1835 / 5 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Präsident des Schatztammer⸗Gerichts: Sir James

Scarlett. 8 Vice⸗Kanzler: Sir Launcelot Shadwell. Kriegs⸗Secretair: Herr Herries. Ober⸗Stallmeister: Herzog von Dorset. Vice⸗Präͤsident der Handels⸗Kammer und Schatz⸗

meister der Marine: Viscount Lowther. 8 8 General⸗Advokat: Sir John Becket. Ober⸗Befehlshaber der Landmacht: Lord Hill. 1 Secretaire des Schatzamts: Sir George Clerk und Sir

Thomas Freemantle.

Erster Kommissar der Forsten und Waldungen⸗ Lord Granville Somerset. b Lord⸗Lieutenant von Irland: Graf von Haddington.

Erster Secretair des Lord⸗Lieutenants von Irland:

Sir Henry Hardinge.

Kammerherren des Koͤnigs: Graf von Verulam, Graf von Sheffield und Viscount Sydney. 1 Schatullenbewahrer: General⸗Major Wheatley.

General⸗Feldzeugmeister: Sir George Murray. Lord⸗Kanzler von Irland: Sir Edward Sugden. Befehlshaber der Streitkräfte in Irland: General⸗

Lieutenant Sir R. H. Vivian. Lord⸗Advokat fuͤr Schottland: Sir William Rae.

Dem Courier zufolge, soll auch dem Grafen von Chester⸗ field eine Stelle in der neuen Verwaltung zugedacht seyn.

Herr Planta, einer der neu ernannten Kommissarien der Ostindischen Kontrolle, wird das mit diesem Posten verbundene Gehalt nicht beziehen, weil er als Unter⸗Staats⸗ Secretair eine ͤhrliche Pension von 1500 Pfund bezieht, eine Summe, die, wie der Courier glaubt, das Gehalt eines Kommissars der Ost⸗ indischen Kontrolle uͤbersteige.] Herr Planta hofft, fuͤr Hastings gewoͤhlt zu werden, wo jedoch auch die jetzigen Repraͤsentanten, Herren Warre und North, wieder als Kandidaten auftreten. Der Dubliner Evening⸗Post zufolge, hat zwischen den Lords Brougham, Grey, Durham und Stanley und Sir Ja⸗ mes Graham eine vollkommene Aussoͤhnung stattgefunden.

Auf eine angenehme Weise uͤberraschte die Ernennung des Herrn Ellis zu dem wichtigen Gesandtschaftsposten von Persien. Ellis gehoͤrt der Grey'schen Familie an. Freilich war hier, nachdem Elphinstone welcher der geschickteste Mann fuͤr die General⸗Gouverneurstelle von Idien gewesen waͤre, wo er so sehnlich gewuͤnscht wird die Sendung ausgeschlagen hatte, die Wahl nicht mehr groß, da in genauer Kenntniß der Sprache und Verhaͤltnisse in Persten wenige sich mit den beiden Genann⸗ ten messen koͤnnen.

Lord Hill ist nach seinem Landsitz in der Naͤhe von Shrews⸗ fury, der Herzog von Northumberland nach Alnwick Castle und der Herzog von Devonshire nach Kemptown von hier abgereist.

Lord Dudley Stuart gab dieser Tage ein großes Diner, zu welchem auch mehrere der hoͤheren Polnischen Offiziere ein⸗

laden waren. Der Spanische Gesandte, General Alava, den man naͤch⸗ stens hier erwartet, wird das neue Gesandtschasts⸗Hetel auf dem Portland⸗Platz einnehmen, welches nach einander von den Fuͤr⸗ sten Polignac und Talleykand bewohnt wurde.

Herr G. 115 als Koͤnigl. Griechischer Gesandt⸗

schafts⸗Secretair hier angekommen. 8 8 Globe sagt: 9Die Gemeinde⸗Raths⸗Wahlen in den City⸗Bezirken haben gezeigt, daß die Tories durchaus nicht die Staͤrke und den Einfluß in der City besitzen, wie man glaubte. Mehr als zwei Drittheile der neuerwaͤhlten Gemeinde⸗Raͤthe sind esetae obgleich man das Gegentheil mit Bestimmtheit vorausgesagt hatte.“ 1

In 18 vom Globe mitgetheilten Schreiben aus Du⸗ blin vom 24. Dez. heißt es: „Die Tories haben beschlossen, an dem Wahlkampf in der Stadt und Grafschaft Dublin, in den Grafschaften Meath und Roscommon, den Staͤdten Youg⸗ Hal, Carlow, Drogheda und in anderen Orten, wo die libera⸗ len Waͤhlerschaften vorherrschen, Theil zu nehmen. Ueberall duͤrften sie indessen ihr Geld ausgeben, ohne ein einziges Mit⸗ glied dadurch zu gewinnen. Das letzte Blutbad wegen der Zehn⸗ ren hat uͤber die Wahlen entschieden. Herr G. R. Dawson, Aomiralitaͤts⸗Secretair, welcher in Devonport durchgefallen ist, begiebt sich jetzt nach Londonderry, wo er auch keine Aussich⸗ en hat.“ 8 Die Times nennt die gegenwaͤrtige Opposition „die Berg⸗ Partei des Unterhauses.“ Der Globe witzelt daruͤber und raͤth der Times, daß sie doch den Fuͤrsten Polignac, da in Pa⸗ vis von dessen Freilassung die Rede sey, und sie, die Times, ihm schon ihn fruͤheren Zeiten hohe Verehrung bewiesen, moͤchte heruͤber nach England kommen lassen, damit er die neuen Mini⸗ ser im constetutionnellen Benehmen unterweise.

Durch den in Paris erfolgten Tod des General Lieutenants Sir W. Kepple ist die Stelle des Gouverneurs von Guernsey und Obersten des 2ten Infanterie Regiments erledigt. Sir W. Kepple war ein vertrauter Freund des Koͤnigs Georg 1V. und haf, da er schon 1788 in die Armee eintrat, 46 Jahre im Dienste gestanden. Er diente in Nord⸗Amerika und Westindien, wurde im Jahre 1803 General⸗Lieutenant und war Kammer⸗ heir bei dem verstorbenen Koͤnige und Mitglied des Geheimen⸗ Rathes. Der Tod dieses ausgezeichneten Offiziers war di⸗ Zeranlassung zu der Reise des Grafen von Albemarle nach Pa⸗ ris, der ein Seiten⸗Verwandter und der Erbe des Verstor⸗

enen ist. Dir bary Canning ist am Mittwoch Abend aus ihrem Hause ein sehr betraͤchtlicher Werth an Juwelen und Geschmei⸗ e gestohlen worden. 8 9eh; kurzem weiteten zwei Personen an einem Sonntage, daß sie in keiner von den ersten zwoͤlf Kirchen, von der London⸗ Bruͤcke aus, 100 Personen antreffen wuͤrden. Sie fanden in einer Kirche 20, in einer anderen 6, in einer dritten den Kir⸗ chendiener und einen alten Mann und so fart, so daß in allen 12 Kirchen zusammen sich noch nicht 100 Zuhoͤrer befanden.

Briefe von den Prinz⸗Edwards⸗Inseln melden, daß die dortige gesetzzebende Versammlung durch Sir. A. W. Young ausgeloͤst ist und die Wahlausschreiben auf den 29. Dez. erlassen worden sind. b

Ueber Englands Verhältnisse zu Persien liest man in oͤf⸗ sentlichen Blättern: „Der Tod des Schahs von Persi n a ein Ereign’ß, das man laͤngst voraussah, da er an einem sehr hewigen Asthma litt, das aber nichtsdestoweniger die Englische Diplomhatie unvorbereitet trifft. Der Herzog von Wellington hatte gegem das Ende seines fruͤheren Ministeriums den Ent⸗ schluß gefaßt, Maßregeln zu nehmen, um den Englischen Ein⸗ fluß in Persten wiever herzustellen, aber die Frangoͤsische Revo⸗ I tion und die darauf fozgenden Ereignisse hinderten ihn daran, und seine Nachfolger, die Whigs, waren so sehr in ihre be⸗ s(hraͤnkten Englischen Lokal⸗Interessen versunken, daß sie alle aus⸗ waͤrtigen Angelegenheiten liegen ließen. Die Ostindische Com⸗

Aus dem Haag, 29. Dez. . folge, wird den Offizieren, Unteroffizieren und Aerzten der in

pagnie, welche fruͤher große Opfer gebracht hatte, um Persien gegen Franzoͤsischen und Russischen Einfluß zu sichern und ihm eine Armee zu verschaffen, war durch die Ungewißheit der Erneuerung ihrer Charte paratysirt. Dazu kam, daß der Englische Gesandte in Persien starb und die Stelle wegen eines Konflikts der Regierung und der Compagnie 18 Monate unbesetzt blieb. Kurz, die Interes⸗ sen von England in Persien sind seit vier Jahren auf eine un⸗ erhoͤrte Art vernachlaͤssigt worden. Das Einzige, was geschah, war, daß der Oberst Pasmore mit einer Abtheilung von Bom⸗ bay nach Teheran geschickt wurde, um die regelmaͤßigen Truppen zu instruiren, was eine laͤcherliche albe Maßregel war. Denn Niemand konnte zweifeln, daß nach dem Tode des Koͤnigs ein buͤrgerlicher Krieg entstehen werde, der den Thronfolger, wer er auch seyn mochte, in die Haͤnde der Europaͤischen Macht werfen mußte, die ihm Truppen zur Bekaͤmpfung der Praͤtendenten anbieten konnte, und wenn es auch mit der Aufopferung der

Unabhaͤngigkeit von Persien verbunden waͤre.“

Niederlande. Einem Koͤnigl. Befehle zu⸗

ihre Hetmath entlassenen Schutters, auf ihr Verlangen ebenfalls Urlaub ertheilt, wenn ihre Anwesenheit bei den Cadres der Corps nicht noͤthig ist.

Amsterdam, 27. Dez, „Bereits vor einiger Zeit“, sagt das Handels blad, „haben wir den in Belgien herrschenden und durch Belgische Blaͤtter mitgetheilten Geruͤchten widerspro⸗ chen, als wuͤrden unsererseits Vorbereitungen zu einem Angriff auf unsere suͤdlichen Nachbarn getroffen. Der Erfolg hat bis diesen Augenblick bewiesen, daß wir volles Recht hatten, solche, der Himmel weiß in welcher Absicht ausgesprengte Geruͤchte Luͤ⸗ gen zu strafen. Wenn nun aber dessenungeachtet ein Minister vor den Repraͤsentanten des Belgischen Volks auftrat, und, um die Bewilligung eines fuͤr das Kriegs Departement begehrten Ergaͤnzungs⸗Kredits zu erlangen, dieses sein Begehren auf die streitsuͤchtige Haltung begruͤndete, die Holland ploͤtzlich angenom⸗ men habe, auf die Ruͤstungen, Rekrutirungen, Verproviantirun⸗ gen und was alles noch sonst mehr, welche unsererseits vorgenom⸗ men wuͤrden, da glaubten wir, bevor wir diesen Behauptungen widerspraͤchen, zuvor erst unwidersprechliche Kunde einziehen zu muͤssen. Wir dachten, eine solche ministerielle Versicherung koͤnne doch wenigstens nicht ohne allen Grund seyn, und wir beeilten uns daher, von unseren Korrespondenten beim Heere und in den Graͤnz⸗Festungen die noͤthigen Erkundigungen einzu⸗ ziehen. Und diese melden uns nun einstimmig, daß beim Heere keine ungewoͤhnliche Bewegung herrsche, daß in den Festungen, die sich freilich noch immer in einem tuͤchtigen Vertheidigungs⸗Zu⸗ stande befaͤnden, doch in der letzten Zeit in diesem Zustande nichts sey veraͤndert worden, daß die Truppen, welche in kleinen Ab⸗ theilungen nach dem Heere gesendet wuͤrden, keine andere seyen, als die aus den Depots nach den respektiven Corps zu dem Ende abgehenden Mannschaften, um die auf Urlaub in ihre Heimath ruͤckkehrenden Milizen abzuloͤsen; daß es mit dem Graͤnzdienste nie minder streng genommen worden als jetzt; daß alles dies um so bemerkenswerther erscheine, als das Feldheer durch die Ruͤckkehr der Schutterei und Freiwilligen, so wie durch die zahlreichen Urlaubs⸗Ertheilungen an Zahl so betraͤcht⸗ lich geschwaͤcht worden; endlich, daß es niemals leich⸗ ter gewesen, Urlaub zu erhalten, selbst auf sehr ge⸗ raume Zeit, ein Umstand, den sich die Mannschaft in großer Zahl zu Nutzen gemacht habe und noch fortwaͤhrend mache. So lauten die einstimmigen Berichte unserer Korre⸗ spondenten, fuͤr deren Wahrheit wir uns zu verbuͤrgen keinen Anstand nehmen. Wir fuͤhlen in uns weder Lust noch Beruf, zu untersuchen, was das Belgische Ministerium, welches man denn doch unmoͤglich fuͤr so schlecht unterrichtet halten kann, be⸗ wogen haben mag, einen solchen Schrecken unter den Belgischen Repraͤsentanten zu verbreiten, die in ihrem Wahn schon die Auf⸗ tritte vom August 1831 erneuert erblickend, schleunig Alles gut⸗ hießen, was man ihnen als geeignet darstellte, solchem Ungluͤck vorzubeugen. Inzwischen koͤnnen wir den oben mitgetheilten Berichten vom Heere noch aus sehr lauterer Quelle hinzufuͤgen, daß auch bei unserer Regierung nicht der entfernteste Gedanke obwaltet, die Schutterei und Freiwilligen wiederum ihrem buͤr⸗ gerlichen Geschaͤftsleben zu entziehen; daß man vielmehr auf Ver⸗ minderung und Beschraͤnkung im Heerwesen bedacht ist, wenn nicht etwa die Zuruͤstungen Belgiens und die Ungewißheit, war⸗ um dieselben geschehen und weshalb unsere Nachbarn eine feind⸗ lichere Stellunz annehmen, auch unsrerseits eine Vermehrung unserer Streitkraͤfte noͤthig machen sollte.“

Belgien

Bruͤssel, 29. Dezember. Der Justiz Minister hat an alle General⸗Prokuratoren des Koͤnigreichs ein Rundschreiben erlas⸗ sen, worin ihnen befohlen wird, alle durch Zweikaͤmpfe verursach⸗ ten Toͤdtungen 7— ö“ die zu ihrer Kenntniß ge⸗ langen, gerichtlich zu verfolgen.

9,35 der Sitzung der Repraͤsentanten-⸗Kammer am 29. Dez. war die Eroͤrterung des Gesetz⸗Entwurfs uͤder die Buͤrgergarde an der Tages⸗Ordnung. Die Art kel 1 bis 10 wurden ohne wichtige Debatten angenommen. Eine lange Eroͤrterung ent⸗ spann sich uͤber den Art. 13, in Betreff der Wahl der Ofsfiziere. Der §. 2, welcher den Kreis der Wahlen beschraͤnkte, ward mit 43 gegen 16 Stimmen verworfen. Der Minister des Innern schlug eine neue Abfassung vor, deren Druck die Kammer ver⸗ ordnete und deren Eroͤrterung er, so wie jene des 14. Art., auf den folgenden Tag aussebte. Der Artikel 15 ward nach einigen Eroͤrterungen angenommen.

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 26. Dez. Die hiesige Auarantaine Kommis⸗ sion hatte Sr. Maj. unterm 12. September anheimgestellt, in wiefern es angemessen seyn koͤnnte, an Orten, wo die Cholera herrsche, Verurtheilungen zu Leibesstrafen und zum Gefaͤngniß bei Wasser und Brod zur Vollziehung bringen zu lassen, weil heftige Gemuͤthsbewegungen und jedes koͤrperliche Leiden, das auf die Verdauungs⸗Organe wirekt, leicht den Ausbruch jener Krankheit hervorbringen koͤnnten, worauf unterm 22. November der Koͤnigl. Bescheid erfolgt ist, daß, wo solche Vollziehung be⸗ denklich erachtet wuͤrde, erst besondere Anzeige daruͤber an Se. Maj. zu machen sey. 8

Die Koͤnigl. Schwedische Akademie hielt vor einigen Tagen eine feierliche oͤffentliche Sitzung zur Vertheilung der von ihr ausgesetzt gewesenen Preise. Von den vielen eingegangenen Ge⸗ dichten hat keines mit dem doppelten Preise gekroͤnt werden koͤn⸗ nen; der einfache wurde jedoch dem Prediger Olof Fryxéll, we⸗

en seines Gedichtes „die Schlacht bei Brunkeberg“, und das ccessit dem Unter⸗Bibliothekar. Karl Wilhelm Boͤttiger in Upsala,

wegen seines Gedichtes „die Zusammenkunft auf der Odins⸗Hoͤhe“, zuerkannt.

Der hiesige Kunst⸗Verein veranstaltete am 22sten d. M. eine Verloosung der von ihm im Laufe dieses Jahres angekauf⸗ ten Kunst⸗Arbeiten, bestehend aus 60 Nummern, zum Betrage von 4534 Rdr. Banco. Es befinden sich darunter die Marmor⸗ koͤpfe „Paris und Helena“ von Professor Fogelberg, ferner Ge⸗ maͤlde der Professoren Fahleranz, Westin, Sandberg, Cimnell u. A. Der Verein zaͤhlt jetzt 466 Mitglieder.

Daͤnemark.

Kopenhagen, 27. Dez. (Altonaer Merkur.) Aus dem Umstande, daß der ausgezeichnetste der hiesigen Juristen, Hr. Sporon, es uͤbernommen, die Sache des Professors Davn vor dem hoͤchsten Gerichte zu vertheidigen, wird von Manchen der zahlreichen Freunde der Professors bereits die Hoffnung auf den guͤnstigen Erfolg einer Angelegenheit geschoͤpft, deren Ent⸗ scheidung in mehr als einer Beziehung von Wichtigkeit und Be⸗ deutung seyn muß. Dem Vernehmen nach, soll ein eigens zu diesem Behufe bestelltes Comité sich mit der Abfassung eines neuen Preß⸗Gesetzes beschaͤftigen, um einem in der letzten Zeu besonders fuͤhlbar gewordenen Beduͤrfnisse abzuhelfen.

Das Husumer Wochenblatt meldet aus Toͤnning:

„Am 20. Dez. wurden hieselbst neun Haͤuser gerichtlich zum

Verkauf gestellt, von diesen fuͤnf verkauft, zusammen fuͤr die Summe von 934 Mark, eines allein fuͤr 800 Mark, fuͤr vier Haͤuser also nur 134 Mark bezahlt, und auf die uͤbrigen wurde kein Schilling geboten. Außerdem wurde ein wuͤster Platz, auf wel⸗ chem indessen noch vor wenigen Jahren ein großes Gebäude stand, das aber wegen unberichtigter Gefaͤlle zum Verkauf ge⸗

stellt wurde und unverkauft blieb, und deshab mit anderen Ge.

baͤuden niedergerissen wurde, fuͤr 2 Mark verkauft. Ob die jetzt

unverkauft gebliebenen Häuser eben so, wie es in fruͤheren Jah⸗

ren beliebt wurde, niedergerissen werden sollen, weiß ich nicht, und hoffe es auch nicht aus Gruͤnden, die jedermann ohne mein Erinnern einleuchtend seyn werden. Diese Verkaͤufe geschahen in Folge der fuͤr das Jahr 1832 ruͤckstaͤndigen Gefaͤlle. Die beiden folgenden Jahre duͤrften wohl ehestens ein gleiches Re⸗ sultat herbeifuͤhren; außerdem soll jetzt die restirende Zahlung der Bank⸗ Zinsen bis zum Jahre 1829 eingetrieben werden. Bei der Menge der Restanten und der theilweisen Groͤße der restirenden Summen berechnet man, daß in dieser Beziehung gegen 70 Haͤuser der Subhastation verfallen koͤnnten, also 100 umen, demnach reichlich der vierte Theil unserer 1““

Altona, 2. Jan. Auf Befehl Sr. Mafestaͤt des Köaigs⸗ soll eine von dem bekannten Dichter Harro Harring unter dem Titel: die „Moͤve“ herausgegebene Gedicht⸗Sammlung in den Herzogthuͤmern supprimirt werden.

Die Regierung auf Gottorff, deren Wirksamkeit man bis⸗ her aus der schleunigen Expedition der laufenden Sachen zu wuͤrdigen Gelegenheit hatte, hat in der letzten Zeit mehrere Cit⸗ culaire erlassen, die beweisen, daß sie im Drange der Geschaͤfte des Augenblicks auch die allgemeineren und tiefer liegenden Be⸗ duͤrfnisse des Landes nicht außer Acht gelassen hat und mit Vor⸗ bereitungen zu Reformen in mehreren wichtigen Zweigen der Verwaltung beschaͤftigt ist. Ein Circulair der bezeichneten Art, das vom 9. Dezember v. J. datirt ist, betrifft das Armenwe⸗ sen, und fordert die beikommenden Behoͤrden zur Bericht⸗Erstat⸗ tung uͤber nicht weniger als 13 zum Theil ausfuͤhrlich ge⸗ stellte Fragen in Betreff dieses in der letzten Zeit so haͤufig be⸗ sprochenen Zweiges der Verwaltung auf. Ein zweites, vom 22. Dez. datirt, ist an die Ober⸗Beamten in den Aemtern und Landschaften gerichtet, und ersucht diese, mit Angabe der Punkte, worauf vorzuͤglich zu achten, um ihren Bericht und ihr Beden⸗ ken uͤber die Organisation der kommunalen Repraͤsentation der Aemter in der Person der Amts Vorsteher oder Bevollmaͤchtig⸗ ten ꝛe. und uͤber die zweckmaͤßige Einrichtung dieses Instituts, nach Einziehung des Berichts der Amts⸗Offizialen und wo solche bereits existiren, auch der Amts-Vorsteher. Beide Circulaire b die Berichterstattung vor Ablauf des naͤchsten Maͤrz⸗ Monats.

Ein anderes, gleichfalls von der Regierung erlassenes Cir⸗ culair vom 18. Dezember macht die Koͤnigliche Resolution vom 9ten desselben Monats bekannt wonach kuͤnftig die Ercheilung von Reisepaͤssen an Studirende zu Reisen ins Ausland nicht, wie bieher, von dem akademischen Konsistorium in Kiel, sondern von den zur Paß⸗Ertheilung berechtigten Orts, Behoͤrden, und zwar, lnüsfben die Paͤsse zu Reisen außerhalb der Ferienzeit be⸗ gehrt werden, nicht anders als gegen Beibringung einer von der ausstellenden Behoͤrde zuruͤckzubehaltenden Bescheinigung des Ku⸗ rators der Universitaͤt, daß gegen die beabsichtigte Reise nichts zu erinnern sey, geschehen soll; und schreibt mit Ruͤcksicht auf

die Paß⸗Behoͤrden in dieser Beziehung Folgendes vor: 1) Alle Studirende auf der Universitaͤt Kiel, welche Reisen ins Aus⸗ land zu unternehmen oder auf einer auswaͤrtigen Universttaͤt zu

studiren beabsichtigen, sind gehalten, sich bei einer inlaͤndischen, zur Ausstellung von Paͤssen berechtigte Behoͤrden mit einem Reisepaß zu versehen. vorschriftsmaͤßigen Signalement der Person des Reisenden der Zweck der Reise, so wie die Reiseroute so genau wie moͤglich anzugeben, und hiernach die kuͤrzere oder laͤngere Dauer der Gäleagkein des Passes zu bestimmen. 3) Es ist den Studiren⸗ den bei Ertheilung der Reisepaͤsse anzuzeigen, daß sie solche an den beikommenden Orten gehoͤrig vesiren zu lassen, und selbige bei Vermeidung arbitrairer Strafen, wenn solche zum Zweck des Besuchs einer auswaͤrtigen Universitaͤt ertheiit sind, bet ihrer Ankunft daselbst an die akademische Behoͤrde, wenn sie aber zu einer sonstigen Reise ausgestellt sind, nach ihrer Ruͤckkehr an die ausstellende Behoͤrde abzuliefern haben.

Zur Sicherung des Verkehrs ist es genehmigt worden, daß erforderlichen Falls zur Zeit der Messe in Kiel Militair⸗Pa⸗ trouillen auf der Kieler⸗Altonaer Chaussee und den uͤbrigen in Betracht kommenden Haupt⸗Landstraßen vertheilt werden sollen.

In Betreff der anzulegenden Chaussee durch das Lauenbur⸗ gische, deren Richtung im durch die Lokal⸗Untersuchun⸗ gen hiesiger und Preußischer Seits zu ernennenden Kommissarien bestimmt werden wird, ist zum diesseitigen Kommissarius der Oberst Lieutenant von Prangen ernannt worden.

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 30. Dez. Die hiesige Zeitung enthaͤlt fol⸗ gende Bekanntmachung des Senators Mieroszewski, der in dem Bank⸗Comité den Vorsitz fuͤhrt: „Das durch Beschluß der Re⸗ praͤsentanten⸗Versammlung der freien Stadt Krakau vom 17ten September 1833 eingesetzte Comité, welchem die Pruͤfung der von den Mitgliedern der gesetzgebenden Kammer, dem Revpraͤ⸗ sentanten Meciszewski und dem Senator Haller, vorgelegten Entwuͤrfe in Bezug auf die Errichtung einer Landes⸗Vank uüber⸗

2) In diesen Reisepaͤssen ist außer dem

1

gen wurde, hat seine Geschaͤfte begonnen und die Frage, ob Punserer jetzigen Lage ein Institut der Art in diesem Lande hthwendig sey, und welche Vortheile daraus fuͤr die gesammte inwohnerschaft hervorgehen koͤnnten, einer sorgfaͤltigen Erwaͤ⸗ unterworfen. Zu der bejahenden Entscheidung dieser beiden tagen bedurfte es keines langen Besinnens, denn die Nothwendigkeit es solchen Instituts wird durch die bei uns herrschende Stok⸗ ng des Handels und aller Industrie erwiesen, sein Nutzen er durch das Beispiel aller groͤßeren und kleineren Reiche, in nen dergleichen Banken bestehen, aufs deutlichste an den Tag egt; es handelt sich also nur darum, unter den vielen Arten on Banken diejenige auszuwaͤhlen, welche sich fuͤr den Geschaͤfts⸗ ecrieb unserer industriellen Klasse am besten eignen moͤchte, vor lem aber darum, die noͤthigen Garantieen aufzuweisen, damit solches Institut auch Vertrauen gewinne. Die Theilnahme d Mitwirkung der Regierung bei diesem Unternehmen scheint sicherste Mittel hierzu zu seyn; da jedoch die Beschaffenheit constitutionnellen Regierungen dies nicht so leicht, wie un⸗ anderen Regierunas⸗Formen, ausfuͤhrbar macht, und die rwendung der oͤffentlichen Gelder, waͤre es auch zu dem nuͤtz⸗ jsten Zweck, ohne die Erlaubniß der den Haͤnden der aus dem hhoße der Buͤrger gewaͤhlten Bevollmaͤchtigten anvertrauten etzgebenden Gewalt nicht gestattet, so hat das Comité beschlos⸗ „in dieser Hinsicht die Buͤrger zu Rathe zu ziehen, in deren men diese Angelegenheit in der naͤchsten Repraͤsentanten⸗Ver⸗ miung definitiv entschieden werden soll. Es fordert daher rmit alle diejenigen auf, welche naͤhere Kenntniß von diesem genstande haben, das Comité sowohl in Betreff der Dotirung er Regierungs⸗Bank, wie in Betreff der Anlegung einer Bank ‚Prioat⸗Fonds, mit ihren Ansichten zu unterstuͤtzen.“

Deutschland.

Rostock, 29. Dez. Unsere Hafen⸗Arbeiten in Warne⸗ nde haben in diesem Jahre den gewuͤnschten Fertgang gehabt. Wenn fruͤher die gewoͤhnliche Tiefe im Eingang des Hafens

ir zwischen 7 und 8 Fuß betrug, so belaͤuft sie sich jetzt schon

11 bis 12 Fuß, und diese so bedeutend vermehrte Tiefe hat on den Vortheil zu Wege gebracht, daß die Mehrzahl der hiffe, ohne sich erst der Leichter auf der Rhede zu bedienen, voller Ladung ohne alle Gefahr den Eingang des Hafens siren kann. Fruͤher mußten die mit voller Ladung ankommen⸗ Schiffe zum groͤßten Theil sich erst auf der Rhede vor An⸗ legen und dort, um in den Hafen hineinsegeln zu koͤnnen, ch die Leichter⸗Schiffe so weit als noͤthig entloͤschen lassen. semit waren nun nicht allein bedeutende Kosten ver⸗ den, sondern die haͤufig eintretende stuͤrmische Wit⸗ ng verhinderte selbiges oft Tage, sogar Wochen lang, und nches Schiff scheiterte selbst im Angesicht des Hasens. Diesem

sbelstande ist aber, wie gesagt, nicht allein groͤßtentheils schon t abgeholfen, sondern wird es fuͤr die Zukunft gaͤnzlich wer⸗ , wenn der ganze Bau erst vollendet seyn wird. Was schon vor mehreren Jahren beantragte Anlegung eines Leucht⸗ rms am Eingange des Warnemuͤnder Hafens betrifft, so int diese Angelegenheit, obgleich sie, wie man erfaͤhrt, sowohl

Seiten des Handels⸗, als des Schifferstandes als sehr drin⸗ d empfohlen und von demselben auch bereits verschiedene r annehmliche Offerten gemacht seyn sollen, doch ganz in den ntergrund gestellt zu werden, und vielleicht nur aus

einzigen Grunde, weil die Rostocker⸗Schifffahrt

Jahrhunderten schon ohne Leuchtthurm bestanden hat er wegen des Mangels eines solchen scheiterte noch juͤngst

siederum ein Schiff; denn das Ansegeln an die Mecklenburg⸗

Kuͤste bei irgend truͤber Witterung, besonders bei starkem urm und Seegange, ist bekanntlich sehr gefaͤhrlich. Unsere üubehoͤrde wird deshalb, wenn sie sich auch in dieser Hinsicht Raths sachkundiger Maͤnner bedient, gewiß keinen Anstand

hmen, auch diesem Gegenstande seine Erledigung zu ver⸗ affen, zumal da bei den vorseyenden Hafenbauten gewiß der u eines solchen Leuchtthurmes auf eine zweckmaͤßige und leicht minder kostspielige Art als sonst zur Ausfuͤhrung ge⸗ cht werden kann.

Hamburg, 1. Januar. Im Laufe des vorigen Jahres d 2360 große und kleine Schiffe aus der See hier angekom⸗ , naͤmsich 16 von Ostindien, 100 von Westindien, 85 von d⸗Amerika, 60 von Nord⸗Amerika (Vereinigten Staaten), von Mexiko, 3 von den Kanarischen Inseln, 1 von den Kap⸗ dischen Inseln, 1 von der Afrikanischen Kuͤste, 53 aus dem ttellaͤndischen Meere, 39 von Spanien, diesseits der Meer⸗ e, 26 von Portugal, 130 von Frankreich, 851 aus den Groß⸗ anischen Haͤfen (saͤmmtliche Dampfschiffe mit einbegriffen), on Archangel, 12 von Schweden und Norwegen, 69 aus der see, 116 von Daͤnemark und den Kuͤsten, 83 von Belgien, von Holland, Ostfriesland und den Kuͤsten (worunter 22 hrten des Hollaͤndischen Dampfschiffes mitgerechnet), 187 von Weser. Auf den Robben⸗ und Wallfischfang sind gewesen 3, ings⸗Jaͤger 3. Die Englischen Dampfschiffe haben 95 Fahr⸗ von London, 69 von Hull und 18 von Goole gemacht. Da⸗ n sind 2340 große und kleine Schiffe von hier nach verschie⸗ en Haͤfen abgegangen. 1

Muͤnchen, 29. Dez. Gestern ward, vom schoͤnsten Wetter nstigt, die erste Schlittenfahrt von unserm Hofe gehalten. ch 3 Uhr Nachmittags fuhren die Allerhoͤchsten und Hoͤchsten rschaften von der Koͤnigl. Residenz ab, und der brillante Zug, 25 Schlitten bestehend, in welchen voraus Se. Excellenz der rst⸗Stallmeister, Freiherr von Keßling, dann Se. Majsestaͤt Koͤnig, Ihre Majestaͤt die Koͤnigin, Se. Koͤnigl. Hoheit der nz Karl, Se. Hoheit der Herzog von Leuchtenberg, Se. Ho⸗ der Herzog Max von Bayern, mehrere Gesandte und Hohe

Reichs saßen, begab sich durch die Dienerspasse uͤber den

rannen⸗Platz, die Kaufinger⸗ und Neuhauser, Gasse durchs lsthor bis nach Amalienburg; dort wurde die Mittags⸗ lgehalten, und Nachts halb 10 Uhr fuhren die Allerhoͤchsten rschaften, unter Fackelschein, und von lautem Vwatrufen be⸗ tet, durch die Brienner⸗Straße nach der Residenz zuruͤck. Morgen werden die Portugtesischen Abgeordneten bei Sr. jestaͤt dem Koͤnig einer Audienz sich zu erfreuen haben. dem Hause der Frau Herzogin von Leuchtenberg ist ein re⸗ Leben; und die hohe Mutter des Koͤnigl. Braͤutigams ist st in der vollsten Thaͤtigkeit, um noch die letzten Stunden Aufmerksamkeit fuͤr ihren Sohn zu weihen. Muͤnchener Blaͤtter melden: „Dieser Tage ist von der Koͤ⸗ ichen Staats Regierung der Land⸗Inspektor Ohlmuͤller nach chenhall abgeschickt worden, um an Ort und Stelle den neuen dtplan aufzunehmen, zugleich auch mehrere Plaͤtze, worauf Salinen⸗Gebaͤude standen, gegen andere der Stadt gehoͤrige zutauschen, indem die Salinen⸗Gebaͤude kuͤnftig mit Umge⸗ e Mauer von der Staot Reichenhall abgesondert ste⸗ ollen.“ Darmstadt, 31. Dez. Se. Koͤnigl. Hoheit der Frosder g hat die Statuten des „historischen Vereins fuͤr das Großher⸗

zogthum Hessen“ bestaͤtigt und das Protektorat desselben uͤber⸗ nommen. Der Verein zaͤhlt bereits 81 Mitglieder, von denen

6 im Auslande wohnen. Frankfurt a. M., 31. Dez. Ihre Herzogl. Durchlauch⸗ Herzoge von Sachsen haben dem Großher⸗

ten die regierenden zogl. und Herzogl. chsischen Wirklichen Geheimen Rathe,

Gesandten und bevollmaͤchtigten Minister am hohen Deutschen das Großkreuz Hoͤchstihres

Bundestage, Grafen von Beust, Haus⸗Ordens verliehen.

Schweiz. 8 Chur, 23. Dez. Heute Morgen um 5 Uhr wurde das schon mehrmals geaͤngstete Dorf Felsberg aufs neue durch einen Felsensturz in Schrecken gesetzt. Mit fuͤrchterlichem Getoͤse und starker Erschuͤtterung der Wohnungen waͤlzten sich aus dem Fel⸗ sengehaͤnge etwa 8 bis 10 groͤßere Felsmassen, aͤhnlich den im Fruͤhjahre gestuͤrzten, uͤber die Halde herab und zerstreuten sich auf der hinter dem Dorfe liegenden Wiesenflaͤche. Weitern Schaden veruͤbten sie nicht und blieben noch ziemlich fern von den Wohnungen, obgleich einige derselben merkwuͤrdige Spruͤnge uͤber aͤltere Felsbloͤcke gemacht haben muͤssen.

Italien.

Rom, 20. Dez. In einem Konsistorium, das vorgestern gehalten wurde, hat der Papst dem Kardinal⸗Giustiniani den Hut uͤberreicht und ihm unter den uͤblichen Ceremonien des Mundschließens und Wiederoͤffnens Sitz und Stimme im Kon⸗ sistorium nebst dem Titel von Sta. Croge in Gerusalemme verliehen. Demnaͤchst hat Se. Heiligkeit einen Erzbischof und 14 aggs fuͤr verschiedene Theile der katholischen Christenheit ernannt.

Die mit so vielem Gevpraͤnge eroͤffnete Roͤmische Bank scheint nicht den erwuͤnschten Fortgang zu haben, da die Unter⸗ nehmer die fruͤher geaͤußerte uneigennuͤtzige Absicht, bloß dem Staate dadurch nuͤtzlich seyn zu wollen, keinesweges bethaͤtigen.

Der Franzoͤsische Graf Gouffe, ein Freund des Marschalls Bourmont, ist hier mit Tode abgegangen.

In Neapel wird Lord Burgersh als Englischer Gesandter erwartet; die Gattin des Lords ist eine nahe Verwandte des Herzogs von Wellington.

Portugal.

Der Albion enthaͤlt noch folgendes Privat⸗Schreiben aus Lissabon vom 2. Dezember: „Sie koͤnnen sich gluͤcklich schaͤz⸗ zen, daß Sie entfernt von hier sind, denn wie hier die Sachen stehen, ist das Leben eines Jeden, der guͤnstig von der vorigen Regierung denkt, bestaͤndig in Gefahr, da der Mord in ein foͤrmliches System gebracht ist. Die Englaͤnder gehen zwar un⸗ gestoͤrt umher, weil eine Britische Flotte hier vor Anker liegt, aber sie sind doch nicht sicher, daß nicht ein unbekannter Schurke, der einen Groll gegen sie hegt, das Geschrei „Caceteiro“ er-— hebt und sie in einem Winkel niederstoͤßt. Diese Gewaltthaͤtig⸗ keiten geschehen uͤberall unter den Augen der Patrouillen, die nicht ermangeln, daran Theil zu nehmen, und die Regierung beguͤnstigt sie, statt sie zu bestrafen. Der von Carvalho vor⸗ geschlagene Verkauf der Kirchen⸗Guͤter wird, wenn er zur Aus⸗ fuͤhrung kommt, den Hoffnungen der Miguelisten ein ernstliches Hinderniß entgegenstellen. Die Schwierigkeiten sind jedoch nicht gering. Das Defizit betraͤgt in diesem Jahre 5900 Contos de Reis, eine ungeheure Summe fuͤr dieses Land, wo Alles ver⸗ wuͤstet und jeder Kapitalist entmuthigt ist. Die auswaäͤrtige Schuld ist auch sehr bedeutend und die Einkuͤnfte wegen des Zustandes des Landes und weil gewisse Abgaben aufge⸗ hoben sind, geringer, als jemals. In kurzer Zeit wird die Regierung ihren Bankerot erklaͤren oder neue und sehr hohe Abgaben auflegen muͤssen, welche das Volk weder zahlen wird, noch kann. Dann wird das Ungemach uͤber Portugal hereinbrechen, und das Volk wird einsehen, welche Thorheit es ist, das gesell⸗ schaftliche Gebaͤude von Leuten einreißen zu lassen, die es nicht wieder aufzubauen verstehen. Folgende Thatsache mag Ihnen einen Begriff geben von den Gesinnungen des Landvolks in Betreff der gegenwaͤrtigen Ordnung der Dinge. An einem Sonntage hatte sich eine Gesellschaft von Maͤnnern aus Lissa⸗ bon auf ein Landhaus bei Campo grande begeben. Waͤhrend sie dort sich vergnuͤgten, fielen mehrere Bauern aus der Nach⸗ barschaft „mit Knuͤtteln uͤber sie her, indem sie ausriefen, daß sie nicht durch die Naͤhe der Staͤdter, welche saͤmmtlich Revo⸗ lutionnaire, Atheisten und Kirchenschaͤnder seyen, angesteckt seyn wollten. Die Gesellschaft wurde gezwungen, die blaue und weiße Kokarde abzunehmen, die dann von den Landleuten mit Fuͤßen getreten wurde. Von Seiten der Regierung ist dies unbeachtet geblieben. In Alemtejo und Algarbien haben sich, wie selbst die Hof-Zeitung eingesteht, mehrere Guerillas gebildet, deren eine, 150 Mann stark, vor einigen Tagen ein Detaschement des 2tsten Regiments üuͤberfiel und ermordete. Die Verheirathung der Koͤnigin mit einem Fremden wird dem Lande viele Unannehmlichkeiten verurfachen, und ist ein Beweis, daß alle geruͤhmte Institutionen Portugals, ohne den geringsten Widerspruch von Seiten Englands, mit Fuͤßen getreten wer⸗ den. Die Zaͤnkereien unter den Deputirten werden taͤglich heftiger. Die rechte und die linke Seite schimpfen sich in den heftigsten Ausdruͤcken und die Gallerie ergreift bei jeder De⸗ batte die Partei der Opposition. Man hat jetzt eingesehen, daß die Errichtung der Natio Garde außer Lissabon und Porto nicht anwendbar sey.“

8 Aegypte

Im Moniteur⸗Egyptien vom 15. Nov. liest man ver⸗ schiedene Notizen uͤber den innern Zustand Aegyptens. Der Vice⸗Koͤnig hatte seine jaͤhrliche Reise zur Besichtigung der Feld⸗ Arbeiten angetreten. Er wollte sich von da nach Kairo und dann nach Ober ⸗Aegypten begeben. Marschall Marmont, der Kairo bereits besucht hatte, wollte von Alexandrien uͤber Suez, den Berg Sinai und Cosseir nach Ober⸗Aegypten gehen, von da nach Alexandrien zuruͤckkehren, und sich dann nach Europa einschiffen. Zur Zeit des Kriegs in Morea hatte Alexandrien nur etwa 30 unerfahrne Schiffs⸗Baumeister. Der Hafen war so beschaffen, daß Hochbord⸗Schiffe nur sehr schwer in denselben einlaufen konn⸗ ten. Mit Huͤlfe der ausgezeichnetsten Maͤnner, die er aus Europa berief, brachte der Vice⸗Koͤnig es durch seine Beharrlichkeit da⸗ hin, daß Alexandrien jetzt ein großes Zeughaus, ein wohlge⸗ uͤbtes Geschwader, von Offizieren befehligt, die in Frankreich und England gebildet wurden, und eine Marineschule besitzt. Die zahlreichen jungen Prinzen von Mehmed Alt's Nachkom⸗ menschaft werden in den Waffin geuͤbt und mit ernsten und nuͤtz⸗ lichen Studien beschaͤftigt. Der aͤlteste von ihnen, der eilfjaͤhrige Said Bey, dient auf dem Linienschiff „St. Jean d' Acre“ als Marine⸗Aspirant zweiter Klasse. Er hat auf demselben seine erste Seesahrt nach den Gewaͤssern von Syrien gemacht, und ist nach sechsmonatlicher Abwesenheit wieder in Alexandrien eingetroffen.

Hr. Koͤnig, ein Franzose, der Tuͤrkisch versteht, wurde ihm als Lehrer im Franzoͤsischen beigegeben; eben so ein Persischer Sprach⸗ meister. Ausgezeichnete Lehrer im Zeichnen und der Marinewis⸗ senschaft werden aus Europa erwartet; Hr. Carrey, ehemals bei der polytechnischen Schule in Paris angestellt, unterrichtet den Prinzen in den Europaͤischen Sprachen. Sechs und zwanzig ausgewaͤhte junge Leute hatten die Ehre, seine Stunden zu theilen. Die Angelegenheiten von Syrien und Hedschlaz ha⸗ ben eine guͤnstige Wendung genommen. Einige Unraͤhen in Syrien und der Umgegend wurden im Entstehen unterdruͤckt. Die Arbeiten zur Eindaͤmmung des Nil’s werden mit bei⸗ spielloser Thaͤtigkeit fortgesetzt. Mehr als 12,000 Arbeiter sind an beiden Ufern von Damiette und Rosette in Regimen⸗ ter eingetheilt und kasernirt; ihre Anzahl wuchs fortwaͤh⸗ rend. Auf Verlangen hat Hr. von Cerisi bei dem Arsenal von Alexandrten 100 Maschinen zu Ausschoͤpfungen verfer⸗ tigen lassen, die sogleich angewendet wurden. Aegypten wird einen sehr großen Wohlstand erreichen, wenn es, wie Alles hoffen laͤßt, gelingt, den Fluß zu uͤberwaͤltigen und seine Ueberschwemmungen zu regeln. Mehmed Ali hat auf den Rath des Marschalls Marmont an Hrn. Brunel, den Er⸗ bauer des Tunnels unter der Themse, nach England schreiben und ihn in den schmeichelhaftesten Ausdruͤcken einladen lassen, nach Aegypten zu kommen, ein oder zwei Monate an den Ufern des Nil's zuzubringen, und das Unternehmen durch seine Rath⸗ schlaͤge und Erfahrungen zu befoͤrdern. Wenn er nicht selbst kom⸗ men sollte, moͤge er wenigstens einen vertrauten und auserwaͤhl⸗ ten Mann dahin senden. Die Nil⸗Arbeiten werden durch die Eisenbahn von Kairo nach Suez wuͤrdig gekroͤnt, und da⸗ durch Europa ein leichter Verkehr bis ins innere Indien durch das rothe Meer eroͤffnet werden. Herr Galloway, welchen der Vice⸗Koͤnig wegen seiner ausgezeichneten Dienste zum Rang ei⸗ nes Bey erhoben hat, ist nach England abgereist, um die noͤthi⸗ gen Materialien zur Eisenbahn herbeizuschaffen. Andererseits beabsichtigt eine Englische Gesellschaft die Anlage einer anderen Verbindung mit Indien durch Syrien. Sie will näm⸗ lich den Orontes mit dem Euphrat mittelst eines Kanals vereini⸗ gen, der oberhalb Antiochia beginnen, bei Beles ausmuͤnden, und in einer Laͤnge von 67 Meilen uͤber Aleppo gehen wuͤrde. Der Plan ruͤhrt von dem Englischen Artillerie⸗Capstain Chesney her, der durch eigene Bereisung des Euphrat sich uͤberzeugt hat, daß dieser Fluß in seinem groͤßern Theile schiffbar ist. Die Ge⸗ sellschaft will nun einstweilen einen Versuch mittelst zweier eiser⸗ nen Dampfboͤte auf dem Euphrat machen, wozu das Englische Parlament 20,000 Pf. Sterling bewilligt hat.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 30. Nov. Der Amerikanische Almanach fuͤr 1835 giebt sochnhe statistische Notizen uͤber die V. St. von Nord⸗Amerika: „Massachusetts hat 66 Staats⸗Banken mit ei⸗ nem Kapital von 20 Mill. Dollars; New⸗York 37 mit demselben Kapital; Pennsylvanien 33 mit 14 Mill. und Maryland 13 mit 6 Mill. Kapital. Zwischen dem 1. Januar 1811 und dem 1. Juli 1830 haben in Massachusetts 6, in New⸗York 10, in Pennsylvanien 16 und in Maryland 9 Banken fallirt. Das Diskonto in den vier bedeutendsten Staͤdten der Unien im J. 1830 betrug in New⸗York 130 Mill., in Philadelphia 69,307,472, im Baltimore 36,211,864, in Boston 69,550,000 Doll. Die Zahl der gelehrten Schulen in den Vereinigten Staaten betraͤgt 04. Die vorzuͤglichsten sind „Hervard University“ und „Yale College“. Ersteres hat 30 Lehrer und eine Bibliotheb von 40,000 Baͤnden; letzteres 26 Lehrer und 8500 Baͤnde; St. Mary's College 24 Lehrer und 10,500 Bände. Den staͤrk⸗ sten Handel treiben die Vereinigten Staaten mit Eng⸗ land, Frankreich und Cuba. Die Einfuhr aus England belief sich im Jahre 1833 auf 36,068,315 Dollars, aus Frankreich auf 13,431,678, aus Cuba auf 19,754,787 Dollars; die Ausfuhr nach England 31,035,441, nach Frankreich 13,772,221 und nach Cuba 5,672,700 Dollars. Die Staaten New⸗York, Massachusetts, Pennsylvanien, Louisiana und Maryland treiben den stärksten auswaͤrtigen Handel. Die Haupt⸗Haͤfen sind: New York, Boston, Philadelphia, New⸗Bedford, NewHOrleans, Portland und Baltimore. Das Tonnen⸗Geld betraͤgt in New⸗ York nahe an 300,000, in Paltimore 41,000 Dollars. Haupt⸗ Ausfuhr⸗Artikel sind Baumwolle, Taback, Mehl, Reis und frisches Schweinfleisch; Baumwolle wird etwa fuͤr 36 Millionen und Schweinfleisch fuͤr 2 Millionen Dollars ausgefuͤhrt. Im Jahre 1832 betrugen die Einnahmen uͤber 30 Millionen Dollars, die groͤßtentheils aus den Zoll⸗Abgaben gezogen wurden. Die Ausgaben beliefen sich auf 34 Millionen, wovon die Haͤlfte zur Tilgung der oͤffentlichen Schuld verwen⸗ det wurde. Es erschienen 8 medizinische, 3 juristische, 12 land⸗ wirthschaftliche, 88 religioͤse und 18 Maͤßigkeits⸗ und 1265 po⸗ litische Zeitschriften. Die ganze oͤffentliche Schuld betraͤgt setzt nicht mehr ganz 5 Millionen Dollars. Die Pres⸗ byterianer haben 7 theologische Seminarien, die Congre⸗ gationalisten 4, die Baptisten 3, die Episkopalen 2, die Luthera⸗ ner 3, die Deutschen Reformirten 1.

Vom 1. Januar bis Ende September 1834 wurden in dem

hiesigen Hafen fuͤr 52,031,364 Dollars Waaren und 9,498,962 Dollars in baarem Gelde eingefuͤhrt. Bis zum 8. November kamen hieselbst 26,104 Reisende aus den Britischen Inseln und von dem Kontinent Europa's, zusammen 37,673 Rei⸗ ende an. Derr katholische Bischof von Charleston, Dr. England, ist in Philadelphia angekommen. Er war von einem katholischen Geist⸗ vSag⸗ Ursulinerinnen und sechs barmherzigen Schwestern egleitet. 1

In New⸗Orleans hat sich eine Gesellschaft zur Ver⸗ huͤtung der Zweikaͤmpfe gebildet. Das Ehren⸗Gericht be⸗ steht aus einem Praͤsidenten, zwei Vice⸗Praͤsidenten, einem Se⸗ eretair und zwoͤlf Richtern, die halbjaͤhrlich erwaͤhlt werden⸗ Die Ausspruͤche desselben sind, bei Strafe der Ausschließung, bindend fuͤr die Mitglieder. Doch entschetdet das Ehren⸗Gericht nur solche Angelegenheiten, die von einer oder beiden Parteien ihm vorgelegt werden. Die Entscheidungen erfolgen nur nach der genauesten Untersuchung und der reiflichsten Ueberlegung und keine Partei darf sich weigern, die Genugthuung zu geben, welche das Ehren⸗Gericht fuͤr angemessen haͤlt. Die Gesellschaft maßt sich durchaus nicht an, die Duelle zwischen ihren Mitgliedern ganz verhindern zu wollen, aber sie wird ohne Zweitel sehr viek zur allmaͤligen Ausrottung dieses Vorurtheils beitragen. Auch hat sie die Gesetze des Zweikampfs modisficirt. Der Beleidiagte hat die Wahl der Waffen und, im Fall dies Pistolen sind, den ersten Schuß. Wer seinen Beleidiger schlaͤgt, verliert das Recht, die Waffen zu waͤhlen. Nur Pistolen und schmale Degen sind erlaubt. Die Mitglieder der Gesellschaft duͤrfen von einem be⸗ trunkenen Menschen, von einem Raufbold oder waͤhrend eines Gastmahls keine Ausforderung annehmen. 14“