Käber sich alle die Mitglieder, welche vorgestern fuͤr den
Sprecher stimmten, einigen duͤrften. Wenn man nicht die gan⸗
zen Geschaͤfte der Session auf die Fabrication von Sprechern
beschraͤnken kann, so muͤssen sich gleich im ersten Monat wohl
„ zwanzig Todeswunden“ in dieser Maoritaͤt zeigen. Sie muß in unz
hlige Stuͤcke zersplittern und als die einzige feste, geschlos⸗ sene vnd ausgebreitete Partei im Hause die Konservativen zu⸗ ruͤcklassen, die von dem Sprecher nicht repraͤsentirt werden und
kein angemessenes Organ ihrer Gesinnungen auf dem Sprecher⸗
Stuhl haben. Aber der eigentliche Grund und das wirkliche Band dieser momentanen Verbruͤderung, vermittelst welcher Sir
C. M. Sutton verworfen worden, ist das Bestreben, das Mi⸗
nisterium zu stuͤrzen. Und was dann? Was wollen die radika⸗
len Whigs machen, wenn der Koͤnig nach einem von ihnen sen⸗
Whig⸗Partei.
Absicht der Verwaltung auszuschließen, 1 Miinisterial⸗Stellen mit Personen ihrer eigenen Coterie zu be⸗
einzige Woche, nen? Ihre ganze Armee wuͤrde kaum aus 150 Stimmen be⸗
daß, wenn Sir R.
det, um die Verwaltung zu rekonstituiren? Gesetzt, er sendet nach Lord Melbourne, wird Lord Melbourne mit einem Irländischen Repealer oder mit einem Vertheidiger jaͤhrlicher Parlamente in einem und demselben Kabinet sitzen wollen? Wird Lord Spen⸗ cer, wenn er auch duldsamer gegen solches Pack ist, mit demsel⸗ ben aus Einer Krippe speisen wollen? Der O' Connellsche Theil der Sprecher⸗fabrizirenden Majoritaͤt, die Englischen Destrukti⸗ ven mit eingerechnet, uͤberwiegt im jetzigen Parlamente die alte Wuͤrde also die 88 ihre Gebieter von Dow⸗
tande seyn? Wenn nicht, destruktives Ministerium. Und was soll dann werden? Wenn die Whigs die haben, die Destruktiven von der Theilnahme an und es ihnen gelingt, die
ning⸗Street auszuschließen im so haben wir sogleich ein
setzen und jeden Anderen zu entfernen, wie viel laͤnger, als eine wuͤrde eine solche Verwaltung sich halten koͤn⸗
stehen, mit einer entschiedenen und erbitterten Ultra⸗Radikal⸗Op⸗ position von ungefaͤhr 170 Stimmen auf der einen, und einer konservativen von etwas mehr als 300 auf der anderen Seite.
Wir stellen es also der Nation anheim, diese ganze Frage genau
zu pruͤfen, den folgerichtigen Schluß aus jenen politischen Praͤ⸗ missen zu ziehen und zuzusehen, ob es nicht unvermeidlich ist, eel's Verwaltung gestuͤrzt wird, entweder
eine aus Whigs und Destruktiven gemischte Verwaltung gebildet
werden muß, die zum groͤßeren Theil aus Destruktiven bestehen und mit deren baldigem Sturz auch die Monarchie selbst zu
G Grunde gehen muͤßte, oder aus einer seynsollenden reinen Whig⸗ Verwaltung, die wie ein Kartenhaus vom ersten Hauch der HOpposition umgeweht werden wuͤrde.“
Der bekannte Herr Jeremie ist aus Mauritius wieder hier
angekommen; er hatte am 17ten d. eine Unterredung mit dem
Grafen von Aberdeen.
d Han0 9 “
1“ Aus dem Haag, 24. Febr. Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz von Oranien hat gestern Vormittag zum erstenmale wie⸗
der oͤffentlich Audienz ertheilt. Viele angesehene Personen beeil⸗
ten sich, bei dieser Gelegenheit dem Prinzen ihre Gluͤckwuͤnsche
zu seiner Wiederherstellung abzustatten.
Die Nachricht von der Ernennung des Capitain Koopman zum Contre⸗Admiral (Schout⸗by⸗nacht) wird jetzt von Hol⸗
laͤndischen Blaͤttern als voreilig erklaͤrt. 1e oer „va0
Obligareonen, na reduziren wollte?
Belgien. 11“ Bruͤssel, 23. Febr. Der Herzog von Orleans wird heut wieder hier erwartet.
In der Senats⸗Sitzung vom 19ten d. warf Herr Vander⸗ straeten die Frage auf, ob die Regierung jetzt nicht ihre 5proc. nachdem sie das Pari erreicht haͤtten, auf 4 pCt. Der Finanz⸗Minister antwortete, daß fuͤr
jetzt der Zeitpunkt noch nicht gekommen seyn duͤrfte, eine so schwie⸗
zahlbar sind, uͤbernommen. gestern nach
rige Frage zu erledigen. gzc
Das Haus Rothschild hat, wie hiesige Blaͤtter berich⸗ ten, fuͤr 2 Mill. Fr. 5p Ctige Tresorscheine, die in einem Jahre Herr James von Rothschild ist Paris zuruͤckgekehrt.
Daänemark.
1.“ Kopenhagen, 21. Febr. (Hamb. Korr.) Bei der tie⸗
fen Ruhe, deren die Daͤnische Monarchie seit so vielen Jahren in ihrem Innern ungestoͤrt genossen, bei der allgemeinen Aner⸗ kennung, welche den vaͤterlichen Gesinnungen ihres Beherrschers widerfahren, und der Dankbarkeit, mit welcher die im vorigen Jahre ertheilten Institutionen von der Nation aufgenommen worden, hat man sich nicht wenig verwundern duͤrfen, die hie⸗
sige Presse einen Ton annehmen zu sehen, der jenen von der
Masse der “ empfundenen Gesinnungen nicht immer
entsprach, und dessen Schaͤrfe allerdings, dem Wohlwollen und der Humanitaͤt gegenuͤber, welche den Wuͤnschen der Regierten
stets zuvorzukommen gestrebt haben, verletzend erscheinen mochte. Inzwischen ist von oben herab bisher Nichts E um
diesem Treiben, welches vielleicht nur durch den
eiz der Neu⸗
heit hie und da Eindruck gemacht, Einhalt zu thun, zwei Faͤlle
auwsgenommen,
bei denen man sich veranlaßt gesehen, an
den Ausspruch der Gerichte zu provociren. Es haben sich mitt⸗
lerwette Geruͤchte verbreitet, uͤber deren Begruͤndung sich freilich noch nichts Bestimmtes ausmitteln laͤßt — daß es naͤmlich aller⸗ dings im Werke sey, dem Umfuge der Presse durch eine verän⸗ derte Gesetzgebung oder durch Einfuͤhrung der Censur zu steuern;
wenigstens wurde versichert, daß eine aus drei der geachtetsten Staatsmaͤnnern bestehende Commission zu diesem Behufe nieder⸗
gesetzt sey. sprochen wurde, die bereits seit der
Dieses Geruͤcht, welches hier ziemlich allgemein be⸗ soll nun auch den Deputirten der Hauptstadt, Mitte v. M. provisorische Zusammenkuͤnfte zu halten pflegten, um ihre Aasichten auszutauschen und sich uͤber National⸗Angelegenheiten zu verstaͤndigen, zu mehreren au⸗
ßerordentlichen Versammlungen Anlaß gegeben haben. Ueber die Resultate dieser Berathungen, die uͤbrigens in keiner Weise einen öͤffentlichen Charakter haben koͤnnen, da die Staͤnde⸗Versamm⸗ lung noch nicht zusammengetreten, geschweige denn konstituirt
ist, theilt man sich verschiedenartige Angaben mit. Einige be⸗
haupten, die Kopenhagener Abgeordneten, denen sich spaͤter auch
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entsagen, indem sie sich darauf berufen,
die Stellvertreter und andere Mitglieder der Roeskelder Staͤnde⸗
Versammlung angeschlossen, haͤtten die Absicht geaͤußert, fuͤr den etwanigen Fall der Einfuͤhrung der Censur, ihrer Mission zu daß die Preß⸗Angele⸗ genheiten in der Verordnung v. J. in Betreff der Provinzial⸗ Staͤnde zu deren Wirkungskreise gerechnet worden; allein jeden⸗ falls ist nichts Definitives beschlossen worden, indem, wie von
einigen richtig bemerkt wurde, immer nur erst Geruͤchte vorlaͤgen, die
man nicht als Basis einer Resolution aufstellen koͤnne, wenn
man auch wirkliche Besorgnisse fuͤr die Preßfreiheit hegen duͤrfte.
Als einziges Resultat dieser Versammlungen ist daher bis jetzt wohl
1 er Umstand anzusehen, daß saͤmmtliche Abgeordneten und
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Stellvertreter eine bereits fruͤher abgefaßte Bittschrift an den Koͤnig unterzeichneten, die seit dem 17ten d. auch in der Stadt in Umlauf gebracht wurde. Als Verfasser derselben wird Prof. Clausen genannt, welcher auch unter dem 18ten d., im Verein mit den Prof. Hoyen, Schouw und Sibbern, dem Justizrath Hoegh⸗Guldberg, den Commandeur⸗Capitains Luͤtken und Seidelin, dem Etatsrath Hvidt und den Grossirern Meinert und Suhr, in der Kjoͤbenhavns⸗Post zur Stiftung eines Vereins gegen den Mißbrauch der Presse aufgefordert hat, um dadurch etwanigen Zwangs⸗Maßregeln vorzubeugen. Jene Bitt⸗ schrift, die uͤbrigens in geziemlichen Ausdruͤcken abgefaßt ist, spricht das Gesuch aus, daß das bisherige Maß der Preßfrei⸗ heit ungeschmaͤlert erhalten werden, und daher die Einfuͤhrung der Censur oder die Vorlage eines darauf bezüglichen Gesetzes unterbleiben moͤge. Dieses Dokument, welches bis gestern etwa 600 Unterschriften erhalten haben foll, worunter hiesige Profes⸗ soren, Advokaten, Assessoren des Hoͤchsten⸗Gerichts, viele Kauf⸗ leute ꝛc., und welchem aͤhnliche aus Roeskilde und Helsingoͤr heute gefolgt sind, ist, dem Vernehmen nach, bereits gestern an Se. Majestaͤt eingesandt worden. Ueber die Aufnahme, die sel⸗ bigen zu Theil geworden, wuͤrde es voreilig seyn, eine Meinung zu aͤußern, so wie auch der Anklang, den jenes Gesuch in der Bevoͤlkerung gefunden, sehr uͤbertrieben geschildert seyn mag: jedenfalls versieht sich die Nation in Ruhe und mit dem innig⸗ sten Vertrauen zu den wohlwollenden Gesinnungen ihres allge⸗ liebten Koͤnigs.
Deutschland. 1
Schwerin, 27. Febr. Nach dem diesjaͤhrigen Staats⸗ Kalender belaͤuft sich die Volksmenge von Mecklenburg⸗Schwerin auf 463,362 Seelen (worunter 3110 Juden), also der Zuwachs im verflossenen Jahre nur auf 2883; es kommen nun auf jede unserer 228 geographischen Quadrat⸗Meilen 2032 Seeten, also 12 mehr, als im vorigen Jahre.
Kassel, 18. Februar. (Allg. Ztg.) Die mehrfachen Ver⸗ wickelungen, die der Streit um die Hessen⸗Rotenburgische Erb⸗ schaft besorgen laͤßt, beschaͤftigen in diesem Augenblick die oͤffent⸗ liche Aufmerksamkeit. Als streitende Theile erscheinen das regie⸗ rende Haus, welches sich als alleinigen Erben betrachtet, und die Landstände. Fuͤr einen Staat wie Kurhessen ist es allerdings von Wichtigkeit, ob ein zugefallenes jaͤhrliches Einkommen von 60,000 Rthlrn. — so hoch schaͤtzt man die Revenuͤen von den Domainen der Landgrafschaft Rotenburg — in Zukunft zur Vermehrung der Einnahme der Staatskasse dienen sollen, wo⸗ durch zugleich ein Mittel gegeben wäͤre, das vorhandene Desicit im Ausgabe⸗Budget zu decken, oder ob dasselbe bloß zur Ver⸗ groͤßerung des schon so ansehnlichen Fideikommiß⸗Vermoͤgens des Kurhauses zu gereichen bestimmt werde. Selbst aber wenn die⸗ ser Rechsstreit zu Gunsten des Fuͤrstenhauses entschieden waͤre, entstaͤnde wieder die Frage, ob Se. K. H. der Kurfuͤrst, als zei⸗ tiger und lebenslaͤnglicher Inhaber und Nutznießer des Fidei⸗ kommiß⸗Hausvermoͤgens, oder Se. H. der Kurprinz, als derma⸗ liger Staatsregent, nach Vertraͤgen mit dessen Durchl. Vater auf den Genuß der von diesem an ihn abgetretenen, auf ein jaͤhrliches Ein⸗ kommen von 392,000 Rthlrn. sich belaufenden Civilliste, wiewohl unter Stipulation von mancherlei Abzuͤgen, beschraͤnkt und gewis⸗ sermaßen abgefunden, die am meisten rechtlichen Anspruͤche auf die Rotenburgische Hinterlassenschaft zu machen habe. Weiter stellen sich als streitende Parteien der das Kur⸗Hessische regierende Haus und die durch das Testament des Landgrafen von Hessen⸗ Rotenburg als dessen Allodial⸗Erben erklaäͤrten beiden Soͤhne Vik⸗ tor und Klodwig des Fuͤrsten von Hohenlohe⸗Schillingsfuͤrst. Nach den Worten der bestehenden alten Haus⸗Vertraͤge sollen im Falle des Aussterbens der Seitenlinie die dieser angehoͤrigen Schloͤsser mit ihrer ganzen Ausruͤstung an die Hauptlinte wie⸗ der zuruͤckfallen; es fragt sich aber, welche Gegenstaͤnde als zu der Ausruͤstung der landgraͤflichen Schloͤsser zu rechnen seyen. So sah man hier z. B. den hinterlassenen Marstall des Land⸗ grafen als zur Ausruͤstung von dessen Schlosse zu Rotenburg gehoͤrend an, und machte nicht nur Anspruch auf die landgraͤf⸗ lichen Pferde in Rotenburg, sondern auch auf die aus dem Mar⸗ stall zu Rotenburg nach Ratibor in Schlesien mitgenommenen. Der vom verstorbenen Landgrafen bestellte Testaments⸗Exekutor, Gerichts⸗Direktor Duddenhausen aus Hoͤrter, schlug die Anord⸗ nung von Schiedsrichtern zur Entscheidung dieser und aͤhnlicher Streitfragen und deren guͤtlicher Beilegung vor; dieser Vor⸗ schlag wurde aber hiesiger Seits abgelehnt. Die vielen bei die⸗ ser Sache sich darbietenden Fragen werden zu ihrer Zeit die Federn der Publizisten noch gewaltig in Bewegung setzen, und man wird sie nach dem positiven Staatsrechte, dem Hessischen Familien⸗Rechte, selbst nach dem vormaligen Deutschen Reichs⸗ staats⸗Rechte haarscharf untersuchen. Einstweilen wird der moͤg⸗ licherweise eintretende Fall der Erscheinung eines Posthumus ab⸗ gewartet, nachdem die verwittwete Landgraͤfin, vier Wochen nach dem Tode ihres Gemahls, von Schlesien aus die Anzeige ge⸗ macht, daß sie glaube, in gesegneten Leibes⸗Umstaͤnden sich zu befinden, und spaͤter die Nachricht in Rotenburg eingelaufen ist, daß die Landgraͤfin im kommenden Monate August ihrer Nieder⸗ kunft entgegensehe. Die Kur⸗Hessischen Landstaͤnde werden durch die Betrachtung dieses eventuellen Falles, ungeachtet das Finanz⸗ Ministerium bei seiner mitgetheilten Erklaͤrung denselben nicht unberuͤhrt gelassen hat, nicht davon abgehalten, schon jetzt keinen Schritt unversucht zu lassen, um die betraͤchtlichen Domainen des Hauses Rotenburg dem Staate zu vindiziren; aber man sieht nicht, wie der Streit am Ende geschlichtet werden soll, denn die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen uͤber Rechts⸗ streite zwischen dem Landes-Fuͤrsten und den Landstaͤnden zeigen sich als hier ungenuͤgend.
Muͤnchen, 22. Febr. Se. Majestaͤt haben den bisher mit der Koͤnigl. Gesandtschaft am K. Wuͤrttembergischen Hofe verei⸗ nigten Gesandtschaftsposten in Karlsruhe von derselben zu tren⸗ nen, und diesen letztern Posten mit vinem eigenen Geschaͤftstraͤ⸗ ger in der Person Allerhoͤchstihres ehemaligen Geschaͤftstraͤgers am Koͤnigl. Griechischen Hofe, Legationsraths und Kollegial⸗ Direktors Karl v. Gasser, besetzt.
Hr. Baron v. Rothschild, der eine sehr bedeutende Summe (außer den schon fruͤher gezeichneten 3 Millionen Gulden), die auch von den uͤbrigen Actionairs genehmigt, neuerdings submit⸗ tirt haben soll, wird, nachdem er den Armen verschiedener Con⸗ fessionen ansehnliche Unterstuͤtzungen hatte zukommen lassen, die⸗ ser Tage Muͤnchen verlassen.
Stuttgart, 24. Febr. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Ihren Geschaͤftstraͤger am Koͤniglich Preußischen Hofe, Lega⸗ tionsrath von Linden, zum Kammerherrn ernannt.
Frankfurt a. M., 24. Febr. Nach dem so eben im Druck erschienenen neunten Bericht uͤber den Bestand und Fortgang des hier bestehenden „Vereins zur Befoͤrderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen”“ im Jahr 1833 — 1834 ist die Zahl der vom Vereine unterstuͤtzten Individuen in diesem Jahre von 321 dif gen wepowsen Von diesen sind 170 aus
gerweee.
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dem Großherzogthum, 58 aus dem Kurfuͤrstenthum Hessen, 29 aus Hessen⸗Homburg, 46 aus dem Herzogthum Nassau, 11 aus dem Koͤnigreich Bayern und 40 aus hiesiger Stadt gebuͤrtig Nach gehoͤrig vollendeter Lehrzeit wurden im Laufe dieses 8
res eine Anzahl von 31 Lehrlingen ausgeschrieben. .“ Oesterreich. “
Wien, 21. Februar. (Schles. Ztg.) Der Landtag in Siebenbuͤrgen ist nun foͤrmlich aufgeloͤst und Se. Kaiserl. Ho⸗ heit der Erzherzog Ferdinand zum einstweiligen Civil⸗ und Mi⸗ litair⸗Gouverneur dieser Provinz mit sehr ausgedehnten Vol⸗ machten ernannt worden.
Gestern gab Se. Durchlaucht der Staatskanzler Fuͤrst von Metternich dem nach London bestimmten großherrlichen Gesande ten, Nuri Efendi, ein Diner, zu welchem neben dem hiesigen Tuͤrkischen Gesandten Herrn von Maurojeni und der Suite des Ersteren, auch der Kaiserl⸗ Russische Botschafter, der Koͤnigl Großbritanische und der Koͤnigl. Preußische Geschaͤftstraäͤger am hiesigen Hofe, eingeladen waren. Heute wird Nuri Efendi die Ehre haben, Sr. Majestaͤt dem Kaiser und der Kaiserl. Familte vorgestellt zu werden.
Aus Bitoglia melden die neuesten Briefe das Ablehen des Rumely Wallessy Kawanosoglu. Der Verstorbene wird sih ner stets bewiesenen Haͤrte wezen wenig betrauert. Von Ma Albanesischen Angelegenheiten melden diese Briefe nichts. Emre Sendung alter Tuͤrkischer Muͤnzen, welche ins Ausland wanden sollten, wurde in Bitoglia aufgefangen und den Eigenthuͤmem da die Ausfuhr des alten Tuͤrkischen Geldes verboten ist, nur gegen 30 pCt. Strafe, in neuen Muͤnzsorten zuruͤckgestellt. Die ser Vorfall bietet nur in sofern einiges Interesse, als er nehm anderen einen Beleg liefert, daß das neue Mauth⸗ und Polizz⸗ System sich auch in der Tuͤrkei verfeinert.
Wien, 24. Febr. In Bezug auf den (bereits mehrfach von uns erwaͤhnten) Artikel des Journal de Paris zur Widerke gung der von der Allg. Ztg. gemachten Mittheilungen hinsicht lich der uͤber die Schweiz zwischen dem Franzoͤsischen Kabinat und dem Grafen v. Appony gepflogenen Verhandlungen, bemert der Oest. Beobachter in seinem heutigen Blatte: „Wir ther len vollkommen die vom Journal de Paris aufgestellte Behaup⸗ tung, daß die in der Allgemeinen Zeitung befindliche Mittheilung uͤber die vom Franzoͤsischen Kabinet beschlossene Verfahrungs weise in Betreff der Schweizerischen Verhaͤltnisse ungenau syh, Ein Kabinet kann schwerlich je den Entschluß fassen, kein In⸗ teresse mehr an den Angelegenheiten und den Schicksalen eing Nachbarlandes nehmen zu wollen. Das Aufgeben aller Tha nahme steht jedem Privatmanne zwar unbedenklich frei; das 9r teresse einer Regierung wird ihr aber haͤufig durch Umstaͤnde ge⸗ boten, die von ihrem Willen eben so unabhaͤngig sind, als von ihrer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit den Ereignissen. Aus diesen Gruͤnden glauben wir nicht, daß die Franzoͤsische Ne⸗ gierung eine Drohung voͤlliger Theilnahmlosigkeit fuͤr e nen gewissen Fall auch nur ausgesprochen haben koͤnnte, well die Erfuͤllung derselben eben so außer ihrer Macht, als eine sel⸗ che Drohung selbst außerhalb des Gebrauches in der Diplomatie liegen wuͤrde.“
Die heutige Wiener Zeitung publizirt in Lateinischer und Deutscher Sprache das nachstehende Koͤnigl. Reskript wegen Aufloͤsung des Siebenbuͤrgischen Landtages:
„Franz der Erste ꝛc. ꝛc. Wohlgeborne, Ehrwuͤrdige, Foh zc. ꝛc. Seit dem Antritte Unserer Regierung waren Wir immer darauf bedacht, die altherkoͤmmliche Verfassung Unseres Großfuͤrsten⸗ thums Siebenbuͤrgen, wie Wir selbe von Unseren Vorfahren uͤber⸗ nommen, unversehrt den Nachkommen zu uͤberliefern. Wenn sich nun Einiges ereignet, woraus sich ergeben koͤnnte, daß auch die festesten menschlichen Versaͤtze, wie Alles, Zufaͤllen unterworfen sind, haben Wir bei Unserem aufrichtigen Streben, die Verfassung zu er⸗ halten, Uns nichts so sehr ange egen seyn lassen, als daß dasselbe, auf die Art, welche die Heiligkeit der Gesetze erheischt, auf Re rechte Bahn zuruͤckgefuͤhrt werde. — Die uͤberaus ernsten Verhalt⸗ nisse, mit denen Wir und die Unserem Scepter gehorchenden Vll⸗ ker anhaltend zu ringen hatten, sind Uns desonders deshalz druͤckend gewesen, weil selbst in der neuesten Zeit und inmitten des Friedens, mehrere Hindernisse eintraten, welche die Verwirklichung Unsers festen Vorhabens verzoͤgerten, uͤber die Angelegenheiten, welche vor den Landtag gehoͤren, mit den getreuen Staͤnden Unseres Groß⸗ fuͤrstenthums Siebenbuͤrgen, und der demselben wieder einverleibten Landestheile zu verhandeln, und sie zu diesem Ende zusammenzuhe⸗ rufen. — So gesinnt, konnten Wir, obschon die gegenwaͤrtigen Zet⸗ Verhaͤltnisse von jenen der Vergangenheit wenig oder gar nicht ber⸗
schieden sind, dennoch nicht laͤnger anstehen, durch die Einberufun
dieses Landtages einen unbestreitharen und einleuchtenden Beweis vehen, wie Ünser Wille fest und bestaͤndig dahin gerichtet sey, N.
dunicival⸗Rechte, Gesetze und bestaͤtigten Gewohnbheiten Unsen Großfuͤrstenthums Siebenbuͤrgen und der demselben wieder einve⸗ leibten Theile unverletzt aufrecht zu erhalten. — Dies ist auch von den Jurisdictionen und Unserem gesammten treuen Velle mit gebuͤhrender Dankbarkeit anerkannt worden, welchen Ihr acef weder durch Fükricanige Ergebenheit, noch bereitwilligen Eifer em⸗ sprochen habt. — Schon am Beginne des Landtages hat sich Mm⸗
ꝛches ereignet, was sich weder mit der althergebrachten Verhandlumge⸗
weise, noch mit den Anforderungen der Umsicht, Besonnenheit . Aesssgang vereinen ließ. — Durch lange Erfahrung mit der in und Beschaffenheit landstaͤndischer Berathungen vertraut, glauhtat Wir jedoch von Eurer, an Uns, die Gesetze, die altherkoͤmmlich Sitte geaͤußerten Anhaͤnglichkeit, in der Folge Besseres erwarten duͤrfen, da Ihr in Euren ersten Verhandlungen die unterlassene N. haltung der Landtage und die eben deshalb unterbliebenen Wahleh zu den Kardinal⸗ und diplomatischen Aemtern, als die Quelle Er⸗ rer Klagen bezeichnet hattet. Nachdem Wir nun den Landtag e⸗ reits ausgeschrieben, und Euch auf diese Weise auch zur baldiga Erreichung des anderen Wunsches, der Wahlen naͤmlich zu den Kar⸗ dinal⸗ und diplomatischen Aemtern, den Wir ohnehin im ersten Punkte Unserer Koͤnigl. Propositionen aufgenommen hatten, Gelegenheg darboten, mußten Wir Uns als nothwendige Folge versprechen, da die Landtags⸗Verhandlungen alsobald gehorigen Fortgang nebmah wuͤrden. — In dieser Hoffnung, der Wir Uns gerne hingaben, haß Uns nicht wenig bestaͤrkt, daß Ihr auch inmitten der Aufwallunge jener ersten Verhandlungen, selbst anerkannt und allwaͤrts kund 8 eben habt, die Heiligkeit der Gesetze erfordere, daß Unsere Koͤnig. Feevestonen verhandelt wuͤrden, daß ohne Unsen
Fnebesehng kein Landtags⸗Beschluß irgend einer Art Gesetzeskraßt erlangen koͤnne, endlich, daß Ihr, wiewohl erst nach laͤngerer Zöge⸗ rung, zur Wahl des Staͤnde⸗Praͤsidenten, so wie der Protonotaire ge⸗ schritten seyd, und diese Unserer Koͤnigl. Bestaͤtigung vorgelegt habt.— Diese Bestaͤtigung haben Wir ohne Verzug gnäaͤdiast ertheilt; denn es war Uns wohl bekannt, daß nicht nur vermoͤge des I1ten Arti⸗ kels vom Jahre 1791, sondern 1888 die auf dem Landtage in dem eben erwaͤhnten Jahre versammelten Staͤnde dieses Unseres Groß⸗ fuͤrstenthums Siebenbuͤrgen, und der wieder einverleihten Thelle mittelst ihrer gehorsamsten Repraͤsentation vom 18. Januar mit aus⸗ druͤcklichen Worten erklaͤrten) sogar auch nach der uralten gesetll⸗ chen Institution, um den Landtag zu bilden, wesentlich erfordetg werde, daß sowohl der Staͤnde⸗Praäͤsident als auch die Protonotaltz
gesetzmaͤßig bestellt seyen, so zwar, daß im Sinne der Gesetze, nas K
mentlich des einzigen Artikels des 12ten Titels Pars III. der Appro Pr-gerh.eh. v minder der Cgeeeecet vage lang 722, und 7 vom Jahre 1751, ohne jene Indiyiduen weder ein gl⸗ Ie I — 82 I Bttitnattt 1
4
„iaͤtzig verfaßt, noch die Artikular⸗Sanetion erlangt werden kann. — gng hun vermoͤge der posittiven Grundgesetze, und nach dem dortlaut des oben erwaͤhnten 11ten Artikels vom Jahre 1791 der
nder der Koͤnigl. Freistaͤdte und der unter dem Namen der als der Repraͤsentanten der linde der drei Nationen des ganzen Großfuͤrstenthums bestebt, die eaft der Landtags⸗Traktate aber von dem gesetzlichen Zusammen⸗ it und der Mitwirkung aller Jener abhaͤngig ist, welche nach im Gesetz berufen sind, den Landtags⸗Koͤrper zu bilden, haben Wir demselben Reskriyt vom 18. Juli 1834, mit welchem Wir Euch se gnaͤdige Bestaͤtigung des von Euch gewaͤhlten Staͤnde⸗Praͤsiden⸗ in und der gleichfalls gewaͤhlten Protonotaire kund gaben, Euch ugleich ermahnet, daß ohne Verzug von Euch zur Wahl der uͤbri⸗ en erledigten Kardinal⸗ und diplomatischen Aemter im Sinne des⸗ aben 11ten Artikels vom Jahre 1791 geschritten werde, damit vichergestalt die weitere Verhandlung Unserer Koͤniglichen Propo⸗ itonen und jene der anderen Landtags⸗Gegenstaͤnde in gesetzlicher sgeise aufgenommen werden koͤnnen; um so mehr, da Ihr selbst ge⸗ sagt, daß der Landtag eines wesentlichen Bestandtheiles, wie das paterland der, durch die Wahl der Staͤnde und die Koͤnigl. Bestaͤ⸗ nung zu bestellenden, hoͤchsten Magistrats⸗Personen ermangle, und nbefondere beigefuͤgt habt, daß nur die gesetzlich, und mithin im Linne des mehrerwaͤhnten 11ten Artikels vom Jahr 1791 zusam⸗ genberufenen Repraͤsentanten der Nation Unseres vollen Vertrauens vurdig seyen. Haͤttet Ihr auf die Heiligkeit der Gesetze, das Her⸗ ommen, und selbst Eure vorerwaͤhnten eigenen Erklaͤrungen pflicht⸗ demaß Ruͤcksicht genommen, so wuͤrdet Ihr mit derselben Beflissen⸗ heit, mit der Ihr in Eurer Repraͤsentation vom 10. Juli 1834 Abt erkannt habt, daß vor Allem zur Wahl des zur ge⸗ ttzlichen Organisation des Landtages vorzugsweise und wesent⸗ ich nothwendigen Staͤnde⸗Praͤsidenten und der Protonotaire geschciiten werden muͤsse, Euch beeilt haben, den Praͤsiden⸗ zen sowohl, als die Protonotaire nach den herkoͤmmlichen Formeln u beeiben, und um den Landtag auch in seinen uͤbrigen Bestand⸗ heilen zu ergaͤnzen, wuͤrdet Ihr dann die Wahl der uͤbrigen Kar⸗ dinat⸗ und diplomatischen Aemter ohne Zeitverlust vorgenommen haben, und dies zwar um so mehr, als die Function des einstweili⸗ gen Praͤsidenten ausdruͤcklich nur auf den Zeitpunkt der in gesetzli⸗ bier Weise erfolgten Wahl und Bestaͤtigung des ordentlichen Staͤnde⸗
Präsidenten beschraͤnkt und die letzte bereits erfolgt war.
(Fortsetzung folgt.)
Schweiz. Bern, 19. Febr. Da Hr. v. Rumigny von den diploma⸗ gischen Verhandlungen zwischen Frankreich und Oesterreich keine senntniß haben wollte, so fing man hier schon an, zu glauben, der Artikel der Alla. Ztg., welcher jenen Verkehr zwischen den beiden Hoͤfen zur Oeffentlichkeit brachte, habe eine Mystification fr die Schweiz enthalten. In dieser Meinung glaubte der Vorort einige Beruhigung zu finden. Leider scheint sie sich nicht bestͤtigen zu wollen, wie uͤbrigens auch zu erwarten stand. Es ollen naͤmlich bei Hrn. v. Rumigny Botschaften angelangt seyn, welche gaͤnzlich im Sinne jener Verhandlungen lauteten und hm ein von dem bisherigen abweichendes Benehmen gegen Bern orschreiben. Damit haͤtte also Bern, wenn sich diese Nach⸗ richt bestaͤtigt, woran kaum zu zweifeln ist, seinen getraͤumten Näͤckhalt an Frankreich wirklich verloren. Bei den dadurch nur zum so mehr gespannten Verhaͤltnissen zu dem Auslande koͤnnte die Eroͤffnungs⸗Rede des diesjaͤhrigen Landammanns in der ersten Sitzung am 16. Febr. der zweiten Haͤlfte der Winter⸗Zusammen⸗ eynste des großen Raths auffallen. Sie enthaͤlt gewissermaßen eine Verwahrung gegen den Vorwurf, der Bern gemacht werde, uß dasselbe einen ruͤckschreitenden Gang gehe, und seine bisherige bahn verlassen habe. Diese Antritts⸗Rede wird wahrscheinlich nicht die beste Wirkung bei den auswaͤrtigen Maͤchten hervorbringen. Im großen Rathe wurde von dem Kantons,⸗Stallmeister Elias der Antrag gestellt, daß kuͤnftig in keinem Berner Blatt ano⸗ nome Artikel erscheinen sollen. Die Radikalen erklaͤren den Antrag fuͤr einen indirekten Angriff auf die Preßfreiheit. We⸗ nigstens waͤre eine solche Maßregel unzulaͤnglich, und wuͤrde den zweck, vor den Angriffen der Zeitungen zu schuͤtzen, gar nicht erreichen. Es wuͤrden nur desto gereiztere Artikel in die Blaͤt⸗ ter der andern Kantone kommen, und so die Gegner der Regie⸗ rung nur auf einem kleinen Umweg ihre Meinungen dem Ber⸗ ner Publikum zu bringen. 1
Spanien.
Madrid, 17. Febr. In hiesigen Blaͤttern liest man: „Ihre Majestaͤt die Koͤnigin hat, um einen oͤffentlichen Beweis zu geben von der hohen Achtung und Freundschaft fuͤr ihren Bruder und Verbuͤndeten, den Koͤnig der Belgier, demselben, im Namen Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Isabella II., durch ein Dekret vom 10. d. M. den Orden des goldenen Vließes verlie⸗ sen. Zugleich hat Ihre Majestaͤt die Koͤnigin⸗Regentin der thabenen Gemahlin dieses Fuͤrsten die Insignien des Marien⸗ wisen⸗Ordens uͤbersandt.“
Don Louis Sorela ist zum Direktor der Liquidirungs⸗Kom⸗ mission der oͤffentlichen Schuld ernannt, und zugleich die Entlas⸗ sung des Don J. de Recalde, mit Beruͤcksichtigung seiner Kraͤnk⸗ schkeit, angenommen worden.
Der erste Staats⸗Secretair hat unter dem 11. Februar hen Spanischen diplomatischen Agenten und Konsuln im Aus⸗ sande nachstehenden Koͤniglichen Befehl uͤbersandt: „Ihre Majestat die Koͤnigin⸗Regentin hat in der Absicht, den Handel wischen ihren Unterthanen und dem Auslande zu erleichtern, und zugleich die fuͤr die Vertheidigung des Koͤnigreichs so wich⸗ iige Einfuhr von Waffen und Munition fuͤr die Anhaͤnger des Praͤtendenten zu verhindern, geruht, den Koͤniglichen Befehl vom 11. Dezember v. J., welcher den Spanischen, aus fremden Häsen kommenden Schiffen gestattet, Waaren und andere Dinge in die Haͤfen von Corunia, Gijon, Santander und Bilbao ein⸗ ufuͤhren, unter den durch die Sicherheit des Staates in diesem Augenblick gebotenen Bedingungen auch auf die Schiffe der mit Spanien befreundeten und verbuͤndeten Nationen auszudehnen. Sie sind daher hierdurch ermaͤchtigt, alle fremde Schisse, welche ssch, wie die Spanischen, den Vorschriften des erwaͤhnten Koͤ⸗ niglichen Befehls unterwerfen wollen, in die genannten Haͤfen zuzulassen. Gez.) Martinez de la Rosa.“
In der Sitzung der Prokuradoren⸗Kammer vom 12ten d. M. bat Herr Ferrer um die Erlaubniß, einen im Mensa⸗ gero unter der Ueberschrift „oͤffentliche Fonds“ erschienenen Ar⸗ üikel vorlesen zu duͤrfen. Es wurde in diesem Artikel gesagt, zaß einige Mitglieder der Kommission fuͤr die innere Schuld
“
sewem Abend vorher Fonds von dieser Kategorie gekauft und so „zum Steigen derselben bedeutend beigetragen haͤtten. Herr Fer⸗
ter war der Meinung, daß man die einzelnen Mitglieder einer
Kommission nicht angreifen koͤnne, ohne zugleich die Kommission
selbst anzugreifen; daß ein Angriff gegen die Mitglieder einer ommission zugleich ein Angriff gegen die Kammer selbst sey, und daß durch die anticipirte Bekanntmachung der Ansicht, wel⸗ che die Kommission annehmen koͤnnte oder nicht, ein Einfluß auf
werde. zweckmäaͤßig sey, eine Kommission zu ernennen, welche die Her⸗
aus dem Koͤnigl. Gubernium, der Koͤnigl. Tafel, den ober⸗ andgeamten der Comitate, Distrikte und Szekser⸗Stuͤhle, aus den alisten, und aus den Deputirten der Ungarischen Comitate und
Pstrikte/
üih de vorkommenden Maͤrkte,
der Szekler⸗Stuͤhle, der Saͤchsischen Stuͤhle und Distrikte,
die Kammer sowohl als auf die oͤffentliche Meinung ausgeuͤbt Er ersuchte die Kammer, zu entscheiden, ob es nicht
ausgeber des Mensagero auffordern sollte, diejenigen Kommis⸗ sions⸗Mitglieder zu nennen, welche die genannten Operationen gemacht, um auf diese Weise allen Verdacht von den uͤbrigen Mitgliedern der Kommission und der Kammer abzuwenden, und damit man nicht glaube, die Kommission gehe bei ihrem Bericht an die Kammer parteiisch zu Werke. Er bestand darauf, diese Frage in einer oͤffentlichen Sitzung zu verhandeln, obgleich dies eigentlich in einer geheimen geschehen sollte. Die Kammer ging darauf zur Tagesordnung uͤber und nahm mehrere Artikel des Budgets des Ministeriums des Innern an, dessen Diskussion in der Sitzung der Prokuradoren⸗Kammer am 183ten beendigt wurde. Der 43ste Artikel uͤber den Quadragesimal⸗Indult nahm einen großen Theil der Diskussion hinweg. Herr Visedo be⸗ trachtete die Paͤpstlichen Bullen als eine indirekte Abgabe und unterstuͤtzte deshalb den Vorschlag der Kommission. Er sprach noch gegen die sogenannten Compositions⸗Bullen, weil sie un⸗ moralisch waͤren, und fuͤgte hinzu, es sey laͤcherlich, daß die Geistlichen, um eine Peruͤcke enum foramine aut sine foramine
tragen zu duͤrfen, der Erlaubniß des Papstes beduͤrften, und
forderte das Ministerium auf, sich bei dem Papste wegen Auf⸗ hebung dieser Bullen zu verwenden. Die Kammer verwandelte sich hierauf in einen geheimen Ausschuß.
Von denjenigen Personen, welche der Theilnahme an den Ereignissen am 18. Januar im Kloster Atocha angeklagt waren, sind 31 theils zu verschiedenen Corrections⸗Strafen, theils zur Verbannung verurtheilt.
— Der Messager enthaͤlt ein Schreiben aus Madrid vom 12ten, worin es heißt: „Die Ereignisse des 18. Januar sind in ihren Folgen guͤnstig fuͤr das Ministerium gewesen und haben den Einfluß Martinez de la Rosa's und Toreno's noch mehr be⸗ festigt; denn man haͤlt jene Vorfaͤlle fuͤr das Resultat der ruͤck⸗ schreitenden Politik Llauder's und daher natuͤrlich fuͤr ein Zeug⸗ niß zu Gunsten des liberalen Systems seiner Kollegen. Herr Moscoso, welcher etwas von der Politik Martinez de la Rosa’'s abweicht, wird, wie man sagt, aus dem Ministerium ausschei⸗ den, sobald der zum Kriegs⸗Minister ernannte General Valdez
ankommt, dessen Ansichten nicht mehr Besorgniß erregen, da man weiß, daß er von seinem politischen Mentor, dem ehemali⸗
gen Deputirten Infantes, einem gemaͤßigten Liberalen, begleitet ist. Die Koͤnigin⸗Regentin hat durch jene Vorfaͤlle an Popula⸗ rität verloren, da man sie in Verdacht hat, daß sie den militai⸗ rischen Entwuͤrfen Llauder's nicht ganz abgeneigt gewesen sey.“
Portugal.
— — Lissabon, 1. Febr. Der Herzog von Santa Cruz ist eingetroffen, und seine Trauung mit der Koͤnigin hat mit den bei solchen Gelegenheiten herkoͤmmlichen Feierlichkeiten und Volks⸗Demonstrationen stattgehabt. Da unsere Zeitungen, die
Quelle der Englischen, zur Genuͤge daruͤber berichtet haben, so
halte ich es fuͤr unnoͤthig, ausfuͤhrlicher darauf zuruͤckzukommen. Die Hofleute folgerten aus jenen Demonstrationen, daß der Herzog sich bereits eine ganz besondere Popularitaͤt erworben habe. Die unparteiischen Zuschauer erinnern aber daran, daß eine in fuͤnf Tagen erworbene Popularitaͤt jedenfalls nur auf fluͤchtigen Eindruͤcken beruhen koͤnne, und daß allen Machthabern, die, seit dem Beginnen der Umwaͤlzungen, im Jahre 1820, in diesem Lande hier auf einander folgten, aͤhnliche laute Volks⸗ Demonstrationen zu Theil geworden seyen. Sie raͤumen aber auch zugleich ein, daß das erste Auftreten dieses jungen Prinzen im ganzen einen fuͤr ihn guͤnstigen Eindruck bei der herrschenden Partei hervorgebracht zu haben scheine. Die⸗ ser Eindruck wird auch von der Opposition getheilt, die in diesem Augenblicke noch nicht die Hoffnung aufgegeben zu haben scheint, den Herzog einst mehr oder weniger fuͤr sich zu gewinnen. Leicht wird es uͤbrigens diesem, wie ich fruͤher schon einmal andeutete, nicht werden, eine ganz richtige Stel⸗ lung zwischen den verschiedenen Fractionen der herrschenden Par⸗ tei zu behaupten, und es duͤrfte ihm daher nicht die Gelegen⸗ heit mangeln, die „hohen Tugenden und erhabenen Eigenschaf⸗ ten“ zu bethaͤtigen, welche er, nach der Versicherung der jungen Koͤnigin in ihrer Antwort auf eine Gluͤckwunsch⸗Adresse der Mu⸗ nizipal⸗Kammer von Lissabon, besitzt. Diese Munizipal⸗Kammer selbst druͤckt in ihrer Adresse an den Prinzen bescheiden die Hoff⸗ nung aus, daß Lissabon, unter dem Einflusse des Munizipal⸗Re⸗ gimes, einst mit den andern Hauptstaͤdten, die der Prinz be⸗ reits gesehen, werde wetteifern koͤnnen. Die Bestimmung von jaͤhrlich drei Contos von seiner Apanage, die der Herzog getroffken hat, um daraus Pensionen fuͤr die Wittwen der unter den Fahnen Dom Pedro's gefallenen Militairs zu stiften, hat einen guͤnstigen Eindruck hervorgebracht. Haͤtte der Herzog seine ganze Apanage aufgeben koͤnnen, so wuͤrde seine hiesige Stellung noch unendlich besser geworden seyn. Nichts steigert so die bekannte angeborene Eifersucht der Portugiesen gegen jeden Fremden, als wenn dieser ihr Geld be⸗ zieht. Der bekannte Graf von Buͤckeburg hatte dieses sehr richtig erkannt, indem er jede Besoldung ablehnte, und ist darum unter allen Fremden, die in Portugal hohe Stellungen beklei⸗ deten, vielleicht allein in diesem Lande populair geblieben. — Der Finanz⸗Minister hat das Budget fuͤr das laufende Jahr der Deputirten⸗Kammer vorgelegt. Dasselbe resumirt sich in ei⸗ nem eingestandenen Defizit von 4400 Contos. Die Armee und der Marine⸗Etat sind zu 13 Millionen Crusados veranschlagt; die auswaͤrtigen Angelegenheiten auf 300 Contos. Diese That⸗ sachen machen Kommentare uͤberfluͤssig. Die Portugiesischen Fi⸗ nanzen bestehen in diesem Augenblicke nur durch die Huͤlfsmit⸗ tel des Kredits, und dieser Kredit haͤngt wieder ganz von ge⸗ wissen Persoͤnlichkeiten ab, die leicht entweder durch den Tod oder durch irgend eine der in diesem Lande so rastlosen Intrigue beseitigt werden koͤnnen. — Der Antrag der Opposition, die Regierung um Einberufung einer neuen Deputirten⸗Kammer zu bitten, ist in letzterer gescheitert. Dagegen dringt die Oppo⸗
sition jetzt lebhaft auf die Ausfuͤllung der ungefaͤhr zwanzig an
der Zahl betragenden Vakanzen, die in der Deputirten⸗Kammer in Folge doppelter Wahlen vorhanden sind. Dies Verlangen setzt die Regierung in eine um so groͤßere Verlegenheit, als das⸗ selbe formell durchaus begruͤndet ist, und bei der geringen Ma⸗ joritaͤt der ministeriellen Partei und dem hoͤchst zweifelhaften Ausfalle der Mehrzahl jener Wahlen, seine Gewaͤhrung moͤgli⸗ cherweise den Verlust der Majoritaͤt fuͤr das Ministerium zur Folge haben koͤnnte. Ueber das jetzt bei den Deputirten ernst⸗ lich in Anregung gekommene sogenannte Indemnisations⸗Gesetz behalte ich mir weitere Entwickelungen fuͤr einen meiner naͤch⸗ sten Briefe vor. “
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Griechenland.
Athen, 13. Jan. Bekanntlich ist der Beschluß gefaßt, die Burg von Athen solle kuͤnftig nicht mehr als Festung dienen,
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sondern allein den Bau⸗Denkmaͤlern auf ihr, und den Samm⸗ lungen alter Kunst gewidmet werden. Seit der Abreise des E. v. Klenze, welcher diese Sache in Ordnung brachte, den zang durch die Propplaͤen wieder oͤffnete, und die Restauration des Parthenon begann, hofften wir nun, die Arbeiten zur Saͤu⸗ berung, Umgrabung und Umgestaltung dieses wichtigen Bezirkes anfangen und ungestoͤrt fortsetzen zu sesen; indeß gehen die Dinge nicht so leicht und schnell, wie man denkt und wuͤnscht. Dem Kriegs⸗Ministerium scheint es, kamen nachtraͤglich militairische Be⸗ denken uͤber die neue Bestimmung dieser Anhoͤhe, welche auf jeden Fall die Stadt beherrsche, wie sie ihrerseits allerdings vom Musaion beherrscht wird. Auch war die Moschee im Parthenon, und was sonst ein Unterkommen dort oben gewaͤhrte, fortdauernd mit Soldaten gefuͤllt. Die Garnison raͤumte das Feld nicht, und die Archäaͤologie kam durch die Strategie lange Zeit in das Ge⸗ draͤnge. Endlich kam der Befehl, daß auf jeden Fall und auch noch bei Anwesenheit der Kriegsleute das Werk anzugreifen, und ungeachtet ihrer Gegenwart, die Alt⸗Venezianischen Bollwerke ab⸗ zubrechen seyen. Das ist denn nun mit Verwendung einer betraͤchtlichen Zahl Arbeiter begonnen, und zwar bei dem suͤd⸗ westlichen Vorsprung an der Stelle, wo der Tempel der un⸗ befluͤgelten Niki gestanden hat. Was von alten Bautruͤmmern von Marmor aufgehoben wird, findet sorgfaͤltige Aufbewahrung; aus den gesammelten Truͤmmern, die von diesem Tempel oder den Propylaͤen kamen, hat sich die Palikarische Schutz
wache der alten Denkmaͤler vorlaͤufig eine Huͤtte zusammenge⸗
legt, und schirmt die ihr anvertrauten Kleinodien gegen die raubsuͤchtigen Haͤnde der Milordi mit derselben Beharr⸗ lichkeit und Treue, wie fruͤher die Derbennien gegen die Ein⸗ faͤlle der Tuͤrken. Bruchstuͤcke von Reliefen und Inschriften kom⸗ men uͤberall zum Vorschein, hie und da auch ganze; Sachen von groͤßerer Bedeutung erwartet man erst bei Aufhebung der tie⸗ fern acht Truͤmmerschichten um den Parthenon. Hr. Rost ist darauf bedacht, uͤber Fortgang und Erfolg der Unternehmung ein Journal herauszugeben. Leider fehlt an Ort und Stelle, bei der andauernden Versaͤumniß alles Literarischen, Gelegen⸗ heit und Unterstuͤtzung, und wir hoͤren, daß er sich deshalb nach Deutschland gewendet. Wir seufzen zwar daruͤber, daß Hel⸗ las fuͤr solche Sachen noch nicht vorbereitet und zur Hand ist, wuͤnschen aber, daß sein Unternehmen dort guten Eingang und
Fortgang habe. “
Aegypten.
Ueber Triest hat man Briefe aus Alexandrien bis zum 13. Januar, welche die Ruͤckkehr Ibrahims aus Syrien und dessen Ankunft in genannter Hauptstadt anzeigen. Die Pest war daselbst fortwaͤhrend im Abnehmen, und die Besorg⸗ nisse wegen derselben waren beinahe wieder gaͤnzlich verschwun⸗ den. Hinsichtlich der Verhaͤltnisse Mehmed Ali's zur Pforte war man in Alexandrien vollkommen beruhigt. Die Geldsen⸗ dungen nach Konstantinopel, auf Rechnung des Tributs, dauer⸗ ten regelmaͤßig fort; kurz vor Absegelung des Schiffes, welches diese Briefe brachte, waren wieder 2 Millionen Tuͤrkische Piaster von Abukir abgegangen. Hinsichtlich des Baumwollen⸗Handels lauten die Berichte ebenfalls guͤnstig; man hoffte mit großer Zuversicht, daß der Preis keine Steigerung erleiden, sondern daß der Pascha selbigen auf 21 bis 21 ½ Rthir. pr. Centner fest⸗ stellen, und zu diesem Preise den Verkauf ohne alle andere Ruͤck⸗ sicht freigeben werde.
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Berlin, 1. Maͤrz. Erst jetzt erhalten wir Mittheilung von einer Feier, die bereits vor mehreren Monaten im Sieg⸗ Kreise des Regierungs⸗Bezirks Koͤln stattgefunden hat, die wir aber um dieser Verspaͤtung willen unsern Lesern nicht ganz vor⸗ enthalten moͤgen. Am 22. Oktober v. J. beging näͤmlich der Landrath des gedachten Kreises, Herr Scheven zu Hennef, sein 50jäͤhriges Dienst⸗Jubilaͤum. Das Fest begann mit einer got⸗ tesdienstlichen Feier in der Pfarr⸗Kirche, worauf die versammel⸗ ten Militair⸗ und Civil⸗Beamten, die Geistlichkeit, so wie viele von den uͤbrigen Ortsbewohnern, und an der Spitze des Zuges die von der Koͤnigl. Regierung zu Koͤln abgesandten Regierungs⸗ Raͤthe sich nach der Wohnung des Jubilars verfuͤgten, um dem⸗ selben ihre Gluͤckwuͤnsche darzubringen. Die Theilnehmer an dem Feste vereinigten sich darauf zu einem gemeinschaftlichen Mahle, bei welchem der Jubilar den Toast auf das Wohl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs ausbrachte, in welchen die ganze Versamm⸗ lung jubelnd einstimmte. Der zweite Trinkspruch galt dem Ju⸗ bilar selbst, und wurde von einem der Herren Kreisstaͤnde aus⸗ gebracht. Die Feier des Tages beschloß ein Ball und eine Be⸗ leuchtung der umliegenden Dorfschaften, die hierdurch auch ih⸗ rerseits ihre freudige Theilnahme an dem Feste bekunden wollten. Auch die Allerhoͤchste Anerkennung der mannigfachen Verdienste des Jubilars ist nicht ausgeblieben, indem Se. Maj. der Koͤnig demselben (wie bereits in der amtlichen Rubrik der Nr. 30 der St. Ztg. gemeldet worden) den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse zu verleihen geruht haben.
— Ueber die in der Nr. 53 der Staats⸗Zeitung (unter „Wissenschaftliche Nachrichten“) erwaͤhnten, in der Naͤhe von Hildburghausen aufgefundenen Thierfaͤhrten in buntem Sand⸗ steine hat Herr Professor Wiegmann in dem so eben hier (in der Nicolaischen Buchhandlung) erschienenen ersten Hefte des von ihm herausgegebenen „Archives fuͤr Naturwissenschaft“ ei⸗ nen lesenswerthen Artikel abdrucken lassen. Hiernach, so wie nach dem Urtheile Kaups in Darmstadt, duͤrfte wohl nicht leicht anzunehmen seyn, daß die entdeckten erhabenen Figuren, bei ih⸗ rer uͤbereinstimmenden Form und regelmaͤßigen Stellung, als zu⸗ faͤllige Bildungen im Sandsteine zu betrachten waͤren.
— Das Gymnasium zu Potsdam wird zu Ostern dieses Jahres eine bedeutende Erweiterung erhalten, indem namentlich eine hoͤhere Realschule mit demselben verbunden werden soll.
— Der Gewerbe-⸗Verein zu Elbing versammelte sich am 2lsten d. M. in einem der dortigen Gasthoͤfe unter dem Vor⸗ sitze seines Direktors, des Landraths Abramowski, um den sieben⸗ ten Jahrestag seiner Stiftung zu feiern.
— In der Erziehungs⸗Anstalt fuͤr verwahrlosete Knaben zu Benninghausen im Reg. Bez. Muͤnster befanden sich im verflossenen Jahre 39 Zoͤglinge, und noch 7 andere Kinder aus der Nachbarschaft nahmen in der Schule am Unterricht Theil. Es wurden 13 Zoͤglinge entlassen und bei Lehrmeistern oder Dienstherrschaften untergebracht und 15 neue wieder aufgenom⸗ men. Der Lehrer Beiderbecke hat im vorigen Sommer eine dreiwoͤchentliche Reise gemacht, um die entlassenen Zoͤglinge an ihren Aufenthalts⸗Orten zu besuchen, und ist mit erfreulichen Erfahrungen zuruͤckgekehrt. Unter den 27 Juͤnglingen, die er besuchte, waren nur ein Paar, uͤber deren Betragen die Lehr⸗ meister und Dienstherrschaften noch kein voͤllig gutes Zeugniß geben konnten. Im Dezember erhielt die Anstalt von einem un⸗ genannten Menschenfreunde wieder ein Geld⸗Geschenk, fuͤr wel⸗