1835 / 155 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

jegt. Seine Titel erbt sein aͤltester, aber noch minorenner Sohn Ldward Michael Lord Silchester, der im Jahre 1817 geboren Kurde. Die Schwester des verstorbenen Grafen war die Herzo⸗ gin von Wellington.

Von der Mannschaft des Britischen Kriegsschooners „Fire⸗ fly“, der am 27. Februar unweit Belize auf einer Sandbank, genannt der noͤrdliche Triangel, strandete, sind, wie man nun erfahren hat, im Ganzen 13 Personen umgekommen. Der Be⸗ sehlshaber, Lieutenant M'Donnell, und 8 Andere von der Mann⸗ schaft sind durch die Sorgsalt des Gouverneurs von Honduras, Oberst Cockburn, gerettet worden. 1

Fin vergangenen 23. Januar, in der Nacht von 1 bis 8 Uhr des naͤchsten Morgens, hoͤrte man uͤber ganz Neu⸗Granada und den Aequator, von Santa Martha und Carthagena bis Auito, ein schallendes Geraͤusch, das Kanonen- und Gewehrschuͤssen glich, aber durch das Platzen von Meteoren erzeugt wurde. Die Bauern von Bogota hatten sich am naͤchsten Morgen bewaffnet, indem sie glaubten, daß eine Revolution ausgebrochen sey; nach einigen Tagen war aber die Ruhe wieder hergestellt. Ein aͤhn⸗ liches Phaͤnomen fand am 13. November 1833 in den Vereinig⸗ ten Staaten statt. 18

Zeitungen vom Vorgebirge der guten Hoffnung melden aus Graham's Town vom 20. Marz: „Es hat sich nichts Bedeutendes hier ereignet. Alle Außenposten sind eingezogen, weil der Feind, nach seinem letzten Versuche, uüͤber die Graͤnze getrieben worden ist und sich bis an den Fluß Ama⸗ toli zuruͤckgezogen hat. Die verschiedenen Detascher nents werden bis zum Ende dieser Woche saͤmmtlich vorgeruͤckt seyn. Der Gouverneur wird sich selbst zur Armee begeben, die aus vier Divisionen bestehen wird.“

Die Allg. Zeitung enthaͤlt nachstehende Mittheilungen eines Deutschen Reisenden aus Dublin, 9. Mai. „Der Fall der Peelschen Administration macht hier auf alle Parteien einen um so groͤßern Eindruck, als man taͤglich neue Beweise erhaͤlt, daß die Melbournesche Verwaltung, ungeachtet ihrer Versicherung des Gegentheils, genoͤthigt ist, sich der Unterstuͤtzung des großen Agitators fast um jeden Preis zu versichern. O Connell selbst erkennt dies nur zu wohl. Er erscheint daher nicht aͤnger als das trotzige Haupt einer widerspenstigen Partei, nimmt aber, indem er sich man sollte glauben, spottender Weise füͤr ministeriell erklaͤrt, einen so diktatorischen Ton an, wie er sich des⸗ sen waͤhrend seiner langen politischen Laufbahn noch nie bedienen konnte. Da durch die Entsernung der Tories vom Staatsruder der vornehmste Zweck seiner Anti⸗Tory⸗Association erfuͤllt ist, so trug er gleich bei seiner Ruͤckehr nach Dublin in einer Versammlung auf der Kornboͤrse darauf an, daß dieser Verein sofort aufge⸗ loͤst, an seiner Stelle aber sogleich wieder ein anderer errichtet werde, der die voͤllige Sicherung der Wahlfreiheit bezwecken soll. Bei dieser Gelegenheit erklaͤrte er sich bereit, das gegenwaͤrtige Ministerium, als ein Reform⸗ Ministerium, mit seinem ganzen Einslusse zu unterstuͤtzen, setzte aber auch zugleich die Forderun⸗ gen auseinander, auf deren Erfuͤllung diese Unterstuͤtzung beru⸗ hen muͤsse. Alle diese Forderungen haben eigentlich nur einen einzigen Zweck, naͤmlich: die protestantische Partei in Irland nicht bloß zu demuͤthigen, sondern sie als Partei auf constitu⸗ tionnellem, oder vielmehr legislativem Wege zu vernichten. Da⸗ her verlangt er in Bezug auf die Hochkirche, daß die un⸗ leugbar ganz unverhaͤltnißmaͤßige Zahl ihres Klerus nach Maßgabe der Zahl und der Beduͤrfnisse ihrer Bekenner redu⸗ zirt, und derselbe in Betreff seines Unterhalts fuͤr die Zukunft nicht laͤnger auf die „desinitiv aufzuhebenden“ Zehnten und den Ertrag der Kirchenlaͤndereien, sondern gleich der katholischen und dissentirenden Geistlichkeit auf die freiwilligen Beitraͤge seiner Pfarrkinder angewiesen werde. Da aber das letztere aus man⸗ chen Ursachen sich nicht sogleich durchfüͤhren lasse, so fordert er im poͤlligen Einverstaͤndnisse mit Lord John Russell's bekannter Motion, daß als Vorbereitungsschritt die enormen Revenuen der Hochkirche durch Verringerung der Einkuͤnfte und der Zahl der Praͤlaten und durch Einziehung aller üuberfluͤssi⸗ gen Pfarreien vermindert, und der hieraus erwachsende Ueberschuß auf die Erziehung nicht bloß der protestantischen, son⸗ dern auch der katholischen und dissentirenden Jugend und aͤhn⸗ liche Zwecke verwendet werde. Um aber auch in politischer Hin⸗ sicht die Protestanten nicht bloß als Partei, sondern nach Um⸗ ständen auch als Individuen ihres jetzigen Einflusses zu. berau⸗ ben, verlangt er von den Ministern 1) unmittelbare Aufhebung der Orange⸗Logen, 2) Reform der Staͤdte⸗Corporationen, 3) Ein⸗ fuͤhrung einer Art von Armen⸗Gesetzen zum Besten vertrie⸗

bener Paͤchter, o Ausdehnung der Wahlberechtigung und 5) eine

vollstaͤndigere und zweckdienlichere Registration der Waͤhler. Da indessen die obenerwaͤhnte Tendenz dieser Forderungen nicht ganz klar hervortritt, so diene Fol⸗ endes zur Erlaͤuterung. Die Orange⸗Verbindung besteht nicht, wie man in Deutsch⸗ land irriger Weise zu glauben scheint, seit dem Jahre 1688 oder den Zeiten Wilhelms III., sondern ist erst wenige Jahre vor der großen Rebeilion, zu Ende des vorigen Jahrhunderts, gegruͤndet worden, wo der Partei⸗Haß oft die blutigsten Kaͤmpfe veranlaßte, welche zuletzt zu einem allgemeinen Aufstande der Katholiken fuͤhrten. mende Mitglied sich mit Gut und

Blut durch einen schweren

Eid verbinolich machen muß, besteht in der Aufrechthaltung der

Grundsaͤtze, welche Wilhelm von Oranien auf den Britischen Thron setzten, d. h. Erhaltung, Sicherung und Aszendenz der protestantischen Religion und Ausrottung oder Verdraͤngung des Katholizismuus. Unter diesen Umstaͤnden bilden die Oraͤngemän⸗ ner gewissermaßen den Kern der protestantischen Macht in Ir⸗ land, und sind eines der Haupthindernisse katholischer Oberge— walt. Ihre regelmaͤßige Organisation in Provinzial⸗ und Di⸗ strikt⸗Logen, die Uebereinstimmung und Planmaͤßigkelt, womit alle diese Anstalten handeln, das persönliche Ansehen, der Land⸗ und Geld⸗Reichthum einer betraͤchtlichen Anzahl ihrer Mitalieder und manche andere Umstaͤnde setzen diese Verbindung stets in den Stand, ihre Wirksamkeit nicht bloß um Parlament, sondern besonders im Lande uͤberall zu aͤußern, wo das Inleresse der Protestanten es erheischen mag. Wenn sie freilich wohl gegen⸗ waͤrtig das Vorschreiten der Bewegungspartei nicht geradezu zu hemmen vermag, so ist sie dessen ungeachtet noch immer stark genug, derselben jeden Fußbreit streitig zu machen und der Aus⸗ führung von O' Connell'’s Plaͤnen bedeutende Hindernisse in den Weg zu stellen. Sollten daͤher die Katholiken auch eine politische Ascendenz erringen, so wuͤrden sie besonders bei der Nähe Eng⸗ lands dleselbe doch nie als hinreichend gesichert betrachten koͤnnen, so lange das Bollwerk der Orange⸗Institution nicht geschleift ist. Eine andere sehr bedeutende Stuͤtze der protestantischen Macht besteht in der gegenwaͤrtigen Verfassung der Staͤdte⸗Corpo⸗ rationen, welche besonders seit 1689 den Katholiken gaͤnzlich verschlossen sind, und uͤberdies meistens einen sehr orangistischen Anstrich haben. Da nun aber nicht allein die Verwaltung aller staͤdtischen Gelder und die Ansetzung der Munizipal⸗ Abgaben, sondern auch die Besetzung saͤmmtlicher staͤdti⸗

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Ihr Zweck, zu dem jedes neu auszuneh⸗ reich gefluͤchtet hatte, hat, wie der Lynx meldet, von unserm

hung des Reichstages stattgefunden.

Handeren Stuaͤnde eingeladen waren.

8 632 I111““ . schen Aemter, z. B. der des Mayors, der Sheriffs, des Recorders, Coroners, Kaͤmmerers, der Aldermen u. s. w., zu den bedeutenden Privilegien dieser Koͤrperschaften gehoͤren, so stehen die Katholiken in Bezug auf alle staͤdtischen Angele⸗ genheiten noch immer auf demselben absolut unterworfenen Fuße, wie von der Accession Wilhelms III. bis zur Eman⸗ cipation. Dies erbittert die Letzteren um so mehr, als die Cor⸗ porationen bei jeder Gelegenheit als die eifrigsten Verfechter protestantischer Ascendenz und als die heftigsten Gegner aller Konzessionen gegen die Katholiken auftreten, und namentlich bei den Parlaments⸗Wahlen nicht bloß ihren eigenen, sondern auch den ganzen Einfluß des Mayors und der uͤbrigen obrig⸗ keitlichen Personen in Bewegung setzen, um jeden katholischen oder den Katholiken guͤnstigen Kandidaten aus dem Felde zu schlagen. Gelaͤnge es daher, diese Koͤrper allen Konfessionen zu oͤffnen, und das Buͤrger⸗ oͤder Corporationsrecht nur von der Entrichtung einer gewissen Summe von Munizipal⸗Taxen ab⸗ haͤngig zu machen, so wuͤrde ihr jetziger Einfluß bald nicht bloß neutralisirt werden, sondern geradezu auf die katholischen Staͤdte⸗ Bewohner, als die Mehrzahl, uͤbergehen und dadurch der O'Con⸗ nellschen Partei auch in denjenigen Staͤdten die Oberhand gesichert werden, wo sie, ungeachtet der Handwerker⸗Vereine und des Todtenkopf⸗Mandats, noch immer in der Minoritaͤt geblie⸗ ben ist.“

Niederlande.

Aus dem Haag, 30. Mai. Waͤhrend der Abwesenheit des Finanz⸗Ministers unterzeichnet fuͤr denselben der General⸗ Secretair Herr Ossenwarde.

Wegen erforderlicher sehr bedeutenden Ausbesserungen an der Boͤrse zu Amsterdam sind die Geschaͤfre einstweilen von der⸗ selben nach dem Binnenplatz des Altenmannhauses verlegt wor⸗ den. Es wird die Hoffnung geaͤußert, daß die ganze Boͤrse bei dieser Gelegenheit mit einem Dache versehen werden wuͤrde, um

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die Besuchenden vor dem Ungestuͤm der Witterung zu schuͤtzen.

Amsterdam, 30. Mai. Der hiesige Fondsmarkt war waͤhrend der letzten acht Tage aͤußerst bewegt und bedeutende Schwan⸗ kungen fanden in mehreren Staats⸗Papleren statt, ohne daß ein sicherer Grund fuͤr den panischen Schrecken, der sich der Spekulan⸗ ten zu Paris und London bemaͤchtigte, vorhanden zu seyn scheint; es sind die Berichte von diesen Plätzen, welche auch hier große Aengstlichkeit uͤber die Folgen einer fremden Einmischung in die Spanischen Angelegenheiten hervorriefen. Schon an der Boͤrse von beute vor acht Tagen bemerkte man eine ganz besondere Flauheit, die sich vornehmlich in Hollaͤndischen und Spanischen Schuld⸗Do⸗ kumenten zeigte; dies ging am folgenden Tage in den Effekten⸗So⸗ cietaͤten so weit, daß 2⁄ proc. Integrale zu 54 ¾ pECt., Kanz⸗Billets zu 25 Fl., 5proc. Spanische Perpetuelle zu 42 ½ pCt. und aunfgescho⸗ bene Spanische Schuld zu 18 pCt. losgeschlagen wurden; darauf er⸗ hielt man wieder mit hoͤheren Cours⸗Notirungen von Paris Nach⸗ richten, daß die Intervention noch keineswegs entschieden sey, es fanden sich wieder viele Kaͤufer ein, wodurch die Preise am Montag und Dienstag einen erheblichen Aufschwung nahmen; Integrale gal⸗ ten wieder 56 pCt., Kanz⸗Billets 26 Fl., 5 pCt. Spanische Perpe⸗ tuelle 45 ⅛, aufgeschobene Schuld 20 pCt., Cortes⸗ Obligationen 43 „Ct. Dieser bessere Stand dauerte jedoch nicht laͤnger; denn am naͤchsten Tage gingen sehr niedrige Rotirungen von London mit be⸗ deutenden Verkaufs⸗Auftraͤgen ein, wodurch alle Spanische Schuld⸗ Dokumente um 2p Ct. herunter gingen und auch die Preise der Hol⸗ laͤndischen Fonds wieder gedruͤckt wurden; seitdem hoͤrten die Schwankungen zwar nicht auf, doch waren sie weniger wichtig und tendirten zum Steigen, so daß 5proc. Spanische Perpetuelle gestern A4½, 3Zproc. 26 ¼, aufgeschobene Schuld 18 ¾ und Cortes⸗Obligationen 41% pCt. standen; Integrale behaupteten sich in den letzten Tagen auf 55 ⅜, 5proc. wirkliche Schuld auf 101 à 1012 pCt., Kanz⸗Billets guf 25 Fl. Von den fremden Staats⸗Papieren sind Russische öproc. Inscriptionen von 60 auf 69½ Ct., Preußische Praͤmien⸗ Scheine von 113 ¼ Fl. auf 1111, Wiener Metalliques von 99 ¾ auf 90 vCt. gewichen. Auch Suͤd⸗Amerikanische Obligationen folgten den Eng⸗ lischen Notirungen und blieben am Ende merklich flauer wie vor acht Tagen; Brastlianische waren gestern zu 85 ½⅞, Columbische zu 27 ⁄⅛ und Peruanische zu 24 ¾ pCt. zu haben. Nach Geld war diese Woche sehr viel Frage, wodurch der Zins⸗Cours im Steigen ist; Leihgeschaͤfte werden zu 3 vCt. und Prblongationen zu 3 ¼ à 4 vCt. abgeschlossen. Am Getraidemarkt wurden diese Woche die vorkommen⸗ den kleinen Partieen schoͤnen Polnischen Weizens durch Verbraucher und auch einige Spekulanten abgenommen; geringe Sorten waren nicht begehrt; von rother Waare wurden gleichfalls einige Partieen ver⸗ kauft; der Handel in Roggen ist wenig bedeutend gewesen; meh⸗ rere Inhaber zogen sich vom Markte zuruͤck, weil sie keine billigern Preise annehmen wollten; mit Gerste und Hafer war es nicht leb— haft. Die gestern angelegten Course sind: von 13 1pfuͤnd. weißbunten Polnischen Weizen 224¼ Fl., 132 pfuͤnd. hochbunten dito 220 Fl., 130 pfuͤnd. bunten dito 198 Fl., von 121 pfuͤnd. alten und neuen Luͤbecker Weizen 167 /Fl., 131 pfuͤnd. neuen Roflocker 175 Fl., 128pfuͤnd. alten rothen Schlesischen bei Kleinigkeirten 165 Fl., von 119pfuͤnd. alten Prelßiscen Roggen 150 Fl., 122pfuͤnd. alten Preußisch⸗Pommerschen 145 Fl, 115 pfuͤnd. alten Archangelschen 130 Fl., von I10pfuͤnd. alte Rostocher Gerste 10 Fl., von 62 pfuͤnd. alten dicken Hafer 104 Fl., 85

ito 95 Fl., 84pfuͤnd. neuen feinen Hafer 160 Fl

Belglen. Bruͤssel, 20. Mai. Ein Franzoͤsischer Studirender der

Rechte, Valfantin, der sich wegen politischer Vergehen nach Frank⸗

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Ministerium die Weisung erhalten, das Land zu verlassen. Vom 1. Juni ab wird die Befoͤrderung auf der Eisenbahn

von hier nach Mecheln fuͤuf Mal taͤglich stattfinden. Schweden und Norwegen.

Stockholm, 29. Mat. Vorgestern hat die feierliche Schlie⸗ 8 Wegen des schlechten Wet⸗ ters und einer kleinen. Unpaͤßlichkeit waren Se. Majestaͤt weder in der Kirche noch in dem Reichstags⸗Saale anwesend und der Minister, Graf von Wetterstedt, hielt daher im Namen des Königs die Schluß⸗Rede, in welcher es unter Anderem heißt: „Mehr als sechzehn Monate sind seit Ihrem Zusammentreten verftossen. Das Grundgesetz bestimmt vier Monate fuͤr die Dauer des Reichstages. Sie hatten mehr als ein Jahr Zeit, zu den Ihnen gemachten Vorlagen Verbesserungen vorzuschlagen und sie zu begruͤnden. Lange vor dieser Zeit haͤtte Ich, dem Grundgesetze gemaͤß, einen neuen Reichstag zusammenberufen koͤnnen; dies würde jedoch dem Lande neue Kosten und Lasten verursacht haben, die Ich demselben zu ersparen gewünscht habe.“ Die Rede geht nunmehr zu den Gesetzen uͤber, mit welchen sich der Reichstag beschaͤftigte, und zu denen bekanntlich lauter Gegenstaͤnde gehoͤrten, die fuͤr das Ausland nur geringes Inter⸗ esse darboten. Es befinden sich darunter die. Silber⸗Auswech⸗ selung, die Bank, die Hypotheken⸗Ordnung und die damit verbun⸗ denen Anleihen ꝛc. Nachdem die Mitglieder den Saal ver⸗ lassen hatten, machten sie noch saͤmmtlich Ihren Majestaͤten die Auswartung. Beim Koͤnige war großes Diner, wozu 48 Mit⸗ glieber des Ritter⸗Adelstandes und 24 Mitglieder von jedem der

Daͤnemark.

Kopenhagen, 26. Mai. Se. Majestaͤt der Koͤnig h beschlossen, daß es jedem Ritter des Dannebrog⸗Ordens 1 den Koͤnigl. Beamten, gesetzlich zustehen soll, auf eine 1” Stellung angemessene Pension Anspruch zu machen, die augen seine Hinterlassenen uͤbergehen soll. ““

X“

Warschau, 31. Mai. Se. Majestaͤt der Kaiser dem Unter⸗Prokurator des hiesigen Appellations⸗Gerichts, 8 August Heilmann, als Anerkennung fuͤr das Sr. Majestit n ihm uͤberreichte Werk „uͤber das Gerichtswesen im Koͤnigrn Polen“ einen kostbaren Ring uͤbersenden lassen. nn Der General-⸗Adjutant Rautenstrauch ist vorgestern auf nige Tage von hier nach Kalisch abgereist. . 1 Am Dienstage reiste der Kaiserlich Oesterreichische Bohfhn ter am Russischen Hofe, Feldmarschall⸗Lieutenant, Graf u 2⸗ quelmont, von St. Petersburg nach Wien hier durch. 8

Deutschland.

Hannover, 1. Juni. Die Hannoversche Zeitan schreibt vom Harz 30. Mai: „Vielleicht noch nie sind did wohner des Harzes von einer solchen Niedergeschlagenheit tagi fen, als jetzt, seitdem es gewiß ist, daß das schon seit einer Jahren drohende Ungluͤck einer Gleichheit der Besteuerung Harzes mit der des uͤbrigen Landes in den näͤchsten Tagen Vollziehung kommen werde. Mag auch die Veranlassung Theil durch unabwendbare aͤußere Umstaͤnde und zum Thei den Vertretern des Landes durch Mangel an richtiger Erke niß und Wuͤrdigung der Verhaͤltnisse, oder auch durch oc Motive mit herbeigefuͤhrt seyn, deren Einfluß der wahre Fh des Vaterlandes nur bedauern kann so viel ist hier e Jeden klar, daß die Folgen keine anderen seyn koͤnnen, als ungleiche, sehr hart druͤckende Belastung der jetzigen Bewoh des Harzes, und fuͤr die Zukunft eine verderbliche Verleze des Bergbaues, dieser so wichtigen Erwerbsquelle, deren m lichst schonende Benutzung eine der heiligsten Pflichten p sollte. Die ungluͤcklichen Erfahrungen der dem Gedaͤchtniß n nicht entschwundenen Westphaͤlischen Occupationszeit haͤtten his uͤber auch dem Kurzsichtigsten eine warnende Belehrung si sollen. 8

Kassel, 28. Mai. In diesem Monat ist das neueste h⸗ und Staatshandbuch ausgegeben worden. Man bemerkt, daß⸗ der Genealogie des Kurhauses die Reben⸗Linie Hessen⸗Rotenbmun ganz weggefallen ist. Zum Hofstaate des Kurfuͤrsten gehoͤren üͤ 100 Personen. Im Hofstaate Sr. Hoheit des Kurprinzen⸗9. genten sind, außer 6 Ober⸗Hoschargen, 40 Kammerherren bezeit net. Der Hofstaat Ihrer Koͤnigl. Hoheit der Kurfuͤrstin beste aus 32 Personen. Neben dem Gesammt⸗Staats⸗ Ministeriu und den Ministerial⸗Departements (der Finanzen, des Krieges des Auswaͤrtigen, des Innern und der Justiz) erblickt man die mal zum ersten Mal ein geheimes Kabinet des Kurprinzen⸗N genten, in welchem fuͤr die Militair⸗ Angelegenheiten der Gemn⸗ ral⸗Major und General⸗Adjutant von Lepel, füͤr die Civil⸗Anug legenheiten der Ministerial⸗Rath Koch den Vortrag und die 1- tung der Geschaͤfte hat. Das Armee⸗Corps ist in eine Infanterit Division und in eine Kavallerie⸗Brigade nebst einem Regimeng Artillerie eingetheilt.

Dem seit der Verfassung in Kassel errichteten polptechnische Institute, dem der Name „hoͤhere Gewerbschule“ verliehen ward ist durch das Ministerium des Innern ein geraͤumigexes Loka eingeräumt worden. Die Direction hat hierauf den Unterrichts Plan durch Anstellung neuer Lehrer erweitert, und den Unterrich selbst durch bedeutende Anschaffungen im Lehr⸗Apparat vervol staͤndigt.

Luͤbeck, 31. Mai. Am Iq8ten d. ereignete sich auf da Dampfschiffe „Alexandra“, Capitain Diets, auf dessen Reise wne Kronstadt nach Travemuͤnde folgender Ungluͤcksfall: Um an h Maschine der Backbordseite des Schiffes eine kleine Reparm (durch Befestigung eines Splints, welcher, an dem sogenam Piston befindlich, sich geloͤst hatte) vorzunehmen, war der zwt Ingenieur der „Alexandra“ mit dem Feuermanne Jacob He rich Jarchau in den Backbord⸗Cylinder der Maschine hineike stiegen, nachdem die ganze Maschine vorher gehoͤrig gestoppt, m Dampf ausgelassen, und um zu verhindern, daß die Außenräe der Maschine durch die Bewegung der Sce auch ohne Damf forttreiben koͤnnten, diese Raͤder mit Stricken wohl besestig auch der Deckel des Cylinders selbst mit Stricken festgebunde und durch Holzstuͤtzen gestemmt worden. Nachdem beide M. ner etwa eine Viertelstunde in dem Cylinder beschaͤftigt gewesce zerstoͤrt ein ploͤtzlicher starker Wellenschlag die angewandt Vorsichts ⸗Maßregeln, die Stricke, womit die Naͤder! festigt worden, reißen, und die Maschine wird von ausce her in Bewegung gesetzt. Der zweite Ingenieur, d Gefahr bemerkend, und dem Zurufe der Umstehenden rasch . nug Jolge leistend, springt schnell aus dem Cylinder und ist e rettet; Jarchau, im Begriff ein Gleiches zu thun, und mit dem Oberkoͤrper bereits aus dem Cylinder hervorragend, wird ve— dem in Folge der Bewegung der Maschine niedersinkenden C. linder⸗Deckel eingeklemmt und sofort die Beute eines ploͤtzliche Todes. Nach dem Urtheile sowohl Sachverstaͤndiger, als der be dem Unfall zugegen Gewesenen wuͤrde Jarchau dadurch, daß! in dem Cylinder (dessen Tiefenraum 4 Fuß 10 Zoll Englisch traͤgt) geblieben waͤre und sich so lange niedergebuͤckt haͤtte, bif der Cylinder⸗Deckel wieder gehoben worden, sich vollkommen he ben sicher stellen koͤnnen. Augenblickliche Bestuͤrzung ließen 1 aber den Zuruf der Umstehenden uͤberhoͤren und nur zu rasch ohne daß die Huüͤlfe Anderer moͤglich gewesen, war das Ungläö— geschehen.

Nürnberg, 31. Mai. Ueber den gegenwaͤrtigen Stann punkt des Unternehmens einer Eisenbahn zwischen Nuͤrnben und Fuͤrth ist so eben der dritte Bericht des Direktoriums do Eisenbahn⸗Gesellschaft erschienen, woraus wir die wesentlichsin Resultate nachstehend zusammenfassen. Seit dem Bericht von Januar sind die Vertraͤge mit den Grundbesitzern uͤber den 69 kauf des erforderlichen Terrains vollzogen und die Kauf. Schilling bezahlt worden. Steinhauer⸗Meister Jordan in Zirndorf hat i Herstellung der Durchlaͤsse und Schutzmauern, der Baulichkeitel,

. e 5 „½ Aab ,, . 5 „„age del so wie die Lieferung von circa 13,000 Steinbloͤcken zur Unterlage de

Chairs uͤbernommen. Die Lieferung der Chairs von Gußeisen (etah

. 8 e. . (77 70 . 9*9 H; 1300 Centner) uͤbernehmen zu 6 Fl. pr. Centner die Herren

meiner in Lohr und von Stachelhausen in Treidendorf, wodung gegen den Kosten⸗Anschlag 1 Fl. pr. Centner erspart wird. -. die Lieferungen der gewalzten Eisenschienen (3600 Entr.) wurde mit mehreren Eisenwerks⸗Besitzern in Rhein⸗Preußen unter 1 delt. Da aber dort so wenig, als sonst wo im Zollvereins⸗ Gehie⸗ bis jetzt Eisenschienen (edge rails) nach Englischer Constructie

4 3 7 T verfertigt worden waren, und daher zu besorgen war, daß mang

zuletzt zu einem den Anschlag uͤbersteigenden Preise aus Englan

sehen muͤßte, so wurde die Absendung von Bevollmaͤchtigten nach

n Eisenwerken am Rhein und an der Mosel beschlossen. Die erren Direktor Platner und Directions⸗Mitglied Mainberger ternahmen diese Reise, und schlossen mit den Herren Remy Comp. in Rasselstein bei Neuwied einen Vertrag ab, wonach selben das ganze Quantum Eisenschienen von 3000 Ctr. in elweisen Lieferungen von Ende Mai bis Ende Juni zu 8 ½ Fl. Preuß. Ctr. liefern wollen. Mit Hinzurechnung des Trans⸗ ts von Neuwied bis Fuͤrth und Nuͤrnberg, welchen Herr Leo jun. Kitzingen zu 1 Fl. 34 Kr. pr. Bayerischen Ctr. übernimint, be⸗ ünen sich die Schienen auf 11 Fl. 20 Kr. pr. Bayerischen atner, so daß hierin am Kosten⸗Anschlag 2000 Fl. erspart wer⸗

n. Da das Anerbieten der Herren Holmes und Strong zu

Paitzmod ““ 8 8 2” 8 7F Fl. C. M., und zwar erst im September d. J., zu

el bei Wels in Ober⸗Oesterreich, einen Dampfwagen

efenn, unannehmbar war, und Herr Cockerill zu Seraing bei

tich auf den Bau von Dampfwagen noch nicht eingerichtet

di⸗b Bruͤssel nich Mecheln, um mit Herrn J. Ste⸗ enson aus Newcastle persoͤnlich zu unterhandeln, der auch die ier Dampfwagen und bie Transwortwagen fuͤr diese Bahn ge⸗ feert hatte, weil sie vor denen aller andern Englischen Fabri⸗

un den Vorzug verdienen. Herr Stephenson wird einen Dampf⸗

agen von 6 Tonnen Ezchwere mit 10 Pferdekraft zu 750 bis 90 Pfd. Sterl. bis Ende Juli nach Rotterdam liefern, und zu⸗

leich einen mit der Heszung, Leitung und Behandlung vertrau⸗

i Mann mitgeben, der ein Jahr lang bleiben und seinen Nach⸗ ziger unterrichten kann. Der Plan des Baues der Eisenbahn urde von Herrn Stephenson, seinem Associé Longridge, und dem ngeneur Simons (Erbauer der Beuͤsseler Bahn) vollkommen billit, und die Zweckmaͤßigkeit besselben durch naͤhere Besich⸗ ung der letzteren Bahn vollends zur Evidenz erhoben. Die svollmaͤchtigten wurden zu der Eroͤffnung der Bruͤsseler Eisen⸗ hn von dem Koͤnigl., Belgischen Staats⸗Ministerium eingeladen, d theiten die Bewunderung der zahllosen Zuschauer. Sie be⸗ erkten namentlich, daß die zahlreichen Reit- und Wagenpferde beiden Seiten der Bahn durch den voruͤberfliegenden Dampf⸗ dTransportwagen⸗Zug keinesweges erschreckt wurden, und bei n Andrang von 100,000 Menschen kein Unfall stattfand. sie Gahn laͤuft oft sehr nahe an der Heerstraße hin, und ist an rvielen Steilen von Seitenstraßen durchschnitten, aber nur heinigen derselben sind die bei der Nuͤrnberger⸗Fuͤrther uͤberall ggeordneten Vorsichts⸗Maßregeln an den Uebergangspunkten an⸗ wendet, auch keine Waͤchterhaͤuser vorhanden, so daß aͤngstliche ersonen sich durch die bei letzterer Bahn getroffenen Vorkeh⸗ ngen um so mehr beruhigen koͤnnen. Das Direktorium spricht nen beiden Mitgliedern fuͤr ihre erfolgreiche Reise seine Anerken⸗ ing aus. Es deutet sodann auf die bald zu erwartende Verlaͤnge⸗ ug der Belgischen Eisenbahn bis zur Preußischen Graͤnze und nda bis Koͤln, auf die projektirte Eisenbahn zwischen Havre dParis und ihre einstige Verbindung mit der an den Rhein grenden Belgischen Bahn, und endlich auf die Eisenbahn⸗Pro⸗ te in Hamburg, Hannover, Leipzig und Dresden hin, und be⸗ ikt, daß dadurch die Moͤglichkeit einer in unsere Bahnlinie lenden, den Kontinent in seiner ganzen Breite durchschneiden⸗ nHandelsstraße sich schneller, als man ahnete, zu verwirklichen hine, und man sich um so mehr einer patriotischen Unternehmung euen duͤrfe, welcher die Ehre der Prioritaͤt in Deutschland ge⸗ ihrt. Der Grundbau der Bahn schreitet so rasch vorwaͤrts, daß Chairs und Schienen gleich nach ihrer Ablieferung gelegt wer⸗ n können. Die durch Entdeckung mehrerer Steinlager in der dvahe bewirkte Lieferung der Steine um die Haͤlfte des Anschlags, wie die oben bemerkte Ersparung an Erdarbeit und Eisenwerk ßen die Fortsetzung der Bahn bis an den sogenannten Plerrer Gostenhof in Aussicht nehmen; die wegen des Ankaufs der tzu noͤthigsten Grundstuͤcke von einer Seite gemachten Forde⸗ ngen noͤthigten aber, von dem Plane abzustehen. Das Direk⸗ ium hofft wo moͤglich die Bahn bis zum 25. August, spaͤte⸗ ns bis Ende Septembers, eroͤffnen zu koͤnnen, und wird die tionaire alsdann zu einer allgemeinen Versammlung einladen. ger vollständigen Deckung der Kosten werden die noch ruͤckstaͤn⸗ gen 75 pCt. des Actien⸗Kapitals in drei Terminen zu 25 pCt., Ende Mai, Ende Juni und Ende Juli, erhoben werden. Karlsruhe, 28. Mai. Die KarlsruherZ eitung bemerkt: unter andern Geruͤchten, womit man Petitionen gegen den Zoll⸗ rein in Lande hervorzurufen sucht, wird auch ausgestreut, daß

eErhoͤhung der direkten Steuer und des Salzpreises davon

naͤchste Folge seyn werde. chte als unwahr zu erklaͤren.“ „Darmstadt, 29. Mai. Die erste Kammer der Staͤnde ist ihrer heutigen Sitzung den Beschluͤssen einstimmig beigetreten, lche die zweite Kammer uͤber die Vorlage der Staats⸗Regie⸗ g, wegen Prorogation des Finanz⸗Gesetzes auf die letzte aifte des Jahres 1835, gefaßt hat.

Die Stadt Worms hat den Großherzogl. Staats⸗Prokurator arcus zu Mainz zu ihrem Ab eten der zweiten Kammer Staͤnde gewaͤhlt. 8

Wir sind veranlaßt, diese Ge⸗

Oesterreich.

Wien, 27. Mai. JJ. MM. der Kaiser und die Kaiserin en gestern von Schoͤnbrunn in die Stadt und ertheilten um b 12 Uhr der Deputation der Maͤhrisch⸗Schlesischen Staͤnde, d um halb 1 Uhr der Deputation der Stäͤnde von Steier⸗ tk Audienzen, wobei das uͤbliche Ceremoniell beobachtet wurde. chmittags kehrten IJ. MM. wieder in das Lustschloß von hoͤnbrunn zurück. Se. Durchlaucht der Staats⸗Kanzler Fuͤrst

Metternich wird im Laufe der naͤchsten Woche seine Woh⸗ ig ebenfalls nach Schönbrunn verlegen.

Briefen aus Karlsbad zusolge, erwartet man daselbst im e der diesjährigen Bade⸗Saison Se. Kaiserl. Hoheit den oßfürsten Michael von Rußland nebst Gemahlin; auch der iserl. Russische Kanzler, Graf von Nesselrode, soll daselbst er⸗

ttet werden. 8

8 lus Siebenbürgen lauten die Nachrichten fortwaͤhrend be⸗

bigend. Der Prozeß Vesselényi's, welcher vor der Gerichts⸗ fel am 4. Mai begonnen hat, endigte schon am Ften desselben gnats mit Vesselényi's Verurtheilung zu einer Gefaͤngnißstrafe.

1 erer Prozeß gegen einen Baron Keményi, der sich des hceatt. er Auswiegelung in einem Szekler Stuhl schuldig Td, e, endigte eben so schnell mit dessen Verurtheilung heice andere von der Gerichts⸗Tasel gesaͤllte sangnißstrafe. deischen Vergehen .—“ 181 verhaͤltnißimaͤßige

8 88 Schwe.z.

en 2n 66 8 Mat. (Schwaͤb. Merk.) Da man in den

näss zu 9 sar Micht⸗ mehr von dem Stande unserer Ver⸗

19 97 hoͤrte, so besorgten Viele schon, es moͤchten

t haber 89 eichung noch bedeutende Hindernisse entgegenge⸗ en. Besonders befüͤrchtete man die Forderung, einzelne

so benützten die Bevollmaͤchtigten die Eroͤffnung der Ei⸗

Fluͤchtlinge auszuweisen, welches dann jedenfalls eine große Schwie⸗

rigkeit in den Weg gelegt haͤtte. Wie man aber jetzt aus zuver⸗ laͤßiger Quelle vernimmt, so sollen die Mißverstaͤndnisse ausge⸗ glichen, ein freundschaftliches Verhaͤltniß wieder hergestellt seyn und Bern die Verpflichtung uͤbernommen haben, daruͤber zu waͤ⸗ chen, daß keine die Ruhe der auswaͤrtigen Staaten bedrohenden Handlungen mehr vorkommen. Eine Veroͤffentlichung der bezuͤg⸗ lichen Verhandlungen soll demnaͤchst von dem Vororte aus ge⸗ schehen. Seit der neulichen Niederlage in dem großen Rath haben sich die beiden Bruͤder Schnell vor der Hand nach Burg⸗ dorf zuruͤckgezogen, und drohen im „Volksfreund“ mit ihrem gaͤnzlichen Zuruͤcktritt von unsern oͤffentlichen Angelegenheiten. Man glaubt, daß sie dadurch beabsichtigen, den großen Rath, welcher im Juni zur Wahl und Instruction der Tagssatzungs⸗ Gesandten wieder zusammentritt, zu irgend einem zuvorkommen⸗ den Schritte gegen sie zu bewegen.

Aus Privatbriefen will man wissen, daß die Oesterreichische Gesandtschaft sich zur Ruͤckkehr nach Bern aaschicke.

Italien.

„Turin, 25. Mai. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben den Grafen Francesco Dema zum General⸗Lieutenant ernannt. MNeapel, 18. Mai. Se. Magestaͤt der Koͤnig haben den Herrn Heinrich Lemonius in Stettin zum Neapolitanischen Ge— neral⸗Konsul fuͤr das Koͤnigreich Preußen ernannt.

Griechenland. 1“

Ein in der Allgemeinen Zeitung enthaltenes Schreiben aus Triest vom 17. Mai meldet: „Die Nachrichten, welche mit dem letzten Packetboot aus Griechenland gekommen sind, reichen bis zum 8. Mai und bestaͤtigen, daß uͤberall Ruhe bei vieler innerer Bewegung wegen des herannahenden 1. Juni herrsche, auf welchen sich mehr und mehr alle Wuͤnsche und Be⸗ strebungen, wie nach einem gemeinsamen Mittelpunkte hin, rich⸗ ten. Die Vorbereitungen fuͤr jene Epoche nehmen schon jetzt Alles so sehr in Anspruch, daß an wichtigere Veraͤnderungen oder Vorkehrungen im Bereiche der regentschaftlichen Thaͤtigkeit nicht mehr gedacht wird. Auch das Ministerium wird demnach blei⸗ ben, Koletti nicht ausgenommen; doch sprach man mehr als je davon, daß der Kriegs⸗Minister sich freiwillig zuruͤckziehen und einem Englaͤnder, Church oder Gordon, Platz machen wuͤrde. Sodann gewann die Meinung immer mehr Konsistenz, daß der Graf von Armansperg, wenn auch gleich nur fuͤr die erste Zeit, dem Koͤnig Otto mit seinem Rathe zur Seite stehen werde, wiewohl etwas Bestimmtes daruͤber Niemand wußte. Selbst Hr. Staats⸗ rath von Kobell, sagt man, werde uns vor dem Herbste nicht verlassen, und uͤberhaupt Alles vermieden werden, was eine Aen⸗ derung des Systems oder Regierungs⸗Ganges andeuten koͤnnte, da man zur Befestigung der neuen Ordnung die Staͤtigkeit fuͤr noͤthig haͤlt. Ob aber das bisher befolgte System den Beduͤrf⸗ nissen, den Wuͤnschen, dem Charakter und den Einkuͤnften des Landes entspreche, daruͤber sind die Meinungen allerdings sehr getheilt, und je nachdem Jemand sich daruͤber entscheidet, achtet er jenes Vorhaben fuͤr moͤglich oder unmoͤglich, fuͤr heilsam oder verderblich. So viel scheint sicher, daß bei ungefaͤhr 8,000,000 Drachmen Einkuͤnften und einer Bevoͤlkerung von 700,000 Men⸗ schen, man ein Heer von 9000 Mann, ein diplomatisches Corps, einen Koͤnigl. Hof und eine kostspielige Administration mit so vielen Ministern, Ministerial⸗Raͤthen, Praͤsidenten und Direkto⸗ ren nicht aufrechthalten kann, ohne die neue Ordnung der Dinge bloßzustellen, und dadurch sind wesentliche Veraͤnderungen noth⸗ wendig bedingt. Uebrigens ist der Monarch jetzt mit seinen Griechischen Umgebungen und denjenigen, die einzeln aus Bayern im Civil oder Milttair Anstellung in Griechenland haben, allein. Das letzte Bayerische Bataillon ist aus Patras bei uns ein⸗ gelaufen.“

Berlin, 4. Juni. Die Breslauer Zeitungen melden aus Breslau vom 309sten v. M.: „Se. Majestaͤt der Koͤnig hatten aus Allerhoͤchsteigener Bewegung in Gnaden geruht, den 30. Mai, als den Tag, an welchem der erste Pariser Friede ab⸗ geschlossen wurde, zur Feier des funfzigjaͤhrigen Dienst⸗Jubilaums Sr. Excellenz des Generals der Kavallerie, kommandirenden Ge⸗ nerals des 6ten Armee⸗Corps, Grasen von Zieten, zu bestimmen. Der gefeierte Held empfing aus den Haͤnden des dazu von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige beauftragten Gouverneurs hiesiger Resi⸗ denzstadt, General⸗Lieutenants von Carlowitz, ein aͤußerst huldvol⸗

les Schreiben des Monarchen, mittelst dessen dem Feldherrn der

hoͤchste Ehrenschmuck durch die Insignien des Schwarzen Adler⸗ Ordens in Brillanten verltehen wurde. Die anerkennungsvolle, allgemeine Theilnahme an diesem freudigen Ereignisse wuͤrde die⸗ sen Tag zu einem des lauten Jubels gemacht haben, wenn ihm nicht der anspruchslose Sinn des Geseierten einen andern Stem⸗ pel aufgedruͤckt haͤtte. Der ausgesprochene Wunsch des Grafen v. Zieten, den Tag der Erinnerung an seinen Diensteintritt vor funfzig Jahren und an die ganze reiche Zeit, die seitdem verflossen, geraͤusch⸗ los, nur in den dankbaren Gefuͤhlen fuͤr den Lenker der Schicksale, und für die Huld und Gnade des Koͤnigs zu verleben, wurde mit⸗ empfunden und geehrt. Wie sehr dies der Fall, wie groß die Anerkennung der Verdienste des Jubilars und wie innig wahr die Wuͤnsche fuͤr sein ferneres, kraͤstiges Wirken und sein per⸗ soͤnliches Wohlergehen sey, das sprach der Koͤnigl. Wirkliche Geheime Rath und Ober⸗Praͤsibent von Schlesien, von Merckel Excellenz, schon am Tage vor der Feier des Jubilaͤums auf eine wuͤrdige und tiefempfundene Weise in einem bei⸗ sich ver⸗ sammelten Kreise aus. Die Feier dieses Tages selbst mußte sich darauf beschränken, daß der Koͤnigl. General⸗Lieutenant von Car⸗ lowitz in der Mitte der bei sich zum Mittagstische versammelten ersten Personen der hiesigen Militair⸗ und Civil⸗Behoͤrden, die durch die Anwesenheit des Kaiserl. Russischen General⸗ Majors von Molostow und des Koͤnigl. Ober⸗Prasidenten Flottwell aus Posen noch besonders erfreur wurden, auf das Allerhoͤchste Wohl unseres Monarchen und seines erhabenen Verwandten, des Kaisers von Rußland Majestat, so wie zu Ehren des Gra⸗ sen von Zieten, unter Trompeten- und Pauken⸗Schall, den Eh⸗ renbecher leerie. Die Truppen waren in Parade⸗ Anzug, und großer Zapfenstreich bekundete noch am Abend, daß ein seierlicher Tag stattgefunden hatte.“

Am 30. Mai wurden bei Breslau die Tages zuvor be⸗ gonnenen Pferderennen fortgesetzt. Zuerst ward um den von der Stadt Breslau ausgesetzten antiken TLrink⸗Humpen, von Herren auf Schlesischen Pferden, geritten. Von den in der Fest⸗Ord⸗ nung genannten 8 Konkurrenten traten nur 4 auf, naͤmlich der braune Hengst „Roderich“ des Amtsraths Heller, geritten vom Bruder des Hesitzers; der schwarzbraune Wallach „Victor“ des Lieutenant von Studnitz, geritten vom Lieutenant v. Wedell; der braune Hengst „Fergusson“ des Grafen Renard, geritten vom Lieutenant Grafen Koͤnigsdorff; und der braune Wallach

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„Vork“ des Stallmeister Behrends, geritten vom Besitzer. Auch war der Schimmel⸗Hengst „Dschehangir“ des Baron v. Musch⸗ witz, geritten vom Besitzer, noch eingetreten. Nach mehrmaligem Wechsel der Stelle nahm „Fergusson“ die Spitze, die er auch nicht wieder verlor, und siegend das Ziel erreichte. „Roderich“

war zweiter. Hierauf folgte das Rennen auf der Bahn mit Hin⸗

dernissen um den Vereins⸗Preis von 200 Rthlr. Von den gemeldeten 5 Pferden erschienen nur 3, naͤmlich „Anthee“ braune Stute des Gutsbesitzers Rother auf Koitz; „Soccerer“ braune Stute des Grafen Renard, und der Fuchs⸗Hengst des Gerichts⸗Schul⸗ zen Kliem auf Wettschuͤtz bei Glogau. Das Rennen verungluͤckte das erste Mal, da alle 3 Pferde nach innen aus der Bahn ge— brochen waren, und deshalb der Soccerer⸗Stute, welche zuerst ans Ziel gelangte, der Sieg nicht zuerkannt werden konnte. Im zweiten Laufe mußte der Fuchs⸗Hengst der Ueberlegenheit seiner Gegner bald weichen; die beiden andern Pferde machten das schoͤnste Rennen, das man sehen konnte, da beide in fliegender Eile die Bahn zuruͤcklegten, alle Hindernisse stets a lompo uͤber⸗ sprangen und bis auf den letzten Augenblick so dicht zusammen⸗ hielten, daß von den 3 Schiedsrichtern eine Stimme fuͤr ein todtes Rennen, zwei Stimmen aber fuͤr den Sieg der Anthee mit einer halben Kopflaͤnge entschieden, welcher hiernach der Preis zuerkannt ward. Zu dem Rennen der untrainirten, in Schle⸗ sien geborenen Pferde, um den Vereinspreis von 159 Rthlr., traten von den angekuͤndigten 4 Pferden nur die „Addition“ des Fuͤrsten zu Carolath, der Schimmel⸗Wallach „Blasius“ des Grafen Saurma auf Laskowitz, und die Schimmel Stute „Alart“ des Grafen Renard auf. Doch gesellten sich noch hinzu: die braune Stute „Fieramore“ des Banquier Kracker, der schwarzbraune

Wallach „Tiridatis“ des Lieutenant v. Wedell, und der schwarz

braune Wallach „Victor“ des Lieutenant v. Studnitz, so daß 8

6 Pserde abliesen. Tiridatis und Victor brachen an der dritten Wendung ganz aus der Bahn. Blasius gewann die Spitze und besiegte seine Gegner um mehrere Pferdelaͤngen. Das Ren⸗

nen der Landleute um die Preise von 100 und 50 Rthlr. ward

von den in der Fest⸗Ordnung Den ersten Preis errang der Glogauer Kreises, mit demselben kleinen Fuchs⸗Hengst, vom Landbeschaͤler Helius, welcher schon zweimal die Bahn mit Hindernissen mit durchlaufen hatte; den 2ten Preis der Freibauer Groͤger aus Toͤppliwoda, Nimptscher Kreis, mit einem schwarzbraunen Wallach, vom Landbeschaͤler Dgmer. Zu der von W. Eichborn auf Guͤttmannsdorff ausgesetzten Pro⸗ position suͤr Nichtvollblutpferde mit 10 Friedrichsd'or Einsatz hat⸗ ten sich im Ganzen 5 Pferde einschreiben lassen. Graf Renard zog jedoch das seinige, gegen Reugeld, zuruͤck und es erschienen nun in der Bahn: besitzer Eichborn, die braune Stute „Miß Quikly“ des Baron von Muschwitz, die braune Stute „Duenna“ des v. Nickisch auf Schwarzau, und der braune Wallach „Portland“ des Banquier Kracker. „Portland“ nahm bald die Spitze und wurde am hef⸗ tigsten von „Miß Quikly“ verfolgt. „Duenna“ glitt auf freiem Rasen aus und brach ein Bein, ein Unfall, welcher die all⸗ gemeinste Theilnahme erweckte. „Portland“ verfolgte und errang unbestritten den Sieg. Zuletzt folgte das Rennen um den von dem Berliner Verein fuͤr Pferdezucht und Pferdedressur ausge setzten Kaufpreis von 150 Friedrichsd'or. Acht Pferde waren gemeldet, vier davon zuruͤckgezogen, der Bahn der schwarze Hengst „Achilles“ des Amtsrath Heller, der schwarzbraune Wallach „Portland“ des Banquier Kracker, der Schimmel⸗Wallach „Boxer“ des Gutsbesitzer Luͤbbert, und die braune Stute „Beauty“ des Grafen Renard, zu welchen sich noch der Fuchs-Wallach „Pluto“ des Erbschulzen Gimmler zu Polnisch⸗Peterwitz gesellte. „Portland“ fuͤhrte im ersten Lauf; „Boxer“, „Beauty“, „Achilles“ folgten, „Pluto“ aber ward bald voͤllig geschlagen und verlor den Lorbeer des vorigen Tages. „Beauty“ machte ihr Rennen auf der letzten Häͤlfte des zweiten Umlaufs, schlug den „Boxer“ und „Achilles“, ruͤckte dem „Portland“ immer naͤher, konnte ihn jedoch bis zum Sie⸗ gespfahl nicht uͤberholen und brach uͤberdies kurz vor demselben nach Innen aus. Im zweiten Lauf ward „Achilles“ zuruͤckge⸗ zogen. „Boxer“ war distanzirt worden und konnte nicht Theil nehmen; „Portland“ nahm vom Fleck ab wieder die Spitze, „Beauty“ folgte auf 3 bis 4 Laͤngen, und so machten beide Pferde den Lauf ohne die Stelle zu wechseln. Portland wurde demnach, gegen den ausgesetzten Preis, fuͤr Rechnung des Ber⸗ liner Vereins in Empfang genommen. Ohne die Verletzung einiger Zuschauer, durch die nach außen die Bahn durchbrechenden Rennpferde, und ohne den Beinbruch der,,Duenna“, wuͤrde der Ver⸗ lauf dieser Rennen zu den durchaus erfreulichen gehoͤrt haben, da das Wetter guͤnstig und die Rennen von mannigfachem Interesse waren. Das auf den 1. Juni anberaumte Thierschaufest wurde lei⸗ der durch die arge Ungunst des Wetters nicht nur gestoͤrt, son— dern ganz vereitelt. In Stroͤmen stuͤrzte der Regen vom fraͤ⸗ hen Morgen an hernieder; die Schafe aus den Slraͤllen zu bringen und zur Schau auszustellen war, ohne Gefahr ihrer Aufopferung, ganz unmoͤglich; Pferde und Rindvieh waren zwar auf dem Platze, konnten aber nur gerade so lange sestgehalten werden, als die Schau⸗Kommission noͤthig hatte, um ihr Urtheil zu fassen, und an eine wirkliche Schauluüst war gar nicht zu den⸗ ken, da Menschen und Vieh, durchnaͤßt und entmuchigt, das Seld raͤumten, sobald sie konnten. Selbst die Preis⸗ Vertheilung und die Verloosung der angekauften Pferde mußte bis zur General⸗ Versaminlung am folgenden Tage verschoben werden, da selbst die verdeckte Tribune keinen Schutz mehr bot, auch, bis auf Dieje⸗ nigen, welche Beruf und wahres Interesse herbeigezogen, fast kein Publikum vorhanden war. 8 Die Koͤniglich Maͤrkische oͤkonomische Gesellschaft zu Potsdam hielt am 27sten v. M. ihre General⸗Versammlung. Der zeitige Direktor derselben, Geheime Regierungs⸗ und Me⸗ dizinal⸗Rath lr. Augustin, eroͤffnete dieselbe mie einem Vortrage uͤber die wichtigen Resultate der neuesten Eroͤrterungen im Ge⸗ biete der Landwirthschaft. Der General⸗Bericht, den demnaͤchst der Secretair des Vereins mittheilre, betraf den Zustand der Fonds, die innere Oekonomie der Gesellschaft, so wie die Gegenstaͤnde welche im letzten Semester ihre Thaͤtigkeit in Anspruch genommen haben, und sprach den Dank für die, dem Monats⸗Blatte der Bibliothek und Modell⸗Sammlung zugekommenen Bereicherun⸗ gen aus. Hierauf berichtete der Direktor uͤber die eingegange⸗ nen, die Schaspocken⸗Impfung betressenden Preisschriften dnd über die, Hinsichts derselben eingezogenen sachkundigen Gutachten Diesen und dem Urtheile der Depuütation zufolge, ward der dem Motto: „Usus et experientia dominabitur in iee . versehenen Schrift der ausgesetzte Preis von 90 Rthir dem von Sehdlitzschen Praͤmien⸗Fonds zuerkannt. Als Vrrfazer ergab sich der Herzoöglich Anhalt⸗Coͤthensche Physikus 2)5 glase⸗ drich Muͤller zu Roslau. Die Deputation erkannte s zeitig auch L der beiden anderen Preisschriften zun dughus maßis ingiancham nreezehe levius 88 8 bendum, und: „Der Verlust beim Impfen der Schaspocken

genannten 9 Pferden gemacht.

Mottos:

Schulze Kliem aus Wettschuͤtz,

die Fuchs⸗Stute „Diskordia“ des Guts⸗

und es erschienen nur auf

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