navas
einen einzigen Fall nennen, wo unsere Generaie diese Gesetze
gegen die Insurgenten nicht angewandt haben. Was die gewoͤhn⸗ lichen Faͤlle anbetrifft, so kann die Regierung nichts thun, als die Gerichtshoͤfe in ihrem Eifer anspornen.
Gesetzlchkeit zu naͤhern; aber bald wurde sie von denen, die ihr zu dieser Maßregel gerathen hatten, aufgefordert, diese Kommis⸗ sionen wiederherzustellen, und sie that dies. Was die Vermeh⸗ rung der Armee anbetrifft, so ist es wohl der Muͤhe werth, zu untersuchen, ob die Vorwuͤrfe des Grafen de las
und noch andere betraͤchtliche Banden befinden sich dort. 2 andere Punkte der Halbinsel sind von den Rebellen okkurn Dort muß man die Rebellion in der Wurzel angreifen; e dazu ist es noͤthig, daß das Ministerium offen und loyal
Werke gehe; und wenn es sich weigern sollte, kraͤftige und en gische Maßregeln zur Rettung des Landes zu ergreifen so wüt ich die Versammlung auffordern, sich direkt an die Koͤnig in⸗Regent zu wenden, deren Wunsch, das Beste des Landes zu befoͤrdenn nicht in Zweifel gestellt werden kann; ihr muͤssen wir dann t greiflich machen, daß ein solcher Zustand der Freih und Existenz der Nation gefaͤhrdet. Ich denke, die Versan lung wird meinen Antrag in Erwaͤgung ziehen.“ Hierauf en hob sich der Praͤsident des Minister⸗Rathes, Herr Martin de la Rosa, und erwiederte: „Das Ministerium hatte einer so schweren Anschuldigung nicht versehen. Man wird
also auch nicht wundern, wenn es sein Benehmen vertheid Es ist weit entfernt, die Verantwortlichkeit zu scheuen, mit
man ihm droht, denn die Nation ist da, um von seinem nen und loyalen, ja vielleicht sogar zu offenem Verfahren 32 niß zu geben! Und doch ist dies das Haup F. Motiv, welches diesene antreibt, die uns angreifen. Die leeren Declamationen des Grafel las Navas koͤnnen auf die Versammlung, die sie nach ihr keinen aͤrgerlichen Eindruch
Dinge die
machen, aber wohl uͤben sie auf die land einen aͤrgerlichen Einfluß aus. Moͤge Herr de las Nava die Gazette de France lesen, und er wird sehen, daß man seine Reden eitirt, um zu beweisen, daß Spaniens Sache verloren sey, weil die Abgeordneten selbst die Armee als entmuthigt und den oͤffentlichen Geist als niedergeschlagen darstellten. Herr le las Navas hat von der Straflosigkeit gesprochen, deren Rebellen erfreuten; kann aber eine ordentliche Regierung e
Nation und auf das n⸗
vas gegruͤndet sind. Im Anfange dieses Jahres zoͤhlte die Ar⸗ mee nur 60,000 Mann; jetzt besteht sie aus 119,000. Es ist wahr, daß nicht alle diese Mannschaften kampffoͤhig sind; aber dies ist die Schuld der fruͤheren Organisation, und nur mit der Zeit kann diesem Uebel abgeholfen werden. Es ist nicht so leicht, als man glaubt, diese Macht zu vermehren. Zuvoͤrderst muß man untersuchen, ob eine neue Besteuerung des Blutes nicht Mißvergnuͤgen unter der Bevoͤlkerung erregen wuͤrde, und dann muß man wissen, ob man diesen neuen Streitkraͤften den noͤthi⸗ gen Unterhalt wuͤrde verschaffen koͤnnen. In den meisten Provinzen, namentlich in denjenigen, welche den Gegenden, wo der Buͤrger⸗ krieg am meisten wuͤthet, zunaͤchst liegen, hat man Gesundheits⸗ Compagnieen errichtet. Die Stadt⸗Miliz ist 200,000 Mann stark, und davon sind 90,000 bewaffnet. Wie kann man also sa⸗ gen, daß die Regierung sich der Bildung dieser Miliz widersetzt habe, besonders wenn man den mangelhaften Zustand unserer Zeughaͤuser und Depots in Betracht zieht. Die Stadt⸗Miliz hat schon Dienste geleistet; oft reichte ihr bloßes Erscheinen
hin, um die Rebellen zu verjagen. Jetzt komme ich aber auf die schwerste Beschuldigung des Grafen de las Na⸗ vas. Sie ist bloß gegen mich gerichtet, denn wenn ich
die uns gelieferten Huͤlfsmittel nicht benutzt habe, so ist es klar, daß meine Kollegen durch mich in ihren guten Absichten ge⸗ lähmt worden sind. Ich habe schon gesagt, daß man zur Dek—⸗ kung der Kosten des oͤffentlichen Dienstes entweder zu den Auf⸗
lagen, oder zum Kredit, oder zu außerordeatlichen Maßregeln
seine Zuflucht nehmen muß. Die gewoͤhnlichen Steuern haben sich nicht vermehrt; im Gegentheil, der Buͤrger⸗ rieg, die Cholera und andere Geißeln haben eine Ver⸗
minderung der Einkuͤnfte verursacht, so daß sich im Monat S 1 1 1P; S. 1 . 9; - 8ꝙ4 8 im Vergleich gegen das vorige Jahr, ein Desicit
Iüni,
In La Mancha werden taͤglich Vortheile V Navarresen zweimal mit Merino vereinigen wollen, aber vergebens; sie sind zwar uͤber den Ebro gegangen, aber sie mußten wieder zuruͤck, ohne ihren
Das Ministerium will fuͤr dies Alles!
Einst, wenn die Leidenschaften erst beruhigt
sind; wenn die Stadt⸗Miliz den Auftrag erhalten hat, sich der Armee anzuschließen, was suͤr Maßregeln fordert dann der Graf Gesellschaft
die Frei⸗
die Ordnung und die gesetzliche Freiheit eingenommen.“ Jetzt
gen Aufruͤhrer oder gegen Leute an, welche die Regierung mit Doyle 8 Bö Gewehre abgenommen, der Folgen dieser Niederlage nicht zu ge—
Noch mehr, die Regie⸗ ranz hatte die Militair⸗Kommissionen aufgehoben, um sich der;
Na⸗
½α09⸗
von 13 Millionen ergab. Wir hoffen jedoch, daß die Thaͤtigkeit der Verwaltung und das Verschwinden jener Geißeln die Einnahmen wieder auf den fruͤheren Belauf zuruͤckbringen werden, wie man dies jetzt schon bemerken kann. Was die au⸗ ßerordentlichen Contributionen anbetrifft, so weiß man, daß es bis jetzt noch nicht moͤglich war, davon Gebrauch zu machen; drei Monate sind in der That schon seit der Vorlegung des Ge⸗ setz⸗Entwurfes uͤber die auswaͤrtige Schuld und uͤber die Anleihe verflossen, und ich bin noch nicht ermaͤchtigt, diese Anleihe abzuschließen. Der Graf de las Navas hat selbst verlangt, daß die Debatten uͤber diesen Ge⸗ setz⸗Entwurf so lange geoͤffnet bleiben sollten, als noch irgend
ein Abgeordneter Bemerkungen daruͤber machen wolle. (Der Graf de las Navas machte eine bejahende Bewegung) Ich
will der Versammlung keinen Vorwurf machen; aber wahr ist es doch, daß es dem Ministerium in Folge dessen an Huͤlfsquel⸗ len gefehlt hat. Und wenn nun auch das Gesetz votirt waͤre, würde es dann nicht noch langer Zeit beduͤrfen, um die Fonds
zu realisiren und sie dahin zu schicken, wo sie gebraucht werden?
Eine solche Angelegenheit ist in Spanien mit Schwierigkeiten verknuͤpft, die der Regierung viel zu schaffen machen. Dazu koͤmmt noch die große Verschiedenheit der Muͤnzen. Der Krieg allein kostet monatlich 32 Millionen Realen, statt 20,000. In den letzten Monaten konnte diese Summe nicht bezahlt werden, und verschiedene Zweige des Dienstes, besonders die in Retraite⸗ Zustand befindlichen Militairs, haben sehr gelitten. In diesem Monat aber wurde es durch die Bemuͤhungen der Regierung moͤglich, 31 Millionen zu zahlen, weil die Militair⸗Pensionen mit den Civil⸗Pensionen auf gleiche Linie gesetzt wurden. Wir hoffen, daß im Monat November 32 Millionen an die Armee werden ausgezahlt werden koͤnnen, ohne daß die uͤbrigen Zweige des oͤffentlichen Dienstes dadurch leiden werden. Dies ist die
19 ganze Wahrheit, und ich appellire an die Ehre und das Gewis⸗ Ab⸗
sen des Grafen de las Ravas und der Versammlung, daß sie erklaͤren, ob wir nicht loyal zu Werke gehen.“ Hiermit schloß diese Diskussion und es ward zur Tagesordnung uͤbergegangen.
Madrid, 4. Nov. Der Compilador vom 1. Novem⸗ ber enthaͤlt Nachstehendes: „In Gemaͤßheit des am 18. Okto⸗ ber erlassenen Befehls hat die Einschreibung der Stadt⸗Miliz, naͤch den fruͤher angenommenen Grundsaͤtzen, am 31. Oktober begonnen.“
Dasselbe Blatt sagt, daß die Organisation der Stadt⸗ Miliz ein Gegenstand sey, der die Aufmerksamkeit der Regierung im hoͤchsten Grade in Anspruch nehmen muͤsse, und daß man damit nicht warten solle, bis die Cortes ein Gesetz uͤber die Ausruͤstung dieser Miliz votirt haͤtten. Unter den jetzigen au⸗ Berordentlichen Umstaͤnden duͤrfe man nicht den langsamen For⸗ men gewoͤhnlicher Zeiten folgen, sonst wuͤrde die Partei des Feindes daraus zu großen Vortheil ziehen. Es waͤre zu wuͤn⸗
schen, daß die Regierung zur provisorischen Errichtung der
Stadt⸗Miliz in allen Orten und zur Ertheilung der Befungnisse ermaͤchtigt wuͤrde.
Eben dieses Blatt theilt die Nachricht von einer in Cuenga entdeckten Verschwoͤrung mit. Funfzig Personen sind verhaftet, worunter der Guardian eines Moͤnchsklosters, bei dem sich ein Verzeichniß gefunden, welches die Namen von 25 Per⸗ sonen enthaͤlt, die am 5. September, dem zum Ausbruch der Ver⸗ schwoͤrung festgesetzten Tage, ermordet werden sollten.
„Wir waͤren strafbar“, heißt es in dem Observador, „wenn wir nicht die Aufmerksamkeit der Regierung auf den beklagenswerthen Zustand der noͤrdlichen Provinzen lenkten. Als Patrioten, als Spanier, ja als Menschen, muͤssen wir das Loos einer so großen Anzahl ungluͤcklicher Mitbuͤrger beklagen, deren Blut fuͤr die Sache Isabella's ll. vergossen worden ist und das haͤtte geschont werden koͤnnen, wenn die Regierung sogleich die energischen Maßregeln ergrissen haͤtte, die eine wohlverstandene Politik ihr vorschrieb. Als Organ der oͤffentlichen Meinung muͤssen wir unsere Krankheiten denjenigen bezeichnen, die sie heilen koͤnnen. Die gestern eingetroffenen Nachrichten haben die Bevoͤlkerung von Madrid mit Trauer und Unwillen erfuͤllt. Die
Briefe unseres Korrespondenten entfallen unseren Haͤnden; unsere
Feder weigert sich, den Inhalt derselben aufzuzeichnen. Es han⸗ delt sich nicht mehr um den Verlust irgend eines Soldaten, um
eine verlorene Compagnie, um einen Ueberfall; wir ha⸗ ben die beiden Bataillone „Africa“ und „Koͤnigin“, so wie eine Schwadron Karabiniers verloren Der General
Doyle ist todt, die Insurgenten haben uns 2 Kanonen und 1500
denken, welche den Stolz der Insurgenten vermehren und un—⸗ sere Truppen entmuthigen wird. Es handelt sich endlich um die Rettung des Vaterlandes. Werden wir, mitten unter diesen Gefahren, waͤhrend das Blut unserer Mitbuͤrger um Rache schreit, und der Thron Isabella's heftig erschuͤttert ist, in der Apathie oder in einem niedrigen Egvoismus verharren? Fern sey von uns ein so herabwuͤrdigender Gedanke! Lasset uns einig seyn und einen einzigen Koͤrper bilden und unsere Feinde mit derselben Einigkeit vernichten, womit sie uns bekriegen. Lasset uns die Insurgenten des Nordens, wie die Kaffern, bekriegen. Wir haben nicht die Ausschweifungen vergessen, welche sie be⸗ gangen haben, nicht ihre Raͤubereien, thre Bedruͤckungen, ihre Mordthaten; ihre Opfer sollen geraͤcht werden und die Regie— rung wird uns hierbei unterstuͤtzen.“”“ —
— General Mina hat am 4 Nov. zu Pampelona den nachstehenden Tagesbefehl erlassen:
„Soldaten! Ichy kehre in Eure Mitte zuruͤck, um im Namen des Landes dieselben Elemente, welche sich in den Jahren 1820 bis 1823 an derselben Stelle der repraͤsentativen Regierung widersetzten, zu bekaͤmpfen, obgleich traurige Erfahrungen gezeigt haben, daß diese Regierung von der Unabhaͤngigkeit der Nation und der Aufrechthal⸗ tung unserer Privilegien und Freiheiten, so wie von der Festigkeit und dem Glanz des Thrones unzertrennlich ist. Da diese Regie⸗ rung im Namen unserer erhabenen Koͤnigin Isabella II. durch ihre Mutter, die Koͤnigin⸗Regentin, wiederhergestellt und schon in Wirk⸗ samkeit getreten ist, so ist es die Pflicht alleer guten Spanier, sie zu uünterstuͤtzen, damit sie ihr System der Verbesserungen in dffentlichen Verwaltung ungehindert verfolgen roͤnne. Einige Bewohner dieser Provinz vergessen ihre heilige Pflicht und widerstreben, unter der Fahne des Aufruhrs, wie dies in der vorhin angetuͤhrten Periode ebenfalls geschah, dem Gange der Regierung. Einige thun dies mit den Waffen, andere durch Unterstuͤtzungen je⸗ der Art. Unter dem Vorwande, daß sie Rechte vertheidigen, die unseren Landesgesetzen unbekannt sind, greifen sie die Rechte Isa⸗ bella's II. an, die von der Nation als gesetzliche Thron⸗Crbin an⸗ erkannt und proklamirt ist. Ich habe den Auftrag, diese Elemente der Unordnung zu zerstoͤren. Ich hoffe, diesen blinden und betro genen Menschen zu zeigen, daß es Zeit fuͤr sie sey, die Unmoͤglich keit, sich dem Willen der Nation zu widersetzen, anzuerkennen. In Uebereinstimmung mit den muͤtterlichen Gefuͤhlen der Koͤnigin⸗Re⸗ gentin, welche die Wiederherstellung der Ordnung in diesen Pro⸗ vinzen, ohne ferneres Blutvergießen unter Bruͤdern, die sie als ihre Soͤhne liebt, wuͤnscht, biete ich ihnen Frieden. Verschmaͤhen sie je⸗
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doch diese Wohlthat, und zwingen sie mich, das Schwert zu ziehen,
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werde ich die Feinde des Landes ohne Gnade verfolgen. werde das geringste Böse, welches unserer Sache zugefuͤgt w eben so furchtbar raͤchen, als ich mich nachsichti A“ werde, die bereuen und sich der Köͤnigin ansch ießen. Kameraden Ich bringe die Belohnungen mit, welche der Tapferkeit gebuͤhren. Ich weiß, daß Euer Edelmuth die groͤßte Belohnung darin findet, an der Wiederherstellung der oͤffentlichen Ruhe, welche fuͤr die Wohlfahrt der Nation nothwendig ist, thaͤtigen Antheil genommen zu haben; dessenungeachtet macht ein so edles Betragen es der Re⸗ gierung 19 Pflicht, Eure Dienste durch von Ehren zeichen oͤffentlich anzuerkennen. Ich finde die hoͤchst moͤglich Genugthuung darin, daß ich an der Spitze einer so patriotischen tapferen und versuchten Armee stehe. Soldaten! Betrachtet mich als den geringsten Grenadier der Armee; wenn es noͤthig ist, werd ich mit der Muskete in der Hand vordringen, und bestäͤndig Eur Beschwerden theilen, bis wir einen vollstaͤndigen 89 errungen ha ben. Einigkeit und vollkommene Ordnung in der Armee, streng Disziplin, sowohl auf dem Marsche als im Quartier, vor Allem di groͤßte Wachsamkeit, das ist, was ich verlange. Mina.“
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Die Allgemeine Zeirung berichtet von der Serbische Graͤnze vom 1. Nov.: „Die Post aus Konstantinopel vom 21. Okt. ist eingetroffen; es war daselbst Alles ruhig, und man hoffte, daß der Sultan sich mit Mehmed Ali verstaͤndigen werde. Die Geschäfte gewannen daher neues Leben, und e wurden bedeutende Bestellungen in Kolonial- und Manufaktur Waaren gemacht, ein Beweis, daß man an die Erhaltung de Friedens glaubte. Die Ottomanische Flotte hatte wieder im Hafen Anker geworfen, nur zwei Kriegsschiffe waren nach der Dardanellen beordert worden. Zur Armee in Asien werde taͤglich Rekruten abgeschickt, und mit der Errichtung der neue Milizen geht es rasch vorwaͤrts. Ein Handels⸗Schreiben mach uͤber die Organisation dieser Milizen folgende Bemerkungen „„Wer vor einigen Monaten die Tuͤrkei verlassen hat und jetz wieder zuruͤckkommt, wird kaum seinen Augen trauen, wenn e ein Volk, welches unlaͤngst in die groͤßte Apathie versunke schien, wie elektrisirt, und an Beweglichkeit den aufgeregtester Voͤlkern gleich kommend, wiederfindet. Es ist, als ob sich durch die neuen Miliz⸗Einrichtungen ein anderer Geist de Tuͤrken bemaͤchtigt haͤtte; die Einfuͤhrung dieser Art von bewaff neter Organisation erscheint auch wirklich fuͤr ein Volk aͤußerst wohlthaͤtig, dem bei dem Mangel aller Begriffe von wahrhafter Civilisation, nur auf dem Wege millitairische Disciplin nach und nach Gefuͤhl fuͤr Ordnung, geselliges Lebe und Achtung fuͤr das Gesetz beigebracht werden kann.““ — nach scheint es, als ob die Errichtung der Milizen dem Zweck entsprechen werde, den der Sultan damit verbindet, und daß di Besorgnisse, welche man wegen vermeintlicher Abneigung de unteren Klassen gegen den geregelten Militairdienst hatte, unge gruͤndet waren. Es bleibt daher ein gluͤcklicher Gedanke, ein System aufzustellen, wodurch die ganze Ottomanische Nation ohne es selbst zu ahnen, regenerirt, und an Ausbildung den er vilisirten Voͤlkern naͤher gebracht werden wird. Denn nicht die Aneignung und Erlernung des materiellen Militairdienstes ist hier zu beachten, sondern hauptsaͤchlich die damit verbundene geistige Entwickelung durch einen zweckmaͤßigen Schulplan, Be⸗ hufs der Ausbildung der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Der Sultan hatte gleich anfangs befohlen, den Milizen Schu len zu geben, in welchen sie eine foͤrmliche Erziehung genießen sollen. Die ersten Vorschriften sollen zwar dei der Ausfuͤhrung nicht ganz zweckmaͤßig befunden worden seyn; es heißt aber, sie wuͤrden umgearbeitet, und man beschaͤftige sich, den Unterricht der Milizen moͤglichst zu vereinfachen. Er soll dergestalt einge⸗ richtet werden, daß der gemeine Mann lesen und schreiben lerne, der Unteroffizier außerdem Anweisung in der Arithmetik, der Offizier hingegen eine hoͤhere wissenschaftliche Bildung erhalte. Die groͤßte Schwierigkeit bei diesem wohlmeinenden Vorhaben ist der Mangel an Lehrern; denn nur mit vieler Muͤhe hat man einige Maͤnner gefunden, die faͤhig sind, in den zuletzt bezeich⸗ neten Gegenstaͤnden Unterricht zu ertheilen. Um diesem Uebel abzuhelfen, beabsichtigt der Sultan in jeder Stadt, wo der Stab eines Miliz⸗Regiments seinen Sitz hat, eine Bildungs⸗Anstalt fuͤr Lehrer zu errichten, in welche Zoͤglinge aufgenommen wer⸗ den, die besondere Faͤbigkeiten fuͤr das Lehrfach zeigen, um hier ausgebildet und nach Maß der erlangten Kenntnisse in die Com⸗ pagnieen des Regiments vertheilt zu werden. Diese Zoͤglinge sollen besondere Vortheile genießen, und wenn sie mit gutem Er⸗ folge den Unterricht versehen, und zur Ausbildung der ihnen an⸗ vertrauten Milizen beigetragen haben, sollen sie zu hoͤheren An⸗ stellungen bei der Armee oder in der Civil⸗Administration berech⸗ tigt seyn. Solchergestalt verspricht man sich nicht nur materiell, sondern auch moralisch die Truppen auszubilden, die allein zur Vertheidigung des Landes oder vielmehr des eigenen Heerdes berufen sind, und durch ihre zwiefache Eigenschaft als Solda⸗ ten und Buͤrger beitragen muͤssen, der ganzen Masse des Volkes eine neue Richtung zu geben. Außer diesen unzubestreitenden Vortheilen fuͤr die Sicherheit und Kultur der Nation sind jetzt schon mehrere Industrie Zweige durch die neue Organisation der bewassneten Macht emporgekommen, indem man bemuͤht ist, die Milizen so viel moͤglich mit Erzeugnissen der Landes⸗Fabriken zu kleiden und zu bewaffnen.“
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Berlin, 18. Nov. Se. Durchlaucht der Landgraf Victor Amadeus zu Hessen⸗Rothenburg, Herzog zu Ratibor, Fuͤrst zu Hersfeld und Corvey, der letzte Zweig seines Stammes, ist bei seiner dermaligen Anwesenheit in Ober⸗Schlesien am 12ten d. M., Vormittags 11 Uhr, auf dem Schlosse Zembowitz, an den Fol⸗ gen eines am 9ten unvermuthet eingetretenen Schlagflusses, im 55sten Lebensjahre mit Tode abgegangen. „Wenn hoher Adel der Seele“, so schreibt man von dort, „wenn mildfreundliche, stets liebevolle Gesinnungen und ein fuͤr das Gluͤck von Tausen⸗ den gefuͤhrtes, ehrenwerthes Leben gerechte Anspruͤche auf die dankbare Anerkennung der Mit⸗ und Nachwelt machen duͤrfen, so wird der Name dieses Fuͤrsten niemals vergessen werden.“ — Am 10ten d. M., als am Geburtstage Dr. Martin Luthers, beging das Marrinsstift zu Erfurt mit seinem Stif⸗ tungsfeste zugleich die Feier der vor 300 Jahren zuerst in Druck erschienenen Bibel⸗Uebersetzung durch Luther. Mehrere hundert Kinder der gedachten Anstalt und eine eben so große Anzahl Erwachsener, die mittelst besonderer Einladungskarten Einlaß er⸗ halten, hatten sich in dem geraͤumigen, festlich geschmuͤckten Sagle, der sich unmittelbar unter Dr. Luthers Zelle befindet versammelt. Das sehr gut getroffene lebensgroße Bild Luthers war, wie das des Bischofs Martin, der dem großen Reformator wie der erwaͤhnten Anstalt den Namen gegeben, mit Mvosge⸗ winden umkraͤnzt und von brennenden Lichtern eingefaßt. Inmitten des Saals war eine Tafel aufgestellt, auf welcher 17 verschiedene Bibel⸗Ausgaben der Uebersetzung Dr. M. Luthers und ein Exemplar ebenfalls in Deutscher Sprache, aber aus dem