1 . 1888 Er, i ctet, andere sich in ihren Haͤusern abgesperrt. Das eren lse isk, daß auch in Arsenal und auf der Flotte viele Pestfäͤlle 8 ereignet und die Arbeiten und Ruͤstungen gehemmt hatten. ne ie Lage Mehmed Ali's wird dadurch noch kritischer, als sie in Um⸗ bee der fortdauernden Gaͤhrung in Syrien und der feindseli⸗ i „Stellung der Großherrlichen Armee schon ist; indem er jetzt, hat ls der Sultan wirklich Ernst machte, alle Wahrscheinlichkeiten gen sich haͤtte, besonders weil der groͤßte Theil der Aegypti⸗ 5. ben Flotte in diesem Augenblicke durch die Pest unbrauchbar 1. Nehmed Ali muß dies einsehen, und man darf also den b8 latfenden Geruͤchten von friedlichen Gesinnungen desselben 86 ühl Glauben schenken. Es heißt sogar, daß er in Folge oder 8e Einleitung einer Ausgleichung 8 Millionen Tuͤrkischer Pia⸗ ea wauf Rechnung seines ributs nach Konstantinopel abgeschickt ’ be. Auch erfuhr man, daß er Eilboten an seinen Sohn nach errien mit dem Auftrage abgefertigt habe, diesen zu einer Un⸗ redung nach Aegypten einzuladen. C11611“ 8 Ueber den Zustand von Mexiko aͤußert sich ein in der llgemeinen Zeitung befindliches Schreiben aus Paris fol⸗ ndermaßen: „In Mexiko hat, den letzten Nachrichten zufolge, e Moͤnchs und Militair⸗Partei einen starken Einfluß in den zahlen ausgeuͤbt, und es waͤre leicht moͤglich, daß der neue ngreß die Verfassung uͤber den Haufen wuͤrfe, und wieder Kaiser⸗ oder Koͤnigthum improvisirte. Santana ist selbst, as man zu sagen pflegt, uͤberfluͤgelt, und man wuͤrde ihm Un⸗ ht thun, wenn man Alles, was jetzt vorgeht, auf seine Rech⸗ ng schriebe. Es ist zweifelhaft, ob es ihm gelingen wuͤrde, un einmal die Monarchie und der Plan von Iguala her⸗ stellt ist, sich, wie Iturbide, an die Stelle einer Spanischen hnastie einzuschieben. Es ist aber noch viel zweifelhafter, ob Infant Don Francisco oder sonst ein Europaͤischer Prinz Gelegenheit benuͤtzen koͤnnte. Denn geht er allein hin, so aß er alle Augenblicke fuͤr sein Leben zittern, und laͤßt er sich n Europaͤischen Truppen begleiten, so ist dies hinlaͤnglich, das inze Land gegen ihn aufzubringen. Auch weiß ich nicht, was Nord⸗Amerikaner dazu sagen wuͤrden. — Viele liberale Me⸗ aner begeben sich einstweilen nach den Vereinigten Staaten, ter Anderen der Vice⸗Praͤsident Farias und der General Ba⸗ re; dort werden sie die Reaction, welche ohne Zweifel eintre⸗ wird, erwarten und vielleicht befoͤrdern. Der Merxikanische esandte in Paris, Don Lorenzo Zavala, ehemaliger Deputirter den Spanischen Cortes, hat seine Dimission eingegeben, aber an glaubt, er spiele ein zweideutiges Spiel. Unterdessen scheint mir interessant, Ihnen einige Stellen aus dem Schlusse sei⸗ so eben herausgekommenen Reise nach den Vereinigten tkaaten von Nord⸗Amerika mitzutheilen, worin er sich uͤber das ftige Schicksal seines Vaterlandes ausspricht. „Der Einfluß Vereinigten Staaten auf Mexiko ist eine Macht der Mei⸗ ng und des Unterrichts der Meisterschaft, und um so staͤr⸗ ,als er bloß ein moralischer Einfluß ist. Aber noch ehr. Alle Jahre lassen sich 10,000 Buͤrger der Vereinigten gtaaten auf dem Mexikanischen Gebiete nieder, besonders in Staaten von Chihuahua, Coahuila und Texas, so wie auch Tamaulipas, Nuevo Leon, San Luis Potosi, Durango, Za⸗ tecas, Sonora, Cinaloa, Neu⸗Mexiko und Californien. Diese ute, Ansiedler und Handelsleute, bringen nebst ihrer Indu⸗ rie auch die Gewohnhezt der Freiheit, der Sparsamkeit, der Urbeitsamkeit, ihre strengen und religioͤsen Sitten, ihre per⸗ vnliche Unabhaͤngigkeit und ihren Republikanismus mit. Wel⸗ he Veraͤnderung muͤssen nicht diese unternehmenden Gaͤste in m moralischen und materiellen Daseyn der alten Einwohner rvorbringen! Die Mexikanische Republik wird also in einigen ahren ein aus dem Amerikanischen System und aus den Sit⸗ n und Ueberlieferungen der Spanischen Abkoͤmmlinge gemisch⸗ s politisches Leben und Gestalt annehmen. Aber man muß der Mexikanischen Nation die schon bevoͤlkerten und so zu sa⸗ n in die Formen des alten Mutterlandes gegossenen Distrikte on den menschenlosen und einer ganz neuen Bildung faͤhigen begenden unterscheiden. In den ersten wird noch viele Jahre udurch der Kampf widerstreitender Grundsaäͤtze, die in den dlitschen Einrichtungen niedergelegt sind, fortdauern und r Buͤrgerkrieg unvermeidlich bleiben, waͤhrend in den andern e Amerikanischen, Deutschen, Irlaͤndischen und Englischen Ansied⸗ r vollkommen freie Voͤlkerschaften bilden, die unter den Ein⸗ z-usse ihrer demokratischen Gesetze, vorzuͤglich aber ihrer arbeit⸗ men Sitten und ihrer Ueberzeugung und Denkart uͤber die buͤrde des Menschen und die dem Gesetze schuldige Achtung iedlich aufbluͤhen werden. Auf diese Art, waͤhrend die Staa⸗ n von Puebla, Chiapa, Oajaca, Mexiko, Queretaro, Mechchoa⸗ an, Guanasuato, zur Strafe ihrer Vorurtheile, ihrer Unwissen⸗ eit, ihres Aberglaubens, dem Militair⸗ und geistlichen Stande berliefert bleiben; waͤhrend in ihrem Schoße einige edle und fgeklärte Patrioten sich bemuͤhen, ihre Mitbuͤrger auf die Hoͤhe er angenommenen Einrichtungen zu heben, und ihnen Freiheit nd Toleranz einzupraͤgen; waͤhrend hier diese entgegengesetzten klemente den Streit zwischen einer feurigen, den Fortgang und ie Bildung liebenden Jugend, und einem unwissenden an sei⸗ gen Privilegien und Renten klebenden Klerus entzuͤnden, einen Streit, unterstuͤtzt von einigen Generalen und Offizieren, Ueber⸗ bleibseln des alten Spanischen Heeres, ohne Treue, ohne Ehre, hne Patriotismus, von einem schmutzigen Geiz und erniedri⸗ zenden Lastern besessen; waͤhrend dieses in den letzterwaͤhnten Staaten vorgeht, werden die uͤbrigen ihre Bevoͤlkerung und ih⸗ en Reichthum vermehren und darauf Acht haben, nicht von den nseligen Ereignissen, die ihre suͤdlichen Bruͤder betreffen, befleckt du werden. Das letzte Ziel dieser Erschuͤtterungen wird der riumph der Freiheit seSyn, und auf dem Schutte altgothischer nhaltbarer Privilegien wird sich ein ruhmvolles und aufgeklaͤr⸗ es Geschlecht erheben, welches, indem es alle Elemente des Wohlstandes und Reichthums, die ihm zu Gebote stehen, in Be⸗ bvegung setzt, zuletzt jene einheimische, heute erniedrigte und in [Schmach versunkene Klasse der gebildeten Familie beigesellen und alle lehren wird, zu denken und ihre eigene Wuͤrde zu achten. das Amerikanische System wird einen vollstaͤndigen, obgleich blu⸗ gen Sieg erhalten.“
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Be „ 14. Jan. Der in Marienwerder bestehende Werein zur Militair⸗Blinden⸗Unterstuͤtzung in Westpreußen hat eben den Bericht uͤber seine Wirksamkeit im Laufe des ver⸗ ossenen Jahres abgestattet. Nach dem Inhalte desselben sind in Jahre 1834 an die in Westovreußen lebenden Militair⸗Blin⸗ den uͤberhaupt 622 Rthlr. 25 Sgr. vertheilt worden, wozu 54 Mchlr. an Bureau⸗Kosten kommen. Die Einnahme betrug 723 thlr. 21 Sgr., so daß sich ein Ueberschuß von 46 Rthlr. 20 gr. ergiebt, der aber mit dem Bestande fuͤr 1833 von 42 thlrn. hei weitem nicht die Mehr⸗Ausgabe in den Jahren 1830
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— Die Bevoͤlkerung von Elberfeld hat im vorigen Jahre dadurch, daß 303 Menschen mehr geboren als gestorben, und 480 Personen mehr ein⸗ als ausgewandert sind, um 783 Seelen zugenommen. Sie betrug am 1. Januar d. J. 17,596 maͤnn⸗ liche und 14,478 weibliche, im Ganzen also 32,074 Einwohner. Das Verhaͤltniß der Konfessionen bei dieser Bevoͤlkerung ist: enn Evangelische, 5967 Katholiken, 15 Menoniten und 114
uden.
— Zur Berichtigung der Meinung, als habe das am 17ten v. M. in Koblenz verspuͤrte Erdbeben sich wahrscheinlich bloß auf den Heerd der ausgebrannten Wulkane beschraͤnkt, bemerkt die Rhein⸗ und Mosel⸗Zeitung, daß sowohl in Castellaun als in der Umgegend dasselbe um die naͤmliche Zeit empfunden wurde, und zwar in manchen Haͤusern so stark, daß die Bett⸗ stellen zu schwanken schienen, und manche an den Waͤnden be⸗ festigten Gegenstaͤnde herabgeschuͤttelt wurden.
— Nachrichten aus Koͤln zufolge, ist die dortige stehende
es sen aln )
Rhein⸗Bruͤcke seit dem Morgen des 8ten wegen des Treibeises
abgefahren worden.
schehen.
froren.
— In Memel sind vom 22. November bis 21. Dezember v. J. 14 Schiffe eingelaufen, wesche saͤmmtlich Ballast geladen hatten. Ausgegangen sind von dort 12 Schisse, wovon 5 Schiffe mit Holz, 4 mit Saat und 3 mit Flachs befrachtet waren. — In Pillau sind vom 26. November bis zum 25. Dezember 9 Schiffe eingekommen; davon waren 6 Schiffe mit Stuͤckgut und 3 mit Ballast beladen. Ausgegangen sind 8 Schiffe, naͤmlich 2 Schiffe mit diversen Guͤtern und 6 mit Ballast. — Von Brauns⸗ berg ist im Monat Dezember seewaͤrts nichts verladen worden.
— Berichtigung. In der ersten Zeile des gestrigen Ar⸗ tikels Berlin ist statt „Chef“ zu lesen „Schoͤff“.
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Bei Koblenz war dies schon am 6ten ge⸗ Die Lahn war bereits an mehreren Punkten zuge⸗
Maassens Nekrolog.
Als am 1sten Januar 1819 eine Zoll⸗Linie auch die Graͤnze der preußischen Provinz Sachsen gegen ihre Nachbarn verschloß, fanden sich alle die Fuͤrsten des deutschen Bundes beschwert, welche ganz von preußischem Gebiet umschloßne Landestheile be⸗ sitzen. Obwohl zu keiner Zeit in Zweifel gezogen ward, daß je⸗ der selbststaͤndige Staat vollkommen berechtigt ist, die Durchfuhr von Waaren durch sein Gebiet selbst ganz zu untersagen, oder die Bedingungen festzustellen, worunter sie gestattet werden will; und obwohl die maͤchtigsten Staaten diese Befugniß fortwaͤrend gegen einander in Ausuͤbung bringen, und selbst die freundschaft⸗ lichsten Verhaͤltnisse einen oft sehr laͤstigen Gebrauch dieses Rechts nicht hindern: so schien dennoch das Verhaͤltniß jener Enkla⸗ ven einer besondern ,. beduͤrfen, uͤber deren Umfang jedoch eine sehr betraͤchtliche Verschiedenheit der Meinungen be⸗ stand. Es bedurfte Zeit, um der Ueberzeugung Eingang zu ver⸗ schaffen, daß es nicht im Intresse der Nachbarschaft liegen koͤnne, die natuͤrlichen Unannehmlichkeiten eines solchen Enklaven⸗Besitzes noch durch feindseliges Benehmen zu vermehren. Preußen bot billigen Vergleich, auf Anerkennung des gleichen Rechts gegruͤn⸗ det. Schwarzburg⸗Sondershausen nahm zuerst dies Anerbieten an. Maassen, als General⸗Steuer⸗Direktor, schloß unter Ver⸗ mittelung des Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegenheiten am 25sten Oktober 1819 den Vertrag, wodurch der eingeschloßne Theil der fuͤrstlichen Besitzungen in einen Zollverband mit Preu⸗ ßen trat. Schwarzburg⸗Rudolstadt folgte demselben erst am 24sten Junius 1822 wegen seiner 1I⸗J Frankenhausen; Sachsen⸗-Weimar⸗Eisenach wegen Allstaͤdt und Oldisleben am 27sten Junius 1823; Anhalt⸗Bernburg wegen des Amtes Muͤh⸗ lingen und wegen des obern Fuͤrstenthums unterm 10ten Oktober 1823 in zwei besondern Vertraͤgen. Dieses Fuͤrstenthum, obwohl groͤßtentheils von preußischem Gebiet umgeben, graͤnzt doch auf einer ohngefaͤhr fuͤnf Viertel⸗Meilen langen Strecke mit dem Braunschweigschen: es war der erste nicht ganz umschloßne Lan⸗ destheil, welcher dem preußischen Zollverbande beitrat; und es erhielt dem gemaͤß nicht blos Antheil an der Verbrauchs⸗Abgabe, sondern auch an der Durchgangssteuer, dem eigentlichen Zolle. Hierzu kam im Jahre 1826 der Anschluß des untern Fuͤrsten⸗ thums Bernburg unterm 17ten Junius, der fuͤrstlich Lippe⸗Det⸗ moldschen Enklaven unterm 9ten und 17ten Junius, und der kleinen Meklenburg⸗Schwerinschen Enklave im Regierungsbezirke Potsdam am 2ten Dezember. Es war vorzuͤglich die Klarheit und Billigkeit in Maassens Ansichten, welche die Schwierig⸗ keiten uͤberwand, die mannigfaltig solchen Vereinen entgegentraten. Beinahe ein Jahrzehend war endlich unter kleinlichen Ver⸗ handlungen verflossen, und es bestanden noch immer Bedenken, welche selbst den Anschluß anderer voͤllig eingeschloßnen Landes⸗ theile verhinderten, als diese Vereine endlich eine viel allgemei⸗ nere Richtung und Bedeutung erhielten. Laͤngst empfunden war es allerdings, daß die Vollkommenheit der wichtigsten oͤffentlichen Anstalten sehr wesentlich von der Groͤße der Massen abhaͤngt, die sich dazu vereinigen. Waͤrend seit der Wahlkapitulation Kai⸗ ser Karl des Fuͤnften das Bestreben der deutschen Fuͤrsten darauf gerichtet war, Deutschland in einen Staaten⸗Bund zu verwan⸗ dein: so beweisen doch zahllose Partikular⸗Vereine, wie sehr das Beduͤrfniß der Vereinigung zu gemeinsamen Regierungszwecken gefuͤhlt wurde. Diese vereinzelten Versuche blieben mehrentheils fruchtlos, indeß die Fortschritte der Civilisation immer dringender großartige Anstalten erheischten. Als auf dem wiener Kongresse das seit mehr als drei Jahrhunderten erstrebte Ziel endlich er⸗ reicht, als Deutschland durch die Bundesakte wirklich ein Bund vöͤllig unabhaͤngiger Staaten geworden war, trat auch das Be⸗ duͤrfniß der Vereinigung, nicht blos zur Erhaltung dieser Unab⸗ haͤngigkeit wider gewaltsamen Angriff, sondern auch zur Befruch⸗ tung derselben mit Wohlstand und Annehmlichkeit des Lebens, nur um so dringender hervor. Es mußte vorerst bei bloßen An⸗ deutungen des Ersehnten bleiben, bis die Erfahrung belehrt hatte,
daß die anerkannte Befugniß, selbststaͤndig zu sein, den Regie⸗
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rungen, wie den Einzelnen nur dadurch wohlthaͤtig wied, daß sie die Freiheit gewaͤhrt, die bestehenden Lebensverhaͤlrnisse nach eigner Ueberzeugung zur eignen Wohlfahrt zu benutzen. Diese Selbststaͤndigkeit selbst muß demnach zu Vereinen in allen Faͤllen leiten, wo die eigne Kraft nicht ausreicht. Ungern macht jedoch der Einzelne, ungern jede Regierung die Entdeckung einer Unzulaͤnglichkeit der eignen Kraͤfte; das Bebuͤrfniß muß sehr drin⸗ gend werden, ehe es sich Gehoͤr verschafft. Preußen sah sich genoͤthigt, das Steuersystem, dessen es nicht laͤnger entrathen konnte, vereinzelt aufzustellen, und alle Ungemaͤchlichkeiten der verwickelten Begraͤnzung zu ertragen, die seine westlichen Pro⸗ vinzen von der Hauptmasse des Staats trennt. Wie wenig es im Jahre 1818 auf ein Anschließen zu gemeinsamer Steuerhe⸗ bung rechnen durfte, ergab die Geschichte des folgenden Jahr⸗ zehends. Sein Beispiel bewies indeß durch die That, wie viel selbst unter unguͤnstigen Umstaͤnden ausfuͤhrbar ist. Die groͤ⸗ ßern Staaten des suͤdwestlichen Deutschlands versuchten nun durch Verein eine Masse zu bilden, die aͤhnlicher Vortheile faͤhig waͤre: die Schwierigkeit solcher Verhandlungen zeigte sich auch hier, selbst unter sehr viel guͤnstigern Verhaͤltnissen, als diesenigen wa⸗ ren, worunter Preußen mit der großen Anzahl der Bundes staa⸗ ten haͤtte unterhandeln koͤnnen, die zwischen seinen beiden Landes⸗ theilen liegen. Blos ein Anschließen der beiden maͤchtigsten Staa⸗
ten des suͤdwestlichen Deutschlands, Baierns und Wuͤrtembergs,
kam zu Stande: Baden, wie sehr es das Eigenthuͤmliche seiner geographischen Lage zum Vereine mit diesen beiden zu veranlas⸗ sen schien, blieb isolirt; und die großherzoglich hessische Regie⸗ rung wandte sich endlich an Preußen. Es ist ein bleibendes Verdienst des Herrn von Motz, damals Finanzminister, daß er den vielfachen Bedenken wider einen Antrag nicht Raum gab, der die Maͤngel der Begraͤnzung des preußischen Staats nicht verbesserte; sondern mit lebhaftem Antheile darauf eingieng, die Macht des Beispiels und vornaͤmlich die Freiwilligkeit ehrend, womit die großherzogliche Regferung, keinesweges durch beson⸗ dre Nachtheile der geographischen Lage gedraͤngt, das wirksamste Mittel ergriff, die vielfachen Nachtheile der Vereinzelung abzu⸗ wehren. Nicht minder ist es auch Maassens bleibendes Ver⸗ dienst, daß er in gleicher Ueberzeugung mit der eindringenden Kraft seines Verstandes und seiner Redlichkeit jeder Schwierig⸗ keit abzuhelfen wußte, welche die Verschiedenheit der innern Steuergesetzgebung und die Neuheit der Lage wohl erzeugen konnte. Auf ber Grundlage vollkommner Gegenseitigkeit der Rechte und Pflichten ward der Vertrag am 14ten Februar 1828 abgeschlossen und im Mai bekannt gemacht. Ihm folgten bald Verhandlungen mit Baiern und Wuͤrtemberg, vorlaͤufig nur ei⸗ nen freien Verkehr der Unterthanen beider Zollvereine, des preu⸗ ßisch hessischen und des baiersch⸗ wuͤrtembergschen, bezweckend; aber naͤhere Vereinigung ausdruͤcklich vorbehaltend. Der Ver⸗ trag hieruͤber vom 27sten Mai 1829 trat jedoch erst mit dem 1sten Januar 1830 in Kraft. aͤufiger erfolgte nun auch der Beitritt von Ganz⸗ und Halb⸗Enklaven: Anhalt⸗Dessau und Koͤthen fuͤr ihr saͤmmtliches Gebiet, schlossen sich am 27sten Ju⸗ lius 1828 dem preußischen Zollvereine an, Sachsen⸗Kohurg⸗Go⸗ tha fuͤr Volkerode am 4Aten Juli 1829, fuͤr Lichtenberg am 6ten Maͤrz 1830, Oldenburg fuͤr Birkenfeld am 24. Juli 1830 und Hessen⸗Homburg fuͤr Meisenheim am 1sten Dezember 1829. Andre Verträge mit Sachsen⸗Koburg⸗Gotha, Sachsen⸗Meiningen, und den juͤngern Linien des fuͤrstlichen Hauses Reuß konnten bei der zerstreuten Lage ihrer Besitzungen nur vorlaͤufige Erleichte⸗ rungen des Verkehrs bewirken. Der Grund war indeß gelegt, und die gleiche Klarheit, Maͤßigung und Zuverlaͤßigkeit des Ge⸗ neral⸗Steuer⸗Direktors erleichterte uͤberall die Fortschritte. Da⸗ her entstand auch keine Stoͤrung in diesem wohlthaͤtigen Ge⸗ schaͤfte durch den Tod des Herrn von Motz. Maassen war auch als Finanzminister der thaͤtigste Befoͤrderer dieser Vereini⸗ gungen. Vorbereitende Verhandlungen mit Sachsen⸗Weimar⸗ Eisenach und der voͤllige Anschluß des Fuͤrstenthums Waldeck durch Vertrag vom 16ten April erfolgten im Jahre 1831.
Entscheidend wirkte nun endlich der Vertrag mit Kurhessen vom 25sten August 1831 und durch die Gesetzsammlung bekannt gemacht am 28sten November, wodurch dieser Staat dem preu⸗ ßischen Zollvereine in solcher Ausdehnung beitrat, daß der Ver⸗ kehr desselben mit den oͤstlichen und westlichen Provinzen des preußischen Staats nur in sehr wenigen Artikeln einer leichten Beobachtung unterworfen blieb, und die Luͤcke wesentlich ausge⸗ fuͤllt erschien, die bis dahin beide Laͤnder trennte. Hierdurch entstand eine zusammenhaͤngende Zoll⸗Linie von der niederlaͤndi⸗ schen Graͤnze bis zur russischen. Der vollstaͤndige Beitritt aller deutscher Bundesstaaten zwischen dieser Linie, dem oͤstreichschen Kaiserstaate und der Schweiz war hierdurch vorbereitet. Die lebhaften Verhandlungen daruͤber beschaͤftigten den Finanzminister seitdem bis in die neueste Zeit. Mit dem 1sten Januar 1834 begann eine vollstaͤndige Vereinigung mit Baiern und Wuͤrtem⸗ berg, bereits abgeschlossen am 22sten Maͤrz 1833, mit dem Koͤ⸗ nigreiche Sachsen, geschlossen am 30sten Maͤrz, und mit dem thuͤ⸗ ringschen Zoll⸗ und Handels⸗Vereine geschlossen am 11ten. Dieser Verein besteht aus saͤmmtlichen Landen, die zwischen den alten Zoll⸗Linien Preußens und Baierns einerseits, und zwischen der Haupt⸗Laͤndermasse des Koͤnigreichs Sachsen und des Kurfuͤrsten⸗ thums Hessen andrerseits liegen. Das Koͤnigreich Sachsen und der thuͤringsche Verein haben auch ihre Verbrauchssteuern auf innere Erzeugnisse den preußischen gleichgestellt, und dadurch al⸗ len Anlaß zur Beobachtung des Graͤnzverkehrs aufgehoben. Den Abschluß der eingeleiteten Verhandlungen mit Baden hat Maas⸗ sen nicht erlebt. Eine Vereinigung mit Nassau, Frankfurt und Homburg ist noch nicht erfolgt.
Die Wirkungen dieses Zollvereins vollstaͤndig zu wuͤrdigen, liegt goͤnzlich ausser den Graͤnzen dieses Nekrologs: er gehoͤrt unter die welthistorischen Begebenheiten, und seine kundigen und thaͤtigen Befoͤrderer wird die Geschichte unter den Wohl⸗ thaͤtern Deutschlands nennen.
Maassen uͤberschaute das gesammte Steuerwesen des preußischen Staats aus einer großen Ansicht: kluͤglich von ge⸗ wohnten Vorstellungen und Formen ausgehend, veredelte und vereinfachte er dieselben stufenweise. Der erste Tarif fuͤr die Besteurung des Verkehrs mit dem Auslande enthaͤlt noch abge⸗ sonderte Saͤtze fuͤr den Zoll und die Accise, oder Verbrauchsteuer, wie das alte preußische Steuersystem; in den folgenden Jahren ist beides in eine Eingangs⸗Abgabe zusammengezogen. Die Er⸗ hebungsrolle fuͤr diese, und fuͤr die Ausgangs⸗ und Durchfuhr⸗ Abgabe konnte auf wenige Bogen beschraͤnkt werden, nachdem der Grundsatz ausgesprochen war: jede Waare steuert eingehend einen halben Thaler vom Centner, ausgehend nichts, sofern der Tarif nicht ausdruͤcklich ein Andres bestimmt. Denn nun ward dieser nur ein Register der Ausnahmen, die zwar zahlreich, doch um so mehr uͤbersichtlich sind, als sie der Regel nach nicht ein⸗ zelne Handelsartikel, sondern ganze Gattungen von Waaren z. B. Gewuͤrze, Weine ꝛc. mit einem Satze treffen. Die Ge⸗ genstaͤnde, deren Einfuhr ganz frei bleibt, und welche die Erhe⸗ bungsrolle sehr klar und hestimmt bezeichnet, umfassen beinahe
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