1835 / 149 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Durchschnitte in

* . 5sgen 488

Preise der vier Haupt⸗Getraide⸗Arten in den fuͤr die Preußische Monarchie bedeutendsten Marktstaͤdten im Monat April 1835, nach einem Preußischen Silbergroschen und Scheffeln angegeben.

monatlichen

Hafer en

20

Namen der Staͤdte. [Weuen Nogaen Gerste MxaAEE R CTAAeHECHAüHM, Mnark. Koͤnigsberg.. 43 1 Memel 46 ½⁹ TiIt ... 5 Insterburg

Rastenburg

Neidenburg

Danzig

Elbing

Konitz

Graudenz

Kulm

Thorn

38 8* 35

38 8 42 34

32 6 .

41298

32 32

Bromberg Fraustadt Rawitsch

Brandenburg Kottbus .... Frankfurt a. d. O. Landsberg a. d. W Stettin

Stralsund

Schweidnitz Glatz Neiße.

Leobschuͤtz.

Erfurt

Ratibor..

Namen der Steaͤdte. . Weizen Roggen V Gerste Hafer 371% 3119, 23„

40 , 11 vgu

36 ß37 2 .

43 2 ß31 . 262

47912

37 ⁄3

Magdeburg... Stendal ordhausen Muͤhlhausen... 8

Halle Torgau Muͤnster Minden Paderborn Dortmund

Köl Elberfeld

Malmedy Trier Saarbruͤck Kreuznach Simmern

Durchschnitts⸗Preise

der 12 Preußischen Staͤdte 5 Posenschen Staͤdte 9 Brandenb. u. Pom⸗ merschen Staͤdte..

11 Schlesischen Staͤdte

8 Saͤchsischen Staͤdte

4 Westfaͤl. Staͤdte..

14 Rheinischen Staͤdte

o do t0 20 0 ö.êS 289 09ℳ929,Jö

e. 8818⸗

8 Konigliche Schauspiele. Frreitag, 29. Mai. Im Opernhause: Die schoͤne Muͤllerin, Oper in 2 Abth. Musik von Paesiello. (Mad. Spitzeder: Roͤschen.) Hierauf: Die Wiener in Berlin, Posse mit Gesang, in 1 Aufzug, von C. v. Holtei. (Mad. Spitzeder: Louise v. Schlingen, als Gastrolle.)

Sonnabend, 30. Mai. Im Opernhause: Der Aufruhr im Serail, Ballet in 3 Abth., von Ph. Taglioni.

Im Schauspielhause: 1) Le code et l'amour, vaudeville en 1 actfe. 2) La revanche, comédie en 3 actes et en prose. Les 8] féroces, grand mélodrame en 1 acte.

3 Konigstaͤdtisches Theater. 8 Freitag, 29. Mai. Das Maͤdchen aus der Feenwelt, oder: Der Bauer als Millionair, Zaubermaͤhrchen mit Gesang in 3 Akten.

Wegen eingetretener Hindernisse kann die Oper: „die weiße Dame“ erst am Sonnabend gegeben werden. Die dazu bereits geloͤsten, mit „Freitag“ bezeichneten Billets bleiben zum Sonn⸗ abend guͤltig, oder kann der Betrag dafuͤr bis 6 Uhr Abends in Empfang genommen werden. Zur heutigen Vorstellung sind die mit „Sonnabend“ bezeichneten Billets guͤltig.

Sonnabend, 30. Mai. Die weiße Dame, komische Oper in 3 Akten. Musik von Boieldieu. (Dlle. Vial, vom Koͤnigl. Sar⸗ dinischen Hof⸗Theater zu Turin: Anna, als Gastrolle. Dlle. Burghardt: Jenny.)

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.

Zu dieser Vorstellung sind die mit „Freitag“ bezeichneten Billets guͤltig.

Sonntag, 31. Mai. Endlich hat er es doch gut gemacht! Lustspiel in 3 Akten, von Albini. Hierauf: Sieben Maͤdchen in Uniform, Vaudeville in 1 Akt, von L. Angely. (Neu einstu⸗ dirt. Dlle. Burghardt: Julie.) Zwischen beiden Stuͤcken: Ou⸗ verture aus der Oper: „Die Stumme von Portici.“ Hierauf: Variationen von Rode, vorgetragen von Dlle. Vial.

* 8

Neueste Nachrichten.

Paris, 22. Mai. Der Marquis von Dalmatien, Sohn des Marschalls Soult, hat seine Entlassung als Botschafter am

Niederlaͤndischen Hofe eingereicht, und man will daraus auch auf

einen Bruch zwischen dem Kabinet der Tuilerieen und dem Mar⸗ schall Soult schließen.

Der Pairshof setzte heute seine gerichtlichen Versammlun⸗ gen fort. In dem Saale vor dem Tische der Gerichtsschreiber war eine zweite Tafel mit verschiedenen Beweisstuͤcken, worun⸗ ter 2 Cuirasse, mehrere Pakete mit Patronen u. s. w., aufge⸗ stellt worden. Um 12 ½ Uhr wurden die Angeklagten eingefuͤhrt, und ½ Stunde spaͤter erschienen die Pairs selbst; es fehlte Kei⸗ ner von ihnen. Der Praͤsident verordnete zunaͤchst die Porlesgng der Zeugenliste, welche 819 Namen enthaͤlt, naͤmlich 55 Belastungs⸗ und 261 Entlastungs⸗Zeugen. Nach eini⸗ gen Bemerkungen des Angeklagten Abbé Noir in Bezug auf die Gruͤnde, die ihn vermocht, den Debatten beizuwoh⸗ nen, begann die Vernehmung der Angeklagten und der Zeugen und zwar zunaͤchst mit dem Angeklagten Morel. Bald aber unterbrach der Advokat Favre das Verhoͤr, indem er foͤrm— lich darauf antrug, daß der Gerichtshof sich zuvoͤrderst daruͤber aͤußere, ob die jetzt beginnenden Debatten sich uͤber saͤmmtliche Angeklagte oder bloß uͤber die anwesenden erstrecken sollten. Der General⸗Prokurator hielt es fuͤr uͤberfluͤssig, daß der Ge⸗ richtshof hieruͤber besonders berathschlage, indessen erklaͤrte er, daß er seinerseits auch nichts dawider habe. Der Praͤsident war Anfangs selbst unschluͤssig; nach einer Besprechung mit den Herren Decazes und Girod zogen sich jedoch die Pairs in ihr Berathungs⸗Zimmer zuruͤck, und um Uhr erfolgte, unter Be⸗ rufung auf den Beschluß vom 9. Mai (wegen Entfernung der widerspenstigen Angeklagten), der Bescheid, daß dem Antrage des Advokaten Favre keine Folge zu geben, vielmehr das Zeugen⸗ Verhoͤr fortzusetzen sey.

In der gestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wurde das erste Kapitel des Budgets fuͤr die Kolonie Algier, nach Verwerfung zweier von der Kommission beantragter Ersparnisse von zusammen 437,000 Fr., unverkuͤrzt mit 1,899,000 Fr. ange⸗ nommen. Dieses Kapitel betrifft die Kosten der Civil⸗Verwal⸗ tung. In der heutigen Sitzung begannen die Debatten uͤber den Antrag der Pairs⸗Kammer, die Herren von Cormenin

und Audry⸗de⸗Puyraveau vor ihre Schranken laden zu duͤrf⸗ (Wir muͤssen uns einen gzg aus diesen Debatten vorbehalten

Es haben sich gegen den Kommissions⸗Antrag, daß die Pair, Kammer ermaͤchtigt werden solle, den Deputirten Herrn Aude de⸗Puyraveau vor ihre Schranken su fordern, in der Deputz ten⸗Kammer 38 Redner einschreiben lassen. 3

Der Fuͤrst Talleyrand erschien gestern in der Soirée ze Praͤsidenten der Deputirten⸗Kammer, Herrn Dupin. Jederman gerieth in Erstaunen uͤber das gesunde und kraͤftige Ausseje des Fuͤrsten.

Der Temps kuͤndigt das baldige Erscheinen einer neu Schrift des Praͤsidenten Herrn Dupin uͤber die Juli⸗ lution an. -

Nach dem Renovateur wuͤrde Herr Persil sich zurüch 89 und Herr Sauzet dessen Stelle als Großsiegelbewahrer s8 nehmen.

Die gestrige Nummer des republikanischen „Reformann, ist wegen eines Artikels uͤber die Sitzung des Pairshoste e⸗ genommen worden. 1

Die Versammlungen an der Porte St. Martin ernenern sich jeden Abend, hauptsaͤchlich deshalb, weil Truppen dort rif gestellt sind. Gestern Abend war wieder eine Zusammentte tung daselbst. Ein Polizei⸗Kommissar, von noch einem anderg Beamten und einer Menge Polizei⸗Sergeanten begleitet, forden die Neugierigen auf, sich zu entfernen. Einige widersetzten sih Die Polizei-Agenten machten hierauf von ihren Stoͤcken p brauch. Mehrere Personen wurden verwundet. Die gmg Nacht hindurch durchstreiften zahlreiche Patrouillen zu Fuß w zu Pferde das Auartier der Poxts St. Martin.

General Mina ist am 17ten d. mit seiner ganzen Fam in Toulouse angekommen. Er geht von dort nach Montpeliig

Es hieß heute an der Boͤrse, Zumalacarreguy habe eine wegung nach Madrid hin gemacht. Einige wetteten, er wigt noch vor zwei Monaten in Madrid seyn.

Der Messager enthaͤlt folgendes Privatschreiben aus M. drid vom 14. Mai: „Die Prokuradoren⸗Kammer wird morm die Diskussion uͤber die innere Schuld wieder aufnehmen, undij einigen Tagen waͤre es moͤglich, daß sie ihr Votum uͤber den e trag des Herrn Caballero wieder zuruͤcknaͤhme; es heißt, der Km missions⸗Bericht werde dem Antrage nicht guͤnstig seyn und die M joritaͤt sich in dem naͤmlichen Geiste aussprechen, wie die Kommissyon. Die Ruhe ist vollkommen wieder hergestellt, und die Beferhe ist thaͤtig damit beschaͤftigt, die eigentlichen Ursachen der Unorh⸗ nungen zu entdecken, die am 11ten die Hauptstadt in Cchrecken versetzt hatten. Eine Untersuchung ist uͤber diese Ereigniste er⸗ oͤffnet worden. Das Gericht, welches mit der groͤßten Corg falt dabei zu Werke geht, hat schon mehrere Personen vorge⸗ fordert. er Marquis de las Navas, der ebenfalls vor ha Corregidor beschieden wurde, hat sich beeilt, uͤber alles dase nige Auskunft zu geben, wovon er Augenzeuge gewesen wat Die Regierung laͤßt es bei der Untersuchung allein nicht bewen den; schon sind Vorfuͤhrungs-Mandate gegen Personen vof Auszeichnung, unter Anderen gegen den Sohn des Herxn Alcala Galiano, eines der angesehensten Oppositions⸗ Mitgüiehe in der Kammer der Prokuradoren, erlassen worden. Diese Ven haftung scheint in Folge von Angebereien beschlossen worden e seyn, die nicht erwiesen werden koͤnnen. Der junge Mumn macht heute sogar in mehreren Blaͤttern ein Schreiben bekann das allen Verdacht von ihm abwäͤlzt. (Hiernach wäͤre die A’ abe oben im Artikel Spanien zu berichtigen, daß das Schreg 82g von Herrn Galiano, Vater, herruͤhre.) Von ministeri⸗ len Aenderungen ist jetzt keine Rede mehr; die hieruͤber im ersten Augenblicke der Bestuͤrzung in Umla gekommen waren, sind ungegruͤndet. Herr Martinez de Rosa wird nur mit seinem Systeme fallen, und die Enma gie, die sein Kollege Toreno in der Kammer zeigt, sc diesem Systeme neue Kraft gegeben. Die Prokuradoren⸗Km mer, deren Politik so schwankend und veraͤnderlich ist, um am Ende dieses Monats ihre Session schließen; dies ist wen stens die allgemeine Ansicht. Herr Rayneval ist nach Arane abgereist, wohin ihm der Englische Botschafter bald nachfole wird. Die Verschwoͤrung in Valencia, von der man so t Wesen gemacht hat, ist nur hoͤchst unbedeutend gewesen; 20 ¼ tilleristen, ein Sergeant von demselben Corps, Namens Am und zwei Bauern waren die einzigen Verschwornen. Der 6e geant selbst verrieth das Komplott, und die Schuldigen sind; den Haͤnden der Gerechtigkeit.“

Heute schloß 5proc. Rente 108. 60. 3 proc. 81. 80. 5pr Neap. 99. 35. 5proc. Span. 44 ¾. 3 proc. 28 ½. Ausg. Sch. 10

Frankfurt a. M., 25. Mai. Oesterr. 5proc. Metal 102 11. 102 1—2⁄. 4proc. 97 ½. 97 ¼. 2 proc. 58 ½. B. B. Bank⸗Actien 1595. 1593. u 100 G. 212 ½. Br. Preuß. Praͤm.⸗Sch. 63 ¼. Br. do. pn Anl. 98 ½. G. Holl. öproc. Obl. von 1832 101 ¼. Br. Pe Loose 69 ½. B.

Gerͤchre, Versammtung im Spiele waͤre. Minister nur nach der gruͤndlichsten Pruͤfung der ihm zur Last geiegten Thatsachen vor die Pairs⸗Kammer verweisen, und Sie wohlten jhr einen Deputirten ohne alle Untersuchung, und auf die schwaͤchsten Anzeichen hin, ausliefern? daß es die Absicht des Gesetzgebers gewesen, die Deputirten⸗Kam⸗

Amtliche Nachrichten. b- Kronit des Kage..

Im Bezirke der Koͤnigl. Regierug u Arnsberg ist der Kandidat Karl Hengstenberg um Pfarrer in Wetter ernannt worden; 8 zu Erfurt ist die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Soll⸗ medt und Eigenrode dem Kandidaten Bernhard Ludwig Held verliehen worden. 1—“

Angekommen: Der Kaiserl. Russische Ceremonienmeister, Fürst Jussupoff, von St. Petersburg.

Abgereist: Der Koͤnigl. Franzoͤsische außerordentliche Ge⸗ andte und bevollmaͤchtigte Minister am Koͤnigl. Saͤchsischen Hofe, on Bussièdres, nach Dresden.

Zeitungs⸗Nachrichten An lgagn d.

Fuuaanirerch

Paris, 23. Mai. Der Koͤnig, die Koͤnigin, die Prinzessin Pelaide und die Prinzen statteten gestern dem Prinzen Leopold von Sicilien im Palais⸗Royal einen Besuch ab.

Ueber die vorgestrige Sitzung der Deputirten⸗Kam⸗ mer ist noch zu melden, daß im Laufe der Debatten uͤber das Budget fuͤr Algier zum ersten Male auch Herr Sémeric, Depu⸗ titter der Stadt Marseille, die Rednerbuͤhne bestieg, und in ei⸗ nm glaͤnzenden, voͤllig improvisirten Vortrage die Vortheile her⸗ vorhob, die Frankreich sich von der Beibehaltung der Kolonie wersprechen duͤrfe. In der gestrigen Sitzung, wo (wie be⸗ nits erwaͤhnt) die Berathung uͤber den Antrag der Pairs⸗Kam⸗ ner, zwei Deputirte belangen zu duͤrfen, an der Tages⸗Ordnung var, ergriff vorweg der Vicomte von Cormenin das Wort, um die Erklaͤrung abzugeben, daß das unlaͤngst erschienene Schreiben an die April⸗Gefangenen von ihm nicht unterzeichnet worden sey.

„Was meine Denkungsart betrifft“, fuhr er fort, „so weise ich bloß darauf hin, daß ich mich seit dem 29. Juli 1830 niemals eines Votums gegen die Volks⸗Souverainetät schuldig gemacht habe. Auf diese Erklaͤrung koͤnnte ich mich beschraͤnken, wenn nicht bei dem Anttage der Paies⸗Kammer zugleich auch die Wuͤrde dieser Wie, m. H., Sie duͤrfen einen

Sie konnten glauben,

mer der Pairs⸗Kammer unterzuordnen? Sie solten nicht fuͤhlen, welch ein anecmeßlicher Unrerschied fuͤr einen angeschuldigten Deputir⸗

ten zwischen der Sicherheit der Jury und den Gefahren eines Ausnahme⸗

Gerichts besteht? Wie Sie wollten Ihre Kollegen vor das Tribunal bon Maͤnnern schicken, die uͤber uns richten sollen, wenn wir sie deleidigt haben, indeß wir nicht uͤber sie richten duͤrfen, wenn sie uns beleidigen? Vor Richter, die Alle von dem Angeklagten als parteiisch verworfen werden koͤnnten, wenn dieser, wie ich, gegen die Erblichkeit der Pairie gestimmt hätte? Vor Maͤnner, die in unse⸗ ren (der Oppositions⸗Mitglieder) Augen, groͤßtentheils unsere poli⸗ tischen Gegner sind? Vor Maͤnner, die durch eine monsteuoͤse Ver⸗ bindung richterlicher Befugn sse in ihrer eigenen Sache zugleich An⸗ geber, Ankläger, Instructtons⸗Richter, Zeugen, Geschworne, Richter und Partet sind? Nimmermehr kann ich glauben, daß Sie sich nicht beleidigt fuͤhlen sollten, wenn man Sie vor die Praͤvotal⸗Gerichts⸗

Iygrce. 2e barkeit der andern Kammer stellen will. Nimmermehr kann ich glau⸗ Part.⸗Obl. 141 ¼. 140 . 29 ben, daß Sie sich emer solchen Erniedrigung unterwerfen werden. iich meinerseits wuͤrde es wenigstens nicht. wal arcg nicht hieher geschickt, . 1- sschen Erniedrigung auf den Armensuͤnderstuhl der Pairie schleppe 5proc. Span. 42 ⅞. Br. 3proc. do. 81 ½ en Erntedrigung auf den? suͤnn hl der; schleppe. öproc. Span. Rente Br. 3 val; Buͤrger soll die Puics⸗Kammer mich haben, als Beputirter nie⸗

ht. Meine Kommittenten damit ich die Ueberreste Ihrer

251. 242 S 88 . 25 ¼. 24 ¼. malz. Ich wuͤrde zuvor mein Deputirten⸗Amt niederlegen, und so⸗

5

Redacteur Cottel. 8 Gedruckt bei A. W. Hahn.

——yy—ö—

Allgemeiner

laßt, so daß man auch bei aͤhnlichem Andrange auf bahn⸗Compagnie vollstaͤndig unterzeichnet worden ist,

I““

Bekanntmachungen.

Nothwendiger Verkauf.

Das dem Kaufmann Heinrich Samuel Rosenstein zugehoͤrige, in der Heiligengeistgasse zu Danzig unter der Servis⸗Rummer 1001 und Nr. 31 des Hypothe⸗ 88gn

kenbuchs gelegene Grundstuͤck, abgeschaͤtzt auf 5198 1 Thlr. 13 zgr. 4 pf. zufolge der nebst Hypothekenschein und Bedingungen in der Registratur einzusehenden Taxe, soll

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1“

am 1. December c. vor dem Artushofe verkauft werden. Danzig, den 8. Mai 1835.

Koͤnigl. Preuß Land⸗ und Stadtgericht.

Travemuͤnder Seebad.

Die Wirthschaft der Travemuͤnder Seebade⸗Anstalt wird auch in gegenwaͤrtigem Jahre mit den Pfingst⸗ tag en eroͤffnet, und koͤnnen von dieser Zeit an sowohl waͤrme als kalte Baͤder gegeben werden.

Der ungemein starke Besuch im vorigen Jahre 8 hat die Anschaffung einer bedeutenden Anzahl neuer

richten sind.

ersonals, neben mancher anderen, die Bequemlich⸗ 5 des Publikums bezweckenden Einrichtung veran⸗

7 „1 * Anzeiger fuͤr moͤglichste Zufriedenstellung desselben hoffen darf. „Mit Bestellungen auf Logis, beliebe man sich, wie bisher, zu wenden an Im Mai 1835.

Bekanntmachung.

Die Eroͤffnung der Bade⸗Anstalt zu Nenndorf fin⸗ det wie bisher am 1. Juni wieder Statt, und von diesem Tage an werden die Schwefel⸗, Schlamm⸗, Gas⸗, Douche⸗, Tropf⸗ und Sturz⸗Baͤder, die Salz⸗ Baͤder aber vom 15. Juni an gegeben werden

Einem geehrten Publikum wird solches mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß Anfragen in aͤrztli⸗ cher Beziehung an den dasigen Brunnenarzt Herrn Hofrath d'Oleire in Bremen und Logis⸗Bestellungen an den Herrn Burggrafen Ruͤck in Nenndorf zu

Cassel, am 7. Mai 1835. Kurfuͤrstliche Brunnen⸗Direction.

Badekarren und die Vermehrung des angestellten Erste General⸗Versammlung der Leipzig⸗ Dresdner Eisenbahn⸗Compagnie. “”“ Nachdem das Capital der Leipzig⸗Dresdner Eisen²

A. C. Leyding, Inspector der Bade⸗Anstalt.

Nenndor

liegt, zu erwaͤhlen.

Leipzig, am 22. Mai 1835.

11u““

die Preußischen Staaten. 8 so werden in Folge der Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Orts genehmigten Statuten, und Kraft der im §. 2 des hohen Decretes vom 6. Mai d. J. dem unter⸗ zeichneten Comité ertheilten Befugniß saͤmmtliche Actien⸗Inhaber hierdurch eingeladen, sich bei der e⸗ sten constituirenden General-⸗Versammlung Freitags, den 5. Juni d. J., fruͤh um 8 Uhr, m Saale des hiesigen Gewandhauses einzufinden, und, in Gemaͤßheit der Bestimmungen des §. 23. des Statuten⸗Entwurfs, Zwanzig Actionairs zu Mitgliedern des Ausschusses, welchem nach §. 36. die Wahl der Directoren und deren Stellvertreter ob⸗

Es wird hierbei in Erinnerung gebracht, daß das im §. 12. naͤher bezeichnete Stimmrecht nur nach erfolgter Legitimation durch Vorzeigung der zustaͤn⸗ digen Actien dermalen der Interims⸗Scheine (s. 19) ausgeuͤbt werden kann, daß durch Bevoll⸗ maͤchtigte zu erscheinen unzulaͤssig ist, und daß die abwesenden Actionairs an die in der General⸗Ver⸗

ammlung gefaßten Beschluͤsse gebunden sind. gen. b Ma. wenig bearbeiteten Gegenstand, verbreitet bch erst

Eisenbahn⸗Comité.

Literarische Anzeigen.

hen, in Berlin bei E. S. Mittler b 3), so wie in dessen Handlungen zu Peosen Bromberg, und bei Vincent in Prenzlau:

Der Zunftzwang und die Bannrechtz der Wissenschaft.

Aufklaͤrung der Bevorrechteten üͤ ber n Vortheile und zum Gebrauche fuͤr Volksve

von Friedrich August Ben edeiet, Koͤniglich Preuß. Gerichts⸗Amtmanne in Witte gr. 8vo. broch. 1 Thlr. 1

Mit Eifer, Sachkenntniß und Scharfsinn

Verfasser das Zunftwesen in allen seinen C Ueber die Bannrechte, einen bisher

s(ccbe ebenfalls gruͤndlich, und macht dabei Vorschlaͤge zu deren Beseitigung.

selbst. b da dieser gerade och Ihnen vorschlaͤgt, ihn zu verurtheilen, und mich freizuspre⸗ 1e Hat er das inkriminirte Schreiben verfaßt, gedruckt, publi⸗ Oder ist er Wo sind fehlt Fbnen nichts Geringeres als jedwedes Fundament. wechseln, wie die Bei Georg Joachim Ghschen in Lhlt ne zügehgrnse die

ei Georg Jogchim he ie Vorlegung des Original⸗Dokuments ode C dni erschienen und dürch alle Buchbandlungen iiedes Beschuldigun kann bier 1n ic Sg⸗ , ETT1ö (Stechbahr nicht, daß, w

gegenuͤber der Vernunft, dem Rechte auzl

nehmen S Magistratspersonen und Stadtveroednete min

richterstatter, raveau nicht minder

8 ündli ande order 5 . genannte Werk verfaßt. Gruͤndlich behegegah fordert habe. Herr Sauzet (der Berichterstatter) erwiederte, daß

rakter habe 4 Bericht erstatten muͤssen,

mt um die Bewahrung Ihrer Ehre mehr bekuͤmmert seyn, als Sie Und jetzt noch einige Worte uͤber Herrn Audry⸗de⸗Puyravcau,

abwesend ist. Was hat er gethan, daß die Com⸗ Wo ist das Corpus delicti? Wo seine eigenhaͤndige Unter⸗

Hat er den Auftrag dazu ertheilt, und wo ist dieser Auftrag? r dem Schreiben bloß beigetreten, und in welcher Art? Ihre Beweise, wo auch nur Ihre Vermuthungen? Es Pairs⸗Kammer, die Unterzeichner mit den gedruckte Unterschrift mit der geschriebenen.

kat entsche Vergessen Sie im Uebrigen wenn Sie mir bloße Gerechtigkeit, Sie dem Herrn

Audry⸗de⸗ ) 81 28. Des⸗Puyravegn 1 7 nul , Sen; Revolndiog hraveau auch noch Dank schuldig sind, denn die Juli⸗

ütion, noch

war v sein Werk. Ich habe weder eine Revo⸗ sch einen Koͤnig, noch eine Charte gemacht; ohne ihn aber 1 die Minister, die ihn verfolgen, und die Deputirten, die ibn gliefern wollen, vielleicht nicht in diesem Saale sitzen. Ich mag

Ein staatswissenschaftlicher Versuch, zunach nng. daber auch nicht hinter mein Deputirten⸗Amt verschanzen;

Sie durchaus der Pairs⸗Kammer ei ; 3 4 je lie ; 8* ine Beute - ie lieber mich.“ hinwerfen, so

Nach dieser Rede, die eine gewaltige Aufregung in der Ver⸗ nlung zur Folge hatte, fragte zunaͤchst Herr Havin den Be⸗ weshalb die Kommission den Herrn Audry⸗de⸗Puy⸗ icht zu einer naͤheren Erklaͤrung uͤber seinen mehr oder direkten Antheil an dem inkriminirten Schreiben aufge⸗

er de⸗s . *Audry⸗de⸗Puyraveau, unter Berusung auf die von ihm ein⸗

gereichte Protestation, jedwede naͤhere Erklaͤrung verweigert habe;

G als er sich habe entfernen wollen, habe er sich bereit erklaͤrt,

de M . 1 8 eitg li ede P * 2 N j 1 21 1s, * 6 2 2„ vertraulighie in der Kommission in kollegialischer Weise einige

Mittheilungen zu machen; emer

ra theilungen zu machen; auf die Bemerkung des

sidenten aber, daß, da die Kommission einen amtlichen Cha⸗ sie uͤber seine 1.“ auch der Kammer wuͤrde

9 sey Herr Audry⸗de⸗Puyraveau sofort

ggegangen. Nach dieser Auseinandersetzung eroͤffnete Herr

von Golbéry die eigentliche Debatte mit einem Vortrage, wor⸗ in er das Ansinnen der Pairs⸗Kammer in dem Interesse der po⸗ litischen Verfassung des Landes selbst zuruͤckwies. Herr Du⸗ vergier de Hauranne hob mit folgenden Worten an:

„MReine Herren! Erschiene mir die gegen zwei unserer Kollegen beabsichtigte gerichtliche Verfolgung als eine muthwillige und von politischen Motiven entbloßte Maßregel, so wuͤrde ich nimmermehr meine Einwilligung dazu geben. Gestatten Sie mir daber, die Thatsachen zu beleuchten und Ihnen die eigentliche Lage der Dinge ins Gedaͤchtniß zuruͤckzurufen. Vor etwa einem Jahre brach eine sehr ernflliche Empoͤrung auf mebhreren Punkten Frankreichs aus, die offenbar lange vorbereitet war und die Regierung auf einen Augen⸗ blick in Gefaͤhr brachte. Was sollte diese darauf thun, um solche Ereignisse ein⸗ fuͤr allemal unmoͤglich zu machen“ Die Einen spra⸗ chen von Aufhebung der individuellen Freiheit, Andere reklamirten die Huͤlfe der Kriegsgerichte. Allein die Regierung beharrte auf ihrer Bahn der Maͤtzigung. Sie verwarf beide Maßregeln und wandte sich an den csten, von der Charte und einem spaͤte⸗ ren Gesetze eingesetzten Gerichtshof. Sogar die Opposition konnte damals der Maͤßigung der Regierung ihren Beifall nicht versagen; wie Sie sich erinnern werden. (Hr. Odilon⸗Barrot: „Dies ist nicht ganz richtig.“) Ich appellire an diejenigen Mitglieder der Kammer, welche in der letzten Session zugegen waren. (Hr. Laf⸗ fitte: „Wer war es, der die Huͤlfe der Kriegsgerichte anrief?“⁷) Sie habe ich nicht gemeint. (Hr. Laffitte: „Sie selber thaten es!) Ich eben so wenig“ (Viele Stimmen: „Herr Praͤsident, sichern Sie dem Redner das Wort!“) Der Redner theilte darauf eine Stelle aus dem „Courrier frangais“ vom 16. April v. J. mit, worin die betreffende Maßregel der Regierung gutgeheißen wurde, und fuhr dann also fort: „Auf einmal tauchte unter dem Mantel der Großmuth, im Grunde aber als eine voͤllige Ver⸗ leugnung aller politischen Gerechtigkeit und als ein grelles Zuge⸗ staͤndniß der Ohnmacht die Idee der Amnestie auf. Sofort bemäaͤchtigten sich ihrer die Parteien, augenscheinlich, um dadurch einen ihnen selbst so gefaͤhrlichen Prozeß zu hintertreiben. Von die⸗ sem Tage an datirt sich jenes Gewebe von Angriffen, Verleumdun⸗ gen und Beschimpfungen durch die Presse, das leider selbst bei den Gemaͤhigten und Billigdenkenden nicht seine Wirkung verfehlt hat. Der Prozeß kam heran. Einem, aus gerechten, wuͤrdigen, gemaͤßigten Maͤnnern bestehenden Gerichtshofe treten Angeklagte gegenuͤver, de⸗ ren Aufregung durch eine 13monatliche Gefangenschaft gesteigert werden mußte; waͤhrend jener bedroht, beleidigt, verleumdet wird, werden diese aufgehetzt und angefeuert. Man schildert die Wider⸗ spenstigen als Maͤrtyrer ihres Rechts, die Nachgiebigen als Feiglinge. Es fehlte nur noch, um das Maß der Unordnung voll zu machen, daß ein Comité sich organisirte, und dies geschieht. Ein Ver⸗ sammlungspunkt der Heftigsten in ganz Frankreich erklaͤrt sich fuͤr permanent, redigirt Tagesordnungen und laͤßt Proclamationen druk⸗ ken. Nur Muth! rufen sie aus, wir, Eure Bruͤder, werden Euch nicht sinken lassen; Muth! denn Ihr seyd die edelsten Stuͤtzen, die unerschrockensten Vertheidiger der Republik, zu der wir uns Alle be⸗ kennen! Das uͤbrige uͤbergehe ich hier mit Stillschweigen. So, meine Herren, ist uͤberall die Gerechtigkeit verhoͤhnt, das Gesetz mit Fuͤßen getreten, die Gesellschaft bis in ihre Grundfesten erschuͤttert worden. Hoffen wir, daß ein solches Benehmen der gerechten Brandmarkung durch die oͤffentliche Meinung nicht entgehen werde. Zeichen von Beifall; zugleich Geraͤusch auf einer der Zuhdrer⸗Tri⸗ bunen.) Eine Stimme im Centrum: „Man sagt uns von einer der Tribunen herab Beleidigungen.“ Der Graf Jaubert (zeigt auf die mittlere Tribune im zweiten Rang): „Ja, dort von dieser Tribune!“ Herr Fulchiron: „Das kommt haͤufig vor!“ Herr Jaubert: „Wir wollen uns beschweren. Es ist haupt⸗ saͤchlich die Tribune der Journalisten!“ Der Praͤsident: „Die Tribunen duͤrfen sich keine Aeußerungen irgend einer Art erlauben. Nach diesem Intermezzo fuhr der Redner also fort: „Noch hat eine Regierung unter uns nicht existirt, von der es heißen koͤnnte, was ein republikanisches Blatt (der National) vor zehn Tagen sagte: „„Die Regierung hofft den Angeklagten Furcht einzujagen.... womit doch ? oder wissen diese nicht, daß, obgleich eine Anklage auf Leben und Tod uͤber ihrem Haupte schwebt, doch kein Haar ihnen gekruͤmmt werden wird?““ Das bedeutet, daß noch keine Regie⸗ rung mit so viel Menschlichkeit eine so aͤngstliche Pflicht in der Be⸗ obachtung aller gesetzlichen Formen verbunden hat. (Verneinung auf der Linken.) Man gestatte mir, der Regierung von dieser Red⸗ nerbuͤhne herab, wo man sie so haͤufig angreift, eine Lobrede zu hal⸗ ten. Daß die Parteten, indem sie solche Maͤßigung verspotten, sie zugleich anerkennen und sich selbst darauf verlassen, dies, m. H., ist ein einziges Faktum in der Geschichte, worauf ich stolz bin, und welches allein hinreicht fuͤr den Ruhm einer Regierung, die ich unterstuͤtze, die wir alle unterstuͤtzen (Beifall.) Damit die Regierung jedoch die noͤthige Festigkeit und Kraft entwickeln koͤnne, muͤssen die andern Staats⸗Gewalten ihr bereitwillig zu Huͤlfe kommen. Aus diesem Gesichtspunkte wuͤnschte ich, daß wir Alle die Sache betrachteten. Damit, daß einer unserer Kollegen zu seiner Vertheidigung vor die Pairs⸗Kammer gezogen wird, ist ich weiß es noch nicht Alles abgethan; aber wenigstens werden wir bewiesen haben, daß in der jetzigen Krisis die beiden Factionen, die sich bei allen Gelegenheiten die Haͤnde reichen, weder auf Schonung noch auf Schwaͤche unter uns zu rechnen haben. Schon hat die republikanische Partei durch den aufgedeckten Betrug mit den Unterschriften sich eine Bloͤße gegeben. Wenn nun diesen aufruͤhrerischen Bestrebungen gegenuͤber die Pairs⸗ Kammer den Feinden der Gesellschaft, in dem eigenen Interesse dieser letztern, eneraisch begegnen will, so wollen wir unsererseits sie nicht im Stiche lassen, damit es nicht scheine, als gingen wir vielmehr zu ihren Gegnern uͤber. Die Pairs⸗Kammer muß die gewinnen, daß das Land mit ihr sey: der gerechteste Ersatz fuͤr alle ihre erlittenen Verletzungen! Ich stimme fuͤr den Antrag, wie er von der Kommission gemacht worden ist.“ (Zahlreiche Zeichen des Beifalls auf verschiedenen Punkten der Versammlung.)

Herr Pagès (vom Arrieège⸗Dept.) aͤußerte sich dagegen etwa folgendermaßen:

„Werfen wir einen Blick auf das inkriminirte Schreiben. Enthaͤlt es wirklich Beleidigungen gegen den Pairshof? Ge⸗ wiß, beide Kammern sind befugt, uͤber ihre Wuͤrde sorgfaͤltig zu wachen; aber wie selbststäͤndig und ganz unabhaͤngig von einander sie hier auch handeln duͤrfen, diese drei hoͤheren Richter muͤssen sie in der moralischen Welt⸗Ordnung anerkennen: die öoͤffentliche Meinung, die Geschichte und die Nachwelt! (Bewegung in ver⸗ schiedenem Sinne.) Ich will jetzt die Frage aus diesem dreifachen Gesichtspunkte beleuchten, dem juridischen, dem politischen und dem moralischen. Zuerst haben wir Alle die Ueberzeugung, daß die beiden vorgeladenen Deputirten ihre Unterschrift zu dem Schrei⸗ ben nicht wirklich hergegeben haben; der eine hat es erklaͤrt, und die Zuruͤckhaltung des anderen muͤssen wir anerkennen. Die Pairs⸗ Kammer aber hat die gesetzlichen Formen vernachlaͤfsigt und ist dar⸗ uͤber in eine große in chicklichkenn verfallen. Zu eifrig, ihre eigene

Wuͤrde zu raͤchen, hat sie an die unsrige nicht gedacht! Nach dem Preß⸗Gesetze ist der Herausgeber der Schuldige und der Ver⸗ fasser der Mitschuldige. Aber weder ist hier die Existenz eines Schuldigen, noch die des corpus delicti erwiesen. Haͤtte die Kammer hieran gedacht, so wuͤrde der Brief der Herren Michel und Trelat, die sich als die alleinigen Verfasser und Herausgeber des erwaͤhnten Schreibens nennen, alles Weitere erspart haben. Zweitens, frage ich, wen wollen wir, und in wes⸗ sen Haͤnde wollen wir ihn ausliefern? Sollte eine Verurtheitung des Herrn Audry⸗de⸗Puyraveau erfolgen, so wird die Geschichte es nicht versaͤumen, daran zu erinnern, daß er es war, der der Juli⸗ Revolution zuerst sein Haus geoͤffnet hat, und zwar zu einer 3 wo sie bloß noch ein Aufstand gegen die Restauration war. Und Sie wollten ihn den Pairs der Restauration ausliefern? Die Geschichte bezeugt, daß er ein beharrlicher Gegner der Erblichkeit der Pairie war; und den Pairs, denen er die Erblichkeit genommen hat, wollen Sie ihn uͤbergeben. Er hat zuerst fuͤr die Ausstoßung einer großen Zahl der Pairs mitgestimmt, und den Ueberresten dieser durch ihn verstuͤmmelten Pairschaft wollen Sie ihn ausliefern! (Heftiges Murren.) Er gehoͤrt zur aͤußersten Opposition, und Sie wollen ihn der Majoritaͤt ausliefern! Ich glaube nicht an die Gerechtigkeit politischer Koͤrper bei politischen Vergehen! und doch wollten Sie einen Ihrer Kollegen vor das Forum eines Gerichtshofes wei⸗ sen, der die Vertheidigung nach Belieben verstuͤmmeln kann, indeß dem Angeklagten bloß das Wort eines Advokaten zu Gebote steht, den der Richter aus den Listen streichen kann? Denken Sie an den Marschall Ney; war dessen Leben nicht durch die Capitulation von Paris gesichert? aber weil die Pairs den Advokaten verboten, sich au diese Capitulation zu berufen, fiel der Marschall aus Mangel eines Vertheidigers! Herr Audry⸗de⸗Puyraveau muß, um sich zu verthei⸗ digen, die Pairs⸗Kammer selbst, dafuͤr, daß sie die freie Vertheidigung aufgehoben hat, angreifen; die Kammer wird also zugleich Richter und Partei seyn, Schiedsrichter beieiner von ihr selbst provocirten Verletzung, und Herr einer Justizpflege, die das Land eine Rache nennen wied. Sie haben ihr fruͤher die Herren Colomb, Gaôtan von Larochefou⸗ cauld und Cabet ausgeliefert, aber alle Drei auf ihr eigenes Ver⸗ langen. So reklamiren Sie wenigstens fuͤr Herrn Audry⸗de⸗Puy⸗ raveau das Recht, die Antwort zu verweigern, wenn ihm die ge⸗ wuͤnschte Vertheidigung nicht zu Theil wird. Wie moͤchten Sie aber der Pairs⸗Kammer verwehren, einen Angeklagten zu ver⸗ urtheilen, weil er nicht antworten will, wenn Ihre Kom⸗-⸗ mission in der Motivirung ivres Antrages das Schweigen des Herrn Audry⸗ de⸗Puyraveau schon als hinreichend zur Bewilligung der verlangten Autorisation darstellt? Ich begreife die Empfindlichkeit der Pairs⸗Kammer sehr wohl; aber wie sie sich ihrer Vorzuͤge ruͤhmt, muß sie auch die Nachtheile ihrer Lage mit Resignation ertragen. Sie hat Revolutionen erlebt und durchge⸗ macht; sie ist also eine Geburt dieser Revolutionen; und keine mensch⸗ liche Macht kann Geschehenes ungeschehen machen. Erzeigen Sie Achtung der Charte, den Gesetzen, dem Gleichgewicht der Gewala ten, der parlamentarischen Unverletzlichkett. Die beiden Kammern beduͤrfen gleich sehr der Wuͤrde; so uͤberliefern Sie nicht die politi⸗ sche Freibeit der einen, die gerichtliche Suprematie der andern.“ Herr Moreau vertheidigte die Gesetzlichkeit des Benehmens der Pairs⸗Kammer bei der Frage uͤber die Wahl der Vertheidi⸗ ger und stimmte fuͤr die Proposition. Herr Nicod verwa letztere vornehmlich aus dem Grunde, weil kein Gericht, als die Jury, befugt sey, einen Deputirten vor seine Schranken zu la⸗ den. Nach Herrn Nicod ließen sich noch der Großsiegelbe⸗ wahrer und die Herren Arago, Agier und Teulon verneh⸗ men. Der Erstere vertheidigte mit Herrn Agier den Antrag der Kommission, da durch eine Verwerfung desselben die Depu⸗ tirten-Kammer sich der Pairs⸗Kammer feindlich gegenuͤberstel⸗ len wuͤrde. Herr Arago dagegen bekaͤmpfte diesen An⸗ trag, hauptsaͤchlich aus dem Grunde, weil Niemand Rich⸗ ter in seiner eigenen Sache seyn koͤnne. Herr Teulon hielt gegen die Proposition eine Rede, worin er an die Juli⸗ Revolution und an die Niederlage, welche sie der Pairschaft bei⸗ gebracht, erinnerte. „Ich will nicht“, sagte er, „bis zur Re⸗ stauration zuruͤckgehen; ich sage nur, daß die Pairs⸗Kammer im Jahre 1830 eine wenig ehrenvolle Rolle spielte, als sie sich ein Drittheil ihrer Mitglieder entziehen ließ.“ (Heftige Ausbruͤche des Murrens und Geschrei: Zur Ordnung!) Von allen Sei⸗ ten: „Herr Praͤsident, rufen Sie den Redner doch zur Ord⸗ nung auf!“ Herr Teulon will seinen Satz wieder aufnehmen, neue Ausbruͤche des Unwillens unterbrechen ihn. Der Praͤsident Gum Redner): „Sie greifen die Pairs⸗Kammer an, und eine solche Sprache kann ich nicht dulden...“ Herr Teulon: „Las⸗ sen Sie mich meinen Satz weiter ausfuͤhren.“ Der Praͤsi⸗ dent: „Nein, ich erlaube es nicht, weil Ihr Satz klar genug und hinreichend von der Kammer verstanden worden ist, da von allen Seiten der Ruf: zur Ordnung! ertoͤnte. Ich sage Ihnen, daß Sie durch diese Worte eine der drei Staats⸗Gewalten an⸗ greifen, und daß hier eine offenbare Verletzung des Reglements und Ihres Eides, die Staats⸗Verfassung zu achten, stattgefun⸗ den hat. Die Verfassung ist in dieser Versammlung erlassen worden; man eliminirte die von Karl X. ernannten 76 Pairs, und seitdem hat die Pairs⸗Kammer gemeinschaftlich mit uns an dem Werke der Verfassung gearbeitet. Die Pairschaft hat geschworen, die Deputirten⸗Kammer hat geschworen, auch der Koͤnig hat geschworen, und wir Alle stehen solidarisch fuͤr diesen Eid ein. Moͤgen die Leute, welche glauben, mit der Juli⸗Revo⸗ lution Alles gemacht zu haben, sich dessen ruͤhmen; ich aber werde nicht dulden, daß man Handlungen angreift, bei denen die drei Staats⸗Gewalten mitgewirkt haben. Ich rufe Sie zur Ordnung; fahren Sie fort. (Lebhafter Beifall.) Herr Laffitte: Die Pairs⸗Kammer war nicht mit uns. Der Praͤsident zu Herrn Laffitte: „Sie muͤssen mir es glauben; denn ich war selbst da⸗ bei; ich war dabei so gut wie Sie, mit Ihnen und bei Ihnen.“ (Sehr gut!) Herr Laffitte: „Das ist noch die Frage. (Anhal⸗ tender Ausbruch des Murrens.) Es lag nicht in meinem Sinn, die Wuͤrde der Pairschaft anzutasten; ich wollte bloß an gewisse Fakta erinnern, aus denen ich selbst nur die Folgerungen ziehen konnte.“ Herr Teulon: „Denken Sie an die Köümpft der Pairs⸗Kammer unter der Restauration, an die Aufhebung der Erblichkeit der Patrie, an den traurigen Ruͤckzug, den damals Herr Casimir Périer anstellte...“ Von allen Seiten: „Zur rdnung!“ Der Praͤsident: „Dieser Satz ist unschicklich er verletzt die Gefuͤhle der Kammer; allein der Ruf zur Ord⸗ nung kann hier nicht stattfinden, weil man von einer Person