1835 / 134 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

mehr vorsehen vor einer Taktik, deren wiederholter guͤnstiger Er⸗ folg endlich selbst bessere Truppen als die ihrigen demoralisiren, und zum Theil aufreiben werden. Wir haben uͤber die Vorfaͤlle vom 22sten bis zum 24sten noch keine anderen Nachrichten, als die Karlistischen Buͤlletins und Korrespondenzen; aber das fort⸗ dauernde Stillschweigen der Christinos uͤber diese Kaäͤmpfe laͤßt uns fuͤrchten, daß die Sache sich bestaͤtige, mit Abrechnung der in die Augen fallenden Uebertreibung, die aus folgendem, dem Morning⸗Herald entlehnten Berichte spricht: „Janci, 26. April 6 Uhr Morgens. Das erste Auftreten des Valdez ist ungluͤcklich abgelaufen. Er ist gezwungen worden, sich vor den Truppen Zumalacarreguy's zuruͤckzuziehen. Ich habe nur so viel Zeit, Ihnen folgende amt⸗ liche Nachrichten mitzutheilen. Den 20sten Abends war Valdez mit 12,000 Mann bei Contrasta und dessen Umgebungen gela⸗ gert. Zumalacarreguy hatte drei Compagnieen zu Larroana, un⸗ gefaͤhr drei Meilen von Contrasta, und fuͤnf Bataillone zu Ar⸗ ranarache, Eulate und San Martin Doͤrfern in den obern Amescoas aufgestellt. Den 21sten begab sich Valdez auf den Marsch nach Amescoa und gelangte bis nach San Martin; al⸗ lein, angegriffen von Zumalacarreguy, ward er genoͤthigt, sich nach Eulate und Arranarache, auf der Straße der Sierra de Ur⸗ basa, zuruͤckzuziehen. Den 21sten Abends hielt sich Valdez in keinem dieser beiden Doͤrfer laͤnger sicher; er bivouakirte in der Sierra de Urbasa, nachdem er vorher 8 Schaͤferhuͤtten hatte abbrennen lassen. Den Tag darauf, am 22sten Morgens, griffen die Kar⸗ listen, welche die Nacht die Amescoas passirt hatten, den Vor⸗ trab des Feindes an, und nach einem langen Gemetzel, welches den ganzen Tag bis 5 Uhr waͤhrte, mußte sich Valdez in Un⸗ ordnung zuruͤckziehen, indem er die Reste seiner Truppen auf Estella dirigirte. Zumalacarreguy schnitt ihm jedoch den Ruͤck⸗ zug ab und noͤthigte ihn, zur Linken der Hoͤhen von Eraul sei⸗ nen Weg zu nehmen und in Abarzuza eine Zuslucht zu suchen. Zumalacarreguy, der so die Vereinigung der Truppen des Val⸗ dez mit der Besatzung von Estella vorhergesehen hatte, will jetzt seinen Sieg verfolgen. Man hat die Einzelnheiten dieses Vor⸗ falls noch nicht alle erfahren, doch schon ist eine große Anzahl von Gefangenen eingebracht worden. Lord Elliot hat die Vor⸗ posten des Koͤnigs am 23sten verlassen und den Asten zu Alzazua in der Borunda uͤbernachtet. Se. Herrlichkeit beab⸗ sich zuerst in das Hauptquartier von Zumalacarreguy und zierauf in das des Valdez zu begeben, dessen Niederlage er er⸗ fahren hat. Se. Herrlichkeit muß uͤber Pampelona nach Ba⸗ yonne zuruͤckkehren.“ „Acht Uhr Morgens. DSDSo eben habe ich einen Augenzeugen der von Valdez am 22sten erlittenen Niederlage gesehen. Der von den Truppen der Koͤnigin erlittene Verlust war sehr bedeutend und hat alle Plaͤne des Ober⸗Befehlshabers vereitelt.“ „Vom 27sten. Diesen Augenblick erhalte ich folgendes amtliche Bulletin: 1“ Hauprquartier des Koͤnigs, Onate, 25. April. Zu meinem groͤßten Vergnuͤgen bin ich im Stande, Ihnen amtlich anzuzeigen, daß unser braver General Zumalacarreguy, an der Spitze von nicht mehr als 6 Bataillonen, dem Empoͤrer Valdez, der im Besitz von Cordova und Aldama war und 31. Bataillone, welche eine Armee von 14,000 Mann bildeten (2), bei sich hatte, eine vollstaͤndige Niederlage beigebracht hat. Der Kampf dauerte 3 und einen halben Tag, vom 2lsten bis zum 24sten. Die Ebenen von Abarzuza und Eraul sind mit den Todten des Feindes bedeckt, von denen mehr als 1000 bereits begraben sind. Alle Equipagen, Pferde und eine große Zahl feindlicher Offiziere sind in unsere Haͤnde gefallen; auch haben wir 3060 Gewehre gesammelt. Der Tschako's, die wir aufgele⸗ sen haben, sind so viele, daß ich zweifle, ob ein einziger der nach Estella gefluͤchteten Christinos eine Kopfbedeckung hatte. Auf seinem schmaͤhlichen Ruͤckzuge warf der Feind Alles weit von sich, was seinen Lauf hemmen konnte. Der Nachtrab, gefuͤhrt von Cordova, hat das meiste gelitten; wir haben 600 Gefangene ge⸗ macht. Unter den Todten befinden sich viele hoͤhere Offiziere. 3 In Eile. (gez.) Cruz Mayor. An die Junta von Navarra.“ 8 „N. S. Ein zweiter Bericht von einem Augenzeugen schlaͤgt den Verlust des Feindes auf 3000 Mann an. Ich gebe diese Zahl nicht als offiziell Valdez ist in Verzweiflung nach Pam⸗ pelona gekommen.“ Die Sentinelle des Pyrensées vom 2. Mai giebt das⸗ selbe Bulletin mit Ausdruͤcken des Zweifels uͤber die Wahrheit der einzelnen Angaben.

Großbritanien und Irland. London, 8. Mai. Gestern fand in der St. Pauls⸗Kathe⸗

drale die Jahresfeier der unter der Regierung Karl'’s II. gegruͤn⸗ deten wohlthaͤtigen Stiftung fuͤr Soͤhne der Geistlichkeit in Ge⸗ genwart des Herzogs von Cumberland und mehrerer Praͤlaten att. Abends versammelte man sich zu einem Diner, bei welchem der Lord⸗Mayor den Vorsitz fuͤhrte. Ihm zur Rechten saß der Herzog von Cumberland, zur Linken der Erzbischof von Canter⸗ bury. Der Lord⸗Mayor brachte den Toast auf das Wohl des Herzogs und der uͤbrigen Koͤniglichen Familie aus und erwaͤhnte er großen Segnungen, welche England sowohl in Betreff der Verfassung als in Betreff der Kirche von dem erlauchten Hause Hannover erlangt habe. (Großer Beifall.) Der Herzog von Cumberland dankte und bemerkte, es sey jetzt sechs Jahre her, seit er in Beziehungen zu der wohlthaͤtigen Stiftung getreten, die man heute feiere, und die er, als mit den Interessen der herr⸗ schenden Kirche eng zusammenhaͤngend, zu unterstuͤtzen fuͤr seine heilige Pflicht halte. (Beifall.) „Von einem geliebten und hoch⸗ geehrten Vater in Gefuͤhlen der Achtung und Ehrfurcht fuͤr diese Kirche erzogen“, fuͤgte der Herzog hinzu, „werde ich bis an das Ende meines Lebens stets bereit erfunden werden, ihre Interessen zu unterstuͤtzen.“ (Beifall.) Nachdem sodann noch einige andere Toasts ausgebracht worden, erhob sich Sir James Graham, einer der Vorsteher der Stiftung, und sagte unter Anderem: „Niemand kann der reformirten Religion und den damit ver⸗ bundenen Institutionen, worunter auch diese Stiftung gehoͤrt, auf⸗ richtiger zugethan seyn, als ich. Ich habe der herrschenden Kirche be viel zu verdanken, und in der jetzigen Krisis ist es an der Zeit, dies anzuerkennen. (Beifall.) In den Lehren dieser Kirche wurde ich erzogen; aus ihnen schoͤpfte ich Trost und Erquickung; sie ge⸗ waͤhrten mir eine sichere Zuflucht in den Stuͤrmen dieses Lebens, indem sie die Hoffnung auf ein besseres belebten und aufrecht er⸗ hielten. Wir sind jenen Maͤnnern innigen Dank schuldig, die uns in Grundsaͤtzen unterrichteten, welche dazu geeignet waren, der Gesellschaft zu so unschaͤtzbarem Heil zu dienen, und es ist unsere Pflicht, dafuür zu sorgen, daß unsere Kinder nicht dieser Wohlthat beraubt werden. Man spricht in unserer Zeit von uͤverfluͤssigen Fonos der Kirche. Diese Stiftung selbst aber ist ein Beweis, daß es Defiziis aiebt, die man durch ei⸗ nen Aufruf an die allgemeine Wohlthaͤtigkeit ze ersetzen suchen muß, und daß also die Kirche, weit entfernt, überfluͤfsige Geldmittel zu haben, vielmehr der Unterstuͤtzung bedarf. Ich werde stets bereit

eyn, oöͤffentlich sowohl als privatim, diese Ansichten zu aͤußern, und 8 . daß sen nichr nur Englands Gesinnungen, sondern die der Mehrheit des Vereinigten Koͤnigreichs ausspreche. (Beifall.) Auf meinem Platz im Parlament werde ich es stets fuͤr meine Pflicht halten, die protestantische Geistlichkeit dieser Reiche in allen ihren Rechten, Freiheiten und Privilegien zu schuͤtzen.“

Lord Brougham gab am Mittwoch dem Marquis von Lans⸗ downe, dem Lord Palmerston und Herrn Spring Rice ein Diner.

Die Erhebung des Herrn Charles Grant zum Pair soll von der Regierung deshalb vorgenommen worden seyn, weil man im voraus an der Durchsetzung seiner Wahl in der Grafschaft Inverneß verzweifelte, woselbst der Herzog von Gordon, Lord⸗ lieutenant der Grafschaft Aberdeen, der mit Lord Hill und an⸗ deren Militairbeamten in engen Verbindungen steht, der Lord⸗ lieutenant der Grafschaft Inverneß selbst, Oberst Grant, der General Macdonnell, Lord Macdonald und andere einflußreiche Personen alles Moͤgliche zu Gunsten des konservativen Kandida⸗ ten, Herrn Macleod, aufboten. Die ministeriellen Blaͤtter for⸗ dern daher auch das Ministerium auf, jene Beamten, die ihm so offenbar entgegenwirkten, von ihren Posten zu entfernen.

Die Lords Russell und Palmerston sollen, wie es heißt, mit zwei Mitgliedern des Unterhauses wegen ihrer Parlaments⸗ sitze in Unterhandlung stehen, Letzterer mit einem Rechtsgelehr⸗ ten, dem dafuͤr ein Posten in Ostindien versprochen worden eyn soll.

Herr Steuart, einer der Lords des Schatzes, ist in Had⸗ dington ohne Opposition wieder gewaͤhlt worden.

Die Niederlage des Lord John Russell in Devonshire wird von den Organen des jetzigen Ministeriums hauptsaͤchlich der 50 Pfund⸗Klausel zugeschrieben, wodurch viele kleinere Land⸗ Paͤchter vom Wahl-Rechte ausgeschlossen sind, und dem Um⸗ stande, daß man dem dortigen Landvolke, welches zwar dem Zehnten⸗Systeme abhold, aber doch der Anglikanischen Kirche sehr zugethan sey, aͤngstliche Besorgnisse vor dem Aufkommen des Katholizismus einzufloͤßen gesucht habe, so wie endlich dem gro⸗ ßen Einfluß des Tory-Adels in jener Grafschaft. Dagegen ma⸗ chen die konservativen Blaͤtter bemerklich, es sey nicht zu uͤber⸗ sehen, daß gerade in der Grafschaft Devon auch die angesehensten Haͤuser der Whig-⸗Partei, namentlich der Vater des Lord John, der Herzog von Bedford, und die Familie Fortescue große Besitzungen haͤtten, und daß die Schatzkammer, so wie die zahlreichen Comité's es gewiß nicht un⸗ terlassen haben wuͤrden, zu Gunsten Lord Russell's auf die Waͤhler einzuwirken, und dennoch sey dieser durchgefallen. Die ministeriellen Zeitungen troͤsten sich uͤber diese Niederlage un⸗ ter Anderem auch durch die Bemerkung, daß es dem Sir Ro⸗ bert Peel im Jahre 1829, als er seine Meinung umgeaͤndert und sich zu Gunsten der katholischen Emancipation erklaͤrt, bei der Universitaͤt Cambridge nicht besser ergangen sey, und die radika⸗ len Blaͤtter freuen sich sogar fast uͤber das Ungluͤck des Lord Russell, indem sie hoffen, daß die Verdraͤngung der gemaͤßigten Whigs aus dem Unterhause nur der radikalen Partei um desto groͤßeren Aufschwung geben werde.

Herr Parker, der siegreiche Gegner Lord Russell's, hielt nach Beendigung der Wahl in Exeter noch auf dem Wahlplatze eine Anrede an seine nunmehrigen Kommittenten und dankte ih⸗ nen dafuͤr, daß sie dem ganzen Lande eine Lehre gegeben und ih⸗ ren festen Entschluß ausgesprochen haͤtten, die Constitution und den Protestantismus unverletzt aufrecht zu erhalten; wogegen Lord John Russell, der sich in Folge seines MißgeschickIs unwohl befunden haben soll, sich mit einer schriftlichen (gestern im Aus⸗ zuge mitgetheilten) Adresse an diejenigen Waͤhler, welche ihn un⸗ terstuͤtzt hatten, begnuͤgte.

Herr O'Connell hat erklaͤrt, daß er es, bei der großen Pu⸗ blizität, welche sein Streit mit Lord Alvanley durch die Zeitun⸗ gen erlangt habe, fuͤr seine Pflicht halte, den in der an ihn er⸗ gangenen Herausforderung liegenden Bruch der Privilegien des Unterhauses zum Gegenstande einer Beschwerde in diesem Hause zu machen.

Die Veranlassung zu dem Briefwechsel zwischen Herrn d⸗Israͤeli und Herrn Morgan O'Connell schreibt sich von Aeuße⸗ rungen her, deren sich der Vater des Letzteren, Daniel O'Con⸗ nell, am Sonnabend vor acht Tagen in einer Versammlung des neuen Dubliner Wahlrecht⸗Vereins gegen Ersteren erlaubte. Er sagte naͤmlich unter Anderem, es sey spaßhaft, daß die Konserva⸗ tiven ihn (O'Connell) gewissermaßen als Wehrwolf aufstellten, aber noch merkwuͤrdiger, daß ein gewisser d'Israeli sich erlaubt

abe, gegen ihn loszuziehen; nie sey ihm ein solcher Grad von Niedertraͤchtigkeit und Frechheit vorgekommen, und die Annalen der Schufterei haͤtten nichts Aehnliches aufzuweisen.

„Dieser d'Israclt“, fuhr er fort, „den ich bis 1832 nur als Novellenschreiber gekannt, lockte mir unter dem Vorwande, daß er sich zum Radikalismus bekenne, damals ein Empfehlungsschreiben an die Waͤbler von Wycombe ab, siel aber dennoch durch, da die Waͤhler ihn besser kannten. Ein Gleiches widerfuhr ihm in Mary⸗ lebone, und nun will er sein Gluͤck als Tory versuchen. Er hat sich erfrecht, mich zu Taunton einen Brandstifter und Hochverraͤther zu schelten, und ich kann darauf nur erwiedern, daß dieser Renegat eine lebendige Luͤge ist, und daß das Britische Reich sich schaͤmen muß, einen so verworfenen Elenden zu dulden. Diese Sprache ist allerdings hart, aber nur gerecht, und ich bedaure, im Englischen keine schaͤrfere Bezeichnungen fuͤr solches Ungeziefer zu finden. Dem Namen nach ist dieser neu bekehrte Konservative juͤdischen Ursprungs, womit ich jedoch keinesweges etwas Beleidigendes sagen will, da ich es mir zur wahren Ehre schaͤtze, zu mehreren achtbaren juͤdischen Familien in London in freundschaftlicher Beziehung zu stehen, son⸗ dern nur, daß alle Voͤlker Hefen enthalten; zu diesem Abschaum nun gehoͤrt auch d'Israeli, der, wenn man seinen Stammbaum ver⸗ folgen wollte, vermuthlich in gerader Linie von dem gotteslaͤster⸗ lichen Missethaͤter abstammt, der mit Christus zusammen gekreuzigt wurde.“

Herr d'Israeli, uͤber diesen Angriff empoͤrt, schrieb nun ei⸗ nen Brief an Herrn Morgan O Connell, worin er von diesem, da er schon einmal als Stellvertreter seines Vaters gegen Lord Alvanley aufgetreten, auch fuͤr den ihm zugefuͤgten Schimpf Genugthuung forderte. Dieser erwiederte hierauf unterm 5ten d., er habe den Lord Alvanley herausgefordert, weil derselbe sei⸗ nen Vater waͤhrend dessen Abwesenheit absichtlich beleidigt habe; uͤbrigens aber sey er fuͤr die Aeußerungen seines Vaters nicht verantwortlich und muͤsse nicht allein Herrn d'Israeli mit seiner ungebuͤhrlichen Herausforderung zuruͤckweisen, sondern auch uͤber⸗ dies seines Schreibens wegen Erklaͤrungen verlangen. Hierauf antwortete Herr d⸗Israeli noch an demselben Tage, er habe keine persoͤnliche Beleidigung gegen Herrn Morgan O' Connell beabsich⸗ tigt. Zugleich richtete er aber ein Schreiben an dessen Vater, Herrn Daniel O Connell, worin er sich gegen den Vorwurf der Apostasie rechtfertigt und seinen Gegner eines noch weit hoͤheren Grades von Wankelmuth beschuldigt.

„Was die poͤbelhafte Anspielung auf meinen Ursprung anbe⸗ langt,“ so schließt er seinen Brief, „so uͤbergehe ich dieselbe mit Verachtung, und was meine Riederlage bei der Wahl zu Wycombe betrifft, so erwiedere ich, daß ich den Waͤhlern weder mit Mord und Brand gedroht, noch mit Geld habe um mich werfen koͤnnen, da

ich nicht, wie Andere, im Besitz einer fuͤrstlichen Einnahme bin, die einer hungernden Race fanatischer Sklaven abgeschwatzt wird. Uebri⸗ gens zweifte ich nicht daran, naͤchstens einen Sitz im Parlament ju erhalten. Bei Philippi werden wir uns wiedersehen, und dann werde ich die erste Gelegenheit wahrnehmen, Sie auf eine solche Weist zu zuͤchtigen, daß Sie noch lange die Beleidigungen bereuen sollen welche Sie ausgestoßen gegen Benjamin d'Israeli.““

Noch am 5ten ist die Polizei (wie bereits erwaͤhnt) in die, ser Sache eingeschritten. Zwei juͤngere Soͤhne des niel O'Connell, Maurice und John, wurden in Haft genommen und mußten Buͤrgschaft dafuͤr stellen, daß fie haee des gan⸗ zen Jahres Niemanden von Sr. Majestaͤt Unterthanen befehden wuͤrden. Gegen Herrn Morgan O Connell und Herrn M raeli sind Untersuchungen eingeleitet.

Die Morning⸗Chroniecle behauptet, die Actien der „Times“ seyen fuͤr eine betraͤchtliche Summe an Personen, ii der Tory⸗Partei angehoͤrten, verkauft und es sey dabei festgests⸗ worden, daß dieses Blatt gaͤnzlich unter der Kontrolle seike nunmehrigen Eigenthuͤmer stehen solle.

Ueber den gegenwaͤrtigen Stand der Parteien in Eng, land giebt ein in der Allg. Zeitung enthaltenes, mit großtr Sachkenntniß abgefaßtes Schreiben aus London nachstehenne Auskunft: „Trotz der von Lord Melbourne im Oberhause gege benen Erklaͤrung, „„er stimme gar nicht mit O'Connell uͤberen und er wisse nichts von einer mit demselben eingegangenen Vo abredung““, weiß Jedermann, was man, ohne gerade Lord M bourne einer direkten Unwahrheit zu zeihen, von dem Verhil nisse des neuen Ministeriums zu dem erklaͤrten Erzfeinde de Herrschaft Englands uͤber Irland zu denken hat. Lord John Russell's Resolution wider die Anglikanisch⸗Irlaͤndische Kirche s das Prinzip, auf welchem das Buͤndniß der Whigs mit O Chn. nell beruht; diese Resolution ist die Basis, auf der das jetzig ministerielle Gebaͤude aufgerichtet ist; die Ausfuͤhrung dieser N. solution ist die unmittelbare, vielleicht die einzige Bestimmum desselben. So lange diese Resolution noch nicht ausgefuͤhrt is. gehen die jetzigen Minister, die Englischen und Schottischen N. dikalen und die O'Connelliten den naͤmlichen Weg sobald de ses Ziel erreicht ist, trennt sich ihre Straße. Allerdings ist in diesem Augenblick nicht moͤglich, mit Bestimmtheit zu wissg was dem Koͤnig und Lord Melbourne vorgegangen st die Ausschließung der Englischen und Schottischen Radikalen um der O'Connelliten von dem Kabinet und den hoͤhern Stellen der Verwaltung scheint aber allerdings dahin zu deuten, daß der nig zwar seinerseits zu der praktischen Ausfuͤhrung der Ruseh schen Resolution seine Stimme gegeben hat, daß aber Lord M. bourne dem notorischen Wunsche des Königs, demnaͤchst eine Aussis⸗ nung und Vereinigung der Whigs und Tories herbeizufuͤhren, im vor aus keine unuͤbersteiglichen Hindernisse in den Weg legen wollte. Di nächste Frage ist jetzt: wird das Oberhaus die Maßregel, welhe man im auf die Russellsche Resolution gruͤnden wil, annehmen? die Majoritaͤt des Oberhauses, wenn sie - rer eigenen Ansicht folgen will, eine jede solche Maßregel ver⸗ werfen wuͤrde, unterliegt keinem Zweifel, und sicherlich hat bord Melbourne diesen sehr moͤglichen Fall bei seiner Unterhandlung mit dem Koͤnige vorausgesehen. Eine so zahlreiche Pairs⸗Creu⸗ tion vorzunehmen, wie wohl bei aͤhnlichen Gelegenheiten in Frankreich geschehen ist, scheint mir bis jetzt hier noch aufet den Graͤnzen aller Wahrscheinlichkeit zu liegen. Eher moͤchte ich annehmen, daß der Koͤnig seinen persoͤnlichen Einstuß hbaer den Mitgliedern des Oberhauses, und namentlich bei den Eng⸗ lischen und Irlaͤndischen Bischoͤfen, deren Zustimmung ohne wei— teres die beifaͤllige Entscheidung der weltlichen Lords in diesem Falle nach sich ziehen wuͤrde, geltend zu machen suchen wird, um sie zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Auch ist es durchaut nicht unwahrscheinlich, daß die im Hintergrunde stehende P. sicht des Koͤnigs und vielleicht Lord Melbourne's gleic nach der legislativen Ausfuͤhrung der Russellschen Resolutiet eine Coalition der gesammten Aristokratie, aller konservativen 9g teressen der Whigs wie der Tories herbeizufuͤhren, wirklich d Majoritaͤt des Oberhauses dahin bringe, durch Nachgiebigkes die Aufloͤsung der Allianz, welche gegenwaͤrtig zwischen da Whigs, den O Connelliten und den Radikalen faktisch besteh und die durch den Widerstand des Oberhauses natuͤrlich nu inniger werden muͤßte, moͤglichst zu beschleunigen. Ueberdies i die Russellsche Resolution bis jetzt nur ein allgemeiner Grurd, satz, und es haͤngt von einem Kompromiß der verschiedenen Par teien ab, in wie weit die Anglikanisch⸗Irlaͤndische Kirche wit lich dadurch in ihren Einkuͤnften und in der Zahl ihrer Geiste chen beschraͤnkt werden soll. Hat doch das Oberhaus auch zu der vorjaͤhrigen Irlaͤndischen Kirchen⸗Reform⸗Bill, wodurch zehn Bis⸗ thuͤmer aufgehoben wurden, seine Zustimmung gegeben; es i mithin eine Kollision der beiden Haͤuser uͤber diese Frage nich unausweichlich. Sollte diese Kollision aber doch durch Verwerfung der Russellschen Resolution im Oberhause eintreten, so schein es mir sehr moͤglich, daß das Parlament aufgeloͤst werden, un das Ministerium versuchen wird, sich eine groͤßere, eine fuͤr d Ansicht und das Verfahren des Oberhauses selbst imposantm Majoritaͤt im Unterhause zu verschaffen, um dann die naͤmlic auf Lord John Russell's Resolution zu gruͤndende Maßteh. von neuem vorzuschlagen in aͤhnlicher Weise, wie man Annahme der Reform⸗Bill am Ende im Oberhause durchsett Der Ausgang einer solchen neuen Parlaments⸗Wahl laͤßt uͤbrigens nicht berechnen, und es koͤnnte dann moͤglicherweise! hin kommen, die jetzigen Minister in einer Minoritaͤt zu sehe

Dies fuͤhrt mich auf das groͤßte Uebel in dem gegenwal

gen Zustande der Dinge in England das Gleichgewit der Parteien und die daraus natuͤrlich hervorgehende Hif nung der einen wie der anderen, nach einer erlittenen Nied lage, vermittelst einer geringen Veraͤnderung der Umstaͤnde,n neuem das Uebergewicht zu erhalten. Solche Hoffnungen se den Bemuͤhungen des Koͤnigs, setzen dem Nachgeben, der A soͤhnung derjenigen Parteien, die im Grunde das naͤmliche grf Interesse haben, näͤmlich der Aristokratie im weiteren Sinne Wortes, der Besitzenden, die groͤßten, ja vielleicht unnlbe steiglichen Hindernisse entgegen. Allerdings haͤtte man glabte sollen, daß die Whigs durch die Niederlage, die sie bei den l ten Parlaments⸗Wahlen erlitten haben, zur Besinnung gelane waͤren; aber das Mißlingen der Bemuͤhungen des Koͤnigs! Anfange der Session, sie theilweise mit Peel auszusoͤhnen,“ weist das Uebergewicht des Parteigeistes uͤber die einfachs und deutlichsten Lehren des Verstandes. Das Abweisen enn Aussoͤhnung mit Peel, und dann die Coalition Melbourne’'s un seiner Freunde mit O' Connell, weiß ich mit nichts Anderm! vergleichen, als mit etwas, wovon wir in der aͤltern und neue Deutschen Geschichte mehr als Ein Beispiel kennen, wenn nan lich einzelne Deutsche Regierungen sich durch Caprice oder

mentane, verhaͤltnißmaͤßig unbedeutende Vortheile haben bewege lassen, mit fremden, mit feindlichen Maͤchten, namentlich 7 Frankreich in Buͤndnisse zu treten und dadurch das gesam Deutsche Vaterland und sich selbst ins Verderben zu st

Herrn Da⸗ er

der Gerechtigkeit

AnscErlassung dieses Gesetzes verflossen ist,

vestimmungen kennen zu lernen, und es wird

mn. Im vorigen Unterhause zaͤhlten die Whigs beilaͤufig drei⸗ sunder Mitglieder, die Englischen und Schottischen Radikalen nahe an hundert, 9 Connell vierzig, die Tories hundertundfunf⸗ zg. Im jetzigen Unterhause sitzen nicht mehr als hundertund⸗ funfzig Russellsche Whigs, sechzig bis siebenzig Stanleysche Whigs, ie aber gegenwaͤrtig in der Regel auf der Seite der Tories ste⸗ hen, zweihundertundvierzig Tories, sechzig O'Connelliten und auwas mehr als hundert Englische und Schottische Radikale. Eine Vereinigung der Whigs und Tories wuͤrde mithin eine nächtige Majoritaͤt von mehr als vierhundertundfunfzig bilden. die sich aber allerdings, wenn die Ruüssellsche Resolution zum Gesetze wird und O Connell's Einsluß auf die Wahlen verhaͤlt⸗ nißmaͤßig zunimmt, vielleicht um 15 bis 20 Irlaͤndische Parlaments⸗ seder und durch die beabsichtigte sogenannte Reform der Cor⸗ vrationen um eine noch groͤßere Anzahl Englischer Mitglieder vernindern duͤrfte. Diese Reform der Corporationen wird naͤnlich, wenn sie nach den jetzt beliebten populairen Grund⸗ ißen erfolzt, wie hoͤchst wahrscheinlich ist, eine ziemliche An⸗ ahl von Borough⸗Wahlen mehr in die Haͤnde der 10. Pf. zaus⸗Inhaber, d. h. von deren natuͤrlichen Vormuͤndern, der Radikalen bringen und die den Whigs oder Tories zugehoͤ⸗ rnden Stimmen um eben so viel verringern. Wenn ich uͤbri⸗ gens von einer kuͤnftigen Aussoͤhnung und Coalition der Tories und Whigs rede, so will ich damit keineswegs gesagt haben, daß ich einem fuͤr England, ja fuͤr ganz Europa so erfreulichen Er⸗ eignise mit vieler Zuversicht entgegensehe. Dazu bin ich nicht Optimist genug. Ich spreche nur eine Hoffnung, einen Wunsch aus, den hier alle leidenschaftslose Beobachter, ja sehr viele ru⸗ hige und verstaͤndige Mitglieder dieser beiden Parteien aͤußern, ohne daß ich jedoch behaupten moͤchte, sie seyen selbst sehr san⸗ guinisch hinsichtlich der praktischen Ausfuͤhrbarkeit einer solchen Toalition. Das Unheil in so vielen politischen Verhaͤltnissen, und so leider auch hier, liegt darin, daß verstaͤndige Maͤnner oft recht gut einsehen, wo das Mittel zur Rettung zu suchen ist, daß aber dennoch die meisten sich, wenn es zum Handeln kommt, von ihren Leidenschaften und nicht von ihrem eigenen Verstande,

noch weniger aber von umsichtigen, klar sehenden Fuͤhrern leiten

lassen.“ Niederlande.

Aus dem Haag, 8. Mai. Gleich den Synoden der re⸗ formirten Kirche, die hier alljaͤhrlich stattzufinden pflegen, war vorgestern und gestern hier zum ersten Male auch wieder eine berathende Kommission der evangelisch⸗Lutherischen Gemeinden versammelt, welche mehrere Beschluͤsse hinsichtlich eines allgemei⸗ nen Kirchen-Reglements gefaßt hat.

Das Jaͤger⸗-Corps des Obersten Cleerens, welches bekannt⸗ lich zum groͤßten Theil aus uͤbergetretenen Belgiern besteht, wird, dem Vernehmen nach, ehestens nach Ostindien gesandt werden.

Auch hier, wie im suͤdlichen Frankreich und in Italien, ist das Fruͤhjahr fortwaͤhrend sehr kalt und die Vegetation unge⸗ woͤhnlich zuruͤckgeblieben. 1b

Belgien. v1“

Bruͤssel, 8 Mai. Unter mehreren Anderen, die das ihnen verliehene eiserne Kreuz zuruͤckgesandt haben, besindet sich auch der bekannte republikanische Deputirte und Advokat de Robaulx.

Die neue Eisenbahn wird von Reisenden und Spazierfah⸗ renden viel benutzt. Heute hat sich jedoch schon ein Ereigniß zu⸗ getragen, das die Lust an dieser neuen Zerstreuung bedeutend vermindert haͤtte, wenn es nicht gluͤcklicherweise noch besser abge⸗ laufen waͤre, als es den Anschein hatte. Der Conducteur des Dampfwagens vergaß naͤmlich, als derselbe bei den Pallisaden angekommen war, welche zwischen der Eisenbahn und dem Kanal von Mecheln errichtet sind, die Maschine anzuhalten; diese riß sogleich die Pallisaden nieder, und der Dampfwagen stuͤrzte in den Kanal, so daß die darauf sitzenden Ingenieurs sich nur mit Muͤhe retten konnten. Auch die Raͤder des ersten von dem Dampfwagen gezogenen Passagierwagens waren bereits im Wasser, doch brachte dieses die Maschine zum Stillstand, und es ist daher Niemand zu Schaden gekommen.

h BeIan d

Schwerin, 10. Mai. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großher⸗ wg haben zu Hoͤchstihrem Regierungs⸗Jubelfeste von den Mit⸗ Aedern des Großherzoglichen Hauses einen goldenen Eichenkranz mit funfzig Blaͤttern und Fruͤchten voll sinniger Bedeutung, und

von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige von Preußen he Porzellan⸗ Vasen von hohem Kunstwerthe zum Geschenk erhalten. Se. Koͤnigl. Hoheit haben am Tage der Jubelfeier Hoͤchstihren Ur⸗ Enkel, den Herzog Friedrich Franz, zum Seconde⸗Lieutenant bei der Grenadier⸗Garde ernannt. Braunschweig, 10. Mai. Nachdem die Arbeiten, welche der hiesigen Staͤnde⸗Versammlung vorgelegen, erledigt waren, ist der Landtag, der erste seit dem Erscheinen der erneuerten Land⸗ schaftsordnung, am gestrigen Tage auf herkoͤmmliche Weise feier⸗ lich geschlossen worden. Saͤmmtliche Mitglieder der Staͤnde⸗ Versammlung hatten sich um 2 Uhr Nachmittags zum Gottes⸗ dienste in der hiesigen Domkirche eingefunden, nach dessen Been⸗ digung sie sich in das Herzogliche Schloß verfuͤgten und alsbald Fh den Oberhofmarschall in den Audienzsaal eingefuͤhrt wurden. Rier wurden sie von Sr. Durchlaucht dem Herzoge, auf dem Throne sbend, und zu beiden Seiten von den Mitgliedern des Herzogli⸗ hen Staats⸗Ministeriums und den hoͤchsten Beamten des Hofes umgeben, empfangen, und von dem Geheimen Rathe v. Schlei⸗ nitz auf folgende Weise angeredet: b ⸗Meine Herren Staͤnde! Des Herzogs Durchlaucht haben gnaͤ⸗ Fes geruht, mir den ehrenvollen Auftrag zu ertheilen, bei dem de achen. Schlusse dieses ersten ordentlichen Landtags einige Worte ii dschiedes an Sie zu richten. Es sind nun fast zwei Jahre roͤffnung der Landtags⸗Verhandlungen versiossen, und Jhre he ten haben zwoͤlf Monate dieses Zeitraums ganz erfuͤllt. Wenn bch nicht allein die Zabl und Wichtigkeit der Ihrer Berathung beoimwiesenen Gegenstaͤnde diese lange Dauer der Verhandlungen wiangt hat, so zeigt doch ein fluͤchtiger Ueberblick, auch nur der wihelgsten Resultate dieses Landtages, daß wir ihn zu den denk⸗ n igsten und erfolgreichsten unseres Vaterlandes zaͤhlen duͤr⸗ de „Nachdem das Landes⸗Grundgesetz die Verfassung des Lan⸗ Vartfestgestellt batte, war es Ihnen vorbehalten, deren wichtigste meißungen in das Leben zu rufen. Unter diesen war keine wich⸗ Uedi⸗ tiefeingreifender, als die zugesagte Erlassung einer Abldsungs⸗ vwelch ung. ie gluͤckliche Loͤsung dieser so schwierigen Aufgabe, hei her es unter Ihrer Mitwirkung gelungen ist, die Forderungen in soat und der Billigkeit zu vereinigen, wird auch noch üeneen Zeiten ein unzerstoͤrliches Denkmal der landesvaterlichen Fühcn zungen unsers erhabenen Fuͤrsten und der uneigennuͤtzigen und 8 hteten Vaterlandsliebe der Staͤnde seyn. Die Zeit, welche en ist, hat es zugelassen, die Pflichtigen uͤber die getroffenen Ihnen zur be⸗ Genugthuung gereichen, daß allgemesn die Zweck⸗ und Wohltdhaͤtigkeit des Gesetzes Anerkennung findet, sprechendste Beweis in der zahlreichen, aus allen

ber Berechtigten und

nderen maͤßigkeit wovon der

2 8

8

549 Landestheilen eingehenden Antraͤgen auf Abloͤsungen liegt. Wichtig war auch die Annahme der durch das Landes⸗Grundgesetz verheiße⸗ nen Staͤdteordnung. Sie ist bereits in fast allen Staͤdten des Lan⸗ des mit Vortheil zur Verbesserung der staͤdtischen Verwaltung ein⸗ gefuͤhrt. Eines der umfassendsten Geschaͤfte dieses Landtages ist die neue Ordnung des Staatshaushaltes gewesen. Die ge enwaͤrtige Staͤnde⸗Versammlung war die erste, deren verfassungsm ßige Mit⸗ wirkung sich auf alle Theile der Staats⸗Finanzen erstreckte. Wenn Sie daher hier ein ganz neues Feld zu bearbeiten und schon hierin eine große Schwierigkeit fanden, so erhielt diese Arbeit zugleich dadurch eine ausgezeichnete Wichtigkeit, daß der jetzt festgesetzte Etat nothwendig die Grundlage aller kuͤnftigen bilden wird. Die von Ihrer zur Begutachtung dieses Gegenstandes niedergesetzten Kommission erstatteten Berichte sind ein Beweis gruͤndlicher, gewis⸗ senhafter Pruͤfung und umsichtiger Wuͤrdigung aller Verbattnisfe das mit Ihnen fuͤr die Finanz⸗Periode von 1834— 1836 endlich fest⸗ gestellte Budget aber, entspricht den Beduͤrfnissen des Landes und sichert den regelmaͤßigen Gang der Verwaltung. Es wird Ihnen angenehm seyn, zu erfahren, daß bisher die Staats⸗Einnahmen die Voranschläge bedeutend uͤberschritten haben, und daß, wenn nicht unerwartete Ausfaͤlle eintreten, am Schlusse dieser Finanz⸗Pe⸗ riode ein betraͤchtlicher Kassen⸗Vorrath vorhanden seyn wird. Wenn neben der Ordnung des Stagts⸗Haushaltes die Ge⸗ setze uͤber die Muͤnz⸗Verfassung und das Landes⸗Schulden⸗ wesen Erwaͤhnung verdienen, 2 sind doch vor Allem der Zollanschluß an das Koͤnigreich Hannover und die zu dessen Ausfuͤh⸗ EET1“ von ganz besonderer Wichtigkeit. Denn nicht nur ist durch diese Maßregeln das ganze indirekte Steuer⸗System auf eine zweckmaͤßige, den Anforderungen der Gegenwart entspre⸗ chende Weise geordnet, sondern sie wirken hauptsachlich dadurch auf das Woblthaͤtigste, daß sic, was die anfaͤnglich irre geleitete oͤffent⸗ liche Meinung jetzt auch anerkennt, den Gewerben und dem Han⸗ del eine ausgedehntere Thaͤtigkeit gestatten, und wir koͤnnen mit Zu⸗ versicht hoffen, daß diesem ersten Schritte zur Erweiterung der Han⸗ dels⸗ und Gewerhefreiheit, bald neue folgenreiche Fortschritte fol⸗ gen werden. Eine große Bedeutung werden aber diese Maß⸗ regeln durch die Anlage der projektirten Eisenbahn erhalten. Sie haben dies wohl anerkannt, indem Sie zu dem Ihnen vorgelegten Gesetze uͤber die Eisenbahn⸗Anlagen bereitwillig Ihre Zustimmung ertheilt haben. Die Landes⸗Regierung aber wird die⸗ sen hochwichtigen Gegenstand nicht aus den Augen verlieren und auf die Foͤrderung dieses großartigen Unternehmens auf jede Weise binwirken. Gedenken Sie nun neben diesen besonders wichtigen Verbandlungen der uͤbrigen von Ihnen berathenen Gegenstaͤnde, vorzuͤglich der fuͤr das so heilsame Gedeihen des Unterrichtswesens getroffenen Bestimmungen, so werden sie die erhebende Ueverzeugung ewinnen, daß durch die unter Ihrer Mitwirkung zu Stande ge⸗ rachten Matzregeln das Wohl aller Klassen der Landes⸗Einwohner bedeutend und dauernd gefoͤrdert ist. Nicht nur das Bewußtseyn treu erfuͤllter Pflicht wird Sie in Ihre Heimath begleiten, sondern Sie schelden von hier mit der erfreuenden Zuversicht, daß Ihre angestrengte Thatigkeit, Ihre unermuͤdeten von aufrichtiger Liebe zu unserem gnaͤ⸗ digen Fuͤrsten und unserem theuern Vaterlande geleiteten Bestre⸗ bungen reiche Fruͤchte tragen werden. Sie scheiden, belohnt durch die Anerkennung Ihres durchlauchtigen Landesherrn und den Dank Ibrer Mitbuͤrger. Und somit wird die landesvaͤterliche Hoffnung in Erfuͤllung sehen, die des Herzogs Durchlaucht bei Eriffnung des Landtages auszusprechen geruhte, das Andenken an diesen Landtag wird auch noch in spaͤteren Zeiten gesegnet seyn. Indem des Herzogs Durchlaucht Ihnen die Versicherung Hoͤchstihrer Huld und Gnade ertheilen, lassen Hoͤchstdieselben zugleich hierdurch den ersten ordentlichen Landtag fuͤr geschlossen erklaͤren.“ Der Ober⸗Kammerherr, Graf von Oberg, richtete darauf in seiner Eigenschaft als Praͤsident der Staͤnde⸗Versammlung einige Worte an Se. Durchlaucht, womit die Feierlichkeit been⸗ digt war und worauf saͤmmtliche Mitglieder der Staͤnde⸗Ver⸗ sammlung zur Tafel gezogen wurden. Se. Durchlaucht der Her⸗ zog trank „auf das Wohl des Landes“, der Praͤsident der Stände, Ober⸗Kammerherr, Graf von Oberg, aber brachte die Gesund⸗ eit „Sr. Durchlaucht des Herzogs, unsers gnaͤdigsten Landes⸗ errn“” aus, die von der ganzen Versammlung mit dem lautesten Jubelrufe vielfach wiederholt wurde. Nach aufgehobener Tafel geruhte Se. Durchlaucht Sich eine geraume Zeit hindurch mit der Mehrzahl der Abgeordneten zu unterhalten, und Alles schied zuletzt erfuͤllt von Liebe zu dem verehrten Landesherrn.

Karlsruhe, 6. Mai. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer leistete der Bischof von Macra, von Vicari, den staͤn⸗ dischen Eid. Hierauf geschah die Vorlage einer Adresse der zweiten Kammer, betreffend die Aufhebung des befreiten peinli⸗ chen Gerichtsstandes der Militair⸗Personen, so wie die Mitthei⸗ lung der von dieser Kammer berathenen und angenommenen bei⸗ den Gesetz⸗Entwuͤrfe wegen des Austritts aus dem Militairdienste und der Entscheidung uͤber die Tauglichkeit oder Untauglichkeit der Conscriptionspflichtigen. Sodann zeigte das Secretariat an, daß Herr F. List, Konsul der Vereinigten Staaten, an die hohe Kammer eine Eingabe eingesandt habe, unter Mittheilung einiger Exemplare seiner Denkschrift uͤber eine Eisenbahn von Mannheim

nach Basel. Oesterreich.

Wien, 6. Mai. (Schles. Zeitg.) Wie ich mit Be⸗ stimmtheit versichern hoͤre, hat Se. Majestaͤt der Kaiser befohlen, daß das durch Geruͤchte angekuͤndigte Lager in Maͤhren dieses Jahr nicht stattfinden solle.

Se. hoͤchstselige Majestaͤt Kaiser Franz J. hatten, zur Er⸗ innerung Allerhoͤchst ihrer Zusammenkunft mit Sr. Majestaͤt dem Kaiser Nicolaus, und zur Verehrung an Dieselben, den ruͤhm⸗ lichst bekannten Landschaftsmaler Thomas Ender beauftragt, die Ansichten von Muͤnchengraͤz in vier großen Oelgemaͤl⸗ den, und in einem fuͤnften als ein allergnaͤdigstes Geschenk fuͤr den Besitzer von Muͤnchengraͤz, Grafen Christian von Wald⸗ stein, darzustellen. Diese nunmehr beendigten merkwuͤrdigen Kunstwerke sind jetzt in der Akademie der bildenden Kuͤnste zur Besichtigung aufgestellt.

An der Boͤrse war in der letzten Woche das Geruͤcht von einer nahe bevorstehenden Reduction der 5 proc. Staatsschuld auf 4 pCt. im Umlauf, und fand vielen Glauben.

Ueber Triest haben wir neuere Nachrichten aus Alexan⸗ drien bis zum 4. April, die in Betreff der Pest wieder betruͤ⸗ bender lauten. Diese furchtbare Seuche hatte mit erneuerter Kraft zu wuͤthen angefangen, und die Zahl der taͤglichen Opfer neuerdings vermehrt. Besonders in Kahira soll die Sterblichkeit unerhoͤrt seyn, so daß man das gaͤnzliche Aussterben dieser volk⸗ reichen Stadt befuͤrchtete, und deswegen alles, was Fuͤße und noch Kraft hatte, die Flucht ergrisf Seit einigen Tagen ging ve. das Geruͤcht, daß in Salonichi und in der Contumaz von

riest sich auch Pestfaͤlle ereignet haben. Durch heute eingetrof⸗ fene Briefe aus Triest wird aber diese letztere Sage als vollkom⸗ men grundlos erwiesen, und hinsichtlich der Ersteren haben wir ebenfalls beruhigende Nachrichten. Es waren zwar allerdings in Salonichi einige Pestfaͤlle vorgekommen, allein die Behoͤrde traf sogleich solche Vorkehrungen, daß ein weiteres Umsichgreifen nicht zu besorgen war. Die neuesten Briefe zeigen nun an, daß in den beiden verdaͤchtigen Haͤusern, welche seit 14 Tagen abge⸗ schlossen waren, seit der Zeit kein neuer Erkrankungsfall vorge⸗ kommen ist, und daß man deswegen die Seuche als erloschen betrachte. 8

1““

g41 . 1“ 5 2 Schweiz.

ie Allgemeine Zeitung schreibt vom Genfer See vom 2. Mai: „Der Radkalismus 85 t sich jetzt entschieden aus dem Kanton Bern an unseren See. 2 aͤhrend dort immer mehr gemaͤßigte und besonnene Ideen aufkommen und herrschend wer⸗ den, nimmt bei uns die Uebertreibung uͤberhand, die ans Laͤcher⸗ liche graͤnzt. So hielt in den letzten Tagen des vorigen Monats die Waadtlaͤndische Section der Associalion de Sureté fédérale in der kleinen Stadt Morges ihre Sitzung, und es ward unter Anderem darin beschlossen, eine Bittschrift an den Großrath zu richten, auf daß er die Waadtlaͤndische Deputation zu der naͤch⸗ sten Schweizer⸗Tagsatzung dahin instruire, sie solle einen Bun⸗ des⸗Beschluß zu bewirken suchen, daß die Confoͤderation alle di⸗ plomatische Verbindung mit den Staaten abbreche, die ihren Un⸗ tergebenen den Aufenthalt in der Schweiz verboten oder Schweizer, ungeachtet deren Papiere, aus ihren Staaten weggewiesen haben. So soll der Waadtlaͤndische Großrath auch abermals uͤber die Zu:-⸗ sammenberufung einer Bundes⸗Konstituante diskutiren, zu we her die Schweizer direkt und jeder Kanton im Verhaͤltniß sei⸗ ner Bevoͤlkerung Deputirte schicke. Ueberdies wird die Gesell⸗ schaft auch die Druckkosten einer Broschuͤre tragen, worin die bisherigen Arbeiten des gegenwaͤrtigen Großraths untersucht und auseinandengesetzt werden, da seine Function naͤchstes Jahr zu Ende gehen wird, damit die Einwohner bei den naͤchsten Wahlen genau wissen, woran sie sich zu halten haben, und ob sie die bis⸗ herigen Deputirten wieder waͤhlen sollen. In Genf haben sich neuerdings zwei aͤhnliche Gesellschaften gebildet, eine zur Befoͤr⸗ derung der Preßfreiheit, Unterstuͤtzung radikaler Zeitschriften und Broschuͤren, eine andere, um die Regierung zu einem liberalen Gange zu bewegen, oder politische Reformen zu bewirken. In inniger Verbindung mit diesen Vereinen und ihrem Zweck stehen die radikalen Journale, unter denen die Helvétie vor einigen Ta⸗ gen den Genfern etwas ganz Neues sagte, naͤmlich, daß sie gar keine Constitution haͤtten, und diese auch gar nicht schriftlich im Bundes⸗Archiv niedergelegt sey.“

1“ 8 8

Berlin, 14. Mai. Se. Koͤnigl. Hoheit der Herzog von Cambridge kam am 9ten d. M. mit dem Dampfschiffe „die Stadt Mainz“ von Mainz in Koͤln an, nahm sein Absteige⸗ Auartier in Deutz in dem dortigen neuen Gasthofe „Hotel de Bellevue“ und setzte am folgenden Morgen mit dem Niederlaͤn⸗ dischen Dampfboote „Prinz Friedrich von Preußen“ uͤber Rot⸗ terdam die Reise nach London fort. Se. Koͤnigl. Hoheit nah⸗ men waͤhrend Ihres kurzen Aufenthalts den Dom und den Rathhaus⸗Saal in Augenschein und besuchten in Deutz die Ka⸗ serne des iten Dragoner⸗Regiments, dessen Offiziere Sr. Koͤnigl. Hoheit am Abend im Garten des Hotel de Bellevue von ihrem Musik⸗Corps eine Serenade bringen ließen.

1 Am lsten d. M. feierte der Schullehrer Schuster zu Wilhelmsdorf im Zauch⸗Belzigschen Kreise des Reg. Bez. 8 Potsdam sein funfzigjaͤhriges Dienst⸗Jubilaͤum. Der Magistrat zu Brandenburg, als Guts⸗Obrigkeit, hatte in Gemeinschaft mit saäͤmmtlichen Geistlichen des staͤdtischen Patronats und einigen Deputirten der Buͤrgerschaft sich am Vormittage in Wilhelms⸗ dorf versammelt, wo in dem durch die Sorge des fuͤr die An⸗ lagen bei diesem Dorfe unermuͤdlich thaͤtigen Forst⸗Deputirten Broͤse festlich geschmuͤckten Betsaale der Superintendent )r. Boy vor der versammelten Gemeinde einige herzliche Worte an den Jubilar richtete und ihm ein Gluͤckwuͤnschungs⸗Schreiben Sei⸗ tens des Patronats behaͤndigte. Am Mittage war zu Ehren des Gefeierten ein Mahl veranstaltet, bei welchem das von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige dem Jubelgreise Allergnaͤdigst verlieheno Allgemeine Ehrenzeichen einging, auch ihm ein Geld⸗Geschenk der Stadt Brandenburg uͤbergeben wurde.

Man meldet aus Breslau: „Seit kurzem ist auch Schlesien im Besitz eines Dampfschiffes. Se. Durchlaucht der Fuͤrst zu Carolath hat naͤmlich ein solches vorzugsweise zu dem Zwecke erbauen lassen, die Oderkaͤhne ans Schlepptau zu neh⸗ men. Die engen Schleusen der Oder haben eine eigenthuͤmliche Construction des Schiffes nothwendig gemacht. Dasselbe hat an den Stellen, wo die Raͤder angebracht sind, eine Verminderung der Breite erleiden muͤssen, und zwar um so viel, als die Raͤder Raum einnehmen. Die Breite des Schiffes ist also durch die Raͤder nicht vergroͤßert worden. Seine Kraft ist die von sechs Pferden. Die Dampfkessel und die Maschinerieen sind von va⸗ terlaͤndischer Fabrication, naͤmlich aus der Maschinen⸗Fabrik des Herrn Ruffert zu Breslau.“

Koͤnigliche Schauspiele.

Freitag, 15. Mai. Im Opernhause. Fanchon, das Lepe maͤdchen, Operette in 2 Abth. Musik von Himmel.

Im Schauspielhause: 1) Le roman d'une heure, comédie en 1 acte. 2) Le vieux mari, vaudeville en 2 actes, par Förse. 3) La famille de l'apothicaire, vaudeville comique on

acte.

Sonnabend, 16. Mai. Im Opernhause: Die Verschwoͤrung des Fiesko zu Genug, Trauerspiel in 5 Abth., von Schiller. (Hr. Seydelmann: Muley Hassan, als Gastrolle. Frl. v. Hagn Graͤfin Imperiali. Hr. Rott: Fiesko.)

Die zu dieser Vorstellung eingegangenen Meldungen um Billets sind beruͤcksichtigt worden, und koͤnnen solche im Billet⸗ Verkaufs⸗Buͤreau abgeholt werden.

Sonntag, 17. Mai. Im Opernhause: Adagio und Rondo fuͤr Violine, von Maiseder, vorgetragen von dem achtjaͤhrigen Sohn des Musik⸗Direktors Moͤser. Hierauf: Die schoͤne Muͤllerin. Dann: Barcarole und Variationen fuͤr Violine, vorgetragen von dem achtjaͤhrigen A. Moͤser. Und: Das schlechtbewachte Maͤdchen. (Dlle. Angeoletta Mayer, erste Pantomimistin vom K. Hof⸗Thea⸗ ter zu Muͤnchen: Lisette.)

Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Die Schule des Lebens, Schauspiel in 5 Abth., nach einem Maͤhrchen, von Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Freitag, 15. Mai. (In Italiaͤnischer Sprache): Semira⸗ mis, Oper in 2 Akten. Musik von Rossini. (Dlle. Vial, vom 81 eäd geles Hof⸗Theater zu Turin: Semiramis, als

astrolle.

Preise der Plätze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges, . 8

Sonnabend, 16. Mai. Zum erstenmale: Judith und 2 fernes, Lustspiel in 2 Akten, nach Lhanule, Johtehe 8nec⸗ Hierauf: Zum erstenmale: Der Luͤgenfeind, Lustspiel in 1 Akt,

Julerl, die Putzmacherin, parodirende

von Adolph Roland. p Sang, 17. Mai.

osse mit Gesang in 2 Akten. Vorher: Zum er stenmale wieder holt: Der Luͤgenfeind. 8 rh S s 3

88