1835 / 77 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

unterroerfen und suchen solle,

gehaltenen doctrinairen Konferenz zugetragen hat. Es wurde daselbst vorzuͤglich dle Frage angeregt, ob man sich in der heuti⸗ gen Sitzung, falls das Ministerium noch nicht gebildet sey, fuͤr die Ueberrecchung einer Adresse an den Koͤnig aussprechen solle. Die Herren Jaubert, Duvergier de⸗Hauranne und Remusat unterstuͤtzten diese Absicht; Herr von Salvandy sprach zu ver⸗ schiedenen Malen im entgegengesetzten Sinne, und Herr Viennet erklärte, als man ihn um seine Meinung fragte, daß er weder dafuͤr noch dawider sey. Bei der Abstimmung entschieden sich von den 106 Anwesenden 58 fñJr und 48 gegen eine Adresse. Die doctrinaire Partei will also eine Koresse, die Oppo⸗ sition wird auch eine wollen; es ist hiernach kaum zweifel⸗ haft, daß dieser Weg von der Majoritaͤt der Kammer eingeschlagen werden wird. Gestern Abend um 8 Uhr schien die ministerielle Krists fuͤr den Augenblick beendigt; es hieß all⸗ gemein, die alten Minister wuͤrden, mit Ausnahme des Grafen von Rignv, bleiben; der Herzog von Broglie wuürde die Praͤ⸗ sidentschaft und die auswaͤrtigen Angelegenheiten erhalten, und der Marschall Maison wuͤrde Kriegs⸗Minister werden. Kurz darauf aber verkuͤndigten mehrere gutunterrichtete Personen in einigen politischen Salons, daß durch die Weigerung des Herrn Thiers Alles wieder vernichtet sey. Herr Thiers soll der Mei⸗

nung seyn, daß das beabsichtigte Kabinet, da es im Grunde we⸗

der die Neigung des Koͤnigs, noch die der Kammer fuͤr sich habe, unmoͤglich von langer Dauer seyn koͤnne, und er scheint es fuͤr kluͤger zu halten, sich dem Marschall Soult anzuschließen, der, sobald das Budget votirt und die Amnestie⸗Frage entschie⸗ den ist, sicherlich wieder auf dem Schauplatze erscheinen wird. So ist also wieder Alles in Frage gestellt, und die Adresse wird nothwendig der Schluß der Debatte seyn.“ Der Constitutionnel cctheilt Herrn Thiers große Lobspruͤche, daß er sich weigere, in ein rein doctrinaires Ministerium einzu⸗ treten, und hofft, ex werde diesem Entschlusse treu bleiben. Das Organ des sierseparti giebt nicht undeutlich zu verstehen, daß 8 binnen kurzer Zeit eine Combination Soult Thiers⸗Dupin moͤg⸗

lich seyn warde. Ein hiesiges Abend⸗Blatt sagt: „Es ist fast keinem Zweifel mehr unterworfen, daß das Ministerium wirklech gebildet ist (2). Nachdem der Koͤnig vergebens versucht ha, ein Kabinet mit Ausschluß der Doctrinairs zu ernennen, 'ͤhne auf seine besonderen Regierungs⸗Ideen Verzicht zu leisten, ist er doch genothigt worden, zu der Doctrine zucuͤckzukehren, weil sie allein sich der nominellen Praͤsidentschaft und einem ruͤck⸗ gaͤngigen politischen Systeme zu fuͤgen geneigt ist. Die neuen Minister sind, sagt man, die Herren von Broglie, Guizot, Du⸗ mont, Remusat, Durergier⸗de⸗Hauranne und Duchatel. Der Konig, der den Herrn von Broglie durchaus nicht liebt, hat in

diese neue Combination nur unter der ausdruͤcklichen Bedingung

gewilligt, daß man sich heute den Interpellationen der Kammer sich eine guͤnstige Erklaͤrung der Maäjorität zu verschaffen.“ 1 Anfangs der heutigen Boͤrse glaubte man, daß das Mini⸗ sterium, an dessen Spitze man den Herzog von Broglie stellte, definitiv constitumrt sey, und deshalb hielten sich die Fonds gut, trotz der Ungewißheit, in welcher man sich uͤber den Ausgang der heutigen Sitzung befand. Man erwartete mit der groͤßten Ungeduld Nachrichten aus der Deputirten Kammer. Gegen 3 Uhr erfuhr man durch Personen, die von dem Palaste Bourbon Lamen, daß noch nichts beendigt sey, daß Herr Guizot dies von der Rednerbuͤhne herab verkuͤndet, und daß Herr Thiers hinzu⸗ gefuͤgt habe, er sey bisher jeder neuen Combination fremd ge⸗ blieben. Diese Nachricht, durch welche alle Welt wieder in die feuͤhere Ungewißheit gestuͤrzt wurde, veranlaßte einen, jedoch nur unbedeutenden Fall der Rente.

Herr Horaz Vernet, vormaliger Direktor der Franzoͤsischen Akademie in Rom, ist vorgestern in Paris eingetroffen.

Die gestrige Nummer der „Tribune“ ist auf der Post und im Expeditions Lokal wegen eines Artikels uͤber die ministerielle Krisis mit Beschlag belegt worden. Es ist dies die 108te Con⸗ fiscation jenes Blattes seit der Juli⸗Revolution.

In einem hiesigen Blatte liest man: „Die Besorgnisse der bei der Colonisation Algiers betheiligten Personen werden fortwährend durch die Geruͤchte rege gehalten, die man uͤber die Gesinnungen der Budgers⸗Kommission verbreitet. Es scheint, daß die Unter⸗Kommisston, welche zur Pruͤfung jener Frage er⸗ nannt worden ist, sich gegen die Colonisation Seitens der Re⸗ gierung ausgesprochen und die Meinung aufgestellt hat, man solle statt dessen Privarleuten erlauben, auf ihre eigene Rechnung und Gefahr zu kelonisiren, und die Regierung solle nur die Punkie Algier, Bugia, Bona und Oran militarisch besetzt hal⸗ ten. Man sieht ein, daß die Annahme eines solchen Planes der gänzliche Untergang unserer Niederlassungen in Afrika seyn wuͤrde; denn kein Kapitalist wuͤrde so unsinnig seyn, sein Geld an Colonisations⸗Versuche in Afrika zu wagen, die nicht durch Franzoͤsische Truppen beschuͤtzt wuͤrden.“

Von der Spanischen Graͤnze wird Folgendes berichtet: „Am Zten d. hat die Garnison von Elnsondo einen Ausfall gemacht und ein heftiges Treffen bei Lecaroz zu bestehen gehabt. Ocana m.t 1000 Mann und zwei Karlistische Bataillone kaͤmpften hier erbittert gegen einander; diese, nachdem sie ihre ersten Stellun⸗ gen verlassen hatten, litten viel in einer Gebirgsschlucht. Saga⸗ stibelza traf mit den drei Bataillonen, die unter seinem Befehle stehen, zu spaͤt auf dem Schlachtfelde ein, als daß er den Karli⸗ sten haͤtte Beistand leisten koͤnnen. Die Christinos zogen sich in g ter Ordnung nach Elisondo wieder zuruͤckk. Die Zahl der zodten und Verwundeten auf beiden Seiten ist noch unbekannt. Seit einigen Tagen befinden sich 2000 Karlisten zu Ernani. Aus Saragossa wird vom 28. Februar geschrieben, daß alle Truppen die Richtung nach Navarra einschlagen; 1200 Mann von Calatayud sind an die Gränze abgegangen.“

Großbritanien und Irland. 8

CEE3““

Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 10. Mäaͤrz. (Nachtrag.) Herr Roebuck bemerkte in seinem Vortrage uͤber die Beschwerden der Bewohner von Kanada unter Anderem noch, daß der gesetzgebende Rath der Kolonie eine moralische Pest sey, und daß in Unter⸗Kanada ein Konvent zusammenberufen werden muͤsse, um zu entscheiden, was eigenteich der gesetzgebende Rath fuͤr ein Koͤrver seyn sollte; wenn dies nicht geschehe, so wuͤrde Unter⸗Kanada unvermeidlich dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen; der edle Lord (Stan⸗ ley) wuͤrde vielleicht sagen, daß die im vorigen Jahre ernannte Kommission zur Untersuchung der angefuͤhrten Beschwerden ihn aller Verantwortlichkeit uͤberhebe, aber was fuͤr ein Ausspruch sey zu erwarten, wenn der Angeklagte, mit Gewalt und Ehren bekleidet, den Richtersitz einnehme; die Bevoͤlkerung von Unter⸗Kanada habe das Recht, einen nach ihren Wuͤnschen gebildeten und ihrer Kontrolle unterworfenen gesetzgebenden Rath zu fordern; mitten unter den Verathungen hieruͤber habe sich der edle Lord von seinem Posten zuruͤckgeso⸗ gen, und man habe geglaubt, daß nun den Kanadiern Gerechtig⸗

keit geschehen wuͤrde; aber auch der sehr ehrenwerthe Herr (Spring Rice) habe keine Neigung dazu gezeigt; so sey es denn dahin gekommen, daß, wenn die Regierung noch einen Schritt weiter gehe, jener Theil des Reichs sich unfehlbar von der Krone losreißen wuͤrde. Der Redner klagte sodann uͤber das ungezie⸗ mende Benehmen des Gouverneurs von Kanada, Lord Aylmer, der sich, obgleich er den hoͤchsten Rang in der Kolonie hekleide und fast den Purpur der Herrschaft trage, doch in jenem Lande der Maͤßigung und des Anstandes (Gelaͤchter) nicht entblodet habe, dem ehemaligen General⸗Prokurator eine Herausfor⸗ derung zu uͤbersenden. Ferner hob der Redner hervor, daß waͤhrend der Cholera⸗Zeit Lord Aylmer aus bloßer Erbitterung auf die Munizipalitaät von Montreal sich ge⸗ weigert habe, ihren Bitten um eine nothwendige Abaͤnderung in den Quarantaine Gesetzen Gehoͤr zu geben, um welcher Weige⸗ rung willen derselbe augenblicklich von seinem Posten haͤtte ab⸗ berufen werden sollen. Dann schilderte er die nachtheiligen Wir⸗ kungen der von der Regterung in Kanada bestaͤtigten Land⸗Com⸗ pagnie, die eine rein Englische Gesellschaft sey, obgleich die Krone nicht das Recht habe, uͤber die dortigen Laͤndereten zu verfuͤgen, die nicht dem Koͤnige, sondern dem Volk von Kanada gehoͤrten, und deren Ertrag also auch zum Vortheil des Kauadischen, nicht des Englischen Volks verwandt werden sollte; er seinerseits wolle keinem Auswanderer rathen, einen von dieser Compagnie erkauften Besitz⸗Titel fuͤr sicher zu halten, denn die Zeit sep gewiß nicht fern, wo alles vermoͤge solcher Titel erworbene Land den jetzigen Be⸗ sitzern genommen werden wuͤrde. Der Redner machte auch auf eine Schenkung von 24,000 Acres Land aufmerksam, die einem Mit⸗ gliede des gesetzgebenden Raths, Herin Felton, und dessen Kin⸗ dern von der Regierung verliehen worden, indem man dem Vater 4000, einer jeden seiner 6 Töoͤchter 1200 Acres gegeben und das Uebrige unter die mäannlichen Zweige seiner Familie vertheilt habe. „Es giebt Personen in diesem Hause“, so schloß er seine Rede, „welche sich fuͤr die Repraͤsentauten der Engli⸗ schen Partei in Kanada ausgeben, und welche behaupten, daß die Franzoͤsische Partei in sener Kolonie nur aus un⸗ wissenden und ungebildeten Personen bestehe; diese Pseudo⸗ Englische Partei aber reprasentirt nicht 10,000 von den 100,000 in Unter⸗Kanada lebenden Englaͤndern.“ Herr Spring Rice, der dem Redner zuerst antwortete, erkannte zwar an, daß in dem Zustand von Kanada Vieles sey, woruͤber die Eingebornen sich mit Recht beschweren koͤnnten, fragte aber, ob man es dulden koͤnne, daß ein Britisches Parlaments⸗ Mitglied im Unterhause aufstehe und geradezu im Namen der Bevoͤlkerung von Kanada erkzaͤre, daß die Kolonic, wenn ihr nicht Alles gewaͤhrt wuͤrde, was sie fordere, sich zu raͤchen entschlossen sey (hoͤrt, hoͤrt!); er fragte, ob es gerecht, ob es noͤthig sey, von einer Appellation an die Waffengewalt zu sprechen, wenn das Unterhaus den Forderungen nicht nachgaͤbe, da der ehrenwerthe Herr doch wissen muͤßte, daß, wenn man sich nur auf die Ge⸗ rechtigkeit oder auf das Mitgefuͤhl des Hauses berufe, auch die gerinzste Bittschrift aus dem entlegensten Theile des Reichs be⸗ ruͤcksichtigt werde. (Beifall.) Der Redner gab sodann eine sehr detaillirte Uebersicht von dem, was seit dem Jahre 1828 zur Beruͤcksichtigung der Beschwerden Ka⸗ nadas von Seiten der Regierung geschehen, woraus sich jedoch nichts von besonderer Wichtigkeit hervorstellte, außer daß, wie er versicherte, so eben eine lange und sorgfaͤttig ausgearbeitete Depesche, von der er sich die besten Wirkungen versprochen, an den Gouverneur von Kanada habe abgefertigt werden sollen, als er (der Redner) ploͤtzlich wider alles Vermuthen gehoͤrt, daß das Ministerium selbst abgefertigt worden sey. (Gelaͤchter.) Den Inhalt dieser Depesche, sagte er weiter, koͤnne er natuͤr⸗ lich nicht mittheilen, und was spaͤterhin geschehen sey, koͤnne er nicht wissen. „Was die freundschaftliche Unter⸗ stützung anbetrifft“, sagte Herr Spring Rice schließlich, „welche der ebrenwerthe und gelehrte Herr den Kanadiern von Seiten der 13 Millionen Republikaner jenseits des Atlanti⸗ schen Oceans verheißt, so glaube ich, daß der vernuͤnftige Theil der Bevoͤlkerung von Kanada wohl einsehen duͤrfte, daß⸗ wenn man ihnen nur Gerechtigkeit widerfahren läßt, ihre Ver⸗ bindung mit Großbritanien bei weitem schaͤtzbarer und vortheil⸗ hafter fuͤc sie ist, als irgend etwas, was ihnen die Vereinigten Staaten anbieten koͤnnten.“ Lord Stanley erhob sich darauf, um sich gegen die Vorwuͤrfe zu vertheidigen, die Herr Roe⸗ buck ihm persoͤnlich gemacht hatte, namentlich gegen den, daß das Versammlungshaus von Kanada aus Widerwillen uͤber seine Person sich von dem Augenblick an, wo er (Lord Stanley) das Kolonial⸗Departement uͤbernommen, geweigert habe, mit der Regierung noch ferner in irgend eine Communication zu treten. „Weiß der ehrenwerthe und gelehrte Herr nicht“, sagte der Red⸗ ner, „daß das Versammlungs⸗Haus diesen Beschluß schon 3 oder 4 Monate vor meinem Amts⸗Antritte gefaßt hatte? Die erste Depesche, die ich als Staats⸗Secretair fuͤr die Kolonieen nach Kanada abfertigte, war eine scharfe Ruͤge dieses Beschlusses (Hoͤrt, hoͤrt!); ich nahm uͤbrigens die Angelegenheiten Kanada's da auf, wo sie mein Vorgaͤnger im Amte gelassen hatte, und unternahm nichts, ohne denselben dabei zu Rathe zu ziehen.“ Die Rede des Lord Stanley wurde von Anfang bis zu Ende mit dem lebhaftesten Beifall aufgenemmen, doch enthaͤlt sie uichts, was fuͤr das Ausland von besonderem Interesse waͤre. Herr Robinson, der hierauf das Wort nahm, meinte, Herr Roebuck koͤnne insofern als ein wuͤrdiger Revpraͤsentant von Kanada gelten, als er die ganze Leidenschaftlich⸗ keit dieser Kolonie repraͤsentire. Die von Letzterem uͤberreichte Petition wurde auf die Tafel des Hauses niederge⸗ legt, nachdem Sir R. Peel die Ueberzeugung ausgesprochen hatte, daß man nicht in die Minister dringen werde, die De⸗ tails der von ihnen in Bezug auf Kanada beabsichtigten Maß⸗ regeln dem Hause eher mitzutheilen, als bis die Regierung im Stande seyn wuͤrde, der Kanadischen Gesetzgebung selbst eine umfassende Ausemandersetzung derselben vorzulegen.

London, 10. Maͤrz. Beispiel gefolgt, welches die Regierung bei der Ertedigung der beiden Pfruͤnden zu Westminster und Canterbury gegeben, und hat die kuͤrzlich durch den Tod des Grafen von Scarborough an der Kathedrale von York erledigte Pfruͤnde zur Verfuͤgung der Kommissarien gestellt, welche mit Untersuchung des Zustan⸗ des der herrschenden Kirche beauftragt sind.

Am Sonnabend fand schon ein lebhafter Verkehr unter den mit dem Ministerium am innigsten verbundenen Mitgliedern des Unterhauses in Betreff der auf heute angekuͤndigten Motion des Marquis von Chandos statt. Nach einer Unterredung mit Sir R. Peel wurde von diesen Mitgliedern eine Privat⸗Ver⸗ sammlung in Thatched⸗House gehalten, worin Oberst Wood den Vorsitz fuͤhrte; es waren zwischen 60 und 70 Mitglieder anwe⸗ send, und es soll eine Deputation ernannt worden seyn, um dem Marquis ihre Aufwartung zu machen und ihn zu ersuchen, daß er der Regierung die ernstliche Verlegenheit, in welche sie durch

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Der Erzbischof von York it dem

seinen Antrag gerathen muͤßte, ersparen und denselben bis nach Ostern aufschieben moͤchte. Das Resultat dieser Zusammenkunft ist nicht bekannt geworden. Dagegen haben viele Mitglieder des Unterhauses, besonders diejenigen, welche Grasschaften und Acker⸗ bau⸗Distrikte repraͤsentiren, folgendes Umlaufschreiten erhalten „Eine Deputation der Englischen Paͤchter bittet Sie, sich am 10. Maͤrz im Unterhause einzufinden, um den Antrag des Mar⸗ quis von Chandos auf Abschaffung der Malz⸗Steuer zu un⸗ terstuͤtzen.“

Die Times findet sich durch die fortwaͤhrenden Machi⸗ nationen der Opposition gegen das Ministerium zu folgendem Ausruf veranlaßt: „Die Erschuͤtterung des Staatsdienstes, die Verwirrung der Gemuͤther, die Eroöͤffnung ungewisser und finsterer Aussichten fuͤr den kommenden Herbst, die Nothwen⸗ digkeit, die Parlaments⸗ Session bis zur Mitte des naͤchsten Ok⸗ tobers verlaͤngert zu sehen, und das allgemeine Mißtrauen, die allgemeinen Besorgnisse, welche daraus unvermeidlich hervorgehen muͤssen, dies Alles wird gar nicht beachtet, wenn man nur Lust, die Reaierung in Verlegenheit zu setzen oder umzustuͤrzen, froͤhnen kann!“ 8

Der Spectator glaubt zwar nicht, daß Sir R. Pal daran denke, das jetzige Parlament wieder aufzuloͤsen, weil e nicht der Mann sey, ein so gefaͤhrliches Spiel zu wagen, aher wohl besorgt er, daß die ihn umgebende Partei ihn dazu den⸗ gen koͤnnte, und ermahnt daher die Reformer, auf ihrer hut zu seyn, besonders da der Marquis von Londonderry, der ni dem Herzoge von Wellington sehr vertraut sey, zu seinen Ne kannten gezͤußert haben solle, daß man in kurzem neue Wahlen erwarten koͤnne.

Die Haͤupter der verschiedenen Unter⸗Abtheilungen der 0y) positions⸗Partei wollen dem Lord John Russell ein Diner ge⸗ ben und ihn foͤrmlich zu ihrem Wortfuͤhrer im Unterhause in⸗ nennen. Die Herren Grote, Warburton, Hume, Denison, Cn R. Fergusson und die Lords Ebrington, Norpeth und R. Gtes⸗ venor sind die Haupt⸗Besfoͤrderer dieses Vorschlages. Das Doe ner soll in der naͤchsten Woche stattfinden. 1

Der Satiriker fuͤrchtet, nach allen eingezogenen Nachrichte, daß die Herren O' Connell und Ruthven bei Untersuchung da gegen ihre Wahl fuͤr Dublin eingereichten Petition den Küͤr— ren ziehen werden; in diesem Fall aber, meint dieses Blatt, wuͤrh Herr O'Connell dem Unterhause doch nicht verloren gehen, dem einer seiner Soͤhne wolle dann die Chiltern Hundreds annehmen damit sein Vater an seine Stelle gewaͤhlt werden koͤnne.

Der Globe sagt: „Es sind dem Unterhause so viel Vitt schriften, in denen uͤber unrechtmaͤßige Wahlen geklagt win, eingereicht worden, daß man, wenn diejenigen, zu deren Guw sten die Petitionen uͤberreicht sind, auf Beruͤcksichtigung derseh ben bestehen, in dieser Session unmoͤglich mit der Untersuchumg dieser Beschwerden fertig werden kann.“

In Hobarttown ist eine Bank unter dem Namen „dh Bank von Australien“ mit einem Kapital von 200,000 Pfun gebildet worden, welche ihren Geschaͤftskreis auf Neu⸗Sto⸗ Wales, Vandiemensland und andere Australische Kolonieen an strecken soll. Der Freibrief, dessen Bedingungen zwischen da Britischen Regierung und den Direktoren zigefetzt worda sind, gesteht dieser Bank die gewoͤhnlichen Corporations⸗Rechte e

Ein Schreiben aus Vandiemens⸗Land vom 18. Seh meldet, daß eine Expedition von dieser Insel aufzubrechen mn. Begriff sey, um das Innere Neu⸗Hollands von der Portland Bai bis zum Golf von zu darchkorscan. Die Reise Gesellschaft wird aus einem Ingenieur, einem Wundarzt, einen husses zur Pruͤfung der Plaͤne el 1 Botaniker, einem Mineralogen und dem Ober⸗Aufseher der Ur e ehen veumer Peant 89 Seans e ge⸗ Einwohner von Vandiemens⸗Land bestehen, welche letztere dazines und die Vereinfachung in der Verwaltung betrafen, in berst Arthur nach Flinders⸗Island hat entfernen lassen. Maspeimar eingefunden. Denn dieser Ausschuß sollte sich bis 8⁸ will, daß saͤmmtliche Eingeborene die Expedition begleiten solln sahl neuer Landtags⸗Abgeordneten nach den Absichten des Land⸗ weil man in ihnen einen nuͤtzlichen Schutz in dem Buschlanggs mit jener Pruͤfung, so viel an ihm war, beschaͤftigen zu finden glaubt, wo man leicht auf wandernoe Indianer⸗Staͤmmper Landtags⸗Vorstand hielt an den bemerkten Tagen zwei Siz⸗ treffen koͤnnte. Der Hauptzweck der. Uaternehmung des Obenangen, der Ausschuß nur eine (4. September), und diese eine Arthur ist, einen angemessenen Platz zur Gruͤndung einer Kaeamigte. Die außerordentlichen Geschaͤfte, in Ruͤcksicht auf die nie fuͤr die Ur⸗Einwohner von Vandiemens⸗Land aufzusuchn iinführung des Zoll⸗Systems und der damit zusammenhaͤngen⸗ die jetzt saͤmmtlich auf Flinders⸗Island unter Aufsicht befindit sen Gesetze, Regulative, Instructionen und Verwaltungs⸗Mafi⸗ sind und daselbst in einem halb wilden Zustande leben; doch hegeln, hatten es der Staats⸗Regierung unmoͤglich gemacht, dem ben sie bei ihrem dortigen Aufenthalt gezeigt, daß sie fuͤr Kullis lusschusse die Vorarbeiten fuͤr jene vh ne oszulegen, nicht ganz unempfäͤnglich sind, wie man sruͤher glaubte, daßgp weit dieselben auf eine genaue und rechnungsmaͤßig scharfe Alle, die bis jetzt uͤber diese Kolonieen geschrieben, haben jen Herausstellung der Summe sich bezogen, welche der Großherzog⸗ Stamm immer als den niedrigsten auf der Stufe der Huma, sichen Kammer als Entschaͤdigung fuͤr das weggefallene Geleit taͤt dargestellt. 18 ean Rechtswegen gebuͤhrt. Der Aufwand an Tagegeldern und

1 552 .b andstaͤndischen Ausschusses verursachte, betrug ge⸗

Aus dem Haag, 12. Maͤrz. Se. Koͤnigliche Hoheit setzmaͤßig und wirklich weder mehr noch eh als 57 Rehle. Prinz von Oranien wollte schon vorgestern nach dem Hauses ist also eine unrichtige Darstellung der Thatsache, wenn in quartiere wieder 1 doch ist dies jetzt, wie man vernine inem Volksblatte unserer Nachbarschaft behauptet wird, die bis zum 16ten d. M. verschoben worden. usammenkunft jenes Ausschusses habe dem Lande, ohne zu ei⸗

Belgien. 8 ei9e nig zn sihng * von 19 150 Rthlr. Tagegelde nd Reise⸗Verguͤtung gekostet. Denn die pflicht⸗

Bruͤssel, 12. Maͤrz. Der hiesige Moniteur beriche mäßige Zusammenkunft des EEETTb1 ist egn s Wegen Ablebens Sr. Kaiserl. Koͤnigl. Apostolischen Majesis perwechserln mit der Zusammenkunft der zwei Mitglieder des wird der Koͤnig von heute den 12. Maͤrz bis einschließlich Mo sandstaͤndischen Ausschusses. Die Reise des Landmarschalls woch den 22. April auf sechs Wochen Trauer anlegen. V nußte erfolgen, damit er seinen verfassungsmaͤßigen Pflichten

In der Sitzung der Repraͤsentanten⸗Kammer en emuͤgte. Das Gleiche gilt von den beiden Gehuͤlfen des Land⸗ 11ten bemerkte bei Gelegenheit der Diskussionen uͤber ein Anasmnarschalls, von welchen jedoch derjenige, welcher in Weimar dement zu dem Kommunal⸗Gesetze, wonach es dem Koͤnigeg wohnhaft ist, eben darum keine Reisekosten in Anspruch nimmt. stattet seyn sollte, in wichtigen Faͤlen Buͤrgermeister zu erna die beiden Mitglieder des Landtags aber, welche den Ausschuß nen, die nicht aus dem Municipal⸗Conseil gewaͤhlt sii ldeten, mußten sich wenigstens einmal versammeln, bevor neue Herr von Mérode, nicht Alles, was den Schein des Liben elbgeordnete gewaͤhlt waren, weil sie ihre Wiedererwaͤhlung nicht len habe, sey es auch in der Wirklichkeit. Die Ausfuͤhrung ezother sehen konnten. Ihrer Zusammenkunft fehlte es nicht an Gesetze sey das Liberalste, und damit die Regierung, welcher Stoff. Denn da dem außerordentlichen Landtage vom Jahr 1833 obltege, daruͤber zu wachen, sich uͤberzeugen koͤnne, daß decer Entwurf einer Vereinfachung der Verwaltungs⸗Behoͤrden in uͤberall geschehe, so muͤsse man sie nicht von der Discretion eüimrissen mitgetheilt worden war, so konnte dieser wohl, wenn agsngis Fechen.⸗ welche 20 I Füneha 8G 8 Hasche mußte, zu einem Gedanken⸗Austausche dienen,

aben koͤnnten. „Sie kennen, meine Herren“, fuhr er vowoh’l der Mitglieder unter 1 1 gat „den Mißbrauch, welcher daraus entsteht, wenn die Rechüstande. 2 er sich, als mit dem Landtags⸗Vor⸗

der Regierung in Betreff der Ernennung der Buͤrze meister nicht ausgedehnt und bestimmt genug sind.⸗

sind in Folge dessen unter der provisorischen Reglerg Handlungen veruͤbt, wie sie der aͤrgste Despotismus kaum i gen wuͤrde. Ich weiß, daß dadurch, daß man der eyekutiy Gewalt das Recht, die Buͤrgermeister aus den Municipal⸗hn seils zu erwählen, zugesteht, den großen Unbequemlichkeiten, wir aus Erfahrung kennen, zum Theil abgeholfen wird. 9 da es sich oft ereignen wird, daß keines der Mitglieder dies Conseils das Amt eines Buͤrgermeisters in einer volkreichen Sic anzunehmen geneigt ist, so wird dadurch das Recht der Rap rung ein illusorisches. Nun wird aber Jedermann einsehen, 1 politische Rechte, welche man der Kammer oder dem Koͤnige ve leiht, nicht bloß scheinbare, sondern wirklich bestehende Nec nae⸗ seyn muͤssen. Ich ersuche daher den Herrn Minister des 2 wiesen worden, in den letzten drei Tagen vor dem 15ten d. 5 nern, die Worte seines Amendements „in schwierigen Fällen ie gegen Koͤnigl. Preußische Scheidemuͤnze oder Courant nach

ein Streit zwischen Herrn Gendebien und dem Mini⸗ rdes Innern. Ersterer erklaͤrte sich naͤmlich fuͤr das Amen⸗ nent der Herren Séron und Robaulx, daß der Koͤnig von ei aus dem Conseil genommenen Kandidaten zeinen zu waͤhlen Um darzuthun, daß das ministerielle Amendement ver⸗ prfen, das zuletzt angefuͤhrte dagegen angenommen werden muͤsse, te er eine Vergleichung an, zwischen dem Zustande Belgiens r und nach der Revolution, und sagte unter Anderem, das nisterielle Amendement sey auch mit der vorgeschlagenen Ver⸗ derung das guͤnstigste fuͤr den Despotismus, denn der Koͤnig rde dann die Ernennungen vornehmen, wie es ihm beliebe, d je nachdem er von einem Gouverneur, einem Baron, em Senator, Deputirten u. s. w. beherrscht werde. Haben wir deshalb“, fuhr er fort, „eine Revolution gemacht d uns eine Constitution geschaffen? Pygmäͤen seyd Ihr, hr, die Ihr maͤchtig zu seyn glaubt. Die vorige Regierung elt sich auch fuͤr maͤchtig, aber sie ist gefallen, sechs Jahre, ichdem sie ein aͤhnliches Reglement erlassen. Bei dem ersten teignisse, das Europa erschuͤttert, wird es Euch ergehen, wie rvorigen Regierung im Jahre 1830. Ich wuͤnsche nicht, daß eine Vorhersagungen in Erfuͤllung gehen moͤgen, denn es wer⸗ nsich noch schlechte Menschen genug finden, die von den Be⸗ kaungen Nutzen 8 ziehen und sich auf Kosten des Volks, ilches diese neue Revolution machen wird, zu bereichern suchen.“ wsuchte dann zu zeigen, daß mehrere Deputirte, und nament⸗ sc auch Herr Vilain XlIII., bet der Wahl des Koͤnigs Leopold anz andere Gesinnungen geaͤußert haͤtten als jetzt, und fuͤhrte eeigenen Worte an, deren sie sich damals bedient hatten.

Deurschland.

annover, 14. Maͤrz. Auf Veranstaltung des Kaiserlich hesterreichischen Gesandten am hiesigen Hofe, Grafen von Kuef⸗ ein, wurde gestern in der katholischen Kirche hierselbst, unter em Gelaͤute der Glocken von allen Kirchen der Stadt, ein feier⸗ ches Traueramt wegen des Ablebens Sr. Majestaͤt des hoͤchst⸗ ligen Kaisers Franz J. gehalten, wobei Ihre K. Hoheit die rau Herzogin von Cambridge (des Vice⸗Koͤnigs K. H. waren vrch eine leichte Unpäaͤslichkeit abgehalten), das diplomatische orps, die hoͤchsten Hof⸗ und Staats⸗Beamten, das Offizier⸗ orps der Garnison, die Geistlichkeit, viele Mitglieder beider ummern und eine große Anzahl anderer Personen im Trauer⸗ istͤme zugegen waren. Eine Abtheilung der Fuß⸗Garde im rauer⸗Anzuge war, mit der Fahne des Jaͤger⸗Bataillons der⸗ ben, in der Kirche und deren Zugaͤngen aufgestellt.

Kassel, 13. Maͤrz. Der General⸗Major von Lepel, Ge⸗ tral⸗Adjutant Sr. Heheit des Kurprinzen und Mitregenten, in Begleitung des Capitain von Stein, nach Wien abgereist, , Seitens Sr. Hoheit, dem Kaiser Ferdinand I. Hoͤchstihr Peileid uͤber den Hintritt des hoͤchstseligen Kaisers Franz I., so wie die Gluͤckwuͤnsche zur Thronbesteigung Sr. jetztregierenden taiserl. Majestaͤt zu uͤberbringen.

Weimar, 14. Maͤrz. (Weim. Ztg.) Das Grundgesetz er landstaͤndischen Verfaffung des Großherzogthums verpflichtet n Landtags⸗Vorstand, zur Berathung uͤber die, seiner Leitung nd Fuͤrsorge außer den Landtagen anvertrauten landstaͤndischen ngelegenheiten jedes Jahr wenigstens zweimal zusammenzukom⸗ gen. Eine dieser Zusammenkuͤnfte fand im Jahre 1834 am 4. nd 5. Sept. zu Weimar statt. Gleichzeitig hatten sich die in er 1äten Sitzung des am Ende des Jahres 1833 versammelten nßerordentlichen Landtags erwählten zwei Mitglieder des Aus⸗

ha zwischen dem Großherzoglichen Staats⸗Ministerium und 8 K. K. Oesterreichischen Gesandtschaft ist eine Uebereinkunft nigen gegenseitiger tax⸗ und kostenfreier Vollziehung der Requi⸗ büscen der Großherzoglich Saͤchsischen und Kaiserlich Oesterrei⸗ nn- en Gerichte in Kriminal⸗Angelegenheiten, mit Ausnahme niger baaren Auslagen, abgeschlossen worden.

nug om 15ten d. M. an tritt in dem Großherzoglichen Amte 9 edt, welches von dem Koͤnigl. Preußischen Staats⸗Gebiete n umschlossen ist und daher in ununterbrochenem Verkehr mit 9 steht, der Koͤnigl. Preußische Muͤnzfuß an die Stelle des * GSn Courant⸗Muͤnzfußes, sofern vertragsweise nicht ; anderes ausbedungen ist. Die Landes⸗Scheidemuͤnze wird von diesem Zeitpunkte an in jenem Amte ganz außer Um⸗

gesetzt und das Großherzogl. Rentamt zu Allstedt ist a

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Miuͤnchen, 11. Maͤrz. Die hiesige politische Zeitung findet sich zu nach ihender Berichtihung Muͤn⸗ chener Tagblatt vom 27. Januar d. J. enthaͤlt die Nachricht, 2 "daß eine am allgemeinen Krankenhause erledigte Assistenten⸗ Stelle unter vielen inlaͤndischen Kompetenten einem Auslaͤnder bloß deswegen zu Theil werden soll, weil einer der ersten Aerzte von hier sein Oheim sey und eine große Hand habe; in kurzer Zeit waͤre dieses der dritte Fall, daß ein Fremder eine Assisten⸗ tenstelle in diesem rein vaterlaͤndischen Institut erhielte.““ Wir sehen uns in den Stand gesetzt, die Wahrheit dieser Angabe

geradezu in Abrede zu stellen. Bisher war der von Sr. Maj. dem Koͤnige mit dem Indigenate begnadigte Med. Dr. Dotzauer von Altenburg der einzige Auslaͤnder von Geburt, welcher eine Assistentenstelle im Krankenhause erhalten hatte. Ferner war zu der im Tagblatte angegebenen Zeit eine Assistentenstelle nicht er⸗ ledigt; sie wurde erst am Schlusse des Monats Februar durch

Me Inlaͤnder wurde von der betreffenden Stelle bean⸗ ragt. 8

Stuttgart, 12. Maͤrz. Der 3. Maͤrz, Fastnacht, war ein verhaͤngnißvoller Tag fuͤr die Kirchthuͤrme. Vom Blitze ge⸗ troffen, brannten die Kirchthuͤrme von Neckarweihingen, Hohen⸗ statt und Krallsheim (auch Ichenhausen in Bayern, unfern Ulm) aus, und der von Dettingen stuͤrzte zusammen. Der Beobachter vom 11. Maͤrz sagt uͤber diesen letzteren Fall Folgendes: „Der Schul⸗Provisor Schuͤler, welcher auf dem Wege zur Kirche war, wurde durch das Herausfallen eines Ecksteins im zweiten Stockwerke des Thurmes auf die drohende Gefahr des Einstur⸗ zes aufmerksam und befahl den die Glocken laͤutenden Knaben, das Laͤuten aufzugeben und sich sogleich aus dem Glockenhause, so wie den Kindern seiner Schule, die sich zur Betstunde schon in der Kirche befanden, sich aus dieser zu entfernen. Er selbst nahm einen Knaben bei der Hand und begab sich, begleitet von den uͤbrigen Schulkindern, schleunigst hinweg. Da stuͤrzte ploͤtz⸗ lich der Thurm mit fuͤrchterlichem Gekrache zusammen und rich⸗ tete in der Kirche eine große Verwuͤstung an. Von Menschen⸗ leben ging keines verloren, und nur der Knabe, den der Schul⸗ Provisor an der Hand hielt, wurde durch einen Stein unbe⸗ deutend am Kopfe beschaͤdigt.“

Frankfurt a. M., 15. Maͤrz. Am Sonntag den 22. Maͤrz wird auf Veranstaltung des hiesigen Senats eine kirch⸗ liche Feier zum Gedaͤchtnisse Sr. Majestaͤt des Katsers Franz I.

stattfinden.

—, Frankfurt a. M, 14. Maͤrz. Mehrere Ursachen tru⸗ gen bei, den Notirungen der Effekten⸗Course im Laufe lsech⸗ Woche eine steigende Tendenz zu geben. Waͤhrend der kurzen Krisis, wo man, nach dem Eintreten des Trauerfalls zu Wien, ein ftarkes und anhaltendes Sinken der Preise erwartete oder besorgte, hatten einige Spekulanten Metalliques und Actien auf Zeit verkauft, ohne solche in natura zu besitzen. So wie sich nun zeigte, daß die Fonds⸗No⸗ tirung nach kurzem Schwanken wieder auf den fruͤheren Punkt ging, mußten die Baissiers Anstalten machen, sich zu decken, was denn das Gesuch vermehrte und die Course in die Hoͤhe trieb. Außer diesem Lokal⸗Motiv ng noch der große Ueberfluß an baarem Gelde kam trugen auch die Boͤrsen⸗Nachrichten von den Haupt⸗ Handelsplaͤtzen dazu bei, die Papiere beliebt zu halten. Kapitalisten und andere Privaten, die einen Augenblick bedenklich geworden wa⸗ ren, erschienen von neuem auf dem Markt und verwandten, in Er⸗ mangelung anderer Anlagen, namhafte Summen auf den Ankauf von Effekten. Die Oesterreichischen und Hollaͤndischen Haupt⸗Sor⸗ ten blieben darum taͤglich pr. Comptant begehrt, so daß zuletzt ein fuͤhlbarer Mangel an effektiven Stuͤcken entstand, und man nur mit Extraverguͤtung der ganzen Zinsen Metalliques und Integrale in Prolongation dis ultimo Maͤrz haben konnte. Das Augenmerk vieler Spekulanten war zumeist auf die unverzinslichen Papiere ge⸗ richtet. Oesterreichische, Preußische, Polnische, Darmstaͤdtische und Badische Lotterie⸗Loose stiegen im Cours, weil bedeutende Einkaͤufe sowohl pr. Cassa als auf Zeit darin geschahen. Die Badischen Loose, deren Inhaber zum Abgeben nicht geneigt sind, besserten sich um 2 ½ Fl. pr. Stuͤck. In Spanischen Effekten wurde auch viel ge⸗ macht; besonders war die unverzinsliche Schuld begehrt; die der Franzoͤsischen Emission stieg daher um ¼ Ct., die der Englischen fast um ein ganzes Prozent. Fuͤr Polnische Serien⸗Loose zetgten sich wenig Bieter; solche sind zu 95 Thlr. offerirt. Im Wechsel⸗ Handel war es ziemlich lebhaft. Amsterdam, Augsburg, Wien und London sind sehr gesucht. Diskonto⸗Papier ist selten am Platz; man nimmt es gern zu 2 ½ Ct. Prolongationen auf courante Papiere sind zu 3 ½ pCt. willig zu machen.

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Der Nuͤrnberger Korrespondent meldet in einem Schreiben aus Wien vom 8. Maͤrz folgendes Naͤhere uͤber das Kaiserliche Leichenbegaͤngniß: ne war groß in seiner Einfachheit, und hierin dem Charakter des Verblichenen aͤhnlich. Das Volk sah schmerzerfuͤllt diesem traurigen Schau⸗ spiele zu, aus welchem sichthar wurde, wie die hoͤchste Er⸗ dengroͤße dem Staube verfaͤllt. Fast in aller Augen standen Thraͤnen; oft hoͤrte man lautes Schluchzen; es war, als haͤtte jeder Zuschauer einen theuern Verwandten verloren. Ob⸗ gleich die Kaiser⸗Leiche schon seit drei Tagen der oͤffentlichen Be⸗ schauung ausgestellt war, so war doch die Sehnsucht noch so wenig befriedigt, daß die Zahl der dem Leichenzuge Beiwohnen⸗ den unermeßlich genannt werden kann. Die ohnehin starke Bevoͤlkerung der Hauptstadt war noch durch 30, bis 40,000 Einwanderer vom Lande und aus den nahe gelegenen Provin⸗ zen vermehrt worden; und da sich der Zug nur auf einem klei⸗ nen Raume von der Hofburg bis in die Pfarrkirche der Kapuziner bewegte, so wurde das Gedraͤnge so groß, daß leider einige Personen Schaden genommen haben sollen. Heute beginnen die kirchlichen Trauerfeierlichkeiten, welche in der ersten Haͤlfte der Woche in der innern Stadt, in der zweiten in den Vortstaͤdten statthaben. Das Hofburg⸗Theater bleibt bis zum Ostermontage geschlossen; das Operntheater wird am 23., die Theater der Vorstädte am 16. Maͤrz eroͤffnet. Obwohl keine eigentliche Landestrauer vorgeschrieben ist, wird sie doch auch von dem niedern Adel, von den Beamten, Kaufleuten, kurz von allen Honoratioren getragen, wodurch die Promenade in den Straßen ein duͤsteres, melancholisches Ansehen, ganz der Stim⸗ mung der Gemuͤther aͤhnlich, erhaͤlt. Als eine Seltsamkeit, die wohl in fruͤheren Zeiten nie vorgekommen seyn mag, verdient bemerkt zu werden, daß Tuͤrkische Offiziere, welche dem Leichen⸗ zuge als Zuschauer beiwohnten, zum Zeichen der Trauer Flor⸗ schaͤrpen um den Arm gewunden hatten.“

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Franzoͤsische Blaͤtter melden Nachstehendes aus Ma⸗ drid vom 1. Maͤrz: „In Folge der zu Cadix entdeckten (und bereits erwaͤhnten) Karltstischen Verschwoͤrung sind mehrere an⸗ gesehene Personen, unter anderen auch der Direktor des Zucht⸗ hauses, Don N. Ugarte, verhaftet worden. Der Plan soll ge⸗ wesen seyn, in Uebereinstimmung mit einer von Moreno unter⸗

welche dasselbe zu unbestimmt machen, wegzulassen und daben gesetzlichen Verhaͤltnissen auszuwechseln. Sa base „ausnahmsweise“ zu setzen.“ Im Verlauf der Debatte ein 5 sg zuwechs kenaasc. Cee 68

nommenen Expedition, sich der Festung St. Sebastian zu be⸗ maͤchtigen, die dort befindlichen 1200 Gefangenen, worunter 400

den Austeitt des Med. Dr. Daser frei und thre Wiederbesetzung!

Insurgenten, zu befreien und mit ihrer Huͤlfe Karl V. zu preo⸗ klamiren. Don Marcos Toreyro, der fruͤher Befehlshaber der Koͤniglichen Freiwilligen zu Leon war, und dann in die Dienste des Don Carlos trat, ist nahe an der Portugiesischen Graͤnze verhaftet worden. Die Hof⸗Zeitung vom 27. Februar theilt mehrere Berichte der General⸗Capitaine an den Kriegs⸗Mini⸗ ster uͤber die von den Truppen der Koͤnigin errungenen Vortheile mit. Die Insurgenten unter dem Befehl von Arrago, Villalo⸗ bos und Pastego wurden, nach einem heftigen Kampfe, von den Truppen der Koͤnigin unter dem Brigadier Barrionueva voͤllig geschlagen. Sie verloren 40 Todte, 1 Kanone, 130 Flinten, 2 Pulverwagen u. s. w. Ueber den Ball bei dem Grafen Toreno, dem (wie schon gemeldet) auch die Koͤnigin beiwohnte, ist noch Folgendes zu erwaͤhnen. Nach dem bestehenden Gebrauch legte der Minister das Verzeichniß der Eingeladenen der Koͤnigin vor, die sogleich mit eigener Hand die Namen des Don Francisco de Paula, seiner Familie, seines Hofstaats und, trotz aller Vor⸗ stellungen des Ministers, auch die Namen der ausgezeichnetsten Oppositions⸗Mitglieder der Prokuradoren⸗Kammer, Galiano, Las Navas, Ituriz und Anderer von der Liste strich. Die Pro⸗ ceres erfuhren eine mildere Behandlung. Dieser Ball ist deshalb in der Stadt allgemein getadelt worden und duͤrfte einst von wichtigeren Folgen seyn, als man jetzt glaubt. Man sieht mit Erstaunen, daß von der Stadt⸗Miliz gar nicht mehr die Rede ist, und daß das Gesetz zu ihrer Organisation noch nicht die Koöͤ⸗ nigliche Bestaͤtigung erhalten hat. In Catalonien nimmt die Polizei taͤglich neue Waffen⸗Vorraͤthe in Beschlag, und ihrer Wachsamkeit gelingt es, die in kleinen Quantitaͤten in Catalonien eintreffenden Sendungen von Munition aufzufangen. Es haben sich daselbst einige Banden gezeigt, die indeß zu schwach sind⸗ um Besorgniß zu erregen.“

Berlin, 17. Maͤrz. Aus Duͤsseldorf meldet man die daselbst am 12ten d. M. Abends um 7 ur gluͤcklich erfolgte Entbindung Ihrer Durchl. der Prinzessin Wilhelm zu Solms⸗ Braunfels von einem Prinzen.

In Koͤnigsberg in Pr. hatten sich am 10ten d. M., als an dem Tage, wo vor 25 Jahren jener Hauptstadt die⸗ Staͤdte⸗Ordnung zuerst vor allen andern Staͤdten der Monar⸗ chie zu Theil ward, mehrere Mitglieder des Magistrats, der Stadtverordneten⸗Versammlung und der Buͤrgerschaft zu einem⸗ 8 Festmahle im Saale des Kneiphoͤfischen Junkerhofes vereinigt, das unter vielen anderen Gaͤsten auch der Wirkliche Geheime Rath und Ober⸗Praͤsident Herr von Schoͤn Excellenz mit seiner Gegenwart beehrte. Nachdem der Ober⸗Buͤrgermei ster List die Wichtigkeit des Tages geschildert und aus der Zeitung vom 12. Maͤrz 1809 die kurze Beschreibung der dama⸗ ligen Einfuͤhrung der Staͤdte⸗Ordnung vorgelesen hatte, sprach er den Dank der Kommune gegen den allverehrten Landesvater aus, und schloß mit einem Toast auf Allerhöchstdessen Wohl. Die Gesundheit des Kronprinzen und der uͤbrigen Mitglieder des Koͤniglichen Hauses brachte der Stadtverordneten⸗Vorsteher, Kaufmann Arndt, aus, der in seiner Rede zugleich des Gluͤckes gedachte, welches der Stadt im vorigen Jahre durch die An⸗ wesenheit der geliebten Herrscher⸗Familie zu Theil geworden.

Literarische Nachrichten. 8 Neue Mittheilungen aus dem Gebiete historisch⸗

antiquarischer Forschungen. Im Namen des mit der Koͤnigl. Universitaͤt Halle⸗Wittenberg verbundenen

Thuͤringisch⸗Saͤchsischen Vereins zur Erforschung des vaterlaͤndischen Alterthums und seiner Denkmale, heraus⸗ gegeben von dem Secretair desselben, Dr. K. Ed. Foͤr⸗ stemann. Ersten Bandes drittes und viertes Heft. Halle, 1834. 8. .

Referent hat in Nr. 180 der Staats⸗Zeitung vom v. J. diese neuen Zeitschrift, die an die Stelle der von Kruse (in Deezet) 168 ternommenen „Deutschen Alterthuͤmer“ und der von Rosenkranz als „Zeitschrift fuͤr die Germanischen Voͤlker“ fortgesetzten Hefte getreten ist, verdiente Erwaͤhnung gethan. Es freut ihn jetzt, zwei neue Hefte ankuͤndigen zu koͤnnen, die sich durch Mannigfaltigkeit des Inhalts und manche nuͤtzliche Aufsaͤtze auszeichnen, so daß die Sache des Vereins, dem viele Mitglieder wegen der einseitigen Nich⸗ tung auf alte Urnen und Pfeilspitzen Lauheit und Gleichguͤltigkeit bewiesen hatten, dadurch unstreitig gewinnen muß. Als Deutsche Stadt⸗Alterthuͤmer sind die Weisthuͤmer fuͤr den Rath der Stadt Nordhausen und von demselben aus dem 14ten und 15ten Jahrhun⸗ derte, welche Konrektor Foͤrstemann zu Nordhausen mitgetheilt hat, von Wichtigkeit (H. 3); an Urkunden hat der Herausgeber eine an⸗ sehnliche Anzahl aus dem Archive des Unterstifts zu St. Sixtus in Merseburg gegeben, so wie der Prediger Behrend das Liber bo-⸗ norum monasteri St. Liudgeri Helmonstadiensis mit topogra⸗ phischen Anmerkungen (H. 4); üuͤber die Burg Schlotheim hat Hesse in Hft. 3 gesprochen; die Geschichte der Kloͤster Veßra und Hamersleben ist von Oesterreicher, Wiggert und Fahrenholz (H. 3 und 4) erlaͤutert; ausgegrabene Alterthuͤmer beschreiben Fiedler (am Niederrhein), von Werder, Danneil und Wiggert (im Magdeburgischen) und andere, aber von geringerer Wichtigkeit. Unter diesen will der Prediger Kessel (H. 3) gefunden haben, daß die Roͤmer unter Nero Claudius Drusus bei Weißen⸗ fels uͤber die Saale gegangen waͤren. Die Geschichte der Refor⸗ mation ist auch in diesem Hefte wieder bedacht, indem der Heraus⸗ geber einige ungedruckte Briefe Melanchthon's an den Herzog Mag⸗ nus von Mecklenburg, an Trotzendorf u. A. (in H. 4), und einen hand⸗ schriftlichen Bericht uͤber die Kirchen⸗Visitation zu Querfurt im J. 1878,09. 9 E . Fei üchs hat. In den kuͤrzeren Be gungen und Ergänzunge Wi 1

se Notiz achergelgt 14“ Dem vierten Hefte ist auch eine Uebersicht der finanziellen Ver⸗ haͤltnisse des Vereins beigegeben worden, 1 1get ae von den Mitgliedern im Laufe des Jahres 1834 gezahlten Beitraͤge. Wir entnehmen daraus zugleich, daß die gesammte Einnahme des Vereins seit seiner Stiftung in Naumburg im Jahre 1820 bis zum Ende des Jahres 1834 4030 Rthlr., die Ausgabe aber 4027 Rthlr betragen hat. Solche Nachweisungen sind beut zu Tage sehr beliebt, und darum hat der Vorstand des Vereins Recht daraͤn gethan, sie zu geben. Indeß ist es doch kein ganz sicheres Mittel, um daraus durchweg richtige Schluͤsse zu ziehen, denn sonst muͤßten auch um uns eines sehr nahe liegenden Beispiels zu bedienen aus den An⸗ saͤtzen und Zahlen in David Hansemann's Schrift: „Preußen und Frankreich“ richtige Schluͤsse gezogen werden koͤnnen, was jedoch nicht der Fall ist, wie vielfach dewiesen worden.

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ittwoch, 18. Maͤrz. Im Schauspielhause: Z en⸗

male wiederholt: Die Schwestern, Lustspiel 8

Franz., von L. Angely. Hierauf: Der reisende Stuͤdent mu⸗

sikalisches Quodlibet in 2 Abth. (Hr. Ruͤthling: Tollberg.) Donnerstag, 19. Maͤrz. Im Schauspielhause: Zum ersten⸗

male: Kaiser Friedrich I. (erster Theil), oder: Friedrich und