Der Finanz⸗Minister schlaͤgt vor, Schuld mit 5 pCt. Zinsen vom 1. Mai 1835 an anzuerkennen und die andere in die Kategorie der Cortes⸗Scheine von 12 Se⸗ rien zu stellen. Eine Finanz⸗Kommission hat einen Bericht uͤber den Ursprung der Schuld und uͤber die Forderungen der Glaͤu⸗ biger abgestattet und spricht sich darin einmuͤthig uͤber die Bil⸗ ligkeit jener Forderungen aus. Der Finanz⸗Minister be⸗ steht seinerseits auf die Annahme seines Vorschlages durch das Minister⸗Conseil, und dies wird ihm auch wohl um so mehr ge⸗ lingen, da die Cortes in dieser Angelegenheit keine Stimme ha⸗ ben, indem das Ministerium durch das Finanz⸗Gesetz vom Jahre 1834 zur Entscheidung dieser Frage ermaͤchtigt ist. — Martinez de la Rosa, welcher seinem System der Milde und Versoͤhnlich⸗ keit unerschuͤtterlich anhaͤngt und sich hinter dem Koͤniglichen Sta⸗ tut verschanzt, das er eifrig gegen den geringsten Angriff verthei⸗ digt, erleidet in der Prokuradoren⸗Kammer taͤglich Niederlagen, welche die Geschicklichkeit des Grafen Toreno nicht immer zu ver⸗ bergen oder zu bemaͤnteln vermag. — Die Diskussion der innern uld wird in einigen Tagen beginnen. Die Kommission weicht in einigen Punkten, namentlich uͤber die Zuruͤckgabe des in den Jahren 1822 und 1823 heta gten Natio⸗ nal⸗Eigenthums, von der Ansicht des Ministeriums ab. Die Kommission will die Zuruͤckgabe an die Kaͤufer, waͤhrend die Minister nur eine Entschaͤdigung bewilligen wollen. Ueber die Klassifizirung der verschiedenen Theile der Schuld haben sich chwierigkeiten erhoben. Es ist wa rscheinlich, daß das Mini⸗ terium in dieser An elegenheit die Majoritaͤt erhalten wird, in⸗ dem es einige Zugestaͤndnisse macht. — Der ö Hof zeigt sich jetzt schwieriger in den Unterhandlungen als fri her, nachdem er durch unbestimmte Versprechungen Herrn Martinez de la Rosa bewogen hat, einigen seiner Forderungen nachzugeben. Das Minister⸗Conseil soll uͤber das gegen diesen Hof zu beobach⸗ tende Verfahren nicht einerlei Meinung seyn. Martinez de la Rosa erklaͤrt sich fuͤr das Temporisiren, allein der Graf Toreno verlangt energische Maßregeln. Ich bin ge⸗ neigt, zu glauben, daß das letztere System das wirksamste seyn werde, und daß die Besorgniß Martinez de la Rosa's, daß Aeußerungen der Unzufriedenheit von Seiten des Papstes in Spanien von uͤblen Folgen seyn koͤnnten, ungegruͤndet ist. Die Zeiten sind auf der ganzen Halbinsel laͤngst voruͤber, wo die Bul⸗ len des Papstes als Orakel betrachtet wurden. Seit der Regie⸗ rung Karl's III. ist es vorbei mit dem aberglaͤubischen Einfluß des Papstthums. Die Geistlichkeit selbst ist nur noch in der Po⸗ litik ultramontanisch. — Die G sind, mit Ausnahme des Freitags, taͤglich waͤhrend der Fa enzeit geoͤffnet gewesen. Selbst die constitutionnelle Regierung von 1822 durfte eine solche Neue⸗ rung nicht wagen, die im Jahre 1835 ohne die geringste Wider⸗ setzlichkeit stattfand. Die Theater waren so gefuͤllt, wie zur Zeit des Carnevals, und die Darstellungen ebenfalls anziehend.“
Konstantinopel, 25. Maͤrz. Die aͤlteste Tochter des Sultans, Saliha, deren Vermaͤhlung mit dem Muschir von To⸗ phana, Halil Rifaat Pascha, im vorigen Fruͤhjahr gefeiert wurde, ist vorgestern von einem Knaben entbunden worden, welcher Ab⸗ dul⸗Hamid genannt, und schon in der Wiege zum Range eines Wesirs oder Pascha's von drei Roßschweifen erhoben wurde. Es ist dies das erste Beispiel in der Geschichte des Tuͤrkischen Reichs, daß ein aus der Ehe einer osmanischen Prinzessin mit einem hohen Wuͤrdentraͤger entsprossenes Kind männlichen Ge⸗ schlechts am Leben erhalten wird. Dieser sprechende Beweis der Fortschritte, welche die Civilisation in diesem Reiche gemacht, hat auf alle Einwohner der Hauptstadt den guͤnstigsten Eindruck her⸗ vorgebracht. Gleich nach der Entbindung der Prinzessin begab sich der Sultan in Begleitung seiner beiden Soͤhne zu ihr, um ihr seine Gluͤckwuͤnsche darzubringen. ““ 8
Die Pforte hat unlaͤngst an den Kaiserlich Russischen Ge⸗ sandten, Hrn. v. Butenieff, die Summe von fuͤnf Millionen Tuͤrkische Piaster (ungefaͤhr 500,000 Fl. C. M.) als Abschlags⸗ zahlung auf die bis zum 1. Mai d. J. faͤllige Contributionsrate vpon 500,000 Dukaten auszahlen lassen. 2
Der groͤßte Theil der Aegyptischen Flotte war, Briefen aus Candia zufolge, wegen der fortwaͤhrend in Alexandrien herrschen⸗ den Pest in den Hafen von Suda eingelaufen.
R e 8 Inland.
Berlin, 20. April. Am S8ten v. M. wurde die neu er⸗ baute Hrgel in der Kirche zu Oberschmon im Querfurter Kreise feierlich eingeweiht. Die Gemeinde hat den durch dieses Werk verursachten Aufwand mit 700 Rthlr. bestritten, hier u jedoch von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige mittelst Allerhoͤchster Kabi⸗ nets⸗Ordre vom 26. Juli 1832 ein Gnaden⸗Geschenk von 100 Rthlr. erhalten. 88 8 6r Staͤdten Chodziesen, Samoczyn und Mar— gonin (Reg. Bez. Bromberg) wurden im Jahre 1834 auf 172 Webestuͤhlen 7558 Stuͤck Tuch und 1080 St. Boi gefertigt und meistens nach Ostpreußen, auch auf der Messe in Frankfurt a. d. O. abgesetzt. Die Waare wird aus grober Wolle angefertigt und das Stuͤck Tuch zu 9 Rthlr., das Stuͤck Boi aber zu . Rthlr. verkauft. Im Jahre 1833 wurden 6908 Stuͤck Tuch und 1164 Stuͤck Boi fabrizirt, und sind daher im Jahre 1834 650 Stuͤck Tuch mehr, dagegen 84 Stuͤck Boi weniger gefertigt worden. — n eben diesem Kreise ist zu Uscz seit zwei Jahren eine Glas⸗ Nbei entstanden, die sich bereits in einem bedeutenden Flor be⸗ ndet. Es werden dort neben allen Arten gruͤnen und halbwei⸗ en Hohlglases viele Gefaͤße zur Sublimation des Salmiak gefer⸗ tigt, große Ballons fuͤr die chemische Fabrik zu Oranienburg zur Versendung der Schwefelsaͤure geblasen, besonders aber große vale Gefaͤße aus starkem Glase gefertigt, die nach Suͤd⸗Amerika nd den suͤdlichen Staaten von Nord⸗Amerika gehen, wo sie statt dizerner Faͤsser zum Transport von Fluͤssigkeiten auf Maulthie⸗ ees. dienen, zu welchem Zweck sie vorher mit Weidwerk umfloch⸗ ten werden. Die Fabrik hat einen Glas⸗, einen Kuͤhl⸗, 2 Tem⸗ perir⸗Oefen, eine Muͤhle, und beschaͤftigt 24 Arbeiter, die Alle in besonders dazu gebauten Haͤusern in der Naͤhe des Fabrik⸗Ge⸗ baͤudes wohnen. Ihr Material und auch das Brenn⸗Materia⸗ ezieht sie aus der Umgegend, und ihre Ausgaben betragen mo⸗ natlich circa 1200 Rthlr, die in Uscz und der Umgebung in esetzt werden. 1 1äges; Füchdem die Kreisstadt Heil igenbeil im Regierungs⸗ Bezirk Koͤnigsberg seit dem Jahre 1806 zu sechs verschiedenen Malen von großen Braͤnden heimgesucht worden, von denen ei⸗ ner bekanntlich die ganze Stadt einaͤscherte, brach am 3lsten v. M. Abends um 8 Uhr in einer auf der oͤstlichen Seite belege⸗ nen Scheune abermals ein Feuer aus, welches sich mit so reißen⸗ der Schnelligkeit verbreitete, daß in ganz kurzer Zeit 54 Scheu⸗ nen und 1 Stallgebaͤude, sammt dem darin befindlich gewesenen Vieh und den saͤmmtlichen Futter⸗ und Holz⸗Vorraͤthen, ein Raub der Flammen wurden In Koͤnigsberg hatte man am 16ten
die eine Haͤlfte als aktive
450 d. M. auch die Nachricht von einem am 14. April zu Labiau in der dortigen Apotheke ausgebrochenen Feuer, das bei einem heftigen Winde mehrere Haͤuser und selbst die Kirche in Asche legte. Der Brand wuͤthete am 15. April noch fort.
Litera rische Nachrichten.
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Arabesken fuͤr Musikfreunde von Gustav Nicolai (Verfasser „Italiens wie es wirklich ist“, der „Geweih⸗ ten“, des „Jeremias“ ꝛc.) Leipzig, 1835. 2 Bde. in S.
In einer Zeit, wo die Musik einen so bedeutenden Theil des Privat⸗ und öffentlichen Lebens in Anspruch nimmt, und die Kritik uͤber Kunst und Kuͤnstler fast jeder ihrer Leistungen an die Ferse tritt, wird ein Werk Interesse erre en, welches die Kunst wie die Kritik auf einen neuen Kampfplatz fordert. 1¹
Der thaͤtige Verfasser der vielbesprochenen Reise nach Italien giebt in den „Arabesken“, neben mehreren musikalischen Dichtun⸗ gen, die theilweis schon in Musik gesetzt sind, und unter denen wir die sehr gelungenen Oratorien: Johannes der Taͤufer und die Zer⸗ stoͤrung Jerusalems (letzteres trefflich komponirt von C. Loͤwe) aus⸗ zeichnen, zwei „Novellen“ und „Miszellen“, welche fuͤr die musika⸗ lische Literatur und fuͤr die Kunst⸗Kritik von zwiefachem Interesse sind, theils durch sorgfaͤltige Forschungen uͤber das Wesen der Mustk, theils durch Neuheit der Ansichten. Der Verf. hat seinen Beruf dazu gewissermaßen schon praktisch bewaͤhrt, und seine kuͤrzlich hier mit Beifall aufgefuͤhrte „Große Symphonie in D liefert einen Beweis von tuͤchtigen Studien. Durchaus eigenthuͤmlich erscheint in vorliegendem Werke die Novelle der Musikfeind“, welche wahrscheinlich dem Verf. nicht weniger Widersacher zuziehen wird, als sein Reisewerk, und er darf sich auf Vergleichungen mit Hero⸗ strat oder mit dem Kalifen Omar gefaßt machen. Einen schrofferen Weg einschlagend, als die bekannten Bekaͤmpfer des musikalischen Unwe⸗ sens: Rousseau, Arnaud, Hamann, A. W. Schlegel, Hoffmann, Muͤll⸗ ner u. A., greift hier der „Musikfeind“ der Kunst selbst an die Wur⸗ zel und es handelt sich bei ihm um nichts Geringeres, als um die Unterordnung der Musik unter alle uͤbrigen Kuͤnste und um die Durchfuͤhrung des Satzes: daß die Musik nicht nur an und fuͤr sich die mangelbastente und die wandelbarste aller Kuͤnste sey, sondern daß sie auch beziehungsweise hoͤchst verderblich, insbesondere auf die Mo⸗ ralitaͤt, wirke! .
Welcher dialektischen Form der Held der Novelle sich bedient, um sein Axiom zu begruͤnden, moͤge der Leser selbst beurtheilen und es werden ihm dabei so wenig einige Paradoxen entgehen, als die Anabasis, welche sich der Verfasser bei seinen Philippiken kluͤglich vorbehalten hat, naͤmlich, daß der „Musikfeind“” in seinen Ansichten zu weit gehen koͤnne.
So viel ist jedenfalls gewiß, daß ein tuͤchtiges Anstemmen gegen die Ueberschaͤtzung des musikalischen Treibens und gegen die taͤglich wachsende Fluth trivialer und frivoler Musik ernstlich Noth thut⸗ und wir erinnern uns dabei einer Aeußerung eines geistvollen Kri⸗ tikers der Leipziger mustkalischen Zeitung, welcher sehr treffend sagt: ‚die gewoͤhnliche Musikhoͤrerei gleicht auf ein Haar der Roman⸗ Leserei: die hoͤchste Monotonie unter dem Schein der Mannigfaltig⸗ keit und, auf Seiten des Genießers, das naͤmliche Nichtsthun des Geistes und Gemuͤths, dasselbe Sichanregenlassen ohne Reaction, ein Beduͤrfniß nach Kitzel ohne Gewissensbisse, daß solchergestalt die Nerven endlich fuͤr die Kunst abgestumpft und das Daseyn ver⸗ leiert werde.“ 2
Jemehr der Verfasser auch in diesem Sinne kraͤftig entgegen zu wirken bemuͤht ist, desto willkommener muß sein Werk seyn, und da es ihm, nach den Proben, die er in der zweiten Auflage seiner Ital. Reise abgelegt, nicht an Energie gebricht, so moͤge er seine Ansichten in den unfehlbar bevorstehenden Fehden auch muthig durchkaͤmpfen! DPeragit tranquilla potestas quod violenta nequit!
— — s—
Meteorologische Beobachtung. 1835. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 19. April.] 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.
Luftdruck. 331,, 1 Par. 333, 75 Par. 338, 8 6 Par. Quellwärme 6,9 °R. Luftwaͤrme +. 1,3 R.]+ 5,2 °R.] + 1,2 R. S n n 0,0 *R.,— 11, R. — 1,0 °R Flußwärme 5, 5 °R. Dunstsaͤttg 89 pCt. 65 pCt. 83 pCt. Bodenwärme 5,7 °R. 2 I nee. albheiter. eiter.. 2 Wirber 8 Sang⸗ ebch 92ng. Füsßeinst. 0,071. . Wolkenzug — SO. — Niederschlag 0, 172 „Rh. Tagesmittel, am 18ten: 334,1377. †. 2,4° R. + 90,72 R. 87 pCt * 19ten: 334, 2 4⁷1. + 2,6 ° R. — 0,3 ° R. 79 p Ct
Auswärtige Börsen. v“ Amsterdam, 15. April. Niederl. wirkl. Schuld 55 ½. 5 % do. 102. Ausg. Schuld 1.†. Kanz-Bill. 25 ⅞. 4 ½ 9 Amort. 95⁄. 3 ½ 8 79 ⁄ 858. Russ. 982⁄. Oesterr. 991z. Preuss. Präüm.-Scheine 115 ½. do. 4% Aul. 101 ¼. Span. 5 9 483⁄. 38 31 ¾. Antwerpen, 14. April. Zinsl. 22 ½. Cortes 48. Coup. 32 ½. Darmst. 26 ½. Hamburg, 18. April. Engl. Russ. 106. Hope in Cert. 99. Preuss. Praim.-Scheine 130 3. Poln. 139 v. Dün. —. Port. 94. London, 13. April. Cons. 38 92 ½¼. Belg. 103 ½. Dün. 76 ½. 77. Anl. v. 1834 8¾ ½ Prüimie. F'ort. 98 ½. 8. Columb. v. 1824 481. Mex. 47. Chiü 58 ½¼. Wien, 15. April. 48 951%. Bank-Actien 1336 ¾. Neue Anl. 591
Span. 5 % 48 ½.
Span. Cortes 67 ½. 68 108 ½. Bras. 86 ¼.
59 Met. 102 ½1. 1.
Koͤnigliche Schauspiele.
Dienstag, 21. April. Im Schauspielhause: Trauerspiel in 5 Abth., von Schiller.
In Potsdam: Die Schwestern, Lustspiel in 1 Angely. Hierauf: El Zapaicado, mit Tambourin und Castag⸗ netten, im Zigeuner⸗Kostn m, ausgefuͤhrt von den Solotaͤnzern des Koͤnigl. Hof⸗Theaters zu Madrid, Hrn. Font, Hrn. Cam⸗ pruvi, Mad. Dubinnon und Dlle. Serral⸗ Dann, zum ersten⸗ male: Die bluͤhende Aloe, Liederspiel in 1 Akt. Musik von Lind— paintner. Und: La Jota Aragonessa, komischer National⸗Bauern⸗ Tanz der Gebirgs⸗Bewohner in der Provinz Aragonien, ausge⸗ fuͤhrt von den Solotaͤnzern des Koͤnigl. Hof⸗Theaters zu Madrid, Hrn. Font, Hrn. Campruvi, Mad. Dubinnon und Dlle. Serral. Zum Schluß: Zum erstenmale: Der arme Fischer, Divertissement in 1 Akt, von P. Taglioni.
Mittwoch, 22. April. Im Opernhause: Die bluͤhende Aloe, Liederspiel in 1 Akt, von Lindpaintner. Hierauf: Je toller
Im Schauspielhause: Franzoͤsische
Maria Stuart,
Akt, von L.
Zum erstenmale: tt, von Kotzebue. Musik je besser!
Vorstellung.
Koͤnigstaͤdtisches Theater. Dienstag, 21. April. Der Gloͤckner von Notre⸗Dame, ro⸗ mantisches Drama in 6 Tableaux, von Charlotte Birch⸗Pfeiffer.
Neueste Nachrichten. Paris, 14. April. Der Koͤnig arbeitete gestern mit den Ministern der Marine, des Innern und der auswaͤrtigen Ange⸗ legenheiten und ertheilte dann dem Marschall Gorard eine Audienz.
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In der Pairs⸗Kammer begannen heute die Berat uͤber den Gesetz⸗Entwurf wegen der Sparkassen, zum Abgange der Post durchaus unerheblich.
In der heutigen Sitzung der Deputirte n⸗Kammer legte unaͤchst der Baron Bignon den Kommissions⸗Bericht uͤber das Budgen des Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegenheiten auf das Bureau des Praͤsidenten nieder. Fegs Toussin verlangte darauf, daß man sich, unmittelbar na h Beendigung der gegen⸗
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waͤrtigen Debatte, mit dem neuen Zoll⸗Gesetze beschaͤftige. Mehrzahl der Versammlung widersetzte sich jedoch diesem An⸗ trage, so daß jenes Gesetz nunmehr erst in der naͤchsten Session zur Berathung kommen wird. — Herr Charamaule sehte jetzt seinen Tags zuvor abgebrochenen Vortrag uͤber dit Schuld⸗Forderung der Vereinigten Staaten fort. Er erklzart daß er von den beiden Entschaͤdigungs⸗Klassen, die er noch zu eroͤrtern habe, nur die eine und zwar diejenige, welche die ers. nach dem 1. November 1810 erfolgten Beschlagnahmen in sch fasse, beleuchten werde. Fuͤr diese Beschlagnahmen allein wolle er den Nord⸗Amerikanern eine Entschaͤdigung bewilligen, indessen fand er die Summe von 25 Mill. viel zu stark. „Es wuͤrde mir so schloß er seinen Vortrag, „eben so leid wie Herrn von Lamartine senn, wenn die Arbeiter⸗Klasse in unseren Handelsstaͤdten das Opfer der Verwerfung des Vertrages werden sollte, indessen besorge ich dies nicht und stimme sonach gegen den Gesetz⸗Entwurf.“ Her. Jay, der dem vorigen Redner auf der Tribune folgte, stelle noch einige allgemeine Betrachtungen zu Gunsten des Traktatez an, worauf von mehreren Seiten der Schluß der Debatte ver, langt wurde. Als indessen der Praͤsident hieruͤber abstimmen lig erklaͤrte sich die Mehrzahl fuͤr die Fort etzung der Berathung Sonach konnte noch Herr Isambert seine Meinung abgeben. Die Versammlung schenkte ihm jedoch nur eine sehr geringe Auf merksamkeit, so daß er mehrere Blaͤtter seiner geschriebenen Rede uͤberschlug, um nur bald zum Schlusse zu gelangen, Der Redner sprach sich im Wesentlichen dahin aus, daß Frank⸗ reich den Vereinigten Staaten seit ihrer Unabhaͤngigkeits⸗Erzi⸗ rung schon der Opfer genug gebracht habe, als daß es deren noch neue zu bringen sich bewogen fuͤhlen koͤnnte. —
er Moniteur meldet: „Der Koͤnigliche Gerichtshof hat gestern Abend in Bezug auf den ihm von dem General⸗Prokurg tor deferirten Beschluß des Disziplinarraths des Advokatenstan⸗ des in pleno folgende Entscheidung gefaßt: „In Betracht, daß der Disziplinarrath des Advokatenstandes durch seine Berathung vom 6. April seine Befugniß uͤberschritten hat, erklaͤrt der Ge⸗ richtshof die besagte Berathung fuͤr annullirt.“ Daß die Oppo⸗ sitions⸗Blaͤtter mit diesem! usspruch hoͤchst unzufrieden sind, st natuͤrlich.
Herr Philipp Dupin, Vorsteher, und die uͤbrigen Mitglieder des Disziplinarraths haben gestern noch eine Versammlung 9 halten und beschlossen, der Disziplinarrath solle gegen die von dem Koͤniglichen Gerichtshof ausgesprochene Annullirung seinet Protestation gegen die Verordnung vom 30. Maͤrz an den Cas⸗ sationshof appelliren.
Der Constitutionnel sg⸗ man versichere, daß das M⸗ nisterium vor vier Tagen die 8 achricht von der Weigerung des Marschalls Maison, das Portefeuille des Kriegs⸗Ministeriums anzunehmen, erhalten habe; man habe dann nach einem Nach⸗ folger fuͤr ihn gesucht, bis jetzt aber noch keinen gefunden; Mar⸗ schall Molitor und die Generale Guilleminot und von Cauyr
aͤtten alle Anerbietungen abgelehnt, und Admiral Rigny wole 1 interimistischen Functionen nicht bis zur Diskussion des Budgets beibehalten.
Die Quotidienne versichert, das Franzoͤsische Ministerium habe, gleich nachdem es die Gewißheit von der Aufloͤsung des Tory⸗Kabinets erhalten, einem fremden Werber, Namens Schwarz der sich den Titel Major beilege, die Ermaͤchtigung ertheilt, in Paris, Lyon und Bordeaux 10,000 Mann fuͤr den Dienst der Koͤnigin von Spanien anzuwerben.
Man nennt hier den Grafen Grey als den Nachfolger Lord Cowley's auf dem Britischen Botschafter⸗Posten bei der hiesigen Regierung. Andere glauben, daß Lord Granville seine vormali⸗ gen Functionen hier wieder uͤbernehmen werde.
Im Journal des Débats liest man: „Die Tories schei⸗ nen die Hoffnung zu hegen, Sir R. Peel werde in einem Coa⸗ litions⸗Ministerium mit an der Spitze der Gewalt bleiben. Wit wissen nicht, fuͤr wen von beiden, fuͤr Sir R. Peel oder fir Lord John Russell, diese Annahme am beleidigendsten ist.“
Das Halsuͤbel des Herrn Thiers scheint ernster Art zu werden.
Seit einigen Tagen sind alle Kasernen der Hauptstadt mi bedeutenden Quantitaͤten Pulver versehen worden.
Dem Eclaireur von Toulon zufolge, ist die Evolutione Flotte am 4ten auf der Rhede der Hyerischen Inseln vor Apfr gegangen.
Die Boͤrse war heute anfangs ziemlich ruhig. Um 3 Uhr 10 Minuten aber verbreitete sich ploͤtzlich ein panisches Schrecken unter den Spekulanten und bewirkte in 3 Minuten ein Sinken der Fonds um von 25 bis 30 Centimes. Alle Welt fragte sich, woher eine solche Bewegung kaͤme. Die Einen sagten, die Re⸗ gierung habe durch den Telegraphen die Nachricht von der Bil⸗ dung eines radikalen Kabinets in England erhalten. Anderr behaupteten, die Entscheidung uͤber den Traktat in Betreff der 25 Mill. sey bis zur naͤchsten Sessson vertagt worden. Es er⸗ wies sich aber spaͤter die erste Nachricht als eben so ungegruͤndet wie die zweite.
Die Gazette de France berichtet, nach den Treffen am 29., 30. und 31. Maͤrz habe Zumalacarreguy die Belagerung von Maestu unternommen und es schon zu bombardiren ange⸗ fangen, als das Anruͤcken eines constitutionnellen Corps von Santa Cruz her ihn am 3ten d. genoͤthigt, sich gegen dasselbe zu wenden. Sie seyen aber nicht am 4ten, wie man erwartet haͤtte, sondern erst am öten handgemein geworden; der Ausgang des Kampfes soll den Christinos verderblich gewesen seyn. Llau⸗ der hat, wie oben dieses Blatt meldet, den Sardinischen Konsul in Barcelona verhaften und auf die Citadelle in den strengsten Gewahrsam bringen lassen.
Die heute von der Spanischen Graͤnze eingetroffenen Briefe enthalten keine neuere wichtige Nachricht, sind aber mit Aufzaͤhlung neuer Grausamkeiten, welche die beiden Heere in der letzten Zeit wieder veruͤbt haben, angefuͤllt. Die Anzahl der von beiden Theilen erschossenen Individuen ist sehr bedeutend.
— Heute schloß 5proc. Rente pr. compt. 108. 10. fin cour. 108. 20. 3proc. pr. compt. 81. 70. fin cour. 81. 85. 5proc. Neap. pr. compt. 98. 60. fin cour. 98. 75. 49. 3 proc. 30 ½. Ausg. Schuld 22.
5proc. Span.
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Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages. Ihre Koͤnigl. Hoheit die Kro nprinzessin ist nach Dres— den abgereist. ö“ Im Bezirke der Koͤnigl. Regiert ng
zu Koblenz ist der evangelische Pfarrer Chelius zu Dickenschied zum Pfarrer in Weiler ernannt worden;
zu Liegnitz ist der bisherige Diakonus Seiler zu Kliyx als evangelischer Pfarrer in Lohsa, desgleichen der Kandidat Sawade als Pastor zu Ruͤckenwalde angestellt worden;
zu Madgeburg ist der bisherige Prediger in Parchen, Schrader, zum Pfarrer in Schoͤnhausen und Fischbeck beru⸗ fen worden. Se.
Abgereist: Excellenz der Wirkliche Geheime Rath,
außerordentliche Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister am Koͤ⸗ Saͤchsischen Hofe,
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1 Zeitungs⸗Nachrichte Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 14. April. Nachtrag.) Die allgemeine Berathung uͤber die Nord⸗Ame⸗ rikanische Schuld⸗Forderung wurde noch in dieser Sitzung ge⸗ hosen. Nachdem naͤmlich Herr Isambert den betreffenden raktat in allen seinen Punkten angegriffen und sich schließlich dahin ausgesprochen hatte, daß die Vereinigten Staaten durch die Abtretung von Louisiana und der beiden Florida's mehr als 18 lich entschaͤdigt worden seyen, wollte noch Herr Roul eine Meinung abgeben, außer welchem noch 13 andere Redner fuͤr und 4 (worunter die Herren Mauguin und Berryer) wider den Gesetz⸗Entwurf eingeschrieben waren. Es wurde indessen abermals von mehreren eiten der Schluß der Debatte ver⸗ langt und diesmal mit einer unzweifelhaften Majoritaͤt angenom⸗ men. Der Berichterstatter, Herr Dumon, faßte nunmehr die ganze Berathung zusammen, die sich hauptsaͤchlich um zwei Fra⸗ gen, nämlich um die Rechtmaͤßigkeit und um die Hoͤhe des Betrages der Schuldforderung gedreht hat. Nachdem er diese beiden Fra⸗ zen noch einmal ausfuͤhrlich eroͤrtert, und sich namentlich darauf erufen hatte, daß das Prinzip der Schuld niemals, weder un⸗ ter der Kaiserlichen Regierung noch unter der Restauration in Abrede gestellt worden sey, daß aber die Summe von 25 Millio⸗ nen als das Minimum betrachtet werden muͤsse, das die Verei⸗ nigten Staaten zu fordern berechtigt waͤren, bat er um die Er⸗ laubniß, den Schluß seiner Rede, worin er sich noch vorbe⸗ ielt, die vier verschiedenen Klassen, in welche die Anspruͤche Nord⸗Amerikas zerfallen, ausfuͤhrlich zu beleuchten, wegen der vorgeruͤckten Tagesstunde (es war bereits 6 Uhr) bis auf den folgenden Tag verschieben zu duͤrfen.
In der Sitzung vom 153. April unterhielt man sich waͤhrend der Vorlesung des Protokolls mit einem komischen Vor⸗ fall. Herr Delespaul (Deputirter des Depts. des Nordens), der Tags zuvor waͤhrend der Berathungen auf seinem Platze angeschlafen war, war nach Aufhebung der Sitzung aus Ver⸗ sceen eingeschlossen worden und hatte einen Theil der Nacht im Snale zubringen muͤssen. — Nachdem ein Kommissions⸗Bericht auf das Bureau des Praͤsidenten niedergelegt worden, setzte Herr
umon seinen obigen Vortrag fort. Er wurde jedoch bald von Heern Charamaule unterbrochen, der ihm mehrere Unrichtigkeiten vorwarf und sich erbot, solche nachzuweisen. Der Praͤsident ver⸗ weigerte ihm aber das Wort, ungeachtet der Minister des In⸗ nern selbst sich fuͤr ihn verwandte. Um 3 Uhr hatte Herr Dumon sein Resumé beendigt, und es begannen nunmehr die Berathun⸗ gen uͤber die einzelnen Artikel des Gesetz⸗Entwurfes. Ver⸗ Desabes brachte statt des 1sten Artikels einen andern in Vor⸗— schlag, der dahin abzweckte, die Abstimmung uͤber den Gesetz⸗ Entwurf bis zur naͤchsten Session auszusetzen. Jetzt verlangte err Berryer das Wort, worauf sofort die tiefste Stille eintrat. „IIch werde hier nicht“, so hob der Redner an, „solche Gegen⸗ staͤnde beruͤhren, die dem uns vorliegenden Gesetz⸗Entwurfe fremd ind, denn dies wuͤrde dem Herrn Minister des Innern nur eine neue Gelegenheit darbieten, mit Angriffen hervorzutreten, wodurch er seine Freunde mehr in Verlegenheit setzt, als seine Gegner. (Gelaͤchter.) *) Doch mag ich ein Argument nicht unbeantwortet lassen, auf welches man sich gestuͤtzt hat; es scheint naͤmlich, als wolle man die Wahrheit nur dann als Wahrheit gelten lassen, wenn le aus dem Munde der Freunde der Regierung hervorgeht. ach kenne nichts Unwuͤrdigeres in dieser Kammer, als eine solche tension. Gewiß wuͤrde es eben so unwahr als unschicklich ehn, wenn wir den Ministern ins Gesicht sagen wollten, daß sie den uns vorliegenden Gesetz⸗Entwurf bloß in der Absicht verthei⸗ digten, sich ihre Portefeuilles zu sichern; nicht minder unwahr ind unschicklich wuͤrde es seyn, wenn wir behaupten wollten, daß eie Freunde der Minister sie bloß in der Absicht unterstuͤtzten, egend ein Amt zu erschleichen. Wenn wir nun aber unseren : ß ehrenwerthe Absichten zumuthen, warum uns nicht Gleiches mit Gleichem? Auf Vund Gewissen sage ich hier, und bin bereit,
6 vor G Menschen ju eschwoͤren: wir sind den keine 25 Mill. schuldig! Dies ist meine
von Jordan, nach Dresden.
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8, vor Gott und den ereinigten Staaten
1.) Dies bezieht sich darauf, daß Herr Thiers in der Sitzun ne 9ten der vorigen Regierung unter Andern die Emigranten! potschaͤdigung und die Verurtheilung des Marschalls Ney zum
n wurf gemacht hatte, wodurch er (wie gleich am folgenden Tage
nts nüiser Blatt bemerkte) dem Koͤnige, als Theilnehmer an jener ch igung/ und der Pairs⸗Kammer in die Augen geschlagen habe.
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innige, unwandelbare Ueberzeugung, und ich hoffe, daß es mir Helengen werde, auch Ihnen, m. H., diese Ueberzeugung beizu⸗ ringen./ — Nach diesem Eingange, der einen tiefen Eindruck auf die Versammlung machte, ging der Redner naͤher in den Ge⸗ genstand der Debatte ein. Er beschuldigte die Nord⸗Amerikaner, daß sie die Rechte und Pflichten der Neutralen verletzt, und daß sie sich durch ihre Nachgiebigkeit fuͤr England gegen Frankreich vergangen haͤtten. „Gesetzt“, sagte Herr Berryer, „es braͤche ein Krieg zwischen Frankreich und Oesterreich aus, was haͤtte die neutrale Schweiz zu thun? Duͤrfte sie wohl den Oesterreichern ihre Festungen oͤffnen, ihnen einen Durchzug gestatten? und thaͤte sie es, koͤnnte sie sich alsdann wohl gegen Frankreich auf die Vorrechte der Neutralen berufen? Koͤnnte sie wohl zu Frankreich sagen: Ich habe den Oesterreichern meine Graͤnzen und meine Festungen geoͤffnet, weil ich sie nicht zu vertheidigen vermochte? Gewiß wuͤrde sich Frankreich mit einer solchen Entschuldigung nicht begnuͤgen. Die Schweiz muͤßte in diesem Falle die Ehre ihrer Fahne selbst vertheidigen. Mit der Amerikanischen Angelegenheit verhaͤlt es sich ganz eben so. Die Minister berufen sich zwar darauf, daß die Staaten nicht stark genug gewesen seyen, um den Englaͤndern Widerstand zu leisten. Es bedarf indessen nur eines einzigen Blickes auf die uns vorgelegten Papiere, um zu der Ueberzeu⸗ gung zu gelangen, daß die Nord⸗Amerikaner den damaligen Kriegszustand lediglich benutzten, um Handels⸗Geschaͤfte zu ma⸗ chen. Der Praͤsident Jefferson wollte, daß man England den Krieg erklaͤre; der Kraͤmergeist der Rheder aber erstickte diese patriotische Absicht. Die Nord⸗Amerikaner haben im Laufe der Zeiten den Befehlen Englands, den Dekreten Frankreichs und ihren eigenen Gesetzen Trotz geboten, bloß um ihre Habsucht zu “ und einer solchen Nation will man nun vollends noch Millionen an den Hals werfen!“ Der Redner untersuchte hier die Frage, ob die Nord⸗ Amerikaner uͤberhaupt Verluste erlitten haͤtten, und ob sie solche gehoͤrig nachweisen koͤnnten. Jedenfalls, meinte er, muͤsse man dies letztere bezwei⸗ feln, wenn man erwaͤge, wie schwankend die Vereinigten Staa⸗ ten in ihren Anspruͤchen gewesen waͤren, und wie andererseits ganz neuerlich noch die Untersuchungs⸗Kommission der Kammer Forderungen fuͤr Schiffe gestrichen habe, die als Nord⸗Amerika⸗ nische aufgefuͤhrt worden waͤren, waͤhrend es Englische gewesen. Herr Berryer machte hier die confiszirten Schiffe namhaft, die aus den jetzt verlangten 25 Millionen bezahlt werden sollten, und bewies, daß die Confiscation roͤßtentheils bis zum Jahre 1800 hinaufreiche, so daß sie schon durch die 20 Mil⸗ lionen bezahlt worden, die Frankreich auf den Grund des Traktates von 1803 hergegeben habe. „Wir sollen also “, fuͤgte er hinzu, „zum zweiten Male bezahlen, was wir im Jahre 1803 schon einmal bezahlt haben, und was die Nord⸗Amerikanische Regierung damals in der Tasche behalten hat, statt es den Anspruchberechtigten zukommen zu lassen. Zah⸗ len Sie nur immer zu, m. H., man wird auch noch zum drit⸗ tenmale dieselbe Forderung an Sie machen.“ Diese eußerung erregte eine ungemeine Sensation in der
1 r Versammlung. (Beim Abgange der Post hatte Herr Berryer seinen Vortrag noch nicht beendigt.)
Paris, 15. April. Der Koͤnig arbeitete gestern nach ein⸗ ander mit mehreren Ministern.
Durch den Telegraphen ist gestern hier die Nachricht einge⸗ troffen, daß Lord Melbourne zum ersten Lord des Schatzes er⸗ nannt und mit der Bildung des neuen Kabinets beauftragt wor⸗ den sey. Lord Grey (so heißt es in dieser Depesche) tritt nicht in das Ministerium ein, aber Alles geschieht mit seinem Zuthun.
Der Graf von Rigny wohnte der heutigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wieder bei; er schien jedoch noch sehr lei⸗ dend zu seyn.
Der heutige Moniteur enthaͤlt Folgendes: „Mehrere Zei⸗ tungen kuͤndigten gestern an, die Regierung habe die Antwort des Marschalls Maison erhalten, und sie laute dahin, daß der Mar⸗ schall das ihm uͤbertragene Kriegs⸗Ministerium ausschlage. Diese Nachricht ist voͤllig ungegruͤndet. Der Marschall hatte kaum das Schreiben erhalten, das ihn nach Paris berief, als er sich auch reisefertig machte, um den Befehlen des Koͤnigs nachzukommen, und ihm selbst seine Antwort zu uͤberbringen. Der Marschall wird am 26. in Paris erwartet. Diese Nachrichten hat sein erster Adjutant, der Baron Delarue, vorgestern Abend uͤberbracht. Derselbe war am Abend des 14. Maͤrz von hier nach St. Pe⸗ tersburg abgefertigt worden, wo er in 12 Tagen ankam; nachdem er am 1. April wieder von dort abgegangen, hat er noch nicht volle 13 Tage zur Ruͤckreise hierher gebraucht.“
Es heißt, daß der See⸗Minister einen Unter⸗Staatssecretair erhalten werde, und daß Herr von Rosamel hierzu bestimmt sey.
Die Pairs⸗Kammer genehmigte in ihrer gestrigen Siz⸗ zung nach einander die verschiedenen Artikel des Gesetz⸗Entwurfes uͤber die Sparkassen; nur einige unwesentliche Aenderungen wur⸗ den in denselben vorgenommen. Der ganze Gesetz⸗Entwurf ging zuletzt mit 93 gegen 2 Stimmen durch,
Man sagt, die mit der Pruͤfung des Kriegs⸗Budgets beauf⸗ tragte Kommission wuͤrde auf die Verwerfung der fuͤr die Kolo⸗ nisirung Algiers verlangte Geldsumme antragen.
Waͤhrend der Koͤnigliche Gerichtshof vorgestern versammelt war, um den Vorsteher des Advokatenstandes, Herrn Philipp Dupin, wegen des uͤber die Koͤnigliche Verordnung vom 30. Maͤrz erlassenen Gutachtens des Disziplinar⸗Rathes dieses Standes zur Rechenschaft zu ziehen, stand eine große Menge von Advo⸗ katen und ein Schwarm Neugieriger vor dem Gebaͤude, um das Ergebniß der Deliberation zu erwarten. Der Erste Praͤsident des Koͤniglichen Cee degen, Baron Seguier, war abwesend; auch den Pair Herrn epoithevin vermißte man in der Ver⸗ sammlung, in welcher Herr Deherain den Vorsitz fuͤhrte. Von den General⸗Advokaten und Substituten, in deren Begleitung der General⸗ Prokurator, Herr Martin, erschien, fehlte nur ein einziger. Herr Martin leitete die Verhandlung ein und klagte den Vorsteher des Advokatenstandes der Ueberschreitung seiner
22sten April
Befugnisse an, da ein Gutachten des Disziplinar⸗Rathes, in welchem der Pairshof ein Ausna me⸗Gericht und die Koͤ⸗ nigliche Verordnung vom 30. Maͤrz gesetzwidrig genannt werde, als eine foͤrmliche Protestation und ein Aufruf um Ungehorsam anzusehen sey. Herrn Dupin's hersheid atn, eede war eben so gewandt und maͤßig als einlenkend. Er be⸗ stritt, daß in dem Gutachten des Disziplinar⸗Rathes ein feindse⸗ liger Ton herrsche; auch sey dasselbe keinesweges eine foͤrmliche Protestation in dem Sinne, daß die Unterzeichneten den Gehor⸗ sam aufgekuͤndigt haͤtten. Die Ehrfurcht vor dem Pairshofe sey durch den unumwundenen Ausspruch der Ehrfurcht vor der Wahrheit und der Stimme des Gewissens nicht aufgehoben wor⸗ Durch die Behauptung, der Pairshof sey ein Ausnahrne⸗ Gericht, werde die Gesetzmaͤßigkeit desselben noch nicht in Abrede gestellt. Die Charte erkenne den Pairshof an, allein nur als Ausnahme⸗Gericht, auf welches die gewoͤhnliche Prozedur keine Anwendung finden koͤnne, weil es, zu gleicher Zeit ankla⸗ end und veruͤrtheilend. eine vollstaͤndige 11““ ausuͤbe. ach einer Deliberation, welche drei und eine halbe Stunde dauerte, faͤllte der Gerichtshof endlich sein Urtheil, das woͤrtlich also lautet:
„In Betracht, daß die Berathschlagung des Disziplinar⸗Ra⸗ thes des Advokatenstandes vom ö6ten d. M. den Zweck hat, den von Amtswegen ernannten Advokaten in der Form einer Resolution oder eines Gutachtens den Weg vorzuzeichnen, den sie bei der Vertheidi⸗ gung der Angeklagten vor dem Pairshofe zu befolgen haben, und ihnen ihr Verhalten in Bezug auf die Verordnung vom 30. Maͤrz anzugeben; in Betracht, daß der Disziplinar⸗Rath, der speziell beauftragt ist, fuͤr die Aufrechthaltung der Gesinnungen der Treue gegen unsere zeefasanaemafigen Institutionen Sorge zu tragen, das Recht nicht hat, uͤber die bindende Kraft einer Koͤniglichen Verord⸗ nung fuͤr die Mitglieder des Advokatenstandes zu berathschlagen; daß, wenn man auch den Advokaten die allen Buͤrgern zustehende Bfstithens nicht bestreiten kann, sich auf gesetzlichem Wege und in gesetzlicher Form gegen solche V wahren, die sie als verfassungswidrig und ihre igend betrachten moͤchten, der Disziplinar⸗Rath doch diese Verordnungen nicht ta⸗ deln, noch die Advokaten veranlassen darf, sich den Pflichten zu ent⸗ ziehen, die ste ihnen auflegen; in Erwaͤgung, daß der Disziplinar⸗ Rath, als er den Advokaten den Rath ertheilte, sie moͤchten dem Praͤsidenten des Pairshofes schreiben, daß sie es eventuell als ihre Sing. betrachten wuͤrden, sich der Vertheidigung zu enthalten (was ie der Verbindlichkeit uͤberheben wuͤrde, vor dem Pairshofe zu er⸗ scheinen, um ihre Entschuldi ungs⸗Gruͤnde vorzubringen), und als er einen Kollektiv⸗Beschluß aßte⸗ der außerhalb seiner Befugnisse liegt, offenbar einen Gewalt⸗Mißbrauch begangen hat; — erklaͤrt der Koͤnigl. Gerichtshof die edachte Berathschlagung vom 6. April, sammt den darauf erfolgten Resolaticvwer fuͤr nun und nichtig, und befiehlt, daß das gegenwaͤrtige Urtheil dem Disziplinar⸗Rathe durch den General⸗Prokurator notssczirt werde, damit dieser es seiner Be⸗ rathschlagung anhaͤnge.“ 1
Der Moniteur giebt heute die gewoͤhnliche vierteljaͤhrliche Uebersicht der Staats⸗Einnahme im Vergleich zu derjenigen in den beiden vorhergehenden Jahren. Hiernach haben die indirek⸗ ten Steuern im ersten Quartale d. J. 140,784,000 Fr. einge⸗ tragen, d. i. 7,310,000 Fr. mehr als im Jahre 1833, und 6,508,000 Fr. mehr als im Jahre 1834.
Laut Nachrichten aus Algier, die bis zum 6ten reichen, ist neuerdings bei Buffarick ein lebhaftes Gefecht geliefert worden., Die Franzosen trieben die Araber zuruͤck und verfolgten sie sieg⸗ reich bis Belida. Hier brachen aber ploͤtzlich von allen Seiten zahl⸗ reiche Schwaͤrme auf sie ein und man sah sich zum Ruͤckzuge ge⸗ noͤthigt, der nur mit einem empfindlichen Verluste moͤglich wurde. General Bro soll verwundet, sein Sohn gefallen seyn. Zu Haouch Bay mußten, wie es heißt, zwei Stuͤck Geschuͤtz im Stich gelassen werden.
Aus Bayonne schreibt man unterm lIten von welche im Bastan⸗Thale stattgefunden haͤtten. am 7ten waͤre Sagastibelza von einem constitutionnellen Corps unter Oraa und Jaureguy geschlagen worden. In dem andern sollen die Kolonnen unter Aldama, Gurrea und Lopez nebst der Kavallerie der Koͤnigin 11 Karlistische Bataillone unter Zumala⸗ carreguy nach hartnaͤckigem Widerstande in die Flucht gejagt ha⸗ ben. Auch am 1lten befand sich Lord Elliot noch in Snn-
Die Sentinelle des Pyren es theilt ein Schreiben aus Corona mit, wonach Lopez mit einem Verluste von 60 Todten und 35 Gefangenen, unter denen drei Priester und fuͤnf Fran⸗ ziskaner, zuruͤckgeschlagen worden waͤre. Aus Vittoria wird ge⸗ meldet, daß der General Cordova mit dem Oberbefehl uͤber die Provinz beauftragt sey. General Carratala ist General⸗Capitain von Estremadura geworden und bereits nach seiner rovinz ab⸗ gereist. Die kuͤrzlich in allen Theilen Spaniens gebildeten Si⸗ cherheits⸗Bataillone sind marschfertig. Nach einem Schreiben von der Graͤnze vom gten hat Zumalacarreguy eine allgemeine Aushebung in der Borunda angeordnet. 1
n zwei Treffen, In dem einen
Großbritanien und Irlan
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ f vom 11. April. Auf den Antrag des Herzogs von ellington wurden die Aufruhr⸗Bills zum drittenmal verle⸗ sen und angenommen. 8
Oberhaus. Sitzung vom 13. April. Das Haus war schon sehr zeitig mit Pairs gefuͤllt, weil man glaubte, daß uͤber die Bildung des neuen Ministeriums etwas angezeigt werden wuͤrde; dies war aber nicht der Fall. Es wurde durch die Kom⸗ missarien Graf von Roßlyn, Graf von Shaftesbury und de Lord⸗Kanzler den Aufruhr⸗Bills und einigen anderen Gesetzen die Koͤnigliche Zustimmung ertheilt. Dann uͤberreichten mehrere Lords Petitionen zu Gunsten der Aufrechthaltung der Kirche. Der Bischof von Exeter sagte, er habe eigentlich heut die Ueberreichung einer Bittschrift gegen gewisse Untersuchung des Unterrichtswesens in Irland mission anzeigen wollen, da diese Petition aber gegen Beamten der Krone enthalte, so wolle uͤberreichen, als bis eine anerkannte egierung vorhanden sey; er werde also die Vorlegung derselben bis nach Ostern verschieben.
Beschuldigungen
Der Herzog von Wellington beantragte nun die Vertagung
Mitglieder der zuw ernannten Kom⸗
er sie nicht eher
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