1835 / 7 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

am sten d. M. neu hinzugetretenen Leser unseres Blattes die be⸗ in Nr. 306 der Guzea⸗ vom Jahre 1832 mitgetheilten Be⸗ nerkungen 8 Der Barometerstand bezieht sich auf das Niveau der Spree und auf eine Quecksilber⸗Temperatur von 0“ R. Die Luft⸗Tem⸗ veratur wird durch ein moͤglichst frei hangendes Thermometer im Schatten bestimmt. Der Thaupunkt (Temperatur, bei welcher der in der niederen Atmosphaͤre enthaltene Wasserdunst sich tropfbar absondern wuüͤrde) wird mittelst eines guten Psychrometers bestimmt. Die Dunstsaͤttigung wird aus dieser Angabe hergeleitet; sie eiebt in Hunderttheilen an, wieviel Wasserdunst die niedere Luft im Vergleich zu derjenigen Menge, die sie bei voller Saͤttigung auf⸗ nehmen koͤnnte, wirklich enthaͤlt. Die Quellwaͤrme wird durch die Temperatur des Brunnenwassers in der Naͤhe des Schlosses be⸗ stimmt. Die Flußwaͤrme ist die Temperatur der Spree in der Naͤhe der Die Bodenwaͤrme ist die Temperatur

der Tiefe von 2 Fußen (5 Fuß uüber dem Niveau ber Spree) in einem Garten mit sandigem Boden in der Kdpenickee⸗ Straße. Die Ausduͤnstung giebt an, wieviel Zehntausendtel des Rheinlaͤndischen Zolles in 24 Stunden die Oberflaͤche einer frei sie⸗ denden, gegen Regen geschuͤtzten Wasserflaͤche gesunken ist. Der Riever alas zeit in derselben Maß⸗Einheit an, wieviel sich eine vdlesgie durch den in 24 Stunden gefallenen Regen, Schnee ꝛc. erhoben hat.

Bör Den 5. Januar 1835.

Amtl. Fonds- und Geldd-Cours-Zettel. 1 Füammm. Sech. r. Engl. Obl. 30. rzim. Sch. d. Seech. Kurm. Obl. m. l. C.] Neum. iInt. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do. Elbing. do. Danz. do. in Th. Nestpr. Pfandbr.

(Preusz. Cous.)

Ostpr. Pfandhr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. Schlesische do. Rkst. C. d. K.- u. N. Z.-Sch. d. K.- u. N. Holl. vollw. Duk. Neue do. Friedrichsd'or. Disconto

37½ 101¾ 102

1023

Auswürtige Börsen.

8 Amsterdam, 31 Dezember. Niederl. wickl. Schuld 54. 5 % do. 100. Auag. Schuld 1,2771. ua-Eill. 24,3„ 4 ½ 6 Amort. 93. 3½4 8 76. Russ. 98tf. Cesterr. Preuss. Präm.-Seheise 109 do. 4 Anl. —. Span. 5 42¼.

8 Antwerpen, 30 Dezember. .“

Span. 5 3 41 ¼ 3; 26¼, Suebhard 41 ½ kinsl. 13 ½ Cortes Loudon, 30. Dezember.

pr. compt. 91 ¼. Cortes 53 ½. Holl. 2 ½ 8

Euxl. Kass. 107. Columb. 31 ¾. Mex. 4

Brus. 78 Oezterr. —.

58 99. Belg. 98.

Cons. 54 ½. 1⅛.

Wien, 31. Dezember , 4 91 ½4. Bank-Actien ]

Neue Anleihe

KRdoenigliche Schauspiele. Dienstag, 6. Jꝛn. Im Schauspielhause: Die Alpenhuͤtte, Singspiel in 1 Akr, von A. v. 2 Musik von J. P. Schmidt (Reu desetzt.) Hierauf: Der reisende Student, musi⸗ kalischet Ouodlibet in 2 Abth. In Potsdam. Lieb' im Kriege und Krieg um Liebe, Lust⸗ spiel in 1 Akt, aus dem Franz., von A. vom Thale. ierauf: Die beiden Klingsberge, Lustspiel in 4 Abth., von A. v. Kotzebue. Mittwoch, 7. Jan. Im Schauspielhause: Torquato Tasso, Schauspiel in 5 Abth., von Goethe. 2nu Petesdam. Der reisende Student, oder: Das Donner⸗ vetker, musikalisches Quodlibet in 2 Akten. Nach dem ersten kt vom reisenden Studenten: 1) Pas de Shawl, ausgefuͤhrt von Mab. Taglioni, Dlle. Galster und Herrn Taglioni. 2) as do deux, ausgefuͤhrt von Dlle. Amiot und Herrn Stull muüͤller. Zum Schluß: Amors Triumph, anakreontisches Diver⸗ tissement, (im Kostuͤme der Zeit Ludwigs XV.) von Herrn P. Taglioni. Mufik von H. Schmidt. 1“

8 Koöonigstaͤdtisches Theater Dienstag, 6. Jan. Des Adlers Horst, romantisch⸗komlsche Oper in 3 Akten. Musik von Fr. Gääser. Mittwoch, 7. Jan. Der boͤse Geist Lumpacivagabundus oder: Das liederliche Kleeblatt, Zauberposse mit Gesang in 3 Akten. 8 Donnerstag, 8. Jan. Zum erstenmale wiederholt: Sappho, Trauersptel in 5 Akten, von Grillparzer. (Mad. Crelinger, K. Hofschausplelerin: Sappho; Dlle. Be tha Stich: Eucharis; Dlle. lara Stich: Melitta, als letzte Gastrollen.)

Der Billet⸗Verkauf zu dieser Vorstellung beginnt am Mitt⸗ woch den 7ten, und werden die resp. Abonnenten ersucht, thre Billets bis zu diesem Tage Mittags 1 Uhr abholen zu lissen, widrigenfalls sie von da ab zum and rkauf gestellt

Neueste Nachrichten.

Paris, 30. Dez. Vorgestern Abends ertheilte der Koͤnig dem Grafen von Vondy, dem Herzog von Choiseul, dem Ad⸗ miral Jacob, dem Varon Louis und dem Neapolitanischen Ge⸗ sandten I und gestern arbeiteten Se. Majestät mit den Ministern des öͤffentlichen Unterrichts, des Handels, der Marine, des Krieges, der Finanzen und des Innern. Die Pairs⸗Kammer hielt heute wieder eine oͤffentliche Sitzung, die indessen bloß dazu bestimmt war, durch das Loos die große Deputation von 20 Pairs zu waͤhlen, die uͤbermorgen dem Könige bei Gelegenheit des Jahreswechsels die Gluͤckwuͤn⸗ sche der Kammer darbringen sol. Um 2 Uhr konstituirte die Kaͤmmer sich wieder als Gerichtshof, um ihre Verathungen uͤber

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Meinungen von einander ab.

Er wisse sehr wohl, welche Scheingruͤnde sich dawider anfuͤhren

große poluische Maßregel, die mehr in dem Interesse der Re⸗

zjeugung haben verfuͤhren lassen, muß die Regierung durch einen ehrenvollen Pardon sich geneigt zu machen suchen.“

mehr bloß dieses Wortes bediene, um die Kammer zu taͤuschen.

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In der gestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer er⸗ oͤffnete der Graf von Sade die Debatte uͤber den wurf wegen des Baues eines neuen Gerichtssaales fuͤr den Pairshof. Zuvor waren unter die saͤmmtlichen Mitglieder der Kammer sehr ausfuͤhrliche Plaͤne und Veranschlagungen zu die⸗ sem Bau vertheilt worden. Herr von Sade ließ sich wider denselben vernehmen, und erklaͤrte sich fuͤr die Bewilligung ei⸗ ner Amnestie. Jedermann, meinte er, sey mit dieser Maßregel einverstanden; nur uͤber die Zeitgemaͤßheit derselben wichen die Er seinerseits glaube nun aber, daß die Umstände nie guͤnstiger gewesen waͤren, als gerade jetzt.

ließen; die Gegner der Amnestie brhaupteten naͤmlich, daß nach einer allgemeinen Begnadigung die Legitimisten nichts desto we⸗ niger die gegenwaͤrtige Regierung als eine usurpatorische be⸗ trachten, und daß die Republikaner nichts desto weniger das System der sogenannten richtigen Mitte verachten wuͤrden. Indessen habe eine Amnestie auch gar nicht den Zweck, sich den Dank derer zu erwerben, auf die sie sich erstrecke; es sey eine

gierung als der Amnestirten liege. Der Redner, der leider so leise sprach, daß ein großer Theil seines Vortrages fuͤr die ent⸗ fernter Sitzenden verloren ging, fuͤhrte hier die verschiedenen Amnestieen an, die nach einander von der konstituirenden Ver⸗ sammlung, dem Konvente, Napoleen und der vorigen Dynastie bewilligt worden, und forderte die Regierung auf, auch ihrer⸗ seits den Weg der Milde einzuschlagen. „Ich gehoͤre nicht zu denen“, fuͤgte Herr von Sade hinzu, „die da glauben, daß man eine Amnestie blind bewilligen muͤsse. Es giebt Leute, die mit frecher Stun zu allen strafbaren Unternehmungen, sie moͤgen im Namen Heinrich's V. oder der Republik statthaben, die Häaͤnde bieten, wenn sie nur ihren eigenen Vortheil dabei finden; solche Leute duͤrfen nicht amnestirt werden. Die⸗ senigen dagegen, die sich bloß durch ihre politische Ueber⸗

Der Redner benutzte diese Gelegenheit, um dem Ministerium fuͤr die Verordnung zu danken, wodurch so eben 29 politische Ge⸗ fangene des Mont St. Michel theils eine Milderung ihrer Strafe erhalten haben, theils ganz begnadigt worden sind. Dies, meinte er, sey indessen noch nicht hinreichend; er verlange eine groͤßere Ausdehnung der Amnestie, und stimme sonach gegen den der Kammer vorliegenden Gesetz⸗Entwurf. Waͤhrend dieses Ver⸗ trages trat der neugewaͤhlte Pariser Deputirte, Herr Eusèbe Salverte, in den Saal, und nahm seinen fruͤhern Platz auf der weiten Bank der aͤußersten linken Seite wieder ein, wo sich so⸗ e- die in seiner Naͤhe sitzenden Herren Odilon Barrot, Arago, Laffitte, Cormenin, Auguts u. A. um ihn draͤngten, und ihm ihre Gluͤckwuͤnsche darbrachten. Nach dem Grafen von Sade ergriff Herr Molin zur Vertheidigung des Gesetz⸗Entwurfes das Wort. Er war der Meinung, daß die Bewilligung einer Amnestie keineswegs in den Wuͤnschen des gesammten Landes liege, wie man solches stets behaupte, daß die Presse sich viel⸗

Der Redner eroͤrterte hierauf sehr ausfuͤhrlich das Begnadtgungs⸗ Recht, das lediglich der Krone zustehe, und unabhaͤngig von den beiden anderen verfassungsmaͤßigen Gewalten sey. Es ließen sich darauf noch die Herren Pagès und Janvier wider und Herr Fulchiron fuͤr den Gesetz⸗Entwurf vernehmen, worauf die Fortsetzung der Debatte auf den folgenden Tag verlegt wur⸗ de. In der heutigen Sitzung hatte zunaͤchst Herr Agier das Wort. Derselbe verlangte eine vollstaͤndige Amnestie fuͤr die rein politischen Vergehen; dagegen wollte er, daß fuͤr alle gewoͤhnliche Verbrechen die Gerechtigkeit ihren Lauf habe. Nach Herrn Agier bestieg der Finanz⸗Minister die Rednerbuͤhne, um der Fanemer das Budget von 1836 vorzulegen. Er stellte bei dieser Gelegenheit einige allgemeine Betrachtungen uͤber den Zustand der Franzoͤstschen Finanzen an, indem er auf die all⸗ maͤlige Abnahme des Ausgzabe’ Budgets seit dem Jahre 1830 aufmerksam machte. Nach 4 Jahren, meinte er, werde Frank⸗ reich endlich aus dem Deficit herauskommen, um nie wieder in ein solches zu gerathen. Nachdem der Minister noch die Gewerbthaͤ⸗ tigkeit, die sich im ganzen Lande rege und neue Einnahme⸗Quellen verspreche, herausgehoben hatte, kam er endlich auf das Budget des kuͤnftigen Jahres zu sprechen, das die Gesammt⸗Ausgaben auf etwa 1009 Mill. Fr. festsetzt. Die Einnahme, meinte der Minister, wuͤrde diese Summe uͤbersteigen, wenn nicht die Ab⸗ schaffung der Lotterie einen Ausfall von 10 Mill. erwarten ließe. Um diesen Ausfall zu decken, schlug er vor, eine Summe von 10 Mill. von dem Reserve⸗Kapitale aus dem Jahre 1833 zu entnehmen. Er verlas hiernaͤchst einen Gesetz⸗Entwurf, wodurch die Regierung zur Ausgabe 4broc. Schatzkammer⸗Scheine bis zum Betrage des Reserve⸗Fonds ermaͤchtigt werden soll, so wie einen zweiten Gesetz⸗Entwurf wegen der Forterhebung der direk⸗ ten Steuern auf dem bisherigen Fuß. Das Budget so wie diese saͤmmtlichen Gesetze wurden auf das Bureau der Kammer nie⸗ dergelegt. Hiernaͤchst setzte Hr. v. Lamartine die Debatte uͤber den projektirten Bau eines Gerichtssaales fort. Nachdem, meinte er, der Fi⸗ nanz⸗Minister eben ein so befriedigendes Bild von der materiellen Wohlfahrt des Landes entworfen, sey es um so unangenehmer, die Aufmerksamkeit der Versammlung wieder auf eine Maßregel der Strenge zu lenken. Es scheine gleichsam, daß die Minister von einem Schwindelgeiste befallen waͤren, und daß gewissermaßen ein ungluͤckliches Verhaͤngniß sie veranlasse, mit eigenen Haͤnden den Abgrund zu graben, der sie verschlingen solle. Wollte man den gegenwaͤrtigen großen Prozeß sortsetzen, so wuͤrde die Pairs⸗ Kammer vielleicht 2 Jahre lang nur den Anblick eines politi⸗ schen Bagno bieten, wo man bloß anklagende Stimmen und das Geraͤusch der Kerker⸗Riegel hoͤren wuͤrde. Dies sey doch aber ein wahrhaft scheußliches Schauspiel. Zwischen politischen Parteien koͤnne es nie einen Prozeß geben; der wahre Prozeß sey die Schlacht, und das Urtheil der Sieg. Als der Redner bei diesen Worten sehr lebhaft unterbrochen wurde, rief er: „Ja, meine Herren, es giebt kein gerechtes Urtheil, sobald der Sieger es auszusprechen hat. Ein solches Urtheil ist eine bloße Ironie. 161 daß wir die Besiegten waͤren, und daß unsere Sieger, die Republikaner, uns vor ein Kriegsgericht laden sollten, wuͤrden wir solche Richter anerken⸗ nen? Wir wuͤrden sie nicht anerkennen. Es ist kein Beispiel vorhanden, daß ein politisches Urtheil die Sanction der Nach⸗ welt jemals erhalten haͤtte. Die Regierung muß die erste seyn, die dem Lande das Beispiel der Versoͤhnung gieht, und eben, weil sie himmelweit hiervon entfernt ist, ist sie unpopulair. Diese Popularitaͤt kann sich aber die Kammer erwerben, wenn sie fuͤr eine Amnestie stimmt. Man sagt uns, daß der Zeitpunkt hierzu noch nicht gekommen sey. Ich frage; warum nicht? weshalb sollen die Rex listen noch laͤnger im Gefaͤngnisse schmachten? Darch die Gegenwart einer Prinzessin verleitet, die selbst ge⸗

Augenblick erhoben; sie glaubten vielleicht, der Stimme der Ehre zu folgen; viele von ihnen hatten auch Wohlthaten empfangen., Sie wurden besiegt. Glaubt man nun etwa, daß sie mit ihren thoͤrichten Unternehmungen noch einmal hervortreten werden? Die Republikaner sind eben so wenig gefaͤhrlich; sie irren sich vöͤllig in ihrem Zeitalter; es sind junge unerfahrne Leute; man lasse sie ruhig gewaͤhren, dies ist das beste Mittel, sie unschaͤd⸗ lich zu machen. Was endlich die gefangenen Minister in Hamm betrifft, so frage ich Sie aufs Gewissen, m. H., ob sich irgend Iemand im Lande regen wird, wenn man sie in Freiheit setzt? Ihe Schweigen auf diese Frage ist die beste Antwort. Wir All fuͤhlen das Beduͤrfniß einer Amnestie; wir sind sie uns gegenseitig schuldig; wir Alle haben gefehlt. Man wird mir vielleicht ein⸗ wenden, daß ein solches Gefuͤhl der Eintracht fuͤr einen einfa⸗ chen Buͤrger gen muͤsse. einer Meinung nach ist aber das Gefuͤhl Alles, und man sollte es daher nicht verschmaͤhen. Was anders hat die Juli⸗Revolution bewirkt, als das Gefuͤhl der Verletzung der Gesetze? Befragen Sie daher immerhin Ihr Herz; durch Wiberstand gehen sie zu Grunde.“ Eine ungemeine Aufregung aͤußerte sich nach diesem Vortrage in allen Theilen der Versammlung. Nachdem wieder einige Ruhe eingetreten war, ergriff Heit Guizot das Wort, um den vorigen Redner zu widerlegen, Ihm folgte Herr Odilon⸗Barrot auf der Rednerbuͤhne. (Eine ausfuͤhrüͤchere Mittheilung uͤber diese interessante Sitzung müuͤssen wir uns vorbehalten.)

Das Journal du Commerce will gestern Abend ver⸗ sichern gehoͤrt haben, daß das Ministerium die Absicht habe, den Gesetz Entwurf uͤber die Bewilligung von 360,000 Fr. zum Bau eines Gerichts,Saales fuͤr den Pairshof zuruͤckzunehmen, ohne daß es jedoch uͤber die Gruͤnde, welche das Ministerium dazu bestimmt haͤtten, etwas Naͤheres anzugeben weiß.

err Laplagne ist von dem Wahl⸗Kollegium zu Mirande zum D putirten fuͤr das Gers⸗Departement gewaͤhlt worden. Er hatte 117 Stimmen und war der eigentliche Kandidat des Ministeriums. Herr Lassis, den das Journal des Döbats em⸗ pfohlen hatte, erhielt 66 Stimmen und Herr Abeillé, der Kan⸗ didat der Opposition, 45 Stimmen.

Es heißt, die Oppositions⸗Waͤhler von Toulon seyen ent⸗ schlossen, ihre Stimmen alle dem Herrn Ponteves zu geben, dessen Wahl im August von der Kammer auf eine so auffallen⸗ de Weise fuͤr unguͤltig erklaͤrt wurde.

Der Englische Gesandtschafts⸗Seccetair, Herr Aston, ist von London wieder in Paris angekommen.

Das Duell zwischen einem der Redacteure des „Bon Sens“, Herrn Caucholts Lemaire, und einem der Redacteure des „Re⸗ formateur“, Herrn Raspail, hat gestern im Gehoͤlz von Vin⸗ cennes stattgefunden. Herr Cauchois Lemaire hatte den ersten Schuß, fehlte aber. Herr Naspail traf seinen Gegner in die rechte Seite des Halses, die Wunde ist jedoch gar nicht gefaͤhr⸗ lich, da die Wirkung der Kugel durch Halsbinde, Weste und Rock gedaͤmpft wurde.

Als der Minister des oͤffentlichen Unterrichts die Nachricht von der Entdeckung des kostbaren Manuskripts Sic et non von Abaͤlard in der Bibliothek von Tours erhielt, wollte er dasselbe gern nach Paris gebracht haben; der Maire berathschlagte aber erst mit dem Stadtrath daruͤber, und dieser entschied, daß dat Manuskript nicht von Tours entfernt werden solle.

Aus Brest wird gemeldet, daß die Brigg „le Lutin“” am 22sten d. nach der Kuͤste von Spanien abgesegelt ist.

Von der Spanischen Graͤnze schreibt man unterm 25. d.: „Am 17ten gegen 5 Uhr Nachmittags empfing General Mina eine Depesche von Linares, worin dieser ihm meldete, daß er so eben einer auf Aoiz marschirenden Insurgenten⸗ Kolonne nachgesetzt habe. Sobald die Thore dieser Stadt geschlossen worden waren, d6f dieser General seiner Kolonne, sich um 7 Uhr Abends zum Auföbruch fertig zu halten, um welche Zeit er sich an die Spitze derselben stellte und nach Aoij marschirte. Dort fand er aber keinen Feind mehr. Er marschirte also weiter bis Lumbier, wo ein Karlistischer Offizier und 10 Mann sich unterwarfen. Unterweges nahm er ungefaͤhr 20 Im surgenten gefangen, es waren aber lauter blutjunge Leute, und der General gab ihnen daher die Freiheit; 6 davon wuͤnschten in seinen Reihen zu dienen. Am 19ten Abends kehrte er nach Pampelona zuruͤck.“

In einem von hiesigen Blaͤttern mitgetheilten Privat⸗ Schreiben aus Barcelona heißt es: „Der General⸗Lieutenant Santocildez, vormaliger General⸗Capitain der Koͤnigreiche Va⸗ lencia und Murcia, uͤbernahm gleich nach der Abreise des Ge⸗ nerals Llauder nach Madrid das Ober⸗Kommando von Catalo⸗ nien. An der Spitze seines Stabes stehen noch der Brigadier Tena, der die Operationen in den Gebirgen leitet, und Hert Joachim Agerbe, Koͤniglicher Statthalter von Barcelona und Delegirter fuͤr die Ober-Polizet der Provinz. Der Obers Caparros, Privat⸗Secretair des Generals Llauder, bleibt eben⸗ falls bei dem Stabe. Die Guerilla⸗Anfuͤhrer werden durch dle Kaͤlte in den Gebirgen zuruͤckgehalten. Die Strenge des Win⸗ ters und der Hunger zerstreuen die Banden des Distrikts von Tortosa. Die Individuen, aus denen sie bestanden, stellen sic haufenweise, um sich zu unterwerfen und die Waffen niederzu⸗ legen. Durch ein Dekret von 25. November sind die See⸗ und Land⸗Resguardos und die Kuͤsten⸗ und Graͤnz⸗Karabiniers in ein einziges ungefaͤhr 9600 Mann starkes Corps vereinigt wor⸗ den, welches, eine ganz militairische Organisation beibehaltend, ausschließlich unter der Leitung der Provinzial⸗Intendanten steht. Durch diese neue Organisation macht der Schatz eine Ersparnih von 13 Mill. Realen.“

Heute schloß 5proc. Rente 106. 65. 3proc. Rente 76. 85. ö5proc. Neap. 93. 25. 5proc. Span. Rente 42 ½. 3 proc. do. N. Cortes 40 ½., Ausg. Span. Schuld 13 ¾. 282 proc Holl. 54. 25

Frankfurt a. M., 2. Jan Oesterr. 5proc. Meetal. 100 ½ 100 ¾. 4proc. 92 9r. 911 ½ 2 ½ęproc 54 ½ B. 1proc. 23 23 1% Bank⸗Actien 1544. 1542 Part.⸗Oblig. 139 ½. 138 ¼ Loose . 100 Gulden 213 ½ G. Preuß. Praͤm. Sch. 61. 60 ½. do. 4pros Anl. 94 ½. G. Holl. 5proc. Obl. von 1832 97 ½ 97 ½. Poln. Loose 69 ½. 68 . 5proc. Span. Rente 42 ½. 42 ¼. Zproc. do. pery

25 ½. 25 ¼.

die Theilnehmer an den letzten Unruhen fortzusetzen, 1

1“

faͤhrlichen Rathschlaͤgen gefolgt war, hatten sie sich fuͤr einen

Fang gut sey, bei einem Staatsmanne aber schwei⸗

ben worden, und das ihm zu Ehren errichtete Monument werde ab⸗

Preußische Staats⸗Zeit

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—— 817

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Kaiserlich Russischen Wirklichen Staatsrath von Wolckow, zu St. Petersburg, den St. Johanniter⸗Orden zu verleihen geruht.

Se. Koͤnigliche Majestaͤt haben dem bisherigen Vice⸗Praͤsi⸗ denten des Ober⸗Landesgerichts zu Halber tadt, Bebeimen Ober⸗ Tribunals⸗Rath Mahlmann, die erledigte Vice⸗Praͤsidenten⸗ Stelle bei dem Ober⸗Landesgerichte zu Naumburg Allergnaͤdigst zu verleihen geruht.

Se. Koͤnigliche Majestaͤt haben den Justizrath Nicolo⸗ vius zum Ober⸗Landesgerichts⸗Rath und Mitglied des Ober⸗ Landesgerichts in Magdeburg Allergnädigst zu ernennen geruht.

Dem Fabriken⸗Besitzer Karl Wilhelm Schoͤn zu Bar⸗ men ist unter dem 22. Dezember v. J. ein Patent: auf eine durch Zeichnung nachgewiesene Verbesserung der mehrgaͤngigen Litzen⸗Flecht⸗Maschine, so weit sie fuͤr neu und eigenthuͤmlich erachtet worden, sechs hinter einander folgende Jahre, vom Tage der Ausferti⸗ gung an gerechnet, und im ganzen Umfange des Preußischen Staats guͤltig, ertheilt worden.

8 8

Fren.

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Zeitungs⸗Nachri

1“ A u 5 s a n d.

Ftanirvei h.

Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 29. Dezember. (Nachtrag.) Herr Pagos (vom Arriège⸗Departement), der dem Herrn Molin auf dee Rehnerbuͤhne folgte, verlas eine lange Rede gegen den Gesetz⸗Entwurf. „Meine Herren“, begann er, „das Mi⸗ nisterium verlangt von Ihnen einen Audienz⸗Saal und ein proviso⸗ ssches Gefaͤngniß fuͤr den Pairshof.“ (Allgemeines Gelaͤchter, in das der Redner mit einstimmt.) „Ich wollte sagen, das Ministerium verlangt einen provisorischen Audienz⸗Saal, und ein Gefaͤngniß fuͤr die, in den bei dem Pairshofe anhaͤngigen Prozeß verwickelten Per⸗ onen. Die Kommission dagegen bringt einen desinitiven Sitzungs⸗

aal fuͤr die Pairs⸗Kammer als Gerichtshof in Antrag. Wie man auw die Sache verschleiern moͤge, es ist, offen herausgesagt, immer nur ein Palast, den man der politischen Justiz errichten will.“ Beide Vorschlaͤge tadelt der Redner. Die politische Justiz, meint t, begehe immer nur leidenschaftliche Mißgriffe. Ein Urtheil habe den Marschall Ney getroffen, und Frankreich habe das Urtheil kas⸗ irt. Ein Urtheil habe Bories und einige andere Verschworne getroffen, nd die Juli⸗Revolution habe diesen Opfern ein Denkmal errichten wollen. Der Herzog von Berry sey meuchlerischerweise niedergesto⸗

gerissen. (Bewegung) Die politischen Urtheile seyen der Aenderung nterworjen, wie man von einer Gewalt zur anderen uͤbergehe. Die politische Justiz koͤnne also nur ein fortwaͤhrender Irrthum seyn. Das Koͤnigthum beduͤrfe der Pairie; die Pairie aber ihrerseits be⸗ hduͤrfe der Wuͤrde, und es heiße nicht, ihrer Wuͤrde dienen, wenn an ihr einen permanenten Gerichts⸗Saal bewillige. Der Redner achte die Kammer darauf aufmerksam, daß sie durch die Annahme des vorliegenden Gesetz⸗Entwurfes nicht allein eine Fraze der Ar⸗ itektur, sondern auch eine politische Frage entscheide, indem sie sich dadurch fuͤr die Nothwendigkeit und Zweckmaͤßigkeit des vor dem Pairshofe schwebenden Prozesses ausspreche. „In diesem Augen⸗ blicken, fuhr er fort, „den verlangten Saal bewilligen, heißt auch ie Amnestie⸗Frage ganz beseitigen, und dies scheint die Absicht es Ministeriums zu seyn. Als der Minister des Innern den zesetz-Euntwurf vorlegte, sagte er, daß dies die beste Gelegenheit ey, die Amnestie⸗Frage zu eroͤrtern. Als ein bestimmter Amnestee⸗ Vorschlag in den Bureaus zur Sprache kam, erklaͤrte man densel⸗ ben fuͤr uͤnnuͤtz, und vertroͤstete uns auf den von Herrn Thiers vor⸗ gelegten Gesetz⸗Entwurf. Was geschieht aber jetzt? Es handelt ich nicht mehr um einen provisorischen, sondern um einen perma⸗ nenten Saal fuͤr den Pairshof, und nun soll, wie der Herr Bericht⸗ istatter meint, von dem Prozesse und von der Amnestie gar nicht die Rede seyn. Die Amnestie⸗Frage kann indeß durch keine noch so schlaue Taktik umgangen werden; man muß sie in ihrem ganzen nfange freimuͤthig und aufrichtig eroͤrtern. Und doch, m. H., be⸗ uͤhre sch dieselbe nicht ohne eine gewisse Befangenheit; man sagt, daß ein Theil von Frankreich dieselbe zuruͤckstoße, daß Paris, Lyon und die Vendée sie fuͤrchteten. Ich selbst habe, wie die genannten Staͤdte und Provinzen, Fluͤche fuͤr die Ruhestoͤrer, und hege Theilnahme fuͤr die friedlichen Buͤrger, welche durch die Empdrungen so viel gelitten haben. Ich selbst habe lange id reiflich daruͤber nachgedacht, welche Wirkung auf die ünftige Ruhe die Freiheit der Personen hervorbringen duͤrfte, je fruͤher die Ruhe gestoͤrt haben. Aber alle Bedenken weichen vor der Ueberzeugung, daß das Koͤnigthum ungemein an Kraft und Sta⸗ cilltät gewinnen wuͤrde, wenn es sich stark genug fuͤhlte, die Am⸗ estie zu bewilligen. Die Amnestie ist der wahre Pruͤfstein einer kuen Regierung. Sie ist es, wodurch Freunde und Feinde erfah⸗ en, daß die Gewalt endlich auf einer Grundlage beruht, deren Er⸗ chütterung sie nicht fuͤrchtet, und daß sie, uͤberzeugt, die Ordnung aufrecht erhalten zu koͤnnen, denjenigen verzeihen kann, die dieselbe gestoͤrt hatten. Die Gnade ist das wahre Zeichen der Macht, und has sicherste Mittel, die Unruhestifter von ihrer Ohnmacht zu uͤber⸗ eugen und sie zu entwaffnen. Bis auf den heutigen Tag waren alle Negierungen den Wuͤnschen des Landes durch eine Amnestie ent⸗ begengekommen. Die gesetzgebende Versammlung, das Konsulat, das Faiserthum, die Restauration haben sie proklamirt und dadurch stets suhe in die Gemuͤther zuruͤckgebracht. Eine einzige Regierung hat sich eständig der Amnestie widersetzt. Ich meine den National⸗Kon⸗ bent. (Hoͤrt, boͤrt!) Derselbe war, wie alle usurpirten Gewalten, eine ausschließliche Gewalt, die rings um sich her die Parteien er⸗ iemungslos opferte, bis sie endlich, ganz vereinzelt dastehend, un⸗ er den Streichen ihrer zahllosen Feinde schmachvoll erlag! Jede Regierung, die sich erhalten will, fuͤhlt das Beduͤrfniß, an der pvpihe des Landes, und nicht bloß an der Spitze einer Partei zu sehen; und deshalb empfindet sie auch die Nothwendigkeit, ale NMeinungen um sich zu versammeln, sie mit einander zu verschmel⸗ en, und den Spaltungen ein Ende zu machen. Dahin kann sie aher nur durch das Vergessen alles Unrechts und durch die Vereini⸗

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gierung zu, welche zu verlieren haͤben. Hierdurch entstand die glän⸗ zende Epoche des Konsulats. Der Konsul strebte nach der Käifer⸗ Krone, und er sammelte alle Republikaner um sich; er ward das Oberhaupt einer Republik, und reichte allen Ro⸗ yalisten die Hand. Von dieser Zeit an war die Gewalt fest gegruͤndet; denn wenn alle Parteien begnadigt werden, dann giebt es keine Parteien mehr. Aber koͤnnen wir das, was das Konsulat that, von dem jetzigen Ministerium erwarten? Der Konsul war der Mann der Vereinigung; unsere Minister sind die Maänner des Widerstandes; der Konsul zog an sich, die Minister entfernen von sich; die Eintracht machte die Gewalt des Konsulats aus, der Wi⸗ derstand macht die Schwaͤche unserer Minister aus. Das Land will Vergessenheit des Vergangenen, Eintracht in der Gegenwart, und Fortschritte fuͤr die Zukunft; der Widerstand ist in offenbarem Wi⸗ derspruch mit dem Willen der Nation. Was das Land will, das kann ihm das doctrinaire System fortan nicht mehr geben, und sich diesem System zugesellen, heißt, gegen die Wahrheit, gegen Frank⸗ reich verstoßen. Ich stimme daber gegen die Bewilligung irgend ei⸗ ner Summe 12 Bau eines Saales oder eines Gefaͤngnisses; und da ich mich uͤber die Amnestie nicht durch ein Votum aussprechen kann, so muß ich mich mit dem Wunsche begnuͤgen, daß die Krone, besser berathen, uns bald ein Gesetz vorlegen moͤge, wodurch die Rechnung mit der Vergangenheit vollstaͤndig abgeschlossen wird. Unsere Be⸗ muͤhungen sind schon jetzt nicht hans ohne Erfolg geblieben; der Ruf nach einer Amnestie ist so laut ertoͤnt, daß die Koͤnigl. Gnade dadurch geweckt worden ist.“ Herr Fulchiron erklaͤrte sich im Namen Lyons, dessen Repraͤsentant er ist, gegen die Amnestie. Er sey war, sagte er, von Unempfindlichkeit gegen das Ungluͤck weit entsernt, allein die Amnestie sey etwas Unmoralisches, weil sie diejentgen, die ihre Mitbuͤrger ermordet haͤtten, wieder in die buͤrgerliche Ge⸗ hegn zuruͤckfuͤhre. Herr Janvier erklaͤrte von vorne herein, er in dem vorliegenden Gesetz⸗Entwurfe nur eine Gelegenheit erblicke, uͤber die Amnestie zu sprechen, und daß er eine solche Ge⸗ legenheit jetzt und in der Folge nie ungenutzt voruͤbergehen lassen werde. Die von dem Herrn Janvier aufgestellten Argumente fuͤr die Amnestie stimmten im Wesentlichen mit denen des Hrn. Pagès uͤberein. Er behauptete, daß in ganz Frankreich, Paris, Lyon und die Vendée nicht ausgenommen, die Amnestie von der Maioritaͤt der Einwohner s hcet wuͤrde. Wenn man die Pariser National⸗ Garde um ihre Meinung befragen wollte, so zweifle er keinen Au⸗ genblick daran, daß sie ihre Waffen in die Wagschaale werfen und ausrufen wuͤrde „Gnade den Besiegten!“ (Lebhafter Beifall.) Nachdem her Redner ausfuͤhrlich auf den politischen Nutzen der Amnestie hingewiesen hatte, schloß er mit folgenden Worten: „Mi⸗ nister des Koͤnigs, Euer System der Strenge ist ein abgenutztes F1 1,ei .. . S.g. Legene. N1 Amnestie ist fortan endigkeit; Frankreich wird sie Euch abzuzwingen, oder Euch Nachfolger zu geben wissen!“ vob1“

In der Sitzung vom 30. Dez. trat Herr Guizot zur Wi⸗ derlegung des Herrn von Lamartine auf. Serr e echn⸗ 12 naͤchst gegen einen Tags zuvor von Herrn Janvier gebrauchten Aus⸗ druck. Es gebe, aͤußerte er, seit dem Jabre 1830 in Frankreich keine politische Proskribirte mehr. Kein Vendéer, kein Republikauer be⸗ finde sich seiner politischen Gesinnung wegen im Kerker. Wohl aber sey ein Verbrechen begangen worden, das die Gesetze aller Laͤn⸗ der als einen Angriff auf die Sicherheit des Staats und die beste⸗ hende Ordnung der Dinge stempelten. Dies Verbrechen nun solle S werden, und zwar nicht auf den Grund eines Ausnahme⸗ Gesetzes, sondern kraft der bestehenden Füssglichen Bestimmungen, die inmitten der politischen Stuͤrme der letzten Jahre von den Kammern selbst gemildert worden waͤren. Man thuce hiernach sehr unrecht, wenn man von Proscriptionen und Verfolgungen spreche. Alles, was geschehe, geschehe auf den Grund einer Gesetzgebung, die milder und billiger sey, als es deren je eine zu irgend einer Zeit und in irgend einem Lande gegeben habe. 8 gehbre nicht zu denen, die sich, wie man zu verstehen gebe, in der Ueber⸗ fuͤllung der Gefaͤngnisse gefielen; vielmehr wisse er sehr wohl, daß man aus Menschlichkeit und aus Polltik dem Ungluͤcke stets ein williges Ohr leihen muͤsse. Indessen sey es ganz unwahr, daß die Gefaͤngnisse uͤberfuͤllt waͤren, indem es vor 8 Tagen uͤberhaupt nur noch 211 politische Gefangene gegeben habe. Eben so wenig koͤnne er zugeben, daß das bisherige System des Schreckens und der Strenge, wie man sich ausdruͤcke, durch ein System des Vertrauens und der Versbhnun ersetzt werden muͤsse, denn er leugne es, daß das seit 4 Jahren befolgte politische System jene Bezeichnung verdiene. In der That habe es vielleicht nie eine zutraulichere Politik als die sez⸗ zige gegeben, indem die Regierung seit ihrem Bestehen immer das unbedingteste Vertrauen zu der Guͤte ihrer Sache, zu der Kraft der Verfassung und zu der Weisheit des Landes gehabt habe. Er muüsse daher vielmehr den Vorwurf, den man in dieser Beziehung der Verwaltung mache, auf ihre Gegner zuruͤckwaͤlzen; sie waͤren es, die der Verfassung, den Kammern, den Waͤhlern mißtrauten, indem sie bestaͤndig Neuerungen verlangten und die Institutionen des Landes als mangelhaft und unzulaͤnglich verschricen. Auch den Vorwurf der Strenge, den man der Regierung mache, koͤnne er nicht gelten lassen; gewiß habe die Verwaltung bei den wiederhol⸗ ten Unruhen Langmuth genug gezeigt, und wo endlich eine Unter⸗ druͤckung dieser Unruhen nothwendig gewesen, habe man sich immer gerecht und maͤßig gezeigt. „Man sagt uns“, fuhr der Minister fort, „daß bei politischen Kaͤmpfen der Sieg allein uͤber Recht oder Unrecht entscheide, und dies nennen Sie ein System der Versoͤh⸗ nung? Bei allen politischen Fragen also, die sich inmitten einer constituirten Gesellschaft erheben, soll die materielle Gewalt allein ent⸗ scheiden? Mit solchen Grundsaͤtzen glauben Sie, die Gemuͤther aus⸗ zusoͤhnen? Wahr ist es freilich, daß es heutiges Tages viel Menschen giebt, die das Wahre vom Falschen, das Gute vom Boͤsen nicht mehr unterscheiden koͤnnen oder wollen, die Alles fuͤr erlaubt halten, um ibrer Meinung den Sieg zu verschaffen, und die das Gluͤck und die Ruhe ihres Landes aufs Spiel setzen, weil sie glauben, daß der Name ei⸗ ner Republik besser fuͤr dasselbe tauge, als der einer Revpraͤsentativ⸗ Monarchie. Dies ist allerdings ein Uebel, das mehr oder weniger auf unserem Boden Wurzel geschlagen hat; glauben Sie es aber auszurotten, indem Sie Grundsaͤtze wie diejenigen verkuͤndigen, die der vorige Redner so eben dargelegt hat? Das Uebel wird dadurch nur vermehrt. Wir protestiren gegen die Bezeichnung von Siegern und Bestegten, die man auf unseren gesellschaftlichen Zustand an⸗ wendet. Fuͤr uns giebt es in den Gefaͤngnissen nur Maͤnner, die sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht haben und dafuͤr nach dem Buchstaben des Gesetzes gerichtet werden sollen. Man bezeich⸗ net unser System als abgenutzt und verlangt ein anderes an dessen Stelle; ich melnerseits erkenne indessen in dieser neuen Politik nichts als jene alten revolutionnairen Theorieen, die man gern wieder aufwaͤrmen moͤchte. Dies ist aber unmoͤglich, und so oft daher dergleichen Gedanken kund gegeben werden, si es mir, als hoͤrte ich jene so wahren und sinnreichen Worte wieder⸗

gung aller Interessen 1. Dann hdoren die Befuͤrchtungen uf, und das Beduͤrfniß der Ordnung fuͤhrt alle diejenigen der Re⸗

lin, Mittwoch den 7ten Januar

dient hat: „„Ich kannte Euch schon vor 20 Jahren; Ihr nanntet Euch damals Petion“”“ (Gelaͤchter. Herr Odilon⸗Barrot verlangt das Wort.) Wenn die Amnestie, die gegenwaͤrtig weder von der Nothwendigkeit, noch von der Gerechtigkeit geboten wird, dereinst bewilligt werden kann, ohne daß die Regierung dadurch geschwaͤcht, der Partetgeist ermuthigt und die Ruhe der Gemuͤther gestört wird, wird es gewiß keinen einsichtigen Staatsmann geben, der dazu nicht mit Vergnuͤgen die Hand boͤte. So lange aber diese Bedingungen noch nicht erfuͤllt sind, so lange es noch Besorgnisse um die bffentliche Ruhe und Ordnung giebt, so lange wuüͤrde auch eine Amnestie nur als ein Akt der Schwaͤche erscheinen, und, weit entfernt, eine Versoͤhnung der Gemuͤther herbeizufuͤhren, vielmehr gerade eine entgegengesetzte Wirkung hervorbringen. Aus diesen Gruͤnden allein verwerfen wir fuͤr jetzt noch jene Maßregel.“ Kaum bhatte der Minister die Rednerbuͤhne verlassen, als die Herren Leyraud und Odilon⸗Barrot sich gleichzeitig auf derselben einfanden. Der Erstere trat jedoch bald das Wort an Herrn Odilon⸗Bar⸗ rot ab, der sich etwa ’“ vernehmen ließ: „Herr Guizot hat sich, wie mir scheint, so viele Anspielungen auf meine bekann⸗ ten politischen Ansichten erlaubt, daß ich mich nicht enthalten kann, seine Rede zu beantworten. Was zunäͤchst den uns vorliegenden Gesetz⸗Entwurf betrifft, so glaube ich, daß sich kein Beispiel in der Geschichte nachweisen laͤßt, wo, waͤhrend Angeschuldigte schon 10 Monate lang im Gefaͤngnisse schmachten und endlich dem ersehnten

gen, worin jene Angeschuldigten gerichtet werden sollen. Um uns einigermaßen zu troͤsten, sagt man uns, daß in 2 bis 3 Monaten das neue Gebhaͤude fertig seyn wuͤrde, und meint, daß, wenn eiwa 6 Monate und noch laͤngere Zeit daruͤber hingehen sollte, wir ja den Minister des 8 deshalb zur Verantwortung ziehen koͤnnten. Dies ist wahrlich ein großer Trost fuͤr die Gefangenen. Und wuͤr⸗ den wir wohl hart genug seyn, den Minister zu strafen, wenn er uns nach 6 Monaten sagte, daß der Baumeister nicht alle Schwie⸗ rigkeiten vorausgesehen habe, oder daß nicht hinreichende Fonds zu dem Bau angewiesen gewesen waͤren? Aber durch den unds vorge⸗ legten Gesetz⸗Entwurf ist auch der Entscheidung der Justiz vorge⸗ sofen worden, denn als er uns mitgetheilt wurde, hatte der Pairs⸗

of sich noch gar nicht einmal fuͤr kompetent erkläͤrt. Was endlich die Gerichtsbarkeit der Pairs⸗Kammer betrifft, so bestreite ich sie nicht, sobald es sich darum handelt, einen Minister oder einen Pair von Frankreich zu richten. Buͤrger aber, die dem gemeinen Gesetze unterworfen sind, muͤssen vor die Geschwornen gestellt werden, und hinsichtlich ihrer betrachte ich die Pairs⸗Kammer als inkompetent. Wohl weiß ich, daß man sich auf den 28. Artikel der Charte beruft. Wer dies aber thut, kennt diesen Artikel gar nicht, demselben ausdruͤcklich, daß die Pairs⸗Kammer uͤber die Verbrechen des Hochverraths und die Angriffe auf die Sicherheit des Staates, die das Gesetz noch naͤber bezeichnen werde, zu erkennen habe. Diese Bezeichnung hat aber noch gar nicht stattgefunden, so daß bis jetzt noch Niemand recht weiß, worin jene Verbrechen bestehen. Aus allen diesen Gruͤnden verwerfe ich den Gesetz⸗Entwurf, und komme jetzt auf die Anekdote zuruͤck, wodurch der vorige Redner mich mit Petion hat vergleichen wollen. Auch ich sage Ihnen, Hr. Gutzot, daß ich Sie schon lange kenne, denn in Ihnen sind nach der Juli⸗Revolution alle Grundsaͤtze und alle Systeme der Restauration personifizirt. (Beifall in den Reihen der Opposition.) Alles, was Sie uns uͤber die Nothwendigkeit des Widerstandes und uͤber die Gefabren des Parteigeistes sagen, ist abgedroschenes Zeug und vielleicht fruͤher eben so gut gegen Sie selbst und Ihre Freunde angewendet worden. Sie ersehen hieraus, Herr Guizot, daß wir Sie ebenfalls schon lange kennen. Die vo⸗ rige Regierung hatte einst auch ihr Widerstands⸗System; ihr Wahl⸗ spruch: „„Kelne Zugestaͤndnisse mehr!“, war aber der Vorlaͤufer einer furchtharen Katastrophe. Dieses Beispiel muß uns einige Be⸗ sorgnisse einfloͤßen, sobald wir hoͤren, daß die jetzigen Minister sich zu demselben Systeme bekennen. Die wahre Politik einer Regie⸗ rung besteht darin, daß sie zur rechten Zeit widersteht oder nachgiebt Und wem soll denn der Widerstand des jetzigen Ministeriums gel⸗ ten? Etwa dem Straßen⸗Aufruhr? dieser ist ja gedaͤmpft. Oder den politischen Folgen der Juli⸗Revolution? dies bestreiten die Minister selbst. Man sage uns also, was das Widerstands⸗ System bedeuten soll; wir muͤssen es sonst fuͤr einen Unsinn erklaͤren. Wenn man uns vollends dieses System als ein System der Kuͤhnheit und des Vertrauens anpreist, so moͤchten wir wohl fragen, wie es zugehe, daß die Repraͤsentanten desselben von dem Lande so fang verkannt werden, daß man hauptsaͤchlich die urcht als den Hebel ihrer Politik betrachtet. In der That hat die S alle Unordnungen, die in den letzten Jahren stattgefunden haben, uͤbertriehen, und den Parteien dadurch mehr Gewicht gegeben, als sie wirklich hatten.“ Der General Bugeaud bemerkte bei diesen Worten, daßz die Regierung sich bei den Unruhen vor dem erzbischoͤf⸗ lichen Palaste passiv verhalten habe, und daß hierdurch die Zerstoͤ⸗ rung dieses Palgt , deeena worden sey. Es kam hieruüͤber zu einigen Explicationen zwischen Herrn Bugeaud und Herrn Odilon⸗Barrot, der bei jenen Unruhen in Person zugegen war, und daher die Unterbrechung des Herrn Bugeaud so aus⸗ legte, als ob dieser ihn fuͤr die Zerstoörung des gedachten Palastes ver⸗ antwortlich machen wolle. Herr Odilon⸗Barrot erklaͤrte, daß er damals sein Moͤglichstes gethan babe, um der Zerstoͤrung vorzubeu⸗ gen⸗ daß es indessen Sache der Polizei⸗Behoͤrde gewesen sey, fuͤr ie Erhaltung der Ruhe Sorge zu tragen. Der Minister des Innern ergriff darauf noch des der

einmal das Wort zur Vertheidigun FPggehsae Systems der Regierung, worauf die Fortse ung ebatte auf den folgenden Tag verlegt wurde.

In der Sitzung vom 31. Dezember legte zunäͤchst der Gra

Jaubert den Kommissions⸗Bericht uͤber die ees tet he ohn 8 Parant hinsichtlich der Abschafung der Majorate auf das Bureau der Kammer nieder. Herr Leyraud setzte sodann die obige De⸗ batte fort, indem er sich zu Gunsten einer Amnestie aussprach, die er fuͤr durchaus zeitgemaͤß hielt. Im entgegengesetzten Sinne sprach sich Herr Liadièoͤres aus, der zugleich dem Herrn Guizot zu feinen beiden Reden des vorigen Tages Gluͤck wuͤnschte. In Ermangelung leicher Eloquenz, meinte er, werde er sich wenigstens moͤglichst kurz fassen. In der That schloß er bald seinen Vortrag, indem er fuͤr die An⸗ nahme des Gesetz⸗ stimmte. Gespannter wurde die Auf⸗ merksamkeit der Versammlung, als Herr Hennequin die Redner⸗ buͤhne bestieg. (Wir behalten uns einen Auszug aus seinem Vor⸗ trage vor.) Nach ihm ließen sich die Herren Giraud, Gauguier und General Bugeaud vernehmen. Dieser Letztere sprach sich be⸗ sonders heftig aus. Man koͤnnte ihn vielleicht, qußerte er, fuͤr un⸗ berufen halten, in der Fegenragen Debatte seine Meinung abzu⸗ geben, indem er hei den April⸗Unruhen persöoͤnlich gegen die Auf⸗ küͤhrer gekaͤmpft habe; indessen wuͤrde man den Franzdsischen Mi⸗

holen, deren man sich, wenn ich nicht irre, in unserer Mitte be⸗ 8* 7

litair ganz und gar verkennen, wenn man ihn fuͤr faͤhig hielte, sich

Augenblicke nahe zu seyn glauben, um vor Gericht ihre Unschuld darzu-⸗

denn es heißt in

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thun, ein Verein von Staatsmaͤnnern und Gesetzgebern ruhig und mit kaltem Blute uͤber den Plan zu dem Bau eines Saales berathschla⸗