n seine Waͤhler gehaltene Rede nur in guͤnstigem Licht fuͤr das etzige Ministerium. Aus dem Namen Sir Robert Peel hat ein Reformer das Anagramm terror plebeis (ein Schrecken fuͤr die Plebejer) her⸗ ausgelesen; die Times veraͤndert dies mit Versetzung einiger Buchstaben in terror es plebi (dem Poͤbel bist du ein Schrecken). Die Wesleyschen Methodisten, die an der Opposition der uͤbrigen Dissenters gegen das Ministerium und gegen die herr⸗ chende Kirche nicht Theil nehmen, haben eine Zeitung unter dem Titel „Watchman“ gestiftet, in welcher sie unter Anderem rklaͤren, daß ihnen die Gruͤnde, welche Lord Stanley dafuͤr an⸗ e, daß er den Eintritt in das jetzige Kabinet abgelehnt, icht befriedigend schienen. Der Morning Herald macht seine Bemerkungen daruͤber, aß die Anhaͤnger der liberalen Belgischen Regierung in die Fußtapfen des Whig⸗Ministeriums traͤten, indem sie sich in der Repraͤsentanten⸗Kammer, so wie dieses, zum Nachtheil der Ar⸗ men ausgesprochen, und die Aufhebung der von der Hollaͤndi⸗ schen Regierung eingefuͤhrten Armen⸗Kolonieen beantragt haͤtten. Zeitungen aus Halifax vom 2. Dezember bringen die Rede, welche der Koͤnigliche Statthalter von Neu⸗Schottland, Sir Colin Campbell, bei Eroͤffnung der Session der gesetzgeben⸗ den Versammlung am 27. November gehalten hat. Es wird darin die Angelegenheit der sogenannten Quit⸗Renten, eine Zah⸗ ung, wodurch ein Grund⸗Paͤchter sich von allen sonst auf dem Grundstuͤcke haftenden Diensten frei macht, dem Versammlungs⸗ Hause aufs neue zur ernstlichen Erwaͤgung anempfohlen und dem⸗ selben im Namen Sr. Majestaͤt angeboten, diese Renten gegen einen bestimmten Betrag abloͤsen zu lassen, doch unter der aus⸗ druͤcklichen Bedingung, daß sie, wenn dieses Anerbieten nicht angenommen wuͤrde, augenblicklich eingetrieben werden sollten. Nach den letzten Berichten aus Singaporé war der Reis⸗ S dort sehr lebhaft, und es wurden große Anstalten zur usfuhr von Reis nach China gemacht, weil man erwartete, daß die dortigen Ueberschwemmungen großen Mangel an diesem Nahrungsmittel herbeigefuͤhrt haben duͤrften. Von schwarzem Pfeffer war eine bedeutende Quantitaͤt Kalkutta verschifft worden.
Niederlande.
Aus dem Haag, 19. Jan. Der Prinz von Oranien, welcher zum heutigen Geburtstage seiner Durchl. Gemahlin hier angekommen war, ist schwer erkrankt. Ein am 18ten Abends von den Aerzten Bernard und Everard ausgegebenes Bulletin lautet: „Se. Koͤnigl. Hoheit der Feldmarschall Prinz von Ora⸗ nien ist gestern Abend um 7 ½ Uhr aus dem Hauptquartier hier angekommen. Se. Koͤnigl. Hoheit war seit 14 Tagen von einer schweren Erkaͤltung befallen, die eine sehr ernstliche Wend ung genemmen hat. Er ist die ganze Nacht sehr auf der Brust beengt gewesen, scheint aber heut Morgen etwas erleichtert. Sein Zustand ist Besorgniß erregend.“ Heute Morgen um 8 Uhe solgte ein zweites Bulletin: „Se. Koͤnigl. Hoheit haben einige Augenblicke geruht und die Krankheits⸗Erscheinungen sind weniger heftig.“ Allgemeine Theilnahme aͤußert sich im Publi⸗ tum und man vernahm im Laufe des Tages mit inniger Freude, daß der Zustand etwas beruhigender geworden. — Heute Mor⸗ gen konnte der Koͤnig schon seinen Durchl. Sohn, zu dem bis dahin Niemand zugelassen worden war, besuchen, woraus man ebenfalls den Schluß zog, daß einige Besserung im Zustande des Kranken eingetreten c. Ein neues Bulletin ist seit heute fruͤh nicht ausgegeben worden.
Dem Vernehmen nach, wird der Niederlaͤndische General⸗ Lieutenant Dibbetz, Ober⸗Kommandant der Festung Mastricht, in einigen Wochen eine Reise nach Deutschland machen und dort laͤngere Zeit verweilen. Dieser General ist einer der verdiente⸗ sten Offeziere unserer Armee und hatte besonders in Mastricht eine schwierige Stellung, welche er aber auf das ehrenvollste zu behaupten wußte.
In Batavia ist die fuͤr 1833 und 1834 zugestandene zoll⸗ freie Einfuhr von allen Ackerbau⸗Geraͤthschaften, einerlei von wo und unter welcher Flagge, auf die Jahre 1835 und 1836 verlaͤngert worden.
— Der Korrespondent der Allg. Zeitung im Haag mel⸗ det unterm 13. Januar: „Ich glaube, mit Gewißheit versichern zu koͤnnen, daß die dem Baron van Zuylen nach England er⸗ theilte Mission zwar eine politische, allein keine solche ist, die den Charakter eines offiziellen Bevollmaͤchtigten erheischte; sie be⸗ steht eigentlich darin, das Tory⸗Ministerium zu begruͤßen, und, auf den Grund der von London bereits eingegangenen halb offi⸗ ziellen Mittheilungen, die Aussicht fuͤr die demnaͤchstige politische Lage Hollands zu erforschen. Daß die Wahl des Koͤnigs gerade auf den Baron van Zuylen fiel, giebt ein Zeugniß von seinen unwandelbaren Gesinnungen. Ich habe in meinem letzten Schrei⸗ ben schon bemerkt, daß zur Zeit, als Baron van Zuylen als diesseitiger Bevollmaͤchtigter an den Unterhandlungen der Londo⸗
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ner Konferenz Theil nahm, er sich besonders mit Lord Palmerston nicht im geringsten vertragen konnte; der Baron setzte sich mit der groͤßten Hartnaͤckigkeit den anmaßenden Forderungen des Lords entgegen und erklaͤrte dem Koͤnige, daß seine laͤngere An⸗ wesenheit in London unnuͤtz sey, worauf er dann auch zuruͤckbe⸗ rufen wurde. Um aber zu beweisen, wie wenig die damals vom Baron van Zuylen an den Tag gelegte Festigkeit dem Koͤnige mißfiel, erkor er ihn nun, um lhmn eine Mission, die auch ohne offiziellen Charakter in ihrem Resultate wichtig seyn muß, zu üuͤbertragen. Der Baron van Zuylen wird sich an Ort und Stelle mit den Tories besprechen, und bei der hohen Achtung, welche er bei ihnen genießt, und dem Scharfblicke, der ihm in politischen Unterhandlungen eigen ist, steht zu erwarten, daß Holland bald erfahren wird, was es von dem Tory⸗Ministerium zu erwarten habe. Daß Wellington das von den Whigs in Betreff der aͤußern Politik vertragsmäßig Eingegangene umstoßen sollte, glaubt kein Mensch, aber moderiren wird er es in der An⸗ wendung, und aus Moderationen und Modisicationen ist schon öft eine gaͤnzliche Umgestaltung der Dinge entstanden, die auf andern Grundsätzen basirt waren.“ “ “
Schweden und Norwegen. 8
Stockholm, 16. Jan. Die Schwedische Staats⸗Zei⸗
tung enthaͤlt nunmehr die Koͤnigl. Antwort an die Staͤnde we⸗ gen Schließung des Reichstages. Es heißt darin: „Se. Ma⸗ zestaͤt wuͤrden gern in den von den Stäaͤnden des Reichs geaͤußer⸗ ten und sicher vom ganzen Schwedischen Volke getheilten Wunsch einstunmen, daß der Reichstag sobald als moͤglich moͤchte geschlos⸗ sen werden koͤngen, selbst wenn auch einige minder wichtige Sachen liegen bleiven muͤßten; allein da mehrere der angelegent⸗ lichsten und darunter solche, welche die Garantieen betreffen, die die Bank dem Publikum g Sicherung des Rechtes der Zettel⸗ Inhaber, gemaͤß dem Gesetz uͤber die Muͤnz⸗Bestimmung vom 1. Maͤrz 1830, sammt dem Gesetze fuͤr die Reichsstaͤndische Bank vom selbigen Tage, zu leisten hat, noch abzumachen sind, so fin⸗
8—
zu hoͤherem Preise nach
fentlichen Sitzung unserer Stadtverordneten wurden Lokal⸗Ange⸗
den Se. Majestaͤt sich mit Leidwesen veranlaßt, die Bestimmung eines Tages zur Schließung des Reichstages noch auszusetzen. In Uebereinstimmung mit §. 109 der Regierungsform, welcher dem Koͤnige das Recht uͤberlassen, die Staͤnde des Reiches nach Verlauf von vier Monaten aufzuloͤsen, von dem Tage an ge⸗ rechnet, wo der Koͤnig die Stände von dem Zustande und Be⸗ darf des Staates unterrichten lassen, werden Se. Majestaät den Tag zur Schließung des Reichstages bestimmen, wenn Sie es zum allgemeinen Nutzen erforderlich finden.“ 2
Der zweite Secretair im Koͤnigl. Kabinette, Kammerherr Freiherr Hugo Hamilton, hat auf sein Verlangen seinen Ab⸗ schied erhalten.
Man vernimmt, daß das Reichs⸗Gericht morgen seinen Spruch in Sachen der angeklagten Staats⸗Raths⸗Mitglieder thun werde.
Freiherr K. H. Anckarswaͤrd, welcher bekanntlich dem jetzi⸗ gen Reichstage sich entzieht, hat am 2ten d. an die Koͤnigliche Kammer⸗Expedition 43 Petitionen (4 von Staͤdten und 39 von Land⸗Gemeinden), unterzeichnet von 1500 selbstständigen, alle in der Provinz Nerike angesessenen Buͤrgern, um eine Aenderung der Repraͤsentation eingesandt, fuͤr welche Sache von den jetzt versammelten Staͤnden nichts, wie er sich in dem begleitenden Schreiben ausdruͤckt, zu erwarten zu stehen scheine.
Die Frage uͤber die auslaͤndische Anleihe fuͤr die Hypothe⸗ ken⸗Vereine soll morgen im Plenum des Staats⸗Ausschusses vor⸗ kommen. In der betreffenden Abtheilung dieses Ausschusses hat die Mehrheit ihre fruͤhere Verwerfung der Proposition dahin geaͤndert, daß die Hypotheken⸗Vereine ermaͤchtigt werden sollen, die Anleihe unter Garantie des Staates aufzunehmen.
Die Regierung hat, wie man vernimmt, dem Beschlusse der Staͤnde wegen Oeffentlichkeit in allen Unter⸗Gerichten beigepflich⸗ tet, selbige aber, was die Polizei⸗Kammern betrifft, nicht fuͤr zulaͤssig befunden.
Am 14ten d. wurde die Hauptstadt, und nach dem Berichte der Quarantaine⸗Kommission vom selbigen Tage das ganze Koͤ⸗ nigreich fuͤr cholerafrei erklaͤrt. 8 “
Deutschland. 3 * Leipzig, 22. Jan. (Leipz. Ztg.) In der gestrigen oͤf⸗
legenheiten verhandelt. Durch ein Kommunikat des Stadt⸗ Magistrats wurde der Nothstand der hiesigen Theater⸗Direction, in Betreff der sie druͤckenden Pachtgelder, an den Tag gelegt. Eine ähnliche Klage hatte der Direktor Kuͤstner bereits, jedoch ohne Erfolg, erhoben, wenn er gleich viel mehr, als jetzt ge⸗ schieht, fuͤr die Anstalt that. Die Sache ist an eine vereinigte Theater⸗ und Finanz⸗Deputation uͤberwiesen worden.
Als ein merkwuͤrdiger Fall ist zu erwaͤhnen, daß eine hiesige vermoͤgende Einwohnerin, welche keinen Erben hatte und einen braven Buͤrger zu solchem eingesetzt, wegen einiger Veraͤnderun⸗ gen aber das bereits gerichtlich niedergelegte Testament zuruͤck⸗ genommen hatte, ploͤtzlich verstarb, ehe sie das zweite, denselben Erben nennende Testament den Gerichten uͤbergeben konnte, wor⸗ auf ihr Vermoͤgen der Kommune anheimfiel. Auf das Gesuch des bloß wegen nicht erfuͤllter Form ungluͤcklichen Erben beschloß der Magistrat, ihm die Summe von 1000 Rthlr. zu gewäͤhren. Erfreulich waren die Gesinnungen der wackeren Stadtverordne⸗ ten, welche sich bei dieser Gelegenheit aussprachen, und in deren Folge jener Mann 4000 Rthlr. durch 49 gegen 7 Stimmen un⸗ serer Stadt⸗Repraͤsentanten zugebilligt erhielt. Eine hoͤhere Zu⸗ stimmung duͤrfte aber wohl noch zu erwarten seyn.
Muͤnchen, 19. Jan. In der Muͤnchener politischen Zeitung liest man: „Briefe aus Wien melden, daß Se. Ma⸗ jestaͤt der Kaiser Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Kronprinzen von Bayern das erledigte Chevauxlegers⸗Regiment Vincent verliehen haben, welches kuͤnftig den Namen „Kronprinz von Bayern“ fuͤhren wird. Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz wird noch bis Mitte Februar daselbst verweilen.“
Der Fuͤrst von Oettingen⸗Wallerstein ist nunmehr von sei⸗ nem Unwohlseyn ganz hergestellt und hat wieder sein Minister⸗ Portefeuille uͤbernommen.
Dem Vernehmen nach, gehen die Bayerischen Israeliten damit um, bei der naͤchsten Staͤnde⸗Versammlung abermals ei⸗ nen Versuch zur Erlangung ihrer voͤlligen buͤrgerlichen Gleich⸗ stellung zu machen.
Einer neuern Verfuͤgung zufolge, muͤssen alle diejenigen, die hier mit Aufenthalts⸗Karten verweilen, der hiesigen Behoͤrde ihre Heimath⸗Scheine vorlegen.
Irn einem Artikel der Allgemeinen Zeitung uͤber die jetzige Industrie⸗Ausstellung in Muͤnchen heißt es bei den aus⸗ gelegten Leinenwaaren:
„Unser Flachsbau ist ergiebig und sein Gewaͤchs gut. Kein Land ist durch Boden und Klima besser fuͤr ihn eingerichtet, und unsere Leinwand⸗Ausfuhr, besonders aus dem Ober⸗Donaukreise, hat eine große Fiizchehgitrn. aber noch fehlt es dem Flachsbau an der ihm moͤglichen Ausbrestung, und dem Flachs selbst an der Ver⸗ edlung der Gattungen. Viele Strecken in den beiden Donaukreisen, besonders im oberen, in den schoͤnen Thaͤlern der Donau selbst und der Iller, sind gut. Mranger an Schutz⸗Vorkehrungen gegen das Wasser oder an Betriebsamkeit, der Weide uͤberlassen, weil man nicht genug erwaͤgt, welche groͤßeren Kapitale sie bei anderer Kultur liefern wuͤrden, oder weil es an Haͤnden fehlt, sie anzubauen. Hier ist Aufmun⸗ terung der Regierung und durch sie der Civilbehoͤrde mit unmittelbarer Einwirkung auf die einzelnen Gemeinden wesentlich nothwendig, und wie wir hoͤren, hat die thaͤtige Regierung des untern Kreises hier schon das Beispiel dazu gegeben: zunaͤchst Einfuͤhrung der bessern Leinarten aus Riga, Schlesten, oder, da der Anfang auch hier ge⸗ macht ist, raschere und allgemeinere Verbreitung der bessern Sorten. Unser thaͤtiger und wohlthaͤtiger landwirthschaftlicher Verein, mit der Regierung Hand in Hand gehend, koͤnnte bewirken, daß in wenigen Jahren die edleren Flachs⸗Gattungen wenigstens zu zwei Drittel gebaut wuͤrden. Damit aber sind wir noch nicht am Ende. Denn wer die Art, wie unser Flachs bei der Saat, beim Jaͤten, Raufen, Weichen, Trocknen, Brechen und Saͤubern behandelt wird, mit dem vergleicht, was in diesen Dingen in Schlesien, Hannover und am Niederrhein gewoͤhnlich ist, wird finden, daß wir in diesem wichtigen Zweige der einem acker⸗ bautreibenden Staate vorzuͤglich zusagenden und noͤthigen Indu⸗ strie hinter jenen thaͤtigen und einsichtsvollen Deutschen Stmmen bedeutend zuruͤckstehen. Die Folge davon ist, daß wir auch hier nur die Mittel⸗Gattungen zu Stande und zu Markte bringen. Dann unsere Spinnraͤder und Spinnmaschinen! Wie viele einzelne unter den vielen tausend Raͤdern, mit welchen bei uns gesponnen wird, sind nach einem verbesserten Mechanismus gemacht, und wie kommt es, daß ein Staat, welcher unter seinen Mechanikern einen Ertel besitzt, nicht seinen uͤberlegenen Erfindungsgeist benutzt, um die Spinnmaschine, mit welcher er sich vor einigen Jahren beschaͤf⸗ tigte, rasch zur Vollendung bringen zu lassen und uͤber das Land zu verbreiten? ja, daß wir noch nicht einmal diejenigen, welche an⸗ derwaͤrts in Thaͤtigkeit sind, eingefuhrt haben, z. B. die vortreff⸗ lichen Spinnmuͤhlen fuͤr Baumwo en⸗Spinnerei, mit welchen in England und bis vor die Thore von Bayern in Wuͤrttemberg gearbeitet wird? Umsonst wird sich unsere Gleichguͤltigkeit da⸗ mit tröͤsten, daß auf unsere Wesse mehr Haͤnde beschaͤftigt
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werden und eine groͤßere Menge Menschen gewinnt. Traurige be ehrhe9, von der Sorglosigkeit erzeugt, y der Unkunde unterhalten! Nicht weniger, sondern mehr Mensche naͤhrt der Betrieb mit Maschinen, weil er groͤßere Kapitalien Umschwung bringt und durch sie und den verhundertfaltigten darf der Production mehr Familien mit Arbeit und Nahrun sieht. Dann sehe man auf die Folgen der Konkurrenz,
kein Volk, kein Individuum dadurch entziehen kann, daß man si
Mantel einhuͤllt. Es gilt, mit Andern gleichen Schritt zu oder zuruͤckzubleiben, und wie kann man nicht zuruͤckbleiben,
eben so schlimm ist, fremdes Mitleiden! ein Privilegium gegeben worden ist, unter der Bedingnug, daß der Empfaͤnger sich keiner Maschine bedienen solle? Ich hoͤrte das n Sachsen, in dem produktenarmen, aber industriereichen Erzgebirge mitten unter den meisten und besten Maschinen, mit welchen den die saͤmmtlichen Zweige der Industrie stets schwunghafter und ge⸗ winnreicher fuͤr Land und Leute getrieben werden. Ich hoͤrte n und kann es kaum glauben. Man zog die Achseln und bedauen mich! Die Folgen liegen auch hier am Tage. Wie unser Flacht, sind auch unsere Garne aus Flachs und Baumwolle nur zu den Mittelsorten gehoͤrig. Den Bedarf an feinen beziehen wir fast ohn Ausnahme von dem Auslande. Es wuͤrde nicht besser werden, wem wir uns in den alten Zoll wieder einschloͤssen. Nur der Schleich haͤndler wuͤrde her en Die Mittel des Besserwerdens liegen uns selbst, und in Benutzung der Vortheile, die uns Klima, Bagg und die Betriebsamkeit unserer Bevoͤlkerung darbieten. Was leisten koͤnnen, wenn wir wollen, zeigt auch in diesem Fache Ausstellung.“
Augsburg, 20. Jan. Die Allgemeine Zeitung en haͤlt nachstehende aus St. Gallen, 15. Januar datirte Erklärug des Obersten Gustafsson: „Im Laufe des abgeflossenen Jahra ist ein von mir verfaßtes Schreiben unterzeichnet und vom Mai datirt an die edlen und hochmoͤgenden Generalstaaten de Koͤnigreichs der Niederlande abgegangen. Dieses Schreihe konnte damals wegen der Aufloͤsung der Generalstaaten nicht n seiner Bestimmung gelangen; dagegen ist es Ende vorigen M vembers an seinen Bestimmungsort abgesandt worden. Es s also kein Zweifel, daß die Generalstaaten gegenwaͤrtig in vil kommener Kenntniß von diesem Schreiben sich befinden. Dah Willens, nichts von dem zu verabsaͤumen, was zu meinem Recht beitragen kann, und um eine vollkommene Genugthuung, gegrin det auf meine mehrmals in gesetzlicher Ordnung angebrachtn Beschwerden, zu erhalten, mache ich dieses durch die Allgemel Zeitung bekannt. Sollte gegen meine Erwartung und zu meh nem Erstaunen keine Antwort in Betreff meiner Angelegenhet von den Generalstaaten Eh g Theil werden, so wuͤrde es mih zwingen, oben bemeldetes Schreiben oͤffentlich bekannt zu me chen. Es waͤre mir schmerzlich, zu einem solchen Schritte g zwungen zu werden, besonders da meine aufrichtige Achtung sit die Repraͤsentanten des alt⸗Niederlaͤndischen Volkes mir die sie Hoffnung giebt, daß Gerechtigkeit und Biederkeit nie aus die sem Lande ganz verbannt werden koͤnnen.
Oberst G. A. Gustafsson.“
Frankfurt a. M., 21. Jan. In der am 17ten d. statt gehabten dritten außerordentlichen Sitzung unserer gesetzzeben⸗ den Versammlung war dieselbe unter Anderem auch zur Erledi⸗ gung des Senats⸗Vortrages vom 2. Januar, die Einfuͤhrung neuer Militair⸗Gesetze betreffend, zusammenberufen wor⸗ den. Ein Mitglied dar gesetzgebenden Versammlung des Joh⸗ res 1833 hatte nämlich die Vorlage neuer Kriegs⸗Artikel und DienstReglements fuͤr das hiesige Linien⸗Militair beantragt, de damalige Versammlung auch diesen Antrag fuͤr zulaͤssig erklaͤn und dem Senate zur Ruͤckaͤußerung zugehen lassen. In diese Ruͤckaͤußerung nun wird unter Anderem bemerkt, „daß das Bo duͤrfniß neuer Kriegs⸗Artikel und Dienst⸗Reglements nicht dringend sey, als es hier und da wohl dargestellt werde. Em allgemeinez, alle Faͤlle umfassendes, auf lange Zeit anwendbartt Dienst⸗Reglement lasse sich im Wege der Gesetzgebung nicht em werfen, einzelne Verhaltungs⸗Vorschriften muͤßten vielmist immer, nach Erforderniß der Umstaͤnde, von den Regierungm, den Militair⸗Behoͤrden und selbst vom Kommandanten der Truppm erlassen, und nach Umstaͤnden zuruͤckgenommen werden koͤnnen Der Senat traͤgt demnach darauf an, daß die Großherzoglih Hessischen Kriegs⸗Artikel unter folgenden Modificationen: daß “ an die Stelle der Festungsstrafen bei geringen Vergehen 9f schaͤrfter Stockhaus⸗Arrest, bei groͤßeren aber Arbeitshaus⸗Strm in einem abgesonderten Lokal zu substituiren sey, b) daß in de Fäͤllen, wo Appellation stattfindet, solche an das Revisions⸗C. richt gehe, eingefuͤhrt werden — das Dienst⸗Reglement aber, we ches sich (wie aus dem Großherzoglich Hessischen Reglement! sehen werden kann) nicht gesetzlich bestimmen laͤßt, sondern nig Verschiedenheit der Umstaͤnde von Zeit zu Zeit Abaͤnderunga erleiden muß, dem Senat uͤberlassen bleibe.“ Zur Begutachtun des Senats⸗Vortrags wurden vom Praͤsidium in doppelter 30 Mitglieder zur Bildung einer Kommission vorgeschlagen, unl die Wahl fiel per Scrnsinium auf die Herren Oberst v. Ellrod Senator v. Heiden, Hauptmann Hoffmann, Senator v. Guͤnde rode, Major v. Lukaesich, F. A. Jay und Beil.
Sicherm Vernehmen nach ist es der Wachsamkeit der Ha zogl. Nassauischen Polizei⸗Behoͤrden gelungen, die Thaͤter da kuͤrzlich stattgefundenen Entwendung von Passagier⸗Gut aut dem uͤber Ems und Wiesbaden fahrenden Eilwagen zu entdecka und zur gefaͤnglichen Haft zu bringen. Wenige Tage nach de ser Entwendung hatten die naͤmlichen Individuen eine aberma lige Beraubung des gedachten Eilwagens versucht; indessen miß lang nicht nur dieser Versuch durch die Aufmerksamkeit des Cong ducteurs, sondern er fuͤhrte auch die bald darauf erfolgte Eme deckung der Verbrecher herbei. 8 . 8
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Turin, 10. Januar. Herr Romani, bekannt als talen, voller Dichter und Verfasser vieler Operntexte, wie „Norma'⸗ „Anna Bolena“", „Stranièra“ u. s. w., ist hierher berufen wod den, um die Redaction der hiesigen politischen Zeitung zu uͤben becexer. Er wird dafuͤr ein jaͤhrliches Honorar von 10,000 F.
eziehen.
Das auf dem Comersee bisher beschaͤftigte große Dampfbovh ¶Lario⸗ ist unbrauchbar geworden, und man hat Arbeiter aus Venedig kommen lassen, um es wieder fahrbar zu machen. Ell kleineres, urspruͤnglich fuͤr den Po bestimmtes Dampfboot vet sieht einstweilen den Dienst desselben.
Rom, 10. Jan. Der apostolische Nuntius zu Neapeh Monsignore Ferretti, welcher hergekommen ist, um Rechensche von seinem Verfahren bei Unterhandlung des vor kurzem waͤhnten Konkordats abzulegen, wird, dem Vernehmen nach, wie der auf seinen Posten zuruͤckkehren. Andere behaupten freilich
das Gegentheil und glauben, wenn unsere Regierung auch 8 nem Benehmen voͤllige Gerechtigkeit widerfahren lasse, so wuͤn
8 G1“ v 1“
ibren Unterhalt
on pn sich n n Be⸗ g ver⸗ denen s
in sein gutmeinendes Vorurtheil wie in einen vezafchͤeinüga
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man behaglich zu Fuße geht und die Andern auf Dampfwagen; un
die Folge davon? Eine immer wachsende Verlegenheit, aus wachsende Armuth entspringend, und Abhaͤngigkeit vom Auslande, von seinem Fli⸗ ße, seiner Geschicklichkeit, damit aber Dienstbarkeit fuͤr fremden Wohl⸗ stand, fremde Ueberlegenheit und am Ende fremden Uebermuth, und wa Ist es wahr, daß bei uns
und der Armee erworben.
in Neapel seine Gegenwart nicht. Es scheine, daß dort durch Uebereilung Fehler habe zu Schulden kom⸗ lassen, welche man nun dem Nuntius aufbuͤrden moͤchte. Der Koͤnig von Sardinien soll den Papst ersucht haben, von ihm vorgeschlagenen Bischof unter die Zahl der Kar⸗ 1 aufzunehmen. Sollte dieser Wunsch erfuͤllt werden, so m wir mit Einschluß des Monsignore Fieschi aus Genua, auch mit dieser Wuͤrde bekleidet werden soll, bloß aus den rdinischen Staaten 11 Kardinaͤle. dn Die Regierung von Columbien hat hierher, zugleich mit ei⸗ Dankschreiben, ein Geschenk von 75,000 Scudi fuͤr die im iigen Jahre erfolgte Ernennung von Bischoͤfen gemacht. Auch n dortige Dame durch Testaments⸗Bestimmung eine au⸗ bordentlich hohe Summe ausgesetzt haben, um hier feierliche issen fuͤr ihr Seelenheil halten zu lassen. Bis heute ist noch keine Bekanntmachung erschienen, daß aus Franzoͤsischen Haͤfen kommenden Schiffe in den unsrigen üt mehr zugelassen werden sollen; allein schon seit einer Woche eht diese Anordnung, und ist bereits unsern Konsuln im tlande bekannt gemacht. Auch sollen Paͤpstliche Truppen z dem Meere aufgestellt werden, um heimliche Landungen verhindern; von unserer Besatzung wird ein Theil zu diesem hecke verwendet werden. Ferner sieht man einer andern Ver⸗ znung entgegen, welche es jedem Orte zur Pflicht macht, Lo⸗ e einzurichten, in welchen bei etwanigem Ausbruche der Cho⸗ a Erkrankte augenblickliche Huͤlfe erhalten koͤnnen. Zugleich 1 die Reinigung der Haͤuser, Hoͤfe und Straßen empfohlen Soponien. 8 Madrid, 3. Jan. (Allg. Ztg.) Wir haben hier acht e lang einer ministeriellen Krisis entgegen, oder eigentlich jesehen, deren Herannahen ich Ihnen in meinem Schreiben 23. Dez. andeutete, die den naͤher Eingeweihten mannig⸗ gige Aufschluͤsse uͤber kleinliche Intriguen, schlecht verhehlten rgeiz und despotische Gesinnungen gewaͤhrte, vor der Hand r nur das Vorspiel zu einer wirklich eintretenden Modisica⸗ des Kabinettes war. Ganz Madrid trug sich noch vor Ab⸗ fdes Jahrs mit dem Geruͤchte, Llauder werde das Ministe⸗ m stuͤrzen, die Kammern aufloͤsen, sich zum Diktator ernen⸗ und das fruͤhere Zea'sche System des aufgeklaͤrten Absolu⸗ us wieder herstellen. Die Zeitungen erhoben alsbald einen valtigen Federkampf fuͤr oder wider ihre resp. Lieblinge. Die hende Biene stellte den Minister⸗Praͤsidenten als unentbehr⸗ dar; der (unter Toreno's Einfluß redigirte) Compilador theidigte den Finanz⸗Minister; die Revista allein (welche [Tage lang wegen nicht gestellter Caution ihr Ersch einen geblich erwarten ließ) wagte es, das Benehmen des neuen segs⸗Ministers in guͤnstigerem Lichte darzustellen, und gerieth üͤber in einen heftigen Kampf mit den uͤbrigen Bläͤttern. je waren indessen daruͤber einig, daß ein Zuruͤcktreten von nun einmal betretenen Bahn der Reformen unmoͤglich und ht zu gestatten sey. Die eigentlichen Gruͤnde des in dem inisterium eingetretenen Zwiespaltes blieben dem Publikum borgen; ich habe sie Ihnen in meinem letzten Schreiben der ahrheit gemaͤß angegeben, und fuͤge nur hinzu, daß Llauder erdings einen entschiedenen Versuch gemacht hat, die Koͤni⸗ n gegen seine Minister⸗Kollegen, einzunehmen. Die Gelegen⸗ it dazu gab ein von der Königin⸗Regentin ganz im Stillen Lösen in der Casa del Campo veranstaltetes Diner, welchem ßer Ihrer Majestaͤt nur Liauder, der Herzog von Alagon und unoz beiwohnten. Indessen ist, wie es scheint, die Regentin esen Antraͤgen unzugaͤnglich geblieben, und die politischen Fra⸗ in, uͤber welche sich die Mitglieder des Ministeriums nicht ver⸗ nigen konnten, scheinen nun einer ruhigern Discussion unter⸗ orfen zu werden. Unter ihnen nimmt die Frage, ob eine Fran⸗ sische Intervention zur Beendigung des Krieges in Navarra forderlich sey, den ersten Rang ein. Das gaͤnzliche Ausbleiben der Bestaͤtigung der letzten so pomphaft verkuͤndigten Siege ordova's und der gehofften Folgen derselben hat, wie ich Grund vermuthen habe, den Franzoͤsischen Botschafter veranlaßt, den esseitigen Ministern persoͤnlich den Wunsch des Franzoͤsischen abinettes auszudruͤcken, den Buͤrgerkrieg, welcher durch den in ngland eingetretenen Minister⸗Wechsel einen neuen Aufschwung hmen duͤrfte, und die Interessen Frankreichs so außerordent⸗ hh beeintraͤchtige, auf das baldigste beendigt zu sehen. Das ppanische Ministerium faͤngt nun an, wiewohl etwas schuͤchtern, d dem Nicht⸗Eingeweihten unverstäͤndlich, mit der Sprache rvorzutreten, und anzudeuten, daß die Spanischen Waffen al⸗ n nicht hinreichen, jenem Kampfe ein Ziel zu setzen. Der Com⸗ ilador (Organ des Ministeriums) von gestern Abend ent⸗ lt einige Nachrichten aus den noͤrdlichen Provinzen, und ließt dann mit folgenden Bemerkungen, welche aus der Feder oreno's herruͤhren sollen: „Wir hoffen zwar viel von den enntnissen und der Thaͤtigkeit unsers tapfern Landsmannes Nina, allein es moͤge die Regierung sich nicht taͤuschen, und die ortes sich nichts verhehlen: die Waffen muͤssen in dieser Art on Krieg, wenn er je ein Ende nehmen soll, vor allen Dingen azu dienen, die Maßregeln der Politik zu unterstuͤtzen. Moͤgen Hartei⸗-Menschen, welche unser Land (es ist von den insurgirten Drovinzen die Rede) nicht kennen, sagen, was sie wollen; sie Ferden mit ihren Charlatanerieen nichts erreichen, als eine Ver⸗ ngerung der Krisis, deren ganze Last wir, die wir hier wohnen, dtaͤglich den Anomalien und Inconsequenzen zusehen, welche n Verfahren herbeifuͤhrt, das aus einem den besondern Ver⸗ ältnissen dieser Provinzen und dem eben so hesondern Charakter hrer Bewohner ganz entgegengesetzten Gesichtspunkte entspringt, tragen haben.“ Ohne den Ihnen gegebenen Schluͤssel ist jeser Artikel schwerlich zu verstehen. ebrigens hat sich der eue Kriegs⸗Minister durch sein Benehmen bei den Diskussionen es Kriegs⸗Budgets den Beifall der Kammern, des Publikums Er deckte ohne Schonung die Maͤn,⸗ el der bisherigen Administration dieses Zweiges auf, verlangte, aß die Koͤnigi. Garde ihre Befehle von ihm und nicht, wie nter Ferdinand VII., direkt vom Koͤnige erhalte, und erklaͤrte ine Zustimmung zu allen von der Kammer verlangten, mehr die dministration als den Etat des Heeres betreffenden Ersparnis⸗ n. — Unterdessen ist am 30. Dez. das Koͤnigl. Dekret wegen Liedereinsetzung aller vom 7. Maͤrz 1820 bis 30. Sept. 1823 knannten Beamten in ihre Wuͤrden und Gehalte erschienen. Der Ftaat wird dadurch nicht außerordentlich belastet, da die meisten ieser Beamten mittlerweile bereits wieder angestellt worden sind, der sich im Besitze von Pfruͤnden besinden. Bei weitem wich⸗ ger als dieses Dekret ist der von dem Finanz⸗Minister der Prokuradoren⸗Kammer vorgelegte Gesetz⸗Entwurf wegen Regu⸗ rung der inneren Staats⸗Schud. Gelingt es dem Grafen oreno, die darin vorgeschlagenen Maßregeln in Ausfuͤhrung zu ringen, so erwirbt er sich einen der ersten Plaͤtze unter den Fohlthaäͤtern seines Vaterlandes. Zwei Drittel der nicht kon⸗ Uidirten Vales sollen konsolidirt, und die keine Zinsen tragende
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1 Schuld beim Kauf von Staats⸗Guͤtern angenommen werden, zu denen man die herrenlosen Guͤter (mostrencos), die Haͤlfte der Brachlaͤnder (baldios) und ein Siebentel der Kirchen⸗Guͤ⸗ ter rechnet. Man schlaͤgt den Werth dieser Landereien auf 2000 Millionen Realen an. Derselbe Gesetz⸗Entwurf annullirt die in der constitutionnellen Epoche stattgefundenen Verkaͤufe von National⸗Guͤtern, und bietet den Kaͤufern nur die Erstattung des bezahlten Kaufpreises. Durch andere Maßregeln verfuͤgt er, daß eine große Menge oͤde liegender Guͤter aus muͤßigen Haͤnden in thaͤtige uͤbergehen, und dadurch die neuen Erwerber an das herrschende System der Fortschritte gefesselt werden. Schon vor dem Erscheinen dieses Gesetz⸗Entwurfes stiegen an der hiesigen Boͤrse die Staats⸗Papiere ungewoͤhnlich; am 30. Dezember wurden allein von der keine Zinsen tragenden Schuld fuͤr 68,140,200 Realen umgesetzt; die meisten Geschaͤfte wurden auf Lieferung abgeschlossen. Die nicht konsolidirten Vales hoben sich gestern auf 35, die unverzinsbare Schuld von 15 ¾ bis auf 18. Indessen erwartet man, daß der Plan des Finanz⸗Ministers bei den Prokuradoren mannigfa⸗ chen Widerspruch erfahren wird. — Nachdem das Budget des Staats⸗Ministeriums und das des Krieges erledigt worden ist, begann gestern bei den Prokuradoren die Diskussion des Budgets des Justiz⸗Ministeriums. Herr Garely, welcher kuͤrz⸗ lich zum Procer ernannt worden ist, kuͤndigte dabei an, daß er naͤchstens die Reformen, welche er mit den Welt, und Kloster⸗ Geistlichen vorzunehmen gedenke, und welche trotz der mit dem Paͤpstlichen Stuhle stattfindenden Spannung keine Schwierig⸗ keiten faͤnden, vorlegen werde. Der Graf de las Navas hielt darauf einen beredten Vortrag, worin er die außerordentlichen Maͤngel der Spanischen Rechts⸗Verfassung hervorhob und namentlich seine Verwunderung daruͤber ausdruͤckte, daß noch jetzt Maͤnner, welche ganz Europa verehre (Palafox), wegen angeblicher politischer Verbrechen seit acht Monaten ohne Ver⸗ hoͤr in Gefaͤngnissen schmachteten. Der Justiz⸗Minister erwie⸗ derte, er halte sich von Ihrer Majestaͤt nur dazu berufen, die alten Grundgesetze der Monarchie wiederherzustellen und be⸗ trachte jede sentimentale Aeußerung, wenn sie gleich durch noch so heroischen Patriotismus erzeugt sey, fuͤr ganz unzeitig. — Der bisherige Portugiesische Gesandte, Herr Moraes Sarmento, ist von hier abberufen, und es fungirt seit dem 20sten der Com⸗ mandeur de Lima als Geschaͤftstraͤger. Andere Aenderungen in dem hiesigen diplomatischen Corps scheinen bevorzustehen. Ver⸗ schiedene Umstaͤnde lassen auf eine demnaͤchstige Abberufung des Herrn Villiers, welcher sich mit dem neuen Britischen Ministe⸗
dann vermuthlich als Geschäͤftstraͤger zuruͤckbleiben. Auch scheint die Moͤglichkeit vorhanden zu seyn, daß dem Grafen Rayneval der Botschafter⸗-Posten in London bestimmt wuͤrde. Dadurch wuͤrde Madrid einen Staatsmann verlieren, welcher um die Schlichtung der Spanischen Wirren die groͤßten Verdienste hat, dessen politischem und moralischem Rufe auch der Neid nichts anhaben kann, und dessen Haus in Madrid jetzt das einzige ist, in welchem die feinste Geselligkeit, literarische Bildung und der edelste Kunst⸗Geschmack zugleich herrschen.
Portugal.
Porto, 3. Jan. Am 30sten v. M. wurden der Desembar⸗ gador Torres und Antonio Manoel de Silveira, der unter Dom h Kommandant von Almeida war, hier gefaͤnglich ein⸗ gebracht.
Die Opposition hat in der hiesigen Provinz so großen Ein⸗ fluß, daß saͤmmtliche neue Municipalitaͤts⸗Mitglieder in Porto aus dieser Partei gewaͤhlt worden sind, wobei man einer zu die⸗ sem Zweck von Lissabon hierher gesandten Liste folgte. Es sind also nun die staͤdtischen Behoͤrden von Porto und von Lissabon ganz antiministeriell.
Das Haus des Britischen Kaufmanns Dunlop an der Praça Batalha ist am 30. Dezember ein Raub der Flammen geworden; es wurde jedoch kein Mensch bei diesem Brande beschaͤdigt.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
Washington, 25. Dez. Der Tourrier des Etats⸗unis sagt in seinem neuesten Blatte: „Unsere Schuldforderung an Frankreich beschaͤftigt seit dem Augenblick, wo die ungluͤck⸗ lichen Worte der Botschaft dem ganzen Handelsstande Be⸗ sorgniß einfloͤßten, fast ausschließlich die Aufmerksamkeit des Publikums. Alle Blaͤtter enthalten lange Kommentare und Bemerkungen, die, wie wir mit Vergnuͤgen sehen, keines⸗ weges so billigend lauten, wie am ersten Tage. Nachdem die erste ritterliche Aufwallung voruͤber war, kam die Ueberle⸗ gung, die Meinung der Vernuͤnftigen wurde noch mehr zu Rathe gezogen, und da diese anfaͤngt, ohne Umschweif sich gegen die unklugen, und wie wir glauben, ungerechten Heraus⸗ forderungen auszusprechen, so soll es uns nicht wun⸗ dern, wenn man in vierzehn Tagen, mit Ausnahme der⸗ jenigen Blaͤtter, welche ex ofsicio die Vertheidiger aller Handlungen der Regierung sind, nur die Mißbilligung ausge⸗ druͤckt sehen wird. Dies wird uns ein um so groͤßeres Vergnuͤ⸗ gen verursachen, als es noch Zeit ist, die Worte der Botschaft als die Worte eines einzelnen Mannes darzustellen; und wenn der Senat der Vereinigten Staaten, durch die oͤffentliche Mei⸗ nung gezwungen, dem Oberhaupt der Verwaltung die gefaͤhrli⸗ che Macht, welche er verlangt, verweigert, so wuͤrde Frankreich, obwohl im ersten Augenblick beleidigt, diese wohlwollenden und nationalen Aeußerungen des ersten Staatskoͤrpers gewiß anerken⸗ nen. Wir wollen ganz offen sprechen. Wir haben in den Wor⸗ ten der Botschaft den Verlust der Entschaͤdigung und die Ver⸗ anlassung zu großem Ungluͤck erblickt; wir werden in der Wei⸗
erung des Senats den sichern Erfolg der Unterhandlungen se⸗ 58 Es ist nicht anzunehmen, daß die Deputirten⸗Kammer, selbst wenn sie in diesem Augenblick versammelt ist, sich vor dem Eintreffen der Botschaft des Praͤsidenten in Paris mit dieser Angelegenheit beschaͤftigen werde, und man darf sich nicht ver⸗ hehlen, daß aller Wahrscheinlichkeit nach dies Dokument die An⸗ zahl der Opponenten, deren jetzt nur 8 *) sind, vermehren wird, wenn die Regierung sich dadurch nicht zu kom⸗ promittiren glaubt, daß sie, nach der an sie ergange⸗ nen drohenden Mahnung, den Vertrag noch in die⸗ ser Session vorlegt. Dies ist die Meinung der hiesigen Fran⸗ zosen, die unserer Ansicht uͤber diesen Gegenstand beipflichten. Die meisten dieser Franzosen sind in Frankreich geboren und sie sind durch Naturalisirung, Neigung und Interesse Amerikaner geworden. Ihre Gesinnungen sind nicht zweifelhaft und unter solchen Umstaͤnden kann ihre Meinung nicht gleichguͤltig seyn.
—*) Nicht die Gesammtzahl, sondern die Majoritäaͤt der Oppo⸗ nenten belief sich T. 8. Es stimmten naͤmlich, in der Sitzung der ranzoͤsischen Deputirten Kammer vom 1. April 1834, fuͤr das Ge⸗
men verworfen wurde.
rium nicht vereinigen kann, schließen; Lord Hervey wuͤrde als⸗
Der große Irrthum unserer exekutiven Gewalt und fast aller Amerikanischen Blaͤtter besteht darin, daß sie in dem von der Kammer verworfenen Dokument einen geschlossenen Ver⸗ trag erblicken. Der American, dessen Meinung von Gewicht ist, beschuldigt uns desselben Irrthums, da wir doch die entgegengesetzte Ansicht aufgestellt haben. Andere Blaͤtter berufen sich auf Gro⸗ tius, Wolf, Puffendorf und Vattel, ohne sich zu erinnern, daß das fameuse Buch uͤber das Voͤlkerrecht im Jahre 1758 erschie⸗ nen ist, und daß viele Revolutionen seitdem die Regierungs⸗ Formen und die Macht derjenigen, welche an der Spitze stehen, veraͤndert haben. Eben so gut koͤnnte man, bei einer Discussion uͤber die Reinheit der Franzoͤsischen Sprache, Momntaigne citiren. — Wir haben gesagt, daß ein Entschaͤdigungs⸗Vertrag nur guͤl⸗ tig sey, nachdem er die Bestaͤtigung durch die gesetzgebende Ver⸗ sammlung erhalten habe, und wir glauben, es giebt wohl nur wenige zennzosen, die auf dieses Prinzip verzichten moͤch⸗ ten. Der Artikel 13 der Charte sagt, daß der Koͤnig das Recht hat, Friedens, Freundschafts⸗ und Handels⸗Vertraͤge zu schließen, aber der 40. Art., welcher ihn der Verfuͤgung uͤber die oͤffentlichen Gelder beraubt, zeigt deutlich, daß ein Entschaͤdigungs⸗ Vertrag nicht von seinem Willen allein abhaͤngt. Es waͤre eine Absurditäaͤt, wollte man die Charte anders verstehen, und es ist klar, daß die Gesetzgeber nur gemeint haben, daß das Vorschla⸗ gen eines Entschaͤdigungs⸗Vertrages der Kammer nicht zusteht, wie sie, wenn sie die Initiative ergreifen will, das Recht hat, ein Gesetz vorzuschlagen. Hierzu kommt noch, daß von jener Verwerfung, welche alle diese ungluͤckseligen Schwierigkeiten ver⸗ ursachte, hier keine Beschwerden uͤber den vor der Franzoͤsischen Regierung befolgten constitutionnellen Gang und uͤber die von der Kammer verlangte Bestaͤtigung erhoben wurden. Erst jetzt findet man da Ungerechtigkeit, wo man anfangs nur vernuͤnfti⸗ ges und verfassungsmaͤßiges Verfahren sah.“
In Alabama ist William R. King zum Mitglied des Se⸗ nats der Vereinigten Staaten auf 6 Jahre gewaͤhlt worden. Obgleich noch im mittleren Alter, ist er doch (mit einer kurzen Unterbrechung, als er Geschaͤftstraͤger in Rußland war) laͤngere Zeit im Kongresse, als irgend ein anderes Mitglied. James Buchanan, fruͤher Mitglied des Repraͤsentanten⸗Hauses und zu⸗ letzt Gesandter in Rußland, ist in Pennsylvanien an der Stelle des Hrn. Wilkins, des jetzigen Gesandten am Russischen Hofe, zum Senator erwaͤhlt worden.
Am 8. Dez. uͤberreichte Herr White (der vor kurzem aus Europa zuruͤckgekehrt ist) im Namen des Verfassers dem Kon⸗ greß ein Exemplar von Barbé Marbojs Geschichte der Abtre⸗ tung von Louisiana. Herr White uͤbergab auch noch ein Me⸗ morial der Erben des Marschalls Rochambeau, welche fuͤr die Dienste und Aufopferungen ihres großen Vorfahren waͤhrend des Revolutions⸗Krieges Entschäͤdigungen verlangen. Das Memo⸗ rial wurde der betreffenden Kommission uͤbergeben.
Der New⸗Yorker Daily Advertiser beschreibt in einem langen Aufsatze die von der Neu⸗Englaͤndischen Gesellschaft an⸗ geordnete Jahres Feier der Landung der „Pilger“, die im An⸗ fange des 17ten Jahrhunderts die ersten Niederlassungen in je⸗ nem Theil der Vereinigten Staaten gruͤndeten. Diese Pilger waren Puritaner und hatten sich durch ihre Auswanderung den Verfolgungen entzogen, denen sie um ihres Glaubens willen in England ausgesetzt waren. Ihr Motto war: „Lieber Freiheit ohne ein Vaterland, als ein Vaterland ohne Freiheit.“ Von diesen ersten Puritanischen Ansiedlern stammen die Bewohner von Neu⸗England ab.
Der Geolog Hr. Featherstonaugh ist, nach der Untersuchung der Laͤnder zwischen dem Missouri und Arkansas, gluͤcklich in Little Rock, im Staate Arkansas, angekommen. Er beabsichtigt von hier nach den heißen Quellen zu gehen und seine Unter⸗ suchungen suͤdlich bis an die Graͤnze von Mexiko auszudehnen.
In der Stadt Marshall im Gebiet Michigan, wenn ein Ort, der erst ein Paar Monate besteht, schon eine Stadt zu nennen ist, wurde vor kurzem eine Versammlung gehalten, in welcher man auf Errichtung einer Eisenbahn antrug. Der Red⸗ ner, welcher dieses Projekt in Vorschlag brachte, behauptete, man muͤsse damit um so mehr eilen, als es bereits 18 Monate her sey, seit die Weißen von diesem Theile der Grafschaft Be⸗ sitz genommen haͤtten, und wenigstens schon 6 Monate, seit die Gemeinde der Stadt Marshall konstituirt worden.
Meyxiko.
Einem von Nord⸗Amerikanischen Blaͤttern mitge⸗ theilten Schreiben aus Mexiko vom 28. Oktober zufolge, schil⸗ dern die Berichte aus dem Innern die Invasion der Indianer als sehr verderblich. Eine Anzahl Mexikanischer Familien ist von diesen Barbaren ermordet worden. — Die Stadt Nombre de Dios in der Provinz Durango war der Schauplatz eines Kampfes zwischen der Regierungs⸗Partei und einer Anzahl Mi⸗ liz⸗Offiziere, die sich gegen Santana auflehnten. Das Volk trat auf die Seite der Ersteren, und die Offiziere mußten die Flucht ergreifen, nachdem auf beiden Seiten mehrere Menschen getoͤdtet
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ord⸗Amerikanische Blaͤtter melden Nachstehendes aus Bogota vom 23. Oktober: „Der Spanische General Jose Sarda, welcher vor einem Jahre zum Tode verurtheilt wurde, am Abend vor seiner Hinrichtung auf eine wunderbare Weise aus seinem Gefängnisse entkam, und seitdem in dieser Stadt verborgen lebte, ist wieder erschienen, aber er figurirte
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nur einen Augenblick, und dieser Augenblick war der seines
Es scheint, daß der morgende Tag fuͤr den Ausbruch Sarda wurde von einem in seine Plaäͤne
Todes. der neuen Revolution bestimmt war. Manne, der seit einiger Zeit scheinbar einging, und Alles der Regierung entdeckte, verraͤtheri⸗ scherweise durch einen Pistolenschuß getoͤdtet. Der Leich⸗ nam war heute Morgen in Franziskaner⸗Kleidung, die mit seiner wahrhaft kriegerischen Figur und seinem starken schwar⸗ zen Bart sonderbar kontrastirte, vor dem oͤffentlichen Gefaͤngnisse ausgestellt. Dieser General war nicht ohne Ruf. Er diente mit Auszeichnung unter Napoleon, ist in Mexiko durch mehrere glorreiche Waffenthaten bekannt und die Provinz Rio Hacha, deren Gouverneur er war, verehrt seinen Namen. Es ist zu beklagen, daß er sich einer schlechten Sache ergab; er verdiente nicht, ermordet zu werden, sein Platz war das Schlachtfeld. Cin Arzt, Morgallo, Neffe des beruͤhmten Priesters dieses Namens und vertrauter Freund des Generals Sarda, wollte den Solda⸗ ten entfliehen und wurde von einer Kugel getroffen, die ihm das Schulterblatt zerschmetterte. Man glaubt, er wird an dieser Verwundung sterben. Es sind zwar viele Personen verhaftet, allein die Regierung, welche alle Details der Verschwoörung in Haͤnden hat, erklaͤrte heute Morgen in einer Proclamation, daß sie großmuͤthig verfahren und nur die Soldaten, welche ihren Eid verletzten, bestrafen wolle.“
etz: 168, gegen: 176, so daß es mit einer Majoritaͤt von 8 Stim⸗
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