Schiff nicht zu verlassen brauchten. Nachdem der Papst den Ca⸗ pitain und die Besatzung fuͤrstlich beschenkt hatte, verließ er das Schiff wieder bei den Salinen, unterhalb Corneto, und besuchte die in der Naͤhe liegenden großen Alaunwerke, die gegenwaͤrtig fuͤr Rechnung der Regierung ausgebeutet werden, und wo mehrere Millionen Pfund aufgehaͤuft liegen. Nachher besichtigte der Papst die Alterthuͤmer der Stadt und Umgegend, und kehrte nach Civita⸗vecchia zuruͤck. Hier nahm er Alles genau in Augen⸗ schein und genehmigte verschiedene Vorschlaͤge, in Betreff der Festungswerke und des Hafens. Mehrere der Gefangenen in der Festung erhielten Milderung ihrer Strafen. Doch der Haupt⸗ veck der Reise wurde durch die Freigebigkeit des Papstes er⸗ uͤllt, der die noch fehlende Summe zur Anlegung der neuen Straße, von dort bis an die Graͤnze von Toskana, aus seiner Pri⸗ at⸗Kasse vorstreckte, so daß die Arbeiten unverweilt vorgenommen und noch in diesem Jahre vollendet werden koͤnnen. Diese klei⸗ nen Reisen des Papstes finden bei allen Vaterlands⸗Freunden Beifall, da sie ihm Gelegenheit verschaffen, Vieles mit eige⸗ nen Augen zu sehen, so wie es denn auch jedem Un⸗ terthan frei steht, sich mit etwanigen Beschwerden gerade 1 ihn selbst zu wenden. Nur die bedeutenden Ko⸗ sten, welche mit einer solchen Reise verbunden sind, koͤnnten in oͤkonomischer Hinsicht etwas dagegen einwenden lassen. Doch diesesmal hat der Papst die Ausgaben aus eigenen Mitteln be⸗ stri Durch Testament einer glaͤubigen Person in Amerika ist ihm eine große Summe — man sagt 80,000 Spanische Pia⸗ ster — unter der Bedingung vermacht worden, fuͤr ihr Seelenheil eine Messe zu lesen. — Der Ritter Sebregondi wird uns ver⸗ lassen, um in Mailand ein ihm von seiner Regierung anvertrau⸗ tes neues Amt anzutreten. Man hofft, ihn dennoch bald wieder hier zu sehen, da er auch die Leitung der Militair⸗Verwaltung der Gesterbeichischen Truppen im Kirchenstaate unter sich hat. — Unter den Buͤchern, welche die Inquisition neulich verboten hat, findet sich ein Nuovo Piano d'istruzione d'ldeologia, di Gio- vanni Reguleas. Das Buch ist zu Catania 1833 gedruckt aber hier ganz unbekannt. Neapel, 23. Mai. Ein Nord⸗Amerikanisches Geschwader, bestehend aus dem Linienschiffe „Delaware“, mit dem Kommo⸗ dore Paterson am Bord, der Frezatte „Potomac“ und der Gbelette „Sherk“ ist, von Gibraltar kommend, auf der hiesigen Rhede angelangt.
Moldau un
Bucharest, 15. Mai. Wir hatten heute das Vergnuͤgen, den Kaiserl. Russischen General⸗Lieutenant Grafen von Geismar in unserer Sradt zu besitzen. Graf Geismar, welcher sich nach Stlistria zur Musterung der dortigen Garnison begiebt, hat auf besondere Einladung unseres Fuͤrsten, mit dem er seit vielen Jahren in freundschaftlichen Verhaͤltnissen steht, den Weg uͤber Bucharest genommen, wo er 24 Stunden verweilte. 1
d Wallachei.
— *½
Lb
Die Times enthaͤlt ein Privarschreiben aus Konstanti⸗ nopel vom 6. v. M. Die Weigerung Mehmed Ali's, einen Ferman fuͤr die Britische Expedition nach dem Euphrat zu be⸗ willigen (vergleiche Aegypten), wird darin dem Groll zu⸗ geschrieben, den der Pascha daruͤber hege, daß sich England geweigert, ihn als unabhaͤngig anzuerkennen. Die Bereitwillig⸗ keit des Reis⸗Efendi, den Englaͤndern die Beschiffung des Eu⸗ phrats mit Dampfboͤten zu gestatten, wird dem Einflusse des Tory⸗Kabinets beigemessen, welches bei der Pforte beliebter sey. Die Aegyptische Flotte, aus 6 Linienschiffen und 8 kleineren Kriegsschiffen bestehend, mit 8 bis 9000 Mann am Bord, soll Kandien verlassen haben, um die Bewegungen der Tuͤrkischen zu beobachten. Auf die Vorstellung Rußlands und Oesterreichs, daß sie die Serbische Constitution nicht anerkennen wuͤrden, soll die Pforte dem Fuͤrsten Milosch angezeigt haben, er moͤchte die⸗ selbe zuruͤcknehmen, widrigenfalls die Tuͤrkische Regierung Trup⸗ pen nach Serbien schicken muͤßte. v 8
Aegypten.
Briefe aus Kahira vom 25. April in der Times entwer⸗ fen eine furchtbare Schilderung von Aegyptens Zustand. In Alexandrien soll ein Drittheil der Bevoͤlkerung gestorben seyn; in Kahira geben die Buͤlletins taͤglich im Durchschnitte 500 Todte an. Alle Konsuln, mit Ausnahme des Englischen, Ober⸗ sten Campell, hatten ihre Posten verlassen. Der Pascha war nach Schubra zuruͤckgekehrt. Mehmed Ali hat sich geweigert, 1 einen Ferman zu Gunsten der Britischen Expedition nach dem Euphrat zu bewilligen, obgleich ein aͤhnlicher vom Großherrn vorgezeigt wurde, worauf er aber bloß erklaͤrte, er werde einen Tataren deshalb nach Konstantinopel senden. Bis zu dessen Ruͤckkehr wird die Expedition wenigstens sechs Wochen in der Bucht von Alexandrette warten muͤssen.
88
11““
Berlin, 8. Juni. In Bezug auf den aus den Breslauer Zeitungen in die Nr. 155 der St.⸗Ztg. uͤbertragenen Bericht üͤber die 50jaͤhrige Dienst⸗Jubelfeier des Generals der Kavallerie, Grafen v. Zieten, bemerken wir nachtraͤglich, daß der Tag selbst, an welchem der Jubilar im Monat Mai 1785 in den Militair⸗ Dienst getreten, nicht genau zu ermitteln gewesen war, weshalb Se. Maj. der Koͤnig den 30. Mai als den Tag, an welchem im Jahre 1814 der Pariser Friede geschlossen wurde, zu der gedach⸗ ten Feier zu bestimmen geruht hatten.
— In der vorgestrigen Sitzung der hiesigen geographischen Gesellschaft trug Herr General⸗Auditeur Friccius eine Abhand⸗ lung vor uͤber Ostfriesland. Hr. Dubois, von seiner Reise nach dem Kaukasus zuruͤckgekehrt, brachte eine Reihe geographischer Zeichnungen und Prospekte zur Ansicht, welche er muͤndlich er⸗ laͤuterte. Herr Baron Schilling von Canstadt aus St. Pe⸗ tersburg legte mehrere Thibetische Manuskripte, Koreanische Buͤcher, ein Manuskript in Palischrift von Ceylon, so wie merkwuͤrdige in der Mongolei angefertigte und von dort mitgebrachte Zeich⸗ nungen vor, uͤber welche er, so wie uͤber einige Russische in Ja⸗ pan verbesserte Karten noch besondere Erlaͤuterungen gab. Herr Dr. Abich theilte Beobachtungen uͤber den Vesuv und Aetna mit, und erklaͤrte dieselben durch eine Reihe lithographirter Blaͤt⸗ ter. Hr. Geheime Rath Lichtenstein uͤbergab als Geschenk Na⸗ mens des Capitains Sir John Roß *) dessen letzte Reise nach den Polar⸗Gegenden, so wie von dem Grafen von der Groͤben dessen Uebersetzung jenes Werks. Als Geschenke gingen ferner ein: von Herrn Graberg von Hemsoͤ, sein Specchio geogra- tico e statistico dell' impero di Marocco““, so wie eine statisti⸗ sche Abhandlung desselben. Ferner von dem Verfasser: „die
—2
*) Welcher sich einige Tage in Berlin aufgehalten hat und vor⸗
Peru 29. Chili 47.
Toskanischen Maremmen im Fruͤhling 1832 von A. Reumont“; von dem Major von Oesfeld: die neu erschienene Nr. 149 der Reimannschen Karte von Deutschland, und von dem Baron von b dessen „Anleitung zum Entwerfen der physischen Erd⸗ raͤume.
— Nachrichten aus Halle zufolge, ist der Dr. Dzondi, ei⸗ ner der verdientesten Professoren bei der medizinischen Fakultaäͤt der dortigen Universitaͤt, am 1. d. M. daselbst an den Folgen ei⸗ nes Schlagflusses mit Tode abgegangen.
— Man schreibt aus Breslau unterm 3. dieses: „Die Ausstellung von Gegenstaͤnden der Kunst und der hoͤhern In⸗ dustrie, in den Saͤlen der Gesellschaft fuͤr vaterlaͤndische Kultur, hat mit dem sten dieses Monats ihren Anfang genommen. Ver⸗ zoͤgert durch aͤußere Umstaͤnde, trafen die meisten Kunstsachen erst an diesem Tage hier ein und konnten daher auch in den letzten Tagen nur nach und nach zur Aufstellung gelangen, ja sogar sind noch bedeutende Sendungen im Ruͤckstande, die spaͤter und im Verlauf der Ausstellung selbst eintreffken werden. Der vier Bogen starke Katalog zeigt gegenwaͤrtig schon in der 2ten Auf⸗ lage gegen 600 Nummern auf, unter denen viele in doppelter, ja in vielfacher Zahl Kunstsachen betreffen, die unter einer Zahl enthalten sind. In dieser Beziehung waͤre also die Ausstellung die reichste, die jemals hier stattgefunden hat; sie ist es aber auch in Bezug auf ihren Inhalt selbst.“ .
— Da am 1. Juni in Breslau das Wetter so unguͤnstig war, daß dadurch die Vertheilung der Ehrenpreise fuͤr die nach beendigtem Wettrennen zur Schau gestellten Thiere verhindert wurde, so fand dieselbe am folgenden Tage in der General⸗Ver⸗ sammlung des Pereins fuͤr Pferde⸗Rennen und Thierschau statt. Es wurden vertheilt: a) fuͤr starke Reit⸗ und Kavallerie⸗Pferde: 3 Preise von resp. 40, 35 und 30 Rthlr.; b) fuͤr starke Zucht⸗ und Last⸗Pferde: 3 Preise von resp. 35, 30 und 25 Rthlr.; c) fuͤr leichte Reit- und Kavallerie⸗Pͤferde: 3 Preise von resp. 30, 25 und 20 Rthlr.; d) fuͤr Zjaͤhrige Fohlen: 7 Ppreise von resp. 25, zwei Mal 20, zwei Mal 15 Rthlr., 10 und 5 Rthlr. (3 dieser Preise von 25, 20 und 15 Rthlr. waren eigentlich fuͤr leichte Zug⸗ und Wagen⸗Pferde bestimmt. Da indessen keine solche im ausgebildeten Alter gestellt worden waren, so wurden diese 3 Präͤmien auf Zjaͤhrige Fohlen uͤbertragen.) e) Fuͤr Stiere, welche zur Er⸗ zeugung von starkem Zucht⸗ und Schlachtvieh am geeignetsten erschienen: 3 Preise von 25, 20 und 15 Rthlr; f) fuͤr Kuͤhe und Zugochsen, welche den Anforderungen zur Mastung und zum Ziehen am meisten entsprachen: 2 Preise von 20 und 15 Rthlr.;
6) fuͤr Kuͤhe zum Milch⸗Ertrage: 3 Preise von 20, 15 und 12 Rthlr.; h) fuͤr Bauervieh: 1 Preis von 15 Rthlr.; i¹) fuͤr Kal⸗ binnen und Stierkaͤlber: 4 Preise von 12, 10, 8 und 5 Rthlr.; k) fuͤr Schaafe: 9 Ehrengaben, bestehend in eisernen Vasen mit goldener Schrift; D) für Zucht⸗Schweine: 3 Preise von 12, 10 und 8 Rthlr.; m) fuͤr Mastschweine: 1 Preis von 15 Rthlr.; n) fuͤr die schwersten und besten Mastochsen und Kuͤhe: 4 Preise von 30, 25, 20 und 16 Rthlr.; o) fuͤr die schwersten Saugkaͤl⸗ ber: 1 Preis von 12 Rthlr.; p) fuͤr die schwersten Hammel: 4 Preise von 10, 8, 6 und 4 Rthlr. — Nach der Preis⸗Verthei⸗ lung erfolgte die Verloosung der von dem Vereine zu den Prei⸗ sen von 300 Rthlr., 200 Rthlr., 120, 120, 110, 110 und 100 Rthlr. angekauften Pferde.
— Der Fruͤhlings⸗Wollmarkt zu Spremberg, welcher in diesem Jahre am 25. Mai abgehalten wurde, und der von aus⸗ waͤrts wohnenden Einkeaͤufern mehr als gewoͤhnlich besucht war, eigte als Resultat, daß zusammen 476 Ctr. 82 Pfd. Mittelwolle Absatz fanden. Anfaͤnglich blieben die Produzenten bei den vor⸗ jaͤhrigen Preisen stehen; spaͤterhin ließen sie sich jedoch einen Ab⸗ schlag von 1 bis 2 Rthlr. pro Stein gefallen, und ist daher zu den Preisen von 65 Rthlr. bis 95 Rthlr. à Centner verkauft worden.
Einen Bericht uͤber die beiden letzten Versammlungen des Vereins zur Befoͤrderung des Gartenbaues muͤssen wir uns we⸗ gen Mangels an Raum fuͤr morgen vorbehalten.
Auswärtige Börsen. — Amsterdam, 3. Juni. 8.
Niederl. wirkl. Schuld 50 ½. 5 9 do. 101 ½. Ausg. Sechuld 12. Kanz-Bill. 25 ¼ ½6.. 4½ 8 Amort. 95. 3 ½ 8 80 ½. Russ. 99 ⅛. Oesterr. 99. Preuss. Präm.-Scheine 113. do. 498 Aal. —. Spau. 5 ⅞ 45 8.
38 27 ½. Span. 5 38 45 Neue Span. Anl. 54 ½.
Antwerpen, 2. Juni. Zinsl. 18 ½. Darmst. 25 ¾. London, 2. Junj. Belg. 99 ⅛. Span. Cortes 48. Obl. v. 1834 2 ½ 8 Holl. 55 ½. 58 do. 160 ¾. Port. Columb. v. 1824 36. Mex. 36 ½.
8
Cons. 33 90;. Zinsl. 11. Ausg. 19. 89. Engl.-Russ. 108 ¾. Bras. 82 ½.
—.
Wien, 3. Juni.
5 ½ Met. 101 ½3. འ97½ 5. Bank-Actien 1332. Neue Anl. 589 ⁄2.
Koͤnigliche Schauspiele. Dienstag, 9. Juni. Im Schauspielhause: Der standhafte Prinz Don Fernando von Portugal, Trauerspiel in 5 Abth., nach dem Spanischen des Calderon, von Schlegel uͤbersetzt und fuͤr die Darstellung eingerichtet von Goͤthe. Mittwoch, 10. Juni. Im Schauspielhause: Zum ersten⸗ male: Nichte und Tante, Lustspiel in 1 Akt, von Goͤrner. In Scene gesetzt vom Regisseur Weiß. Hierauf: Zum erstenmale: Die Familie Hellbrand, Posse in 2 Abth., nach Melesville und Caramouche, von L. Angely. Und: Die Verraͤtherin, Lustspiel in 1 Akt, von F. v. Holbein. I1“ Koͤnigstaͤdtisches Theater.
Dienstag, 9. Juni. Julerl, die Putzmacherin, parodirende Posse mit Gesang in 2 Akten, von Meisl. Musik von A. Muͤl⸗ ler. Vorher: Die Ehrendame, Lustspiel in 1 Akt, nach Dupin, von A. Cosmar. Mittwoch, 10. Juni. (In Italiaͤnischer Sprache): Semi⸗ ramis, Oper in 2 Akten. Musik von Rossini. (Dlle. Vial, vom Koͤnigl. Sardinischen Hof⸗Theater zu Turin: Semiramis, als Gastrolle. Hr. Holzmiller wird vor seiner Urlaubsreise als Hydronus zum letzten Male auftreten.)
Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.
Donnerstag, 11. Juni. Zum erstenmale wiederholt: Gast⸗ wirths⸗Proben, oder: Unrechte Wege, Posse in 5 Akten, von Adolph Roland.
Neueste Nachrichten. Paris, 2. Juni. Die Koͤnigliche Familie und der Prinz
Leopold von Sicilten kehrten noch vorgestern Abend von Versailles
nach den Tuilerieen zuruͤck. Gestern arbeitete der Koͤnig mit
gestern uber Stettin mit dem Dampfb ch Kopenhagen vge⸗
den Ministern der Finanzen, des Innern und der auswaͤrtigen
mit
Angelegenheiten und ertheilte dem Fuͤrsten Talleyrand eine X dienz.
Es war gestern 4 Uhr, als die Pairs sich in ihren gewoͤh lichen Sitzungs⸗Saal zuruͤckzogen, um uͤber das Schicksal de Theilnehmer an der Abfassung und Publication des Schreiber
an die April⸗Gefangenen zu berathschlagen; sie blieben hier ilh
6 Uhr versammelt. Heute wurden die Zuhoͤrer⸗Tribunen dan Publikum Mittags um 2 Uhr geöoͤffnet, indessen war die Beratz schlagung der Pairs auch noch nicht um 4 ½ Uhr beendigt. Mih lerweile erzaͤhlte man sich, daß in der gestrigen Berathschlagun zunaͤchst die Frage eroͤrtert worden sey, ob es nicht raͤthlih seyn moͤchte, wenigstens einen Theil der fruͤher von dem Pain hofe zuruͤckgewiesenen Vertheidiger der April⸗Gefangenen zua- lassen. Die Majoritaͤt soll nahe daran gewesen seyn, sich sl die Affirmative zu erklaͤren, als ein Mitglied bemerkte, daß 6 nicht angemessen sey, wenn die Pairs⸗Kammer sich m. einem Gegenstande beschaͤftige, der allein zum Ressort des Paicg Hofes gehoͤre. Hiernaͤchst soll Herr Bichat mit großer dEm⸗ men⸗Mehrheit fuͤr schuldig befunden worden seyn; man emap
eine aͤhnliche Entscheidung in Bezug auf Jauffrenou, Aae
Trélat, Dr. Gervais und Reynaud. Die meisten Schwien
ten sollen der Kammer jedoch aus der eigenthuͤmlichen Lagei
Herrn Audry⸗de⸗Puyraveau entstehen.
In der Deputirten⸗Kammer wurde heute zu einer ten Abstimmung uͤber den Gesetz⸗Entwurf wegen der Penstong der ehemaligen Veteranen⸗Kasse geschritten, und dieser Entee mit 215 gegen 16 Stimmen angenommen. — Ein zweiter, ze licher Gesetz⸗Entwurf wegen eines Vorschusses von 400,000 zur Befriedigung der Pensionairs der ehemaligen Civil⸗Liste 8 206 gegen 38 Stimmen durch. — An der gesordnung war jetzt die Debatte uͤber den Gesetz ⸗ wurf wegen einer Summe von 250,000 Franken fuͤr! diesjaͤhrige Juli⸗Feier, welche Summe die Kommission, 200,000 Fr. mit dem Zusatze herabgesetzt hatte, daß die K. fuͤr diese Feier kuͤnftig im Budget des Ministeriums des Im in Ansatz gebracht werden sollten. Diese letztere Bestimm wurde auf den Antrag des Grafen von Mosbourg verwors die Reduction dagegen angenommen, worauf der ganze Git Entwurf mit 205 gegen 47 Stimmen passirte. — Die Versammlu beschaͤftigte sich dann mit dem Gesetz⸗Entwurfe, wodurch h Zuschuß von 560,000 Fr. zu den 2 ½ Millionen verlangt wid welche schon im diesjaͤhrigen Budget fuͤr die politischen Flic linge ausgesetzt worden sind. Die Kommission hatte jene Summ auf 500,000 ermaͤßigt, die auch mit 212 gegen 26 Stimma bewilligt wurden. — Den Beschluß der Sitzung machte Berathung uͤber das Budget des Ministeriums des Innern.
Die Zahl der in Paris noch anwesenden Deputirten we immer geringer, und doch wird die Diskussion und Annezer des Budgets erst nach zehn Sitzungen beendigt seyn koͤnnen.
Vom 15ten d. an erscheint hier ein neues Journal unm dem Titel: „Themis“.
Die heute eingetroffenen Zeitungen aus dem Suͤden halten keine wichtige Nachricht von dem Kriegsschauplatze Spanien. Nach den Privat⸗Mittheilungen zieht General N. dez alle seine Truppen aus den Festungen, wo sie in Garnife gelegen, und konzentrirt sie am rechten Ufer des Ebro.
Aus Bayonne vom 27. Mai schreibt man: „Heute it von hier ein Convoi von 2,500,000 Fr. nach Oleron abgege gen, von da wird er nach Jaca und dann nach Lumbier gehm Der Umweg, den man durch Aragonien einen so bedeutenda Convoi nehmen laͤßt, klaͤrt mehr, als viele Bulletins, uͤber da Stand der Dinge in Navarra auf.“
Im Mémorial des Pyrenées vom 27. Mai Kest won „Das Geruͤcht verbreitet sich, der Erzbischof von St. Jago hal die Fahne der Empoͤrung aufgepflanzt und befinde sich scho an der Spitze einer ansehnlichen Partei. Andere sagen, es se nur ein Secretair des Erzbischofs, der die Bewegung leite. A Nachricht bedarf jedoch immer noch sehr der Bestaͤtigung.“
In einem Schreiben aus Madrid vom 24. Mai heißtch „Das Land ist nach allen Richtungen hin von Karlistischen Tw pen und Schaaren bedeckt. Ueberall hemmen sie die Thätie der Regierung und die Entwickelung des oͤffentlichen Gedeite Sie erhalten Unterstuͤtzung von den Kloͤstern, Kapiteln und Karlistischen Theile der Bevoͤlkerung. Mit uͤberlegenen Streithein zusammenzutreffen, vermeiden sie; sie ziehen es vor, sich zu zerstra um sich bald wieder an einem nahen Orte zu sammeln. Ihreb fuͤhrer sind meistentheils ehemalige royalistische Offiziere, m selbst Priester oder Moͤnche mit Pistolen, dem Krucifsix und mg Karabiner. Die Corps sind 500, 400, 150, 80, oft auch mf 30 Mann stark, je nachdem die Beschaffenheit des Orts es gestan Nach den offiziellen Berichten, die der Regierung zugekonma stehen in Navarra 31,000 Karlisten unter Waffen; in Bißca 11,000; in Catalonien 8060, zwar nicht in Regimenter eingethe aber doch im Stande, das Feld zu halten; im Koͤnigreich Valencia2dl in Murcia 690; in Alt⸗Castilien 5500; in der Mancha 1200; in Est madura 800; in Andalusien, die Provinzen Cordova und Nun mit einbegriffen, 800; in Galizien, wo der Erzbischof und! Kapitel von St Jago aͤußerst thaͤtig sind, an 6009; in M rien 1400, die zugleich auch die Provinz Leon haͤusig heg suchen; in Aragonien 990. Die hiesigen Blaͤtter enchalten t lich Berichte uͤber die Bewegungen dieser Corps und besch gen die Minister der Fahrlaͤssigkeit.“ 1 *Die Quotidienne publizirt eine von ihr fuͤr authendt erklaͤrte Kopie einer Protestation Dom Miguel's gegen den der Lissaboner Regierung dekretirten Verkauf der Kirchengln Die Protestation ist aus Rom vom 14. Mai datirt.
Die Spekulanten hatten sich heute wieder ganz von sm panischen Schrecken erholt, der waͤhrend der letzten Tage vorigen Monats an der hiesigen Boöͤrse geherrscht hatte.
— Heute schloß 5proc. Rente pr. compt. 107. 30. sin ca⸗ 107. 60. 3proc. pr. compl. 79. 20. fin cour. 79. 50. IR. Neap. pr. compf. 97. 75. fin cour. 95. 60, ohne den g. 5proc. Span. 41 ½. 3 proc. 27 ½. Cortes 40 ¾. Ausg. Sc 18 ¼ 2 ½ proc. Holl. 56. 75. 8
Frankfurt a. M., 5. Juni. Oesterr. öproc. Ue 102 „9 %9. 102. Aproc. 97 ¾. 971. 28proc. 58. B. Iproeh B. Bank⸗Actien 1595. 1593. Part.⸗Obl. 141. 140 ¾. u 100 G. 213. Br. Preuß. Praͤm.⸗Sch. 63. Br. do.
inl. 98 . B. Holl. 5proc. Obl. von 1832 100 ¾. Br. † Loose 69. B. 5proc. Span. Rente 42. 41 ¾. Zproc. do.]
mMüHIHane
Gedruckt bei A. W. Hayl⸗
kemesoht vidhsh8
hat sie in der Sache des
werde, und daß
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Amtliche Nachrichten. 8 Kronik des Tages.
Des Koͤnigs Majestaͤt haben den Regierungsrath Nobiling von der Regierung zu Koͤnigsberg zum Geheimen Finanzrathe und vortragenden Rathe in der Abtheilung des Ministeriums des zoͤniglichen Hauses fuͤr die General⸗Verwaltung der Domainen nd Forsten zu ernennen und das daruͤber ausgefertigte Patent Allerhoͤchstselbst zu vollziehen geruht.
1.“
Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz ist nach Pommern
und gfr. Köͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrich der Niederlande sind nach St. Petersburg ab⸗
Angekommen: Se. Excellenz der Kaiserl. Russische Ge⸗ neral der Kavallerie, General⸗Adjutant und Botschafter bei Sr. Majestaͤt dem Koͤnige der Franzosen, Graf von der Pahlen, won St. Petersburg.
Der Kaiserl. Oesterreichische General⸗Major, Graf von Schlik, von Neu⸗Strelitz.
Abgereist: Se. Excellenz der Kaiserl. Russische General der Infanterie und General⸗Adjutant, Freiherr von Jomini,
Zeitu
ngs⸗Nachrichten. Auslan 1
Frankreich.
Paris, 3. Juni. Vorgestern Abend wurden der Englische und der Sicilianische Botschafter, der Preußische und der Wuͤrt⸗ tembergische Gesandte, der Praͤsident der Pairs⸗Kammer und der General Darriule von dem Koͤnige empfangen. Gestern arbeite⸗ un Se. Majestaͤt nach einander mit den Ministern des Handels, des Krieges, des Innern und der auswaͤrtigen Angelegenheiten.
Sir Charles Bagot, der sich seit einigen Tagen in Paris befindet, wird heute die Reise nach London fortsetzen.
Die gestrige Berathschlagung der Pairs⸗Kammer dauerte bis 7 Uhr Abends. Als um diese Stunde die Sitzung wieder eroͤffnet wurde, waren von den Vorgeladenen nur noch etwa 6 zugegen. Der Praͤsident theilte sofort den Beschluß der Kammer mit, wodurch nachtraͤglich noch 10 der Vorgeladenen (unter diesen auch die Herren Raspail, Thouret und Bergeron) Hegeshrechen, die 9 uͤbrigen aber, naͤmlich die Herren Bichat, Jauffrenou, Trélat, Michel, Reynaud, Gervais, Bernard, von Thiais und Audry⸗de⸗Puyraveau der Beleidigung der Pairs⸗Kam⸗ mer fuͤr schuldig befunden werden. Die Sitzung wurde darauf sofort aufgehoben, und heute Mittag um 12 ½ Uhr wieder er⸗ dc Der Namens⸗Aufruf ergab abermals 7 abwesende Pairs. Von den Tags zuvor fuͤr schuldig befundenen Angeklagten fehlte auch Herr Michel. Nachdem der Praͤsident an die Defensoren, denen sich auch die Herren Carrel und Raspail zugesellt hatten, die Frage gerichtet, ob sie noch etwas uͤber die Straf⸗Anwen⸗ dung zu bemerken haͤtten, erhob sich Herr Sarrut von seinem Sitze und sagte: „Meine Herren Pairs, Einer von Ihnen, desen Name nicht in Vergessenheit gerathen wird, da er an die rühmlichen Waffenthaten seines Vaters erinnert (des Mar⸗ schal Lannes), hat Ihnen durch die Denunciation der „Tri⸗ bune und des „Röformateur“ einen neuen Prozeß aufgebuͤrdet; Sie haben sich so gut wie moͤglich aus dieser Sache herausgezo⸗ ber und Ihre gestrige Berathschlagung hat das „Schuldig“ zur
olge gehabt. Ueber Herrn Bichat verliere ich kein Wort wei⸗ ter; ich habe Ihnen schon einmal gesagt, und Herr Bichat selbst at es ihnen wiederholt, daß er gar nicht in Paris war, als das inkriminirte Schreiben in der „Tribune“ erschien. Nichtsdesto⸗ weniger haben Sie, im Widerspruche mit allen Geschwornen⸗ Gerichten in Frankreich, entschieden, daß selbst, wenn der Ver⸗ fasser eines angeschuldigten Schreibens sich namhaft mache, die gesetzliche Verantwortlichkeit des Herausgebers der Zeitung, die den Artikel aufgenommen, dessenungeachtet in Anspruch genommen werden koͤnne. Und doch, m. H., giebt es unter Ihnen einen Nann, dessen Name von Gewicht ist und der das Gesetz von
22, kraft dessen Sie uns hier verurtheilen wollen, selbst abge⸗ faßt hat. Er sagte damals, daß die Kammer sich in großer Ver⸗ legenheit befinden wuͤrde, wenn der Fall eintraͤte, daß der Heraus⸗ geber den Verfasser namhaft machte und dieser selbst erklaͤrte, daß er den betreffenden Artikel geschrieben habe. Ein anderer Pair er⸗ wiederte auf diese Bemerkung, daß alsdann die Fiction eines heewortlichen Herausgebers wegfallen und der Wirklichkeit Natz machen muͤsse. Der Graf von Argout, den ich hier meine, ielt also eine doppelte Verurtheilung fuͤr unzulaͤssig, und ich chmeichle mir, daß mindestens seine Ansicht hieruͤber sich nicht geaͤndert haben wird, wenngleich der Beschluß der Kammer im
vntgegengesetzten Sinne ausgefallen ist. Uns bleibt jetzt nur noch e Pflicht uͤbrig, dem Lande das Verfahren zu bezeichnen, das
die Pairs⸗Kammer bei dieser Gelegenheit beobachtet hat, und das von fruͤheren aͤhnlichen Faͤllen so ganz abweicht; denn kuͤrzlich noch Dl . „National“ sowohl, als fruͤher in der des „Drapeau blanc’ inoͤffentlicher Sitzung, und nicht bei verschlosse⸗ nen Thuͤren berathschlagt. Eben so hat auch die Deputirten⸗Kammer in der Sache der „Tribune“ und des „Reformateur“ gehandelt. Wer steht uns nun dafuͤr, daß nicht mancher Pair, der sich An— fangs fuͤr inkompetent erklaͤrt, an der geheimen Berathschlagung 19“ genommen habe.“ Der Redner wurde hier durch Murren un⸗ heeecheh, Und der Praͤsident machte ihm bemerklich, daß er ihm 89 das Wort bewilligt habe, um uͤber die Straf⸗Anwendung zu Sen.⸗ was das von ihm beruͤhrte Faktum betreffe, so wisse er
arrut) sehr wohl, daß taͤglich der Namens⸗Aufruf veranstaltet
keines der abwesenden Mitglieder spaͤterhin an
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Berlin, Mittwoch den
☛ 22
10 ten JIJuni
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der Berathschlagung Theil nehmen duͤrfe. darauf mit folgenden Worten: „Es wuͤrde den Sinn gekommen seyn, wenn die Kammer, wie fruͤher, offen abgestimmt haͤtte. Wohl weiß ich, daß es gebraͤuchlich ist, waͤh⸗ rend der Berathschlagung die Angeklagten und ihre Rechtsbei⸗ staͤnde zu entfernen; eben so gebraͤuchlich ist es aber auch, daß die Richter auf ihren Sitzen bleiben, und im Beiseyn des Publikums abstimmen. Ich erklaͤre jetzt nur noch auf meine Ehre, daß diejenigen, die Sie vor ihre Schranken ge⸗ laden, das inkriminirte Schreiben nicht unterzeichnet hatten.“ Nachdem die anwesenden Inkulpaten, auf Befragen des Praͤsi⸗ denten, erklaͤrten, daß sie uͤber die Straf⸗Anwendung nichts wei⸗ ter zu sagen haͤtten, verlas derselbe noch das nachstehende, ihm so eben behaͤndigte Schreiben des Advokaten Michel: „Herr Praͤsident, in der letzten Freitags⸗Sitzung handelte es sich darum, den Beweis zu fuͤhren, daß es mmer nicht kompetent sey, um eine Beleidigung des Pairs hofes zu raͤchen. In der Montags⸗Sitzung konnte es noch angemessen scheinen, der Kam⸗ mer einige offene und loyale Aufschluͤsse uͤber die Absicht und den Geist des inkriminirten Schreibens, so wie uͤber die Umstaͤnde zu geben, unter denen es geschrieben und publizirt worden. Dies Alles interessirte das Land und die Justiz; ich nahm daher das Wort. Heute, wo es sich nur noch um mein Vermoͤgen und meine Freiheit handelt, wird die Kammer es mir nicht verargen, wenn ich keinen weiteren Antheil an den Debatten nehme; ich koͤnnte ohnehin nichts sagen, was meiner Richter wuͤrdig waͤre: de minimis non ctrat praetor. Ich benutze nur noch diese feierliche Gelegenheit, um auss Neue als Mensch, als Vuͤrger, als Advokat, nichr gegen das Urtheil, das mich treffen wird, wohl aber gegen alle Erkenntnisse zu pro⸗ testiren, die der Paͤirs⸗Hof spaͤterhin noch in meiner Abwesenheit gegen meine Pariser und Lyoner Klienten erlassen moͤchte. (gez.) Michel, aus Bourges.“ Die Inkulpaten wurden hierauf abgefuͤhrt, und eben wollte der Vicomte Dubouchage die Berathschla⸗ gung eroͤffnen, als der Graf von Taͤscher auf den geheimen Ausschuß antrug. Demgemaͤß wurden die oͤffentlichen Tribunen geraͤumt und die Pairs zogen sich um 2 Uhr in ihren gewoͤhnlichen Sitzungssaal zuruͤck, wo die Berathschlagung bei dem Abgange der Post, um 41 Uhr, noch fortdauerte. Mittlerweile erzaͤhlte man sich, Herr Trélat habe, in der Erwartung seiner Verurtheilung, nach Clermont ge⸗ schrieben, um sich von dem „Patriote“, dem er bisher als Haupt⸗ Redacteur vorstand, loszusagen.
In der gestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wurden die ersten Kapitel des Budgets des Ministeriums des Innern ohne irgend eine erhebliche Debatte angenommen. Man bewilligte an Gehalten fuͤr die Central⸗Verwaltung 700,000 Fr., zu Pensionen und Remunerationen 97,000 Fr., zu den Buͤ⸗ reau⸗Kosten 214,000 Fr., fuͤr die Landes⸗Archive 80,000 Fr., zu geheimen Ausgaben 1,265,500 Fr., fuͤr die Telegra⸗ phen⸗Linien 932,000 Fr., fuͤr das Personal des Generalsta⸗ bes der Pariser National⸗Garde 110,000 Fr. Hr. Auguis trat hier zum vierten Male seit 1831 mit dem Antrage hervor, dem Marschall Lobau das ihm ausgesetzte Gehalt von 50,000 Fr. zu streichen, indem es Sache der Stadt sey, den Oberbefehlshaber der National⸗Garde zu remuneriren; er konnte indessen nicht durchdringen. Fuͤr das Material der National⸗ Garde wurden ferner 71,900 Fr. bewilligt; zu National⸗Beloh⸗ nungen 27,000 Fr.; fuͤr die Verwaltung der Bruͤcken und Chaus⸗ seen 3,151,000 Fr.; fuͤr das Berg⸗ und Huͤttenwesen 450,100 Fr.; an Beitrag zum Pensions⸗Fonds 355,000 Fr.; zur Anlegung neuer Straßen, Bruͤcken und Kanaͤle, so wie zur Verbesserung der inneren Schifffahrt 20,220,000 Fr.; zu Hafen⸗Bauten 4,240,000 Fr.; zur Instandhaltung der oͤffentlichen Gebaͤude 500,000 Fr.; fuͤr den Bau neuer Central⸗Gefangenhaͤuser 600,6900 Fr.; zur Erhaltung alter historischer Monumente 120,000 Fr.; zur Unterstuͤtzung der Kunst⸗Anstalten 483,100 Fr.; z r Verschoͤnerung der oͤffentlichen Gebaͤude 380,000 Fr.; zur Aufmunterung der Schriftsteller und Kuͤnstler 406,000 Fr. Eine laͤngere Debatte erhob sich uͤber das 29. Kap., worin eine Beisteuer von 1,300,000 Fr. zu den Kosten der Koͤnigl. Theater verlangt wird. Herr Liadières war der Meinung, daß man auf die große Oper zu viel verwende, daß man aber der Italiaͤnischen Oper gar nichts bewilligen sollte. „Ich weiß“, sagte er, „daß man dies Alles sehr theuer bezahlen muß (man lacht) und daß die spekulirende Poesie unsrer Zeit sich eben so theuer bezahlen laͤßt, als die schoͤnen lyrischen Verse aus der alten Zeit; indessen hat die Erfahrung der letzten Jahre gelehrt, daß ein geschickter Di⸗ rektor, wenn er nur ein einziges Werk mit gutem Erfolg auf die Buͤhne brachte, ganz gut seine Rechnung da⸗ bei fand. Dies ist ohne allen Zweifel in der Ord⸗ nung; allein es ist eben so sehr in der Ordnung, daß man daruͤber seine Bemerkungen mache. Man darf behaupten, daß in einem Jahre 150 Vorstellungen gegeben werden. Die Kosten belaufen sich fuͤr jede einzelne Vorstellung hoͤchstens auf 10,000 Fr., mithin in Summa auf 1,509,000 Fr.; rechnet man hierzu die Decorationen und Kostuͤme, so werden wir eine Kostensum⸗ me von 1,750,000 Fr. herausbringen. Andererseits variiren die Einnahmen zwischen 6— 10,090 Fr. Die Durchschnittssumme der Einnahme betrug in den letzten Jahren 8000 Fr. und fuͤr das ganze Jahr 1,200,000 Fr. Rechnen wir hierzu die Bei⸗ steuer von 720,000 Fr., so ergiebt sich eine Einnahme von 1,920,000 Fr., d. h. ein Ueberschuß von 270,000 Fr. Ich frage nun, ob nicht schon 70,900 Fr. ein anstaͤndiger Ge⸗ winn waͤre, und ob man nicht im naͤchsten Kontrakte einen Abzug von 279,000 Fr. machen koͤnnte. Was ich indessen vollends nicht begreifen und noch weniger gutheißen kann, ist, daß man der Italiaͤnischen Oper außer dem freien Saale noch eine Subvention von 70,000 Fr. auf 6 Monate bewilligt. Jeder⸗ mann weiß, daß das Italiaͤnische Theater von der reicheren Klasse der Bewohner der Hauptstadt frequentirt wird; muß aber der Staat den Vergnuͤgungen der Reichen zu Huͤlfe kommen? Man wird mir einwenden, die Italiaͤnische Musik, das Italiaͤnische Theater trage dazu bei, den Geschmack in der Musik unter uns zu vervollkommnen. Werfen wir aber einen Blick auf diese an⸗
Herr Sarrut schloß mir kein Verdacht in
gebliche Vervollkommnung. Wir hatten ehedem eine
National⸗ Musik, und es glaͤnzten unter uns Komponisten, die es an Ruhm mit den ausgezeichnetsten des Auslandes unter ihren Zeitgenof⸗ sen aufnehmen konnten. Aber seitdem das Fieber der Italiaͤni⸗ schen Musik unter uns um sich gegriffen hat, sind wir aus selbststaͤndigen Schoͤpfern Nachahmer geworden. Unsere Ver⸗ vollkommnung erreichte endlich diesen Punkt, daß Boyel⸗ dieu's Sitz im Institute fast ein Jahr lang nicht wuͤrdig be⸗ setzt werden konnte. Daher kommt, nach meiner Ueberzeu⸗ gung, der vollstaͤndige Ruin unseres Natisnal⸗Theaters, der ko⸗ mischen Oper. Was hilft es, wenn wir auch 270,000 Fr. dazu beisteuern: wir verhelfen ihm damit nicht zum Leben, sondern zum Tode. Viermal ist dieses Theater schon zu Grunde gegangen; Ich wuͤnsche von Herzen, daß die diesjaͤhrige Beisteuer nicht dazu dienen moͤge, sein fuͤnftes Leichen⸗Begaͤngniß zu bestreiten. Des Odeons kann ich leider nur erinnernd Erwaͤhnung thun, und ich trage auf seine Wiederherstellung an. Der Herr Minister haͤtte der unermeßlichen Dienste, die das Odeon der dramatischen Kunst geleistet hat, eingedenk seyn, und sich erinnern sollen, daß das groͤßte dramatische Genie unserer Zeit, der Verfasser der Siciliani⸗ schen Vesper, der Schule der Alten und der Komöͤdian⸗ tin, ohne dieses Theater vielleicht schon vor der Geburt gestor⸗ ben waäre. Wenn wir ferner dem Théztre⸗frangais eine jaͤhrliche Unterstuͤtzung von 200,000 Fr. bewilligen, so ist dies entweder zu viel oder zu wenig. Zu wenig, sobald wir wollen, daß das Théätre⸗frangais in Wahrheit ein Franzoͤsisches Theater sey, ich meine, das Theater der schoͤnen Diction und der edeln Empfindungen; wenn wir wollen, daß unsere jungen Dichter, durch große Vorbilder begeistert, gereifte und unsterbliche Gei⸗ steswerke hervorbringen. Allein es ist zu viel, wenn das Theoͤtre frangais mit den Boulevards rivalisiren soll (sehr gut! sehr gut!); wenn jene ehrwuͤrdiges Buͤhne diesen drama⸗ tischen Fantasmagorieen, — gestatten Sie mir den Ausdruck, — diesen Gespenster⸗Erscheinungen in 3, 4 bis 5 Aufzuͤgen, die dem guten Geschmack eben so sehr zuwider sind, als sie die Sitt⸗ lichkeit verletzen, zugaͤnglich werden soll. Ich hege die Hoffnung,
daß der Herr Minister des Innern dieses Theater unter seinen unmit⸗
telbaren Schutz nehmen, und daß der Staatsmann sich der Grundsaͤtze des Schriftstellers erinnern werde, — Grundsaͤtze, die er vor kurzem bei einer General⸗Versammlung der Akademie aussprach, und welche die Manen Andrieuxp's, seines geistreichen Vorgaͤngers, freudig erwaͤrmen mußten. Dies sind die Vorschlaͤge, die ich Ihnen machen wollte; sie haben den Zweck, den Dich⸗ tern und Komponisten, welche wahre Talente mitbringen, den gerechten Lohn fuͤr ihr⸗ ehrenvollen Arbeiten zu sichern.“ Herr Auguis erhob sich gegen jede Art von Subvention zu Gunsten der Theater, und verlangte, als den ersten Schritt zur endlichen Aufhebung eines solchen Mißbrauchs, einen Abzug von 300,000 Fr. auf dieses Kapitel. Herr Sauveur⸗Lachapelle aͤußerte sich folgendermaßen: „Ich moͤchte die Aufmerksamkeit der Kammer auf die gegenwaͤrtige Lage der Franzoͤsischen Ko⸗ moͤdie hinlenken, deren Verfall jedem, der noch an die guten lite⸗ rarischen Traditionen haͤngt, einen Seufzer auspressen muß. Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, was sie einmal gewesen ist. Die Meisterwerke unserer großen Dichter, von Schauspie⸗ lern, ihres Genie's wuͤrdig, dargestellt, trugen außerordentlich zu den Fortschritten der Civilisation bei; sie verbreiteten den Gebrauch unserer Muttersprache im Auslande und er⸗ hoben unsere Literatur zur Literatur von Europa. Aber seitdem Demoiselle Duchesnois sich zuruͤckgezogen hat und Talma todt ist, ist das Schauspiel immer mehr in Verfall gerathen. Die Gleichguͤltigkeit, womit die Verwaltung der schoͤnen Kuͤnste dasselbe seit 1830 behandelt, hat auch das ihrige dazu beigetra⸗ gen, es auf den Punkt der Erniedrigung, wo wir es heute er⸗ blicken, herabzufuͤhren. Die Finanzen dieser Buͤhne gerathen in Unordnung. Durch einen seltsamen Mißbrauch in der Verwal⸗ tung empfangen Schauspieler, oder vielmehr Schauspielerinnen, Ge⸗ halte, ohne jemals aufgetreten zu seyn, und ohne daß sie wuͤrdig sind, die Buͤhne zu betreten; desgleichen erhalten Dichter im voraus Honorare fuͤr Stuͤcke, die sie noch gar nicht geschrieben haben. Endlich giebt es Mitglieder dieser Buͤhne, die sich pensioniren lassen und demnaͤchst neue Kontrakte abschließen. Die auf dem Theater lastenden Pensionen erheben sich heute auf eine Summe
von 135,000 Fr. und die von der Regierung bewilligte Unter⸗
stuͤtzung reicht kaum hin, die Kosten eines Theaters zu bestreiten, welches nicht mehr eine Akademie der Sprache der Nation ist, sondern, wie so viele andere, von der verderblichen Sucht befal⸗ len ist, bloß die aͤußere Ausstattung zu beruͤcksichtigen und recht viel auf Decorationen und Kostuͤme zu verwenden.“ Der Redner verlangte schließlich, daß man die Summe von 70,000 Fr., die bisher dem Italtaͤnischen Theater bewilligt wurde, zur Errichtung einer dramatischen Schule benutze. Herr Fulchtron trat der Meinung bei, daß das Théätre⸗francais einer voͤlligen Wieder⸗ geburt beduͤrfe; wenn es aber doch einmal in dem dramatischen Genre mit dem Theater am Thore Saint⸗Martin rivalisiren solle, so muͤsse man wenigstens auch die ausgesetzte Summe unter die beiden Direktoren theilen. (Gelaͤchter.) Nichts⸗ destoweniger sprach er fuͤr die Subvention, doch unter der Be⸗ dingung, daß das Théaͤtre frangais in dem Genre verbleibe, das sonst immer sein Gluͤck und seinen Ruhm ausgemacht habe. Die Debatte schloß der Minister des Innern mit einigen Aufschluͤssen uͤber die besprochene Angelegenheit. Er habe bei seinem Eintritt in die Geschaͤfte den Staat durch Kontrakte mit den Theater⸗Direktoren gebunden vorgefunden, und diese Kon⸗ trakte habe er vor Allem achten zu muͤssen geglaubt. Dennoch habe er bei Gelegenheit einer Streitigkeit zwischen dem Staat und dem Direktor der großen Oper solche Verbesserungen er⸗ ielt, daß von den der Oper gemachten Abzuͤgen die 100,000 Pranten fuͤr das Théatre⸗franggais auf das Doppelte und die Subvention fuͤr die komische Oper auf 180,000 Fr. habe ver⸗ mehrt werden koͤnnen. Wenn, aller Erwartung nach, die große Oper ferner gute Geschaͤfte machen sollte, so werde es bei der Erneuerung des Kontraktes vielleicht moͤglich seyn, neue Ver⸗ theile zu erreichen, die alsdann guch noch den beiden zuletzt erwaͤhnten