v vi“ “ 1.“ “ erolle) fand es seltsam, daß die Oppofition so uͤber die Aufloͤ⸗ sung des vorigen Parlaments eifere, da sie doch wieder die Ma⸗ jeritäͤt zu haben behaupte, und da so viele ihrer Mitglieder fuͤr kuͤrzere Parlamente seyen und dem letzten vorgeworfen haͤt⸗ ten, es tauge nichts und habe schoen viel zu lange ge⸗ dauert; er halte aber die Aufloͤsung des vorigen Par⸗ lamentes besonders deshalb fuͤr angemessen, weil dasselbe noch unter der fieberhaften Aufregung, die durch den Triumph der Reform⸗Bill enistanden, gewaͤhlt worden und viele der neuen Waͤhierschaften nicht sowohl aus Staatsgruͤnden, als aus Dankbarkest diejenigen zu ihren Repraͤsentanten auserkoren haͤt⸗ ten, die ihnen zur Erlangung des Wahlrechts behuͤlflich gewe⸗ jen; merkwuͤrdig sey es wenigstens, daß, wie er gehoͤrt, jetzt ge⸗ gen 100 Mitglieder in diesem Hause sepen, die fruͤher noch nie⸗ mals gewaͤhlt gewesen, und gegen 200, die nicht im letzten Par⸗ lament gesessen haͤtten, und daß sich die Staͤrke der konservati⸗ ven Partei in dem Verhaͤltniß von 2 zu 1 vermehrt habe; wenn also die Waͤhler in einer Zeit volkommener Ruhe ein von dem vorigen so wesentlich verschtedenes Unterhaus gewaͤhlt haͤtten, so sey dies doch wohl allein schon eine hinreichende Rechtsertigung fuͤr die Auflöͤsung des vorigen Parlaments. Herr Sheil (Mitglied fuͤr Tipperary) suchte den Vorwurf der Inkonsequenz zu wider⸗ legen, der mehreren Mitgliedern der Opposition von der mini⸗ steriellen Seite gemacht worden war, indem man sie beschuldigt hatte, daß sie sich der Greyschen Verwaltung widersetzt hoͤtten und sich doch uͤber die Entlassung der vorigen Minister unzufrie⸗ den zeigten.
„Man verwechselt“, sagte der Redner, „auf diese Weise die von Lord Grey gebildete Verwaltung, als dieselbe noch die vier Mit⸗ glieder in sich faßte, die sich spaͤter von ihr trennten, mit der, wel⸗ che nach der Entfernung dieser Vier unter der Leitung des Grafen Grey fortbestand, und endlich mit dieser wieder die ganz davon ver⸗ schiedene Verwaltung, welche Lord Melbourne bildete, und die zum Zweck hatte, die Mißbraͤuche der herrschenden Kirche in Irland ab⸗ zustellen und den Ueberschuß der Kirchen⸗Einkuͤnfte auf eine neue Art zu verwenden. (Beifall.) Dieser letztere Punkt istes, in welchem ich besonders von den Ansichten der jetzigen Verwaltung abweiche, und um dessentwillen auch, wie ich glaube, Sr. Majestaͤt der Rath ertheilt worden ist, das vorige Parlament aufzuldsen. Der sehr ehrenwerthe Baronet zaͤhlte gestern Abend alle die Fragen auf, bei welchen er die vorige Verwaltung unterstuͤtzte. Es ist wahr, er that dies, so oft unsere Partei sich der Vecwaltung widersetzte, und eben deshalb. (Beifall von beiden Seiten des Hauses.) Ich will nicht sagen, daß der sehr ehrenwerthe Baronet mit der einen Hand dem vorigen Kabinet unheilschwangeren Beistand hatte lei⸗ hen wollen, waͤhrend er ihm mit der andern einen toͤdtlichen Streich zu versetzen gedachte, aber es traf sich so, daß die voͤrigen Minister gerade in dest Punkten von demselben unterstuͤtzt wurden, hinsicht⸗ lich deren sie leider mit der oͤffentlichen Meinung in England und Irland im Widerspruch standen. (Beifall.) Widersetzte sich der sehr ehrenwerthe Baronet nicht der Abschaffung der Kirchen⸗Steuern in Feland?“? Sir R. Peel: „RNein, ich sprach mich ausdruͤcklich zu Gunsten dieser Maßregel aus.“ (Beifall.) Herr Sheil: „Es freut mich, daß ich mich in dieser Beziehung geirrt habe; es ruͤhrt daher, weil der sehr ehrenwerthe Baronet sich der Frlaͤndischen Kirchen⸗Reform⸗Bill opponirte; aber erklaͤrte er nicht, daß die Par⸗ tei, zu welcher er gehoͤrte, sich der Abschaffung der Kirchen⸗Steuern in Irland widersetzt habe?“ Sir R. Peel: „Niemals.“ (Hoͤrt, hbrt!) Herr Sheil: „Nun aber die Bill zur Verdesse⸗ rung der Rechtsyflege in Irland, dieser widersetzte sich doch die Partei des sehr ehrenwerthen Baroncts? Sir R. Peel: „Ich unterstutzte diese Maßregel.“ Herr Sheil: „Der sehr eh⸗ renwerthe Baronet hat es sich selbst zuzuschrelben, wenn man ihn fuͤr einen Gegner der genannten Maßregel haͤlt, da er sich mit der Partei verbunden hat, die sich derselben opponirte. Diese Partei be⸗ steht aus Anti⸗Reformern. Die Regierung hat zum Beispiel dem ehrenwerthen und tapferen Mitglied fuͤr Sligo (Oberst Perceval) ihre besondere Gunst zugewandt, einem Mann, der sich selbst als Mitglied eines großen und mäaͤchtigen Bundes bekannt hat, der ge⸗ gen die Mazjoritaͤr des Irlaͤndischen Volk⸗ geschlossen worden ist. Seine Ernennung muß große Sensation in Irland erregen. Dahin ist es mit der Regierung gekommen; 62 Frlaͤndische Mitglt der, eine große Maioritaͤt, bat sie zu ihren Gegnern und wird von Maͤnnern unterstuͤtzt, die stets nach Ausuͤbung einer Parteiherrschaft uͤber Ir⸗ land gestrebt haben.“
in zum erstenmal gewaͤhltes Mitglied, der Oberst Chat⸗ terton (Regraͤfentans der Stadt Cork), der sich hierauf erhob, diente der Versammlung zu einiger Belustigung durch die Unbe⸗ holfenheit, mit der er sich ausdruͤckte. Gleich seine ersten Worte: „Ich bin ein so junges Mitglied“ erregten großes Gelaͤchter. Der Redner wurde mehrere Male unterbrochen, und als er die Mitglieber herausforderte, offen gegen ihn aufzutreten, statt zu zischeln und zu tuscheln, wurde er unter großem Laͤrm zur Ord⸗ nung gerufen. Er schloß seinen kaum vernehmbaren Vortrag endlich solaendermaßen: „Ich bin ein Whig (großes Gelaͤchter), aber ein Whig aus dem vorigen Jahrhunderte, wo der Whigis⸗ mus noch darin bestand, die Freiheit des Unterthanen und die Loyalitaͤt gegen den Thron zu vertheidigen, dem Eigenthum Schutz und den Dissenters Duldung zu gewaͤhren (hoͤrt, hoͤrt!); und wenn ich eine protestantische Kirche gefaͤhrdet sethe, es mag in England oder in Irland seyn, so werde mich den auf ihre Vernichtung abzielenden Maßregeln aus allen Kraͤften widersetzen. Ich will nur wiederholen, daß keine Maßregel, die auf die Beeintroͤchtigung der Kirche in Irland, gegen die ich mich von Alters her entschieden feindselig erklort habe (die Zweideutigkeit dieser Aeußerung erregte großes Gelaͤch⸗ ter), derechnet ist, meine Unterstuͤtzung erhalten wird.“ Herr H. Grattan (Mitcglied fuͤr Meath) fragte, was aus Irland werden solle, wenn man zu den Regierungs⸗Prinzipien zuruͤck⸗ kehren wolle, die das Irländische Volk fuͤr immer aufgegeben glaubte? (Lauter Beifall von der Opposttion.) Irland, sagte er, sey fast in dem Zustande eines Bürgerkrieges; die Orangisten steckten die Haͤuser ihrer Gegner in Brand (o, o! und hoͤrt!); sie haͤtten das Haus des Lord Charlemont niedergebrannt und hielten, der Polizei zum Trotz, Umzuͤge mit Flinten und Ba⸗ jonnetten in den Siraßen; sie hätten auch seinen Schwa⸗ ger in efsigie verbrannt und gehangt. (Gelaͤchter.) Der Redner wunderte sich sehr, daß die Versammlung uͤber solche Graͤuel lachen koͤnne, statt daß sie lieber Mitleid mit den Duldenden fuͤhlen sollte. Oberst Perceval (Schatz⸗ meister des Feldzeug⸗Amts) rechtfertigte die Orangisten, als ei⸗ nen Berein, dessen Statuten allgemein bekannt waͤren Undd sich sogar in den Hheden des Mitgliedes fuͤr Dublin befaͤnden (was Herr O'Tonnell leugnete); das ganze Geheimniß desselben bestehe darin, daß die Mitglieder sich gegenseitig durch Zeichen verstaͤn⸗ digten (großes Geläͤchter); uͤbrigens aber habe derselbe nur Gu⸗ tes gestiftet und oft die Anwendung milttairischer Huͤlse bei Streitigkeiten unnoͤthig gemacht. Sonst, fuͤgte der Redner hinzu, habe man der Regrerung vorgeworfen, daß sie niemals einen Irlaͤnder zu einem Amt berufe, und jetzt eisere man daruͤber, daß sie drei untergeordnete Posten mit Irlaͤndern besetzt; freilich, das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied fuͤr Dublin (Hr. O'Con⸗ nell) moͤchte gern, daß die Regierung nur ihm gehorchte, aber die Folgen, welche es fuͤr die vorigen Minister gehabt, daß sie auf diesen Herrn gehoͤrt, wuͤrden den jetzigen zur Warnung dienen.
ich
den der Nation werfen muͤßten.
1ö“ 88 “ EE1“ *½ „₰ I1““ Lerd John Russell, als Wortfuͤhrer der Opposition, hielt eine sehr lange Rede, worin er Vieles von den schon vorgekommenen Argumenten gegen die Adresse und zu Gunsten des Amende⸗ ments wiederholte; es duͤrfte daher aus seinem Vortrage nur etwa noch Folgendes hervorzuheben seyn:
„Ich will“, sagte er unter Anderem, „dem sehr ehrenwerthen Baronet gern die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er, wenn er die vorige Verwaltung unterstuͤtzte oder bekaͤmpfte, stets offen und maͤnnlich dabei zu Werke ging. Wenn man aber auf einige der von dem vorigen Ministerium eingebrachten Maßregeln zuruͤckblickt, denen der sehr ehrenwerthe Baronet sich widersetzte, so hieße es in der That, einen außerordentlichen Grad von Aufrichtigkeit seiner⸗ seits erwarten, wenn man meinte, er haͤtte sagen sollen, daß er sich denselben bloß aus Opvositionsgeist gegen die Minister widersetzt habe. Als mein edler Freund, das Mitglied fuͤr Lancashire (Lord Stanley), die Bill uͤber die zeitlichen Guͤter der Kirche inbrachte und erklaͤrte, daß Graf Grey mit dieser Bill zu stehen oder zu fal⸗ len gedenke, da verfeblte der sehr ehrenwerthe Baronet nicht, dage⸗ gen zu stimmen.“ Sir R. Peel: „Ich stimmte nur gegen eine Klau⸗ sel dieser Bill.“ Lord J. Russell: „Man hat behauptet, ich sey uͤber gewisse Maßregeln mit meinen Kollegen nicht einverstanden gewesen, namentlich baͤtte ich die Protestanten in Irland in einigen Kirchspielen des Beistandes eines protestantischen Geistlichen berau⸗ ben und die protestantischen Kirchen abtragen lassen wollen, und Lord Melbourne habe diesen Plan verworfen. Diese ganze Ge⸗ schichte ist eine Fabel. Lord Duncannon war es, der mit Entwer⸗ fung der Maßregel uͤber die Irlaͤndische Kirche, die wir dem Par⸗ lament vorlegen wollten, beauftragt war, und ich sah von seiner Arbeit nicht eher etwas, als bis sie im Druck erschien. (Hoͤrt, hoͤrt!) Sie war ganz und gar von den obigen Bebauptungen abweichend. Was das verbreitete Geruͤcht von einer Meinungs⸗Verschiedenheit anbetrifft, die zwischen Lord Landsdowne, Herrn Spring Rice und mir obgewaltet haben soll, so kann ich erklaren, daß, wenn es Mit⸗ glieder des Kabinets gab, mit denen ich vor anderen uͤbereinstimmte, Lord Lansdowne und Herr Spring Rice diese Männer waren (boͤrt, hoͤrt!); aber ich kann noch weiter gehen und sagen, daß wir Alle uͤber den Grundsatz einig waren, die Einnahmen der protestantischen Kirche muͤßten zuvoͤrderst fuͤr den religidsen Unterricht der Prote⸗ stanten verwandt werden, nach Abzug der hierzu erforderlichen Sum⸗ men aber wuͤrde es gesetzmaͤßig, politisch und billig seyn, den Rest fuͤr die allgemeine Bildung des Irlaͤndischen Volks, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, zu verwenden. (Beifall.) Man glaubt und wirft dem vorigen Ministerium vor, daß es sich stets zu den Projekten des ehrenwerthen und gelehrten Mitgliedes fuͤr Dublin hergegeben, daß es mit Hinsicht auf Irland seinen Ansichten und Zwek⸗ ken gefolgt sey, und doch citirt man, um den Mangel an Vertrauen auf die Melbourne'sche Verwaltung zu beweisen, einen Brief dieses Mitgliedes, worin dasselbe dieser Verwaltung nicht etwa schmeichelt, sondern den groͤßten Widerwillen gegen einige Mitglieder derselben aus⸗ spricht. Man wirft uns ferner vor, daß wir jetzt mit denen gemein⸗ schaftliche Sache machten, die uns fruͤher oft geschmaͤht haͤtten; erinnert sich aber der sehr ehrenwerthe Baronet nicht der langen und bitteren Philippika, die nach seiner VOJOo uͤber die katholische Emancipation gegen ihn gehalten wurden, und wie ein Red⸗ ner die Haͤnde erbod und ausrief: nunquam tuta fides? Und wer war dieser Redner? Ei, der sehr ehrenwerthe Sir Edward Knatchbull, den der sehr ehrenwerthe Baronet seiner jetzigen Verwaltung als Zahlmeister der Armeen zuzugesellen nicht Anstand nahm. (Lau⸗ ter Beifall.) Der sehr ehrenwerthe Baronet hat fallen las⸗ sen, daß unter der jetzigen Verwaltung die in diesem Hause vorgelegten Maßregeln ihres Erfolgs in dem anderen Parla⸗ mentshause sicherer seyen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Sollen diese Maßregeln denen der vorigen Verwaltung aͤhnlich oder davon verschieden seyn? Wenn das Erstere, will man uns dann sagen, daß das Ober⸗ haus nur dann Retorm⸗Maßregeln anzunehmen geneigt sey, wenn sie von einem Ministerium seiner Wahl ausgingen? Wenn es aber andere weniger reformistische Maßregeln seyn sollen, will man uns dann sagen, daß wir dem Oberbause nachgeben muͤßten, und daß hier nichts vorgelegt werden duͤrfe, was dort nicht fuͤr noͤthig be⸗ funden werde? (Hoͤrt!) Ich bin stets gegen jeden Angriff auf das Oberhaus gewesen. Ich wuͤnsche, daß es den ihm durch die Ver⸗ fassung angewiesenen Platz behalte, aber ich kann nicht zugeben, daß ein Versuch gemacht werde, ihm auf irgend eine Weise die Macht, die es vor der Annahme der Reform⸗Bill indirekt uͤber das Unter⸗ haus ausuͤbte, wieder zuzuwenden.“
Herr Goulburn (der Minister des Innern) suchte meh⸗ rere Behauptungen des vorigen Redners zu wideriegen, insbe⸗ sondere die auf die Einmuͤthigkeit des vorigen Kabinets bezuͤg⸗ lichen. Er sagte namentlich, daß die Lords Lansdowne und Brougham sich laut und oͤffentlich gegen die Verwendung des kirchlichen Eigenthums zu anderen Zwecken, als zu denen der Anglikanischen Kirche, erklaͤrt, und die Meinungs⸗Verschiedenheit sey so auffallend gewesen, daß die einzelnen Minister bei einer vorkommenden Diskussion uͤber diesen Gegenstand entweder ihre Grundsaͤtze oder einander selbst haͤtten aufgeben muͤssen. Der Minister erklaͤrte auch fuͤr seine Person, daß er gegen eine Ab⸗ stellung der Corporations⸗Mißbraͤuche nichts einzuwenden habe, und daß er glaube, seine Kollegen stimmten darin mit ihm uͤber⸗ ein. Herr Harvey (Mitglied suͤr Southwark) sprach in sehr radikalem Sinn; er meinte unter Anderem, die Zusammensez⸗
zung der Kirchen, Kommisston, welche die jetzigen Minister er⸗
nannt haͤtten, erscheine ihm etwa so, als wenn eine Kommission zur Untersuchung der Pensions⸗ Liste aus Pensionairs zusam⸗ mengesetzt worden waͤre, und er schloß mit der Bemerkung, daß er den Sturz der vorigen Verwaltung und die Aufloͤsung des Parlaments nicht bedauere, denn beides wuͤrde allen kuͤnftigen Ministern, sie moͤchten nun Whigs oder Liberale seyn, zur Lehre dienen, daß sie an dem Hofe und dessen Janitscharen keinen Stuͤtzpunket finden koͤnnten, sondern ihren Anker tief in den Bo⸗ Herr A. Baring (Praͤsident der Handels⸗Kammer), der die heutige Debatte schloß, griff vor⸗ zuͤglich die Repraͤsentanten der Hauptstadt an und behauptete, neun Zehntheile der Intelligenz und des Wohlstandes der Stadt London seyen im Parlament nicht vertreten, wovon die mit 5000 Unterschriften bedeckte Adresse der City an den Koͤnig, worin sie sich zu Gunsten des vorgenommenen Ministerwechsels ausgespro⸗ chen, den deutlichsten Beweis liefere.
Oberhaus. Sitzung vom 26. Februar. (Nachtrag.) Nachdem die Antwort des Koͤnigs auf die Adresse verlesen wor⸗ den war, welche folgendermaßen lautete: „Ich danke Ihnen fuͤr Ihre loyale und pflichtschuldige Adresse, und Ich nehme mit groͤßter Zufriedenheit Ihre Versicherung entgegen, daß Sie alle solche Maßregeln annehmen werden, die geeignet seyn moͤchten, das Gluͤck und die Eintracht unter Meinen Unterthanen zu foͤr⸗ dern“, entspann sich wieder ein Streit zwischen dem jetzigen Lord⸗Kanzler und seinem Vorgaͤnger. Lord Brougham be⸗ antragte naͤmlich (wie bereits erwaͤhnt) die Vorlegung saͤmmtt⸗ licher Kommisssons⸗Ernennungen, welche in den Jahren 1828, 1829 und 1830 unter Beifuͤgung des großen Staats⸗Siegels ausgefertigt worden sind. Er habe naͤmlich, sagte er, aus der auf die Kommission zur Untersuchung der Mißbraͤuche in den Munizipalitaͤ⸗ ten bezuͤglichen Stelle der Thron⸗Rede die Hoffnung geschoͤpft, daß die Regierung jener (von dem Whig⸗Ministertum eingesetzten Kom⸗ mission) sich auch ferner bedienen werde, habe aber aus der Ant⸗ wort des Lord⸗Kanzlers abnehmen muͤssen, daͤß das nicht gesche⸗ hen werde, weil die der Kommission ertheilte Vollmacht, nach dessen Ansicht, widergesetzlich sey. Er (Lord Brougham) muͤsse
also wegen dieser Widergesetzlichkeit einer Anklsge entgegen se⸗
hen und wuͤnsche sich durch die Durchsicht jener Dokumente auß
seine Vertheidigung vorzubereiten. Der Lord⸗Kanzler wiederte, aus der man den Bericht der Municipal⸗Kommission, dessen Vorlage schon die Thron⸗Rede im vorigen Jahre versprochen habe, ohne das Versprechen erfuͤllen zu koͤnnen, jetzt, da die Arbeiten der Kommission in wenigen Wochen beendigt seyn muͤßten, beiden Haͤusern vorlegen, nicht aber, daß man von diesem Bericht Ge, brauch machen werde; uͤbrigens habe er (Lord Lyndhursi nur einzelne derselben ertheilte Vollmachten, fuͤr widen, gesetzlich erklaͤrt, und daß sie das seyen, wolle er bet vorkommender Gelegenheit beweisen. Der Marquis von Langz, downe (Praͤsident des Geheimen⸗Raths in dem Whig⸗Kabinen) machte dem Lord⸗Kanzler bemerklich, daß jene Kommisston schon waͤhrend der ganzen vorigen Parlaments⸗Session vor den Augen des Publikums bestanden habe, und daß es ihm (Lord Lynt⸗ hurst) doch niemals eingefallen sey, die Gesetzmaͤßigkeit derselben anzufechten. Der Lord⸗Kanzler antwortete, er sey niemalt im Hause gegenwaͤrtig gewesen, wenn man uͤber jene Kommis⸗ sion verhandelt habe; er habe auch die ausgefertigte Vollmagt selbst nie gesehen; er habe aber von einzelnen Paragraphen dor, selben gehoͤrt, die offenbar widergesetzlich seyen, doch wisse e nicht, oh die Kommission dieselben befolgt habe. Lord Broung,⸗ ham erhob sich nun und sagte:
„Jetzt weiß ich wahrhaftig nicht, was ich dem Hause sean soll. Seit Menschengedenken, glaube ich, ist kein solcher Auftns vorgekommen, den ersten Theil der Scene des vorgestrigen Ahen ausgenommen. Ein edler und gelehrter Lord, nichts Geringeng als der Lord⸗-Großkanzler von England, der nicht allein fuͤr Alle was in seinem eigenen Departement geschieht, verantwortlich si⸗ sondern auch fuͤr alles gerichtliche Verfahren im ganzen Konigreich tritt auf am vorgestrigen Abend, bei der feierlichen Diskussion aber die Adresse an den Koͤnig, und wirft seinem Vorgaͤnger in demfel⸗ ben Amte vor, er habe das große Staatssiegel unter eine Urkunde gesetzt, deren hauptsaͤchlichste Artikel widergesezlich seyen, und fuͤg hinzu, es muͤsse daruͤber das geeignete Verfahren eingeleitet werden. Und was geschieht nun? Ist je etwas der Art in irgend einen Gerichtshof, in irgend einem Parlament, an sonst einem Ort go⸗ höͤrt oder gesehen worden? Derselbe edle und gelehrte Lord, wae⸗ cher sich anheischig macht, die Widergesetzlichkeit der Vollmacht e beweisen, bekennt jetzt zu meinem Erstaunen offen und unummm⸗ den, er habe dies Dokument nie in seinem Leben gesehen. (Hhin⸗ hoͤrt!) Es war also nicht des edlen und gelehrten Lords eigeme Ansicht von der Sache, sondern eine Ansicht, die er irgendwo ang der zweiten Hand erhalten hat. Ich weiß aber nichts Anderes, üh daß die Autoritaͤten des edlen und gelehrten Lords daruͤber eben’e sehr im Dunkeln seyn muͤssen, als der edle und gelehrte Lord qi⸗ gestaͤndlich selbst es ist. Aber das ist noch nicht Alles! Der und gelehrte Lord laͤßt den Koͤnig in seiner Thron⸗Rede eben si⸗ ser Kommissions⸗Ernennung erwaͤhnen, eines Aktenstuͤcks, weltu er selbst nicht einmal gelesen hat; er laͤßt den König die Vorlze des Berichtes einer Kommission versprechen, deren Vollmachten ie (der Lord⸗Kanzler) selbst fuͤr widergesetzlich erklaͤrt! Aber freilich wir haben von dem edlen und gelehrten Lord noch nicht vernon⸗ men, was denn eigentlich mit jenem Bericht geschehen soll, wem er beiden Haͤusern vorgelegt seyn wird.“
Des so hart angegriffenen Lord⸗Kanzlers nahm sicch seid Kollege Lord Ellenborough an; er meinte, wenn gleich ein zelne Paragraphen der Instruction widergesetzlich seyen, so koͤnn man doch von den Nachforschungen Gebrauch machen, welce die Kommission kraft der nicht widergesetzlichen Artikel angestell
habe. Diese Ansicht bestritt Lord Plunkett, waͤhrend der Hees, sch
zog von Wellington sie fuͤr richtig erklaͤrte. des Lord Brougham wurde uͤbrigens angenommen.
Oberhaus. Sitzung vom 27. Februar. Der Her zog von Wellington legte einen Bericht uͤber die Ein, uns Ausfuhr des Vereinigten Koͤnigreichs vom 5. Januar 1834 bi zum 5. Januar 1835 vor. Der Herzog von Richmond uͤben reichte eine Bill in Betreff der Abschaffung der jetzt in den ver schiedenen Staats⸗Departements uͤblichen Eide und die Ersetzung derselben durch einfache Erklaͤrungen. Diese Bill wurde zum ersten Male verlesen und dann an einen besonderen Aussch verwiesen. Der Graf von Mulgrave erhob sich darauf um bemerkte, da es, um eine unparteiische Rechtspflege zwischen da Herrn und dem Neger⸗Lehrling zu sichern, die Absicht der C setzgebung sey, daß die speziellen Magistrats⸗Beamten nicht We indische Eigenthuͤmer oder bei diesem Eigenthum betheiligte Pa sonen seyn sollten, so hoffe er, daß diese Absicht geachtet und de Verfahren des Marquis von Sligo, der die Forderung der e setzzebenden Versammlung von Jamaika, eine Anzahl von dee ansässigen Personen zu Magistrats⸗Beamten zu ernenna zuruͤckgewiesen habe, von dem Grafen von Aberdeen gebill werden wuͤrde. Der Redner fuͤgte hinzu, er erwarte zuversch lich, daß man Maßregeln treffen werde, um die Neger in Religion zu unterrichten. Der Graf von Aberdeen ern derte, es koͤnne dem Grafen Mulgrave nicht angelegentlicher de um zu thun seyn, als ihm selbst, die Bestimmungen Emancipations⸗Bill ausgefuͤhrt zu sehen. „Das erste Votum⸗ sagte der Redner, „welches ich im Parlament abgab, war doh auf gerichtet, die Majoritaͤt dieses Hauses zu Gunsten eiltet Maßregel zur Abschaffung der Stlaverei zu vergroͤßern. Pan ich auch von dieser Zeit an nicht immer lebhasten Anthꝛl m den Eroͤrterungen dieses Gegenstandes nahm, so habe ich doch jedep. Erreichung dieses Zwecks berechnete Maßregelstets mit meinen Win schen und mit meiner Stimme unterstuͤtzt.“ Der Graf erklaͤrte sodamn seine erste Amtshandlung sey eine Einladung an den Marcqu von Sligo gewesen, seinen Posten als Gouverneur von Jamalh beizubehalten, und er habe dem edlen Marquis auch bereits „. meldet, daß Se. Majestaͤt das von ihm bei der erwaͤhnten 6. legenheit beobachtete Verfahren vollkommen gebilligt haͤtten; Folge dessen habe er die Anzahl der von Enaland nach Jama gesandten speziellen Magistrats⸗Personen von 30 auf 61 vermehl welche Zahl nun wohl hinreichend seyn duͤrfte, um die ersordch lichen Pflichten gehoͤrig zu erfuͤllen. Was die Bildung der N. ger andelange, so versicherte Graf Aberdeen, daß der vol Schutz der Gesetze auf die Missionaire ausgedehnt we den solle, und fuͤgte hinzu: „Ich bin vollkommen zeugt, daß, wenn wir nicht durch kraͤftige und energise Maßregeln waͤhrend der Lehrzeit der Neger fuͤr detg Ausbildung sorgen, wenn wir die Neger zwar persoͤnlich sth aber geistig in Unwissenheit lassen wollten, die Emancipation Akte sich aus einem Segen in einen Fluch fuͤr sie verkehre wuͤrde.“ Mit Hinsicht auf die Aeußerung, welche Lord Howe im Unterhause in Bezug auf den Grafen von Aberdeen gethh hatte, naͤmlich, daß derselbe ein Feind des Menschengeschleche sey, schloß derselbe seine Rede mit folgenden Worten: „. hoffe, sagte er, „daß meine ertheilte Antwort genuͤgen und de Niemand Ursache haben wird, sich uͤber den Geist, der dar obwaltet, zu beschweren. Ich habe so gesprochen, wie ich! Herzen über diesen Gegenstand denke. Dessenungeachtet hat ma mich kuͤrzlich geradezu als einen Feind des Menschengeschlecht geschildert und es fuͤr unerhoͤrt ausgegeben, daß meinen Haͤnd
Der Antrag
e Wohlfahrt und das Gluͤck einer so zahlreichen Menschenklasse avereraut werden solle. Alles, was ich darauf sagen will, ist, F ich, wie es sich auch mit meiner Feindschaft gegen das Men⸗
Thron⸗Rede gehe weiter nichts hervor, als daß tengeschlecht verhalten moͤge, wenigstens kein Feind des Red⸗
irs bin, der mir diesen Vorwurf gemacht hat.“ Der Graf don Mulgrave fand sich darauf noch zu der Versicherung granlaßt, daß er die Fragen, welche zu dieser Debatte Anlaß gegeben, in keiner feindseligen Absicht aufgeworfen und daß er ait Vergnuͤgen die Antwort des edlen Grafen vernommen habe. Diese Antwort“, sagte er, „wird schnell ihren Weg nach den olonieen nehmen und dort gewiß mit großer Freude aufgenom⸗ en werden, besonders in der Kolonie, zu welcher ich in naͤherer Be⸗ sehung stand, und an deren Wohlfahrt ich unter allen Umstaͤnden en innigsten und waͤrmsten Antheil nehmen werde.“ Vor dem Schluß e Sitzung fragte noch Lord Cloncurry den Herzog von Wel⸗ sugton, ob die Regierung eine Maßregel zu Gunsten derjeni⸗ zen Irlaͤndischen Geistlichen einzubringen beabsichtige, die von der ihnen zu ihrer einstweiligen Unterstuͤtzung bewilligten Anleihe von 1 Million Pfund Sterling Gebrauch gemacht, und die jetzt hir Abzahlung der ersten Rate des empfangenen Geldes aufge⸗ ordert wuͤrden, worauf der Herzog von Wellington antwor⸗ ute, daß dieser Gegenstand binnen wenigen Tagen im Unterhause ur Sprache kommen wuͤrde, und daß er bis dahin nichts Naͤhe⸗ zs daruͤber sagen koͤnne. 8— “
London, 28. Febr. Das Unterhaus hat beschlossen, nach dem 13. Maͤrz keine auf Privat⸗Angelegenheiten bezuͤgliche Pe⸗ nition mehr annehmen zu wollen und keine Privat⸗Bill vor dem 13. April zur ersten Lesung kommen zu lassen, so wie nach dem 22. Juni keinen Bericht mehr uͤber eine solche Bill entge⸗ genzunehmen.
Herr Edward Ellice (der unter dem vorigen Ministerium Kriegs⸗Minister war) hat aus Neapel vom 24sten v. M. eine Adresse an seine Konstituenten zu Coventry erlassen, worin er ich auf das entschiedenste gegen das jetzige Ministerium erklaͤrt. Er bezeichnet die Entlassung der vorigen Verwaltung und die küflöeung des Parlaments als hoͤchst ungluͤckliche Ereignisse, und u der letzteren Maßregel findet er um so weniger Grund, als er behauptet, das vorige Unterhaus sey mehr als irgend ein fruͤ⸗ beres „konservativ“ gewesen, in dem Sinne, welchen eine Par⸗ ni diesem Worte beilege. Von einer den neuen Ministern zu gwwͤhrenden Erprobung will er nichts wissen; wenn man sie ih⸗ um bewilligen wollte, meinte er, so wuͤrde man nur unnuͤtze Zeit verlieren, denn die Parlaments Sitzungen wuͤrden mit nichts als feindseligen und erbitterten Debatten hingebracht werden. Fuͤr die wichtigste Frage, an der das Ministertum sogleich scheitern wuͤrde, da selbst das vorige die groͤßten Schwierigkeiten dabei gefunden habe, haͤlt Herr Ellice die Angelegenheit der Irlaͤndi⸗ scheen Kirche; das Hoͤchste, was es in dieser Hinsicht wuͤrde vor⸗ schlagen koͤnnen, duͤrfte etwa den Ansichten der Stanleyschen Partei gleichbommen, da aber die vorigen Minister selbst von diesen ihren Freunden, dem Lord Stanley, Sir James Graham, dem Grafen von Ripon und dem Herzog von Nichmond, sich haͤt⸗ ten lossagen muͤssen, so koͤnnten sie um so weniger jetzt ihren Gegnern, wenn diese dasselbe vorschluͤgen, sich anschließen und ihnen beipflichten.
Deutschland.
Neu⸗Strelitz, 4. Maͤrz. Seine Koͤnigl. Hoh. der Groß⸗ herzog haben sich bewogen gefunden, dem Koͤnigl. Großbritani⸗ en Schiffs⸗Capitain John Roß in London ein auf den Zeit⸗ raum von 20 Jahren sich erstreckendes ausschließliches Privile⸗ gium zur Herausgabe einer in London zu veranstaltenden Deut⸗ schen Uebersetzung seines Werks, betreffend seine letzte Ent⸗ deckungs⸗Reise nach dem Nord⸗Pol ec., zu ertheilen.
Ritzebuͤttel, 2. Maͤrz. Der Sturm hat endlich gestern aufgehoͤrt; die Posten sind von hier abgegangen, und zwar in verkehrter Ordnung, naͤmlich: das Dampfboot „Columbine“ mit den Posten vom 27sten v. M. gestern Morgen um 8 Uhr, „the Wm. Jolliffe“ mit den Posten vom 24sten gestern Morgen um u Uhr, und „the City of Hamburg“ mit den Posten vom Ahsten v. M. gestern Nachmittag um 1 Uhr. Die „Columbine“ hatte die Nacht vom 28sten v. M. bei Krautsand geankert und hatte daher Wasser genug, um gleich nach dem Aufhoͤren des Sturms zu segeln; die andern beiden Dampfboͤte lagen hier im Hafen und waren nicht gleich flott, mußten daher die Fluth ab⸗ warten, und so kam es, daß die „City of Hamburg“, welches das groͤßte Schiff ist (es mißt, beilaͤufig gesagt, von einem Staͤ⸗ ben zum andern 180 Fuß Engl.), zuletzt flott wurde. Das boͤse Wetter hat auch die Dampfboͤte von England zuruͤckgehalten, daher die Dampfboͤte „Tourist“ und „Sir Edward Banks“ mit den Posten vom 24. und 27. Februar hier zugleich eintrafen.
Schweiz.
St. Gallen, 20. Febr. Die Regierung ist endlich gegen die Wiedertaͤufer in unserm Kanton eingeschritten. Zu Anfang des Monats Februar wurde der Vikar Froͤhlich im obern Tog⸗ genburg verhaftet und in sein Heimatland, das Aargau, hin⸗ übergeschafft. In St. Gallen bemaͤchtigte man sich des Schuh⸗ machergesellen Fdolph und brachte ihn uͤber die Graͤnze, worauf er in Bregenz verhaftet, dann aber nach Bayern gebracht wor⸗ den seyn soll
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8 S. 8
Inland.
Berlin, 7. Maͤrz. Am 26sten v. M. feierte in Swine⸗ muͤnde der Geheime Kommerzten⸗Rath Krause den Tag, an welchem er vor 50 Jahren das dortige Buͤrgerrecht erworben
hatte. Das Fest wurde den Einwohnern durch eine Kanonen⸗ Salve angekuͤndigt, welche zugleich den in dem inneren Hafen siegenden Schiffen zum Zeichen fuͤr das Aufhissen der Flaggen diente. Nun begaben sich die staͤdtischen Behoͤrden und die zahlreichen Freunde des Jubilars in seine Wohnung, wo die
agistrats⸗Mitglieder und eine Depuration der Stadtverordne⸗ ten⸗Versammlung ihm Namens der Stadt einen in den ehren⸗ vollsten Ausdruͤcken abgefaßten renovirten Buͤrgerbrief in einer geschmackvoll gearbeiteten silbernen Kapsel uͤberreichten. Von den Mitbuͤrgern und Freunden des Gefeierten war ein Festmahl veranstaltet, bei welchem nach dem Toaste auf das Wohl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs dem Jubilar von dem Buͤrgermeister zwei Gratulations⸗Schreiben des Koͤnigl. Ober⸗Praͤsidiums und der Koͤnigl. Regierung zu Stettin uͤberreicht wurden.
— Aus Erfurt schreibt man unterm 3ten d. M.: „Heute Nachmittags, kurz vor 3 Uhr, hatten wir hier ein Gewitter. Schon seit 9 Uhr Morgens hatte ein hestiger Wind aus NW. geweht, dessen Intensitaͤt sich stoßweise bis zum Nachmittage steigerte. Die Wolken zogen um diese Zeit sehr tief und waren, wegen der darin enthaltenen Graupen, nur wenig durchsichtig. Um die erst genannte Zeit erfolgte, nachdem der Wind sich et⸗ was mehr noͤrdlich gewendet hatte, ein ziemlich starker Donner⸗ schlag, wonach die Heftigkeit des Wolkenzuges nachließ, ohne
des Hypotheken⸗Buches erleichtern sollen.
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daß sich der Himmel jedoch aufklaͤrte. Das Thermometer sank waͤhrend dieses Ereignisses, welches etwa 2 Minuten dauerte, von 4 ½0° bis 1 ½ ; diese schnelle Veränderung der Temperatur ist aber ohne Zweifel groͤßtentheils der Verdunstungskaͤlte zuzuschrei⸗ ben, da das Thermometer vom Winde ganz gerade getroffen wurde. Das Barometer stand auf 27“ 0,“ und sein Queck⸗ silber hatte die Temperatur von 40 R.“
— In dem Koͤnigl. Land⸗Armen⸗Verpflegungs⸗Institute zu Tapiau in Ostpreußen befanden sich am Schlusse des Jahres 1833 362 Häaͤuslinge; im Laufe des vorigen Jahres traten 584 hinzu, dagegen starben 32 und 445 wurden entlassen, so daß sich am 1. Januar d. J. noch 469 Personen in der Anstalt befan⸗ den, wovon 367 maͤnnlichen und 102 weiblichen Geschlechts Hierzu kommen noch 113 Kinder und 119 Gebrechliche und Irre, die außerhalb des Instituts, jedoch auf Kosten des Land⸗ Armen⸗Fonds, unterhalten werden. Ueber die Einnahme und Ausgabe ist Folgendes zu bemerken: Die erstere betrug, mit Hinzurechnung einer Summe von 12,844 Rthlr. als Bestand aus dem Jahre 1833, 42,904 Rthlr. Die Unterhaltungskosten betsen sich auf 30,212, wonach ein Bestand von 12,692 Rthlr.
eibt.
Beilage zu UI.
des Landtags⸗Abschiedes fuͤr die zum 4ten Provinzial⸗Landtage versammelt gewesenen Staͤnde der Provinz Westphalen.
Denkschrift des Justiz-Ministers Muͤhler. “
Der Antrag der Staͤnde, Einrichtungen treffen zu lassen, doaß die verschuldeten Grundguͤter in den Theilen der Pro⸗ vinz Westphalen, welche durch das Hypotheken⸗Patent vom 22. Mai 1815 betroffen worden, unverzuͤglich zum Hy⸗ potheken⸗Buch ingrossirt wuͤrden, wenn darauf nicht ausdruͤcklich verzichtet ist, und daß denjenigen In⸗ rtreressenten, welche es verlangen, von den Gerichten Hypo⸗
theken-Scheine ohne Aufenthalt ertheilt wuͤrden, laͤßt sich mit der durch die fruͤheren Antraͤge der Westphaͤlischen Staͤnde veranlaßten Allerhoͤchsten Kabinets⸗Ordre vom 31. Oktober 1831 nicht vereinigen, welche die fruͤhere, in der Hypotheken⸗Ord⸗ nung vorgeschriebene Zwangs⸗Verpflichtung zur Berichtigung des Besitz⸗Titels aufgehoben und angeordnet hat, daß die Berichtigung des Besitz⸗Titels nur auf den Antrag eines Interessenten, es sey des
Besitzers oder eines Real⸗Berechtigten, erfolgen soll.
Die Nachtheile, welche die aufgehobene allgemeine Zwangs⸗ Verbindlichkeit zur Berichtigung des Besitz⸗Titels haͤtte hervorbrin⸗ gen koͤnnen, hat uͤbrigens die Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre vom 6.
Oktober v. J. Gesetz⸗Sammlung Seite 124, auch die Anordnung
eines abgekuͤrzten Verfahrens schon veseitigt.
Die Verordnung vom 4A. Maͤrz d. J. uͤber die Execution in Civilsachen aber hat den Glaͤubigern die Mittel gewaͤhrt, auf dem 8. Wege zur Eintragung ihrer judikatmaͤßigen Anspruͤche zu gelangen.
Ver Zustand des Hypothekenwesens in den Bezirken der Ober⸗ Landesgerichte Paderborn, Muͤnster und Hamm ist folgender:
„ 1. Ober⸗Landesgerichte.
Ruͤcksichtlich der eximirten Guͤter und Grundstuͤcke ist die 9 9. potheken⸗Einrichtung als abgeschlossen anzusehen. Nur wenige Guͤ⸗ ter sind in das Hypotheken⸗Buch noch nicht eingetragen, entweder weil Niemand die Eintragung verlangt, oder es stehen Hindernisse entgegen, die sich nicht sofort beseitigen lassen. 11
II. Unter⸗Gerichte. 88 8 1) Bezirk des Ober⸗Landesgerichts zu Paderborn. “ „Im Fuͤrstenthum Minden und in der Grafschaft Ravensberg ist der groͤßere Theil der Grundstuͤcke in die Hypotheken⸗Buͤcher eingetragen. Die schon vor der Fremdherrschaft eingerichteten Hy⸗ potheken⸗Buͤcher erleichterten das Geschaͤft.
In dem Fuͤrstenthum Paderborn und im ehemagligen Bisthum Corvey hat diese Angelegenheit mit den groͤßten Hindernissen zu kaͤmpfen gehabt, da es bis zur jetzt beendigten Kataster⸗Aufnahme an allen sichern Grundlagen fuͤr das Hypotheken⸗Buch fehlte, und die Verwirrung durch die große Zersplitterung der Grundstuͤcke so groß geworden war, daß das Ober⸗Landesgericht an mehrere Ge⸗ richte besondere Kommissarien absenden mußte, um in die angehaͤufte Masse von Nachrichten, Gesuchen und Urkunden, Ordnung zu bringen.
Nach einem ungefaͤhren Ueberschlage betraͤgt die Zahl der Grund⸗ Besitzungen in diesem Departement, wofuͤr besondere Hypotheken⸗ 1 anzulegen seyn werden, 100,880. Am Schlusse des vorigen
ahres waren bereits 36,675 Hypotheken⸗Folien angelegt. 2) Bezirk des Ober⸗Landesgerichts zu Hamm.
Der sehr lebhafte Verkehr, vorzuͤglich in den Gebirgs⸗Gegen⸗
den, ist nicht ohne Einfluß auf das Grund⸗Eigenthum geblieben. CqIIu Antraͤge auf Berichtigung des Besitz⸗Titels kommen in diesem Bezirk haͤufiger vor. Es ist daher auch von den Gerichten zur Regulirung des Hypothekenwesens schon mehr geschehen.
Es sind uͤberhaupt 146,371 Folien anzulegen gewesen. Am Schlusse des Jahres 1832 waren bereits 69,012 Folien angelegt. Im Jahre 1833 sind hinzugetreten .. 2347 ⸗
.—yhh—— zusammen 71,359 Folien.
3) Bezirk des Ober⸗Landesgerichts zu Muͤnster.
Ivn diesem Bezirke ist verhaͤltnißmaͤßig am Wenigsten geschehen. Die Zahl der uͤberhaupt anzulegen gewesenen Folien wird auf 144,427 angegeben. Davon sollen nun zwar am Schlusse des Jah⸗ res 1832 bereits 45,545 Tabellen angelegt seyn; die Zahl der wirk⸗ lich im Hypotheken⸗Buch eingetragenen Grundstuͤcke betrug aber nur etwa 15 — 16,000.
Im Laufe des Jahres 1833 sind 1361 Hypotheken⸗Folien neu angelegt worden. Zur Entschuldigung werden die noch nicht voll⸗ endete Regulirung der gutsherrlichen und baͤuerlichen Verhaͤltnisse, die fortdauernden Marken⸗ und Gemeinheits⸗Theilungen und der Mangel an den erforderlichen Subaltern⸗Beamten angefuͤhrt. Diese Gruͤnde sind nicht zureichend, da sie zum Theil auch in den uͤbrigen Ober⸗Landesgerichts⸗Bezirken der Provinz vorhanden sind, die letztern aber mit dem gleichen Personal doppelt so viel geleistet haben. Es wird jedoch darauf gehalten werden, daß der Ober⸗Lan⸗ desgerichts⸗Bezirk von Muͤnster nicht hinter den uͤbrigen Westphaͤ⸗ lischen Ober⸗Landesgerichts⸗Bezirken zuruͤckbleibt. —
Was nach vorstehender Darstellung, zur vollstaͤndigen Regulirung des Hypothekenwesens, noch zu thun ist, laͤßt sich nicht auf einmal und unverzuͤglich durchfuͤhren. Das Bestreben des unterzeichneten Justiz⸗Ministers wird indeß darauf gerichtet seyn, die mannigfachen Hindernisse und Schwierigkeiten allmaͤlig zu veseitigen, welche der schnellern Erledigung dieses Gegenstandes noch entgegenstehen.
Große Schwierigkeiten liegen in mehreren Vorschriften der Hy⸗ potheken⸗Ordnung, die nicht auf einen so oft wechselnden und so sehr theilbaren Grundbesitz berechnet sind.
In der so eben von Sr. Majiestaͤt Allerhoͤchst vollzogenen Ver⸗ ordnung vom 31. Maͤrz d. J., wegen Einrichtung des Hypotheken⸗ wesens in dem Herzogthum Westphalen, sind deshalb einige we⸗ sentliche Modificationen der Frentes aufgenommen wor⸗ den, welche die Berichtigung des Besitz⸗Titels und die Fuͤhrung Das vollendete neue Grund⸗Kataster bietet die Mittel dazu.
„Es erscheint zweckmaͤßig, an diesen Erleichterungen auch die uͤbrigen Theile der Provinz Westphalen, in denen das Kataster eben⸗ falls vollendet ist, noch vor der Beendigung der allgemeinen Revision der Hypotheken⸗Ordnung, Theil nehmen zu lassen; es wird daher ein Gesetz⸗Vorschlag in diesem Sinne fuͤr die Provinz Westphalen ausgearbeitet, und zur Berathung des Koͤniglichen Staats⸗Ministe⸗ riums vorgelegt werden. 88
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Die von Sr. Majestaͤt unter dem 4. Mäaͤrz d. J. vollzogen Verordnung uͤber den Subhastations⸗Prozeß raͤumt bereits di Schwierigkeiten aus dem Wege, welche der Regulirung des Hypo thekenwesens bei den im Wege der nothwendigen Subhastation ver kauften Grundstuͤcken bisher entgegenstanden, und wird, verstaͤndig gehandhabt, einen sehr wesentlichen Einfluß auf die Beförderung der Hypotheken⸗Einrichtung aͤußern.
Berlin, den 10. Mai 1834. Mühler.
8
—
Ausgaben fuͤr das, dem verstorbenen General von Scharnhorst von seinen Freunden und Waffengefaͤhr⸗ ten errichtete Grab⸗Denkmal bestritten sind, halten die noch leben⸗ den Mitglieder des zu jenem Zwecke zusammengetretenen Comité es fuͤr ihre Pflicht, von der Verwendung der dazu erhaltenen Bei traͤge hiermit oͤffentliche Rechenschaft abzitlegen. An freiwilligen Beitraͤgen sind uͤberhatkvt dng genmes und bei der General⸗Militair⸗Kasse deponirt gewesen 6276 Rthl. 18 Sgr. 11 Pf. Diese sind durch die Summe von.. . 697 ⸗ 23 9 resp. durch zinsbare Belegung der sueccessive eingegangenen Summen und durch Ver⸗ wechselung des Goldes vermehrt, so daß Feuteg- im Ganzen ein Betrag von.. 6974 Rthl. 9 Sgr. 8P hat verwendet werden koͤnnen. B
Verausgabt sind dagegen: See4 fuͤr das bearbeitete Monument,
Nachdem jetzt saͤmmtliche
4 4) An Honorar dem Kuͤnstler 1 schließlich der Kosten des carrarischen Marmorblocks und dessen Transport 3229 Rthl. — Sgr. — Pf. b) Fuͤr den Grundbau . 1 [8 182 c) Fuͤr das marmorne Fußgestell zum Mo⸗ nument 1100 d) Transport⸗Kosten fuͤr den aus Prag 88 5 Farbe gebrachten velchasa en dessen G AX“ eerdigung auf dem Kirchhofe der In⸗ 18 “ 4 — valfden S asf 8 2 e) Fuͤr den auf dem Monumente ruhenden b bronzenen Loͤwen 1407 Rthl. — Sgr. — Pf. Für ein Gitter von Gußeisen 349 ⸗ 6. Aufstellungs⸗ und verschiedene andere Kosten 666 ☚ꝙ☚☛☚α☛☚ nnnnnng———ÜUAg: in Summa 6749 Rthl. 9 Sgr. SPf⸗ Von der obgedachten Einnahme von 6974 ⸗ EL88
ist mithin ein Bestand verblieben von . 225 Rthl. — Sgr. — Pf.
Die Unterzeichneten haben im Sinne der Herren Geber zu han⸗ deln geglaubt, wenn sie diese uͤbrig gebliebenen 225 Rthlr. dem In⸗ validen⸗Fonds unter der Bedingung uͤberwiesen haben dies Kapital zinsbar zu belegen, und die dafuͤr eingehenden Zinsen demjenigen Invaliden zu verabreichen, welcher das Geschaͤft als Todtengraͤber auf dem Kirchhofe versieht; jedoch mit der Verpflichtung, daß der⸗ selbe dafuͤr gehalten ist, das Denkmal besonders zu beaufsichtigen und durch zeitgemaͤßes Gießen im Sommer die innere Erdflaͤche des eisernen Umgebungs⸗Gitters gruͤn und sauber zu erhalten.
Berlin, den 3. Maͤrz 1835. — v. d. Knesebeck, Schoeler, v. Minutoli, Ruͤhlev. Lilienstern, Gen. d. Inf. u. Gen. General⸗ General⸗Lieute General⸗Major. 5 Adj. Sr. M. d. Königs. Lieutenant. nant a. D. 8
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Berliner Börse. 8 amn m
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““ 8 Se 1161“ Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preuss. Cour.) ——y—
Zf. IEricf eld. 100 ½
— Ostpr. Pfandbr. 97 ⅔ Pomm. do. 64 ½ Kur- u. Neum. do. — 99 ½ Schlesische do. Rkst. C. d. K.- u. N. Z.-Sch. d. K.- u. N.
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St.-Schuld-Sch.] Pr. Engl. Obl. 30. Prm. Sch. d. Seeh. Kurm. Obl. m. J. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do.
Elbing. do.
Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr. Grofsh. Pos. do.
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Holl. vollw. Duk. Neue do. Friedrichsd'or .. Disconto “ E““ Sreu,ss. Cour Wechsel-Cours. ——— 1ea Geld. Kurz 141 ⅔ 2 Mt. B 41 ⅔ Kurz Mt. Mt. Mt. Mt. Mt. 8 age vis Woch. urz
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250 Fl. 250 Fl. 300 Mk. 300 Mk. 1 LSt. 300 Fr.
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100 Thl. 100 Thl. 150 Fl.
100 Rbl.
aN tvn 22 102 02 8 20
600 Fl.
Auswürtige Börsenä.
— Amsterdam, 2. März. ¹
Niederl. wirkl. Schuld 55 ¾. 53 do. 101 †¼.
Kanz-Bill. 25 ½. 4 ½ 9 Amort. 95. 3 ½ 8 79 8⅛.
99 ½. Preuss. Präm.-Scheine 113 ¾, do 48 Anl. —. 38 27 2.
Ausg. Schuld 1 r. Russ. 99. Oesterr. Span. 5 8 47 ½.
Koͤnigliche Schauspiele. Sind am 7., 8. und 9. Maͤrz geschlossen. 1 Dienstag, 10. Maͤrz. Im Opernhause: Othello, Oper in 3 Abth., mit Tanz. Musik von Rossini. (Dlle. Sabine Heine⸗ fetter: Desdemona, als Gastrolle.) e Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung. Sonntag, 8. Maͤrz. Lestocq, oder: Intrigue und Liebe, Oper in 4 Akten. Musik von Auber.
Markt⸗Preise vom Getraide.
8 Berlin, den 5. Mäaͤrz 1835. e 1 Zu Lande: Weizen 1 Rthlr. 20 Sgr., auch 1 Rthlr. 15 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 15 Sgr., auch 1 Rthlr. 1à Sgr.; große Gerste 1 Rthlr. 8 Sar. 2 Pf., auch 1 Rthlr. 6 Sgr. 3 Pf.; Hafer 27 Sgr. 6 Pf, auch 21 Sgr. 3 Pf. Eingegangen sind 327 Wispel 12
Scheffel. 1 Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 25 Sgr., auch 1 Rthlr. 22 Sgar. 6 Pf. und 1 Rthlr. 15 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 15 Sgr., auch 1 Rthlr. 11 Sgr. 3 Pf.; Erbsen (schlechte Sorte) 1 Rthlr. 17 Sgr. 6 Pf. Eingegangen sind 873 Wispel 14 Scheffel. Mittwoch, den 4. Marz 1835. Das Schock Stroh 7 Rthlr.; der Centner Heu 1 Rthlr. 2 Sgr. Branntwein⸗Preise Ferühnun we vom 27. Februar bis 5. Maͤrz 188385353. Das Faß von 200 Quart nach Tralles 54 pCt. oder 40 pCt.
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Richter egen baare ltsatdet sofortige Ablie terung: Korn