verlangen. Sir R. Peel sagte, um alle Zweisel und Besorg⸗ nisse zu entfernen, wolle er auf das unzweideutigste erklaͤren, daß er von diesem Gegenstande, näͤmlich von der Praͤrogative der Krone, ohne die Aufruhr⸗Bill ein stehendes Heer zu unter⸗ haiten, heute Abend zum ersten Male reden gehoͤrt habe. (Hoͤrt, hoͤrt ¹) Lord Ebrington wuͤnschte noch zu wissen, ob die jetzi⸗ gen Minuster in den Grundsaͤtzen des Irlaͤndischen Unterrichts⸗ Systems eine Aenderung vornehmen, oder es nach denselben Prinzipien, wie unter dem Greyschen Ministertum, fortbestehen lassen wollten, worauf Sir H. Hardinge (der Seeretair fuͤr Irland) erklaͤrte, die jetzige Regierung beabsichtige keine Veraͤn⸗ derung in diesem System, und was die zu diesem Zweck ange⸗ setzten Veranschlagungen betresse, so glaube er, sie wuͤrden noch groͤßer werden, als im vorigen Jahre; die Ausgaben haͤtten sich vermehrt, und man werde von dem Parlament eine groͤßere Summe zur Bestreitung derselben fordern muͤssen. Herr Hume, der sich (wie bereits gestern erwaͤhnt) mit den Erklaͤrungen des Pre⸗ mier⸗Ministers nicht begnuͤgte, warf demselben vor, er wolle die Fragen absichtlich nicht verstehen und weiche ihnen aus, man muͤsse daher auf andere Mittel bedacht seyn; der heutige Antrag
auf Verwanolung des Hauses in einen Subsidien⸗Ausschuß sey
nur eine Formalitaͤt und werde deswegen keinen Widerstand unden, wenn aber das Ministerium gegen den ausdruͤcklichen 8 Wih en des Hauses, und ohne dessen Zutrauen zu besitzen, am Ruder blelben wollte, so werde es die Pflicht der Stellvertreter des Volkes, bei dem naͤchsten Antrag auf Bewilligung von Subsidien die Frage in Er⸗ waͤgung zu ziehen, ob es unter solchen Umstaͤnden angemessen sey, Sr. Majestaͤt und den Ministern uͤberhaupt Gelder zu be⸗ willigen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Mit unerschuͤtterlicher Ruhe antwor⸗ tete Sir A. Peel, er koͤnne in dem Amendement zur Adresse
keine Erklaͤrung des Mißtrauens finden und werde deswegen nicht zuruͤcktreten. Nach einigem Wortwechsel fragte zuletzt noch Herr O'Connell, mit Bezug auf die Erklärung des Ministers, daß kirchliches Eigenthum nur zu kirchlichen Zwecken verwendet
werden duͤrfe, was der sehr ehrenwerthe Baronct unter kirchli⸗ chen Z vecken verstehe, worauf jener antwortete, er verstehe unter dem Ausdrucke „zu kirchlichen Zwecken“ allerdings „zum Besten der Anglikanischen Kirche“; auf die fernere Frage des Herrn Bulwer aber, ob unter jenen Zwecken auch Volks⸗Unterricht und Bildung mit begriffen sey, weigerte sich der Minister, zu anutworten. b Kammer, erklaͤrte, daß er dem Parlament eine Maßregel zur Ver⸗
hinderung des Schleichhaudels mit fremdem Getraide, der von den Inseln Man, Jersey und Guernsey nach Großbritanien ge⸗ trieben wird, und eine andere zur Verhinderung des Einschwaͤr⸗
EE1L11“
zens von Schisssbauholz aus den Ostseehaͤfen uͤber Kanada vor⸗
legen werde.
London, 3. Maͤrz. Der Herzog von Wellington wir Abermorgen, zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestaͤt, den fremden Gesandten in Apsley⸗House ein großes Bankett geben. An demselben Tage geben Sir R. Peel, als Kanzler der Schatz⸗ kammer, und der Graf v. Aberdeen, als Staats⸗Secretair fuͤr
das Kolonial⸗Departement, offizielle Diners. Die Hof⸗Zeitung meldet nun die Erhebung des Sir
Ch. M. Sutton zum Pair, unter dem Titel eines Viscount
Canterbury und Baron Bottesford.
In Folge der Ernennung des Sir C. M. Sutton zum Pair ist ein Parlaments⸗Sitz fuͤr die Universitaͤt Cambridge erledigat, um den sich nun der Recorder von London, Herr C. C. Law, be⸗ wirbt, der auch von den Mitgltedern des Senats sehr unter⸗ stuͤtzt wird, so daß man an seiner Erwaͤhlung nicht zweifelt.
8 Lord Durham hat, obwohl sehr unpaͤßlich, an der Debatte im Oberhause uͤber das Amendement Theil genommen, was bei ihm einen bedenklichen Ruͤckfall zur Folge hatte. Der Marquis von Wellesley ist von seiner Krankheit wieder voͤllig hergestellt. Die Morning Chronicle meint, wenn Sir R. Peel sich genau erkundigt habe, so muͤsse er erfahren haben, daß die⸗ jenigen Mitglieder des Unterhauses, welche durch Zufall verhin⸗ dert wurden, uͤber das Amendement zur Adresse mitzustimmen, meistentheils zur Opposition gehoͤrten. „Eine Erklaͤrung des Herrn H'Connell“, sagt dieses Blatt, „daß er nach 9 Uhr nicht mehr sprechen, sondern sich seine Rede auf den nächsten Abend vporbehalten wolle, bewog am Donnerstag allein von den Irlaͤn⸗ dischen Mitgliedern sechs, das Haus zu verlassen, weil sie glaub⸗ ten, daß die Abstimmung erst am folgenden Abende stattfinden wuͤrde. Einige andere Mißverstaͤndnisse veranlaßten die Abwe⸗ senheit anderer Herren von der Opposition. Der sehr ehren— werthe Baronet haͤtte hinzufuͤgen koͤnnen, daß die Stanley’'sche Section sich weigerte, am Freitage ihr Votum noch einmal zu wiederholen.“ 8
Die Schottischen Mitglieder haben sich im Unterhause groͤß⸗ tentheils gegen die Stelle in der Thron⸗Rede ausgesprochen, wel⸗ che der Kirche in Schottland Unterstuͤtzung verheißt. Man brauche dort, meinten sie, keine neue Kirchengebaͤude, denn es gebe de⸗ ren nur zu viel, die leer ständen, weil die Geistlichkeit der ande⸗ ren Sekten meist viel beltebter bei dem Volk sey, als die der
Anglikanischen Kirche, da sie sich den Unterricht und die Seel⸗ sorge weit mehr angelegen seyn lasse, als letztere. Der Standard sagt, er wolle nicht durch eine Schilderung
der Begleitung, in welcher der Sprecher bei Ueberreichung der Adresse des Unterhauses vor Sr. Maj. erschien, die dem Sou⸗ perain gebuͤhrende Achtung verletzen. „Wer sollte nicht“, fuͤgte eer hinzu, „die Festigkeit, den guten Sinn und die Maͤßigung der Königlichen Antwort bewundern, nur Schade, daß siec an solche Personen sfortgeworfen wurde, wie die, welche wir am Sonnabend in Kabriolets und Miethskutschen nach dem Sr. James⸗Palast fahren sahen, um die Majestaͤt eines Britischen Parlamentshauses zu repraͤsentiren. Der Schweif, der saͤmmer⸗ liche Schweif war es, aus dem fast die ganze Begleitung des Herrn Abercromby bestand.“
Die Times meint, es sey klar, daß die Gewißheit, Sir Robert Peel werde sich nicht zuruͤckziehen, eine große Anzahl von Unterhaus⸗Mitgliedern vermocht habe, fuͤr das Amendement zur Adresse zu stimmen, denn sonft wuͤrden die Minister sich, besonders nach den radikalen Reden der Herren Gisborne und O Connell, sicherlich in einer siegreichen Majoritaͤt befunden haben.
Eben dieses Blatt theilt jetzt den zweiten Bericht mit, den die zur Untersuchung der Kirchen⸗Einkuͤnfte und Patronate in Irland ernannite Kommission, an deren Spitze der Beschof von Armagh steht, erstattet hat.
Die Aufruhr⸗Akte (muliny-act), deren Lord John Russell in der gestrigen Sitzung des Unterhauses mit dem Bemerken erwaͤhnte, daß das Geruͤcht gehe, die Minister glaubten sich be⸗ rechtigt, ohne daß dieselbe vom Parlament genehmigt worden, ein stehendes Heer zu unterhalten, ist ein Gesetz zur Bestrasung von Meuterei und Desertion unter der Armee, so wie uͤber die Besoldung und Einquartierung der Truppen. Die Genehmi⸗
Herr Alex. Baring, der Präsident der Handels⸗ Mittellaͤndischen Meere zu vermindern.
gung desselben muß alle Jahre von Seiten des Parlaments er⸗ neuert werden und dient hauptsaͤchlich dazu, der Regierung die noͤthige Gewalt zur Ausuͤbung der militairischen Justiz zu uͤber⸗ tragen. Wenn diese Akte nicht bewilltgt ist, kann der Koͤnig in Friedenszeiten kein stehendes Heer halten.
Aus den Bemerkungen, welche der Herzog von Richmond bei Gelegenheit der von ihm im Oberhause eingebrachten Bill uͤber die Eid⸗Leistungen machte, geht hervor, daß in der Armee allein jaͤhrlich fuͤr den Halbsold 342,000 und in dem Halbsolde und Pensions⸗Departement jaͤhrlich 47,000 Eide geleistet werden.
Der General⸗Gouverneur der Windward⸗Inseln, Sir Lio⸗ nel Smith, ist auch zum General⸗Gouverneur von Britisch Guiana, Trinidad und St. Lucia ernannt worden.
Der in China verstorbene Lord Napier war vor der Auf⸗ loͤsung im Jahre 1832 einer der repraͤsentativen Pairs von Schottland, auch Capitain ver K. Marine und Kammerherr. Er war der neunte Baron Napier von Thirlestane und hinter⸗ läßt eine Gattin und fuͤnf Kinder, von denen das aͤlteste, 15 Jahr alt, gegenwaͤrtig Lord Napier ist. Dieser und die uͤbrige Familie des Verstorbenen werden binnen kurzem aus Macao hier zuruͤck erwartet. 1 18 In Peterborough sind durch eine Feuersbrunst 70 Haͤuser
ein Raub der Flammen geworden, und der Schaden betraͤgt we⸗
nigstens 10,000 Psund, wovon aber nur 3000 versichert sind.
Im Standard liest man: „Die Blokade von Bilbao, Coruna und den anderen Haͤfen Biscaya’'s und Galiziens, die vor kurzem noch von den Schiffen der Koͤnigin von Spanien blokirt wurden, ist aufgehoben worden, wenigstens in so weit, als sie bisher von der Englischen Regierung anerkannt wurde.“ (Man vergleiche hiermit den in Nr. 61 der St. Ztg. unter Spanien mitgetheilten, von Herrn Martinez de la Rosa unter⸗ zeichneten Koͤniglichen Befehl.) “
Nachrichten aus Malta zufolge, hat ein Englaͤnder, Herr Cochrane, mit der Franzoͤsischen Regierung einen Kontrakt abge⸗ schlossen, um eine regelmaͤßige Dampfschifffahrt zwischen Mar⸗ seille, Genua, Livorno, Neapel, Malta, Athen, Smyrna und Konstantinopel einzurichten.
Das Dampfboot „Blazer“ ist am 26sten v. M. unerwartet von Plymouth nach Malta beordert worden, angeblich mit De⸗ peschen, welche die Ruͤckkehr eines Theils der dort stationirten Linienschiffe befehlen, da man beabsichtigen soll, die Flotte im Nach der Ruͤckkehr des Geschwaders nach Malta sind nur noch 3 Englische Kriegsschiffe in den Gewaͤssern der Levante, zwri Fregatten, wovon die eine bei Smyrna, die andere bei Vurla, und eine Korvette, die bei Kon⸗ stantinopel stationirt ist. 1
Handelsbriefen aaus Smyrna zufolge, sank dort der Cours in Folge der vielen Tratten auf London und Paris, welche Meh⸗ med Alr''s Banquiers ausgeboten, um seine Schuld an den Sul⸗ tan in Folge des letzten Bergleichs — der Angabe nach 70 Mill. Tuͤrkische Piaster — zahlen zu koͤnnen. Der Sultan hatte ein⸗ gewilliat, allen Griechischen Konsuln Fermane zu ertheilen. 1
Es ist dem fuͤr die Foͤrderung der Communication mit Ost⸗ Indien so thaͤtigen Herrn Waghorn gelungen, eine Gesellschaft zu diesem Zwecke unter den Kaufleuten in Liverpool zu Stande zu bringen. Die damit in Verbindung stehende Eisenbahn in Aegyvten soll zwischen Januar und Maͤrz 1836 fertig seyn.
Nach Berichten aus Kanada bis zum 2ten v. M. hatte in der Repraͤsentanten⸗Kammer von Ober⸗Kanada ein heftiger Kampf wegen der Sprecher⸗Wahl stattgefunden, und die soge⸗ nannte revolutionnaire Partei setzte die Wahl ihres Kandidaten mit 31 gegen 27 Stimmen durch.
Die Nachrichten vom Vorgebirge der guten Hoffnung bis zum Anfange des Januars lauten nicht guͤnstig. In Gra⸗ hams Town herrschte zufolge eines von den Kaffern unternom⸗ menen Angriffs große Aufregung. Eine Abtheilung der Soldaten war in das Gebiet der Kaffern geschickt worden, um einige verirrte oder gestohlene Pferde zuruͤckzufordern, allein die Ein⸗ geborenen widersetzten sich und toͤdteten einen Soldaten. Der Oberst Somerset und die Graͤnz⸗Behoͤrden beschlossen darauf, das neutrale Gebiet der Kaffern zu verlassen. Letztere griffen die Englaͤnder an, von denen mehrere auf dem Päatze blieben.
dan erwartete einen Angriff der Kaffern auf Grahams Town und traf deshabb alle Vorkehrungen, um jede Feindseligkeit zu⸗ ruͤckzuweisen. Alle waffenfaͤhige Maͤnner waren aufgefordert worden, sich bereit zu halten, im Falle man ihrer Dienste beduͤrfe, und man zweifelte keinesweges daran, einem etwaigen Angriff hinreichenden Widerstand entgegensetzen zu koͤnnen. Die Kaffern hatten indeß schon mehreres Vieh geraubt und den Besitzungen Scha⸗ den zugefuͤgt. — In einem Privat⸗Schreiben aus Grahams Town vom 25. Dez. heißt es uͤber diesen Gegenstand: „Die Nachgie⸗ bigkeit der Regierung brangt die Kolonie um 20 Jahre zuruͤck. Wir sind alle unter den Waffen, und haben unsere Frauen und Kinder an einen sicheren Ort gebracht. Wir sind von den Kaf⸗ fern umcingt und die schauderhaftesten Mordthaten werden be⸗ gangen. Die Straßen unserer Stadt sind mit Pallisaden ge⸗ sperrt. Die Graͤnz⸗Truppen haben hauptsaͤchlich die Außenposten besetzt und sind sehr gequaàlt. Man haͤtte das nuͤtzliche Corps der Hottentotten nicht entlassen sollen, da sie mehr als alle An⸗ deren geeignet waren, die Kolonie gegen die Einfaͤlle der wilden Kaffern zu schuͤten.“
Deutschland. 1.“ 8
Kassel, 4. Maͤrz. In der heutigen Sitzung der Staͤnde⸗ Versammlung berichtete Herr Wippermann uͤber eine Mit⸗ theilung der Staats⸗Regierung, die Errichtung eines Land⸗ Krankenhauses in Rinteln betreffend. Es wurden nach dem An⸗ trag des Ausschusses 1000 Rihler. zu diesem Zweck bewilligt. Ferner berichtete derselbe Depuurte uüber die von der Staats⸗ Regierung begehrte Verwilligung von 400 Rthlr. fuͤr den zur Befoͤrderung der Deutschen Geschichtskunde bestehenden Verein. Es wurden nach dem Antrag des Ausschusses diese 400 Rthlr. in der Art bewilligt, daß 200 Rthlr. fuͤr den genannten Verein, und 200 Rthlr. fuͤr den zur Befoͤrderung der Hessischen Ge⸗ schichtskunde bestehenden Hessischen Verein verwendet werden sollen. Eine Mittheilung des Landtags⸗Kommissars, den Bau der Artillerie-⸗Kaserne betreffend, ward dem Budget⸗Ausschuß zur Pruͤfung uͤberwiesen. Es wurde dann der achte Abschnitt des Grundsteuer⸗Gesetzes diskutirt und mit wenigen Modifica⸗ tionen angenommen. Herr Henkel berichtete dann uͤber die Instruction des permanenten Ausschusses und verlas dieselbe. Die Instruction, die im Wesentlichen dieselbe ist, wie die fruͤ⸗ heren, ward angenommen. Der Landtags⸗Kommissar, Herr Re⸗ gierungs⸗Rath Koch, legte Namens der Staats⸗Regierung Pro⸗ test gegen diese Instruction ein. Die Protestation des Land⸗ tags⸗Kommissars ward zu den Akten genommen, und Gegen⸗ Protestation einzulegen beschlossen. Nachdem sodann verschiedene Petitionen ihre Erledigung gefunden hatten, ward die Sitzung
wie ein Heiliger oß. 8 1“
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“ 8 “ 1.“ 88 Dresden, 5. März. Da am Zten Abends kein Couric⸗z
von Wien eingetroffen war, sing man am Hofe und in der Stazr
an, neue Hoffnung wegen des lebensgefaͤhrlichen Zustandes des Kaisers Franz zu schoͤpfen. Se. Majestaͤt der Koͤnig fuhr nach Weesenstein, und man sprach von allerlei Gastwaͤhlern und Fu⸗ milien⸗Festen, womit der heutige Namenstag des auverehrten Prinzen Friedrich begangen werden sollte, einer Sitzung der „Flora“ und einer Blumen⸗Ausstellung auf der Bruͤhlischen Terrasse, Tableauxstellung, einem Caroussel u. s. w. Allein ploͤg lich ist der ganze Hof in die tiefste Trauer versetzt worden Denn in dieser Nacht gegen Morgen ist ein Kaiserl. Oesterren⸗ chischer Ordonnanz⸗Offizier, vom Generalstabe, eiligst hier durgh, gegangen, und hat in der an die hiesige Oesterreichische Gesandte schaft abgegebenen Depesche die betruͤbende Nachricht gebracht daß Kaiser Franz in der Nacht zwischen dem 1sten und Aumn verschieden ist, und sogleich der Koͤnig von Ungarn und Erzhu⸗ zog Ferdinand die Regierung angetreten hat. Der Courier ging von hier nach Berlin und St. Petersburg.
Muͤnchen, 4. Maͤrz. Muͤnchener Blaͤtter melden, „Se. Majestaͤt der Koͤnig begaben sich gestern Nachmittags ha 3 Uhr, in Begleitung der großen Cortege, zum Schluß de 40stuͤndigen Gebetes mit Prozession, in die St. Michaels⸗hi Kirche.“
Nach dem Willen Sr. Majestaͤt des Koͤnigs sollen die sa⸗ den abgebrannten Staͤdte Wunsiedel und Reichenhall nach im System des Sonnenbaues wieder aufgebaut werden.
Augsburg, 3. Maͤrz. Von gestern Nachts 9 Uhr heute fruͤh 7 Uhr siel das Barometer um 2 Linien, und dem bis 6¼ Abends noch um 2 Linien; die West⸗ und Nordwi winde steigerten sich zu einem Sturm von der Stärke des äm bis 4ten Grades, mit Schneegestoͤber und Hagelkoͤrnern. Wih⸗ rend dieses Sturms zeigte sich um 7 Uhr 28 Abends ein hife
ger Blitz in Nordwest mit starkem Donner, dem bis gegen
Uhr nech mehrere und immer naͤhere folgten. Von 6 Uhr 4 an begann das Barometer schnell zu steigen, und stand um Uhr Nachts um 1; Linie hoͤher als Abends 6 Uhr, wo es Zoll 3 Linien gezeigt. Zwischen 11 und 1 ½ Mittags stand Elkysmometer (Erdbebenmesser) 1 Linie gegen Suͤdwest und cillirte ein wenig in dieser Richtung. Die positive Elektrizüt der Atmosphaͤre war Mittags 5 Grad und bei dem Gewing Abends 8,4 Grad; die negative nur 0,6 Grad.
Stuttgart, 4. Maͤrz. Se. Majestaͤt der Koͤnig habe aus Veranlassung der Darstellung des „Fiesko“ auf der hiesgg Hofbuͤhne zum Besten des unserem großen Schiller zu errte tenden Denkmals, fuͤr diesen patriotischen Zweck ein wahrhye Koͤnigliches Geschenk von 1000 Fl. auf Hoͤchstihre Kabine Kasse anweisen lassen. — Der Ertrag der Darstellung 27sten v. M. belaͤuft sich auf 672 Fl. 9 Kr.
Frankfurt a. M., 5. Maͤrz. Das in der Nacht vn isten zum 2ten d. zwischen 1 und 2 Uhr erfolgte Hinsch den Sr. Maj. des Kaisers Franz I. von Oesterreich hat bes ders auch hiesige Stadt aufs Schmerzlichste beruͤhrt; denn de nun Hoͤchstseligen Monarchen verdankt sie in dessen thaͤtiger M wirkung die Wiederherstellung ihrer Selbststaͤndigkeit. Die Tran um den so allgemein geliebten Monarchen ist daher unter al Staͤnden hiesiger Stadt recht bemerkbar, wenn auch nicht, n es ehemals geschah, sobald ein Deutscher Kaiser das Zeülih mit dem Ewigen verwechselte, ein taͤglich zweimal wiederholle vier Wochen andauerndes Trauergelaͤute uns den schmerzliche Verlust verkuͤndigt. Die stille Trauer wohnt tief in der Brn unsrer Buͤrger, die innig fuͤhlen, was Deutschland, was sie sell in dem verewigten Monarchen verloren haben.
In Hanau sind in der Nacht vom 3ten zum bei stuͤrmischem Wetter vier Haͤuser abgebrannt. kam in einem Brauhause zum Ausbruch.
Matnz, 25. Febr. Im Weimhandel dauert die kuͤrz begonnene groͤßere Lebhaftigkeit fort. Der hiesige Weinhaͤnd Dahm hat unter Berathung des aͤltesten und erfahrensten Wem haͤndlers unserer Stadt, Herrn Lauteren, eine Qualitaͤts⸗Clt fication der Rheinweine versucht, welche die Zustimmung der K ner erhielt. Von 1783 bis 1834 bestimmt derselbe 49 We Sorten. Den Ehren⸗Rang uͤber alle ertheilt er dem 178 dann läͤßt er sie in nachstehender Ordnung folgen: 11r, 34r, 2 84r, 94r, 6r, 7r, 27r, 25r, 2r, 26r, 31r, 88r, 4r, 98r, 1 1800r, 18r, 15r, tr, 33r, 28r, 32r, 30r, 121, 10x, 8r, 3r, 9 gfr, 921, 14r, 131, 97r, 87r, 2tr, 86r, 89r, 20r, 961, 16 , 9 23r, 24r, 99r, 29r, 85r und 9r. ö11a
4ten d. J Das Feu
Wien, 2. Mäaͤrz. (Leipz. Zeitg.) Das traurige Em niß, das mein vorgestriger Brief ahnen ließ, ist eingetreten, der hochverehrte Monarch ist heute fruͤh drei Viertel Stunld nach Mitternacht verschieden; die Seelengroͤße und christat Fassung, mit welcher der Kaiser die letzte Stunde hat herannah sehen, ist seiner Regierung wuͤrdig; es war kein Stumpfsinn, dh die Krankheit hatte ihm sein ganzes Fassungs⸗Vermoͤgen 2¹ sen, eben so wenig Gleichguͤltigkeit fuͤr laͤngern Lebensgun sondern heldenmuͤthige Ergebung in die Fuͤgungen des Hoͤctn Zwischen 9 und 10 Uhr Abends empfing der Kaiser die helhn Sterbe⸗Sakramente in Gegenwart der ganzen Katserlichen iü milie und aller hohen Staats⸗ und Hof⸗Beamten; der Athem whn immer schwerer und um 10 ¼ Uhr stellte sich das Roͤcheln ( Am Freitag haben Seine Hoͤchstselige Majestaͤt mehrere Snn den, man sagt vier Stunden, dictirt und eine halbe Stund selbst geschrieben, und sich auf diese Weise mit Verfuͤgungen die Zukunft beschaͤftigt. Die ersten Aerzte waren der Leiban Baron Stift, und der Hofarzt Guͤnther; am Sonnabend wurdent
neue Aerzte, unter denen Dr. Wießner, zu einer Consultation gerust;
sie erklaͤrten sich mit der Behandlung des hohen Patienten ganz eine standen, fanden ihn in großer Gefahr, glaubten jedoch noch an die M lichkeit einer Schweiß⸗Krisis als den einzigen Weg der Her lung. Gestern um Mittag trat das Redoublement mit verme ter Staͤrke ein, von da ging es schnell zu Ende; die Alhe beraubungen traten oͤfter und staͤrker ein und noch zweimal Aderlassen gewaͤhrte keine Erleichterung; um 8 Uhr wurden 1 zwei Aerzte, Baron Tuͤrkheim und Doktor Virkner, zum he Patienten geholt, die den Zustand als hoffnungslos erkang und sich dem fruͤheren Gutachten vereinigten. Als der K- zum letztenmale die Aerzte entließ, reichte er jedem die Hü dankte ihnen fuͤr ihre Bemuͤhungen, versicherte sie seiner ) und Liebe und fuͤgte hinzu, er wisse, wie sehr auch sie ihn 1; ten und wie sie Alles gethan haͤtten und thun wuͤrden, ihm das Leben fristen koͤnne, uͤbrigens sey er in den Wi Gottes ergeben. Alle, die ihn sahen und hoͤrten, waren ine hoͤchsten Wewunderung, die Geistlichen sagten, er kaͤme ih-
Man schreibt aus Genf vom 25. Februar: „Die 6 weihung von J. J. Rousseau's Statue fand gestern in Ge
8 8 8 8 8 W art entes großen Theils unserer Civil, und Militair⸗Behoͤr⸗ en, so wie fast der ganzen Bevoͤlkerung Genss statt. Die vonzene Bildsaͤule, ein Werk des Genfers Pradter in Pa⸗ e, ist auf der kleinen Insel des Barques, einem mit Baͤumen epflanzten Platz, nahe beim Ausslut der Rhone aus dem See, ufgestellt worden. Ihre Verhaͤltnisse (sie ist 7 Fuß hoch uͤber im Fußgestell) und ihre Stellung auf einer Ecke der Insel ma⸗ hen sie weit sichtbar. Sie wird vor der Hand von einem Sok⸗ [getragen, der spaͤter durch ein Piedestal von rothgeaͤdertem Narmor mit verschiedenen Inschriften ersetzt werden soll. Ob⸗ erohl die Errichtung der Bildsaͤule durch eine Privat⸗Unter⸗ eichnung bewerkstelligt worden, und die staͤdtische Behoͤrde nur zurch Ueberlassung des Platzes dabei betheiligt ist, ist dies doch enug, um das Vaterland Rousseau's von dem lange Zeit ver⸗
1 ““
vienten Vorwurfe der Gleichguͤltigkeit gegen das Andenken seines
beruͤhmtesten Buͤrgers zu reinigen. Abends wurden die Insel des Barques, die Straße J. J. Rousseau und ein Theil der Rhonequais erleuchtet. Mehrere froͤhliche Gastmaͤhler vereinig⸗ umn die Buͤrger, die an der Feierlichkeit des Morgens Theil ge⸗ nommen hatten. Ein Rousseau'sches Gelegenheits⸗Stuͤck: Le jevin de villoge, beendigte passend den der öͤffentlichen Freude zewidmeten Tag, den kein Unfall truͤbte. Es ist zu bemerken, daß mehrere Mitglieder der Genfer Geistlichkeit sich unter den nterzeichnern befinden.
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Venedig, 22. Febr. Im Jahre 1834 sind in dem hiesi⸗
en Hafen 302 Schiffe eingelaufen, naͤmlich 251 Oesterreichische,
8 Britische, 1 Daͤnisches, 4 Griechische, 3 von Bremen, 3 Hol⸗
laͤndische, 1 von Malta, 4 aus den Paͤpstlichen Staaten, 1 Preu⸗
isches, 1 Sardinisches und 5 Schwedische. Die Zahl der ab⸗ gegangenen Schiffe belief sich auf 274.
Livorno, 20. Febr. Im Verlaufe des vorigen Jahres ist ier eine Maßregel in das Leben getreten, welche dem Handel dieses Platzes einen großen Umfang verspricht. Die Regierung hat naͤmlich die bisher bestandenen Eingangs⸗Zoͤlle gänzlich ab⸗ geschfft. Dagegen hat sie der hiesigen Kaufmannschaft eine sährliche Contribution von 300,000 Florentiner Lire, und fuͤr das erse Jahr noch einen Extra⸗Zuschuß von 200,000 Lire auferlegt. Mit dieser Auflage glaubt sie einen Theil der abgeschafften Zoͤlle u decken. Ferner sind die Stadtmauern so weit hinausverlegt vorden, daß alle Vorstaͤdte, und diese enthalten eine groͤßere Anzahl Einwohner als die Stadt selbst, mit eingeschlossen wer⸗ den. Die Einnahme der Accise⸗Gefaͤlle, von welchen die Vor⸗ städte bis jetzt befreit waren, wird dadurch um ein Bedeutendes erhoͤht werden.
Seit wenigen Jahren ist eine ganz neue Vorstadt erbaut worden, so wie auch nach allen Richtungen hin neue Gebaͤude die fruͤheren Vorstaͤdte vergroͤßern. Diese Zunahme liegt indes⸗ sen mehr in dem Beduͤrfniß der enge zusammengedraͤngten Be⸗ oͤlkerung, besonders der Israelitischen, sich auszudehnen, als in der Zunahme von Einwohnern. Im vorigen Jahre hat sogar die Bevoͤlkerung, welche siebenzig und einige tausend Seelen be⸗ traͤgt, um mehr als 1000 Seelen abgenommen. Grund dieser Abnahme ist zum Theil die lockende Kuͤste der Barbarei, wohin manche Familien uͤberstedeln, indem sie jetzt dort auf Europaͤischen Schutz rechnen koͤnnen.
Eine neue Quelle des Reichthums dieses Landes sind die seit etwa 15 Jahren entdeckten Quellen von Boray (Sal borace) eworden, welcher Artikel fruͤher nur aus Indien kam. Die
mwendung, welche von dieser Saͤure seit mehreren Jahren in den Faärbereien gemacht ward, steigerte den Preis derselben um das Dreifache, waͤhrend die Kosten der Production durch An⸗ wendung der vulkanischen Hitze, welche den Gruben nahe liegt, satt des Holzes oder der Kohlen, bedeutend vermindert wurden. Diese Gruben sind nahe bei Volterra befindlich.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
Washington, 7. Febr. Der Praͤsident hat in Beziehung auf eine fruͤhere Anfrage des Herrn Adams dem Repraͤsen⸗ kanten⸗Hause noch mehrere Mittheilungen aus Schreiben des Herrn Livingston aus Paris von Anfang und Mitte De⸗ zembers uͤbersandt. Erstere enthalten einige Angaben uͤber eine Unterredung mit Ludwig Philipp, in welcher derselbe sein Eh⸗ renwort als Koͤnig und Mensch ertheilte, Alles zu thun, was in seiner Macht staͤnde, um die Vollziehung des Entschaͤdigungs⸗
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. 8 fgn erzielen, mit der Versicherung, daß derselbe eine 98
Kabinets⸗Maßregel seyn solle. Herr Livingston aͤußert nicht den mindesten Zweifel an der Aufrichtigkeit des Koͤnigs, doch aber an seinem Einflusse. Das letzte Schreiben lautet bei weitem nicht so zuversichtlich und laͤßt sogar die Ansicht durchblicken, daß die Kammern den Vertrag nicht ratifiziren wuͤrden, indem die Minister es nicht wagten, die Verantwortlichkeit fuͤr densel⸗ ben zu uͤbernehmen und ihn zur Kabinets⸗Frage zu machen. Nach Verlesung dieser Mittheilung trug Herr Adams auf de⸗ ten Ueberweisung an den Ausschuß nebst Instructionen zur un⸗ verzuͤglichen Berichterstattung uͤber die Verhaͤltnisse der Verei⸗ nigten Staaten zu Frankreich an. Er hielt eine sehr energische Rede, worin er zuletzt erklaͤrte, die Ehre der Nation erfordere eine Meinungs⸗Aeußerung der Revpraͤsentanten, und der Geist der Botschaft des Praͤsidenten, wie man auch uͤber ihre Klugheit urtheilen moͤge, gereiche ihm und der Nation zur Ehre. Bei der lebhaften Debatte, welche auf Herrn Adam's Vortrag folgte, stimmten mehrere Redner seinen Außerungen vollkommen bei; nur wurde sein Antrag dahin amendirt, daß die Kommission nicht sofort, sondern erst am 20. Februar Bericht erstatten sollte. Diese Verhandlung hat auch die Ansichten der Amerikanischen laͤtter etwas umgestimmt, und das Journal of Commerce sagt: „Die vorherrschende Meinung ist jetzt, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten noch vor seiner Vertagung den Praͤsi⸗ denten ermäͤchtigen wird, Kaperbriefe gegen Franzoͤsische Handels⸗ schife auszugeben.“
Der Mann, welcher wegen des Mord⸗Versuchs auf den Praͤsidenten arretirt wurde, ist von den Aerzten untersucht wor⸗ den und scheint geistesverwirrt zu seyn.
Die Zahl der Deutschen, die in den vier Nord⸗Amerikani⸗ schen Haͤfen New⸗York, Baltimore, Philadelphia und New⸗Or⸗ leans, von Bremen aus, im vorigen Jahre gelandet sind, be⸗ 4 125 45, mit Einschluß der nach Jamaika weiter verschiff⸗
505.
In Boston erscheint unter dem Titel: „American Annals 0 Education“ eine Zeitschrift in monatlichen Heften, die aus⸗ schließlich dem Unterrichtswesen gewidmet ist. Der Herausgeber, William C. Woodbridge, durchreiste mehrere Jahre Europa und hielt sich auch einige Monate zu Hofwyl auf, um Fellenberg's beruͤhmte Schul⸗Anstalten kennen zu lernen.
Vereinigte Staaten vom La Plata. Buenos⸗Ayres, 14. Dez. Die hiesigen Zeitungen
beschaͤftigen sich viel mit Betrachtungen uͤber den traurigen Zu⸗
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stand der Finanzen. In der Repraͤsentanten⸗Kammer hat am 28. Oktober der einstweilige Gouverneur Masa einen um⸗ staͤndlichen Bericht uͤber die Ausfaͤlle in den Einnahmen vorge⸗ legt und auf die Nothwendigkeit gedrungen, Abhuͤlfe dagegen zu treffen. Die Schulden des Schatz⸗Amtes bestehen in mehr als 8 Mill. Doll. fuͤr Anweisungen, welche auf dasselbe lauten, und Promessen, die von ihm ausgestellt sind, ferner 1,500,000 Doll. an Gehalten, fuͤr Lieferungen u. s. w., ungerechnet die gegen dasselbe erhobenen Reclamationen und Entschaͤdigungs⸗Forderun⸗ gen. Bei solcher Bedraͤngniß schien keine Wahl als ein Natio⸗ nal⸗Bankerott zu seyn, den man nun durch theilweise Zahlun⸗ gen auf die Forderungen und durch Herabsetzung der Staats⸗ Beduͤrfnisse abwehren will. Es wurden drei Vorschlaͤge gemacht, wovon zwei eine Anleihe von 4 Mill. Doll. mit einem Tilgungs⸗ Fonds von 40,000 Pfund und Verpflichtung der Regierung, keine weitere Schuld einzugehen, bezweckten; der dritte war, nur
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die Haͤlfte von gewissen, von November bis Maͤrz faͤllig wer⸗
denden Zahlungen abzutragen. Dieser wurde angenommen. Spaͤ⸗ terhin ging auch ein Dekret wegen Emittirung von Obligatio⸗ nen zum Belauf von 5 Mill. Dollars in den Kammern durch. Nach Berichten aus Montevideo ist in der Brasilianischen Pro⸗ vinz Rio Grande ein Revolutions⸗Versuch von General Carneiro gemacht, jedoch unterdruͤckt worden, wobei etwa 50 Personen, worunter der General selbst, das Leben verloren. Der neue Bri⸗ tische Gesandte in Buenos⸗Ayres, Herr Hamilton, ist nach Uru⸗ guay abgegangen, um mit dieser Republik einen Handels⸗Ver⸗
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trag abzuschließen. “
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Berlin, 9. Maͤrz. Der in Folge der Allerhoͤchsten Be⸗ stimmung vom 24. April 1824 gestiftete Fonds zur Tilgung der Schulden des ehemaligen Freistaats und der Kommune Danzig aus den Jahren 1807 — 1814 hat im verflossenen Jahre uͤber⸗ haupt 386,734 Rthlr. 24 Sgr. 6 Pf. in verifizirten Danziger Obligationen und Anerkenntnissen eingezogen und diese an die Koͤnigliche Regierung zu Danzig zur Vernichtung durch den dortigen Magistrat gesandt.
— Am 3ten d. M., zwischen 12 und 1 Uhr Mittags, zog ein heftiges, mit Sturm und Hagelschlag begleitetes Gewitter uͤber die Stadt Werben im Magdeburgischen; ein Blitzstrahl fuhr in einen rings von Gebaͤuden umgebenen Obstbaum und zerschmetterte denselben. Der mit dem Blitze verbundene Don⸗ ner war furchtbar; weitere Schlaͤge erfolgten jedoch nicht.
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Koͤnigliches Schauspiel.
Die Wiedererweckung der Braut von Messina aus einem lan⸗ gen Schlummer wird hoffentlich kein rasch voruͤbergehendes Meteor seyn; wir wollen wuͤnschen, daß sie oder aͤhnliches uns wie der Mond wenigstens monatlich wiederkehre; denn dem Mond ist sie al⸗ lerdings insofern vergleichbar, als sie die Nachtseite der menschli⸗ chen Natur beleuchtet; aber wie Goͤthe’s „Faust“ trefflich sagt: das Ganze der Natur und ihr stetes Licht ist nur fuͤr einen Gott ge⸗ macht, dem Menschen taugt einzig Tag und Nacht. Die Deutsche Literatur mag es sich darum wohl ruͤhmen, daß diese Nachtseite zu beleuchten einem wahren Dichter anheimgefallen. Schiller ist hart daruͤber angefochten, daß er das Schicksal und endlich gar den Chor wieder in die Tragoͤdie eingefuͤhrt; bekanntlich hat er sich selbst in der Vorrede zur „Braut von Messina“ daruͤber er⸗ klaͤrt und unsers Erachtens genugsam gerechtfertigt. Referent bat diese Vorrede jetzt noch einmal mit der ernstlichsten Aufmerk⸗ samkeit gelesen, und zwar nur im Gedaͤchtniß, aber einem bereit⸗ willigen und treuen, damit verglichen, was seit der ersten Erschei⸗ nung der „Braut von Messina“ viel und mancherlei uͤber das Schicksal und den Gegensatz des antiken und modernen gesprochen und geschrieben worden. Das Resultat davon ist, wie er unverho⸗ len bekennen muß, daß diese Vorrede entweder nicht gehoͤrig gelesen oder nicht verstanden worden ist. Fast uͤberall legte man Schiller die Absicht bei; den Chor der Griechischen Tragoͤdie wieder in die unsrige einzufuͤhren; er sagt aber ausdruͤcklich in jener Vorrede: der Chor der alten Tragoͤdie war ein natuͤrliches Organ, er folgte aus der poetischen Gestalt des wirklichen Lebens; in der neuern wird er zu einem Kunstorgan, er hilft die Poesie hervorbringen, der neuere Dichter muß ihn poetisch erschaffen und einfuͤhren u. s. w. Statt, daß dies entscheidende Prinzipw zum Schluͤssel seiner gan⸗ zen, allerdings nicht fuͤr Jedermanns Fassungsgabe geschriebenen Vorrede haͤtte dienen sollen, hielt man sich an die Schluß⸗ worte: „So viel uͤber die Befugniß, den alten Chor wieder auf die tragische Buͤhne zuruͤckzufuͤhren“, da doch diese nicht aufheben konnten und sollten, was er vorgedachtermaßen als wesentlichen Un⸗ terschied seines neueingefuͤhrten Chors von dem alten angegeven hatte. Der ganze Streit, der damals gegen ihn erhoben wurde, war also im Grunde genommen nichts anders, als der Windmuͤhlen⸗ Kampf des Don Quixote. Die Gelehrten widerlegten etwas, was er gar nicht behauptet und gewollt hatte, und gewisse Sachwalter des Gemeinen und Alltaͤglichen (Ref. kann das, was er eben anfuͤh⸗ ren will, mit Beweisen belegen) meinten ihrerseits, daß Schiller, wenn es nicht seine Absicht gewesen sey, unserm Theater das ganz fuͤr unsere Zeit und Sitten unpassende Griechenthum wieder aufzu⸗ buͤrden, etwas ganz uͤberfluͤssiges gethan habe, da wir ja schon in Kotzebue s „Hussiten vor Naumburg“ durch das darin auftretende Kindergeschrei ein Muster empfangen haͤtten, wie unser heutiger Chor auf der Buͤhne gestaltet werden muͤsse. In gewissem Betracht hatte indeß Schiller sich selber zuzuschreiben, daß er mißverstanden wurde; warum schrieb er die Vorrede; Den Gelehrten ist gut predigen, sagt das Sprichwort; Ref. seinerseits moͤchte aber mit gutem Grund sagen, auch schwer predigen, denn sie gehen meistens mehr oder weniger von vorgefaßten Meinungen aus, und sind um so schwieriger eines andern zu uͤberzeugen, je redlicher sie mit ernstlichem Studium ihre Meinungen erworben haben. Schiller haͤtte sich demnach an diese gar nicht wenden sollen, und was dagegen das Publikum betrifft, sich, ohne weiteres Wort als sein eigenes Werk, der Empfaͤng⸗ lichkeit desselben hingeben sollen; er sagt ja selbst: „es sey falsch, was man gewoͤhnlich behaupten hoͤre, daß das Publikum die Kunst herabziehe: der Kuͤnstler zieht das Publikum herab, und zu allen Zeiten, wo die Kunst verfiel, ist sie durch die Kuͤnstler gefallen; das Publikum braucht nichts als Empfaͤng⸗ lichkeit und diese besitzt es; es tritt vor den Vorhang mit einem unbestimmten Verlangen, mit einem vielseitigen Vermoͤgen; zu dem Hoͤchsten bringt es eine Faͤhigkeit mit, es erfreut sich an dem Ver⸗ staͤndigen und Rechten, und wenn es damit angefangen hat, sich mit dem Schlechten zu begnuͤgen, so wird es sicherlich damit aufhd⸗ ren, das Vortreffliche zu fordern.“ Referent hat diese Worte des unsterblichen Dichters darum vollstaͤndig allegirt, weil er da⸗ mit zugleich sein Glaubens⸗Bekenntniß uͤber unser Publi⸗ kum seit einem drittel Jahrhundert von der ersten Erscheinung und Wirkung der „Braut von Messina“ an hat ablegen koͤnnen. Es wird der Bemerkung nicht beduͤrfen, daß, wenn hier von dem Publikum die Rede ist, nicht das zufaͤllig einmal daseyende ge⸗ meint seyn kann, am wenigsten ein kleiner, aber desto factidser Theil desselben; was Stimme des Publikums in gutem Sinn heißen kann, muß nach einem laͤngern und durchgreifenderen Maß entnommen werden. Genug; wie Schiller selbst sagt: ein poetisches Werk muß sich selbst rechtfertigen, und, wo die That nicht spricht, da wird das Wort nicht viel helfen, man koͤnnte es also wohl dem Chor uͤberlassen, sein eigner Sprecher zu seyn, wenn
selbst auf die ehoͤrige Art zur D
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Dies letztere giebt nun eben den Punkt an, woruͤber sich bei der gegen⸗ waͤrtigen, sichtbar mit Ernst und Fleiß einstudirten und ausgefüͤhr ten Vorstellung ein Wort sagen laͤßt. Aber dies greift zu innig in die Idee dieser Tragoͤdie und ihre ideale Welt, als daß es sich mi den paar Worten, der dem Theater⸗Artikel in diesen Blaͤttern ein geraͤumt werden kann, in Einem Blatt abfinden ließe. Nur so viel noch als Voraussetzung zu dem Bericht uͤber diesen Gegen⸗ stand: Schiller sah in dem Laufe seines Lebens nur zu oft, daß ein unpoetischer Geist sich unserer tragischen Buͤhne je laͤnger, je mehr bemaͤchtige, das buͤrgerliche Trauerspiel nicht mit der erfor⸗ derlichen Kraft und Wuͤrde erscheine, und das Wesen und der Cha⸗ rakter der Tragoͤdie fast durchgaͤngig verkannt werde. Ein richtiges Gefuͤhl lehrte ihn, daß er, um das wahre tragische Pathos wieder herzustellen, die Theilnahme durch die Wichtigkeit der handelnden Personen und durch die Sprache erhoͤhen muͤsse. Daher seine Hel⸗ den und Heldinnen, daher seine rhythmische Sprache und endlich auch, aus dem ihm eigenen unruhigen Trieb, der sich niemals ge⸗ nug that, die Einfuͤhrung des Chors in der in Rede stehenden Tragoͤdie und ihre Erhebung zum lyrischen Flug.
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8 Haupt⸗Momente 1nh neuerer Finanz⸗ und Polizei⸗Gesetzgebung des Auslan
8I1 selbige den Handel betrifft. XVII. Berlin, I. Februar 181.
Großbritanien. Ein in der Londoner Gazette vom 13ten d. M. publizirter Geheimer⸗Raths⸗Befehl verordnet, „daß Schisse des Vereinigten Königreichs, so wie auch alle fremde Schisse, welche boͤ⸗ sen Wetters wegen Schutz in einem Britischen oder Irländischen Hafen suchen (ausgenommen solche, welche ihre Ladung in einem solchen Ha⸗ fen brechen oder in einem solchen Hafen laden wurden, oder auch solche, welche länger darin verweilen, als das Wetter oder die Ausbesserung eines Schadens erfordere), frei seyn sollen von allen Feuer⸗ oder sonsti⸗ gen Umgeldern, welche der Corporation des Trinity⸗House zukommen; auch soll kein Schiff verpflichtet seyn, die (ebenfalls jener Corporation zu⸗ kommenden) Umgelder irgend eines Feuers zu bezahlen, welches etwa von einem solchen Schisse passirt, und demselben, wenn durch böses Wetter von seinem Lauf verschlagen, nützlich wurde.“
Aus Ostindien wird berichtet, daß, unmittelbar nach Herabsetzung der Landzölle in Bengalen, das Gouvernement von Bombay die Stadt⸗ zölle auf 1 pCt. ermäßigt, und alle inneren Zölle abgeschafft hat, so daß z. B. künftig die Banmwolle, welche durch das bisherige neuere Zollsystem mit Erportations⸗Abgaben von 18 — 20 pCt. belastet war⸗ für 5 pCt. wird ausgeführt werden können. — Auch meldet man, daß die Bestimmungen der neuen Charte, welche die Europäer zum eigen⸗ thümlichen Besitze von Grund und Boden berechtigen, auf mehreren Punkten bereits in einer für Indische Agrikultur und Gewerbsamkeit Gutes verkündenden Weise zur Ausführung zu kommen beginnen.
Frankreich. Das neue Douanen⸗Gesetz ist noch immer nicht in die Kammern gebracht, und die Wahrscheinlichkeit schwindet immer mehr, daß es noch in gegenwärtiger Sitzung zur Diskussion gelangen könne. Unterdessen beschäftigen sich die Tagblätter, jedes in seinem Sinne, mit Muthmaßungen über Geist und Inhalt der von der ⸗Re⸗ gierung zu machenden Anträge. — Das Memorial Bordelais will wis⸗ sen, selbige durften dennoch mehr im Geiste einer verständigen Han⸗ dels⸗Freiheit ausfallen, als man bisher zu hoffen gewagt babe. — Es redet von einer Ermäßigung der Steinkohlen⸗Einfuhr⸗Abgabe um 10 bis 80 pCt. nach Verschiedenheit der Einfuhrpunkte; von einer augen⸗ blicklichen Ermäßigung der Einfuhrzölle auf fremdes Roheisen von 25 auf 7 Fr. und auf 4 Fr. nach zwei Jahren; von einer successiven Er⸗ mäßigung des Einfuhrzolls auf fremde Wolle um 5 pCt. jährlich; von gänzlicher Aufhebung des Einfuhrzolls auf rohe Baumwolle, Blei und Pottasche u. s. w. Man wird ja sehen! So viel scheint aber vorläufig aus allen Umständen hervorzugehen, daß diese Gerüchte nicht ohne Ein⸗ fluß der Regierung durch die mehr oder minder zu ihrer Disposttion stehenden Departemental⸗Blatter verbreitet werden; ob als Ausdruck wirklich gehegter Absicht, oder als Pulsfühlung der öffentlichen Mei⸗ nung? steht freilich dahin.
Dem Französischen Salz⸗Steuerwesen scheint eine bedeutendere Reform bevorzustehen, als nach dem am 13. Juli v. J. den Kammern über diesen Gegenstand vorgelegten Gesetz⸗Entwurfe zu vermuthen war Eine Königliche Ordonnanz vom 11ten d. M. ernennt eine, unter Vor⸗ sitz des Pairs von Frankreich, Grafen Sim Con, aus acht Mitgliedern hohen Gerichts⸗, Bergwerks⸗, Rechnungs⸗, Steuer⸗Beamten und De⸗ putirten zusammengesetzte Kommission, welche den erwähnten Gesetzes⸗ Entwurf, mit Beruͤcksichtigung verschiedener dagegen erhobener Recla⸗ mationen, einer Revision unterziehen, besonders auch mit der etwanigem Nothwendigkeit und eventuell mit den Mitteln sich beschäftigen soll⸗ eine Ermäßigung des Salzpreises, besonders in den durch das Gesetz vom 6. April 1825 benannten östlichen Departements herbei zu füh⸗
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ren. — Eine andere Königliche Ordonnanz vom 13ten d. M. modistzirit
die Taxe, welcher die Salz⸗Fabrication zu Salies im Departement’ der Nieder⸗Pyrenäen durch Verordnung vom 15. Oktober 1817 unter⸗ worfen gewesen war, auf den Grund einer seitdem stattgefundenen genaueren chemischen Konstatirung des wahren Salzgehalts der dorti⸗ gen Quellen.
Durch Königliche Ordonnanz vom 19. v. M. wurden die von der „Caisse des dépots et consignations“ an die Inhaber der daselbst freiwillig niedergelegten Fonds zu zahlenden, duͤrch das Reglement vom 3. Juli 1816 auf 3 pCt. bestimmt gewesenen Zinsen auf 2 pCt⸗ herabgesetzt; doch soll diese Herabsetzung, hinsichtlich aller vor Publica⸗ tion der Verordnung schon eingezahlt gewesenen Depositen erst dret Monate nach derselben zur Ausführung kommen. Zugleich wird be⸗⸗ stimmt, daß Fonds, welche nicht wenigstens 60 Tage lang bei der Kasse deponirt waren, überall keine Zinsen tragen sollen, und die Verbind⸗ lichkeit der Kasse zur Rückzahlung freiwillig bei ihr niedergelegter Ka⸗ pitalien erst 45 Tage nach gehörig geschehener Kündigung derselben eintritt. Hinsichtlich der unfreiwilligen Depositen öffentlicher Stiftun⸗ gen und Institute bleiben die Bestimmungen des Reglements vom 3. Juli 1816 unverändert. 8
Das halb offizielle Journal des Débats verkündet die Absicht des Finanz⸗Ministers, die bisher steuerfrei gewesenen, und, der Angabe. nach, jetzt auf ein Jahresprodukt von 20 Millionen Kilogrammen gestie⸗ gene einheimische Zucker⸗Fabrication aus Runkelruüben und andern in⸗ ländischen Stoffen einer Abgabe zu unterwerfen; dagegen erheben sich denn viele Stimmen in den Tagesblättern der Opposttion, wie wohl zu erwarten war. Es wird nachzuweisen gesucht, theils daß die Gründe beim Mutterlande nicht existiren, welche eine Besteuerung seines Ko⸗ lonial⸗Zuckers (etwa 60 Mill. Kilogrammen jährlich) gerecht und aus- führbar machen; theils daß die einheimische Zucker⸗Production und Fa⸗ brication des kontinentalen Frankreichs noch keinesweges auf einer Stufe sich befinde, wo sie selbst eine mäßige Steuer würde tragen kon⸗ nen, ohne ihre ganze Existenz gefahrdet zu sehen. Es wird bei dieser Gelegenheit in sehr detaillirter Berechnung und mit vielem Anschein die Glaubwürdigkeit nachgewiesen, daß bis jetzt in Frankreich der Netto⸗ Gewinn der vereinigten Runkelrüben⸗Zucker⸗Production und Fabrication für eine geförderte Quantität von 100,000 Kilogrammen noch nicht über 9130 Franken hinausgeht. 1 uzr.
Eine sonderbare Lücke hat sich gezeigt in den Bestimmungen des Reciprocitäts⸗Vertrages zwischen Frankreich und den Vereinigten Staa⸗ ten von Nord⸗Amerika, wonach die resp. Schiffe beider Nationen, ge⸗ genseitig in a- Häfen ankommend, hinsichtlich der Schifffahrts⸗Ge bühren, auf dem Fuße der resp. National⸗Schifse behandelt zu wer⸗ den Anspruch haben. Es findet sich namlich, daß unter den im Trak tate spezifizirten Französischen Kolonial⸗Besitzungen, auf welche jene Be⸗ stimmung gleichfalls anwendbar seyn soll, die kleine Insel Gorea (unfern der Afrikanischen Nord⸗West⸗Küste) aufzuführen vergessen wor⸗ den ist; und so geschah es ganz kürzlich, daß ein von Goréa zum er⸗
stenmale, seit Existen; des Traktats, zu New⸗Pork ankommendes Schiff 8 8 8 8 1“ ““ 8 8 88 * 1.““