1835 / 157 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

thoden im Allgemeinen, wobei er den Ansichten des Herrn St. Marc⸗Girardin seinen vollen Beifall schenkte und gelegent⸗ lich andeutete, daß er das besprochene Gesetz im kuͤnftigen Jahre der Kammer vorlegen wuͤrde. In seiner Meinung uͤber den Werth der alten Sprachen wich er jedoch von seinem Vorgaͤnger auf der Rednerbuͤhne ab. „Ich schaͤtze die Sprache und Literatur der Englaͤnder und Deutschen sehr hoch“, sagte er, „aber haben Sie vergessen, welche Bedeutung die Griechische und Lateinische Literatur hat? Es ist die Sprache und die Literatur der Civi⸗ lisation; mit ihr ist die Civilisation in unserm Europa geboren worden. Sie selbst, ein modernes Volk, sind durch keine andere Studien mit der Civilisation der alten Welt in Verbindung getreten, und heute wollten Sie, ich weiß nicht auf Veranlassung welcher Invasion der Barbaren, diese Studien, diese Sprachen wegwerfen, welche nur die Barbaren im vierten und fuͤnften Jahrhundert Taͤuschen Sie sich nicht in mir; der Himmel bewahre mich, daß ich auf die Wissenschaften schmaͤhen oder sie verbannen wollte: welchen Rang sie auch unter unsern heutigen Studien einnehmen moͤgen, sie muͤssen sich doch von Tag zu Tag mehr verbresten: sollten sie aber jemals gegen die alte Literatur feindlich auftreten, und sich anmaßen, der Herrschaft der Griechi⸗ schen und Lateinischen Klassiker, welche die Civilisation und den Geist der neuen Zeit geboren haben, Fesseln anlegen zu wollen, so waͤre es geschehen um den oͤffentlichen Unterricht, so erlebten vir die groͤßte Erschlaffung, die groͤßte Erniedrigung, die groͤßte Herabwuͤrdigung des menschlichen Geistes, wie die Welt sie fruͤher noch nicht kannte. (Sehr gut! sehr gut!) Ich will die den Philologen gemachten Vorwuͤrfe nicht mit aͤhnlichen, die man den Chemikern und Physikern machen koͤnnte, vergelten. W wollen beides, Philologie und Naturwissenschaften, gleich sehr in Schutz nehmen; alle sollen in schoͤner Harmonie verbunden und mit einander vermaͤhlt seyn; wir wollen, daß alle Faͤhigkeiten des menschlichen Geistes und jede Laufbahn des gesellschaftlichen Lebens ihre vollkommene und hinrkeichende Ge⸗ ugthuung in unsern Schulen erhalte. Uebrigens raͤume ich ein, daß die Gruͤndung unserer Gymnasien aus einer Zeit herruͤhrt, wo die alte Literatur mit zu einseitiger Vorliebe behandelt wurde; daher sind die Gymnasien fuͤr das groͤßere Publikum viel zu klassisch; und wir beduͤrfen solcher Anstalten, wo die verschiede⸗ en Klassen der Gesellschaft geistige Nahrung finden koͤnnen, die anit ihrem Leben und ihren Berufen uͤbereinstimme. Darin ha⸗ en wir nun allerdings mit dem Gesetze uͤber die Primair⸗Schu⸗ en den Anfang gemacht.“ Nachdem der Minister die Vor⸗ heile und Nachtheile und das gegenseitige Verhaͤltniß dieser ver⸗ schiedenen Anstalten schließlich noch kurz beleuchtet und auf die naͤchste Sitzung der Kammer verwiesen Fatte, verließ er die Red⸗ nerbühne, um von allen Seiten der Kammer Zeichen des unge⸗ cheiltesten Beifalls einzuaͤrndten.

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 26. Mai. (Nachtrag.) Als in dieser Sitzung nach dem Antrag auf die zweite Verlesung der Bill in Betreff der großen westlichen Eisenbahn Hr. Miles mit dem (wie schon gemeldet) nach⸗ her verworfenen Amendement hervortrat, daß auf dieser Bahn das Reisen am Sonntage bei 20 Pfd. Strafe verboten werden sollte, nahm zuerst Herr Potter gegen diese Motion das Wort und sagte: „Ich bin der Meinung, daß, wenn man das Volk am Sonntag auf die Landstraßen beschraͤnkt, dies dem wahren Interesse der Religion eher hinderlich, als foͤrderlich seyn wuͤrde. Es ist bekannt, daß der gewoͤöhnliche Weg zwischen Man⸗ chester und Liverpool seit Eroͤffnung der Eisenbahn fast ver⸗ lassen ist. Die Bevoͤlkerung von Manchester betraͤgt 300,000, die von Liverpool 200,000 Seelen, und es besteht bekanntlich eine roße Verbindung zwischen den Bewohnern beider Staͤdte. Der Kngrag des ehrenwerthen Herrn wuͤrde daher die Folge haben, daß die arbeitende Klasse an dem einzigen Tage, der ihr bleibt, weder ihre Freunde besuchen, noch sich uͤberhaupt eine Erholung verschaffen koͤnnte. Es soll bekanntlich auch eine Eisenbahn zwi⸗ schen Bath und Bristol gebaut werden, und natuͤrlich muͤßte, zu⸗ folge jenes Vorschlags, dann am Sonntag jeder Verkehr zwischen den genannten beiden Orten aufhoͤren. Wie soll aber die große Stadt Bath Lebensmittel fuͤr den Montag erhalten, wenn sse ihr nicht am Sonntag auf der Eisenbahn zugefuͤhrt werden? Ich fordere die Herren, welche Interesse an dem Landbau neh⸗ znen, auf, gegen diese Klausel unbedingt zu stimmen. (Beifall.)“ Herr Curteis bemerkte, er halte diese Klausel fuͤr eine der wi⸗ dersinnigsten, die man jemals in eine Bill aufzunehmen beabsich⸗ tigt habe. Wenn das Haus ein Gesetz zur Beschraͤnkung der Belustigungen des Volkes am Sonntag annehmen wolle, so moͤge es dies auf dem gewoͤhnlichen Wege und nicht auf einem Schleich⸗ wege thun. (Beifall.) Er wuͤnsche besonders die Aufmerksam⸗ keit derjenigen Herren, die auf dem Lande wohnten, auf diesen Gegenstand zu lenken, und frage Sie, ob nicht der Sonntag in den Ackerbau⸗Distrikten jetzt besser beobachtet werde, als jemals. (Hoͤrt!) Sir Robert Inglis unterstuͤtzte den Antrag, weil er glaube, derselbe trage zur Befoͤrderung der Religiositaͤt bei. Hierauf nahm Herr Roebuck das Wort und sagte: „Wenn die ehrenwerthen Mitglieder den Zweck der Religion dadurch zu befoͤrdern glauben, daß sie die Leute verhindern, am Sonn⸗ tag auszugehen, so waͤre das beste Mittel hierzu, die Schlag⸗ baͤume zu verschließen und der erste, den ich hierzu empfehle, ist der Schlagbaum von Hydepark. Sie werden wohl errathen, was ich damit sagen will. (Gelaͤchter.) Ich machte am vori⸗ gen Sonntag in jener Gegend einen Spazierritt, und die erste Person, welche ich sah, war der Herzog von Wellington zu Pferde. (Gelaͤchter und Beifall.) Als ich meinen Weg fort⸗ setzte, bemerkte ich mehrere Leute, die beschaͤftigt waren, die Wege von Hydepark mit Wasser zu besprengen, um sie fuͤr die feine Welt, welche sich des Sonntags Nachmittags dort aufzu⸗ halten pflegt, angenehmer zu machen. Bei Hammersmith sah ich den Lord Ober⸗Richter und bei Hampton Court den sehr ehrenwerthen Baronet, das Mitglied fuͤr Tamworth (Sir R. Peel) zn Pferde. Dies find saͤmmtlich Personen, die vermoͤge ihrer Stellung im Leben, sich in ihren eigenen Wagen oder auf ihren eigenen Pferden von einem Ort zum anderen begeben koͤn⸗ nen. Mit denjenigen Personen, welche die Eisenbahn benutzen, verhaͤlt es sich jedoch ganz anders. Sie muͤßten, wenn man ih⸗ nen die Eisenbahn verschließt, den anderen Weg einschlagen, der indeß doppelt so lang ist. Es ist eine pharisaͤische Uebertreibung, wodurch man das Haus zur Annahme eines solchen Amende⸗ ments uͤberreden moͤchte. Die Gesetzgebung kann den Menschen nicht befehlen, wie sie ihre rrligioͤsen Pftichten erfuͤllen sollen. Wenn man einen Jeden fuͤr sich selbst sorgen ließe, so wuͤrde man ein weit besseres Volk haben, als man jetzt hat.“ (Hoͤrt!) Herr Buckingham sagte, es sey durchaus vervwerflich, das Volk durch Parlaments⸗Beschluͤsse religioͤs machen zu

640

Gesetzes. Er halte den Sonntag auch nur fuͤr eine buͤrgerliche Einrichtung zum Besten der arbeitenden Klasse. Herr O'Con⸗ nell, welcher hierauf das Wort nahm, erklaͤrte sich gegen die Aufnahme einer solchen Klausel in ein gewoͤhnliches Gesetz uͤber eine Eisenbahn. „Es wuͤrde unsinnig seyn“, sagte er, „die Eisenbahn am Sonntage zu sperren, da sie ja einerseits die frommen Leute in den Stand setzt, um so mehr Kirchen zu be⸗ suchen (Hoͤrt, hoͤrt!) und andererseits dem Volke den Genuß der frischen Luft erleichtert. Es wuͤrde ferner unsinnig seyn, den jetzt in Vorschlag gekommenen Eisenweg am Sonntage zu sper⸗ ren, weil dadurch die Produkte Irlands, naͤmlich Fleisch, But⸗ ter und Eier, vierundzwanzig Stunden aufgehalten wuͤrden, wo⸗ durch sie verderben, und die Lebensmittel vertheuert werden, stattt sie wohlfeiler zu machen. Ich hoffe, das Haus wird diese Motion nicht annehmen, wenn es aber doch auf die Frage uͤber⸗ haupt eingehen will, so moͤge dieselbe auf die gebraͤuchliche Weise eingebracht werden.“ Bei der Abstimmung waren 34 Stimmen fuͤr und 212 gegen die Klausel, so daß sie mit einer Majorttaͤt von 178 Stimmen verworfen wurde.

Sitzung vom 27. Mai. (Nachtrag.) Herr O'Connell ließ sich in seiner (vorgestern erwaͤhnten) Rede bei Gelegenheit der von Lord Egerton uͤberreichten Bittschriften, worin daruͤber geklagt wird, daß die katholischen Mitglieder des Unterhauses, indem sie fuͤr die bekannte Russellsche Resolution, in Bezug auf die Ver⸗ wendung des Irlaͤndischen Kirchen⸗Eigenthums gestimmt, ihren Eid verletzt haͤtten, im Wesentlichen folgendermaßen vernehmen:

„Ich wuͤnschte, daß eines der ebrenwerthen Mitglieder den In⸗

halt der Bittschrift aufnaͤhme und auf Abschaffung des jetzigen ka⸗ tholtschen Eides antruͤge. Es kommt ein Ausdruck in jenem Eide vor, an dem ich, obgleich ich den Eid geschworen, großen Anstoß nehme, ich meine den Ausdruck „protestantische Regierung“. Ich weiß in der That nicht recht, was unter diesem Ausdruck in einem Staate gemeint seyn soll, wo die Bekenner aller Religionen zu al⸗ len oͤffentlichen Stellungen und Staats⸗Aemtern, drei ausgenommen, freien Zutritt haben. Ich glaube, es soll heißen: die bestehende Regierung, und in diesem Sinne habe ich den Ausdruck genommen. Ich selbst habe bereits mehr als einmal in diesem Hause den Eid auf diese Weise ausgelegt und jedes Mitglied aufgefordert, auf meine Ausstoßung anzutragen, wenn ich üUnrecht haͤtte. Ich fand damals, naͤmlich in der vorigen Session, daß das Ministerium mit meiner Auslegung des Eides vollkommen einver⸗ standen war, und ich fand auch, daß kein Mitglied den Muth hatte, meine Herausforderung aufzunehmen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Was Lord John Russell's Motion betrifft, so sehe ich in dem Eide nichts, was mich verhindern koͤnnte, dafuͤr zu stimmen Es ist nichts in jener Motion enthalten, was der protestantischen Kirche den Umsturz drohte; im Gegentheil, meiner Meinung nach, ist sie auf Erhaltung derselben berechnet, und ich wuͤrde ganz eben so gestimmt haben, wenn es die katholische Kirche waͤre, die sich in derselben Lage befaͤnde, und wenn ihre Einkuͤnfte in eben so un⸗ richtigem Verhaͤltniß zu der Zahl ihrer Mitglieder staͤnden. Worin suchen denn die ehrenwerthen Mitglieder den Grund zu der unleugbaren Thatsache, daß der protestantische Glaube sich in Ir⸗ land nicht ausgebreitet hat, wenn die Mitglieder, an die ich mich hier wende, doch glaͤuben, daß der Protestantismus die wahre Reli⸗ gion ist, und da bekanntlich die Wahrheit allmaͤchtig seyn soll? Muͤssen sie nicht vor allen Dingen anerkennen, daß er niemals hat ungetruͤbt wirken koͤnnen, daß durch die politische Herabwuͤrdigung der Katholiken Vorurtheile gegen ihn geweckt und genaͤhrt wurden, und daß man ihn der Ungerechtigkeit und Unterdruͤckungssucht zei⸗ hen mußte? Urspruͤnglich wurde ja das ganze Kirchen⸗Eigenthum von Katholiken zu katholischen Zwecken bestimmt, zur Lesung von Messen, zu Gebeten fuͤr die Verstorbenen, zur Befreiung der Seelen aus dem Fegefeuer und dergleichen mehr. (Man ruft Rein! nein!) Gewiß sind die ehrenwerthen Mitglieder nicht so ganz mit der Ge⸗ schichte unbekannt, um nicht zu wissen, daß dem wirklich so ist, und daß die Erinnerung daran in den Katholiken das Gefuͤhl der Un⸗ erechtigkeit, die sie zu leiden haben, noch schaͤrfen muß. Was wird enn nun in der Motion Lord John Russell's vorgeschlagen? daß fuͤr die geistlichen Beduͤrfnisse der Protestanten in Irland zunaͤchst und vollstaͤndig Sorge getragen werden soll? Was hat man dagegen einzuwenden? O, man verlangt noch etwas mehr; nicht die geistlichen Beduͤrfnisse sind es, sondern die Pfunde, Schillinge und Pence, die den Gegner jener Resolution Sorge machen. (Hoͤrt!) Schande uͤber diejenigen, ich sage es dreist, die zu verstehen geben, daß ihre Religion noch mehr bedarf als Sorge fuͤr ihre geistlichen Beduͤrfnisse, und denen es auf das jaͤmmerliche lei⸗ dige Geld ankoͤmmt: Schande uͤber diejenigen, die zu verstehen ge⸗ ben, daß, wenn jemand geschworen hat, daß er die protestantische Religion nicht beeintraͤchtigen wolle, dieser Schwur dahin zu deu⸗ ten sey, daß er auch ihre Einkuͤnfte nicht auf rechtliche und an⸗ gemessene Weise beschraͤnken und vertheidigen wolle. In diesem Punkte bin ich bereit, meinem Gegner Aug'’ in Aug' entgegen zu treten. Und was dann weiter die Behauptung anbetrifft, als sey die Unwissenheit der Katholiken der Grund davon, daß der Protestantismus sich in Irland nicht mehr verbreitet hat, so frage ich mit Recht, was denn Lord John Russells Motion vorschlaͤgt? Sie schlaͤgt vor, daß nach vollstaͤndiger Fuͤrsorge fuͤr die geistlichen Beduͤrfnisse der protestantischen Kirche der etwanige Ueberschuß zur Verbreitung des Unterrichts und zur Aufklaͤrung jener Unwissenheit, die unter den Papisten herrschen soll, angewandt werde, damit jede Religion ohne Beguͤnstegung sich bewaͤhren und Gott die rechte in Schutz nehmen koͤnne. Ist in einem solchen Vor⸗ schlage etwas unredliches und ungerechtes? Ich moͤchte wohl, daß ein Mitglied dieses Hauses die Frage uͤber den katholischen Eid zur Sprache braͤchte. Die kleinlichen Angriffe, welche außer⸗ halb dieses Hauses gegen die katholischen Mitglieder gerichtet werden, beachte ich gar nicht; die empoͤrende Beschuldigung der Eidbruͤchigkeit, die mit so absichtlicher Bosheit gegen diejenigen erhoben worden ist, die Jahre lang, ja, ich moͤchte sagen, Jahrhunderte lang, an der Thuͤr dieses Hauses um ihre Rechte flehten, von denen sie bloß deshalb ausgeschlossen blieben, weil sie keinen Eid gegen ihr Gewissen schwoͤren wollten, diese Beschuldigung weise ich mit Verachtung zuruͤck. (Hoͤrt! hoͤrt!) Aber man spricht von poͤpstlichen Dekreten, welche anbefoͤblen, keinen Eid gegen die katholische Kirche ju halten. Das ist eine ganz falsche Darstellung! Diese Dekrete sind bloß darauf gerichtet, daß es gesetzwi⸗ drig sey, Eide zum Nachtheil der Interessen der katholischen Kirche zu leisten, und daß solche Eide, als gesetzwidrig, wenn sie auch geleistet worden, nicht gehalten werden duͤrsten In dem Katechismus, nach welchem ich uünterrichtet wurde, ist der Meineid als die Verletzung eines gesetzlichen, oder Leistung eines gesetzwidri⸗ gen Eides definirt. Dieselbe Macht, welche anbesiehlt, daß gesetz⸗ widrige Eide nicht geleistet werden duͤrfen, hat auch das Recht, an⸗ zubefehlen, daß man sie nicht halten solle. Und wenn auch jene Dekrete wirklich das besagten, was man von ihnen behauptet, so muß man sich doch erinnern, daß die paͤpstlichen Dekrete keinen Theil der Lehren der katholischen Neligion ausmachen.“

London, 30. Mai. Im weiteren Verfolg des (vor⸗ gestern nach der Allgemeinen Zeitung mitgetheilten) Schrei⸗ bens eines Deutschen aus Dublin heißt es: „Mit den projektirten „„Armen⸗-Gesetzen zum Woͤhl der vertriebe⸗ nen Paͤchter““ hat es eine ganz aͤhnliche Bewandtniß wie mit den Corporationen. Schon fruͤher habe ich darauf aufmerk⸗ sam gemacht, daß besonders die groͤßern Landeigenthuͤmer der In⸗ sel der Mehrzahl nach, ja in den noͤrdlichen Grafschaften fast aus⸗ schließlich sich zur herrschenden Kirche bekennen, und meistens, wo

wollen, und er sehe gar keinen Grund fuͤr die Beob⸗ achtung des Sonntags nach der Strenge des Juͤdischen

nicht zu den Orange⸗Logen, doch zur Tory⸗Partei gehoͤren. Ihre Paͤchter oder Bauern dagegen sind selbst im Norden großentheils

im Suͤden und Westen aber beinahe alle katholischer

den Parlamentswahlen sich fast durchaus auf die Seite katholisc

oder den Katholiken guͤnstiger Kandidaten stellen, wenn ni

in vielen Faͤllen der maͤchtige Einfluß ihrer Gutsherren durch mancherlei Mittel noͤthigte, gerade das Gegentheil thun. Dieser Einfluß beruht unter Anderm theils auf der

der Pachtkontrakte, welche in der Regel so kurz gestellt sind der Besitzer dem Paͤchter sehr haͤufig schon nach Jahresfrist Grundstuͤck wieder nehmen kann, theils gruͤndet sich derselbe den hohen Grundzins, wodurch die Bauern, besonders in schle ten Jahren, in so bedeutende Ruͤckstaͤnde gerathen, daß der

genthuͤmer nach Belieben sie aus dem Besitz ihres Pachtze vertreiben, oder von seinem Auspfaͤndungsrechte Gebrauch chen kann. Wagen diese Leute daher, gegen den Wunsch hn Grundherren zu stimmen, so laufen sie nicht selten Gefaht ü diese solche und aͤhnliche Umstaͤnde bei der ersten Gelene benutzen, um sie fuͤr ihre Unfuͤgsamkeit zu zuͤchtigen: dn wohl die Wahlgesetze eine solche Verfolgung aus solchen hin den nicht gut heißen, so liegt es doch schon in der Namei Sache, daß dieselben, ohne dem Eigenthumsrechte zu näste treten, hoͤchstens da einschreiten koͤnnen, wo ein 8 der Art erklaͤrter Weise stattfindet. Da nun die rij Mehrzahl der stimmfaͤhigen kleinen Paͤchter oder der sa nannten Zehnpfuͤnder ohnehin schon ein aͤußerst kuͤmme ches Leben fuͤhrt, und durch Vertreibung aus Huͤtte und in der Regel an den Bettelstab geraͤth, so opfern die meisten selben lieber ihren O'Connellismus dem Verlangen ihrer Em herren, als daß sie brod- und heimathlos werden. Wit. aber, wie O'Connell verlangt, fuͤr den Unterhalt solcher ven benen Waͤhler gesetzliche Vorkehrungen getroffen, so ließt mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß „, der kathol⸗

Zehnpfuͤnder jedem Kandidaten zujauchzen wuͤrden, den

„ehrenwerthe und gelehrte Mitglied fur Dublin“ ihnen wie

stellen fuͤr gut finden duͤrfte. Da außerdem eben diese kii Paͤchter bei weitem die Mehrheit der Waͤhler in den Grafst ten ausmachen, so wuͤrden die protestantischen Besitzer fast i all uͤberstimmt, und, einige noͤrdliche Distrikte ausgenomm der konservative Einfluß so gut wie auf Null reduzirt wer Indessen ist das ganze Projekt so unausfuͤhrbar, daß die pe tei der Hoch⸗Kirche davon wenig zu fuͤrchten hat; Herrn N. nell aber kann man die bestimmte Versicherung geben, daße ihm, wenn seine „Armen⸗Anstalten“ nur einen einigermus ertraͤglichen Tisch halten, gewiß nie an Leuten mangeln win die denselben mit großem Dank ihrem jetzigen vorziehen, u Alles anwenden wuͤrden, um nur recht bald auf die Liste „vertriebenen Wählesg zu kommen. In Bezug auf die ¹ dehnung der Wahl⸗Freiheit ist es bekannt, daß O'Ccmne auf die mindest beguͤterte Klasse den meisten Einfluß se Da aber besonders in Irland die aͤrmeren Stäͤnde k wohlhabenderen bei weitem an Zahl uͤberlegen sind, so kann fernere Ausdehnung der Wahl⸗Freiheit nur dazu dienen, den folg der Irlaͤndischen Wahlen immer mehr von O'Connell oder ii⸗ lich gesinnten Demagogen abhängig zu machen, und somiti Irlaͤndisch⸗radikale Partei im Parlamente noch bedeutend zu w mehren: denn sollte diese Forderung wirklich erfuͤllt werden, duͤrften in Irland wohl nur noch wenige Orte uͤbrig bleibe wo ein konservativer Kandidat es mit einem radikalen Mitze werber wuͤrde aufnehmen koͤnnen. Die vollstaͤndig Registration der Waͤhler bildet eigentlich nur ein Supfe

ment zu dem vorigen Punkte, doch bezieht se sich auch 8 gleich auf die verschiedenen jetzt bestrittenen Wahlen, vamen

lich auf den Umstand, daß eine ziemlich große Anzahl v

Stimmberechtigten, sowohl in den Staͤdten als den Gru

schaften, bisher nicht einregistrirt worden ist. Bei manchen dies aus Fahrlaͤssigkeit unterblieben, viele andere aber haben!

Registration bisher vermieden, weil sie, wenn sie nicht in e

Wahllisten eingetragen, auch nicht stimmfaͤhig sind, und de bei vorkommenden Wahlen sich auf diese Unfaͤhigkeit berns⸗ und dadurch allen Verfolgungen wegen der Art ihrer Alse mung am bequemsten entgehen zu koͤnnen glauben. Die der letztern ist bei weitem die groͤßere, und besteht theilsw Handwerkern, die ihre Tory⸗Kunden nicht gern verleng oder aus Paͤchtern, die nicht verjagt seyn, aber auch dem 9 tenkopf⸗Mandate nicht verfallen wollen. Sollte indessen i neue Registration in O'Connell's Sinn veranstaltet werden, wuͤrden jedenfalls auch außer diesen beiden Klassen w eine Menge von Leuten fuͤr stimmfaͤhig erklaͤrt werze deren Stimmberechtigung keineswegs außer Zwh ist. Der daraus erwachsende Vortheil wuͤrde groͤßtenthe auf Seite der Radikalen seyn. Was indessen auch! Resultat seyn mag, zu dem die Minister in Bezug auf alle de Forderungen kommen moͤgen, so viel ist sicher, daß O'Connell keine Stunde laͤnger unterstuͤtzen wird, als er sie fuͤr seine Ime a kann. Hierauf gruͤnden die Protestanten einen grih heil ihrer Hoͤffnungen, waͤhrend sie andererseits es sich nichte hehlen, daß ihnen uͤber kurz oder lang ein entscheidender Kam bevorstehe. Sie schließen sich daher enger als je an einander! und bilden uͤberall Vereine, von denen Emissaire nach Engle und Schottland gehen, um sich der Unterstuͤtzung der Protest ten in den beiden Schwesterreichen zu versichern, wenn die 8 der Gefahr kommen sollte. Die Orangisten erklaͤren bereits fentlich, „ehe man die protestantische Kirche sinken und die pisten wieder im Lande herrschen lasse, muͤsse man das Englst Volk zum Schutze von Koͤnig und Kirche aufrufen und den Uch muth der Katholiken, wie zuden Zeiten Cromwell's, mit einer eisemn Ruthe zuͤchtigen.“ Sollten daher wirklich Maßregeln beschlossenne den, die ernstlich auf den Umsturz der Hochkirche hinzwelt so ist ein Aufstand von Seiten der Protestanten nichts wenle als unmoͤglich, und daß es dies gerade ist, worauf O⸗ Comm eigentlich hinarbeitet, wird mir taͤglich klarer. Eine Rebele der Katholiken scheut er, weil sie bei der Uebermacht Gn britantens nur eine Wiederunterwerfung, eine Aufhebung! Emancipations⸗Akte zur Folge haben koͤnnte; eine Schild⸗En bung der Protestanten dagegen wuͤrde ihm mit Einemmale trefflichsten Waffen in die Haͤnde liefern und ihn in den Eim setzen, unter dem Vorwande der Loyalitaͤt den Katholiken! lange erstrebte Ascendenz zu gewinnen und so zu sichern,w1. es unter andern Umstaͤnden nicht moͤglich waͤre, ohne mit 0' land in Kollision zu gerathen. Ob die katholische Kirche hian gewinnen wuͤrde, ist eine andere Frage, die ich jetzt nicht erörn mag; doch so viel ist gewiß, daß sich durch die bestaͤndige A tion ein Radikalismus unter ihren Anhaͤngern verbreitet hat, sich nicht bloß auf politische Angelegenheiten beschraͤnkt, sond nur zu oft in das Gebiet der Religion hinuͤbergreift und sich d Einfluß der wuͤrdigsten Geistlichen auf eine Art widersetzt, nicht mißverstanden werden kann. Belgien. Bruͤssel, 1. Juni. Der Moniteur meldet: „Das Arbeiten an den Eisenbahnen in so hohem Grade das Interc

H e her Relig Landes llaub un einet und entschiedene O Connelliten; sie wuͤrden daher bei vorkomme u erzeigen, wenn wir die zur moͤglichst schnellen Ausfuͤhrung

4 9 Im Vernehmen nach,

4 4 27 2 2g. meines Handelsgewicht im Koͤnigreich eingefuͤhrt.

erregen, so glauben wir, unseren Lesern einen Gefal⸗ Unternehmens angeordneten Maßregeln mittheilen. Die der Arbeiten ist unter die Ingenieure Simons und auf folgende Weise vertheilt: Der Erstere diri⸗ Sectionen von Tirlemont bis Waremmes, von seemmes bis Luͤttich und von Luͤttich bis an die keußische Graͤnze. Auch ist ihm die Section von Ter⸗ ude bis Gent uͤbertragen. Man weiß, daß die erste ser Sectionen in Entreprise bereits gegeben ist, und dies wird

mit den drei anderen naͤchstens der Fall seyn, indem die swuͤrse dazu so weit vorgeschritten sind. Herr de Ridder mit den Sektionen von Mecheln bis Antwerpen, von Me⸗ en bis Termonde, von Mecheln bis Loͤwen und von Loͤwen zTirlemont beauftragt. Drei dieser Sektionen sind in Entre⸗ se gegeben; die von Mecheln bis Antwerpen wird wohl im iptember eroͤffnet, und die von Mecheln bis Loͤwen auch bin⸗ nkurzem angefangen werden. Die Ingenieure werden fort⸗ geen, sich auch ferner uͤber die wichtigsten Maßregeln in Be⸗ eff der ihnen uüͤbertragenen Arbeiten zu berathen.“

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 30. Mai. In der Schluß⸗Sitzung des Reichs⸗ ges hielten, bevor noch die Thron⸗Rede verlesen wurde, auch rLandmarschall und die Sprecher im Namen der von ihnen vräͤsentiten Staͤnde eine Anrede an den Koͤnig. Folgendes der wesentliche Inhalt des vom Landmarschall im Namen e Ritterschaft gehaltenen Vortrages:

„Großmaͤchtigster, Allergnaͤdigster Koͤnig;: Da es jetzt, beim cluse des langwierigen Reichstags, zu welchem die fuͤr das Wohl vole Selbststaͤndigkeit des Vaterlandes und der Mitbuͤrger immer iche Fuͤrsorge Ew. Majestaͤt uns berufen hat, das letzte Mal ist, vsich Ritterschaft und Adel vor dem Thron Ew. Majestaͤt ver⸗ mmeln, so ist diesem Stande eine neue Gelegenheit gegeben, die esinnungen darzulegen, die so ungetheilt von einem treuen Volke wden geliebten Koͤnig gehegt werden, Dem wir, näaͤchst der Guͤte Vorsehung, den reinsten und aufrichtigsten Tribut der Dankbar⸗ it und Ergebenheit schuldig sind. Die allgemeinere Sicherstel⸗ ug des Geldwesens, das lange schwankend und Besorgniß erregend u, war der Hauptzweck der Reichs⸗Versammlung, zu welcher Ew. jjstät uns vor mehr als 16 Monaten berirfen. Ew. Majestaͤt, schwelche in Ihrer Weisheit genugsam einsahen, daß die hre Selbststaͤndigkeit bei einem Volke hauptsaͤchlich auf die scherheit des Eigenthums⸗Rechtes beruhe, und daß der erste shritt zur Bedruͤckung der Einzelnen und zur allgemeinen Gleich⸗ Utigkeit gegen eine gemeinsame Vertheidigung in der Unsicherheit sen liege, was man durch Redlichkeit, Sparsamkeit und Ord⸗ ing sich erworben hat, Ew. Majestaͤt geruhten schon beim letzten lichstage, die vorbereitenden Anstalten zu billigen, welche die finde des Neichs vorschlugen, um sie in der gegenwaͤrtigen Ses⸗ n zu vollenden und zu vervollkommnen, und Sie haben, ohne käcksicht auf den Zeit⸗Aufwand, welchen die Beratbschlagungen e Ausgleichung und Vereinigung getrennter Interessen erforder⸗ n, die Verlaͤngerung der von dem Grundgesetze gebotenen Zeit enehmigt, als die Staͤnde des Reichs unterthaͤnigst zu drei verschie⸗ en Malen darum nachsuchten. Es ist eine neue Schuld der Dank⸗ rkeit, welche die Staͤnde gegen Ihr vaͤterliches Herz dadurch uͤber⸗ immen haben, daß, wie schmerzlich es Ew. Majestaͤt auch war, zu hen, daß mit einem fuͤr das Allgemeine und den einzelnen Mitbuͤr⸗ tso großen Kosten⸗Aufwande das Zusammenseyn der Staͤnde sich ber die gewoͤhnliche Zeit hinaus verlaͤngere, Ew. Majestaͤt doch in öoter Beisimmung zu dem Ansuchen der Staͤnde weniger Ihren igenen Wunsch, in Allem das Gewicht der allgemeinen Lasten fuͤr en Augenvlick zu erleichtern, als das Interesse der Zukunft beruͤck⸗ chtigten. Moͤgen Ew. Majestaͤt in der Erreichung des Ziels einen eichen Lohn für angewandte Muͤhen davontragen und in dem ver⸗ ehrten Wohlstande und der befestigten Sicherheit des Landes die Belohnung erhalten, welche allein das edle Her Ew. Majestaͤt ver⸗ ingt. Moͤge die Dankbarkeit der Mitwelt und kommender Zeiten mmer der Tribut seyn, den Ew. Majestaͤt schon jetzt erhal⸗ n, und der auch dereinst Ihrem Andenken geschenkt wird, ags so reich ist an großen und herrlichen Thaten fuͤr das Volk, ssen Gluͤck Ew. Maͤzjestaͤt befoͤrderten, dessen unsehen bei Europa's ichten Sie befestigten und dessen Kriegesruhm die glaͤnzenden haten Ew. Majestaͤt den Schwedischen Heeren gesichert haben. ief werden diese Erinnerungen bei einem Volke bewahrt werden, elches dieselben treu, dankbar und ernst Jahrhunderte hindurch ten und kraftvollen Koͤnigen stets gewidmet hat. Gott und bchwedens Volk war der Wahlspruch des ersten Wasa. Gott und er Koͤnig war die Antwort, die damals von des Noedens Gebirge nd aus jeder Schwedischen Brust widerhallte, und sie lebt noch, icht nur in Wort und Erinnerungen, sondern in Handlungen i dem Volke, welches fuͤhlt, was es Ew. Majestaͤt schul⸗ 9 is. Das Erbe ist von den Vaͤtern auf ihre Kinder bergegaggen und wird immer Ew. Majestaͤt und Ihrem ause angehoͤrig verbleiben, eben so wahr, heilig und kraftvoll, wie

ses

gfuͤhrung

Ridder die

hefreier angehoͤrre. Da Ew. Maj jetzt die Staͤnde des Reichs urlauben, so werden wir in unsere stisse Heimath die Erinnerung stnehmen, an Ew. Maj. Sorgen fuͤr Schwedens fortdauernde Ruhe d Wohlfahrt an den mehr als 20jaͤhrigen Frieden, den Sie s bewahrt haben, an die Sicherstellung unseres Geldwesens

die Erleichterung unseres Handels an die Aufmunte⸗ ig der Industrie und der Gewerbe an unsere fast neuge⸗ aute Flotte an eroͤffnete und vollendete Communicationen in⸗ rhalb des Vaterlandes an vermehrte Waffen⸗Vorraͤthe: und der Schwede wird in der Ruhe und Sicherheit, welche sein Vater⸗ nd genießt, neue Gruͤnde fuͤr die Ehrfurcht und Dankvarkeit gen den Koͤnig sehen, der sie befesigt und begruͤndet hat. fterschaft und Adel rufen uͤber Ew. Majestaͤt den Segen des All⸗ ichtigen nieder; moͤge seine Guͤte noch lange das fuͤr jeden Sit we⸗

8 so theure Leben bei Gesundheit und Kraͤften erhalten und Glaͤck Zutriedenheit uͤber jeden Lebenstag Ew. Mazestaͤt verbreiten.

sgeciesen, vesinnungen legen Ritterschaft und üdel vor Ew. Ma⸗ erden Tribut unterthaͤniger Ehrfurcht, Treue und Ergebenheit der und bitten wir darum, daß wir der Gnade und Gunst Ew. kajestaͤt uns stets moͤgen zu erfreuen haben.“

Am 27sten d. M. Nachmittags nahmen die Staͤnde ge⸗ nseitig durch Deputationen von einander Abschied, und der eichstags⸗Marschall empfahl sich den Deputirten durch eine schiedsrede, welche mit lebhaften Beifallsbezeigungen aufge⸗ binmen ward.

Deutschland. mrhaͤnnover, 16 Juni. 8 der vorigen Woche traf emmission des Senais der Stadt Bremen, den Hrn. Burger⸗ ser Smidt an der Spitze, hier ein, deren Reisezweck, ihn zwischen Bre auf die projektirte Anlegung einer Eisen⸗ ehah h Bremen und Hannover sich beziehen soll. ue Süurch eine Koͤnigl. Verordnung vom 30. v. M. wird das Steuer⸗Gewicht (Koͤlnisches Gewicht) nunmehr auch als all⸗ 1 Die Schiffs⸗ 80 4900 Pfund, der Ctr. 100 Pfd., das Pfd. 32 Loth und th 4 Quentchen enthalten. 1

FEnlah

er Berlin, 6. Juni. Ueber den Chausseebau in Alt⸗Pom⸗ wird von dort Folgendes gemeldet: „Bis zum Jahre

¹ V 1

2

641

1828 erfreute sich die Provinz Pommern nur in sehr beschraͤnk⸗ tem Umfange der Verbindungs⸗Wege durch Chausseen. Die Straße von Stettin bis zur Graͤnze der Mark zwischen Garz und Schwedt in einer Ausdehnung von 5 Meilen war die ein⸗ zige Strecke, welche in dieser Weise Stettin mit der Residenz vereinte und die unberechenbaren Vortheile erkennen ließ, welche durch die Eroͤffnung solcher Communicationen fuͤr den Handel und die Gewerbe, fuͤr die Regsamkeit der beruͤhrten Umgegend und der dadurch naͤher an einander geschlossenen Staͤdte aufle⸗ ben und die sichersten Hebel fuͤr Industrie und Gewerbe hervor⸗ rufen. An ihr erstes Erstehen, an ihr Daseyn, ist dem uner⸗ muͤdlichen Streben des dahin geschiedenen Ober⸗Praͤsidenten Sack, fuͤr das Wohl der Provinz, noch in der Ruͤck⸗Erinnerung, der bleibende Dank geknuͤpft. Im Jahre 1828 gewaͤhrte die Huld und Gnade Sr. Majestaͤt des Koͤnigs eine Million Rthlr., um dadurch die in ihrer ganzen Ausdehnung sie durchschneidende Straße von Anklam uͤber Stettin bis Felstow nahe der West⸗ Preußischen Graͤnze, in einer Ausdehnung von 4580 Meilen in eine Chaussee zu verwandeln, und wurde der ritterschaftlichen Privatbank zu Stettin, unter der Kontrolle des Geheimen Re⸗ gierungs⸗Raths Landraths von Schoͤning und des Ober⸗Wege⸗ bau⸗Inspektors Neuhaus als Technikers, die Bau⸗Ausfuͤhrung uͤbertragen. Wenngleich mit angestrengter Thaͤtigkeit der Bau unternommmen und in der bedingten Reihe von 5 Jahren fort⸗ gesetzt wurde, so konnten doch bis zum 1. April 1833 nur 19 Meilen als vollendet den Koͤniglichen Regierungen zu Stettin und Koͤslin uͤberliefert werden. Mit diesem Zeitpunkt gab die ritterschaftliche Bank das Chaussee⸗Bau⸗ Unternehmen an die Staats⸗Verwaltung zuruͤck und wurde der fernere Bau durch die vorgedachte bis dahin bestandene Kontrolle selbststaͤndig fortgesetzt. Die ausgedehnten Vorarbeiten beguͤnstigten die Vollendung der begonnenen Strecken, und es konnten den Koͤniglichen Regierungen als vollstaͤndig ausgefuͤhrt uͤberliefert werden im Jahre 1833 14 Meilen, im Jahre 1834 6“˙r Meilen. Im Jahre 1835 sind zur Ueberlieferung vollendet und bis zur Uebergabe vorgeschritten Meilen. Von dem Un⸗ ternehmen der 45211 Meilen ist daher nur noch die Strecke von Anklam bis Ferdinandshoff auf 3 ½ Meilen im Bau begriffen;

alle Vorkehrungen sind aber so getroffen, daß ihre Vollendung

in diesem und in der ersten Haͤlfte des naͤchsten Jahres nicht zu bezweifeln ist. Waͤhrend nach dem ungetheilten Anerkennt⸗ nisse aller Reisenden und Sachkundigen diese Chaussee in ihrer Construction und Ausfuͤhrung den ausgezeichnetsten des Staats mit Recht zur Seite gestellt werden kann, treten die segensrei⸗ chen Folgen ihres Daseyns in den unverkennbarsten Andeutun⸗ gen hervor und konnten nur den Wunsch fuͤr die Fortsetzung gleicher Verbindungen durch Seiten⸗Chausseen beleßen, in wel⸗ chen dann erst die Wohlthat solcher Anstalten in groͤßerem Um⸗ fange sich zu bewaͤhren vermag. Die Pflaster in und bei den Staͤdten, welche von dieser Chaussee⸗Linie beruͤhrt werden, wa⸗ ren von dem Unternehmen der Bank ausgeschlossen. Durch die mit diesen Staͤdten groͤßtentheils bereits in unterstuͤtzendem Ent⸗ gegenkommen derselben und in liberalem Zugestaͤndnisse der Chaussee⸗Bau⸗Verwaltung getroffenen Vereinigungen werden auch diese Strecken theils in Chaussee verwandelt, theils inner⸗ halb der Mauern nach verbesserten Grundsaͤtzen umgelegt, und ist so der Zeitpunkt nicht fern, wo auch diese nicht selten sehr vernachlaͤssigten Steinpflaster dem Fortkommen keine Hemmun⸗ gen mehr entgegenstellen werden und wo fuͤr die Verbindung der zahlreichsten und gewerblichsten Orte der Provinz die schoͤnste Straße in ungetrenntem Zusammenhange gebildet seyn wird. Fuͤr die Strom⸗Uebergaͤnge bei Plathe, Koͤrlin, Schlawe, Poga⸗ nitz, Lauenburg waren die Bruͤcken in dem Chausser⸗Bau⸗ .G der ritterschaftlichen Bank nicht mit um⸗ faßt. Fuͤr Rechnung des Chaussee⸗Bau⸗Fonds sind hier die solidesten und schoͤnsten Strom⸗Uebergaͤnge bereits vollendet. Die Straße von Anklam nach Stralsund in einer Aus dehnung von 8 ½ Meilen, von Anklam bis zur Mecklenburger Graͤnze auf 2 ½ Meilen und die Seitenstraße von der Anklam⸗Stralsunder Chaussee nach Wolgast auf Meile sind im Bau begriffen und ihrer Vollendung nahe, und Schnellwagen, Posten und Privat⸗ Fuhrwerke werden bald ohne irgend eine Unterbrechung von Ber⸗ lin, Hamburg und Stralsund bis Danzig in schnellem Fluge da⸗ hin eilen koͤnnen. Bei der Uebertragung der Chaussee⸗Bauten im vorigen Jahre an eine besondere obere Verwaltungs⸗Behoͤrde,

unter Leitung des Wirklichen Geheimen Raths Herrn Rother Exc.,

sind aber die dringenden Wuͤnsche der Provinz fuͤr weitere Aus⸗ dehnung der chaussirten Straßen nicht unberuͤcksichtigt geblieben.

Der Bau det. RisteJs von Alt-Damm nach Stargard auf 3 18 Meilen, von Kolber der C ee von Stetti Vanaztsa vor mehr als drei Jahrhunderten Schwedens edlem Retter und t 2 g zu der Chaussee von Stettin nach Danzig

auf 32 Meilen, von dem Hafen zu Ruͤgenwalde und dem zu Stolpemuͤnde bis zu dieser Hauptstraße auf Meilen ist bereits genehmigt und sind die Vorarbeiten zu ihrer beeilten Ausfuͤhrung eingeleitet. Die Kreis⸗Verbaͤnde und Kommunen sind bereitwil⸗ lig entgegen gekommen, um durch Verzichtung und Sellkstuͤber⸗ nahme der Grund⸗ und Nutzungs⸗Entschaͤdigungen das Unterneh⸗ men zu unterstuͤtzen und den Zeitpunkt der umfassenderen Ersolge schneller herbeizufuͤhren. Mit freudiger Hoffnung geben die Pro⸗ vinzial⸗Bewohner sich den wohlwollenden Verheißungen des Wirk⸗ lichen Geheimen Raths Rother hin, daß eine gleiche Beruͤcksich⸗ tigung der Verbindungs⸗Straßen ven Stettin nach Landsberg, von Stargard mit der Westpreußischen Chaussee nach Ruschen⸗ dorf, und vor allem auch von Stargard uͤber Pyritz nach Frank⸗ furt nicht ausbleiben werde, um damit zugleich den hundertjaͤh⸗ rigen Klagen uͤber die zeirweise Unfahrbarkeit der letzten Straßen⸗ Strecke die endliche Abhuͤlfe zu sichern. So reift unter der mil⸗ den und vorsorgenden Regierung eines hochverehrten Koͤnigs auch in diesem Theile der Verwaltung alles hier der Vollendung ent⸗ gegen und erfuͤllt die Herzen der Pommern mit regem Danke und inniger Liebe fuͤr ihren vaͤterlich gesinnten Monarchen!“

In den Swinemuͤnder Hafen liefen im verfiossenen Monat, bei einem Wasserstande von 19 20 Fuß, 58 beladene und 22 geballastete Schiffe ein; 105 beladene und 22 geballastete Schiffe gingen von dort in See. Unter den eingelaufenen Schiffen befanden sich 43 Preußen mit Einschluß von 12 ge⸗ ballasteten und 2 Schiffe aus Italien unter Hesterreichischer Flagge, welche letztere sich in neuerer Zeit hier nicht mehr ge⸗ zeigt hatte; unter den ausgelaufenen Schiffen waren 100 Preu⸗ ßische, einschließlich 10 mit Ballast. Die Ladungen der einge⸗ gangenen Schiffe bestanden zum Theil in Russischen Produkten und Haͤring, 4 Schiffe brachten Wein und 3 aus Triest und Cesme Suͤdfruͤchte und Stuͤckgut. Die Haupt⸗Importe Stet⸗ tins waren: 11,820 Centner Farbehoͤlzer, 4834 Tonnen Haͤring, 7065 Ctr. Reis, 2913 Ctr. Syrup, 2508 Ctr. Thran, 49,451 Ctr. Wein, 6911 Ctr. rohen und Lumpenzucker und 443 Ctr. Kaffee. Von den ausgegangenen Schiffen hatten nur 4 Getraide, dagegen aber 53 Nutz⸗ und Brennholz geladen. Stettin ver⸗ schiffte 65,568 Kubik⸗Fuß Schiffs⸗ und Nutzholz, 1131 Ring Staͤbe, 2450 Balken, 2240 Schiffs⸗Lasten Bohlen und 27,675

Ctr. rohen Zink. Der Getraide⸗Verkehr in Stettin, An⸗

1““ klam und Demmin ist ziemlich lebhaft gewesen; an ersterem Platze kamen 5157 Wispel und an den beiden letzteren Orten 540 Wispel zu Markte.

Das HauptVersicherungs⸗Kapital der Bergischen Feuer⸗ Versicherungs⸗Gesellschaft hat im vorigen Jahre einen Zuwachs von 1,677,380 Rthlr. erhalten, so daß es gegenwaͤrtig 103,202,690 Rthlr. betraͤgt. Die auf dieses Kapital pro 1834 zu vertheilen⸗ den Ausgaben belaufen sich auf 178,766 Rthlr., Hang ein Bei⸗ tragssatz von 5 Sgr. 10 Pf. auf die Mitglieder der Gesellschaft ausgeschrieben worden ist. Es ergiebt sich dadurch ein Ueber⸗ schuß, welcher die fruͤher geleisteten Zuschuͤsse beinahe ausgleicht.

Koͤnigstaͤdtisches Theater. 3 Der Vorstellung des „Fra Dtavolo“ am Aten d. M. gedenken wir nur der Demoiselle Vial wegen und um der trefflichen, eben so rapiden als praͤcisen Ausfuͤhrung der Musik von Seiten des Or⸗ chesters das verdiente volle Anerkenntniß widerfabren zu lassen. Dlle. Vial hatte zwar in der Rolle der Zerlina selbst keine Gelegenheit, die ihr eigenthuͤmliche Staͤrke und nach Italiaͤnischer Manier geuͤbte, viel bewunderte Gesangfertigkeit zu zeigen; aber ein anderes, auch dem Singspiel so noͤthiges als ersprießliches Talent, naäͤmlich das der Darstellung, hat sie nun auch im Gebiet der Munterkeit, mithin des Lustspiels, erwiesen; ihre Darstellungsfaͤhigkeit fuͤr das Ernste und gewissermaßen Tragische ist uns schon in der Semiramis und Anna Boleyn nicht zweifelhaft geblieben. Zwar gab sie die Zerlina nicht in der kindlichen Reinheit und Ein⸗ fachheit, wie sie wohl eigentlich gegeben werden muß und wir sie in der That gegenwaͤrtig auf der Koͤntglichen Buͤhne sehen; von allem Doppelsinn sind die Accente ihrer Rede und ihre Geberden nicht rein. Aber die Leichtigkeit der Bewegung, die Gewandtheit ihrer ganzen Erscheinung, die innerliche Munterkeit ihres Geistes, die sich uͤberall ungezwungen und natuͤrlich außert, und ihre einnehmende Bersoͤnlichkeit, verbunden mit einem so klaren und ungezierten Vor⸗ rrag der Rede, sind denn doch Eigenschaften, die bei Saͤngerinnen nicht allzuhaͤufig gefunden werden und die Acquisition der Dlle. Vial fuͤr diese Buͤhne zwiefach schaͤtzbar machen, indem man nun der Wiedererweckung so mancher Singspiele, die eine gute, gefaͤllige Darstel⸗ 8 bedingen, mit Vergnuͤgen entgegen sehen kann. Fra Diavolo selbst zeigte sich nicht so furchtbar, daß die Leute Ursache hatten, vor ihm bange zu seyn, und in der angenommenen Larve nicht so verfuͤhrerisch, wie er nach dem Sinn des Gedichts seyn muß. Auch das Paar Englaͤnder wear eben nicht ergoͤtzlich und noch weniger verstaͤndlich. er beruͤhmte Seefahrer, Capitain Roß, bei dieser Vorstellung gegenwaͤrtig, hat schwerlich beim Anblick dieser wunder⸗ lichen Landsleute ein comfortable empfunden.

Meteorologische Beobachtung. 1835. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 5. Juni. 6 Uuhr. 2 Ubr. ]10 Uhr. Beobachtung.

J 1 94— 27 78- I. 1 l[wär 7ee Luftdruck. 337,4 1 Par. 337,4 88 Par. 338, 1 3 Par. Quellwaͤrme 1I1“

Luftwärme 12,5 °R. 20,0 °R. 13, ° R. Flußwaärme 14,5 °R. 8

Dunstsaͤttg 57 xCt. 31 vCt. 63 pCt. sausdanst. 0,09 5“ 88

Wetter... heiter. heiter. belter 58u6 O O Niederschlag 0.

Wind. H. 2. 8 V Nachtkälte 10,1 °ð R.

Wolkenzug Tagesmittel: 337, 87 Par.. 6, 00 R. 20 pCf.

O

15 8 °R..

Berliner Börse. Den 6. Juni 1835.

1“ ds- und Geld-Cours-Zettel.

ꝑv

(Preuss. Cotez.

[2TS,. St.-Schuld-Sch. * 100. Ostpr. Pfandbr. 4 [101 ¾; Pr. Engl. Obl. 30. 98 sl'omm. do. 106 ¾ 106 ½ Präm. Sch. d. Sech. 63 ½ [Kur- u. Neum. do. 103 ½ Kurm. Obl. m. l. C. 00¾ Schlesische do. 106 ¾ Neum. Int. Sch. do. ( [Rüst. C. u. Z.-Sch. Berl. Stadt-Obl. . d. K.- u. N. Königsb. do. Elbing. do. 99 Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr. Grofshtz. Pos. do.

aszmasmern Wechsel-Cours.

Amnl

bbmmü’

eaeveaanl

Gold al marco Neue Duk. Friedrichsd'or.. Diseconto

1011

Pyreuss. Couer Erieft.-! Geid. [141 141 ¾ 151 ½ 151

25 *½⅔ 6 25

Kurz 2 Mt. Kurz 2 Mt.

At.

Mt. Mt.

250 Fl. 250 Fl. Hamburg 300 Mk. dito 300 Mk. London 1 LsSt. Paris 300 Fr. Wien in 20 Xr. . .. —. 150 Fl. Augsburg 150 Fl. Mt. PrSS3 100 Thh. Leipzig 100 Thl. 8 Tage Frankfurt a. M. WZ2. —. 150 Fl. [2 Mt. Petersburg Rbl. 3 Woch. Varschau F. Kurz

Aamnsterdan dito

2F

Ann

2

1I1 IE

8

—.5—

11 242

Auswürtige Börsebp. Amsterdam, 1. Juni. Niederl. wirkl. Schuld 55 1 ½ 53 do. 10 Kaunz-Bill. 25 . 9 Amort. 94 ½. 98 ¾. PFrzuss. Uräm.-Scheine 110 ½. 3 ½ 26 ¼ Antwerpen, 31. M Span. 58 43 ½. 39 —. 2unsl. 17 ⅞. 4 39 ½. St. Petersburg, 29. Mnui.

Lond. 10 ½ ½. Amsterdam —. Hlamburg 9⁄. Paris 111 ½ Silbar⸗ Rub. 357 ½. 6 8 in B. A. 134. 58 Iusecript. Ser. I. 102. do. Ser. III. u. IV. 101 Konigliche Schauspiele.

Sonntag, 7. Juni. Im Opernhause: Joseph in Aegypten, musikalisches Drama in 3 Abth. Musik von Mehul. Hierauf: Der Polterabend, komisches Ballet in 1 Akt, von Hoguet.

Im Schauspielhause: 1) Arwed, ou: Les représailles, drame-vaudevilie en 2 actes. 2) Les deux Méuages, comédic en 3 actes et en prose.

In Charlottenburg: Nicht vom Posten, Lustspiel in 1 Akt, von L. Angely. Hierauf: Onkel Brand, Lustspiel in 3 Abth., von L. Angely.

Montag, 8. Juni. Im Opernhause: Die gefaͤhrliche Wette, komische Oper in 2 Abth., nach einer neuen Bearbeitung der Oper: Cosi fan tutte, zur beibehaltenen Musik von Mozart. (Dlle. Gruͤnbaum: Rosaura.)

In Schauspielhause: 1) Partie et Revanche, vaudevilla par Scribe. 2) La première représentation de: La femme qu'on n'aime plus, coméd’e nouvelle en 1 acte. par Mr. Four- nier. 3) 206, ou: LFamank prété, vaadeville par Seribe.

Dienstag, 9. Juni. Im Schauspielhause: Der standhafte Prinz Don Fernando von Portugal, Trauerspiel in 5 Abth.,

Coup. 2

———

von Calderon.

mzvhitztteszeseEerseeZaaaaaa-—-—