1835 / 180 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Koͤnigreichs, Herr Florida, Deputirter, der General⸗Administrator er Zoͤlle von Sete Casas, Herr Cesario de Sanza da Guerra Auaresma, der Muͤnzmeister Senor T. de Aginno und mehrere täͤthe des Finanz⸗Ministeriums entlassen und durch Anhaͤnger es neuen Kabinets ersetzt worden.

Der Globe sagt: „Der Oberst Sir Robert Steele, wel⸗ cher jetzt Vice⸗Lieutenant und Magistrats⸗Person fuͤr Dorsetshire ist und sich waͤhrend des Krieges auf der Halbinsel in der Spa⸗ nischen Armee auszeichnete, hat der Koͤnigin von Spanien das

Anerbieten gemacht, ein Corps von 1000 Mann fuͤr sie zu wer⸗ ben. Wird dieser Vorschlag angenommen, so beabsichtigt er, eine Aufforderung an sein altes Corps, die Koͤniglichen Marine⸗Sol⸗ daten und die Marine⸗Artillerie, zu erlassen, bei denen er ver⸗ wandte Gesinnungen finden wird.“ Dasselbe Blatt bemerkt, daß nie schoͤnere Leute, selbst fuͤr den Britischen Dienst, ange⸗ worben worden sind, und daß man sehr auf den Charakter der Soldaten und namentlich der Unteroffiziere Ruͤcksicht genommen habe, so daß die unangenehmen Auftritte, welche sich in Portu⸗ gal ereignet haben, nicht zu befuͤrchten seyen. Der Courier sagt, die Wohnung des Oberst Robinson habe gestern fruͤh eine Außerst belebte Scene dargeboten, indem sich die bei dem ersten Detaschement, welches in dieser Woche nach Spanien abgehen soll, angestellten Offiziere saͤmmtlich dort eingefunden haͤtten, um die naͤheren Instructionen in Bezug auf die Expedition in Empfang zu nehmen.

Dem Sun zufolge, haben die Agenten der Madrider Re⸗ gierung gestern Flinten aus dem Tower ausgeliesert erhalten. Unter den Personen, welche an der Britischen Expedition nach Spanien Theil nehmen werden, nennt jenes Blatt auch den Spa⸗ nischen Oberst Inda, der die Lokalitaͤten von Biscaya genau ken⸗ nen, die Kriegfuͤhrung in den Gebirgen sehr gut verstehen soll. Es heißt, er werde als General⸗Kriegs⸗Zahlmeister unter Oberst Evans eintreten, und Letzterer verspreche sich sehr viel von dessen Dienstleistungen. 8 .““

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Bruͤssel, 25. Juni. In dem hiesigen Moniteur liest man: „Das Journal de la Haye enthaͤlt eine Korrespondenz aus Bruͤssel vom 12. Mai, die von Anfang bis zu Ende ein Ge⸗ webe von Irrthuͤmern und erdichteten Angaben ist. Es ist falsch, daß am l'iten ein außerordentlicher Courier eine Note des Kabi⸗ nels der Tuileriren nach Bruͤssel uͤberbracht hat, welche sich auf eine in Belgien vorzunehmende Anwerbung von Huͤlfs⸗Truppen fuͤr Spanien bezieht. Es ist eben so falsch, daß einem Minister⸗Rathe am 12ten Veranlassung gegeben hat. Die Details, in welche der Korrespondent des Journal de la Haye eingeht, mit Bezug auf die Meinung des Herrn von Mue⸗ lengere und auf die Entwuͤrfe, welche dem General Evain zugeschrieben werden, und auf die Schwierigkeiten, welche sich der Bestimmung des Commandeurs der Huͤlfs⸗Trup⸗

den und seiner Unter⸗Befehlshaber entgegenstellen, sind durchaus

erdichtet und ungegruͤndet. Dasselbe ist der Fall mit den Nach⸗ richten uͤber die fremden und die Belgischen Deserteure. Wir beschraͤnken uns darauf, alle die Versicherungen, welche dieser Brief aus Bruͤssel enthaͤlt, foͤrmlich Luͤgen zu strafen und dies ist die einzige Antwort, welche die haͤmischen Insinuationen ver⸗ dienen, die der Verfasser den irrthuͤmlichen Angaben, auf welche seine Korrespondenz sich gruͤndet, eingestreut hat.“

Der Artillerie⸗Major Kessels ist vorgestern mit Urlaub ab⸗ gereist. Er geht nach London, um, wie man sagt, sich mit den Chefs der Englischen Expedition nach Spanien zu besprechen.

8 8u I e Warschau, 26. Juni. Der Feldmarschall Fuͤrst von War⸗

schau, Statthalter des Koͤnigreichs, ist am Mittwoch fruͤh von hier nach der St. Georgen⸗Festung (Modlin) abgereist.

Aus Galizien ist die Nachricht hier eingegangen, daß die Fuͤrstin Isabella Czartoryska, geborne Graͤsin leming, im 90sten Jahre ihres Alters in diesen Tagen dort verstorben ist.

Das hiesige Israelitische Hospital wird um ein Gebaͤude vermehrt werden, zu welchem am Dienstage hier der Grundstein gelegt wurde. Das Hospital verdankt diese Vergroͤßerung be⸗ sonders den Vorschlaͤgen des Staatsraths Grafen Friedrich Skar⸗ bek. Der Fuͤrst Statthalter mauerte den ersten Ziegel ein; ihm folgten der Militair⸗Gouverneur von Warschau, General⸗Adju⸗ tant Pankratjeff, der Direktor der Regierungs⸗Kommission des

Innern und der Unterrichts⸗Angelegenheiten, General⸗Lieutenant Golowin, der Praͤsident des General⸗Conseils der wohlthaͤtigen Anstalten, Staatsrath Lubowidzki, der Stadt⸗Praͤsident Laszczynski und der Vice⸗Praͤsident General Storozenko. Waͤhrend der Grund⸗ steinlegung hielt der Warschauer Rabbiner in Hebraͤischer Spra⸗ che eine Anrede an die Versammelten, die sodann auch in Pol⸗ nischer Sprache verlesen wurde.

Die ausgezeichnetste Wolle auf dem diesjaͤhrigen Markt hier⸗ selbst soll, nach dem Urtheil von Kennern, die von dem Graͤflich Ostrowskischen Gute Maluschyn gewesen seyn, von der 360 Stein

an Markt gebracht waren; sie wurde mit 120 Rthlr. fuͤr den

Centner bezahlt. e

Dresden, 26. Juni. Am 24sten d. Abends fand hier mit Fackeln und Gesang das feierliche Leichen⸗Begaͤngniß der hier in der Bluͤthe des Lebens verstorbenen Fuͤrstin von Wittgenstein

statt. Der Gesandtschafts⸗Geistliche aus Berlin verrichtete das Todtenamt. Die Leiche wird spaͤter auf die Guͤter der verstor⸗ benen Fuͤrstin nach Rußland abgefuͤhrt werden.

. Zu den merkwuͤrdigen Fremden, die jetzt Dresden besuchen, gehoͤrt der durch seine Reise in Amerika und die Darstellung nautischer Scenen allbekannte See⸗Capitain der Koͤnigl. Marine, Basil Hall mit seiner Familie. Er hat unserer Koͤnigl. Biblio⸗ thek, mit deren Einrichtung er sehr zufrieden war, seine Werke geschenkt, und geht von hier nach Berlin.

Weimar, 27. Juni. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog haben den Ober⸗Jaͤgermeister und Kammer⸗Direktor, Freiherrn von Fritsch, zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat „Excellenz” ernannt und dem Kammer⸗Direktor Dr. Stichling den Charakter als Praͤsident ertheilt.

Der Geburtstag Sr. Koͤnigl. Hoheit des Erb⸗Großherzogs ist am Züsten d. M. sowohl im Schlosse als bei den Bewohnern der Residenz mit herzlicher Theilnahme gefeiert worden.

Coͤthen, 23. Juni. Der Verein homoͤopathischer Aerzte wird seine diesjaͤhrige General⸗Versammlung am 10. August in Braunschweig halten und hat zu diesem Zwecke eine Bekannt⸗ machung in oͤffentlichen Blaͤttern erlassen.

Muͤnchen, 22. Juni. (Schwaͤb. Merk.) Es ist der bestimmte Wille des Koͤnigs, daß die vielen Moosgruͤnde im Isar⸗Kreise, der, trotz seines groͤßeren Umfangs und der Bevoͤl⸗ kerung der Hauptstadt mit 100,000 Seelen, jedem der sieben

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diese Note zu

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uͤbrigen Kreise hinsichtlich der Volksmenge um ein Bedeutendes nachsteht, urbar gemacht werden. Der General⸗Administrator der Staats⸗Guͤter, Baron Ruffin, hat deswegen die geeigneten Anweisungen erhalten. Ehen so ist es der Wille Sr. Majestaͤt, daß vorerst von Seiten saͤmmtlicher Behoͤrden Maßregeln ge⸗ troffen werden, durch die es moͤglich gemacht werden soll, daß kuͤnftig Bayern hinsichtlich der Erzeugung von Gegenstaͤnden der Industrie keinem der uͤbrigen Deutschen Staaten nachstehe. Der Koͤnig ist hierfuͤr vaͤterlich besorgt. Diese Vorsorge thut beson⸗ ders unserem Alt-Bayern Noth. Außerdem hat der Koͤnig be⸗ fohlen, daß eine moͤglichst schleunige und vollkommene kommer⸗ zielle Verbindung im ganzen Reiche hergestellt werde. Die wackeren, allzeit ruͤhrigen Nuͤrnberger wollen die Eisenbahn von Nuͤrnberg nach Fuͤrth schon den 25. August d. J. eroͤffnen. Man spricht in unserer Hauptstadt von einem Plan, von hier nach Augsburg eine Eisenbahn anzulegen, die seiner Zeit uͤber Ulm, Stuttgart und den Westen fortgesetzt werden duͤrfte. Muͤnchen, 25. Juni. Herr Acquabona, welcher am Dien⸗ stag Vormittag 10 Uhr aus Griechenland uͤber Ancona hier eintraf, brachte die sehr erfreuliche Nachricht, daß am 1. Juni die Feier der Thronbesteigung Sr. Majestaͤt des Koͤnigs Otto J. unter unbeschreiblichem Jubel zu Athen stattgefunden habe. Der Staats⸗Minister des Koͤnigl. Hauses und der auswaͤrtigen An⸗

gelegenheiten, Freiherr von Gise, ist gestern Vormittag nach

Bruͤckenau abgereist, um Sr. Majestaͤt dem Koͤnige die Kunde von diesem hoͤchst erfreulichen Ereignisse zu uͤberbringen.

Stuttgart, 27. Juni. Auf dem Wollmarkt in Kirchheim ist die beste Sorte zu 235 Fl. (im 24 Fl. Fuße) verkauft wor⸗ den. Im Durchschnitte stellten sich jedoch die Preise um 8 bis 10 pCt. niedriger als im vorigen Jahre. Ueber schlechte Waͤ⸗ sche wurde auch hier in diesem Jahre Klage gefuͤhrt.

Karlsruhe, 23. Juni. Die Zoll⸗Kommission der ersten Kammer beschaͤftigt sich fortwaͤhrend mit der Berathung der Zoll⸗Frage.

Auch in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer, in der die Fortsetzung der Berathung uͤber den Gesetz⸗Entwurf, die Be⸗ streitung der Gemeinde⸗Beduͤrfnisse betreffend, stattfand, wurden wieder mehrere Bittschriften fuͤr den Anschluß an den Zoll⸗ Verein vorgelegt.

So eben vernimmt man aus achtbarer Auelle, daß mit Beendigung der Zoll⸗Angelegenheiten der Landtag sogleich ausein⸗ ander gehe und zur Berathung des Budgets eine nochmalige Zusammenberufung der Staͤnde im kommenden Herbste stattfinde.

Naͤchstens soll zwischen der hiesigen Stadt und Mannheim ein Dampfwagen seine Thaͤtigkeit antreten und zwar so, daß er den Weg von sechs Meilen in zwei Stunden zuruͤcklege, und denselben zweimal des Tages mache.

Karlsruhe, 24. Juni. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer erstattete der Abgeordnete Gerbel den Kommis⸗ sions⸗Bericht uͤber die wegen des Anschlusses an den Zoll⸗Verein eingekommenen Bittschriften. Er fuͤhrte die Gruͤnde fuͤr und dagegen, die in den verschiedenen Bittschriften angegeben sind, namentlich auf, woraus sich ergiebt, daß die Gegner des Anschlus⸗ ses (meistens Oberlaͤndische Amts⸗Bezirke) vorzuͤglich die Stoͤ⸗ rung ihres freien Verkehrs mit der Schweiz im Auge hatten; eine einzige der Bittschriften nur wurde durch das Geruͤcht von Erhoͤhung des Salz⸗Preises hervorgerufen. Die den Verein wuͤnschenden Petenten gruͤndeten ihre Gesuche nicht bloß auf ma⸗ terielle, sondern auch auf edlere Interessen, bestehend in einer An⸗ naͤherung der Deutschen Volksstaͤmme zu einem hohen nationalen Ganzen. Der Antrag der Zoll⸗Bittschriften⸗Kommission ging da⸗ hin, ihren Bericht an die Zoll⸗Kommission zur gutfinden⸗ den Ruͤcksichtsnahme zu uͤberweisen. Die Discussion uͤber diesen Antrag wurde sofort eroͤffnet. Zuerst ergriff der Abgeordnete von Rotteck das Wort, um die Ungerechtigkeit zu zeigen, die ihm von der Regierungs⸗Kommission dadurch zugefuͤgt worden sey, daß sie ihm die Hervorrufung der meisten, gegen den Ver⸗ ein stimmenden Adressen mittelst Ausbreitung falscher Geruͤchte uͤber Erhoͤhung des Salzpreises im Fall des Anschlusses zur Last gelegt habe. Es gehe aus dem Berichte der Bittschriften⸗Kom⸗ mission der Ungrund dieser Anschuldigung hervor, weshalb er auch darauf antragen muͤsse, daß sie durch die naͤmlichen Organe, die ihm diese Vorwuͤrfe gemacht haͤtten, nun auch oͤffentlich wieder zuruͤckge⸗ nommen werden. Hierauf stellte der Abgeordnete Welker den Antrag auf Vorausdruck des Berichts, Behufs der Austheilung desselben un⸗ ter die Kammer⸗Mitglieder, und fragte zugleich bei der Regie⸗ rungs⸗Kommission an, warum die Regierung zu gleicher Zeit wie an die zweite Kammer, so auch an die erste die Zoll⸗Vereinigungs⸗ Angelegenheit zur Berathung gebracht habe, was ihm als eine Rechtsverletzung der zweiten Kammer erscheine. Der Regierungs⸗ Commissair, Staatsrath Nibenius, erwiederte, daß die hohe Wich⸗ tigkeit der Sache dies verlangt habe, und es sich uͤbrigens bei deren naͤherer Berathung herausstellen werde, daß dadurch die Rechte der zweiten Kammer durchaus nicht beeintraͤchtigt worden seyen. Zu den Bittschriften zuruͤckkehrend, uͤber die gerade be⸗ richtet ward, stimmten die Abgeordneten v. Itzstein, Moͤrdes, Winter v. Heidelberg und Andere, die noch sprachen, darin uͤber⸗ ein, daß auf dieselben kein Gewicht zu legen sey, weil sie theils durch Ein⸗ fluß, theils durch das augenblicklich aufgexegte Lokal⸗Interesse erzeugt worden seyen. v. Itzstein erwaͤhnte noch besonders eines Cirkulars der Regierung, das sie an die Beamten habe abgehen lassen, um die von den Gegnern des Zoll⸗Vereins angeblich ausgegangenen Provocationen von Bittschriften gegen den Anschluß, durch ge⸗ eignetes Einschreiten bei den Gemeinden wirkungslos zu machen, was ihm (v. Itzstein) nichts anders, als eine Aufforderung der Regierung scheine: Bittschriften fuͤr den Zoll⸗Verein zu veranlas⸗ sen. Minister Winter antwortete ihm darauf, daß das frag⸗ liche Cirkular nichts weniger als dieses, sondern vielmehr das Einstellen aller Bittschriften habe bezwecken sollen, weil die Ge⸗ meinden weder von dem Inhalte noch von dem Umfange des provisorischen Vertrags irgend eine naͤhere Kenntniß haͤtten, und alle Gemuͤther im Augenblicke von der Sache so an— geregt seyen, daß man die Bittschriften, solcher Unkenntniß und solcher Aufregung entflossen, unmoͤglich beruͤcksichtigen koͤnne. Der auf dem Abgeordneten⸗Stuhl sitzende Praͤsi⸗ dent Mittermaier rechtfertigte hierauf in einem kurzen Vor⸗ trage die Regierung wegen der gleichzeitigen Beschaͤftigung der ersten Kammer mit der Zoll⸗Frage durch die große Wichtigkeit der Sache; er erblickte darin nicht die geringste Verletzung der Rechte der zweiten Kammer, sondern glaubte vielmehr, daß es in der Absicht der Regierung liege, dadurch die Angelegenheit zu be⸗ foͤrdern, fuͤr den Fall, daß die zweite Kammer zum Anschlusse ihre Zustimmung gebe. Hiemit wurde die Berathung geschlossen, und uͤber den Antrag der Zoll⸗Bittschriften⸗Kommission auf Ueberwei⸗ sung ihres Berichtes an die Zoll⸗Kommission, so wie uͤber Welkers Antrag auf den Vorausdruck desselben abgestimmt, wor⸗ auf der erste Antrag angenommen, der des Abgeordneten Welker aber verworfen ward. Nach diesem wurde die Berathung

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des Gesetz⸗Entwurfes uͤber die Bestreitung der Gemeinde⸗Be⸗ duͤrfnisse fortgesetzt. Das langsame Fortschreiten dieser Berathung hat bis jetzt die Bericht⸗Erstattung uͤber die Zollsache unmoͤglich gemacht, da die Kammer diese Arbeiten vorerst erledigen wil, um sich dann ungestoͤrt der wichtigsten hingeben zu koͤnnen. Frankfurt a. M., 23. Juni. Die gesetzgebende Versamm⸗ lung hat nun im Wesentlichen ihre Berathung uͤber die angetra⸗ gene neue Polizei⸗Organisation beendigt, und wird diesen Gegen⸗ stand, sobald die ernannte Kommission uͤber die beiden ihr noch zur weitern Begutachtung uͤberwiesenen Punkte (die Ueberwei⸗ sung der Einnahmen und die Verwaltung des Hospitals fuͤr un⸗ reine Kranke an andere Stellen, und die Errichtung eines Zucht⸗ polizei⸗Gerichts) den erforderlichen Bericht erstattet haben wird, dem Senat zur Ruͤckaͤußerung mittheilen. In der letzten Siz⸗ zung wurde nun noch beschlossen, daß ein Polizei⸗Offizier mit Ober; Lieutenants⸗Rang und einer jaͤhrlichen Besoldung von 880 Fl. als Kommandant der Gendarmerie bestellt, und daß die Polizei⸗Mannschaft kasernirt werden solle. Fuͤr dieses Gendarmerie⸗Corps ward der jaͤhrliche Bedarf auf

13,000 Fl. bestimmt, und fuͤr die erste Anschaffung der Pferde

circa 25,000 Fl. verwilligt. Der von einem Mitgliede gestellte Antrag auf Einfuͤhrung bestimmter Polizeigesetze wurde, so viel⸗ fach er auch Unterstuͤtzung fand, wegen der Allgemeinheit, in der er gestellt war, nicht angenommen; dagegen wurde beschlossen, es sey der Senat zu ersuchen, bestimmte Instructionen uͤber das Verhalten des Gendarmerie⸗Corps im Dienste, so wie uͤber das gegen diese Mannschaft einzuhaltende Strafverfahren zu erlassen, und dieselben, in soweit sie zur Gesetzgebung gehoͤren, der gesetz⸗ gebenden Versammlung zur Genehmigung mitzutheilen.

Die angetragene Vermehrung unseres Linten⸗Militairs hat nun auch die Zustimmung der staͤndigen Buͤrger⸗Revpraͤsentation

erhalten, und dieser Gegenstand wird ebenfalls an die gesetzge⸗

bende Versammlung gelangen.

Frankfurt a. M., 27. Juni. Waͤhrend der heute ab⸗ laufenden Woche war das Geschaͤft in Staats⸗Papieren sehr wenig belebt, weshalb auch die Notirungen nur unbedeutende Schwankun⸗ gen erfuhren. Kaum daß die Bank⸗Actien um einige Gulden hoͤher gingen und die Integralen um ½ vCt. anzogen. Alle uͤbrigen Oester⸗ reichischen und Hollaͤndischen Fonds stehen heute, wie vor acht Ta⸗ gen. Es blieb indessen bei der Stockung, ohne daß daraus eine Tendenz zum Fallen entstanden waͤre, weil das baare Geld abon dant

war und die effektiven Stuͤcke etwas fehlten. Es waren stets Kaͤu⸗

fer pr. Kassa am Markt. Man konnte Metalliques, Actien und Iʒu

tegrale auf einnen Monat six um ¾ vCt. niedriger haben als pr. comptant. Viele der couranten Fonds wurden zu 3 ½¾ „Ct. in Pro⸗ longation gegeben. Das Praͤmien⸗Geschaͤft war nur gering, indem sich bei den stationairen Coursen kaum noch Bieter finden. Man machte Einiges in Bank⸗Actien, auf Ende Juli zum Tages⸗Courz zu beziehen, mit 14 Fl. Praͤmie pr. Stuͤck; auf Integrale gab man

pr. ultimo August 1 pCt., um sie zu 55 pCt. empfangen zu koͤnnen.

In Spanischen Fonds war der Handel sehr still. Daß die Course derselben im Weichen sind, kann nicht auffallen, da die Pariser und Antwerpener Boͤrse nur geringe Speculationslust fuͤr diese Effekten zeigen, auch der politische Horizont Spaniens noch ganz uͤberwoͤllt ist. Von Praͤmien⸗Scheinen waren die Preußischen und Polnischen zu steigenden Preisen begehrt; man konnte nur fuͤr kleine Posten Abgeber sinden. Fuͤr neue Polnische 500 Fl.⸗Loose, 3 Monat nach Erscheinen zu liefern, wurde 88 ½ gemacht. Auch die aproc. Obliga⸗ tionen von Bayern und Darmstadt, so wie die Preußischen Sraats⸗ Schuldscheine, waren gesüucht. Im Wechsel⸗Handel war wenig zu thun; Amsterdam war haͤufiger zu haben und eher offerirt; Wien, Paris und Hamburg k. S. hielten sich begehrt. unveraͤndert zu 2 ¼ vCt. notirt. Nachschrift. Heute, am Sonn⸗ abend, wurde sehr wenig in Fonds gethan; Oesterreichische und Hollaͤndische hielten sich, Spanische waren mehr ausgeboten als begehrt. 16 3 ö .

Neuchatel, 23. Juni. Gestern fand die Wiederversamm⸗ lung des gesetzgebenden Koͤrpers statt. Nach dem uͤblichen Ge⸗ bete eroͤffnete Herr von Pourtalés, Praͤsident des Staats⸗Rathes, die Sitzung mit folgender Rede:

„Meine Herren! Ich hatte gehofft, die gegenwaͤrtige Session durch Se. Excellenz, den Herrn Gouverneur, eroͤffnet zu sehen; seine Ruͤckkehr zu uns hat indeß einen Aufschub von einigen Tagen erlit⸗ ten, und ich sehe mich daher berufen, ihn auch diesmal zu vertreten. Der Staats⸗Rath wird Ihnen, meine Herren, uͤber den Zustand un⸗ serer politischen Verhaͤltnisse zur Schweiz Auskunft geben; die For⸗ derung, welche er der Tagsatzung uͤber die Fortdauer der Garantie unst⸗

rer monarchischen Institutionen vorzulegen beauftragt war, ist in dem In⸗

strucetions⸗Cirkular enthalten. Dtese Forderung giedt der Schweiz Gelt⸗ genheit, sich offen uͤber die Art und Weise, wie sie, in Ruͤcksicht auf uns, die uns bindenden Vertraͤge auszufuͤhren denkt. Sie hat daraus, daß wir der an uns gerichteten Forderung, unsere beiden Kontingenn ihrer Inspection zu unterwerfen, Folge leisteten, ersehen koͤnnen, daß es der Wille des Koͤnigs und Seiner Regierung ist, daß das Land

auf loyale Weise die Verpflichtungen erfuͤlle, welche aus dem Ver⸗

trage hervorgehen. Die bedeutenden Opfer, welche der Koͤnig ge⸗ bracht hat, um die Lasten zu vermindern, die, vermoͤge unserer Ver⸗ haͤltnisse, zur Eidgenossenschaft der minder wohlhabenden Klasse auß erlegt sind, geben einen neuen Beweis Seiner Sorgfalt fuͤr das Fuͤrsten⸗ thum. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Staates füͤr 1834 wird Ihnen zeigen, daß, un eachtet aller jener Opfer, die Finanzen des Staates sich fortwaͤhrend in einem befriedigenden Zustande befinden und daß unsere Schuld sich um 100,000 Fr. vermindert hat. Di Ausgaben, welche die Reorganisirung unserer Kontingente noͤthi macht, sind durch fruͤhere Ersparnisse gedeckt und der erfreuliche Zu⸗ stand der oͤffentlichen Einkuͤnfte wird es der Regierung gestatten, diejenigen nutzreichen Ausgaben, welche das Wohl des Landes er⸗ heischt, zu bestreiten. Diese gluͤckliche Lage des Landes verdanken wir, meine Herren, dem gedeihlichen Zustande der Industrie, die von einer durch nichts beschraͤnkten Freiheit beguͤnstigt ist, der Ruhe, welche auf die Zeit des Sturmes folgte, und dem zuruͤckgekehrtag Vertrauen. Wir verdanken ihn auch der wohlwollenden Großmuth de Kdnigs, der jaͤhrlich durch die Summe von 70,000 Fr. auf so freigebig⸗ Weise zur Zinsenzahlung der oͤffentlichen Schuld und zu den Kostek der besoldeten Garde beitraͤgt, und der keine Gelegenheit voruͤbergehen laͤßt, wo Er waͤhrhaft nuͤtzliche Unternehmungen unterstuͤtzen kann Sie haben, meine Herren, in dieser Sesston die Instructiontn fuͤr Ihre Deputirten bei der Tagsatzung zu votiren. Die Fragt uͤber Revidirung des Bundes⸗Vertrages, welche vor einigen Jahrel so sehr die Leidenschaften aufregte, ist jetzt in dem Instructions⸗Cir⸗ kular bloß angedeutet. Ein Entwurf zu einem neuen Militair⸗ Strafgesetzbuch, ein neues Reglement fuͤr das eidgendoͤssische Mil⸗ tair, sind Gegenstaͤnde, die um so mehr Ihre ganze Aufmerksam⸗ keit verdienen, als sie vorzuͤglich unsere Bevoͤlkerung interessiren, die mit der Schweizer Miliz zusammen marschiren soll und dabtt ihren Bestimmungen unterworfen ist. Die Regierung ist erfreut, Ruhe und Ordnung unter uns herrschen zu sehen. Sie wissen ohne Zweifel, meine Herren, daß die erste Inspection eines Corps unserer Milt ganz dem entsprochen hat, was man von dem Eifer und der Thaͤtigkti der Offiziere, so wie von dem guten Willen der Truppen erwarten konnte. Dies ist, ich wage es zu hoffen, eine Buͤrgschaft fuͤr die Sicherheit der zu erwaͤrtenden Truppen⸗Versammlungen. 4₰ erklaͤre hierdurch die gegenwaͤrtige Session des gesetzgebenden Köt⸗ pers fuͤr eroͤffnet.“

Es fand hierauf die Wahl des Buͤreaus statt und von den drei vorgeschlagenen Kandidaten wurde Herr Challandes

um Praͤsidenten des gesetzgebenden Corps fuͤr die laufende Ge jen

Der Diskonto iüi

ernaunt. Die Herren Favarger, Terrisse und Guillebert wurden zu Secretairen erwaͤhlt.

Spanien. ““

Madrid, 17. Juni. Die heutige R evista enthaͤlt Nach⸗ stehendes: „Wir hoͤren, daß in der Nacht vom 14ten d. M. mehrere Personen verhaftet worden sind weeiil sie im Verdacht stehen, in eine Karlistische Verschwoöͤrung vervickelt zu seyn, die sich uͤber mehrere Staͤdte in der Umgegend erstreckte. Man wollte die Gefangenen befreien, sie als Urbanos verkleiden und sie dann zur Ausfüͤhrung der entworfenen abscheulichen Plaͤne in der Stadt vertheilen. Unter den Verhafteten befindet sich auch der Advokat Selva, welcher schon bei fruͤheren Verschwoörungen figurirte; fer⸗ ner einige hiesige Geistliche und zwei Priester aus Santa Cruz. Die Verschworenen hatten Verzeichnisse von Anhaͤngern der Sa⸗ che Isabella's, die ermordet und deren Hauser gepluͤndert werden sollten, angefertigt. Auf dieser Liste standen auch viele Kaufleute.“

Franzoͤsische Blaͤtter melden aus Aranjuez vom 17ten

„Die Zusammensetzung des neuen Ministeriums hat unter den

Liberalen Zufriedenheit erregt. Die Minister halten haͤufige Zusammenkuͤnfte. Gestern wurde hier ein Ministerrath gehalten, und nach einer langen Besprechung mit Herrn von Rayneval gingen sämmtliche Minister nach der Hauptstadt ab. Ihre Kon⸗ ferenzen und Berathungen beziehen sich Hauptsaͤchlich auf die Maßregeln, welche nach der von Frankreich und England ver⸗ weigerten direkten Intervention zu ergreifen seyn moͤchten. Die haͤufgen Konferenzen mit Herrn von Rayneval haben zu ver⸗ schiedenen Geruͤchten Anlaß gegeben. Das groͤßte Uebel ist die Entmuthigung unserer Armee, die wohl nicht vor der Ankunft sremder Huͤlfstruppen den Kampf wieder beginnen wird. Die Minister sind uͤber die Besetzung des Ober⸗Kommando's der Armee noch zu keinem Entschlusse gekommen. Gestern wurde General Cordova von der Koͤnigin empfangen und man glaubt, er werde sich bald wieder zur Armee begeben. Es ist noch nicht bekannt, wer den General Alava als Botschafter in London er⸗ dieses Monats nach Madrid

seten wird. Der Hof wird zu Ende beruͤckkehren/. Tuͤrkei. 6 Konstantinopel, 3. Juni. Die Tüuürkische Zeitung (Tekwimi Wekaji) vom 6. Sefer (2. Juni) enthaͤlt auf beinahe vier Spalten die Beschreibung einer zu Ehren des Prinzen Ab d Elasis elbdol Aziz) veranstalteten Feier, von der wir eine ge⸗ draͤngte Uebersicht geben wollen. Der Sultan hatte den 9ten des verwichenen Monats Muharrem als den Tag erkoren, an wel⸗ chem der genannte Prinz die erste Vorlesung aus dem Koran an⸗ hoͤren sollte. Saͤmmtliche Großwuüͤrdenträaͤger waren durch den ersten Wesir schriftlich zu der hehren Feier eingeladen, auch die Schullehrer von Konstantinopel, Adrianopel und Brussa sammt ihren respektiven Schuͤlern aufgefordert worden, daran Theil zu nehmen. An dem genannten Tage erschienen die Wesire in Uni⸗ form mit Epauletten, einen Degen an der Seite und das einfache Feß auf dem Haupte tragend; die Ulema's in Turban und Fi⸗ radsché; *) die uͤbrigen Hof⸗ und Staats⸗Beamten in goldgestick⸗ ter Unisorm und mit ihren Degen umguͤrtet. Vor dem Serai war ein Großherrliches Zelt aufgeschlagen, in welches zunaͤchst nur die Prediger und IJmame gingen, und im Kreise sitzend der Reihe nach aus dem Koran vorlasen. Dann begab sich die ganze Schaar der Eingeladenen aus den zwoͤlf Zelten, in die sie vertheilt waren, eben dahin, und harrte des Großherrn, der bald nachher auf sei⸗ nem edlen Rosse mit berittenem Gefolge ankam, und auf dem fuͤr ihn bestimmten Throne sich niederließ. Endlich erschienen auch die beiden Prinzen Abd Elmedschid (Abdol Medschid) und Abd Elasis in Begleitung ihrer Hofmeister und uͤbrigen Beamten, und wurden, mit Großherrlicher Erlaubniß, von den ersten Wuͤrden⸗ traͤgern vor dem Zelte bewillkommt, worauf sie von den Pferden abstiegen und ihren Platz vor dem Groß⸗Wesir einnahmen. Um 6 Uhr und 14 Minuten, als der bestimmten Zeit der Ceremonie, setzte sich Prinz Abd Elasis, gerade dem Throne gegenuͤber, auf einen kostbaren Ehrensessel, und die Vorlesung wurde sofort ab— gehalten. Zum Schlusse sprach Scheich Murad vom Orden der Nakschbendi, dem Großherrlichen Throne zuschreitend, mit lauter Stimme ein Gebet, in welches die ganze Versammlung einstimmte. Demnaͤchst beurlaubten sich die beiden Prinzen und traten mit ihrem Gefolge ab, worauf die Vornehmsten der Anwesenden, Einer nach dem Andern, vor Seiner Hoheit huldigend niederfie⸗ len. Dann erhob sich der Sultan, warf der ganzen Versamm⸗ lung huldreiche Blicke zu, und bestieg sein herrliches Roß zum Aufbruche. Saͤmmtliche Wuͤrdentraͤger kehrten nach ihren Zelten zuruͤck; die Scheiche, Muͤderrisse, Chatibe und Imame aber gin⸗ gen reich beschenkt nach Hause. Am folgenden Tage wurden auch die Lehrer an den niederen Schulen (Mekteb) und selbst die Schuͤler mit Geschenken aus dem Großherrlichen Schatze erfreut. Die Tekwimi Wekaji berichtet ferner, daß Seine Hoheit der Tochter des Reis⸗Efendi bei Gelegenheit ihrer in der Mitte des vorigen Monats stattgehabten Hochzeit eine kostbare mit Bril⸗ lanten besetzte Buͤchse verehrt²habe. Der Kommandiant von Belgrad, Wedschihi⸗Pascha, hat nach demselben Blatte als Zeichen der Großherrlichen Anerkennung seiner ausgezeichneten Verdienste ein Exemplar desjenigen Ordens erhalten, der fuͤr die hohen Wesire eigens gestiftet ist. Auch berichtet der Redacte ur dieser Zeitung von sich selbst, daß der Termin seiner nach drei Monaten abge⸗ laufenen Dienstzeit durch die Großherrliche Huld um vier Mo⸗ nate weiter geruͤckt worden sey. Er nennt sich in dieser Anzeige den „mit der Kadi⸗Wuͤrde der Residen begnadigten, zum Dank in jeder Hinsicht ohnmaͤchtigen, im Meere der Großherrlichen Gunst ertrunkenen u. s. w. u. s. w. Historiographen und Redac⸗ teur von großer Armseligkeit, Sohn des Sahafler Scheichi, Esseid Muhammed Essaad.“ Der Titel Efendt ist aus Bescheidenheit weggelassen.

Griechenland. 8 Die wichtige Begebenheit der Thron⸗Besteigung des ersten Koͤnigs von Griechenland wurde, verherrlicht durch die Liebe des

olks zu seinem jungen Monarchen und durch den Zusammen⸗ fluß ausgezeichneter Personen aus allen Gegenden von Griechen⸗ land und aus vielen Europaͤischen Laͤndern, mit der groͤßten Freude unter kirchlichen und oͤffentlichen Feierlichkeiten, Spielen, Taͤnzen, Schmausen im Freien, Freudenschießen und Bele uchtungen began⸗ gen. Die Feste dauerten drei Tage. Die Spiele trugen alle mehr oder weniger den Charakter der altgriechi schen und waren icht national. In einer Proclamation hatten Se. Maj. den An⸗ tritt Ihrer Selbstregierung angekuͤndigt, auf die Schwierigkeiten der Ihnen gewordenen Aufgabe hingewiesen, Ihre gaͤnzliche Wid⸗ mung fuͤr den hohen Beruf bezeugt, und erklaͤrt, daß Sie auf die Treue und beharrliche Mitwirkung der Hellenen aller Klas⸗

sen und aller Meinungen vertrauen, durch die allein Sie in ——

germgrrdsche ist ein festliches Oberkleid mit weiten und offenen

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den Stand gesetzt wuͤrden, das emeinsame Ziel der Wieder⸗ geburt von Griechenland zu arveschen⸗ Der —— wird der besondere Koͤnigliche Schutz verheißen, mit der Versiche⸗ rung, daß in der Koͤnigl. Familie ihr derselbe auch in Zukunft niemals entstehen werde. Ferner wird anerkannt, wie Vieles zur Aufmun⸗ terung des Ackerbaues, zur Belebung des Handels, zu Vereinfa⸗ chung der Administration und Verbesserung der Gerichte gesche⸗ hen muͤsse, und verheißen, daß Huͤlfe bald solle geleistet werden. Die Einrichtung der oͤffentlichen Schulen wird als ein der Koͤ⸗ niglichen Sorgfalt eben so wuͤrdiger als beduͤrftiger Gegenstand und die ungesaͤumte Ergreifung der zu ihrem Flor erforderlichen Maßregeln angekuͤndigt, so wie Ab uͤlfe jeder be⸗ gruͤndeten Beschwerde und Beachtung der Reclamationen der Ein⸗ zelnen, so weit sie bei der Lage der oͤffentlichen Einkuͤnfte und Be⸗ duͤrfnisse moͤ lich sey. Unter den ersten Regierungs⸗Maßregeln Sr. Maj. ist wohl die bedeutendste die Ernennung des Grafen v. Arman⸗ sperg zum Erz⸗Kanzler des Reichs mit einem Gehalte von 40,000 Drachmen. Die Gefangenen Kolokotroni und Plaputas wurden be⸗ gnadigt und auf freien Fuß geseht, und der aͤltere Sohn von Kolokotroni, Gennaͤos, zum bersten ernannt; eben so war die Ernennung von vier Adjutanten Sr. Majestaͤt, des Herrn K. Souzo, Zavellas. E. Mauromichalis und des Herrn von Luͤders bekannt. Die Reform im obersten Verwaltungs⸗Personal wurde erwartet. General von Heideck, mit dem Großkreuze des Erloͤser⸗ Ordens beehrt, und Geheime Rath von Greiner haben sich am 8. Juni eingeschifft; Staatsrath von Kobell wird nach einer Reise durch die Inseln ihnen nachfolgen. 8

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Inl and Ueber

die letzte Inspections⸗Reise

Berlin, 30. Juni. Sr. Hoheit folgender Bericht aus Treptow a. d. T. zu: daß des Kronprinzen Koͤnigl. Hoheit Hoͤchsti 1 nach am 23sten d. M. durch unsere Stadt

men wuͤrden, hatte die hiesigen Einn Besechh hiesigen Einwohner, welche schon lange Erben in ihrer Mitte sG t. Alles beeiferte sich, die Haͤuser und mi lichen Empfange vorzubereiten. Se. Koͤnigl. Ho eit tr Nach⸗ mittags 3 ½ Uhr bei dem heitersten S aller Glocken hier ein,

re Reise von Stral⸗

r stiegen in dem zu Hoͤchstihrer Aufr bestimmten Hause ab und ließen sich sofor⸗ 6g stellen. Der Zufall wollte, daß an demselben Tage die hie⸗ sigen Schulknaben, welche unter rer Lehrer schon seit vielen Jahren ein bruͤsten halten, sich zu diesem Zwecke in Compagnie formirt hatten, und so, mit Trommel, Musik und Fahne ausgestattet, ihren Ausmarsch nach dem Schießplatze nah⸗ men. Eine religioͤse Schul⸗Feierlichkeit zum Andenken an einen frommen Wohlthaͤter der hiesigen Schule geht diesem Vogelschie⸗ Een b vohe⸗ 8

Ze. Koͤnigl. Hoheit nach erhaltener Anzeige von dem Schulfeste die junge Schaar vor Hoͤchstihrem ließen, und, waͤhrend die ausgeschmuͤckten jungen Schuͤtzen das Gewehr praͤsentirten, die ganze Linie mit sichtlichem Wohlgefallen entlang gingen, auch Hoͤchstselbst liebreiche Worte an Einige der⸗ selben richteten. Demnaͤchst begaben sich Se. Koͤnigl. Hoheit in die hiesige Kirche und aͤußerten Ihren Beifall uͤber die schoͤne alterthuͤmliche Bauart derselben, besonders aber auch uͤber das ausgezeichnete Glocken⸗Gelaͤute, vielleicht eines der schoͤnsten im ganzen Lande, worauf Hoͤchstdieselben unter dem allgemeinen Jubel⸗Rufe und den Segenswuͤnschen der umwogenden Menge die Reise fortsetzten.“ Des jetzt regierenden Kaisers von Oesterreich Majestaͤt haben dem Premier⸗Lieutenant Otto von der Koͤnigl. Preußischen 3ten Artillerie⸗Brigade fuͤr zwei, weiland Sr. Majestät dem Kaiser Franz I. uͤberreichte ballistische Abhandlungen eine goldene Medaille mit dem Brustbilde des Hoͤchstverblichenen in huldvol⸗ len Ausdruͤcken zu verleihen geruht.

So eben ist hier das amtliche Verzeichniß des Per⸗ sonals und der Studirenden auf der hiesigen Koͤnigl. Friedrich⸗ Wilhelms⸗Universitaͤt in Druck erschienen. Es ergiebt sich aus demselben, daß im gegenwaͤrtigen Sommer⸗Semester von Ostern bis Michaelis 1835 gWJberhaupt 2136 Personen an den Vorlesun⸗ gen Theil nehmen. Von Michaelis v. bis Ostern d. J. waren 1800 immatrikulirte Studirende zugegen, wovon 560 abgegangen sind, waͤhrend in diesem Semester 411 hinzutraten. Die Ge⸗ sammtzahl betraͤgt also jetzt 1651, und zwar zaͤhlt die theologische Fakultaͤt Inlaͤnder 391, Auslaͤnder I18, zusammen 509; die juristische Fakultaͤt Inlaͤnder 385, Auslaͤnder 108, zusammen 493; die medizinische Fakultaͤt Inlaͤnder 230, Auslaͤnder 128, zusammen 358; die philosophische Fakultaͤt Inlaͤnder 210, Aus⸗ laͤnder 81, zusammen 291. Außer den immatrikulirten b 29 die Universitaͤt noch, als zum Hoͤren er Vorlesungen berechtigt, 485 Personen, wo n di obige 33% 8 2136 8 ““

,— Die summarische Uebersicht der im Sommer⸗Seme 1835 auf der Universitaͤt Breslau befindlichen giebt, daß dieselbe gegenwaͤrtig besucht wird: von 186 evangeli⸗ schen Theologen, 196 katholischen Theologen, 180 Juristen, 118 Medizinern und 126 Philosophen, Philologen und Kameralisten mithin von 806 Studirenden. Außer diesen nehmen an den Vorlesungen, ohne immatrikulirt zu seyn, Theil: 90 Eleven der medizinisch⸗chirurgischen Lehr⸗Anstalt und 5 Pharmaceuten so daß die E 901 ist.

Nachdem die Staͤnde der Provinz West alen die Ein⸗ richtung einer Provinzial⸗Irren⸗Anstalt 1 ETTEö Herstellung der heilbaren und fuͤr die Pflege der unheilbar be⸗ fundenen geistesgestoͤrten Einwohner der gedachten Provinz be⸗ schlossen, und des Koͤnigs Majestaͤt dieselbe Allerhoͤchst zu geneh⸗ migen und zu bestaͤtigen geruht, sind die Vorrichtungen dazu nun⸗ mehr so weit vorgeschritten, daß die roͤffnung und Benutzung der Heil⸗Anstalt am 1. Juli, die der Pflege⸗Anstalt aber am 1. Au⸗ bus she Fäh Die Direha beider Anstalten ist dem ersten Arzt Dr. Ruer, unter der oberen Leitu . 3 rätventn, bzarate ng des Herrn Ober⸗

ö1- en berichtet man unterm 23sten M ; daselbst die Theilnahme an der Anlegung vinf Eien⸗ 8 der Belgischen Graͤnze bis Koͤln, als Fortsetzung der in Belgien schon in Ausfuͤhrung begriffenen Eisenbahn⸗Linie, mit jedem Tage zunehme, seitdem die fruͤhere Besorgniß geschwunden sey, daß jene Bahn die Staͤdte Achen und Burtscheid nicht berühren moͤchte. Der Ausschuß der Achener Handels⸗Kammer und des Stadt⸗Raths fuͤr diese Angelegenheit hat sich daher bewogen ge⸗ funden, eine Subscriptions⸗Liste in dem dortigen Stadt⸗Secreta⸗ riate auszulegen, um den Bewohnern von Achen, und Burtscheid die Einzeichnung von Actien, die nicht hoͤher

Vogelschießen mit Arm⸗

jede gestellt worden sind, zu erleichtern. Der Ausschuß bemerkt insbesondere die liebliche Flor von Hyacinthen, Tulpen;

des Kronprinzen geht uns nachtraͤglich noch „Die Nachricht, D

und noch niemals den allgeliebten Thron⸗ gesehen hatten, in die freudigste Bewegung ¹ Straßen der Stadt lumen und Laubgewinden zu schmuͤcken und sich zum fest⸗

Wetter unter dem Gelaͤute

der Leitung und Aufsicht ih⸗

eine gehoͤrig abgetheilte

Groß war die Freude der Einwohner, als

als 250 Rthlr. eine

babet zugleich, daß dies nicht etwa in der Absicht geschehe, das zur Ausfuͤhrung erforderliche Kapital 1.n da gecsch⸗ da die Herbeischaffung desselben schon als gesichert anzunehmen sey, sondern lediglich aus dem Grunde, weil eine allgeme ine Theil⸗ nahme Zeugniß dafuͤr ablege, daß die Bewohner der gedachten beiden Staͤdte den Werth der Sache gehoͤrig zu wuͤrdigen wuͤß⸗ ten und nicht zuruͤckblieben, wo es sich darum handle, zu groß⸗ artigen, das allgemeine Beste foͤrdernden Unternehmungen die Hand

Berichtigungen. Im vorgestrigen Blatte der St P Sbe 12 v30 8. s „Loles n 1. „Leites “,

. Blatte S. 72. pp. En11 irt“ „neu uniformirt“. 1 . .“

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Koͤnigliche Oper. van In kurzem, und wie es soll auf dem Koͤniglichen Theater die Oper „je cheval de bronze“* mit Musik von Auber, in Scene gehen. 2⁵ Marz d. J. zum ersten Male in Paris auf dem Theater der 8 e. comique aufgefuͤhrt und hatte sich eines so vollstaͤndige rfolges zu erfreuen, daß das Pariser Publikum an den fortwaͤh 11“ desselben sich bis oͤnnen. Der Text, von Seribe, gehoͤrt unstreitig zu dem Besten, was aus der Feder dieses ruchtbare streich hdi ters geflossen ist. Aüf den 19. Pnoftcke 1rn. esese be Dich manches Fremdartige fuͤr ein Deutsches Publikum darin vorfinden un namentlich schon der Tilel der Oper einige Erwartungen erregen, die de Dichter selbst nicht fuͤr gut gefunden hat, hügügen luer⸗ nichts um moͤglichen Taͤuschungen vorzubeugen, zum besseren Verstaͤndni des Sujets und des Textes der Dher,⸗ priori ein ge Worte nnn „Scribe nennt sein Werk allerdings „opéra feric.“ Ma wuͤrde aber sehr fehl gehen, wenn man das darin suchte, was de 1 Zauber⸗Oper . b üt das Nomantische und Ph aupt nie so isolirt und ausschließlich hin, wie der Deutsche und der des sr te, eilohet 78 es immer mehr oder minder Verstandessache, und das heitere und komische Prinzip draͤngt sich nie ganz in den Hintergrund, son⸗ dern giebt sich vielmehr fast jederzeit als das praͤvalirende kund. Besonders gilt dies von den Opern dieser Gattung, welche in der Opéra comique gegeben werden, darf und wo es ihm verstattet ist, sikstuͤcke eingewebten Dialogs dem tung zu verschaffen. So geschah dies auch hier. Pferd⸗ kommt nur nebenbet vor und dient bloß als bandelnden Personen nach dem unbekannten Zauberlande, dem Zu⸗ schauer unsichtbar, zu verseten. Recht sehr wuͤrde man dabher irken, wenn man in demselben etwa einen Daͤmon, einen verzauberten Prinzen ꝛc. vermuthen wollte. Has Haupt⸗Element der Oper ist ein rein komisches, und der Dichter hat sein oft geraͤhmtes Talent zur leichten und feinen Satire abermals aufs gluͤcklichste bew hrt. Daß alle die witzigen Anspielungen auf Europdische Sitten und Gebraͤuche, auf gesellige und haͤusliche Verhaͤltnisse und selbst auf Gegenstaͤnde der Kunst, den Chinesen in den Mund gelegt werden, verstaͤrkt offenbar die Wirkung derselben um ein Bedeutendes; wir füuhren davon nur ein sarkastisches Couplet an, das gesungen wird,

vermittelst

wenn der so eben von der Reise auf dem ehernen Pferde zuruͤck⸗

1 kehrende Mandarin Thing Sing im Armstuhle sitt üe 8 des farms aller Chinesischen Instrumente nicht vom Schlafe zu erwek

11“ b

Il est sr 8

Qu'il a le sommeil un peu dur!

Car nous avons mis en usage

Toute la musique à tapage

Que Jla Chine peut employer,

4 8 nous sühr Févéiller

Jes musiciens dée l'Europe!

Laͤßt sich wohl eine bessere Persiflage der Uodernen na ich de

Italiaͤnischen Opern⸗ Musif denkens Daß außerhem die ter

Anordnung der Oper mit dem richtigen Takt und dem großen Ge⸗

schick gemacht ist, welches alle aͤhnliche Arbeiten des Dichters (z. B

den Maurer“, „die weiße Dame“, „Fra Diavolo“ ꝛc.) charakteri⸗

sirt, duͤrfte sich wohl ohne Weiteres von selbst verstehen, und da

auch die Koͤnigl. General⸗Intendantur alle ihr zu Gebote stehenden

Mittel aufgeboten hat, um das Werk in jeder Beziehung wuͤrdig

darzustellen, so darf man wohl erwarten, daß das Repertotr der K.

Dper um ein gutes Werk bleibend bereichert werden, und daß es das

Publikum mit dem naͤmlichen Beifall, wie bereits so manche andere

Erzeugnisse desselben Dichters und desselben Komponisten, aufnehmen wird. Zum dritten August soll Cherubini's „Lodoiska“ wieder in Scene gesetzt werden, eine Oper, welche die Verehrer dieses großen Meisters lange schon schmerzlich vermißten, und durch deren Wieder⸗ Lacag haf. ”h,Fhs d dertofg sich 18G obere Leitung der K. Buͤhne hewiß gegruͤndetsten Anspruͤche Do

Kanffreunde erwerben wird. speääche auf den Dank aner Fesce

Gartenbau⸗Verein.

Der Verein zur Befoͤrderung des Gartenbaues ir Koͤn Preußischen Staaten beging am 921 Juni c. Henn fäthen Föbnige die dreizehnte statutenmaͤßige Jahresfeier seiner Stiftung in den hierzu von den Akademieen der Wissenschaften und Kuͤnste wohl⸗ wollend uͤberlassenen Raͤumen im oberen Stockwerke des Koͤnigl Akademie⸗Gebaͤudes. Das Vestibuͤl und die anstoßenden beiden großen Saͤle, unter Mitwirkung des Zimmermeisters Herrn Flei⸗ schinge. dazu passend vorgerichtet, erglaͤnzten im reichen Farben⸗ 1SS. 8 mehr nden Gewaͤchsen, die, durch die

gf. er Herren Hofgaͤrtner Brasch und Hempel kunstsinnig aufgestellt, einen großartigen Anblick gewaͤhrten, waͤhrend einzelne Seltenheiten, durch die geschmackvolle Anordnung der verschiedenen Gruppen, sich dem Auge des Kenners bemerkbar machten, und ein in der mittleren großen Fenster⸗Vertiefung des Vestibuͤls von dem Kunstgaͤrtner Herrn Gaͤde zierlich geordnetes Buͤffet, mit einer fuͤr die Jabreszeit seltenen Fuͤlle auserlesener Fruͤchte das Auge fesselte Sowohl gus den Koͤniglichen und Prinzlichen Gaͤrten, als von ein⸗ zelnen Mitgliedern des Vereins und von anderen Privat⸗Personen war mit wohlwollender Munisicenz und dankenswerther Bereitwil⸗ ligkeit zu dem schoͤnen Festschmucke beigetragen, der durch die aus⸗ gezeichneten mit Fruͤchten reich bedeckten Orangerie⸗Staͤmme Sre Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen besonders geho⸗ ben und durch die anmuthigen Collectionen ausgezeichneter, zum Theil neuer oder doch noch seltener Pelargonien und Calceolarien aus dem Bellevue-Garten Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen August von Preußen verherrlicht, am erheblichsten aber aus den Schaͤtzen des Koͤnigl. botanischen Gartens unterstuͤtzt ward, mit einer großen Anzahl theils seltener, theils in ihrer Ausbildung ausgezeschneter Pflanzen⸗Exemplare, von denen, der Beschraͤnktheit des Raumes we⸗ gen, hier nur genannt seyn moͤgen: Baptisia exaltata, ( Dlerodendron ha J. 8 tum und macrophyllum, Rhipsalis funalis, Carmichelia australi 8 Dia nella nemorosa, coerulea und revoluta. Pimelea decussato IS 8* Tobira, Polygala speciosa, Jasminum revolutum. Melsleuea r s0. um Accacia pulchella, Anthocereis littorea, Dryandra fo ee superba, Lilium tennifolium, Stenochilus maculatus IS u“ sis, Cyclamen persicum, Callistemon (Metroside 08) 1xe lignus, linearifolius, lanceolatus und speciosus Cyprigedeh 9 92 tabile, Rhododendron hybridum, Franciscea matabilta. a. sder Koͤniglichen Landes⸗Baumschule zu Potsdam waren schoͤne 4 plare von Azaleen und Andromeden, von der Gaͤrtner⸗Lehr⸗Amftalt zu Sfirneberg, „ausgezeichnete Exemplare von Gladiolus angustus aufgestellt. Aus dem Koͤniglichen Garten von Monbijou und aus

dem Garten des Geheimen Ober⸗Hof⸗Buchdruckers Decker erfreute und Tacetten

duͤrfte sich indeß doch

Fran⸗

beißt schon gegen den 15ten d. M.,

Das Werk wurde am

jetzt noch nicht hat saͤtti⸗

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1 zu erfuͤllen. Deshalb Ueberfluͤssiges zu unternehmen, wenn wir hier,

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wo der Dichter sich freier bewegen des zwischen die Mu⸗ genannten Prinzip seine volle Gel⸗ Das „bronzene Mittel, um die

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