bden war, wurde das
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Ostindien im Ausschusse des Unterhauses in der vorigen Session ur Sprache kam, wurde auch der bekannte Lord Cochrane, jetzt Momiral Graf von Dundonald, vernommen und empfahl an die Stelle des Dampfes die Anwendung des Quecksilbers, indem er meinte, es koͤnne dadurch, daß der eine Behaͤster luftleer gemacht und in dem anderen die Luft zusammengepreßt wuͤrde, dieselbe Kraft zur Fortbewegung der Fahrzeuge hervorgebracht werden, wie durch den Dampf, wobei man dann den großen Vortheil haͤtte, keines Feuerungs⸗Materials zu beduͤrfen. Er behauptete zugleich, daß man der Raͤder dabei wuͤrde entbehren und eben so viel Segel wie auf gewoͤhnlichen Schiffen beisetzen koͤnnen.
Im heutigen Boͤrsen⸗Bericht der Times heißt es: „Nach mehrtaͤgiger Taͤuschung und Ableugnung erweist es sich nun doch, daß die Bank große Partieen von Schatzkammer⸗Schei⸗ nen verkauft, nicht allein um die Ausfuhr von Gold nach Spa⸗ nien und Portugal zu hemmen, sondern auch um den wieder zum Vorschein kommenden wilden Speculationen in Actien und in den kein Vertrauen darbietenden sremden Staats⸗Papieren Einhalt zu thun. Man fragt sich jedoch auffallender Weise, ob die Bank nicht zum ersten Male eine solche Aufgabe zu schwer finden duͤrfte. Welchen Belauf von Schatzkammer; Scheinen und anderen Effekten die Bank an Markt bringen duͤrfte, laͤßt sich nicht uͤberschlagen, da sich aber der Geldmarkt wirklich in einem gesunden Zustande befindet, so koͤnnte es ihr begegnen, daß die Depositen, welche sie in ihrer Privat⸗Eigenschaft besitzt, zuruͤckgenommen wuͤrden, und daß sie wider ihren Willen zu ei⸗ ner neuen Noten⸗LCirculation schreiten muͤßte. In die⸗ sem Fall wuͤrde sich ihr Gewinn sehr vermindern und anders wohin fließen. Dies waͤre zwar ein außerster Fall, doch liegt er nicht so weit ab, wenn sie erst nicht mehr, wie sie es bisher gewohnt Feöefsen⸗, den Geldmarkt unumschraͤnkt wird beherrschen koͤnnen. Es siel auch auf, daß die Bank, Obli⸗ gationen nicht in gleichem Verhaͤltniß mit den Consols stiegen, obgleich zu der Aufmunterung, die der Zustand des Geldmarktes gewaͤhrt, noch hinzukommt, daß von den kuͤrzlich verkauften Ost⸗ indischen Obligationen viel in Bank⸗Obligationen angelegt wor⸗ den. Einige argwoͤhnen, daß den Actionairen im naͤchsten Mo⸗ nat die Vertheilung einer geringeren Bank⸗Dividende vorgeschla⸗ gen werden solle, und wenn man bedenkt, welch ein bedeutender jaͤhrlicher Gewinn dazu noͤthig ist, um 1,500,000 — 1,600,000 Pfund Dividenden aufzubringen, so ist es auch nicht zu ver⸗ wundern, daß man auf solche Vermuthungen kommt. Am aus⸗ waͤrtigen Fondsmarkt hielten sich die Preise besser, als man er⸗ wartet hatte.“ .
Nach Berichten aus Kalkutta vom 16. Juli gedachte der Radschah Maund Sing, den Truppen der Ostindischen Compagnie den ernstlichsten Widerstand zu leisten. Er hatte dem Gene ral⸗Gouverneur, als dieser Agmir besuchte, nicht seine Auf⸗ wartung gemacht und war 2 Jahre Trihut schuldig. Auch hatte er sein Truppen⸗Kontingent nicht gestellt und gewaͤhrte den Naͤuberbanden Zuflucht in seinem Gebiete. Seine Hauptstadt ZJudpur wurde aufs nachdruͤcklichste befestigt, was sie ohnehin von der Natur schon ist; der Palast liegt auf einer steilen An⸗ hoöͤhe von 300 Fuß und ist mit zahlreichen Thuͤrmen umgeben. Unter den Waͤllen stroͤmen zwei Landseen, und im Innern be⸗ findet sich ein 90 Fuß tiefer in den Felsen ausgehauener Wasser⸗ Behaͤlter. Die sehr regelmaͤßige Stadt hat 7 Thore und 6 Eng⸗ lische Meilen in Umfang. Die Waͤlle sind mit 101 Bastionen versehen und diese theilweise mit Geschuͤtz besetzt.
Privat⸗Briefe aus den Vereinigten Staaten schildern die Lage des Landes, sowohl in politischer als in kommerzieller Hinsicht, als sehr zufriedenstellend und melden, daß die Preise der dortigen Bank⸗Actien und Staats⸗Effekten im Steigen
LWEE11ö11A““ Belgten. “ B 8 sel, 6. Febr. Die Regierung hat, wie man sagt, die Absicht, eine Handels⸗Gesellschaft ungefaͤhr auf die naͤmlichen Grundlagen, wie die in Holland bestehende, zu bilden, um den Erzeugnissen der Belgischen Industrie Absatzwege zu sichern. Vor einigen Tagen erschien ein Englaͤnder in einem hiesi⸗ gen Wechsel⸗Buͤreau und verwechselte 7 Bank, Noten, Billets der Londoner Bank, zusammen von einem Werth von 200 Pfd. Sterl. Diese von dem Wechsler nach Londoͤn gesandten Billets sind ihm durch seinen Korrespondenten zuruͤckgeschickt worden, weil sie saͤmmtlich falsch sind. Die Verflschung besteht, wie es scheint, nicht in der Nachahmung der Billets, Stempel, Num⸗ mern ꝛc., sondern bloß in der der Unetjsschritten, die vollkommen gut nachgezeichnet sind. Es wurden n
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mlich unlaͤngst eine Quan⸗ titaͤt Billets der Londoner Bank entwendet, ehe sie durch die Direktoren und Verwalter dieser Anstalt unterzeichnet waren. Wahrscheinlich sind diese Billets jetzt in Umlauf, 3
28 Schweden und Norwegen.
Stockholm, 3. Febr. Die Frage uͤber eine auswaͤrtige Anleihe zum Besten der Grund⸗Eigenthuͤmer ward heute in den lenis der Staͤnde verhandelt. Das Resultat war, daß der Suͤrgerstand jede Anleihe verwarf, der Bauernstand eine Ulat onal⸗Anleihe im Lande selbst proponirte, die Geistlichkeit sich fuͤr eine auswaͤrtige Anleihe durch Vermittelung der Regie⸗ rung erklärte, der Adelstand noch debattirte und es zum Skru⸗ tintuen kommen ließ, was die Entscheidung bis Mitternacht ver⸗ zoͤzern koͤnnte. 1 8 Am vorigen Sonntag wurde in den Kirchen der Hauptstadt nach beendigtem Gottesdienste das Lied „Nun danket alle Gott“ zum Dank dafuͤr angestimmt, daß die Cholera nunmehr im gan⸗ zen Reiche aufgehoͤrt hat. In der Schloß⸗Kapelle wohnten auch Ihre Mazj. vie Koͤnigin, so wie der Kronprinz und die hoͤchsten Staats⸗Beamten dieser Feierlichkeit bei.
68 Saeh 3 b D e u t s ch a n d. Hannover, 9. Febr. (Hann ov. Zig.) Der Schweͤ⸗ bische Merkur, dessen Korrespondenten „aus Hannover“ sich in der letzten Zeit oͤfter mit dem Hannoverschen Muͤnzwesen be⸗ schaͤftigen, enthaͤlt wieder ein Schreiben, angeblich aus unserer Stadt vom 31. Januar, in welchem es heißt: „Nachdem eine Anzahl von neuen Hannoverschen Thalern bereits in Umlauf gesetzt wor⸗ das Ministerium zu Hannover vom Koͤnigl. Preußischen Finanz⸗Minister in Berlin in Kenntniß gesetzt, daß pei der Praͤgung der neuen Faüngöet chen Thaler in den Muͤn⸗ zen zu E und Clausthal ein Irrthum vorgegangen, in⸗ dem die vort geschlagenen Thaler 1 ½ pCt. mehr Silbergehalt haͤt⸗ ten, als die in Berlin geschlagenen Preußischen. Man uͤber⸗ zeugte sich von der Richtigkeit dieser Thatsache, und es blieb un⸗ ter diesen Umstaͤnden weiter nichts uͤhrig, als die schon in Um⸗ lauf gekommenen Thaler wieder so piel wie moͤglich einzuzlehen und wieder einzuschmelzen, um sie umzupraͤgen. Mehrere Ban⸗ quiers erhielten den Auftrag, dies zu bewerkstelligen; indessen waren die Juden bereits dahinter gekommen und hatten den
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1“ 176 Vorgang zu ihrem Vortheile benutzt.“ — An diesen Angaben ist kein wahres Wort!
Goͤttingen, 2. Febr. Es ist hier so eben der erste Theil einer vierten Ausgabe von Eichhorns Deutscher Staats, und Rechts⸗Geschichte erschienen. Je wichtiger in unserer Zeit die moͤglichst welte Verbreitung gruͤndlicher Kenntnisse uͤber unser Vaterland, und einer auf die Fortbilung des Rechts gehenden gesunden politischen Gesinnung ist, desto mehr darf man sich freuen, daß jenes in beider Hinsicht so ausgezeichnete Werk einen recht ausgebreiteten Einfluß auf die Nation gewonnen hat, wie es bei fortgehender Aufklaͤrung der Koͤpfe und Beruhigung der Gemuͤther ihn noch allgemeiner und segensreicher behaupten wird. Wie sehr der Herr Verfasser seinerseits bemuͤht ist, dem Werke jede ihm erreichbare Vervollkommnung zu geben, davon legt die⸗ ser erste Theil einer neuen Ausgabe ein sprechendes Zeugniß ab; indem darin Alles sorgfaͤltig benutzt worden, was seit dem Er⸗ scheinen der fruͤheren Ausgabe in dem weiten Felde des Deut⸗ schen Rechts und der Deutschen Geschichte gewonnen ist.
Vorgestern Abend ist der von Hoya nach Asendorf fahrende Postwagen von 6 bis 8 Raͤubern angefallen worden, welche den Postillon wehrlos gemacht, den Begleiter in die Flucht getrieben haben und dann mit Wagen und Pferden davon gejagt sind. Man hat in der Nacht den seiner Ladung beraubten Wagen im Walde wiedergefunden.
Kassel, 8. Febr. In der heutigen Sitzung der Staͤnde⸗ Versammlung wurde der von dem Minister des Innern in der Sitzung vom 2. Febr. vorgelegte Gesetz⸗Entwurf, die fernere Wirksamkeit der bisherigen Gemeinde⸗Beamten betreffend, dis⸗ kutirt und mit einem Amendement des Vice⸗Praͤsidenten, wo⸗ nach die bisherigen Gemeinde⸗Beamten bis zum 1. Juli 1835 in voller Wirksamkeit bleiben, in den Orten aber, wo bis dahin die Wahlen noch nicht vollendet waͤren, dann nur die hierauf bezuͤglichen Geschaͤfte ferner versehen sollen, angenommen. Die woͤrtliche Fassung des Amendements wurde der Revision vorbe⸗ halten und der Ausschuß mit Entwerfung derselben beauftragt.
Luͤbeck, 9. Febr. Die „Neuen Luͤbeckschen Blaͤtter“, welche von der hiesigen „Gesellschaft zur Befoͤrderung gemeinnuͤtziger Thaͤtigkeit“ durch einen Geld⸗Zuschuß von 300 Mark jaͤhrlich, so wie durch Mittheilung der Verhandlungen dieser Gesellschaft kraͤf⸗ tig unterstuͤtzt werden, geben in den ersten Nummern eine Idee von der verdienstlichen Wirksamkeit des genannten Vereins, wel⸗ cher seine Fonds vorzuͤglich durch Beitraͤge seiner Mitglieder (à 12 Mark jaͤhrlich) herbeischafft. Er wendet jaͤhrlich, außer dem Beitrage zu dem neuen Blatte, 640 Mark fuͤr eine Indu⸗ strie⸗Schule, 840 Mark fuͤr eine Zeichnen Schule, 250 Mark fuͤr eine Schwimm Schule, 180 Mark fuͤr eine Sonntags⸗Schule, 600 Mark fuͤr eine Gewerb⸗Schule, 300 Mark fuͤr eine Klein⸗ Kinder⸗Schule, 400 Mark fuͤr eine Taubstummen⸗Schule, 200 Mark zur Vermehrung der Huͤlfsmittel des Unterrichts in der Navigations⸗Schule, 400 Mark fuͤr eine Rettungs Anstalt fuͤr im Wasser Verungluͤckte, so wie 400 Mark fuͤr seine Bibliothek auf und hat außerdem eine Spar⸗ und Anleihe⸗Kasse gestiftet, die so gedeiht, daß sie bedeutende Ueberschuͤsse aufzuweisen hat. Es werden außerdem Praͤmien an Dienstboten, Neise⸗Stipendien an junge Kuͤnstler und Handwerker (400 Mark) vertheilt.
Leipzig, 5. Febr. (Frankf. Journ.) Unsere Stadt⸗ Einkuͤnfte scheinen mit einem nicht unbedeutenden Verlust be⸗ droht zu werden, welcher Umstand viel Interesse erregt. Von dem bei unserer Landes⸗Lotterie sich ergebenden Ueberschusse be⸗ zog naͤmlich die Staats⸗Kasse ¾ und die Stadt Leipzig ¾. Diese letzteren betrugen nach den beim letztverflossenen Landtage oͤffent⸗ lich kundgemachten Berechnungen 16,666 Rthlr. 16 Gr. auf eine Lotterie, deren jaͤhrlich zwei ausgespielt wurden. Dies Verhaͤlt⸗ niß ist daher entstanden, daß im Jahre 1765 die Stadt Leipzig eine besondere Lotkerie bewilligt erhielt, worauf das daher ent⸗ springende Einkommen die Stadt⸗Schulden⸗Tilgungs⸗Kasse uͤber⸗ wiesen erhielt. Als vor mehreren Jahren der allbekannte Thor⸗ groschen aufgehoben wurde, so genehmigte die Staats⸗Regie⸗ rung, daß der Ertrag der Lotterie, so lange die Stadt⸗Schul⸗ den⸗Tilgungs⸗Kasse ihn entbehren koͤnne, der Kaͤmmerei⸗Kasse als Ersatz fuͤr jenen Groschen, der eine Summe von ungefaͤhr 12,000 Rthlr. jaͤhrlich einbrachte, zufließen solle. Seit dem Jahre 18 ¾˙2 beabsichtigte man nun, die Leipziger Lotterie mit derjenigen, welche zum Besten der allgemeinen Straf⸗ und Ver⸗ sorgungs⸗Anstalten bestand, zu vereinigen, und wurde der Stadt Leipzig der obenerwaͤhnte Antheil als Entschaͤdigung fuͤr die ihr zugesicherte Lotterie gewaͤhrt. Wie aus den Verhand⸗ lungen des Landtags hervorgeht, hat jedoch die Regierung dieses Verhaͤltniß keinesweges als ein definitives, sondern nur von einer Lotterie zur anderen als ein provisorisches betrachtet, und war dasselbe bei den Verhandlungen mit dem Stadt⸗Rathe uͤber die Verluste bei dem Wegfalle des bisher genossenen An⸗ theils von den Handels⸗Abgaben in Berathung zu ziehen. Die amtlich redigirten Mittheilungen uͤber die Sitzungen unserer Stadtverordneten machen nun oͤffentlich bekannt, daß ein hohes Finanz⸗Ministerium die in Bezug auf die Lotterie der Stadt seither zugekommenen Vortheile ferner in demselben Maße nicht habe zugestehen wollen; auch spaͤter auf das mehrfach motivirte Gesuch der staͤdtischen Deputirten um unveraͤnderte und blei⸗ bende Fortdauer dieser seitherigen Lotterie⸗Vortheile unter Er⸗ oͤffnung von Gegengruͤnden auf das Bestimmteste sich abfaͤl⸗ lig erklaͤrt habe. Der Magistrat und die Stadtverordneten haben sich zwar dabei zur Zeit beruhigt; jedoch hat Ersterer die Hoffnung ausgesprochen, daß die Staats⸗Regierung, auch nach dem Aufhoͤren des staͤdtischen Kriegs⸗Schulden⸗Tilgungs⸗Fonds, die jenen Vortheilen zum Grunde liegenden Entschaͤdigungs⸗ Anspraͤche und das Beduͤrfniß des staͤndischen Haushaltes be⸗ ruͤcksichtigen werde; diesem letzteren Beschlusse traten die Stadt⸗ verordneten mit einigen Modisicationen bei.
Aschaffenburg, 6. Febr. Der Vorfall in Orb beschaͤf⸗ tigt noch immer, wie zu erwarten war, alle Gemuͤther. Die Kreis⸗Regierung hat sogleich, um keinen Geschaͤfts⸗Stillstand eintreten zu lassen, ein Provisorium getroffen, und den Landge⸗ richts⸗Aktuar von Werneck bis zum Eintreffen hoͤherer Verfuͤ⸗ gung nach Orb gesetzt. Die Untersuchungs⸗Kommission hat fuͤr noͤthig gefunden, ihren Aufenthalt in loco zu verlaängern, und viele Vernehmungen werden jetzt schon gepflogen. Einige Ver⸗ haftungen haben bereits in Orb stattgesunden, die wohl zu einer Spur des Moöoͤrders fuͤhren duͤrften. Uebrigens aͤußert sich beim Poͤbel dort eine ungewoͤhnliche Rohheit. Wahrscheinlich zur augenblicklichen Herstellung des gerichtlichen Ansehens, ist heute Nacht eine Abtheilung des hiestgen Linien⸗Militairs (gegen 50 Mann) nach Orb detaschirt worden, und eine gleiche vn a0 wird nachfolgen. Wie man erfaͤhrt, wird der Landgerichts⸗Vor⸗ stand gewechselt werden. Man hat von einer allgemeinen Auf⸗ Ffane im Orte Orb gesprochen — aber gewiß ohne Grund; zu⸗ verlaͤssig ist, daß bei dem ganzen Vorfall nicht entfernt eine po⸗ litische Tendenz zum Grunde liegt.
Darmstadt, 7. Febr. as heute erschienene Regie⸗ rungsblatt enthaͤlt ein Großherzogl. Edikt vom 4ten d., die
Organisation der Regierungs⸗Behoͤrden in Rhein⸗ treffend. Die durch die Abschnitte I. und IV. des Ediktes ve 6. Juni 1832 fuͤr Starkenburg und Ober⸗Hessen geschaffene, Organisation der Regierungs⸗Behoͤrden, deren Zweckmaͤßigkeit sich bisher erprobt hat, wird dadurch auch auf Rhein⸗Hessm
ausgedehnt. 83 Schweiz.
Die Allgemeine Zeitung enthaͤlt in einem vom Genfen See vom 20. Jan. datirten Artikel folgende Betrachtungen ühes das politische Treiben in der Schweiz: „Es ist gewiß nic ohne Interesse, die verschiedenen Tendenzen zu betrachten, wo
che unsere Schweizerischen Radikalen mit mehr oder wenign
Offenheit seit einem Jahr ihren Plaͤnen gegeben haben. 1 war es die Anschließung an eine Franzoͤsische Republik, dam Neuchatel's gaͤnzliche Helvetisirung, die Eroberung Savopeng Bern's Thron⸗Erhebung und der Trotz gegen die Forderunga der Nachbar⸗Maͤchte. Konstituante und Unirung der Schwe waren dabei immer die herischenden Ideen. Alles dies wealg nicht gelingen, und die von Bern an der Tagsatzung offiziell au gesprochenen Unions⸗Ideen hatten entschiedenes Mißtrauen me große Entfremdung der andersdenkenden, besonders der kleing Kantone zur Folge. Also auch die Union wurde fuͤrs erste aus gegeben, ja die Idee dazu sogar geleugnet. Was soll nun asg eigentlich eine Konstituante der Schweiz? Das öman jetzt in den Radikal⸗Journalen an den Tag. Sie soll eine nat Amerikanischem System konstruirte Schweiz gruͤnden. Die p chitekten finden, daß die Verfassungen der einzelnen Amufg nischen Staaten mit den Verfassungen unserer Kantone Aehnlichkeit haben. Allerdings zeigen hier wie dort die zelnen Staaten die groͤßte Verschiedenheit unter einander. dieser Verschiedenheit besteht die einzige Aehnlichkeit mit n Schweizer Kantonen; Verschiedenheit im Wahl⸗Census unh den Bedingungen der Wahlfaͤhigkeit, anders fuͤr den Semg anders fuͤr die Repraͤsentanten⸗Kammer; Verschiedenheit fuͤr Ernennung des Praͤsidenten und der Richter. Alle diese W schiedenheiten, die ganze innere Organisation der einzelm Staaten, die nur republikanische Form haben muͤssen, ganmg tirt die Bundes ⸗Akte, ja sie sagt der exekutiven Gewalt jehg Staates sogar Huͤlfe gegen Aufstand und dgl. zu. Basel Lng schaft waͤre hiernach in Nord⸗Amerika sehr schlecht gefahren und haͤtte sich nicht von seinem Mutter⸗Staat trennen duͤrsen. Al dies kann unsere Resormer unmoͤglich sehr anziehen. Vielmee gefällt ihnen dagegen der Praͤsident an der Spitze der Staaz Geschaͤfte, der nur alle vier Jahre veraͤndert wird, dem Lan und Seemacht untergeordnet sind, der die fremden Gesande empfaͤngt und mit ihnen unterhandelt, und uͤberdies in Ala ein bedingtes Veto hat. Solch eine Stelle mit ihrem Gl und ihrem Einflusse spricht die Schweizer Radikalen an, w die in Frankreich seit Lafayette's Winternachtstraum. Aufa dem stehen noch nahe bei dem Praͤsidenten ein Vice⸗Praͤsidan Staats⸗Minister, Richter, Gesandte u. s. w., alle ziemlich ga bezahlt. Auch im Senat und in der Repraͤsentanten⸗Kamm deren Mitglieder alle gute Entschaͤdigungen fuͤr ihre Diens erhalten, ist nicht uͤbel sitzen. Diese beiden, den Kongreß h denden Kammern machen Gesetze und heben sie auf, schrehm Steuern aus, sorgen fuͤr ihre Eintreibung, machen Anleihan lassen Geld schlagen, erklaͤren Krieg und Frieden, bilden m halten Armeen u. s. w. Das ist freilich ganz etwas Ander als unsere Schweizerische Tagsatzung, deren Mitglisher Abe alle nur irgend bedeutende Angelegenheiten an ihre Regiern gen berichten und deren weitere Instructionen einholen muͤsa.
Nun fragt sich's: gewaͤnne unser Land bei der Annahme heh
Amerikanischen Systems und seines Personals? Abgesehen wg den durch die neuen Besoldungen viel bedeutender werdenze Abgaben, zeigt sich auf den ersten Blick, wie sich dies Cyi maͤchtig dem Unitarismus naͤhert und unsere bisherige Ka⸗ tons⸗Souverainetaͤt fast ganz vernichtet. Wenn die Kant Regierungen kuͤnftig uͤber Ausschreibung von Steuern und N. lagen, uͤber Anleihen, Handels⸗Vertraͤge, Kriegs⸗Erklaͤrunge Erhebung und Erhaltung der Truppen ꝛc. nicht mehr besonde gefragt werden, wenn sie daruͤber nicht mehr in der Heine frei von allem anderweitigen Einfluß mit Erwaͤgung aller
staͤnde reiflich uͤberlegen und entscheiden koͤnnen, so steg unsere Groß⸗ und Klein⸗Raͤthe zu Munizipalitaͤten herab, wenig mehr zu besorgen haben, als die innere Polizei⸗Ordnt und Reinlichkeit. Da uͤberdies in den Vereinigten Staaten Bevoͤlkerung zum alleinigen Maaßstab fuͤr die Revpraͤsentunt Zahl jedes Staats zum Kongreß dient, so verschwinden sogt die kleinen Kantone vor den großen, wie dort das gering e
kerte Delaware vor New⸗York, welches die groͤßte Bevoͤlkah hat. So waͤren wir denn auf einem kleinen Umwege wiede
dem beliebten Unions⸗System zuruͤckgekommen! — Ueberdich
merkt man gar nicht die Verschiedenheit unserer oͤrtlichen 7 von der Nord⸗Amerika's. Wir haben den schmalen Rhein den leicht zugaͤnglichen Jura zur Graͤnze, Nord⸗Amerika hi
gen das Weltmeer. Wenn der Praͤsident der Vereinigten Oh ten in Worten oder Werken einen Mißgriff macht, so hat ua volle Zeit, der Sache eine andere Richtung zu geben, ehe zur gefaͤhrlichen Entwickelung koͤmmt. Wenn aber der Praͤste der Helvetischen Union Uebereilungen à la Jackson begia- so waͤre die Schweiz von ihren maͤchtigen Nachbarn angegrs und mit Heeren uͤberschwemmt, ehe die Kantone noch ihte! gentliche Meinung aussprechen koͤnnten. tel waͤre also diese Amerikanisirung, die Schweiz stark 9 das Ausland zu machen, wenn man die Oberleitung der schaͤfte einigen Maͤnnern anvertrauen wollte, die, wenn sie ohne Leidenschaften waͤren, doch immer viel leichter irre zun ten, einzuschuͤchtern oder zu reizen seyn wuͤrden, als zwei⸗
zwanzig Kantone, deren ruhige Erwägung, Pruͤfung und dh scheidung allen Verfuͤhrungen der Leidenschaft, Eitelkeit, iʒ fahrenheit oder des boͤsen Willens unzugaͤnglich ist. Wer mln auch der Schweiz rathen, ihre fuͤnfhundertjaͤhrige Verfass
griff si n Kinderschuhe zu verlieren, ehe es sie noch aussg,
e
Herr Silva Carvalho hat sein Fid
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Lissabon, 25. Jan. 2 Budget fuͤr das Jahr vom 1. Juli 1834 bis 1. Juli 1835 vorgen Er berechnete, daß, falls die aus Brasilien erwarteten Summen⸗ gingen, das Defizit auf ungefaͤhr 740,000 Pfd. herabsinken 82 welches er aber ohne Auflegung neuer Steuern durch den Mheb kauf von Mational, und Kirchen⸗Elgenthum zu decken mr Fuͤr die kommenden Jahre, 1836 ausgenommen, rechnete er pochschaͤtzung beurkundet.
auf ein Defizit von 180,000 Pfd. pro Jahr. Sein Plan „ allgemein gebilligt, und selbst die Opposition konnte nichts gen sagen. Inzwischen hoffte die Opposition, die Minister
ein Votum des Tadels zu stuͤrzen, weil die Regierung, 8g, Versicherung der Minister Carvalho und Freire, große Ne
Hessen be⸗
heeretair, Teffik Efendi, als zweiter Secretair.
ruht.“
10- ruht
zen und ger Hdͤfe.
en auf Montirungen und Schuhe fuͤr die Armee und die in England gemacht hatte, da doch diese Artikel in haͤtten weit billiger geliefert werden können.
Tuͤrkei.
antinopel, 14. Jan. (Allg. Ztg.) Die Pforte s fremden Botschafter offizielle Mittheilung von der lichen Raͤumung Orfa's machen lassen. Sie hofft auch in m üͤber den von Mehmed zu leistenden Tribut aͤhnliche An⸗ machen zu koͤnnen, da dieser bereits Anstalten z ihrer Be⸗ sgung getroffen zu haben versichert. Ein Tuͤrkischer Com⸗ gir hat sich nach Orfa begeben, um daselbst die alte Ordnung Dinge herzustellen. Jetzt, wo die Aegpptier diese Provinz assen haben, erfaͤhrt man erst umstaͤndlicher, wesche Bedruͤk⸗ gen, welche barbarische Handlungen sie sich gegen die ungluͤck⸗ n Einwohner erlaubt haben. Verfahren sie uͤberall so, so ha⸗ sie das beste Mittel ersonnen, ihre Eroberungen bald wieder derlteren. Es ist unmoͤglich, daß ein Volk, sey es noch so ͤrdigt, lange Zeit Bedruͤckungen und Grausamkeiten erdulden „wie man sie in Orfa erlebt hat, in Orfa, das bestimmt war, der unter Tuͤrkische Oberherrschaft zu kommen, und wo es, bei Mehmed Pascha nicht ohne Grund zugeschriebenen Absich⸗ die Klugheit erheischt haͤtte, mit der glimpflichsten Nach⸗ u verfahren, um dem im ganzen Osmanischen Reiche in ug auf ihn verbreiteten Ruf wilder Grausamkeit und schran⸗ vsen Despotismus wenigstens Ein sprechendes Gegengewicht tgenzusetzen. Auch wird Mehmed schwerlich auf diese Weise Herrschaft in Syrien befestigen, und zu der sehnlich ge⸗ schten Unabhaͤngigkeit gelangen, und so lange es die Pforte nh selbst wuͤnschen und ihm dazu behuͤlflich seyn sollte, wird bets der Gefahr ausgesetzt bleiben, hier seinen Untergang zu en. Ein Wink des Sultans wuͤrde hinreichen, ganz Cy⸗ gegen die verhaßten Aegyptier in Aufstand zu versetzen, und n bis jetzt nur einzelne Empoͤrungen stattfanden, und bald rdruͤckt wurden, so geschah es, weil man sich ohne eigentli⸗ Mitwissen der Pforte erhob, und einer Oberleitung sehrte. Warum der Sultan sich nicht dazu verstehen wollte, Syriern jenen Impuls zu geben, auf den sie so sehnlich ten, bleibt raͤthselhaft und kann nur durch den Rath erklaͤrt den, den ein ausgezeichneter Diplomat ihm gegeben haben pour perdre ses ennemis, il faut ne rien faire. Etwas hres liegt darin, und Niemand moͤchte kraͤftiger, geschickter dem Untergange Mehmed's arbeiten koͤnnen, als er selbst. Frigens weiß man jetzt gewiß, daß die Englische Flotte nach lta abgesegelt ist. — Ein Tuͤrkischer Commissair ist mit Voll⸗ hhten nach Albanien gereist, wo Unruhen ausgebrochen sind. soll beauftragt seyn, die Beschwerden anzuhoͤren, welche die aneser auzubringen haben, ihnen nach Umstaͤnden abzuhelfen, die Ruße durch Maßregeln der Strenge wieder herzustel⸗ — Ueber Persien sind die widersprechendsten Geruͤchte ver⸗ itet; nach Allem, was man hoͤrt, scheint dieses Land den äueln des Buͤrgerkrieges im hoͤchsten Grade preisgegeben.
Konstantinopel, 15. Jan. Wir entlehnen der Tek⸗ mi Wekaji vom 15ten Ramasan (14. Januar) die nach⸗ senden Artikel:
„Allah sey Preis, dem Hocherhabenen! Auch im diesjaͤh⸗ en gnadenvollen Ramasan segne Gott den Sultan und jeden ubigen Muselmann! Zu Anfang dieses Monats haben, dem in, ehrwuͤrdigen Brauche gemaͤß, im Serai Beschiktasch, in Großherrn erlauchter Gegenwart, acht Efendi's (deren Na⸗ n und Geburtsorte mit aufgefuͤhrt werden) der Reihe nach getische Vortraͤge, und die mit ihnen zugleich anwesenden Muͤ⸗ isse (Professoren) Disputationen voll dialektischer Kunst ge⸗ sten. Nach dem Schlußgebete wurden saͤmmtliche gelehrte rren mit Geschenken und anderen Beweisen des Großherrlichen ohlwollens erfreut.“
„In einem der fruͤheren Blaͤtter unserer Zeitung meldeten „daß Namik Pascha, erster Mirlewa (Brigade⸗General) Großherrlichen Garden, zur Befestigung der zwischen bei⸗ Hoͤfen bestehenden Freundschaft, wiederum als außerordent⸗ der Gesandter der Hohen Pforte, nach London befehligt und gesendet worden sey. An den Ort seiner Bestimmung gelangt, derselbe seinen Pflichten als Gesandter Genuͤge geleistet. Da rigens Namik Pascha General bei der Garde ist, und militairische Amt, welches er hier in Konstantinopel seidet, seine Anwesenheit erheischt, so hat der Groß⸗ „nachdem er besagtem Wuͤrdentraͤger die Erlaubniß „Räuͤckkehr ertheilt, an seiner Stelle dem bisherigen eiliktschi) des Diwans, Nuri Efendi, die Wuͤrde eines Ge⸗ dten am Britischen Hofe Allergnaͤdigst zu verleihen geruht. ner der Chodscha's und Geheim⸗Secretaire des Diwans, Ta⸗ t Efendi, begleitet ihn als erster, und ein anderer Geheim⸗ Das Amt ei⸗ s Dollmetschers bei der Gesandtschaft wird Janko, der aͤltere ihn Stefanaki's, des Bei's von Samos, versehen. Nachdem e. Haheit das ganze Personal zur Audienz gelassen, und Ta⸗ et Efendi nebst Janko mit E renzeichen geschmuͤckt, ist die esandtschaft am 28. Schaban von Konstantinopel aufgebrochen. it dem erledigten Amte des Beiliktschi hat Se. Hoheit einen obscha des Diwans, Namens Sarim Efendi, zu investiren
„Die Staats⸗Einkuͤnfte aus denjenigen Ejalet's und Sand⸗
saks, welch Welch treffliches Mhn . he unter der Gerichtsbarkeit des Paschas von Aegyp⸗
stehen, sind schon seit mehreren Jahren ruͤckstaͤndig geblie⸗ Um nun Mehmed Ali zu endlicher Bezahlung dieser ge⸗
uften Ruͤckstaͤnde zu bewegen, hat der Großherr vor einiger
Fessen Agenten an der Pforte, Nesif Efendi, nach Aegypten
hegehr des
süng seiner ruͤckstaͤndigen Schuld gefleht und zugleich gelobt,
EüFalas und Sandschak's — vom Anfang des laufenden abzulegen und dafuͤr die eines Landes anzunehmen, das im uhupplik
Der Pascha, welcher sich außer Stande sieht, dem Sultans zu genuͤgen, hat in Folge dessen um Er⸗ hinfuͤhro saͤmmtliche Staats⸗Einkuͤnfte aus den erwaͤhn⸗
Jahres an gerechnet — gewissenhaft abtragen. Dieser und diesem Versprechen zufolge, hat der Sultan dem
9 den er noch nie seines gnaͤdigsten Beistandes unwerth
h — die oberwaͤhnten Ruͤckstaͤnde zu erlassen und ein da⸗ autendes Großherrliches Schreiben an denselben abzusenden
„Es ist ein alter Brauch, daß befreundete Hoͤfe, zum Zei⸗
8 5* fortdauernden gegenseitigen Wohlwollens, einander 82
sasestät der Kaiser von Rußland Sr. Hoheit dem Sultan
zu Zeit Geschenke uͤbermachen. So hat neulich Se.
durch ersendung einer Auswahl besonders schoͤner und kunstreicher
eiten aus den Petersburger Fabriken seine ausgezeichnete Die erwaͤhnten Geschenke wurden
2) Der Beiliktschi ervedirt Befehle an die Statthalter der Pro⸗ schriftliche Verhandlungen mit den Gesandten aneaze.
“
in das Serai Istawros gebracht, wohin bald sich verfuͤgten, um dieselben in Augenschein zu neh⸗ men. Saͤmmtliche Artikel waren geschmackvoll aufgestellt, und Se. Hoheit betrachtete sie mit Freude und Wohlgefallen. Tages darauf ertheilte der Sultan den hohen Beamten der Pforte durch einen Ferman die Erlaubniß, auch von ihrer Seite das genannte Serai zu besuchen und alle diese Seltenheiten zu bewundern. Mit ihnen fand sich auch Se. Exellenz der Kaiserl. desae BSorschafter daselbse ein. Man ergoß sich in das Lob abrikate und ruͤhmte die freundschaftli — drage 8 h f schaftliche Gesinnung des „„Se. Hoheit der Sultan hat den Griechischen, den Arme⸗ nischen und den katholischen *) Patriarchen, 89e 5 die⸗ sen Dreien in seinem Berufe die Wohlfahrt und rechte Leitung seiner respektiven Glaubensgenossen sich eifrig angelegen seyn laͤßt, und das Großherrliche Wohlgefallen emsig erstrebt, am Abend des 2ten Ramasan gemeinschaftlich zur Audienz eczagen⸗
e. Hoheit als⸗
und Jedem von ihnen ein Ehrenzeichen aus Brillanten ertheilt.“
„Die unlaͤngst wegen eines Vergehens auf Großherrlichen Befehl nach Warna exilirten Banquiers*) hat der Sultan, in Erwaͤgung der sehr traurigen Lage, welche ihr Alter und ihre Gebrechlichkeit ihnen dort bereiteten, seines Erbarmens wuͤrdig erachtet und demzufolge begnadigt.“
26. Jan. (Schles. Ztg.) Das Fuͤrstenthum Serbien befindet sich gegenwaͤrtig in einer v egeig er 8 die fuͤr die zukuͤnftige Stellung und die Rechte des Volkes, so wie des Regenten, entscheidend enden muß. Man weiß, daß sich laͤngst schon ein Theil der Primaten dieses Landes gegen die bisher bestandene Willkuͤr⸗-Regierung und Gesetzlosigkeit, so wie gegen den Mangel aller Kontrolle in den Finanzen ausge⸗ sprochen hat, und eben so bekannt ist es, daß Fuͤrst Milosch, um diesem Uebelstande zu begegnen, schon seit mehreren Jahren an einem Gesetzbuche fuͤr Serbien arbeiten laͤßt, und uͤberhaupt immer ernstlich darauf bedacht ist, allen Maͤngeln und Ge⸗ brechen, so weit sie das Wohl des Serbischen Volkes be⸗ eintraͤchtigen, abzuhelfen. So standen die Sachen schon seit einigen Jahren — einerseits guter Wille und redli⸗ ches Streben, den Zustand Serbiens zu verbessern, den Volks⸗ unterricht, Handel und Gewerbe zu heben, und die Rechte jedes Einzelnen, so wie die der Regierung und des Volkes uͤber⸗ haupt durch Gesetze festzustellen, durch den Kampf gegen Vor⸗ urtheile und die Nothwendigkeit genauer Erwaͤgung und gewis⸗ senhafter Pruͤfung gehemmt: andererseits rastloses Draͤngen nach Verwirklichung gesetzlicher und constitutionneller Institutio⸗ nen, durch das Geschrei einzelner Demagogen nach Franzoͤ⸗ sischer Constitution angefacht, — als Fuͤrst Milosch vor einigen Wochen den Befehl ertheilte, die Deputirten Serbiens zu einer Ver⸗ sammlung in Kragujewatz einzuberufen, um denselben einige, mit den Interessen des Volkes eng verbundene neue Gesetzvorschlaͤge zur Be⸗ rathung vorzulegen. In Folge der deshalb ausgesandten Schrei⸗ ben der Regierung, hatten sich schon um die Mitte Januars (nach der neueren Zeitrechnung) mehrere Primaten in Kraguje⸗ watz eingefunden, allein ihre Aeußerungen zeigten eine so feind⸗ selige Stimmung gegen die Regierung, daß der Fuͤrst leicht auf den Gedanken gerathen mochte, die von der Regierung vorbe⸗ reiteten und zu proponirenden Vorschlaͤge duͤrften wenig befriedigen, und da die weiteren den fruͤheren Versprechungen des Fuͤrsten entsprechenden wichtigeren Gesetz⸗Entwuͤrfe noch nicht so weit gediehen waren, um den Deputirten vorgelegt werden zu koͤnnen, so sah sich der Fuͤrst veranlaßt, zu befehlen: „daß der eben einberufene Landtag nicht stattfinden solle, daß sich die Deputirten, die sich bereits in Kragujewatz einge⸗ funden haͤtten, wieder nach Hause begeben, die Uebrigen aber von dieser Gegen⸗Ordre sogleich unterrichtet werden sollten.“ — Dieser Wille des Fuͤrsten stimmte mit dem stoͤrrischen Sinne der bereits versammelten Primaten schlecht zusammen; es ward da⸗ durch nur Oel ins Feuer gegossen. Weit entsernt, dem Befehle des Fuͤrsten Folge zu leisten, beschlossen sie vielmehr, jetzt oder nie die Befriedigung ihrer Forderungen durchzusetzen, und wenn sich Fuͤrst Milosch unbeweglich zeigen sollte, denselben des Thrones verlustig zu erklaͤren, und den Erb⸗Prinzen Milan auf den Thron zu heben. In Folge dieses Beschlusses wurde eine Deputation an den Fuͤrsten nach Poscharewatz gesandt, der unterdessen an seinen Bruder Iwan den Befehl entsandt hatte, mit der zur Sicherung der unruhigen Bosnischen Graͤnze, unter sei⸗ nem Befehle stehenden Bewaffneten, sogleich nach Kra⸗ gujewatz zu marschiren. Allein die Primaten ließen sich hier⸗ durch nicht schrecken, sondern sandten auch diesem eine Deputa⸗ tion entgegen, welche erklaͤren mußte, daß sie nicht willens seyen, Krieg gegen ihre Bruͤder zu fuͤhren, daß sie nichts wollten als die Erfuͤllung der gerechten und billigen Wuͤnsche des Vol⸗ kes und der Zusagen des Fuͤrsten selbst, und daß sie dies auf friedlichem Wege gewiß durchsetzen wuͤrden ꝛc. — wodurch sie den Bruder des Fuͤrsten bestimmt zu haben scheinen, seinen Marsch nach Kragujewatz einzustellen. Man unterhandelt nun eifrig zwischen der Primaten⸗Versammlung in Kragujewatz und dem Fuͤrsten in Poscharewatz, und es scheint dadurch wirklich zu einer vorlaͤufigen Verstaͤndigung gekommen zu seyn. Wie weit die Forderung einer und die Nachgiebigkeit andererseits gediehen ist, kann aber noch nicht genau angegeben wer⸗ den. Nur soviel wird versichert, daß Fuͤrst Milosch zu bedeu⸗ tenden Concessionen sich herbeilassen wird, und daß er am 2lsten Januar Poscharewatz verlassen und am 26sten in Kragujewatz einen feierlichen Einzug gehalten hat, um daselbst die Versamm⸗ lung der Abgeordneten dennoch abzuhalten. Auf dem ganzen Wege von Poscharewatz bis Kragusematz bildete das Volk links und rechts vom Fuͤrsten, gleichsam als wollte es fuͤr seines Va⸗ ters, wie er uͤberall genannt wird, Sicherheit wachen, Spalier. Ueberhaupt ist das Volk dem ganzen Unternehmen fremd, es kennt die wohlthaͤtigen Absichten des Fuͤrsten, und weiß, daß sein guter Wille, besonders fuͤr das aͤrmere Volk, schon oͤfters an dem ei⸗ gennuͤtzigen Widerstande der Primaten gescheitert ist, wie dies namentlich mit dem Vorschlage, eine verhaͤltnißmäͤßigere und billigere Abgaben⸗Vertheilung betreffend, der Fall war. — Heute, am Feiertage des Landes Patrons Serbiens, wurden die Ein⸗ wohner Belgrads in der Kirche von der Kanzel herab aufgefor⸗ dert, sich ruhig zu verhalten, und sich keinen Illusionen hinzu⸗ geben, sondern der Ueberzeugung zu leben, daß der vaͤterlich ge⸗ sinnte Fuͤrst das Wohl seiner Kinder nie außer Acht lassen werde. Zugleich aber ist von Seiten der Polizei in allen Haͤusern angezeigt worden, daß es nicht erlaubt sey, uͤber die eben obschwebenden Verhaͤltnisse oͤffentlich zu sprechen, und sich in groͤßeren Gruppen als hoͤchstens von 3 Personen an oͤffentlichen Orten zu versammeln. Aus Kon⸗
Belgrad,
*) d. b. den Patriarchen der katholischen Armenier. Es wurde dies uͤbrigens auch bereits von Englischen Blaͤttern ge⸗
meldet. (Vgl. das vorgestrige Blatt der St.⸗Ztg. Art. London.) *⁷) S. Nr. 18 der Eraats⸗Zeitung⸗
d., daß der
stantinopel schreibt man vom 183ten
Kiaja⸗ Bay Mehmed Alis, der mit einem Theile des Tributs, nach einigen mit 21, nach anderen mit 12 Millionen Piastern, bereits unterweges seyn solle, mit groͤß⸗ ter Ungeduld aͤglich erwartet werde. — Die Botschafter Eng. lands und Frankreichs scheinen neuerdings mit den wichtigsten Unterhandlungen beschaͤftigt zu seyn, es heißt, daß der letzte Russisch⸗Tuͤrkische Traktat, nachdem die Krisis zwischen der Pforte und ihrem Aegyptischen Vasallen wieder so weit beschwichtig ist, aufs neue angefochten worden, und daß dies der Grund die⸗ ses hitzigen diplomatischen Notenwechsels sey.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
Washington, 16. Jan. In der Sitzung des Re⸗ praͤsentanten⸗Hauses vom 30. Dezember trug Herr Sevier darauf an, den Praͤsidenten aufzufordern (wenn er es mit dem oͤffentlichen Interesse vereinbar glaube), mit Spanien wegen der Anspruͤche desselben auf den Landstrich zwischen dem Sabine⸗ und dem Rothen Flusse zu unterhandeln. Mexiko, bemerkte er, habe kein groͤßeres Recht auf den genannten Landstrich, als au Cuba, und habe sich desselben nur durch Usurpation bemaͤchtigt „Mexiko“, fuhr er fort, „bietet dieses Land denjenigen Buͤrger der Vereinigten Staaten an, die ihr Vaterland verlassen, de Mexekanischen Regierung Abgaben zahlen, ihr Treue schwoͤren und die katholische Religion annehmen wollen. Dies erinnert mich an das Anerbieten des Teufels, dem Erloͤser alle Reiche der Erde zu uͤbergeben, wenn er niederfalle und ihn anbete denn Mexiko hat eben so wenig ein Recht auf das genannt Land, wie der Teufel auf die Reiche der Erde. Diese Angele⸗ genheit darf, meiner Ueberzeugung nach, nicht laͤnger ein Ge⸗ genstand der Unterhandlung seyn, da die Anspruͤche Mexiko's unbegruͤndet und zugleich unseren Interessen hoͤchst nachtheilig sind. Man wird sich erinnern, daß vor einiger Zeit ein ausge⸗ zeichneter Mann aus Mexiko in dem genannten Gebiete An⸗ weisungen auf Land austheilte und die Empfaͤnger derselben als Mexikanische Unterthanen vereidete. Da sie sich dem Sheriff, welcher von Seiten der Vereinigten Staaten die Abgaben erhe ben sollte, widersetzten, so sah sich der Gouverneur genoͤthigt, zu erklaͤren, daß man den Gesetzen durch eine bewaffnete Mach Achtung verschaffen und alle diejenigen, welche verhaftet wuͤrden, als Verraͤther behandeln werde. Diese Drohung hatte den gewuͤnschten Erfolg. Ich ersuche daher di Regierung, alle Unterhandlungen mit Mexiko uͤber diesen Ge⸗ genstand abzubrechen und die Angelegenheit mit Spanien, dem das Gebiet gehoͤrt, zu erledigen.“ Herr Adams bemerkte hier auf, das Haus moͤge den Antrag erst in reifliche Ueberlegung ziehen, ehe es denselben annehme. Der Antrag verlange, daß der Praͤsident der Vereinigten Staaten mit Spanien wegen ei⸗ nes Theils dieses Kontinents unterhandle, wo dessen Anspruͤche, wie Jedermann wisse, schon laͤngst aufgehoͤrt haͤtten. Die wuͤrde den Praͤsidenten noͤthigen, die Mexikanische Regierun nicht anzuerkennen, dagegen den Spaniern Anspruͤche auf einen Theil des Mexikanischen Gebietes zuzugestehen; dann stehe aber auch der Anerkennung der Anspruͤche auf das ganze Land nichts mehr im Wege. Er hoffe der Antragsteller werde sich deutlicher erkläͤ⸗ ren. Hierauf erwiederte Hr. Sevier: „Durch den Vertrag vom J. 1819, wegen der Abtretung Florida's, traten wir unsere Anspruͤche auf das Gebiet bis zum Sabine⸗Fluße an Spanien ab, und nicht an Mexiko. Spanien hat aber seine Anspruͤche keinesweges an Mexiko verkauft, daher ist Spanien und nicht Mexiko Besitzer dieses Landes. Letzteres hat es weder durch Kauf noch durch Eroberung erworben, sondern sich desselben nur durch Usurpation bemaͤchtigt. Wir gaben das Land an Spanien; es nahm es nicht in Besitz, aber es hat ein Recht, dies zu thun, wenn es will.“ Der Redner deutete dann noch auf die Wichtigkeit die⸗ ses Landstrichs fuͤr die Schifffahrt der Vereinigten Staaten hin, und daß es, sobald es unter fremde Herrschaft kaͤme, allen entlaufenen Negern, betruͤgerischen Schuldnern, uͤberhaupt Allen, die sich dem Arm der Gerechtigkeit entziehen wollten, als Zufluchtsort dienen wuͤrde. Herr Archer bemerkte, daß der Vorschlag gerade das Gegentheil von dem bewirken werde, was der Antragsteller damit bezwecken wolle. Den An⸗ trag annehmen, hieße die Unabhaͤngigkeit Mexiko's, die doch von den Vereinigten Staaten anerkannt sey, in Zweifel ziehen. Eine solche Beleidigung der Mexikanischen Regierung werde na⸗ tuͤrlich den Unterhandlungen, aber zugleich auch allen Hoffnun⸗ gen auf die Erwerbung des genannten Gebiets, ein Ende ma⸗ chen. Nach dem Antrage des Herrn Mercer, zur Abstimmung uͤber den Vorschlag zu schreiten, nahm Herr Sevier denselben zuruͤck, weil, wie er sagte, von allen Seiten des Hauses Ein⸗ wuͤrfe dagegen erhoben worden waͤren, doch protestire er gegen die Anspruͤche Mexiko's auf das in Rede stehende Gebiet, da es das Eigenthum Spaniens sey.
X“
Berlin, 12. Febr. Das heute ausgegebene zweite Stuͤck der Gesetz⸗Sammlung enthaͤlt folgende Bekanntmachung:
Seine Koͤnigliche Majestaͤt haben nach dem Ableben des Staats⸗ und Finanz⸗Ministers Maassen uͤber die erledigte Ver⸗ waltung des Finanz⸗Ministeriums nachstehende Bestimmungen Allerhoͤchst zu treffen geruht:
1) Die Verwaltung der Domainen und Forsten wird von dem Geschaͤftskreise des Finanz⸗Ministeriums abgesondert und dem Ministerium des Koͤnigl. Hauses uͤberwiesen, bei welcher sie eine besondere Abtheilung bildet, die mit allen Rechten, Be⸗ fugnissen und Pflichten des Finanz⸗Ministeriums in Bezug auf die vorschriftsmaͤßige Verwaltung der Domainen und Forsten namentlich bei deren Veraͤußerung, bei den Abloͤsungen und bei der Verwendung der Ertraͤge, versehen ist. In dem Organis⸗ mus der Verwaltung und im Kassenwesen wird nichts veraͤndert Die Provinzial⸗Verwaltungs⸗Behoͤrden treten zu der General Verwaltung der Domainen und Forsten bei dem Ministerium des Koͤnigl. Hauses in dasselbe Verhaͤltniß, in welchem sie zu dem Finanz Minister bisher gestanden haben. Die Ueberschuͤsse der Elementar⸗Kassen nebst den Betraͤgen aus den Veraͤußerun gen und Abloͤsungen werden nach wie vor zu den Regierungs Haupt⸗Kassen, so wie von diesen zur General⸗Staats Kasse abge fert und der General⸗Verwaltung bei dem Ministerium des Koͤnig Hauses berechnet. Die fuͤr die Korn⸗Fideikommiß⸗Kasse bestimmt Summe wird aus der General⸗Staats⸗Kasse abgefuͤhrt, und dem Fi nanz⸗Ministerium verbleibt zur Bestreitung der anderweitigen Staats Beduͤrfnisse die freie Verfuͤgung uͤber die bei den Regierungs Hauptkassen sich bildenden Ueberschuͤsse. Auch in den Bestim mungen wird nichts veraͤndert, durch welche das Verhaͤltniß zwischen dem Finanz⸗Ministerium und der Haupt⸗Verwaltung der Staats⸗Schulden ruͤcksichtlich des aus den Veraͤußerungen und Abloͤsungen und aus der Domainen⸗ und Forst⸗Verwaltung eingehenden Geld⸗Betrages festgestellt ist. Wie in Betreff de Ouittungs⸗Wechsels und der Verrechnung sowohl der gus den