1835 / 21 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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son, an dem zweiten den aͤltesten Sohn des Herzogs von Wel⸗ lington, Marquis von Douro, und am letzten Herrn Planta, einen der Kommissarien der Ostindischen Kontrolle. Dieses De⸗ partement, so wie das Feldzeug⸗Amt und die Admiralitaͤt, haben bis jetzt unter allen Zweigen der Verwaltung das meiste Ungluͤck gehabt. Die Blaͤtter der Opposition hoffen, daß das Ministe⸗ rium im Unterhause nicht in geringe Verlegenheit kommen duͤrfte, denn es werde ihm, was namentlich das Seewesen betreffe, in welcher Beziehung es bis jetzt bloß durch den Admiral Beres⸗ ford im Unterhause vertreten sey, an Beamten fehlen, die vor⸗ kommenden Falles auf die Fragen der Opposition Rede und Ant⸗ wort stehen koͤnnten, wodurch sich die Schwierigkeiten fuͤr Sir Robert Peel immer mehr haͤufen wuͤrden. Auch die Times kann nicht umhin, es als sehr ungelegen fuͤr die Verwaltung zu bezeichnen, daß die beiden Lords der Admiralitaͤt, Sir G. Cock⸗ burn und Sir J. Rowley, und die Herren Planta und Daw⸗ son bei den Wahlen durchgefallen.

Der Standard behauptet, die Konservativen haͤtten durch die neuen Wahlen bis jetzt zwischen 40 und 50 Stimmen, und die Times giebt die Zahl derselben auf 46 an. Diese Verstaͤr⸗ kung der konservativen Partei, welche uͤbrigens von der Times nicht spezifizirt wird, soll durchweg mehr auf Kosten der Whigs als auf Kosten der Radikalen vor sich gehen. Der Spectator hatte auf eine Verstaͤrkung der Konservativen um 100 gerechnet, und aͤußerte gestern, als ungefaͤhr ein Drittel der saͤmmtlichen Wahlen bekannt war, daß sich darunter nicht uͤber 30 neu hin⸗ zugekommene Tories befaͤnden. Dieses Blatt berechnet nun fuͤr die naͤchste Session 235 Tories und 423 Reformer, also eine Ma⸗ loritaͤt von 188 gegen die Minister. Die ministeriellen Blaͤtter machen jedoch darauf aufmerksam, daß unter den auf den Listen der li⸗ beralen Zeitungen figurirenden Reformern auch solche Mitglieder mit eingerechnet seyen, die, wie namentlich Sir F. Burdett, Oberst Evans, Herr Tennyson, Herr Hawes und Andere, bei Gelegen⸗

heit der Wahlen erklaͤrt haͤtten, daß sie sich dem Ministerium

nicht unbedingt opponiren, sondern mehr auf die Maßregeln, als

aauf die Personen sehen wuͤrden; von diesen sey also zu erwar⸗

auf der Bahn der Reformen fortschreiten werde. qua non eines freundlichen Verhaͤltnisses zwischen dem Engli⸗ schen Volke und der konservativen Regierung“, sagt sie in ihrem gestrigen Blatte, „muß das unbedingte Aufgeben jener Vorur⸗ theile und Abneigung der letzteren gegen den Reform⸗Grundsatz seyn. die Anti⸗Reform und ihre Maͤnner oder Maßregeln ausgehen wird und kann; die Annaͤherung muß vielmehr dem Volke ent⸗ gegen kommen, und wenn dieser Grundsatz von den Konserva⸗

waͤre geradezu paradox; es koͤnnte eine furchtbare England verursachen, allein die ersten Opfer derselben wuͤrden die Wahnsinnigen seyn, die sie hervorgerufen haͤtten.“ Daß die

ten, daß sie bei Abstimmungen, wo es lediglich auf eine Demon⸗

stration gegen die Minister abgesehen sey, wie z. B. bei der

Wahl des Sprechers und bei der Adresse, gewiß nicht gegen die

Werwaltung stimmen wuͤrden. So sehr die Times zu Gunsten des neuen Ministeriums

spricht, so bleibt sie doch immer noch dabei, daß sie dies nur

insofern thue, als sie die feste Ueberzeugung habe, daß dasselbe „Das sine

Man bedenke ja, daß vom Volke keine Annaͤherung an

tiven nicht zugegeben. und unwandelbar befolgt wird, so muß

ihre Lage als schlechthin verzweifelt und unhaltbar betrachtet werden. Ministeriums stellten wir gleich anfangs auf, es muͤsse eine Reform⸗Verwaltung seyn, oder sie werde nicht drei Monate lang am Ruder bleiben. mehr und mehr uͤberzeugen, von Sir Robert Peel und der Mehrheit seiner Kollegen gehegt; an der Erfuͤllung dieser Erwar⸗

Als einzige Bedingung fuͤr die Erhaltung des neuen Dieselbe Ansicht wird, wie wir uns

tung haͤngt ihre politische Existenz; sich Jv. evolution in

Times sich in der Ueberzeugung, die sie von den Absichten der jetzigen Minister hegt, nicht irrt, zeigt folgender Artikel, womit

der Albion gestern Abend sein Blatt begann: daß die Regierung Sr. Mafestaͤt schon hoͤchst wichtige Maßre⸗ geln vorbereitet, die dem Lande zur Genuͤge beweisen werden,

die nisse und ihre Entschlossenheit zu praktischen Reformen zu zeigen.“

ihr, der Times, den Absatz verkuͤrzen wollten. welche jene Zeitung in der Sprache der Times vom vorigen Sommer und in ihrer jetzigen entdecken will, sucht letztere durch

„Wir erfahren,

und zwar nicht allein durch Worte, sondern durch Thaten, daß Kinister Willens sind, dem Volk ihren Eifer fuͤr Erspar⸗

Die leidenschaftliche Opposition, womit die Morning Chro⸗

nicle taͤglich uͤber die Times herfaͤllt, erklaͤrt letzteres Blatt aus

den niedrigsten Beweggruͤnden, indem es aus der Persoͤnlichkeit der jetzigen Eigenthuͤmer der Morning Chronicle folgert, daß sie Die Widerspruͤche,

folgende Erklaͤrung aufzuheben: „Es ist wahr“, sagt sie, „daß wir zu Lord Grey sagten, er habe nichts, worauf er sich verlas⸗

Sir Robert Peel.

sen koͤnne, als das Volk; aber eben dasselbe sagen wir auch zu So wie jedoch O'Connell, wenn er

es auch behauptet, nicht das Volk von Irland ist, so

sind auch die Ultra⸗Radikalen und Destruktiven nicht das Bri⸗

tische Volk. Zur Beleuchtung ihrer jetzigen Politik liefert die heutige Times unter Anderem auch ein Schreiben eines Gen⸗ fer Buͤrgers aus Philadelphia vom 29. November uüber die furchtbaren und alle Sittlichkeit untergrabenden Wahlumtriebe,

die in den Vereinigten Staaten aus dem daselbst mehr oder

minder ausgebildeten Prinzip des allgemeinen Stimmrechts her⸗ vorgegangen seven.

In Irland predigen die katholischen Geistlichen das Stim⸗ mengeben gegen die Tories als eine religioͤse Pflicht, und O Con⸗ nell versichert in seinen Reden gegen den ihm entgegengestellten Tory⸗Kandidaten, man werde den Waͤhlern, welche fuͤr die To⸗ ries stimmten, einen Todtenkopf an ihre Hausthuͤr malen und thre Haͤuser wie mit der Pest behaftete Wohnungen meiden; Niemand werde ihre Schwelle betreten, kein Mann sich mit ih⸗ nen in Geschaͤfte einlassen, kein Weib mit ihnen reden; sie wuͤr⸗ den das Gespoͤtt der Kinder seyn, und in ganz Irland als Va⸗ terlands⸗Verraͤther proklamirt werden.

Oberst Maberly, der Vorgaͤnger des Obersten Fox in dem Posten eines Ober⸗Aufsehers des Geschuͤtzwesens, hat kurz vor dem Eintritt der setzigen Minister seine Stelle mit dem lebens⸗ länglichen Amt eines Zoll⸗Kommissars vertauscht.

Lord William Bentinck hat dem Supercargo des Schiffes „Tuscany“, Herrn Rogers, aus Boston in Amerika, eine schoͤne silberne Vase zum Geschenk gemacht, als Zeichen der Anerken⸗ nung fuͤr die gluͤckliche Ueberbringung der ersten Ladung von Amerikanischem Eis nach Kalkutta. Diese Ladung bestand aus ungefaͤhr 100 Tonnen, die zu 6 ½ Cts. das Pfund verkauft wur⸗ den und den Rhedern 12,500 Dollars einbrachten, waͤhrend ihnen ö. ganze Expedition nicht uͤber 500 Dollars (2) gekostet

aben soll.

8 Gestern eingegangene Berichte aus Jamaika vom 19 Nov. lauten, wenn sie nicht etwa von den Kolonialwaaren⸗Haͤndlern uͤbertrieben worden, hoͤchst unerfreulich und Besorgniß erregend. Es soll dreimal der Versuch gemacht worden seyn, die Stadt Savana la Mar in Brand zu stecken, und die Neger schienen 111.“

durchgaͤngig entschlossen, hoͤchstens bis 6 Uhr Abends zu arbeiten oder gar nicht. Auf einer Plantage zu Shrewsbury, wo 400 Neger⸗Lehrlinge beschaͤftigt sind, und wo fruͤher woͤchentlich 30 Orhoft Zucker gewonnen wurden, soll jetzt woͤchentlich nur ein Oxhoft produzirt werden. 8 Nachrichten aus Mexico vom 25. Okt. zufolge, herrschte jetzt dort wieder vollkommene Ruhe. P“ 1.

A MNiederlande.

Rotterdam, 7. Jan. Ueber den bereits mehrfach erwaͤhn⸗ ten Untergang des Dampfbootes „Pylades“ melden oͤffentliche Blaͤtter folgendes Naͤhere: „Scheint es doch, als ob es unserer Regierung nicht gelingen sollte, ein großes Dampfboot auf die Station von Java zu bekommen! Das Mißlingen des ersten Planes mit dem „Atlas“ (einem Dampfboote eigener Art, wel⸗ ches, nachdem ein paar Millionen Gulden darauf verwandt wor⸗ den, fehlerhaft in seiner Construction befunden ward, naͤmlich zu lang und zu schmal, und deshalb die Reise nicht unternehmen konnte) ist bekannt. Ein zweiter Versuch ward durch die Bel⸗ gische Revolution unterbrochen, und nun war man an dem drit⸗ ten. Die Regierung machte naͤmlich der Niederlaͤn⸗ dischen Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft hier den Antrag, ihr den „Pylades“, ein schoͤnes, großes, fuͤr Bewaffnung aus⸗ geruͤstetes Dampfschiff abzukaufen, und ihr dafuͤr 300,000 Fl. und 84,000 Fl. Praͤmie zu bezahlen, jedoch erst nach Ankunft in Batavia. Denn unser Koͤnig, eingedenk des miß⸗ lungenen Versuchs mit dem „Atlas“, wollte lieber etwas mehr zahlen, und sicher seyn, daß das Schiff die Reise nach Ostindien gluͤcklich zuruͤcklegen koͤnne. Die Dampfschifffahrts⸗ Gesellschaft ging auf den Vorschlag ein, und bot nun alles auf, um etwas Vollkommenes herzustellen! Alle, die den „Py⸗ lades“ sahen, ließen dem Erbauer die Gerechtigkeit widerfahren, daß keine Sorgfalt, noch Kunst u. s. w. gespart worden. Doch wollten Einige bemerken, daß man auch diesmal (wie fruͤher beim „Atlas“) die Dimensionen unrichtig gegriffen, und das Boot zu schmal im Verhaͤltniß zur Laͤnge gebgut habe. Da nun eine solche Proportion weder solid noch seehaltig seyn kann, so wurden Wetten gelegt, daß das Schiff bei schlechtem Wetter nicht aus dem Englischen Kanal kommen wuͤrde. Am 1. d. M. fuhr nun der „Pylades“ von Helvoetsluis bei schönem Wetter ab, gerieth zwar in der alten Maas auf den Grund, wurde jedoch durch ein anderes Dampfboot gluͤcklich wieder abgebracht. Einige Tage darauf ging er bei sehr guͤnstiger Witterung in See, beglei⸗ tet von dem Erbauer, Hrn. Roͤntgens, und mehreren seiner Freunde, die mit dem Lootsen nach dem Hafen zuruͤckzukehren gedachten. Man versammelte sich einige Stunden nach der Abfahrt in der Kajuͤte, um einen froͤhlichen Abschied zu begehen, als ploͤtzlich die Meldung geschah, es dringe das Wasser mit solcher Macht in den Boden des Schiffs, daß alle Pumpen ihm nicht wehren konnten! Man kann sich die Bestuͤrzung der Anwesenden den⸗ ken. Alle eilten auf das Verdeck, jedoch nur, um sich zu uͤber⸗ zeugen, daß an Erhaltung des Schiffes nicht zu denken sey, und man nur darauf bedacht seyn muͤsse, sich felb das Leben zu ret⸗ ten. Zum Gluͤck umgaben den „Pylades“ so viel kleine Schiffe und Boͤte, die ihm auf der schoͤnen Fahrt bei dem herrlichen Wetter das Geleit gegeben hatten, daß die Rettung aller am Bord befindlichen Mannschaft und Passagiere moͤglich ward, und es kam dabei nur ein Mann, der an dem Ofen der Maschine beschaͤftigt war, ums Leben! Das praͤchtige Dampfschiff, der „Pylades“, selbst aber ging vor den Augen seines Erbauers unter! Es sind darauf in England 300,000 Fl., und hier und in Amsterdam 100,000 Fl. versichert. Werden diese nun bezahlt, so kann sich die Niederlaͤndische Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft schon troͤsten; sie verliert dann nur Zeit und hat neue Erfah⸗ rungen gewonnen! keiten machen und mit einer Zahlungs⸗Weigerung wegen See⸗ Untauglichkeit durchdringen, so waͤre dies ein so empfindlicher Verlust fuͤr die Gesellschaft, daß der Werth der Actien darunter leiden muͤßte. Daß das Ungluͤck des „Pylades“ durch boͤsliches Anstiften veranlaßt worden, ist zwar mitunter gesagt, wird aber nur von Wenigen geglaubt. Wahrscheinlicher ist es, daß das Schiff bei dem Festsitzen auf der Bank in der Maas einen Leck davontrug, der erst bei Goree zum voͤlligen Durchbruch kam. Natuͤrlich kann die obenerwaͤhnte Disproportien der Laͤnge und Breite, wenn sie uͤberhaupt statthatte, an diesem Unfall bei ruhigem Wetter und stiller See keine Schuld haben.“”)

Polen.

Warschau, 16. Jan. Am Neusjahrstage alten Styls stat⸗ teten alle Militair- und Civil⸗Behoͤrden Sr. Durchlaucht dem Fuͤrsten Statthalter ihre Gluͤckwuͤnsche ab. Abends war in den Saͤlen des Schlosses ein glaͤnzender Maskenball, der bis um 3 Uhr nach Mitternacht dauerte. Alle Kostuͤme zeichneten sich so⸗ wohl durch Schoͤnheit und Reichthum als durch Geschmack aus. Am Abend vorher beehrten der Fuͤrst und die Fuͤrstin von War⸗ schau einen vom Grafen Konstantin Zamoyski gegebenen Ball mit ihrer Gegenwart.

Der junge Tuͤrke, welcher kuͤrzlich hier getauft wurde, hat den Namen Michael Warnenski erhalten. Er ist in Konstanti⸗ nopel geboren und heißt Mehmed Hassan. Seine Aeltern hat⸗ ten ein Kaffeehaus, und als der Sohn 14 Jahr alt war, gaben sie ihn unter die Janitscharen, bei denen er drei Jahre blieb. Als der Krieg mit Rußland begann, waͤhlte der Sultan 17 Freiwillige aus diesem Corps aus, zu denen auch dieser Meh⸗ med gehoͤrte. Bei Warna wurde er von den Kosaken gefangen genommen, und ein Russischer Oberst, der von Geburt ein Grieche war und fruͤher mit den Aeltern des jungen Tuͤrken in freundschaftlichem Umgange gelebt hatte, nahm sich seiner an und stellte ihn dem Groß⸗ fuͤrsten Michael vor; dieser sandte ihn sogleich auf das Schiff „Paris“, auf welchem sich der Kaiser befand. Auf die Frage Sr. Majestaͤt, ob er in Rußland bleiben wolle, antwortete Meh⸗ med mit Freuden Ja. Er wurde nun reichlich vom Kaiser be⸗ schenkt und nach Warschau zu dem Großfuͤrsten Konstantin ge⸗ schickt. Seit dieser Zeit war er immer in Warschau. Den Namen Michael nahm er in der Taufe zum Andenken an die huldreiche Aufnahme von Seiten dieses Großfuͤrsten an, und den Namen Warnenski zur Erinnerung daran, daß er bei Varna zuerst die liebreiche Gesinnung der Christen kennen gelernt hatte.

Deutschland.

Kassel, 17. Jan. In der Sitzung der Staͤnde⸗Versamm⸗ lung vom 14. Jan. wurden die einzelnen Paragraphen des Ge⸗ setz⸗Entwurfs uͤber die Forst⸗, Jagd⸗ und Fischerei⸗Vergehungen durchdiskutirt und groͤßtentheils angenommen. Der dem Gesetz anliegende Forst⸗Straf⸗Tarif wurde bis zu Satz 177 unter An⸗ nahme des groͤßten Theils der einzelnen Saͤtze diskutirt, dann aber die Diskussion wegen vorgeruͤckter Tageszeit und weil der Landtags⸗Kommissar, Herr Regierungs⸗Rath Koch, erklaͤrte, er habe noch eine Mittheilung der Staats⸗Regierung zu eroͤffnen, abgebrochen und die Diskussion bis zur naͤchsten S r⸗

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1111“

Sollten aber die Versicherer Schwierig⸗

tagt. Die erwaͤhnte, von dem Landtags⸗Kommissar darauf ven lesene Mittheilung, wonach dem zum stellvertretenden Abgeordnetn erwaͤhlten Assessor Rbode zu Hanau die Genehmigung zum Eig tritt in die Staͤnde-Versammlung wegen Unabkoͤmmlichkeit nitn ertheilt werden kann, wurde auf den Antrag des Vice⸗Praͤsiden ten dem Legitimations⸗Ausschuß zur Pruͤfung uͤberwiesen ung die Sitzung darauf geschlossen.

Muͤnchen, 15. Jan. In der Muͤnchener politische

Zeitung liest man: „Oeffentliche Blaͤtter des In⸗ und Au⸗ landes haben bereits mehrfach der Feste erwaͤhnt, welche ihre Erachtens im Oktober d. J. in allen Staͤdten des Reiches aue Anlaß des 25jaͤhrigen Ehebundes Ihrer Koͤnigl. Majestaͤten a⸗ troffen werden. Wir koͤnnen mit Bestimmtheit versichern, ia Ihre Majestaͤten sich alle und jede fuͤr diesen Zeitpunkt ene beabsichtigte oͤffentliche Freudenbezeugungen ausdruͤcklich verhmn haben, und daß der Koͤnigl. Staats⸗Minister des Innern in sj⸗ ser Beziehung folgendes Schreiben an die Koͤnigl. General ⸗g, missaire und Regierungs⸗Praͤsidenten erlassen hat: „„Dahn

haͤbene Koͤnigl. Ehepaar feiert in dem Laufe dieses Jahres 25jaͤhrige Dauer seiner so gluͤcklichen und fuͤr Bayern so segag reichen Verbindung. Ihre Majestaͤten wollen dieses bedeussag Familien⸗Fest nach dem Beispiele Ihrer Majestaͤten des hich verewigten Koͤnigs und der verwittweten Koͤnigin auf den ga⸗ der Koͤnigl. Familie beschraͤnkt wissen und zaͤhlen mit

stimmtheit darauf, daß aus Anlasse desselben, durchauz i

Feierlichkeiten irgend einer Art angeordnet und daß vielmehr

den Gemeinden, Corporationen und Privaten alle und diesfalsige Ausgaben ferne gehalten werden.“”““ Der denkw. dige 12. Oktober 1835 wird daher allerdings in allen Ga

Bayerns ein Tag der Freude und der innigsten Theilnah. seyn; die Haupt und Residenz⸗Stadt wird durch die auf

Oktober 1835 treffende Industrie⸗Ausstellung, so wie viellte

auch durch die seit mehreren Jahren eingeleitete Vervollsti

gung des von dem Vermaͤhlungstage IJ. KK. MM. ahbse

menden Oktoberfestes in dem Sinne der Nuͤrnberger und Fe.

berger Volksfeste in jenem Zeitpunkte an Glanz und regem

ben gewinnen; das erhabene Familtenfest aber wird seiner

tur und altem Deutschen Herkommen gemaͤß nicht durch aͤufs

Prunk und laute Demonstrationen, sondern in dem Schoße

Regenten⸗Familie und in den Herzen eines treuen Volteg

gangen werden.“

Stuttgart, 15. Jan. Der Landtag von Hohenzoln Sigmaringen ist am 5. Januar durch den Geheimen Raih Praͤsidenten von Huber in Auftrag Sr. Hochfuͤrstl. Durchl schlossen worden.

Vorgestern feierten der Kriegs⸗Minister, Freiherr von Hit und sein Bruder, der General⸗-Lieutenant Freiherr von Hhg in Ludwigsburg das Jubilaͤum ihrer funfzigjaͤhrigen Diensic Morgens wurde der Kriegs⸗Minister von den Musiken der e schiedenen hier garnisonirenden Militair⸗Corps begruͤßt, 1 spaͤter von einer Deputation des Offizier⸗Corps begluͤckwuͤnste Heute geben die Offiziere der hiesigen Garnison den beiden bilaren ein Mittagsmahl auf dem Museum, an welchem Offiziere der auswaͤrtigen Garnisonen Theil nehmen.

Darmstadt, 15. Jan. (O. P. A. Z.) Die Wabl he

Geh. Medizinal⸗Raths Dr. Ritgen zu Gießen, an die Sml

des nicht beurlaubten Hofgerichts⸗Raths Zuehl, zum Abgeorong ten dieser Stadt, hat sich dese vollsten Beifalls aller Gulgesinn ten erfreut. Dr. Ritgen ist nicht bloß einer der ausgesrichnelsten Professoren der Universitaͤt, sondern als Arzt und Geledee duee ganz Deutschland geachtet, uͤberdies ein viel erfahrner Geschdft mann und ein treuer Anhaͤnger des Fuͤrsten und seiner Negh rung. So wuͤrdig diese Wahl und ganz angemessen der Cut und ihren Interessen, namentlich im jetzigen Augenblicke, itt mußte sie dennoch uͤberraschen, da man nach dem durch ein fentliches Blatt bekannt gewordenen Schreiben der Gießner W. ler an ihren vorigen Deputirten, worin sie sich geradezu zu Grundsaͤtzen der Majoritaͤt der aufgeloͤsten Landtage, also aͤäußersten Opposition bekennen, ein ganz entgegengesetztes R. tat befuͤrchten mußte. Sie laͤßt sich nur dadurch cc ren, und ist in sofern noch eine besonders erfreule Erscheinung, daß bei weitem die Mehrheit der Gitße Buͤrger jene von den Waͤhlern ausgesprochenen Anste nicht theilt, und diese deshalb nicht in ihrem, sondern We Mehrheit der Buͤrgerschaft angemessenen Sinne und den verstandenen Interessen der Stadt gemaͤß, waͤhlen zu ule glaubten. Die Wiederanstellung des pensionirten Kreisgerit Praͤsidenten Aull zu Mainz in den aktiven Staatsdienst ist mehr bekannt geworden. Er wurde zum Ober⸗Appellations⸗! Cassationsgerichtsrathe befoͤrdert, eine ehrenvolle Ernennung, sich des allgemeinen Beifalls erfreut und schon laͤnger ausges⸗ chenen Wuͤnschen entspricht. Herr Aull ist so großer Kenner eifriger Freund der Rheinischen Institutionen, und diese konn in dem hoͤchsten Gerichtshofe des Großherzogthums nicht wiüt ger vertreten werden. Zugleich widerlegt diese Befoͤrderung! neuem thatsaͤchlich das von Boͤswilligen immer wieder und mentlich vor den Rheinischen Wahlen vielfach ausgesprengtet ruͤcht, als beabsichtige die Regierung die Aufhebung jener l tutionen. Die Regierung hat diese stets geachtet und wol anderungen eintraten, waren es nur gewuͤnschte Verbesserun⸗ auf dem gesetzlichen Wege. Gestern starb hier an einer Bm krankheit der Buͤrgermeister der Residenz, Herr Lauteschl490 ein allgemein geachteter Mann, noch in seinen besten Jahrtn

Frankfurt a. M., 13. Jan. Hr. Senator Bansa (0 Ende dieser Woche ebenfalls nach Berlin, und zwar uͤber Kit

Gestern Abend gab der Neapolitanische Konsul, DTiün Karl von Rothschild, zur Feier des Geburtstages des Kng von Neapel einen so brillanten Ball, daß man allgemein behene tet, ein solcher habe in Frankfurt noch nicht stattgefunden. 9 Straße war mit Pechfackeln erleuchtet, und am Eingang 1- Hotels dufteten koͤstliche Spezereien und Essenzen von orienne schen Rauchpfannen. Heute gab der Russische Gesandte, Freihe v. Anstett, bei Gelegenheit des Jahreswechsels (a. St.) splendides Diner. Ueberhaupt fehlt es bei uns diesen Bn nicht an Diners, Baͤllen, Gesellschaften u. dgl., und die C des Kaufmannstandes steht dem diplomatischen Corps Ne nicht nach. 5

Herr Charles Durand, Redacteur des Journal de Fib fort, ist aus Rußland wieder in unserer Mitte angekommen.

In Bezug auf den am Weihnachts⸗Abend gegen den? siker Gollmick ausgefuͤhrten Mord⸗Versuch wird jetzt Folgend gemeldet: das erstemal wieder ausging, wurde ihm mit der Stadtpost Brief nach Hause uͤbersendet, worin ihm mit Wiederholung Mord⸗Versuchs gedroht wird, wenn er nicht unterlasse, geb Besuche zu machen. 1 nicht entdeckt hat, muß nun allerdings Herrn Gollmick erlaube Waffen zu tragen und jedem Anfall aufs nachdruͤcklichste zu

eehss. ailt, si, sun ntgee .

verachten besiehlt, einweihen koͤnnen?

„Als Herr Gollmick nach seiner Wiederherstellu N

(gnaͤchstens eine Die Polizei, die den oder die Frevler ncer

zanen.“ Die am verflossenen Donnerstag Abend in der Naͤhe

des hiesigen Doms angefallene und verwundete Frau wird, da ihre Krankheit eine schlimme Wendung genommen, schwerlich wieder aufkommen.

Luxemburg, 14. Jan. Dem hiesigen Journal zu⸗ solge, hat das in Arlon befindliche Belgische Gouvernement war die vorgeschriebenen Kantonalraͤthe zur Bildung der Buͤr⸗ ger⸗Garde angeordnet, jedoch nur fuͤr den Wallonischen 88 h

u sran oͤsisch redenden) Theil des Großherzogthums mit Ein chluß

rlon selbst. Das genannte Blatt giebt zu verstehen,

von

daß es wohl seine guten Gruͤnde haben moͤge, wenn dieses Mal n der allgemeinen Maßregel

der Deutsche Theil der Provinz vo

ausgenommen worden sey.

g- Schweiz. 8 Von dem Inhalte der neuen Note des Kaiserl. Oesterrei⸗ hischen Gesandten (Zuͤrich, den 1. Januar datirt und an den

Vorort Bern gerichtet) theilen wir aus der Frankfurter Ober⸗Post⸗Amts⸗Zeitung Folgendes als das Bedeutendste

it: 8 1b „In dieser Erklaͤrung allein (naͤmlich der Tagsatzung vom 2. Juli hinsichtlich der EEE in vien. vn und gleichmaͤtziger Erfuͤllung von Seiten aller eidgenoͤssischen Staͤnde, kann der Kaiserl. Koͤnigl. Hof, gleich den uͤbrigen Nachbar⸗Staaten, die Grundlage kuͤnftiger ununterbrochener freundschaftlicher Ver⸗ baͤltnisse mit der Schweiz finden. Daß Vorgaͤnge, wie jene, die im dersleseenen Julit im Kanton Bern stattgefunden, und uͤber welche die Nachbar⸗Staaten vergeblich bei der Regierung dieses Kantons Beschwerde gefuͤhrt haben, mit solchen Verhaͤltnissen nicht bestehen onnen, daruͤber kann wohl kein Zweifel obwalten, Wenn die Schweiz it Recht darauf besteht, daß sich das Ausland von keiner Seite her in ihre inneren Angelegenheiten mische, so haben die anderen Regierungen das Recht, zu verlangen, daß man auch auf Schweize⸗ sschem Boden sich nicht mit den inneren Angelegenheiten fremder Laͤn⸗ der befasse, also eine gleichviel auf welche Weise sich kund gebende Einmischung auf diesem Gebiete nicht gestatte, die sich von hser Verbreitung hee ge Gesinnungen unter den Angehboͤrigen remder Staaten (die sich zufaͤllig in der Schweiz befinden), von her Vorbereitung feindseliger Plaͤne gegen diese Staaten und von doͤhnenden, beleidigenden Handlungen gegen ihre Fuͤrsten und Re⸗ herangen nach Umstaͤnden und guͤnstiger Gelegenheit bis zu einem eindlichen Ueberfall steigern kann, und wirklich bereits gesteigert sat. Wenn die Schweiz mit Recht von dem Auslande Achtung ur ihre Institutionen und Einrichtungen, fuͤr ihre Regierungs⸗ vrmen, Verfassungen und verfassungsmaͤßigen Behoͤrden, fuͤr ihre Tagsatzung, fuͤr die eidgenoͤssischen wie fuͤr die Kantonal⸗Fahnen herlangt, so ist sie nicht minder schuldig, die gleiche Achtung den huswaͤrtigen Regierungen bei sich zu sichern und zu geben; wie denn Achtung immer durch Gegenachtung bedingt, und Gegen⸗ eitigkeit vorzuͤglich die Haupt⸗Grundlage des Tölkerrechtes bil⸗ het. Weit entfernt daher, daß die Nachbar⸗Staaten wie Uebel⸗ wellende gern in der Schweiz ausstreuen die Ehre der Eidgenossen⸗ chaft verletzen, die Schweiz stoͤren und necken, um Unruhe darin zu liften, besteht das ganze Verlangen der Nachbar⸗Staaten darin, haß sie von Seiten der Schweiz her nicht gestoͤrt und geneckt, nicht heleidigt und beunruhigt werden; daß demnach die Schweiz bei sich nicht dulde, was in oͤffentlichen Aeußerungen, Plaͤnen oder Ausfuͤh⸗ ung feindselig gegen die Nachbar⸗Staaten gerichtet ist. Je mehr die Nachbar⸗Staaten waͤhrend der seitdem verflossenen 6 Monate den innern Foͤderativ⸗Schwierigkeiten hinlaͤngliche Rechnung getra⸗ en haben, desto mehr duͤrfen sie das feste Vertrauen hegen, daß es der Eidgenossenschaft und ihrem Vororte ernst und dringend ange⸗ legen sey, das gegebene Wort zu halten, keine feindselige Aufreizung und Beleidigung gegen die Nachbar⸗Staaten im anzen Gebiete der Schweiz ferner zu dulden, diejenigen Frem⸗ den und Fluͤchtlinge, die dergleichen versuchen, ohne Nach⸗ icht nicht bloß aus einem oder dem andern Kanton, sondern aus der Schweiz fortweisen zu lassen ohne welche Verfuͤgung die gerechten Beschwerden der Nachbar⸗Staaten nicht gehoben seyn wuͤr⸗ den und endlich redlich mit ihren Nachbarn in guter Eintracht zu leben. So wie der K. K. Hof eine bestimmte, unumwundene Be⸗ sätigung der von der letzten Tagsatzung gegebenen feierlichen Zusage von Seiten des jetzigen hohen Vororts zuversichtlich erwartet, so ist derselbe auch uͤberzeugt, daß eine aͤhnliche Bestaͤtigung von den uͤbri⸗ gen Nachbar⸗Staaten der Schweiz in Anspruch genommen werden

mird. Jedenfalls wird die zu erwartende Erklaͤrung die Bedingung

der Fortsetzung der alten freundnachbarlichen Verhäͤltnisse, oder der Maßstab der von den Nachbar⸗Staaten ungern anzunehmenden ver⸗ ünderten Stellung seyn.“ 11“

In der Allgemeinen Zeitung liest man: „Durch die Uebertragung der voroͤrtlichen Functionen an Bern moͤchte die Schweiz gerade nicht in die freundschaftlichsten Verhaͤltnisse mit dem Auslande treten, denn Bern hat zu viel Veranlassung zu Klagen gegeben, und das Benehmen seiner Regierung hat fuͤr les Herkoͤmmliche so wenig Achtung gezeigt, daß nichts nach⸗ heiliger fuͤr die Schweiz seyn konnte, als diesem Kanton die entral⸗Leitung anvertrauen zu muͤssen. Es war allerdings schwer, dies zu hindern, und Niemand wird daraus Stoff zu Tadel nehmen wollen, allein wenn von der einen Seite gewissenhaft de Unabhaͤngigkeit eines Staats geachtet wird, und man jede inmischung in dessen innere Verhaͤltnisse unterlaͤßt, und da⸗ durch seine Freiheit und Selbststaͤndigkeit anerkennt, so hat man andererseits auch eine aͤhnliche Reziprozitaͤt anzusprechen. Deutsch⸗ and kann peremtorisch verlangen, daß allen Unbilden ein Ende gemacht werde, die, im Schoße des Berner Conseils gegen as Ausland beschlossen, von den feindlichsten Gesinnungen ge⸗ gen dasselbe Zeugniß gaben. Die Handwerksburschen⸗Vereine, elche eingestandenermaßen auf nichts Anderes abzielen, als

bei den gewerbtreibenden Klassen in Deutschland Mißbehagen

zu erzeugen, und die Revolutionnirungs⸗Sucht so weit als moͤglich zu verbreiten, sind Ergebnisse, die eine Regie⸗ tung in den Augen der uübrigen entehren, wenn sie sie auch augenblicklich duldet, aber sie brandmarken, wenn sie diesel⸗ 9 befoͤrdert. Was hat nun Bern Anderes gethan, als zur werfüͤhrung der fremden Handwerker behuͤlflich zu seyn, den 1 sten Demagogen Schutz und Unterkunft zu gewaͤhren, damit 8 furchtlos und sorgenfrei ihre Doktrinen verbreiten, und ihre ünger in die Geheimnisse der Demagogie, die das Heiligste zu secs 1 Niemand wird es daher 8 am finden, daß, wenn man auch das Daseyn einer Regie⸗ ng nicht weglezgnen mag, man doch gerade keine Neigung

fühlt, mit ihr in naͤhere Beruͤhrungen zu treten, so lange sie ei⸗

* Gang nicht verlassen will oder kann, der alle Freunde der dr hincs aufruft, auf ihrer Hut zu seyn. Vorerst duͤrften diese hch arauf beschraͤnken, alle Gemeinschaft in intellektueller Be⸗ vchuns zu untersagen, und wenn dies nicht fruchten sollte, 8. in der ganzen Ausdehnung des Wortes sich von ei⸗ ies eegierung zu isoliren, die sich nicht selbst zu achten weiß. 88 wird gewiß wenigstens bei allen Deutschen Regierun⸗ gen der Fall seyn, und man darf sich daher nicht wundern, Erklaͤrung von dieser Seite erscheinen zu se⸗ n, worin E—

111n

genau bestimmt wird, wie gegen Bern vorzuge⸗

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Itallen.

Rom, 5. Jan. (Allg. Ztg.) Die Festtage sind auch die⸗ ses Jahr mit der uͤblichen Feierlichkeit 2ö.eeen das Oberhaupt der Kirche verrichtete selbst alle heiligen Functionen. Eine Deputation der Einwohner von Rom legte ihre Freude daruͤber, und ihre Wuͤnsche fuͤr die Erhaltung seiner Gesundheit zu seinen Fuͤßen nieder. Waͤhrend dieser Zeit wurde nicht an Geschaͤfte gedacht, und die auslaͤndischen Angelegenheiten schienen fuͤr den Augenblick anz in den Hintergrund getreten. Jetzt werden sie eifriger hervorgezogen. Der Stand der Dinge in Spanien und Portugal giebt allen denkenden Menschen Stoff genug zu Betrachtungen uͤber die Verhaͤltnisse der Halbinsel zur Kirche, indem der geistlichen Hierarchie ein herber Verlust droht. Ich verstehe hierunter nicht den Verlust an Geld; die Sum⸗ men, welche nach Rom fließen, sind bei weitem nicht so groß, als man gewoͤhnlich glaubt, sie haͤngen lediglich von Dispen⸗ sen und Bestaͤtigungen ab, welche nicht jedes Jahr gleich sind; sondern der Verlust besteht darin, daß der Einfluß, welcher von hier aus bisher geuͤbt wurde, und welcher zur Einheit der Kirche nothwendig ist, nach und nach immer lockerer wird, wo⸗ durch mit der Zeit das Schlimmste zu besorgen ist. Die Nach⸗ richten aus der neuen Welt hingegen lauten erfreulicher; in den Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika macht die katholische Re⸗ ligion bedeutende Fortschritte, und die roͤmische Propaganda fin⸗ det sich fuͤr ihre Bemuͤhungen reichlich belohnt. Es sollen dort mehrere neue Bischofssitze errichtet werden. Unsre innern Ange⸗ legenheiten regeln sich immer mehr, und man hofft, daß dieses Jahr viele Mißbraͤuche, welche noch in verschiedenen Zweigen der Verwaltung stattfinden, abgeschafft werden duͤrften, wozu die Regierung gegenwaͤrtig den besten Willen zeigt. Das Roͤmische Publikum beschaͤftigt sich seit einiger Zeit viel mit einer Eisenbahn, welche von Ancona nach Civitavecchia an⸗ gelegt werden, und ganz in der Naͤhe von Rom vorbeigehen soll. Es ist von mehreren auslaͤndischen Kapitalisten ein Plan hieruͤber der Regierung vorgelegt worden, worin die Be⸗ dingungen fuͤr das Land aͤußerst vortheilhaft gestellt seyn sollen; auch sind bedeutende Summen der Regierung als Cau⸗ tion angetragen. Man will Thalwege gefunden haben, wobei die hoͤchste Steigung der Straße nur unbedeutend ist; dadurch wuͤrden die Kosten der Anlegung freilich sehr vermindert wer⸗ den. Die Sache ist schon einigemale bei der Regierung zur Berathung gekommen, aber bisher hoͤrt man noch von keinem Entschlusse, da sich viele Zweifel und Ruͤcksichten erhoben ha⸗ ben. Es ist nicht zu leugnen, daß, wenn eine solche Verbin⸗ dung zwischen unsern beiden Haupt⸗Seehaͤfen zu bewerkstelligen waͤre, es fuͤr den Handel Wichtigkeit seyn wuͤrde, da der Weg zur See um die Suͤspitze von Italien mit vie⸗ lem Zeitverluste verbunden ist, ohne die Gefahren zu rechnen, welche das enge und doch so stuͤrmische Adriatische Meer dar⸗

1 Gpanlen.

Die Cholera nimmt in den Distrikten von Caceres, Ciudad Reale, Cordova, Ligo und Malaga allmaͤlig ab. .

In dem Theuter zu Granada haben Unruhen stattgefunden, weil sich einige Personen dem Rufe: „Es lebe Jsabella II.!“ widersetzten. Der General Rojal redete die Zuhoͤrer aus seiner Loge an, und gerieth in Wortwechsel mit einem zur Stadt⸗Mi⸗ liz gehoͤrenden Manne, der sogleich verhaftet wurde.

Zu Santillana de la Mar ist eine Karlistische Verschwoͤrung entdeckt und zugleich sind 800 Gewehre, die in einem der Haͤ⸗ fen dieser Kuͤste gelandet wurden, in Beschlag genommen. Da der Gouverneur von Tortosa erfahren hatte, daß die Ueber⸗ reste der Insurgenten der Provinz Catalonien sich in den Hoͤh⸗ len der Umgegend verborgen hielten, so sandte er zwei leichte Compagnieen des 5ten Regiments ab, welche den Anfuͤhrer der Bande, Vallée, mit 26 Mann gefangen nahmen. Etwa 40 wur⸗ den getöͤdtet und nur Wenigen gelang es, zu entkommen. Die Fferdina wieder hergestellte Ruhe ist eine große Wohlthat fuͤr

as Land. .

Der Korrespondent des Morning⸗Herald theilt in einem Schreiben aus Madrid vom 31. Dezember folgende, wenn sie sich, was freilich die Frage ist, bestaͤtigen sollten, sehr merkwuͤrdige Aufschluͤsse uͤber Llauders Stellung und Streben mit: „Llauders Intriguen“, sagt er, „sind zu Schanden geworden, und Mar⸗ tinez de la Rosa und Toreno haben mehr Stabilitaͤt erlangt. Llauder hatte die Koͤnigin ganz gewonnen, und sein Plan sollte ihr bei einem Gastmahle mitgetheilt werden, das sie vergangene Woche auf ihrem Landsitze ihm, dem Herzoge von Alagon und Munoz gegeben; die Entschlossenheit Toreno's aber, welcher der Regentin sogleich aufwartete, und ihr seine Entlassung darbot, unterstuͤtzt von den Vorstellungen des Marquis von Amarillas und mehrerer der angesehensten Proceres und Prokuradoren, brachten die Koͤnigin zur Vernunft zuruͤck, und der Plan des „Embryo⸗Cromwell“ ist fuͤr den Augenblick gescheitert. Er hatte die Furcht der Koͤnigin, daß eine Revolution auszubrechen im Begriff stehe, rege gemacht, und sie hatte ihm die Macht ertheilt, die Minister abzusetzen und neue zu er⸗ nennen. Llauder schlug zuerst vor, daß Toreno an der Spitze des Conseils stehen und Remisa der neue Finanz⸗Mini⸗ ster seyn solle; als er aber fand, daß sich Toreno nicht bethoͤren ließ, bot er diesen Posten dem Pizarro und das Portefeuille der Finanzen dem Remisa an. Er erklaͤrte sodann oͤffentlich, daß der

iberalismus zu schnell fortschreite, und daß die Prinzipien des Herrn Zea die einzigen waͤren, die fuͤr Spanien paßten. Er räumte zwar ein, daß Zea nicht der Mann sey, diese seine Leh⸗ ren selbst in Ausfuͤhrung zu bringen; in den Haͤnden aufgeklaͤr⸗ terer Maͤnner wuͤrden dieselben sich aber als sehr heilsam bewaͤh⸗ ren. So sprach Llauder, und wenn ihm kein Einhalt gethan worden waͤre, so wuͤrde er in einer Woche eine Revolution her⸗

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beigefuͤhrt haben, denn die Buͤrger⸗Garde, die er insultirt hatte,

war bereit, gegen ihn aufzustehen, die Garde wuͤrde sich fuͤr Auesada erklaͤrt haben, und da er keine anderen Anhaͤnger, als den Herzog von Alagon, Munoz und die Koͤnigin hatte, so sprachen alle Zeitungen, und besonders die ministerielle „Abeja“, frei von der Leber weg, und starke Anspielungen wurden ge⸗ macht, daß er ein Verraͤther sey. Der Regentschafts⸗Rath und mehrere der Haͤupter beider Kammern druͤckten sich in einem gleichen Geiste aus; die Koͤnigin war genoͤthigt, nachzugeben, und Llauder fuͤr den Augenblick jene ehrgeizigen Absichten zu beseitigen, die ihn dereinst auf das Schaffott bringen duͤrften. Madrid ist nicht Barcelona, Castilien nicht Catalonien, und ob⸗ gleich er da, wo er allein Herr war, dominiren konnte, so wird Llauder doch hier zu Viele finden, die seine Plaͤne streng be⸗ wachen und sie zu vereiteln im Stande sind. Das beste und eigentlich „Spanische“ der Sache ist nun, daß Llauder noch im⸗ mer Kriegs⸗Minister ist und dicht bei Martinez de la Rosa und Toreno uͤber die Anschlaͤge fuͤr die Armee diskutirt. Es fehlt den beiden Ministern an Muth, den Mann zu vertreiben, der sich

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gegen sie verschworen hatte, um sie zu stuͤrzen, um als Diktator den Despotismus wieder einzufuͤhren, um eine Franzoͤsische Ar⸗ mee nach Spanien zu rufen, und um die Finanz⸗Plaͤne Tore⸗ no's diesen hocus pocus der aktiven und passiven Schuld 8 umzustoßen. Fuͤr wahrscheinlich haͤlt man es, daß in einer sol chen Revolution Llauder und seine Anhaͤnger als Opfer fallen und die Koͤnigin vertrieben werden wuͤrde. Llauder sieht nich im mindesten wie ein Diktator aus. Er ist ein langer duͤnner Mann mit einem Laternen⸗Gesichte und einer ungeheuren Nase ein sehr elender Redner und spricht seine Muttersprache nich einmal richtig. ns drast. d9 gn. portg 490.0. .

Lissabon, 3. Jan. Die gestrige Hof⸗Zeitung enthaͤlt folgenden offiziellen Artikel: „Ihre Majfestaͤten, die Koͤnigin und die Kaiserin, empfingen heut um 1 Uhr Nachmittags Lord Howard de Walden, bevollmaͤchtigten Minister St. Britischen

Fajestaͤt, welcher beiden Majestaͤten, von Seiten Ihrer Mase⸗ staͤten des Koͤnigs und der Koͤnigin von England, ein Paar aus gezeichnet schoͤner goldener, mit Diamanten besetzter, und mi dem Namenszuge Ihrer Britischen Majestaͤten versehener Arm baͤnder uͤberreichte.“

Die Morning Chroniele enthaͤlt nachstehende Privat⸗

Mittheilung aus Lissabon vom 3. Januar: „Heute wurden die Cortes bis zum 20. Januar prorogirt, um die Minister, wie ich glaube, in den Stand zu setzen, einige Maßregeln, die sie schon lange vorbereiten, in Ausfuͤhrung zu bringen. Nach dem, was ich von einigen Deputirten gehoͤrt habe, steht zu hoffen, daß die Debatten in dieser Session nicht so heftig seyn werden, wie in der vorigen. Seit der Vertagung der letzten Cortes sind die oͤffentlichen Blaͤtter weit gemaͤßigter. Das Oppositions⸗ Blatt spricht sich zwar immer noch heftig gegen die Regierung aus, aber es herrscht in seinen Aufsaͤtzen nicht mehr jene fruͤ⸗ here Erbitterung. Der Nacional, das Organ der ul⸗ tra⸗radikalen Partei, faͤhrt in seinen Beschuldigungen ge⸗ gen den Herzog von Palmella fort. Einige Mitarbeiter an diesem Blatte sind gewiß Maͤnner von bedeutenden Talenten, aber es fehlt ihnen die Klarheit und Bestimmtheit des Raison⸗ nements, welches die Hof⸗Zeitung so sehr auszeichnet. Der Aguia, welcher im Verdacht des Miguelismus steht, ist noch mysterioͤser und dunkler, als das radikale Blatt, und fuͤr Je⸗ mand, der nicht zu seiner Partei gehoͤrt, kaum verstaͤndlich. Miguelistische Gesinnungen sind jetzt nicht mehr in der Mode und wenn die Herausgeber dieses Blattes irgend ein Mitgefuͤhl fuͤr die gestuͤrzte Partei aͤußern, so werden sie nicht 50 Exem⸗ plare absetzen. Es ist ein guͤnstiges Zeichen fuͤr die zunehmende Wißbegierde und Intelligenz des Portugiesischen Volkes, doß ein fuͤr die unteren Klassen bestimmtes Blatt, O Periodico dos Pobres (Armen⸗Zeitung), naͤchst der Hof⸗Zeitung, die groͤßte Verbreitung hat.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

Washington, 5. Dez. In der Sitzun am 3. Dezember legte der Praͤsident den jaͤhrlichen Bericht des Secretairs des Schatzes uͤber den Zustand der Finanzen vor, der ohne Weiteres nebst den beigefuͤgten Dokumenten zum Druck beordert wurde. Hierauf theilte der Praͤsident noch den Bericht uͤber die Einnahmen und Ausgaben der Regierung in dem ver⸗ flossenen Jahre mit.

In der Sitzung am 4ten erhielt der Senats⸗Praͤsident fol⸗ gendes Schreiben des Praͤsidenten Jackson:

„An den Senat der Vereinigten Staaten.

Ich uͤbersende dem Kongreß ein an mich gerichtetes Schreiben des Herrn George Washington Lafayette, das die erste gravirte Kupferplatte von der Unabhaͤngigkeits⸗Erklaͤrung begleitet, welche Platte sein großer Vatexr, als einen letzten Beweis der Achtung, patriotischer Liebe und Anhaͤnglichkeit fuͤr sein zweites Vaterland, dem Kongreß vermacht hat, damit sie in der Bibliothek desselben aufgestellt werde. Ich erfuͤlle die Pflicht, Ihnen dies kost⸗ bare Vermaͤchtniß des großen und trefflichen Mannes zu uͤbersen⸗ den, der, waͤhrend eines langen Lebens, unter mannigfachen Wech⸗ seln und in beiden Hemisphaͤren den Grundsaͤtzen der buͤrgerlichen Freiheit, welche in jener merkwuͤrdigen Erklaͤrung aufgestellt wur- den, treu blieb, und der von seiner Jugend an bis zum letzten Au⸗ genblicke seines Lebens die edelmuͤthigste Anhaͤnglichkeit an unser veliebtes Land bewahrte. Washington, den 4. E

Jackson.“

Nachdem das erwaͤhnte Schreiben von George Washington Lafayette verlesen war, trug Herr Ewing auf die Feststellung der noͤrdlichen Graͤnzlinie des Staates Ohio an. Der Antrag erhielt die erste Lesung.

Der Washington Intelligencer bezginnt in seinem Blatt vom 4. Dezember seine Betrachtungen uͤber die Botschaft des Praͤsidenten. Nachdem er den Stil im Allgemeinen gelobt und bemerkt hat, daß sie Vieles enthalte, dem er voͤllig hei⸗ stimme, dagegen auch Manches, was er nicht darin zu finden gewuͤnscht haͤtte, geht er solgendermaßen zu den Verhaͤltnissen mit Frankreich uͤber: „Wir sehen in diesem Theile der Bot⸗ schaft den Geist des alten Soldaten, empfindlich gegen Beleidi⸗ gungen, moͤgen sie wirklich oder nur eingebildet seyn, ungedul⸗ dig uͤber Zoͤgerungen und unbesorgt um die Folgen, welche aus der Maßregel, dieselben zu beseitigen, entstehen koͤnnen. Bis jetzt hat sich in den auswaͤrtigen Verhaͤltnissen der Verei⸗ nigten Staaten nichts ereignet, was diese charakteristischen Zuͤge so oͤffentlich dargelegt haͤtte. Es muß sich nun zeigen, ob unsere Mitbuͤrger Kampf und Blutvergießen so sehr lieben, daß sie ihrem Fuͤhrer blindlings in einen Krieg mit ihrem alter.

Freund und Bundesgenossen folgen; oder, ob sie die Breite und Tiefe des Abgrundes, den sie zu uͤberschreiten aufgefordert wer⸗

den, messen, ehe sie uͤber ihn hinweg (oder in denselben hinein) springen. Als wir sagten, daß diese Botschaft charakteristisch sey foͤr unseren Praͤsidenten, meinten wir keinesweges, daß sie alle seine Gesinnungen uͤber den Gegenstand ausdruͤcke. Wir zwei⸗ feln nicht, daß die Sprache der Botschaft und ihrer Empfehlungen, waͤre er dabei seinen eigenen Eingebun⸗ gen gefolgt, noch feindseliger lauten wuͤrden, als jetzt. Es heißt, und wir koͤnnen in der That nicht daran zweifeln, daß in der Botschaft ein weit milderer Ton gegen Fränkreich herr⸗ schen wuͤrde, wenn den ernstlichen Abrathungen der Rathgeber des Praͤsidenten Gehoͤr geschenkt worden waͤre. Wir zweifein nicht, daß weisere Rathschlaͤge uͤberstimmt wurden, und daß die kriegerische Neigung des Generals weder durch Gegengruͤnde, noch durch Bitten ganz unterdruͤckt werden konnte. Dem moͤge jedoch seyn, wie ihm wolle, genug die in dieser Botschaft gegen Frankreich gefuͤhrte Sprache muß sowohl in Betreff des Zwecks, den man dadurch erreichen, als der Uebel und Gefahren, die man dadurch vermeiden will, als hoͤchst ungluͤcklich betrachtet wer⸗ den. Konnte irgend etwas dazu beitragen, die Befriedigung un⸗ serer Forderungen an jene Regierung auf eine lange Zeit hin⸗ auszuschieben oder fuͤr immer auszusetzen, so ist es der bei die⸗ ser Gelegenheit von unserem Peésidenten gebrauchte herausfor⸗

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des Senats