ihm bei diesem wichtigen Gegenstande vor Augen schweben. (Hoͤrt, hoͤrt!) Ich versichere Ihnen, Mylords, daß die Regie⸗ rung Sr. Majestaͤt den innigen Wunsch hegt, den Volks⸗Unter⸗ terricht zu befoͤrdern; und ich bin fest uͤberzeugt, daß die Unter⸗ druͤckung der Verbrechen und die Verbreitung von Tugend, Frieden, allgemeiner Ruhe und Ordnung Gegenstaͤnde sind, die untrenn⸗ bar mit einem wohl erwogenen und wohl geleiteten Unterrichts⸗ System zusammenhaͤngen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Alle Einwendungen, die bisher gegen die Verbreitung einer allgemeinen Bildung un⸗ ter dem Volk hervorgehoben worden (und einige der dagegen geltend gemachten Argumente sind nicht ohne Bedeutung) muͤs⸗ sen auf schlecht uͤberlegte und schlecht geleitete Erzie⸗ hungs⸗Plaͤne, auf die aus einem schlechten System ent⸗ springenden Mißbraͤuche und Uebel bezogen werden und koͤnnen einen Plan, der die Armen in Stand setzen wuͤrde, Be— lehrung und Unterricht zu empfangen und sich an einen fleißigen, einsichtsvollen und maͤßigen Lebenswandel zu gewoͤhnen, gar nicht treffen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Ich habe mit Hinsicht auf die Resolutio⸗ nen meines edlen und gelehrten Freundes nur noch zu sagen, daß, da die Regierung dadurch aufgefordert wird, in lange be⸗ stehende Privilegien einzugreifen und in Angelegenheiten, die fuͤr das gemeine Wesen von unendlicher Wichtigkeit sind, mit ihrer Autoritaͤt einzuschreiten, daß insofern das von dem edlen und gelehrten Lord eingeschlagene Verfahren, welches reifliche Ueber⸗ legung und Vorsicht zulaͤßt, sehr weise und verstaͤndig ist, und daß die Regierung Sr. Maj. den Vortheil davon nicht außer Acht lassen, sondern gewiß den Vorschlaͤgen, die Ew. Herrlichkeit zur Entscheidung vorgelegt worden sind, die sorgfaͤltigste Auf⸗ merksamkeit widmen wird.“
Unterhaus. Sitzung vom 20. Mai. Es wurden zuerst (wie auch fruͤher schon im Oberhause) mehrere Petitionen gegen die beabsichtigten Geld⸗Bewilligungen an die Kirche von Schottland eingereicht. Alsdann ging eine neue Sabbath⸗Bill von Herrn Poulter, ungeachtet dagegen vielfach und unter Anderen auch von Sir R. Peel Einspruch geschah, durch den Ausschuß. Hierauf machte der bekannte Haupt⸗Proponent der auf die Sabbath-Feier bezuͤglichen Maßregeln, Sir Andrew
Agnew, ungeachtet aller Niederlagen, die er in dieser Angele⸗
genheit schon erlitten hat, die Anzeige, daß er naͤchstens eine
Adresse an den Koͤnig beantragen werde, in der verlangt werden
soll, daß allen Gouverneuren in den Kolonieen und allen Ge⸗
sandten und Agenten an fremden Hoͤfen der Befehl ertheilt wer⸗
den moͤchte, bei ihren Verrichtungen die gehoͤrige Observanz des
Sabbaths nicht zu verabsaͤumen.
4* 8*
Nach Beseitigung der Sab⸗ baths⸗Bill ging auch die Bill uͤber Testaments⸗Vollstreckungen durch den Ausschuß, nachdem vorher ein Amendement angenom⸗ men worden war, durch welches bestimmt wurde, daß Niemand
ein Testament zu machen berechtigt seyn solle, der nicht das Al—
verlesen.
ter von 31 Jahren (die fruͤhere Bestimmung war 17 Jahre) erreicht habe. Die Bill wegen Anwerbung der Seeleute, von Sir James Graham beantragt, wurde zum zweiten Male Lord John
Unterhaus. Sitzung vom 21. Mai.
Russell nahm unter dem groͤßten Applaus von den ministeriellen
Bajnken seinen Sitz fuͤr Stroud ein. Sitzung nichts bemerkenswerthes vor.
Außerdem fiel in dieser Das Haus beschaͤftigte
sich mit Berichten der Ausschuͤsse zur Untersuchung angefochtener Parlaments⸗Wahlen.
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1
London, 22. Mai. Vorgestern kamen Ihre Majestaͤten wieder nach der Stadt, und der Koͤnig hielt ein Lever im St. James⸗Palast, bei welchem der Marquis von Conyngham, der an die Stelle des Marquis von Wellesley zum Ober⸗Kammer⸗
herrn ernannt worden ist, Lord Morpeth als erster Secretair fuͤr Irland, Lord Elliot nach seiner Ruͤckreise von Spanien,
Sir Edward Susgden nach seiner Ruͤckkehr von Irland und Lord Cowley nach seiner Ruͤckkehr von Paris Sr. Majestaͤt vor⸗ gestellt wurden. Dann wurden dem Koͤnige wieder eine Menge von Bittschriften uͤberreicht, worin um Aufrechthaltung der herr⸗ schenden Kirche ersucht wird. Graf Kinnoull uͤberreichte auch eine Adresse aus der Grafschaft Perth, worin dem Koͤnige fuͤr den in der letzten Thronrede ausgesprochenen Wunsch gedankt wird, daß die Gelegenheiten zur Andachtsuͤbung fuͤr die aͤrmeren Klassen in Schottland vermehrt werden sollten. Der Koͤnig hielt darauf eine Geheime⸗Raths⸗Versammlung, worin eine Petition des King's College vorgelegt wurde, in welcher dieses Kollegium bittet, daß man es keinem andern Institut, besonders in Hinsicht auf die Verleihung akademischer Grade, nachsetzen moͤge. Diese Petition wurde dem Ausschuß uͤberwiesen, der das Gesuch der Londoner Universitaͤt um einen Freibrief zu untersuchen hat. Ihre Majestaͤten kehrten Abends wieder nach Windsor zuruͤck.
Lord Granville ist noch hier und wird erst heute nach Paris abgehen; er nahm gestern von den Lords Palmerston und Mel⸗ bourne Abschied.
Folgendes ist der wesentliche üha der (gestern erwaͤhnten) Rede, welche Lord John Russell nach seiner Erwaͤhlung zu Stroud hielt:
„Meine Antwort“, sagte er, „ist die, daß, wenn auch einige der angesehensten Maͤnner unter ihnen die bestehenden Mißbraͤuche fuͤh⸗ len, wenn sie auch von der Nothwendigkeit der Beseitigung dieser Uebel uͤberzeugt sind, sie doch, aus dem Gesichtspunkte als Partei⸗ Maͤnner betrachtet, so sehr an alle jene Mißbraͤuche gefesselt sind, die wir zu verbessern wuͤnschen, daß es gar nicht in ihrer Macht steht, wirksame Reform⸗Maßregeln vorzuschlagen. Sie haben alle zu lange Zeit in so enger Verbindung, in so freundschaftlichen Ver⸗ haͤltnissen, in so naher Bluts⸗Verwandtschaft zu unseren aͤrgsten Mißbraͤuchen gestanden, daß wir von ihnen weder eine Ruͤge, noch eine Abstellung derselben erwarten koͤnnen. Sie erinnern mich an eine Ge⸗ schichte, die dem Lord North begegnete, dessen Verwandte alle das Ungluͤck hatten, nicht huͤbsch zu siyn. Er war im Opernhause, und ein Herr fragte ihn, wer das haͤßliche Weib in jener Loge sey. Lord North antwortete: „Es ist meine Schwester.“ Der Herr wollte seinen Verstoß verbessern und sagte: „„Ich meine nicht diese Dame, sondern die gegenuͤber.““ Lord North antwor⸗ tete: „Es ist meine Frau.“ (Gelaͤchter.) So gebht es auch der Tory⸗Partei; wenn wir anm den selbstgewaͤhlten Corporationen et⸗ was auszusetzen haben, sagen sie: „Die duͤrfen nicht angetastet wer⸗ den, sie sind unsere Schwester.“ Und wenn wir nun sagen: „„Aber einen solchen haͤßlichen Mißbrauch koͤnnen Sie doch nicht bestehen lassen, daß ein Geistlicher jaͤhrlich 1000 Pfund von einer Pfarre in Irland bezieht, die weder eine Kirche noch eine Gemeinde hat, und daß er dieses Einkommen an einem anderen Orte in Ruhe und Muͤ⸗ higgang verzehrt?““ so antworten sie: „Das koͤnnen wir nicht aͤndern, das ist unsere Frau, die muͤssen wir behalten, und wenn sie auch noch so haͤßlich waͤre.“ (Beifall.) Unser Grundsatz ist, vorzu⸗ schlagen, was wir fuͤr recht, und zu bekaͤmpfen, was wir fuͤr unrecht halten; der ihrige aber scheint zu seyn, zwar auch vorzuschlagen, was sie fuͤr recht halten, aber sich dem Unrecht nicht zu widersetzen; und darum halte ich die Reform⸗Maßregeln in unseren Haͤnden fuͤr sicherer, als in denen der Konservativen. Es freut mich jedoch, daß ich auch unsere Gegner schon geneigt sehe, zu⸗ zugeben, daß die großen zu eroͤrternden Fragen von einem frei gewaͤhlten Unterhause entschieden werden muͤssen. Ja, so ist es; und
ich bin uͤbeczeugt, daß die Maͤnner, welche sich der Abschaffung der
n.
Corporations⸗ und der Test⸗Akte, der Emancipation der Katholiken und der Reform-Bill so lange und doch vergebens widersetzten, am Ende auch den anderen noch bevorstehenden Reform⸗Maßregeln wer⸗ den nachgeben muͤssen, wenn es sich zeigen wird, daß das Land sie fordert und das Unterhaus sie genehmigt. Wenn sie es fruͤher fuͤr Unrecht hielten, die Katholiken zu politischer Macht zuzulassen und die Dissenters von ihren Beschraͤnkungen zu befreien, und spaͤter doch nachgaben, bet welchem Punkt koͤnnen sie dann mit einem Mal still stehen wollen? Sie koͤnnen sich den jetzt vorzuschlagenden Re⸗ formen aus keinen anderen Gruͤnden widersetzen, wie den fruͤheren, und sie muͤssen daher auch diese endlich zugestehen, da sie jene annah⸗ men. Das Geschrei: „Kein Papstthum!“ wurde vor 30 Jahren auch gegen Lord Grey erhoben, als er vorschlug, daß Katholiken als Generale in der Armee sollten zugelassen werden; aber zehn Jahre spaͤter brachten diejenigen, die jenes Geschrei erhoben hatten, ruhig eine Maßregel zu dem genannten Zweck durchs Parlament. Sie setzten ihr Ge⸗ schrei noch zehn Jahre fort, und nach Verlauf derselben brachten sie eine Maßregel ein, die den Katholiken Alles gewaͤhrte, was sie, als Katholiken, gefordert hatten. Meine Herren, ich bin, wie ich Ihnen schon gesagt habe, was ich stets gewesen bin, ein Reformer; aber zugleich, wie ich Ihnen auch, so wie denen, die ich fruͤher re⸗ praͤsentirte, gesagt habe, um die Erhaltung der Institutionen unse⸗ res Landes bemuͤht. Ich halte diese Institutionen fuͤr trefflich und zur Begruͤndung der Wohlfahrt des Volks vollkommen geeignet. Ich glaube auch, daß nirgends unter dem Volke der Wunsch vor⸗ whanden ist, den die Alarmisten ihm zuschreiben, unsere Monarchie zu vernichten oder zu schwaͤchen. Wir wollen der Monarchie all ibren Glanz bewahren, nur wollen wir nicht dulden, daß sich Personen fuͤr die Stuͤtzen derselben ausgeben, die ihre schlimmsten Feinde sind; nur wollen wir nicht, daß Mißbraͤuche, die der Kirche nachtheilig sind, mit der Kirche selbst vermengt werden. Schließlich muß ich noch eines Punktes erwaͤhnen. Sie koͤnnten vielleicht denken, daß der Ausgang der Wahl in Devonshire in meiner Ansicht uͤber die geheime Ab⸗ stimmung eine Aenderung hervorgebracht haͤtte. Dies ist aber kei⸗ nesweges der Fall. Es entging mir zwar nicht, daß dort Einschuͤch⸗ terungen stattfanden, die, wenn sie allgemein um sich greifen soll⸗ ten, noͤthigen wuͤrden, auf ein Mittel der Abhuͤlfe zu denken; aber ich baue auf andere Mittel dagegen, auf die oͤffentliche Meinung und auf die zunehmende Intelligenz, und vehl- also nicht, daß wir zu der geheimen Abstimmung unsere Zuslucht nehmen duͤrfen, so lange wir noch die Moͤglichkeit vor Augen sehen, durch die offene Abstimmung das Resultat einer freien Wahl zu erlangen.“
Der Courier widerspricht der Behauptung der Times, als sey der Oberst Fox zu seiner Verzichtleistung auf den Parlaments⸗ sitz fuͤr Stroud zu Gunsten von Lord John Russell durch die Zusage bewogen worden, daß er zu einem der nach Kanada zu sendenden Kommissarien ernannt werden solle. Daran, sagt je⸗ nes Blatt, sey gar nicht gedacht worden.
Auch in Poole hat der Kandidat der Whig⸗Partei, Herr Byng, uͤber seinen Gegner, Sir Colquhoun Grant, durch eine Majoritaͤt von 25 Stimmen (199 gegen 174) den Sieg davon⸗ getragen.
Sir Francis Goodricke reist jetzt in Suͤd⸗Staffordshire um⸗ her, und bewirbt sich, als Gegen-Kandidat des Secretairs des Feldzeugamtes, Oberst Anson, um die Stimmen der dortigen Waͤhler. An einem Ort wurde ihm ein uͤbler Empfang zu Theil; der Poͤbel mißhandelte seine Anhaͤnger und warf einem Herrn Izon ein Loch in den Kopf.
In dem Ausschusse des Unterhauses zur Untersuchung der Wahl fuͤr Canterbury sitzen 10 Tories und nur 1 Reformer; dessenungeachtet scheint es, als wuͤrde das Resultat nicht zum Nachtheil des Reformers Herrn Lushington ausfallen, der jetzt fuͤr jene Stadt im Parlamente sitzt.
Dem Morning Herald zufolge, hat gestern eine Ver⸗ sammlung von Reformern und Freunden des Ministeriums statt⸗ gefunden, der auch Herr OConnell und 40 andere Irlaͤndische Mitglieder beiwohnten, um einen Plan zur Abmachung der Ir⸗ laͤndischen Zehnten⸗Frage zu besprechen.
Der Courier berichtet uͤber die Stiftung eines Reform⸗ Vereins, welcher den Associationen der Konservativen, die sich in der letzten Zeit sehr gehaͤust haben, entgegenzuwirken bestimmt ist. Es versammelten sich gestern zu diesem Zweck uͤber hundert Mitglieder des Unterhauses unter dem Vorsitze des Herrn Coke im Britischen Kaffeehause. Lord Ebrington machte den Vor⸗ schlag zur Bildung der Association, begruͤndete denselben auf die Nothwendigkeit, den Konservativen entgegenzustreben, welche ih⸗ ren Einfluß uͤber die Wahlkoͤrper des Reiches auf gleiche Weise auszudehnen suchten, und kuͤndigte als den naͤchsten Zweck dieser Reform⸗Association an, daß dieselbe die gehoͤrige Einregistrirung der Waͤhler von Großbritanien foͤrdern und sichern und sie in der unabhaͤngigen Ausuͤbung ihres Wahlrechts schuͤtzen solle. Die Resolutionen, welche er darauf in Vorschlag brachte, bestimmen, daß die Association sich darauf beschraͤnken solle, Kunde uͤber die Zahl der Waͤhler und andere damit verwandte Umstaͤnde einzu⸗ ziehen, die Bildung von Registrirungs⸗Associationen in jedem Wahlort, wo sie noch nicht bestehen, zu befoͤrdern, die Bestim— mungen der Reform⸗Akte uͤber die Wahlen so viel wie moͤglich zur allgemeinen Kunde zu bringen und auf gesetzlichem Wege, dem ungebuͤhrenden Ennfkusse der konservativen Vereine entgegen⸗ zuwirken. Ferner soll jeder Reformer auf Antrag eines zu bil⸗ denden geschaͤftsfuͤhrenden Comité's in die Association zugelassen werden, sobald er 5 Pfund Eintrittsgeld leistet und 1 Pfund jaͤhrlich beitraͤgt; auch soll eine Adresse an das Volk demselben die Zwecke der Association kundgeben. Die Resolutionen wur⸗ den angenommen, und nachdem ein geschaͤftsfuͤhrendes Comité von 30 Mitgliedern der Association gewählt worden war, ging die Versammlung auseinander.
Am 15ten d. fand unter dem Vorsitz von Lord Brougham wieder eine große Versammlung der Geselischaft zur Abschaffung der Sklaverei statt, der auch Herr O'Connell beiwohnte, und in welcher viel zum Vorwurf der Vereinigten Staaten uͤber die dortige Beibehaltung der Sklaverei gesagt wurde.
Der General⸗Major Sir James Campbell ist mit Tode ab⸗ gegangen und dadurch das Kommando des 74sten Regiments, welches ihm erst am 12. Dezember verliehen wurde, wieder er⸗ ledigt worden. Auch die Wittwe des beruͤhmten Capitain Cook ist, 94 Jahr alt, gestorben.
Der panische Schrecken, welchen die Nachrichten aus Spa⸗ nien an der hiesigen Boͤrse hervorgebracht haben, ist ohne Bei⸗ spiel und uͤbersteigt allen Glauben. Zu jenen unguͤnstigen Nach⸗ richten kam noch der jetzt vorherrschende Mangel an baarem Gel⸗ de, welcher aus der Beschraͤnkung in der Noten⸗Emittirung, wel⸗ che die Bank von England kuͤrzlich vorgenommen hat, hervorging. Die großen Kapitalisten verkauften deshalb ploͤtzlich die in ihren Haͤnden befindlichen fremden Staats⸗Papiere und verkauften au⸗ ßerdem so stark auf Speculation, daß ein allgemeines, hoͤchst ver⸗ derbliches Sinken der Preise stattfinden mußte. Die Spanischen Fonds litten am meisten; vor einer Woche noch standen sie auf 70 und 72, heute fruͤh auf 49 à 51; die Secrips, fruͤher auf 10 pCt. Praͤmie, sind jetzt auf 6 und 7 gefallen. Weniger auffal⸗ lend, wenn gleich auch sehr bedeutend, ist die Differenz in den Preisen der uͤbrigen Fonds. Ploͤtzlich aber hoben sich die Spa⸗ nischen Fonds wieder in Folge guͤnstigerer Nachrichten, welche
ein Morgen⸗Blatt aus Madrid vom 15ten mittheilte, und wo⸗
2
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nach dort Alles wieder ruhig seyn sollte. Darauf sanken stiegen sie noch zwei bis drei Mal und schlossen zuletzt so e man sagen mußte, das allgemeine Mißtrauen sey noch nicht bnj lich gehoben. gan Laut Nachrichten aus Madras vom 7. Februar war n dort voll Besorgniß um das Danpfschiff „Forbes“, welches sch vor fuͤnftehalb Monaten nach Suez abgegangen wak. Briefe aus New⸗NYork berichten den Einsturz des so nannten Tafel⸗Felsens an dem Wasserfall von Niagara. 69 Fels befand sich auf der Kanadischen Seite des Falls und biiden einen Vorsprung, von welchem aus der sogenannte Hufeisenfa am besten gesehen werden konnte. Das Wasser hatte denseli schon lange untergraben, und viele Spaltungen, welche sich 1” seiner Oberflaͤche zeigten, dienten als Vorzeichen seines Seürhe
Niederlande.
Aus dem Haag, 21. Mai. Se. Majestaͤt der Känig h ben gestern dem beim hiesigen Hofe accreditirten Koͤnigl. Prns Gesandten, Grafen von Wylich und Lottum, eine feierliche Ah tritts⸗Audienz ertheilt. 9
Ihre Kaiserl. Hoheit die Prinzessin von Oranien wird nicht direkt aus dem Hauptquartier ihres Gemahls nach BadenPe⸗ den abreisen, sondern erst noch die junge Prinzessin, ihre Toch⸗ ter, hierherbegleiten und von hier aus die Reise nach Deulsc, land antreten.
Die Abreise Ihrer Koͤnigl. Hoheiten des Prinzen und de Prinzessin Friedrich (Hoͤchstderen Ankunft in Berlin bereit 88 G Theile dieses Blattes gemeldet wird) ist gesten erfolgt.
Der diesseitige Gesandte in Paris, Baron von Fagel, de den Auftrag gehabt, Sr. Majestaͤt dem Kaiser von Oesterreic die Gluͤckwuͤnsche zu seiner Thronbesteigung von Seiten unserg Koͤnigs zu uͤberbringen, ist von Wien hier wieder angekommen
Einem so eben erschienenen Berichte zufolge, giebt es jetzt 1
elland 24 Israelitische Religions⸗Schulen, in welchen uͤber 2ul
chuͤler und Schuͤlerinnen Unterricht genießen, so daß sich pon der gesammten Israelitischen Bevoͤlkerung des Koͤnigreichs, ie sich am 1. Januar 1830 auf 45,493 Seelen belief, ungefäht der 22ste Theil eines geordneten religioͤsen Unterrichts erfreut.
Belgien.
Bruͤssel, 21. Mai. Der Portugiesische Geschaͤftsträge in Belgien, Ritter von Almeida Garret, welcher den Herzeg von Leuchtenberg nach Lissabon begleitet hatte, ist wieder hier angekommen.
Im Messager de Gand liest man: „Das reiche, uner, schoͤpfliche Belgien, das keine Absatzwege fuͤr seine Industrie hat hat deren einen fuͤr seine Thaler gefunden. Frankreich verlangt von uns eine Summe von ungefaͤhr 30 Millionen Fr., weil es uns behuͤlflich war, uns von unsern Kolonieen, unsern Manu' fakturen, unserm Handel, unserer Marine, unserer Freiheit und unserer rechtmaͤßigen Regierung zu befreien. Es ist gerecht, daß wir diese unschaͤtzbaren Dienste sehr theuer bezahlen. So wer⸗ den diese 30 Millionen, mit Hinzufuͤgung der 90 Millloonen, die wir fuͤr unsern Antheil bei den verfallenen Zinsen der Staats⸗ Schuld an Holland schulden, eine kleine, ganz runde Gesammt⸗ Summe von 120 Millionen Schulden bilden. Dies macht nur 30 Fr. auf den Kopf, ohne die Masse der revolutionnairen An⸗ leihen zu rechnen. Es giebt eine Zukunft im Regierungs⸗Spstem Belgiens.“
Bruͤssel, 22.
on
Mai. Der heutige Moniteur bestaͤtigt
die bereits von anderen Blaͤttern gegebene Erklaͤrung uͤber die
Grundlosigkeit der Nachricht, daß die Spanische Regierung ei⸗ nem Belgischen Stabs-Offizier den Auftrag ertheilt habe, ein Frei⸗Corps von 12,000 Mann anzuwerben. Das amtliche Blaat fuͤgt noch hinzu: „Kein General unserer Armee hat einen son⸗ chen Auftrag erhalten, der uͤberdies, um von Erfolg zu seyn, die Zustimmung unserer Regierung haͤtte erhalten muͤssen. E⸗ scheint uns angemessen, diese Erklaͤrung hier abzugeben, damt nicht Personen, welche den Wunsch hegen moͤchten, an diese Expedition Theil zu nehmen, durch so unbegruͤndete Geruͤchte u einem Irrthume verleitet werden.
Die Freimaurer in Gent, welche Se. Koͤnigl. Hoheit da Prinzen Friedrich der Niederlande noch immer als ihren Groß meister ansehen, haben erklaͤrt, daß sie die in Bruͤssel geschehene Wahl des Baron von Stassart zum Großmeister saͤmmtlicher Belgischen Logen nicht anerkennen.
Als vor einigen Tagen Herr Dewille in Alost wiederum zum Revpraͤsentanten dieses Ortes erwaͤhlt wurde, fanden sich auf mehreren von Landleuten geschriebenen Stimmzetteln seinem Namen die Flamaͤndischen Worte hinzugefuͤgt: „Op hoop van beternis“ (in der Hoffnung, daß er sich bessern werde).—
Der bekannte Professor Quetelet, Direktor der hiesigen Sternwarte, ist, als der erste Auslaͤnder, zum Mitgliede der sta⸗ tistischen Gesellschaft in London erwaͤhlt worden.
Es ist hier eine neue Monatsschrift in Flamaͤndisch⸗Nieder⸗ deutscher Sprache unter dem Titel „Nederduitsch Magazyn', herausgegeben vom Abbé Olinger, angekuͤndigt worden.
8 Deutschland. Hamburg, 24. Mai. Ihre Koͤnigliche Hoheit die Prin zessin Luise Charlotte von Daͤnemark ist mit Ihrem Gennah. dem Prinzen Wilhelm von Hessen⸗Kassel, vorgestern hier an⸗ gekommen und hat gestern die Reise nach dem Hannoverschen fortgesetzt.
Mit dem vorgestern von hier nach London abgegangenan Dampfschiffe „John Bull“ hat sich der hiesige Kaiserlich Rus⸗ sische Gesandte, Herr von Struve, in Folge von Befehlen a St. Petersburg, nach England eingeschifft; in seiner Abwesen heit wird der Legations⸗Secretair und General⸗Konsul, Hofra von Bacheracht, als Geschaͤftstraͤger fungiren.
Weimar, 23. Mai. Nach der letzten Volkszaͤhlung Dezember v. J. hatte das Groghersogehvm am Ende dieses e raums 238,672 Einwohner; die Zahl derselben war also im sn gleich mit dem Jahre 1833 um 2401 Seelen gewachsen, dem Jahre 1816 aber um 44,807, so daß man nach einem 28 ehnjaͤhrigen Durchschnitte einen jaͤhrlichen Zuwachs von s6 henschen annehmen kann. Von jener Summe kommen au 8 Quadrat⸗Meile des Großherzogthums 3562 Menschen; 1ü Kreisen Weimar, Jena und Neustadt lebten 161,832, in dg Eisenachischen 76,840. Von den groͤßeren Staͤdten des 8719 herzogthums hatten Weimar 10,638, Eisenach 9106, Jena Ve Neustadt 3968, Apolda 3668, Weida 3481 Einwohner. Da6. im haͤltniß der Zahl der maͤnnlichen Bevoͤlkerung zu des he⸗ nec gestaltet sich wie 1000 zu 1037, so daß von 1000 Einwoh im Weimarischen Kreise 492 mäͤnnlichen, 598 weiblichen, m Neustaͤdtischen Kreise 485 männlichen und 515 weiblichen, dc Eisenachischen Kreise 493 maͤnnlichen, 507 weiblichen Ges
1
ündem Geld⸗Ueberfluß zogen die Course etwas an.
92 5
Von der ganzen Bevoͤlkerung gehoͤren coe der protestan⸗ schen/ 13 8% der reformirten, 188 der katholischen Kirche an . Iyow dem israelitischen Glauben. In Ruͤcksicht auf das Alter rechnet man 3 auf 1000, welche das 8oste Lebensjahr sbeerschritten hatten; bemerkenswerth ist es, daß im Durchschnitt
”n 100 verwittweten Personen 32 Wittwer und 68 Wittwen vnmn. Von der ganzen Vevoͤlkerung sind fast 220 ver⸗ brathet, die Zahl der Kinder umfaßt beinahe ein Drit⸗ geil der ganzen Volksmenge; der achte Theil der Gebo⸗ ien besteht in unehelichen Kindern. Im Durchschnitt kommt ein Taubstummer auf 715 Personen. Vergleicht man die Anzahl der Einwohner, welche Almosen erhalten, mit der Summe der Bevoͤlkerung, so kommt im Durchschnitt auf 77 Personen ein Umosen⸗Empfaͤnger oder mit anderen Worten 13 derselben auf 1000 Personen. Dieses Verhaͤltniß ist im Vergleich mit an⸗
Landern durchaus nicht unguͤnstig, wenn man auch nicht eben England gegenuͤber stellt. Das Verhaͤltniß der Zahl der geborenen zu der Zahl der Gestorbenen war wie 4 zu 3, bei ꝛe großen Sterblichkeit des Jahres 1834 kann man aber durch⸗ schnitlich das Verhaͤltniß von 19 zu 13 annehmen. Die Zahl ver Schulkinder macht fast 1 ½ der ganzen Bevoͤlkerung aus. Von 1000 Sterbefaͤllen ereigneten sich 299 im Winter, 272 im Fruͤhling/ 199 im Sommer, 230 im Herbste; eilf der Gestorbe⸗ nen hatten das 90ste Lebensjahr uͤberstiegen.
— — Frankfurt a. M., 223. Mai. Die Schwankungen in den Coursen der Oesterreichischen und Hollaͤndischen Papiere waren im gaufe dieser Woche so undedeutend, daß sich schon daraus auf veschtänkten Geschaͤfts⸗ Betrieh schließen läßt. In der That ist wenig daruͤber zu berichten. Die Haupt⸗Umsaͤtze fanden statt in zund zoroc. Metalligues und 2½proc. Integralen, und zwar meist vr comptant. Die Tendenz der Rotirung war bis Mitte der Woche um Steigen; in Folge des Mangels an Stuͤcken und bei anhal⸗ 1 Fuͤr 4proc. Metalligues wurde schon 981„½, fuͤr Integrale 57 8er bewilligt. Der hHandel in Bank⸗Actien war schwach; es zeigten sich darin mehr Geher als Nehmer. Auf Lieferung in zwei Monaten stehen die ver⸗ imelichen Fonds alle niedriger, als pr. Cassa. Metalliques kann man auf Zeit um ¾ pCt., Hollaͤndische Papiere um ½ pCt. unter bem Comptant⸗Cours haben. — Zu Ende der Woche blieben die Hesterreichischen, Hollaͤndischen und Spanischen Effekten mehr aus⸗ gehoten; es waren viele Verkaͤufer am Markte. Die nahe Abrech⸗ rung und die zweideutige Stellung der Dinge jenseits der Pyrenaͤen, woraus die Besorgniß einer Intervention erwaͤchst, waren Ursachen dr eingetretenen Flauheit. Die meisten andern Fonds, besonders Oesterreichische, Preußische und Darmstaͤdtsche Lotterie⸗Effekten, wa⸗ in zu weichenden Preisen offerirt. In Praͤmien ward viel gemacht, namentlich auf Integrale, wovon bedeutende Posten zu 57 mit 1 pCt. ge Medio und Ende August geschlossen wurden. — Von Wechseln zuf fremde Plaͤtze waren die auf Amsterdam, Augsburg, London und Wien gesucht. Diskonto⸗Papier ist selten und wird zu 2 pCt. zern genommen. — Nachschrift. Heute, am Sonnabend, fanden tiele Verkaͤufe statt. Auf niedrigere Notirung von Paris und un⸗ güntige Berichte aus Spanien gingen saͤmmtliche Course, und na⸗ mentlich die der Perpetucllen, herunter. Die meisten Effekten blie⸗ ben offerirt ohne Umsatz.
“ 8 Spanlen.
Die Allgem. Zeitung enthaͤlt in einem aus Turin vom
15. Mai uͤberschriebenen Artikel folgende Betrachtungen uͤber den Buͤrgerkrieg in Spanien: „Alle Briefe aus Spanien kuͤndigen eine entscheidende nahe bevorstehende Krisis an; die Mission des Lords Elliot scheint sie beschleunigt zu haben. Die Karlisten haben dadurch ein Selbstgefuͤhl gewonnen, das ihnen bis jetzt fehlte, dessen sie aber bedurften, um außerhalb der Baskischen Provinzen mit Gluͤck operiren zu koͤnnen. Man kann behaup⸗ ten, daß in Catalonien der Aufstand laͤngst organisirt worden waͤre, haͤtten die Legitimisten nicht selbst an Zumalacarreguy's Unternehmen gezweifelt, und haͤtten sie sich nicht gescheut, ohne Aussicht auf Erfolg ernstlich zu den Waffen zu greifen.
d.
Es zeigt sich, daß man in Catalonien durchaus keine genauen
Nachrichten vom eigentlichen Kriegs⸗Schauplatze hatte, und daß überhaupt die Regierung der Koͤnigin sehr sorgfaͤltig den anderen provinzen Alles zu verheimlichen suchte, was sich in Navarra zu⸗ taͤgt. Durch die Mission des Lord Elliot hat man erst einen tichtigen Begriff von den Streitkraͤften des Don Carlos erhal⸗ ten. Zeither glaubte man, daß durch Lokal⸗Verhaͤltnisse und durch den Geist der Einwohner der Krieg außer den Baskischen Provinzen sehr erschwert werde, und daß Zumalacarreguy uͤber keine bedeutende organisirte Armee gebiete; nun man aber gese⸗ hen, daß eine fremde Macht es sich angelegen seyn laͤßt, ihre Vermittelung zwischen den streitenden Parteien geltend zu machen, er⸗ blickt man mehr als einen Insurgenten⸗Chef in Zumalacarreguy; man weiß ihn an der Spitze einer Macht, die es ihm erlaubt, das Kriegstheater nach Willkuͤr uͤber die Graͤnzen der Baski⸗ schen Provinzen hinaus zu verlegen. Die Gelegenheit hiezu ist ihm jetzt gegeben, nachdem Valdez Armee geschlagen und des⸗ organisirt st. Man behauptet, der Aufstand duͤrfte sich bald uͤber Alt, und Neu⸗Castilien ausbreiten, dem die wenigen Trup⸗
pen der Koͤnigin, die diese Provinzen zu bewachen haben, nicht
gewachsen seyn werden, wenn sie uͤberhaupt der Sache der Koͤ⸗ nigin selbst treu bleiben. Abgesehen von dieser legitimistischen ewegung, welche die Koͤnigin in die mißlichste Lage versetzt, 6 die exaltirten Liberalen in Madrid auch auf dem Punkte, sie b sehrt zu erheben, und dem System des juste-milicu, das olch b als die Karlisten hassen, ein Ende zu machen. Unter * sa mstaͤnden ist wenig Hoffnung fuͤr die Koͤnigin vorhan⸗ dhn. fremde Intervention ihrer Feinde zu erwehren, fennder 8. es immer zweifelhafter wird, ob sie noch auf sbeabsichtj eistand rechnen kann, da jede Macht, die ihn zu leisten durch Eiegee⸗ aͤußerst vorsichtig zu Werke gehen muͤßte, um nicht 1 ünen unuͤberlegten Schritt die sich befehdenden Parteien 1 ten. Das durch Lord Elliot's Bemuͤhungen zu Stande king 89 EE1“ kann, so paradox dies auch üögeben.“ erste Vermittelungsglied zu einer solchen Vereinigung
8 Snlahh AörHerlin, 27. Mai. Der Koͤnigl. Geheime Kabinets⸗Rath lcencht ist heute Mittag um 1½ Uhr, nach einem zehnwoͤchent⸗ Krankenlager, im 70sten Lebensjahre am Schlagfluß mit
ode abgegangen.
— Seine Erzbischoͤfliche Gnaden der Erzbise K “ zbischoͤfliche Gnaden der Erzbischof von ln, der sich am 20sten dieses Monats von Trefeld nach Tage die dortige
mäeizgen egeben hatte, um am folgenden auf den Dle e zu consecriren, war in der Nacht vom 2ö0sten getretener sten von einer Langen⸗Entzuͤndung als Folge zuruͤck⸗ ner Gicht befallen worden, die Anfangs hoͤchst beunruhi⸗ Fahewna bot und in der Rhein⸗Provinz, wo der Erz⸗
Das Ueb. hochverehrt wird, große Besorgniß erregtte. el ist indessen so weit gewichen, daß die Aerzte sich am
Nor en 22%% ; V1 2 sprachen, des 22sten eine baldige vollkommene Genesung ver⸗
doch dabei uns eine Bemerkung erlauben.
6062 „— Aus dem Ertrage einer am 15ten d. M. in der hiesigen Garnison⸗Kirche veranstalteten Auffuͤhrung des Oratoriums: „der Tod Jesu“, wovon zwei Drittheile den hierselbst bestehenden Erwerb⸗Schulen bestimmt waren, ist diesen Anstalten eine baare Einnahme von 338 Rthlr. 8 Sgr. 4 Pf. zugefallen, wofuͤr die Direction der Erwerb⸗Schulen im Namen der Jugend, deren Fezhehuns jene Gabe gewidmet ist, oͤffentlich ihren Dank ab⸗ tattet.
— Man schreibt aus Stettin unterm 26sten d. M.: „Das Dampfschiff „Alexander Nicolajewitsch“ traf gestern Vor⸗ mittag, ziemlich zahlreich mit Passagieren besetzt, auf seiner ersten diesjaͤhrigen Fahrt von Riga in Swinemuͤnde ein, und die damit angekommenen, nach Stettin bestimmten 20 Reisenden wurden sogleich durch das gegen Mittag eingetroffene Dampfschiff „Kronprinzessin“ hierher befoͤrdert. Das nach Kopenhagen fah⸗ rende Dampfschiff „Dronning Maria“ setzt mit einer ausge⸗ zeichneten Puͤnktlichkeit seine Fahrten fort.“
— Der Regierungs⸗Bezirk Breslau zaͤhlte am Schlusse des vorigen Jahres 975,120 Seelen (die Stadt Breslau 86,052 ohne das Militair). Ende 1831 ergab die Zaͤhlung 939,370, so daß sich aus diesen drei Jahren ein Zuwachs von 35,750 Seelen ergiebt. Die Menschenzahl theilt sich nach den Konfessionen in 592,296 Evangelische, 374,437 Katholiken, 7 Griechen, 1 Men⸗ noniten und 8379 Juden. — Ueber den Viehstand ist Folgendes zu berichten: Was zunaͤchst den Pferdestand betrifft, so hat sich die Zahl der Pferde in den letzten drei Jahren von 70,872 auf 70,523, mithin um 349 Stuͤck vermindert. Bei dem Rind⸗ vieh dagegen ergiebt sich ein Plus von 6922 Haupt, denn waͤhrend man am 1. Januar 1832 291,702 Stuͤck zaͤhlte, waren am Schlusse des v. J. 298,624 Stuͤck vorhanden. Die Zahl der Schafe betrug Ende 1834: In Merinos 305,465, in ver⸗ edelter Race 729,900, in unveredelter Race 113,508, uͤberhaupt 1,148,873 Stuͤck, wonach gegen die Aufnahme von 1831 her⸗ vortritt: Plus bei den Merinos 18,417, bei den veredelten Schafen 19,464, in Summa 37,821; dagegen Minus bei den unveredelten Schafen 23,287, so daß noch Ueberschuß verbleibt 14,534 Stuͤck. Hiernach waͤren, wenn in Ansehung der Men⸗ schenzahl beruͤcksichtigt wird, daß die Periode zwischen 1831 und 1834 das eine der beiden ungluͤcklichen Cholera⸗Jahre von 1831 und 1832 mit enthaͤlt, und in Ansehung des Schaf⸗Bestandes, daß im Jahre 1832 vielleicht ½ des ganzen Schaf⸗Bestandes durch Krankheiten eingegangen war, die Resultate der stattge⸗ habten Aufnahmen bis auf den Pferdestand, da uͤberall ein Fortschreiten sich kundgiebt, als befriedigend anzusehen; allein auch bei den Pferden ist das Ergebniß nicht einem Ruͤckschritt in der Pferdezucht uͤberhaupt, sondern dem zufaͤlligen Umstande, daß die letzten Jahre der Fohlen⸗Zucht nicht ganz guͤnstig waren, beizumessen. Weit uͤberfluͤgelt dagegen der immer sichtbarer wer⸗ dende Fortschritt in der Veredlung der Pferdezucht das tem⸗ porelle numerische Mißverhaͤltniß.
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Koͤnigliches Schauspiel. In dem Drama „vdie Verschwoͤrung des Flesko zu Genua“, einem der Erstlinge der ungemeinen Naturkraft Schiller’s (bekannt⸗ lich fing er es schon waͤhrend des ihm so laͤstigen Erziehungszwanges an), hat Herr Seydelmann den Mohren, eine Gattung jener fast keampfhaft im Kampf mit der Conventenz sich bewegenden genialen Naturen, gegeben, und ihn unseres Erachtens so verlebendigt, als er dem Dichter vorgeschwebt haben muß; ob bioß genialer Instinkt ihn so hingeworfen oͤder ob der Dichter mit klarem Bewußtseyn ihn so gestaltet hat, wollen wir zwar dahin geßellt seyn lassen, aber G — Es scheint gewoͤhnlich die Meinung obzuwalten, daß Schiller's erste dramatische Pro⸗ dukte, die „Raͤuber“ und dieser „Fiesko“, aus bloßem Instinkt, aus einem gaͤnzlich ungebildeten, rohen Fond hercvorg egangen seyen. Man
lese nur seinen gleichzeitig geschriebenen Aufsatz „Aber das gegenwaͤr⸗
tige Deutsche Theater“, um sich augenscheinlich zu uͤberzeugen, wie grundfalsch diese Ansicht ist. Da Schiller's prosaische Schriften ehen keine gangbare Lektuͤre sind, und man seine Schauspiele lieber zu schauen als zu lesen pflegt, so mag es uns verziehen seyn, ein paar Stellen aus diesem Aufsatze woͤrtlich anzufuͤhren: „So lange das Schauspielhaus weniger Schule als Zeitvertreib ist, mehr dazu gebraucht wird, die gaͤhnende Langeweile zu beleben, unfreundliche Winterabende zu verkuͤrzen und das große Heer unserer suͤßen Muͤs⸗ siggaͤnger mit dem Papiergeld der Empfindung zu bereichern, so lanze es mehr fuͤr die Toilette und Schenke arbeitet, so lange moͤ⸗ gen unsere Theaterschriftsteller der patriotischen Eitelkeit entsagen, Lehrer des Volrz zu seyn; — in Frankreich hat der leidige Anstand den Naturmenschen verschnitten, in England und Deutschland, je⸗ doch hier auch nicht fruͤher als bis Goethe die Schleichhaͤndler des Geschmacks uͤber den Rhein zuruͤck geiagt hatte, deckt man dee Na⸗ tur ihre Bloͤße auf, vergroͤtert ihre Flecken, die muthwillige Phan⸗ tasie gluͤbender Poeten luͤgt sie zum Ungeheuer und trommelt von ihr die schaͤndlichsten Anekodoten aus. Aber zu einer guten Kopie
der Natur gehoͤrt beides, eine edelmuͤthige Kuͤhnheit, ihr Mark
auszusaugen und ihre Schmwungkraft zu erreichen, doch zugleich auch eine schuͤchterne Bloͤdigkeit, uͤm die großen Zuͤge, die sie sich in großen Wandstuͤcken erlaͤubt, bei Miniatur Gemaͤlden zu mildern.“ — Ein Juͤngling, der dies prosaisch zu schreiben vermochte, war gewiß
kein rohes Naturkind, als er poelisch die „Raͤuber, und den „Fiesko“ producirte; aber die Eigenthuümlichkeit seines Geistes hat sich auch
hier wie dort nicht verleugnen oͤnnen, — diejenige Eigenthuͤmlichkeit, die Aristoteles schon als eine Eigenschaft angehender Dichter bezeich⸗ net, daß sie naͤmlich in der Dietion und in den Charakteren gluͤck⸗ licher sind, als in geschickter Zusammensetzung der Handlung. Aber letzteres ist es jg auch eben, was gelernt werden muß, was nur durch fleißiges Lernen zu erlangen ist, und worin doch nur das Genie das Rechte lernt. Dies giebt, da es nicht unsere Absicht seyn kann, uns uͤber den Gang des Schillerschen Genies vom „Fiesko“ bis zum „Wallenstein“ weiter zu verbreiten, den willkom⸗ mensten Uebergang zu der in Rede stehenden Darstellung des Herrn Seydelmann und zu einigen allgemeinen Betrachtungen uͤber seine Darstellungs⸗Faͤhigkeit uͤberhaupgt. Zwar muß Referent, was ihm schwerlich uͤbecall zum Vortheil angerechnet werden wird, bekennen, daß er in der Regel gar nichts liest, was gegenwaͤrtig hier oder auswaͤrts uͤber das Theaterwesen geschrieben wird; die hier herauskommenden Tages⸗ oder Wochenblaͤtter kann er sich eigens licht halten; an oͤffentliche Oete, fuͤr die sie eben bestimmt zu seyn scheinen, kommt er sehr selten, und so muͤssen sie fuͤr ihn non secripta bleiben. Es beruht also nur auf Hdrensagen, wenn er erfahren, daß die mimischen Darstellungen des Herrn Seydelmann nur her⸗ auskalkulirte Rechen⸗Exempel des Verstandes seyn sollen. Die⸗ jenigen, die so etwas behaupten, muͤssen mit dem einseitigen Ver⸗ moͤgen des Verstandes sehr im Reinen, und sehr damit zufrie⸗ den seyn. Die wahre Geenialitaͤt besteht in der Urbereinstimmung aller Geistes⸗ und Gemuͤthskraͤfte. Auch dem geringsten Talent kann es gelingen, Gefallendes nach Zeit und Umstaͤnden zu brin⸗ gen; aber selbst dem Genie gelingt es nicht uͤberall und unbedingt, den Beifall der Gegenwart zu erlangen. Der große Lessing schrieb in eines beruͤhmten Schauspielers (Brockmann's) Stammbuch: „Beifall kann wie Gold erschlichen werden, das Talent erzwingt ihn, aber Aller Beifall kein Talent!“ — Doch welcher ecchte Kuͤnstler wird auch danach streben wollen. Herr Seydelmann hat den Mohren originell, das heißt, so gegeben, wie wir ihn auf unserer Buͤhne noch nicht sahen, aber auch wahr, nach der Intention des Dichters. Mit Wort⸗Declamation ist es hier nicht gethan; es muß gleichsam ein dienstbares Perpetuum mobile,
sey es zu diesem oder jenem Zweck, in menschlicher Gestalt verkor⸗ pert werden. 89n dieser Art uͤberschreiten den uns an⸗ gewiesenen Raum, doch koͤnnen wir sie nicht schließen, ohne we⸗ nigstens kurz anzudeuten, daß Herr Lemm den eingefleischten Re⸗ publikaner Verrina und Herr Rott, zwar nicht den Fiesko, wie ihn Schiller selbst in der dem gedruckten Exemplar beigefuͤgten Charak⸗ teristik der Personen bezeichnet, aber doch in seiner Manier den Redner mit großem Effekt gegeben hat. — Gestern (Dienstag) beschloß Herr Seydelmann den Cyklus seiner Gastspiele vor einem gedraͤngt vollen Hause mit der Titel⸗Rolle in Kotzebue's „Abbé de 1'Epéc7. Einen Bericht uͤber diese Vorstellnng, die zum Benefiz des gefeierten Gastes gegeben wurde, behalten wir uns vor.
—, —
Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 6 Uhr. b 1 10 Uhr. Beobachtung.
nmneöeenn—ö — Ftovn—* 2„ 27,1 . 2 , 3 Luftdruck . 332, 44 Par. 332, 3 3 Par. 332
ftdri 2 8“ Par. Quellwaͤrme 7,2 °R. Lustwarne 8, ° R. 11,2 9 R. 11,6 6
3,5 °R. Dencesatrg 91 58 8 89 pCt. 55 pCt. Bodenwärme 10,8 °R. Wetter.. truͤbe. truͤbe. halbheiter. , d „ Wind 1“ W. WSW. WSW. Ausdünst. 0, 69 NRh. Wolkenzugg — Wä... — Niederschlag 0,s os Rh. Tagenmittel: 332 3 8 ,Par. 10,8 ° R. 7,00 N.. 758 vCt.
1835. 26. Mai.
Auswürtige Börsep. 9 Amsterdam, 22. Mai. Niederl. wirkl. Schuld 57 ½. 53 do. 101 ½ ½3. Ausg. Schuld 119. Kanz- Bill. 25 1⅛. 4498 Amort. 95 ¾. 3 ½ 9 81 ¼. Kuss. 99 ½ʒ⁄6. Oesterr. ve Lreuss. Präm.-Scheine 114 ⅛. do. 18 Anl. —. Spun. 5 % 47 ⅛. 88S32 Antwerpen, 21. Mai
38 31. ELinsl. 20 ¾. Cortes 47 ¼. Coup. 29 ¾.
Neue Spun. Anl. 62 4.
London, 22. Mai. Cons. 338 91 ¼. Belg. 102. Span. Cortes 52. Obl. v. 1834 51 3. ZLinsl. 14. Ausg. 23. 2 ½ 8 Holl. 56. 59 do. 101 ¾. Port. 9 Eugl.-Russ. 169. Bras. 85. Columb. v. 1824 40. Mex. 41 ½. eru 29 ½. St. Petersburg, 19. Mai. Lond. 10 ⁄ 3. Amsterdam —. Hamburg 9 †½ 6. Paris 112. Silber- 357 ½. 5 ⅜ Inseript. Ser. I. 102 do. Ser. III. u. IV. 101. Wien, 22. Mai. 43 981. Bank-Actien 1342 . Neue Aul. 592 ⅞.
Rub.
. o zz 07 0 0 Met. 102 „7½
Konigliche Schauspiele. Donnerstag, 28. Mai. Im Opernhause: Robert der Teufel, große Oper in 5 Abtheil., Musik von Meierbeer. ¹ Hof⸗Theater zu Muͤnchen: Alice, als Gastrolle.) Im Schauspielhause: 1) La Lectrice, drame-vaudeville en 2 actes, par Mr. Bayard. 2) La première représentation de: Les gauts jannes, vaudeville vonveau en 1 acte, par Mr. Baward. Freitag, 29. Mai. Im Opernhause: Die schoͤne Muͤllerin, Oper in 2 Abth. Musik von Paesiello. (Mad. Spitzeder Roͤschen.) Hierauf: Die Wiener in Berlin, Posse mit Gesang, in 1 Aufzug, von C. v. Holtei. (Mad. Spitzeder: Louise v. Schlingen, als Gastrolle.) 8— 8
Auf Befehl: mit Ballets.
Koͤnigstaͤdtisches “
Donnerstag, 28. Mai. Julerl, die Putzmacherin, parodirende Posse mit Gesang in 2 Akten, von Meisl. Musik von A. Müuͤl⸗ ler. Vorher: Judith und Holofernes, Lustspiel in 2 Akten, nach Théaulon, von L. Angely. 8
Freitag, 29. Mai. Die weiße Dame, komische Oper in 3 Akten. Musik von Boieldieu. (Dlle. Vial, vom Koͤnigl. Sar⸗ dinischen Hof⸗Theater zu Turin: Anna, als Gastrolle. Dlle. Burghardt: Jenny.)
Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.
Sonnabend, 30. Mai. Das oder: Der Bauer als Millionair, in 3 Akten.
Sonntag, 31. Mai. Endlich hat er es doch gut gemacht! Lustspiel in 3 Akten, von Albini. Hierauf: Sieben Maͤdchen in Uniform, Vaudeville in 1 Akt, von L. Angelp. (Neu einstu⸗ dirt. Dlle. Burghardt: Julie.) Zwischen beiden Stuͤcken: Ou⸗ verture aus der Oper: „Die Stumme von Portici.“ Hierauf: Variationen von Rode, vorgetragen von Dlle. Vial.
Maͤdchen aus der Feenwelt, Zaubermaͤhrchen mit Gesang
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eueste Nachrichten.
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Paris, 21. Mai. Ueber die gestrige Sitzung des⸗ airs⸗ hofes ist noch Folgendes zu melden: Nach einer fast dreistuͤn⸗ digen Verathung uͤber das (gestern mitgetheilte) Requisitorium des General⸗Prokurators kehrten die Pairs in den Audienz⸗Saal zuruͤck. Mittlerweile hatte der Lyoner Angeklagte, Abbé Noir, seinen Entschluß kundgegeben, den gerichtlichen Verhandlungen beizuwohnen, so daß, als die Angeklagten wieder in den Saal gefuͤhrt wurden, sich die Zahl derselben auf fuͤnfundzwanzig be⸗ lief. Dagegen schien es den Praͤsidenten zu verdrießen, daß kein einziger Advokat zugegen war; er trug einem Ge⸗ richtsdiener auf, in dem Vorzimmer nachzusehen, ob nicht vielleicht dort Einer oder der Andere das Resultat der Bera⸗ thung des Gerichtshofes abgewartet habe. Dieser kam aber bald mit der Antwort zuruͤck, daß saͤmmtliche Advokaten sich be⸗ reits entfernt haͤtten. Der Praͤsident verlas darauf den von dem Pairshofe gefaßten Beschluß, der, nach einer Reihefolge von Entscheidungsgruͤnden, dahin lautet, daß dem von dem Advokaten Desaubiez im Namen von vier Angeklagten gestellten Antrage, daß der Gerichtshof sich fuͤr inkompetent erklaͤren moͤchte, keine Folge zu geben, vielmehr die gerichtliche Verhandlung fortzusetzen sey. Der General⸗Prokurator hatte indessen darauf angetragen, daß der zu fassende Beschluß des Pairshofes zugleich auch auf die abwesenden Angeklagten ausgedehnt werde; diesen Theil des Requisitoriums ließ der Pairshof in seinem Beschlusse, der uͤbrigens von den anwesenden Angeklagten mit der groͤßten Ruhe vernommen wurde, unbeachtet. — Die naͤchste Gerichts⸗Sitzung findet erst morgen statt, da die heutige Sitzung eine legislative war. Dieselbe dauerte uͤberhaupt nur ½ Stunde, und diente lediglich den Mi⸗ nistern dazu, die von der Deputirten⸗Kammer bereits angenom⸗ menen Gesetz⸗Entwuͤrfe vorzulegen.
Die Deputirten-Kammer setzte auch heute noch ihre Berathungen uͤber das Budget der Kolonie Algier fort. Nach⸗ dem sich noch einige Deputirte, theils fuͤr, theils wider die Bei⸗ behaltung der Kolonie hatten vernehmen lassen, wurde die allge⸗
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(Mad. Betty Spitzeder, vom Koͤniglt.