lich eine Art von Wettlauf. Unter den zuerst Eintretenden be⸗ fanden sich Herr Duncombe, Sir William Rae, Herr Murran, der vorige Lord⸗Advokat, und der Oberst Leith Hay. Cobbett, welcher kurz darauf eintrat, war, wie in der vorigen Session, in dem Anzuge eines Landmannes und sah sehr wöchl, dusl Hierauf kamen O'Connell und Dr. Bowring, das neue Mitglied fuͤr Kilmarnock. Die Irlaͤndischen Mitglieder versammelten sich ehr zahlreich. Um 1 Uhr waren 400 Mitglieder E88. 6. denen die Mehrzahl aus Reformern bestand. Unter den Tories waren Sir Robert Peel, der Marquis von Chandos und der Oberst Sibthorp zu bemerken. Es schien sich das Geruͤcht verbreitet zu haben, daß den Fremden der Eintritt in das Haus gestattet werden wuͤrde, allein jedes Mitglied mußte sich erst als solches legitimiren, ehe ihm der Eintritt erlaubt war, sümmee kein Frem⸗ der sich einschleiche. Mit den fuͤr die Beeicht⸗Erstatker gerkosse⸗ nen Anordnungen ist man zufrieden. Von 1 Uhr bis 2 Uhr nahm die Volksmenge vor dem Hause zu, und es ist unmoglich, die Unruhe derselben zu beschreiben. Fuͤnf Minuten nach 2 Uhr begaben sich Sir Robert Peel und eine große Anzahl Mitglieder nach dem Oberhause zur Anhoͤrung der Koͤniglichen Meschafe und kehrten in 10 Minuten zuruͤck. Es herrschte etwa 2 Mi⸗ nuten tiefes Stillschweigen im Hause, das nach allen 2eesGen hin gedraͤngt voll war. Sodann wurde zur Sprecher⸗Wahl geschiitten. Lord Francis Egerton erhob sich suersb. um Sir Charles Manners Sutton vorzuschlagen. Er. fuͤhrte an, daß Sir Charles das Sprecher⸗Amt schon seit 18 Jah⸗ ren zu allgemeiner Zufriedenheit bekleidet habe, und er⸗ waͤhnte mehrerer Stellen aus Reden, welche seine jetzigen Geg⸗ ner bei der vorigen Wahl zu seinen Gunsten gehalten. Auch machte er bemertlich, wie noͤthig es sey, einen Sprecher zu ha— ben, der mit den Formen des Hauses gehoͤrig bekannt sey, da durch den letzten Brand eine Menge von Urkunden und Doku⸗ menten verloren gegangen, deren Inhalt nun aus dem Gedaͤcht⸗ niß citirt werden muͤsse, und daß kein Individuum so faͤhig sey, die alten Vorschriften auf eine neue Lokalitaͤt anzuwenden, als der bisherige Sprecher. Endlich sprach er die Hoffnung aus, daß man nicht die gegen Sir Charles deshalb erhobenen Beschuldigungen, weil er seine Pflicht als Geheimerath erfuͤllt, hier gegen ihn geltend machen oder ihn zar no⸗ thigen wüͤrde, sich gegen Anklagen zu vertheidigen, die sich auf bloße Zeitungs⸗Angaben gruͤndeten. Der Antrag wurde von
Sir Charles Burrell unterstuͤtzt, der, ohne die Verdienste
und den Charakter des Herrn Abercromby verkleinern zu wol⸗ len, doch die vieljaͤhrigen Erfahrungen des Sir C. Sutton in den parlamentarischen Gebräͤuchen zu dessen Gunsten hervorhob. Hierauf nahm Herr Denison das Wort, um seinerseits Herrn Abercromby zum Sprecher vorzuschlagen; er hielt einen kurzen Vortrag, in welchem er erklaͤrte, daß er keinesweges von den Vorwuͤrfen Notiz nehmen welle, welche die öͤffentliche Presse ge⸗ gen Sir C. M. Sutton erhoben, sondern daß er seinen Antrag
nur auf die Pflicht der Majoritaͤt des Hauses gruͤnde, vor allen
2. inen Mann, der mit ihr gleicher Meinung sey, zu ih⸗ b n ihm Dingen einen Mann, ireg absichtige, uͤbrigens aber wohl einsehe, in welcher unvortheilhaften
Setellung er sich einem Manne gegenuͤber befinde, der den Sprecher⸗
rem Oegan zu waͤhlen. „Wir befinden uns“, sagte der Redner
unter Anderem, „inder wechtigsten politischen Krisis, wo die Gemuͤ⸗
ther des Volkes im hoͤchsten Grade aufgeregt und die Blicke, nich ieses Landes, nicht nur Europa's, sondern der gan⸗ te ““ habe er wohl erwogen und daher nur den dringenden Bitten
zen civilisirten Welt auf unsere Berathungen gerichtet sind. In
vielen Punkten stimme ich mit den beiden vorigen Rednern Uüberei lich in allem dem, was von den liebenswuͤrdigen 1 „gegen; EE“ — wollte er sich in keine weitere Rechtfertigungen einlassen, um
so
und trefflichen Eigenschaften des bisherigen Sprechers gesagt woeden ist; in der That, es kann ihm Niemand seine Tugenden im Privatleben absprechen; aber hier handelt es sich nicht um einen persoͤnlichen Charakter, sondern von einem großen Staats⸗ Prinzip. In allen den politischen Stuͤrmen, welche unvermeidlich binnen karzer Zeit eintreten muͤssen, in allen Verwirrungen und Schwierigkeiten, welche dem jetzigen Zustande der politischen At⸗— mosphaͤre anhaften, und die „gleich kommenden Ereignissen, ihre Scchatten vor sich her werfen“, in allen Eroͤrterungen, welche
nothwendiger Weise uͤber die Maßregeln entstehen muͤssen, wel⸗ sche der an der Spitze der Regierung stehende sehr ehrenwerthe Varonet einzubringen versprochen hat, bei den Debatten uͤber die Corporations⸗Reform und bei der Dis kussion, welche in Betreff der
Emlassung meines edlen Freundes Lord Melbourne und seiner
Verwaltung statifinden muß, die man nicht hoͤren und denen man nicht die Erprobung gewaͤhren wollte, welche der sehr eh⸗ ren werthe Baronet und die ihn umgebenden Freunde so drin⸗ gend fuͤr sich in Anspruch nehmen, bei allen diesen und vielen anderen wichtigen Fragen muß das Haus einen Mann auf dem Sprecher⸗Stuhl haben, der Unparteilichkeit und Hoͤflichkeit mit Wuͤrde verbindet und auch in seinen An⸗ sichten mit der Majoritaͤt der Mitglieder uͤbereinstimmt. Und wenn jemals eine Zeit kommen sollte, was nimmer der Fall seyn moͤge, wo, ich wil nicht sagen, eine Kollision, sondern nur eine Meinungs⸗Verschiedenheit zwischen diesem und dem ande⸗ ren Parlamentshause eintraͤte, in einem solchen Falle besonders wuͤrde es mehr als je nothwendig seyn, daß wir einen Mann auf dem Sprecher⸗Stuhl haben, von dem wir wissen, daß er
den großen Reform⸗Prinzipien aufeichtig ergeben ist.“ Herr
Ord unterstuͤtzte diese Motion, indem er bemerkte, daß es, da die Regierung das vorige Unterhaus aufgeloͤst habe,
um Unnterstuͤtzung fuͤr eine Tory⸗Verwaltung zu gewinnen, dem neuen Unterhause obliege, sofore auezusprechen, daß es kein Fory⸗Ministerium wolle; darum muͤsse es gegen die Wahl des Sir C. M. Sutton stimmen, damit das Volk, welches die neue Verwartung nicht unterstuͤtzen moͤge, baldigst erfahre, daß seine Repraͤsenranten seine Erwartungen nicht getaͤuscht haͤtten. Es noͤhmen sohann die beiden Kandidaten selbst das Wort, der Eine, um sich gegen die ihm von der Presse gemachten Vorwuͤrse zu vertheidigen, der Andere, um fuͤr die neue ihm zugedachte Ehre zu danken. Sir TCharles Manners Sutton bemerkte, nach⸗
dem er uͤbrigens die ausgezeichneten Foͤhigkeiten und Talente seines Gegen⸗Kandidaten aner kannt hatte, es seyen besonders drei Punkte, in Bezug auf welche er sich zu rechtfertigen habe, nämlich die Behauptungen, daß er, als Sprecher des Unter, hauses, sich mit Anderen in Machinationen zum Umsturz der vorigen Verwaltung eingelassen, baß er an der Bildung des nauen Ministeriums Theil genommen und daß er die Aufloͤsung des vorigen Unterhauses angerathen und unterstuͤtzt haäͤlte. An alem diesen, behauptete er, sey von Anfang bis zu Ende kein wahres Wort. Der Redner erzaͤhlte nun ausfuͤhrlich, in wel⸗ che n Verkehr er seit der Prorogation des Parlaments mit Sr. Majestät und mit den vorigen Ministern gestanden, vas vor und nach dem Parlaments⸗Brande geschehen, wie oft und in welchen Beziehungen er mit dem Koͤnige zusammengekommen, bis das vorige Ministerium aufgeloͤst worden. „Waͤre es moͤglich“, sagte er in dieser letzte⸗ ren Hinsicht, „daß Jemand in diesem Hause noch eine gröͤgere Betheuerung, als sein Ehrenwort, abgeben koͤnnte, so wuͤrde ich dieser Betheuerung mich bedienen, um zu versichern, daß ich nicht die geringste Ahnung davon hatte, daß ein solches
nungen erst, nachdem sie vollzogen waren, erfuhr.
gewandt
ich
politischen
— Lord Stanley erhob sich
Ereigniß nahe sey, ja, daß ich die Nachricht davon erst aus den Morgen⸗Blaͤttern schoͤpfte.“ Was die zweite Beschuldigung an⸗ betreffe, so erklaͤrte Sir C. Sutton, daß in den Geheimeraths⸗ Versammlungen, denen er als Mitglied des Geheimen Raths bei⸗ gewohnt habe, nur formelle Angelegenheiten verhandelt worden seyen, und daß also der Vorwurf, er habe zur Bildung des neuen Ministeriums beigetragen, ganz ungegruͤndet sey. Er berief sich dabei, weil es ihm sein Eid nicht er⸗ laube, den Inhalt jener Verhandlungen zu veroͤffentlichen, auf das Zeugniß der uͤbrigen Mitglieder des Geheimen Raths. Ferner versicherte er, daß er seit der Ankunft Sir R. Peel'’s in England nur zweimal in dessen Hause gewesen sey, einmal, in Folge einer Aufforderung des Premier⸗Ministers, der ihn zu sprechen gewuüͤnscht, gleich am Tage nach dessen Nuͤckkehr aus Italien, und das andere Mal wegen einer rein formellen Sache, naͤm⸗ lich der Berichtigung des Gehalis der Parlaments⸗Secretaire. „Ich sage es geradezu und ein fuͤr alle Mal“, fuͤgte Sir Charles hinzu, „daß ich, mit Ausnahme der Ernennung meines sehr ehrenwerthen Freundes, des Lord⸗Kanzlers, und des Herzogs von Wellington, niemals einen Rath erih ilt, einen Vorschlag gemacht habe oder zu Rathe gezogen worden bin, und daß ich alle uͤbrige Ernen⸗ Endlich was meine angebliche Theilnahme an der Aufloͤsung des Parlaments nbelangt, so kann ich nur sagen, daß ich im Conseil nicht ge—
genwaͤrtig war, als diese Maßregel beschlossen wurde, und daß man mich auch nicht aufgesordert hatte, den Berathungen dar⸗ uͤber beizuwohnen.
Ich hatte gar nichts damtt zu thun und wußte so wenig von den in dieser Hinsicht gethanen Schrit⸗ ten, daß, da mich eine Unpaͤßlichkeit zu Hause gefesselt hielt, die Sache erst durch die Anzeige in der Hof⸗Zeitung zu meiner Kenntniß gelangte. Wenn ich darum gewußt haͤtte, wuͤrde ich dann nicht die nöthigen Maßregeln vorbereitet haben, um meine Wieder⸗Erwaͤhlung bei der Universitaͤt Cambridge zu be⸗ treiben? Wuͤrde ich mich nicht an meine Konstituenten haben? Ich that dies nicht, weil ich von der bevorstehenden Aufloͤsung des Parlaments nichts wußte. Ehe mich niedersetze, bitte ich das Haus noch um die Erlaubniß, den Wunsch auszusprechen, daß man mit dem Schluß dieser Debatte, welches auch das Resultat derselben seyn mag, auch alle bittere, rachsuͤchtige und feindselige Gefuͤhle beschwich⸗ tige. Ich aͤußere diesen Wunsch, weil ich durch vieljaͤhrige Er⸗ fahrung zu der Ueberzeugung gelangt bin, daß es, wenn nicht alle solche Gefuͤhle unterdruͤckt werden, keinem Sprecher moͤglich
ist, seine Pflicht zum Besten des Landes, zur Zufriedenheit des Hauses und 1 8 uͤben.“ Als der Redner sich unter allgemeinem Beifall von
zu seiner eigenen Genugthuung auszu⸗ beiden Seiten des Hauses niedergelassen hatte, erhob sich Herr Abercromby; er wurde von der Opposition mit lautem
Applaus empfangen und aͤußerte sich im Wesentlichen dahin, daß er sich bestreben wuͤrde, wenn die Wahl auf ihn fiele, seine
Pflichten auf's gewissenhafteste zu erfuͤllen, und daß er die hohe Ehre zu wuͤrdigen wisse, die man ihm widerfahren zu lassen be⸗
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stuhl so lange eingenommen, und dessen oͤftere Wiedererwaͤhlung da⸗ von zeuge, wie hoch man seine Dienste anschlage. Dies, sagte er,
von Freunden nachgegeben, auf deren Urtheil er großes Gewicht lege. Ueber seine Person und die gegen ihn gerichteten Angriffe
mehr, als der Gegenstand, mit welchem jene Vor⸗ wuͤrfe in Verbindung staͤnden, naͤchstens in einem Ausschusse des Hauses zur Eroͤrterung kommen muͤsse. Was seine Ansichten betreffe, so seyen dieselben allgemein bekannt. „Ich will mich nun“, so schloß der Redner, der Entscheidung des Hauses unterwerfen und nur noch den heißen Wunsch hinzufuͤgen, es moͤge dieselbe so ausfallen, daß sie zur Festigkeit und Dauer jener gerechten Autoritaͤt und jener wesent⸗ lichen Rechte und Privilegien beitragen moͤge, die diesem Hause durch die Verfassung unseres Landes gesichert sind, und daß die Geschaͤfte des Hauses mit dersenigen Ordnung, Regelmäaͤßigkeit und Wohlanstaͤndtgkeit gefuͤhrt werden moͤgzen, die durchaus noͤthig sind, wenn wir uns die Achtung und das Vertrauen des Volks, welches wir repraͤsentiren, erhalten wollen.“ jetzt und wurde von dem Hause mit lautem Beifall begruͤßt. „Fuͤr beide Maͤnner,“ sagte er, „welche Ihnen so eben zu dem Sprecher⸗Amt in Vorschlag gebracht worden sind, empfinde ich die groͤßte persoͤnliche Ach⸗ tung, und von Beiden habe ich waͤhrend der Dauer der letz⸗ ten Verwaltung große und wichtige Unterstuͤtzung erhalten. Ich werde es mir immer zur Ehre rechnen, vier Jahre lang zu die⸗ ser Verwaltung gehoͤrt zu haben, so wie ich auch Niemanden an Anhaͤnglichkeit fuͤr das große Prinzip der Reform nachstehe. Aber schon im Jahr 1833 war ich vollkommen mit dem Lobe derjenigen einverstanden, die auf heiden Seiten dieses Hauses den Talenten, der Rechtschaffenheit und der Unparteilichkeit meines sehr ehrenwerthen Freundes, dessen unschaͤtzbare Dienste durch keine politische Meinungs⸗Nuͤance aufgewogen werden koͤnnen, Gerechtigkeit widerfahren ließen (Beifall). So wie da⸗ mals, bin ich auch jetzt noch dieser Meinung. Ich erwartete hier eine offene Darlegung derjenigen meiner Freunde, deren Ansicht sich in dieser Beziehung geaͤndert hat, hinsichtlich der ver⸗ aͤnderten Umstaͤnde zu hoͤren, durch welche sie zu solchem Mei⸗ nungswechsel bewogen worden sind. Allein, was ist bis her geschehen? Das Mitglied fuͤr New⸗Castle, welches meinen sehr ehrenwer⸗ then Freund in Vorschlag gebracht, sagt nicht Ein Wort in Be⸗ zug auf die bisher gegen den Letztern geschehenen Angriffe, son⸗ dern meint vielmehr, derselbe staäͤnde immer noch eben so hoch in der oͤffentlichen Meinung als fruͤher. Ueber das Prinzip im Allgemeinen hat sich dieses Mitglied eben so wenig als das ihm in der Rede folgende ausgesprochen. Ich bin ganz mit diesen beiden Herren darin einverstanden, daß mein sehr ehrenwerther Freund den gegen ihn gerichtet gewesenen Angriffen auf eine edle Weise und voll Selbstvertrauen entgegengetreten ist; er hat sie keiner Antwort wuͤrdig gehalten. Aber eben weil er dies ge⸗ than, sollte ihm das Haus durch seine Erwaͤhlung eine vollstaͤn⸗ dige Genugthuung geben. Denn es ist nicht hinreichend, daß mein sehr ehrenwerther Freund unuͤberfuͤhrt — er muß auch ganz unverdaͤchtigt dastehen, Dies sind wir seiner Ehre schul⸗ dig. Von dieser persoͤnlichen Ansicht der Sache zu der oͤffentli⸗ chen uͤbergehend, frage ich zunaͤchst, was steht dem Hause im Wege, dies:nal ganz eben so zu Werke zu gehen, als in der letz⸗ ten Session? Der Sprecher, sagt man, muͤsse Grundsaͤtze haben, die mit der Majoritaͤt dieses Hauses im Einklange seyen. Ist dieses etwa ein neues Prinzip? Ward nicht unter Lord Grey'’s Ver⸗ waltung dasselbe gesagt? Hat man es damals nicht als unhalt⸗ bar widerlegt? Nun behauptet man freilich, daß dies im J. 1833 keine Frage gewesen sey, in Bezug auf welche man an das Volk direkt appellirt habe. Allein im J. 1831 ist allerdings eine
solche Appellation geschehen, und zwar in Bezug auf ein großes
8 Prinzip — auf die Reform⸗Bill. Und was that man damals Man waͤhlte einen Sprecher, von dem man wußte, daß er die Gesinnungen der Majoritaͤt nicht theile. Nun nmoͤchte ich den sehr ehrenwerthen Herrn, welcher Herrn Abercromby in Ver⸗ schlag brachte, fragen, in welcher Hinsicht sich die Umstaͤnde set dem J. 1833 so weit geaͤndert haben, daß wir einen andern Sprecher waͤhlen muͤssen? Ich kann mir in der That keine Ant wort auf diese Frage geben, wenn ich nicht etwa die Meinung des Unterstuͤtzers von Herrn Abercromby dafuͤr gelten lasse, daß es sich se nicht um eine Darlegung des Prinzipes, sondern um die Darlegun
der Macht einer Partei handele. (Betfall von den ministerielle
Baͤnken, in welchen auch die Opposition einstimmt.) Die Krone sagt man, muͤsse sofort außer Zweifel uͤber die eigentliche Gesi⸗ nung des Hauses gesetzt werden; weder im Jahre 1833 im Jahre 1831 habe ein solcher Zweifel stattfinden koͤnnen; die Regierung habe damals, als sie den Sprecher vorgeschlagen, vollkom, men gewußzt, woran sie sey, und von der Majoritaͤt des Hauses gleich, sam ein Opfer verlangt, das sie dem augenblicklichen Beduͤtfnise bringe. Nun zugegeben; unterscheidet sich aber darum der 8 genwaͤrtige Fall von den beiden fruͤheren Faͤllen? Wahrlich,w sehe keinen andern Unterschied, als daß wir im Jahre 1833 jm Amte waren, und daß wir es im Jahre 1835 nicht sind. (Grr ßes Gelaͤchter und Beifall.) Es ist dies kein bloßer Scher, vielmehr sagte eben ein ehrenwerthes Mitglied wirklich, daß mn Herrn Abercromby zum Sprecher waͤhlen muͤßten, um der Krore
gleich von vorn herein zu sagen, daß wir zu der jetzigen Par⸗
waltung kein Vertrauen haben. Besteht. darin das Pein; Nun, dann sage ich, es kann keinen Akt groͤßerer Ungencing⸗ keit, keinen Akt, der mehr der Rache als der Gerechtigkeit wuüͤraigiß, geben, als eine solche Entscheidung, welche die Ehre und im Charakter des Hauses selbst verletzen wuͤrde. (Beifall von de ministeriellen Baͤnken.) Will man bloß die Macht der Parteien auf die Probe stellen, nun so trete man offen mit einer Adrise an die Krone hervor, worin diese gebeten wird, die gegenxwir⸗ tigen Minister zu entlassen; aber man trete darum nicht dem Charakter des Hauses und der Gerechtigkeit zu nahe. (Nein, nein! ruft die Opposition sehr heftig.) Ich frage das Halt und appellire an seine Ehre, ob es nicht eine Handlung der vo⸗ gerechtigkeit seyn wuͤrde (nein, nein!), bloß um die Macht ze Parteien auf die Probe zu stellen, einen Sprecher zuruͤckze weisen, gegen den es, wie allgemein zugegeben wird, nächt bic keine Beschuldigung giebt, sondern der auch als vorzuͤgle ausgezeichnet fuͤr diesen Posten gilt? Und aaderg seits, will sich denn die Majoritaͤt dieses Hauses etwa dazu be
kennen, daß die Prinzipien des ehrenwerthen Mitgliedes sie
Edinburg (Hrn. Abercromby) auch die ihrigen seyen? (Beüfll
von der ministeriellen Seite.) Ich kenne gar manche Whig!
die wohl nicht zugeben duͤrften, daß sie durch dieses Votum sc auch anheischig machten, allen Ansichten des Herrn Abercrom beizutreten. Das Mitglied fuͤr Edinburg ist z. B. fur die P. kuͤrzung der Parlaments⸗Dauer, wo nicht fuͤr dreijaͤhrige Per. lamente, ferner fuͤr die Abstimmung durch Ballottement und ste die Abfindung der Kirche — lauter Fragen, in denen ich mit unzaͤhligen anderen Whigs nicht mit ihm übereinstimme. Wth len also alle diejenigen, die seine Ernennung unterstuͤtze, sich dadurch auch zu seinen Ansichten unbedingt bekennen (Nein, nein!) Nun, wenn dies nicht der Fall ist, was wieh nun aus der Behauptung, daß die Entscheidung dieser Frm einer Darlegung der Macht der Parteien gilt? Sollte ich nem Gefuͤhle dieser Art mehr als der Gerechtigkeit folgen, wuͤrde ich als den Berechtigtsten zum Sprecher⸗Amte, naͤchst me nem sehr ehrenwerthen Freunde, nicht das Mitglied fuͤr Eow⸗ burg, sondern das fuͤr die Stadt Cambridge (Herrn Sprik Rice) halten, weil ich naͤmlich mit den Ansichten dieses Mittle des viel mehr uͤbereinstimme; aber fern von mir sey jeder solcn Gedanke von Ungerechtigkeit. Ich bin eben so wenig mit de politischen Gesinnungen des Sir C. Sutton als mit denen de Herrn Abercromby einverstanden, aber ich halte es fuͤr en Pflicht der Ehre, den Mann zu unterstuͤtzen, der das Spreche Amt seit vielen Jahren mit dem ungetheitltesten Beifall bele det hat.“ — Heer Abercromby fand sich durch die Bema kungen des Lord Stonley zu der Erklaͤrung veranlaßt, daß du jenige, was uͤber seine politischen Grundsaͤtze und namentlich lbt eine „Abfindung der Kirche“ gesagt worden, nicht ganz richt sey. — Herr R. Ferguson, der nun das Wort ergriff, gh die Erklaͤrung ab, daß er sich, wenn er uͤberhaupt mitstimma wollte, durch persoͤnliche Verhaͤltnisse genoͤthigt sehen wuͤrde, ft Sir C. M. Sutton zu stimmen, weil er demselben diese Zusichemmg gegeben, ehe er noch gewußt, daß Herr Abercromby seine felhgr Weigerung, sich zum Kandidaten vorschlagen zu lassen, zuruͤckzmm⸗ men haͤtte; er wolle also, da er sonst sein Versprechen efllen muͤßte, von der Abstimmung lieber ganz fern bleiben. Lord John Russell antwortete sodann auf die Rede des Lord Stanley vnd behauptete, die haͤufige Theilnahme des Sir C. M. Sutton a. Geheime⸗Raths⸗Versammlungen, in denen eine der Majorität de Unterhauses feindliche Ministerial⸗Veraͤnderung vorbereitet weu den sey, habe sich fuͤr ihn, als Sprecher dieses Hauses, nicht 4e ziemt; wenn auch die Tory⸗Grundsaͤtze desselben sich fruͤherh nicht so bemerklich gemacht haͤtten, so seyen sie doch bei ditse Gelegenheit wieder ganz zum Vorschein gekommen, un es wuͤrden dadurch diesenigen, welche ihn fruͤher untg stuͤtzt, vollkommen gerechtfertigt dastehen, wenn sie sich . seiner Wahl widersetzten. Sir Robert Peel uͤübernahm Ch C. Sutton's Vertheidigung gegen die Vorwuͤrfe des Lord Nü sell, bezog sich jedoch nur auf die Zeit seit seiner Ruͤckkehr ale Italien, ohne der vorhergegangenen Ereignisse zu gedenken; habe, sagte er, die Frage an Sir Charles gerichtet, ob er sh den Dienst der Krone einzutreten geneigt seyn wuͤrde; diest aber habe es abgelehnt, und er (der Minister) habe Uih daher auch darauf nicht mehr in Betreff der Bilbdun, des Ministerjiums und in Betreff der Aufloͤsung des Par laments zu Rathe gezogen, ja, es sey kein Wort ulh in diesen Beziehungen zwischen ihnen beiden gewechselt worden Nachdem hierauf noch Lord Dudley Stuart und Herr N. binson erklaͤrt hatten, daß sie es bei ihren Reform⸗Grunds zen doch fuͤr angemessen hielten, dem vorigen Sprecher wlehe ihre Stimme zu geben, um nicht inkonsequent zu werden, 8 Morpeth aber behauptet hatte, daß darin gar keine Inkon
quenz liege, wenn Einer, der fruͤher fuͤr Sir Charles gestimmne
nach dem, was vorgefallen, fuͤr Herrn Abercromby stimme wurde zur Abstimmung geschritten. Vorher jedoch entfernte
noch Herr Cobbett, mit dem Bemerken, daß er ieber
nicht mitstimmen wolle, weil er Herrn Abercromby aus manghe ’ lei Gruͤnden, besonders aber, weil derselbe die grausame 0
men⸗Bill befoͤrdert habe, seine Stimme nicht geben koͤnne. nahmen 622 Mitglieder an der Abstimmung Theil, und dah ergaben sich nach der Stimmen⸗Zaͤhlung EC557T“* 8† fuͤr Herrn Abercromby. 316
also fuͤr Letzteren eine Majoritaͤt von. 10 Stimmen,
noch un
Uhritäͤt
siclunterstuͤtzten.
erselbe als Sprecher des Unterhauses proklamirt, wurde. eeheokes Peel sagte darauf, daß ihm nun nichts Anderes üͤbrig bleibe, als dem sehr ehrenwerthen Herrn zu seiner Erwaͤh⸗ lung Gluͤck zu wuͤnschen.
London, 20. Febr. Der Koͤnig hielt vorgestern im St. James⸗Palast ein Lever, bei welchem der Graf von Sheffield, zs neu ernannter Kammerherr des Koͤnigs, mit dem Guelphen⸗ Hrden geschmuͤckt wurde. Darauf hatte der zum Lord⸗Steward des Koͤnigl. Haushalts ernannte Graf Wilton eine Audienz bei Sr. Maj. Der Graf von Albemarle überreichte dem Koͤnige die von dem verstorbenen General Sir W. Keppel getragenen Insignien des Bath⸗Ordens. Der Marquis von Winchester nd die Lords Tullamore, Sydney und E. Bruce wurden, nach ührer Ernennung zu Koͤniglichen Kammerherren, Seiner Ma⸗
jestaͤt vorgestellt, und Graf von Courton, als Capitain nder Garde⸗YNeomen, so wie Viscount Hereford, als Capitain der Gendarmerie, zum Handkuß gelassen. Demnäͤchst ertheilte der Koͤnig dem Fuͤrsten Esterhazy, dem Grafen Pozzo di Borgo, dem Grafen Sebastiani, dem Baron Buͤlow, dem General Alava, und den Gesandten von Sardinien, Belgien, Daͤnemark, Bayern, Portugal und Sachsen, welche Letzteren zugleich Schrei⸗ ben von ihren respektiven Souverainen uͤberreichten, nach ein⸗ andet Audienzen. Ferner wurden dem Koͤnige der Brasiliani⸗ sche Geschaͤftstraͤger Ritter Lisboa, der Portugiesische Gesandt⸗ ast⸗Secretair Hr. Riäbeiro und die Herren Pontois und Bourque⸗
nay, Letztere von dem Franzoͤsischen Botschafter, vorgestellt. Nach den Lever hielten Se. Ma estaͤt eine Geheime⸗ Raths⸗ Versamm⸗ fung, welcher alle Kabinets⸗I einister beiwohnten, und worin der Graf Wilton vereidigt wurde. Gestern fruͤh hatte der Erzbischof von Canterbury eine Audienz beim Koͤnige, und spaͤt am Abend am Sir Robert Peel nach dem St. James⸗Palast, um, wie der Courier meint, Sr. Majestaͤt die Schwierigkeiten vorzu⸗ stelen, in die sich das Kabinet durch das gestrige Votum des Unterhauses versetzt sehe. Heute fand bei Sir R. Peel eine Kabinets⸗Versammlung statt, in welcher uͤber denselben Gegen⸗ stand berathen worden seyn soll. Die Minister blieben heute den ganzen Tag uͤber mit einander in lebhaftem Verkehr. Am Dienstag wird der Koͤnig sich nach dem Oberhause begeben und das Parlament in Person eroͤffnen. Am Abend vorher will Sir R. Peel, dem Vernehmen nach, die Thron⸗Rede in seiner Wohnung einem Theil der Unterhaus⸗Mitglieder vorlesen, und
dasselbe soll von Seiten des Herzogs von Wellington in einer
Gesellschaft von Pairs geschehen.
Bekanntlich besteht das Unterhaus aus 658 Mitgliedern; da⸗ von waren bei der gestrigen Abstimmung 626 zugegen; 4 aber nah⸗ men nicht daran Theil; 2 naͤmlich, Sir G. Clerk und Herr Charles Wood, hatten das Geschaͤft der Stimmen⸗Zaͤhlung uͤbernommen, und zwei Andere, Sir W. Wynn und Herr Langton, der eine von der Ministerial⸗, der andere von der Oppositions⸗Partei, verließen das Haus nach gegenseitiger Ruͤcksprache, indem sie mit einander uͤbereinkamen, daß sie Beide nicht mitstim⸗ men wollten, weil dann in dem Resultat der Abstimmung durch ihre Abwesenheit keine Veraͤnderung hervorgebracht werden koͤnnte, da von beiden Seiten eine Stimme ausfiel. Ganz abwesend waren also nur 32 Mitglieder; hiervon rechnen der Courier und der Globe 25 zu den Reformern, worunter Sir F. Burdett, der sich mit Genehmiguna seiner Waͤhler der Lheilnahme an der Abstimmung enthielt, Herr E. Ellice, der noch in Kalien ist, und Lord Milton, der wegen eines Ungluͤcks⸗ falls, der seinen Vater, den Grafen von Fitzwilliam, betroffen hatte, nicht erschienen war. Diesem Letzteren war es naͤm⸗ lic, so wie vor kurzem dem Grafen Darnley, ergan⸗ gen; er hatte sich, als er am Montage zu Milton in seinem Forst einige Aeste herunterhieb, mit der Axt in den Fuß gehauen, doch fuͤrchtet man keine schlimme Folgen von der Ver⸗ wundung. Die 7 andern Mitglieder des Unterhauses, welche gestern fehlten, werden zur ministertellen Partei gerechnet. Noch ist zu bemerken, daß bei der Sprecherwahl die beiden Kandida⸗ ien, Sir C. M. Sutton und Herr Abercromby, gegenseitig der eine für den Andern stimmten. Die Herren Ferguson und Cob⸗ bett entfernten sich vor der Abstimmung.
Der Globe sagt: „Die gestrige Entscheidung des Unter⸗ sauses muß ungeheure Verluste in Wetten zur Folge gehabt ha⸗ bi, so sehr war man davon uͤberzeugt, daß Sir C. Sutton itt einer Majoritaͤt von 8 oder 10 Stimmen wieder erwaͤhlt werden wuͤrde. Selbst waͤhrend der Debatte wurden noch 5 gegen 3 zu Gunsten Sir C. Sutton's gewettet. Ja, man sah ihn schon so sicher auf dem Sprecher⸗Stuhl, daß ein Mitglied seiner Familie bereits die Einrichtungen zu seiner Bequemlich⸗ keit im Unterhause bestellt hatte. Im Unterhause selbst aber be⸗ nchnete man waͤhrend der gestrigen Debatten das Resultat der
btmmung schon ganz genau. Man veranschlagte naͤmlich die Mijoritaͤt zu Gunsten des Herrn Abercromby auf 12, und dies wire auch der Betrag derselben gewesen, wenn Sir F. Burdett und Herr Cobbett mitgestimmt haͤtten.“ 8, De Courier will ganz bestimmt ermittelt haben, daß Sir Nans Graham fuͤr Sir Ch. M. Sutton gestimmt habe, obgleich win einigen Listen unter denen aufgefuͤhrt wird, die Herrn hereromby ihre Stimme gegeben haben.
Der Courier bemerkt uͤber die gestrige Abstimmung im Unterhause: „Eine so große Anzahl von Mitgliedern, naͤmlich 29 mit Einschluß der Zaͤhler, war noch nie im Unterhause ver⸗ semmelt. Bei der zweiten Lesung der Reform⸗Bill, am 6. Juli 1831, waren, mit Einschluß der Zaͤhler, nur 621 Mitglieder zu⸗ gegen. Nur 8 von den 158 fuͤr Schottland und Irland ge⸗ vaͤhlten Mitgliedern waren nicht bei der Abstimmung gegenwaͤr⸗ ig. — Das genannte Blatt glaubt aus dem Resultate der gestiigen Abstimmung den Schluß ziehen zu duͤrfen, daß sich die seige Verwaltung unmoͤglich noch lange wuͤrde halten koͤnnen. „Die Debatte wurde gestern“, fuͤgt der Courier hinzu, „mit unbedeutenden Ausnahmen, mit großer Maͤßigung gefuͤhrt. Die den derjenigen, welche den Antrag machten, und derer, die un unterstuͤtzten, waren frei von allen heftigen Bemerkungen. 8 Herren Denison und Ord stellten die Behauptung auf, daß ir Sprecher in seinen Grundsaͤtzen und Ansichten mit der Ma⸗ des Hauses üͤbereinstimmen muͤsse, und Lord Morpeth sachte zu zeigen, daß diejenigen, welche im Jahre 1833 fuͤr Sir h. Manners Gutton stimmten, sich keiner Unbestaͤndigkeit schul⸗ ig machten, wenn sie jetzt die Wahl des Herrn Abercromby ’ Lord Stanley's Rede fuͤr Sir Ch. Manners utton hat gewiß keinen Einfluß auf eine einzige Stimme ge⸗ abt. Seine persoͤnlichen Bemerkungen uͤber Herrn Abercromby dücen unbegruͤndet. Das Talent Lord Stanley's im Fuͤhren der Ften ist unbestreitbar, aber er wird, wenn wir nicht sehr
niemals das Vertrauen des Landes besitzen.“
8 59 Resultat der gestrigen Abstimmung im Unterhause hat „bedeutendes Sinken der Fonds zur Folge gehabt. Der Cou⸗ der Unsicherheit zu, in der man sich nach die⸗
8 schreibt dies i Resultat daruͤber befinde, wie die Adresse ausfallen werde.
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161 1
Es heißt, daß der Graf von Hardwicke im Oberhause die Antwort⸗Adresse auf die Thron⸗Rede in Antrag bringen werde.
Der Graf Sebastiani hat die ehemalige Wohnung des Grafen De Grey auf dem St. James⸗Square zu seinem Ge⸗ sandtschafts⸗Hotel gewaͤhlt. Aus Lissabon sind Nachrichten bis zum 10ten d. M. hier eingegangen, denen zufolge dort Alles ruhig war. Das Geruͤcht, daß der Herzog von Leuchtenberg gleich bei seinem ersten Auf⸗ treten in Portugal einen sehr guͤnstigen Eindruck auf das Volk gemacht habe, wird bestaͤtigt und hinzugefuͤgt, er habe bereits Maßregeln ergriffen, um dem Einfluß intriganter Damen auf die junge Koͤnigin ein Ende zu machen, was fuͤr das Land und fuͤr das Ministerium von großem Nutzen seyn wuͤrde.
— — London, 20. Febr. Die Wahl des Herrn Aber⸗ cromby zum Sprecher ist durch eine Mehrheit von zehn Stim⸗ men (316 gegen 306) gegen alles Erwarten durchgesetzt worden. Die Opposition gab weislich alle die Beschuldigungen auf, wel⸗ che ihre Organe seit mehr als einem Monate so beharrlich gegen Sir Charles Sutton verbreitet hatten, weil es viel leichter ist, dergleichen Dinge durch einen namenlosen Journalisten vorzu⸗ bringen, als sie persoͤnlich im Angesichte des Parlaments und des Landes zu behaupten. Auch wuͤrden Viele, wenn man auf die Verwerfung dieses Kandidaten aus persoͤnlichen Ruͤcksichten haͤtte antragen wollen, gerade aus diesen Ruͤcksichten nicht ge⸗ gen ihn gestimmt haben. Man legte es also vorzuͤglich darauf an, zu beweisen, daß es noͤthig sey, die Krone gleich von vorn herein mit der Gesinnung des Unterhauses bekannt zu machen, und so den Monarchen zu uͤberzeugen, daß nichts Anderes als die entschie⸗ densten Maßregeln im Sinne der Reform⸗Bill dasselbe befrie⸗ digen koͤnne; ferner sagte man, daß, wenn es zur Zeit, wo ein Reform⸗ Ministerium das Ruder fuͤhrte und die Ration unter dessen Au⸗ spicien ein entschieden liberales Unterhaus gewaͤhlt hatte, gleich⸗ guͤltig war, welche politische Gesinnungen der Sprecher hegte, falls er nur sonst fuͤr sein Amt tuͤchtig war, es jetzt dagegen von der groͤßten Wichtigkeit sey, daß der Neu⸗Erwaͤhlte, als ein an⸗ erkannter Reformer, gewissermaßen die politischen Gesinnungen der Mehrheit des Unterhauses darstelle, besonders wenn dieses Haus mit dem Oberhause in Widerstreit gerathen sollte. Da nun die Vorschlagenden und Unterstuͤtzer des Herrn Abercromby einzig auf diesen Grund bauten, so haͤtte man meinen sollen, daß der Streit sich auch vorzuͤglich um die Frage drehen wuͤrde, ob es noͤthig sey, daß der Sprecher auf die angegebene Weise die Gesinnungen des Unter⸗ hauses darstelle, und ob dies uͤberhaupt ein passender Gegenstand sey, um die gegenseitigen Kraͤfte der Parteien zu messen Lord Stan⸗ ley sprach freilich gegen diese beiden Saͤtze, und zwar nach sei⸗ ner bekannten Weise eben so kraͤftig als leidenschaftlich. Aber wie die Opposition sich der erwähnten Zeitungs⸗Artikel bediente, um das Volk gegen den vorigen Sprecher aufzuregen, und in mehreren Faͤllen demselben foͤrmliche Instructionen an seine Ver⸗ treter zu entlocken, so bedienten sich jetzt Lord Stanley und An⸗ dere jener Beschuldigungen, um die Sache immer noch als per— soͤnlich zu behandeln und zu behaupten, die Verwerfung des Sir C. M. Sutton wuͤrde als ein Vercammungs⸗Urtheil gegen den⸗ selben angesehen werden muͤssen. Indessen wie viel oder wenig ernstlich es auch mit jenen Beschuldigungen gemeint gewesen seyn mochte, so hat sich Sir Charles in einer maͤnnlichen von aller Bitterkeit freien Rede so gaͤnzlich von denselben gereinigt, daß nichts Anderes davon uͤbrig bleibt, als daß er ein Tory ist, und als solcher das Zutrauen dieser Partei besitzt. Das Re⸗ sultat der Abstimmung ist indessen wichtig. Von der Tory⸗ Seite waren nur 7 Mitglieder abwesend, von der der Reformers 25: dies giebt, wenn jene Annahmen von den politischen Gesin⸗ nungen der Abwesenden richtig sind, den Reformern schon eine Mehrheit von 28 bei allen Fragen, welche die all⸗ gemeine Politik der Regierung betrifft. Aber hierzu kann noch eine Anzahl von denen gerechnet werden, welche bei dieser Gelegenheit auf der Seite der Tories gestimmt haben, selbst wenn Lord Stanley und dessen unmittelbarer An⸗ hang, was nicht ganz wahrscheinlich ist, sich von nun an ganz und gar zu dieser Partei halten sollten. Die Ooposition wird demnach kuͤhner zu Werke gehen, und ohne Zweifel eine Gegen⸗ Adresse vorschlagen, worin sie erklaͤren wird, daß sie zu dem jetzigen Ministerium kein Vertrauen hat; und da zum wenigsten alle, welche gestern Abend fuͤr Herrn Abercromby waren, auch hierfuͤr stimmen muͤssen, so kann es an der Durchsetzung derselben gar nicht fehlen. Um dieses wo moͤglich zu verhuͤten, sagt man, werde die Koͤnigliche Eroͤffnungs⸗Rede viel weitlaͤufi⸗ ger und bestimmter seyn, als dergleichen Dokumente bisher ge⸗ wesen zu seyn pflegten, und die darin enthaltenen Vorschlaͤge wuͤrden von der Art seyn, daß alle die, welche nicht zu sehr an ihre Partei gefesselt sind, sich bei einem Vorschlage wie dem obigen, wenigstens neutral haften wuͤrden. Zugleich aber wird auch versichert, daß die Minister entschlossen sind, sich durch kein feindliches Votum dieser Art verscheuchen zu lassen, sondern beharrlich mit solchen Vorschlaͤgen zum Besten des Landes fortzu⸗ fahren, welche ihre Gegner annehmen muͤßten. Und wenn sie dann die Nation von ihrer Bereitwilligkeit, ihr zu dienen, überzeugt haben, wie dieselbe schon von ihrer Faͤhigkeit dazu uͤberzeugt ist, duͤrfte die Verwaltung das Parlament noch ein⸗ mal aufloͤsen, in der gewissen Ueberzeugung, alsdann eine Mehr⸗ heit zu erhalten. Inzwischen hat der Koͤnig bereits die Wahl des Unterhauses genehmigt; die Beeidigung der Mitglieder hat angefangen, und wenn es schnell genug damit geht, wird Se. Majestaͤt naͤchsten Dienstag schon die Session in Person eroͤff⸗ nen. — Ueber das Interregnum des Herzogs von Wellington, wobei er drei Wochen lang die drei Staats⸗Sekretariate in sei⸗ ner Person vereinigte, sieht man wichtigen Debatten entgegen. — Merkwuͤrdig ist es, daß in den gestrigen Debatten O'Connell und alle Ultras sich gaͤnzlich im Hintergrunde hielten; die To⸗ ries sagen, es sey geschehen, um vor der Nation die Teufels⸗ rhergen, welche die jetzige Opposition lenke. öI P Deutschland. be e 20. Febr. Das Koͤnigl. Ministerium
Hannover, dem zweiten Postskripte vom 9ten d. M. der allgemeinen Stäͤnde⸗ Versammlung das Budget der Einnahmen und Ausgaben der
hat in
General⸗Kasse fuͤr das Rechnungs⸗Jahr 18 ⅔ ½ belaufen sich saäͤmmtliche Ausgaben der nungs-Kasse fuͤr das Rechnungs⸗Jahr von 6,042,892 Rthlr. 19 gGr. 4 Pf. Die Einnahmen werden auf 6,048,816 Rthlr. 13 gGr. 4 Pf. vevanschlagt.
Der Möser⸗Verein zu Osnabruͤck hat bis zum Ende des vorigen Jahres fuͤr sein vaterlaͤndisches Unternehmen 3608 Rthlr. gesammelt, welche verzinslich belegt sind. Die Vollendung des Denkmals ist nun nicht mehr fern. Im Juni vorigen Jahres ward von dem Bildhauer Hrn. Drake zu Berlin eine Slizze der Statue und eines Postaments fuͤr dieselbe, von Gips, ein⸗ gesandt. Das letztere, reich verziert und mit vier allegorischen
mitgetheilt. Es Koͤntgl. General⸗Rech⸗ 18 auf die Summe
Figuren geschmuͤckt, wie sehr es auch den Beschauenden gefiel,
ward bald zu kostbar gefunden, als daß man auf elne Ausfuͤh⸗ rung desselben haͤtte eingehen koͤnnen. Desto mehr war man er⸗ freut uͤber die Statue, und der Verein trug, nachdem er Kunst⸗ verständige zu Rathe gezogen, kein Bedenken, Hrn. Drake die Ausfuͤhrung der Skizze, in gehöriger Groͤße, in Bronce, zu übertragen. Auch diejenigen, die Moͤser im Leben gekannt,
gleich nachdem er den Beifall erfahren, den seine Skizze gesun⸗ den, an das große Modell gegangen, und dieses ist soweit ge⸗
zwischen Ostern und Pfingsten dieses Jahres den duͤrfte. .
Altona, 23. Febr. Die letzte Volkszaͤhlung hat fuͤr die b befinden sich, der letzten Zaͤhlung zufolge, 11,701 Ein⸗ wohner.
Stuttgart, 19. Febr. Der hier erscheinende Deutsche Courter macht den Vorschlag zur Anlegung einer Eisenbahn von Stuttgart nach Cannstadt, wodurch der erstere Ort die Vor⸗ theile eines am schiffbaren Neckar belegenen Hafens, letzterer die Vorzuͤge der Hauptstadt erhalten wuͤrde. Diese Bahn sollte dann allmaͤlig ostwaͤrts gegen Eßlingen nach Ulm hin, westwaͤrts gegen Karlsruhe und noͤrdlich gegen Heilbronn (auf welchen bei⸗ den Punkten sie mit den in Baden projektirten Eisenbahnen zu⸗ sammentraͤfe) ausgedehnt werden, so daß sie das ganze Wuͤrttem⸗ bergische Gebiet durchschnitte. Die Redaction des „Courier“
zunehmen.
— — Frankfurt a. M., 21. Febr. Wir hatten abermals eine sehr lebhafte Woche fuͤr den Effekten⸗Handel. Saͤmmtliche Fonds erfuhren weitere Besserung. Alle Berichte von auswaͤrtigen Boͤrsen lauteten guͤnstig, wodurch denn viele Spekulanten veranlaßt wur⸗ den, ansehnliche Einkaͤufe zu machen, und da es den Abgebern man⸗ gelte, so mußten taͤglich hdͤhere Preise bewilligt werden. Die ruhigste Boͤrse war noch die am 18. Februar; Oesterreichische und Hollaͤn⸗ dische Papiere erfuhren fast keine Variation der Notirung; desto stuͤrmischer ging es in den Nachmittags⸗Stunden zu; am Schlusse der Boͤrse hatte man die nwroc. Metalliques zu 1587 und Integrale 551⅞, und zu diesen Coursen waren Geber. Auf ein Geruͤcht aber, daß vei einem der ersten Haͤuser ein Courier aus Paris angelangt sey, geschahen ploͤtzlich viele die genannten Sorten auf 95 22, 1595 und 551 per compt. Nehmer kamen in solchem Andrang, daß nur kleine Posten selbst zu der steigenden Notirung zu haben waren. — Man wollte wissen, jener Courier habe vorlaͤufige Notizen uͤber den befriedigenden In⸗ halt der Englischen Eroͤffnungs⸗Rede, namentlich in Bezug auf die Hollaͤndisch-Belgische Angelegenheiten, mitgebracht. Andere mein⸗ ten, die Pariser Rente⸗Notirung sey stark gestiegen. Bei so guter Conjunctur, und da das baare Geld abondant ist, hielt die Kauflust auch am 19. Februar an. Nachdem die Pariser Post eingetroffen war, erfuhr man, wie die Rente nur wenig (15 Cent.) angezogen hatte, woraus mehrere Haussiers Veranlassung nahmen, ihren Vor⸗ theil zu realisiren und Verkaͤufe zu machen. Die Notirung blieb deshalb etwas flauer, doch hielten sich auch gestern noch die Hester⸗ reichischen und Hollaͤndischen Fonds begehrt und ohne merklichen Ruͤckfall im Cours. Saͤmmtliche Lotterie⸗Effekten waren ebenfalls im Steigen, hauptsaͤchlich die von Preußen und Polen. In Folge einiger Kommissionen zum Einkauf von auswaͤrts, gingen die Aproc. Preußisch⸗Englischen Obligationen auf 97 ½. Spanische Papiere zo⸗ gen auch etwas an, doch blieben die Umsaͤtze darin sehr beschraͤnkt.
— Von Wechseln auf fremde Plaͤtze sind die auf Amsterdam, Augs⸗ burg und Paris gesucht. Diskonto⸗Papier ist rar am Platz; kleine Posten wurden zu 2 ¼ à 2½ Ct. gemacht. Prolongationen sind zu 3 ¼¾ à 4 pCt. Depot⸗Geschäfte zu 3¼ pCt. zu effektutren. — Oesterreich.
Wien, 17. Febr. Der Tuͤrkische Gesandte am Londoner Hofe, Nuri Efendi, ist mit seinem Gefolge hier eingetroffen.
Dem Berichte der Staatsschulden⸗Tilgungs HKommission zufolge, hat dieselbe im letzten Semester des Jahres 1834 von der in Conventions⸗Muͤnze verzinslichen Staatsschuld ein Ka⸗ pital von 4,926,929 Fl. 4,849,395 Fl. 46 Kr. und von der aͤlteren Scheinen verzinslichen Staatsschuld ein Kapital von 4 ¾ Kr., oder in 24procentigen Effekten von 710,477 mit baaren 355,360 Fl. 34 Kr. in geloͤst.
755,109 Fl. 8 F.. 40 Kr., Conventions⸗Muͤnze ein⸗
Siebenbuͤrgischen Landtages berichten oͤffentliche Blatter: „Der Landtag in Siebenbuͤrgen hat das schon laͤngst pro phezeite Ende schnell erreicht. Nachdem man sich beinahe 9 Monate hindurch großentheils wegen Foͤrmlichkeiten gestritten hatte und erst vor kurzem so weit vorgeschritten war, daß sich die Deputirten mit den Regalisten — mit welchen sich jene nie berathen zu wollen erklaͤrt hatten, da sie das Vertrauen des Landes auch nicht im geringsten Grade besaͤßen und verdienten — endlich vereinigten und nun einmal ein Resultat zu erwaerten war, ist der Landtag am 6ten d. foͤrmlich verabschiedet worden. Ohne Zweifel traͤgt das unsinnige Draͤngen nach Reformen der Verfassung, welches von nur 5 Maͤnnern ausging, die freilich die angesehensten und beguͤtertsten Edelleute Siebenbuürgens sind, die Schuld dieser Maßregel, die von ernsten Folgen seyn duͤrfte. Statt sich an die wohlgemeinten Koͤniglichen Propositionen zu halten, wußte deren Einfluß es stets dahin zu brin⸗ gen, daß man immer neue Vorfragen beantwortet und berichtigt haben wollte, ehe man zu jenen schreiten mochte; ahes Warnen von Seiten der Regierung, daß naͤmlich sie, die sonst aufrichtig und gewissenhaft fuͤr Aufrechthaltung der Constitution Sorge trage, schon aͤndern werde, wenn der Landtag durchaus eine ver⸗ aͤnderte Constitution verlange, nuͤtzten nichts.“
Inland. 8
Berlin, 24. Febr. Zufolge Allerhoͤchster Bestimmung ist das im Meseritzer Kreise des Regierungs⸗ Bezirks Posen belegene Cistercienser Moͤnchs⸗Kloster zu Paradies aufgehoben und das Klostergebaͤude, nebst der Kirche und den Kloster⸗Gaͤrten, dem darin zu errichtenden katholischen Schullehrer⸗Seminar uͤber⸗ wiesen worden. Zur Einrichtung des Gebaͤudes zu seinem neuen Zweck ist die Summe von 14,412 Rihlr. erforderlich, welche, so wie die zur Unterhaltung des Instituts jaͤhrlich noͤthigen Geldmittel, aus dem Saͤcularisations⸗Fonds der Provinz Posen entnommen werden sollen. Das Institut wird zur Aufnahme von 60 Seminaristen eingerichtet; es werden an demselben, neben einem Direktor, noch 3 ordentliche Lehrer und ein Huͤlfslehrer mit resp. 800, 600, 500, 450 und 200 Rthlr. Gehalt angestellt und außerdem erhaͤlt die mit dem Institute zu verbindende Uebungs⸗ Schule noch einen besondern Lehrer. Nach den getroffenen Vor⸗ kehrungen wird das Institut zu Ende des laufenden Jahres ins Leben treten; es wird daher, in Gemeinschaft mit dem bereits in Posen bestehenden katholischen Schullehrer⸗Seminar, bald die
noͤthige Anzahl gehoͤrig ausgebildeter Schullehrer stellen koͤnnen,
diehen, daß nach einem kuͤrzlich eingelaufenen Schreiben der Guß bewerkstelligt wer⸗
denen der Mann noch lebendig vor den Augen des Geistes stand, fanden sich durch die Aehnlichkeit befriedigt. — Hr. Drake ist,
hiesige Stadt eine Einwohnerschaft von 26,335 Seelen ergeben.
erklaͤrt sich bereit, vorbereitende und voterst noch nicht verbin⸗ dende Beitritts⸗Erklaͤrungen fuͤr eine Actien⸗Gesellschaft entgegen⸗
95121, bezahlt, Actien
Ankaͤufe und stiegen Hie
3 ¾ Kr. mit einem Aufwande von in Einloͤsungs⸗
— In Bezug auf die bereits erwaͤhnte Schließung des