1835 / 133 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Wir suchen uns wieder das feste Land, und finden dazu den

besten Uebergang in einem Bilde desselben Kuͤnstlers, welches eine Muͤhle mit schaͤumendem gruͤnen Gebirgswasser vorstellt. Wo⸗ her dies Wasser kommt, kann Niemanden zweifelhaft seyn, der auf der vorigen Ausstellung die Muͤhle von Watelet, oder in der Kunst⸗ bandlung von Herrn Sachse vielleicht einige Aquarellstuͤcke dieses Meisters gesehen hat. Eden daher scheinen denn auch die Bretter Stuͤck fuͤr Stuͤck entlehnt, und wenn man recht zusieht, wird man ziemlich die ganze Palette finden. Wer wollte nicht zugeben, daß unsere Kuͤnstler viel von dem Pariser zu lernen sey; allein dies ist schwerlich die Art, denn so ahmt man nur seine Manier nach, statt ihm in seiner Kung zu folgen. Von Klose bat man einige Architektur⸗Bilder, die einander auf den ersten Blick sehr aͤhnlich sehen, indem sie ein gelbes Licht und einen braunen Schatten ohne feinere Uebergaͤnge darbieten. Viel erfreulicher ist uns auch wieder die diesmalige Beisteuer ei⸗ nes Kuͤnstlers, dessen staͤtiges und besonnenes Fortschreiten zu ech⸗ ter Kunst wir schon seit einigen Jahren mit großer Theilnahme verfolgen. Wir meinen Herrn Meierheim, und zwar sein kleines, aber vortreffliches Bild, darstellend das Rathhaus von Wernigerode. In seiner alterthuͤmlichen Wuürde mit dem maͤchtigen Schieferdach steht das Gebaͤude von Fachwerk vor uns; der Platz davor und die traulichen Gaͤßchen, in die man hineinschaut, sind belebt von einem munteren Voͤlkchen, und auf den Bergen draußen ist ein einladen⸗ der Morgen. Die Liebe und Gemuͤtblichkeit der Auffassung geht ganz durch bis auf die sinnige, aber keinesweges peinliche Ausfuͤh⸗ rung. Demselben Kuͤnstler danken wir zugleich ein anderes Bild, in dem die Figuren noch in hoͤherem Grade das Interesse in Anspruch nehmen, als die ebenfalls schoͤn gedachte architektonische Umgebung. Ein blinder Bettelmann laͤßt sich von seinem Knaben eine Stein⸗ treppe hinauffuͤhren zu einer wohlhabenden altdeutschen Dame, wel⸗ che ihm auch heut das gewohnte Almosen nicht versagen zu wollen scheint. Angenehm ist es, zugleich einen juͤngeren Meierheim, Bru⸗ der des vorigen, als einen hoffnungsvollen Genre⸗Maler kennen zu lernen, welcher sich schon recht tuͤchtig auf Pferde versteht. Er stellte eine Scene am Brunnen dar, wo ein Kavallerist mit seinem Pferde einem Maͤdchen begegnet, das hier mit der Waͤsche beschaͤf⸗ rigt ist. Einen andern neuen talentvollen Genre⸗Maler erkannten wer in Herrn Sprick, dessen schoͤnes Bild, Fischermaͤdchen, welche am Saum der windstillen See im Abendschein waten, und Fischer, welche Netze einziehen, leider schon zu fruͤh die Ausstellung verlassen hat. Und da wir hier einmal in die Genre⸗Bilder gerathen sind, so benutzen wir diese Gelegenheit, noch ein ganz neuerdings erschie⸗ nenes Werk anzubringen, das uns aller Beachtung werth scheint. Der Maler ist Herrmann Cramer, so viel wir wissen, ein homo noyus, aber wir prophezeien ihm, daß er bald neben den aaec⸗ netsten Kuͤnstlern dieses Faches genannt werden wird. Der Gegen⸗ stand ist ein Tanzvergnuͤgen in einer Bauernschenke. Tabacksdampf und Staub svpielen in dem niedrigen Zimmer so sehr die Hauptrolle, daß man Muͤhe hat, hindurch zu schauen. Daß man es an geisti⸗ gen Genuͤssen auch nicht habe fehlen lassen, zeigen die bacchanti⸗ schen Bewegungen der tanzenden Paare, uͤberdies ein paar zerbro⸗ chene Flaschen am Boden. Alles ist in Aufruhr; zitternd mit ein⸗ gekniffenem Wedel steht der gute Haushund da, der im ganzen Zimmer kein sicheres Plaͤtzchen zu finden weiß, und so Fraulagh Musik hoͤren muß. Ein junger Bursch zeigt einigen Alten nicht ohne Behagen die durchtanzten Sohlen; die Spielleute dagegen, beson⸗ ders der Klarinetrist und der Bassist, spielen mit solcher Ruhe ihre Tänze herunter, als ob sie vor hellem Morgen nicht aufzuhdren 8 dachten. Aber wir koͤnnen hier nicht alles Einzelne dieses an Er⸗ findung reichen Stuͤckes aufzaͤhlen; es ist im Ganzen eine frappante Charakteristik, von der wir nur hoffen wollen, daß sie von dem Ple⸗ beien nicht untrennbar sey, das hier allerdings schon stark vorwal⸗ tet. Den Pinsel wuͤrden wir eher frei als muͤhsam nennen, doch wuͤnschten wir noch mehr Eleganz. Die Vorzuͤge, die das Kolorit hat, werden offenbar noch wirksamer erscheinen, wenn das Bild erst seinen Firniß erhalten hat. Gr.

—öN—

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmitt. Abends] Nach einmaliger 6 Ubr. 2 Uhr. 10 Uhr. IBeobachtung.

Luftdruck. 334⸗ 93 Par. 334, 8 1 Par. 335, 3 9 Par. Quellwärme 7,0 2 R. Luftwoͤrme 9,3 °R. + 11,5 °R. + 6,92 °R. Flußwärme 10,9 °R. Thaupunkt + 7,5 °R. + 6,s R.]† 5,2 *R. Bodenwaͤrme 11,6 R. Dunstsaͤttg 87 vpCt. 69 pCt. 92 pCt. [Ausdünst. 0,07 Rb. Wetter... heiter. I heiter. hbeiter. Niederschlag 0, °9 3 Rbh.

18235.

Wind.... W. NW. WNW. sum 12 Uhr Mittags Wolkenzug WNW. Gewitter. 8 Tagesmittel: 335,24% Par. 9, 209 R. 6,79 R. 83 pCt.

““ 542

Berliner Den 12. Mai 1835.

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel.

Börse.

111“

(Preusa. Caur.)

102 106 ¾ 103 ½ 106 ¾

Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. Schlesische do. Rkst. C. u. Z.-Sch. d. K.- u. N. Gold al marco Neue Duk.. 18 Friedrichsd'or. 13 Disconto 3

———— —— St.-Schuld-Sch. 101 Pr. Engl. Obl. 30. Prüm. Sch. d. Seech. Kurm. Obl. m. l. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do. 98 ¾ Elbing. do. 99 ½ Danz. do. in Th. 393 Westpr. Pfandbr. 102 ½ 101 ½⅔ Grosshz. Pos. do. [102 ½

100 99 ½ 98 65 ¾ 642

F t. hes

100 ½ 1

101 79 ½

216 215

13 ½ 4

[ZEW. Eriersd'eld.] [Zf. ErieflGseld.

—— Preuss. Cour.

Wechsel-Cours. vricf ven.

142 ¼ 141 151½ 151

8 Z“ Amsgterdam .. ... ..1 250 Fl.

h4 250 Fl. [2 Mt. Hamburg Mk. Kurz dito Mk. 2 M—t. LSt. 3 Mt.

Fr. [2 Mt.

Fl. [2 Mt.

Augsburg Fl. [2 Mt. 103 ¾ Breslau Thl. 2 Mt.

Leipzig Thl. 103-†½ Frankfurt a. M. WZ. Fl. 102 ½ 102 ½ Petersburg Rbl. 30 ½ Warschau Fl.

6 25 ½ 80 80 103 ½⅔

99½

Kurz

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 7. Mai. I Niederl. wirkl. Schuld 58 ½. 5 % do. 103 3. Kanz-Bill. 27 ½ 4 ½ 9 Amort. 96 ½¾, 3 ½ 8 82 ½. Russ. 99 . 100 ½. Preuss. Präm.-Scheine 115 ½. do. 48 Anl. —. 38 3185. Antwerpen, 6. Mai 39 31 ½. Zinsl. 21. Cortes 50 ⅛. Frankfurt a. M., 9. Mai. Oesterr. 5 % Metall. 102 ⁄½%. 102 ½1½. 48 97 97 ½. 13 25½. G. Bank-Actien 1632. 1630. Part.-Oblig. Loose zu 100 G. 214 Br. Preuss. Präim.-Sch. 65 8. 65 ½. Anl. 98. G. Holl. 59 Cblig. v. 1832 101 101 ½. 70 ½. 38 Span. Rente 47 ½. 47 ¾, 38% do. perp. 29. Br. Paris, 6. Mai. 5 %⅜ RKente pr. compt. 107. 95. fin cour. 108. 20. 81. 90 fin cour. 82 10. 53 Neap. pr. compt. 98. 90. 99. 15. 59 Span. Holl. 2 ½ 38 59. 25.

Span. 5 % 50.

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Warschau, 7. Mai.

1““ 1 W1 Ieaoͤznigliche Scha uspiele. ““ Mittwoch, 13. Mai. Im Opernhause:

nigl. Saͤngerinnen Dlle. Gruͤnbaum,

Ritters Herrn Spontini. hoven.

guͤltig. Donnerstag, 14. Mai. von Venedig. (Hr. Seydelmann:

Im Opernhause: Shylock, als Gastrolle.)

Ausg. Schuld 13⅛. Oesterr. Span. 5 9 50 fr.

Coup. 322.

2 ½ 8 58. G. 141 ¼. 141. do. 48 Poln. Loose 70 ⅛.

3 % pr. compt. fin cour. Konte 50 ½. 38% do. 31 ½, Ausg. Span. Schuld 20 ⅛.

Das Alexander⸗Fest, oder die Gewalt der Musik, große Kantate aus dem Englischen des Dryden, uͤbersetzt von Ramler. In Musik gesetzt von Haͤn⸗ del, mit neuerer Bearbeitung von Mozart. Ausgefuͤhrt von den Koͤ⸗ lle. Lentz, Dlle. Lehmann, den K. Saͤngern Herren Bader, Mantius, Devrient, Blume und Ham⸗ mermeister, so wie von den uͤbrigen Koͤnigl. Saͤngern und Saͤngerin⸗ nen, den saͤmmtlichen Mitgliedern der Koͤnigl. Kapelle, der Koͤnigl. Musik⸗Schule und dem gesammten Chor⸗Personale des Koͤnigl. Theaters, unter Direction des Koͤnigl. General⸗Musik⸗Direktors, Vorher: Sinfonie Eroica, von Beet⸗

Die Einnahme ist zum Besten einer Unterstuͤtzungs⸗Kasse (Spontini⸗Fonds) fuͤr huͤlfsbeduͤrftige Theater⸗Mitglieder bestimmt. Die Abonnements und freien Entreen sind ohne Ausnahme nicht

Der Kaufmann

Im Schauspielhause: Une représentation extraordinaire au bénéfice de Mr. Delcour. Abonnement suspendu. Le spectacle se composera de: 1) La première représentation de: L'ami Grandet, ou: La Coquette corrigée, comédie nouvelle en 3 actes et en prose, par Mr. Ancelot. 2) La première re. présentation de: Etre aimé, ou: Mourir! vaudeville nouveau en 1 acte, du théätre du Gymnase, par Scribe. Le spectacle sera terminé par: Une Tombola (loterie), dans laquelle il aura neuf lols gagnants; savoir: quatre lots sérieux et cing lots comiques. 8

Ces lots seront tirés de la manieère suivante:

ler Numéro sortant Un sucrier en argent. 2me (Lot comique.) 3me Une tabatière d'or. A4me (Lot comique.) 5me (Lot comique.) 2 6me Un lot entier Royale. (Lot comique.) 8 Sme Une pendule en bronze et albàtre. 9me » (Lot comique.)

Billets zu dieser Vorstellung sind von Morgens 9 bis Nag⸗ mittags 2 ühr, in der Wohnung des Hrn. Delcour, Friedrichz Straße Nr. 75, 2 Treppen

de la Srande loterie

11

7me

Rthlr., zu einer Parquet⸗Loge 1 Rthlr., zum Balcon des zweiten Ranges 25 Sgr., ein Logen⸗Billet des zweiten Rangs⸗ 20 Sgr., ein Billet im Parquet I Rthlr., im Parterre 20 Sgr, mit einem Lotterie⸗Loos (Billet de Tombola); ein Sperrsitz⸗Bill⸗ des dritten Ranges 10 Sgr., Amphitheater 7 ½ Sgr.

8

Freitag, 15. Mai. Im Opernhause: Fanchon.

““

12

Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung.

86 II

; Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Mittwoch, 13. Mai. Kein Schauspiel. Donnerstag, 14. Mai. Die Reise auf gemeinschaftliche Ko⸗

sten, Posse in 5 Akten, frei nach dem Franz., von L. Angen

Vorher: Der letzte Sproͤßling, Lustspiel in 1 Akt, nach dem Fran,

von L. Angely. Freitag, 15. Mat. (In Italiaͤnischer Sprache): Semire

mis, Oper in 2 Akten. Musik von Rossini. (Dlle. Vial, von

Semiramis, ab

Koͤnigl. Sardinischen Hof⸗Theater zu Turin: Gastrolle.)

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Baltm des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.

Sonnabend, 16. Mai. Zum erstenmale: Judith und Hol⸗ fernes, Lustspiel in 2 Akten, nach Théaulon, von L. Angel. Hierauf: Zum erstenmale: Der Lugenfeind, Lustspiel in 1 Ab⸗, von Adolph Roland. 8 8

8 .

Narkt⸗Preise vom Getraide.

X“ Berlin, den 11. Mal 1835. Zu Lande: Roggen 1 Rthlr. 13 Sgr. 9 Pf.; Hafer 28 Egr 9 Pf, auch 23 Sgr. 9 Pf. Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 27 Sgr. 6 Pf., auch

1 Rthlr. 20 Sgr. und 1 Rthlr. 16 Sgr. 3 Pf; Roggen 1 Rtyhlr⸗ 17 Sgr. 6 Pf, auch 1 Rthlr. 12 Sgr. 6 Pt⸗ große Gerste 1 Rthlr f.; Hafer 27 Sgagr. 6 Pf,

3 Sgr. 9 Pf., auch 1 Rthlr. 2 Sgr. 6

nuch 26 Sgr. 3 Pf. 1 den 9. Mai 1835.

Das Schock Stroh 8 Rthlr. 20 Sgr., auch 6 Rthlr. 20 Sgy. der Centner Heu 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 15 Sgr.

Gedruckt bei A. W. Hayn.

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8

v enge;ek-

Alllgemeiner Anzeiger fuͤr die

Preußischen Staaten.

* 4 No. eD °⸗. 111999

Amtliche Nachrichten. de Kronik des Tages.

hoch, zu folgenden Preisen zu habm. Ein Billet zum Balcon und einer Loge des ersten Range

Bekanntmachungen.

8 Avertissement.

Das im Neustaͤdter Kreise belegene adlige Gut Oppaͤlin, landschaftlich auf 6619 Thlr. 19 sgr. abge⸗ schaͤtzt, ist auf den Antrag der Glaͤubiger zur Sub⸗ hastation gestellt, und der Bietungs⸗Termin auf

den 11. November c., Vormittags um 10 Uhr, vor dem Deputirten, Herrn

Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor Eding hierselbst angesetzt

worden.

Die Taxe von Oppalin, der neueste Hypotheken⸗ Schein und die Verkaufs⸗Bedingungen sind uͤbri⸗ gens jederzeit in der hiesigen Ober⸗Landesgerichts⸗ Registratur einzusehen.

Marienwerder, den 12. Maℳͤrz 1835. Civil⸗Senat des Koͤnigl. Ober⸗Landes⸗

8 s, ekanntma ch un g. 11“

Das im Fuͤrstenthums Kreise belegene Gut Hoel⸗ kewiese h und e. nebst Pertinenzien und Gerechtig⸗ keiten, welches nach der unterm 17. Oktober 1834 aufgenommenen landschaftlichen Taxe auf 19,576 Thlr. sgr. 8 pf. gewuͤrdigt worden, ist zur nothwendigen

Subhastation gestellt, und zum öoͤffentlichen Verkauf Ein Bietungstermin auf den 5. December d. ./

Vormittags I11 Uhr, vor dem ernannten Deputir⸗ ten, dem Ober Landesgerichts Rath Hendeß angesetzt; welches hierdurch mit dem Bemerken zur öoͤffentlichen Kenntniß gebracht wird, daß die Taxe, der neueste Hypotheken⸗Schein und die Kauf⸗Bedingungen taäg⸗ lich in unserer Concurs⸗Registratur eingesehen wer⸗ den koͤnnen.

Cböslin, den 9. Maͤrz Civil

1835.

desgerichts.

Füuͤr Muͤnz⸗Liebhaber. 8b Der Katalog der zten Abtheilung der von Am⸗ pachschen Muͤnz⸗ und Medaillen⸗Sammlung ist ge⸗ Lusmabl

genwaͤrtig erschienen und bietet eine reiche

eltener, schoͤner und praͤchtiger Gegenstaͤnde dar, welche besonders fuͤr die Sammler vaterlaͤndischer b 1 Diese Abtheilung, deren Versteigerung im September d.

Muͤnzen von hohem Interesse sein duͤrften.

seent in Prenzlau:

Senat des Koniglichen Ober⸗Lan⸗

J. zu Berlin stattfendet, enthaͤlt insbesondere die Muͤnzen und Medaillen der Preußisch und Saͤchsisch Monarchien im gegenwaͤrtigen Umfange und der

Schaͤtzbares aus allen anderen Laͤndern log 29 Bogen stark, so wie die Verzeichnisse der Auk⸗ tions⸗Preise der isten und 2ten Abtheilung sind in Leipzig bei Reclam und in Berlin bei dem Auk tions⸗Commissarius Rauch zu haben.

——

Literarische Anzeigen.

So eben ist bei uns erschienen und fuͤr den bemerk⸗ ten Preis zu haben, in Berlin bei E. S. Mittler (Stechbahn Nr. 3), so wie in dessen Handlungen zu Posen, Bromberg, Culm, Gnesen und bei Vin⸗

Die Verurtheilung und Hinrichtung der elf Preußischen Offiziere vom Schill’schen Corps durch die Franzosen bei We⸗ sel, den 16. September 1809.

Zur Erinnerung an Schill und seine Gefaͤhrten bei der Enthuͤllung des auf ibren Graͤbern errichteten Denkmals am 31. Maͤrz 1835.

Von Dr. Franz Fiedler.

Nebst Abbildung des Monuments und der franzzsi⸗ schen C vigutz.e 88 J. N. Perwez Preis 1 r.

Ansicht des Denkmals bei Wccr, den elf Schill'schen Offizieren errichtet am 31. Mäarz 1835. gr. N0. 5 sgr. Wir hoffen, durch die Herausgabe obiger Denk⸗ schrift, welche eine moͤglichst vollstaͤndige Darstellung eine fuͤr unsere Stadt, wie fuͤr das ganze Vaterland eben so betruͤbende als folgereiche Begebenheit ent⸗ haͤlt, dem Wunsche des Publikums entgegen gekom⸗ men zu seyn, und hboffen, daß dieses Schriftchen die Erinnerung an jene elf Helden, denen am 31. v. M das verdiente Ehrendenkmal entbuͤllt worden ist, recht lebbaft erneuern moͤge. Es bedarf dessen keine beson⸗

dere Empfehlung. Beckersche Buchbandlung.

EEEEE111113“ So eben ist bei mir erschienen und für 20 sgr. zu haben:

Nebenlinien dieser Haͤuser; indeß aber auch viel Der Kata⸗

F. W. Jaͤhns, A vierstimmige Gesaͤnge, fuͤr So

geschmuͤckt mit Stahlstichen von Deutschlands, Frank⸗

Jesus zu Emaus, nach A piani.

in der kritischen Prediger-Bibliothek Bd. XV., Heft

Numismata medii aevi inedita commen-

heiligen Schrift:

tariis ac tabulis illustravit Theophi-

lus Friedländer. Particula prima Ato. (br.)

T. Trautwein in Berlin, Breite Stralse No. 8.

HVõꝗ

Spieker, Professor Dr., Beschreibung und Ge⸗ schichte der Marien- oder Oberkirche zu Frank⸗ furt a. d. O. Ein Beitrag zur Kirchen⸗ und Reformations⸗Geschichte der Mark Brandenburg. Mit 6 lithographirten Blaͤttern. Preis auf Druck⸗ Papier 2 ½ Thlr. und auf Schreib⸗Papier 3 Thlr.

Innere Ansicht der Marien⸗ oder Ober⸗ kirche zu 60 nkfurt a. d. O., lithographirt von C. G. Ludwig. Preis 20 sgr.

Spieker, Professor r., Lebensbeschreibung des Herzogs Maximil. Julius Leopold von Braun⸗ schweig. Herausgegeben zum Besten des Gursch⸗ schen Gestifts fuͤr verwahrloste Kinder in Frank⸗ furt a d. O. Preis 10 sgr.

Bei C. W. Froöͤhlich & Comp. ist erschienen: pran, Alt, Tenor und Baß. Op. 19. Pr. 15 sgr. Schoͤnste Bibel⸗Ausgabe

reichs und Englands beruͤhmtesten Meistern. Carlsruher

P rha cht⸗ Bi bel Mit einer Vorrede vom Prälaten Dr. Hüffell. jste, 2te, 3te und üte Lieferung. Subscript.⸗Preis à Liefrg. 10 sgr. Stahlstiche:

Das hoilige Abendmahl, nach L. da Vinci.

Die Grablegung, nach Titian. Das heil. Grab zu Jerusalem. Innere Ansicht von Jerusalem. Ansicht von Bethlehem. Der Herr General-Superintendent Dr. Röhr sagt

VI, unter Anderm folgendes über diese Ausgabe der

L. Oehmigke, Plahn, wein, Zesch, Stuhrsche und Nicolaitsch

„Dies gegenwärtige Unternehmen ist ganz geeh not, den Wünschen frommer Bibelfreunde in jeds

Bezuge genug zu thun und ihnen diec heilige Schi

in einer Gestalt darzureichen, welche demn innen

8* Feraüs dergeen. Snls amssren. ist und dunc

3 ihre äussere Wohlgefälligkeit auch die eigensinni-

F. J. Tempel in Frankfurt a. d. O. ist so sten Forderungen eines Zebildeten Ceschm̃acks bo

eben erschienen und in der Plahnschen Buchhand⸗

lung (L. Nitze) in Berlin, Jaͤgerstraße Nr. 37, zu aben:

friedigt.ů

Nachdem er darauf dem Format, Papier u. Drach

seinen vollen Beifall geschenkt, fährt ér so fort:

„Die Zugahe von von den berühmtesten Künst

lern Deutschlands, Englands und Franbreichs fgeler tigten Stahlstichen ist überdiess so werthvoll, ds sie schon an sich jedes Opfers werth scheint,: dem man sich zur Förderung dieses Unternehmes entschliesst. der Unternehmer zu der Grossmuth eines jetzt mex- als sonst für's Hcilige und Göttliche erwärmle Publikums habe dieses kostspielige Unternehmen; solcher Weise wagen können. ses Vertrauen seine volle Rechtfertigung finden ¹ der Erfolg desselben den Beweis liefern, dass? in Deutschland noch Viele giebt, welche einer gemeinsamen Unterstützung so würdigen Sache! ihr auch wirklich angedeihen lassen.“

Man sieht wobl, nur das Vertrant-

Möge nun auch

Urtheilt ein so verdienstvoller Mann auf dies

Weise über ihr Unternehmen, so würde es übe flüssig sein, wenn die Verlagshundlung ausser qdessq Worten noch etwas zur weitern Empfehlung desse- ben beifügte.

Subscribenten⸗Sammler erhalten auf 12 ein sil⸗

Erxemplar.

Leipzig, im Mai 1835. 1b Expedition der Carlsruher Bibel, W. Creuzbauer.

Bestellungen nehmen fortwaͤbhrend an: E. S.Mit

ler in Berlin (Stechbahn Nr. 3), so wie des Handlnngen zu Posen, Bromberg, Culm, G

auch Buchhandlung, Amelang, Bechtold u. Hart Bethge, Curths, Duncker

ne Vincent in Prefiisat, ferner Enslinst

und Humbl' Kecht, Klage, Logie

Gropius, Jonas, Schroͤder,

handl. in Berlin, Elbing und Stettin, so wie

allen Buchhandlungen zu Breslau, Koͤnigsberg 10

Potsdam.

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Preuß

che Staats⸗

——

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—, en.

———

teArgat peis s5 11“ Berlin 3 Donner st ag den 14

uv E , 2 238* 8 . 5 2-

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Geheimen Regierungs⸗ Rath im Ministerium des Innern und der Polizei, Fretee hn Ludwig Siegmund von Blomberg, die Kammerherruy⸗ Puͤrde zu ertheilen geruht.

Bei der am 11ten und 12ten d. M. fortgesetzten Ziehung der 5ten Klasse 7!ster Koͤnigl. Klassen⸗Lotterie fielen 2 Gewinne u 5000 Rthlr. auf Nr. 21,432 und 76,389 nach Sagan 2mal ei Wiesenthal; 4 Gewinne zu 2090 Rthlr. auf Nr. 29,089. 7.,173. 89,589 und 109,252 in Berlin bei Burg, nach Breslau

bei Schreiber, Koͤnigsberg in Pr. bei Burchard und nach Mag⸗

deburg bei Brauns; 44 Gewinne zu 1000 Rthlr. auf Nr. 36. 1637. 9911. 11,954. 12,665. 16,829. 17,656. 20,261. 22,914. 23,803. 25,132. 27,085. 28,857. 29,826. 31,261. 31,911. 32,604. 37,706. 40,384. 45,179. 47,687. 50,623. 51,669. 51,959. 60,825. 62,181. 63,968. 65,356. 66,275. 67,633. 73,753. 77,693. 78,906. 80,591. 82,407. 89,517. 93,226. 99,457. 100,751. 162,548. 103,716. 103,844. 196,531 und 109,225 in Berlin bei Baller, bei Hiller und Smal bei Seeger, Bielefeld 2mal bei Honrich, Breslau bei Schreiber, Coͤln bei Reimbold, Crefeld bei Meyer, Danzig bei Reinhardt, Duͤsseldorf bei Spatz, Elberfeld bei Heymer, Elbing bei Silber, Frankenstein bei Friedlaͤnder, Halberstadt bei Alexan⸗ der, Halle bei Lehmann, Hamm bei Huffelmann, Hirschberg 2mal bei Martens, Koͤnigsberg in Pr. 3mal bei Burchard und bei Samter, Koͤnigsberg i. d. N. bei Jacoby, Landsberg a. d. W. bei Borchardt, Liegnitz 2mal bei Leitgebel, Magdeburg bei Buͤch⸗ ting und bei Roch, Muͤnster bei Huͤger, Naumburg g. d. S. bei Kayser, Neisse bei Jaͤkel, Sagan bei Wiesenthal, Schweidnitz bei Scholz, Stettin bei Wilsnach, Stralsund 2mal bei Claussen und nach Trier bei Gall; 40 Gewinne zu 500 Rthlr. auf Nr. 491. 2740. 6404. 7336. 11,143. 11,269. 12,169. 13,628. 15,125. 16,100. 20,959. 23,466. 25,241. 25,362. 26,666. 29,088. 34,870. 39,633. 39,663. 46,691. 49,160. 59,051. 61,158. 62,886. 63,214. 70,020. 71,256. 74,773. 78,387. 82,533. 88,413. 92,460. 92,608. 93,524. 95,545. 96,126. 95,667. 99,691. 104,434 und 109,421 in Berlin bei Alevin, bei Hiller, bei J. L. Meyer, 2mal bei Mestag, bei Seeger und bei Wolff, nach Breslau bei Gersten⸗ berg, bei J. Holschau und bei Schreiber, Bunzlau bei Appun, Coͤn bei Reimbold, Danzig 2mal bei Rotzoll, Duͤsseldorf 2mal bei Spatz, Elberfeld 2mal bei Heymer, Frankfurt bei Salzmann, Glogau bei Bamberger, Hagen bei Roͤsener, Halberstadt bei Suzmann, Halse 4mal bei Lehmann, Koͤnigsberg in Pr. bei Borchardt, 2mal bei Burchard und 2mal bei Heygster, Krakau bei Rehefeld, Magdeburg bei Brauns, Merseburg bei Kieselbach, Quedlinburg bei Dammann, Sagan 2mal bei Wiesenthal, Schweidnitz bei Scholz, Stolpe bei von Kleist und nach Wesel bei Westermann; 64 Gewinne zu 200 Rthlr. auf Nr. 30. 792. 1475. 3305. 5590. 13,377. 13,610. 13,926. 14,112. 23,403. 3,874. 24,570. 25,016. 25,285. 27,898. 28,296. 28,613. 29,123. 31,964. 32,112. 32,324. 35,958. 37,187. 39,070. 41,686. 41,487. 45,205. 59,385. 51,602. 51,958. 52,513. 52,778. 53,547. 54,770. 62,412. 64,323. 65,201. 65,615. 66,638. 71,362. 72,275. 74,560. 73,807. 77,284. 77,472. 77,736. 78,974. 82,595. 82,602. 86,823. 89,143. 89,210. 89,723. 92,164. 92,991. 93,365. 94,364. 99,693. 101,980. 104,108. 106,567. 106,584. 107,283 und 108,253.

Die Ziehung wird fortgesetzt. .

Berlin, den 12. Mai 1835. Koͤniglich Preußische General⸗Lotterie⸗Direction.

0vJEJL 1167225272 Rußland.

St. Petersburg, 6. Mai. Am Sonntag, den 21. April

63. Mai), als am Namensfeste Ihrer Majestaͤt der Kaiserin und hrer Kaiserl. Hoheit der Großfuͤrstin Alexandra Nikolajewna, wurde in der Kirche des Winter⸗Palais, in Gegenwart Ihrer Majestaͤten des Kaisers und der Kaiserin, Ihren KK. Hoheiten des Cesarewitsch Großfuͤrsten Thronfolgers, des Großfuͤrsten Mi⸗ chail Pawlowitsch, der Großfuͤrstin Helena Pawlowna und der Großfuͤrstinnen Maria Nikolajewna, und Olga Nikolajewna, Gottesdienst gehalten. Der an demselben Morgen hier angelangte General⸗Feldmarschall, Fuͤrst von Warschau Graf Paßkswitsch⸗ Eriwanskij, die Mitglieder des Reichs⸗Raths, die Senatoren, die Generalitaͤt, die Offiziere, sowohl der Garde, als auch der Armee und der Flotte, der Hof, saͤmmtliche Standes⸗Perso⸗ nen beiderlei Geschlechtes, die bei Hofe Zutritt haben, wohnten

dieser Ceremonie bei; nach Beendigung derselben brachten die

Mitglieder des heiligen Synods in der Kirche Ihren Majestaͤten dem Kaiser und der Kaiserin ihre Gluͤckwuͤnsche dar, welche Ehre spaͤter auch den zum diplomatischen Corps gehoͤrigen Personen im Saal Peter des Großen zu Theil ward. Hierauf nahmen Ihre Majestaͤt die Kaiserin in ihren Appartements die Gluͤck⸗ wuͤnsche der Damen, der Mitglieder des Reichsraths, der Sena⸗ toren, General⸗ und Fluͤgel⸗Adjutanten, Garde⸗Generale, der er⸗ sten und zweiten Hofchargen und der Staats⸗Secretaire entge⸗ gen. Abends war die Stadt erleuchtet. . Se. Maj. der Kaiser haben dem Civil⸗Gouverneur von boland, wirklichen Staatsrath v. Foͤlkersehhm, und dem Civil⸗ ouverneur von Tomst, General⸗Major Kowalewsky, den St. Annen⸗Orden erster Klasse (Ersterem mit der Kaiserl. Krone) und den General⸗Adjutanten, General⸗Lieutenant Kawelin und von Adlerberg, den Weißen Adler⸗Orden verliehen. Mittelst Kaiserlicher Ukase sind dem Finanz⸗Minister, Gene⸗ ral der Infanterie, Grafen Cancrim, 30,000 Dessiaͤtinen, und dem K ndirenden des Kaiserl. Hauptquartieres, General der

Kavallerie, Grafen von Benkendorf, 28,000 Dessiaͤtinen Landes in Bessarabien zum erblichen Besitze verliehen worden.

Der bei Ihren Kaiserlichen Hoheiten dem Großfuͤrsten Thron⸗ folger, und dem Großfuͤrsten Alexander Dienst thuende Garde⸗ Obrist Jurgewitsch hat dem Praͤsidenten des Vereins zur Unter⸗ stuͤtzung der Gefangenen zehn Tausend Rubel Banknoten zukom⸗ men lassen, die von wohlthaͤtigen Personen zur Loskaufung von Schuldnern, die im Schuldthurme und im Arbeitshause sich be⸗ finden, bestimmt waren. In Folge dessen sind zu Ostern aus dem Schuldthurme 13, und aus dem Arbeitshause 19 Personen, meistens ungluͤckliche Familienvaͤter, freigelassen worden.

Der Contre⸗Admiral Sulima ist, als Kommandant des Ha⸗ fens Sweaborg, zugleich zum Militair⸗Gouverneur dieses Platzes, und der Contre⸗Admiral Stojewsky zum Kommandanten des Hafens Sewastopol ernannt worden.

Der erste Ostertag dieses Jahres war in Ruͤcksicht der Me⸗ teorologie ein aͤußerst merkwuͤrdiger Tag. Er gab ein Beispiel von gleicher Witterung auf mehreren Graden der Laͤnge und Breite. Ein heftiges Schneegestoͤber mit Sturm, waͤthete zu gleicher Zeit in St. Petersburg, in Narwa (wo die Hausthuͤ⸗ ren so hoch verschneiten, daß man 3 bis 4 Fuß tiefe Wege schau⸗ feln mußte, und in der Gegend mehrere Menschen im Schnee erstickten oder erfroren), in Riga, wo auf der Duͤna Ungluͤcksfaͤlle statthatten, und in Jakobstadt, an der suͤdoͤstlichen Graͤnze von Kuriand. In St. Petersburg war dabei 2⁰‧, in Narwa 4“, in Riga 0,05.

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Frankrei ch.

Paris, 6. Mai. In der gestrigen Sitzung der Depu⸗ tirten⸗Kammer erhob sich (wie bereits erwaͤhnt worden) ganz besonders Herr Odilon-Barrot gegen den Grafen Jaubert. „Wenn man,“ sagte er, „die gestern von der Kammer verfuͤgte nochmalige Ueberweisung des Gesetz⸗Entwurfes uͤber die Fluß⸗ schifffahrt an die betreffende Commission buchstaͤblich nimmt, so berechtigte sie allerdings den Berichterstatter, zu thun, was er ge⸗ than hat. Indessen haͤtte er bedenken sollen, daß die Majoritaͤt der Kammer nach ihrer innigsten Ueberzeugung das Beduͤrfniß fuͤhlte, das ganze System zur Verbesserung der Flußschifffahrt einer reiflicheren Pruͤfung zu unterwerfen. Aus diesem Grunde erfolgte die Zuruͤckstellung des Gesetz⸗Entwurfes an die Kommission. Es thut mir leid, daß die Kommission dies nicht gefuͤhlt hat, oder nicht hat fuͤhlen wollen. Ich merke jetzt wohl, daß man sich kuͤnf⸗ tig deutlicher und bestimmter wird aussprechen muͤssen, um falschen Auslegungen vorzubeugen, und ich werde mich daher 1n. noch einmal die Verweisung des Gesetz⸗Entwurfes an die Kommission zu verlangen, damit man nicht zum zweiten Male mit den Ent⸗ scheidungen der Kammer sein Spiet Leibe.“ Der Berichter statter 1echa diese Aeußerung als 1— Vienner fuͤgte hinzu, sie schmecke gar sehr nach der Advokaten⸗ sprache. „Da irren Sie sich“, erwiederte Herr Barrot: „Sie schmeckt nach der Wuͤrde der Kammer und nach der Achtung, die wir der Majoritaͤt schuldig sind. Ich verlange jetzt, daß die Kam⸗ mer zunaͤchst uͤber den I. §. des 1. Artikels abstimme, da von der Annahme oder Verwerfung desselben (in sofern naͤmlich die ganze zu bewilligende Summe der 18 Mill. in demselben be— nannt wird) die Existenz des gesammten Entwurfs abhaͤngt. Der Graf Jaubert widersetzte sich diesem Antrage. Noch ließen sich die Herren Mauguin, Auguis, Karl Dupin und Demar cay gegen mehrere einzelne Bestimmungen des Gesetz⸗Entwurfs vernehmen, waͤhrend der Direktor der Bruͤcken und Chausséen, Herr Legrand, den Entwurf vertheidigte. Eben sollte uͤber den obigen Antrag des Herrn Odilon⸗Barrot, wonach der erste Paragraph ohne allen Zweifel durchgefallen waͤre, ab⸗ gestimmt werden, als Herr Lejoindre mit einem Amendement des Inhalts hervortrat, daß man in jenem Paragraphen die ver⸗ langte Hauptsumme gar nicht ausspreche, sondern bloß sage: „Es werden dem Minister des Innern zur Verbesserung der Schiff⸗ fahrt auf den nachstehend bezeichneten Fluͤssen folgende Kredite eroͤffnet.“ Durch diesen Ausweg, der den Beifall der Majoritaͤt erhielt, wurde die Absicht des Herrn Odilon-Barrot vereitelt. Letzterer sowohl als Herr Laffitte waren uͤber den Antrag so ent⸗ ruͤstet, daß sie gar nicht mitstimmten. Es wurden darauf folgende Summen bewilligt: fuͤr die Schelde, von Cambrai bis zur Graͤnze 1,800,000 Fr., fuͤr die Mosel, von Frouard bis zur Graͤnze 1,000,000 Fr.; fuͤr den Ill 1,400,000 Fr. In der heutigen Sitzung wurde die Debatte fortgesetzt.

Die Neue Minerva faͤhrt in ihren Schilderungen der vorzuͤglichsten Redner der Deputirten-⸗Kammer fort. Nachdem sie kuͤrzlich eine Charakteristik des Herrn Berryer gegeben (siehe Nr. I9 der St. Z.), entwirft sie in ihrer neuesten Nummer das nachstehende Portrait von dem Praͤsidenten der Deputirten⸗ Kammer:

Herr Dupin ist einer von denjenigen, welche man zum Freunde nicht haben kann, aber zum Feinde nicht haben darf. Er bringt ein Ministerium in die naͤm iche Verlegenheit, er mag sich fuͤr oder gegen dasselbe erklaͤren. Er ist nicht nachgiebig, nicht versoͤhnend, nicht einschmeichelnd genug, um die tausenderlei Schwierigkeiten in der Geschaͤftszuͤhrung zu loͤsen; sein Geist gleicht einer Sichel, die eher saͤgt, als daß sie schneidet. Waͤre er Minister, er wuͤrde den Plan, den er gestern gefaßt, heute wieder aufgeben, und in seinen gutge⸗ launten Stunden wuͤrde er alle seine Kollegen vor das Messer seiner witzigen Einfaͤlle nehmen. Allein die Gebrechen des Staatsmanns verschwinden beinahe und verloͤschen vor seinen großen Eigenschaften als Redner. Herrn Dupin's Beredtsamkeit zeigt nicht die gelehrte Methode, den erhabenen Gedankengang, die Reinheit der Form, die man in Herrn Berryer bewundert; aber sie ist vielleicht substantieller, lebendiger, malerischer. Unter dem Mikroskop des Geschmacks nehmen sich seine Ausfaͤlle ein wenig rauh und eckig aus; doch von der Ferne betrachtet 71 sie durch ihre Natur und sogar durch ihre Derb⸗ heit. Er holt seine Vergleichungen von gewoͤhnlichen Dingen, von Gewohnheiten des Lebens, von den Gebraͤuchen, den Sitten, von Ausdruͤcken des Rechts und von Spruͤchwoͤrtern her, und zwingt seinen Zuhoͤrern ein offenes Lachen ab. Seine Beredtsamkeit ist die des gemeinen und gesunden Verstandes, aber in einer neuen, seltenen und bewundernswuͤrdigen Weise und in einem Grade, worin er vielleicht unerreichbar seyn moͤchte. Wie er, versteht es keiner, nach

unschicklich, und Herr

Wunsche die volksthuͤmliche Fiber zu erschuͤttern, weil er Augenblicken unter allen n6,F di⸗ meiste Kraft und hr Lebendig, warm, voll Feuer elektrisirt er eine Versammlung; er laͤßt sie nicht zu Athem kommen, und geht er in eine gute Sache ein und wird von ihr erwaͤrmt, so dringt er mit erstaunenswuͤrdiger Kraft und Schaͤrfe vor. Alsdann ketten sich seine Gedanken genau an einander, ein jedes Wort trifft, jeder Beweis ist schlagend; alsdann spart er keine Far⸗ ben und zeigt sich gewichtvoll, nervig, gedraͤngt und alles dies in einer leuchtenden Klarheit; alsdann kann Herr Dupin zugleich mit dem konsequentesten Logiker und mit dem nachdruckvollsten Redner sich messen. Zum Ungluͤck ist Herr Dupin oft sich ungleich und verfaͤllt in das Triviale und Niedrige. Seine Einbildungskraft be⸗ herrscht ihn. Wenn irgend ein Einfal in ihm, waͤhrend er auf der Rednerbuͤhne gestikulirt, auftaucht, so erhascht er ihn im Fluge und schleudert ihn unter die Versammlung, und sollte er den ersten besten Kopf damit verletzen. Er zeigt mehr Maͤnnlichkeit in dem Worte als in den Prinzipien, mehr Staͤrke der Argumentation als des Ur⸗ theils, und mehr Selbststaͤndigkeit des Kopfes als des Herzens. Er hat sich in so viele politische Begebenheiten gemischt und hat der Wahrheit und dem Irrthume in so viel verschiedenen Angele⸗ genheiten das Wort geredet, daß man nicht recht sagen kann, ob er der Freiheit, ja, ob er sich selbst mehr schadete oder nuͤtzte. Laßt es Euch nicht befremden, wenn er ein und dasselbe im Eingange in Schutz nimmt und am Schlusse verwirft. Oder wißt Ihr nicht, daß er sich dem Laufe seiner Eingebungen uͤberlaͤßt, ohne zu wissen, wohin sie ihn fuͤhren? Er begiebt sich auf den Weg, und mitten im Laufe schlaͤgt er an jedes Strauchwerk, um Argumente aufzu⸗ jagen. Als einen kuͤhnen Jaͤger sucht Ihr ihn auf den Bergesspitzen, und stehe da, auf einer Wiese erholt er sich mit Blumenpfluͤcken. Jetzt kehrt er um, geht, kommt, entfernt sich, ist wieder da und verschwindet. Verlaßt Euch also nicht auf diese politischen Schmet⸗ terlinge, welche Eure Freunde und Abends Eure Feinde sind, auf diese seltsamen Logiker, die ein Prinzip aufstellen und vor seinen Folgerungen zuruͤckschrecken, auf diese leichtgesinnten Gei⸗ ster, die einem Bilde nachjagen und den Wetterfahnen gleichen, die sich nur immer nach dem Winde drehen.“

Im Courrier frangais liest man in Bezug auf den Prozeß vor dem Pairshofe Folgendes: „Als die Vertheidiger der Angeklagten gestern fruͤh vor dem Gefaͤngnisse im Palaste Luxem⸗ bourg erschienen, schlug man ihnen das Gesuch, sich mit den Gefangenen unterreden zu duͤrfen, ab, insofern sie slch nicht in ih⸗ rer Eigenschaft als Advpokaten legitimirten. Sie verfuͤgten sich nun in ein in der Naͤhe belegenes besonderes Lokal, um jeden Augen⸗ blick, wo ihre Klienten sie wuͤrden rufen lassen, zur Hand zu seyn. Die Herren Joly, Michel und Favre gingen im Namen der Uebrigen zu dem Groß⸗Referendarius der Pairs⸗Kammer durften sach aber nur mit vier oder fuͤnf von den Angeklagten besprechen. Auch Herr Berryer, der die Spezial⸗Vertheidigung eines Lyoneser Angeklagten uͤbernommen hat, trat zu der Depu⸗ tation, welche ihn mit vieler Zuvorkommenheit aufnahm. Er aͤußerte, daß er, unbeschadet seiner Ueberzeugungen als Legitimist wodurch sich seine Sache von der Sache der Republikaner unterscheide, doch das den Angeklagten verweigerte Recht, ihre selbstgewaͤhlten Vertheidiger zur Seite zu haben, als eine monstroͤse Verletzung aller Ordnung und aller Formen der Gerechtigkeit be⸗ trachte; daß er deshalb nicht umhin koͤnne, der Resolution der Versammlung beizustimmen, und daß er nach dem Beispiele sei— ner Kollegen seinen Beistand als Advokat verweigern wuͤrde wenn man den Angeklagten die Freiheit ihrer Vertheidigung vor⸗ enthielte. Diese Aeußerungen wurden guͤnstig aufgenommen; doch als Herr Berryer sehr geschickt hinzufuͤgte, er wuͤrde dagegen recht gern im Interesse aller Angeklagten das Wort ergreifen, beeilte man sich, ihm zu danken, wobei man ihm indeß viel Schmeichelhaftes uͤber sein Talent sagte. Herr Carrel, der gewissermaßen in der Versammlung den Vorsitz fuͤhrte, zog sich mit großer Geistes⸗ gegenwart und Maͤßigung aus der Sache. In der That haͤtte man nicht ermangelt, die abgeschmackten Beschuldigungen einer Kar⸗ listisch⸗republikanischen Allianz wieder vorzubringen, obschon man recht gut weiß, was im Grunde hiervon zu halten ist. Es wurde schließlich eine Kommission von drei Advokaten und drei Ver⸗ theidigern, die nicht Advokaten sind, ernannt, um mit den Ange klagten eine Berathung zu pflegen; als sie aber bei der Thuͤr bes Gefaͤngnisses des Palastes angelangt waren, welche bereits vo den Gattinnen und Muͤttern der Gefangenen umlagert war man sie zuruͤck und bestellte sie auf morgen (Mittwoch) um 9 Uhr Vormittags. Ein solches Verbot ist in den Jahrbuͤchern der Justiz ohne Beispiel. Man hat sich niemals dergleichen Eingriffe in das naruͤrliche Recht der Vertheidigung in Kriminal⸗Untersu⸗ chungen erlaubt, nicht einmal in den aͤrgsten Zeiten der Revolution.“

Die heutigen Zeitungen enthalten eine neue, in dem fuͤnf⸗ ten Stadt-⸗Bezirk zirkulirende und bereits mit 300 Unterschrif⸗ fen bedeckte Protestation gegen den Tages⸗Befehl des General⸗ stabs der National⸗Garde vom 16. April. Die Unterzeichner be⸗ trachten denselben als eine schreiende Verletzung des Geistes des Gesetzes vom 22. Maͤrz 1831, weil sie unter den unmittelbaren Befehl der Militair⸗Behoͤrde gestellt wuͤrden; sie weigern sich, un⸗ ter dem Vorwande eines Dienstes fuͤr oͤffentliche Ordnung und Sicherheit, Kerkermeister⸗Dienste zu thun; auch spreche sie das Gesetz frei, sobald eine hinreichende Anzahl von Gendarmeri und Linien⸗Truppen in der Stadt waͤren; und 40,000 Maun bloß in der ersten Militair⸗Division, bildeten eine vollkommen ün reichende Macht, um den Dienst fuͤr den Pairshof zu verrichten; . lich aber enthalte kein Paragraph des te s ttsen tesss es eine Ver⸗ bindlichkeit zu Dienstleistungen vor einem Ausnahme⸗ erichtshof⸗ b Dem National zufolge, waͤren auch viele Mitglieder der 8 und 12ten Legion der National⸗Garde dieser und der fruͤh ee der 1E beigetreten. ö

Der Koͤnigliche Gerichtshof von Rouen iner Si zung vom 4. Mai den von dem Adostatensthat 11,gG 88 faßten Beschluß gegen die Koͤnigliche Verordnung vom 30 M 9 annullirt, jedoch ohne eine Disziplinar⸗ Strafe zu verfuͤ 8 Ebenso ist die Protestation des Advokatenstandes von Nanc 8 en die gedachte Verordnung vor den dortigen Koͤnigl. Ge 1. hof verwiesen worden. Nr. Weriehte⸗

1 sollen, der im Episcopate stattgefunden haben: Herr ba Mot Büschof von Vannes, zum Erzuischof von hir, at hs welt des Herrn Raillon, und Herr Dupont, Bischof von St. Diez,

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Auotidienne zufolge,