1835 / 2 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

gpiichtet, sie zu unterzeichnen, und muß hinzufuͤgen,

wissen nicht, aus welcher Quelle, gemeldet, daß Sir R. Peel Herrn Charles Wynn aufgefordert habe, an der Verwaltung Theil zu nehmen.“ Das Hof⸗Circular meldet heute auch: „Herr Charles Watkin Williams Wynn kam gestern, nachdem er eine Mittheilung von Sir R. Peel erhalten, von seinem Landsitze zu Llangedwin, in Montgomeryshire, nach der Stadt und hatte eine Unterredung mit Sir R. Peel in dessen Woh⸗ nung in Privy⸗Gardens.“ Im heutigen Courier liest man in derselben Beziehung: „Wir ersehen aus dem Hof⸗Circular, das es genau richtig gewesen, was wir von Herrn Charles Wynn's Ankunft und seinen sonstigen Verhaͤltnissen gestern ganz allein gemeldet hatten; dies wird, wie wir hoffen, unsere Leser bewe⸗ gen, sich auf unsere, wenn gleich nichtamtliche, Angaben zu ver⸗ assen. Here Wynn war nach der gemeldeten Unterredung mit Sir R. Peel gleich nach Brighton zum Koͤnige abgegangen. Es soll ihm der Posten eines Kanzlers des Herzogthums Lan⸗ caster bestimmt seyn und diese Ernennung noch heute Abend in der Hof Zeitung erscheinen.“

Lord Melbourne ist wieder in London angekommen; dage⸗ gen hat sich Lord Palmerston nach Pansanger begeben.

Die Dublin Evening Mail meldet (und auch der Lon⸗ doner Courier will es gehoͤrt haben), daß, im Fall der Herzog v. Buccleuch die Stelle eines Lord⸗Lieutenants von Irland nicht annaͤhme, dieser Posten fuͤr den Marq. v. Salisbury bestimmt sey, der in der letzten Zeit haͤufige Besuche bei den Ministern abgestattet hat.

Der Sergeant Pennefather hat den ihm angebotenen Po⸗ sten eines General⸗Prokurators fuͤr Irland abgelehnt. Diese Stelle wurde darauf zuerst Herrn Frederick Shaw und dann dem Dr. Lefroy angetragen, aber auch diese beiden Herren schlu⸗ gen sie aus, der Erstere angeblich deshalb, weil er einen so siche⸗ ren Posten, wie der eines Recorders fuͤr Dublin ist, den er jetzt bekleidet, nicht gern aufgeben wollte, und der Letztere, weil er der Meinung gewesen seyn soll, man wuͤrde ihm noch etwas Besseres anbieten.

Die Angabe der Times, daß die von Herrn Ward in der London⸗Tavern bei verschlossenen Thuͤren vorgeschlagene konser⸗ vative Adresse an Se. Majestaͤt schon am Dienstag Abend von 5000 Personen unterzeichnet gewesen sey, wird von demselben Blatt jetzt dahin berichtigt, daß diese Adresse vorgestern, Mitt⸗ woch, Abends erst 4112 Unterschriften gezäͤhlt habe.

Lord Durham hat es bekanntlich abgelehnt, eine Adresse der Stadt Manchester in Bezug auf den Ministerwechsel, worin sowohl die jetzigen als die vorigen Minister gleich heftig ange⸗ geiffen werden, dem Koͤnige zu uͤberreichen. Folgendes ist die Kovrespondenz, welche hieruͤber zwischen ihm und dem Praͤsiden⸗ ten der Versammlung, in der jene radikale Adresse angenommen wurde, Herrn Walker, gewechselt worden ist:

8 „Longford, Manchester, 2. Dezember.

Mylord! Als Vorstand einer zahlreichen und achtungswer⸗ hen Wersammlung der Einwohner von Manchester und dessen Nachbarschaft hatte ich die Ehre, diesen Abend an Ew. Herr⸗ lichkeit die an den Koͤnig gerichtete Adresse zu befoͤrdern, welche dort durch eme sehr große Mehrheit beschlossen wurde, und bitte, Sie ersuchen zu duͤrfen, daß es Ihnen gefallen moͤge, die⸗ selbe Sr. Majestaͤt, sobald es Ihnen moͤglich ist, zu uͤberreichen. Ich nehme mir die Freiheit, zu melden, daß der Beschluß, diese Adresse durch Ew. Herrlichkeit uͤberreichen zu lassen, einhellig und mit Zeichen großer Billigung des politischen Charakters Ew. Herelichkeit durchging. Als Privatmann halte ich es fuͤr Recht, zu melden, daß ich gehofft hatte, die Adresse wuͤrde etwos anderen Inhalts seyn, aber als Vorstand fuͤhlte ich mich ver⸗ daß ich nie eine Versammlung gesehen, worin das Wolk sich mit groͤßerer Hrdnung und Schicklichkeit benommen haͤtte. Ich habe die Ehre u. s. w. 8 C. J. S. Walker.“ „Lambton⸗Schloß, 8. Dezember.

Sir! Ich habe die Ehre, Ihnen den heutigen Empfang Ihres Schreibens vom 2. zu melden, allein die Adresse, deren Sie erwaͤhnen, ist noch nicht an mich gelangt. Da ich jedoch mit dem Inhalte durch die oͤffentlichen Blaͤtter bekannt gewor⸗ den, so braucht es fuͤr mich keines Aufschubs, um Ihnen zu mel⸗ den, daß, da ich in meinen Ansichten von denen der Bittsteller ganz abweiche, ich es ablehnen muß, die Mittelsperson zu wer⸗ den, durch welche diese Gesinnungen dem Throne mitgetheilt wer⸗ den sollten. Ihr gehorsamer Diener Durham. An C. J. S. Walker zu Longford.“

Sir George Murray ist von hier nach Schottland abge⸗ eist, um seine Wiedererwaͤhlung zu betreiben

Lord John Russell hat sich in einer am Montage zu Tavi⸗ stock gehaltenen Bersammlung der Waͤhler von Devenshire uͤber Hdas Nundschreiben des Bischofs von Exeter (s. das vorgestrige Zlatt der St.⸗Zeit.) und uͤber Sir R. Peel'’s Adresse an seine Konstituenten ausgesprochen. Er widersprach der Behauptung des Ersteren, daß den Bischoͤfen von dem vorigen Ministerium keine Mittheilung in Bezug auf die beabsichtigte Zehnten⸗Abls⸗ sung gemacht worden sey, und suchte zu beweisen, daß Sir R. Pecl, so ehrenwerth auch dessen Charakter seyn moͤge, unmoͤglich Reformer werden koͤnne, und daß die von den Whigs beab⸗ sccheigten Reformen den Verheißungen Sir Robert's bei weitem vorzuziehen seyen.

Herr Spring Rice hat die von Liverpool an ihn ergangene Einlabung, als Parlaments⸗Kandidat fuͤr diese Stadt aufzutreten, ausgeschlagen; man will nun Sir Francis Burdett an seiner Statt einladen. Herr William Brougham giebt seinen Parla⸗ mentssitz fuͤr Southwark auf, weil man ihm bestimmte Verspre⸗ chungen abforbern wollte, die er zu geben nicht geneigt war. Herr D. W. Harvey wird nun ais Kandidat fuͤr Southwark auftreten.

Die Waͤhler von Westminster hielten vorgestern Abend eine Bersammiung in der Kron⸗ und Anker⸗Tavern, um die Antwork Sir Francis Burdett's auf die an ihn ergangene Auf⸗ zorderung zur Darlegung seiner politischen Ansichten zu verneh⸗ mwen. Sir Francis erklaͤrt, daß er den Ministerwechsel hoͤchlichst bedaure, und daß die Namen der neuen Minister ihm kein Ver⸗ trauen einflößen koͤnnten, doch wolle er den Ausspruch: „Maß⸗ regeln, nicht Personen“ zu seinem Grundsatz machen und abwar⸗ ren, was die neue Verwaltung thun weroe, ehe er sich daruͤber zuzere, ob er sie unterstützen kͤnne oder sich ihr opponiren muͤsse. Nach einer sehr stuͤrmischen Discussion, an welcher auch Oberst Evans Theil nahm, wurde die Erklaͤrung des genannten Baronets, als zufrievenstellend, angenommen. 1

Die starke Opposition, die sich gegen die Minister zeigt, zmnb itzheit von der bevorstehenden Aufloͤsung des Par⸗ und die Gewißh 5 lamentes, hat die Englischen Fonds gedruͤckt, da man der Mei⸗

6. vaß, ungeachtet der Reformbill, sehr viele Fonds ver⸗ nung ist, daß, ung je Kosten der W ce kauft werden muͤssen, um die Kosten der Wahlen zu decken.

J dard liest man Folgendes: „Die Beamten des

Im Stan Ia eeceaen. Snt e b Schatzes und der Accise sind seit einiger Zeit eifrig damit be⸗ schaͤftigt, die wahrscheinliche Wirkung, welche eine gaͤnzliche oder

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partielle Abschaffung der Malzsteuer auf die Staats⸗Einnahme ausuͤben wuͤrde, zu berechnen. Wir koͤnnen den Agrikulturisten noch nicht mit der zuversichtlichen Hoffnung schmeicheln, daß die gaͤnzliche oder partielle Abschaffung dieser Steuer versucht wer⸗ den duürfte, weil noch nichts daruͤber entschieden ist; aber die Versicherung koͤnnen wir ihnen gebten, daß sie auf jede Erleichte⸗ rung rechnen koͤnnen, die sich nur irgend gewaͤhren lassen wird.“

Aus Lissabon sind Briefe und Zeitungen bis zum 13. d. M. hier eingegangen. Es war in Portugal Alles ruhig und im besten Gedeihen. Die Maßregeln des Herrn Silva Car⸗

valho in Bezug auf die Finanzen, die Errichtung von Banken

und andern Verbesserungen waren in der Deputirten⸗Kammer durchgegangen, und man zweifelte nicht, daß sie die Zustimmung der Pairs erhalten wuͤrden. Portugal schien in sehr sicherem und friedlichem Zustande zu seyn, denn alle Auslaͤnder waren im Be⸗ griff, den dortigen Dienst zu verlassen, und diejenigen, welche in der letzten Zeit entlassen wueden, sollen alle ihren Sold voll⸗ staändig ausgezahlt erhalten haben und mit dem Be⸗ nehmen der Portugiesischen Regierung vollkommen zufrie⸗ den seyn. Das durch den Korrespondenten der Times verbreitete Geruͤcht, daß der Herzog von Palmella regen zu⸗ nehmender Unvpopularitaͤt sich zur Abdankung werde genoͤthigt sehen, hatte, obgleich es durch andere Berichte fuͤr unbegruͤndet erklaͤrt wurde, doch einen etwas nachtheiligen Einfluß auf die Portugiesischen Fonds an der hiesigen Boͤrse. Man wollte uͤbri⸗ gens aus jener Versicherung des Lissaboner Korrespondenten der Times ersehen, daß auch dieser schon im Sinne des Herzogs

von Wellington schriebe, bei welchem Letzteren der Herzog von

Palmella von fruͤherer Zeit her nicht in besonderer Gunst steht. Am 5. Dezember war wegen des Geburtstages des Herzogs von Leuchtenherg in Lissabon große Gala bei Hofe und die Stadt erleuchtet gewesen; die Kammern hielten aber ihre Sitzungen ununterbrochen fort, weil die Session kurz vor Weihnachten, man glaubte am 16. Dezember, prorogirt werden sollte. (S. uͤbrigens den Artikel Portugal.)

Es sollen spaͤter auch noch Privat⸗Briefe aus Lissabon vom 14ten d. hier eingegangen seyn, denen zufolge die wichtigen von Herrn Carvalho den Cortes vorgelegten Finanzplaͤne am 13ten auch in der Pairs⸗Kammer mit großer Masoritaäͤt durchgegangen waͤren.

Die Portugiesische Kriegsbrigg „Dom Pedro“, kommandirt vom Capitain Cardozo, kam am Sonntag von Dartmouth in Falmouth an; sie ist, dem Vernehmern nach, dazu bestimmt, den Herzog von Leuchtenberg, der naͤchstens in England erwartet werd, nach Lissabon zu bringen.

Das Schiff „Hira“ ist kuͤrzlich mi. 103 Tageloͤhnern, wor⸗ unter auch Frauen und Kinder, von Gravesend nach Jamaika abgesegelt; diese Arbeiter sollen auf den Plantagen des Herrn R. Barrett, Sprechers des Versammlungs⸗Hauses jener Insel, beschaͤftigt werden.

Nachrichten aus New⸗York vom 23. Nov. zufolge, sah man daselbst der Botschaft des Praͤsidenten an den Kongreß mit vieler Neugier entagegen, da man glaubte, er werde den Verkauf der 7 Millionen Dollars betragenden Actien der Regierung in der Bank vorschlagen. Die Regierung wird, wie man glaubt, im naͤchsten Kongreß, seiner Zahl nach dem vier und zwanzigsten, 16 bis 20 Stimmen mehr zu ihren Gunsten zaͤhlen.

Ueber Liverpool hat man Berichte aus New⸗-York bis zum 1sten d. M. Es sollte an diesem Tage die zweite Session des drei und zwanzigsten Kongresses eroͤffnet werden, und man war auf des Praͤsidenten Botschaft sehr gespannt, besonders auch wegen des Tones, der darin gegen Frankreich herrschen wird. Der Treubruch, dessen sich jenes Land in der Meinung der Amerika⸗ ner schuldig gemacht hat, indem es die auf feierlichen Stipula⸗ tionen begruͤndete Schuldforderung Nord-Amerikas nicht aner⸗ kennen wollte, hat selbst die Oppositions⸗Journale bewogen, die Regierung zu einem wuͤrdigen Auftreten aufzufordern und ihr fuͤr diesen Fall jede moͤgliche Unterstuͤtzung zuzusichern. Der Bank der Vereinigten Staaten prognosticirt man allgemein ein baldiges Ende.

In Mexiko, wo man uͤber fortdauernden Mangel an Geld bei der Regierung klagt, ist eine neue Revolution, und zwar in Chiapas, ausgebrochen. Truppen unter dem Befehle des Ge⸗ neral Vicayne marschirten gegen die Provinz, so wie gegen Guadalaxara, wo ebenfalls eine Empoͤrung ausgebrochen ist.

In Buenos⸗Ayres ist nach vielen vergeblichen Bemuͤ⸗ hungen endlich ein General⸗Gouverneur in der Person des Don Manuel de Maza gesuanden worden.

Belgien.

Bruͤssel, 26. Dez. In der Sitzung der Revpraͤsentanten⸗ Kammer am 26. Dezember ward die Eroͤrterung des Kriegs⸗ Budgets fortgesetzt. Herr von Meulenaere, Minister der auswaͤrtlgen Angelegenheiten, nahm nach kurzen Debatten das Wort und sagte: „Der ehrenwerthe Deputirte von Mons (Herr Gendebien) hat mir gestern die Fragen zugeschickt, die er Ihnen vorgelesen haͤt; ich gestehe, daß unter diesen Fragen keine einzige ist, die nicht einer mehr oder minder glaͤnzenden Theorie zur Thesis dienen koͤnnte; allein ich bin der Meinung, daß die Kammer mir schlechten Dank wissen wuͤrde, wenn ich sie in eine Eroͤrterung hineinziehen wollte, die sie von jener des Kriegs⸗ Budgets entfernen und eine kostbare Zeit verschlingen wuͤrde, die sie der Eroͤrterung eines hoͤchst wichtigen Ge⸗ genstandes zu widmen wuͤnscht. Ein doppelter Beweg⸗ grund macht es mir zur Pflicht, mich kurz zu fassen und ka— tegorisch auf die mir gestellten Fragen zu antworten. Hier die 1. Frage: Hat das Belgische Ministerium von dem Deutschen Bundestage oder von einigen seiner Mitglteder offizielle oder gesaͤllige Mittheilungen in Betreff Luxemburgs erhalten? Ich beantworte diese Frage mit Nein. 2. Frage: Hat das Ministerium keine Mittheilung von seinen Agenten zu Wien oder Berlin uͤber die Gesinnungen des Kaisers von Oesterreich oder des Koͤ⸗ nigs von Preußen, oder uͤber die Gesinnungen des Deutschen Bundestages in Betreff Luxemburgs erhalten? Nein! Seit der Zuruͤckziehung des Ministeriums Melbourne nicht; die letz⸗

ten Mittheilungen in Betreff der Luxemburger Frage beziehen

sich auf die Unterhandlung zu Biberich und auf die fuͤr die Wiedereroͤffnung der allgemeinen Unterhandlungen gestellten Be⸗ dingungen. 3. Frage: Weiß das Ministerium etwas Bestimm⸗ tes uͤber den durch den Koͤnig von Holland bei dem Bundestage und dem Schieds⸗Gerichte in Betreff Luxemburgs, sey es im Ganzen, sey es mit Ausnahme des Herzogthums Bouillon, sey es in Betreff des kraft des Vertrages vom 1b5ten November 1831 abgetretenen Deutschen Theils von Luxem⸗ burg gemachten Antrag? Ich muß diese dritte Frage wieder verneinend beantworten. Ich kenne in dieser Hinsicht nur die Zeitungs⸗Geruͤchte, und ich gestehe, daß ich meinerseits dieselben fuͤr grundlos oder uͤbertrieben halte. 4. Frage: Hat das Mi⸗ nisterium, entweder durch Vermittelung unseres Botschafters bei der Englischen Regierung oder direkt vom jetzigen Englischen Mi⸗

nisterium offizielle oder gefaͤllige Mittheilungen seit dem Eintritt des Herzogs von Wellington in das Ministerium erhalten? Ja die Regierung hat fruͤher und s gefaͤllige Mittheilungen empfangen. 5. Frage: Von welcher Art sind diese Mittheilungen? In der vorhergehenden Sitzung habe ich mich in dieser Hinsicht erklärt. Sie sind saͤmmtlich bis jetzt von der beruhigendsten Art, nicht nur fuͤr den Euro, paͤischen Frieden im Allgemeinen, sondern auch fuͤr die Unah⸗ haͤngigkeit Belgiens. Alle diese Mittheilungen koͤnnen ung nichts anderes vermuthen lassen, als daß das jetzige Min⸗ sterium die durch seine Vorgaͤnger Belgien gegenuͤber ein⸗ gegangenen Verpflichtungen achten werde. 6. Frage: Hat dat

Ministerium direkt oder indirekt, auf eine amtliche oder gefaäͤl⸗

lige Weise Mittheilungen der Englischen Regierung in Betreff Luxemburgs oder eines seiner Theile, und besonders in Betref der Ereignisse erhalten, deren Schauplatz Luxemburg in Folge

der durch Holland bei dem Deutschen Bundestage oder dem

Schiedsgerichte gemachten Schritte werden kann? Meine Ant⸗ wort ist verneinend; die Regierung hat keine Mittheilung in dieser Hinsicht erhalten. 7. Frage: Hat das Ministerium von der Franzoͤsischen Regierung direkt oder durch Vermittelung un⸗ seres Botschafters, auf eine amtliche oder gefaͤllige Weise Mit⸗ theilungen in Betreff Luxemburgs oder eines Theils jener Preo⸗ vinz, vorzuͤglich in Betreff des durch den Koͤnig von Holland bei dem Deutschen Bundestage und dem Schhiedsgerichte in Betreff Luxemburgs oder eines Theils jener Provinz gemachten Antrags, erhalten? Nein, mein Herr. Diese Frage bezieht sich auf die 9te Frage: Wird Frankreich oder England allein ein⸗ schreiten, wenn sich eine dieser Maͤchte demselben widersetzen sollte? Hier muß ich den ehrenwerthen Deputirten auf die Ant⸗ wort verweisen, die ich auf eine aͤhnliche Frage in der Sitzung vom 24sten d. gegeben habe. Ich kann sie nur wiederholen. Im Falle einer Invasion in Luxemburg läßt Alles uns vermu⸗ then, und ich glaube, es mit Zuversicht sagen zu koͤnnen, daß weder Frankreich noch England die versprochene Garantie ver⸗ letzen wuͤrden. laubt, in der Voraussetzung der Verletzung der Verpflichtungen dieser beiden Maͤchte Belgien gegenuͤber, ein Urtheil zu faͤllen; ich bin der Meinung, daß nicht nur eine Invasion in Luxem⸗ burg, sondern selbst eine Androhung einer Invasion ein Casas focderis waͤre, und wir wuͤrden unverzuͤglich die Unterstuͤtzung und den Beistand Frankreichs u. Englands in Anspruch nehmen. Glaubt das Ministerium, daß es rathsam, daß es dringlich sey, zu fordern, daß Frankreich und England sich kategorisch uͤber die Interventions⸗Frage bei dem Konflikt, der Luxemburg bedroht, erklaͤren? Nein, das Ministerium ist der Meinung, daß es nicht rathsam sey, diesen Schritt zu thun, und zwar aus den Gruͤnden, die ich bei der vorhergehenden Frage angedeutet habe, so lange nichts zu dem Glauben ermoͤchtiget, daß die durch den ehrenwerthen Deputirten gestellte Hypothese sich verwirkliche. 11. Frage: Uebernimmt die Regierung die foͤrmliche Verpflich⸗ tung, die Raͤumung des ganzen Luxemburgs oder eines Theils desselben vor der Annahme und Vollziehung des Vertrags vom 15. November 1831 durch ben Koͤnig Wilhelm zu ver⸗ weigern? Meine Herren, nach der Uebereinkunft vom 21. Mai, die in Bezug auf uns das „uti possedetis“ bestaͤtiget, nach der

Ratifications⸗Akte vom 1. Juni, ist Belgien bis zum definitiven

Vertrage die provisorische Occupation der Bezirke von Limburg und Luxemburg gesichert, die nach den Bestimmungen des Ver⸗ trages vom 15. November 1831 spoͤter zu Holland gehoͤren. (Der Minister verliest hier diese Ratification; die allgemeine Eroͤree⸗ rung des Entwurfs ward hierauf geschlossen und man schritt zu jener der einzelnen Artikel; mehrere derselben wurden ange nommen.) - 5

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 23. Dez. Der Adelsstand pflichtete am 20sten d. M. nach einer lebhaften Debatte mit 64 gegen 40 Stim⸗ men dem Bedenken des Gesetz⸗Ausschusses bei, wonach fuͤr In⸗ juriirung des Koͤnigs u. s. w. statt absoluter Todesstrafe zwei⸗ bis zehnjaͤhrige Festungs⸗ oder Todesstrafe eintreten soll.

Das Reichsgericht kam heute zusammen. Die angeschuldigten Staats⸗Raths⸗Mitglieder und der Staats⸗Secretair erschienen alle persoͤnlich, nahmen die Anklageschrift des reichsstaͤndischen Justiz⸗Bevollmäaͤchtigten zur Beantwortung am Sonnabend ens gegen, wonaͤchst dann der Justiz⸗Bevollmaͤchtigte seinen Schluß⸗ Antrag zu machen haben wird. v111“

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Kopenhagen, 27. Dez. Am Aisten d. hat der Koͤnigl. Preuß. Gesandte am K. Daͤnischen Hofe, Frhr. Schoultz v. Asche⸗ raden, bei Sr. Maj. dem Koͤnige seine Antritts⸗Audienz gehabt.

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Schwerin, 29. Dez. Der diesjaͤhrige in diesem Monat zu Malchin gehaltene Landtag ist am 18ten d. durch den Groß⸗ herzoglichen Bescheid geschlossen worden, wonach zunaͤchst in Be⸗ treff der Proposition die Bewilligung der ordinairen Contribus⸗ tion fuͤr das Jahr von Johannis 1834 bis Johannis 1835, un⸗ ter Bezug auf den Convocationstags⸗Abschied vom Jahre 1809, gnaͤdigst angenommen wird.

Muͤnchen, 26. Dezeinber. In der gestrigen Mitternacht herrschte in unsern Straßen ein reges, lebhaftes Treiben. Ganze Schaaren Andaͤchtiger zogen von einer Kirche zur andern, wo uͤberall die imposante Feier der heiligen Mette stattfand. Se⸗ Maj. der Koͤnig begab sich mit großem Gefolge nach der Hoß Kapelle, um der hohen Feier beizuwohnen. Alle Kirchen waren gedraͤngt voll. Zahlreiche Patrouillen, sowohl vom Linien⸗Mili⸗ tair, als auch von der Gendarmerie, durchzogen waͤhrend des Gottesdienstes die Straßen, um fuͤr die naͤchtliche Sicherheit und Ruhe der Stadt zu sorgen.

Tuͤbingen, 24. Dez. Die Zahl aller hier Studirenden im gegenwaͤrtigen Winerhalbjahr ist 734, worunter 71 Auslaͤn⸗ der, nämlich: I. Theologie Studirende von der protestantischen Konfession: 1) Wuͤrttemberger, a) im K. Seminar 61, b) in der Stadt 70; 2) Auslaͤnder 9. II. Theologie Studirende von der katholischen Konfession: 1) Wuͤrttemberger, a) im K. Wilhelms⸗ stift 99, b) in der Stadt 20; 2) Auslaͤnder 40. III. Juͤdische Theologie Studirende 2. IV. Rechtswissenschaft Studirende:]) Wuͤrttemberger 76; 2) Auslaͤnder 6. V. Medizin und hoͤhere Chirurgie Studirende: 1) Wuͤrttemberger 102; 2) Auslaͤnder 10; Hoͤhere Chirurgie 1. Pharmacie 12. Niedere Chirurgie 41. vI. Philosophie Studirende: 1) Wuͤrttemberger, n) im K. prote⸗ stantischen Seminar 60, b) im K. Wilhelmsstift 51, c) in der Stadt 17; 2) Auslaͤnder 4. VII. Kameral⸗Wissenschaft Stu⸗ dirende: 1) Wuͤrttemberger 51; 2) Auslaͤnder 2. 1

ndis wer die Die Halbjahr 756. ie Zahl der Auslaͤnder hat seit dem letzten Sommer⸗Halbjahr um 30 abgenommen. d

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paͤter ganz offizielle, aber keine

wurde von 2 - u gemacht. Man versichert, die Paͤpstliche Regierung habe, freilich

Als Minister des Koͤnigs ist es mir nicht er⸗

waͤhnten Kommission, um di im ganze Staate zu reguliren, er ECEhre abgelehnt, unter diesen: fuͤr Ferrara

n diesem Halbjahr sind neu angekommen 177. Im letzten Lon Aee nn 8 Zahl aller Studirenden 746; im letzten Winter⸗

Fb be Se⸗ewet z. eedematt namheseast

Neuchatet, 24. Dez. Das von der Mehrheit der Mit⸗ sieder des gesetzgebenden Koͤrpers He9 Benehmen der De⸗ putirten bei der Tagsatzung hat dennoch einigen Widerspruch erfahren. Namentlich sind Einige der Meinung, daß die De⸗ putirten, welche fuͤr ein außerordentliches Uebungslager der Bun⸗ destruppen stimmten, nachdem die gesetzgebende Versammlung sich schon dagegen ausgesprochen, ihre Vollmachten uͤberschritten haben. Auch wurde ihr Benehmen bei Gelegenheit einer Bittschrift,

welche die in Genf wohnenden Neuchateller bei der Tagsatzung ein⸗

nicht gebilligt; endlich wollten auch einige Mitalieder zie Art, wie sie die Angelegenheit in Betreff der Kokarde, der Kantonalfarben und des Titels Fuͤrstenthum behandelt haben, nichtuͤberall gutheißen. Hr. v. Chambrier, General⸗Prokurator, bemerkte hieruͤber, daß nur der Koͤnig das Recht habe, die Mi⸗ liz des Staates zusammenzurufen, keinesweges aber der gesetz⸗ ebende Koͤrper. Das Benehmen der Deputirten in Hinsicht des Uebungs Lagers bei Thun sey ganz ihren Instructionen ge⸗

maͤß, denn hier sey nicht die Rede von den Truppen des Staats

insbesondere, sondern von den Bundestruppen, und die Regie⸗ rung habe daher geglaubt, daß es dem Interesse des Landes voͤllig angemessen sey, das Kontingent desselben nach Thun zu senden. Nach dieser Erlaͤuterung beantworteten die Majorjtaͤt und die Deputirten bei der Tagsatzung die uͤbrigen Bemerkungen der Minorttaͤtund wiesen den gegen sie ausgesprochenen Tadel ne ar n. Italiten. i Aummm⸗ 2b Rom, 18. Dez. (Allg. Ztg.) Da schon seit laͤngerer eit einige Punkte in dem kirchlichen Konkordate mit dem Koͤ⸗ nigreiche beider Sicilien Discussionen herbeigefuͤhrt hatten, so 1 hier aus ein Vorschlag zu Abschließung eines neuen

mit Aufopferung verschiedener Rechte, diese Unterhandlung bisher

mit dem besten Erfolge betrieben, und sogar zu einer Uebereinkunft

wegen Benevent und Ponte Corvo Hoffnung gefaßt. Das Mi⸗ nisterium in Neapel hatte hierbei den besten Willen gezeigt, und wie man behauptet, hinsichtlich mehrerer Punkte schon sein Wort gegeben, als ploͤtzlich alle Unterhandlungen von Neapolitanischer Seite abgebrochen wurden. Der Paͤpstliche Nuncins in Neapel, Mon⸗ signore Graf Ferretti, durch welchen diese Unterhandlungen be⸗ trieben worden, verlangte bei Erstattung seiner Berichte daruͤber vor Sr. Heiligkeit erscheinen zu duͤrfen, um persoͤnlich Rechen⸗ schaft von seinem Verfahren abzulegen. Er ist gestern hier ein⸗ getroffen, und man sieht mit Ungeduld dem Ausgange entgegen,

da sich eine große Kaͤlte zwischen beiden Hoͤfen zu zeigen an⸗

faäͤngt. Mehrere Deputirte, welche zu der unterm 2ten d. er⸗ die Abgaben vom Grundeigenthume ernannt waren, haben diese der Graf Bernetti, Bruder des Kardinal⸗Staats⸗Secretairs; fuͤr Macerata der Mar⸗ quis Bandini; fuͤr Velletri der Ritter Cardinali. Aus welcher Ürsache, ist nicht leicht zu ergruͤnden; auf jeden Fall ist zu be⸗ daäauern, daß der gute Wille, den die Regierung gezeigt hat, nicht bessere Unterstuͤtzung bei denen findet, auf die sie ihr Ver⸗

rauen gesetzt hat. Man arbeitet gegenwaͤrtig an einem Co⸗

dice amministrativo fuͤr den Paͤpstlichen Staat; im Publikum fuͤrchtet man, mehrere Verordnungan darin wuͤrden dem neuen Civil⸗Gesetzbuche entgegen seyn, und dadurch wieder zu Abaͤn⸗ derungen Anlaß geben. Der Kardinal Giustiniant, fruͤher Nunctus in Lissabon, welche Stadt er auf Dom Pedro's Befehl verließ, worauf er sich in Genua, seinem Geburtsorte aufhielt, ist nun hier angekommen. Er empfing, nachdem er dem Papste seine Aufwartung gemacht, die Giuͤckwuͤnsche der Geistlichkeit, des diplomatischen Corps und des Adels. Dom Miguel machte ihm auch seinen Besuch. Hr. Ouvrard, bekannt durch seinen Prozeß unter Karl X. in Paris, haͤlt sich hter auf, wie es scheint, um in Italien seinem Speculationsgeiste ein neues Feld zu eroͤffnen. Gestern Abend eilte Hr. C. Porier, als Courier von Paris kommend, hier durch nach Negpel.

Norvtugal.

Lissabon, 14. Dezember. In der Sitzung der Deputirten⸗Kammer vom 13ten verlangte Herr Liberato von den Ministern einige Aufschluͤsse uͤber den Zustand der oͤf⸗ fentlichen Gefaͤngnisse, sund beide Parteien schienen darin uͤber⸗ einzukommen, daß sogleich etwas fuͤr die Verbesserung derselben geschehen muͤsse und daß die Gefangenen aus ihren unsauberen Löchern in den Kloͤstern, welche durch Aufhebung der Moͤnchs⸗ orden der Regierung zugefallen seyen, untergebracht werden koͤnn⸗ ten. Die Vorschlaͤge Silva Carvalho's sind von der Deputirten⸗ Kammer angenommen worden und liegen jetzt den Pairs zur Berathung vor, die sie ohne Zweifet auch, ungeachtet aller Be⸗ muͤhungen des Grafen Tanpa, das Gegentheil zu bewirken, un⸗ veraͤndert annehmen werden. Bei der Diskussion bes Vorschlags zur Konsolidirung und Verbesserung des National⸗Kredits bemerkte der Finanz⸗Minister, daß die Regierung deshalb nicht noͤthig habe, einen Pfennig mehr zu zahlen, den Tilgungs⸗Fond zu ver⸗ mindern oder die Dauer der gegenwaͤrtigen jaͤhrlichen Abgabe zu verlaͤngern. Portugal ist der Regierung vielen Dank schul⸗ dig, daß sie, ungeachtet des unnuͤtzen, aber bestaͤndigen Geschreies der Opposition, diese Maßregeln befoͤrdert hat, denn die Vor⸗ theile, weiche dem Lande daraus erwachsen, sind fast unberechen⸗ bar. Herr Macairo de Castro machte einen Antrag, um die Unabhaͤngigkeit der Offiztere gegen die wiükuͤrliche Gewalt der Regie⸗ rung zu sichern. Er schiug nämlich vor, daß die Stelle eines Offiziers als ein Eigenthum desselben betrachtet werden solle, das ihm nur aus gerechten Ursachen, und selbst dann nur durch ein Kriegs⸗ Gericht genoemmen werden koͤnne. Der Antrag wurde von der Kammer allgemein gebilligt. Die Ihrer Kaiserlichen Majestaͤt der Herzogin von Braganza ausgesetzte Pension von 40 Contos de Reis wurde nach einigen Debatten bewilligt. Die Einkuͤnfte von dem unter dem Namen Caza de Braganza bekannten Eigen⸗ thum, welche jaͤhrlich 13,000 Pfd. betragen, genießt die Kaiserin wegen der Vermaͤhlung der Koͤnigin jedoch nur so lange, bis es

dem naͤchsten Herzog oder Herzogin von Braganza, d. h. dem

erstgebornen Kinde der Koͤnigin zufaͤllt. Die Diskusston gab in⸗ deß zu heftigen Bemerkungen uͤber die bedeutenden, Ihrer Maj. bewilligten Summen Anlaß, und mehrere Depurirte ruͤhmten bei dieser Gelegenheit die große Sparsamkeit Dom Pedro’'s. Ein Antrag von Manöoel Passos und anderen Deputirten aus Porto wegen Rückzahlung der im Jahre 1808 in Porto gemachten An⸗ jeihe von 44,000 Pfund wurde angenommen und die allmaͤlige Abzahlung beschlossen.

Die Times enthaͤlt nachstehendes Privat⸗Schreiben aus Lissabon vont 10. Dezember: „Die Cortes werden in einigen Tagen wegen des Weihnachtsfestes prorogirt werden und sich erst am 2. Januar der Ordnung nach wieder versammeln. Diese

ertagung wird fuͤr mehrere Minister eine Zeit der Erholung seyn, denn sie sind durch die bestaͤndige Aufmerksamkeit, die sie

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den Cortes widmen muͤssen, und durch die Anfertigung so vieler

Dokumente, die taͤglich, ja stuͤndlich von der Opposition unnoͤ⸗ thiger Weise gefordert werden, wahrhaft geplagt. Die Unzu⸗ friedenheit mit dem Herzoge von Palmella nimmt in dem Maße zu, als seine Stellung im Minister⸗Conseil an Festigkeit gewinnt. Er floͤßt Niemand Vertrauen ein. Ich kann jedoch versichern, daß ich durchaus keinen Grund zu diesem Mißtrauen habe auf⸗ finden koͤnnen, aber nichtsdestoweniger nimmt es zu. Die Auf⸗ nahme seines Schwagers, des Grafen von Villareal, ins Mini⸗ sterium, war in diesem Augenblicke sehr unzweckmaͤßig.“

In einem vom Courier mitgetheilten Schreiben aus Lis⸗ sabon vom 13. Dez. heißt es: „Die fremden Truppen sollen saͤmmtlich entlassen werden. Das Belgische Corps, welches in Elvas in Garnison stand, verweigerte vor einigen Tagen, angeb⸗ lich weil es keinen Sold erhalten hatte, den Gehorsam; es traf gestern in Lissabon ein und soll sobald als moͤslich nach Ostende uͤbergeschifft werden. Einem Briefe aus Coruna zufolge, hat der Englische Gesandte in Madrid, Herr Villiers, auf Verlangen der dortigen Regierung die Fregatte „Castor“ requirirt, um 8000 Gewehre von Coruna nach Santander zu bringen.“

Tuͤrkei.

Konstantinopel, 11. Dez. (Allg. Zeit.) Wenn die Aufregung Syriens noch laͤnger fortdauert, so wird es kaum möglich seyn, ohne irgend einen entscheidenden Schritt von der Pforte die Ruhe herzustellen. Taͤglich treffen Nachrichten ein, die das traurigste Büld von jenem sonst bluͤhenden Lande ent⸗ werfen und eine Katastrophe als unvermeidlich voraussagen, so lange Ibrahim Pascha unbeschraͤnkt daselbst hausen duͤrfe. Der Suiltan nimmt sich die bedraͤngte Lage der Syrier sehr zu Her⸗ zen, und er wuͤrde zu jeden Opfer bereit seyn, koͤnnte man ihm die Gewißheit verschaffen, daß dadurch der uͤbermuͤthige Sieger von Koniah versoͤhnt und der auf Syrien lastende Druck er⸗ leichtert wuͤrde. Es ist selbst den befreundeten Maͤchten der Pforte nicht moͤglich, ihn hieruͤber zu beruhigen, und so darf es nicht befremden, wenn man unaufhoͤrlich von Kriegs⸗Ruͤstungen sprechen hoͤrt. Erst in der verflossenen Woche wurden wieder 19 Eskadrons leichte Kavallerie, 9 Bataillone Infanterie und ein Artillerie-Park von 42 Kanonen von hier nach Asien uͤber⸗ geschifft, um Reschid Pascha's Armee zu verstaͤrken; andererseits ist Ibrahim auch nicht unthaͤtig und ruͤstet so viel er kann. Wohin sollen solche Anstrengungen von zwei erbitterten Gegnern anders fuͤhren, als zu ernsthaften Ereignissen? Freilich muß Ibrahim sehr behutsam seyn und sich nicht zu weit vorwagen; seine Lage ist kritisch und kann verzweifelt werden, sobald mehr Einigkeit unter seinen Feinden herrscht, und er ihnen Gelegenheit gtebt, ihre vereinten Kraͤfte an ihm zu versuchen. Die Pforte allein, mit aller ihrer militairischen Kraft⸗Entwicklung, fuͤrchtet er wohl nicht, aber vereint mit den zersplitterten Insurgenten⸗Schaaren in den neu erworbenen Provinzen moͤchte sie ihm furchtbar werden. Dies zu hindern, ist jetzt seine Taktik, und deshalb dringt er mit so vielem Ungestuͤm auf die Entfernung der Ottomanischen

Armee. Die Pforte hat ihn aber durchschaut; sie weiß, daß der Abmarsch ihrer Truppen den Aegyptern freie Hand gewähren wuͤrde, um ungestoͤrt den in Syrien herrschenden Geist ersticken zu koͤnnen, ohne den Haß, den Ibrahim und sein Vater gegen sie fuͤhlen, verloͤscht, ohne aus dem Feind einen Freund gemacht zu haben. Eine Nachgiebigkeit von ihrer Seite wuͤrde nur dazu dienen, die Aegyptische Herrschaft mehr zu befestigen und spaͤter den Pascha nur exigenter gegen den Sultan zu machen. Darum ist es nicht wahrscheinlich, daß Reschid Pascha seine jetzige Stel⸗ lung verlassen, daß uͤberhaupt die Verhaͤltnisse sich besser gestalten und vergleichsweise die streitenden Parteien sich verstaͤndigen soll⸗ ten. Die Europaͤischen Botschafter scheinen dies zu fuͤhlen, und man darf sich nicht wundern, daß sie an ihre Zaf⸗ in einem Sinne berichten, der außerordentliche Ereignisse voraussehen laͤßt, und Aufmerksamkeit fordert. So scheint denn auch die Eng⸗ lische Eskadre, von der es mehrmals hieß, daß sie nach Nauplia oder Malta segeln wuͤrde, um dort zu uͤberwintern, einstweilen bei Smyrna ihre Station behalten und abwarten zu wollen, was in Syrien geschieht. Daß uͤbrigens die großen Europaͤischen Maͤchte uͤber die orientalische Frage einig sind, leidet wenig Zwei⸗ fel, und daß keine eine fernere Beeintraͤchtigung der Pforte dul⸗ den will, ist wiederholt erklaͤrt worden. Die Gegenwart der Englischen Eskadre kann also nur fuͤr den Schutz der Englischen Unterthanen, oder dazu dienen, Ibrahim von einem entschiedenen feindlichen Schritte gegen die Ottomanische Armee abzuhalten, wenn es ihm doch, nach vergeblichen Vorstellungen fuͤr ihre Ent⸗ fernung, in den Sinn kommen sollte, sie anzugreifen. Allem An⸗ scheine nach wird Letzteres aus den eben erwaͤhnten Gruͤnden nicht geschehen, auch scheinen allmaͤlig die Huͤlfsquellen zu ver⸗ siegen, die Mehmed Ali erlaubten, eine fuͤr seine Verhältnisse so ungewoͤhnlich starke Armee auf dem Kriegsfuße zu halten. Man weiß, daß er in großer Geldverlegenheit ist, und daß alle Bemuͤhungen, sich mittelst einer Anleihe Fonds zu verschaffen, vergeblich waren, woraus man auf das Vertrauen schließen kann, das er in Frankreich und England einfloͤßt, da andere Laͤnder

in den kritischsten Zeiten, und die Pforte unter allen Umstaͤn⸗

den, Kontrahenten fuͤr Anleihen gefunden haben. Dies hindert inzwischen nicht, daß die Franzoͤsischen und Englischen Agen⸗ ten in Alexandrien große Freundschaft fuͤr Mehmed Ali zei⸗ gen, ob zwar ihr ganzes Verfahren beweist, wie wenig ernstlich es damit gemeint seyn kann. Erst unlaͤngst hat der Englische Konsul, welcher von Mehmed angegangen worden, ihm einige Muster⸗Gewehre von einer neuen Engllschen Erfindung zu ver⸗ schaffen, nicht nur diesem Wunsche entsprochen, sondern im Na⸗ meg seiner Regierung dem Pascha mehrere Tausende solcher Ge⸗ wehre zum Geschenke gemacht, die gleich zur Bewaffnung zweier Miliz⸗Bataillons benutzt wurden. Nach den neuesten Nach⸗ richten aus Alexandrien lag die Aegyptische Flotte groͤßtentheils in jenem Hafen vor Anker, und Mehmed Alt war nicht nach dem Innern abgereist. Die Pforte hat ihren ersten Direktor des Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Latlikeln Ef⸗ fendi, zum Botschafter nach London ernannt, und Namik Pascha zuruͤckberufen.

Griechenland.

Die Muͤnchener politische Zeitung schreibt aus Naupliag vom 16. Nov.: „Alle Dikasterien sind nun mit dem Umzuge nach Athen beschaͤftigt, der nach allerhoͤchster Bestimmung in dem laufenden Monat alten Styls beendigt werden soll. Die Ministerien haben mit dem heutigen ihre Arbeiten sistirt; die Buͤreaus der Regentschaft werden am 2. Dtz. geschlossen wer⸗ den, und in den naͤchst darauf solgenden Tagen die Abreise des saͤmmtlichen Personals der Regentschaft erfolgen. Wegen der zur Zeit noch etwas beschraͤnkten Anzahl tauglicher Wohn⸗Ge⸗ baͤude hat die Regentschaft sowohl, als die einzelnen Ministerien fuͤr die Unterbringung ihres Personals Fuͤrsorge getroffen. Das von Seiten der Regentschaft mit den Haͤuserbesitzern in Athen

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getroffene Arrangement, demgemaͤß diese 15 Procent des Haͤuse 1I1“

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werthes als Miethe beziehen, macht es den Staatsdienern moͤg⸗ lich, wohlfeilere Wohnungen zu bekommen, als in Nauplig, wo die Haͤuserbesitzer durch enorme Miethzinse fuͤr die kurze Dauer des Aufenthaltes der Regentschaft in ihren Mauern sich zu entschoͤ⸗ digen suchten. Um in kurzer Zeit eine hinreichende Anzahl zweck⸗ maͤßiger und gut gebauter Wohnungen zu erzielen, war die Re⸗ gentschaft mit einem hiesigen Handlungshause in Unterhandlung getreten, welches in einer bestimmten Frist 32 Wohngebaͤude herzustellen und dann der Disposition der Regentschaft zu uͤberlassen sich erbot; so wie man uͤbrigens vernimmt, ist die Regentschaft nicht geneigt, die Bedingnisse dieses Erbietens zu genehmigen. Durch die Verlegung des Regierungssitzes nach Athen wird diese Stadt, die auch in klimatischer Hinsicht einen wesentlichen Vorzug vor Nauplia hat, schnell ihrem Flore entge⸗ gengehen, und die Regentschaft verabsaͤumt nichts, um diese ehemalige Wiege der Wissenschaft und Kunst auch in dieser Be⸗ ziehung wuͤrdig auszustatten. Sie hat bereits die Centralschule von Aegina, einer Anstalt, die mit den bessern Deutschen gelehr⸗ ten Schulen den Vergleich aushaͤlt, nach Athen verlegt, und durch Einladung mehrerer Gelehrten von anerkanntem Rufe fuͤr tuͤchtige Besetzung der hoͤhern Lehrstellen gesorgt. So ist Herr Oekono⸗ mos seit kurzem hier angekommen, dem naͤchstens Hr. Kumos, der sich zeither in Triest aufhielt, folgen wird. Man hofft, die Gerichts⸗Organisation in kurzer Zeit ins Leben treten zu sehen, da die Kommission, welcher die Pruͤfung der Personal⸗ Verhaͤltnisse oblag, ihre Arbeiten vollendet hat. Wenn die Vor⸗ schlaͤge dieser Kommission von mancher Seite fruͤher erwartet wurden, so darf man aber billiger Weise auch nicht uͤbersehen, welch' eine reifliche und bedaͤchtige Pruͤfung der Auswahl des Personals fuͤr ein Institut vorangehen muß, das so maͤchtig in das innere Leben des Volks eingreift, und in seiner jetzigen Gestaltung nicht nur der Form, sondern auch zum großen Theile dem Wesen nach neu zu nennen ist. Es bedarf wohl tuͤchtiger und verlaͤssiger Richter, wenn man ihnen bei so vielen noch aus fruͤherer Zeit und unter den verschiedensten Titeln obwaltenden, aͤußerst komplizirten Differenzen ein ganz neues Verfahren vor⸗ schreiben, und ein neues Gesetzbuch zur Entscheidung in die Haͤnde geben soll. Die Organisation der irregulairen Trup⸗ pen, deren Unisormirung der Nationaltracht vollkommen ange⸗ paßt ist, geht rasch vorwaͤrts, und gewaͤhrt insbesondere jenen Griechischen Soldaten, denen die im Freiheitskriege empfange⸗ nen Wunden, ohne sie fuͤr den Kriegs⸗Dienst untaug⸗ lich zu machen, doch die Einreihung in die regulairen Corps erschwerten, billig eine erwuͤnschte Gelegenheit, ihren Le⸗ bens⸗Unterhalt begruͤndet zu sehen. Aber auch der Zugang zu den regulairen Truppen, besonders zur Artillerie und zum Fuhrwesen, welches letztere ganz komplett ist, war bis jetzt im⸗ mer sehr namhaft. Bei der Artillerie sind vomm Hauptmann abwaͤrts saͤmmtliche Offiziere, mit Ausnahme eines Lieutenants, Griechen, und die gluͤcklichen Fortschridte, welche sie in die—⸗ sem Zweige des Militairwesens machen, lassen eine baldige Vervollkommnung der Griechischen Artillerie mit Zuversicht er⸗ warten. Die zahlreiche und trefflich organisirte Gendarmerie, die gleichfalls nur aus Griechen besteht, genuͤgt ihrer Bestim⸗ mung in dem Grade, daß man in Griechenland so sicher reisen kann, als in jedem andern Staate. Auch giebt das Vertrauen, das die Regentschaft taͤglich mehr in dem Lande gewinnt, und die Liebe zur Ruhe und Ordnung, die in der großen Mehrzahl der Nation herrscht, die beruhigende Gewißheit, daß kein Ver⸗ such uͤbelwollender und ehrgeiziger Intriganten zur Stoͤrung des gesetzlichen Friedens ferner Unterstuͤzung finden wird, und es wird diese Herrschaft des Gesetzes und die Liebe dafuͤr um so mehr erstarken, als den Bemuͤhungen der Regentschaft gelin⸗ gen wird, das gemeindliche Elemer 3

9 „Berlin, 1. Januar. In Achen trat vor einiger Zei eine Gesellschaft zusammen, um in der dortigen Gegend einem Salzlager zu suchen, insofern sich eine hinlaͤngliche Anzahl von Theilnehmern hierzu faͤnde. Man wollte naͤmlich in Burt⸗ scheid 600 Fuß tief bohren, um zu sehen, ob man auf ein Salzla⸗ ger stieße; hiernaͤchst wollte man noch einen zweiten Versuch auf dieselbe Tiefe machen, und wenn auch dieser mißgluͤckte, das Un⸗ ternehmen aufgeben. Zur Erreichung dieses Zweckes wurden mit Erlaubniß der Regierung Actien, zu 50 Rthlr. eine jede, aus⸗ gestelt. Bei einer Versammlung jedoch, die im Novem⸗ ber v. J. in Achen abgehalten wurde, fand sich, daß erst 60 Aec⸗ tien abgesetzt waren, waͤhrend 150 untergebracht seyn mußten um uͤberhaupt mit dem Unternehmen den Anfang machen zu koͤnnen. Der beabsichtigte Versuch ist demnach wieder aufgege⸗ ben und das Geld fuͤr die ausgefertigten Actien den Unterzeichnern zuruͤckgestellt worden. 1

„— Die von dem verdienstvollen Professor Dr. Guͤnther zu Duisburg hinterlassene Sammlung von sehr wichtigen patholo⸗ gischen und physiologischen Praͤparaten haben die Erben dessel⸗ ben der medizinisch-chirurgischen Lehr-Anstalt zu Muͤnster welcher der Verstorbene von jeher sein vorzuͤgliches Wohlwollen gewidmet hatte, geschenkt, und ist diese Sammlung als Dr Guͤnthersches Vermaͤchtniß in dem dortigen anatomischen Mus⸗ seum ungetrennt und abgesondert aufgestellt worden.

Zur Deckung des im zweiten und dritten Qwartale . erforderlichen Bedarfs der Feuer⸗Societaͤt des Herzogthums Sachsen sind nach Ausweis des jetzt erlassenen Ausschreibens von den Societaͤts⸗Genossen in Summa 354,137 Rthlr. aufzu⸗ bringen, und dazu von den vormals erblaͤndischen Kreisen, den ehemaligen Stiftern Merseburg und Naumburg-Zeitz, von der Nieder⸗Lausitz, so wie von dem Altpreußischen, Kottbusser und dem Scchleusinger Kreise, imgleichen von dem Koͤntgl. Preußischen Antheile der Ober⸗Lausitz, von dem uͤberhaupt 69,413,790 Rthlr. betragenden Haupt⸗Versicherungs⸗Quantum 15 Silbergroschen 4 Pfennige von 100 Rtehlr. beczutragen Es haben sich in dem obgedachten Zeitraume 192 Braͤnde erei 1 net (wovon 26 durch Blitz, 2 durch Fahrlaͤssigkeit, 3 durch feh. lerhafte Bauart, 52 durch muthmaßliche Brandstiftung und 109 durch unermittelte Zufaͤlle) und wodurch 932 assoctirten Grund⸗ stuͤcks⸗Besitzern 1781 Gebaͤude total abgebrannt und 245 partiell beschaͤdigt worden sind. ””

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Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Es liegt nicht in dem Plan des den hiesigen T „„„ Blaͤttern gewidmeten Artikels, noch gefena. es otesen sene Raum, Alles, was sie bringen, Neues oder durch seiner. gewie⸗ Bemerkenswerthes, in dieselben aufzunehmen. Aber Mad „erch Pfeiffer, die seit kurzer Zeit auf dem Königstäͤdtischen Tbeaier Gastrollen giebt, ist in doppeltem Betracht, als dramatische S riftr stellerin und ausuͤbende Schauspielerin, zu bedeutend, als d chrift⸗ sie mit Stillschweigen uͤbergehen duͤrften. Ihr in wir

Sommer auftder Königlichen Buͤhne mit so Zroßem Becfeenen