1835 / 12 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

man daran verzweifelte, Reform zu erlangen.“ (Hoͤrt, hoͤrt!) Herr Crawford, der dritte Kandidat, machte bemerklich, daß er zuerst mehr in kommerzieller, als in politischer Hinsicht Repraͤsen⸗ tant der Londoner Waͤhlerschaft geworden, daß er aber stets be⸗ reit gewesen sey, sein Leben lang auf Reformen in Kirche und Staat zu bestehen, und daß er laͤngst geglaubt habe, es sey fuͤr immer mit dem Reiche der Tories zu Ende. „Ich habe mich“, sagte er weiterhin, „hinlaͤnglich uͤberzeugt, daß siebenjährige Pac⸗ lamente fuͤr dieses Land zu lang sind; aber die Frage, hinschtlich der geheimen Abstimmung, bedarf, meines Erachtens nach, erst noch der reiflichsten Erwaͤgung, wenn das Volk den Grundsatz der Repraͤsentation vollkommen verstehen wird. Ich glaube je⸗ doch fest, daß dem Volke noch nicht der ihm gebuͤhrende Antheil an der Gewalt eingeraͤumt worden ist. Nicht, daß ich die drei Gewalten, Koͤnig, Lerds und Gemeinen, umgestuͤrzt sehen moͤchte, aber ich wuͤnsche eine gluͤckliche Vermischung derselben mit dem Volk.“ (Hoͤrt, hoͤrt!) Herr Pattison, der Gouver⸗ neur der Bank, verwies die Versammlung auf die Adresse, wel⸗ che er an die Waͤhler gerichtet, und worin er den festen Ent, schluß zu erkennen gegeben habe, Resormen in Kirche und Staat zu unterstuͤtzen. (Hoͤrt!) „Ich erklaͤre,“ fuͤgte er hinzu, „daß ich fuͤr jede Maßregel stimmen will, die darauf berechnet ist, die siebenzaͤhrigen Parlamente in dreijaͤhrige abzukuͤrzen. (Hoͤrt, hoͤrt) Die geheime Abstimmung ist auch bei weitem verfassungs⸗ maͤßiger und den Verhaͤftnissen Englands angemessener, als das Syhtem, ünd ich hoffe, sie angenommen zu sehen. (Hoͤrt, hoͤrt; Mehrere Stimmen: „Das heißt doch, sich aussprechen!“) Diese meine Angchten sind nicht von gestern, sondern haben sich schen vor mehreren Jahren bei mir festgesetzt.“ Nachdem hier⸗ auf dem Vorsitzer eine Danksagung votirt und den Kandidaten ein dreimaliger Applaus zu Theil geworden war, ging die Ver⸗ sezamlung auseinander.

Die Jamaika⸗Zeitungen vom 7. November melden, daß in dem dortigen Versammlungshause, weil sich die Neger⸗ Lehrlinge fortwaͤhrend sehr unlustig zur Arbeit zeigten, der An⸗

von seinen Haͤnden eine heilsame

trag gemacht worden war, weiße Arbeiter aus Europa oder

seustwoher in der Kolonie zuzulassen.

Aus Kalkutta sind Zeitungen bis zum 20. Juli hier ein⸗ gegangen; sie melden, daß der Rath von Indien am 24. Juni seine erste Geschaͤfts Sitzung in Ootakamund gehalten habe. Eine der ersten Fragen, die zur Berathung kamen, war die, ob wegen Ankaufs der Insel Socotora, die am Eingange ins Rothe Meer liegt, eine Unterhandlung zu eroͤffnen sey. Die Entschei⸗ dung fiel dahin aus, daß Befehle nach GBombay gesandt wurden, einen zur Unterhandlung mit den Arabischen Haͤuptlingen uͤber den Ankauf der Insel geeigneten Offt,ier dorthin zu schicken. Es soll diese Insel, als Niederlage⸗Platz fuͤr den Handel Groß⸗ britantens mit dem Orient und als Orr zum Anlegen fuͤr die Ernglischen Schiffe, um sich daselbst mit L bensmitteln und Was⸗ zer zu versehen, oder als Zuflucht in Kriegsfaͤllen betrachtet, eine sehr schaͤtzbare Erwerbung seyn. Auch bietet sie große Vortheile mit Hinsicht auf die Einrichtung einer Damopfschisffahrt zwischen Indien und Suez dar. Der Calcutta⸗Cou⸗ rier bemerkt, man solle sich der Insel je eher je lieber zu versichern suchen, denn die raschen Fortschritte des Pascha's von Aegypten in der Unterjochung Arabiens ließen crwarten, daß er, wenn man viel Zeit verkiere, der Ostindischen Compagnie in der Besitznahme von Socotora zuvorkommen zwerde. Es kann hierbei erwähnt werden, daß die im Droguerie⸗ Handel vorkommende Ale Socolrina von der besagten Insel ihren Namen habe. Noch ein anderer ebenfalls ziemlich wich⸗ tiger Gegenstand wird in den Zeitungen von Kalkutta verhan⸗ delt, naͤmlich die Frage, ob es nach dem kuͤrzlich erfolgten Tode des Radschah von Uhrtscha und Tehrih eines inlaͤndi⸗ zchen Fuͤrsten dritten Ranges nicht rathsam sey, das Gebiet desselben unbedingt dem Britischen Indien einzuverleiben, für das es vermoͤge seiner geographischen Lage, in der durch die bei⸗ den Fluͤsse Batwa und Dessauer gebildete Gabel und in Suͤdwesten von Scindia's Gebiet begraͤnzt, als eine nothwendige Ergaͤnzung erscheint. Natuͤrlch fehlte es, wie gewoͤhnlich, auch fuͤr dieses Reich nicht an Kron⸗Praͤtendenten. Dem Bomhay⸗Courierzufolge, hat Hr. Waghorn, der bekanntlich so große Reisen gemacht und lich so unsägliche Muͤhe gegeben hat, um die Verbindung von Osft⸗ indien mit England vermittelst der Dampfschifffahrt zu Stande zu bringen, nichts als Ungluͤck gehabt, und ein Unstern schien uͤber allen seinen Unternehmungen zu walten. Er hatte sein Schiff, vermuthlich den „Forbes“, verloren und wird nun wahr⸗ scheinlich dreimal so viel Zeit brauchen, als wenn er ums Cap haͤtte fahren koͤnnen, um England zu erreichen. Laut Nachrich⸗ ten aus Penang, hatte, abgesehen von den gewoͤhnlichen See⸗ raͤäubereien in jener Gegend, der Koͤnig von Achim an der Nordkuͤste von Sumatrta foͤrmliche Kaperschiffe ausgeruͤstet, welche schon mehrere Englische und andere Schisse geraubt. Man glaubte, es wuͤrde eine voͤllige Expedition gegen ihn un⸗ ternommen werden müssen. z

Den letzten Nachrichten von den Sandwichs⸗Inseln zufolge, drohte dem dortigen Handel großer Schaden, indem die daselbst befindlichen Missionaire, meistentheils Nord⸗Ameri⸗ kaner, wider den Gebrauch und Anbau des Tabacks protestirt haben sollen, der ein bedeutender Handels⸗Artikel auf jener In⸗ sel geworden war. Auf der Insel Mauih waren schon alle Tabacks⸗ Pflanzen ausgerottet; auf Woahu hatte dasselbe geschehen sollen, doch hatten es die Eigenthuͤmer durch ihre Wachsamkeit noch verhindert. b 1

Aus den letzten Berichten von Bogota, die bis zum 1. Oktober reichen, ergtebt sich, daß die zur Vertheilung der Staats⸗ schuld Columbiens ernannten Bevollmaͤchtigten von Neu⸗Gra⸗ nada und Venezuela Aequator hatte dekanntlich keinen ge⸗ schickt ihre Sitzungen fortsetzten. Am 29. September hatte der Britische Gesandte, in Folge neuer von Lord Palmerston erhaltener Instructionen, wieder eine Note eingereicht, worin darum nachgesucht wird, daß die Sache moͤglichst beschleunigt und einstweilen der gesetzlich dazu bestimmte Theil der Zoll⸗Ein⸗ nahme fuͤr die Englischen Glaͤubiger zuruͤckgelegt werden moͤchte. Die Regicrungsweise Santander's soll wieder sehr despotisch geworden seyn. Schon seit drei Jahren, heißt es, sey es ihm gelungen, die Wahien zum Kongreß durch die Stimmen der Soldaten zu leiten, und die juͤngste Wahl des Vice⸗/Praͤsidenten habe die Rechte des Militairs voͤllig befestigt, indem die Sol⸗ daten nicht allein mit einer ihnen vom Hauptmann eingehaͤn⸗ rigten Liste der zu Waͤhlenden zur Stimmgebung gegangen seyen, sondern selbst die friedlichen Baͤrger verhindert haͤtten, in das zur Wahl bestimmte Lokal zu kommen.

8 Niederlande. 18

Aus dem Haag, 6. Jan. Se. Majestaͤt haben bofohlen, daß in Zukunft keine verungluͤckte Seeschiffe einen Anspruch auf den im Ministerium des Innern bestehenden Fonds zur Unter⸗ stuͤtzung Nothleidender haben sollen.

1

1

In Amsterdam wurden im vorigen Jahre 6086 Kinder ge⸗ boren; es starben 8440 Personen. Getraut wurden 2070 Paare.

Der „Pylades“, welche: (wie gestern erwaͤhnt) nicht weit von der Kuͤste untergegangen ist, war ein großes Dampfboot, das dem Verkehr mit Batavia einen neuen Schwung geben sollte, und als ein schnellsegelndes wohlconditionirtes Schiff bekannt. Dasselbe wurde erst kuͤrzlich in Rotterdam erbaut und kann un⸗ moͤglich bei dem keinesweges so stuͤrmischen Wetter einen solchen Leck erhalten haben, daß sein Untergang dadurch herbeigefuͤhrt wuede. Unsere Zeitungen sprechen daher auch den Argwohn aus, daß irgend ein fruͤher oder spaͤter ans Licht kommender Frevel dabei seine Hand im Spiele gehabt habe. Bruͤssel, 6. Jan. Als am vorigen Sonntage der Koͤnig und die Koͤnigin unerwartet im hiesigen Theater erschienen, wur den dieselben durch die lauten Acclamationen des versammelten Publikums begruͤßt.

Der Messager de Gand sagt: „Die Journale der glorreichen Belgischen Revolution melden fortwäaͤhrend, daß die nach Holland ausgewanderten Baumwoll⸗Arbeiter dort Ver⸗ folgungen erleiden und genoͤthiget sind, nach Belgien zuruͤck zu kehren. Sie fuͤgen hinzu, daß die Manufakturisten dort belaͤsti⸗ get werden und alle moͤglichen Unannehmlichkeiten erleiden. Alle diese Berichte sind patriotische Betruͤgereien; die einzige Verle⸗ genheit, welche die industriellen Ausgewanderten fuͤhlen, ist, daß sie ihre Werkstaͤtten nicht so schnell organisiren koͤnnen, als die zahlreichen ihnen gemachten Bestellungen es erheischen.

1“

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 29. Dez. (Hamb. Korr.) Die in der Schwedischen Staats⸗Zeitung enthaltene Vertheidigungs⸗ schrift der Mitglieder des Staatsrathes in Bezug auf die vom Constitutions⸗Ausschusse gegen sie verhaͤngte Anklage ist ein wahres Meisterstuͤck klarer und buͤndiger Darstellung, und be⸗ leuchtet die einzelnen Anklage⸗Punkte auf eine schlagende Weise. Es läͤßt jedoch bei der gedraͤngten Darstellungsweise und dem innigen Zusammenhange der einzelnen Paraäͤgraphen keinen ei⸗ gentlichen Auszug zu. Nachdem der Staatsrath in der Einlei⸗ tung des Aufsehens erwaͤhnt, welches eine so ungewoͤhnliche Anklage nicht allein innerhalb, sondern auch außerhalb der Graͤnzen des Vaterlandes habe erregen muͤssen, spricht er die Ueberzeugung aus, daß strenges Recht zwischen den Angeklag⸗ ten und den Anklaͤgern obwalten und beide fuͤr ihre Hand⸗ lungen verantwortlich seyn wuͤrden. Er geht sodann zu einer formellen Beleuchtung der Anklage uͤber. Zuvoͤrderst wird die Befugniß des Constitutions⸗Ausschusses mit Beziehung auf den Wortlaut der Verfassung angefochten, indem selbiger nur von einem Reichstage zum andern zur Untersuchung berechtigt sey, und die Gefahr nachgewiesen, die daraus entspringen muͤßte, wenn dieser Ausschuß im Laufe einer langen Session den Hand⸗ lungen der vollziehenden Gewalt Schritt fuͤr Schritt folgen und sich semit zu emer inquisitorischen und unverantwortlichen Zwi⸗ schenmacht bilden wollte. Ferner wird, selbst die Kompetenz vor⸗ ausgesetzt, auf den seltsamen Widerspruch hingewiesen, der dar⸗ aus entstehen koͤnnte, wenn die Reichsstaͤnde die Koͤnigl. Propo⸗ sition in Erwaͤgung zu ziehen beschloͤssen, waͤhrend der Ausschuß, der doch nur eine Delegation aus ihrem Schoße sey, sich da⸗ durch zu einer Anklage des Staatsraths bewogen gefunden haͤtte. Endlich wird mit Beziehung auf das Protokoll des Constitutions⸗ Ausschusses die Formwidrigkeit des von demselben gefaßten Be⸗ schlusses eroͤrtert, in welchem die uͤbliche Abstimmungsweise nicht beobachtet worden, indem nicht zwei entgegengesetzte Ansichten, sondern drei verschiedene Meinungen in Erwaͤgung gezo⸗ gen worden. Uebrigens verzichtet der Staatsrath darauf, aus diesen Einwendungen ein henesicium juris, zu ziehen. Es folat sodann eine species sacti oder ein historischer Ueberblick der schen seit 1815 üJber die Koͤnigl. Propositionen in Betreff der Grund⸗Eigenthuͤmer mit den Reichsstaͤnden gepfloge⸗ nen Unterhandlungen, und wird die Zweckmaͤßigkeit des neuesten von dem Constitutions⸗Ausschusse angefochtenen Vorschlages aus⸗ cinandergesetzt. Die dritte und wesentlichste Abthelung der Denkschrift enthaͤlt eine vollstaͤndige Rechtfertigung der von dem Staatsrathe befolgten Handlungsweise, in Beziehung auf die Anklage, daß selbiger die constitutionsmaͤßig vorgeschriebenen For⸗ men uͤbertreten habe, indem nachgewiesen wird, daß der Staats⸗ rath nicht allein seine Befugnisse nicht uͤberschritten habe, son⸗ dern auch seiner Pflicht gegen den Koͤnig als dessen Rathgeber nachgekommen seyv. Der Staatsrath glaubt demnach, drei Punkte auf unwiderlegliche Weise dargethan zu haben: 1) daß er so⸗ wohl in der Sache als in der Form durchaus constitutions⸗ maͤßig gehandelt habe, als er dem Koͤnige zu dem Schreiben vom 4. Oktober d. J., in Beziehung auf die mehrerwoöhnte Propo⸗ sition gerathen; 2) daß der Constitutions⸗Ausschuß durch seine Anklage sowohl in der Form als in der Sache offenbar consti⸗ tuttonswidrig gehandelt habe; 3) daß, wenn auch der Constitu⸗ tions⸗Ausschuß vermiättelst des Grundgesetzes aller juridischen Verantwortlichkeit fuͤr seine Schritte uͤberhoben sey, dennoch diese eben nicht beneidenswerthe Unverantwortlichkeit die hoͤchste mo⸗ ralische Verpflichtung nicht ausschließe, bei jedem Anlasse mit reiflicher und unpartetischer Pruͤfung und ohne Verletzung der Rechte Anderer zu Werke zu gehen. Unterzeichnet sind saͤmmt⸗ liche Mitglieder des Staatsraths, mit Ausnahme des Grafen Moͤrner, welcher bekanntlich seiner Abwesenhert halber nicht in Anklagestand versetzt ist. Der Justiz Ombudsman hat sich hier⸗ auf zum Behuse der Einreichung seiner Replik eine Frist bis zum 7. Januar k. J. erbeten, die ihm auch gewaͤhrt worden ist.

Deutschland.

Altona, 9. Jan. Die Blattern⸗Epidemie, welche seit September v. J. in Altona und der Umgegend geherrscht hat, ist jetzt im Abnehmen, nachdem sie eine nicht ganz unbedeutende Anzahl von Personen verschiedenen Alters heimgesucht hat und Manchem toͤdtlich geworden ist. Aus Oldenburg wird gemel⸗ det, daß dort und in der Umgegend sich seit einiger Zeit die Masern zeigen, ohne jedoch einen boͤsartigen Charakter anzu⸗ nehmen.

1 Wie verlautet, hat der neulich zum Pastor in Hamburg gewaͤhlte Professor der Theologie, Dr. de Wette, fast gleichzet⸗ tig einen Ruf nach Kiel bekommen.

Am Schlusse des Jahres wurde zu Segeberg (im Hol⸗ steinischen) das 700 jaͤhrige Jubelfest der Gruͤnt ung der Stadt auf eine originelle Weise gefetert. Eine bedeuten de Anzahl von Segebergs Buͤrgern und Einwohnern versammelle sich naͤmlich in einem hiesigen Gasthause und zog gegen 12 Uhr von da in einem mit Musik begleiteten Fackelzuge nach dem Kalkberge, auf welchem vor 700 Jahren auf Kaiser Lothars Geheiß und nach seiner persoͤnlichen Anordnung die Burg Siegebura als eine

Schutz, und

* 4

Orden, wiederherzustellen, zu diesem Ende

Zwingburg wider die Wenden von allen Nordalbin⸗

gern erbaut wurde. Als der Zug auf der Hoͤhe des Feisens angelangt war, wurde in vierstimmigem Gesangr 89. cigens zu dieser Feier von Herrn Rektor Arps gedichtetes Lied nach der Weise: „Des Jahres letzte Stunde ꝛc.“, vorgetragen, wodurch alle Anwesenden, krotz des unfreundlichen Wetters, in eine be⸗ sonders feierliche Stimmung versetzt wurden. Nachdem darauf noch mehrere angemessene Toasts ausgebracht waren, stieg man wieder in die Stadt hinab und begann, die feierliche Stimmung mit einer froͤhlicheren zu vertauschen. . Muͤnchen, 4. Jan. Heute Vormittags hacen saͤnnntliche Ministerialraͤthe des K. Staats⸗Ministeriums der 2 inanzen, an der Spitze der Koͤnigl. General⸗Zoll⸗Administrator Hr. Dr. von Wirschinger, ihre Aufwartung bei dem von allen Seirnen sehr geachteten abtretenden Minister, Freiherrn v. Lerchenfeld, ge⸗ macht. Mit den Gesundheits⸗Umstaͤnden des Fuͤrsten Höon Oettingen⸗Wallerstein, Ministers des Innern, geht es besser. Der Weingastgeber Findel zu Muͤnchen hatte nach dem Tode. des hoͤchstseligen Koͤnigs Maximilian Joseph die Grenadier⸗ Garde⸗Uniform an sich gebracht, welche der unvergeßliche Mo⸗ narch bei seinen Lebzeiten getragen, um solche als ehrendes An⸗ denken aufzubewahren. Bei der Abreise des Herzogs von Leuch⸗ tenberg nach Lissabon hat jedoch Herr Findel dieses kostbare An⸗ denken dem Enkel des hoͤchstseligen Koͤnigs uͤberlassen zu muͤssen geglaubt, welche patriotische Gabe auch von dem Herzog ange⸗ nommen und von demselben nebst einer kostbaren goldenen Dose mit einem schmeichelhaften Handschreiben erwiedert wurde. Augsburg, 5. Jan. Der in mehrere Zeitungen uͤberge⸗ gangene Artikel, dle Wiederherstellung des Benediktiner⸗Ordens in Bayern betreffend, enthaͤlt am Schlusse eine Stelle, welche nachtheilige Ausiegungen veranlassen koͤnnte. Zu deren Berich⸗ tigung und Beseitigung so mancher falschen Geruͤchte ist die Allgemeine Zeitung autorisirt worden, Folgendes mitz vthei⸗ len: „Se. K. Maj. haben, vermoͤge Allerhoͤchsten Restripts vom 20. Dez. v. J., den Orden der Benediktiner, als einen nicht von politischen Tendenzen mehr oder minder beruͤhrten, sondern wegen seiner wuͤrdigen Haltung von allen Meinungen gleich geachtetem eine Benediktiner⸗Ab⸗ tei bei St. Stephan in Augsburg und ein Priorat in Ottobeu⸗ ren zu errichten, zugleich das bereits bestehende in Metten damit. zu vereinen geruht. Den Benediktinern in Augsburg wird sodann⸗ die Lehr-Anstalt bei St. Stephan anvertraut werden. Se. Majestaͤt der Koͤnig wollen daher, daß der Abt, Barnabas Hu⸗ ber, vor Allem die in Bayern befindlichen zum ersprießlichen Wirken fuͤr den Orden noch befaͤhigten, und zum Wiedereintritte in denselben geneigten Er⸗Benediktiner einlade, sich dem Orden mit dem Fortgenusse ihrer Pension wieder anzusch (ießen. Allerhoͤchst⸗ dieselben wollen ferner, daß derselbe sich um den Eintritt wuͤr⸗ diger Welt⸗Geistlicher, namentlich wuͤrdiger Lehr. Amts⸗Kandida⸗ ten geistlichen Standes, bewerbe. Fuͤr den Fall der Bedarfs ge⸗ statten Allerhoͤchstdieselben zu Besetzung von Lehrstellen, dann fuͤr die Functionen im Innern des Klosters einige durch tiefe Gelehrsamkeit, ernstes Streben und Fernseyn von aller politis schen Tendenz hochachtbare Ordens⸗Geistliche aus Oesterreich, Allerhoͤchstihnen vorzuschlagen. Zu diesem Zwecke soll der Abt nach erhaltener allerhoͤchstlandesherrlicher Genehmigung Sr. K. K. Majestaͤt sich mit den Vorstaͤnden der in Oesterreich bestt⸗ henden Benediktiner⸗Abteien ins Benehmen setzen, und kom⸗ mendes Fruͤhjahr mit dem hochwuͤrdigsten Bischofe von Augs⸗ burg selbst nach Wien und in die Oesterreichischen Kloͤster abge⸗ hen, um die von den Aebten ausgewaͤhlten, Sr. K. Maj. von Bayern vorzuschlagenden Priester persoͤnlich kennen zu lernen.“

Stuttgart, 6. Jan. (Deutscher Courier.) Die Kommission der Abgeordneten⸗Kammer zur Vorberathung der Gesetz⸗Entwuͤrfe uͤber Verwaltungs⸗ 2 sammengetreten. Allein bereits in dieser ersten Sitzung soll es sich gezeigt haben, daß die Herren Referenten und Korreferen⸗ ten mit ihren Arbeiten noch nicht so weit gediehen sind, daß die Kommission alsbald eine reifliche Berathung beginnen koͤnn⸗ te. Wie wir hoͤren, war nur ein sieißiges und als gruͤndlich⸗pro⸗ duktiv bekanntes Kommissions⸗Mitalied, das gewoͤhnlich mit der Minoritaͤt stimmte, mit seinem Referate von ansehnlicher Be⸗ leibtheit ganz fertig. Wir werden berichtet, daß die verehrliche Kommission den staͤndischen Ausschuß veranlassen wird, bei dem Koͤniglichen Geheimen⸗Rathe anzufragen, welche Gesetz⸗Entwuͤrfe des Verwaltungsfaches die Staats⸗Regierung noch an die Staͤnde in dieser Session zu bringen gedenke und daß im Schoße der Kommission die Ansicht vorzuherrrschen scheine, es duͤrfte am geeignetsten seyn, wenn die Arbeiten derselben erst etwa An⸗ fangs Maͤrz beginnen wuͤrden. Sobald die Aeußerung des K. Geheimen⸗Raths uͤber die oben erwaͤhnte Frage eintrifft, wird die Kommission ihre zweite Sitzung halten.

Karlsruhe, 6. Jan. Das Großherzogl. Staats⸗ und Regierungs⸗Blatt vom 3. Jan. enthaͤlt eine landesherrliche Verordnung uͤber die Vornahme der Ergänzungs⸗Wahlen zum naͤchsten Landtage. Nach Anlage A treten von der ersten Kam⸗ mer aus die Deputirten der beiden Landes⸗Universitaͤten und folgende durch das Loos bestimmte Mitglieder des grundherrli⸗ chen Adels: Oberhalb der Murg: 1) der Staats⸗Minister und Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Frhr. v. Tuͤrkheim; 2) der Fehr. v. Roͤder; 3) der Hofgerichts⸗Rath Graf v. Hem⸗ nin. Unterhalb der Murg: der Frhr. v. Venningen. Nach dir Anlage B treten durch das Loos 19 Mitglieder der zweiten Kam'⸗ mer aus.

Freiburg, 3. Jan. In der Neujahrsnacht sind, wie aus guter Quelle verlautet, im benachbarten Baden Excesse vor⸗ gefallen, welche um so mehr zu beklagen sind, da sich darin ein großer Mangel an Gesittung und Achtung vor den Gesetzen offenbart, und die Theilnehmer nicht zum Poͤbel gehoͤren sollen. Ein oder einige Poltzeidiener wurden von Personen des Buͤrgerstandes auf der Straße thaͤtlich angefallen, und der tumultuarische Auf⸗ tritt endigte mit Verwundungen, wozu jedoch nur Nothwehr den Angefallenen vermocht haben soll.

Mainz, 6. Jan. Heute ist bereits die hiesige Fheinbruͤcke

abgefuͤhrt worden, weil man schon ziemlich große Etsmassen, zwar nicht im Hauptstrom, aber in dem Main wahrgenom⸗ men hät. ie püce. 8 8 8 Oesterreich. Wien, 1. Jan. Der Franzoͤsische Botschafter, Graf St. Aulaire, wird in einigen Tagen Wien verlassen und nach Paris gehen; man glaubt nicht, daß er hierher zuruͤckkommt, obgleich sein Nachfolger noch nicht bekannt ist.

Se. Koͤnigl. Hoh. der Kronprinz von Bayern verweilt noch immer hier und scheint am hiesigen Orte mit jeder Woche besse⸗ res Behagen zu finden. Er erfreut sich jetzt der besten Gesundheit.

Se. Durchl. der Fuͤrst Metternich, welcher auf den Neu⸗ jahrstag säaͤmmtliche fremde Minister, Gesandte und Geschaͤftsttaͤ⸗ ger an hiesigem Hofe zu einem großen Diner hatte einladen

8

Gegenstaͤnde ist gestern zu

ch sich durch eine Unpͤßlichkeit genoͤthigt, diese Einla⸗ n wieder zuruͤckzunehmen. ge. Durchl. der Fuͤrst Colloredo, Oberst⸗Hofmeister Sr. zt des Kaisers, und Ihre Durchl. die Frau Fuͤrstin von , Oberst⸗Hofmeisterin Ihrer Majestaͤt der Kaiserin, em⸗ n heute im Namen Ihrer Kaiserl. Majestaͤten die Gluͤck⸗ he des diplomatischen Corps und des hohen Adels auf Ver⸗ eng des Neujahrs festes. 8 8 Der Koͤnigl. Bayerische Geschaͤftstraͤger, Ritter von Gasser, Griechenland in Ankona angekommen, wo er sich in der antaine befandb. b Es heißt, im naͤchsten Fruͤhjahr solle wieder ein Lager bei n gehalten werden; mit Gewißheit weiß man aber daruͤber

in Pesth erscheinen jetzt drei politische Zeitungen (eine in scher, zwei in Ungarischer Sprache) und fuͤnf nichtpolitische riften wei in Deutscher und drei in Ungarischer Sprache). brei polirischen Zeitungen bringen außerdem jede eine nicht⸗ che Beilage und von den nichtpolitischen Zeitschriften brin⸗ ei (eine Deutsche, zwei Ungaresche) Modenbilder. Obwohl zahl der Deutschen Dlaͤtter geringer ist, als die der Unga⸗ ,so 8g jene doch unstreitig mehr Abonnenten und Le⸗ s diese. Seit mehreren Tagen ist hier das Geruͤcht verbreitet, daß banier, ein großer Aufstand ausgebrochen sey. Da aber siziolem Wege keine naͤhere Mittheilung daruͤber eingegan⸗ t, so scheint die Nachricht sehr uͤbertrieben worden zu seyn.

Schweiz. heunchatel, 3. Januar. (Constitutionel Neucha⸗

6) Nach einem alten Gebrauche begaben sich am 1. Ja⸗ sdie Geistlichen, die vier Ministralien, der große und kleine der Stadt Neuchatel, die Civil⸗ und Militair⸗Beamten, einer zahlreichen Versammlung von Buͤrgern, in den gro⸗ Saal des Schlosses, wo Herr Guillebert im Namen aller vr; nachstehende Rede an den Praͤsidenten des Staats⸗ z richtete: Herr Praͤsident! Mit Ausnahme einiger Uebelgesinnten, wel⸗ nsere Worte belauschen, um sit einigen uͤbelwollenden Zeitungs⸗ ern zu uͤberliefern, damit diese sie verdrehen und vergiften, vir hier nur als Kinder Einer Familie versammelt, die einem Vater ihre Ehrfurcht und ihre Wuͤnsche darbringen wollen, n so aufrichtiger sind, als es zugleich Wuͤnsche fuͤr sie selbst Als Organ der vier Ministralien, des Staats⸗RNaths, Staats⸗Beamten und des Geistlichkeit bin ich das Organ derjenigen Personen, welche zu der Majoritaͤt der Landesbe⸗ gehoͤren, die, ich darf es behaupten, allein faͤhig ist, das Land braͤfentiren; denn alle diejenigen, welche nicht fuͤr den Koͤnig indliche Liebe hegen, sind keine wahre Nenchateller. Werden uhren Neuchateller nicht einstimmig seyn in ihrem Moyalis⸗ Der Koͤnig ist die Grundlage unseres gesellschaftlichen Ge⸗ 3, er ist der Mittelpunkt, um den sich Alles reiht, wie der in eines Baumes, ohne den die verdorrten Zweige weder Blaͤt⸗ noch Bluͤthen, noch Fruͤchte haben wuͤrden. Waͤhrend andere ten durch die Wuth der Parteien, welche sich uͤber die Legiti⸗ des Souverains streiten, verwuͤstet werden, ist, Gott sey Dank, vonverain unserer Neigung laͤnger als ein Jahrhundert auch Souverain de facto, und zugleich einem Rechte zufolge, das e Vaͤter freiwillig anerkannt habven. Waͤhrend andere Vol⸗ noch bemuͤht sind, Institutionen zu erlangen, erfreuen wir unter dem Schutz des Koͤnigs in Frieden derjenigen, welche uns unseren Vaͤtern uͤberliefert wurden. Waͤhrend andere Voͤlker unst der thdͤrichten Hoffnung wiegen, die Freiheit zu improvisi⸗ hät die unseige, welche mehrere Jahrhunderte alt ist, sich im tten des Thrones vermehrt, und sie kann auch nur deshalb so seyn, weil sie so alt ist. Waͤhrend andere Voͤlker ihr immer erkehrendes Ungluͤck durch bestaͤndige Revolutionen zu vertreiben n, gruͤnden wir, treu dem Koͤnige, und wohl wis⸗ daß die Dinge nur nach Verhaͤltniß der Zeit, wel⸗ sie hervorrief, dauern, die Hoffnung unserer Zukunft auf e Vergangenheit; und dem Himmel sey Dank! an einem Tage der heutige ist, duͤrfen wir von Treue sprechen, ohne daß irgend von denen, in deren Namen wir das Wort fuͤhren, oder an die unsere Rede richten, daruͤber erroͤthen muͤßte. Der treffende pruch des Koͤnigs im Jahre 1814 uͤber unser Land, welches Er erum unter seinen Schutz nahm, hat seit jener Zeit noch eine Bedeutung gewonnen. „„Der Erfolg““, sagte der Koͤnig in er Erklaͤrung, „„welchen die goͤttliche Vorsehung Unsern Waf⸗ erliehen hat, verschafft Unserm Herzen die Freude, die treuen geliebten Voͤlker, welche durch Gewalt Unserem Hause entris⸗ oder von ihm abgetreten wurden, um sie dem groͤßten Ungluͤck 6 zu geben, fuͤr immer mit Unserer Herrschaft wieder zu verbin⸗ Vir duͤrfen mehr als jemals glauben, daß wir fuͤr im⸗ mit der Herrschaft des Koͤnigs vereinigt sind und daß Koͤnig uns mehr als jemals ein treues und geliebtes Volk en kann. Und sollten wir nicht auch immer treuer seyn, da immer mehr vom Koͤnige geliebt werden, indem wir immer aus⸗ eichnetere Beweise seiner Liebe zu uns empfangen? Seine Frei⸗ gkeit gegen das Land ist noch vor kurzem so groß gewesen, daß sonen, welche edle und uneigennuͤtzige Handlungen nicht zu wuͤr⸗ n vermoͤgen, darin verborgene Motive sehen wollten, und daß tteuen Unterthanen des Koͤnigs haͤtten glauben koͤnnen, es sey Geschenk eines Vaters, der in dem Augenblick, wo er sich von en Kindern trennt, Alles fuͤr sie hingiebt, wenn sie nicht so sehr ger Wohlthaten gewohnt und sein Herz ihnen nicht bekannt ge⸗ en wäre. Sein Herz ist ein Schatz, worin er Huͤlfsquellen en wird, die nie versiegen. Im Gegentheil, so edle Herzen, wie seinige, vermehren ihre Liebe, je mehr sie Gutes thun, dies auch sein Minister auf eine so edle Weise zu der Neuchateller putation mit folgenden Worten sagte: „Der Koͤnig liebt die uchateller, weilersich bewußtist, ihnenstetsnur Gutes seigt zu haben.“ Man muß die Leute beklagen, welche diese Ge⸗ 9 und gegenseitige Liebe eines Vaters und seiner Kinder nicht siehen. Und diese Liebe wird sich nicht bloß auf die Dauer einer eigen Regierung erstrecken: sie wird auf die wuͤrdigen Nachfolger

[(Koͤnigs und auf unsere gluͤcklichen Nachkommen uͤbergehen.

wvon erhalten wir fortwährend Beweise, und noch ganz neuer⸗ wurde uns einer der ausgezeichnetsten durch die Ehren⸗ ne zu Theil, welche die Gemahlin des Thronerben den irgern von Valangin und somit allen Neuchatellern geschenkt hat. sage, sie ist allen Neuchatellern geschenkt, denn sie traͤgt Inschrift; Loyalitaͤt und Treue In dieser Beziehung sind 8 Buͤrger von Valangin. Und hat die Buͤrgerschaft von ichatel nicht ein aͤhnliches Pfand von der Gemahlin des maͤchti⸗ Monarchen, der den ganzen Osten von Europa beherrscht, fangen? Sie hat uns dies Andenken geschenkt (dies sind eigenen Ausdruͤcke der erlauchten Koͤnigstochter), weil sie un⸗ dn Patriotismus und unsere Ergebenheit fuͤr die Fa⸗ ie unserer Souveraine kennt. Diese beiden Fahnen sind

zwestern durch ihre Bestimmung, wie durch ihren Ursprung,

hwestern, wie die beiden Haupt⸗Buͤrgerschaften des Staa⸗ seicdenen sie geschenkt wurden, und die nur in der Er⸗ heit fuͤr ihren Fuͤrsten mit einander wetteifern werden. wenn jemals wieder, was Gott verhuͤten moͤge, die Schwerdter - kenen aus der Scheide gezogen werden muͤßten, so wuͤrden neutfalteten Koͤniglichen Banner ein sicheres Unterpfand des * seyn; sie sind unserem Fuͤrstenhause ein Pfand fuͤr das, was 1 uns zu hoffen hat, sie sind es uns fuͤr das, was wir von 1 sffen koͤnnen. Wir duͤrfen Alles von ihm hoffen; nur nicht groͤvere Freiheit und Unabhaͤngigkeit, davor bewahre uns Gott,

.

17

er bewahre uns vor dem Wunsche, daß die Koͤnigliche Hand gelaͤhmt werde, sie wuͤrde sich dann nicht mehr uͤber uns erstrecken koͤnnen, um uns zu schuͤtzen, sie wuͤrde sich nicht mehr oͤffnen koͤnnen, um ihre Wohlthaten uͤber uns auszuschuüuͤtten. Moͤgen die Grund⸗ lagen unserer Institutionen bleiben, wie sie sind; nur im Einzelnen sind noch Verbesserungen zu wuͤnschen. Hierfuͤr zu sorgen, lassen Sie, mein Herr Praͤsident, in Gemeinschaft mit den Herren Mitgliedern der Regierung sich angelegen seyn. In einem monarchischen Staate, wie der unsrige ist, faͤllt gleichsam ein Abglanz von der Majestaͤt des Thrones auf die Bevollmaͤchtigten der hoͤchsten Gewalt, aber nicht in dieser Eigenschaft allein hat der Staatsrath auf unsere Ergebenheit und Ehrerbietung Anspruch; das Land weiß ihm auch Dank fuͤr alle Verbesserungen, welche er ver anlaßt oder beguͤnstigt. Die Gesundheit des Herrn Conseils⸗Praͤsi⸗ denten, fuͤr die wir die aufrichtigsten Wuͤnsche hegen, hat ihn faß niemals verhindert, auf seinem Posten zu seyn; wir bedauern sehr, ihn heute nicht hier zu sehen, indeß konnte er nicht wuͤrdiger ersetzt werden, als durch Sie, mein Herr. Die Huldigungen, welche wir Sie bitten, an den Fuß des Throns gelangen zu lassen, werden, durch Ihre Vermittelung dargebracht, nur guͤnstig von dem Koͤnige aufgenommen werden. Empfinge der Koͤnig sie hier in eigener Per⸗ son, so wuͤrde sein Herz uns darauf antworten, dafuͤr buͤrgt uns die Erfahrung. „Der Koͤnig“, sagte der Minister, der bei der Audienz zugegen war, welche Se. Majestaͤt der Neuchateller Deputation zu bewinligen geruhten, zu letzterer, „der Koͤnig war sichtbar geruͤhrt, als er zu Ihnen sprach; sein Herz war es, welches Ihnen antwor⸗ tete’“ Sie, mein Herr, Ihr so gefuͤhlvolles und so echt patrioti⸗ sches Herz, werden uns antworten, wie der Koͤnig selbst es thun wuͤrde; wir koͤnnten fuͤr die Gesinnungen der unsrigen keinen besse⸗ ren Dollmetscher bei dem Koͤnige, als ihr Herz, waͤhlen.“

Am 2. Januar begaben sich auch die Deputationen der Buͤrgerschaften von Valangin, Landeron und Boudry auf das Schloß, um dem Souverain die Huldigung ihrer Wuͤnsche und ihrer Ergebenheit darzubringen, und Herr von Chambrier er⸗ klaͤrte im Namen des Praͤsidenten des Staatsraths, dem sein Gesundheits Zustand nicht erlaubte, dieser Feierlichkeit beizuwoh⸗ nen, daß der Staatsrath sich beeilen werde, diese Huldigungen vor den Thron Sr. Majfestaͤt zu bringen, indem er uͤberzeugt sey, daß dem Herzen des Koͤnigs nichts angenehmer seyn koͤnne, als die aufrichtigen Zeugnisse der Liebe eines treuen und ergebe⸗ nen Volks.

Zuͤrich, 2. Jan. Mit Anzeige vom 31. Dez. hat der ab⸗ gehende Vorort Zuͤrich den Staͤnden die Urkunde mitgetheilt, welche er uͤber den Vororts⸗Uebergang an Bern feierlich in drei Exemplaren, das eine fuͤr das eidgenoͤssische, das zweite fuͤr das Berner⸗-, das dritte fuͤr das Zuͤrcher⸗Archiv ausgestellt. Es heißt in derselben: „Wir erklaͤren demnach unsere Verrichtungen in der Eigenschaft eines eidgenoͤssischen Vorortes als geschlossen und legen dieselben in die Haͤnde der Regierung des hohen Standes Bern mit dem zuversichtlichen Vertrauen, daß bei hoch⸗ derselben Weisheit und echt vaterlaͤndischer Denkungsart ihre voroͤrtliche Geschaͤftsfuͤhrung im Einklang mit der von der Tag⸗— satzung dem eidgenoͤssischen Vororte am 5. Sept. 1834 ertheilten Instrüction der gesammten Eidgenossenschaft zur Ehre und zum Nutzen gereichen werde.“

Bezuͤglich auf seine eigene abgelaufene voroͤrtliche Zeit laͤßt sich der Regierungsrath im Begleitschreiben jener Urkunde also vernehmen: „Den gestoͤrten Frieden in der Eidgenossenschaft herzustellen und zu erhalten, die Eintracht der Staͤnde zu be⸗ foͤrdern, Verbesserungen in den Bundes⸗Verhaͤltnissen im Ver⸗ eine mit unsern Mitstaͤnden anzubahnen, durch gewissenhafte Beobachtung der voͤlkerrechtlichen Verpflichtungen den Ver⸗ wicklungen mit dem Auslande zuvorzukommen und das Wohl⸗ vernehmen mit den Nachbar⸗Staaten zu erhalten, dieses wa⸗ ren die Ziele, nach welchen der Vorort waͤhrend seiner Amtsfuͤh⸗ rung oft unter schwierigen Verhaͤltnissen hingestrebt hatte. Ist es ihm dadurch gelungen, die Wohlfahrt des Vaterlandes zu be⸗ foͤrdern und das Vertrauen seiner werthen Mitstaͤnde zu befesti⸗ gen, so sieht sich der Vorort fuͤr alle seine Anstrengungen hin⸗ reichend entschaͤdigt.““ 1

Ztalien.

Rom, 27. Dez. Die neuen Pacht⸗Kontrakte uͤber Erhe⸗ bung der Abgaben von Schlachtvieh, Fischen, Mehl und andern Lebensmitteln, haben dem Schatze eine Erhoͤhung von beinahe 200,000 Scudi eingetragen. Diesen Vortheil hat der Staat le⸗ diglich der wechselseitigen Feindschaft zweier Maͤnner, Mengacci und Fumaroli, zu danken, welche beide durch Pachtungen großen Reichthum erworben haben, und gegenwaͤrtig Einer den Andern des Betrugs beschuldigen. Um dieses noch einleuchtender zu ma⸗ chen, sagt man, soll Fumaroli allein auf das Mahlgeld 100,000 Scudi mehr geboten haben, als fruͤher Mengacci bezahlt hat. Dieser Ertrag gilt aber von der Stadt Rom allein; fuͤr die Pro⸗ vinzen sind erst jetzt durch Anschlag⸗Zettel Einladungen zu den Pachtungen bekannt gemacht worden, wodurch man bedeutend bessere Bedingungen zu erhalten hofft, als bisher der Fall war. Die Verpachtung von Salz und Taback gedenkt man ebenfalls nach dem Maßstabe des Mehr⸗Verbrauches zu erhoͤhen. Indem so die Einnahmen des Staats sich bedeuténd vermehren, ohne daß den Unterthanen neue Abgaben aufgebürdet werden, will die Regierung alle ruͤckstaͤndigen Zahlungen leisten, wozu es bis⸗ her an Mitteln gefehlt hat. Der Staats⸗Kredit ist dadurch ge⸗ genwaͤrtig so besestigt, wie es seit vielen Jahren nicht der Fall war, und wir koͤnnen einer guͤnstigen Zukunft entgegen sehen. Der Roͤmische Staat wird, bei einer geregelten Verwaltung, bei den vielen reichen Huͤlfsquellen, welche ihm zu Gebote stehen, bald alle Wunden der fruͤheren Jahre geheilt haben. Das Leihhaus, Monte de Pietz, welches fruͤher nur drei Secudi fuͤr ein Pfand darlieh, macht gegenwaͤrtig bekannt, daß es kuͤnftig auf Pfaͤnder bis 50 Scudi geben wird; ein Beweis, daß Geld im Ueberflusse vorhanden ist. Da heute die Theater eroͤffnet werden, welches man als den Anfang des Karnevals anzusehen pflegt, so gewinnt bei der großen Anzahl Fremder die Stadt ein reges Ansehen, und man hofft, die Zeit des Faschings werde noch froͤhlicher als im vergangenen Jahre werden. Nur der Winter ist diesmal empfindlicher, rauhe Nordwinde herrschen, die Gebirge sind voll Schnee, und Reisende, welche die Kaͤlte in ihrem Vaterlande flohen, um hier ein milderes Klima zu su⸗ chen, sehen sich getaͤuscht, denn wenn das Thermometer bisher auf nur Grad unter Null fiel, so friert man doch hier bei der Bauart der Haͤuser mehr, als in Norden bei einer fuͤnffach groͤßeren Kaͤlte. 8 8

8 9. 8

1

8 Sopanien. Die Allgemeine Zeitung schreibt aus Madrid vom 22. Dezember: „Die Finanzen Spaniens scheinen jetzt am Schlusse des Jahres eine bessere Gestalt zu gewinnen. Die Prokuradoren haben die Regierung ermaͤchtigt, bis zur Bewil⸗ ligung des neuen Budgets die Steuern nach dem Fuße der bis⸗ herigen zu erheben; der Ertrag der eingezogenen Abgaben hat bis Ende vorigen Monats 5 Millionen Realen mehr ergeben, als im vorigen Jahre. Der mit Ardouin abgeschlossene Kon⸗ trakt der neuen Anleihe ist in der gestrigen Gaceta erschienen.

Weizen,

Ich lege Ihnen denselben bei. Herr Ardouin hat den groͤßten Triumph uͤber seine Gegner errungen: von allen Seiten be⸗ stuͤrmt man ihn mit Anerbietungen, und er koͤnnte, wenn er wollte, allein hier am Platze uͤber ein Fuͤnftel seiner Anleihe un⸗ terbringen. Noch nie wurden an der Boͤrse so große Geschaͤfte gemacht, wie gegenwaͤrtig. Der Finanz⸗Minister arbeitet be⸗ reits an zwei neuen Projekten zur Bezahlung der inneren und der sogenannten passiven Schuld; es heißt, er werde fuͤr die innere eine Art von dette flottante bilden, welche wenig⸗ stens anfangs einen Theil der neuen Anleihe zur Garantie haͤtte, deren Fonds in den Haͤnden der Kontrahenten bleiben wuͤrden. Die Verkuͤrzung des Budgets des Koͤniglichen Hau⸗ ses ist freilich als eine Niederlage des Ministeriums zu be⸗ trachten, und aͤberdies als eine in doppeltem Maße verschul⸗ dete; denn einmal haͤtten die Minister, wenn sie der Majori⸗ taͤt nicht gewiß waren, eine weit groͤbere Summe soroern sol⸗ sen, und zweitens fuͤhrten sie eine Sache schlecht, deren Ver⸗ theidigung um so leichter zu seyn schien, da als Partei eine ge⸗ llebte Koͤnigliche Familie, und als Richter die treuen Prokura⸗ doren des Reichs auftraten. Die sequestrirten Buͤter und

Effekten des Don Carlos werden jetzt oͤffentlich versteigert; es der Kaͤufer zu fragen.

ist befohlen, nicht nach den Namen

Von der Nord⸗Armee sind seit meinem Briefe vom 20sten 128

keine neueren bestimmten Nachrichten uͤber die erlangten theile eingegangen,

Vor⸗ und daher die Folgen derselben, welche it

den hiesigen diplomatischen Zirkeln als entscheidend betrachtet

werden, noch nicht mit Sicherheit zu berechnen. klaͤrte der Minister⸗Praͤsident in der heutigen Sitzung der Pro kuradoren, g als man vielleicht glaube; geworden; die Siege vom dova's ihre Bestaͤtigung erhalten, malacarreguy nach St. Vicente de Arana geflohen.

1500 Rebellen seyen dienstuntauglich

Aus

Indessen er⸗ die Siege vom 12ten seyen viel bedeutender gewesen, 1

15ten haͤtten durch Berichte Cor⸗ und Don Catlos sey mit Zu⸗

guter Quelle kann ich Ihnen melden, daß Ihre Majestaͤt die

Koͤnigin den Britischen Gesandten bei der ihm neulich ertheil⸗ ten Audlenz befragte, welche Politik das neue Enalische Mini⸗ sterium in Bezug auf Spanien annehmen werde? sandte, aller Instructionen in dieser Hinsicht bis jetzt erman

Der Ge⸗

gelnd, erwiederte, der bekannte Ruf des Herzogs von Welling⸗ ton erlaube nicht die Vermuthung, daß er in irgend einem

Punkte von den zwischen beiden Laͤndern abgeschlossenen traͤgen abweichen werde. Heute uͤberreicht sandte, Graf de la Laing, sein Beglaubigungs⸗Schreiben.“

8

Berlin, 11. Jan. Die natursorschende Gesellschaft zu Goͤrlitz hielt am lung in Gegenwart einer großen Anzahl von Mitgliedern. Aus dem Berichte des Vorsitzenden erfuhr die Gesellschaft, daß seit dem 17. Sept. v. J., als dem Tage der Haupt⸗Versammlung,

Ver⸗ der Belgische Ge⸗

19. Dez. v. J. ihre zweite Quartal⸗Versamtm⸗

uͤber 300 Nummern in das Direktorial⸗Journal eingetragen, und

30 ͤltere und neuere Werke fuͤr die Biblivthek erworben wor⸗ den sind. Unter letzteren befinden sich auch die Abhandlungen des hiesigen Gartenbau⸗Vereins. Der Bericht uͤber die Kassen⸗ Verwaltung gestattete uͤberdies die Genehmigung des Antrages

der oͤkonomisch⸗technologischen Section, die Bibliothek durch meh⸗

rere sie besonders betreffende Werke zu vermehren. Die botanischen, or⸗ nithologischen, mineralogischen, antiquarischen und numts matischen Sammlungen sind neuerdings durch Geschenke von einheimische und auswaͤrtigen Mitgliedern bedeutend bereichert worden. Nach vorgaͤngiger Mittheilung der in den letzten 3 Monaten einge⸗ sandten und waͤhrend der Sitzung uͤberreichten Abhandlungen, wurden 2 neue wiekliche Mitglieder und 6 correspondirende Ehren⸗Mitglieder gewaͤhlt, 2 bisberige Ehren⸗Matalieder aber (worbnter der Berg⸗Amts⸗Haupt⸗Kassirer Fehrmann in Berlin) wegen besonderer Verdienste um die Gesellschaft zu wirklichen Mitgliedern ernannt. Die dritte Quartal⸗Versammlung ist auf den 13. Maͤrz angesetzt worden. Der verstorbene Pfarrer Zervais zu Kettenis im Re⸗ gierungs⸗Bezirke Achen hat dem Waisenhause zu Eupen a Grundstuͤcken und baarem Gelde ein Legat von 1400 Rthlr. aus⸗

gesetzt, dessen Annahme die landesherrliche Beweutgung erhalten

hat.

Die Rhein⸗ und Mosel⸗Zeitung Koblenz vom 4. Jan.: „Der niedrige Wasserstand haͤlt beinahe 200 groͤßere und kleinere, groͤßtentheils mit Steinkohlen nach Koblenz und dem Rheine befrachtete Fahrzeuge in der Saar zu⸗ ruͤck. Es waͤre sehr traurig, wenn Eis eintraͤte, bevor das Was⸗ ser ins Wachsen kaͤme, indem die Schiffe alsdann nicht nur in großer Gefahr schweben, sondern auch das Brenn⸗Material sehr theuer werden wuͤrde. Der Guͤterzug nach dem Nassauische

war in dem vorigen Monate von hier aus so groß, daß allei

auf dem Landwege an der Zollstelle Neuhaͤusel 16,000 Fl. an Zoll eingenommen worden seyn sollen; abgesehen von den weit 11¹“]

bedeutendern Ladungen nach der Lahn und uͤber Vallendar. Es hat sich nun herausgestellt, daß das Geruͤcht wegen Erhoͤhung des Nassauischen Zolles mit Neujahr grundlos war.“ In die Haͤfen des Regierungs⸗Bezirks Stralsund sind im Monat Dezember v. J. 39 Schiffe eingelaufen, und 8 ver⸗ ließen dieselben. Mit letztern wurden hauptsaͤchlich 253 Wispel Gerste und Haser verschifft. IIn

Koͤnigstaͤdtisches Theater. Mit der Wiederholung der Grillparzerschen „Sappho“ ist die

fuͤr dieses Theater denkwuͤrdige Periode des Auftrerens der Mad Cre⸗ linger mit ihren beiden Toͤchtern, Bertha und Clara Stich, geschlos⸗

sen. Ueber die Auffuͤhrung der „Sappho“ haben wir bereits berich

tet; Madame Crelinger war auch bei der Wiederholung mit Leib und Seele die erhabene Muse, die, da sie vom Himmel herabgekom⸗ men und nun mit menschlichen Leidenschaften und Leiden kaͤmpfen muß, doch nie ihren hoͤhern Ursprung vergaß. schmolzen mit der Darzustellenden in ihrem schoͤnsten Moment, wo sie die unsterbliche Ode an Aphrodite dichtet, erschien sie dies⸗

mal in Ton und Geberde gleichsam als das Leben der Poesie in Momente

ihrer stillen Begeisterung und ihrem lyrischen Schwung. dieser Art beweisen unseres Erachtens staͤrker als alle Effekt⸗Seenen, so unerschoͤpflich auch ihre Kraft sich darin offenbart, daß mehr als ein Talent, daß ein Genius in der Kuͤnstlerin wohne. Dlle Clara Stich (Melitta) giebt, 7 reinsten idyllischen Anmuth; Ref. wurde an den Telemach erinnert, an Kalypso und Eucharis, nur daß dem gegenwaͤrtigen Phaon ga

viel zum Telemach fehlte. Am Schluß dieser Anzeige werde

wir mit wenigen Worten des Abschiedes der Mad. Crelinger geden⸗

ken, und wenden uns zu der noch nicht erwaͤhnten vorletzten Vor⸗ stellung, naͤmlich zu Schillers „Kabale und Liebe“. Kein Wort weiter uͤber dies Produkt genialer jugendlicher Ungeduld und des Unwil⸗ lens uͤber einen schweren Erziehungsdruck, als daß Jahrhunderte verge⸗ hen koͤnnen, ehe wieder ein Juͤngling von zwanzig Jahren sich fin

det, der mit solchen Auswuͤchsen einer unbezwinglichen Natur, aber auch einer solchen Geisteskraft, sein angebornes Genie offen⸗

meldet aus

Noch inniger ver⸗

dem Bilde der Erhabenheit gegenuͤber, das Bild der 8