1834 / 328 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ehrerbietig gewesen seyn wuͤrde, und da kein Bote von Brighton an den Herzog abgesandt worden war, so erregte sein Besuch allerdings Erstaunen, das erst verschwand, als mit der Ankunft der Morning-Chroniecle das Resultat der Konferenz zwischen dem Koͤnige und Lord Melbourne be kannt wurde. Dies Resultat ging aus dem eigenen Ent⸗ schlusse des Koͤnigs hervor, ohne von irgend Jemand aus seiner Umgebung unterstuͤtzt zu werden; es wurde, wie jeder Vernuͤnftige einsehen muß, durch die Unfähigkeit des vorigen Ministeriums eingegeben. Es mag auffallend erscheinen, daß ein so wichtiger Beschluß nicht irgend Jemand sollte mitgetheilt worden seyn, aber wir wiederholen es und verbuͤrgen uns feier lichst fuͤr die Wahrheit dieser Versicherung, weder die Koͤnigin, welche von der Morning⸗Chronicle am Sonnabend genannt wurde, noch Lady Sophie Sydney, oder irgend ein anderes Mit⸗ glied der Koͤniglichen Familie oder des Koͤniglichen Hofes hat ten im Geringsten Theil an dem Entschlusse Seiner Mafestaͤt oder waren auch nur im Entferntesten darauf vorbereitet. Bei der Konferenz, welche zwischen dem Koͤnige und Lord Mei⸗ bourne stattfand, herrschte das aufrichtigste, herzlichste und edel muͤthigste Vernehmen. Nach der Abreise des edlen Lords hoͤrte man den Koͤnig folgende Worte sagen, fuͤr deren Echtheit wir uns verbuͤrgen: „Von allen Menschen, die ich jemals kennen gelernt habe, ist Lord Melbourne einer der redlichsten, geradesten und liebenswuͤrdigsten. Wenn er Feinde hat, und er kann nur politische Feinde haben, so muͤssen sie mir hierin beistimmen.“ Se. Majestaͤt wurde zu dieser Aeußerung durch die offene Er⸗ klaͤrung des Lord Melbourne, daß er die Regierung unmoͤglich fortführen koͤnne und eine Aufloöͤsung des Kabinets vor oder waͤhrend der Versammlung des Parlaments durchaus unvermeid⸗ lich sey, bewogen. Lord Melbourne uͤberbrachte selbst das Schreiben des Koͤnigs an den Herzog von Wel⸗ lington. So wenig scheint der Lord die Entlassung seines Mi⸗ nisteriums uͤbel aufgenommen zu haben und so wenig betrachtete der Koͤnig dieselbe anders, als eine bloße Handlung der Nothwendigkeit, denn kein Mann von edlen Gesinnungen, die wohl Keiner dem Koͤnige absprechen kann, wuͤrde einen Minister beauftragt ha⸗ ben, die Nachricht von seiner Entlassung seinem⸗bestimmten Nach⸗ folger zu uͤberbringen, wenn diese Entlassung die Folge einer Un⸗ gnade gewesen waͤre, und dies muͤßte sie seyn, wenn sie nicht von der Nothwendigkeit geboten wuͤrde. Wir zweifeln nicht, daß Se. Majestaͤt hierbei dem Rathe des Lord Melbourne, wie vor vier Monaten dem Rathe des Grafen Grey, gefolgt ist. Der Herzog von Wellington traf am Sonnabend, kurz vor 5 Uhr, in Brigthon ein, blieb bis 10 Uhr bei dem Koͤnige und kehrte dann nach London zuruͤck. Er sandte sogleich einen Cou⸗ rier nach Italten an Sir Robert Peel, und lud auch von Brigthon aus Herrn Croker, der sich, wie wir glauben, zu Mousley befindet, ein, nach London zu kommen. Auch soll ere, was wir jedoch nicht verbuͤrgen, an Lord Stanley geschrieben haben.“ Der Albion äaͤußert sich folgendermaßen uͤber den Mini⸗ sterwechsel: „Alles, was man fuͤr jetzt mit Bestimmtheit weißs, ist, daß es mit der jetzigen Verwaltung aus ist, und daß es keine Hoffnung zu ihrer Ruͤekkehr ins Amt giebt. Man sagt, daß der Sprecher (Sir C. M. Sutton), Lord Stanley, Sir James Graham und Lord Chandos mit dem Herzog von Wellington zugleich an der neuen Verwaltung Theil nehmen werden. Wir melden dies bloß als ein Geruͤcht von einiger Wahrscheinlichkeit. Der Eindruck, welchen die Wahrheit, daß die Whigs sich selbst ernichtet haben, hervorbringt, vermehrt sich von Stunde zu Stunde. Sie befanden sich in einem Zustande von Schwaͤche und Verwirrung, der, wenn er Sr. Majestaͤt, wie dies durch Lord Melbourne geschah, aufrichtig mitgetheilt wurde, einem patrioti⸗ schen Monarchen keinen anderen Ausweg ließ, als Maͤn⸗ ner zu seinen Raͤthen zu ernennen, die faͤhig und be⸗ eit sind, die Regierung zu verwalten, ohne die Kirche nd die Monarchie, so wie die Institutionen, welche diese auf⸗ ht erhalten, aufzuopfern. Es war uͤberdies augenscheinlich, 5, wenn irgend eine Luͤcke in dem Ministerium entstehen sollte, iese nicht durch Whigs ausgefuͤllt werden koͤnnte, ohne das An⸗ ehen und die Verantwortlichkeit des Amtes gaͤnzlich der Noth⸗ endigkeit des Augenblicks zum Opfer zu bringen. Das letzte eispiel, die Ernennung eines sast unbekannten Mannes zum General⸗Anwalt, machte einen sehr starken Eindruck bei Hofe, der urch den Vorschlag, Herrn Littleton zum Kanzler der Schatz⸗ ammer zu ernennen, bloß, weil seine Wiedererwaͤhlung zum Parlaments⸗Mitglied wahrscheinlich war, noch vergroͤßert wurde. Die Whigs haben sich selbst vernichtet, indem sie Andere zu ver⸗ nichten suchten, sie haben ihr schlechtestes Werk vollbracht, sie moͤgen nun an die Barmherzigkeit derjenigen glauben, denen sie so oft Unrecht gethan haben und die sie so lange Zeit zu be⸗ schimpfen suchten.“ Im True Sun (einem Tory⸗Blatte) liest man: „Um 1 Uhr empfingen der Lord⸗Kanzler und der Lord⸗Oberrichter eine otschaft vom Koͤnige, die, wie es heißt, sie um 2 ½ Uhr zu Sr. Najestaͤt beschied. Es wird jetzt zuverlaͤssig von den Herren von der Barre versichert, daß, wie auffallend es auch erscheinen mag, er Lord-Oberrichter in dem Schatzamte die Stelle von Lord Lyndhurst, der zum Kanzleihofe uͤbergeht, einnehmen und so dem Sir J. Scarlett fuͤr das Amt des Lord⸗Oberrichters in der Kings Bench Platz machen wird. Sir E. Sungden soll Gene⸗ ral⸗Prokurator, und Herr F. Pollock General⸗Anwalt werden. Sir C. M. Sutton wird allgemein als der neue Kanzler der Schatzkammer genannt; eine Ernennung, die seine bekannte Geschicklichkeit als „Fuͤhrer“ hoͤchst wahrscheinlich macht. Wir fuͤhlen uns fast zum Mitleiden mit dem ungluͤcklichen Whig⸗Mi⸗ nister bewogen. Ihr Sturz geschah so schnell, ihr Ruin ist so unrettbar. Sie haben weder Macht, noch eine Aussicht auf Macht, weder Charakter, noch eine Hoffnung auf Charakter. Niemals wurden Menschen so ploͤtzlich und so vollstaͤndig auf⸗ geopfert. Die Lawine sturhte auf sie herab, ohne daß die leiseste Veranlassung zu ihrem Falle gegeben worden waͤre, der Siurm brach los, ohne daß irgend ein Vorzeichen ihn verkuͤndigte.“ Der heutige Globe meldet um 3 Uhr Nachmittags: „Wir haben so eben gehoͤrt, daß heute, kurz nach der Ankunft Sr. Maj. im Palast, der Sprecher in Begleitung von Sir Henry Har⸗ dinge dort anlangte. Lord Maryborough, der Bruder des Her⸗ ogs von Wellington, der Herzog selbst und Lord Cowley fanden ich ebenfalls dort ein; ihnen folgten die Lords Lyndhurst, Jersey, Roßlyn und Hr. Goulburn gegen halb 3 Uhr. Der Graf von Albemarle war der Erste von den zuletzt am Ruder gewesenen Staats⸗Beamten, der im Palast ankam; bald erschienen auch die uͤbrigen Mitglieder des gestuͤrzten Kabinets. Der Lord⸗Kanzler wurde jeden Augenblick erwartet. Man glaubt, Lord Jersey werde der neue Kammerherr seyn, und die Verwaltung des Herzogs von Wellington solle uͤberhaupt, so viel als moͤglich, aus den naͤmlichen Individuen, wie sein fruͤheres Ministerium, bestehen. ord Adolphus Fitzclarence war der Lord und der Oberst Keate er Feld⸗Offizier, die heute bei Hofe die Honneurs machten.

Ihre Mafestaͤten werden bis uͤbermorgen in London bleiben und dann, nach Beendigung der ministeriellen Arrangements, wieder nach Brighton zuruͤckkehren. Es ist uns das Geruͤcht von einer Ernennung zu Ohren gekommen, die der Herzog von Welling⸗ ton vorzunehmen fuͤr angemessen befunden hat, ohne die Ansicht von Sir Robert Peel abzuwarten. Sir James Scarlett soll wieder General⸗Prokurator werden. Aus dem Werkzeuge kann man auf die Arbeit schließen, die gethan werden soll. Eben so wird Herr Follett als wahrscheinlicher General⸗Anwalt genannt.“

Der heutige Sun sagt: „Tausend Geruͤchte sind verbrei⸗ tet. Einige behaupten, das neue Kabinet werde zur Haͤlfte aus Whigs bestehen, Andere, es werde ganz aus Tories gebildet wer⸗ den. Bald hoͤren wir, daß es eine ruͤckschreitende Politik befol⸗ gen, bald, daß es sich entschieden fuͤr die Bewegung erklaͤren wird. Wir wollen nicht Aufwiegler seyn, aber wir koͤnnen uns nicht verhehlen, daß die Stunde gekommen ist, wo jeder red— liche Buͤrger auf dem Platze seyn muß. Es giebt einen Einfluß hinter dem Throne, der groͤßer ist, als der Thron selbst, und der ein schlechtes Licht auf alle Raͤthe desselben wirft. Dieser Einfluß muß vernichtet werden Ist denn die politische Union von Birmingham schon voͤllig aufgeloͤst? Wir hoffen nicht.“

Der Courier spricht sich nicht opponirend gegen ein Wel⸗ lingtonsches Ministerium aus, sondern laͤßt dem Herzoge die Gerechtigkeit widerfahren, daß er ein kuͤhner und talentvoller Mann sey; nur meint er, derselbe koͤnne den Antrag, ein Kabi⸗ net zu bilden, nicht angenommen haben, ohne sich zu großen Zu⸗ gestaͤndnissen zu entschließen, weil er wissen muͤsse, daß ohne die Zustimmung der mittleren Klassen kein Ministerium mehr beste⸗ hen koͤnne; vermuthlich werde daher der Herzog den gemaͤßigten Theil der Reformen zu befriedigen suchen, aber auch dazu ge⸗ hoͤre nicht wenig, und namentlich wuͤrden in Irland entschei⸗ dende Maßregeln nothwendig seyn; diese wuͤrde jedoch der Her⸗ zog vermoͤge seines Einflusses bei den Lords und Bischoͤfen leicht durchsetzen, waͤhrend dies einem Anderen nur durch Verletzung der Constitution gelingen moͤchte; wenn der Herzog von Wellington sich zu solchen Maßregeln bequeme, so duͤrfte er das Unterhaus nicht aufzuloͤsen brauchen, widrigenfalls aber wuͤrde das Ober⸗ haus und vielleicht auch die Monarchie und die Kirche zu Grunde gehen. Uebrigens versichert der Courier, daß der Herzog den ihm vom Koͤnige zu Theil gewordenen Auftrag angenommen habe, uͤber die Zusammensetzung des neuen Ministeriums wisse man aber noch nichts Bestimmtes, außer daß der Koͤnig laut den Wunsch geäaͤußert haben solle, den Lord Stanley darin zu sehen; jedenfalls koͤnnten die jetzigen Arrangements nur provi⸗ sorisch seyn, bis man Nachricht von Sir Robert Peel habe, der jetzt in Florenz ist, und dem die Praͤsidentschaft angetragen wor⸗ den seyn soll. Endlich versichert der Courier, daß der Hof die jetzige Wendung der Dinge voraus gesehen und seine Maßregeln danach ge⸗ nommen habe, und daß Lord Melbourne von Sr. Majfestaͤt aufs freundlichste empfangen worden sey. Se. Herrlichkeit war nicht im mindesten unentschlossen, furchtsam oder verlegen, wie die Mor⸗ ning Post behauptete. Das Verfahren, welches er vorschlug, war ein gerades und mit keiner Schwierigkeit verbunden. Aber der Koͤnig hatte schon seinen Entschluß gefast und handelte da⸗ nach. Es wird uns jedoch versichert, daß Se. Maj. dem Lord Melbourne die groͤßte Achtung fuͤr seinen Charakter gezollt und das vollkommenste Vertrauen in seine Talente und Sraatsktug. heit gesetzt habe. An dem Geruͤcht, daß die Sache mit Lord Stanley oder einem von dessen Partei abgekartet worden sey, ist nicht das geringste Wahre. Wie kam es denn also, wird man fragen, zu dieser Krisis? Wir glau⸗ ben fest, daß sie nur in dem vernuͤnftigen und natuͤr⸗ lichen Widerwillen Sr. Majestaͤt gegen das ungezie⸗ mende Benehmen und die Intriguen des Lord⸗Kanz⸗ lers ihren Grund hat. Es war Lord Melbourne's Haupt⸗ fehler, daß er einen Mann nicht entlassen hat, den der Koͤnig haßte, und den keine Regierung eine Stunde lang geduldet ha⸗ ben wuͤrde. Er wird jetzt an die Thuͤr des Herzogs von Wel⸗ lington klopfen, aber vergeblich, und selbst die Herren O'Connell und Cobbett werden sich von ihm abwenden.“

Im heutigen Standard liest man folgenden Artikel: „Bau, wau, wau! Viscount Ebrington besuchte am Sonnabend Nachmittags den Viscount Melbourne im Schatzamte. (Hof⸗ Cirkular.) Nieber, Ponto, nieder! Das Bellen hilft zu nichts!“ Ein anderes Blatt giebt hierzu folgende Erlaͤuterung: „Unsere Leser werden sich gewiß noch eines unnachahmlich witzigen Artikels erinnern, der vor einigen Monaten im Examiner stand, und wo⸗ rin Lord Ebrington, der es, so oft die letzten Minister in Ver⸗ legenheiten geriethen, nie an seinen eifrigen Diensten fehlen ließ, um sie daraus zu befreien, die Neufundlaͤndische Dogge des Ministeriums genannt wurde.“

Der Globe meldet: „Es sind bereits in mehreren hiesigen Kirchspielen Versammlungen einberufen worden, um Maßregeln in der jetzigen Krisis zu treffen. Die erste dieser Versammlung fand zu Bethnall Green im Kirchspiel St. Matthew statt. Das Losungswort war: „In Deine Zelte, Israel!“ Gestern hielten die bedeutendsten Mitglieder des Raths der ehemaligen politi⸗ schen National⸗Union (der uͤber 50,000 Mitglieder zaͤhlt) mit mehreren Personen des Gemeinde⸗Raths und andern Reformern aus verschiedenen Bezirken der Hauptstadt in der Kron⸗ und Anker⸗Tavern eine Privat⸗Versammlung. Unter den Anwesen⸗ den befanden sich die Herren C. Buller, Parlaments⸗Mitglied, A. Buller, L. Murray, R. Taylor, J. Fox, Galloway, Patten, Fox Smith, D. Wakefield, R. Franks, Williams, G. Lewis (aus Birmingham), Effingham Wilson, Cumming, Sir D. Roose, Hewitt, Ransord, W. D. Saull, J. Taylor, S. Har⸗ rison und viele Andere, die sich waͤhrend des großen Kampfes fuͤr die Reform⸗Bill auszeichneten. Man schien in der Ver⸗ sammlung aͤngstlich gespannt auf den naͤchsten Lauf der Ereignisse und zugleich einmuͤthig entschlossen, sich nicht auf den geringsten Vergleich mit den Tories einzulassen. Herr L. Buller fuͤhrte den Vorsitz, und mehrere der genannten Personen hiel⸗ ten eifrige Reden gegen die beabsichtigte Verwaltung. Folgen⸗ der Beschluß wurde einstimmig angenommen: „„Die Entfer⸗ nung des letzten Ministeriums scheint anzudeuten, daß man allen ferneren Fortschritten der Reform ein Ziel zu setzen gesonnen ist; wir konstituiren uns daher hiermit in einen permanenten Aus⸗ schuß, um den Gang der Ereignisse zu bewachen und diejenigen Maßregeln ins Werk zu setzen, welche fuͤr nothwendig erachtet werden moͤchten, um die Rechte des Volks zu sichern und die Sache einer guten Regierung zu foͤrdern.““ Nachdem die Ver⸗ sammlung sich auf heute Abend vertagt hatte, ging sie ausein⸗ ander.“

Der Morning Chroniecle zufolge, waͤren Depeschen an den Herzog von Cumberland nach Berlin abgefertigt worden, die wahrscheinlich seine unvperzuͤgliche Ruͤckkehr nach London zur Folge haben wuͤrden.

Graf Durham, der von der Stadt Manchester die Einla⸗ dung erhalten hatte, ein dortiges Bankett mit seiner Gegenwart zu beehren, hat durch ein Schreiben vom 12ten d. geantwortet,

er sey entschlossen, fuͤr den Augenblick keiner politischen Ver, sammlung beizuwohnen. -

Saͤmmtliche gefluͤchtete Spanier vom Gefolge des Don Carlos sind in der Hauptstadt eingetroffen, weil man sie Uin Portsmouth nicht laͤnger dulden will.

Die Polnischen Fluͤchtlinge, die sich vor einigen Monaten auf ihrer Reise nach Amerika zu Portsmouth ausschifften, haben sich endlich entschlossen, nach jenem Lande abzugehen; 36 dersel ben langten dieser Tage in London an, wo ihnen eine Gesel⸗ schaft die Mittel zur Einschiffung liefern will; 37 andere werden morgen von Portsmouth abreisen.

Die Consols waren bei Eroͤffnung der heutigen Boͤrse ge druͤckt und wurden auf Abrechnung 90 ⁄¾ notirt; spaͤter erholten sie sich jedoch wieder, und jetzt stehen sie 90 ¼ à 91. Unter den auswaͤrtigen Fonds gingen die Portugiesischen Obligationen bit auf 84 ⅛¼ herunter, und, obgleich sie nachher sich wieder um ein Weniges hoben, sind sie doch noch immer gedruͤckt und werden auf Zeit 85 notirt. Die Spanischen Fonds waren auf 53. ge⸗ fallen, haben sich aber wieder auf 54 ½ gehoben. Die anderen auswaͤrtigen Fonds variirten nicht uͤber ¼ pCt.

Niederlande.

Aus dem Haag, 20. Nov. Se. Maj. der Koͤnig un Se. K. H. der Erbprinz wohnten gestern Abend in der luthe, rischen Kirche einer großen Musik⸗ Aufuͤhrung bei, welche die Gesellschaft „Tot Nut vant Allgemeen“ daselbst veranstal tet hatte.

Die zweite Kammer der General⸗Staaten wird im Begimn der naͤchsten Woche eine Sitzung halten und darin, dem Ne⸗ nehmen nach, einen Gesetz⸗Entwurf zur Verlaͤngerung ind zwar wiederum auf ein Jahr des Gesetzes in Bezug auf Unruhstiftungen und demagogische Umtriebe in Berathung zithen.

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Bruͤssel, 19. Nov. Gestern hatte ein großes diplomatt sches Diner bei dem Franzoͤsischen Gesandten statt; heute wid unser Minister des Auswaͤrtigen ein zweites und morgen aer Geschaͤftstraͤger Englands ein drittes geben, wozu mehrere Ce natoren und Repraͤsentanten eingeladen sind. Da die Einladun⸗ gen schon vor mehreren Tagen erfolgten, so ist es wahrscheinlic, daß diese Diners mit den letzten Minister⸗Wechseln in Englan und Frankreich nichts gemein haben.

Der Graf Lalaing ist gestern mit einer Mission fuͤr ie Spanische Regierung nach Madrid abgegangen.

Antwerpen, 19. Nov. Aus dem Doel schreibt man von heutigen Tage: Gestern kam ein Hollaͤndischer Parlamentair an unserm Ladungs⸗Platze an und verlangte, zum Belgischen Kom⸗ mandanten des linken Schelde⸗Ufers gelassen zu werden. Er dn klaͤrte, daß er ein Schreiben des Ober⸗Kommandanten der Fortz Lillo und Liefkenshoek zu uͤberbringen habe, das fuͤr die Direr tion des Polders vom Doel bestimmt sey. Durch dieses Schrii— ben setzte der Hollaͤndische Kommandant dieselbe in Kenntnis, daß seine Regierung es uͤbernehme, alle Werke, welche einen Durchbruch im Schelde⸗Deiche durch den schlechten Zustand der Schleuse des Polders vom kleinen Doel verhuͤten sollen, auf ihte Kosten bauen zu lassen. Heute bemerkte man schon Arbeiter, die mit diesen Bauten beschaͤftigt waren, welche die Bewohner der benachbarten Polders, die mit jedem Augenblick einer Ue⸗ berschwemmung ausgesetzt sind, beruhigen muͤssen.

Luͤttich, 19. Nov. Die Englischen Blaͤtter melden och nichts uͤber die Zusammensetzung des neuen Kabinettes: eine Privat⸗Korrespondenz theilt dagegen folgende Namen mit: Peot sident, Herzog von Wellington; Lord⸗Kanzler, Lord Brougham Kanzler der Schatzkammer, Alexand. Baring; Secretair von In land, Lord Stanley; Lord Ellenborough, Lord Lyndhurst, die Herren Sutton, George Murray, Arbutnot, Hardinge, Scar⸗ lett, Robert Peel. Diese Liste wird als zuverlaͤssig mitgetheilt

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 20. Nov. Vorgestern Abends reiste der Gene⸗ ral⸗Direktor der Regierungs⸗Kommission des Innern und der geistlichen Angelegenheiten, General Golowin, von hier in daß Koͤnigreich Polen zuruͤck. Waͤhrend der drei Tage seines hies⸗ gen Aufenthaltes nahm er Alles in Augenschein, was unsert Stadt in wissenschaftlicher und historischer Hinsicht Interessantes enthaͤlt. Am Tage nach seiner Ankunft begab er sich in Gesell schaft des Kaiserl. Russischen Residenten und General⸗Konsuls Zarzegki⸗ des Militair⸗Chefs der Wojewodschaft Krakau, Gene⸗ ral⸗Majors Tutschek, und vieler anderen Personen nach Wir litschka, wo er von den Kaiserl. Oesterreichischen Behoͤrden auft zuvorkommendste aufgenommen wurde.

Deutschland.

Dresden, Nov. In den Monaten Mai bis incl. September dieses Jahres haben, nach amtlichen Quellen, uͤber⸗ haupt 130 Feuersbruͤnste mit Inbegriff derjenigen, welche als bald im Entstehen unterdruͤckt worden sind, stattgefunden, nam⸗ lich 25 im Mai, 40 im Juni, 40 im Juli, 12 im August unmd 13 im September. Von diesen Braͤnden ist jedoch eine unger woͤhnlich große Anzahl, naͤmlich 37 (davon 18 im gebirgischen Kreise, also die Haͤlfte der in solchem uͤberhaupt vorgefallenen Braͤnde) durch Blitz entstanden, bei 33 ist die Ursache nicht zu ermitteln gewesen, 30 sind der Verwahrlosung und schadhaften Feuerungs⸗Behaͤltnissen, und 30, wovon 19 auf den Meißener Kreis kommen, der Brandstiftung mit mehr oder weniger Gewiß⸗ heit zuzuschreiben. Durch die umsichtige Thaͤtigkeit der Untersu⸗ chungs⸗Behoͤrden, insbesondere einiger Koͤnigl. Justiz⸗Aemter, simd auch in diesem Zeitraum wieder eine sehr große Anzahl Brand⸗ stifter (11 davon befinden sich allein in den Gefaͤngnissen des Amtes Oschatz) entdeckt und einige davon bereits zur gesetzlichen Strafe verurtheilt worden. In einem von Feuersbruͤnsten sonst sehr heimgesuchten Orte beauftragte kuͤrzlich noch ein Sterbender einen Dritten mit Abgabe einer gleich nach seinem Tode einzureichenden schriftlichen Anzeige uͤber eine von seiner Ehefrau im Dez. 1832 veruͤbte Brandstiftung, welche diese auch bei der Vernehmung sogleich eingestand. Bei 2 Braͤnden ward der Ausbruch eines Feuers durch Brandstiftung in einem Ge⸗ baͤude des Orts von Andern sogleich zum weitern Feuer⸗Anlegen in Gebaͤuden benutzt, welche die Glut nicht ergreifen zu wollen schien. Zwei Brandstiftungen, im eigenen und der Eigen⸗ thuͤmer Interesse, waren der verbrecherischen Verbindung von einander nah verwandten Personen fuͤr diesen Zweck beizumessen. Auf die gesammten 9 Monate von Januar bis incl. Sept. dieses Jahres stellt sich nach Abrechnung der durch Blitz entstandenen Feuer folgendes Verhaͤltniß heraus: 1831 197, 1832 228, 1833 191, 1834 158. Hieraus ergiebt sich die beruhigende Ueberzeugung, daß es dem vereinten Bestreben der Gesetzgebung, namentlich durch das Gesetz vom 7. April dieses Jahres, die provisorische Be⸗ schraͤnkung der Brand⸗Verguͤtungen auf 5 Thlr. des Werthes

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ereits Sept.

etr., und der Verwaltung gelungen ist, immer mehr auf Ver⸗ inderung der Feuersbruͤnste hinzuwirken. Demzufolge wird auch der Gesammtbetrag der Brandschaͤden des mit dem 29. d. J. geschlossenen Termins bedeutend geringer ausfallen, ts seit dem Jahre 1825 der Fall war.

Um desto bedauerlicher ist es, daß die am 1. und 8. Okt. J. stattgehabten Feuersbruͤnste zu Rochlitz und Auerbach, velche letztere unstreitig in Folge eines schadhaften Feuerungs⸗ Sehaͤltnisses entstanden ist, den Theilhabern der Brand⸗Versiche⸗ ungs⸗Anstalt eine neue druͤckende Last zuziehen werden. Un⸗ luͤcksfaͤlle dieser Art sind freilich bei der Vielzahl kleiner schlecht⸗ ebauter Staͤdte in Sachsen so lange unvermeidlich, als nicht ich eine feuersichere Bauart der Gefahr des Entstehens und er unaufhaltsamen Verbreitung des Feuers in solchen genug⸗ um vorgebeugt wird.

Leipzig, 13. Nov. (Allg. Ztg.) Der hiesige Woll⸗ andel hat, wie Sie bereits wissen, eine furchtbare Niederlage rltten. Zwar bleiben wir noch immer hinter Berlin zuruͤck, v die Fallissements in Allem an 2 Mill. betragen sollen; (2) ber es ist denn doch auch arg hier hergegangen. Mag auch Vieles uf Uebertreibung beruhen. In unsre Handelswelt ist ein gro⸗ er Schrecken gefahren. Drei Wollhaͤndler haben fallirt. Sie⸗ vert, mit einem jungen Meyer⸗Frege assoctirt, aber auch in Hessau und sonst verbunden, soll mit 800,000 Rthlrn., Portius nit 700,000 Rthlrn. und Steuerer mit 70,000 Rthlrn. inne kehen. Einer dieser Herren wird sogar mit Steckbriefen verfolgt. Natuͤrlich giebt dies nun rechts und links Schlaͤge. Ein Wollhaͤndler

Gera, der dabei 26,000 Rthlr. verliert, mußte sich nun auch fuͤr nsolvent erklaͤren. Frege u. Comp. haben sich wie immer vorgesehen, no buͤßen nichts ein. Man hatte ohne eigene nachhaltige Fonds ins ngeheure spekulirt. Der Impuls geht immer von England us. Diese Krisis bereitete sich schon seit 9 Monaten vor. Eng⸗ and, das wir nicht entbehren koͤnnen, ist mit Woll⸗Vorraͤthen ngefuͤlt; die Bestellungen von den Vereinigten Staaten und on Suͤd⸗Amerika stehen in keinem Verhaͤltnisse zu der Impor⸗ gtion. Die Ausfuhr nach Ostindien und China ist geringfuͤgig. nsre inlaͤndischen und Preußischen Fabrikanten uͤben keinen roßen Einfluß auf das Steigen und Fallen der Preise; auch e richten ihr Augenmerk auf das Ausland, und toͤnnen nicht ider den Strom schwimmen. Auf dem letzten Breslauer Pollmarkte waren keine Saͤchsischen Fabrikanten. Man ver⸗ eht sich, so gut es geht, in der Nachbarschaft. Indessen hat iese Stockung auf andere Geschaͤfte und Unternehmungen keinen influß. Es ist die hoͤchste Wahrscheinlichkeit, daß die so viel esprochene Eisenbahn zwischen Dresden und Leipzig zu Stande ommen wird. Der beruͤhmte Foͤrderer des Eisenbahnwesens, er Amerikanische Konsul List, der wegen der Erziehung seiner Linder hier lebt, laͤßt es nicht an Berichten fehlen, welche der eipziger politischen Zeitung (die durch interessante Privatmit⸗

eilungen sich immer nuͤtzlicher macht) beiliegen. Und der Mann versteht es. Die Vermessungs, und Abschaͤtzungs⸗Ar⸗ eiten zum Behufe jener Bahn sind in vollem Gange. Es ist in Meinungs⸗Zwiespalt aus der Frage eingetreten: ob die Bahn mrrechten Ufer der Elbe mit Uebergehung von Meißen gerade ach Strehla gefuͤhrt und dort eine Bruͤcke gebaut werden, dder ob sie, am linken Ufer gefuͤhrt, hinter Meißen in die Land⸗ raße eintreten soll. Die Regierung hat genehmigt, daß der Dresdener Wasser⸗Baumeister, Hauptmann Kunze, die Route bber Strehla auf ihre Kosten abmesse. Der Straßen⸗Bau⸗In⸗ hektor Kegel soll indeß den Grund⸗Bau beider Routen abschaͤtzen. Die speziellen Karten uͤber die Route am linken Ufer sind bereits bon dem Land⸗Feldmesser, Kammer⸗Rath v. Schlieben, dem Vor⸗ eher des lehrreichen statistischen Bureaus, angefertigt, und dem orlaͤufig erwaͤhlten Ausschuß in Leipzig zum Theil schon vorge⸗ gt worden. Wenn die Bahnfuͤhrung am linken Ufer die kuͤr⸗ ere ist, und fuͤr die Verladung der Steinkohlen und Pirnat⸗ chen Steine große Bequemlichkeit bietet, so hat sie doch auch

gebirgigen Terrain kostspielige Schwierigkeiten zu besiegen. Die Route uͤber Strehla, die allerdings einen bedeutenden Um⸗ peg und einen kostbaren Bruͤckenbau gegen sich hat, wuͤrde aber en entschiedenen Vortheil gewaͤhren, daß alle die Elbe herauf⸗ ommenden Guͤter dort sogleich verladen und nach Leipzig ge⸗ racht werden koͤnnten. Die Regierung beguͤnstigt das Unter⸗ ehmen, so viel sie thun darf. Das Post⸗Regal kaͤme dabei in roßes Gedraͤnge. Aber der jetzige Finanz⸗Minister leitete nie vseitige Interessen.

Meiningen, 14. Nov. Der Geheime Rath Stark von Dena hat beruhigende Versicherungen uͤber den Krankheitszustand nserer geliebten Herzogin ertheilt. Die Kranke bedarf indessen orzuͤglich der ungestoͤrten Ruhe und sorgsamsten Pflege. Die Surchl. Mutter der Herzogin, die Kurfuͤrstin von Hessen, wird,

wie 6 heißt, ihren beabsichtigten Besuch am hiesigen Hofe ver⸗ hhieben.

Bernburg, 22. Nov. Se. Durchlaucht der Herzog und hoͤchstdessen Neuvermaͤhlte trafen gestern Nachmittag von Bal⸗ enstedt hier ein und wurden von den Einwohnern der Stadt nd der umliegenden Doͤrfer feierlich empfangen und auf das Schloß begleitet.

Muͤnchen, 20. Nov. Der Koͤnigl. Griechische außerordent⸗

liche Gesandte, Hr. Maurocordato, hatte am Dienstag Nach⸗ nittag die Ehre, Sr. Maj. dem Koͤnige in einer feierlichen Au⸗ hdienz sein Beglaubigungs⸗Schreiben zu uͤberreichen.

Se. K. Hoh. der Kronprinz befindet sich, dem Vernehmen ach, noch in Prag.

Das bisherige Linien⸗Infanterie⸗Regiment „Herzog von Gachsen-Altenburg“ wird jetzt lediglich nach seiner Nummer das Vierte“ benannt.

Die hier anwesende Koͤnigl. Griechische Fuhrwesen⸗Abthei⸗ ung wurde gestern von hier nach Fuͤrstenfeldbruck verlegt, wo⸗ hin auch die durch den Griechischen Rittmeister Baron von Rei⸗ 898 aufzukaufenden Pferde fuͤr dieselbe werden gebracht werden.

Stuttgart, 20. Nov. In hiesigen Blaͤttern liest nan: „Wie wir vernehmen, hat sich der staͤndische Ausschuß von der Staats⸗Regierung Aufschluß und Erklaͤrung uͤber einige unkte der neuesten Bundes⸗Beschluͤsse in Betreff des Schieds⸗ gerichts, und namentlich daruͤber erbeten, ob unter dem Worte „Vereinbarung“ verstanden sey, daß der schiedsrichterliche Weg nur dann betreten werden koͤnne, wenn die Staͤnde sich im spe⸗ ziellen Falle mit diesem Auswege einverstanden erklaͤren, ob so⸗ mmiit die schiedsrichterliche Entscheidung auch von Seiten der Re⸗ geerung nicht nachgesucht werden koͤnne, wenn die Staͤnde ihre Zustimmung dazu verweigern?

Mehrere in Stuttgart wohnende Mitglieder der Abgeordne⸗ en⸗Kammer, von der Hppositions⸗Seite, haben sich an den staͤn⸗ dischen Ausschuß gewendet, um denselben zu vermoͤgen, in Kraft des §. 188 der Verfassungs⸗Urkunde bei der Staats⸗Regierung um Zusammenberufung der Staͤnde⸗Versammlung zu bitten.

Frankfurt a. M., 22. Nov. In der Sitzung der gesetz⸗

gebenden Versammlung vom 15ten d. trug der Senat bei dieser

Versammlung darauf an, daß 1) füuͤr das Jahr 1834 eine Ein⸗

kommens⸗Steuer nach den im Gesetz vom 6. Aug. 1833 enthal⸗

tenen Bestimmungen ausgeschrieben werde; 2) daß ein Kapital,

welches alle ablegbare Stadtschulden umfasse zu 3 pCt. auf⸗

genommen, und die Einle itungen dazu der Central⸗Finanz⸗Kom⸗

mission uͤdertragen werden; 3) daß eine neue Brand⸗Assekuranz⸗

Anstalt creirt werde; 4) daß fuͤr die Jahre 1834, 1835 und

1836 statt der beantragten Vermoͤgens⸗- und Gewerb⸗

Steuer die Einkom men⸗Steuer nach den im Gesetz vom 6.

August 1833 enthaltenen Bestimmungen ausgeschrieben werde.

Der Senat sieht der Erklaͤrung der gesetzgebenden Versamm⸗

lung auf diese Antraͤge entgegen, und bemerki nur, daß die Aus⸗

schreibung der Einkommen⸗Steuer fuͤr das Jahr 1834 sehr noͤ—

thig ist, daher solche einstweilen und unabhaͤngig von den uͤbri⸗

gen Antraͤgen erledigt werden moͤge. Dem Antrage der Kom⸗

mission gemaͤß beschloß die Versammlung ohne Umfrage durch

allgemeine Zustimmung: daß die vorlaͤufig und vorbehaͤltlich der

Beschlußnahme uͤber die weiteren Gegenstaͤnde im Jahre 1835

vorzunehmende Erhebung der Einkommen⸗Steuer fuͤr das Jahr 1834 ganz in der Weise, wie sie fuͤr das Jahr 1833 ausgeschrie⸗

ben worden ist, genehmigt werde.

In derselben Sitzung verlas sodann Herr Dr. Blum sei⸗ nen Antrag, die eheltche Einsegnung gemischter Ehen, ohne Ruͤck⸗ sicht darauf, in welchem Glauben die aus solchen Ehen zu er⸗ wartenden Kinder erzogen werden sollen ꝛc., betreffend. jeser Antrag lautet, wie folgt: „Es ereignet sich in unserer freien Stadt oft, daß der katholische Geistliche bei gemischten Ehen die eheliche Einsegnung versagt, wenn durch Uebereinkunft der Ver⸗ lobten bestimmt ward, daß die zu erwartenden Kinder in dem protestantischen Glauben erzogen werden sollen. In solchen Faͤl⸗ len sehen sich die Verlobten entweder genoͤthigt, auf die Ein⸗ segnung nach katholischem Ritus zu verzichten oder einen Altar außerhalb unseres Gebietes zu suchen. Dieser Mißbrauch der geist⸗ lichen Gewalt zeigt sich gleich verletzend fuͤr beide Konfessionen, und er vertraͤgt sich weder mit humanen Maximen, noch auch mit der freisinnigen Tenbenz unserer Verfassung. Die Konsistorien scheinen nicht die Macht zu haben, diesem Uebelstande abzu⸗ helfen, denn die Faͤlle kehren zu oft wieder, und ich glaube da⸗ her, daß es an der Zeit sey, daß von der gesetzgebenden Ge⸗ walt elne schlichtende durchgreifende Verfuͤgung erlassen werde, wie sie bereits in andern Staaten uͤber diesen Punkt besteht. Obwohl zwar bis jetzt meines Wissens kein Betspiel vorgekom⸗ men ist, daß protestantische Geistliche zu aͤhnlichen Beschwer⸗ den Veranlassung gegeben haben, so moͤchte es gleichwohl raͤthlich seyn, dem Gesetz eine allgemeine Fassung zu ge⸗ ben, und ich schlage daher vor, dasselbe dahin zu normi⸗ ren: „„Jeder Geistliche dieser freien Stadt und Gebiets ist verbunden, bei gemischten Chen auf Ansuchen des darum nach⸗ suchenden, semer Kirche angehoͤrenden Theiles, die eheliche Ein⸗ segnung zu geben, ohne Ruͤcksicht darauf, in welchem Glauben die aus solcher Ehe zu erwartenden Kinder erzogen werden sol⸗ len.““ Hiermit moͤchte ich aber noch ein zweites Gesetz in Vorschlag bringen, wodurch zugleich fuͤr solche Faͤlle Bestim⸗ mungen gegeben werden, wo von den Verlobten daruͤber keine Vorsehung getroffen worden, in welchem Glauben sie ihre Kinder zu erziehen gedenken. Die Billigkeit moͤchte es mit sich bringen, daß hier die Soͤhne dem Vater und die Toͤchter der Mutter folgen, und ich schlage daher in dieser Bezie⸗ hung vor, zum Gesetz zu erheben, daß in den Faͤllen gemischter Ehen, wo vor Eingehung derselben von den Verlob⸗ ten nicht ausgemacht worden ist, in welcher Religion ihre zu er⸗ wartenden Kinder erzogen werden sollen, die Soͤhne dem Glau⸗ ben des Vaters und die Toͤchter jenem der Mutter anzugehoͤren haben, unbeschadet spaͤterer abaͤndernder freiwilliger Uebereinkunft beider Ehegarten. Mein Wunsch geht sonach dahin: daß es ei⸗ ner hochansehnlichen gesetzgebenden Versammlung gefallen wolle, diese verschiedenen Antrage fuͤr zulaͤssig zu erklaͤren, und sie zur Ruͤckaͤußerung an Hohen Senat gelangen zu lassen.“ Nach geschlossener Dis kussion, und nachdem der Herr Antrag⸗ steller erklaͤrt hatte, daß er den zweiten Theil seines Antrags, die religiöͤse Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen betref⸗ fend, zuruͤcknehme, stellte der Praͤsident in Umfrage: ob man eine Kommisston ernennen wolle oder nicht? und die Versamm⸗ lung beschloß mit 60 gegen 11 Stimmen; daß zur vordersamsten Begutachtung uͤber die Vorfrage der Zulaͤssigkeit des uͤbrigen Antrags eine aus 7 Mitglredern zusammenzusetzende Kommission zu ernennen sey. Die Kommisston wurde darauf ernannt.

Frankfurt a. M. Nov. (O. P. A. Ztg.) Herr Schoͤff Ihm und die Kaufleute Herren Mack und Meyer sind gestern zu den Unterhandlungen in Betreff des Beitritts unserer freien Stadt und deren Gebiet zu dem großen Deutschen Zoll⸗ Verband von hier nach Berlin abgereist, woselbst, dem Verneh⸗ men nach, schon mehrere Abgeordnete der zollvereinten Staaten eingetroffen sind. Von der Abreise eines Herzogl. Nassautschen Bevollmaͤchtigten, wegen des Anschlusses des Herzogthums Nas⸗ sau, hat man noch nichts vernommen, glaubt aber, daß ein sol⸗ cher ebenfalls im kurzem die Reise nach Berlin antreten werde.

Seit einigen Wochen sieht man hier oͤfters durchreisende Spanier, die, von Hamburg kommend, sich nach Genua begeben. Sie gehoöͤren zum Gefolge des Don Carlos, wovon ein Theil vor laͤngerer Zeit zu Hamburg ausgeschifft ward; ihr Reisezweck waͤre somit nicht schwer zu errathen.

Frankfurt a. M, 22. Nov. Die Schwankungen in den Coursen der Staatspapiere waren diese Woche uͤber nicht bedeu⸗ tend. Die Tendenz stellte sich im Ganzen zum Weichen. An der Montags⸗Boͤrse (17 Nov.) schienen die Fonds besser gehen zu wol⸗ len; es war merklicher Begehr, besonders nach Bank⸗Actien, die bis 1539 bezahlt wurden. Mittwochs (19 Nov.) wurden die Course ploͤtzlich flau und es dauerte einige Zeit, ehe man die Ursache er⸗ fuhr. Ein hiesiges Haus hatte durch Courier die Nachricht von der mini⸗ steriellen Krisis zu London erhalten. Es fanden namhafte Verkaͤufe in Metalliques, Actien und Integralen zu sinkenden Preisen statt. Spa⸗ nische unverzinsliche Schuld fiel in wenig Augenblicken um 1 ½ pCt. Am folgenden Tage kam die Bestaͤtigung der Londoner Nachricht und zugleich niedrigere Rente⸗Notirung von Paris. Die Wirkung war hier die entgegengesetzte der zu Amsterdam eingetretenen. Alle Fonds gingen zuruͤck und es war nicht viel anzubringen. Svanische S. finden wentg Kaͤufer; man konnte kaum einige kleine Po⸗

en placiren. In den neuen Darmstaͤdtschen 25 Fl. Loosen wurde

zu 23 viel umgesetzt. Im Wechsel⸗Geschaͤft blieb es still. Das baare Geld ist abondanter geworden und Diskonto⸗Papier zu 4 à 4 ½¼ vCt. willig anzubringen.

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Lemberg, 10. Nov. Gestern hielt der von Sr. K. K. Majestaͤt zum Lemberger lateinischen Erzbischof und Primas von Galizien ernannte Fuͤrst⸗Erzbischof Franz Paver Luschin seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt. 1.u.“

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Schweiz. 8

Bern, 19. Nov. (Schweizer Blaͤtter.) In der am 17. Nov. eroͤffneten Wintersitzung des großen Rathes hat Herr Schultheiß von Tscharner ausfuͤhrlich die Noten⸗Angelegenheit beruͤhrt: Mit Bedauern habe man wahrnehmen muͤssen, daß der Vorort das letzte Schreiben des Regierungsrathes, die Stein⸗ hoͤlzlein⸗Angelegenheit betreffend, als ein Gesuch um seine Ver⸗ mittelung betrachten wolle, waͤhrend derselbe nur, kraft seiner Ver⸗ pflichtung, aufgefordert wurde, die Thatsachen bei jenen Kabinetten zu berichtigen und die Gesinnungen der Regierung von Bern in ihrem wahren Lichte darzustellen. Auch habe der Vorort sogar in sei⸗ ner Antwort die 2 der Diplomatie an Bern gebilligt und dem HOesterreichischen Gesandten geantwortet, daß er die Sache keineswegs als erledigt ansehe. Aus Allem diesem gehe aber ziemlich wahrscheinlich hervor, daß der Vorort durch seine Antwort an die Regierung von Bern nur bezwecken wollte, daß sich dieselbe ihrer am 22. Juli auf der Tagsatzung mit der Min⸗ derheit abgegebenen Erklaͤrung zuwider an die damalige Mehr⸗ heit anschließen solle. Da nun nach solcher Verfahrungsweise des Vorortes wohl keine Huͤlfe und Unterstuͤtzung von demselben zu erwarten sey, so werde Bern nun wahrscheinlich nicht mehr mit demselben uͤber diese Angelegenheit korrespondiren, sondern sie als Kantonalsache behandeln. Wahrscheinlich werde man auch sowohl dem Schweizerischen Geschaͤftstraͤger in Wien als in Paris ein Memoria! zu Haͤnden der betreffenden Hoͤfe zusenden, worin das Beneh⸗ men, die Grundsaͤtze und die Handlungsweise der Regierunsen von Bern ausfuͤhrlich auseinander gesetzt seyen. Hoffentlich werde dieses die daherigen Mißverstaͤndnisse heben und die Regierung hinlaͤnglich rechtfertigen. Sollte auch dieses nicht der Fall seyn, so troͤste sich die Regierung mit dem Bewußtseyn, ihre Pflicht und den Willen ihres Volkes gethan zu haben; auch habe Bern allenfalls noch maͤchtige Freunde und Stuͤtzen in und außer der Eidgenossenschaft. Uebrigens werde Bern fest bei seinen ausge⸗

sprochenen Grundsaͤtzen im Sinne der Verfassung beharren, und sich keineswegs durch das Geschimpfe beider Parteien, wenn es den Ideen einiger Querkoͤpfe ginge, irre ma⸗

nicht immer nach chen lassen.

Smlkbaen

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Berlin, 25. Nov. Se. Maiestaͤt der Kaiser von Oester⸗ reich haben dem Bevollmaͤchtigten der Achener und Muͤnchener Feuer⸗Versicherungs⸗Gesellschaft, Herrn Bruͤggemann in Berlen, fuͤr ein Allerhoͤchstdenenselben uͤberreichtes Exemplar des von ihm verlegten Werkes: „Denkmuͤnzen zur Geschichte Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Preußen“, eine werthvolle goldene Medaille uͤbersenden zu lassen geruht.

Die bei der Herbst⸗Versammlung der Koͤnigl. mäͤr⸗ kischen oͤkonomischen Gesellschaft zu Potsdam am 19ten d. M. verhandelten Gegenstaͤnde waren fuͤr den Landwirth von mehrfachem Interesse. Der zeitige Direktor, Geheime Re⸗ gierungs- und Medizinal⸗Rath Dr. Augustin, eroͤffnete selbige durch einen Vortrag uͤber die neuesten Fortschritte der gesammten Oekonomie als Wissenschaft und als Gewerbe. Hierauf gab der Secretair des Vereins eine Uebersicht der im verflossenen halben Jahre vorgekommenen Arbeiten, und dankte den Mitgliedern und Freunden desselben fuͤr die interessanten, dem Monatsblatte ein⸗ zuverleibenden Mittheilungen und fuͤr die Bereicherung der Bi⸗ bliothek. Nachdem der Professer Dittmar aus Berlin uͤber don Einfluß des Mondes auf die Erde, uͤber die Ursachen der dies⸗ jaͤhrigen Sommerhitze und uͤber den letzten harten Winter in den suͤdlichen Laͤndern Europa's und einigen Gegenden Asiens, waͤh⸗ rend wir sehr milde Witterung hatten, gesprochen, kamen zwoͤlf verschiedene Abhandlungen zum Vortrage. Unter den fuͤr die Bibliothek eingegangenen schaͤtzbaren Werken waren vorzuͤglich bemerkenswerth: forstliches und forst⸗naturwissenschaftliches Con⸗ versations⸗Lexicon von dem Ober⸗ Land⸗Forstmeister Dr. Hartig und dem Prof. Dr. Hartig zu Berlin; Grundzuͤge der Che⸗ mie und Phvsik, 2te Auflage, und Fortsetzung des Archivs der Chemie und Meteorologie, von dem Prof. Dr. Kastner zu Er⸗ langen; die landwirthschaftliche Betriebs Lehre, von dem Groß⸗ herzogl. Hessischen Oekonomie⸗Rath Pabst zu Darmstadt; der 3te Band Mittheilungen landwirthschaftlicher Erfahrungen von dem Amtsrath Block. Auch schenkten der Hof⸗Mechanikus Amuel zu Berlin und der Mechanikus Heyner zu Penig dem Vereine einige Modelle des Grangéschen Pflugs und Hr. Amuel außerdem einen schoͤnen Hygrometer.

Am 17ten v. M. beging der Missions Huͤlfs⸗Verein zu Schoͤnau in Schlesien, am 24sten v. M. der Verein zu Gold⸗ berg und am 31sten der Verein zu Jauer das ihnen Aller⸗ hoͤchst bewilligte kirchliche Jahres⸗est. 8

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Ausstellung auf der Koͤnigl. Akademie der Kuͤnste

Wir haben noch einen Theil der Landschaften uͤbrig. Zu⸗ naͤchst haben wir den Leistungen der Duͤsseldorfer Maler, von wel⸗ chen wir schon berichteten, noch einiges hinzuzufuͤgen, was spaͤter angelangt ist. Dies aͤndert in der That das vorhin geaͤußerte Ur⸗ theil nicht, enthaͤlt vielmehr neue Bestaͤtigungen. Wir erhielten naͤmlich noch einige Gebirgs⸗Landschaften von jenem truͤben und schwermuͤthigen Charakter, namentlich einige mit vielem Gefuͤhl gemalte Bilder von Funke, und eine Landschaft von Schloͤsser, welche dadurch die meisten Werke dieser Schule uͤbertrifft, daß sie mehr Bild macht, und weniger als Studie erscheint. Nur noch schwaͤrzer liegt hier der Berg hinten in schwerem Wolkenschatten; aber auch noch luftiger, namentlich mit seinen Schluchten, und in der Ferne schwimmt ein sanft erhellter Berggipfel recht eigentlich in einer klaren aber feuchten Luft. Wilde Eichen⸗Geboͤlze liegen zu den Seiten zwischen dem Gestein, in der Mitte fuͤhrt ein selten befahrener Weg den schauerlichen Bergen zu; ein einsames Kreuz, von einem Lichtstrahl gestreift, steht am Wege. Aber kein Wande⸗ rer geht voruͤber, um sich davor zu verneigen, sondern ein Paar gieriger Woͤlfe trabt vorbei, von denen der eine, im Begriff, den Weg zu uͤberschreiten, nach dem Kreuz argwoͤhnisch hinuͤberschielt, ob es auch ganz gerathen sey. Auch die Einzelnheiten des Vor⸗ grundes sind sehr charaktervoll und mit vieler Dreistigkeit vorgetra⸗

en; wiederum spielt der offene Himmel hinter den Wolken in sehr seinin Toͤnen, nur zeigt sich noch nicht durchgaͤngig, z. B. in den Eichen, eine gleiche Sicherheit und Freiheit des Pinsels.

Zum Gluͤck haben wir als noͤthiges Gegengewicht gegern die truͤ⸗ ben Duͤsseldorfer Landschaften auch noch eine recht heitere von dem Duͤsseldorfer Schirmer uͤbrig. Sie oͤffnet uns die Aussicht auf eine freie lachende Gegend, welche links von einem klaren Strom durchschnitten und von einer duftigen Bergkette begraͤnzt wird; im Mittelgrunde vor uns haben wir eine alte herrliche Stadt mit den hochragenden spitzen Thuͤrmen ihrer gothischen Kirchen und ei⸗ nes majestaͤtischen Doms; uns zunaͤchst aber sehen wir einen freund⸗ lichen Hafen mit Schiffen. Alles dies nun aber strebt der Vorgrund noch zu uͤberbieten, denn hier fuͤhrt ein Fahrweg uͤber Huͤgel, die mit dem gruͤnsten Buschwerk bekleidet sind: dicht am Wege steht eine Kapelle unter einer maͤchtigen Linde, dahinter steigt oer Berg an, und ein Buchengehoͤlz beginnt. Die Linde steht in der vollsten Laubespracht, und in dem lachendsten Fruͤhlingsgruͤn, und wenn wir

Ursache hatten, in dieser Schule schoͤne Baumformen zu vermissen