1835 / 83 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Reprasentanten, Hauses vom 14ten

keit schenken köoͤnne,

Haͤusern

jenigen, welche mit Seidenwaaren, Kanten, Baͤndern und ande⸗

mich davor, daß ich die rung derjenigen Artikel, welche die Damen als die Zierden ihrer natuͤrlichen Reize betrachten.“

Unser Schissswerft zu Charlestown bietet jetzt ein sehr lebendi⸗ ges Schauspiel dar.

segelfertig, und letzteres wird in den trockenen Docks von neuem

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hand genommen, daß die Erbauung eines abgesonderten Schul⸗

die Kommune im verflossenen Monat ein sehr vortheilhaft gele⸗ genes Privat⸗Haus fuͤr 850 Rthlr. angekauft, welches erst ab⸗ getragen werden muß, welchemnaͤchst auf dessen

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Seeiit einigen Jahren haben wir auf dieser Buͤhne sehr verschie⸗

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1 4 2*

renden Kuͤnstlers, oder aus dkonomischen Ruͤcksichten, die nicht min⸗

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mehr geleistet werden koͤnnte, als in der That gelei

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4 *

großen dramatischen Opern die meisten nur noch Fit Paa79 besetzt t l'e

uunserm Zeitalter uͤbermaͤßig gestiegen seyen, ist, wie geschichtliche Zeug⸗ nisss erweisen, irrig.

* Aurelio 1 zu Paris im Jahre 1644 eine Ausgabe von 400,000 Liyres.“ lipp V. von Spanien zaͤhrlich 14,000 Rthlr. *) und sang ihm dafuͤr

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Lichtenstein, den Fuͤrsten Alfred von Schoͤnburg, Adolph von Schwarzenberg, den Fuͤrsten Aloys Lichtenstein, den Fursten Kinsky und den Grafen Hoyos. Allerhoͤchster Be⸗ stimmung gemaͤß, wird Ihre Majestaͤt die verwittwete Kaiserin von nun an den Titel „Majestaͤt Kaiserin Mutter“ fuͤhren.

Der Koͤnigl. Bayerische Staats⸗Minister und Gesandter am Kaiserl. Hofe, Baron von Lerchenfeld⸗Aham, ist aus Muͤn⸗ chen und der Koͤnigl. Saͤchsische Minister der auswaͤrtigen An⸗ gelegenhelten, Herr v. Minckwitz, aus Dresden hier eingetroffen.

Wie man hoͤrt, wird das Lager bei Bruͤnn, von dem schon oͤfters die Rede war, in diesem Jahre wirklich stattfinden. 60,000 Mann aller TEö sollen dazu befehligt werden.

Die Vieh⸗Seuche, welche schon seit Monaten in mehreren Provinzen des Kaiserstaͤates, namentlich in Maͤhren, Boͤhmen und Galtzien herrschte, ist, den neueren Berichten zufolge, dort uͤberall im Abnehmen; dagegen greift dieselbe jetzt in Ungarn auf eine beunruhigende Weise um sich.

Aegypten.

Der Schwaͤbische Merkur giebt Nachstehendes aus ei⸗ nem Handelsschreiben aus Triest vom 7. Maͤrz: „Nach einer laͤngeren Unterbrechung aller Verbindungen mit Aegypten sind die ersten Handelsschiffe aus Alexandrien vor einigen Tagen hier wieder eingetroffen. Sie uͤberbringen die Nachricht, daß die Pest in jenem Lande, mittelst der durch den Vice⸗Koͤnig an⸗ geordneten, sehr zweckmaͤßigen Sanitaͤts⸗Maßregeln, beinahe gaͤnz⸗ lich erloschen sey, uͤberhaupt aber bei weitem nicht jene Verhee⸗ rungen angerichtet habe, wie zu fruͤheren Zeiten. Da wegen der Quarantaine noch keine freien Verbindungen mit den Schiffs⸗ Capitainen und Passagieren stattfinden konnten, so sind uns nur auf indirektem und wenig zuverlaͤssigem Wege folgende Aussagen derselben zu Ohren gekommen: Man glaubte in Alexandrien, Mehmed Ali beabsichtige, im näͤchsten Fruͤhjahr oder Sommer einen großen und entscheidenden Schlag gegen die Pforte auszufuͤhren, zu welchem Behufe er in Konstantinopel bereits unter der Hand Verbindungen angeknuͤpft habe. Jeden⸗ falls stehen seine ausgedehnten Ruͤstungen in grellem Abstiche mit den Versicherungen friedfertiger und ergebener Gesinnungen, die der Pascha sich das Ansehen giebt, gegen seinen Oberherrn zu hegen. Darf man anders diesem Geruͤchte Glauben schenken, so duͤrfte man demnaͤchst im Oriente einer Katastrophe entgegensehen, die zu verhuͤten die Dazwischenkunft der Europaͤischen Maͤchte kaum im Stande waͤre, wenn schon zu vermuthen ist, daß in der Folge die ehrgeizigen Plaͤne des Aegyptischen Satrapen an die⸗ jer Klippe scheitern moͤchten.“

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 18. Februar. In der Sitzung des ebruar be⸗ merkte Herr Adams, er habe gehoͤrt, daß sein Vorschlag unter den Kaufleuten von New⸗York großes Aufsehen er⸗ regt habe, und daß die dadurch erzeugte Furcht so groß gewesen sey, daß die Besitzer Franzoͤsischer Waaren sogleich die Preise derselben erhoͤht haͤtten. Er koͤnne nicht begreifen, wie die ver⸗ staͤndige Stadt New⸗York durch die Worte eines einzelnen Mit⸗ gliedes so beunruhigt werden und demjenigen mehr Aufmerksam⸗ was das Haus sage, als was es thue. „Ich wuͤnsche“, so schloß er seinen Vortrag, „allen Kaufleuten der Vereinigten Staaten kund zu thun, daß die von beiden ergriffenen Maßregeln durchaus keinen Krieg mit Frankreich befuͤrchten lassen. Ich gebe diese Versicherung auf meine Verantwortlichkeit. Ich hoffe, dies wird diejenigen beru⸗ higen, welche uͤber diese Angelegenheit in Sorgen sind, und die⸗

ren von dem schoͤnen Geschlechte so sehr begehrten Artikeln han⸗ deln, werden nun ihre Hes herabsetzen, denn Gott behuͤte eranlassung seyn sollte zur Vertheue⸗

Ein in Boston erscheinendes Blatt enthaͤlt Nachstehendes:

Es sind daselbst eine Anzahl Kanonen vom groͤßten Kaliber und eine große Menge Munition angekommen. Es sind Befehle gegeben, die Schiffe „Constitution“ und „Bo⸗ ston“ so schnell als moͤglich auszuruͤsten. Ersteres ist beinahe

mit Kupfer beschlagen, und ist auch bald vollendet. Der „In⸗ dependant“ ist abgetakelt und soll auch einen neuen Kupferboden 1“ 8

4 I 8 22. Maͤrz. In der Stadt Kemberg, im Re⸗ gierungs⸗Bezirk Merseburg, hat die Bevoͤlkerung so uͤber⸗

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hauses fuͤr die Maͤdchen noͤthig wird. Zu diesem Behufe hat

Stelle in diesem Jahre ein geraͤumiges neues Schulhaus, welches 300 Kinder werden soll, wozu die Anstalten bereits getroffen sind.

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Kznigliche Oper.

denartige Saͤnger und Säangerinnen zu hoͤren Gelegenheit gehabt, ohne daß sie fuͤr die Oyer bleibend gewonnen worden waͤren. Nie⸗ mand kann mehr als wir 9 seyn, daß ein allzu bereitwilli⸗ ges Anstellen, insbesondere auf viele Jahre hinaus, nur nachtheilig auf die Oper wirken koͤnnte; es giebt aber auch eine

uͤbertriebene Aengstlichkeit, sey es in Betiehun

auf den Werth des zu engagi⸗

der Schaden bringen kann und vielleicht schon gebracht hat; denn waͤhrend man fruͤher immer nur das Allervortrefflichste fuͤr Berlin gewinnen wollte, ist man allmaͤlig dahin gekommen, daß von den

werden koͤnnen, so daß das Spruͤchwort: le meilleur es du bien sich auch an dieser Stelle bewäährt.

Gegen die Behauptung, die Oper muͤsse bei uns in gar vielen Beziehungen neu begruͤndet werden, hoͤrt man hin und wieder den Einwand, daß dies vedeutende Kosten verursachen wuͤrde. Indessen sollten wir meinen, daß fuͤr das, was die Oper schon jetzt kostet, en et wird, waäͤh⸗ rend sich an andern Stellen wohl heilsame Ersparnisse anbringen lassen moͤchten Die Ansichtuͤbrigens, daß die Ausgaben fuͤr Theater und Oper in

nnemi

So veranlaßte z. B. die Sper Orpheus von

Der beruͤhmte Castrat Farinelli erhielt von Koͤnig Pbi⸗

*) Raumers neuere Geschichte IV;, 50 ir. Ss 18 ver

den Fuͤrsten

jeden Abend, zehn Jahre lang, dieselben vier Arien vor, dar⸗ unter zwei von Hasse aus der Sper Artaxerxes: placido il sose und 18d0s ege. ahe ; 129 Ir. dies Monopol r., ohne daß da ublikum Gelegenheit hatte, eine Note von dem Saͤnger shebbeen⸗ 3 8 B8. Nach dem Tode Friedrichs I. ging die Oper in Berlin ein, und erst nach der Thronbesteigung Friedrichs II. wurden Deutsche Musiker, Italiaͤnische Saͤnger und Franzoͤsische Taͤnzer berufen. Ohne Chor, Ballet und Nehenpersonen zaölte die Oper 50 Mitglieder. Man eroͤffnete sie im Jahre 1722 mit Graun's Rodelinde. Dieser Kapell⸗ meister schrieb 28 Opern fuͤr Berlin, von denen jede nur ein Jahr, oder eigentlich nur zwei Monate lebte.“) Mit Ausnahme dreier Hpern von Agrikola, Hasse und Nichelmann, bekam man in Berlin viele Jahre lang keine andere als Graunsche Musik zu hoͤren; ohne Sen 8ec so theures, als langweiliges Monopol eines einzelnen Ferner wurden lediglich in den Monaten Dezember und Ja⸗ nuar, woͤchentlich zweimal Opern gegeben; zehn Monate lang eb hingegen das Haus geschlossen. Wenn also S B. Demoiselle Astrua damals 6000 Thaler Gehalt fuͤr zweimonatlichen Dienst erhielt, so war dies unleughar eine uͤbermaͤßig hohe Bezahlung, und noch 1ges als die Koͤniglichen Kassen befand sich das Publikum, denn a die Plaͤtze -v. vergeben wurden, so blieben die echten Musikliebhaber meist von den Opern ausgeschlossen, oder wurden hoͤchstens in einer Probe zugelassen. Mit Recht hat man also das Monopol der nichtsingenden Saͤnger, der nichtzahlenden Zuhdrer und der beiden Wintermonate aufgehoben, und es laͤßt sich seitdem geringeren Ausgaben mehr er⸗ eichen. Die Pariser Oper, welche in vieler Beziehung ein Monopol be⸗ saß, ja von den andern Buͤhnen große Zuschuͤsse erhielt, hat gerade um deswillen minder vorsichtig gewirthschaftet, und keinesweges in eigenen Anstrengungen die rechte Huͤlfe gesucht. Daher stiegen Ausgaben und Schulden. Jene betrugen im Jahre 1713 1778 Für die Saͤnger 14,700 Livres, 80,000 Livres, uͤr die Choͤre 13,200 32,7 8 Fuͤr das Ballet 139,300 Fuͤr das Orchester

69,482 Andere Ausgaben 586,200

Summa 218,050 Livres, 907,682 Livres. Zu den letzten vermischten Ausgaben gehoͤrten die fuͤr Lehrer, Kopi⸗ sten, Maler, Gratificationen, Abgaben an die Armen, 108,000 Livres Pensionen u. s. w. Im Jahre 1713 war das hoͤchste Gehalt eines Saͤngers oder eine Saͤngerin 1500, eines Taͤnzers oder einer Taͤnzerin 1000 Livres. Im Jahre 1750 erhielten jene aber schon 6000 bis 8000 Livres und diese noch hoͤhere Gehalte: so Demoiselle Heynel 8666 Livres und Herr Gardel 11,259 Livres. Dieser bekam in ei⸗ nem Jahre dreimal so viel, als Dichter und Komponisten zusammen⸗ Fechnes. „Nach einem Durchschnitte von 1749 bis 1758 betrug die usgabe fuͤr die Naͤberinnen 10,000 Livres, füͤr die Autoren aber nur 4000 Livres!“*è) 0— 0

f v“ 8 8 1 8 *) Hillers Lebensbeschreibungen berühmter Musiker g. * ½) La Borde traité de Musique I, 403 ö11“

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

341,1 Par. 340,4 8 Par. 340,1 7 Par. [Quellwärme 7,0 °R.

+ 1,8 °R.]+ ,2 R. + 3,00R.] 8

0,0 °R.— 2,3‧R. 0,8 R. R. Bodenwärme 3,4 °R.

84 pCt. 53 pCt. 73 vCt. Wetter... Ausdünst. 0,04 1“„Rh.

truͤbe. teuͤde. truͤbe. Wolkenzug Niederschlag 0. Tagesmittel: 340,58 800. + 3,3 0 R.. 1,0380 R. 70 pCt.

1835. 21. Mäaärz.

Luftdruck. Luftwaͤrme Thaupunkt Dunstsaͤttg.

Flußwärme 3,2

SO.

Auswäürtige Börsen. 1“ 8 Amsterdam, 17. März. 1“ Niederl. wirkl. Schuld 56 ¾. 58 do. 1019. Ausg. Schuld 112¼. Kanz-Bill. 26. 9 Amort. 95 ½. 3 ½ 9 80. Kuss. 99. Oesterr. E Prüm.-Scheine 115 ½. do 4 98 Anl. —. Span. 59 493. 8 29. b Antwerpen, 16. März. Span. 53 48 ¾. 38 28. Ziusl. 19. Cortes 48 ⅛, do. Coup. —. London, 17. März. Cons. 33 92 ½. Belg. 103. Span. Cortes 65. 5% v. 1835 8⁄18 Prämie. Zinsl. 18 ½. 19. Ausg. Span. Schuld 28 ¾. Holl. 2 ½ 9 56 ⅞. 8 103 ½. 103 ¾. Portug. 93 †½. 93 ½4. Engl. Russ. —. Bras. 87. 86 ½. Coiumb. v. 1824 39. 38 ¾. Mex. 42 ¼. 42. Chili 46. 45 ½. Wien, 17. März.

58% Met. 101 ½. 49 952.27. Bank-Actien 1340 ¼. Neue Aul. 593 ½.

Koͤnigliche Schauspiele.

Montag, 23. Maͤrz. Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Kaiser Friedrich I. (erster Theil), oder: Friedrich und Mailand, historische Tragoͤdie in 5 Abth. und einem Vorspiele, von E. Raupach. (Dlle. B. Stich: Agnola, als Gastrolle.) „Dienstag, 24. Maͤrz. Im Opernhause: Der Maurer, Hper in 3 Abth., mit Tanz. Musik von Auber. (Dlle. Lenz: Irma.) Hierauf: Der Schweizer⸗Soldat, militairisches Ballet in 1 Akt, von Hoguet. Musik von H. Schmidt. Im Schauspielhause: Bertrand et Raton, ou: conspirer, comédie en 5 actes, par Scribe.

u dieser Vorstellung werden Schauspielhaus⸗Billets, mit Seg . Fheicgast⸗ büfe

ittwoch, 25. Maͤrz. Im Schauspielhause: Sappho Trauerspiel in 5 Abth., von F. Grillparzer. (Mad. geennabo⸗ Sappho. Dlle. B. Stich: Eucharis und Dlle. C. Stich: Me⸗ litta, als Gastrollen. Herr Grua: Phaon.) Es wird ersucht, die zu dieser Vorstellung auf Meldungen reservirten Billets bis Dienstag, 24sten d. M., Mittags 2 Uhr im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau abholen zu lassen, widrigenfalls solche anderweitig verkauft werden muͤssen.

Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Montag, 23. Maͤrz. Der Gloͤckner von Notre⸗Dame, vönenetsan. Tn 28 Tableaux, nach dem Roman des

ctor Hugo, frei bearbeitet von Ch. Birch⸗Pfeiffer. (Mad. Birch⸗Pfeiffer: Gervaise, als Cncech, 8

Sonnabend, 28. Maͤrz. Zum erstenmale: Der Schwur,

oder: Die Falschmuͤnzer, komische Oper in 3 Akten, nach dem Franz. des Scribe, von Dr. Petit. Musik von Auber.

oöoãENEẽEẽℛẽgöUEUAgIggNNéNéℛéNE, e n gngvvv»vvg MNeueste Nachrichten. Paris, 16. Maͤrz. Der Conseils⸗Praͤsident und der inte 1gs 8.e- 9. Minister ees. gestern Vormittag mit 8 Koͤnige. ittags wurde ein Minister⸗Rath bei Beane ster-Rath beim Herzoge von n der heutigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer, zu welcher sich abermals eine zahlreiche Menge von Zuhoͤrern gefunden hatte, wurden die Interpellationen an die Minister

L'art de

**) Marourg histortsch⸗kritische Beiträge 1, 76. I1, 427.

dem Herr Reynaud uͤber den Gesetz⸗Entwurf wegen 250,000 Fr. fuͤr die von der Cholera heimgesuchten Departeg berichtet hatte, bestieg der Herzog von Broglie die Neh buͤhne. „Frankreich“, so hob er an, „hat ein Recht, die sachen der ministeriellen Krisis kennen zu lernen, die kuͤ das Land betruͤbt hat. Jeder, der ein oͤffentliches Amt 1 nimmt, muß sich auch darauf gefaßt machen, daß seine Abssic verkannt, seine Handlungen entstellt werden, auf das Urtheil des unparteiischen Publikums rechnen. Nicht jetzigen Kabinets⸗Mitglieder kann man fuͤr jene Krise verantwors machen. Wenn Wochen daruͤber hingegangen sind, bevor ihr

Schwierigkeit beimessen, welche die obwaltenden Verhaͤltnisse ten, um zu einer das Land befriedigenden Loͤsung zu gelane Nachdem die Minister der Krone ihre Rathschlaͤge ertheilt 8 ten sie sich voͤllig entfernt, und ich kann, was mich betriff 8 Versicherung geben, daß ich seit dem 10. Maͤrz, wo der Fan mir die Ehre erzeigte, mich zu sich zu berufen, den oͤffenilch Angelegenheiten durchaus fremd gewesen bin. Ich sagte d Koͤnige, daß, wenn meine politischen Freunde am Ruder blei wollten, ich mich ihnen gern beigesellen wuͤrde, daß ich im a gegengesetzten Falle aber keine Rathschlaͤge weiter zu ertheilen h Hierauf entfernte ich mich; der Koͤnig aber ließ mich noch einmaln fen und bot mir in Gegenwart meiner Kollegen die Praͤsidentschftan zu deren Annahme ich mich bereit erklaͤrte.“ Der Minist ii sich hierauf uͤber die Amnestie⸗Frage vernehmen, die er alt in reine Parteifrage darstellte, um von einem Systeme gesetzich Widerstandes zu einem Systeme politischer Straflosigkeit zu g langen. „Wenn“, aͤußerte er, „die Majoritaͤt der Kammer Gunsten der Amnestie gestimmt ist, wie geht es denn zu, i sich kein Ministerium aus ihrer Mitte gebildet hat? Ich n es Ihnen sagen: man hat vorausgesehen, daß jene Ansicht bald an der Majoritaͤt brechen wuͤrde. Ich hoffe meinersal diese Majoritaͤt fuͤr mich zu haben; unterliege ich aber, so waß ich mich mit Ehren zuruͤckziehen, und meine Gegner moͤgen e sehen, ob es ihnen gelingt, sich die Majoritaͤt zu erwerben. An legenheiten, sie zu sondiren, wird es nicht fehlen, und will die ga mer sich gleich jetzt aussprechen, so wird es mir um so lieber semn Herr Odilon⸗Barrot hielt die von den Ministern gegehm Aufschluͤsse fuͤr durchaus unzureichend und behauptete nament daß die von Herrn Guizot am Sonnabend gehaltene Rede nau dieselbe sey, die dieser Minister im Dezember v. J., m Ausweis des Moniteurs, gehalten habe. Keiner der Minst habe die eigentlichen Gruͤnde angegeben, weshalb sie vor 3 9G chen uneinig geworden waͤren und sich haͤtten zuruͤckziehen de len. Wenn die Amnestie⸗Frage daran Schuld gewesen, sos diese Frage noch heute dieselbe wie damals, und es wuͤrde danach der Wiedereintritt der fruͤheren Minister nicht fuͤglich! klaͤren lassen. Er muͤsse, fuͤgte er hinzu, die Ursache jener einigkeit in ganz anderen Dingen suchen, und er koͤnne sich selbe auch leicht erklaͤren, wenn er auf einer und derselben N nisterbank Maͤnner der Restauration und der Revolution erblt Noch wollte Herr Lamartine seine Meinung abgeben;! wurde indessen von mehreren Seiten der Schluß der Dehe verlangt und ausgesprochen, indem das Centrum sich in M dafuͤr, die rechte und linke Seite aber nur theilwe dawider erhob, waͤhrend ein zahlreicher Theil der Opposin gar nicht mitstimmte. Die ganze Diskussion hat sonach zu kein bestimmten Resultate gefuͤhrt, und die Stellung des Minit riums ist noch jetzt so zweifelhaft, wie sie es fruͤher war. Kel von beiden Parteien wagte es, auf eine motivirte Tagesordnn anzutragen. Die Versammlung beschaͤftigte sich, nachden ilh Sitzung eine Zeit lang suspendirt worden, mit dem Gesetz⸗n wurfe uͤber die Verantwortlichkeit der Minister. Waͤhrend Hen Salverte zur Eroͤffnung dieser Debatte die Rednerbllhe bestieg, leerten sich indessen sowohl die Baͤnke im Saale selb als die oͤffentlichen Tribunen, und die zuruͤckbleibenden Depun ten unterhielten sich so laut und so angelegentlich uͤber ande Dinge, daß der Vortrag des Herrn Salverte, in welchem schließlich fuͤr die Verwerfung des Gesetz⸗Entwurfes stimmn fast ganz unbeachtet voruͤberging. Die Sitzung dauerte um! Uhr (wo die Post abging) noch fort.

Der Graf von Sainte⸗Aulaire kehrt heute Abend von ' nach Wien zuruͤck.

Der Bildhauer Petitot ist zum Mitgliede der Akademie e schoͤnen Kuͤnste ernannt worden.

Es zirkulirt hier eine angebliche Proclamation Dom I. guels an das Portugiesische Volk, datirt aus Genua vom Dez. Das Journal des Débats meint, daß dieses Alm stuͤck, schon nach dem unwuͤrdigen Styl zu urtheilen, in weccen es abgefaßt worden, ohne allen Zweifel apokryphisch sey. Auch heute sind keine interessanten Nachrichten von ie Spanischen Graͤnze eingetroffen. Die Christinos befestigen Punkte von einiger Wichtigkeit. Tolosa hat eine kleine Gan son und vier Kanonen erhalten. Die suͤdlichen Journale ue den das Eintreffen der nach Navarra abgeschickten Streitkrtt zu Los Arcos.

In einem Privatschreiben aus Bayonne vom 12. M. heißt es: „Wir erfahren so eben, daß die beiden kriegfuͤhre den Parteien sich bereits seit 2 Tagen in der Naͤhe von 0. sondo schlagen. Die Garnison dieses Platzes besteht nur a 2000 Mann; die Karlisten haben 7 Bataillone. Schon hat de Bombardement von Elisondo begonnen, indem die Karlisten nen Moͤrser auf einer Anhoͤhe, die diesen Platz beherrscht, a gefahren haben; sie fuͤgen von hier aus den Truppen der § nigin vielen Schaden zu. Bestuͤrzung herrscht unter den E wohnern.“

Als man heute gegen 3 ½ Uhr an der Boͤrse den Ausgaln der Fragen an die Minister erfuhr, gingen die Course, die dahin ziemlich stationair geblieben waren, rasch in die Häih indem man sich schmeichelte, daß das Ministerium sich wuͤn halten koͤnnen. Auch die Spanischen Fonds stiegen auf das C.

halbjaͤhrlichen Zinsen zahlen wuͤrde.

Heute schloß 5proc. Rente pr. compt. 107. 40. ¹ cour. 107. 50. 3proc. pr. compt. 80. 30. fin cour. 9 40. 5proc. Neap. pr. compt. 97. 20. sin cour. 97. 35. ö5pri Span. 49. 3proc. 30 ½. Ausg. Span. Schuld 21 ½. Cortes 48. 2 ½ proc. Holl. 57.

Frankfurt a. M., 19. Maͤrz. Oesterr. 5proc. Metal 102 101 Aproc. 95 ¼. 95 ½. 2 ½ proc. 56 ½. B. 1proc. 241 G. Bank⸗Actien 1601. 1600. Part.⸗Obl. 140 ½. 140 ½. Loose 100 Gulden 213 ¼. Preuß. Praͤm.⸗Sch. 64 ½ 64½. do. 4 pra Anl. 97. G. Holl. 5proc. Obl. von 1832 100½. 100 ½. Peol Loose 71. 70 ¾. 5proc. Span. Rente 48. 47 ⅛. Zproc. do. petf

Redacteur Cottel.

2

fortgesetzt. Es waren wohl an 400 Deputirte zugegen. Nach⸗

Gedruckt bei A.

aber er darf a

Ende gemacht werden konnte, so muß man solches lediglich

suchte, wie nothwendig es sey, daß die Kammer die durch die

ruͤcht, daß die Spanische Regierung naͤchstens die ruͤckstaͤndig

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lin, Dienstag den 24ůten Maͤr

2

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Amtliche Nachrichten

Kronik des Tages. 8

Des Koͤnigs Majestaͤt haben Allergnaͤdigst geruht, den bis⸗ herigen Landgerichts⸗Assessor Friedrich Wilhelm von Span⸗ seren zum Staats⸗Prokurator zu ernennen, und ist derselbe beim Landgericht in Trier angestellt worden. 8

Im Bezirke der Koͤnigl. Regierung

zu Coͤslin ist an die Stelle des zum Prediger in Groß⸗ Linichen berufenen Predigers Thuͤmmel in Groß⸗Croͤssin, der bigherige Prediger Freymuth in Pielburg zum Prediger in Groß⸗Croͤssin bestellt worden;

zu Koͤnigsberg ist der Predigtamts⸗Kandidat Karl Wil⸗ elm Ludwig Schadebrodt zum zweiten Prediger der evan⸗ gelischen Kirche zu Neidenburg ernannt worden;

zu Posen ist der bisherige Pfarrer zu Karmin, Zacha⸗ rias Pospiesinski, als Pfarrer der katholtschen Parochial⸗ Kirche in Neustadt a. d. W.; der bisherige Pfarrer zu Benice, Joseph Pigtosiewicz, als Pfarrer in Rozdrazewo angestellt worden. 1

tungs⸗Nachrichten.

IIbI d

Frankreich. 8

Paris, 16. Maͤrz. Gestern hatten der Schwedische Ge⸗ sandte, Graf von Loͤwenhielm, und der Daͤnische Gesandte, Ge⸗ neral⸗Major von Juel, die Ehre, von dem Koͤnige empfangen zu werden.

Ein hiesiges Blatt sagt: „Die erste bei dem Conseils⸗

raͤsidenten stattgehabte Konferenz ist eine sehr merkwuͤrdige hatsache, weil man annehmen muß, daß dieser Schritt mit den bisherigen Wuͤnschen des Koͤnigs im Widerspruche steht. Es scheint auch, daß das Versammeln der Minister in dem Hotel des Conseils⸗Praͤsidenten nicht ohne lebhaften Widerstand von Seiten der Herren Thiers, Persil und Humann beschlossen wor⸗ den ist. Man will sogar wissen, daß Herr Persil sich nicht zu der Konferenz habe einsinden wollen, und daß dieser erste Ver⸗ such des Herzogs von Broglie, dem Conseil wirklich zu praͤsidi⸗ nen, neue Spaltungen im Kabinette veranlaßt habe.“

Das Journal des Débats von heute Morgen enthielt noch einen sehr ausfuͤhrlichen Artikel, worin es zu beweisen

Interpellationen des Herrn Mauguin veranlaßten Debatten durch eine motivirte Tagesordnung schlitße. Es heißt in diesem Arti⸗ kel unter Anderem: „Wir wollen der Kammer unsern Rath nicht aufdringen, aber auf dem Punkte, auf welchem die Debatte steht, und da sie augenscheinlich auf die Amnestie⸗Frage beschraͤnkt ist, wird die Kammer es vielleicht fuͤr nothwendig halten, sich aus⸗ zusgrechen und ihre Meinung uͤber die wichtige Frage zu erken⸗ nen zu geben, welche seit sechs Monaten unsere Politik beunru⸗ higt, zwei beklagenswerthe Krisen herbeigefuͤhrt hat, und das einzige Terrain ist, auf welchem die Opposition dem Ministerium vom 11. Okt. noch den Beistand der parlamentarischen Majori⸗ nt zu bestreiten wagt. Wir wissen sehr wohl, daß die erwiesene Ohnmacht der Opposition und des tiers-parti, ein Amnestie⸗Mi⸗ nisteium zu bilden, ein deutliches Zeichen von den Gesinnungen der Kammer ist; aber wozu nuͤtzt dies, wenn die Minoritaͤt diese Gesinnungen leugnet, wenn sie die Augen vor dem Lichte verschließt? Man muß sie daher zwingen, dieselben zu oͤffnen, indem man sich auf eine auffallende Weise durch ein foͤrmliches Votum ausspricht, welches keine Zweideutigkeit mehr zulaͤßt. Giebt es in den Kammern, in der Regierung, im Lande einen einzigen Mann von gesundem Verstande, der nicht jetzt eine be⸗ stimmte, eine entschiedene Meinung uͤber die Amnestie haͤtte, wie man sie in diesem Augenblicke verlangt? Ja, wir gehen noch weiter: Giebt es irgend ein Mitglied der parlamentarischen Ma⸗ jorität, das nicht das Beduͤrfniß fuͤhlte, sich ein fuͤr allemal uͤber jene immer wiederkehrende Ursache der Zwietracht auszusprechen? Alle Welt moͤchte gern mit jener Frage zu Ende kommen, welche Jeder in seinem Innern entschieden hat, die aber taͤglich hem⸗ mender, taͤglich gefaͤhrlicher wird, weil man es vernachlaͤssigt hat, ein oͤffentliches und feierliches Urtheil zu sprechen. Der Oppo⸗ sition ist allerdings niemals viel daran gelegen, dergleichen Fra⸗ gen zur Entscheidung zu bringen; und doch hat sie bei einer offenen und bestimmten Enscheidung nichts zu verlieren und Al⸗ les zu gewinnen. Wenn die Kammer sich gegen die Amnestie ausspricht, so verliert die Opposition dadurch nicht die Majo⸗ ritit, denn sie besaß sie niemals; wenn im Gegentheil die Amnestie den Sieg davon traͤgt, so werden die Aussichten der Opposition sehr glaͤnzend; denn wer kann voraussehen, wo die Majoritaͤt inne halten wird, wenn sie sich einmal nach der linken Seite der Kammer hin in Bewegung gesetzt hat? Wir sehen daher nicht ein, warum die Opposition ein feierliches Vo⸗ tum uͤber die Amnestie vermeiden sollte? Wenn sie es dennoch thaͤte, so muͤßte man voraussetzen, daß es die Ungewißheit der Kammer ist, welche den Plaͤnen der Opposition am meisten zu⸗ sagt, und ihren Hoffnungen am angenehmsten schmeichelt; man muͤßte glauben, daß die Opposition Alles von der Unentschlossen⸗ heit der Majoritaͤt, von ihrem bestaͤndigen Schwanken zwischen dem Guten und dem Boͤsen, zwischen der Bestrafung und der Un⸗ gestraftheit der Verbrechen erwartet; man muͤßte glauben, daß die parlamentarische Anarchie von der Opposition als einer der Wege betrachtet wird, welche ihnen das Staatsruder zuwenden koͤnnten. Und was wuͤrde daher mehr als je die Pflicht der Majoritaͤt seyn? Die Pflicht, das Interesse aller Maͤnner, wel⸗ che fuͤr Frankreich den Triumph der Opposition fuͤrchten, wuͤrde darin bestehen, sich bei allen wichtigen Gelegenheiten laut, un⸗

sorgnisse des Landes Ja oder Nein zu antworten. Mit einer Majoritaͤt, welche sich ausspricht, wird ein Land entweder gut oder schlecht regiert; mit einer Majoritaͤt, welche schwankt, wird ein Land gar nicht regiert. Wenn die Opposition bemerkt, daß ein Land gar nicht regiert wird, so hofft die Opposition, und sie hat Recht.“ Da die Debatten geschlossen worden sind, ohne daß sich die ministerielle Partei durch ein bestimmtes Vo⸗ tum ausgesprochen hat, so giebt der obige Artikel der Opposition das Recht, sich das Stillschweigen der Kammer als einen Sieg anzurechnen. Das Journal de Paris bedient sich dieses⸗ mal einer feineren Taktik, indem es die Defensive zu halten sucht. „Die Minister“, sagt es, „glauben, daß die Majoritaͤt ihnen beistimmt; Herr Mauguin glaubt das Gegentheil; er moͤge sie befragen, der Ausspruch wird jede Ungewißheit heben. Herr Mauguin moͤge die Majoritaͤt in die Nothwendigkeit versetzen, sich auszusprechen. Aber nein, nicht auf diese Weise, nicht mit dieser Offenheit will die Opposition das Ministerium bekaͤmpfen; die Probe ist zu loyal, als daß sie dieselbe versuchen moͤchte. Sie wuͤnscht nicht die deutlichen und bestimmten Stellungen; ihr sagt es weit mehr zu, die Ungewißheit auszubeuten und Besorgnisse zu verbreiten. Man lasse sie gewaͤhren und bald werden tausend aufregende Fragen auf einander gehaͤuft werden. Majoritaͤt, Minister, Charte, das Koͤnigthum selbst Alles wird hineingezogen, Alles wird eroͤrtert werden; Alles, ausge⸗ nommen der einzige Punkt, auf den es ankoͤmmt: Hat das Mi⸗ nisterium die Majoritaͤt, oder nicht? Dann wird die ermuͤdete Kammer zur Tages⸗Ordnung uͤbergehen, der sich selbst die Op⸗ position nicht widersetzen wird, und am andern Morgen werden ihr die Journale den Sieg zuschreiben, und das Ministerium als geschwaͤcht durch seine Niederlage darstellen. Dies ist au⸗ genscheinlich diesesmal, wie immer, das einzige Resultat, welches die beiden Oppositionen von der Diskussion erwarten.“

Der Constitutionnel fuͤhrt, um den Mangel an Ueber⸗ einstimmung in den Ansichten der Herren Guizot und Thiers zu beweisen, folgende Bruchstuͤcke aus ihren Reden an:

Herr Guigzot. Herr Thiers. Sitzung 8 Dezember Sitzung Maͤrz Wissen Sie, meine Herren, was Wir sind Alle einerlei Mei⸗ wahrhaft neu fuͤr uns ist? Es ist nung, wenn man sagt: Keine die Politik, welche man seit ½ Jah⸗ neue Revolutionen. Wir sind ren befolgt, die offene und vollstaͤn⸗ ferner einerlei Meinung, wenn dige Bekennung zum constitution⸗ man sagt, daß man den Strom nellen Geiste, und der freimuͤthige ver Revolutionen nicht wieder Kampf gegen den revolutionnatren hinaufschwimmen muͤsse. Nie⸗ Geist. Wissen Sie, was das Land mand will ihn wieder im tiefsten Innern fuͤhlt? daß es hinaufschwimmen; denn kaum erst aus einem revolutionnai⸗ das hieße Revolutionen zu⸗ ren Zustande hervorgegangen ist, und ruͤckmachen, und wir wollen muͤhsam den revolutionnai⸗ deren weder zuruͤck noch vor⸗ ren Abhang wieder hinauf⸗ waͤrts machen. steigt, um zu einem wahrhaft ge⸗

sellschaftlichen und freien Zustande

zu gelangen.

Der am 11ten d. M. stattgehabte Verkauf der kleinen Gemaͤlde⸗Sammlung David's (im Ganzen 16 Stuͤcke) hat etwa 24,000 Fr. eingetragen. „Mars entwaffnet von Venus und den Grazien“ wurde mit 6000 Fr. und „Marat sterbend in der Badewanne“ mit 4500 Fr. bezahlt.

Ueber die Cholera in Marseille theilt die Allgemeine Zeitung nachstehendes Schreiben aus dieser Stadt vom 8ten Maͤrz mit: „Bei ihrem ersten Erscheinen in hiesiger Stadt (11. Dez. v. J.) begnuͤgte sich die Cholera mit einer so geringen Zahl von Opfern, daß es wirklich schien, als habe die Gefuͤrch⸗ tete unter dem milden Himmel der Provence ihre gewoͤhnliche Boͤsartigkeit verloren, oder wie damals der witzige Corsaire be⸗ merkte, als sey sie hier todt zur Welt gekommen. konstatirten und offiziell bekannt gemachten Todesfaͤlle, die man auf Rechnung der Cholera schrieb, beliefen sich im Ganzen bis Mitte Februars hoͤchstens auf 120. Zuletzt wurden gar keine Bulletins mehr bekannt gemacht; die im ersten Schrecken Ge⸗ fluͤchteten kehrten zuruͤck, kein Mensch sprach mehr von dem Uebel, woran man hoͤchstens durch die verminderte Anzahl der um diese Zeit sonst so haͤufig hier einsprechenden Frem⸗ den und durch die Sperre erinnert wurde, die von Ita⸗ lien her gegen uns bestand. Aber das Feuer glomm unter der Asche. Am 25. Febr. brach die Seuche ploͤtzlich mit erneue⸗ ter Wuth hervor und hat seitdem nach den amtlichen Berichten gegen 500 Menschen hinweggerafft. So traurig diese Rekrudes⸗ cenz, die unter einem, von Aix hierher versetzten Infanterie⸗Re⸗ gimente begann, immer seyn mag, so ist gleichwohl die Zahl der Opfer in Verhaͤltniß der Bevoͤlkerung von Marseille (160,000 M.) maͤßig zu nennen; denn setzt man im Durchschnitt die Zahl der an der Cholera Verstorbenen taͤglich auf 40, so trifft die Epide⸗ mie von 4000 Individuen nur Eins. Wiewohl nun seit eini⸗ gen Tagen die Sterbefaͤlle sich bedeutend vermindert haben (den 6. Maͤrz starben an der Cholera 32, gestern den 7ten nur 28), so ist die Stadt doch sortdauernd in der groͤßten Bestuͤr⸗ zung. Mehrere Hundert der reichsten Familien haben sich gefluͤchtet, und das Auswandern will kein Ende nehmen. Seit dem 26. Febr. sind auf der hiesigen Mairie 430 Paässe ausgestellt worden. Der Handel ist in diesem Augenblicke null; die oͤffentlichen Plaͤtze, Werkstaͤtten, Kauflaͤden und Comptoirs ꝛc. stehen verlassen, dagegen draͤngt sich die Volksmenge (vornehm⸗ lich die Frauen) in die Kirchen und Bethaäͤuser. Heute hat man endlich ein Mittel versucht, wozu man nur in verzweifel⸗ ten Faͤllen seine Zuflucht nimmt. an hat das wunderthaͤtige Bild der heiligen Mutter Gottes (Ste. Vierge de la Garde) von der Berg-⸗Kapelle in die Stadt gebracht und dasselbe in einer feierlichen Prozession durch die Straßen getragen. Trotz des schneidenden Nordwest⸗Windes, der uͤber das Meer her wehete, hatten sich so viele Glaͤubige dabei eingefunden, daß man schier fuͤrchten mußte, erdruͤckt zu werden. Zu gleicher Zeit wurden auf mehreren Punkten der Stadt Kanonen abgefeuert, nicht zu

zweideutig und ohne Umschweife auszusprechen, und auf die Be⸗

Ehren der heiligen Jungfrau, sondern um die Luft wo moͤglich

Die aͤrztlich

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von dem cholerischen Miasm zu reinigen. Hillft es nicht, so schadet es nicht. An Speculationen aller Art ist kein Mangel, eine Menge untruͤglicher Schutz⸗ und Heilmittel werden gebo⸗ ten; das dem Charlatanismus ohnehin so zugaͤngliche Volk von Marseille ist es in der gegenwaͤrtigen Krisis mehr als je auf Kosten seines Beutels und leider oft genug auf Gefahr seines Lebens. Es ist eine Thatsache, daß Viele, die bei einer ver⸗ nuͤnftigen Behandlung leicht hätten gerettet werden koͤnnen, durch ihr hartnaͤckiges Vorurtheil und durch ihre Unvorsichtig⸗ keit der Krankheit unterlegen sind. Dabei muß man dem Geist der Wohlthaͤtigkeit, der sich bei dieser oͤffentlichen Kalamitaͤt of⸗ fenbarte, so wie der weisen Thaͤtigkeit der hiesigen Behoͤrden volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Als die zweite Auswan⸗ Fenng. begann, rief ein wuͤrdiger Mann in einem oͤffentli⸗ chen Blatt den Fluͤchtigen zu: „Es ist begreiflich, daß ihr Pot. denn ihr seyd reich; geht in Gottes Namen, aber gebet!

hut eure milde Hand auf zum Besten der Armen, die blei⸗ ben, weil sie nicht gehen koͤnnen!“ Dieser edle Aufruf hatte bald den glaͤnzendsten Erfolg. Durch eine zu dem Ende er⸗ oͤffnete Subscription, der sich die Gehenden und die Bleibenden um die Wette anschlossen, kam eine sehr bedeutende Summe zusam⸗ men, die noch taͤglich waͤchst. Die hiesige Handels⸗Kammer gab 12,000, der Stadt⸗Rath votirte 100,000 Fr. zur Linderung der oͤf⸗ fentlichen Noth. So wurden die Behoͤrden in den Stand gesetzt, alle zweckdienlichen Maßregeln zu ergreifen. Auf fuͤnf verschie⸗ denen Punkten der Stadt sind permanente Bureaus errichtet, durch welche jeder Erkrankende auf einfaches Anmelden sogleich Pflege und Unterstuͤtzung findet. In den eigens dazu be⸗ stimmten Hospitaͤlern versehen junge Leute aus den besten Fa⸗ milien der Stadt den Dienst der Krankenwaͤrter; edle Frauen liefern aus ihrem eigenen Schreine den Duͤrftigen Linnenzeug und Decken, die Stadt laͤßt unter die aͤrmere Volks⸗Klasse von dem besten Brode und Fleische vertheilen. Solche Thatsachen anfuͤhren, heißt einer Bevoͤlkerung das einfachste, aber zugleich das kraͤftigste und gerechteste Lob spenden. Ehre der Stadt Marseille! In dem ziemlich ausgedehnten Weichbilde der Stadt, so wie in den angraͤnzenden Departements, findet sich keine Spur von der Cholera. Indeß sprechen einige Briefe von der Sardinischen Graͤnze von mehreren Cholerafaͤllen, die sich in Nizza und den Umgebungen von Genua gezeigt haben sollen. So eben erfahre ich, daß sich in Toulon unter einer von hier gefluͤchteten Familie, die in der Croix de Malte abgestiegen war, ein Todesfall ereignet hat, welchen der herbeigerufene Arzt der herrschenden Epidemie zugeschrieben haben soll. Indeß ist die Sache noch zweifelhaft. In Avignon, wo viele Marseiller ein Asyl gesucht haben, sollen auch Krankheiten mit cholerischen Symptomen vorkommen. Ich meines Theils glaube nicht, daß man sich dem Uebel durch die Flucht entziehen koͤnne; es waͤre denn, daß man sich lange vor seiner Ankunft entfernte, oder, wie durch einen Zauberschlag, hundert Meilen weit in eine an⸗-⸗ dere Atmosphaͤre versetzen koͤnnte. Dieser Meinung sind selbst einige der hiesigen Aerzte, die in dieser Zeit der Noth viel Eifer und eine seltene Aufopferung beweisen. Die homoͤopathische Me⸗ thode ist hier und da mit Erfolg angewendet worden. Die Zahl der an dem heutigen Tage (8. Maͤrz) bei der Behoͤrde angezeig⸗

worunter, wie gestern, 28 Cholerafaͤlle.“

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 16. Maͤrz. (Nachtrag.) Am Anfange dieser Siz⸗ zung fand wieder eine Debatte uͤber die Angelegenheiten Kana⸗ da's statt, zu welcher eine von mehr als 11,000 Einwohnern von Montreal, worunter uͤber 1000 Franzosen, unterzeichnete Bitt⸗ schrift Anlaß gab, die 782 P. Stewart uͤberreichte, und worin um eine gehoͤrige Beaufsichtigung der inneren Verwal⸗ tung von Kanada und um Verhinderung jedes ploͤtzlichen Wech⸗ sels in den Institutionen dieser Kolonie ersucht wird. Herr

und Franzoͤsischen Einwohnern Kanada's unterzeichnet. „Ohne Zweifel“”, fuhr er fort, „wird Herr Hume behaupten, es sey eine von Tories ausgeheckte konservative Bittschrift; ich kann aber versichern, daß die Unterzeichner großentheils liberale Maͤn⸗ ner, ja constitutionnelle Whigs sind. (Hoͤrt! und Gelaͤchter.) Die Bittsteller beklagen sich, daß ihre jetzige Lage aus der tem- porisirenden Politik der Regierung hervorgeg angen sey.“ Der Redner erwaͤhnte sodann eines Briefes, den die Zeitungen Hrn. Roebuck zu⸗ geschrieben haͤtten, und in welchem Hrn. Spring Rice Schuld gegeben werde, daß er die Kanadier betrogen und Ernennungen vorge⸗ nommen habe, welche allgemeines Mißfallen unter den Patrio⸗ ten erregt hatten. Er schloß mit der Versicherung, daß es in Kanada eine starke Partei gebe, die den Verband mit dem Mut⸗

terlande aufrecht zu erhalten wuͤnsche, und daß die Uebrigen durch Verbesserung anerkannter Mißbraͤuche auch versoͤhnt wer⸗ den wuͤrden. Herr Roebuck leugnete, daß er sich bemuͤht haäͤtte, in den Gemuͤthern der Einwohner von Kanada den Gedanken an eine Zuflucht zu den Waffen zu erregen, las aber ein Schrei⸗

sten zu den Waffen greifen wollten, wenn alle andere Maßre⸗ geln fehlschluͤgen, die sie vorher noch erst versuchen wollten. Der Redner behauptete, er habe nie etwas weiter gesagt, als daß die Kolonie sich, allen Nachrichten zufolge, in einem Zu⸗ stande der Gaͤhrung befinde, und daß die Aufregung nicht eher aufhoͤren wuͤrde, als bis die Bevoͤlkerung sich selbst regieren koͤnne.

„Will man sagen“, fuhr er fort, „daß es ein verfassungswidri⸗ ges Mittel sey, durch Verweigerung der Subsidien —- geinze drl. gierung zur Gerechtigkeit zu noͤthigen: Ist es nicht der Wunsch des ganzen Landes, daß das Unterhaus dem Tory⸗Ministerium durch Vorenthaltung der Subsidien Hindernisse in den Weg lege, und er⸗ wartet man nicht, daß binnen zehn Tagen dieser Versuch gemacht werden wird? (Hort, boͤrt!) Der vorige Redner hat meinen Brief entstellt, indem er nur ein Stuͤck daraus s Ich habe den Kanadiern aus verschiedenen Gruͤnden empfohlen, alle friedliche

Mittel zu versuchen, ehe sie zu den Waffen greifen. Der einzige

ten Todesfaͤlle wird jetzt (Abends 5 Uhr) auf 43 angegeben,

Stewart sagte, diese Petition sey von Irlaͤndischen, Schottischen

ben aus Kanada vor, worin es geradezu hieß, daß die Kosoni:;