1835 / 86 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 27 Mar 1835 18:00:01 GMT) scan diff

Schluß zieht, Krieges, unbilligen Beschraͤnkungen unterworfen werden

sich seit sieben Tagen aufgehalten, zu begeben und daselbst eidlich zu erklaren, daß sie, als nicht zur Anglikanischen Kirche gehoͤrig, nicht nach deren Ritus getraut werden wollen, daß sie volljaͤhrig sind oder die Einwilligung ihrer Aeltern oder Vormuͤnder haben, und daß sonst kein gesetzliches Hinderniß ihrer Verehelichung im Wege steht. Innerhald wenigstens 14 Tagen oder hoͤchstens 3 Monaten nach dieser Eides⸗Ablegung haben die Parteien sich wieder einzustellen und die einfache Formel zu unterschreiben, daß sie sich ats Mann und Frau ansehen. Diese Erklaͤrung wird dann dem Bezirks⸗Geistlichen zugesandt, welcher sie eben so zu registriren verpflichtet ist, als ob die Trauung von ihm selbst vorgenommen worden waͤre. Die Sporteln betragen nur 2 Sh. fuͤr die Civil⸗Behoͤrde und 5 Sh. fuͤr die Geistlichen. Durch diese Maßregel wird eine sehr ernstlicht Beschwerde hin⸗ weggeraͤumt, die bisher auf allen Dissenters lastete.

Nach den von Sir James Graham eingebrachten Bills uͤber den Matrosen⸗Dienst soll die Krone das Recht haben, die Dienste aller Seeleute fuͤr die Koͤnialiche Marine in Anspruch zu nehmen, und koͤnnen dieselben vorkommenden Falls kraft einer foͤrmlichen Proclamation zu diesem Dienste eingezogen werden, jedoch nicht laͤnger als auf 5 Jahre und nur fuͤr einmal. Den Freiwilligen soll ein Dienstjahr im Kriege fuͤr zwei Dienstjahre im Frieden augerechnet werden. Nach 20jaͤhrigem Dienst sollen die Matrosen zu Pensionen berechtigt seyn, welche sie, falls sie noch ferner dienstfaͤhig sind, neben ihrem Solde beziehen koͤnnen. Diese Maßregeln bezwecken eine wirksamere Bemannung der Friegs⸗Marine und die Abschaffang der barbarischen Sitte des Matrosenpressens und haben vereits im voraus die Zustimmung der Minister erhalten. Die Bestimmung jedoch, daß, um die Gesetze uͤber die Handels⸗Marine des Vereinigten Koͤnigreichs zu konsolidiren, eine allgemeine Registrirung der auf den Kauf⸗ fahrtei⸗Schiffen dienenden Matrosen vorgenommen werden soll, wird von mehreren Seiten angefochten, weil man daraus den daß diese Klasse, besonders im Fall des Ausbruchs

duͤrste. Herr Henry Lytton Bulwer hat jetzt erst auf das letzte von

einen Konstituenten an ihn gerichtete tadelnde Schreiben geant⸗

füͤhl erst zu beschwichtigen und jede Bemerkung,

wortet; er sagt, er habe so lange gezoͤgert, um jedes bittere Ge⸗

die zu Hader

und Zoist fuͤhren koͤnnte, zu vergessen. Uebrigens, meint er,

keue er sich, Fahren lasse, zu sagen, daß man keinen Grund sehe, ihm das bisherige Vertrauen zu entziehen, und versichert, er werde sich,

hofft aber, daß er im Parlament

schlag war ihm noch nicht geantwortet.

daß man ihm wenigstens die Gerechtigkeit wider⸗

so lange ihm die Ehre bleibe, die Waͤhler von. Marylebone zu repraͤsentiren, dieses Vertrauens gewiß stets wuͤrdig zeigen; er man 88 deshalb nicht achten werde, weil nach seiner eigenen Ueberzeugung und Einsicht handeln wolle, 3 248 w sh⸗ Vom Lap sind Zeitungen bis zum 17. Januar hier ein⸗ gegangen; sie melden, daß der Kassern⸗ Haͤuptling Tayli eine Bovtschaft an den Oberstlieutenant Somerset gerichtet und dem⸗ elben, die Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschlagen habe. r beklagt sich daruͤber, daß er von den Kolonisten sehr unge,⸗

recht behandelt, daß ihm sein Gebiet und Eigenthum mit Ge⸗

walt weggenommen worden, und daß er daher zu seiner Selbst⸗ vertheidigung die Waffen gegen die Kolonte ergriffen habe, jetzt

aber, nachdem er sich fuͤr seinen Verlust entschaͤdigt, bereit sey, seine Streitkraͤfte zuruͤckzuziehen, wenn die Englaͤnder das Land

bis an den großen Fischfluß raͤumen wollten. Auf diesen Vor⸗ Die Einwohner der Kolonie am Kat⸗River waren in ihren Wohnungen geblieben. Hiesige Blaͤtter entlehnen der zu Louisville in Nord⸗ Amerka erscheinenden Zeitung folgende Nachricht: „Aus einem Briefe, der in dieser Woche von einem Polnischen Auswanderer

aus Neu⸗HOrleans hier eingegangen ist, ergiebt sich, daß gegen

20 seiner Landsleute, denen es an allen Unterhaltsmittteln fehlte, und die sich daher von Neu⸗Orleans zu Lande durch das Gebiet on Texas nach Meriko begeben wollten, da sie keinen Weg⸗ weiser hatten und mit der Gegend unbekannt waren, sich gaͤnzlich verirrten und zuletzt auf etnen zahlreichen Trupp Indianer trafen, von dem ste sogleich angegriffen wurden. Die Polen hatten nur wenige Flinten, hielten aber en Kampf lange aus, der sehr blutig war, und in dem sie eine Menge von ihren Feinden toͤdteten; aber auch sie wurden hart mitgenommen; zwei von ihnen blieben auf dem Kampfplatz, und lle die uͤbrigen wurden verwundet; nur ein Einziger war im Drande, wieder nach Neu⸗Orleans zuruͤckzugelangen, um vom Schicksal seiner Freunde Nachricht zu geben. Was aus den Ver⸗ wundeten geworden ist, weiß man nicht.“ 1 Zeitungen aus Caraccas bis zum 25. Januar melden, daß General Paez am 2o0sten nach Ablauf seiner Verwaltungs⸗ Zeit sein Amt als Praͤsident von Venezuela niedergelegt hatte; er erließ eine Adresse an den Senat und das Revpraͤsentanten⸗ Haus und eine zweite an das Volk, und gedenkt in beiden mit

Freuden der Aussicht auf eine baldige Ausgleichung mit Spa⸗

nien. Herr Vargas, der mit großer Mehrheit zu seinem Nach⸗ folger erwählt worden war, weigerte sich zwar, den ihm ange⸗ tragenen Posten anzunehmen, man glaubte aber, daß er wohl noch nachgeben wuͤrde. 11“

MNiederlande. 38

Ueber die Hollaͤndische Staats⸗Schuld giebt eine, in der Pölitzschen „Uebersicht der neuesten staatswissenschaftlichen Lite⸗ ratur“ enthaltene Recension, unter Zugrundlegung der Schrift: „Geschichtliche Darstellung der Niederlaͤndischen Finanzen, von W. F. Osiander“ (erstem Buchhalter in dem Banquierhause Hope in Amsterdam) folgende Auskunft: „Nach den anfangs gemachten Fehlgriffen im Finanzwesen kam es dann, und mußte s kommen, daß sich schon in den Jahren 1823 bis zu Ende des Jahres 1828 im Durchschnitte ein, theils offenkundiges, theils stilles jaͤhrliches Defizit von ungefaͤhr 16 Millionen Gulden berechnen ließ, das sich denn seit der Belgischen Revolution, und seit der Lostrennung dieses Theiles vom Niederlaͤndischen Steaate, fortwaͤhrend auf eine sehr bedeutende Weise vermehrt, und die Verlegenheiten, mit welchen die Niederlaͤndische Finanz⸗ Verwaltung seitdem fortwaͤhrend zu kaͤmpfen hatte, auf das auf⸗ fallendste gesteigert hat. Im Anfang des Jahres 1830 betrug die zu dritthalb Prozent verzinsliche wirkliche Niederlaͤndische Staats⸗Schuld, oder die Masse der sogenannten Integralen, 780 Millionen Gulden. Dazu kamen nun die seitdem nothwendig gewordenen neuen Anlehen, von welchen zwar ein Theil wie⸗ der abgetragen ist, aber immer nicht weniger als 192,900,000 Gulden annoch, theils zu fuͤnf, theils zu 6 Prozent, zu ver⸗ zinsen sind; und weiter kommen noch hinzu 107 Millionen zu fünftehalb Prozent, und 29,100,000 zu viertehalb Prozent ver⸗

5 zinsliche Syndikats⸗Obltgationen, so wie ungefaͤhr 20 Millionen nicchht eingeloͤsete Domainen Loos⸗Renten, so daß also bis zu Ende

des Jahres 1833 die verzinsliche Niederlaͤndische Staats⸗Schuld Außerdem belief sich

sich auf 1129 Mill. Gulden herausstellt.

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der Betrag der sogenannten todten, allmaͤlig zu tilgenden Schuld noch auf 816,691,600 Gulden. Zur Verzinsung dieser Schuldmasse, so wie zum Einkaufe der jaͤhrlich zu vernichtenden Partien der todten Schuld aber sind jaͤhelich erforderlich 39,183,500 Gulden, und diese, verbunden mit bem uͤbrigen Staagts⸗Auf⸗ wande, diesen zu 33,000,000 angenommen, erfordern ein jaͤhrli⸗ ches Einkommen von 72,183,500 Gulden. Da sich indeß dieses nicht hoͤher berechnen laͤßt, als auf 52,500,000 Gulden, so er⸗ giebt sich ein jaͤhrliches Defizit von nicht weniger als 19,683,500 Gulden, das sich auf 11,283,500 Gulden vermindern wuͤrde, wenn Belgien den ihm in den bekannten 24 Artikeln der Lon⸗ doner Konferenzen zugewiesenen Zins⸗Antheil von 8,400,000 richtig bezahlen wuͤrde, was der Verfasser jedoch noch fuͤr sehr zweifelhaft ansieht, weil Belgien, eben so wie Holland, sich waͤh⸗ rend des Kriegs⸗Zustandes in Schulden zu druͤckenden Bedin⸗ gungen gesteckt habe, und Muͤhe haben werde, bei wiederherge⸗ stelltem Frieden seinen Haushalt so zu ordnen, daß die Staats⸗ Einkuͤnfte zur Bestreitung der Staats⸗Beduͤrfnisse hinreichend seyn werden, eine bedeutende Vermehrung der Staats⸗Einnahme durch neue Abgaben abder nicht zu erzielen seyn duͤrfte, indem das Volk eine druͤckende Besteuerung dort nie ertragen werde. Aber eben so wenig werde eine weitere Vermehrung der Staats⸗Einnahme zur Deckung des sich in Holland ergebenden, vorhin angegebenen Defizits in Holland moͤglich seyn. Denn das Maß der Besteuerung koͤnne nicht anders als vollgemessen seyn, wenn, wie in Holland, eine Bevoͤlkerung von ungefaͤhr drittehalb Millionen Seelen, bei keinem großen Naturreich⸗ thume des Landes, 45 Millionen Staats⸗Ausgaben aufzubrin⸗ gen, und außerdem noch besondere Abgaben fuͤr das Amortisse⸗ ments⸗Syndikat 13 pCt. Erhoͤhung auf einen großen Theil der Steuern, so wie die Auflagen fuͤr die Provinzen und Kommunen, dann den Bedarf fuͤr die Unterhaltung der Daͤmme, Wasserwerke und Wassermuüͤhlen zu tragen habe, wodurch sich 89 Brtrag der jährlichen Abgaben der Nation auf 70 Millionen eigere.“

Amsterdam, 21. Maͤrz. Waͤhrend dieser Woche war der Handel in Staats⸗Papieren im Ganzen nicht so lebhaft und von Bedeutung, wie es hier in letzter Zeit der Fall gewesen ist. Eine maͤßige Frage erhielt sich nach Hollaͤndischen Fonds, wodurch die Preise von Integralen und Kanz⸗Bihets sich waͤhrend der ersten Haͤlfte der Woche allmaͤlig etwas voͤher stellten, so dah erstere wie⸗ der 56 19 Ct. und letztere 2670, Fl. erreichten. Seit Ankunft der letzten Englischen Post, womit zugleich Nachrichten von Nord⸗ Amerika eingingen, in denen man Besorgnisse finden wollte uͤber eine ernsthafte Wendung der Franzbsischen Entschaͤdigungs⸗Angele⸗ genheit, entstand jedoch wieder einige Flauheit; jene Nachrichten chienen besonders, nebst einem nicht nach Wunsch ausgefallenen oͤf⸗ fentlichen Thee Verkauf der hsgcgeh Handels⸗Gesellschaft, auf deren Actien einen staͤrkeren Eindruck zu machen, indem solche von 107 8 pCt. erst auf 106 ¾ und gestern auf 104 ¾ pCt. herunterginsen; Syndikat⸗Obligationen haben sich auf den Cours von 95 à 95 ½ be⸗ hauptet. Unter den auswaͤrtigen Fonds waren alle Art Loose sehr begehrt, am meisten aber Preußische Praͤmien⸗Scheine, die gestern mit 117 ½ Fl, und neue Wiener, die mit 725 Fl. bezahlt wur⸗ den. Der Einfuͤhrung an hiesiger Boͤrse von Coupons oder Loosen eines kuͤrzlich zu Stande gekommenen, in Antwerpen domicilirten Auleihe⸗Lotterie⸗Geschaͤfts auf Franzoͤsische und Russische Renten scheinen von Seiten der hiesigen Behoͤrden Schwierigkeiten zu be⸗ gegnen, doch lassen sich die hiesigen Banquiers, welche die Freiheit der Amsterdamer Boͤrse vertheidigen zu müssen glauben, hierdurch nicht irre machen; der Preis der Actie von 500 Francs, zu welcher fuͤnf Coupons angehdren, foll auf 266 à 270 Fl. zu stehen kommen. Der Handel in Spanischen Fonds hat die Spekulanten im Laufe der Woche wieder am meisten beschaftigt: höhere Notirungen von London und Antwerpen, vorzuͤglich viele Auftraͤge von letzterem Platze auf Cortes⸗Coupons und aufgeschobene Schuld brachten de⸗ ren Course merklich boͤher; 5 vCt. Perpetuelle galten 4917, Cortes⸗ Obligationen 49 ¼, aufgeschobene Schuld 21 ½¾ pCt., wichen aber in

den beiden letzten Tagen saͤmmtlich etwa ¾ vCt. wieder zuruͤck, wo⸗

gegen Cortes⸗Coupons die steigende Richtung bebielten und gestern noch zu 28 pCt. lebhaft umgesetzt wurden. Von den Suͤd⸗-Ameri⸗ kanischen haben sich Columbische Obligationen etwas gebessert und auf 28 ½ pCt gestellt, die uͤbrigen sind preishaltend geblleben. Geld war zu haben und zu lassen: bei Leihungen zu 2 ¾ à 3 pCt. und bei Prolongations⸗Geschaͤften zu 3 ½¾ à 4 Ct. Am Getraide⸗Markt blieb wieder eine flaue Stimmung und Geschaͤftslosigkeit vorherr⸗ schend; von weißem Weizen trafen einige Ladungen ein, die nur zu niedrigeren Preisen untergebracht werden konnten; dadurch wurde auch rothe Waare etwas btlliger abgelassen. Alter und neuer Rog⸗ gen gingen nur bei kleinen Quantitaͤten an Verbraucher ab, und die Stimmung fuͤr Hafer war weniger guͤnstig. Die bekannt geworde⸗ nen Preise sind: von 122 pfuͤnd. bunten Polnischen Weizen 170 Fl.:; von 124 pfüͤnd. Koͤnigsverger dito 160 Fl.; von 128. 129pfuͤnd. Luͤ⸗ becker 160. 162 Fl.; von altem 119 pfünd. Preußischen Roggen 144 Fl.; von 120pfünd. Rheinischen dito 140 Fl.; von 120pfünd. Stet⸗ tiner 142 Fl.; von 75. 83pfüͤnd. neuen dicken Hafer 75. 86 Fl.; von 84pfuͤnd. neuen feinen dito 95 Fl. ““

Bruͤssel, 20. Maͤrz. Madame Adelaide, deren Ankunft

zu Bruͤssel gestern gemeldet ward, ist von der Prinzessin Marie und dem Prinzen von Joinville begleitet.

Polen. S.

Warschau, 22. Maͤrz. Am Mittwoch wurde von Sr. Durchlaucht dem Feldmarschall Fuͤrsten von Warschau bei dem Ujasdowschen Palast vor der Stadt eine Musterung uͤber die aus dem hier in Garnison liegenden Tscherkassischen Regiment, dem Linien⸗Kosaken⸗Regiment und dem kuͤrzlich angekommenen Muselmaͤnnischen Regiment bestehende Kavallerie⸗Brigade abge⸗ halten. Der Feldherr war mit den Manoͤvers dieser Truppen sehr zufrieden. Die Tataren zeigten eine Geschicklichkeit und Behendigkeit gleich der, die den alten Parthern nachgeruͤhmt wird. Um 2 Uhr Mittags gab der Fuͤrst⸗Statthalter auf der Schloß⸗Terrasse dem Muselmaͤnnischen Kavallerie⸗Regiment un⸗ ter Zelten ein Diner und nahm selbst, umgeben von den Sulta⸗ nen und Aeltesten des Regiments, daran Theil. Der ganze Schmaus war in Asiatischem Styl angeordnet; Wein und andere starke Ge⸗ traͤnke, außer Meth, kamen nicht dabei vor. Die Tafel⸗Musik wurde mit Orientalischen, hier nicht bekannten Instrumenten ausgefuͤhrt. Mit Begeisterung brachten diese Truppen die Gesundheit des Feldmarschalls aus, unter dem sie im letzten Kriege gegen die Hissen gekämpft und manches Ehrenzeichen errungen haben. Nach dem Essen wurden zur allgemeinen Ergoͤtzung der zahlreich versammelten Volksmenge von den Gemeinen des Regiments National Lieder angestimmt und allerhand militairische Exercitien ausgefuͤhrt. Diese Truppen werden in der Umgegend von So⸗ chaczewo Quartiere beziehen.

Der Violinist Herr Lafont ist hier angekommen und wird naͤchstens ein Konzert geben.

Deutschland.

Kassel, 21. Maͤrz. In der heutigen Sitzung der Staͤnde⸗ Versammlung wurde auf den Antrag des Praͤsidenten beschlossen, einen von dem Land⸗Syndikus verfaßten Bericht uͤber die land⸗

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staͤndische Geschaͤftslage drucken zu lassen und in einer sten Sitzungen zu diskutiren; die Staats⸗Regierung baldige Vorlage des Landtags⸗Abschiedes zu ersuchen.

Muͤnchen, 20. Maͤrz. Hiesigen Blaͤttern zufolge, ist e Durchlaucht der Feldmarschall Fuͤrst von Wrede diesen Morgn in Beglettung des Majors von Perceval, nach Wien abgertif

Nachrichten aus Wien zufolge, war der Kronprinz i Bayern bei den letzten Augenblicken des Kaisers Franz zugegn Se. Koͤnigl. Hoheit wird erst im naͤchsten Monate von W. hier zuruͤck erwartet.

In Betreff der National⸗Garde in Vapern ist eine Ve fuͤgung erlassen worden, welche eine strengere Theilnahme z. Buͤrger an dem Waffendienst und an den Uebungen bezwech In Zakunft werden Milttair⸗Offtziere zur Einuͤbung der Vih ger in die einzelnen Staͤdte und Maͤrkte abgesendet werden. Ie Kreis⸗Kommandanten haden jaͤhrlich wenisstens einmal am

der na⸗ aber

Inspections⸗Reise vorzunehmen. Besonders soll dahtn getraslt

tet werden, daß in den großen Staͤdten die bereits zu in Schwadron verminderte Reiterei moͤglichst verstaͤrkt werden mig

Den neuesten Nachrichten aus Griechenland zufolge, der Koͤnig Otto von Nauplia, wohin Se. Majestaͤt auf Hinn der dortigen Einwohner, zur Feier des Tages der Landung 9 Maj. auf Griechischem Boden, sich begeben hatte, am 14 0. wieder in seiner Residenz⸗Stadt Athen eingetroffen. Die Aie im Lande ist andauernd und floͤßt der Regierung so viel Zug⸗

sicht ein, daß sie die Werbung in Bayern einstellen ließ uh auch das Werbe⸗Geschaͤft im Lande selbst nicht mehr so dig

betreibt; dagegen sucht sie das Gendarmerie⸗Corps zu verstärta um den Klephten oder Raͤubern das Handwerk einigermaßen legen. Uebrigens stimmen alle Nachrichten darin uͤberein, zi man im Lande allgemein den Tag (1. Juni) mit Sehnsucht wartet, an dem die Bayerischen Staatsmaͤnner abtreten und e Koͤnig den Thron besteigt; die Griechen meinen, ob mit Rah oder Unrecht, sey dahin gestellt, es wuͤrde dann besser gah Indessen halten es unterrichtete Personen, die aus Griechenl zuruͤckgekehrt sind, fuͤr unmoͤglich, daß der Koͤnig die Regierm d- ren koͤnne, ohne ein neues Anlehn zu machen. Das en nlehn ist schon fast gaͤnzlich aufgezehrt, die Steuern wen⸗ noch lange nicht regelmaͤßig fließen, dabei sind unter Anden keine Schulen und keine Flotten vorhanden und die Corpt e Freiwilligen (ungefaͤhr 9500 Mann) wollen täglich bezahlt sen Von einer Ctvik⸗Liste des Koͤnigs (der uͤbrigens seine Baperss Apanage fortbezieht) soll gar nicht die Rede seyn koͤnnen.

Stuttgart, 22. Maͤrz. Man schreibt aus Oehringen „Am Sonntage den 8. Maͤrz fand die Verlobung der einjige Tochter unseres Fuͤrsten, der Prinzessin Mathilde zu Hohenlch Oehringen, mit Sr. Durchlaucht dem Erbprinzen Guͤnther Schwarzburg⸗Gondershausen statt.“ 1t

Karlsruhe, 21. Maͤrz. Auf Veranstaltung der Oese reichischen Gesandtschaft fand gestern in der hiesigen 1eg Kirche ein feterlicher Trauer⸗Gottesdienst fuͤr weiland des hoöch seligen Kaisers Franz von Oesterreich Mäajestat statt, welche der Großherzog und die Großherzogin, die Mitglieder der Gn herzoglichen Familie, die uͤbrigen dermalen hier anwesenden Fülg lichen Personen, der gesammte Hofstaat, das diplomattsche Corg die Minister und die saäͤmmtlichen oberen Civil⸗ und Militat Behoͤrden, so wie das Osfsizier, Corps der Residenz, beiwohnt

Das Großherzogl. Staats⸗ und Regierungs⸗Blaß enthaͤlt folgende Verordnung: „Leopold ꝛc. Auf den Vort Unseres Ministeriums des Innern, wonach die Fuͤhrung u das Tragen verborgner Waffen auf eine, die oͤffentliche Sice heit bedrohende Weise uͤberhand genommen hat, finden Wir et⸗ veranlaßt, zu verordnen: Art. 1. Verborgene Waffen, namant lich Wendbuͤchsen in Form eines Stocks mit abgeschraubtem 9 ben, Abschraub⸗Gewehre jeder Art und Stockflinten, desgleiche Dolche und dolchartige Messer, wie auch Stoͤcke, welche 606 lets oder Degen in sich fassen, duͤrfen weder oͤffentlich noch ie steckt getragen werden. Art. 2. Ausgenommen von diese Verbote sind Reisende jeder Art, wenn sie sich als solche d— weisen koͤnnen, und so lange sie unterweges sind. Art. 3. Ne. jenige, welcher gegen dieses Verbot handelt, verfaͤllt, neben h auf den gesetzwidrigen Gebrauch solcher Instrumente gesehw Strafe, in eine poltzeiliche Strafe von 10 Gulden oder eie zehntaͤgige buͤrgerliche Arrest⸗Strafe. Nebstdem hat die) lizei⸗Behoͤrde diese Gewehre und Waffen zu zerschlagen oder! andere Weise unbrauchbar machen zu lassen.“

Frankfurt a. M., 22. Maͤrz. Die von Seiten des 6 nats fuͤr Se. Majestaͤt den Hoͤchstseligen Kaiser Franz I. n Oesterreich in den christlichen Kirchen und der Israelitisc Synagoge angeordnete Trauer⸗Feierlichkeit wurde heute mit ih dem erhabenen Gegenstande angemessenen Wuͤrde und Andet begangen. Gestern Abend wurde das Fest durch das eine 90 Siunde andauernde Gelaͤute aller Glocken angekuͤndigt; dast wurde heute Morgen von 6 bis 7 Uhr wiederholt. Um 9 U. begann der feierliche Gottesdienst. In der lutherischen Kirche zug

Paut, der Deutsch⸗reformirten und der Bartholomaͤt⸗Kirche wohna sh

das diplomatische Corps, der Senat und die staͤndige Buͤrger⸗Noyll sentation, die Militair⸗Kommission, der Kaiserl. Oesterreich ische neral⸗Stab und viele Koͤnigl. Preußische Offiziere, das Offtzier⸗Lmn

der Stadtwehr und des hiesigen Linten⸗Militairs derselben bei. Nühd der Pauls⸗Kirche wurde der Gottesdienst mit einem Trauaggeg Gesang des Lieder⸗Kranzes eröffnet, worauf der erste angersah Hierauf beige

nete Gesang von der ganzen Gemeinde folgte. der geschaͤtzte Kanzel⸗Redner Dr. Friedrich die Kanzel un hielt eine dem großen Gegenstande gewidmete Rede, die tief zu. Herzen drang und jeden Zuhoͤrer auf's Innigste ergriff. . herrliches Schluß⸗Gebet endigte den Gottesdienst. In b Israelitischen Synagoge wurden feierliche Gebete abgesung und Herr Dr. Creiznach hielt eine treffliche Rede, die vong ganzen Versammlung mit begeisterter Theilnahme aufges wurde. Gegen Abend beschloß ein abermaliges Gelaͤute

allen Glocken, das uns noch einmal auf das Schmerzlichste den großen Verlust erinnerte, den wir durch das Hinschelhe Franzl. erlitten hatten, die Trauer⸗Feier. 8

Oesterreich. Wien, 21. Maͤrz. Se. Kaiserliche Majestaͤt Ferdinand

haben befohlen, daß die Regimenter „Kaiser Infanterie“, „LeM ser Jaͤger“, „Kaiser Kuͤrassier“, „Kaiser Chevauplegers“, 78 Miü

ser Husaren“ und „Kaiser Uhlanen“, fernerhin den Namen ser, und das 4te Kuͤrassier⸗Regiment den Namen seines bit

gen zweiten Inhabers, Feldmarschall⸗Lieutenants Raban Fr gen

herrn von Spiegel, zu fuͤhren haben. 1

Konstantinopel, 28. Febhr. Die Tuͤrkische Zeitul

enthaͤlt einen ausfuͤhrlichen Bericht uͤber den Entschluß Sr. lh

heit, die abgebrannten und haufaͤlligen Moscheen und Kapele nach und nach wieder aufbauen zu lassen, und den Gehalt!

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zgebornen

Moscheen⸗Beamten und Diener der frommen Stiftungen zu ystemisiren und zu erhoͤhen.

Aus Albanien soll die Pforte in den letzten Tagen wich⸗ lge Nachrichten erhalten haben; im Publikum laufen die wider⸗ drechendsten Angaben hieruͤber um; indessen ist aus dem Um⸗ kande, daß die Pforte das groͤßte Geheimniß beobachtet, nichts Gates zu folgernrn. b

Aus Alexandrien ist noch immer keine neue, beruhigende Nachricht hier eingetroffen, und man lebt daher fortwaͤhrend in er aͤngstlichsten Spannung. Die Ruͤstungen dauern fort.

Griechenland. Athen, 15. Febr. (Muͤnch. pol. Ztg.) Vorgestern sind

e. Majestaͤt der Koͤnig von Nauplia wieder hier eingetroffen.

Am 6. Februar wurden zugleich die Gerichte in Athen, de⸗ en wir drei haben, der Cassationshof, das Appellations⸗ gericht und das Bezirksgericht, feierlichst eroͤffnet.

Es soll eine Eliten⸗Phalanx gebildet werden, deren Bestim⸗

mmung seyn soll, die Leibwache des Köͤnigs zu bilden und Ihn

stts zu begleiten. Sie wird, wie man versichert, nur aus ein⸗ Griechen bestehen und das National⸗Kostuͤm tragen. Dem Vernehmen nach wird man naͤchstens mit Einrichtung

lbes Museums beginnen.

Die Regierung hat mit dem Banquier Feraldi einen hoͤchst

se wichtigen Vertrag abgeschlossen, in Folge dessen Herr Feraldi in einer bestimmten Frist eine Eisenbahn von Athen nach dem

iraͤus anzulegen verspricht.

Aegypten.

Die Allgemeine Zeitung berichtet in einem aͤlteren Schreiben aus Kahira: „Die Nachrichten von der Pest in Aexandrien erregten hier Anfangs großen Schrecken; viele Eu⸗ opäische Familien waren schon bereit, nach Ober⸗Aegypten zu flchten. Der Kriegs⸗Minister rief sogleich eine Raths⸗Versamm⸗

llung von Aerzten zusammen; es wurde viel gesprochen, viel ge⸗

striiten, aber nichts ausgefuͤhrt; man wollte einen Kordon ziehen, eine Quarantaine errichten, den Soldaten bessere Kleidung und bessere Nahrung geben; doch am Ende blieb Alles beim Alren. die Briefe aus Alexandrien meldeten zu Anfang Dezembers, daß 20 bis 40 Personen täͤglich an der Pest stuͤrben, daß die ersten Handelshaͤuser sich eingeschlossen haͤtten, daß ein Arzt die keiche eines an der Pest Gestorbenen habe oͤffnen wollen, weil er uͤberzeugt gewesen, keine Pest⸗Symptome an dem Todten zu finden, daß aber die Oeffnung von der Regierung nicht erlaubt worden sey. Einige Tage späͤter kamen dann Nachrichten, daß keine Pest, sondern eine andere toͤdtliche, doch nicht ansteckende Krankheit in Alexandrien gewesen waͤre; daß nur die an der Quarantaine angestellten Aerzte und der Gesundheitsrath An⸗ fangs irre gefuͤhrt worden, oder auch, um sich wichtig zu machen, das Daseyn der Pest ausgesprochen haͤtten, und daß sie dann spaͤter, ob sie gleich ihren Irrthum eingesehen, doch aus Furcht, der Unfaͤhigkeit beschuldigt zu werden, starrsinnig bei ih⸗ rer ersten Meinung geblieben waͤren. Man sieht, wie nachlaͤssig die Regierung in solchen Fäͤllen ist, die doch so wichtige Folgen fuür das Land und den Handel nach sich ziehen, und wie wenig fähige Individuen sie in ihrem Dienste daben muß, da deren Ausspruch so wenig Achtung und Glauben findet. Zu der⸗ selben Zeit, als die Nachrichten von der Pest ankamen, wurde ier die Ankunft des Ibrahim Pascha angekuͤndigt, der seinen allen Vater mit einem Besuche erfreuen wollte; es wurden Lwße Vorkehrungen zu seinem Empfange getroffen, Transpa⸗ inte, Triumphbogen errichtet, die Haͤuser neu angestrichen; die zabriken bekamen den Befehl, ihre Produkte bereit zu halten, um besichtigt zu werden; Soliman Pascha, ein Franzoͤsischer Re⸗ negat, wurde dem Ibrahim entgegengeschickt, und Einige behaup⸗ hten, daß er in dessen Abwesenheit das Kommando in Syrien übernehmen werde. Aber ploͤtzlich kam von der Regierung der befehl, alle Vorkehrungen zu Ibrahim's Empfange einzustellen, und man erzaͤhlte sich, daß neue Unruhen in Syprien ausgebro⸗ ceen waͤren, die Ibrahim's schleunige Ruͤckkunft erfordert haͤtten. Nan weiß hier recht gut, daß die Pforte viele Emissarien in Syrien unterhaͤlt, daß sie kein Geld spart, um dort Unruhen zu earegen, daß sie 30,000 Mann Truppen an der Grenze aufge⸗ stlt hat; aber Mehmed Ali ist zu schlau, und zu gut von Al⸗ lem unterrichtet, um uͤberrascht zu werden. Man wird in Eu⸗ rops glauben, daß ein für Aegypten so wichtiges Ereigniß, wie die Unruhen in Syrien, großen Etndruck unter den . Ein⸗ wohnern machen muͤsse, aber im Gegentheil, man kuͤmmert sich hier wenig weder um Syrien noch um Arabien. Denn nicht das Volk, nicht Aegypten macht oder will Eroberungen machen, sadern Mehmed Ali. Erloschen ist hier aller Nationalstolz⸗ erskorben die Vaterlandsliebe; der Araber ist ein elender Sklave, dessen Brust keine Tugend erwaͤrmt, und der kleine Rest der alten Aegyptier, die Kopten, gleichen den ausgegrabenen Mu⸗ mien; sie sind nur wie die Huͤllen der großen Vorfahren, in die ein boͤser Daͤmon gefahren ist, denn nur um Laster dreht sich ihre Existenz. Daher kann der Vice⸗Koͤnig ruhig neue Ketten randere Voͤlker schmieden, in Aegypten wird er nicht gestoͤrt werden; der Anwohner des Nils ist materieller und moralischer Sklave. Man weiß hier recht gut, daß die Erhaltung Syriens mehr Geld und Menschen, als es je selbst liefern kann, kostet; Aegypten entvoͤlkert und ausgesogen wird, um die Anwohner es Orontes und des Jordans unter dem Joche zu erhalten. er auch nicht ein finanzieller Zweck vermochte Mehmed Ali, vrien zu behalten; er will dem Herzen des Feindes naͤher seyn, um ihm zu seiner Zeit den Todesstoß rascher geben zu koͤnnen, um vielleicht auch aus dem Sophien⸗Tempel neue Gesetze dem aͤllig ausgearteten Islamismus zu verkuͤnden. Die Nach⸗ ricken, die man hier uͤber den eldzug in Arabien hat, sind 1en sehr erfreulich; Achmed Pascha, dem alle Militair⸗Ta⸗ 9. mangeln, der sogar jetzt beinahe erblindet ist, hat sich zu 169 ins Land gewagt, und, auf Einmal vom Feinde umringt, ne Lebensmittel, sich gezwungen gesehen, einen Vergleich zu unterzeichnen, durch den er einen großen Strich Landes, der schon srobert war, wieder zuruüͤck gab. Zur Verstaͤrkung seiner Trup⸗ i8 ist vor 14 Tagen das 9te Linten⸗Infanterie⸗Regiment dahin 5 marschirt; es ist dasselbe, welches schon einmal doct war und degen Nichtausbezahlung des Soldes beinahe alle seine hoͤhern sijere ermordete. Die St. Simonisten, deren es hier eine enge giebt, machten noch im vorigen Jahre dem Vice⸗Koͤnig en Vorschlag, an der Spitze des Delta eine Bruͤcke uͤber den aue zu bauen ein wahrlich großes Werk. Mehmed Ali, dem

s Riesenartige gefaͤllt, nahm den Vorschlag an, und vor eini⸗ Monaten wurde die Arbeit angefangen. Dreihundert Bar⸗ den⸗ mit Steinen und Eisen beladen, kreuzten immerwaͤhrend auf 85 Nil Tausende von Haͤnden waren in Bewegung, um 8 gigantische Werk aufzurichten. Aber vor zwanzig Tagen im unerwartet der Befehi, die Arbeit liegen zu lassen; die faͤ⸗ 8. Individuen wurden auf andere Plaͤtze versetzt und die

in verabschiedet. Die Ursache dieser ploͤzlichen Veraͤnderung

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borenen uͤber die Gestorbenen kommen,

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sollen die Englaͤnder seyn, die Mehmed uͤberzeugt haben, daß das Werk auf die angefangene Art nicht ausfuͤhrbar sey.“

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 27. Febr. Die hiesige Times enthaͤlt Nachstehendes: „Als die Offiziere der hier vor Anker liegenden Franzoͤsischen Kriegs⸗Brigg ans Land stiegen, um sich zu ihrem Konsul zu begeben, wurden sie von etwa 50 60 Taugenicht⸗ sen umringt, die sie mit Geschrei und beleidigenden Worten bis zur Wohnung des Konsuls verfolgten. Ein solches Betragen muͤß von den Vernuͤnftigen aller Kiassen ernstlich gemißbilligt werden, und man muß aufrichtig wuͤnschen, daß die Verantwort⸗ lichkeit ganz allein die Schuldigen treffe. Unsere Mitbuͤrger sind unfaͤhig zu solchen Handlungen gegen Personen, die zu einer Nation gehoͤren, welche wir stets als unseren treuesten Bundes⸗ genossen betrachtet haben. Welches auch in diesem Augenblick die unter uns bestehenden Differenzen seyn moͤgen, wir muͤssen mit einander wetteifern in dem freundschaftlichen Betragen gegen diejenigen, welche auf unsere Großmuth rechnen. Diese Belei⸗ digung Franzoͤsischer Offiziere ist daher kein Beweis von den Gesinnungen des achtbaren Theils der Bevoͤlkerung.“

Der Courrier des Etats⸗Unis fuͤgt der Erzaͤhlung dieses Ereignisses noch Folgendes hinzu: „Am Montag, dem Geburtstage Washington's, waren die angesehenen Einwohner, die hoͤchsten Behoͤrden und die Offiziere der Miliz bemuͤht, durch die ausgezeichnetste Aufmerksamkeit gegen die Franzoͤsischen Offi⸗ ziere die Erinnerung an die denselben am vorhergehenden Tage widerfahrene Beleidigung zu vertilgen. Sie erreichten ihren Zweck vollkommen und die Offiziere der Brigg erklaͤrten sich mit dieser Genugthuung vollkommen zufrieden. Der Franzoͤsische General⸗Konsul, der streng uͤber die Ehre seiner Flagge wacht, hat sich in derselben Weise ausgesprochen. Nachdem die Brigg, welche mit allen Flaggen geschmuͤckt war, und an der Spitze des Hauptmastes die Amerikanische Admirals⸗Flagge trug, zur Ehre des Tages 24 Kanonenschuͤsse abgefeuert hatte, begab sich der Capitairn mit seinen Offizieren ans Land und in Begleitung des Maire der Stadt in die Wohnung des Generals Morton, wo bei ei⸗ nem Fruͤhstuͤck die herzlichste Aufrichtigkeit bald das Geschrei einiger Individuen der niedrigsten Klasse vergessen machte. Um 9 Uhr Abends wurden sie durch die Adjutanten des Generals Morton aus dem Hause des Konsuls zu einem von dem Gene⸗ ralstabe veranstalteten Ball abgeholt, wo sie der Gegenstand der Aufmerksamkeit aller Anwesenden waren, und sie verließen dies Fest mit der Ueberzeugung, daß ungluͤckliche Streitigkeiten uͤber Geld⸗Angelegenheiten die zwischen beiden, durch Freundschaft, Interesse und Erinnerung so eng verbundenen Nationen beste⸗ henden Bande nicht zu zerreißen vermoͤgen.“

Das Gesetz wegen der Entschaͤdigungen fuͤr das von Frank⸗ reich vor dem Jahre 1800 weggenommene Amerikanische Eigenthum ward, nachdem der Senat es angenommen, vom Repraͤsentanten⸗Hause verworfen. Die mit der Pruͤ⸗ fung desselben beauftragte Kommission, deren Praͤsident Herr Cambreleng war, erklaͤrte, daß in der gegenwaͤrtigen Session nicht mehr Zeit sey, einen Gegenstand von solcher Wichtigkeit noch zur Sprache zu bringen. Die Kommission verlangte, daß man ihr jede weitere Untersuchung erlassen moͤge, was ihr be⸗ willigt wurde.

Ein Blatt aus New⸗Orleans enthaͤlt Nachstehendes uͤber ein Attentat auf den Praͤsidenten des Repraͤsentanten⸗Hau⸗ ses von Louisiana, Labranch: „In dem Augenblick, wo der Praͤ⸗ sident seinen Sitz einnehmen wollte, wurde er von John R. Grymes mit einem Stocke angefallen. Genoͤthigt, alle Mittel zu ergreifen, um sich gegen einen so wuͤthenden Angriff zu verthei⸗ digen, zog er ein kleines Pistol hervor und druͤckte es auf sei⸗ nen Gegner ab, ohne ihn jedoch zu treffen. Grymes feuerte darauf ein Kavallerie⸗Pistol auf den Praͤsidenten ab, das mit einer Kugel und mit Bleistuͤcken geladen war. Die Kugel ging nahe an den Koͤpfen zweier Deputirten vorbei und streifte die Stirn des einen, und zwei Bleistuͤcke trafen den Arm und die Hand des Praͤsidenten. Die Kammer ernannte sogleich ein Co⸗ mité zur Untersuchung dieses Vorfalls.“ Ein Amerikani⸗ sches Blatt bemerkt in dieser Beziehung, daß die Ernennung eines Comité's unter diesen Umstaͤnden sehr unnuͤtz sey, und daß es zweckmaͤßiger gewesen waͤre, sich der Person des Schuldigen zu bemaͤchtigen und ihn der Gerechtigkeit zu uͤberliefern.

Brasilianische Zeitungen vom 7. Januar melden den Wiederausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Truppen von Flores und Rocafuerte und denen der Regterung von Quito. In der Stadt Guayaquil sind im September und Oktober 3000 Menschen an einer epidemischen Krankheit gestorben. Den Zustand von Peru schildern hiesige Blaͤtter als sehr zufriedenstellend. Der General Gamarrez hat erklaͤrt, daß er sich der Regierung zu Lima nicht widersetzen wollte, und ist nach Bolivien gegangen. Es ist eine neue Constitution proklarnirt. Chili ist ruhig, aber man fuͤrchtet neue Unruhen bei der Praͤst⸗

denten⸗Wahl. Zwischen der Regierung von Chile und dem Fran⸗

oͤsischen Konsul sind Mißhelligkeiten ausgebrochen, und Letzterer son Santiago verlassen haben. Die Ursache wird in den Brasi⸗ lianischen Blaͤttern nicht angegeben.

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Berlin, 26. Wah Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz hat dem zu Stuttgart bestehenden Vereine zur Erhaltung der Hohenstauffischen Alterthuͤmer einen Beitrag von 200 Rthlr. gnaͤdigst gelh lassen.

Des Kaisers von Rußland Majestaͤt haben dem Pro⸗ fessor Dr. Juͤngken hierselbst fuͤr seine Schrift uͤber die in der Belgischen Armee ausgebrochene contagioͤse Augen⸗Krankheit, nachdem solche von dem Kaiserl. Russischen Medizinal⸗Rathe gepruͤft und belobt, auch zur Belehrung der dortigen Militair⸗ Aerzte in das Russische uͤbertragen worden, in Anerkennung der, durch jene Schrift der Heilkunde geleisteten Dienst einen werthvollen Brillant⸗Ring zustellen zu lassen geruht.

Der Danziger Landkreis zaͤhlte am Schlusse des vorigen Jahres in 243 Ortschaften 52,726 Einwohner, wovon 26,535 maͤnnlichen und 26,191 weibltchen Geschlechts, d. i. da dieser Kreis 18 ½ M. enthaͤlt, 2850 Einwohner auf die M. Die Bevoͤlkerung hat seit 3 Jahren um 2661 Seelen zugenommen, wovon jedoch nur 679 auf den Ueberschuß der Ge⸗ die uͤbrigen 1982 aber auf Uebersiedelung zu rechnen sind. Geboren wurden im ver⸗ flossenen Jahre 2312 Kinder (1194 Knaben und 1118 Maͤdchen), worunter 39 Zwillingspaare. Es starben 1679 Personen (877 maͤnnlichen und 802 weiblichen Geschlechts), so daß sich ein Ue⸗ berschuß an Mehrgeborenen von 633 ergiebt. Unter den Gestor⸗ benen waren 9 Personen, die ein Alter von mehr als 90 Jah⸗ ren erreichten. Getraut wurden im vorigen Jahre 511 Paare. Da der Danziger Kreis keine Staͤdte hat, so ist der Haupt⸗Er⸗ werbszweig seiner Brwohner der Landbau, und es moͤchte daher

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nicht ohne Interesse seyn, den vorhandenen Viehbestand kennen zu lernen. Am Schlusse des Jahres 1834 waren vorhanden: 11,817 Pferde und Fuͤllen, 16,415 Haͤupter Rindvieh, 38,231 Schafe, worunter 20,864 ganz veredelte, endlich 12,820 Schweine. Der Vergleich mit der letzten Zaͤhlung im Jahre 183!1 ergiebt fuͤr diese 3 Jahre einen Zuwachs von 1408 Pferden, 2726 Stuͤck Rindvieh, 7501 Schafen und 1044 Schweinen.

In Breslau ist man gegenwaͤrtig mit dem Umbau der dortigen Schloßbruͤcke, die laͤnger als 2 Jahrhunderte bestan⸗ den hat (sie wurde im Jahre 1612 erbaut), beschaͤftigt. Die neu aufzufuͤhrende Bruͤcke soll 30 Fuß breit werden; sie wird sonach fast die ganze Breite der Schloßstraße einnehmen, und zu beiden Seiten steinerne Trottoirs und eiserne Gelaͤnder er⸗

alten. Am 18ten d. M. entstand in Schurgast im Falkenber⸗ ger Kreise des Reg. Bez. Oppeln Feuer, wodurch 6 Haͤuser nehst

Stallungen eingeaͤschert wurden. ““ 8 Fösch 111 Musik.

ur Erinnerung an den Sterbetag Beethoven's hatte am 25sten d. 85 Herr Mustt Direktor Moͤser eine musikalische Abend⸗Unter⸗ haltung veranstaltet, in welcher der Trauer⸗Marsch aus der „Sin⸗ fonia eroica“ die Todten⸗Feier wuͤrdig eroͤffnete. Herr Kruͤger sprach bierauf jenes schoͤne, dem unsterblichen Meister der Toͤne gewidmete Gedicht von dem Baron von Zedlitz, welcher so manchem Helden den verdienten Todtenkranz geflochten hat. Nun folgte die Ouver⸗ tuͤre zu „Coriolan“, dieses Prachtgebaͤude musikalischer Composition, ein Triumphbogen, durch welchen wir die Schaaren der geschmuͤck⸗ ten Sieger in die ewige Roma einziehen zu sehen glauben. Den Siegesmarsch aber und die jubelnden Hymnen vernahmen wir jetzt, als die beruͤhmte Cmoll⸗Symphonie folgte, und den Abend, der wuͤrdig begonnen, auf die wuͤrdigste Weife heschloß. Der pracht⸗ volle Saal im Hotel de Russie hatte die Zahl der Gaͤste nicht fassen koͤnnen, und es waͤre wohl zu wuͤnschen, daß Herr Moͤser in den, von ihm fuͤr den 6. April angekuͤndigten Konzert, in welchem er seinen achtjahrigen Sohn dem Publikum zum erstenmale als Violinspieler vorstellen wird, eine Wiederholung der Cmoll⸗Syinphorie veran⸗ stalten moͤchte, welche gestern wohl hauptsaͤchlich ein so großes Pu⸗ blikum herbeizog, daß Manche keinen Zutritt mehr fanden. F.

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Literarische Nachrichten.

Seemanns⸗Sagen und Schiffer⸗Maͤhrchen. Mitge⸗ theilt von Heinrich Smidt. Erstes Baͤndchen. Ber⸗ lin, Zesch 1835. 196 S. kl. 8.

Den Freunden der Cooper'’schen Romane, die mit den Eigen⸗ thuͤmlichkeiten des See⸗Lebens in mannigfaltiger Weise bekannt sind, wird es wuͤnschenswerth seyn, ihre Bekanntschaft mit den Maͤchten der Wasser⸗Welt auch auf die Feen und Elfen des Oceans ausdeh⸗ nen zu koͤnnen. Auf dem Festlande hat jedes Fluß Thal, jede Waͤl⸗ der⸗Gruppe, jede Gebirgs⸗Formation einen eigenthuͤmlichen Sagen⸗ Kreis, und den Aberglauben der Vorzeit verklaͤrt unser glaͤubiges Laͤcheln, wenn der Dichter uns die Einfalt der traͤumerischen Kin⸗ der⸗Seele eines Volkes psychologisch deutet. Je weniger bisher in den Literaturen den Geistern der Meer⸗Welt ihr Recht zugestanden ist, um so mehr muß jeder Beitrag zur Daͤmonologie derselben will⸗ kommen geheißen werden. Waͤren wir Deutsche ein seefahrendes Volk, so haͤtten wir laͤngst eine Literatur von oceanischen Maͤhr⸗ chen, und die Quelle derselben ist noch keinesweges versiegt, da der Matrose die Stufe der Befangenheit, wo die Seele, von den Ge⸗ fahren des Lebens umstuͤrmt und umfinstert, schoͤpferisch wird, weit weniger als der Bauer und der Flur⸗Schuͤtz unserer Zeit verlassen hat, und verlassen kann. So wird denn bei einer Sammlung von Maͤhrchen dieser Art eine Darstellung des seemaͤnnischen Lehens selbst bedingt, da die Sage selten ohne dieses in ihrer Eigenthuͤmlichkeit aufgefaßt werden kann. Dieser Anforderung hat Herr Smidt vor⸗ zugsweise Genuͤge geleistet und auch den Titel seiner Sammlung von oceanischen Feen⸗Maͤhrchen danach modificirt. Das erste Baͤnd⸗ chen derselben, dem noch zwei andere folgen sollen, ist vornehmlich ein Beitrag zur Kenntniß des Matrosen⸗Lebens; an die Erzaͤhlung vom fliegenden Hollaͤnder, vom Klabautermann, vom Todtenvogel, vom See⸗Gespenst, vom fliegenden Fisch, vom Leuchten des Meeres und Andere knuͤpft sich in der Regel als Vorspiel eine scenische Gruppe auf dem Verdecke des Schiffes. Wenn die Rhein⸗Sage oder ein Maͤhrchen vom Ruͤbezahl eines Vorspieles dieser Art, ctwa in einer Winzer⸗Huͤtte oder einer Bauern⸗Schenke, nicht bedarf, so liegt der Grund eben darin, daß die Sagen des Festlandes weit mehr zum allgemeineren Volks⸗Mythus geworden sind und in ih⸗ ren reicheren Beziehungen zum ethischen Leben der Nation einer selbststaͤndigeren und dichterischeren Darstellung naͤher liegen. Da⸗ gegen hat der Erzaͤhler der See⸗Maͤhrchen, der ohnedies so viel ach in materieller Hinsicht das Amt eines Erklaͤrers und Wort⸗Deuters uͤbernehmen muß, den besten Spielraum fuͤr sich, die Sage ganz als Produkt der Gemuͤths⸗Stimmung des Schiffer⸗Volkes hinzustellen.

Der Autor des vorliegenden Baͤndchens hat nicht bloß durch die vieljaͤhrige Praxis als Seemann, sondern auch durch den Sinn seiner Auffassung den naͤchsten Beruf, die Maͤhrchen⸗Literatur zu erweitern. Aus seiner Darstellung spricht jene gemaͤchliche Gemüͤth⸗ lichkeit, welche die Vertrautheit mit den uͤberstandenen Gefahren des See⸗Lebens erzeugen mag. Er sucht uns nicht bloß die Schauer der oceanischen Welt zu vergegenwaͤrtigen, er gewinnt uns auch fuͤr die freundlichen Launen seines gewaltigen Elementes. Der Leser mten gewiß gern dem Erscheinen der naͤchsten Fänbsgen. entgegen⸗ ehen. 3

Berliner Börse'. ““ Den 26. März 1835.

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preufs. Cour.) Wmc aem Ffhen. 2. vnenmnenennenamer Tevas-, 100 100 ¼ †Ostpr. Pfandbr. 4102 ¼ 2 99 98½ Pomm. do. 4 106 ¾ 66 ½ 65 ¾ [Kur- u. Neum. do. 4 106 ¼ 100 ½ 100 Schlesische do. 4 100 ½ 99 [Kkst. C. u. Z.-Sch.

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