Ich bin uͤberzeugt, daß Ich, indem Ich es thue, nur der Wi⸗ derhall Frankreichs bin.“
Dem Praͤsidenten der Deputirten⸗Kammer erwiederte der Koͤnig Folgendes:
„Ich empfange mit Vergnuͤgen diese neue Versicherung der Gesinnungen der Deputirten⸗Kammer und der so gluͤcklichen Mitwirkung, welche Sie mir abermals verkuͤnden. Durch die innige Einigkeit der drei Staats⸗Gewalten kann das große Werk erfuͤllt werden, welches ihnen anvertraut worden ist, naͤmlich das, zu gleicher Zeit den innern Frieden, die oͤffentliche Ordnung, die Herrschaft der Gesetze aufrecht zu erhalten, und uns allen Ver⸗ suchen, unsere Institutionen umzustuͤrzen und die Anarchie in Frankreich einzufuͤhren, zu widersetzen. Ich heffe, daß die Ohn⸗ macht derer, welche es gewagt haben, dergleichen Plaͤne zu schmieden, uns in Zukunsft vor dem Ungluͤck einer Wiederholung verselben bewahren werde. Ich moͤchte jene traurigen Aufregun⸗ gen auch bis auf die schmerzliche Erinnerung ausloͤschen koͤnnen. Ich wuͤnschte, daß keine andere Spur davon zuruͤckbliebe, als die weise Lehre: daß, so lange die Kammern und der Koͤnig sich in denselben Gesinnungen beregnen, so lange wir bei dem Systeme beharren, welches seit der Gruͤndung Meiner Regie⸗ rung, seit Meiner Thronbesteigung, seit der Charte von 1830 bestoͤndig befolgt worden ist, die Aufruͤhrer zu keiner Kraft in Frankreich gelangen werden, und daß ihre eitlen Versuche kein aunderes Resultat haben koͤnnen, als Bedauern in uns zu erre⸗ gen, und ihnen Niederlagen zu bereiten. Ihre Ausschwerfungen haben Mein Herz betruͤbt; Ich habe die Nothwendigkeit be⸗ klagt, sireng gegen sie verfahren zu muͤssen; aber Ich hoffe mit Ihnen, daß diese grausame Nothwendigkeit sich nicht von Neuem darbieten werde. Ich freue Mich, die Wuͤnsche zu vernehmen, die Sie fuͤr Mich und Meine Familie hegen; empfangen Sie dafär Meinen lebhaftesten und aufeichtigsten Dank.“ 1
Im Temps liest man: „Es ist ein Irrthum, daͤß, wie ein Journal gemeldet hatte, der Praͤsident der D putirten Kam⸗ mer mit dem Praͤsidenten der Pairs⸗Kammer, den Ministern und verschiedenen politischen Notabtlitaͤten gestern Abend beim Koͤnige eingeladen gewesen sy.“ 1
Lord Brouzham ist am 27. Dez. in Nimes angekommen. Er hat nach einem Falen es von wenigen Stunden seine Reise nach Italien fortgesetzt.
EET111“ 8 Bordeauxrx vom 30. Dez. sagt: „In den letzten Tagen sind wir fast ohne Nachrichten von der Graͤnze gewesen. Das Treffen am 15ten scheint beide Partelen so geschwaͤcht zu haben, daß keine wieder die Offensive ergreifen, sondern sich lieber mit der Reorganisation ihrer Streitkraͤfte in ihren respektiven Positfonen beschaͤftigen will. Man spricht uͤbrigens von einer Bewegung bei St. Sebastian, wobeit die Stadt⸗Milizen einen Angriff auf die Karlisten gemacht haͤtten. Wer haben aber noch keine Detalls erfahren. Es heißt auch, 6 00 Jasurgenten seyen in der Naͤhe von Irun angekommen; diese Zahl ist jedenfalls sehr uͤbertrieben. Elisondo ist noch im⸗ mer blokirt.“
Großbritanien und Irland.
London, 3. Januar. Gestern hatten die Kommissarien uͤr die Reduzirung der National⸗Schuld eine Zusammenkunft im Schatzamte. Sir Robert Peel war, als Kanzler der Schatz⸗ karnmer, dabei zugegen. d
Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt jetzt die offizielle Anzeige von der Ernennung des Herzogs von Dorset zum Ober⸗Stallmeister und der Lords Ernest Bruüce und Tuüllamore zu Kammerherren des Koͤnigs.
Der bevollmaͤchtigte Minister der Ottomanischen Pforte, Namik Pascha, und der Oesterreichische Geschaͤftstraͤger, Herr von Hummelauer, arleiteten gestein im auswaͤrtigen Aute. Ersterer begab sich sodann nach dem Kolonial⸗Amt, wo er eine Unterredung mit dem Grafen von Aberdeen hatte. Der Sar⸗ dinische Gesandte, Graf d'Aglie, hatte Geschaͤste im Kriegs⸗ Departement.
In den hiesigen Blaͤttern liest man bereits die Aufforderun⸗ gen der konservativen Kandidaten Ward, Wilson und Lyall, so wie der reformistischen Wood, Grote, Trawford und Pattison; sar die Ersteren hat sich ein Ausschuß unter Vorsitz des Herrn Th. Baring, fuͤr Letztere ein „Union⸗Resorm⸗Ausschuß“ unter den Herren Kingscote und Travers gebildet. Die Ernennung des Herrn Crawford wird durch einen sehr reichen Mann, Hrn. Denifon, und die des Gouverneurs der Bank durch einen der wehr habendsten Maͤnner des Koͤntgreichs beantragt werden. Man scheint hierauf Werth zu legen, um zu zeigen, daß die großen Besitzer einer vernuͤnftigen Reform keines wegs abhold seyen. Auch die Kandidaten fuͤr die anderen Theile Londons melden sich bereits beim Publikum. Herr H. W. Hobhouse, der in Fins⸗ bury austritt, ist ein echter Nadikaler; erx will dreijaͤhrige Par⸗ lamente, Bellottirung, Aufhebung der Waͤhler, Auote, Abschaf⸗ fung des Zehn:en⸗Systems durch Abꝛoͤsung, allmaͤlige Aufhebung der Korn⸗Gesetze, Ueberweisung aller fuͤr den protestantischen Gottesdienst nicht nothwendigen Einkuͤnfte der Irlaͤndischen Kirche an den Staat, gaͤnzliche Gleichstellung der Dissenters mit den au⸗ dern Unterhanen des Koͤnigs, Abschafsung der Peitschenstrafe beim Heere und bei der Flotte, Reform des Munizipalwesens, R viston der Pensionsliste, strenge Sparsamkeit und Erleichterung des Steuerdrucks, namentlich Aushebung der Fenster⸗Steuer. Da er Zie neuen Mmister aller und jeder wirksamen Reform seind⸗ lich goEnnt glaubt, so erkläͤrt er es fuͤr seine Pflicht, in unbe⸗ dingter Ovposition gegen dieselben aufzutreten. In der City herrscht zwa. die groͤbte Ruhe, aber doch große Spannung, und fast alle Geschase stocken. Der Courier behauptet, man zweifle nicht an dem Erfomge der Reform⸗Kandidaten, und in den Klubs sey Zwei gezen Eins ze ihren Gunsten gewettet worden. Die⸗ ses Blatt enthaͤlt fortwaͤhrend sehr nachdruͤckliche Aufforderungen an die Waͤhler, so wie anonyme Artikel gegen das Ministerium, welche sich vdie Miene geben, von vedeutender Hand herzurühren.
Sir Francis Burdett und Oberst Epans haben sich ausge⸗ soͤhnt, und ihre Comitéen werden zusammen wirken, um ihre Wiedererwaͤhlung in Westminster zu sichern.
Sir C. M. Sutton und Herr Goulburn haben sich nach Cambridge begeben, wo sie, wie man erwartet, ohne Wider⸗ spruch von der Universitaͤt werden gewoͤhlt werden.
Ais konservative Kandidaten [uͤr Edinburg werden sich Lord Ramsay, der aͤlteste Sohn des Grafen von Dalhousie, ein 22 jähriger Zuͤngling, und Herr Learmonth, fruͤher Mitbewerber des vormaligen General⸗Prokurators, Sir John Campbell, mel⸗
en; von Seiten der Reformer treten Sir John Campbell und
err Abereromby wieder auf. Letzterer ist bereits in Edinburg esugetroffen und wohnte einer großen Waͤhler⸗Versammlung bei. Er hielt eine Rede, worin er als Mitglied des vorigen Mini⸗ steriums sich zu der Erklaͤrung berechtigt außerte, daß das ganze Land bis zum 15. November in der tiefsten Ruhe gelebt, und daß die Ministerial⸗Veraͤnderung durch keinen aͤußeren Antrieb peranlaßt worden. Ueber die Art und Weise, wie Lord Mel⸗
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bourne entlassen worden, druͤckte er sich sehr umsichtig aus. Er erklaͤrte es aber fuͤr durchaus unconstitutionnell, daß man die ganze Macht des Landes mehrere Wochen hindurch einem einzi⸗ gen Manne anvertraut habe, und wenn er auch keinesweges glaube, daß der Herzog von Wellington jemals die Absicht ge⸗ habt, die Staatsgewalt zu usurpiren, so crachte er doch ein solches Beispiel hoͤchst gefaͤhrlich fuͤr die Zukunft. Anlangend Sir Robert Peel, so sprach er sich mit großer Achtung uͤber dessen Perzoͤnlichkeit aus, fragte aber, ob dessen Ansichten mit denen von Millionen uͤbereinstimmten? Sollten aus dem jetzi⸗ gen Kampfe verderbliche Folgen entstehen, so haͤtten die jetzigen Minister allein die Verantwortlichkeit zu tragen. Er sorach sich geagen die Siebenjaͤhrigkeit der Parlamente, jedoch nicht zu Gunsten der Ballottirung aus; von einer Ausdehnung des Wahl⸗ rechts wollte er fuͤr jetzt nichts wissen.
Herr J. C. Herrtes, der Kriegs⸗Secretair, ist von hier nach Harwich in der Grafschaft Essex abgereist, um seine Wie⸗ derErwaͤhlung daselbst zu betreiben. Auch Lord Granville So⸗ merset, Sir Henry Hardinge und Herr Roß haben die Stadt zu gleichem Zweck verlassen. Herr Alexander Baring hat sich auf seinen Landsitz zu Addiecombe bei Croydon begeben.
Die Morning Chronicle spricht von Vertheidigungs⸗ und Schutz⸗Maßregeln im Tower: „Ein langes Palisadenwerk im Birmanischen Styl“, sagt dieses Blatt, „wurde letzthin naͤ⸗ her an den engen Eingang am Westende des Towers, dem Lan⸗ dungs⸗Platze Kings⸗stairs gegenuͤber, verlegt und betraͤchtlich ver⸗ staͤrkt. Es laͤuft ein Bretierplatz an der innern Seite des Sta⸗ kets herum, auf welchem 25 Soldaten stehen und wirksam mit den Gewehren auf Individuen von irgend einer Zahl zielen koͤn⸗ nen, die an den Stufen aussteigen und versuchen moͤchten, in diesen zugaͤnglichsten Theil des Towers einzudringen. Das Sta⸗ ket hat ausdruͤcklich den Zweck, diesen Eingang zu schuͤtzen und im Fall einer Volksbewegung oder Ruhestoͤrung zu dienen; zu⸗ gleich ist eine Menge Schießscharten in den Mauern der Waa⸗ renhäuser bei dem Tower gemacht worden. Der Herzog von Wellington ist Constable des Towers, und es heißt, wie wir glau⸗ ben, mit sehr gutem Grunde, daß ein großes Quantum Muni⸗ tion dort kuͤrzlich hingeschafft worden. Fremden ist verboten, auf den Waͤllen und Bastionen zu gehen, und Eindringende wer⸗ den mit argwoͤhnischen Augen gehuͤtet. Das Depot in der Teoo⸗ (y⸗Straße, das mit 15,000 Psund jaͤhrlichen Kosten beibehalten war, soll aufgehoben und das Geschaͤft nach dem Tower verlegt werden.“
Ueber die Wahlen in Berkshire, wo bekanntlich Herr Wal⸗ ter, Har pt⸗Eigenthuͤmer der Times, als Kandidat auftritt, wird dem Globe von dorther Folzendes gemeldet: tangen zu den Wahlen in dieser Grafschaft werden mit der groͤß⸗ ten Thaͤtigkeit betrieben, obgleich alle Parteien uͤber die Gewiß⸗ heit der Wieder⸗Erwaͤhlunz des Herren Palmers und uͤber die neue Wahl des Capitain Dundas und des Herrn Pusay, so wie uͤber die Verwerfung des Herrn Walter einerlei Meinung sind. Es he ßt sogar, daß Letzterer seine Stellung so gut kennt, daß⸗ er die Absicht zu erkennen gegeben hat, fuͤr einen der Flek⸗ ken Abingden oder Wallingford als Kandidat aufzutreten, wenn er in der Grafschaft durchfallen sollte. Zwischen Herrn Walter und dem Capitain Dundas hat eine ziemlich heftige Korrespondenz stattgefunden, worin Ersterer sagt, daß er Alles, was in seinen Kraͤften stehe, anvenden werde, um Letzteren zu verdraͤngen. Dies wird ihm, wie wir glauben, un⸗ geachtet der geheimen und offenen Unterstuͤtzung der konservativen Kiüubs in Londen und der Tory⸗Geistlichen dieser Grafschaft, nicht wenig Muͤhe kosten, da er bei der letzten Wahl nur eine Majoritaͤt von 39 Stimmen hatte und allein in dem Distrikt von Newbury wenigstens 550 bis 600 Stimmen, auf die er rechnete, verloren haben soll. Einer der Haupt⸗Agenten des Herrn Walter in Reading hat, um seiner eigenen Consequenz willen, bei dieser Gelegenheit alle politischen Verbindungen mit jenem abgebrochen.“ 1
Die heutige Times beginnt ihr Blatt mit folgenden Be⸗ trachtungen uͤber den Wahlkampf: „Die Berichte aus der City von gestern koͤnnten fast in dem Glauben bestaͤrken, daß das kon⸗ servative Interesse sich nicht mit der den Anstrengungen seiner Gegner die Waageschale haltenden Lebhaftigkeit rege, und daß weder die noͤthige Geschicklichkeit noch Thaͤtigkeit angewandt werde, um eine Sache zu vertheidigen, um deretwillen man zu keinem politischen Kampf haͤtte herausfordern sollen, wenn ihre Verfechter nicht auf ihre Huͤlssquellen bauen kennten und darauf vorbereitet waren, dieselben in volle Bewegung zu setzen. Ver⸗ ständigen Maͤnnern muß es einleuchten, daß man, um einen maͤch⸗ tigen Feind aus einger befestigten Stellung zu verdraͤngen und eine große Schlacht zu gewinnen, keine geistige und materielle Anstrengungen vernachlaͤssigen darf. Wenn wir aber nicht falsch unterrichtet sind, so haben die Anti⸗Destruktiven bisher einen be⸗ klagenswerthen Mangel an Wahl Talent gezeigt, — wir meinen jenes rechtliche und gesetzmaͤßige Talent, seine moralische Staͤrke bei den Wahlen ze ermitteln, zu vertheilen und zu gebrauchen. Nicht bloße Reden oder Abresfen oder Versamm⸗ lungen zu Tausenden sind es, wodurch sich an einem so ausge⸗ dehnten und von einer so zahlreichen und verschiedenartigen W 1 lerschaft bewohnten Ort, wie London, eine Wahl ausfuͤhren laͤßt. Es gehoͤrt dazu große Erfahrung in den bei einer Wahl noth⸗ wendigen Geschaͤften, eine weitlaͤusige und gut geordnete Orga⸗ nisirung ven Ausschuͤssen und Agenten, ein gehoͤriges Zaͤhlen und Mustern der Stimmen, Pruͤfung der Wähler⸗Listen, Qualffizi⸗ rung von Personen zu Parlaments⸗Mitgliedern *) und Aufbie⸗ tung aller anderen Hebel und Befoͤrderungsmittel, deren eine Sache in einem so heftigen und muͤhevollen Kampf be⸗ darf, wo es sich fuͤr sie um Tod und Leben handelt. Sollte es sich am Tage der Entscheidung erweisen, daß man bei der Anwendung aller dieser zur Sicherung des Erfolgs noͤthigen Huͤlfsmittel schlaff zu Werke gegangen, daß man es dabei an Entschlossenheit, an unermuͤdlicher Energie und an Klugheit feh⸗ len lassen, und daß die Sache dadurch verloren sey, so wuͤrden alle, welche den Interessen eines gemaͤßigten Konservatismus, in welchem zugleich das Streben nach gehoͤrig verdauter Reform lie⸗ gen muß, wohlwollen, mit Recht an diejenigen, von denen diese antüdestruktive Demonstration ausgegangen ist, die Frage richten⸗ koͤnnen, warum sie einen so hohen Einsatz auf so schlecht berech⸗ neten Erfolz hin gewagt, warum sie eigentlich die politische Ruhe von Lendon gestoͤrt, ohne sich eines dadurch zu gewinnenden und jenen Uebelstand aufwiegenden Vortheils Knr die Sache emer guten Verwaltung versichert zu haben? Wir sagen dies mur in der Voraussetzung, daß bedeutende Fehler begangen, daß natuͤrliche
2 Hierunter sind die sogenannten canveyances gemeint, wodurch man in England die Bestimmung der Verfassung, daß ein Parla⸗ ments⸗Mitglied 300 Pfund Einküͤnste von Grundbesitz haben muß, zu umgehen weiß. Dem zu Waͤhlenden wird naͤmlich von seinen Goͤnnern ein Gut von dem vorschriftsmaͤßigen Ertrage zum Schein verkauft, und so hat er in den Augen des Gesetzes die noͤthige Qualification 8 EEE—
„Die Vorberei⸗
und rechtliche Mittel zum Siege außer Acht gelassen worden. ist moͤglich, daß die Aengstlichkeit unserer Korrespondenten leitet hat, sich Sachen einzubilden oder Kleinigkeiten zu uͤbertrei⸗ ben, und daß uns das Benehmen der constitutionnellen Refer mer, oder pielmehr ihrer Agenten, falsch dargestellt worden 8 In diesem Fall wuͤrden natuͤrlich obige Ruͤgen und Klagen zu Boden fallen, und das Einzige, was man zu bedauern haͤtt, waͤre dann nur, daß die der oͤffentlichen Wohlfahrt geschlagene Wunde, so tief sie auch seyn mag, unvermeidlich und von d Art war, daß die Freunde der constitutionnellen Freiheit sie mit aller menschlichen Tugend und Vorsicht nicht ganz haͤtten abwen den koͤnnen. Ein Blatt moͤgen indeß die Vertheidiger weiser Re. formen immerhin, ohne daß es ihnen Schande machen wird, aus dem Buche des Feindes entlehnen, — die Lehre, was Ernst und Kraͤftigkeit heißt.“ j
Die Geistlichkeit von Glasgow hat eine Adresse an Lor Stanley gerichtst, in welcher man folgende Stelle bemerk. „Als Diener und Vaͤter der Schottischen Kirche ist es unsene Pflicht, gegen alle systematische Versuche, welche kuͤrzlich gega unsere Kirche und ihre Schwester, die herrschende (Anglickan, sche), gemacht wurden, um die Institutionen, auf welchen d Existenz des Landes beruht, umzustuͤrzen, zu protestiren.“ ven Stanley antwortete darauf, daß er ganz und gar die Wuͤnsce und Ansichten der Schottischen Geistlichkeit theile und sich van genommen habe, so viel nur in seiner Macht staͤnde, fuͤr dih Iefütlsst und Verbreitung der Grundsaͤtze der Staats⸗Religian zu sorgen.
Die Times nimmt ihre Angabe, daß der Bischof von Winchester und neun andere Personen vor die naͤchsten Assin⸗ von Surrey geladen seyen, als irrig, wieder zuruͤck.
Der General Burton, der sich schon seit mehreren Jahre aus dem Dienst zuruͤckgezogen hatte, ist am 2ten d. M. in 77sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen. Er war von Geburt ein Amerikaner und in fruͤherer Zeit Gouverneur von Nieder⸗Kanada. Zuletzt kommandirte er das 1ste Bataillon deß 60sten Infanterie⸗Regiments. Er war zweimal Parlamentz Mitglied fuͤr Beverley in der Grafschaft York.
Herr Holman, der bekanntlich ganz blind ist, hat so ehg den zweiten Theil seiner „Reise um die Welt“ herausgegeben Der erste Band enthielt die Ergebnisse seiner Reise nach de Westkuͤste von Afrika und Suͤd⸗Amerika. Im zweiten Bande schildert er seine Beobachtungen in Brastlien, Suͤd⸗Afrita, Mauritius und Madagaskar.
Ein Einsender in der Times, der sich Senex unterzeichnen und der uͤber Ceylon, wie seine Erwähnung der speziellsten Va haͤltnisse andeutet, aufs gruͤndlichste unterrichtet scheint, erhelht die groͤßten Zweifel uͤber das Komplott, das im Gebiet veh Kandy im Juli entdeckt und unterdruͤckt worden seyn sollte, ir dem ein solches Geruͤcht seit der Britischen Eroberung von Kang im Jahre 1815 sich jedes Jahr beim Eintritte eines großal Volksfestes daselbst erneuere und uͤberdies die Regierung umn mehrere Monate spaͤtere Nachrichten haben muͤsse.
Aus Jamaika hat man Berichte bis zum 8. Novembu, im Ganzen war es ruhig auf der Insel; bloß auf den Pfla⸗ zungen von Green⸗Valley und Old⸗England zeigten die Nega sich widerspaͤnstig.
Niederlande.
Aus dem Haag, 41. Jan. Der Baron F. C. de Jonge Mitglied der ersten Kammer der Generalstaaten und . Jhans⸗ der Ritterschaft der Provinz Seeland, ist am 31sten v. M. zg Middelburg mit Tode abgegangen.
Amsterdam, 3. Jan. Imn Jahre 1834 sind hier aus See 2158 Schiffe angekommen, 216 weniger als im J. 183), und 88 weniger als im Jahre 1832.
Die Einfuhren betrugen im Jahre 1834
zu Amsterdam zu zu und Rotterdam Hamburg Bremen
555,731 314,303 89,163 2,084 9,515 5,661 21,502 9,193 5¹0 31,058 98,414 31,482 94,680 18,317 — 21,669 4,169 24,0¹0 17,250 11,252 6,9 8 63,244 12,642 2,037 25,646 44,098 6/14 26,667 39,405 7,79 158,575 219,113 68,36] Faß u. Ballen 15,662 13,284 3,05
Belgien.
Bruͤssel, 3. Jan. Unsere Blaͤtter widersprechen der van Franzoͤsischen Zeitungen gegebenen Nachricht, daß der jetzt Paris befindliche General Niellon von unserer Regierung u ruͤck berufen worden sey. 8
Die Beurlaubten der verschiedenen Armee⸗Corps, dert Urlaub am 1sten d. M. abgelaufen war, sind Regimentern zuruͤckgekehrt. 8
Deutschland.
Kassel, 4. Jan. Die vorgestern (in Nummer 7 ( Staats⸗Zeitung) mütgetheilte Nonz uͤber ein in Betreff der Aa⸗ wendung des §. 68 der Versassungs⸗Urkunde uͤber das Verhält⸗ niß der Deputirten und Stellvertreter erstattetes Gutachten — ergaͤnzen wir dahin, daß dieser Gegenstand mittelst Berathumg des staͤndischen Ausschusses mit anderen staͤndischen Mitgliedern namentlich auch mit dem Herrn Vice⸗Praͤsidenten, dahin georde net worden, daß derselbe vorlaͤufig fuͤr erledigt zu halten ist.
Weimar, 7. Jan. Der Erbgroßherzog hat vom 1P5ten bis zum 2ästen v. M. in Venedig verweilt und darauf die Reis uͤber Padua und Vicenza nach Malland fortgesetzt. Alle Nach richten, welche am 4ten d. M. hier aus Jtalien eingetroffen sind, bestaͤtigen, daß Sich Se. Koͤnigliche Hoheit des besten Wohlbefindens erfreut.
Leipzig, 7. Jan. Als ein Zeichen der Anerkennung de hohen Wichtigkeit des hier errichteten Deutschen Buchhaͤndlen Vereins fuͤr hiesige Stadt, und der regen Theilnahme der let⸗ teren an der Feier der Grundsteinlegung zur neuen Buchhaͤndler⸗ Boͤrse, hat unser Stadt⸗Rath, im Verein mit den hiesigen Stade verordneten, bei der gedachten festlichen Gelegenheit den sremde zur Einweihung deputirten Buchhaͤndlern, Herrn Enslin au Berlin, Herrn Frommann aus Jena und Herrn Sche⸗cetzscht aus Halle, nicht weniger den beiden auswaͤrtigen Mitglieden des Verwaltungs⸗Ausschusses, den Herren Perthes aus Gotze und Duncker aus Berlin, das hiesige Ehren⸗Guͤrgerrecht ertheilt
Muͤnchen, 3. Jan. Der Koͤnigl. Staats⸗Minister der Finanzen, Freiherr von Lerchenfeld, hat (wie bereits erwaͤhnvt)
Kaffee: Ballen Zucker: Faßz
„ Saͤcke ꝛc. Amerik. Taback: Faß 8 Reis: Faß
„ Ballen Baumwolle: Ballen Thee:
aͤute:
ewuͤrze:
ste 8
vernimmt,
bereits zu ihrn.
wegung gesetzt hat,
4
zin Portefeuille abgegeben, und dieses ist dem Geheimen Rathe von Wirschinger, bisherigem Vorstande der Ober⸗Zoll⸗Admini⸗ stration, uͤbertragen worden. Unsere offiziellen Blaͤtter schweigen war bis jetzt uͤber dieses Ereigniß, es ist aber daran nicht mehr zu zweifeln. Auch soll der Geheime Rath von Wirschinger be⸗ teits zum Staatsrathe im ordentlichen Dienste ernannt seyn. Bekanntlich hat dieser Staatsmann wesentlichen Antheil an dem Entstehen der Zoll⸗Vereine gehabt, auch war er auf mehreren Landtagen Koͤntgl. Commissair im Finanzfache. Daß ihm bereits im Jahre 1832 nach dem Abgange des Grafen von Armansperg die Otelle des Finanz⸗Ministers bis zur Ernennung des Herrn von Mieg provisorise übertragen war, braucht kaum erwaͤhnt werden. Herr von Wirschinger steht im kraͤftigsten Mannes⸗ dlrer. Seine Bemuͤhungen um die Zoll⸗Vereinigungen wurden von mehreren Deutschen Regenten durch Verleihung ihrer Or⸗ en anerkannt. Dem Freiherrn von Lerchenfeld soll der Posten iines Gesandten in Wien zugedacht seyn. — Der Koͤnigl. Ge⸗ netalkCommissair des Isar⸗Kreises, Herr Graf von Seinsheim, erhielt waͤhrend der Krankheit, die seit ein paar Tagen den ürgen von Oettingen⸗Wallerstein befallen, bis zu erfolgter Wie⸗ verherstellung desselben, das Portefeuille des Innern. Die Besserung des Fuͤrsten macht so erfreulich schnelle Fortschritte, daß man die voͤllige Wiedergenesung in kurzer Zeit soll hoffen duͤrfen.
Wuͤrzburg, 2. Jan. Das Gut des Grafen von Mentz⸗ dorf, Holzkirchen, ist abermals von einem Brande heimgesucht worden, und zwar auf eine Art, daß man fast als gewiß anneh⸗ men kann, daß das Feuer gelegt wurde. Ueber 6000 Garben ungedroschenes Getraide und viele andere Vorraͤthe sind ein
Raub der Flammen geworden, und nur die angestrengte Thaͤ⸗
tigkeit der Einwohner der Umgegend, Uedingen und Roßbrunn, ist es zu danken, daß man Herr des Feuers wurde, und daß die Schaf⸗Heerden ꝛc. nicht zu Grunde gingen. 8 Schon seit einigen Tagen sprach man hier von einem Duell zwischen dem Major von Brandenstein und dem juͤngeren Fuͤr⸗ sten von Oettingen Wallerstein (Beide in Muͤnchen). Nun
zhören wir, daß der Zweikampf auf Pistolen wirklich stattgefun⸗
den habe, und daß Fuͤrst von Oettingen⸗Wallerstein geblieben sey. Die Veranlassung des Duels ist uns unbekannt.
Stuttgart, 1. Jan. (Allg. Ztg.) In unserem oͤffent⸗ lichen Leben ist seit laͤngerer Zeit eine große Stille eingetreten, welche freilich gegen die fieberhafte Aufregung der Jahre 1831 bis 1833 gewaltig absticht. Dies zeigt sich nicht nur in der all⸗ gemeinen politischen Physiognomie des Landes, sondern nament⸗ lich auch bei bestimmten einzelnen Gelegenheiten, welche in der genannten Periode gewiß nicht verfehlt haͤtten, große Aufregung zu erzeugen. So war z. B. bei dem Erscheinen des Bundes⸗ Beschlusses uͤber die Schiedsmaͤnner im groͤßern Publikum durch⸗ zus keine Bewegung sichtbar. Vergeblich wurden, wie man von einzelnen Mitgliedern der zweiten Kammer Eingaben an den ständischen Ausschuß gerichtet, welche große Besorgnis aussprachen und die Bewirkung einer schleunigen Einberufung der Staͤnde verlangten; vergeblich bemuͤhte man sich, Adressen aͤhnlichen Sinnes in den verschiedenen Theilen des Landes zu Stande zu bringen. Der Ausschuß ließ sich zu diesem Schritte, wie es scheint, nicht hinreißen; im Publikum aber fanden die Adressen⸗Plaͤne keine Theilnahme. Niemanden wollte die große Gefahr fuͤr die Verfassung einleuchten, welche aus einer allseitig freiwilligen Berufung auf ein Schiedsgericht ent⸗ steche. — Den Beweis uͤbrigens, wie wenig ein leidenschaftliches
Partei⸗Treiben nuͤtzlich und noͤthig ist, um Vorschritte in Staats⸗
Angelegenheiten zu erzielen, liefert das, was bei uns gegenwaͤr⸗ tig geschieht. Seit dem letzten Landtage ist die Regierung in den Ministerien und im Geheimen⸗Rathe unablaͤssig mit der Abfassung einer großen Anzahl von Gesetz⸗Entdwuͤrfen beschaͤftigt gewesen, und so koͤnnen denn auch in den ersten Tagen des Januar die zur Vorpruͤfung gewaͤhlten staͤndischen Kommissionen zusammentreten, ohne Zweifel aber die Staͤnde selbst im Maͤrz oder April einberufen werden. Von diesem Landtage erwartet man viel Gutes, da er sich nicht mit dem Budget und dessen aufregenden Haupt⸗ und Incident⸗Punkien zu beschaͤftigen hat. Wir duͤrfen hoffen, noͤthige Gesetze, namentlich ein Straf⸗Gesetzbuch und ein Straf⸗Verfahren zu erhalten. Es giebt freilich Manche, welche fuͤrchten, die zweite Kammer moͤchte sich auch bei diesen beiden großen Gesetzbuͤchern zu einer Verathung aller einzelnen Artikel hinreißen lassen, und dadurch nicht nur unendliche Zeit verschwenden, sondern auch alle innere Consequenz zerstoͤren; allein es ist doch mit Be⸗ stimmtheit zu erwarten, daß die Mehrheit Einsicht genug ha⸗ ben wird, um sich auf die Berathung der leitenden Grundsäaͤtze zu beschraͤnken, die hieraus folgenden Deiail Bestimmungen aber, und die formelle Redaction der Regierung, oder allenfaus einer gemischten Kommission, zu uͤberlassen. Auch hierbei ist gewiß
den Talenten und Kenntnissen jedes Einzelnen der noͤthige Spiel⸗
raum gelassen. — Wohl als zu den Vorboten des bevorstehen⸗
den parlamentarischen Kampfes gehoͤrig, ist eine kleine Schrift
u betrachten, welche dieser Tage hier unter dem Titel: „Die ndstaͤndischen Verirrungen in Wuͤrttemberg“ erschienen ist. Als ihr vermuthlicher Verfasser wird einer unserer hoͤchsten
eamten genannt, und man will namentlich darin eine Bestaͤ⸗ tigung dieser Vermuthung finden, daß die unserer Verfassung bekanntlich ganz eigenthuͤmliche Stellung des Geheimen⸗Rathes vertheidigt wird, was wohl nur — so nimmt man an — ein unmittelbar Betheiligter versuchen konnte. Sey nun aber der
Verfasser wer er wolle, unverkennbar tritt er als schonungs⸗
loser Gegner der Opposition auf, und wirft ihr in kraͤftiger Sprache Wahl⸗Umtriebe, Haschen nach der Gunst des großen
Haufens, Uebertreibung und Unredlichkeit bei ihren Beschwer⸗
den, Mißkennung der verfassungsmaͤhigen Stellung der Staͤnde und noch manches Andere vor. Die Urtheile uͤber die Schrift sind natuͤrlich sehr verschieden, obwehl bei uns der weit uͤber⸗ wiegende Theil der hoͤheren Klassen der Art und den Zwecken der aͤußersten Opposition abgeneigt ist. Von einer Entgegnung im Sinne und Interesse der letzteren verlautet bis jetzt nichts; vielleicht erfolgt sie seiner Zeit muͤndlich.
Im Morgenblatte liest man aus Stuttgart: „Der Jahreswechsel mahnt uns, Alle, welche fuͤr das in hiesiger Stadt zu errichtende Monument zum Andenken Schillers ihre Theil⸗ nahme bezeugt haben oder noch bezeugen werden, wenigstens summarisch vom Stande der Verhaͤltnisse zu benachrichtigen. Der Erfolg des im vorigen Jahre vom Verein erlassenen dop⸗ peleen Aufrufs hat den Erwartungen vollkommen entsprochen, und für das Unternehmen, das bisher mit der Ungunst der Zeit
und manchem widrigen Zufall zu kaͤmpfen hatte, hat eine gluͤck⸗
lichere Periobe begonnen. Sehr Viele haben bereits ihre Theil⸗ nahme werkthaͤtig bekundet, Viele warten wohl nur auf die An⸗ zeige, daß sich der Zug der Hulbigenden bereits zahlreich in Be⸗ um sich mit einem Kranze fuͤr den großen Die gluͤckliche Idee, ein
Todten an denselben anzuschließen.
39 1 Album anzulegen, in welchem saͤmmtliche Dichter und Gelehrte
Deutschlands mit ein paar Zeilen den großen Dichter ihres Volks
begruͤßen sollten, wird verwirklicht werden. Aus allen Theilen Deutschlands, aus allen Klassen der Gelehrten⸗Republik sammeln sich die fliegenden Blaͤtter, welche einst einen Kodex ganz eige⸗ ner Art bilden werden, und die Beitraͤge mehren sich mit jedem Tag. Bereits hat sich auch der Koͤnigliche Dichter, Koͤnig Lud⸗ wig von Bayern, denjenigen angeschlossen, welche ihn mit Stolz als ihren Geistes⸗Genossen betrachten, und seinen Kranz auf dem Altare des Mannes niedergelegt, der in den Herzen so Vieler im Volke als Dichter⸗Koͤnig lebt. Einige in Petersburg lebende Deutsche haben, veranlaßt durch die Aufforderung des hiesigen Vereins, eine Subscription veranstaltet. Ihr Erfolgz ist ein schoͤner Beweis fuͤr die Dankbarkeit eines Landes, das sich zu seiner geistigen Entwickelung Deutscher Kultur als eines
Hauptwerkzeugs bedient hat und seiner Achtung vor den schoͤn⸗
sten Bluͤthen dieser Kultur. Die bis zum vorigen Dezember eingegangenen Beitraͤge sind im Betrag von beinahe 3000 Ru⸗ beln Banco hieher uͤbermacht worden, die Subscription ist aber noch nicht geschlossen. Es ließ sich voraussetzen, daß der Verein auch die Deutschen Frauen nicht vergeblich zur Theilnahme an einem Werke, dessen Vollendung wohl Ehrensache fuͤr die Nation seyn moͤchte, aufgefordert haben wuͤrde. Die Orte, an welchen bis setzt Frauen Sammlungen veranstaltet haben, sind so uͤber ganz Deutschland zerstreut, daß man wohl sieht, keine Provinz will sich einem Unternehmen entziehen, bei dessen Foͤrderung sich die patriotischen Gefuͤhle des Weibes auf die natuͤrlichste und un⸗ zweideutigste Weise aussprechen koͤnnen. Schwerlich wird am Ende eine Deutsche Stadt in der Liste derjenigen fehlen, deren Unterstuͤtzung es der hiesigen Stadt moͤglich macht, ein Geluͤbde zu loͤsen, das ihr schon lange schwer auf dem Herzen liegt. Die Fruͤchte, welche bisher der Aufruf getragen hat, berechtigen zu der Hoffnung, daß es in kurzem moͤglich seyn werde, ein des großen Mannes und seines Vaterlandes wuͤrdiges Werk zur Ausfuͤhrung zu bringen.“
Mainz, 1. Jan. Der Koͤnigl. Preußische Hof Kapellmei⸗ ster, Herr Meyerbeer, hat der hiesigen Liedertafel, deren Ehren⸗ Mitglied er ist, einen fuͤr dieselbe komponirten (vom Dr. Karl Rosenberg gedichteten, Festgesang zur Verherrlichung Gutten⸗ bergs, des Erfinders der Buchdruckerkunst, aus Paris uͤbersandt. Die genannte Gesellschaft geht damit um, die ihr auf diese Weise von dem beruͤhmten Komponisten erwiesene Ehre dadurch zu erwiedern, daß sie eine kostbare Ausgabe jenes Festgesanges veranstalten laͤßt. 1
v“
Spanien.
Einem von Franzoͤsischen Blaͤttern mitgetheilten Schrei⸗ ben aus Madrid vom 24. Dezember zufolge, machte der Graf de las Navas in der Sitzung der Prokuradoren⸗Kammer vom 23ͤten den Antrag, dem General Mina einen Dank zu votiren. Es wurde jedoch beschlossen, die offiziellen Berichte uͤber seine Siege abzuwarten, obgleich die Kammer einstimmig seine Ver⸗ dienste anerkannte. — Die Koͤnigin hat der Stadt⸗Miliz durch den Kriegs⸗Minister ihre Zufriedenheit zu erkennen gegeben, und zum Beweise ihres Vertrauens befohlen, daß sie sogleich Dienste thun solle.“
Portugal.
In einem von der Morning Chroniele mitgetheilten Schreiben aus Lissabon vom 22. Dez. heißt es: „Die Koͤnigin wurde bei der Vertagung der Kammern mit dem groͤßten Enthu⸗ siasmus empfangen. Mehrere Personen hatten die Aufloͤsung der gegenwaͤrtigen Cortes verlangt, allein der Minister Silva Carvalho hat sich sehr entschieden dagegen erklaͤrt. Man sollte meinen, daß jeder Minister froh seyn muͤßte, sich von einer zu⸗ weilen so heftigen und in numerischer Beziehung der ministe⸗ riellen Seite fast gleichstehenden Opposition befreit zu sehen, al⸗ lein Silva Carvalho ist jetzt so populair geworden, im besten Sinne des Worts, daß er nicht noͤthig hat, irgend etwas zu thun, was ihm mit dem Besten des Landes nicht vertraͤglich erscheint. Seine Popularitaͤt gruͤndet sich vornehmlich auf die allgemeine Anerkennung, daß die von ihm getroffenen Maßregeln nicht bloß einen finan⸗ iellen Zweck hatten, sondern auch in politischer Hinsicht von der oͤchsten Wichtigkeit waren. Die Folge hiervon ist, daß die Op⸗ position beinahe nur dem Namen nach noch existirt, denn meh⸗ rere ihrer urspruͤnglichen Anhaͤnger haben sie aus Ueberzeugung verlassen. Das Hauptmotiv Carvalho's, sich der Aufloͤsung der jetzigen Cortes zu widersetzen, war wohl die Erwaͤgung der hoͤchst⸗ wichtigen Ereignisse, an denen sie Theil genommen haben, und von denen ich einige hier erwaͤhnen will. Die Kammern ver⸗ sammelten sich am 15. August. Eine ihrer ersten Handlungen war die Uebertragung der Regentschaft an Dom Pedro. Dann ertheilten sie ihre Zustimmung zur Vermäaͤhlung der Koͤnigin mit einem fremden Prinzen, und erklaͤrten, nach dem Tode Dom Pedro's, die Koͤnigin fuͤr volljaͤhrig. Außerdem haben sie allen Gesetzen, Dekreten und Maßregeln, welche waͤhrend der Regent⸗ schaft Dom Pedro's erlassen wurden, die groͤßte Aufmerksam⸗ keit geschenkt und sie zu Gesetzen erhoben. Sie haben die Vernichtung des Papiergeldes bewilligt, eine Maßre⸗ el, die ohne Ausnahme von Jedermann gebilligt wird. Fagt man hierzu noch die Abschaffung der Zehnten, die Ver⸗ wendung der National⸗Guͤter zur Tilgung der inneren und aus⸗ wäͤrtigen Schuld, die Errichtuug von Agrikultur⸗ Vanken, die Anlegung von Straßen und Kanaͤlen u. s. w., so wird man der Meinung Carvalho's gern beistimmen. — In der Hof⸗Zeitung vom 19ten wird angezeigt, daß die Dividenden der Englischen Anleihe kuͤnftig auch sowohl in Lissabon, als in London gezahlt werden sollen. In Folge dieser Maßregel steht die Gproc. innere Schuld schon uͤber pari und die 5proc. 93. — Unter mehreren nuͤtzlichen Unternehmungen sind besonders die Verbindung der Fluͤsse Tajo, Guadiana und Zado vermittelst Kanaͤle und die Bildung einer Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft von großer Wich⸗ tigkeit fuͤr das Land. Dem Herzog von Palmella wird es von seinen Feinden sehr uͤbel ausgelegt, daß er seine beiden Schwe⸗ stern, die Graͤfinnen von Villareal und von Linhares, zu Hofda⸗ men hat ernennen lassen.“
Die Times enthaͤlt folgendes Schreiben aus Lissabon vom 27. Dezen. ber: Wenn die beabsichtigten Veraͤnderungen in dem hiesigen diplomatischen Corps ins Leben treten und der Graf von Villareal als Gesandter nach Paris geht, so wird der Her⸗ zog von Palmella, mit Beibehaltung der Praͤsidentschaft des Conseils, das Portefeuille der auswaͤrtigen Angelegenheiten uͤber⸗ nehmen. Dom Francisco d'Almeida soll, wie es heißt, der Nach⸗ folger Lima's am Spanischen Hofe werden, sobald die Angele⸗ genheiten in diesem Lande eine festere Stellung gewonnen haben. Herr Abreu e Lima wuͤrde dann nach Rom gehen. Es sind mehrere Minister Conseils bei dem Herzog von Palmella gehal⸗ ten worden, und obgleich die dort verhandelten Gegenstaͤnde nicht bekannt geworden sind, so weiß man doch soviel, daß die Frage
in Erwaͤgung gezogen wurde, ob in Folge des Ministerwechsels n England irgend eine Veraͤnderung in der Verwaltung der oͤffent. lichen Angelegenheiten vorzunehmen sey. Die ultra⸗liberale Partei ⸗
hatte das Uebergewicht im Kabinet, und bestand darauf, dem
von Dom Pedro vorgezeichneten Wege der Reform auch ferner zu folgen und der Gerechtigkeit der Sache, so wie der Stärke der oͤffentlichen Meinung zu vertrauen. Wie ich hoͤre, hatte der Herzog von Palmella dieselbe Ansicht und nur ein Minister war anderer Meinung. verschiedenen Theilen des Landes ermordet worden, obgleich die
Regierung Alles aufbietet, um diesem Unfug ein Ende zu maW.
chen. — Außer Herrn Alexander Sarmento, der stuͤndlich aus
Madrid erwartet wird, haben noch zwei andere von Dom Pe⸗
dro ernannte Pairs, die Grafen Porta Santo und Penafiel, ihre Sitze in der Pairs⸗Kammer nicht eingenommen. Der Erste wird fuͤr den gelehrtesten Mann in Portugal gehalten, und Beide gel⸗
ten fuͤr Maͤnner von unbescholtener Ehre und Rechtlichkett.
Man sagt, die Kammer werde gleich nach ihrer Wiederversamm⸗ lung im Januar, beide Pairs auffordern, ihre Sitze einzunehe men. — Wer werden hier bald ein Franzoͤsisches Schauspiel ha-⸗ ben, indem vorgestern eine aus 34 Personen bestehende Schauspieler⸗Gesellschaft aus Havre hier angekommen ist. 8 Mit dem ersten Januar werd hier ein neues Blatt, O Inde⸗ pendente, erscheinen, das eine Mittelstraße zwischen den Re⸗ gierungs⸗ und Oppositions⸗Blaͤttern befolgen und das Organ der unparteiischen Meinung seyn wird. — Die verwittwete Kaiserin
hat dem Milttair⸗Institute zu Runa, welches fruͤher unter dem
Schutz der im Jahre 1828 gestorbenen Infantin Donna Maria
Francisca Benedicta, einer Tante des Koͤnigs Johann VI, stand, 2 Contos de Reis geschenkt. — Es finden jetzt die Wahlen fuͤr die Munizipal⸗Kammer von Lissabon statt und man glaubt, daß der jetzige Praͤsident derselben, Franzisco Antonio de Campos, wieder erwaͤhlt werden wird; auch spricht man von der Wahl des Rodrigo Pinto Pizarro, Ex⸗Deputirten fuͤr Porto, dessen An⸗ gelegenheiten die Kammer mehrere Tage beschaͤftigte. — Von den in Peniche und St. Juliao stehenden Irlaͤndischen Grenadieren kamen vor einigen Tagen 45 Gemeine hier an, weil ihnen der ruͤckstaͤndige Sold nicht ausgezahlt worden sey. — Man glaubt hier, daß sie von den Miguelisten aufgereizt worden sind. Der Oberst Shaw hat von der Regierung schon einiges Geld erhal⸗ ten, um die Soldaten zu befriedigen. — Die hiesige Franzoͤsische Gesandschaft machte gestern sehr ernsthaft einen Aufruf an die Mindestfordernden zur Verproviantirung der Franzoͤsischen Flotte im Tajo fuͤr das naͤchste Quartal bekannt. Die genannte Flotte
besteht aber nur aus einer Brigg von 14 Kanonen.“)
Lakht.
Konstantinopel, 13. Dez. (Allg. Ztg.) Allmaͤlig kehrt das Vertrauen zuruͤck, und Jedermann hofft, daß der Friede nicht gestoͤrt werden wird. Wenigstens lauten die Nachrichten aus Alexandrien beruhigend, und Mehmed Ali scheint sich in die Verhaͤltnisse finden, und den gerechten Forderungen der Pforte entsprechen zu wollen. Zwar hat er schon mehrmals eine ver⸗ soͤhnliche Sprache gefuͤhrt, ohne deswegen wirklich Neigung zur Versoͤhnung zu fuͤhlen. Diesmal moͤgen jedoch die Drohungen der sremden Maͤchte ihren Eindruck nicht verfehlt haben, mehr aber wohl noch die schwierige Lage seines Sohnes Ibrahims unter den aufruͤhrerischen Syriern. Er will nun, heißt es, die Wuͤnsche des Sultans erfuͤllen, und besonders den Distrikt von Orfa raͤumen, der nach der Convention von Koniah nie von Arabischen Truppen haͤtte besetzt werden sollen. Da er aber, wird hinzugesetzt, befuͤrchtet, daß die Besetzung dieser Landstrecke durch Ottomanische Truppen die uͤble Stimmung, welche in Sy⸗ rien gegen ihn herrscht, vermehren koͤnnte, weil man darin eine Schwaͤche erblicken wuͤrde, so wuͤnscht er den Distrikt von Orfa als neutrales Gebiet behandelt, und weder von seiner, noch von
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Großherrlicher Seite, unbeschadet jedoch der oberherrlichen Rechte des Sultans, Truppen dahin verlegt zu sehen. eine etwas bedenkliche Klausel, welche die
Dieses ist nus. 1 Pforte nicht leicht
eingehen wird, und welche wahrscheinlich den Gegenstand zu
langwierigen Unterhandlungen geben duͤrfte; ein Umstand, der Mehmed zu statten kommt, und auf den es zuletzt wohl allein abgesehen ist. Indessen wird hier schon von der nahen Raͤu⸗ mung Orfa's gesprochen, auch will die Pforte an Reschid In⸗ structionen abschicken, die noͤthigen Anstalten zu treffen, daß Orfa augenblicklich von Ottomanischen Truppen besetzt werde * koͤnne, wenn er den Befehl dazu erhalte, und die Einwohner durch Kriegskosten zu leiden haͤtten. Das heißt also, er soll sich mit Vorraͤthen fuͤr eine gewisse Truppen⸗Anzahl versehen, die zur Besetzung de Distrikts hinreicht, und sie die⸗ sen nachfuͤhren lassen. Die Eroͤffnung, welche Mehmed Ali g. macht worden, daß der Sultan ihm die ruͤckstaͤndige Tributs Zahlung nachfehen wolle, sobald er sich erneuert anheischig mache, alle durch die Convention von Koniah uͤbernommene Verpflich⸗ tungen von nun an genau einzuhalten, und den Tribut puͤnkt⸗ lich zu bezahlen, scheint dem Vice⸗Koͤnig sehr angenehm gewese zu seyn. Er soll bei dieser Gelegenheit wieder die huldreichen Gesinnungen des Sultans sehr hoch gepriesen und versichert ha⸗ ben, daß er gern vermieden haͤtte, die Nachsicht des Großherrn abermals auf die Probe zu stellen, wenn er nicht von den Umstaͤnden gedraͤngt, und fuͤr den Augenblick außer Stande ge⸗ wesen waͤre, Geldzahlungen zu machen. Er hoffe aber, fuͤr die Folge seinen Haushalt so einzurichten, daß er alle Verpflichtun⸗ gen gehoͤrig erfuͤllen koͤnne, und dann wuͤrde er nicht ermangeln, die Pforte vollkommen zu befriedigen. Ueber diesen Punkt scheint Mehmed Ali schon lange mit sich einig: er zahlt, wenn er kann, wo nicht, so befolgt er das System aller Schuldner, und bleibt schuldig. Die Frage uͤber die Tribut⸗Zahlung ist je doch nun insofern geloͤst, daß das Prinzip von Mehmed aner kannt wurde, es haͤndelt sich also nur darum, ob er es praktisch zu besolgen gedenkt. — Der Gesundheits⸗Zustand ist in Konstan rinopel befriedigend, die kaͤltere Jahreszeit macht die Pestfaͤlle
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Berlin, 9. Jan. Nach Ausweis der so eben im Druck er
. schienenen Uebersicht der fuͤr das Jahr vom 1. Oktober 1833 bis
letzten September 1834 in Berlin zu zahlenden Brand⸗Entschaͤdi gungs⸗Gelder und der verursachten Nebenkosten, so wie der auf zubringenden Beitraͤge, haben sich in dem gedachten Zeitraume in der Hauptstadt uͤberhaupt 16 Braͤnde ereignet, wofuͤr 6246 Rthlr. zu verguͤtigen sind; die Rebenkosten betrugen 5287 Rthlr. wozu noch an fixirten Besoldungen 560 Rthlr. und an Tan tieme fuͤr die E. Se 137 Rthlr. kommen, daß die ganze Summe des aufzubringenden Bedarfs auf 12,230 Riählr. belaͤuft. Zur Deckung desselben ntg, n
sich noch etwa 10,282 Rthlr. in Kassa befinden, 1948 Rthlr
erforderlich, wozu der niedrigste Beitrag von vier Silber pfennigen fuͤr jedes Hunderr der Versicherungs⸗Summe, die sich
Es sind wieder mehrere Miguelisten imn
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zwar, ohne daß