1835 / 126 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

n. 1“ 1“““

17ten d. M.: „Heute war ein Tag des Trostes fuͤr alle Freunde der Regierung unserer Koͤnigin Isabella und fuͤr jeden echten Spanier, der seinem Vaterlande den ersehnten Frieden wuͤnscht. General Valdez ist so eben in unseren Mauern angelangt. Sein ploͤtzliches Erscheinen in einem Augenblick, wo wir ihn fern von uns waͤhnten, hat eine Thaͤtigkeit rege gemacht, welche entschei⸗

dende Fragen verspricht. Die Streitkraͤfte, die er in Bewegung zu setzen im Begriff ist, belaufen sich auf 23 Bataillone und

mehrere Schwadronen. Die Zufuhr von Munition und Pro⸗

viant ist gesichert, waͤhrend den Karlisten in Folge der Zerstoͤrung

ihrer Magazine zu Amescoas der groͤßte Mangel droht. Zuma⸗

lacarreguy befand sich gestern zu Cegama und Segura.

die Schluchten von Elgura in die Ebene herabgekommen und haält jetzt die am Fuß des St. Adrians⸗Gebirges liegenden Doͤr⸗ fer besetzt. Don Carlos befindet sich zu Onate, wo Lord Elliot und noch ein anderer Englischer Kommissar angekommen seyn sollen.“

Der zu DVayonne erscheinende Phare enthaͤlt folgendes V

Schreiben aus Madrid vom 15. April: „Eine vom Minister des Innern ergriffene Maßregel hat hier großen Eindruck ge⸗ macht und wird die Regierung in eine mißliche Lage versetzen, wenn die Opposition davon Vortheil ziehen will. Der Minister hat naͤmlich jedem Fonds⸗Maͤkler eine jaͤhrliche Abgabe von 8000

real, der die Insurgenten von Alava befehligt, ist gestern durch

Realen (2000 Fr.) auferlegt, und da diese Steuer weder von den 1

Cortes genehmigt, noch durch das Koͤnigliche Statut festgesetzt ist, so wird sie gar nicht als guͤltig betrachtet. Die Fonds⸗Maͤkler halten sich nicht fuͤr verpflichtet, sie zu entrichten, und haben be⸗ fuͤgung Folge zu leisten. Es waͤre sehr wuͤnschenswerth, daß diese

Grund, zu fuͤrchten, daß dies nicht der Fall seyn wird. Der

1P1P11 Meine durch die Gesetz⸗Sammlung bekannt gemachten Ordres vom 6. Maͤrz und 5. September 1821. Sie haben die Bekannt⸗ machung Meiner gegenwaͤrtigen Ordre durch die Gesetz⸗Samm⸗ lung zu veranlassen und die Gerichtshoͤfe mit der erforderlichen Anweisung zu versehen. Berlin, den 25. April 1835. Friedrich Wilhelm. An die Minister der Justiz und den Minister 1 ddes Innern und der Polizei.“”“) Das in demselben Stuͤcke der Gesetz⸗Sammlung unter No. 1594 befindliche Publications⸗Patent lautet also:

„In der Zgsten vorjaͤhrigen Sitzung der Deutschen Bun⸗ des⸗Versammlung laut ihres Protokolls vom 13. November ha⸗ ben sich saͤmmtliche Regierungen des Bundes, Behufs der De⸗ claration der im Art. XII. der Deutschen Bundesakte enthaltenen

Bestimmung wegen Verschickung der Akten auf eine Deutsche

Fakultaͤt oder an einen Schoͤppenstuhl, mittelst einhelligen Be⸗ schlusses zu der folgenden erklaͤrenden Bestimmung vereinigt:

Da sich ergeben hat, daß die im Art. XII. der Bun⸗ desakte enthaltene Bestimmung wegen Verschickung der Akten auf eine Deutsche Fakultaͤt oder einen Schoͤppen⸗

stuhl zur Abfassung des Endurtheils, zum Theil auch auf Polizei⸗ und Kriminal⸗Erkenntnisse ausgedehnt wor⸗

den ist, eine solche Ausdehnung aber nicht in dem

Sii8nne jenes Artikels liegt,

nur auf Civilstreitigkeiten Anwendung zu finden habe.

schlossen, sich lieber ins Gefaͤngniß setzen zu lassen, als der Ver⸗ Dem Allerhoͤchsten Befehle Seiner Majestaͤt des Koͤnigs zufolge,

wird diese Bestimmung, als eine weitere Entwickelung eines in

Civil⸗Gouverneur hat den Betheiligten kurzweg die Erlaubniß

su einer Versammlung verweigert, in der sie uͤber die zu ergrei⸗

enden Maßregeln berathschlagen wollten, und diese Weigerung i die Differenzen noch vermehrt und die Ausgleichung dersel⸗ en erschwert. In den Cortes ist geaͤußert worden, daß die Geistlichkeit sebbst eine Reform in ihrer Korperschaft wuͤnsche, denn sie ist uͤber ihr Schicksal so im Uagewissen, daß sehr viele Mit⸗

glieder derselben ihre Kloͤster verlassen und ihre Zuflucht in Pri⸗ vathaͤuser genommen haben, weil sie sich in ihrem geistlichen Or⸗

nat nicht oͤffentlich zu zeigen wagten. In der vorgestrigen Nacht verließen die Moͤnche del Carmen ihr Kloster aus Furcht, ermor⸗ det zu werden. Ihre Besorgniß war zum Gluͤck ungegruͤndet, aber so viel ist gewiß, daß die Stadt⸗Miliz den Befehl erhalten hat, auf das erste Signal in Bereitschaft zu seyn. Die Aufhe⸗

bung der geistlichen Orden wird gewiß einen guͤnstigen Eindruck machen, und es ist zu hoffen, daß man den Einfluͤsterungen zu

Gunsen ihrer Beibehaltung kein weiteres Gehoͤr geben, daß man ihnen aber auch 89 wie in den Zeiten der Constitution, die 8 ausgesetzten Pensionen vorenthalten wird.

den Reformen ordnungsmaͤßiger verfahren wird, als in jenen Tagen, wird man gewiß die Lage der Geistlichkeit mehr mit un⸗ serem politischen Zustande in Uebereinstimmung bringen, ohne

ihren Interessen zu großen Abbruch zu thun. Wenn man anders

Jetzt, wo bei

verfuͤhre, so wuͤrde die Regierung, statt sich zu staͤrken und zu befestigen, vielmehr erschuͤttert und die gewuͤnschte Reform eher

schaͤblich als nuͤtzlich werden. Von den Moͤnchen, die bei den

Unruhen am 3ten d. zu Saragossa verwundet wurden, sind zwei

gestorben.

find ihrem Beispiele gefolgt.“

b hEe11161.“ Berlin, 5. Mat.

Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre:

„In Folge des Beschlusses der Deutschen Bundes⸗Versamm⸗ lung vom 20. Juni 1833, wodurch zur Ermittelung des wider

die oͤffentliche Ordnung in Deutschland gerichteten hochverraͤtherischen Unternehmens, insbesondere des am 3. April desselben Jahres zu

Frankfurt am Main veruͤbten Attentats, gerichtliche Untersuchungen in

den Staaten des Deutschen Bundes verfuͤgt wurden, habe Ich be⸗ reits durch Meine Order vom 6. Juli 1833 das Kammergericht

suchungen beauftragt, die in Meinen Staaten wider die Theil⸗

nehmer an diesen hochverraͤtherischen Unternehmungen einzulei⸗ Da jedoch der Zweck der Untersuchungen nicht bloß auf die Ermittelung der Strafbarkeit einzelner Verbrecher und ihrer Theilnehmer, sondern zugleich auf die Verfolgung aller

uren gerichtet ist, auf welchen man erwarten darf, die Ver⸗ si 1 Un. Sp . gte Eeascege⸗ 3 einen Platz in ihrem Blatte angewiesen,

parteilichkeit zu bekunden,

ten sind.

zweigungen einer weit verbreiteten Verbindung wider die beste⸗ Hende gesellschaftliche Ordnung nicht allein in den Staaten des

D'utschen Bundes, sondern auch, hinsichtlich ihres Einflusses auf D utschland, in den benachbarten Laͤndern zu entdecken, und da dieserhalb eine Einheit des Verfahrens wesentlich erforderlich erstatteten Berichte und nach Ihren Antraͤgen beschlossen: das Kammer⸗

ist, so habe Ich auf Ihre hieruͤber an Mich gericht fuͤr den Zacger Umfang Meiner Monarchie zum aus⸗

schließenden Gerichts

weisen. Es soll dahin zunaͤchst das Verbrechen des Hechverraths nach den Bestimmungen des Landrechts Th. II. Tit. 20. §§. 92

bis 99. einschließlich der F§. 163—165. und 185. gerechnet wer⸗ den. Was die uͤbrigen im §. 91, bezeichneten, im dritten, vierten und fuͤnsten Abschnitte des vorgenannten landrechtlichen Titels ab⸗ gehandelten Staatsverbrechen betrifft, so sollen selbige zwar der Kom⸗ petenz der ordentlichen Gerichte verbleiben, ese jedoch veypflichtet seyn, . 8 v ar

in jedem Falle, in welchem ihnen nicht klar vorl egt, daß das Verbre⸗

der Vergehen in ke Verbindung mit den dem Ressort des 2 8. 1 chen oder Vergehen in teiner Verbindung mit den dem Ressort des fessor Heßmer aus Frankfurt a. M. vor, welche dieser kunstsinnige

Architett mit unermuͤdetem Fleiße und ausgezeichnetem Talent in den Moscheen von Kahira und mehreren alt⸗Italiaͤnischen Basiliken

Kammergerichts uͤberwiesenen ochyerraͤtherischen Unternehmun⸗ gen und Attentaten stehe, der Ministerigl!⸗Kommissien Anzeige zu maechen, damit selbige nach Vernehmung des Kammergerichts be⸗ schließe, ob Untersuchung und Erkenntniß dem ordentlichen Ge⸗ richie vorzubehalten oder dem Kammergerichte zu uͤberlassen sey.

Insbesondere soll dieses in allen Faͤllen der Landesverraͤtherei,

welche auch im Friedenszustande sich ereignen koͤnnen, und we⸗ gen der Verbrechen gegen die innere Ruhe und Sicherheit des Staats, namentlich wenn sie zu den in §§. 151 155. und 167,

bezeichneten strafdaren Handlungen gehoͤren, stattfinden. In

Ruͤcksicht auf die Anwendbarkeit der in Bezug genommenen Be⸗ stimmungen des Landrechts auf die Einwohner der Pn chen, in welchen dasselbe noch nicht eingefuͤhrt ist, verweise Ich auf

Die Kloͤster stehen fast leer, denn die Moͤnche haben beinahe alle die Stadt verlassen, und auch einige Welt⸗Geistliche

ofe wegen aller und jeder Verbrechen und Vergehungen wider die Verfassung und wider die oͤffentliche Ordnung und Ruhe, sowohl Meiner saͤmmtlichen Staaten, als auch der uͤbrigen Staaten des Deutschen Bundes bis auf Wei⸗ teres zu bestellen, und demselben mit Aufhebung des anderweiti⸗ g'n persoͤnlichen Gerichtsstandes der Beschuldigten, sowohl die üntersuchungen als auch die Abfassung der Erkenntnisse zu uͤber⸗

schaͤdigte. 1 breitstein wird nun einstweilen durch Kaͤhne bewerkstelligt. Seit

Das heute ausgegebene 7te Stuͤck der heute Morgen sind Pioniere der hier garnisonirenden Abtheilung

—— enthaͤlt unter der Nr. 1597 die nachstehende ein Menschenleben verloren.

Angelegenheit ohne Aufsehen abgemacht wuͤrde, aber wir haben der Deutschen Bundes⸗Akte bereits enthaltenen Grundsatzes mit

der, im Sinne derselben ergangenen Verfuͤgung:

daß die Juristen Fakultaͤten der Universitaͤten in den

von Erkenntnissen in Polizei⸗ und Kriminal⸗Sachen aus

andern Deutschen BundesStaaten zugeschickt werden,

sich der Abfassung solcher Erkenntnisse zu enthalten und 5

dergleichen Akten ohne Weiteres wieder zuruͤck zu sen⸗

den haben, 1 von dem Staats⸗Ministerium saͤmmtlichen Landes⸗Behoͤrden und Unterthanen in den zum Deurschen Bunde gehoͤrigen Provinzen der Monarchie hierdurch zur Kenntniß gebracht. , Berlin, den 31. Maͤrz 1835. Koͤnigliches Staats Ministerium. Friedrich Wilhelm, Kronprinz. .v. Altenstein. Graf v. Lottum. Muͤhler. Ancillon. v. Witzlebe chow. Graf v. Alvensleben.“

Ihre Koͤnigliche Hoheit die Frau Herzogin von Cam⸗ bridge kam am 30sten v. M. Nachmittags auf Ihrer Reise nach

London durch Duͤsseldorf und fuhr, nach Besichtigung der dortigen Kunst⸗Akademie, noch an demselben Tage bis Juͤlich, wo das Nachtquartier bestellt war.

Man schreibt aus Koblenz unterm 30. April: „Ge⸗

stern um 6 Uhr Nachmittags sollte ein vom obern Rhein kom⸗ mendes Floß die Schiffbruͤcke passiren,

und es waren zu diesem Ende drei Joche auf der linken Seite geoͤffnet worden. Durch den Wind und die heftige Stroͤmung ward aber das Floß nach der rechten Seite zugeworfen, und trieb mit solcher Gewalt ge⸗ gen die Bruͤcke, daß es mehrere Joche fortriß und bedeutend be⸗ Die Verbindung zwischen Koblenz und Thal⸗Ehren⸗

schon mit der Wiederherstellung der Bruͤcke beschaͤftigt, was je— doch einige Tage dauern duͤrfte. Bei diesem Unfalle ging auch Ein Ruderknecht wurde durch den Rost des Ruders niedergeschlagen und versank im Strome. Vor einigen Tagen gerieth ein stromaufwaͤrts fahrendes Kohlen⸗ schiff unter einem heftig wehenden Sturmwinde bei Lorchhausen auf einen Felsen und ging unter.

Der Verein, der sich in Koͤnigsberg in Preußen zur

n „1 b Abhaͤlfe des Nothstandes in Ost⸗Preußen und Litthauen gebildet zu Berlin, unter der obern formellen Leitung einer aus Ihnen gebildeten Ministerial⸗Kommission, mit der Fuͤhrung aller Unter⸗!

hat, macht im neuesten Blatte der dortigen Zeitung bekannt, daß ihm bis dato 4451 Rthlr. an Unterstuͤtzungen zugegangen und daß hiervon bereits 2700 Rthlr. Behufs des Ankaufs von Saat⸗ Kartoffeln unter die Spezial⸗Vereine vertheilt worden seyen.

Der Redaction ist die nachstehende Reclamation zugegangen; sie hat derselben zwar, nach dem Wunsche des Herrn Einsenders, um dadurch ihre Un⸗ findet sich jedoch im Allgemeinen zu der Bemerkung veranlaßt, daß sie sich in eine Polemik uͤber die in der St. Ztg. gelieferten Kunst⸗Kritiken nicht einlassen kann:

„In Beziehung auf die in die Nr. 121. der St. Ztg. auf⸗ genommene Kritik uͤber Herrn Schorn's schoͤnes Bild „Salvator Rosa unter den Raͤubern“, erlaubt sich ein Freund der Kunst

nachstehend die eigenen Worte des Direktors der Koͤnigl. Akade⸗

mie der Kuͤnste, Herrn Schadow, aus einem bei Gelegenheit der Aufstellung dieses Bildes an ihn gerichteten Billet mitzutheilen:

„Herrn Schorn's treffliches Gemaͤlde verdient den besten Platz.“

Diesen Worten, die zugleich das Urtheil der ersten und aus⸗ gezeichnetsten Kuͤnstler von Berlin sind, wird gewiß eine gefaͤllige Aufnahme in die Staats⸗Zeitung nicht versagt werden.“

—42¶

aeDmnmem,b———.—

Berlin. In der gesternstattgehabten Versammlung des wissenschaft⸗ lichen Kunst⸗Vereins gab Hr. Panofka archdologische Erlaͤuterun⸗ gen zu dem von ihm berausgegebenen Werke uͤber die Vasen, Bron⸗ cen und anderen Alterthuͤmern der Sammlung des Grafen Por⸗ Herr Ahlborn legte der Gesellschaft zwei Mappen mit Handzeichnungen architektonischer Ornamente des Pro⸗

gemacht hat. Die Herausgabe dieser werthvollen Sammlung wuͤrde

der Verein bereitwillig unterstuͤtzen. Von dem Kunsthaͤndler Hrn.

Luͤderitz waren zur Ansicht mitgetheilt: 1) Album, enthaltend die Bildnisse der Familie Sr. Majestaͤt des Koͤnigs, welche von den Prinzen und Prinzessinnen des Koͤnigl. Hauses in den von dem Professor Kruͤger gezeichneten Originalen dem Koͤnigl. Staatsrath und ersten Leibarzt Sr. Majestaͤt des Koͤnigs Herrn Dr. Hufeland bei seinem 50jaͤhrigen Dienst⸗Jubilaͤum verehrt wurden. Saͤmmt⸗ liche Portraits, bei denen sich auch die des Kaisers von Rußland Maj. und der Frau Fuͤrstin von Liegnih befinden, sind, wie es sich von der Meisterhand Kruͤger's erwarten laͤßt, von sprechender Aehnlichkeit, und auch die Ausfuͤhrung der Stein⸗Zeichnung ist sehr gelungen.

o erklaͤrt die Bundes⸗Ver⸗

ilung, daß der gedachte Art. XII. der Bundesakte änöhlhit. das Fe gedach Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel.

Koͤniglichen Staaten, wenn ihnen Akten zur Abfassung

Frh. v. Brenn.

9 Pf., auch 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf.; Hafer 27 Sgr. 6 Pf

1“ 2) Kunstbuch der Duͤsseldorfer Maler⸗Schule, Ori inalblaͤtter und Nachbildungen in Facstmile. Erste Lieferung, enrhaltend vier Blaͤt⸗ ter Radierungen und Zeichnungen von Lessing, Bendemann, Ad. Schroͤtter, W. Schirmer. Schon die Namen dieser aus⸗ gezeichneten Kuͤnstler der Duͤsseldorfer Schule verbuͤrgen den Weerh dieser Blaͤtter, und wir koͤnnen nur den Wunsch binzufuͤgen, daß eine so ruͤhmliche und erfreuliche Unternehmung von Seiten dez kunstliebenden Publikums die verdiente Unterstuͤtzung 8 moͤge.

Meteorologische Beobachtung. 8

1835. Morgens Nachmitt. Abends] Nach einmaliger 4. Mai. 6 Ubr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

Luftdruck. 335 73“„Par. 334,27 Par. 335, 19 Par. Quelhvärme 7,0 °R. Luftwaͤrme +. 7,8 °R.+ 11,6 °R.]+ 7,5°R. Flußwärme 10, 2 0 R. Thaupunkt 4+ , , °%R. + 6,0 °R. + 5, °R Bodenwarme 9, 8 *R. Dunstsaͤtig 74 pCt. 64 pCt. 81 pCt. Ausdünst. 0,072 Rh. Wetter... heiter. heiter. halbheiter. Niederschlag 0 1 72 Rh. Wind Scw SW. Sc. Wolkenzug SW. Tagesmittel: 332 73 Par.. 9,00 R... 5, R..

witter⸗Regen.

73 pCt.

Berliner Börse Den 5. Mai 1835. 8 (Preu/fs. Cour.

W. iriägfaen. [Zf. Rriefjceln.

101 72 100 2 [Ostpr. Pfandbr. 102 99 ¾ 98¼ [Pomm. do. 107 6517 65 v12 [Kur- u. Neum. do. [102 ¾ 101 (Schlesische do. [100 ½ 100 ½ [Kkst. C. u. Z.- Sch. 101 d. K.- u. N. 79 ½ 98 ¾

g“ 39 ½ 39 102 ½ 102 ¾

St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Prüim. Sch. d. Seeh. Kurm. Obl. m. J. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do. Elbing. do. Danz. do. in Th. Fsnhst Pfandbr.

Grosshz. Pos. do.

Gold al marco 216 Jene Duk.. 18 ¾ Friedrichsd'or.—- 13 ½ Disconto 3

23

EE— =

CPe-* chsel-Cours

9 18 8 Eirief.] Geld.

anm Amsterdam . . IIöII 142 ½ dito 250 Fl. 141 Hamburg 300 Mk. 151 ¾ dito 300 Mk. 2 Mt. 151½ London 1 LSt. 3 Mt. 6 25 ½ Paris —. 300 Fr. [2 Mt. 80 150 Fl. [2 Mt. 104½ 150 Fl. [2 Mt. 103 100 Thl. 2 Mt.

100 Thl. 18 Tage 103 ½

150 Fl. 2 Mt. 103

100 Rbl. 3 Woch. . .. 600 Fl. Kurz

Kurz. 2 Mt. Kurz

Augsburg Breslaun... Leipzig

1SSItIIII

Petersburg . ... Warschau

8

7 Auswärtige Börsen.

Frankfurt a. M., 2. Mai. Oesterr. 5 ¼ Metall. 103. 102 ½. 4 8 9711 9719. 18 25 ½ G. Bank-Actien 1626. 1624. Part.-Oblig. 14/1. G. Loose zu 100 G. 213 ½ Br. Preuss. Pröm.-Sch. 65 ½ 65. do. Anl. 97 ¾. G. Holl. 5 8 Oblig. v. 1832 101 ½ 101 ¾ Poln. Loose, 70 70½⅛. 5 8 Span. Kente 481. 47 ½. 38 do. perp. 29 ½. 29 ½.

24 8,57½, K

Paris, 29. April. 8

5 %8 Kente 108. 10. 3 8 do. 82. 25. 59 Neap. 99. 5. 5 % Span. 50 ½. 38 32 ½. Ausg. Span. Sehuld 23. Cortes 32. 2 ½ 8 Holl. 58. 15.

bas 8e

Koͤnigliche Schauspiele.

Mittwoch, 6. April. Im Schauspielhause: Der Kardinal und der Jesuit, historische Tragikomoͤdie in 4 Abth., von C. Raupach. Hierauf: Der reisende Student, musikalisches Quod⸗ libet in 2 Abth.

Donnerstag, 7. Mai. Im Opernhause: von Venedig, Schauspiel in 5 Abth., von Shakespeare. (Hr. Seydelmann: Shylock, als Gastrolle.)

Im Schauspielhause: 1) La Puritaine, drame-vaudeville en 2 actes. 2) Judith et Holopherne, vaudeville comique en 2 actes.

Freitag, 8. Mai. Im Schauspielhause: Zum erstenmale: Die Schule des Lebens, Schauspiel in 5 Abth., nach einem Maͤhrchen, von E. Raupach. E1“

Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Mittwoch, 6. Mai. Anna Boulen, Oper in 2 Akten, nach dem Italiaͤnischen des Felix Romani. Musik von Donizetti. (Dlle. Vial, vom Koͤnigl. Sardinischen Hof⸗Theater zu Turin: , Ge

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. 8 3 in Valss

Donnerstag, 7. Mai. Der Gloͤckner von Notre⸗Dame, ro⸗ mantisches Drama in 6 Tableaux, von Charlotte Birch⸗Pfeiffer.

Freitag, 8. Mai. Die Reise auf gemeinschaftliche Kosten, Psg in 5 Akten, von L. Angely. Vorher: Die Ehrendame,

ustspiel in 1 Akt, von A. Cosmar. .“

Markt⸗Preise vom Getraide. Berlin, den à4. Mai 1835. ““

Zu Lande: Roggen 1 Rthlr. 16 Sgr.; Hafer 28 Sgr. 9 Pf/

Ach, Sgr., * N he Rth

Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 26 1

1 Rthlr. 20 Sgr. und Rthlr. 15 S Sgr. 8 3 Pf, auch 1 Rthlr. 13 Sgr. 9 Pf; große Gerste 1 Rthlr. 2

Pf., auch

. 2

26 Sgr. 3 Pf. Sonnabend, den 2. Das Schock Stroh 8 Rthlr. 10 S der Centneer Heu 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 P

.

Gedruckt bei A. W. Hayn.

Nachmittag 6 ¼ Uhr Ge.

Der Kaufmann

Forderung kein Zweifel mehr.

gr.; Roggen 1 Rthlr. 16 Sgr.

Fur hre

11ö6*“

n, Donnerst

ag den 7ten Mai

la

9.

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————

8 Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Major von Stock⸗ hausen vom Generalstabe den St. Johanniter⸗Orden zu verlei⸗ 8 ihot...

Der bisherige Land⸗ und Stadtgerichts⸗Assessor Fiedler ist zum Justiz⸗Kommissarius mit der Praxis bei den Gerichten zu Goldapp, Gumbinnen, Pilkallen, Schirwindt und Stallupoͤnen und zum Notarius im Departement des Ober⸗Landesgerichts zu Insterburg, mit Anweisung seines Wohnortes in Stallupoͤnen, ernannt worden.

Der bisherige Ober⸗Landesgerichts⸗Referendarius Heubach ist zum Justiz⸗Kommissarius mit der Praxis bei den Gerichten in Saalfeldt, Mohrungen und Preußisch⸗Holland, und mit An⸗ weisung seines Wohnsitzes in Saalfeldt, bestellt worden.

Der bisherige Referendar Richard von Hontheim ist auf Grund der bestandenen dritten Pruͤfung zum Advokat⸗An⸗ walt bei dem Appellationsge richtshofe zu Koͤln ernannt worden.

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ngs-Nachrichten. Ausland.

Rußland.

St. Petersburg, 29. April. Der Kaiserl. Hof hat vor— gestern wegen des Ablebens Sr. K. K. Hoheit des Erzherzogs Anton von Oesterreich die Trauer auf 10 Tage angelegt.

Der Praͤsident der Bittschriften⸗Kommission, Wirkliche Ge⸗ heime Rath Kuschnikoff hat die brillantenen Insignien des Alexan⸗ der⸗Newsky⸗Ordens und der Praͤsident des Evangelisch⸗Lutheri⸗ schen General⸗Konsistoriums, Geheimerath Graf Tiefenhausen, den Wladimir⸗Orden zweiter Klasse erhalten.

Der General⸗Major Bronewski, ein sehr geschaͤtzter Russi⸗ scher Schriftsteller, der sich eben mit einer Geschichte des Feld⸗ zuges von 1812 beschaͤftigte, ist am 19. d. M. mit Tode abge⸗ gangen.

Wegen des Eisganges ist vorgestern Nacht die Isaaksbruͤcke abgenommen worden; gegen 7 Uhr Abends wurde gestern die

Kommunication durch Boͤte wieder evoͤffner.

Riga, 30. April. Der Großherzoglich Mecklenburgische Konsul am hiesigen Ort, Herr Strauß, hat am 24. d. M. eine angemessene Feier des funfzigjaͤhrigen Regierungs⸗Jubilaͤums Sr. Koͤnigl. Hoheit des Großherzogs von Mecklenburg⸗Schwerin veranstaltet.

Ueber das Augenheilverfahren des (bereits in diesen Blaͤt— tern erwaͤhnten) St. Petersburgischen Buͤrgers Abreschnikoff ge⸗ hen fortwaͤhrend die guͤnstigsten Berichte ein. Er heilt allerdings auch den schwarzen Staar, sagt jedoch selbst, daß nicht bei jeder Operation dieser Art der guͤnstige Erfolg zu verbuͤrgen sey, be⸗ sonders wenn der Koͤrper sehr geschwaͤcht ist und auch andere Organe noch leidend sind. Die Mittel, die er hauptsaͤchlich an⸗ wendet, sollen Vitriol und Merkur seyn, uͤber deren positiver Wirksamkeit uͤbrigens die achtbarsten Zeugnisse vorhanden sind. In schriftliche Korrespondenz mit Leidenden laͤßt er sich nicht ein und diese muͤssen sich ihm durchaus in Person vorstellen.

Frankreich.

Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 28. April. (Nachtrag.) Im ferneren Verlaufe der Berathungen uͤber die Forderung der 1,200,000 zu den geheimen Ausgaben ließ sich Herr Pageès vom Arriège⸗Departement vernehmen. Es herrsche, meinte er, uͤber die wahren Absichten der Minister bei dieser Anstatt, wie die vorige Kammer olches bei der Bewilligung von 1,500,000 Fr. geglaubt, dieses Geld fuͤr polizeiliche Maßregeln zu verwenden, habe man nach der eigenen Erklaͤrung des Ministers im Jahre 1833 mit 272,000 Fr. die geheimen Spione und mit dem Reste von 1,228,000 Fr. geheime Gehalte und Pensionen bezahlt. Bei der Motivirung des der Berathung vorliegenden Gesetz⸗Entwurfes habe der Minister zu beweisen sich bemuͤht, daß der verlangte Zuschuß zur Aufrechthaltung der Juli⸗Regierung unumgaͤng⸗ lich noͤthig sey; eine solche Aeußerung vertrage sich aber schlecht mit dem von den Ministern selbst gemachten Antrage, daß man die vorliegende Frage als eine Frage des Vertrauens betrachte. Nichts destoweniger wolle er, bloß damit die Minister auf ihrer Bahn, jedoch mit vollkommener Verantwortlichkeit fuͤr die Zu⸗ kunft, ungehindert fortschreiten koͤnnten, einen Theil der geheimen Fonds bewilligen, wenngleich sich nicht leugnen lasse, daß die ge— eime Polizei sich bei Verschwoͤrungen stets unwirksam erwiesen abe. So habe sie z. B. unter der Kaiserlichen Regierung we⸗ der die Hoͤllen⸗Maschine, noch die Verschwoͤrung des Generals Nallet, und unter der Restauration eben so wenig die Empoͤrung des General Berton verhindert. So habe man erlebt, wie die erzogin von SaintLeu durch Frankreich gereist sey, und ihre nkuͤnft in Paris selbst den Behoͤrden angezeigt habe. Dasselbe „gelte von der heimlichen Nuͤckkehr der Herzogin v. Berry und von der Reise des Don Carlos durch Frankreich. Fuͤr die Bewachung der Paͤsse der Pyrenaͤen brauche man keine Polizei, dazu seyen Zollaͤmter und Gendarmerie hinreichend. Bloße Korresponden⸗ ben aber koͤnne keine Macht im Staate verhindern. Gelte es hier, ie Monarchie oder ihr System zu unterstuͤtzen, so wuͤrde nichts⸗ destoweniger ein jeder mit gutem Gewissen und aus voller Ueber⸗ eugung das Verlangte votiren. Er erkenne vielleicht mehr als Indere die Nothwendigkeit an, daß eine Regierung mit hinlaͤng⸗ licher Kraft ausgeruͤstet sey; um das Land zu beschirmen; und wenn man sich einerseits ihren Anmaßungen widersetzen muͤßte, so fuͤhle man andererseits um so dringender das Beduͤrfniß, sie

zog von Orleans fuͤr

in ihren gesetzmaͤßigen Praͤrogativen zu unterstuͤtzen. Da aber die vorliegende Frage ihrer Natur nach rein eine Frage des Vertrauens des Landes zu der Regierung sey, eine Frage, nicht der Politik, sondern des Ministerialismus, so koͤnne er nicht umhin, das System der Minister zu untersuchen. „Zuerst aber frage ich“, fuhr Herr Pages fort, „was bedeutet ein System, ein absolutes System, ein System a priori, das wie ein Ver⸗ haͤngniß die Krone wie das Land druͤckt? Haͤtte das Koͤnig— thum ein System, so ließe sich dies begreifen, denn das Inter⸗ esse des Koͤnigthums ist das des Landes, und wenn diese Inter⸗

essen einander feindlich begegnen, so brechen die Revolutionen herein. Was indessen ein ministerielles System sey, weiß ich nicht. Das Interesse der Minister, als einzelne Individuen, ih⸗ res Vermoͤgens, ihres Ehrgeizes vielleicht, und das Interesse der Monarchie und des Landes sind voͤllig von einander verschieden. (Zeichen der Verneinung auf der Minister⸗Bank.) Freund oder Feind muͤssen es bekraͤftigen, daß eine große Popularitaͤt seit dem Juli den Thron umgiebt. Das, was der Her⸗ die Revolution von 1789 gethan, seine Sympathie fuͤr die Opposition, die Beweise seines Muthes und seiner Maͤßigung, seine Klugheit und Liberalitaͤt, hatten der Nation von den Faͤhigketten des Koͤnigs einen großen Be⸗ griff beigebracht. Mitten unter den Parteiungen, die das Land

zerrissen, verließ Frankreich sich auf die Voraussicht des Koͤnigthums;

es war uͤberzeugt, daß seine hohe Einsicht die Angriffe der Anarchie auf die Macht und der Macht auf die Freiheit zuruͤckweisen wuͤrde. Und jetzt frage ich, hat das Ministerium diese gluͤckliche Stellung, die sich der Koͤnig von 1789 bis 1830 geschaffen, zu behaupten gewußt? Ich glaubte immer, unter einer monarchischen Regierung koͤnne es außerhalb des Koͤnigthums keine Macht ge⸗ ben. Dank unseren Ministern, sie haben mir die Augen geoͤffnet. Im Devpartement des Innern sagt uns ein Minister ohne Auf⸗ hoͤren: Mein System, und giebt uns zu verstehen, daß seine ihm eigenthuͤmlichen Ideen unsere ganze innere Politik regieren. Nach Außen, hat uns ein Botschafter ebenfalls anvertraut, sein System habe unsere ganze auswäͤrtige Politik geleitet. Zwar hatte derselbe die Artigkeit hinzuzusetzen, daß er den Gedanken des Koͤnigs errathen habe. Allein, schaut man hin⸗ ter diesen zarten Schleier, wo die Hoͤflichkeit die Selbstliebe verdeckt, so bleibt es in Frankreich, in der Kammer und in Eu⸗— ropa eine ausgemachte Thatsache: wie das System des einen Ministers die innere Politik regiert, so beherrscht das System eines Botschafters die auswaͤrtige. So freilich schafft man viel⸗ leicht eine Macht, aber sicherlich nicht ein Koͤnigthum. Wuͤrde wohl in den Republiken ein Kabinet es wagen, den Souverain seiner Vorrechte zu berauben? Welcher Minister oder Botschaf⸗ ter wuͤrde sich im Angesicht des Konvents, des Direktoriums, des Konsulats erlaubt haben, von seinem Systeme zu reden? (La⸗ chen und Murren.) So in den Monarchieen; darf hier die Macht weniger aus einer und derselben Quelle herfließen? Wenn unter einer Regierung Ailer ein einziger Wille herrscht, duͤrfen unter der Regierung eines Einzigen mehrere Willen existiren? Wenn der, welcher an der Spitze der inneren Verwaltung steht, zum Lande sagt: das ist mein System; und der welcher die Diplomatie leitet, zum Auslande: dies ist mein System, erlischt da nicht der Koͤnigliche Wille bei diesen untergeordneten Willens⸗ Erklaͤrungen? (Wachsende Bewegung.) Zwingt Ihr nicht das Ausland, an dem Einflusse, dem Uebergewicht, der Majestaͤt der Krone zu zweifeln?“ (Lachen auf der Minister⸗Bank.) Herr Thiers: „Aber Sie scherzen! Sie glauben noch im Jahre 1819 zu leben!“ Der Redner fuͤhrte seine Gedanken weiter aus. „In der Politik“, rief er, „ist man Herr, so lange man noch keine Partei ergriffen hat; einmal gewaͤhlt, giebt es keinen Ruͤcktritt mehr; man kann seine Freunde nicht mitten auf dem Wege im Stiche lassen. Seyd Ihr einmal Doctrinairs aus Wahl, so wer⸗ det Ihr gezwungen seyn, es stets zu bleiben!“ (Allgemeines Ge⸗ laͤchter.) Der Redner schloß mit einer Charakteristik der Taktik des Ministeriums sowohl gegen die Krone als gegen die Kammer. Das Ministerium, meinte er, habe nach seiner zweiten Einsetzung eine Sprache gegen die Kammer gefuͤhrt, wie gegen eine Stadt, die man zum Kapituliren zwin⸗ gen will. Es bleibe dabei, das Kabinet repraͤsentire weder die Krone, noch das Land, sondern die Partei der richtigen Mitte, waͤhrend der Koͤnig bloß auf die Civil⸗Liste und die Tutlerieen an⸗ gewiesen sey. (Heftiges Murren.) Herr Pagès warf noch einen vergleichenden Blick auf das Benehmen der Englischen Opposi⸗ tion in solchem Falle und verlangte zuletzt eine baldige Aufloͤsung der Kammer. Herr Malleville, der fuͤr den Gesetz-Ent⸗ wurf, jedoch unter gewissen Beschraͤnkungen, auftrat, bezeichnete sowohl die Ansichten des Herrn Havin als die des Herrn Ma⸗ dier,de⸗Montjau als excentrisch, und bemerkte, daß er seinerseits die Mitte zwischen beiden halte. Er erklaͤrte, daß er das System des Ministeriums gar nicht kenne; dies Wort klinge. ihm wie ein politisches Arkanum, das nur den Eingeweihten verstaͤndlich sey. Der Graf Sade verwarf das Gesetz vollstaͤndig, da die Regierung fuͤr alle denkbaren Beduͤrfnisse hinlaͤnglich ausgestattet sey. Seit man die politischen Gesellschaften untersagt, habe man uͤberall nur das gewonnen, daß man Spione halten muͤsse, um deren geheime Sitzungen zu belauschen. Uebrigens mache Nie⸗ mand ein Geheimniß daraus, daß es bei der diesmaligen Forde⸗ rung lediglich auf den April⸗Prozeß abgesehen sey. In dem Vortrage des Herrn Leyraud kam eine Beschwerde uͤber die Tages zuvor in der Pairs⸗Kammer von dem interimistischen Kriegs⸗Minister gemachte Mittheilung vor, daß die Deputirten⸗ Kammer sein (des Redners) Amendement verworfen habe. Herr Leyraud exinnerte, daß sein Antrag vielmehr nur durch den des General Valazé modifizirt worden sey. Der Conseils⸗ Praͤsident leistete ihm hieruͤber durch seine Bestaͤtigung die ge⸗ buͤhrende Genugthuung, und erklaͤrte jene Aeußerung fuͤr eine unwillkuͤrliche Ungenauigkeit im Ausdrucke. Es habe durchaus keine Absicht der Regierung hierbei zum Grunde gelegen; dieselbe beharre ö- bei ihrer in der Kammer hieruͤber geaͤußerten visiche und haͤtte nur gewuͤnscht, daß das Amendement mit groͤ⸗ erxer

larheit abgefaßt worden waͤre. Herr von Lamartine

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erklaͤrte im Eingange, er werde, wie Hr. Malleville, sich selbst, nach bestem Gewissen, die Frage stellen, um deren Entscheidung es sich hier handele. Zuvoͤrderst suchte er darauf die un umgaͤngliche Noth⸗ wendigkeit geheimer Ausgaben darzuthun, wobei er einen Blick auf den politischen, moralischen, industriellen und kommerziellen Zu⸗ stand Frankreichs warf. Wenn er sich gleichwohl, bemerkte er, zum Theil wenigstens gegen den Gesetz⸗Entwurf erklaͤre, so geschehe es nicht aus Mangel an Vertrauen zu der Nechtschaffenheit der Minister; ein solcher Gedanke wuͤrde ihn erroͤthen machen: nein, ihr politisches System mißbillige er. Der Redner be⸗ leuchtete nun dieses System und fragte, roas das materielle wie das moralische und religioͤse Wohl Frankreichs dadurch we⸗ sentlch gewonnen habe? Was geschehen sey, um die Pairs⸗ Kammer zu konsolidiren? Man habe sie der Wahl⸗Kandi⸗ datur beraubt, um ihr alle gediegene Macht, alle Wurzeln in der Nation zu entziehen; mit der Erblichkeit habe man sie be⸗ droht; einen Gerichtshof habe man aus ihr gemacht, um ihre Wuͤrde und Popularitaͤt den Beleidigungen aller Parteien aus⸗ usetzen. (Bewegung in verschiedenem Sinn.) Betrachte er (der Ri dner) die Persoͤnlichkeit der Minister, dann habe er aller⸗ dings keinen Anlaß zum Mißtrauen; er ehre ihre Talente, ihre Dienste, ihren Charakter; sie waͤren einem allgemeinen Kriege zuvorgekommen, sie haͤtten die gesellschaftlichen auf der Redner⸗Buͤhne aufrecht erhalten, und den ufruhr auf der Straße edelmuͤthig bekaͤmpft. „Das Gedaͤchtniß eines Volkes“, fuͤgte er hinzu, „darf nur die Fehler, nie die Dienste vergessen. Allein seit der Wahl dieser Kammer, nach Beendigung der Ge⸗ schaͤfte des Widerstandes, als das Werk der Friedensstiftung und der Versoͤhnung fuͤr sie begann, wie haben sie da ihre Aufgabe geloͤst? Sie fahren fort, aus einem unpopulairen Prozeß das Lebens⸗ Prinzip ihrer Verwaltung zu machen. Strenge in dem Mund fuͤhrend, traten sie vor eine Kammer, die erfuͤllt von Edelmuth und Unparteilichkeit war und das Beduͤrfniß des Frie⸗ dens und der Eintracht fuͤhlte, und uͤberließen sie drei Monate lang, aus Nangel an einem Stuͤtzpunkt, sich selbst; sie forderten Vertrauen von ihr und zeigten ihr selbst keines.” Im November wie verschwunden, ohne daß ein Windhauch von Außen sie be⸗ ruͤhrt, kehren sie zuruͤck, ohne daß man sie ruft; noch einmal entfernen sie sich, ohne daß sie etwas zuruͤckstoͤßt. So sind drei Monate mit Schwankungen fuͤr das Land verloren gegan⸗ gen. Alles stirbt ab; Alles sinkt und sinkt: Regierung, Kammer, Macht und Ansehen. Und dies soll uns bewegen, den Ministern ein absolutes Vertrauen zu schenken? Nein, meine Herren, vielmehr haͤtten wir Grund, Vertrauen und Geld in glei⸗ chem Maße (Aufregung in verschiedenem Sinn.) Die Zeit draͤngt, meine Herren, verlieren wir deren nicht noch mehr! Der Augenblick ist entscheidend; alle Meinungen, wie im Lande so in unserem Kreise, liegen im Staube; die Aufloͤsun

der Parteien ist vollstaͤndig. Vergebens suchen sie sich den Anschein de

Lebens und der Majoritaͤt zu geben, sie haben beides nicht; der

Geist der Nation hat sich von ihnen zuruͤckgezogen.“ Der Redner schloß seinen Vortrag mit einer Aufforderung zur Ein tracht und wahrhaften Vereinigung aller Edeln en die bereits in Ohnmacht versinkenden Parteien. ach Herrn von Lamartine hielt Herr Jouffroy einen laͤnge ren Vortrag. dessen politisches System gutheiße, und einem anderen keine Wahl gebe. Eine dreifache Aufgab habe die Juli⸗Revolution der Regierung gestellt. Der Kampf

gegen den Karlismus, der Kampf gegen den Republikanismus,

und die Sorge, die Folgen der Revolution, wie sie in der Chart

vorgezeichnet, der Entwickelung entgegenzufuͤhren, ohne das Land Anarchie jenen feindlichen Maͤchten preiszugeben. Der

durch eine Zweck sey klar, und was die Mittel betreffe, so beschraͤnke sich aller Streit nur auf ein Mehr oder Weniger. vorzurufen. Zwei Parteien haͤtten genuͤbergestellt, wo es die w gegolten: die Partei des Friedens, an deren Spitze Casi mir Périer gestanden, und die des Krieges, zu welcher der Redner selbst gehoͤrt habe. Der Erfolg aber habe Périer gerecht fertigt. gewesen: 1) Allianz der Prinzipien mit allen analogen Regierungen,

sich damals einander ge

2) Friede mit allen Maͤchten, unbeschadet der Nationai⸗Ehre;

andere Prinzipien kenne er nicht. Nun aber muͤsse man unter⸗

scheiden zwischen Politik der Prinzipien und Politik der In⸗

teressen. Es waͤre moͤglich, daß die Regierung in den ersten zu weit ginge; es waͤre z. B. denkbar, daß die Politik der In⸗ teressen zu einer Verbindung mit Rußland riethe, so wie die Po⸗ litik der Prinzipien eine Verbindung mit England geboͤte. Aus diesem Gesichtspunkte falle aber der Vorwurf der Opposition uͤber die aͤußere Politik auf sie selbst zuruͤck. Der Red⸗ ner suchte nun zu zeigen, daß die Prinzipien der Opposition mit denen des Ministeriums im Wesentlichen uͤbereinstimmten, und nur in der Anwendung von einander ab⸗ wichen, und beleuchtete alle von der Opposition bisher vorge— schlagene Systeme. Zuletzt erklaͤrte er sich gegen das Amende⸗ ment, wonach man 200,000 Fr. in Abzug bringen moͤchte. Herr Dupont von der Eure aͤußerte den Verdacht, daß die Regierung mit dem geheimen Zuschuß die fehlenden Kosten fuͤr den Bau des neuen Verhoͤrs⸗Saales decken wolle; er verwahrte sich ausdruͤcklich gegen jede andere Anwendung der geheimen Zuschuͤsse als zu poltzeilichen Zwecken, und erklaͤrte sich in den heftigsten Ausdruͤcken gegen das, seiner Meinung nach, schonungs⸗ lose Verfahren der Regierung mit dem Vermoͤgen der Steuer⸗ pflichtigen. Die Sitzung beschloß Herr Garnier⸗Pages, der, weil er das Benehmen der vor den Pairshof geladenen Republikaner mit den Ereignissen der Juli⸗Revolution verglich, auf einstimmige Forderung der Centra, von dem Praͤsidenten zur Ordnung gerufen wurde.

Großbritanien und Irland.

London, 1. Mai. Der Koͤnig hielt gestern ein Lever, bet welchem der Brasilianische Gesandte, Herr Arauso Ribeiro, und

im Lande ge⸗

Er erklaͤrte sich fuͤr das Ministerium, 1) weil er 2) weil es zwischen diesem

g Nach außen sey sein Zweck der gewesen, die Allianz gleichgesinnter Voͤlker her⸗

wohlverstandene National⸗Ehre

Die beiden Prinzipien der auswaͤrtigen Politik waͤren

IbAZ