1835 / 10 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ULMVnterkommen zu finden.

Als Grund fuͤr die Abberufung des Pascha's wird angegeben, daß seine Depeschen nicht verstaͤndlich genug sepen, ein Fehler, der mehr seinem Secretair, als ihm zur Last faͤllt. Ein jeder, der beide Maͤnner kennt, bedauert dies ungluͤckliche Ereigniß. Der neue Gesandte trifft die Anstalten zu seiner Reise so schnell, als es sich mit der Wuͤrde eines schwerfaͤlligen Tuͤrken der alten Schule vertraͤgt, und je laͤnger er hier bleibt, um so besser ist es fuͤr die Interessen dieses Landes. Nachdem der Herzog von Ragusa in Aegypten und Syrien sich von Allem, was die Militair⸗ und Civil⸗Regierung Mehmed Ali's betrifft, unterrich⸗ tet hat, giebt er in einem Briefe an den Oesterreichischen In⸗ ternuntius ein furchtbares Gemaͤlde von dem Zustande beider Laͤnder. Er spricht sich sehr stark gegen den Usurpator aus, zeigt, in welcher Taͤuschung sich das betrogene Europa in Hin⸗ sicht der Aegyptischen Civilisation befinde, und erklaͤrt endlich, daß er unter einem solchen Manne und einem solchen Systeme keine Dienste nehmen koͤnne. Dies klingt ominoͤs und ist unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden von Wichtigkeit. Marmont ist so arm, wie eine Kirchenmaus und war froh, in Aegypten ein Aber er ist kein Thor, seine Talente sind vielmehr vom ersten Range, und er sieht ein, daß die Macht Mehmed Alis ohne eine feste Basis ist, und daß der Beherr⸗ scher Aegyptens und die Zukunft nichts mit einander zu schaf⸗ fen haben. Aus Vurla ist die Nachricht eingegangen, daß zwei Englische Linienschiffe, der „Malabar“ und „RNe⸗ venge“ sich mit der Flotte vereinigt haben. Die Tuͤrken sind uͤber die Gegenwart dieser Flotte sehr erfreut und betrach⸗ ten sle als ihr Rettungsmittel. Auch der „Volage“ befand sich zu Vurla. Der Englische Kutter „Spitfire“ mußte in Smyrna Auarantaine halten, weil sich Pest⸗Faͤlle am Bord gezeigt hat⸗ ten. Bei der Ruͤckkehr des „Castor“ nach Smyrna starb der Kajuͤtten⸗Junge an der Pest. Hier ist die Pest jetzt sehr unbedeu⸗ tend und in der vorigen Woche wurden nur 17 Kranke in das Griechische Hospital gebracht. Aus Syrien sind keine neuere Nachrichten eingegangen. Der Sultan hat dem Nureddin Efendi, Bruder des verstorbenen Osman Pascha, die Hand ge⸗ reicht und ihm ausdruͤcklich erklaͤrt, er solle alle jungen Leute, welche Europa besuchen und die Sprachen desselben erlernen wollten, unterstuͤtzen. Zwei junge Maͤnner, ein Oberst und ein Bataillons⸗Chef, haben dies benutzt und begleiten Herrn Urquhart nach England. Am vorigen Freitag kam ein Georgischer Fuͤrst aus Persien in der Wohnung des Lord Ponsonby an. Er war von einem Manne begleitet, den Herr Urquhart an der Ostkuͤste des schwarzen Mee⸗ res zuruͤckgelassen hatte. Die Aegyptische Flotte, aus 8 Linien⸗ Schiffen, 7 Fregatten, 3 Korvetten und 6 Briggs bestehend, ist nach Alexandrien zuruͤckgekehrt, um daselbst zu uͤberwintern. In Kahira werden, unter dem Vorwande einer Erpevition nach Ober⸗Aegypten, Truppen zusammengezogen, aber es ist viel wahrscheinlicher, daß sie nach Sprien bestimmt sind. Das neue, in England fuͤr den Pascha erbaute Dampfboot, der „Nil“, ist in Alexandrien angekommen. Die Baumwollen⸗ und Ge⸗ treide⸗Aerndte verspricht sehr reichlich auszufallen. Ibrahim Pascha conzentrirt seine Truppen um Aleppo, zur Unterdruͤckung eines Aufstandes der Ansaris, eines wilden Bergvolkes.“

Aegypten.

Der Oesterreichische Beobachter meldet: „Nachrich⸗ ten aus Alexandrien vom 17. Dezember zufolge, war gegen Ende Novembers die Pest in dieser Stadt ausgebrochen, und hatte sich schnell in alle Theile der Stadt verbreitet. Die ersten Pestfaͤlle ereigneten sich am Bord der Linienschiffe Nr. 1, 4 und 6 und der Fregatte „Behera.“ Auch das Arsenal, worin sich achttausend Arbeiter befinden, ist bedeutend kompromittirt. In der Stadt herrschte die groͤßte Bestuͤrzung, und die Regie⸗ rung sowohl als die meisten wohlhabenden Tuͤrken gebrauchten strenge Vorsichts⸗Maßregeln. Da diese Seuche seit ungefaͤhr zwoͤlf Jahren Aegypten verschont hatte, fuͤrchtete man allgemein, daß sie bei ihrem gegenwaͤrtigen Wiedererscheinen schreckliche Verheerungen an⸗ richten werde, um so mehr, als das Elend der aͤrmeren Volksklassen der Verbreitung dieser Geißel foͤrderlich seyn duͤrste. Die Aegyp⸗ tische Flotde sollte nach Suda (auf Candien) absegeln, um dort zu uͤberwintern. Ein Dampfboot Mehmed Ali's war nach Syrien abgegangen, um Ibrahim Pascha abzuholen und nach Alexandrien zu fuͤhren; sein Vater erwartet ihn in Kaͤhira. Man glaubt, daß 50 Ibrahim nicht lange in Aegypten aufhalten, son⸗ dern bald wieder nach Damaskus zuruͤckkehren werde.

Der Kaiserl. Oesterr. General⸗Konsul in Aegypten, Herr Laurin, welcher am 25. November Smyrna verlassen hatte, um sich an Bord der Brigg „Il Veneto“ nach’ Alexandrien zu be⸗ geben, befand sich widriger Winde halber noch am 4. Dezember vor Tschesme.

Berliner Börse. 1 Den 8. Januar 1835.

Amtl. Fonds. und Geld-Cours-Zettel. (Prauss. Cour.)

süricéehheen— svfurief vecwid. 100 ¾

997 95 61 99 ½ 99¾ 99¾

St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Präm. Sch. d. Sech. Kurm. Obl. m. I. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt- Obl. Königsb. do. Elbing. do. Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr.

Grosshz. Pos. do. Disconto ——

Wechsel-Cours.

Ostpr. Pfandhr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. Schlesische do. Rkst. C. d. K.- u. N. Z.-Sch. d. K.-u. N. Holl. vollw. Duk. Neue do. Friedrichsd'or ..

106 166

73½⅔ 99 ¾ 7³½

17½ 18 ¾

2 7 ln,

84—

28 101¾ 102 ¾

100 ¾ 102¾

ꝛ=n

13 127 4

Preuss. Cour. Hrief. Geld.

140 ¾ 140¼ 152 ½ 151 ¾ 80 104¼ 103 ¼ 99,1. 102 ½ 103

Kurz 2 Mt. Kurz, Mt. Mt. Mt. Mt. Mt. 2 Mt. 8 Tage 2 Mt. 3 Woch Kurz

Amsterdam dito Hamburg dito London

Paris

300 Mk. 1 LSt. 300 Fr.

20 %2 0 ð 0

Angsburg Breslau 1 w8E1111“*“” 100 Thl. Frankfurt a. NM. WZ 100 Fl. Petersburg 150 Rbl. Warschan

IIIii

82

—₰ b— *23

Auswäürtige Börsen.

Amsterdam, 3. Januar.

Niederl. wirkl. Schuld 54 ½. 538 do. 100 2⁄. Ausg. Schuld 1 2e. Kanz-Bill. 24½. 4 ½ 8 Amort. 92 ¾. 3 ½ ½ 75 ½. Russ. 98 ½. Oesterr. 99. Preuss. Präm.-Scheine 109. do 48% Anl. —. Spau, 52 443. 38 26

Antwerpen, 2. Jannar. Span. 58 43 %. 3 % 26 ½. Guebhard 43 ½. Damburg, 6. Januar.

Poln. 138 ½. Maßs in Cert. 97 v½. Preuss. Präm.-Scheine 121. Engl. Russ. 102 ⅛. Fortug. 83. Schatz-Oblig. —.

1 London, 2. Januar.

Cons. 3 % pr. compt. 92 ½. Cortes 54 ½2. Holl. 2 ½ 9 53 . Port. 86 5¾. Engl. Russ. 107. Columb. 32 ½. Mex. 42 Griech. —. Bras. 79. Oesterr. —. 8

Wien, 3. Januar. 43 91 ¾. Bank-Actien 1285.

58 99:. Belg. 98.

58% Met. 99 ⅛. Neue Anleihe v.

1835 562 .

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmitt. Abends ¹ Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

341, 8 Par. 340, 97 Par. 339,5 o Par [Quellwärme 7,0 °R. 8 84 8 8 8* . 29 2* 8 98 Flußwarme 0,7 °R. 98 pCt. 92 vCt. 91 p Ct. Bodenwarme 1,8 °R. 1191s 9 Nusdünst. 0,010‧Rh. SW. Hiederschlag 0.

1835. 7. Januar.

Luftdruck. Luftwaͤrme Thaupunkt Dunstsaͤttg. Wetter...

Wolkenzug

Koͤnigliche Schauspiele.

Freitag, 9. Jan. Im Opernhause: Auf Begehren: Der Freischuͤtz, Oper in 3 Abth. Musik von C. M. von Weber.

Im Schauspielhause: 1) Camilla, ou: Le frere et la soeur, vaudeville en 1 acte, par Scribe. 2) La visite domiciliaire, drame nouveau en 1 acte, par Mr. Mr. Daubigny et Pou- jol. 3) Les freres feroces, piece comique en 1 acte, par Mr. Carmouche.

Sonnabend, 10. Jan. Im Schauspielhause: Koͤnig Kon⸗ radin, historische Tragoͤdie in 5 Abth. und einem Vorspiele, von E. Raupach.

Sonntag, 11. Jan. Im Opernhause: Die Alpenhuͤtte, Singspiel in 1 Akt, von A. v. Kotzebue. Musik von J. P. Schmidt. Hierauf: Der Aufruhr im Serail, Ballet in 3 Abth., von Ph. Taglioni.

Im Schauspielhause: Die beiden Klingsberge, Lustspiel in 4 Abth., von Kotzehue. Hierauf: Jugend muß austoben, Lust⸗ spiel in 1 Akt, nach dem Franz., von L. Angely.

Koönigstaͤdtisches Theater.

Freitag, 9. Jan. Der Barbier von Sevilla, komische Oper in 2 Akten. Musik von Rossini.

Wegen Heiserkeit des Herrn Holzmiller kann die Oper Norma nicht gegeben werden. Die bereits geloͤsten Billets blei⸗ ben zur heutigen Vorstellung guͤltig, oder kann der Betrag da⸗ fuͤr bis 6 Uhr Abends in Empfang genommen werden.

Sonnabend, 10. Jan. Hinko, der Stadtschultheißen⸗Sohn von Nuͤrnberg, Schauspiel in 5 Akten, mit einem Vorspiel: Der juͤngere Sohn, von Ch. Birch⸗Pfeiffer. (Madame Birch⸗ Pfeiffer: Margarethe Volkner, als Gastrolle.)

Nachrichten.

Paris, 2. Jan. Vorgestern Abend brachte der Staats⸗ Rath dem Koͤnige seine Gluͤckwuͤnsche zum neuen Jahr. dar. Gestern empfingen Se. Majestaͤt der Reihe nach die Gluͤckwuͤn⸗ sche der Adjutanten und Ordonnanz⸗Offiziere, der Minister und Marschaͤlle, der Pairs⸗ und Deputirten⸗Kammer, des Cassations⸗ und des Rechnungshofes, vieler anderen Behoͤrden und des di⸗ plomatischen Corps. Im Namen des letzteren redete der Rus⸗ sische Botschafter, Graf Pozzo di Borgo, den Koͤnig an; er be⸗ merkte unter Anderem, daß die Wuͤnsche, welche er im vorigen Jahre ausgesprochen, gluͤcklicherweise in Erfuͤllung gegangen seyen und daß die Vergangenheit eine neue und maͤchtige Buͤrg⸗ schaft zu Gunsten desjenigen darboͤten, was alle Gutgesinnten von der Zukunft zu hoffen und zu erwarten ein Recht haͤtten.

In der heutigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer, zu welcher sich ein eben so zahlreiches Auditorium, wie an den vorhergehenden Tagen es fehlte auch nicht an schoͤn geschmuͤck⸗ ten Damen eingefunden hatte, wurden die Berathungen uͤber den projektirten Bau eines Gerichts⸗Saales fuͤr den Pairshof fortgesetzt, nachbdem die Bureaus der Kammer durch das Loos neu zusammengesetzt worden. Herr Golbéry ließ sich wider den betreffenden Gesetz Entwurf vernehmen, indem er den vor den Pairshof gebrachten Prozeß als gesetzwidrig bezeichnete.

Neueste

Herr Hervé erklaͤrte, daß er anfangs nicht die Absicht gehabt

habe, im Laufe dieser Debatte das Wort zu ergreifen; indessen sey er durch die dem Gesetz⸗Entwurfe gemachten Vorwuͤrfe so im Innersten bewegt worden, daß er als Mitglied der Kommis⸗ sion nicht umhin koͤnne, dieselben zuruͤckzuweisen. Der Redner gab sich darauf alle Muͤhe, die von seinen Vorgaͤngern aufgesteü⸗ ten Argumente zu widerlegen, was ihm indeß schlecht gelang. Herr Dugabé war der Meinung, daß die Amnestie, ganz ab⸗ gesehen von dem vorliegenden Gesetz⸗Entwurfe, als ein großer politischer Akt bewilligt werden muͤsse, daß der Augenblick zu einer solchen Maßregel gekommen sey und daß die National⸗ Garde wie die Armee sie laut begehre. Der entgegengesetzten Ansicht war Herrn Robineau, einer der Deputirten der west⸗ lichen Departements, der sich bei dieser Gelegenheit zugleich in einige Details uͤber die Unruhen in der Vendée einließ. Die Herzogin von Berry, bemerkte er, habe schlechte Rathgeber ge⸗ habt; sie sey der Meinung gewesen, daß bei ihrem Erscheinen der ganze Suͤden und Westen fuͤr ihren Sohn aufstehen wuͤrden, waͤhrend sie nur etwa 1500 Mann um sich habe sammeln koͤn⸗ nen. Herr Salverte, der zu Anfang dieser Sitzung auf⸗ genommen und vereidigt worden war, ließ sich jetzt zum erstenmale wieder vernehmen. „Der uns vorgelegte Gesetz⸗ Entwurf“, sagte er, „hat keinen andern Zweck, als den gewoͤhnli⸗ chen Lauf der Gerechtigkeit zu unterbrechen. Hiarzu ist aber Niemand berechtigt. Ohne Zweifel muß die Gerechtigkeit lang⸗ samen Schrittes vorschreiten, niemals aber darf ihr Lauf ganz gehemmt werden. Dies wuͤrde aber der Fall seyn, wenn man jetzt erst einen Saal bauen wollte, um die Angeschuldigten zu richten.“ Der Redner bekaͤmpfte den Gesetz⸗Entwurf aber auch noch aus anderen Gruͤnden. Er suchte zu beweisen, daß die National⸗Versammlung und die Kaiserliche Regierung, als sie Amnestieen bewilligt, sich in ungleich schlimmerer Lage als die ge⸗ genwaͤrtige befunden haͤtten. Er gehoͤre keiner systematischen Opposition an und einer der anwesenden Minister werde ihm das Zeugniß geben, daß er niemals einer solchen angehoͤrt habe. (Herr Humann bejahte dies.) Indessen sey er der Ansicht, daß die Regierung sich lieber auf die oͤssentliche Meinung als auf die materielle Gewalt stuͤtzen sollte. Er sey innig uͤberzeugt, daß die Hauptstadt im Allgemein Amnest sey.

Menge Dichtungen ausgearbeitet.

„Ich wuͤnschte daher wohl“, sagte der Redner, „be⸗ man sich zu einer solchen Maßregel entschloͤsse, und de man sie zugleich auf die in Hamm befindlichen Minister aus dehnte. Dieser Wunsch steht uͤbrigens mit demjenigen, den ic im Jahre 1830 zu erkennen gab, in keinerlei Weise in Wider

spruch. Vier Jahre sind seitdemsverflossen; und eine vieraͤhrige

Zef scheint mir fuͤr die schuldigen Minister eine hinlaͤngläge trafe, ganz abgesehen von den moralischen Leiden, die sie imme. bei ihnen und den Ihrigen zuruͤcklassen wird. Und warum soln man nicht die Thuͤren des Gefängnisses vier Maͤnnern eroͤffn die vielleicht nicht einmal in Frankreich bleiben werden? Regierung scheint sich zu fuͤrchten, die Verantwortlichkeit hig, fuͤr zu uͤbernehmen, und doch hat sie die Herzogin von Perri amnestirt, die mindestens wohl eben so schuldig als jene Nina ster war?“ Herr Salverte stimmte schließlich fuͤr die Verne fung des Gesetz⸗Entwurfes. Man verlangte jetzt tnn allen Seiten den Schluß der Debatte; indessen gelte es doch noch Herrn Mauguin, sich Gehoͤr zu verschaffn Derselbe stellte unter Anderem die ganz einfache Frage, weshelg man sich so sehr sträube, eine allgemeine Amnestie zu bewilliga da man doch bereits mehrere der Gefangenen des Mont 6 Michel amnestirt habe. „Also der Zufall“, sagte er, „hat diese Gefangenen ihre Freiheit verschafft? und alle andern sollen beklagen, daß sie bei dem Brande auf jenem Felsen nicht ehe falls mit zugegen waren. Und doch will man es nicht wahr ben, daß es politische Proscribirte giebt. Ich beharre bei dies Behauptung. Unsere Absicht ist, alle Franzosen in ein gemen sames Gefuͤhl der Liebe zum Vaterlande zu vereinigen. W. zweifeln, daß die Regierung bei ihrem Systeme diese Absicht, reichen werde.“ (Bei dem Schlusse dieses Berichts war za⸗ Mauguin noch auf der Rednerbuͤhne.)

Bei der Englischen Gesandtschaft trifft man alle Anstalte zum Empfange des Lord Cowley, der sich unverzuͤglich auf sc nen Posten begeben soll. Es heißt, er habe als Botschafter zu Wie einen sehr versoͤhnenden und gemaͤßigten Geist gezeigt, und au diesem Grunde pee man ihn zwei anderen bedeutenden Mi nern der Tory⸗Partei vorgezogen. Man betrachtet daher Sendung des Lord Cowley als ein Zugestaͤndniß fuͤr die Fra zoͤsische Regierung.

Das Kabinet der Tuilerieen soll im Begriff stehen, auf . Faͤlle hin, da es dem neuen Englischen Ministerium, ungeache aller Versicherungen desselben, nicht trauen will, einige Vorsiche Maßregeln zu treffen, und dies insbesondere an der Belgisce Graͤnze. Mehrere Regimenter, die schon an der Belagerung we Antwerpen Theil genommen, haben, wie man versichert, den N. fehl erhalten, sich der Belgischen Graͤnze zu naͤhern. Es se uͤbrigens nicht die Absicht des Ministeriums seyn, sofort en neue Nord⸗Armee zu bilden. Man wuͤrde sich, heißt es, dam begnuͤgen, ungefaͤhr 40,000 Mann drei oder vier Tagemaͤrse weit von Belgien so aufzustellen, daß sie in wenigen Tagen ve sammelt werden koͤnnten.

Der beruͤhmte Englische Dichter Campbell wird in einige Tagen auf seiner Ruͤckreise nach London hier erwartet. Er he sich mehrere Monate in Algier aufgehalten, wohin er sich m. Hrn. Laurence und dem General Drouet d'Erlon begeben han Dem Vernehmen nach hat er waͤhrend seines Aufenthaltes in Afeit ein interessantes Werk uͤber die Sitten der Araber und ein Hr. Campbell ist mit das Aufnahme, die ihm in Algier geworden, sehr zufrieden.

Die Chouans sind, obwohl diesmal nur in geringer Anzahl hier und da wieder rege. So wird der Gazette des Tribu⸗ naux aus Fougdères (Ille et Vilaine) vom 25. Degmube mitgetheilt: „Herr Tregomain, vormaliger Deputirter unter d aͤlteren Linie der Bourbonen, ist in seiner Wohnung bei Autran im Bezirk von Fougeères, in Folge einer bei ihm vorgenomn nen Haussuchung, verhaftet worden. Er wurde sofort mit ig Post nach Pontivy gebracht, wo, wie es scheint, ein Prof uͤber ein großes Komplott instruirt wird, das die Wiedererze bung der aͤlteren Linie auf Frankreichs Thron vermittelst d Chouannerie zum Zweck hatte. Verschiedene Papiere sollen; die Haͤnde der Behoͤrden gefallen seyn.“

Es scheint, daß bei Lyon eine völlig organisirte Dieht bande besteht, welche die ganze Umgegend unsicher macht.

Man hat berechnet, daß waͤhrend des verflossenen Jaht uͤber 150 neue Zeitschriften, sowohl woͤchentliche als monatlcch in Paris erschienen sind. Die Zahl der neuen Romane bent 200, die der uͤbrigen Werke von verschiedener Art 1600. 2. Pariser Buchhandel hat 1500 wichtige Werke auf dem Wege Subscription pablizirt. Von allen diesen Speculationen si nur 35 bis 40 verungluͤckt; alle uͤbrigen hatten ein guͤnstih Resultat.

Aus Saint⸗Jean⸗de⸗Luz schreibt man vom 27. Deßen ber: „Das Spanische Dampfschiff „Reyna Gobernadora so eben in unserer Bay vor Anker gegangen. Es uͤberbrin 4500 Flinten, die fuͤr die Truppen der Koͤnigin bestimmt st Man bringt in diesem Augenblick jene Waffen in 5 Trinka ren, um sie in unserm Hafen auszuschiffen, von wo sie ume Eskorte nach Spanien gebracht werden sollen.“

Die Election theilt Briefe aus Bayonne vom 27.2 mit, die wenig Interesse darbieten. Den Insurgenten war endlich gelungen, einen Moͤrser zu gießen, der Bomben vol 150 Pfund, die man aus den Gießereien von Orbaceite afül⸗ traͤgt, und sie schickten sich an, Elisondo zu belagern. Die 5 Insurgenten⸗Bataillone unter Eraso, welche diesen Platz dlok ren, sind beschaͤftigt, Holz und brennbare Stoffe zusammenzi bringen. Von Mina vernimmt man nichts. Die Insurgenlig haben bei Elisondo drei Franzosen erschießen lassen, die in ih Reihen dienten, und die sie in Verdacht hatten, desertiren wollen. Beide kriegfuͤhrende Thetle haben wegen des Trefe vom 15. Dez. ein Te Deum singen lassen.

Heute schloß 5proc. Rente pr. compt. 106. 75. fin co 107. —. 3 proc. pr. compt. 76. 75. fin cour. 77. 5. 5 9nse Neap. pr. compt. 93. 70. fin cour. —. 5proc. Spe Rente 42. 3 proc. do. 27. Cortes 40 ½. Ausg. Span. Schl 13. 2 proc. Hollaͤndische 54. 30.

Frankfurt a. M., 5. Jan. Oesterr. 5proc. Men 100 2. 100 :z7. 4proc. 922 z 92. 2 ½ proc 54 G. 1proc. 29 23 18. Bantk⸗Actien 1544. 1542 Part.Oblig. —. —. Loose⸗ 100 Gulden 214. G. Preuß. Praͤm. Sch. 61. 60 ½. V Anl. 94 ½. G. Holl. 5proc. Obl. von 1832 97 ½ 97 ½.

Loose 69 ¼. 69 proc. Span. Rente 42 ½ 42. Zproc. do. p 25%. 25t1T.

[(Waungen und das Preß⸗Gesetz. Von anderen polltischen Maß⸗ geln köͤnnte ich vorzugsweise noch die Erpedition nach Spa⸗

E1““ 1 11“n 1“ 281 ½

reußi

Allgemeine

B

sche Staats—

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mtliche Nachrichten. . L111““

Keonil des Tage oö.

Der Kammergerichts⸗Assessor Goldbeck ist zum Justiz⸗ Kommissarius bei den Gerichten des Ruppinschen Kreises, mit Anweisung seines Wohnortes in Wusterhausen a. d. D., bestellt worden. 1“ v 8

6

Im Bezirke der Koͤnigl. Regierung 8 zu Stralsund ist der Kandidat der Theolsgie, Adolph Wewetzer, zum bPastor adjunctus des Predigers Schulz zu Huͤtte ernannt worden. b Angekommen: Se. Excellenz der General der Kavallerie und kommandirende General des VIten Armee⸗Corps, Graf von Zieten, von Breslau. Der General⸗Major und Commandeur der 12en Landwehr⸗ rigade, von Braunschweig, von Neiße. Abgereist: Der Ober⸗Jzgermeister und Chef des Hof⸗ agd⸗Amtes, General⸗Major Fuͤrst Heinrich zu Carolath⸗ Beuthen, nach Schlesien.

F1— 11“

Zertungs⸗Nachtichten.. Azuz land.

Frankireich.

In der Sitzung der Deputirten⸗Kammer vom 2. Jan. ging g(nach Abgang der Post) noch ungemein stuͤrmisch her. Den naͤchsten Anlaß zu diesen lebhaften Eroͤrterungen gab Herr Mauguin da⸗ durch, daß er den Minister des oͤffentlichen Unterrichts an seine fruͤ⸗ heren politischen Grundsaͤtze erinnerte, und ihn des Wankelmuths beschul⸗ digte. „Kann Herr Guizot wohl“, sagte er, „die Juli⸗Revolution ver⸗ theidigen? Fuͤr ihn war diese Revolution eine Katastrophe, ein an⸗ eisociales Ereigniß, ein Ungluͤck. Bei solchen Ansichten aber kann man unmoͤglich die Stellung, in der man sich befindet, mit Erfolg bertheidigen. Und in der That verbergen die Minister ihre wahren Unsichten auch nicht sie haben es kein Hehl, daß sie in der Schule der Restauration gebildet worden sind. (Murren.) Unterbrechen Sie mich nicht, m. H.! Lesen Sie bloß den Moniteur; Sie werden darin finden, daß ein Minister selbst gesagt, man habe keine andere Absicht, als die Gesellschaft zu rekonstituiren, ihr eine aristokratische Form 8 geben, und sich auf die Geistlichkeit zu stuͤtzen; es sey, mit einem Worte, auf eine Ruͤckkehr zur Restauration, bloß unter einem anderen Regie⸗ rungshaupte, abgesehen. Frankreich verwirft aber eine solche Ten⸗ denz. Die Sprache des Ministeriums in dieser Beziehung ist so deutlich gewesen, daß, wenn die Kammer sich hat taͤuschen lassen, se es nicht anders gewollt hat; denn die Minister haben wahrlich hre Gedanken nicht verheimlicht. Noch in einer unserer letzten Sitzungen beklagten sie sich uͤber jenen Mangel an moralischem und wolitischem Glauben, der sich uͤberall im Lande fuͤhlbar mache. Wie kann dies aber anders seyn? Wie kann es in Frankreich noch einen Glauben geben? Die Juli⸗Revolution war von dem Volke mit ei⸗ ner gewifsen Begeisterung begruͤßt worden; jetzt nennt man sie ein Ungluͤck. Frankreich moͤchte seinen Koͤnig gern lieben; man sagt ihm aber, daß eine Regierung unpopulair seyn muͤsse. eccbecchange. Ich wiederhole bloß, m. H., was im Moniteur

eht. Frankreich achtete die Gesetze, und man mißbraucht sie in solchem Maße, daß sie den Buͤrger nicht mehr schuͤtzen. Doch ich halte inne. Wollte ich fortfahren, so wuͤrden Sie sehen, daß alle diese Grundsaͤtze zu einer Zeit vertheidigt, zu einer anderen wieder verleugnet worden sind. Wie kann man sich hiernach noch wundern, wenn es dem Lande an einem politischen Glauben fehlt? Taͤglich sagt man uns, daß uns noch 50 Jahre der Unruhen bevorstaͤnden. 8 dies wohl eine Sprache, wie man sie dem Lande gegenuͤber hal⸗ ten soll? Wir muͤssen diesem Zustande ein Ende machen. Der Kam⸗ mer gebuͤhrt diese Aufgabe, und namentlich den jungen Deputirten, denen unsere fruͤheren politischen Diskussionen fremd geblie⸗ ben, und die frei von allen Verbindlichkeiten sind; sie vor⸗ zuͤglich muͤssen sich aussprechen, und die Majoritaͤt dahin versetzen, wo sie die gerechte Sache erblicken. Was uns betrifft, so werden wir ihnen gerne beistehen, ohne von ihnen einen Lohn fuͤr den Sieg zu verlaͤngen.“ Gleich nach Herrn Mauguin bestieg Herr Guizot zu seiner Rechtfertigung die Rednerbuͤhne. „Ich wuͤrde vielleicht“, aͤußerte er, „das Wort nicht ergriffen haben, wenn

der vorige Redner nicht gegen die Politik des Ministeriums einen Vorwurf vorgebracht haͤtte, den wir hier nicht zum erstenmale hoͤ⸗ ren. Man beschuldigt uns, daß wir uns zu dem Systeme der Re⸗ stauration hinneigten. Waͤhr ist es, daß Mebrere von uns, und ich insbesondere, unter der vorigen Dynastie oͤffentliche Aemter beklei⸗ det haben. Indessen will ich nicht hoffen, daß man uns bloß dieserhalb tabelt; der Vorwurf, den man uns macht, gilt ohne Zweifel allein der damals von uns befolgten Politik; und so hat vorgestern erst ein sehr eloquenter Redner, der leider in diesem ugenblicke nicht hier ist (Herr Berryer), bebaup⸗ tet, daß waͤhrend der 15 Jahre der Restauration er und seine Freun⸗ de es stets gewesen, die sich der Volksfreiheiten angenommen und das Land gegen die Gewaltthaͤtigkeiten und den Neactions⸗ und Verfolgungs⸗Geist der Regierung vertheidigt haͤtten. Ist diese Be⸗ hauptung aber wohl gegruͤndet? Haben nicht vielmehr meine Freun⸗ de und ich zu jener Zeit stets aufrichtig und beharrlich dahin ge⸗ trachtet, die verfassungsmaͤßige Monarchie in Frankreich fest zu be⸗ gruͤnden und die Verheißungen der Charte zu verwirklichen? Erin⸗ nern Sie sich des Wahl⸗Gesetzes, des Rekrutirungs⸗Gesetzes, des Preß⸗Gesetzes, das die Preß⸗Vergehen den Geschwornen unter⸗ warf; schreiben sich diese Gesetze und noch mehrere andere, ie ich anfuͤhren koͤnnte, nicht aus jener Zeit her, wo meine Freunde und ich im Rathe des Koͤnigs saßen? Wa⸗ ren wir es nicht, die wir uns unablaͤssig dem Reactions⸗ und Verfolgungsgeiste widersetzten, von welchem die Kammer von 1815 beseelt war? In der That, meine Herren, ich schaͤme mich fast, daß man mich zwingt, an solche notorische Thatsachen zu erinnern. Da⸗ mals erscholl unser Lob aus dem Munde derselben Partei, die uns heute tadelt. Und was that denn diese Partei, als sie ihrerseits ans Ruder gelangte? Ich mag keine traurigen Erinnerungen wek⸗ ken, mag nicht die Leidenschaften aufregen; aber versagen kann ich es mir nicht, einige Maßregeln aus dieser viel geruͤhmten Periode hervorzuheben. Ich nenne bloß das Sakrilegiums⸗Gesetz, das Gesetz über das Erstgeburts⸗Recht, das uͤber die Emigranten⸗Entschaͤ⸗

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Berlin, Sonnabend den l10ten

nien nennen; indessen mag ich mich aufhalten, und beschraͤnke mich daher auf die Erklaͤrung, daß es selbst zu jener Zeit, wo wir der Regierung voͤllig fremd waren, unter den Vertheidigern derselben viele Maͤnner gab, die der Re⸗ praͤsentativ⸗Monarchie aufrichtig anhingen, und der Meinung wa⸗ ren, daß man sie selbst um diesen Preis unterstuͤtzen muͤsse. Ich sage dies absichtlich, damit selbst diejenigen Männer, die damals un⸗ sere Gegner waren, erfahren, daß jener Geist des Hasses und der Feindschaft, wovon man ihnen jetzt spricht, von unserer Seite nie bestand. Und um auf eine fruͤhere Zeit zuruͤckzugehen, muß ich bier ausdruͤcklich bemerken, daß, wenn ich vor einigen Tagen von den Irrthuͤmern des Jahres 1791 gesprochen, es durch⸗ aus nicht meine Absicht war, die Personen zu beschweeigen, die damals auf der politischen Schaubühne standen. Die Absichten dieser Personen waren ohne Zweifel gut, aber sie beruhten auf irri⸗ gen Begriffen, auf anarchischen Grundsaͤtzen. Dies ist auch noch

bei diesen Erinnerungen nicht

jetzt meine Ansicht, und ich behaupte dreist, daß, wenn wir unter

der vorigen Dynastie der Freiheit einige Dienste geleistet haben, solche eben nur aus unserem unablaͤssigen Bemuͤhen hervorgegangen sind, jene anarchischen Grundsaͤtze zu bekaͤmpfen. Ich mag diese Diskus⸗ sion nicht weiter in die Laͤnge ziehen; meine einzige Absicht war, unsere Handlungsweise unter der Restauration, sey es als Rathgeber der Kcone, oder als Mitglieder der Opposition, naͤher zu bezeichnen.“ Hr. Charamaule ergriff nach Hrn. Guizot das Wort, um na⸗

mentlich aus dessen fruͤhren Schriften zu beweisen, daß er seinen politischen

Glauben geaͤndert habe. Die Grundlage der jetzigen Regierung, meinte er, sey das Prinzip der Volks⸗Souverainetaͤt, und es frage sich jetzt, wie Herr Guizot fruͤher hieruͤber gedacht habe. Der Red⸗ ner verlas hierauf einige Stellen aus einer von Herrn Guizot vor 14 Jahren herausgegebenen Schrift. Mehrere ministerielle Depu⸗ tirte suchten diese Vorlesung zu hintertreiben, indem sie meinten, dies waͤren bloße Persoͤnlichkeiten. Dies half ihnen aber zu nichts. Herr von Bricqueville bemerkte, daß, wer den Angriff gestatte, sich auch die Vertheidigung gefallen lassen muͤsse. An einer jener Stellen nennt Herr Guizot das Prinzip der Volks⸗Souverainetäaͤt an sich abgeschmackt und barbarisch, und diese Stelle war es, die Herr Charamaule vorzuͤglich hervorhob. Herr Guizot meinte, daß der Redner sein Buch nicht verstehe. Er wolle nicht boffen, fuͤgte er hinzu, daß man die Kammer zu einem philosophischen Kampfplatze machen wolle; er beharre unbedingt bei den Meinungen, die er in jenem Buche ausgesprochen habe, und behaupte, daß sie durchaus nicht im Widerspruche mit den Prinzivien staͤnden, die der jetzigen Regierung zum Grunde laͤgen. Als Herr Charamaule darauf seine Citationen fortsetzen wollte, suchten die Centra solches abermals zu verbindern, waͤhrend die Oppositions⸗Partei den Redner ermuthigte, nicht nachzugeben. Es kam hieruͤber zu einem solchen Laͤrm, daß Herr Charamaule sich zuletzt nicht mehr verstaͤndlich machen konnte, und daher mit fa csnpen Worten die Rednerbuͤhne verließ: „Ich erklaͤre, daß es mir bei diesen fortwaͤhrenden Unterbrechungen un⸗ moͤglich ist, meinen Gedanken Worte zu leihen. Entweder wollen Sie eine Debatte, oder Sie wollen sie nicht. Im ersteren Fall ist es aber eine Haupt⸗Bedingung, daß Sie sich still ver⸗ halten, und dem Redner Ihre Aafmekksamkeit schenken.“ Herr Guizot ersuchte den Praͤsidenten, die Kammer darauf auf⸗ merksam zu machen, daß er selbst (der Minister) die weitere Vor⸗ lesung verlangt habe. „Ganz recht“, erwiederte Herr Dupin, „aber man will den Redner nicht hoͤren.“ Nachdem Letzterer auf seinen Platz zuruͤckgekehrt, rief er noch einmal uͤberlaut: „Ich er⸗ klaͤre, daß man mich verhindert hat, mein Mandat zu erfuͤllen!“ Herr Laffitte sagte, daß er an seines Kollegen Stelle die Tribune nicht verlassen haben wuͤrde, und verlangte im Uebrigen, daß der ganze Vorfall im Protokoll verzeichnet wuͤrde. „Ich protestire auch meinerseitz“, fuͤgte er 1 wegen dieser Tyrannei der Majoritaͤt. Es giebt keine Unabhaͤng gkeit der Tribune mehe!“ Hieruͤber kam es zu einem abermaligen Tumulte, mehrere Redner verlangten auf einmal das Wort; der Praͤsident erklaͤrte aber, daß er dasselbe nur Herrn Charamaule zuerkennen koͤnne. „Ich ersuche die Kammer in ihrem eigenen Interesse“, fuhr er fort, „sich still zu ver⸗ halten. Wenn ein Redner Stellen aus Druckschriften citirt, so kann man seine Citationen, insofern sie irrig sind, spaͤterhin berichtigen. Wenn man ihn aber bei jedem Worte unterbricht, so ist es klar, daß man das Recht der freien Eroͤrterung verletzt. Ich fordere die Kam⸗ mer wiederholt zur Ruhe waͤhrend der ganzen 3t auf, daß die Vor⸗ lesung des Herrn Charamaule dauern wird.“ Letzterer citirte darauf noch mehrere einzelne Stellen aus der oberwaͤhnten Schrift. Als

Hr. Charamaule jetzt auf seinen Platz zuruͤckkehren wollte, ersuchte

der Minister ihn, sein Buch zuruͤckzulassen; er bestieg darauf selbst die Rednerbuͤhne und theilte der Versammlung noch andere Stellen aus seiner Schrift mit, um seinen Zuhdrern die Ueberzeugung zu verschafen, daß er damals nicht anders wie jetzt gedacht habe, und daß man ihn mit Unrecht des Wankelmuths beschuldige. Aufs neue wurde sodann der Schluß der Debatte ver⸗ langt, jedoch, umsonst. Herr Comte, der sich und seine Partei durch einige Aeußerungen des Ministers verletzt fuͤhlte, er⸗ griff das Wort und sagte: „Wenn der Minister uns beschuldigt, daß wir die Repraͤsentativ-⸗Regierung nicht verstaͤnden, und daß wir anarchische Begriffe haͤtten, so beschuldige ich ihn meinerseits der Bestechung und der Gewaltthaͤtigkeit“ Auf die Bemerkung des Grafen Jaubert, daß der 14 Artikel der Charte es verbiete, fruͤ⸗ here politische Handlungen ans Tageslicht zu ziehen, erwiederte Herr von Bricqueville: „Ja, die Charte von 1814, aber nicht die von 1830“, eine Aeußerung, die eine anhaltende Bewegung ver⸗ ursachte. Auch Herr von Salvandy verlangte, daß man alle Per⸗ soͤnlichkeiten bei Seite lasse, und als dessenungeachtet Herr Comte die Frage stellte, wer das Censur⸗Gesetz und das Gesetz uͤber die Prevotal⸗Gerichtshoͤfe entworfen habe, meinte Herr Jau⸗ bert, man koͤnnte eben so gut fragen, von wem das Wahl⸗Gesetz von 1817 vorbereitet worden sey; zugleich ersuchte er den Praͤsidenten, wegen jener Persoͤnlichkeiten den Redner zur Ord⸗ nung aufzurufen. Statt dessen aber wurde er selbst von Herrn Du⸗ pin zur Ordnung ermahnt. „Wenn die Geduld der Kammer ge⸗ mißbraucht wird“, sagte Letzterer, „so ist es nicht meine Schuld.“ „Doch!“ rief Herr Jaubert. Wegen dieses Ausrufs erhielt er einen zweiten Verweis von dem Praͤsidenten, der nunmehr erklaͤrte, daß, da es allen Anschein gewinne, als ob man die politische Hand⸗ lungsweise einzelner Personen zum Gegenstande der Debatte ma⸗ chen wolle, er keinem einzigen Redner weiter das Wort bewilligen werde, indem dies Persoͤnlichkeiten waͤren, die eben so sehr gegen die Schicklichkeit als gegen das Neglement verstießen. ls jetzt uͤber den Schluß der Debatte abgestimmt werden sollte, widersetzte sich demselben Herr Bérenger. „Unter den Fragen, die hier verhan⸗ delt worden sind“, sagte er, „giebt es eine, die noch nicht hinlaͤng⸗ lich eroͤrtert worden ist, naͤmlich diejenige, wem das Recht zusteht, eine Amnestie zu bewilligen. Ich verlange daher, daß die Berathung morgen fortgesetzt werde.“ Nachdem die Mehrzahl der Versamm⸗ lung sich mit diesem Antrage einverstanden erklaͤrt hatte, wurde die Sitzung aufgehohen .“

Januar

les, was Sie, im Namen des diplomatischen Corps,

a *

Bei Beginn der Sitzung vom 3ten wurden, da sich die zur Berathung erforderliche Lat⸗ von Mitgliedern noch nicht einge⸗ funden hatte, einige ziemlich uninteressante Bittschriften⸗Berichte abgestattet. Als die Kammer vollzaͤhlig war, setzte sie die obige Debatte fort. Herr Berenger trat zur 2 iderlegung der Ansicht auf, daß jede der drei Staats Gewalten die Initia⸗ tive hinsichtlich einer Amnestie ergreifen koͤnne. Er behauptete, das Recht der Begnadigung und also auch die Initiative in die⸗ ser Beziehung stehe ausschließlich dem Koͤnige zu. Dann aber war er der Meinung, daß der Koͤnig dieses Recht jederzeit, auch vor erfolgtem Urtheilspruche ausuͤben duͤrfe. „Man hat gesagt, fuhr der Redner fort, „daß der Koͤnig dieses Recht mißbrauchen koͤnne. Nein, m. H., dafuͤr haben wir verantwortliche Minister. Der Koͤnig hat das Recht, Frieden zu schließen, und Krieg zu⸗ erklaͤren. Folgt daraus, daß der Koͤnig unsere Nationälitaͤt ge⸗ faͤhrden koͤnne?“ Den Gesetz⸗Entwurf selbst erklaͤrte Hr. Berenger fuͤr ganz unpassend. Bei dem Prozesse der Minister Karl'’s X, sagte er, habe man auch außerordentliche Ausgaben machen muͤssen; aber man habe es nicht gewagt, der Deputirten⸗Kammer eine solche Forderung vorzulegen, aus Furcht, auf dieser Redner⸗ buͤhne Eroͤrterungen zu veranlassen, die den Angeklagten haͤtten nachtheilig werden koͤnnen. Man habe damals die Ausgaben in dem Rechnungs⸗Gesetze mit aufgefuͤhrt, und die Kammer habe die Schicklichkeit eines solchen Verfahrens empfunden. Warum koͤnne man bei dieser Gelegenheit nicht eben so zu Werke gehen? Er werde gegen den Gesetz⸗Entwurf stimmen, weil derselbe einer⸗ seits das Begnadigungs⸗Recht des Koͤnigs beeintraͤchtige, und andererseits uͤber die Straffaͤlligkeit der Angeklagten vorweg ent⸗ scheide. Ferr Odilon⸗Barrot sagte von E’ „,Sch ebe die Identitaͤt zwischen dem Begnadigungs⸗Rechte und dem

mnestie⸗Rechte keinesweges zu. Nichtsdestoweniger stimme ich, wie der vorige Redner, gegen den Gesetz⸗Entwurf, und glaube, wie er, daß die Amnestie⸗Frage in die Ihnen vorgelegte finan⸗ zielle Frage nicht mit begriffen ist.’“ Nachdem sich noch die Herren Poulle, Sauveur Lachapelle und Glais⸗Bizoin in kurzen Worten gegen den Gesetz⸗Entwurf ausgesprochen hat⸗ ten, wurde die allgemeine Berathung geschlossen. Der Bericht⸗ erstatter, Herr Dumont, faßte hierauf die Debatte zusammen. hn FFenhe der Post befand er sich noch auf der Redner⸗ buͤhne.

Paris, 3. Jan. Vorgestern, als am Neujahrstage, em⸗ pfing der Koͤnig die uͤblichen Gluͤckwuͤnsche des diplomatischen Corps, der Kammern und der oberen Behoͤrden. Der Graf Pozzo di Borgo hielt im Namen des diplomatischen Corps fol⸗ gende Anrede: „Sire, als heute vor einem Jahre das diplomati⸗ sche Corps Ew. Maj. seine Huldigungen und Gluͤckwuͤnsche dar⸗ brachte, sprach es zugleich den Wunsch aus, daß das gute Ver⸗ nehmen zwischen allen Souverainen, welches den Voͤlkern die Wohlthaten des Friedens sichert, fortdauern moͤchte. Dieser

Wunsch, Sire, ist gluͤcklicherweise in Erfuͤllung gegangen; und

die Vergangenheit ist eine neue und starke Buͤrgschaft zu Gun-⸗ sten dessen, was alle Wohlgesinnte von der Zukunft zu hoffen und zu erwarten berechtigt sind. In dieser Ueberzeugung er⸗ neuern heute die Repraͤsentanten aller Regierungen Ew. Maj. dieselben Huldigungen und dieselben Gluͤckwuͤnsche, und halten sich uͤberzeugt, Sire, daß Sie geruhen werden, dieselben mit eben den Gesinnungen aufzunehmen, die sie uns eingefloͤßt ha- ben. Wir fuͤgen denselben diejenigen hinzu, die uns fuͤr Ihr Gluͤck, fuͤr das Ihrer erhabenen Familie und Frankreichs besee:⸗ len.“ Der Koͤnig antwortete: „Ein jedes Jahr, das im Schoße des Friedens, dessen sich die Welt erfreut, verfließt, laͤßt uns auch die Wohlthaten desselben je mehr und mehr wuͤrdigen, und indem den gluͤcklichen Folgen des guten Vernehmens, welches zwischen den Souverainen besteht, immer neue Vortheile danaze

bringt jeder Jahreswechsel allen Staaten neue die Dauer und Stabilitaͤt desselben. Je laͤnger der allgemeine Frieden waͤhrt, desto mehr sehen wir die Moͤglichkeit einer Ge⸗ fahr sich entfernen, die ihn gefaͤhrden koͤnnte; und die moralische Kraft der Gutgesinnten, die mit dem Vertrauen, welches die Zu⸗ kunft einfloͤßt, zunimmt, vermehrt unsere Mittel, die Ruhe de Voͤlker zn sichern. Ich empfange mit lebhaftem Vergnuͤgen die Gluͤckwuͤnsche, die Sie Mir uͤber dieses gluͤckliche Resultat un⸗ serer Anstrengungen darbringen, und Ich danke Ihnen fuͤr Al⸗

Frankreich, Keiner Familie und Mir wuͤnschen.“ Die Antwort des Koͤnigs auf die Anrede des Praͤsidenten der Pairs⸗Kammer lautete folgendermaßen: „Auch Sie, meine Herren, haben auf eine edle und wuͤrdige Weise den hohen Auftrag erfuͤllt, den Ihnen Frankreich anver⸗ traut hat; Sie haben bestaͤndig den festen Willen zu erkennen gegeben, unsere Gesetze aufrecht zu erhalten, ihnen Achtung zu verschaffen, und ihnen die Staͤrke und Kraft zu verleihen, deren sie beduͤrfen, um in unserm Vaterlande die ¹ entliche Ordnung und die Freiheit zu begruͤnden, und unsere Institutionen gegen jene ungerechten und gehaͤssigen Angriffe zu vertheidigen, dere jetzt ohne Zweifel besser anerkannte Fruchtlosigkeit uns zu hoffen erlaubt, daß sie sich nicht wiederholen werden. Ich empfinde auf das tiefste Alles, was die Ihnen auferlegten Functionen Pein⸗

liches haben; aber Sie werden, wie Sie selbst es sagen, de

Leidenschaften und dem Hasse unzugaͤnglich seyn, Sie werden unerschuͤtterlich bleiben, wie die Gerechtigkeit, zu deren Organ Sie berufen sind; und, ungeachtet des Wunsches, der Ich mit Ihnen theile, daß jene schmerzlichen Erinnerungen ausgeloͤscht werden und die Strafen des Gesetzes nicht mehr auf den Ungluͤcklichen lasten moͤchten, werden Sie dennoch Ihre flichten in ihrem ganzen Umfange zu erfuͤllen wissen. Sie aben zu einer andern Zeit dem Sturme der Leidenschaften zu widerstehen, und dadurch Frankreich vor Uebeln zu bewahren ge⸗ wußt, die es ohne Ihr Beharren auf dem Wege der Pflicht und der Maͤßigung betruͤbt haben wuͤrden. Sie werden auch ferner diesen Weg verfolgen, und sich dadurch neue Anspruͤche auf Meine Se und auf die des Vaterlandes erwerben. Ich schaͤhe Mi. .nge Ihnen dies beieugen zu koͤnnen, und

uͤgt werden, rgschaften fuͤr