zigung derselben hielt der neue Gerichtshof seine erste
— Spaͤter versammelten sich zu Ehren des Tages und der Beamten des neuen Gerichtshofes eine große Zahl von Brom⸗ berger Bewohnern zu einem froͤhlichen Vereine. Ein Toast sprach den Dank aus fuͤr die Wohlthat, welche Se. Majestaͤt der Koͤnig der Provinz durch die Justiz⸗Reform zu bewilligen geruht haben; ihm folgten mehrere nach. Die gewohnte Ein⸗ tracht beherrschte das Fest und erhoͤhte die freudige Stimmung aller Theilnehmer.
— Aus Koͤnigsberg in Pr. berichtet man nachtraͤglich uͤber die am 3ten v. M. stattgehabte Amts⸗Jubelfeier des Su⸗ perintendenten des Osterodeschen Kreises, Pfarrers Hensel zu Liebemuͤhl. Begleitet von den beiden Kommissarien, dem Land⸗ rath Koͤhn von Jaski und dem Superintendenten Brachvogel, so wie von 18 seiner Amtsbruͤder begab sich der Jubilar in die Kirche, wo nach Abhaltung der Liturgie dessen aͤltester Sohn, der Rektor Hensel in Marggrabowa, die Predigt hielt und der Superintendent Brachvogel vor dem Altare Worte der tiefsten Empfindung zu der zahlreich versammelten Gemeinde sprach. Hierauf wurden dem Jubilar durch die beiden Kommissarien mehrere Gluͤckwunsch⸗Schreiben der vorgesetzten Behoͤrden be⸗ haͤndigt, nachdem ihm schon vorher von dem Landrathe die In⸗ signien des ihm von des Koͤnigs Majestaͤt Allergnaͤdigst verlie⸗ henen Rothen Adler⸗Ordens dritter Klasse uͤberreicht worden waren. Auch fehlte es nicht an anderweitigen Beweisen innig⸗ ster Hochachtung und dankbarer Verehrung, indem jeder der Freunde des Jubilars bemuͤht war, die Feier des Tages zu
erhoͤhen.
Der erst zu Weihnachten 1834 ins Leben getretene Kunst⸗ verein fuͤr Pommern zu Stettin hat sich unerwarteter Resul⸗ tate zu erfreuen. Er zaͤhlt bis jetzt 1000 Mitglieder einschließlich dersenigen, welche sic zu mehreren jaͤhrlichen Beitraͤgen ver⸗ pflichtet haben und mit Ausschluß der einzelnen Loose, die von verschiedenen Mitgliedern noch außer ihren Beitragsloosen erwor⸗ ben worden sind. — Die erste Ausstellung des Vereins fand vom 20. April bis zum 20. Mai in Stettin statt und zwar in dem dazu besonders eingerichteten Lokal des Schuͤtzenhauses. 381 Kunst⸗ leistungen und unter diesen 30 Oelgemäaͤlde alter Meister und 328 Belgemaͤlde neuerer, groͤßtentheils noch lebender Kuͤnstler wurden dem schaulustigen Publikum dargeboten. Etwa ꝛ¾¹ der letzteren sind Werke inlaͤndischer Kuͤnstler, die uͤbrigen sind dem Vereine hauptsaͤchlich aus den Bayerischen und den Saͤchsischen Staaten zugekommen. Aus Pommern gebuͤrtige oder in dieser Provinz jetzt ansaͤssige Kuͤnstler haben 66 Kunstleistungen unmit⸗ relbar oder durch die dritte Hand zur Ausstellung geliefert. — Abgesehen von dem Ertrage der gedruckten Kataloge, durch den nur die bezuͤglichen Druckkosten gedeckt wurden, haben die Eintritts⸗ gelder zum Betrage von 5 Sgr. à Person eine Einnahme von 1140 Rthlr. gewaͤhrt, welche im Wesentlichen zur Deckung der saͤmmt⸗ lichen Kosten hinreichen wird. — Im Laufe der Ausstellung wur⸗
den von mehreren fast saͤmmtlich in Stettin ansässigen und groͤßten⸗ theils dem Kaufmannsstande angehoͤrenden Kunstfreunden, mit Ausschluß zweier gemachten Bestellungen, 28 Oelgemaͤlde fuͤr zu⸗ sammen 2557 Rthlr. 20 Sgr. erstanden. Der Vorstand des Ver⸗ eins aber hat zu der gegen Ende des Monats Juni oder An⸗ sangs Juli zu bewirkenden Verloosung unter die Mitglieder 19 Oeigemaͤlde, eine phelloplastische Kunstleistung und 100 Litho⸗ graphieen, also zusammen 120 Gewinne fuͤr 1943 Rthlr. 20 Sgr.
erworben. Die erkauften Kunstleistungen sind bis auf 11 Oel⸗
Zemaäͤlde saͤmmtlich von inlandischen Kuͤnstlern verfertigt und es hat der Vorstand des Vereins bei seinen Ankaͤufen besonders juͤn⸗ gere talentvolle und in ihrer Vermögenslage auf diesem Wege zu ermunternde Kuͤnstler des Inlandes beruͤcksichtigt, auch ist er mit erfreulichem Erfolge bemuüht gewesen, dieselbe Ruͤcksicht bei den kauflustigen Kunstfeeunden eintreten zu lassen. — Der Ge⸗
neral⸗Bericht uͤber die bisherige Wirksamkeit des Vereins wird
die naͤhere Auskunft uͤber die oben angedeuteten Momente und namentlich das Verzeichniß der von Kunstfreunden wie von dem Vorstande erworbenen Kunstleistungen enthalten, auch zu seiner Zeit in der zu Berlin erscheinenden Zeitschrift „Das Museum“ abgedruckt werden. Eben so werden die oͤffentlichen Blaͤtter
uͤber das Resultat der Verloosung unmittelbar nach letzterer Aus⸗
kunft geben. — Die Ausstellung ist besonders verherrlicht wor⸗ den durch die Meisterwerke, welche Se. Maj. der Koͤnig, Se. Koͤnigl. Hoh. der Kronprinz (der hohe Beschuͤtzer des Vereins) und Se. Koͤnigl. Hoh. der Prinz Karl dem Vereine anzuver⸗ trauen huldreichst geruht hatten, und die auch im General⸗Be⸗ richte naͤher bezeichnet werden sollen. Den aufmerksameren Beob⸗ achtern aber ist es offenbar geworden, in welchem Maaße diese Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Gnadenbezeugungen zur Erweckung und Belebung des Sinnes fuͤr die bildende Kunst in der Stadt Stettin und in der Provinz Pommern beigetragen haben.
— Im Jahre 1829 wurde von einigen Gutsbesitzern der Provinz Posen der Gedanke aufgefaßt, eine gemeinschaftliche Stammschaͤferei zu bilden, um mittelst derselben die Veredelung der Schafe zu erleichtern. Die Theilnahme an der Stamm⸗ heerde sollte durch Gewinnung von Actien bedingt, und durch die Actionaire ein Verein konstituirt werden, fuͤr welchen ein be⸗ sonderes Reglement entworten wurde. Die Idee ist wirklich zur Ausführung sekommen. Es wurden zur Bildung der Stamm⸗ heerde hochveredelte Thiere in Schlesien und den benachbarten Oesterreichischen Provinzen angekauft und der Verein zaͤhlte im Jahre 1832 39 Mitglieder mit 63 Actien zu 100 Rthlr. Die Stammheerde ist bisher auf den dem Herrn von Kaklkstein ge⸗ hörigen Guͤtern Psarskie bei Pinne untergebracht gewesen; sie
bestand zu Anfang des Monats Mai c. aus 127 Stuͤck Mutter⸗ schafen, 28 Stuͤck Zeitschafen, 51 Stuͤck Zeitboͤcken und 83 Stuͤck diesjährigen Lämmern, wovon bei der am 5. Mai c. zu Psarskie stattgehabten Zusammenkunft der Actionairs 45 Boͤcke zur Ver⸗ theilung unter die Letztern bestimmt und zwischen ihnen verloost wurden. Da nicht so viel Boͤcke als Actien vorhanden waren, so wurden 3 Klassen gemacht, die Boͤcke mit 25 Rthlr., 15 Rthlr. und 10 Rthlr. taxirt, und dann durch das Loos auf die Actio⸗ nairs vertheilt, wodurch sich das Resultat ergab, daß jede Actie ihrem Inhaber einen Ertrag von 11 Rthlr. 17 Gr. 4 Pf. ge⸗ waͤhrte. Abgesehen davon, daß schoͤne Zuchtstaͤhre zwischen den Actionairs vertheilt worden — was dem Zwecke des Vereins entspricht — so ist der Beitritt zu demselben auch fuͤr diejenigen, welche fuͤr dies Jahr keinen Staͤhr erhalten haben, vortheilhaft gewesen, da ihnen von 100 Rthlr. ein Zinsensatz von mehr als 1 Rthiür. zu Theil geworden ist.
— Am Aten und 5ten d. M. wurde zu Torgau der dies⸗
jährige Wollmarkt abgehalten. Derselbe war sehr lebhaft be⸗ sucht. Die Verkaͤufer hielten auf vorjaährige Preise, wodurch ver Handel anfangs schwierig war; er belebte sich aber bei eini⸗ ger Nachgiebigkeit derselben, und da sich, außer den inlaͤndischen Tuch⸗Fabrikanten und Haͤndlern, auch viele Kaͤufer aus dem Königreiche Sachsen und dem Altenburgischen (auch ein Fabri⸗ kant aus Lennep) eingefunden hatten, so wurden die auf circa 790 Lentner zu berechnenden ollen, einige wenige Partieen
3
4 Sitzung.
ausgenommen, wo die Verkaͤufer von ihren Preisen nicht abge⸗ en wollten, saͤmmtlich geraͤumt und Land-Wolle mit 62 — 65 thlr., veredelte mit 70— 80 Rthlr. und die von den besten Schaͤfereien mit 85 — 90 Rthlr. pro Centner bezahlt, bei wel⸗ chen Preisen man gegen das vorige Jahr eine Verminderung von durchschnittlich circa 6 Rthlr. pro Centner und bei einigen Wollen, die damals zu sehr hohen Preisen verkauft wurden, bis 10 Rthlr. pr. Centner annehmen kann.
— Nach dem nunmehr vollendeten Kataster der Provinzial⸗ Hagel⸗Versicherungs⸗Gesellschaft fuͤr die Provinz Westphalen belaͤuft sich die versicherte Summe im Reg. Bez. Muͤnster auf 688,304 Rthlr., im Reg. Bez. Minden auf 328,535 Rthlr. und im Reg. Bez. Arnsberg auf 75,007 Rthlr., uͤberhaupt also auf 1,091,846 Rthlr., und es ist nunmehr zur Bildung des zu den vorkommenden Entschaͤdigungen erforderlichen Fonds ein Beitrag von 1 Rthlr. pro mille ausgeschrieben worden.
— Ein Gewitter, das in der Nacht vom letzten Mai auf den 1. Juni uͤber Koͤnigsberg in Pr. zog, hat in der Umge⸗ gend von Labiau besonders heftig gewüthet. Die Gebaͤude auf den beiden Guͤtern Carpau und Austupoͤhnen sind eingeaͤschert worden, auch soll ein bedeutender Verlust an Vieh und Inven⸗ tarium herbeigefuͤhrt worden seyn.
— Am 15ten v. M. lief das Daͤnische Schiff „Delphin“, von 56 Lasten Tragfaͤhigkeit, nachdem dasselbe auf der Rhede beim Einnehmen einer Quantitaͤt Holz beide Anker verloren hatte und die hohe See nicht gewinnen konnte, etwa 10980 Schritte oͤstlich von Ruͤgenwaldermuͤnde auf den Strand. Die Mann⸗ schaft wurde gerettet und die Ladung geborgen. 2
Gartenbau,Veerein. In den juͤngsten beiden Versammlungen des Vereins zur Be⸗
—
foͤrderung des Gartenbaues am 3. und 31. Mai d. J. wurden durch
2
den Direktor vorgetragen: der neueste Jahres Bericht des Erfurter
Gewerbe⸗Vereins, der einen hoͤchst interessanten Ueberblick der schaͤtz⸗ baren Leistungen dieses uͤberaus thaͤtigen Vereins gemaͤhrte; eine Abhandlung des Ober⸗Foͤrsters Herrn Monecke zu Bliedungen bei Nordhausen, uͤber die Behandlung der Weidendäͤume, unter Auf⸗ stellung eines auf mehrjaͤhrige Erfahrung berahenden Nutzungs⸗ Vergleichs zwischen Kopf⸗ und Hochweiden, der zu Gunsten der letzteren spricht; verschiedene Mittheiluͤngen uͤber die nicht unguͤn⸗ stigen Resultate der noch weiter fortzusetzenden Versuche der An⸗ zucht des sogenannten Riesenkohls aus der Vendeée; ein von dem Thuͤringer Gartenbau⸗Vereine zu Gotha mitgetheilter Vorschlag eines seiner Mitglieder von di Ringel⸗Krankheit der Hyacinthen; Rachricht von dem guten Er⸗ folge der in dem Instituts⸗Garten des Vereins in Schoͤneberg be⸗ wirkten versuchsweisen Anzucht einer von der Landwirthschafts⸗Ge⸗ sellschaft in Steiermack unter dem Namen Eialo pignoliuo mitge⸗ theilten Mais⸗Art, die wegen ihrer fruͤhen Reise und großen Ee⸗ tragsfaͤbigkeit sehr empfehlenswerth scheint; Bemerkungen des Herrn G'afen von Reichenbach zu Brustave bei Festenberg, uͤber d.e gruͤndlich bewaͤhrten Vorzuͤge des weißen Tuͤrkischen Wei⸗ zens vor dem gelben, die insbesondere auf Benutzung als Gruͤnfutter schon fruͤher in den Verhandlungen des Ver⸗ eins ausfuͤhrlich dargestellt sind; Mittheilungen des Pfarrers Heren Martini zu Cues bei Berncastel, uͤber Behaudlung der Gurken⸗ und Zwichelfelder und uͤber einr bewährte Methode der Konservirung der Weintrauben, die darin besteht, daß einzelne Reben mit reisen Trauben abgeschnitten und, mit dem unteren Ende in ein Gefaͤß mit Wasser gesetzt, in einem kalten, doch fceostfreien Zimmer aufve⸗ waͤhrt werden, wo ihnen von Zeit zu Zeit frisches Wasser gegeben wird; Andeutungen des Herrn Baron von Kottwitz zu Nimptsch,
uͤber die erheblichen Vorzuͤge des Sibrischen Hanfs (Canabis Sibirican),
der besonders in der Schweiz viel gebaut wird und dort oft eine Hoͤhe von 15 Fuß erreicht; eine Abhaͤndlung des Praͤsidenten Herrn von Ruter zu Wiesbaden, uͤber eine in ihren verschiedenen Verwand⸗ lungen unter den Ramen Heuwurm und Sauerwurm bekannte, den Bluͤthen und Fruͤchten des Weinstocks schaͤdliche kleine Motte (Tineca ambiguella Hlöbn): die Beurtheilung der auf die Preisfrage des Vereins uͤber ein Mittel gegen die unser den Namen Mingel⸗
krankheit und weißer Rotz bekannten Krankheiten der Hyaeinthen⸗
Zwiebeln eingegangenen, aber nicht preiswuͤrbig erachteten Beantwor⸗ tung; Mittheilungen des Majors Hrn. Struve in Wesel von den Resulta⸗ ten seiner Versuche uͤber die blaue Faͤrbung der Bluͤthen der Hottensien, aus denen Manches negativ festgestelt werden kann, wie z. B. die Anwendung von Blauholz, Gelbholz, Rothholz, Schuͤttgelb, wo⸗ gegen die Unwendung von Kohlenmeiler⸗Erde sich bewährte; Be⸗ merkungen des Kammerherrn Herrn von Poser auf Homdsel bei Wartenberg uͤber das Okuliren von Chrysanthemum indicam und dessen Anzucht zu 4 Fuß bohen Bäumchen; Nachricht uͤber die Schrift des Rechnungs⸗Raths Herrn Schneider: „Versuch, den Miteinfluß des Mondes auf den Stand des Barometers nachzu⸗ weisen“, worin der Herr Verfasser Andeutungen giebt, in welcher Weise Versuche uͤber die etwaäanige Einwirkung des Mondes auf das Pflanzenleben zu veranstalten sehn moͤchten; von demselben wurde: vorgezeigt verschievene in der uͤppigsten Vegetation stehende Ge⸗ waͤchse in den von ihm erfundenen patentirten Blumenrͤpfen von gefaͤlliger Form, die unten kegelldrmig ausgehoͤhlt und mit einer Rinnc umgeben sind, in die das Wasser eingegyssen wird und durch einige kleine Oeffnungen seitwaͤrts in den Tepf eindringt, von wel⸗ cher Bewaͤsserungsweise er glaudt, daß sie fuͤr viele Gewaͤchse zu⸗ traͤglicher seyn moͤchte, als das sonst gewoͤhnliche Begießen, auch daß sie insbesondere fuͤr große Anstalten zweckmaͤßig seyn koͤnne, in⸗ dem dadurch mittelst kleiner Voreichtungen eine gleichmaͤßige Be⸗ waͤsserung ganzer Massen von Topf⸗Gewaͤchsen mit einem Male, leichter und mit geringerem Zeit⸗ Aufwande zu be⸗ werkstelligen, stait durch das Begießen eines jeden einzelnen Topfes. Der rediger Herr Helm erstattete Bericht uͤder den Zustand unserer Gaͤctner⸗Lehr⸗Anstalt und deren Leistungen im abgelaufenen Lehrjahre vom Maͤrz 18 2½, woraus die fortwaͤhrende gedeihliche Wirksamkeit dieses J stitutsz hervorleuchtete, das gezen⸗ waͤrtig 16 Zoglinge zaͤhlt, mit Einstuß von 10 Frei⸗Alumnen. Der GGHencral⸗Secretair, Herr Geheime Medizinal⸗Rath Lichtenstein, gab Nachricht von dem bemerkenswerthesten Inhalt der neuesten Hette der Annales de Io société d'horticultare de Paris, wovon insbeson⸗ dere bemerkenswerth waren, die Mittheilungen uͤber die im vorigen Jahre in mehreren Gegenden Frankreichs wahrgenommene Erschei⸗ nung, daß Obstbaͤume nicht nur zum zweitenmale gebluht, sondern auch reife Fruͤchte getragen haben, so wie ein Aussah uͤber die Zer⸗ stoͤrung der an den Treibhauspstanzen vorkommenden Insekten durch Ammoniak und ein anderer uͤber Baumstaͤmme seltener Art von be⸗ sonders hohem Alter. Eingeganzen waren noch: von dem Hofrath Herrn Franz in Dresden, cin Ekemplar seiner topographisch statisti⸗ schen Beiträge zur Kenntniß der Lehden⸗Verhaͤltnisse im Koͤnigreich Sachsen; von der Leop. Carolinischen Akademie der Narurforscher zu Bonn und Breslau, die iste Adth. des 17ten Bandes ihrer werth⸗ vollen Verhandlungen; von der botanischen Gesellschaft zu Regens⸗ burg, der 17te Jahrgang (1834) ihrer ruͤhmlich bekannten Flora nebst dem Aten Bande der Literatur⸗Berichte; von der Schlesizchen Gesellschaft fuͤr vaterlaͤndische Kultur, die Uebersicht ihrer Ar⸗ beiten und Veraͤnderungen im Jahre 1834; von dem polytechnischen Vereine in Muͤnchen die drei ersten Hefte des laufenden Jaͤhrgan⸗ ges seines interessanten Kunst⸗ und Gewerbe⸗Blattes: von dem landwirtbschaftlichen Vereine in Stuttgart, das neueste Heft (Jahr⸗ ang 1834, 2e Bd. 38 Heft) seines reichhaltigen Korrespondenz⸗ Blattes; von der Landwirthschafts⸗Gesellschaft zu Celle, der ge⸗ druckte Bericht des Landes⸗Oekonomse⸗Raths Heern Ziegler uͤber die Anlage der Schwemm⸗ und Bewaͤsserung;⸗Wiesen bei kleinen Hehlen; von den Handels⸗Gaärtnern Herren Gebruͤdern Baumann in Boliweiller, eine Partie Samen vom Riesenkohl aus der Ven⸗
zur Anwendung von Kohlenstaub gegen die
dee; von den Handels⸗Gaͤrtnern Herren Gebruͤdern Booth in burg, eine Partie der als neu und ausgezeichnet verschiedentlich
geruͤhmten Kavalier⸗Gerste, beides zur geschehenen Vertheilung,
Ha
hufs der versuchsweisen Anzucht; von dem Herrn Etatsrath Hr. Steven zu Sympheropol in Taurien eine von ihm verfaßte Ang
tung
zum Seidenbaue, nach der in Persten und Ktslar uͤblich
Behandlung nebst einer Partie Gemuͤse⸗Saͤmereien aus Konstanz
nopel, deren versuchsweise Anzucht im Instituts⸗Garten des P
eins bewirkt werden wird; ferner: von dem Handels⸗Gaͤrtner
Petsch in Neuwied eine Art Mais aus Pennsylvanien, zu gleich Behuf. Von den hiesigen Handels⸗Gaͤrtnern Heren Svaͤth Herrn Limprecht waren zur Stelle gebracht drei in uͤppiger Blih
stehende Orangen-Toͤpfchen, zwei reich bluͤhende schoͤn geog
Erxemplare von Cactus Speciosissimus und eine Rosa thea Ca
8 17481 “ Berlin, Donnerstag den IIten Juni
die in den Versammlungen verlooset wurden. 6 waͤchshaͤuser des Koͤnigl, hotanischen Gartens waren uͤber 0 ausgezeichnetsten schoͤn bluͤhenden Gewaͤchse zierlich aufgestelt, ren Farbenpracht einen eben so imposanten Anblick gewaͤhrte die Seltenheit vieler derselben das Auge des Kenners erfreute.
— Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmitt. Abends Nach ein mas 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtum. 111“ Fhöissss ere: . . hatggkEe st eere ch h. 2 Luftdruck. 340,s 1 Par. 339, 06 Par. 338,9 0 Par. Quellwärme 2,30 Luftwaͤrme 14,6 °R. 22.4 °%R. 15,1 ° R. [Flußwärme 16,8 Thaupunkt 1l, E. 6,9 °R. 8, 8 °R. Bodenwärme 14½ Dunstsaͤttg 80 vCt. 39 pCt. 66 pCt. sausdung. 0,1. Wetter.. beiter. heitir. heiter. ö 1 Niederschlag 0. 1
1835. 8. Juni.
“
Wolkenzug O. Tagesmittel, éten: 339,12 Par... 7ten: 339,9 17 sten: 339,5 ⸗
6,3 °0 R. „% 8, 60 ⸗„ 5 9,1 ° 1 02⁷
16,4 9 R.. 17,1 9
17,49 2
Berliner Börese. . Den 9. Juni 1835. —
Amtl. Fonds- und Geld-Gours-Zettel. (Preu’/v.
Osipr. Pfandbr.“ 4 [101¾
vomm. do. 4à 1[106 ⁄
Kur- u. Neum. do.† 4 103
10 8 ½ Schlesische do. 4 106 ⅔
100 ½ KKst. C. u. Z.-Sch.
100 8 d. K.- u. NA. 1
M.
₰
Zf., cirie, li eld. a 100 ¾ (100. 98 ½ 98 63 ½ 63
s'r. Engl. Obl. 30. rüm. Sch. d. Sech. Kurm. Ohl. m. l. C. Neum. Iut. Sch. do. Berl. Rtodt-Obl. Königsb. do. Esbiug. do. 99 ½ 1 Danz. do. in Th. 41 Neue Duk. . . Westpr. Pfandbr. 4 10 Friedricksd'or.. Crofshz. Pas. do. 1 HDisconto
rns-ImMxHranm, mEmnaamenns ECXMeUTr ummen
Wechsel-Cours.
St.-Schold-Sch.
216 ¾ — 18 ¾ — 1³½1
Gold al mareo
2 47
8 14 1
1
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Loreufs. U Erutet.] Gà Amsterdum .. .250 Fl. V 1'
dito ele) vü. 2 Mt. 3 1I Hamburg.. 300 Mk. Kaurz 18-
300 Mk. [2 Mt. . 141414144A4*“ 08
Paris 300 Fr. 2 Ut. 1 103 ½ 99 ¼
Augsburg 150 Fl. [2 Rt. Uréslau . . . ... Leipzig
Frankfurt a. M. WZ. Petersburg
Warschau
Tm. 2 Rt. Thl. 8 Tage Fl. 2 MNt. mübl. [3 Woch. FI. Korz
.160 100 50 100
—. 600
Nee in 20 Nr. . .. 150 Fl. 2 Rt. She. 10
Auswürtixe Börsep. Amsterdam, 4 Juui. Niederl. wickl. Schuld 55 ½. 58 do. 101. Ausg. Schull Kanz-Bill. 25 1 ½. 4 ½ z Amort. 94 ½. 3⁄ 80 ½ Kuss. 99 ½ (es 98 ¾ v'reuss. Präm.-Scheine 113 ½. do. 4 % Aul. Span. 5¼ ℳ%
Antwerpen, 3. Juni. Zinsl. 18 ½. Cartes 38 Frankfurt a. M., 6. Juni.
4 8 97 ½. 97 ½. 2½ 8 52
1 2090 4 ⁄ ½ 36“
. 9
Oesterr. 53 Metail. 102 9 ½. 1011½ 1 4
9 25 ½. B Bank-Aectien 1591 1589 Part.-Cblig. 141,
Loose zu 100 G. 213 Br l'renss. Prüim.-Sch. 63 Rr. ¹.
Aul. 98 ½, B. I101l. 5 9 Oblig. v. 1832 106 ½ Br. 1'olu. Locse Br. 59 Span. Rente 48 Al. 38 4do. perp. 23¾ 24 ½.
Paris, 3. Juni.
53 Rente pr. compt. 107. —. tin cour. 107. 30 33 pr. ct
78 80 iün cour. 79 5. 5 % Neup. pr. compt. 97. 85. fn0
95 45, ohne den Coup. 5 % Span. Rente 40 ½ 3 ⅝ do. 27.
Spau. Schuld 18. Cortes
7)h. Iloll. 21 8 56 75.
.
Koöntigliche Schauspiele. Mittwoch, 10. Juni. Im Schauspielhause: Zum n
male: Nichte und Tante, Lustspiel in 1 Akt, von Goͤrner. 9.
auf: Der Baͤr und der Basso, Vaudeville⸗Burleske in! von C. Blum. Und: Die Verraͤtherin, Lustspiel in 1 Ab,- F. v. Holbein. ,8 8 Doͤnnerstag, 11. Juni. Im Opernhause: Die gefih Wette, komische Oper in 2 Abth., nach einer neuen Bearbeic der Oper: Cosi fan tutte, zur beibehaltenen Musik von MC.
Im Schauspielhause: 1) Le Mariage de raisen. vaude en 2 actes, par Scribe. 2) La seconde représenlalion; Les gants jaunes, ou: Les tribulations d'un dauscur, na
Freitag, 12. Juni. Im Schauspielhause: Don 48 Infant von Spanien, Trauerspiel in 5 Abth., von Ga⸗ Hr. Karl Muͤller, vom Stadt⸗Theater zu Riga: Don Ca.
Konlgstaͤbtisches Theater.
ittwoch, 10. Juni. (In Italiaͤnischer Sprache): 8 ramis, Oper in 2 Akten.
Musek von Rossini. (Dle.¹ vom Koͤnigl. Sardinischen Hof⸗Theater zu Turin: Senab als Gastrolle. Hr. Holzmiller wird vor seiner Urlaubsrei Hydrenus zum letzten Male auftreten.) 38
Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im M des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. GM Donnerstag, 11. Juni. Zum erstenmale wiederholt: wirths⸗Proben, oder: Unrechte Wege, Posse in 5 Akten, Adolph Roland. 12. Juni. Der Gloͤckner von Notre⸗Dame, mantisches Drama in 6 Tableaux, nach dem Roman de zugo frei bearbeitet von Charlotte Birch⸗Pfeiffer.
ville nouveau en 1 acte, par Mr. Bayarnl.
Redacteur Cottel. —xeFernEnIUunegnraemnn—n
Gedruckt bei A.
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Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Geheimen Justizrath und Landgerichts⸗Direktor, Dr. Neigebaur zu Fraustadt, den gothen Adler⸗Orden vierter Klasse zu verleihen geruht.
Ihre Koͤnigl. Hoheit die Frau Erb⸗Großherzogin on Mecklenburg⸗Schwerin ist uͤber Potsdam nach Lud⸗ wigslust zuruͤckgekehrt. 8 t
Im Bezirke der Koͤnigl. Regierung
zu Koͤln ist die erledigte Pfarre in Esch dein bisherigen kaplan in Bonn, Laurenz Bruders, verliehen worden;
zu Magdeburg ist der bisherige Pfarrer in Schmidts⸗ orf, Wilhelm Braumann, nach Boͤhne versetzt worden;
zu Stralsund ist der Kandidat der Theologie, Gustav Eiese, zum Pfarrer in Ranzin ernannt worden.
Angekommen: Ihre Durchlaucht die Landgraͤfin von essen⸗Rothenburg,
Se. Durchlaucht der Fuͤrst Karl zu Salm⸗Reiffer⸗ heidt⸗Krautheim, und
Der Kurfuͤrstl. Hessische Geheime Legations⸗Rath, außeror⸗ ntliche Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister am Kaiserl. Oe⸗ erreichischen Hofe, Freiherr von Steuber, von Sembowicz n Ober⸗Schlesien. Der Kaiserl. Russische General⸗Major J
ermolow, von St. Petersburg.
Zeitungs⸗Nachrich Auslan
Rußland.
St. Petersburg, 3. Juni. Unsere Nachrichten uͤber den Aufenthalt Ihrer Kaiserl. Majestaͤten in Moskau reichen bis zum gösten v. M. Allerhoͤchstdieselben haben die Besichtigung der ver⸗ chiedenen öͤffentlichen Anstalten ꝛc. taͤglich fortgesetzt und erfreuen Sich eines ungetruͤbten Wohlbefindens.
Der erste Secretair der diesseitigen Gesandtschaft in Berlin, Kobegienrath Baron von Ungern⸗Sternberg, ist an die Stelle des Staatsraths Zarzecki zum Russischen Residenten in Krakau ernannt worden.
Se. Kaiserl. Hoheit der Großfuͤrst Thronfolger haben dem
hiesigen Buchhaͤndler Brieff fuͤr das von demselben herausgege⸗ bene und Sr. Kaiserl. Hoheit gewidmete Deutsch⸗Russische Woͤr⸗ erbuch einen Brillantring verliehen.
Russische Blaͤtter melden aus Brody vom Löesten v. N.: „Noch ist der Schaden nicht berechnet, den die Feuers⸗ brunst hier angerichtet. Jedoch kann man ihn wohl auf 3,000,000 Rubel anschlagen. Zweihundert, beinahe alle steinerne und an⸗ ehnliche Haͤuser sind niedergebrannt. Mehr denn 1200 Fami⸗ en haben bei diesem Feuerschaden gelitten. Eine Menge von Waaren sind verbrannt, worunter saͤmmtliche Russische Fabrikate, die sich auf der sogenannten Stadtwage und in den dazu gehoͤ⸗ eigen Waarenlagern befanden. Da Brody wegen „seines Han⸗ delsverfalles (besonders des Contrebandirens) schon in den letz⸗ dim Nhren. von allen Seiten bedraͤngt ward, so muß natuͤrlicher Belse ein solches Ungluͤck fuͤr diesen, einst so wichtigen Handels⸗ it hoͤchst traurige Folgen nach sich ziehen. — Uebrigens wird wohl die hiesige Ortsbehoͤrde nicht saͤumen, auf die vom Magi—
ate zu Brody gemachten Vorstellungen einzugehen, und mit eger Huͤlfe bei der Hand zu seyn.“
Frankreich. eIt äber s Das gestrige Journal des Débats 8 is den von dem Minister des oͤffentlichen Unterrichts am Sae heat in der Deputirten⸗Kammer gehaltenen Vortrag zur Fich un igung des Budgers seines Departements folgende Be⸗ V Fg ecnehn an: „Wolkte man nur auf die Wuͤnsche der Refor⸗ 8 - die immer bereit sind, ihre Traͤumereien und Klein sn cssecn⸗ zu machen, wo Zeit, Erfahrung und Tradition undairele hen sollten, gewiß, so waͤre das Gesetz uͤber den Se⸗ S. 8 nterricht bald gemacht; bedenkt man aber, daß die Kam⸗ h g. 68* der Meinung war, daß die bisherigen Grund⸗ anf ffentlichen Unterrichts beibehalten und nur dem ge⸗ d nh gen Züstände der Gesellschaft angepaßt werden muͤßten, butzo 88 egreifen, mit welchen Schwierigkeiten es Herr 1 zu thun hat. Wir theilen auch vollkommen btzmaseg gung des Herrn Ministers, daß der Zweck der heeee gaͤnzlich verfehlt werden wuürde, wenn man an igenfa 9 der humanistischen Basis eine encyklopaͤdisch⸗ miranf 9. iche bringen wollte. Die ganze Frage laͤuft 89 hnaus: Wird aller Zweck der Erziehung der Jugend, h die Entwickelung des Geistes, eher durch Sprachen oder 1 main hwissenschaften erreicht, und, wenn es die erstern sind, ha2 89 dgc vFer den neuern Sprachen den Vorzug ge⸗ üu zot vche üͤberfluͤssig, den schlagenden Gruͤnden, die Herx 1 hieruͤver Lanzen Buͤndigkeit und Klarheit seiner Beredt⸗ bessen fanden E1 hat, noch andere hinzuzufuͤgen. In⸗ politisech öö Gegner desselben, welche ihn durch halb ins eine Hebi 88 e widerlegen wollten, und hieruͤber duͤrfen wir ie er ung erlauben. Man sagt, das Studium der al—⸗ al gewaͤhie . als Hauptgrundlage des Jugend⸗Unterrichts ein⸗ Nitslieder d auge nur dazu, Republikaner zu bilden. Zwei 1 er Ih aseshe Nhs hre dem VGIe diesen heweise 1 „„wissen ihnen dafuͤr Dank, denn sie gige Fndadurch n ihre Anhaͤnglichkeit an die be fa ge Ceel wech eens ein sie moͤgen sich beruhigen; die Monarchie weniger im Spiele, als es scheinen koͤnnte, Die
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Paris, 3. Juni.
zung vom 2.
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Wiederherstellung der klassischen Literatur in Frankreich geschah zu einer Zeit, welche nichts weniger als eine Zeit der republika⸗ nischen Sitte und Denkungsart war; und weder jene Moͤnche zu Ende des Mittelalters, noch jene Philologen des 17ten Jahr⸗ hunderts neigten sich besonders zum Republikanismus. Das literarische Zeitalter Ludwigs XIV. war ein wesentlich mo⸗ narchisches; und wann gab es wohl geschicktere Ausleger, leidenschaftlichere Bewunderer des Alterthums, als damals? Die Wahrheit ist: die Literatur der Alten erregt unsere Bewunderung; ja oft konnten große Geister zu einer blinden Verehrung und Nachahmung derselben hingerissen werden; aber ihr gesellschaftlicher Zustand war jederzeit mit unse⸗ ren Sitten in Widerspruch und das Vorbild ihrer Republiken war fuͤr unser Vaterland niemals gefaͤhrlich. Das, was eigent⸗ lich heute Republikaner macht, ist, abgesehen von den Ueberzeugungen Einzelner, welche wir achten, nicht sowohl eine durch das Stu⸗ dium der Griechen und Roͤmer erzeugte Schwaͤrmerei, als viel⸗ mehr der vollkommene Mangel guter und gruͤndlicher Studien. Diejenigen, die unsere Gymnasien als Republikaner verlassen, sind nicht eben die, welche Demosthenes und Cicero am be⸗ sten verstehen lernten, und diejenigen, welche die Straßen unserer Stäaͤdte mit Unruhen erfuͤllen, haben sich nicht bei den Volks⸗ Versammlungen auf dem Forum, deren Sprache sie wenig kennen, noch auch bei den Volks⸗Tribunen, deren Reden sie gar nicht verstehen, Raths erholt. Fragt dagegen einmal einen Juͤngling, der mit anhaltendem Fleiß und Nachdenken jahrelang die Meisterwerke der Alten studirte, ob er je in Versuchung ge— rieth, unsere Zeit und unser Land nach der Geschichte jener von uns in jeder Beziehung so entfernten Vergangenheit zu beurthei⸗ wle und beides mit einander zu verwechseln. Zu dieser Beob⸗ achtung sind schon Tertianer reif genug. Diejenigen aber, die, nachdem sie bereits ins oͤffentliche Leben getreten, diesen himmel⸗ weiten Unterschied nicht erkennen wollen, haben nicht den Gym—⸗ nasial⸗Unterricht zu stark genossen, sie haben ihn vergessen. Ein⸗ faͤltige und Schwaͤrmer giebt es freilich uͤberall; und wer weiß, ob nicht ein eingefleischter Humanist in seinem Eifer vor⸗ schlagen moͤchte, Frankreich solle nach den Gesetzen des Ly⸗ kurg oder gar des Minos regiert werden. Dagegen fra⸗ gen wir die eifrigen Vertheidiger des ausschließlichen Real⸗Un⸗ terrichts, ob alle die, welche sich diesem Zweige besonders ge⸗ widmet haben, jenen geraden Verstand, jenes gemessene Urtheil, jene richtige Wuͤrdigung der Beduͤrfnisse ihrer Zeit und ihres Landes aus diesen abstrakten Studien schoͤpften, deren Mangel sie unserem Erziehungs⸗System so oft vorwersfen? Welches waren doch die Maͤnner, welche die Lehren des Saint⸗Simonis⸗ mus, woruͤber wir hier keine Stimme abgeben wollen, auf die Spitze trieben? Es waren wohl im Allgemeinen Maͤnner von gediegener Bildung in den exakten Wissenschaften, Maͤnner von seltenem Verdienst, welche jedoch den großen Fehler begingen, daß sie versuchten, die bestehende Gesellschaft, diese Gesellschaft, worin die Leidenschaften und Interessen, die edeln und freien Gefuͤhle auf, und abwogen, einer Art von wissenschaftlichem Ex⸗ periment zu unterwerfen und sie lebendig in ihre der Algebra und der eometrie entlehnten politischen Formeln zu bannen.“
In der vorgestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer theilte Herr Guizot eine Deliberation der Franzoͤsischen Akademie vom 12. Maͤrz mit, woraus sich ergiebt, daß das neue große Fran⸗ zoͤsische Woͤrterbuch nunmehr beendigt ist, und vielleicht noch in diesem Sommer in Druck erscheinen wird. Die letzte Ausgabe dieses Woͤrterbuchs ist bekanntlich von 1762, mithin schon 73 Jahre alt, und daher fuͤr den Gebrauch hoͤchst mangelhaft. Die Aka⸗ demie will sich jetzt, um eine noch sehr fuͤhlbare Luͤcke fuͤr das Sprachstudium auszufuͤllen, mit der Anfertigung eines großen etymologischen Woͤrterbuchs beschaͤftigen. Es ist zu diesem Be⸗ hufe eine besondere Kommission ernannt worden.
Die in der Conciergerie, in Ste. Pélagie und im Militair⸗ Gefaͤngnisse der Abtei befindlichen April⸗Gefangenen hatten vor einigen Tagen gegen diejenigen ihrer Mit⸗Angeklagten, die dem gegebenen Versprechen, bei den Sitzungen des Pairshofes nicht zugegen seyn zu wollen, so lange das Vertheidigungsrecht nicht unbedingt frei sey, untreu geworden, einen Beschluß publi irt, worin sie gegen dieses Betragen protestirten, und sich von ihrer bisherigen Kameradschaft mit den Abtruͤnnigen lossagten. Letz⸗ tere, die sich bekanntlich im Palaste Luxembourg selbst in Haft be⸗ finden, haben darauf ein Antwort⸗Schreiben in den Temps ein⸗ ruͤcken lassen, worin sie ihr Verfahren rechtfertigen. Sie sa⸗ gen in demselben unter Anderem: „Es dringt sich uns, bei der Lesung dieses so ganz unziemlichen Schreibens vorlaͤu⸗ fig nur eine Betrachtung auf, wie seltsam es naͤmlich ist, daß Maͤnner, die sich als so eifrige Anhaͤnger des freien Vertheidigungs⸗Rechtes beweisen, und in allen ihren Reden eine so große Achtung vor der Meinungs⸗Freiheit affektiren, daß diese Maͤnner, sagen wir, sich das Recht anmaßen wollen, einem Theile ihrer Mitangeklagten den Text zu lesen, und ihnen die Art und Weise ihrer Vertheidigung vorzuschreiben.“
Die zum Besten des „Reformateur“ eroͤffnete Subscription belaͤuft sich bereits auf 7000 Fr. —
Der Prozeß der „Quotidienne“ und der „Gazette de France“ wegen der bekannten royalistischen Erklaͤrung wird am 6. d. M. vor dem hiesigen Assisenhofe verhandelt werden; Herr Berryer wird die „Auotidienne“, und wahrscheinlich Herr Hen⸗ nequin die „Gazette“ vertheidigen. 8
In Toulouse sind durch das ploͤtzliche Anschwellen der Ga⸗ ronne in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 50 Haͤuser mehr oder weniger zerstoͤrt, und noch mehrere andere Verheerungen an⸗ erichtet worden. Am 1. Juni trat der Fluß wieder in sein
ett zuruͤck.
1 Die Zoll⸗Einnahme in Häaͤpre ist im v. M. um 550,931! Fr. geringer gewesen als im Monat Mai 1834. Fuͤr die 5 erst Monate d. J. betraͤgt der Ausfall 1,067,245 Fr. *
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ Juni. Lord Melbourne erkläͤrte in veste
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Sitzung (außer dem bereits im Artikel London im vorgestrigen Bl. der St. Z. Mitgetheilten) noch, es gehe aus einer von dem Herzoge von Wellington am 10. Maͤrz 1835 an Herrn Villiers, den Englischen Gesandten in Madrid, abgefertigten Depesche her⸗ vor, daß dieser die Instruction erhalten habe, der Spanischen Regierung anzudeuten, daß die Britische Regierung nicht auf augenblickliche Erstattung der Kosten dringen werde, welche letz⸗ terer die Ausbesserung des Schiffs „Isabella II.“ auf den Koͤnigl. Großbritanischen Werften und die Besorgung von Flinten und verschiedenen Kriegsvorraͤthen fuͤr die Spanische Regierung ver⸗ ursacht. Der Herzog von Wellington sagte hierauf: „Haͤtte mein edler Freund (der Marquis von Londonderry) von den Fragen, die er in Bezug auf diesen Gegenstand gethan, vorher Anzeige gemacht, — wie es der gewoͤhnliche parlamentarische Gebrauch in solchen Faͤllen ist Choͤrt, hoͤrt!), den ich meinem edlen Freunde kuͤnftighin zu befolgen anempfehle, — so waͤre ich schon gestern auf meinem Platze gewesen und haͤtte auf den⸗ jenigen Theil seiner Fragen geantwortet, der sich auf den An⸗ theil bezog, den ich an jener Sache gehabt. Es ist wahr, daß der Spanischen Regierung angedeutet worden ist, die Britische Regierung wolle nicht sogleich auf Berichtigung ihrer Forderun⸗ gen dringen.“ Dies veranlaßte den Marquis von London⸗ derry zu dem Eingestaͤndniß, daß er es in der That verabsaͤumt habe, seinen edlen Freund von seiner Absicht zu unter⸗ richten, und zu der Versicherung, daß er sich in Zukunft an den parlamentarischen Brauch halten werde. Derselbe Lord bemerkte sodann, da er den Marquis v. Wellesley auf seinem Platz sah, daß er noch einmal auf einen Gegenstand zuruͤckkommen muͤsse, der die allgemeine Aufmerksam⸗ keit auf sich gezogen (naäͤmlich die Aeußerung des Marguis von Wellesley, daß er aus Widerwillen gegen die Ernennung des Grafen Mulgrave, als einer Kreatur O'Tonnell's, seine Entlassung genommen habe); denn da er sehe, daß daruͤber in den Zeitun⸗ gen, und zwar nicht in unbedeutenden geringen Blaͤttern, sondern in zwei Zeitungen, von denen man wisse, daß sie mit dem Mi⸗ nisterium in Verbindung staͤnden, naͤmlich im Globe und in der Morning Chronicle, Bemerkungen gemacht und die Sache so dargestellt worden, als haͤtte die erlauchte Person neben ihm (der Herzog von Cumberland, von dem der Marquis von Londonderry gehoͤrt haben wollte, daß Lord Wellesley jene Aeußerung ge⸗ than) Ungegruͤndetes ausgesagt oder unrichtige Schlußfolge⸗ rungen gemacht, so koͤnne er als Ehrenmann dergleichen Behauptungen nicht verbreiten lassen, ohne ihnen aufs entschie⸗ denste zu widersprechen. „Ich kann hinzufuͤgen“, fuhr der Red⸗ ner fort, „daß in Folge des Vorgefallenen eine Korrespondenz stattgefunden hat. So stehen die Dinge jetzt; die gewechselten Briefe sind in meinem Besitz und zeigen, daß der erlauchte Her⸗ zog nichts zuruͤckzunehmen hat, und daß das, was er gesagt, vollkommen gegruͤndet war. Hierbei will ich die Sache bewenden lassen, doch glaubte ich, es dem Charakter des erlauch⸗ ten Herzogs schuldig zu seyn, ihn auch von dem leisesten Ver⸗ dacht, als haͤtte er die Sache unrichtig dargestellt oder Dinge ausgesagt, die sich nicht auf bestimmte und erwiesene Thatsachen stuͤtzten, zu reinigen. Die Korrespondenz, die sich in meinen Haͤnden befindet, ist so uͤberzeugend, daß danach kein Zweifel mehr uͤber die besagte Sache obwalten kann. Ich wiederhole, daß ich nicht weiter hierin gehen will, wenn aber etwa der edle Viscount gegenuͤber (Lord Melbourne) nicht zufrieden gestellt ist, so kann er die Vorlegung der Korresponden; fordern; dasselbe steht dem edlen Marquis (von Wellesley) frei, wenn er noch eine fernere Eroͤrterung wuͤnscht.“ Lord Melbourne erklaͤrte, daß er kein Verlangen danach trage, jene Korrespondenz kennen zu lernen Der Marquis von Wellesley: „Ich auch nicht.“ (Gelaͤchter) Lord Londonderry uͤberreichte nun (wie bereits erwaͤhnt) die von ihm angekuͤndigte, von mehr als 50,000 Protestanten aus dem Norden Irlands unterzeichnete Bittschrift, worin um Schutz fuͤr die herrschende Kirche nachgesucht wird.
„Die Petition“, sagte der Lord, „druͤckt die Besorgnisse aus welche die Irlaͤndischen Protestanten wegen des ge⸗ faͤhrlichen Einflusses gewisser Volksfuͤhrer hegen, und ihre Ueber⸗ zeugung, daß jedes den Katholiken gemachte Zugestaͤndniß sie nur zu neuen Forderungen anspornen wuͤrde. Die erste und wichtigste Unterschrift unter der Adresse ist die des Marquis von Downshire, der zur Durchfuͤhrung der Maßregel zu Guasten der Katholiken behuͤlflich war, der ader, da er gefunden, daß solches Unheil dar⸗ aus entstanden und daß die Kirche in Gefahr ist, auf die maännlichste Weise erklaͤrt hat, so weit sey er gegangen, aber weiter wolle er nicht gehen, sondern, da er die protestantische Religion und die pro⸗ testantischen Interessen gefaͤhrdet sehe, muͤsse er zu ihrem Schutz auftreten.“ Nachdem der Redner sodann bemerkt hatte, daß es fuͤr die Bevoͤlkerung Irlands besser gewesen seyn wuͤrde, wenn der Mar⸗ guis von Wellesley in Irland geblieben waͤre, als daß man den Grafen Mulgrave zum Lord⸗Lieutenant von Irland ernannt haͤtte, fuhr er fort: „Der edle Viscount (Meldourne) hat mich vor einigen Ta⸗ gen gefragt, warum ich diese Bittschrift, da sie schon vor einem hal⸗ ven Jahre entworfen worden, nicht eher eingereicht haͤtte. Ich bin zu freimuͤthig, um dem edlen Viscount nicht zu sagen, daß ich ei⸗ nen Grund hatte, so eu handeln, naͤmlich den, Irland und Groß⸗ britanien erst die unnatuͤrliche Coalttion zwischen dem edlen Vis⸗ count und der Faction, welche Irland jeht regiert, sehen zu lassen (Hort, hoͤrt?) Dies war der Zweck der Petition, als der edle Vis⸗ count sich an der Spitze einer feuͤheren Verwaltung defand. Eim Theil dieses Zwecks wurde kurz nach der Entwerfung der Peti⸗ tion erreicht, denn der edle Viscount ward von seinem Mi⸗ nisterposten entthront und ein Anderer an seine Stelle er⸗ nannt. Waͤhrend der Dauer jenes Ministeriums überreichte ich die Petition nicht, weil ich dasselbe nicht mit einer Diskusston der Art belaͤstigen zu muͤssen glaubte Choͤrt, hoͤrt; von den Minister⸗ Baͤnken), indem ich uͤberzeugt war, daß jenes Ministerium das Ver⸗ trauen der Irlaͤndischen Protestanten besitze. (Hoͤrt, hoͤrt!: von der Opposition.) Wenn der edle Viscount an meiner Versicherun zweifelt (Lord Melbourne: „O, nicht im mindesten““ Gelöchrer)” so will ich die Wahrheit derselben beweisen; als ich aber den edlen Viscount wieder im Amte sah, nicht nur mit einer ehen so schlech⸗ ten, sondern mit einer noch viel schlechteren Verwaltung umgeben, bielt ich es fuͤr meine Pflicht, die Bittschrift uͤberreichen zu muͤssen. Nicht allein, daß die richterlichen Ernennungen in Irland diesen Zustand der Dinge beweisen; nein, Herr O' Connell syficht, als s4de