1835 / 7 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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nach errungenem Siege einem Gefuͤhle der Nache hbinzugeben. Der Redner beklagte darauf die im Lande herrschende Sittenlosigkeit, und ruüͤgte es, daß man politische Verbrechen zu Tugen⸗ den stempele, wie Herr von Lamartine solches gethan habe. „Taͤglich“, sagte er, „werden ungluͤckliche Familienvaͤter, die einen Sack mit Getraide steblen, um ihre Kinder zu ernaͤhren, zur Zwangs⸗ Arbeit verurtheilt, waͤbrend man einen Zeitungsschreiber, der unauf⸗ hoͤrlich den ganzen gesellschaftlichen Zustand antastet, entschuldigen will”“ Aller Augen wandten sich bei diesen Worten nach der Tri⸗ bune, wo die Journalisten sitzen. „Ja, meine Herren“, fuhr der Redner fort, sch erklaͤre, daß ich fuͤr mein Theil die Zeitungs⸗ schreiber nicht leiden mag; sie sind unsere Despoten, 5 sind die Barone der neueren Gesellschaft!’“ Diese Expectoration erregte ein anhaltendes Gelaͤchter in der Versammlung. Herr Bugeaud be⸗ zeichnete schließlich die verhafteten Theilnehmer an den Unruhen als wahre Straßenraͤuber und behauptete, daß sie strafbarer waͤren, als die Gefangenen in den Bagnos; wollte man sie amnestiren, so wuͤrde das Militair bald eine neue Gelegenheit haben, sie zu zertre⸗ ten. Unter lautem Murren der Oppositions⸗Partei verließ Herr Bugeaud die Rednerhuͤhne, auf welcher Herr Berryer ihm folgte.

Paris, 31. Dez. Gestern arbeitete der Koͤnig mit dem Grafen Montalivet und spaͤter mit den Ministern der Justiz, der gauswaͤrtigen Angelegenheiten und des Krieges.

Das Wahl⸗Kollegium von Toul hatte an die Stelle des Erafen von Rigny, der doppelt gewaͤhlt worden war, einen andern Deputirten zu ernennen. Von 149 Stimmen hat Herr Croissant, Maire von Toul, 91, Herr Eduard von Rigny, Pruder des Ministers, 42, und der General Fabvier 10 Stim⸗ men erhalten. Herr Croissant ist demnach zum Deputirten pro⸗ klamirt worden.

Alle aus der polptechnischen Schule entlassenen Zoͤglinge haben, wie der National meldet, den Kriegs⸗Minister um Nachsic t gebeten, und eingestanden, daß sie sich gegen die Dis/ zixlin der Anstalt vergangen haͤtten. Es heißt, sie wuͤrden am 5. Janvar wieder eintreten.

Ueber die angeblich projektirte Heirath der Prinzessin Vie⸗ torle von England mir einem Niederländischen Prinzen sind hier die widersprechendsten Geruͤchte im Umlauf. Die Einen betrach⸗ ten die Sache als abgemacht, die Andern dagegen, die ebenfalls ihre Nachrichten aus guten Quellen zu schoͤpfen pslegen, behaup⸗ ten, daß diese Vermaͤhlung, wie sehr sie auch dem Wunsche der Koͤnigin von England entsprechen wuͤrde, nie zu Stande kom⸗ men werde. 1

Ein hie’iges republikanisches Blatt, der Reformateur, das erst seit kurzem besteht, hat sich offen gegen das Duell er⸗ klaͤrt, und seine Unhaltbarkeit vor der Vernunft gezeigt. Zugleich doben die Redaktoren dieses Blattes den Muth gehabt, zu er⸗ klaͤren, daß sie von nun an keine Herausforderung mehr anneh⸗ men wuͤrden, dagegen stets bereit seyen, ihre Streitigkeiten vor ein gewaͤhltes Schiedsgericht zu bringen, und sich dem Urtheile desselben zu unterwerfen.

Großbritanien und Irland.

London, 30. Dez. Gestern Abend war großes Diner bei Ihren Majestaͤten in Brighton, zu welchem saͤmmtliche Kabinets⸗ Minister eingeladen waren. Vorgestern speiste der Herzog von Richmond beim Koͤnige. Gestern Nachmittags ertheilten Seine Majestaͤt dem Sir William Freemantle eine Audienz.

Dem Observer zufolge, hat der Herzog von Cumberland an die Führer der Ultra⸗Tory⸗Partei geschrieben und sie drin⸗ gend aufgefordert, sich um Sir Robert Peel zu versammeln und

bei der gegenwaͤrtigen Krisis die unangenehmen Eindruͤcke, wel⸗ che das fruͤhere Venehmen dieses Ministers auf sie gemacht ha⸗ ben köͤnnte, jetzt zen⸗ zu vergessen.

Der jetzige Praͤsident des Schatzkammer⸗Gerichts, Sir J. Secarlett, begann seine juristische Lausfbahn im Jahre 1791; von dieser Zeit an bis jetzt, also 44 Jahre lang, praktizirte er am Gerichishofe der King's Bench, an welchem waͤhrend dieses Zeit⸗ raums vier Oberrichter, die Lords Kenyon, Ellenborough, Ten⸗ terden und Denman praͤsidirten. Sir William Follett, der je⸗ tzige General⸗Fiskal, wurde im Jahre 1824 zur Barre berufen, nachdem er etwa zwei Jahre vorher Plaidoyers gefuͤhrt hatte. Mit Ausnahme des verstorbenen Lord Gifford moͤchte vielleicht noch niemals ein Rechtsgelehrter in England so schnell emporge⸗ stiegen seyn, als Sir W. Follett. 1

Man glaubt jetzt, daß Sir C. M. Sutton fuͤrs erste nicht zum Pair erhoben werden wuͤrde, weil die Minister der Mei⸗ nung scyen, daß er ihnen als Sprecher im Unterhause sehr we⸗ sentliche Dienste leisten koͤnnte, und daß seine Wiedererwaͤhlung zu diesem Posten am leichtesten durchzusetzen seyn duͤrfte.

Nachdem, der Morning Chronicle zufolge, die Lords Maryborough, Forester, Worcester und Wilton das Amt eines OberJäaͤgermeisters ausgeschlagen haben, ist, wie der Stan⸗ daed versichert, Lord Chesterfield dazu ernannt worden. Letzt⸗

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genanntes Blatt meldet auch noch folgende Ernennungen: Vis⸗

count Castlereagh zum Vice⸗Kammerherrn, Graf von Hardwicke zum Lord⸗Lieutenant von Cambridge und Herr Henry Corry zum Controleur des Koͤniglichen Haushalts.

Außer Sir G. Cockburn wird auch Herr J. W. Croker von den hiesigen Zeitungen als Kandidat fuͤr den Posten eines Ober⸗Commissairs der Jonischen Inseln bezeichnet.

Der erste Lord der Admiralitaͤt, Graf de Grey, hat Herrn George Cole zu seinem Privat⸗Secretair ernannt.

Der Graf von Aberdeen ist von dem Landsitz des Marquis von Salisbury wieder nach London zuruͤckgekehrt.

Einige Blaͤtter meldeten, der Graf von Ripon habe am letzten Mittwoch einen Besuch bei Sir R. Peel gemacht; die Morning Chroniele erklaͤrt dies aber fuͤr ungegruͤndet, in⸗ dem Lord Ripon sich in Brighton besinde und schon seit einigen Wochen nicht in London gewesen sey.

Vorgestern langte Herr A. M. von Pontois hier an, der

die Stelle des geehg6sche Geschaͤftstraͤgers, Herrn von Ba⸗ court, einnehmen soll. Die Oppositions⸗Blaͤtter meinen, Lud⸗ wig Philipp wuͤrde nicht eher einen Botschafter an die Stelle

des Fuͤrsten Talleyrand nach England schicken, bis er saͤhe, welche

Wendung die Dinge hier nehmen wuͤrden.

Der Standard widerspricht auf das Bestimmteste der Behauptung des Couriers, daß das Kabinet hinsichtlich der Frage uͤber die Aufloͤsung des Parlaments getheilt gewesen und die Meinung des Premier⸗Ministers sest uͤberstimmt worden sey. Es sey durchaus nichts Wahres an diesem Geruͤchte. Fuͤr eben so grundlos erklaͤrt der Standard die auch im Courtier ent⸗ haltene Nachricht von heftigen Zaͤnkereien um einzelne Aemter. Es sey nichts dergleichen vorgekommen, vielmehr habe es nie ein einigeres und zusriedeneres Ministerium gegeben.

Der Tourier glaubt, daß die neuen Wahl⸗Ausschreiben sämmtlich noch heute Abend werden abgesandt werden koͤnnen. Diesenigen suͤr die City von London, - r Westminster, fuͤr die Firchspiele der Hauptstadt und sar ande

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re in der haͤchsten Um⸗

gegend von London gelegene Orte wuͤrden demnach noch diefen Abend den Sheriffs oder sonstigen Wahl⸗Behoͤrden zugehen. Im Dezember des Jahres 1832 fand die Ernennung der Kandida⸗ ten fuͤr die City und fuͤr Westminster am 7ten Tage nach dem Datum der Aufloͤsungs⸗Proclamation, die Wahl selbst am 9ten und 10ten Tage danach statt. Diese Wahlen waren also 10 Tage nach der Aufloͤsung des Parlamentes beendigt; es liegt aber in der Macht der Wahl⸗Beamten, die Wahlen drei bis vier Tage weiter hinauszuschleben.

Die Times suͤzt der Bekanntmachung der Adresse der kon⸗ servativen Versammlung in der London⸗Tavern folgende Bemer⸗ kungen hinzu: „Wir publiziren heute ein Dokument, worauf wenigstens eine Klasse von Politikern nur wenig vorbereitet ist, und doch ist es das Werk ihrer eigenen Haͤnde oder viel nehr ihrer eigenen Lungen, und die Destruktiven der City haben dies nur sich selbst zu danken. 88 die aufruͤhrerischen und revo⸗ lutionnairen Schreier dieser Versammlung denen, welche zugegen waren, erlaubt, ihre Meinung auszusprechen und ihre Stimmen zu geben in der Weise, wie es in den meisten Versammlungen civilisirter Menschen geschieht, so haͤtte die große Mehrheit der Konservativen die Sache gern durch eine solche Probe entschei⸗ den lassen, und ihren Angreifern die Demuͤthigung und Verz weifluna, worin diese merkwuͤrdige Erinnerung an die verhaßte Wahrheit sie ge⸗ stuͤrzt haben muß, erspart. Wenn es unleugbar ist, daß die politüche Gesinnung, welche an dem genannten Tage durch das wilde Ge⸗ schrei einer zu Stoͤrungen organisirten Menge uͤbertaͤubt wurde, diejenige der großen Menge der reichen, intelligenten und unab⸗ haͤngigen Personen ist, welche die kommerzielle Welt von London bilden, so ist es unmoͤglich, in dieser Hauptstadt, und daher in Großbritanien oder, was dasselbe ist, auf der ganzen Erde, eine gleiche Anzahl von Personen zu finden, bei denen ein solches Gewicht von disponiblem Kapital, oder solche Autoritaͤten, oder Stäaͤrke des Charakters wie hier, vereinigt ist. Die Herren Grote und Fearon moͤgen ihre Leute mustern und wenn sie koͤn⸗ nen, eine aͤhnliche Reihe aufstellen. Es ist nicht unser Zweck, uͤber die bevorstehende Wahl fuͤr die City oder die benachbarten Flecken zu sprechen, aber wir glauben, eine ausgedehnte morali⸗ sche Wirkung durch das ganze Koͤnigreich vorhersagen zu koͤnnen; und wenn man die Eigenschaften der großen Menge aufgeklaͤrter loyaler Personen, welche hier hervorgetreten sind, erwaͤgt, so kann man, wenn sie nicht einen maͤchtigen Einfluß auf die allgemeinen Parlaments⸗Wahlen ausuͤben, und sie und andere ihrer Klasse nicht auf eine verhaͤltnißmaͤßige Weise in dem zu waͤhlenden Unterhause repraͤsentirt werden, dreist behaupten, daß das Wahlrecht groͤblich gemißbraucht oder auf eine hoͤchst unredliche Weise vertheilt wor⸗ den ist. Es ist in der That unglaublich, daß die kommerzielle Welt in England nicht in voͤlliger Uebereinstimmung mit ihren Londoner Bruͤdern handeln sollte, die sich jetzt in die Bresche gestuͤrzt haben, um die Gewaltthaͤtigkeiten und die politische Anarchie, den gaͤnzlichen Umsturz des oͤffentlichen Kredits und die Gesahr, welcher die Industrie, die buͤrgerliche Freiheit, das Eigenthum und das Leben in demselben Sturme ausgesetzt sind, der auch der Monarchie und den damit verbundenen Institutio⸗ nen den Untergang droht, zuruͤckzutreiben.“

Die Oppositions⸗Blaͤtter geben dem jetzigen Lord⸗Mayor aus Aerger uͤber sein Benehmen den Titel „Buͤrger⸗Koͤnig“; der Courier meint, zwar koͤnne der Lord⸗Mayor so gut wie jeder andere Englaͤnder seine eigenen politischen Ansichten haben, aber unrecht sey es, wenn er seinen Meinungen einen Einfluß auf seine amtlichen Functionen gestatte.“

Die Herren Ward und Lyall sind die beiden konservativen Parlaments⸗Kandidaten der Londoner City.

Die Waͤhler von Brighton wollten sich gestern Abend in der Stadthalle versammeln, um die Wahl zweier Reformer fuͤr das naͤchste Parlament zu sichern.

„Die Reformer der City von London“, sagt die Morning Chronicle, „haben dem uͤbrigen Koͤnigreiche ein vortreffliches Beispiel gegeben. Da James Pattison, Direktor der Bank, ein eifriger Reformer, sich zum Kandidaten gemeldet hatte, so fand im Guildhall Kaffeehause eine Versammlung statt, um Comité's zu bilden, damit man bei der Erwaͤhlung der Herren Wood, G. Grote, W. Crawford und J. Pattison uͤbereinstim⸗ mend handeln koͤnne. Wir haben uns oft uͤber den Mangel

an Verbindung unter den Resormern, so wie daruͤber beklagt,

daß die Sache den individuellen Interessen aufgeopfert werde. Die Londoner Reformer haben den rechten Weg eingeschlagen, um diesem System ein Ende zu machen.“

Herr Charles Sheridan, Enkel des beruͤhmten Dichters und Parlaments⸗Redners und Bruder der Mistreß Norton, der fruͤ⸗ her bei Lord Mulgrave in Jamaika Privat⸗Seecretair war, ist in derselben Eigenschaft von Herrn Henty Ellis zum Begleiter auf seiner Mission nach Persten gewaͤhlt worden. Der junge Sheridan soll nicht wenig von dem Genie und Talent geerbt haben, wodurch sich die verschiedenen Zweige seiner Familie aus⸗ zeichneten.

Aus Malta sind Briefe bis zum 5. Dezember hier einge⸗ gangen, aus welchen die Navaland Military⸗Gazette un⸗ ter Anderem Felgendes mittheilt: „Der Ex⸗Dey von Al⸗ gier ist auf seiner Reise nach Mekka ploͤtzlich gestor⸗ ben, nicht ohne den Verdacht der Vergiftung, denn er soll ein ungeheures Vermoͤgen besessen haben. Die Bayerischen Truppen sollen Griechenland unverzuͤglich verlassen und die Vertheidigung des Landes den Eingebornen anvertraut werden, denen die Ge⸗ genwart der Fremden sehr laͤstig ist. Die Bayern haben durch das Klima furchtbar an ihrer Gesundheit gelitten, und die Sterb⸗ lichkeit ist sehr groß unter ihnen. Es war noch zweifelhaft, ob der Griechische Hof am 12ten d. schon in Athen seyn wuͤrde, wie es anfangs beabsichtigt war, denn man konnte uͤber den Preis der erforderlichen Wohnungen nicht einig werden.“”“)

Niederlande. 8

Aus dem Haag, 31. Dezember. Herr Box, Ad⸗ sunkt-⸗Kommis beim Depavtement der Justiz, welcher kaͤrz⸗ lich dem bekannten Libry⸗Bagnano, von demselben gereizt, ein Glas an den Kopf geworfen, und deswegen von den Assisen zu einer kleinen Geldbuße verurtheilt wurde, hat dem von Libry Bagnano daruͤber veroͤffentlichten Schreiben eine oͤffentliche Antwort ertheilt. Lebry Bagnano leugnet naͤmlich in jenem Schreiben, daß er je irgend Jemandem, weder muͤndlich noch schriftlich, den Antrag gemacht, den Prinzen Leopold von Sachsen⸗Koburg zu ermorden, also auch nicht dem Justiz⸗Mini⸗ ster van Maanen, wie Box behauptet hatte. Hr. Box, der, so zu sagen, unter den Augen des Justiz⸗Ministers arbeitet, und sich also nicht herausnehmen kann, in Betreff seines Chefs eine Unwahrheit, gleich viel in welcher Beziehung, zu sagen oder gar oͤffentlich zu vertheidigen, bemerkt nun in seinem Antwort⸗ schreiben, dey Libry Bagnano'sche Antrag sey allerdings dahin gegangen, den Prinzen Leopold durch entlassene Galeeren⸗Straͤf⸗ öb1“*“ 6

linge aus dem Wege raͤumen zu lassen. Dieser Antrag sey dem An⸗ tragsteller natuͤrlich mit Unwillen zuruͤckgesendet worden. Herr Boy behauptet, noch andere authentische Stuͤcke von Libry Bag⸗ nano zu besitzen, worin es unter Anderm heiße: Es sey moͤg⸗ lich, gleich viel durch welches Mittel, gegen dreißig der Belgi⸗ schen Anfuͤhrer verschwinden zu machen; gegen Schurken seyen alle Mittel erlaubt. Die Regierung muͤsse aus dem Spiele blei⸗ ben, aber zur Ausfuͤhrung seyen 100,0 0 fl. noͤthig ꝛc. Man steht hier durchaus nicht an, den Aussagen des Herrn Beox Glauben beizumessen, und wuͤnscht nur, daß es moͤglich werde, auf gesetzlichem Wege dem Treiben des Libry Bagnano ein Ziel zu setzen, welchem, wie es scheint, es immer noch gelingt, auf die unverschaͤmteste, luͤgenhafteste Weise einige Leute zu blenden. Daß dieser Gluͤcksritter fruͤher angesehene Verbindungen in Holland hatte, mag wahr seyn, allein diese dauerten wo l nur so lange, bis man erfuhr, welche Verbrechen er in Frankreich begangen, und wie er dafuͤr die Strafe der Brandmarkung er⸗ litten.

Belgien

Bruͤssel, 31. Dez. Die Repraͤsentanten⸗Kammer hat in ihrer gestrigen Sitzung den Gesetz⸗Entwurf uͤber die Buͤrger⸗Garde mit 50 gegen 5 Stimmen angenommen; 6 Mit⸗ glieder stimmten nicht mit. Hierauf vertagte die Kammer sich bis zum 8. Januar, wo sie die Eroöͤrterung des Budgets vom Ministerium der auswaͤrtigen Angelegenheiten beginnen wird.

Dr Senat hat heute das Gesetz uͤber die Buͤrger⸗Garde

men und sich auf unbestimmte Zeit vertagt⸗

Warschau, 2. Jan. Die hiesigen Zeitungen began⸗ nen das neue Jahr mit folgendem amtlichen Artikel: „Der Auß⸗ stand des Jahres 1830 und die Ereignisse, welche die Folge des⸗ selben waren, stuͤrzten das Koͤnigreich Polen in das bitterste Elend. Ein verheerender Krieg verwuͤstete ganze Gegenden, die nuͤtzlichen Anstalten gingen zu Grunde, die treuen Unterthanen, die ihrem rechtmäßigen Monarchen ergebenen Diener erlitten Schmach, Verfolgung und Pluͤnderung, und die betriebsamsten Volksklassen, der Landmann und der Fabrikant, wenn sie die herrschende Verkehrtheit nicht theilten, fielen als 18b Opftr des Unheils, welches sie weder herbeigefuͤhrt hatten, no beguͤn⸗ Aus Ruͤcksicht auf diesen wirklichen Zustand der Dinge, so wie aus Fuͤrsorge fuͤr das wahre Wohl des Landes, das auf einer sichern Reproduction beruht, ohne welche die Quellen das Einkommens versiegen, bemuͤhte sich die Regierung, sobald die gesetzmaͤßige Ordnung im Lande wiederhergestellt war, die Mit⸗ tel zur Unterstuͤtzung der Huͤlfsbeduͤrftigsten aufzufinden. Von Vatersorge geleitet, geruhte Se. Majestaͤt der Kaiser und Koͤnig, alle moͤgliche Arten von Beistand, die nur irgend gewaͤhrt wer⸗ den konnten, zu genehmigen. Das nachstehende Verzeichniß giebt eine deutliche Ueversicht uͤber die Wohlthaten, welche im Laufe der drei verflossenen Jahre dem Lande zu Theil geworden sind:

1) Unterstuͤtzungen, welche den durch en Krieg zu Grunde gerichteten Einwoh⸗ nern gewaͤhrt wurden: a) in baarem Gelde

b) an Getraide

c) an Holz

d) an unentgeltlichen Konsensen zum

Schank und zur Bereitung von Gettraͤnken, die an Israeliten er⸗ lheilt wurden 2) Remunerationen, welche in Folge der Verordnung des Administrations⸗ Raths, wodurch Entschaͤdigungen fuͤr die durch den Krieg niedergebrannten Gebaͤude gestattet werden, aus den Fonds der Feuer⸗Versicherungs⸗Gesell⸗ schaft bewilligt wurden Werth des unter die Einwohner ver⸗ theilten Rindviehes, Zinks und Ge⸗ raͤths Suspendirte Abgaben Baͤuerliche Zinsen und Pacht⸗Gelder, deren Erhebung suspendirt oder in Raten zertheilt wurde Erlassene Executions Strafen.. Erlassene Strafgelder fuͤr-Forsifrevel, welche waͤhrend des Aufstandes veruͤbt wurden 1 8) Verguͤtigungen, welche den Paͤchtern von Regierungs⸗Guͤtern fuͤr die den⸗ selben waͤhrend des Krieges von den

Bauern nicht geleisteten Frohndienste

gewaͤhrt wurden 9) Abgaben⸗Erleichterungen 10) Summe der Schulden, welche Fabri⸗

kanten erlassen wurden 11) Unterstuͤtzungen, welche Fabrikanten

gewaͤhrt wurden b 12)

13)

stigten.

7,223,121 Fl. 27 Gr. 326,890 » 15 * 244,040 » 14 *

7,366,988 » 3)

2,549,142 * 2,614,537 »

4) 5)

6) 7

1,000,000 » 951,372 » 559,448 1,254,724 » Unterstuͤtzungen zu neuen Bauten in den Staͤdten 339,750 » Abzahlung von Regierungs⸗Schulden, die aus der Zeit vor dem Aufstande herruͤhrten Unterstuͤtzungen, welche Beamten ge⸗ waͤhrt wurden, die durch den Auf⸗ stand ihre Stellen verloren Verguͤtigung fuͤr Verluste, von denen Beamte und Offizianten waͤhrend des Aufstandes 68 gn wurden 1,56 4,218 Verguͤtigung fuͤr Lieferungen von Pro⸗ dukten fuͤr die Kaiserl. Russischen

zusammen 33,538,601 Fl. 26 Gr. Außer obliger Summe wurden an anderthalb Millionen Gulden zu Pensionen verwandt, welche den Opfern des Auß standes bewilligt wurden, und ein neuer Fonds von 5 Milllio⸗ nen ist zur Unterstuͤtzung derjenigen angewiesen, deren billige Anspruͤche bis jetzt nicht beruͤcksichtigt werden konnten. So vie Wohlthaten bewegen das Volk, den erhabenen Monarchen zu segnen, und die Regierung hat den Trost, daß, ungeachtet der Ungluͤcksfaͤlle, die das Land betroffen haben, alle Abgaben und Steuern regelmaͤßig bei den oͤffentlichen Kassen eingehen, und daß die Einkuͤnfte des Schatzes nicht nur nicht abnehmen, son⸗ dern sich von Jahr zu Jahr vermehren.“ „Der Administrations⸗Rath hat den Gecretair des Conseill fuͤr den oͤffentlichen Unterricht, Herrn Anton Boleslaut Hletbe 8

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üoen, und Nachts auf ihm lagern.

dung einlief. laden, welche sehr freimuͤthige Erklaͤrungen zu Protokoll gaben,

cg, zum General⸗Visitator der Unterrichts⸗Anstalten im Koͤnig⸗ ich Polen ernannt. Der General der Kavallerie, General⸗Adjutant Ruͤdiger, ist en hier nach Lublin abgereist. 8 Die Gazeta Warszawska hat mit dem neuen Jahr ih⸗ as Druck und ihr Format etwas geaͤndert und erscheint jetzt in der gestalt, wie fruͤher die Gazeta Polska. Als Beiblatt dazu wird zchentiich zweimal eine literarische Zeitung unter dem Titel: Swiatowid, oder Mannigfaltiges aus dem In⸗ und Auslan⸗ 7, ausgegeben. In der Buchhandlung von Galenzowski sind di neue Kalender, ein politischer Almanach, von Herrn Rad⸗ sevski redigirt, und ein Warschauer Taschen⸗Almanach, er⸗ pienen. ͤ1“ annover, 3. Jan. Der Koͤnigl. Preußische Gesandte hiesigen Hofe, Frhr. von Canitz, ist gestern hier eeilanose zu Hildesheim feierte vorgestern der dasige Stadt⸗Kom⸗ pandant, Oberst Kuckuck, sein 50jaͤhriges Dienst⸗Jubilaͤum. hegen 10 Uhr begab sich der Herr General von Linsingen, be⸗ eiet von saͤmmtlichen Offizieren, in die Behausung des Jubi⸗ rs, wo ihm im Namen und im Auftrage des Vice⸗Koͤnigs, erzogs von Cambridge Koͤnigliche Hoheit, ein sehr schmeichel⸗ aftes Gluͤckwuͤnschungs⸗Schreiben uͤberreicht wurde. Der Buͤr⸗ rmeister Löohde und der Syndikus Dr. Luͤntzel nebst einer uͤrger⸗Deputation uͤberreichten ihm das Ehrenbuͤrgerrecht der bradt, und vom Koͤnigl. Preußlschen Etappen⸗Kommandanten, rn. Oberst v. Herzberg, wurde ihm im Allerhoͤchsten Auftrage Kabinetsschreiben Sr. Maj. des Koͤnigs von Preußen, von

n Zafignien des rothen Adler⸗Ordens 3ter Klasse begleitet, bergeben.

Braunschweig, 1. Jan. In der Nacht vom Lasten au n 23sten v. M. ist hier auf heftigen Sturm ein fan atal zewitter gefolgt, und 98 sich der Blitz auf den hoͤchsten Thurm r Stadt entladen. r hat dem alten Andreas⸗Thurm nur en Stein genommen, aber viele Kraͤhen getoͤdtet, die nach rgebrachtem Brauche Abends von Nah und Fern zu ihm zie⸗ 1— acht; Auch die Kirchthuͤre ist ge⸗ littert, und eine Kante daran abgespaltet. Die Landstaͤnde ben den Preußischen Muͤnzfuß angenommen, welcher auch so⸗ eich verordnet worden, und sie sind nun bis zum 9. Februar rlogt, wo sie ihre Schluß⸗Sitzungen halten werden.

Kassel, 2. Jan. Mehrere Deputirte sind bereits hier an⸗ ommen; die Wiedereroͤffnung der Sitzungen wird 1 dem ernehmen nach, erst kuͤnftigen Montag stattfinden. Der per⸗ anente Ausschuß hat, wie es heißt, die Deputirten der Landes⸗ iversitaͤt aufgefordert, die Frage zu begutachten, ob bei dem biederzusammentritt der Staͤnde⸗Versammlung die Stellvertre⸗ wder im Laufe des Landtags bereits ausgetretenen Deputirten, der diese selbst, verfassungsmaͤßig eintreten muͤßten. Man sagt, as Gutachten gehe dahin, daß auf dem Grunde des §. 68 der Herfassungs⸗Urkunde nicht die fruͤher abgegangenen Deputirten, ondern deren Stellvertreter wieder einzutreten haͤtten. (Hier⸗ hit waͤre also die Ansicht befolgt, daß der Begriff Landtag die sammte Wirksamkeits⸗Periode der Staͤnde⸗Versammlung bis ihrem Schluß durch Landtags⸗Abschied ꝛc. in sich begreift.)

Gotha, 3. Jan. Gestern, als am Geburtstage des Her⸗ ogs, haben Se. Durchlaucht 100 Klaftern 1an. die Armen der Stadt vertheilen lassen. Der festliche Tag wurde brigene hier unter allgemeiner Theilnahme gefeiert.

Muͤnchen, 1. Jan. Die Deputirten aus Portugal ge jeßen hier der groͤßten Auszeichnung und ööb 8 Ks⸗ igl. Tafel gezogen. Dieselben benuͤtzen ihren Aufenthalt zur

Pesichtigung der zahlreichen Merkwuͤrdigkeiten der Hauptstadt,

no schenkten in den letzten Tagen besonders den militairischen Anstalten ihre Aufmerksamkeit, wobei sie den neuen 1e en, welche der General⸗Major Freiherr von Zoller an dem Ar⸗ illeriewesen vorgenommen, außerordentliches Lob spendeten. Heute, als am Neujahrstage wollte der Herzog von Leuchten⸗ erg zum erstenmale in der Portugiesischen Uniform erscheinen. n Bayerischen Blaͤttern liest man: „Das Neujahr uͤrfte uns einen Ministerwechsel bringen; wie es heißt, wird der seitherige Koͤnigl. Staats⸗Minister der Finanzen, Freiherr von Lerchenfeld, als Gesandter nach Wien kommen, der dortige Gesandte, Freiherr von Cetto wuͤrde statt des verstorbenen Frei⸗ errn von Pfeffel den Gesandtschafts⸗Posten in Paris antreten, der bisherige Koͤnigl. Zoll⸗Administrator Herr Dr. von Wir⸗ chinger aber Minister⸗Verweser im Finanz⸗Departement werden.“ Der Anfang der Gewerbs⸗Untersuchung wurde bereits an ehreren Orten des Koͤnigreiches mit protokollarischer Verneh⸗ ung derjenigen beruͤhmteren Fabrikanten gemacht, welche es vrersäzumt haben, die gegenwaͤrtige Ausstellung zu beschicken. Insbesondere war es aufgefallen, daß von der wohlhabenden Stadt Straubing im Unter⸗Donau⸗Kreise keine einzige Sen⸗ Es wurden daher 47 Buͤrger jener Stadt vorge⸗

des wesentlichen Inhalts, daß sie befuͤrchteten, es moͤchten ihnen kaum die Auslagen fuͤr die zu liefernden Erzeugnisse bezahlt werden, daß auch die besten inlaͤndischen Fabrikate mit jenen des Auslandes nicht konkurriren koͤnnen, daß gegenwaͤrtig bei der Ueberschwemmung Bayerns mit fremden Produkten kein Privat⸗Unternehmen gedeihen koͤnne, und daß es uͤberhaupt et⸗ was zu spaͤt seyn duͤrfte, den Industrie⸗Geist hervorzurufen.

Stuttgart, 2. Januar. Der Schwaͤbische Merkur enthalt Folgendes uͤber artesische Brunnen auf der Alp: „Die seit mehreren Jahren in Wuͤrttemberg versuchten Bohrungen auf Wasser haben zum groͤßten Theile sehr guͤnstige Resultate durch Aufschließung zahlreicher uͤberstroͤmender Wasser⸗Vorraͤthe geliefert. Auch auf dem Gebiete der Alp sind einige Versuche

angestellt worden, wovon mehrere nur gegenuͤber von den allzu⸗

hoch gespannten Hoffnungen auf uͤberstroͤmendes Wasser den Erwartungen nicht ganz entsprochen haben; sie haben in jedem Falle so viel bewiesen, daß es immerhin moͤglich ist, wenn auch keine uͤberstroͤmende Quelle, doch wenigstens Wasser⸗Vorraͤthe,

Lund zwar schon in geringer Bohrtiefe zu erhalten, welche so

weit im Bohrloch anstiegen, daß sie durch Pumpen gefoͤrdert werden koͤnnen. So wurden bn Hayingen 8 her vehsraere von 50“ und dann wiederum bei 119/ Wasser⸗Vorraͤthe ange⸗ bohtt, welche bis zu 14 Fuß unter der Erd⸗HOberflaͤche anstie⸗ gen und auch durch anhaltend fortgesetztes Pumpen nicht erschopft werden konnten. Als man aber in der Ab⸗ 4 endlich uͤberstroͤmendes Wasser zu erhalten, weiter bohrte, ne das Wasser im Bohrloch so tief, daß es durch die Pumpe uct mehr erreicht werden konnte, indem man wahrscheinlich in groͤßeren Bohrtiefe auf Kluͤfte kam, welche dem Wasser ei⸗ han unterirdischen Abzug verstatteten. Bei einem Versuche zu vhgseusen erhielt man zwarx in 94 Fuß Tiefe einen reichlichen

isser, Vorrgih, der sedoch spaͤter von selbst wieder verlief, Die

haͤufigen Kluͤfte und Spalten, welche sich in den oberen Schich⸗ ten des Gebirges finden, und das Regen⸗ und . 8 die Tiefe abfließen lassen (woraus sich eben der Wassermangel auf der Hoͤhe der Alp erklaͤrt), machen nun allerdings die Auf⸗ findung uͤberstroͤmender Bohrquellen auf der Alp unwahr⸗ scheinlicher, als es in manchen andern Gegenden der Fall ist. Dagegen waͤre fuͤr diese wasserarmen Gegenden schon sehr viel gewonnen, wenn sie nur Pump⸗ oder Schoͤpf⸗Brun⸗ nen erhalten koͤnnten; daß aber dieses nicht unmoͤglich sey, geht schon aus den bisherigen Versuchen hervor. Ueber⸗ dies duͤrfte bei kuͤnftigen Versuchen das Vorkommen des Ba⸗ salts einen Anhaltspunkt bilden. Die meisten der natuͤrlichen Wasserquellen auf der Oberflaͤche der Alp kommen in der Naͤhe dieser, auf der Alp mehrfaͤltig vorhandenen Steinart vor, welche da, wo sie sich findet, die Kluͤfte in den oberen Schichten des Gebirges auf groͤßere oder geringere Erstreckung ausfuͤllt und daher das Gewaͤsser am Abfließen in die Tiefe im Innern mehr oder weniger hindert. Auch hat man bisher an verschie⸗ denen Orten bei dem Brunnengraben haͤufig reichliches Wasser erhalten, sobald man auf dieses Gestein kam. Man hat daher noch keinesweges Ursache, das Bohren nach Wasser in jenen Gegenden fuͤr voͤllig zwecklos und vergeblich zu halten; vielmehr waͤre sehr zu wuͤnschen, daß kuͤnftig noch mehr Bohrversuche

angestellt werden moͤchten, indem nur auf diesem Wege nach

und nach sichere Grundsaͤtze fuͤr das, bis jetzt mehr dem Zu⸗ falle anheim gegebene Brunnenbohren ausgemittelt werden koͤnnen, und namentlich in Gegenden, wo die Aufschließung von Bohrquellen von desto groͤßerem Werthe ist, es der Muͤhe und Kosten lohnen wuͤrde, mit jedem neuen Versuche mehr Anzeichen aufzusinden, welche zur Richtschnur fuͤr die folgenden Versuche dienen koͤnnen. Nur muͤßte man mit großer Vorsicht zu Werke gehen und nicht unbedingt seine Absicht auf uͤberstroͤmendes Was⸗ ser richten, sondern sich begnuͤgen, wenn man einmal hinreichen⸗ des Wasser erbohrt hat, um eine Pumpe einzusetzen. Auch kommt sehr viel darauf an, daß man die Leitung des Bohrge⸗ schaͤfts geschickten und erfahrenen Arbeitern, z. B. Bergleuten, anvertraut, da durch Ungeschicklichkeit und Unerfahrenheit der Arbeiter schon viel verdorben worden ist. Eine weitere Ausfuͤh⸗ rung dieses Gegenstandes wird das naͤchste Heft des Korrespon⸗ denz⸗Blattes des landwirthschaftlichen Vereins enthalten.“ Im verflossenen Kirchenjahre (vom 1sten Advent 1833 bis dahin 1834) sind hier geboren: von evangelischen Eltern 1091 Kinder, und zwar 545 männlichen und 546 weiblichen Geschlechts, unter denselben 223 außereheliche, 100 maͤnnlichen und 123 weib⸗ lichen Geschlechts, wobei su bemerken ist, daß von der Zahl der außerehelichen 146 nicht hierher gehoͤren; von katholischen Eltern 74, von israelitischen 8. Kopulirt wurden in den hiesigen Kir⸗ 2 8a eeunger 24 2 der katholischen Kirche. Ge⸗ orben sin 5 enschen, mit Einschluß von 57 Todtgeborn und 3 Selbstmoͤrdern. 24 1 b 88

Tuͤbingen, 1. Jan. Die philosophische Fakultaͤt unserer Universitaͤt hat dem beruͤhmten Reisenden in Griechenland, Pou⸗ queville, Mitglied des Franzoͤsischen Instituts, das Ehren⸗Di⸗ plom eines Doctors der Philosophie zugesandt.

Darmstadt, 1. Jan. Zu Mitgliedern des Deutschen Schieds⸗Gerichtes von Seiten des Großherzogthums Hessen sind ernannt worden: Se. Excellenz der Praͤsident der Ober⸗Finanz⸗ Kammer, Wirkliche Geheime Rath von Kopp, und der Kanzler der Universitaͤt Gießen, Dr. Linde.

Der ehemalige Lieutenant Dr. Wilhelm Schulz, bekanntlich wegen mehrerer seiner Schriften zu 5 jaͤhrigem Festungs⸗Arrest im Schloß Babenhausen verurtheilt, hat in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember die Eisengitter seines Gefaͤngnisses durch⸗ saͤgt, sich aus demselben heruntergelassen und die Flucht ergriffen. Die Behoͤrde verfolgt ihn bereits mit Steckbriefen.

Darmstadt, 2. Jan. (O. P. A. Ztg.) Ich kann Ihnen nun unsere Landstandswahlen, bis auf zwei (Schotten und Buͤdingen), die allein noch nicht bekannt sind, vollends mittheilen. Die Stadt Gießen waͤhlte, an die Stelle ihres bereits in Lauterbach ge⸗ waͤhlten, zur aͤußersten Linken gehoͤrigen Deputirten, Advokaten Heß, den Hofgerichts⸗Rath Zuehl zu Gießen, den man gleich⸗ falls zur Opposition zaͤhlt, jedoch nur mit 15 Stimmen. Im zweiten Wahl⸗Bezirk von Oberhessen (Gladenbach) dagegen wurde der fruͤhere Deputirte der Minoritaͤt, Ober⸗Appellationsgerichts⸗ Rath v. Grolman einstimmig wiedergewaͤhlt. Saͤmmtliche Waͤh⸗ ler des Bezirks zeigten dem ehrenwerthen Deputirten diese Wie⸗ dererwaͤhlung in einer besonderen, in den schmeichelhaftesten und loyalsten Ausdruͤcken abgefaßten Adresse an. Im neunten Wahl⸗ Bezirke (Okarben oͤder Vilbel) waͤhlte man das Oppositionsglied Hen. Schenck, Weinhaͤndler zu Kelsterbach, wieder. Im 11ten Bezirke (Hungen) ward an die Stelle des fruͤheren Depu⸗ tirten, Hrn. Strecker zu Mainz, zur aͤußersten Linken gehoͤrig, der bereits in Worms erwaͤhlte Freiherr v. Gagern mit 16 Stim⸗ men gewaͤhlt Der 8. Wahl⸗Bezirk von Starkenburg (Waldmi⸗ chelbach) waͤhlte den zugleich in Großbiberau einstimmig erwaͤhl⸗ ten Hofgerichtsrath Weyland zu Darmstadt, wie schon bemerkt, eines der ausgezeichnetsten Mitglieder der Minoritaͤt der aufge⸗ loͤsten Landtage. Auf dem letzten Landtage hatte dieser Bezirk den Leder⸗Fabrikanten Hellmann von Neckersteinach, Oppositions⸗ glied, gewaͤhlt. Im 7. Wahl⸗Bezirk von Rheinhessen (Pfedders⸗ heim) ward Advokat Glaubrech aus Mainz, Oppositionsglied, wiedergewaͤhlt. Man kann nun schon mit ziemlicher Bestimmt⸗ heit annehmen, das sich das Verhaͤltniß der Majoritaͤt zur Mi⸗ noritaͤt, im Vergleich mit dem letzten Landtage, auf dem bevor⸗ stehenden gerade umkehren wird. Die Opposition wird etwa 15 Mitglieder von 50 zaͤhlen, und noch keine zehen davon werden jener systematischen, seindseligen Opposition angehoͤren, die auf den beiden letzten Landtagen dem Lande und dem constitutionnel⸗ len Wesen uͤberhaupt so viel Schaden brachte.

Wiesbaden, 3. Jan. Das Herzogl. Nassauische Ver⸗ ordnungs⸗Blatt Nr. 1 enthaͤlt das landesherrliche Edikt zur Einberufung der Landstaͤnde, wonach dieselben auf den 9ten d. M. nach Wiesbaden einberufen werden. b

HCese 8 8

Wien, 25. Dez. (Allg. Zeit.) Die Post aus Kon⸗ stantinopel ist angekommen; die Briefe sind aber noch nicht alle ausgetheilt. Indessen erfaͤhrt man, daß sie nichts Wichtiges ge⸗ bracht hat. Die Lage der Dinge im Orient scheint immer die alte; sie duͤrfte sich auch sobald nicht aͤndern, da Syrien noch keinesweges beruhigt ist. Die Ausruͤstung der Touloner Es⸗ cadre, wovon die Franzoͤsischen Journale sprechen, scheint wegen des bedenklichen Zustandes Syriens angeordnet worden zu seyn. Die Franzosen haben in diesem Augenblicke nur wenige Kriegs⸗ schiffe in der Levante, und es kann ihnen nicht gleichguͤltig seyn, bei irgend einer ernsten Kollision zwischen der Pforte und es him Pascha ihre Unterthanen ohne Schutz zu wissen. Dabei

duͤrfte gber auͤch dse Vermehrung der Franzoͤsischen Geemacht 2 . bae 8

im Geiste des Prinzipe, das die Europaͤische

dazu dienen, Mehmed Ali nachgiebiger zu machen. Bisher haben alle guͤtlichen Vorstellungen in Alexandrien wenig ge⸗ fruchtet; sie trugen zuletzt eher dazu bei, Mehmed Ali uͤber seine wirkliche Lage zu verblenden, weil sie ihn verleiteten, sich maͤchtig genug zu glauben, um gegen die Wuͤnsche der großen Europaͤischen Maͤchte handeln zu koͤnnen, ohne einer an⸗ dern Gefahr als einer Mißbilligung von ihrer Seite ausgesetzt 18 seyn. Darin irrt aber der Vice⸗Koͤnig, und wenn er die riedfertigen Gesinnungen, welche die Maͤchte bei allen großen Europaͤischen Fragen an den Tag legten, fuͤr Schwaͤche haͤlt⸗ was man nach seinem Benehmen fast glauben sollte, so duͤrfte er bitter enttaͤuscht werden, sobald es sich darum handeln wird, ihn von einem unauͤberlegten Schritte abzuhalten, und. olitik belebt, vorgehen zu muͤssen. Er wird dann sehen, daß die freund⸗ schaftlichen Rathschlaͤge in strezae Maßregeln uͤbergehen, und daß die Rathgeber in strenge Richter gegen ihn umgewandelt werden. So viel man hier weiß, sind alle Maͤchte einig, daß eine Unabhaͤngigkeits⸗Erklaͤrung, von der Mehmed noch immer traͤumt, nicht nur ihre einstimmige Mißbilligung nach sich zie⸗ hen, sondern auch ernstliche Koërcitiv⸗Maßregeln gegen ihn hervorrufen wuͤrde.

„Es ist daher unbegreiflich, wie der Vice⸗ Koͤnig, der doch hieruͤber genau unterrichtet seyn sollte, so we⸗ nig geneigt ist, sich zu fuͤgen, sondern eine Haltung angenom⸗ men hat, die die Pforte unaufhoͤrlich bedroht. Er ist sonst schlau und vorsichtig, so daß man fast zum Argwohn ver⸗ leitet werden sollte, die Propaganda habe ihre Haͤnde dabei im Spiele, und uüͤbe Einfluß in Alexandrien. Unlaͤngst war dies der Fall, ob aber eine in Europa an Ansehen und Kraft ver⸗ lorene Partei sich noch stark genug fuͤhlt, um ihr Spiel in Aegyp⸗ ten fortsetzen zu koͤnnen, und ob Mehmed Ali leichtglaͤubig ge⸗ nug seyn koͤnne, um den Zusicherungen abenteuerlicher Emissa⸗ rien zu vertrauen, duͤrfte auch unter die vielen raͤthselhaften Fra⸗ gen gehoͤren, an denen die letzte Zeit so reich ist. 8b

Schweiz.

Freiburg, 24. Dez. Die Herren Philipp Maillardoz und R. Savary, Mitglieder des großen Rathes, haben den Staats⸗ Rath mittelst einer Eingabe ersucht, im Verein mit vier andern Staͤnden, eine außerordentliche Tagsatzung zusammen zu berufen, damit sie dem angehenden Vororte Bern eidgenoͤssische Repraͤ⸗ sentanten zur Seite gebe. Der Staats⸗Rath hat das Begrhren heute abgelehnt.

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Franzoͤsische Blaͤtter enthalten Nachstehendes in Schreiben aus Madrid vom 24. Dezember: „In der heutigen Sitzung der Prokuradoren-Kammer trug der Minister des Innern darauf an, die heilige Hermandad, welche noch in Tolosa und in anderen Theilen Spaniens existirt, aufzuheben. Bei Lesung einer Bittschrift, in Betreff der Privilegiten der Be⸗ wohner der Sierra Morena bemerkte der Minister des In⸗ nern, daß dieser Gegenstand schon von dem Regierungsrathe in Betrachtung gezogen sey, und daß in kurzem die erforderlichen Maßregeln wuͤrden ergriffen werden. Herr Arguelles verlangte, daß die Bewohner der Sierra Morena mit der uͤbrigen Be⸗

voͤlkerung Spaniens auf gleichen Fuß gesetzt werden sollten.

Dieser Antrag wurde mit Zustimmung der Minister angenom⸗ men. In Bezug auf eine Petition gegen die Einfuhr des fremden Getraides bemerkte der Minister des Innern, daß schon Gesetze gegen Einfuhren dieser Art vorhanden, die Peti⸗ tion daher unnuͤtz sey. Es werden Vorbereitungen zur Feier des Weihnachtsfestes getroffen. Das Volk stroͤmt schaarenweise nach den Kirchen zur Anhoͤrung der Mitternachtsmesse und in den Straßen herrscht eine ungewoͤhnliche Froͤhlichkeit, uͤberall hoͤrt man die Guitarre und das Tambourin; kurz, es ist ein wahres Fest. Morgen wird den Ministern im Palast ein gro⸗ ßes Diner gegeben.“

Griechenland.

Der Sotir (Erloͤser) vom 27. November enthaͤlt Nachste⸗ hendes: „Nach Athen! Die Bewegung ist schon allgemein. Noch einiger Lebenshauch bleibt in der Stadt Nauplia. In kurzem wird sie Leid tragen, weil sie ihres Koͤnigs beraubt und ihre Regierung von ihr geschieden ist, wird dunkle Schleier uͤber ihre schoͤnen Haͤuser werfen, uͤber ihre vereinsamten Straßen, die vordem so belebt waren von dem Zusammenflusse so vieler Men⸗ schen! Ueberall erblickst du heute nichts als Reisende, uͤberall nichts als Vorbereitungen zum Abzuge, welche, gemischt mit den Klagen des Einen, mit den Beschwerden des Andern, ein seltsames und denkwuͤrdiges Gemaͤlde bilden. Nach Athen! Nach Athen! Das ist der allgemeine Ruf Aller. Die ploͤtzliche Abreise der zwei Minister des Innern und des Krieges hat auch die Gleich⸗ guͤltigsten und Unglaͤubigsten wie aus dem Schlafe geweckt. Die gleichzeitige Abreise vieler Familien und schoͤnen Frauen hat schon Monotonie in unsere Geseillschaften gebracht. Alle Welt begehrt nun nach den Lockungen von Athen, deren Nauplia entbehrt. Noch einige Tage, und der Aufbruch und Um⸗ 8 werden allgemein; der Weg nach Epidauros bedeckt sich mit rommen Verehrern, denen wir von Hegsen gutes Wetter, heitere Sonne und guͤnstigen Wind wuͤnschen. Aber dies reicht noch nicht zu! Die Regierung, welche ihren Sitz dort aufschlaͤgt und hinter sich ein ganzes Volk herzieht, das ihr zu folgen verpflich⸗ tet ist, uͤbernimmt eine schwere moralische Verpflichtung, der sie wohl eingedenk bleiben muß, bis jeder der Ihrigen wenigstens ein leidliches Unterkommen dort gefunden hat. Der gegen⸗ wärtige Zustand von Athen erfordert große Verbesserungen und dringende Bau⸗Unternehmungen. Von allen Theilen des Lan⸗ des sind die Arbeiter dorthin beschieden worden. Die Lokal⸗Be⸗ hoͤrden sind beauftragt, den Umziehenden jede Erleichterung zu verschaffen. Mit Vergnuͤgen hoͤren wir, daß auch die Besatzung von Athen Befehl erhalten hat, zu Besorgung der oͤffentlichen Arbeiten mitzuwirken. Absendung noch einiger Batatllons zu demselben Zwecke, wuͤrde hoͤchst nuͤtzlich seyn, um die Ruinen saͤmmtlich auf die bezeichneten Plaͤtze zu raͤumen, und die Com⸗ municationen mitten durch die zerruͤttete Stadt zu oͤffnen. Von den also aufgehaͤuften Steinen koͤnnten die Baulustigen kaufen, nch- bald wuͤrde Athen nicht mehr einem Truͤmmerhaufen aͤhn⸗ In einem andern Artikel sagt das genannte Blatt: „Aus Athen hoͤren wir, daß der Mangel an Haͤusern die groͤßten Schwierigkeiten erzeugt. Nur die schnelle Ankunft der Regie⸗ rung kann Rath und vielleicht Huͤlfe schaffen. Man haͤtte wis⸗ sen sollen, was man braucht, und was zuruͤckbleiben konnte vor der Hand. War z. B. die Synode, war der oberste Rechnungs⸗ hof jetzt in Athen noͤthig? Waͤre die Koͤnigl. Regentschaft allein mit den Ministern und der Post⸗Direction hinuͤbergezogen, so wuͤrde die Sache sich um WVieles leichter gemacht haben.

Warum aber ist im Piraͤeus nicht wenigstens Vorsorge fuͤr

hoͤlzerne Schoppen getroffen, um die Unzahl der Mobilien, Babe