1835 / 3 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

,— Radikalen als dem Interesse des Landes gemaͤß zu ezeichnen. Die Partei der Whigs, mit den Lords Grey, nee land und Lansdowne an der Spitze, wird bei dieser Gelegenheit als gaͤnzlich des Vertrauens unwerth und dem Schiffbruch nahe geschil⸗ dert, vor dem sie nur der Anschluß an die allem Bestehenden und allen Beguͤterten seindlichen Radikalen, mit Aufopferung ihrer Wuͤrde als Partei, moͤglicherweise retten koͤnne. Was die Times den Whigs, das prognostizirt der Courier dem jetzigen Ministerium. Sei⸗ ner An icht nach sähe Sir Robert Peel ein, wie unpopulair die durch ihn bewirkte Zusammensetzung des Kabinets sey, und wuͤrde sehr gern dem Sturm, der sich gegen ihn zu erheben drohe, entrinnen, wenn er sich nicht durch den Beschluß wegen Auftloͤsung des Parlaments den ehrenvollen Ruͤckzug abgeschnitten haͤtte.“

Fuͤrst Esterhazy wird, dem Albion zufolge, zu Anfange des nachsten Monats mit einer zahlreichen Dienerschaft wieder hier eintreffen.

Der Graf von Survilliers (Joseph Buonaparte), der eine Reise durch die Englischen Provinzen gemacht hat, ist wieder auf seiner Villa in der Naͤhe von Urbridge eingetroffen. Seine Gemahlin lebt noch immer in Nord⸗Amerika. 1

Sir H. Hardinge, der gestern von hier nach Wilderneß ab⸗ gereist ist, um den Marquis von Camden zu besuchen, hat eine ähnliche Adresse, wie Sir R. Peel, an die Waͤhler von Laun⸗ ceston erlassen, worin er besonders auf die Besoͤrderung des land⸗ wirthschaftlichen Interesses großes Gewicht legt.

Auch Sir E. Knatchbull hat eine Adresse an seine Waͤhler in Kent ergehen lassen; er sagt darin unter anderm: „Die Grundsaͤtze, auf welche ich meine Anspruͤche an Ihre Gewogen⸗ heit baue, sind dieselben, zu denen ich mich immer bekannt und nach welchen ich gehandelt habe. Jedem Stande im Staate die Rechte zu bewahren, welche ihm angehoͤren; die Gesetze, welche diese Rechte anerkennen und sichern, aufrecht zu erhalten; durch alle ausfuͤhrbaren Mittel das Gluͤck und die Wohlfahrt des Volks nu vermehren, und durch besonnene Reform alle Mißbraͤuche und Maͤngel zu entfernen, welche in den buͤrgerlichen und kirchlichen Institutionen des Landes wirklich vorhanden sind, dies scheinen mir die vornehmsten Pflichten der Regierung und der Gesetz⸗ gebung. Ohne Zaudern und offen und bestimmt erklaͤre ich, daß ich die Reform⸗Bill als die schließliche Erledi⸗ gung der großen constitutionnellen Frage betrachte, und nie Theil an einem Unternehmen haben will,

das darauf berechnet waͤre, ihre Wirksamkeit zu be⸗

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der Wahl zu bestreiten.

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eineraͤchtigen oder die durch sie verliehenen Vor⸗ rechte zu beschraͤnken.“

Lord John Russell erwarb sich durch die Rede, welche er an serne Waͤhler in Tavistock hielt, den rauschendsten Beifall,

uund es wurden Beschluͤsse vorgeschlagen und einstimmig ange⸗ nommen, welche die hohe Zufriedenheit der Versammlung uͤber

sein politisches Benehmen aussprechen, und wodurch die Waͤh⸗ ler sich verbindlich machen, seine Wiedererwaͤhlung im Falle ei⸗ ner Aufloͤsung des Parlaments zu unterstuͤtzen und die Kosten Lord Russell trat hierauf wieder her⸗ vor, um seinen Dank zu bezeugen: „Ich habe nie“, sagte er, „die Beunruhigung empfunden, welche einige Andere wegen des neulichen Minister⸗Wechsels aäͤußerten; denn da ich Ver⸗ rauen auf die Reform⸗Akte und auf die Ehre und Red⸗ ichkeit des Englischen Volkes setze, so habe ich, seit⸗ dem jene Akte passirt ist, stets geglaubt, daß die Ent⸗ scheidung in den eigenen Haͤnden des Volkes liege. (Beifall.)

Meine Herren, wenn jemals einer von Ihnen den Kaͤfig gese⸗

hen, in welchem ein Loͤwe eingesperrt war, und in den auch ein

Schooßhuͤndchen geworfen wurde, so ist es ihm gewiß nicht ein⸗ gefallen, daß der Loͤwe Ursache gehabt haͤtte, Beunruhigung zu schoͤpfen, wohl aber der Schooßhund; so wenig braucht sich auch

Stall ist (Beifall und Gelaͤchter).

Reform zugethan gewesen, und dieses Vertrauen beweisen, indem

es se ze

seit dem 15. Nov. Reformer geworden sind.

Huͤndchen in seinen Moͤge nur das

nglands sein Vertrauen auf die setzen, welche immer der

der Britische Loͤwe zu aͤngstigen, nun das

Volk

seinen Repraͤsentanten waͤhlt, nicht aber seinen eigenen en durch die Wahl derer in den Weg treten, die erst

Luͤn 9 Thun Sie das,

und Sie brauchen das Resultat der Wahlen nicht zu fuͤrchten.“

Herr J. Crag, ein Prediger der Dissenters, aber dessenun⸗

geachtet ein eifriger Orangist, will es bei den naͤchsten Parla⸗

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nuente⸗Wa len in Dublin mit Herrn O'Connell aufnehmen. Die Times raͤumt jetzt ein, daß Herr Grote sich bei dem Getuͤmenel in der London⸗Tavern nicht so sehr von Wuͤrde und artgefuͤht entfernt habe, als einige Zeitungen, namentlich der llbion, ber ihm schon prophezeit, daß er bei den naͤchsten Wahlen in der City um seines ungeziemenden Betragens wil⸗ en durchfallen werde, diesem Parlaments⸗Mitgliede Schuld

eben. 1 Folgendes sind die Beschluͤsse, welche am Dienstag von den

Liberalen gefaßt wurden, die sich unter Anfuͤhrung des Herrn Grote aus der Londoner City⸗Tavern, wo die Konservativen die

Adresse an Se. Majestaͤt beschlossen, nach einem anderen Gasthofe

Sonverain wegen der letzten Ausuͤbu gative ihrer S und Anhaͤnglichkeit versichern wollten, nach der Londoner City⸗ d a

wir, die Kaufleute, Banquiers, Ryeder, Haͤndler und Andere, uns

Hegaben und dortihrerseits uͤber den Zustand des Landes verhandelten.

.“

„Da eine Versammlung von Kaufleuten, Banquiers, Rhedern

Tavern einberufen worden war, so versammelten

in Folge diesser seomdigung; als aber der Vorsitzer jener Ver⸗

.

nmagien wir un⸗

ser tiefes die Ernennung von Ministern

Grundsaͤte

sinnun

worden.

rte, daß diese Versammlung nicht zum sondern bloß zum Zweck der Annahme ten Adresse einberufen, und daß Personen,

saeumlung döffentlich erkl.

ner vorher schon abge

die den varin ausgesorochenen Ansichten nicht beistimmten, gar nicht

worden seyen, jener Versammlung beizuwohnen, so ver⸗ an diesen Ort. Wir siehen an Loyalitaͤt hinter kei⸗ oder Versammlung von Seiner Majestaͤt Untertha⸗ und wollen die Koͤnigliche Praͤrogative Sr. Ma⸗ anerkennen und aufrecht erbalten; waͤhrend wir uns aber zu diesen Gesinnungen bekennen, müͤssen wir doch ußleich un⸗ s Bedauern üs die sehee, densdhn. b nasoganipe⸗ Herr elcher das vorige Ministeriu sen wurde, und Sests ,g Avrig 155 vee⸗ 99 he, auch Pyt erklaͤren moͤgen, in Folge ihres fruͤberen Benehmens keinen . vruch auf das d0, g0 des Landes haben. Wir sagen den 3 G. Grote und C. Crawford, unseren Parlaments⸗Repraͤsen⸗ den waͤrmsten und berzlichsten Dank dafuͤr, daß sie stets die sze der Resorm vncesgäse, daß sie den heutigen Verhand⸗ ungen beigewwohnt und diese Gelegenheit benutzt haben, um die Ge⸗ gen ibrer Mitbuͤrger ins Klare zu bringen.. errn Ward in der Lon⸗

eingeladen ier Klasse

en zurück jestaͤt jederzeit

1 Der Timer zufolge, ist die von H

don⸗Tavern vorgeschlagene Adresse an den Koͤnig, worin Sr.

ür die letzte Ausuͤbung der Koͤniglichen Praͤrogative S8gn; 83 kics. 88, vjelen achtbaren Disenters unterzeichnet

Die Oppositions⸗Beätter meinen, die Dissenters haͤt⸗ dies nicht als solche gethan, sondern aus denselben Gruͤn⸗ vermoͤgende Leuie, aus Besorgniß vor Ruhe gestoͤrt wuͤrde.

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ten den, wie viele andere

Verlusten, im Fall die oͤffentliche

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Zu Dungannon haben die Einwohner der Irlaͤndischen Grafschaft Tyrone eine Versammlung gehalten, worin eine ganz im Sinne des jetzigen Ministeriums abgefaßte Adresse an den Koͤnig angenommen wurde.

Lord Stormont hat mehrere der ihm von den Oppositions⸗ blaͤttern in den Mund gelegten Aeußerungen gegen die Resormen oͤffentlich abgeleugnet. G

Von mehreren Seiten aufgefordert, Beweise fuͤr ihre Be⸗ hauptung zu liefern, daß sie von den vorigen Ministern offen und heimlich verfolgt worden sey, theilt die Times heute fol⸗ gendes Billet des Lord Althorp an Lord Brougham vom 11ten Juni d. J. mit: „Mein werther Brougham! Die Sache, wor⸗ uͤber ich mit Ihnen zu sprechen wuͤnsche, ist der Zustand der oͤf⸗

fentlichen Presse und die Erwaͤgung, ob wir der Times offenen

Krieg erklaͤren oder den Versuch machen wollen, Frieden mit ihr zu schließen. Aufrichtigst der Ihrige.“

Saͤmmtliche Bischoͤfe sind von Gerichtswegen aufgefordert worden, sich bei der Verhandlung in Angelegenheiten des Bi⸗ schofs von Winchester und neun Anderer, wegen Ruhestoͤrung und gewaltsamen Angriffs, vor den naͤchsten Assisen in Surrey zu stellen.

Die letzte exekutorische Zehnten⸗Eintreibung in Irland, welche

zu den Vorfaͤllen bei Rathcormac Anlaß gab, hat unter den Katholiken die hoͤchste Erbitterung hervorgerufen. Unter 2941 Bewohnern jenes Distrikts, die verpflichtet sind, den Zehnten zu bezahlen, befinden sich nur 41 Protestanten, und unter diesen gehoͤren 13 zu dem Haushalte des Pfarrers, der den Zehnten sordert. O Connell ließ diesen Vorfall nicht voruͤbergehen, ohne ihn zu seinem Zwecke und besonders zu seinem naͤchsten End⸗ zweck, dem Sturz der Tories, zu benutzen. Ein von der Ti⸗ mes mitgetheiltes Schreiben aus Dublin giebt ein anschauli⸗ ches Bild von seinem Auftreten in der Versammlung der Anti⸗ Tory⸗Assoctation auf der Korn⸗Boͤrse zu Dublin, unmittelbar nach jenem Vorfalle.

„Herr O Connell“, heißt es darin, „nahm den Standard zur Hand, verlas den Brief Sir Robert Peel's an seine Konstituenten und kritisirte jeden Satz desselben im Geiste eines Advokaten des Teufels bei Heiligsprechungen, indem er sein Talent, einen Heiligen zum Suͤnder zu stempeln und selbst die besseren Gruͤnde als die schlechtesten auszugeben, bewaͤhrte. Er kuͤndigte die Aufloͤsung des Phad esits zum Losten an und stellte die Nothwendigkeit eines Lampfes fuͤr die Reform mit einer Energie dar, die kaum groͤßer haͤtte seyn koͤnnen, wenn sein Leben davon abgehangen haͤtte. Waͤh⸗ rend der ganzen Zeit entschluͤpfte ihm auch nicht ein Woͤrt uͤber die endlose Beschwerde wegen der Zehnten. Er hatte vorher meyrfach sich deshalb entschuldigt, daß er lange zu sprechen gendthigt seyn werde; und nun, als er sich der unvermeidlichen Erwaͤhnung des wahrhaft gewichtigen Punktes in dem Briefe Sir Robert's, der Entaͤußerung des Kirchengutes, naͤherte, schien es, als ob sein Geist zuruͤckbebte vor der beabsichtigten Berufung an die Leidenschaften von 7 Millionen Menschen, die er offenbar jetzt zu einem mehr als gewoͤhnlichen und passiven Widerstande gegen das in Sir Robert's Manifest aufgestellte Prinzip aufzubieten beabsichtigt. Er erschien wie ein Mann, der auf einen vom Erdbeben erschuͤtterten Boden tritt, besorgt, einen entscheidenden Schritt zu thun, doch uͤberzeugt, daß eine Bewegung nothwendig sey, welches auch die Folge eines solchen Versuches seyn moͤge. Endlich kam er zu dem feindlichen Paragraphen, und die Versammlung war in aͤngstliche Stille ver⸗ raben. Nachdem er kurz die Bedeutung desselben auseinanderge⸗ seht und sie als eine Kriegs⸗Erklaͤrung gegen Irland bezeichnet hatte, sagte er, er werde den Geist desselben und die Erfolge, zu denen er fuͤhren muͤsse, am besten charakteristren, wenn er einen Brief vorlese, den er an demselben Tage von einem Paͤchter in der Grafschaft Cork, einem Augenzeugen der letzten Zehnten⸗Unruhen in Ratheormac, erhalten habe, und in welchem wS aber in kraͤfti⸗ gen Zuͤgen, das schreckliche Schauspiel beschrieben sey, welches der Briefsteller angesehen hatte. Nachdem O'Connell den Brief verle⸗ sen, legte er ihn ruhig nieder, und ganz gegen seine sonstige Ge⸗ wohnheit, nach welcher er die Rache des Himmels auf die Haͤupter der Blutvergießer herabzurufen pflegte, gab er zunaͤchst sein juristi⸗ sches Urtheil uͤber den Vorfall und versicherte die Zuhoͤrer, daß nach Irlaͤndischen Gesetzen die bei einer Zehnten⸗Beitreibung handelnden

ersonen unter den vorliegenden Umstaͤnden des Mordes schuldig eyen. Er verwandte seine Rednergabe nicht auf Anrufung irdischer Rache oder Gerechtigkeit, deren Wirkung das Echo seiner Rede nicht wuͤrde uͤberlebt haben. Im Gegentheil gab er ein seltenes Beispiel gemaͤßigten Ausdrucks, waͤhrend der bewegte Ton seiner Stimme und seiner Haltung von den Anstrengungen, die er machte, um sich ruhig zu verhalten, Zeugniß gaben und eine noch peinlich ere Aufmerksamkeit bei den Zuhbrern erregten. „Ich tadle die Solda⸗ ten nicht“, rief er zur Verwunderung der versammelten Menge von Zehntenhassern aus (die augenblicklich ihren patriotischen Abscheu vor diesem Erguß der Maͤßigung durch ein unwillkuͤrliches Ohl! laut werden ließen); „doch warum sage ich das?“ fuͤgte er hinzu. „Ja, ich tadle sie, ich muß Jedermann tadeln, der sich selbst ein Lebens⸗Verhaͤlt⸗ niß waͤhlt, in welchem er in die Nothwendigkeit versetzt werden kann, seine Landsleute auf den Befehl eines ritten zu ermorden und im Auftrag ihrer bittersten Feinde zu wuͤrgen.“ (Beifall.) Er erklaͤrte darauf, daß ihm seine Einbildungskraft kaum das Elend und die Verzweiflung zu fassen erlaube, welchem eilf elende Fami⸗ lien ausgesetzt seyen, indem sie so ploͤtzlich ihrer Vaͤter, Bruͤder, Gatten und Beschuͤtzer beraubt worden. Er schilderte in einfachen Zuͤgen den Schrecken, der in die Huͤtte des Armen einkehre, wenn das Haupt der Familie in seinem Blute daliege, und Niemand da sey, um Hoffnung und Trost zu gewaͤhren. Das Jammern der Verwandten, das Gewimmer der Waisen, das Geschrei der Witt⸗ wen gelle in seinen Ohren, und Niemand sey vorhanden, sie zu troͤsten, Niemand, um ihnen Gerechtigkeit und Schutz zu verleihen. Das Land um den Schauplatz der Blutthat her sey erfuͤllt durch die Selbstvergessenheit der Trauer. Haufen kommen, um das Bild des Schreckens zu erblicken; die Weiber kehren zuruͤck, um Un⸗ ruhe, Furcht und Verzweiflung zu verbreiten, die Maͤnner blicken hin in duͤsterm eh eelcen der Verzweiflung, das noch schrek⸗ kenerregender ist, als der lauteste Schrei des Schmerzes. Waͤhrend O'*Connell diese Schilderung machte, zitterte seine Stimme durch tiese Ruͤhrung und versagte ihm bisweilen ganz. Seine Gesichts⸗ zuͤge verzogen sich, sein ganzer Koͤrver war in Aufregung, und es war offenbar, daß er tieses und wahres Mitgefuͤhl bei der schwei⸗

enden Versammlung erregte, die ihn umgab, und die wie angefes⸗ Felt war durch die Gewalt eines starken Geistes, der seine Gefuͤhle in der natuͤrlichen Lebhaftigkeit ergoß, die ihres Eindrucks auf seine Landsleute nicht verfehlen kann, und der endlich um Färgeibgah

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bat, daß er sich erlaubt habe, in ihrer Mitte laut zu denken. J

sah, wie einige der Berichterstatter der Federn niederlegten, um ungestoͤrt zu den Augen vieler Personen entsielen. 1 men, den entscheidenden Schlag zu thun. Ploͤtzlich been⸗ dete O’'Connell sein Gemaͤlde der Schreckens⸗Scenen und rief aus: „Sollen diese schauderhaften Thaten noch ferner im Lande geschehen? Giebt es keine Erlosung von Schrecknissen gleich diesen? Sir Robert Peel sagt, sie sollen ewig dauern! Ewig! Giebt es un⸗ ter den Einwohnern dieses Landes einen Elenden, so herzlos, so al⸗ les Gefuͤhls fuͤr Menschlichkeit und Schaam erledigt, daß er seine Stimme zu Gunsten einer Regierung erheben koͤnnte, die sein Va⸗ terland dem Fluche der Zehnten und dem Blutbade, welches die Beitreibung dieser verfluchten Abgabe verursacht, auf ewig anheim⸗ geben will?“ Lauter Beifall folgte auf diese Apostrophe, und jetzt erst benutzte er seinen Triumpb, die Zehnten⸗Verfechter als Gegen⸗ staͤnde des Abscheus darzustellen. Er erbat und erhielt die Erlaub⸗ niß der Versammlung fuͤr den Ausschuß, eine Adresse an das Voll

Sectange unwillkuͤrlich ihre auschen, und wie Thraͤnen Endlich war die Zeit gekom⸗

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als Manifest bei den bevorstehenden Wahlen zu verfassen, denn ohne Zweifel alles Moͤgliche geschehen wird, um die Wa von der Beguͤnstigung der Tory⸗Kandidaten abzuschrecken.“

Sir W. Follett, der neue General⸗Fiskal, langte am M 3 tag in Exeter an, wo er als Parlaments⸗Kandidat auftritt, und wurde daselbst, wie der Korrespondent der Morning Posth richtet, mit stuͤrmischem Beifall empfangen.

Sir Robert Inglis ist von seiner Reise nach dem Orient

zuruͤckgekehrt; er langte am 22ͤten d. M. in Gessellschaft des Lord John Scott mit dem Dampfboot „Tartarus“ in Fal⸗ 8

a rivatbriefen aus Coruna hatte der Englische schafter in Madrid, Herr Villiers, 8 Verlangen 8.1928 schen Regierung die Britische Fregatte „Castor“ requirirt, un 8000 Gewehre von Corusia nach Santander zu bringen.

Im heutigen Boͤrsenbericht der Times liest man: „D Geschaͤfte in Obligationen der neuen Spanischen Anleihe werde jetzt, sobald die Kontrahenten es fuͤr gut finden, sie an ia Markt zu bringen, auf der gewoͤhnlichen Cours⸗Liste ihren Plie erhalten, doch ist noch kein Schritt in der Sache gethan, un es heißt, die Kontraͤhenten wollten damit bis zur Mitte des nzc sten Monats warten, wo die Zinszahlung mehr Kapital an d Markt gebracht haben wird. Anerbietungen waren da, die Obh gationen al pari zu nehmen; es wurden jedoch keine zum Va kauf gestellt. zum Theil seinen Grund in dem fortwaͤhrenden Geldmangel he der, wenn auch nur wenig Nachfrage nach Geld war, doch a gemein empfunden wurde.

fast auf alle Geschaͤfte am auswaͤrtigen Fondsmarkte einwirkte

da neun Zehntheile derselben sich auf die Svanisce

Staats⸗Papiere beziehen. In diesen praͤdominirten heug die Verkaͤufer bei Weitem uͤber die Kaͤufer, und

nige Verkaͤufe sollen in Folge von Auftraͤgen aus p

ris geschehen seyn, wo die Meinung vorwaltet, daß nach d

Konvertirung der auswaͤrtigen Schuld eine groͤßere Quantite Spanischer Fonds in Umlauf seyn werde, als Europa's Gelh maͤrkte, wenn von fester Anlegung der Kapitalien die Rede sen wuͤrden bestreiten koͤnnen, und daß also, wie sich die Sache am Ende auch gestalten moͤge, anfangs diese Fonds bedeutend fal len muͤßten. Die allmaͤlige Aufnahme der unverzinsten Schll in die zinstragende, wie sie das Gesetz vom 16. November ah ordnet, ist ein Umstand, der den Kapitalisten jetzt große Beden ken erweckt, indem sie darin nur eine jaͤhrliche Vergroͤßerun der Lasten des Landes ohne entsprechende Vortheile erblicke Sie wollen daher schon berechnen, daß die Ruͤckzahlung dae Darlehen an Herrn Rothschild und Herrn Ardouin, nebst der Zinsen der fremden Schuld und den damit verbundene Kosten, die neue Anleihe im Laufe des naͤchsten Iah res beinahe erschoͤpsen und Spanien noͤthigen werde, in Jahre 1836 zu einer neuen Anleihe seine Zuflucht zu nehmen Diese Voraussetzungen scheinen jedoch duͤsterer zu seyn, als e wirklich in der Sache liegt, und man sollte bei der Betrachtung der wichtigen Frage uͤber den Spanischen Kredit nicht vergessen daß jetzt eine wesentliche Verbesserung der Huͤlfsquellen des Lan des erwartet werden darf und wirklich auch, namentlich in de Tabacks, und Quecksilber⸗Kontrakten„diesen Augenblick schon ei

tritt. Dessenungeaͤchtet muß man zugeben, daß die Wichtigkelt des Gegenstandes wohl einige Besorgnisse rechtfertigt.“

Aus Kanada lauten die neuesten Nachrichten sehr beun⸗ ruhigend. In Montreal war im November die Erbitterung zwischen den Einwohnern liberaler und konservativer Prinzipien in offene Feindschaft ausgebrochen und hatte die Stadt waͤhrend vi zehn Tagen in einem Zustande erhalten, in welchem alle Ordnung a geloͤst schien. An einem Tage befand sich die Stadt gaͤnzlich der Gewalt des Poͤbels von der konservativen Partei, welchern tausend Mann stark, mit Waffen aller Art versehen, die Hause der liberalen Deputirten bei der Kolonial⸗Versammlung zerstoͤrt In Quebek dagegen hatte die Aufregung ihren Grund i dem Haß zwischen der Englischen und Franzoͤsischen Partei. fand es fuͤr noͤthig, eine allgemeine Union unter allen Kolont Englischer Abkunft zu stiften, deren Vorstand ein Herr Stua war und die den Namen „constitutionnelle Association“ erhit und zur Aufrechthaltung aller verfassungsmaͤßigen Rechte u der erbindung der Kolonie mit dem Mutterlande bestimmt; Die Opposition der Franzosen gegen die Englaͤnder soll beson ders in der Kolonial⸗Versammlung stark seyn.

New⸗Yorker Zeitungen vom 30. v. M. melden: Schiff „Rhone“ hat 100,000 Dollars als einen Theil der erst Rate der Forderungen, welche unsere Buͤrger an die Neap tanische Regierung zu machen haben, uͤberbracht. Eben so v werden der „Utica“ und die „Formosa“ bringen, die man t lich erwartet.“ s.

Niederlande.

Aus dem Haag, 27. Dez. Dem Vernehmen nach den Se. Koͤnigl. Hebe der Prinz von Oranien in den erstn. Tagen des naͤchsten Monats eine Reise nach London antreten.

Dieser Tage wird hier die ausgezeichnete militairische Bi cher⸗Sammlung des verstorbenen General⸗Majors Wildeman 4s fentlich versteigert werden.

Amsterdam, 27. Dez. Die angenehme Stimmung, welche sich seit ein paar Wochen fuͤr Hollaͤndische Staats⸗Papier⸗ bemerklich machte, hat noch angehalten, und fortwaͤhrende sehr be⸗ deutende Einkaͤufe fuͤhrten wieder eine Preis⸗Verbesserung berbeh welche auch durch die Annahme einiger nanzieller Gesetz⸗Entwuͤrs durch die General⸗Staaten merklich unterstuͤtzt wurde; 2 ⁄rocent⸗ wirkliche Schuld erreichte hierbei 54¼ pCt., die Sprocent. 99 ½½ ⸗z 100 pCt., Kanz⸗Billets 22 x Fl, abproc. Amort. Synd. 92 ½83 un) Aetien der Handels⸗ Gesellschaft 103 pCt. Der Handel in Russi⸗ schen und Oesterreichischen Fonds war unbedeutend, die Preise de⸗ haupteten sich indeß vollkommen; fuͤr Preußische Praͤmien⸗Scheine zeigte sich einiges Begehr, wodurch dafuͤr bis 108 ¾ Fl. bedungen wurde; die hoͤheren Notirungen aus London von Spanischen Schuld⸗ Dokumenten verfehlten nicht, hier einen guͤnstigen Eindruck zu machen; es fand sich auch wieder mehr Frage nach Coupons v Cortes⸗Obligationen, welche seit einiger Zeit vernachlaͤssigt waren, waͤhrend der Festtage sind in den Socletaͤten einige bedeutende Ver⸗ kaͤufe von Perpetuell⸗Obligationen gemacht worden, die deren Courz wieder auf 43 pCt zuruͤckdraͤngten; Cortes⸗Obligationen standen auf 42 Ct. und Coupons auf 26 ½ pCt. Der Zinsfuß des Geldes blieb ohne Veraͤnderung. Vom Getraide⸗Markt laͤßt sich nicht Meldenswerthes sagen, da sowohl wegen der spaͤten Jahreszeit al dee Festtage kein Handel zu Stande kam.

Belgien. 5.

. Bruͤssel, 27. Dez. Der Ritter von Almeida, Portugse sischer Geschaͤftstraͤger zu Bruͤssel, hat gestern einen Courzer dach Muͤnchen an den Herzog von Leuchtenberg abgesandt, um den⸗ selben zu benachrichtigen, daß Se. Hoheit bei seiner Durchreise durch Belgien mit allen seinem Range gebuüͤhrenden Ehren em⸗

pfangen werden wuͤrde. —* 6*“

Die Fonds⸗Boͤrse war heute sehr gedruͤckt, wel

den Ueberdies waren verschiedene G ruͤchte uͤber Fortschritte der Spanischen Karlisten im Umlauf, h.

Deutschland.

Dresden, 30. Dezember. Der gste Geburtstag unsers och- und innigverehrten Koͤnigs am 27sten d. M. ist in der hhen, wo ihn, wie in Leipzig, schon fruͤh kriegerische Musik den Bewohnern ankuͤndigte, mir Liebe und den treusten Wuͤn⸗ schen gefeiert worden. Noch immer ist es dem greisen Monar⸗ chen moͤglich, die alte Lebensweise genau zu beobachten, sehr

üh aufzustehen und sich, so weit es Witterung und die Um⸗ ande erlauben, seinen an frische Luft gewoͤhnten Koͤrper durch Bewegung zu staͤrken. Mit Munterkeit hat er die neue, hoͤhere

sebensstufe erstiegen, aber auch diesmal alle Begluͤckwuͤnschun⸗

gen und Hoffeierlichkeiten abgelehnt. In mehren geselligen Ver⸗ einen wurde der allen Dresdenern doppelt feierliche Tag durch ein Mittagsmahl begangen.

Leipzig, 30. Dez. Aus dem Erzgebirge lauten die Nach⸗ richten vom 23. Dez. dahin, daß seit einigen Tagen tiefer Schnee liege,

und es scheine, als ob es in diesem Jahre zu einiger Dauer der

Schlittenbahn kommen werde. Zu bedauern sey nur, daß vor der Einwinterung nicht noch mehr Wasser geworden sey; denn an diesem litten Muͤhlen, Bergwerks⸗ und andere Maschinen Mangel. Am 23. Dezember fruͤh drei Uhr habe ein ziemlich heftiger Sturm gewuͤthet, der in den Waͤldern viel Schaden durch Schneebruch verursacht haben muͤsse. Von den Na⸗ delbuͤchschen oder Etuis geringster Qualitaͤt wurden in diesem Jahre nicht, wie in Nr. 361 dieser Zeit. steht, eine halbe Million, sondern nahe an eine und eine halbe Million, noch genauer 1,440,000, gefertigt.

Gotha, 1. Januar. Gestern ist Se. Durchlaucht der re⸗ ierende Herzog nebst seinen Soͤhnen und dem Fuͤrsten von Lei⸗ ningen hier eingetroffen, nachdem bereits Tages vorher Ihre Durchlaucht die Herzogin hier angekommen war. Dem Verneh⸗

men nach duͤrfte die Herzogliche Familie in diesem Winter ihre

Residenz hier behalten.

Bremen, 22. Dez. In der neuesten Zeit ist Bremen von

Jahr zu Jahr mehr der E1“ fuͤr den Amerikani⸗ schen, vorzuͤglich fuͤr den Nord⸗Amerikanischen Taback geworden, wofuͤr fruͤher Holland galt. Es war dies eine Folge des unge⸗ mein starken Verkehrs unseres Handels⸗Platzes mit den Vereinig⸗ ten Staaten, der in den letzten Jahren stets zugenommen hat. Man rechnet, daß gegenwaͤrtig hier jaͤhrlich im Verchschnit uͤber 30,000 Faß Amerikanischen Tabacks anlangen und in den Han⸗ del kommen. So große Geschaͤfte in Taback macht kein anderer Europaͤischer Platz. Da diesmal die Tabacks⸗Aerndte in Ungarn mißrathen ist, so war die K. Oesterreichische Tabacks⸗Regie ge⸗ noͤthigt, das Fehlende fuͤr ihren Bedarf durch den Ankauf frem⸗ den Tabacks zu ersetzen. Sie sandte daher Kommissarien nach Amsterdam, wo diese aber weder Vorraͤthe genug zu ihrer Be⸗ friedigung vorfanden, noch auch so billige Preise erreichen konn⸗ ten, wie hier. Sie verließen d er Holland, ohne sich ihrer Auf⸗ traͤge entledigen zu koͤnnen u”’v trafen von da in Bremen ein, wo sie 4700 Faͤsser gekauft höven. Dadurch sind die Magazine auf einmal dergestalt geleert orden, daß sich in diesem Augen⸗ blick wohl nicht mehr als etwa 8000 Faß Taback noch hier auf dem Markt befinden.

Muͤnchen, 27 8. (Leipz. Ztg.) Es bestaͤtigt sich, daß nach dem Willen des Koͤnigs an verschiedenen Orten des Koͤnig⸗ reiches Benediktiner⸗Kloͤster errichtet und denselben das Lehr⸗ amt der Gymnasien zugewiesen werden soll. (Vgl. den Art. Muͤnchen in Nr. 362 der St.⸗Ztg.) Die weltlichen Studien⸗ Lehramts⸗Kandidaten erlangen bereits allmaͤlig in weit gerin⸗ gerem Verhaͤltniß eine Anstellung, als die Geistlichen. In jene Kloͤster sollen nur die in der Philologie gut bewanderten Stu⸗ denten aufgenommen werden. Die Ruͤckkehr zu fruͤheren, in Bayern seit dem Beginn des gegenwaͤrtigen Jahrhunderts ver⸗ enen Verhaͤltnissen ist sonach in dieser Hinsicht unver⸗ kennbar.

Die Portugiesischen Deputirten haben dem Herzoge von Leuchtenberg saͤmmtliche Koͤnigl. Portugiesische Orden uͤberbracht.

Die hiesige Polizei hat, um die Bettelei in hiesiger Stadt gäͤnzlich auszurotten, eine vielfach begruͤndete Verfuͤgung erlassen, nach welcher in Zukunft die Bettler wie die Almosengeber so be⸗ straft werden sollen, als waͤren jene Frevler gegen die oͤffentliche Sicherheit, diese aber Beguͤnstiger jenes Frevels. Der Ter⸗ min der hiesigen Industrie⸗Ausstellung ist bis zum Schlusse un⸗ serer Dreikoͤnigsdult verlaͤngert worden. Die Actiten⸗Vertheilung (das Loos zu 1 Fl.) geht so gut von Statten, daß ungefaͤhr das 14. Loos eines Gewinnstes von den ausgestellten kausbaren Ge⸗ genstaͤnden theilhaftig werden kann.

Der Geheime Rath v. Utzschneider, der sich hier seit einer Reihe von Jahren mit der Fabrication von Zucker aus Runkel⸗ ruͤben beschaͤftigt, und es hierin so weit gebracht hat, daß 20 Centner Runkelruͤben einen Centner Zucker von ausgezeichneter Guͤte geben, hat der K. Regierung einen umfassenden Plan vor⸗ gelegt, nach welchem von den 2 Mill. in Bayern unbebaut lie⸗ genden Tagwerken 20,000 Tagwerke mit Runkelruͤben bepflanzt werden sollen; dadurch (berechnet der genannte Patriot) wuͤrden 80,000 Ctr. Zucker (so viel ist der jaͤhrliche Bedarf fuͤr Bayern) gewonnen und es duͤrften dann 4 Millionen Gulden weniger ans Ausland bezahlt werden. Es verlautet noch nicht, welche Folge die Regierung den wohlgemeinten Wuͤnschen und Vor⸗ schlͤgen des Hrn. v. Utzschneider gegeben habe.

In den Bayerischen Hochgebirgen, besonders bei Tegernsee, ist so viel Schnee gefallen, daß die Communication unterbrochen worden ist. In Muͤnchen war am 26. Dezember die erste Hof⸗ Schlittenfahrt.

Stuttgart, 30. Dez. Das Regierungs⸗Blatt enthaͤlt eine Verfuͤgung des Finanz⸗Ministeriums, betreffend die Revision des Gewerbesteuer⸗Kartasters. Es wird darin gesagt: „Die Erhaltung einer verhaͤltnißmaͤßigen Gleichheit in der Steuerreichung macht es nothwendig, das Gewerbesteuer⸗Ka⸗ taster einer periobischen Revision zu unterwerfen, fuͤr welche bisher ein Zeitraum von sechs Jahren angenommen worden ist. Nachdem im Jahr 1829 eine solche Reviston vorgenommen und mit dem Etats⸗Jahr 18 ¾ das Ergebniß derselben erstmals in Anwen⸗ dung gebracht worden ist, so tritt mit dem Jahr 1835 wieder der Zeitpunkt einer neuen Revision ein, welche der Steuer⸗Um⸗ lage von 18 ¾8vi an zur Grundlage dienen soll.“

Darmstadt, 30. Dezember. Im dritten Wahl⸗Bezirke von Starkenburg (Langen) wurde heute an die Stelle des Hrn. E. E. Hoffmann, der diesen Bezirk auf den beiden letzten Land⸗ tagen, bekaͤnntlich als eines der heftigsten Mitglieder der Oppo⸗ sition, vertrat, Hr. Rechnungs⸗Kammerrath Maurer gewaͤhlt, ein sehr achtbarer Beamter, der fruͤher in diesem Bezirke angestellt war, also sich noch des Vertrauens desselben erfreut. Hr. Mau⸗ rer erhielt 12, Hr. E. E. Hoffmann nur 10 Stimmen. Auch im zwoͤfften Wahl⸗Bezirke von Starkenburg (Großbiberau) er⸗ langte die gute Sache wieder einen Sieg. Hr. Weyland, Hof⸗

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gerichtsrath he Darmstadt, eines der ausgezeichnetsten Mitglieder der Minoritaͤt der aufgeloͤsten Landtage, gleich gediegen in seinen Arbeiten und als Redner, der bekanntlich jener kuͤhnen Majori⸗

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taͤt in ihren Angriffen auf die Bundes⸗Beschluͤsse von 1832 ꝛc.

zuerst entgegentrat und zu deren Vereitelung wesentlich beitrug, wurde einstimmig wieder gewaͤhlt.

Mainz, 29. Dez. Die hiesigen Wahlmaͤnner haben heute Vor⸗ mittag Hrn. Peter Mayer, Lederhaͤndler, und den Praͤsidenten Aull zu Deputirten der Stadt Mainz bei dem naͤchsten Land⸗ tage gewaͤhlt. Vorher hatte Kertel, vieljaͤhriger Vertreter hiesi⸗ ger Stadt, ein Schreiben bei saͤmmtlichen Wahlmaͤnnern in Umlauf gesetzt, worin er, wegen geschwaͤchter Gesundheit, im Voraus auf jede neue Wahl Verzicht leistete.

Frankfurt a. M., 24. Dez. Die freien Staͤdte haben wegen des Schieds⸗Gerichts eine Uebereinkunft getroffen, wonach fuͤr die Jahre 1835 bis 1837 die Staͤdte Bremen und Hamburg, dann fuͤr die folgenden drei Jahre Frankfurt und Luͤbeck die Schiedsrichter erwaͤhlen; von Bremen ist nun Herr Senator Horn, von Hamburg Hr. Senator Monkenberg gewaͤhlt worden.

Frankfurt a. M., 26. Dezember. (Hamb. Korr.) Vor einigen Tagen ist der Niederlaͤndische General⸗Lieutenant und bepollmaͤchtigte Minister am Franzoͤsischen Hofe wiewohl jetzt

reist; sogleich verbreitete sich das Geruͤcht, derselbe habe eine Mission seines Souverains beim Deutschen Bunde in Betreff Luxemburgs auszufuͤhren. Hr. Baron Fagel hielt sich aber nur einige Stunden hier auf. Er kam von Genf, woselbst er seinen kranken Bruder, den K. Niederlaͤndischen Staatsrath Fagel be⸗ suchte. Im September d. J. kam der General auf der Hin⸗ reise durch unsere Stadt, wurde in Genf selbst krank und ver⸗ weilte deswegen daselbst so lange.

Der aus dem Frankfurter Journal in Betreff einer Berau⸗ bung des von Mainz nach Frankfurt gehenden Postwagens auch in andere Blaͤtter uͤbergegangene Artikel erfordert zur Steuer der Wahrheit folgende Berichtigung: In der Nacht vom 21. auf den 22. Dez. wurden von gedachtem Postwagen verschiedene Gegenstaͤnde entwendet, diese aber saͤmmtlich bis auf einen unbedeutenden Theil wieder aufgefunden. Das den hinteren Packraum des Wagens verschließende Leder wurde naͤmlich mit solcher Heimlichkeit durchgeschnitten und die Gegenstaͤnde mit solcher Vorsicht von dem Wagen entwendet, daß weder der Po⸗ stillon noch einer der im Wagen befindlichen fuͤnf Passagiere die Entwendung eher erfuhren, als bis im Ramhofe zu Frankfurt der Wagen ausgepackt wurde; es kann deshalb von einer Berau⸗ bung nicht die Rede seyn.

Am 2ästen d. Abends um 9 ¼ Uhr wurde das Orchester⸗Mit⸗ glied Golmick hier, als derselbe aus der Wohnung der bekannten Saͤngerin, Madame Fischer⸗Achten, durch den „rothen Hof“ nach Hause ging, von mehreren Personen angefallen, zu Boden gerissen und wie man behauptet mit einem Dolche in die linke Brust gestochen; schon fruͤher wurde Herr Golmick gleich⸗ falls des Abends uͤberfallen und geschlagen. Verschiedene von ihm geäaͤußerte Ansichten uͤber das Kunsttalent einer am hiesigen Theater angestellten geschaͤtzten Saͤnger⸗Famille koͤnnen vielleicht als Ursache diesem verabscheuungswerthen Attentate zu Grunde liegen; von einem politischen Motiv ist hier gar keine Rede. Dieser Mordversuch unterliegt einer strengen Untersuchung.

Oesterreich.

Wien, 25. Dez. Die Oesterreichische Brigantine „Holl⸗ stein“, auf welcher sich mehrere Pestfaͤlle ereignet hatten, hat bei Galacz eine vierzigtaͤgige Quarantaine uͤberstanden, binnen wel⸗ cher sich kein verdaͤchtiger Fall mehr auf diesem Schiffe gezeigt hat, daher wurde die von der Wallachischen Regierung gegen die Moldau angeordnete Sperre laͤngs dem Flusse Szereth wie⸗ der aufgehoben. Der Gesundheits⸗Zustand in der Moldau und Wallachei, der durch den „Hollstein“ einigermaßen kompromittirt war, hat sich waͤhrend dieser Zeit als vollkommen beruhigend er⸗ wiesen; es tritt also in den Oesterreichischen Quarantaine⸗An⸗ stalten an der Graͤnze der beiden Fuͤrstenthuͤmer die zweite Kon⸗ tumaz⸗Periode fuͤr Reisende ein, welche von nun an auf fuͤnf Tage ermaͤßigt ist, und es so lange bleibt, als die Quarantaine in diesen Faͤrstenthuͤmern gegen die uͤbrigen Tuͤrkischen Provin⸗ zen fortbestehen wird. Die erste und dritte Periode bleiben un⸗ veraͤndert. Die erste findet statt, wenn in der ganzen Europaͤi⸗ schen Tuͤrkei keine Spur der orientalischen Pest vorhanden ist, und besteht bloß in einer sanitaͤtsamtkichen Reinigung durch Waschen und Raͤuchern, welche ohne weitern Aufenthalt des Rei⸗ senden sogleich vorgenommen werden muß. Die zweite mit einer Dauer von fuͤnf (fruͤher zehn) Tagen tritt ein, wenn zwar, wie jetzt der Fall ist, die beiden Fuͤrstenthuͤmer frei sind, aber in irgend einer andern Tuͤrkisch⸗Europaͤischen Provinz die Pest herrscht. Dringt das Uebel in die Moldau und Wallachei selbst, dann muͤssen alle Reisenden die dritte Kontumaz⸗Periode mit 20 Tagen aushalten. In Hinsicht auf giftfangende Waaren ist bis⸗ her keine neue Herabsetzung der Perioden erfolgt, sondern es bleibt fuͤr Waaren aus den beiden Fuͤrstenthuͤntern die Zeit von zehn Tagen zur Reinigung festgesetzt, wobei jedoch genaue Ursprungs⸗Certifikate zur Legitimation gefordert werden, fuͤr Waaren hingegen, die aus anderen Tuͤrkischen Provinzen kom⸗ men, die Kontumaz⸗Periode von 20 Tagen, ohne Unterschied, ob sie in den jenseittgen Anstalten schon gereinigt worden sind, oder nicht.

Der Nuͤrnberger Korrespondent schreibt aus Wien vom 24. Dez. „Se. Koͤnigl. Hoh. der Kronprinz von Bayern wird den kuͤnftigen Karneval hier zubringen. Er scheint sich in Wien zu gefallen, auch laͤßt die Kalserl. Familie keine Gelegenheit voruͤbergehen, um dem erlauchten Gaste den Aufent⸗ halt angenehm zu machen. Der Fuͤrst Paul Esterhazy ist seit seiner Ruͤckkehr von Berlin jeden Augenblick zum Abgang nach London bereit, welcher wahrscheinlich erfolgen duͤrfte, sobald das neue Englische Ministerium konstituirt seyn wird. Der Sieg des doctrinairen Kabinets in Frankreich hat hier nicht befrem⸗ det; man weiß, daß dort die Macht der Rede viel vermag, darum sieht man auch in Frankreich bei Bildung eines Ministeriums mehr auf rhetorische als administrative Talente; und eben daher ruͤhrt auch, daß ein Kabinet dort aufgeloͤst wird, sobald es vom Reden zum Handeln schreiten soll. Im Hause unseres Fuͤr⸗ sten Staats-Kanzlers werden bereits Vorbereitungen zur Ver⸗ maͤhlung seiner Tochter, der Prinzessin Leontine Metternich, mit dem Ungarischen Grafen Sandor getroffen. Der Kaiser hat dem kuͤnftigen Eidam des Fuͤrsten die Kaͤmmererwuͤrde verliehen.“

Trriest, 21. Dez. (Allg. Ztg.) Aus Korfu ist Nachricht eingegangen, daß ganz Albanien in Aufstand sey. Die Albaneser haben der Pforte den Gehorsam verweigert, und uͤüber⸗ all die Tuͤrkischen Behoͤrden vertrieben. Sie verlangen, nach einem ihnen angeblich fruͤher gemachten Versprechen, entweder

Unabhaͤngigkeit, gleich Griechenland, oder Einverleibung mit die⸗

sem Staate, jedoch mit dem Vorbehalte, im Genusse gewisser Privilegien zu bleiben. der Oberherrschaft der Pforte entziehen, ist wohl noch sehr

problematisch. Inzwischen ist das ganze Land in Aufstand, und

die Insurgenten sind bereits im Besitz einiger festen Plaͤtze: un⸗

ter anderen haben sie sich der Festung Berat bemaͤchtigt, welche

sie zum Mittelpunkte ihrer Operationen machten. Eine Abthei⸗ lung Albaneser marschirte auf Janina, und wird diese Stadt, die nur eine schwache Garnison haben soll, vermuthlich nehmen. In Berat ist eine provisorische Regierung zu Leitung der öͤffent⸗ lichen Angelegenheiten niedergesetzt. Mehrere Tataren waren mit der Ungluͤckspost nach Konstantinopel geeilt, wo man dadurch hoͤchst unaagenehm uͤberrascht seyn wird. Auf jeden Fall wird die Pforte Alles aufbieten, um eine soͤ wichtige Provinz, wie Albanien, unter ihre Botmaäͤßigkeit zuruͤckzufuͤhren, und die Al⸗ baneser werden demnach einen harten Kampf zu bestehen haben.

Spanien.

Madrid, 20. Dez. In der Sitzung der Prokuradoren⸗ Kammer vom 18. Dezember wurde die Civil⸗Liste der Koͤnigin Isabella auf 24 Millionen Realen, der Koͤnigin⸗Regentin auf

V 9 e geien Don Francisco de Paula auf 3 3 ½ Millionen Realen festgestellt. mit Urlaub von Paris abwesend Baron Fagel, hier durchge⸗ sti sestgest

Wegen der dem Don Seba⸗ stian zu bewilligenden 3 Millionen erhob sich eine lebhafte De⸗ batte, und namentlich behauptete der Graf de las Navas, Na chs die Minister das Gegentheil versicherten, daß der Infant Don Sebastian weder der Koͤnigin, noch dem Koͤnig⸗ lichen Statut den Eid geleistet habe; er koͤnne daher auch nicht an der Civil⸗Liste Theil nehmen. Seine Abwesenheit lasse sich gar nicht entschuldigen. Die Kammer bewilligte jedoch die 3

illionen, verwarf aber die fuͤr die Prinzessin von Sachsen, Tochter der Herzogin von Lucca, ausgesetzte Summe.

Bei Eroͤffnung der Sitzung vom 1gten fragte der Graf de las Navas die Minister, ob keine naͤheren Nachrichten uͤber die in Navarra gegen die Insurgenten erfochtenen Siege eingegangen seyen. Der Minister Martinez de la Rosa er⸗ wiederte, daß die Regierung gestern Abend die offizielle Bestaä⸗ tigung der von den Truppen der Koͤnigin am 12ten errungenen Vortheile, aber noch nicht den umstaͤndlicheren Bericht öber die beiden Siege erhalten habe. Er fuͤgte hinzu, die Unordnung unter den Truppen der Insurgenten nehme in solchem Grade zu, daß ein Offizier auf Zumalacarreguy geschossen habe, und daß der Brigadier Bedoya, welcher den Ebro vertheidigen sollte, auf das linke Ufer hinuͤbergegangen sey, wodurch die Streitkraͤfte der Armee in Navarra vermehrt wurden. An der Tagesordnung war die Diskussion des Budgets fuͤr das Departement der auswaͤrtigen Angelegenheiten. Herr Gonza⸗ lez sprach gegen die große Zahl von Gesandten, bevollmaͤchtig⸗ ten Ministern und Minister⸗Residenten, so wie gegen die Erhoͤ⸗ hung ihres Gehaltes. Da die Gesandtschaften vorzuͤglich solchen Personen uͤbertragen wuͤrden, die ein großes Vermoͤgen besaͤßen, so sollten sie diese Aemter gratis uͤbernehmen und sich mit der Ehre, die Nation zu repraͤsentiren, begnuͤgen. Herr Martinez de la Rosa hielt eine lange Rede uͤber die verschiedenen Ab⸗ theilungen seines Ministeriums und uͤber die von der Kommis⸗ sion vorgeschlagenen Einschraͤnkungen und bemerkte zuletzt noch, daß das vorjaͤhrige Budget des Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegenheiten 12 Millionen Realen betragen habe, waͤhrend das diesjaͤhrige sich nur auf 8 Millionen belaufe. Herr Ar⸗ guelles beschwerte sich daruͤber, aufhielten, welche die Koͤnigin noch nicht anerkannt haͤt⸗ ten, und daß die Minister bei den fremden Hoͤfen um die Anerkennung der Koͤnigin bettelten. Er wolle jedoch durch diese Worte keinesweges die Minister beleidigen, er stimme sogar fuͤr die Bewilligung der ganzen geforderten Summe. Dasselbe that der Graf de las Navas, welcher bei dieser Gelegenheit einige Handlungen der Regierung tadelte und namentlich es sehr be⸗ klagte, daß man sich der Abreise des Don Carlos aus Portugal nicht widersetzt habe. Herr von Toreno erwiederte auf den Vorwurf des Herren Arguelles in Betreff der Anerkennunz der Koͤnigin, daß dem Redner wahrscheinlich der persoͤnliche Charak⸗ ter der Minister unbekannt sey, wenn er sie fuͤr faͤhig halte, um eine bloße Foͤrmlichkeit zu betteln. Uebriagens befaͤnden sich an den Hoͤfen, von denen er gesprochen keine Gesandten und man habe sie in dem Buodget nur aufgefuͤhrt fuͤr die Zeit, wo die Verbindungen wieder wie fruͤher hergestellt seyn wuͤrden. Was Don Carlos betreffe, so sey er nie Spani⸗ scher, sondern Portugiesischer Gefangener gewesen. Die Ehre der Portugiesen erlaubte aber nicht, einen Fluͤchtling, der sich in ihren Schutz daseen⸗ auszuliefern. Die Regierung wuͤrde in Hinsicht Dom Miguel's ebenso gehandelt haben. Die Dis⸗ kussion wurde hiermit beendigt und die Pruͤfung der einzelnen Artikel des ministeriellen Entwurfes von den 119 anwe enden Mitgliedern einstimmig beschlossen.

Man schreibt Madrid vom 17. Dez.: „Die Thaͤtigkeit des neuen Kriegs⸗ Ministers erregt große Hoffnungen, doch giebt die K eftigkeit seines Charakters zu Besorgnissen Anlaß. Er beabsichtigt die Reorganisirung der Armee und hat deshalb schon eine Konfe⸗ renz mit der Koͤnigin gehabt, die ihm unumschraͤnkte Vollmacht dazu ertheilt haben soll. Das Stillschweigen der Regierung uͤber die Anleihe giebt zu verschiedenen Bemerkungen Anlaß. Man sagt in einigen Zirkeln, daß die Regierung nur eine Au⸗ leihe von 200 Millionen Realen zu 60 pCt. gemacht habe, die Anleihe der anderen 200 Millionen Realen aber später unten vortheilhafteren Bedingungen abschließen werde.“

Griechenland.

In einem Schreiben aus Nauplia vom 16. Nov. heißt es: „Nach der Angabe eines hiesigen Blattes (der Atk, ina) sol⸗ len jene Samioten, welche nach unserem Staate ausgewandert waren, wieder nach Samos zuruͤckgekehrt seyn, indem ihnen der Sultan nicht nur Verzeihung des Geschehenen zugesichert, son⸗ dern auch die bereits konfiszirten Guͤter wieder zuruͤckgegeben habe. Der Abreise des Koͤnigl. Bayperischen Gesandten, Herrn von Gasser, sieht man naͤchstens entgegen; er hat bereits alle Anstalten zur Abreise getroffen. Auch das Regentschafts⸗Mit⸗ glied, Herr von Heideck, soll Vorbereitungen zur Abreise von Griechenland machen. Der K. K. Oesterreichische Gesandte Herr von Prokesch, wird stuͤndlich erwartet; seine beiden Se⸗ cretaire sind bereits hier eingetroffen. Der alte Kolokotroni war gefaͤhrlich krank; er befindet sich wieder auf dem Wege der Besserung. Von den wegen des letzten Aufstandes Proze ssirten sind mehrere zum Tode verurtheilt, aber einige hiervon von Or Majestaͤt begnadigt worden; andere wurden zu mehrjéhriger Ket⸗ tenstrafe verurtheilt, noch andere freigesprochen. Die Engli⸗ sche Fregatte „Madagaskar“, die seit laͤngerer Zeit vor unserm Ha⸗ fen lag, ist unlaͤngst nach England zur ckgekchrt.“ 1

Der Albion enthaͤlt folgendes Schreiben aus

vom 28. November: Nauplia

„Die Baper;sche Regentschaft ist, wie ge⸗

Ob es ihnen nun gelingen wird, sich

daß sich Gesandte an Hoͤfen

(in Franzoͤsischen Blaͤttern) aus 8