1835 / 186 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

haai hat er es doch gut gemacht, Lustspiel in 3 Akten, von Albini.

Dienstag, 7. Juli. Die Familien Capuleti und Montecchi, Oper in 4 Akten. Musik von Bellini. (Dlle. Vial: Romeo, alz Gastrolle. Dlle. Gerhardt, vom Stadt⸗Theater zu Leipjig, neu engagirtes Mitglied dieser Buͤhne, Giulietta, als zweitez Debuͤt. Hr. Bayer, Koͤnigl. Bayerischer Hofsaͤnger zu Muͤn⸗ chen: Tebaldo, als vorletzte Gastrolle. Zum Schluß des dritten Akts wird Hr. Bayer eine Arie aus der Oper: „der Pirat”

welche im Koͤnigreich Polen oder im Auslande contrahirt wurden, werden gaͤnzlich abgewiesen werden. 2) Haben sowohl Privat⸗Personen, als Kirchen, Kloͤster, Lehr⸗ und Wohlthaͤtigkeits⸗Anstalten, so wie die Kollegien allge⸗ mmeiner Fuͤrsorge, ihre Anforderungen an gedachtes konfis⸗ zirtes Vermoͤgen dieser Kommission ebenfalls binnen 6 Mo⸗

mit Schwierigkeiren und Gefahren verknuͤpft, seitdem der Preis stets schwankender geworden. Am 5ten d. war die vierte und am I4ten die fuͤnfte oͤffentliche Auction, jedesmal von 10,000 Cantar. Auf jener war der Mittelpreis 29, auf dieser 29 ½ Piaster, was im Verhaͤltniß zu den Preisen in Europa keinen Vortheil abwerfen kann. Bis Ende Aprils waren aus dem Innern 74,426 Ballen von der Aerndte von 1834 —35 angekommen und naten anzuzeigen. wurden von hier abgesandt 13,402 nach Triest, 15,902 nach Mar⸗ 3) Die Schuldner der oben erwaͤhnten Personen, deren Zah⸗ seille, 12,344 nach England, 396 nach Livorno. In den Maga⸗ lungs⸗Verbindlichkeit bereits eingetreten ist, haben sofort die zinen der Regierung lagen damals 23,6000 Ballen und der Rest sschuldige Zahlung zu leisten, die uͤbrigen aber binnen dem von Bellini singen.) an Bord der Schiffe hier im Hafen. Von Getraide, Leinsaa, festgesetzten Termin von 6 Monaten ihre Schuld⸗Verpflich⸗ Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Ballkzn men, Saflor, Flachs u. s. w. ist bis jetzt nichts ausgefuͤhrt, daher tung dieser Kommission anzuzeigen. des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. auch nur noch sehr wenige Schiffe hier Ladung bekommen koͤn⸗ 9 Alle diejenigen, welche von gedachten Personen bewegliches u—-—nnnnnnn n. Heute starben hier 8 Personen, worunter 5 an der Pest. Vermoͤgen, Kapitalien, oder was immer fuͤr Dokumente, 3 nvder sonst 88G 1geh6rigg Hh und Obliga⸗ Neueste Nachrichten. ttetficonen in Haͤnden haben, sollen solche saͤmmtlich in dem Haris, 29. Juni. Der Fuͤrst T nd speiste vn Inland. Zeitraume von 6 Monaten ebenfalls dieser Kommission ein⸗ 111“ öö““ ““ Fan Berlin, 5. Juli. Nachrichten aus Schmiedeberg zu⸗ reichen und derselben zugleich von allen auf diesen Guͤtern war noch von keinem Blatte gemeldet worden; erst heute beri oige, sind Ihre Koͤnigl. Hoheit die Frau Prinzessin Louise, zun Gunsten der fuͤheren Eigenthuͤmer haftenden Gerecht⸗ tet der Messger, der Fuͤrst befinde sich bereits seit 2 Tagen, Wittwe des Fuͤrsten Anton Radziwill, am 25sten v. M. nebst samen Anzeige machen. ee11““ C, Paris.) Abends wurde der Preußische Gesandte von Sr. M Familie von Dresden auf dem Schlosse Ruhberg eingetroffen. 5) Die Gouvernements⸗Confiscations⸗Kommissionen, die Ka⸗- jestaͤt empfangen. Gestern Mittag begab der Koͤnig sich, in I Der General der Kavallerie und kommandirende General meralhoͤfe und uͤbrigen Behoͤrden und Obrigkeiten werden gleitung der Grafen von Montalivet und von Argout, nat es Sten Armee⸗Corps, Herr von Borstell, ist am 28sten v. M. ersucht, in gleichem Zeitraume von 6 Monaten diese Kom⸗ Versailles. von seiner Inspections⸗Reise, die ihn 4 Wochen lang von Koblenz mission zu benachrichtigen von allen ihnen bekannt gewor⸗ Die Pairs hielten heute eine legislative Sitzung unter da entfernt gehalten, dorthin zuruͤckgekehrt. denen Schulden der fruͤheren Eigenthuͤmer dieser konsiszir⸗ Vorsitze eines der Vice⸗Praͤsidenten der Kammer. Der Bars Auf der Koͤnigl. Iheinischen Friedrich⸗Wilhelms⸗Univer⸗ ten Guͤter, von den von ihnen erwirkten Zahlungen und Pasquier ist so weit wieder hergestellt, daß er in der morgende sitaͤt zu Bonn befinden sich gegenwaͤrtig 751 Studirende, und noch zu erhebenden Geldern, so wie von deren Forderun⸗ Sitzung des Pairshofes den Vorsitz wird fuͤhren koͤnnen. zwar: 83 evangelische Theologen (65 Inlaͤnder und 18 Auslän⸗ gen an verschiedene Privat⸗Personen und Behoͤrden, deren Der Bruder des Herzogs von Broglie ist vor einigen 8. der); 163 katholische Theologen (153 Inläͤnder und 10 Auslaͤn⸗ beweglichem und unbeweglichem Vermoͤgen, ihnen zugehoͤn gen aus London hier angekommien. der); 244 Juristen (212 Inlaäͤnder und 32 Auslaͤnder); 143 rigen Kredit⸗Billets und Obligationen und von ihren etwa⸗ Am 23sten und 24sten d. haben in Toulouse einige Unruhn Mediziner (124 Inläͤnder und 19 Auslaͤnder); 100 Philosophen nigen Nutzungs⸗Rechten auf Kron⸗ oder Privat⸗Guͤter. bei Gelegenheit einer Serenade stattgehabt, die dem Deputirt und Kamerglisten (85 Inlñaͤnder und 15 Auslaͤnder); endlich 18 Die Gerichts⸗Behoͤrden werden angegangen, ungesaͤumt diese Dugabé am 23sten gebracht wurde, welcher einige Tage zuyn Nicht⸗Immatrikulirte. dort angekommen war. Es bildeten sich mehrere Gruppen, we Der in Breslau verstorbene Dom⸗Voigtei⸗Amts⸗Regi⸗

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32 Berlin, Dienstag den 7ten Juli

ren

werden.“ Nach einem solchen Schreiben konnte sich Estouilln nicht laͤnger durch den Rath, den ihm der General gegeben hatte, gebunden achten. Er ging zum Lieutenant Ambert und erbat sich ihn zum Sekundanten. Zwei Stunden spaͤter schlug er sich mit La Roncière, der Herrn Berail zum Sekundanten hatte. Das Loos der Waffen war dem Beleidigten unguͤnstig; Estouilly wurde durch zwei Degenstiche im Arm und an der Huͤfte verwundet. Vor und nach dem Duell war La Roncière dabei geblleben, die anonymen Briefe seyen nicht von ihm. Estouilly, als er sich verwundet sah versuchte noch einmal, den La Roncière bei der Ehre zu greifen „Gestehe“ sagte er zu ihm „und Alles soll vergessen seyn.“ Allein La Roncieͤre weigerte sich hartnaͤckig. Estouilly drobte, ec werde ihn vor Gericht belangen, worauf La Roncière aͤußerte; er wuͤnsche selbst, die Sache moͤge untersucht werden; man solle ihm nar die Briefe zustellen, er wolle sie dem Koͤnigl. Prokurator uͤber geben. Ambert gab dies nicht zu: er besorgte, La Roncière moͤchte die Beweise seiner Schuld vernichten. Indessen kam es 8 den vier Offizieren zu weitern Explicationen und La Ronckére be⸗ stimmte sich zuletzt, eine Art von Gestaͤndniß abzulegen. Es befin det sich bei den Akten ein Brief an Estouilly, ganz von La Ron⸗ cière's Hand und von ihm anerkannt; uͤberdem war auch das Concept dazu unter seinen Papieren. In diesem Briefe heißt es:

Schreiben, dessen Inhalt auf verderbliche Plaͤne deutete: „Meine Rache zu befriedigen, muß ich Blut sehen; nicht lange, und die junge Bluͤthe wird dahin welken; aus dem Fraͤulein soll eine ent⸗ wuͤrdigte Kreatur werden; willst Du so, man wird sie Dir an den Hals werfen; ich liebe sie zum rasend werden, d. h. ihr Geld. Gern haͤtte ich ihr den Kopf verrüͤckt, aber sie trug das Naͤschen so hoch, daß ich mich nicht getraute, ihr eine Erklaͤrung zu machen.“ Am 21. September gab der General eine musikalische Soirée. La Roncière kam auch hin. Herr von Morell ließ ihn in den Speise⸗ saal rufen, und sagte im Beiseyn des Capitain Jaquemin zu ihm: „Aus besonderen Gruͤnden ersuche ich Sie, nicht mehr in mein Haus zu kommen; entfernen Sie sich.“ La Roncidère ging fort, ohne ein Wort zu sagen. Am andern Morgen besuchte er den Ca⸗ pitain Jaquemin, und bat ihn, ihm zu erklaͤren, was der Auftritt am vergangenen Abend zu bedenten gehabt habe. Jaquemin gab ihm zwei Ursachen an: die unartigen Worte an Mlle. Morell bei dem obigen Diner und die anonymen Briefe. La Roncidre fragte hierauf den Lieutenant Ambert, was er thun solle. Ambert rieth ihm, auf Verleumdung zu klagen, und eine Untersuchung der Hand⸗ schriften durch Sachverstaͤndige zu fordern. Der Rath gefiel dem La Roncière nicht, und doch hatte die Scene am 21. Sept. im Spei⸗ sesaale Morell's seinen Zorn auf's aͤußerste gesteigert. Er zog vor,

Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Ober⸗Prediger Ho⸗ mann zu Schoͤnebeck, im Regierungs⸗Bezirk Magdeburg, den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse zu verleihen geruht.

Donnerstag, den 9ten d. M., Nachmittags um 4 Uhr, wird die Koͤnigliche Akademie der Wissenschaften, zur Feier des Leib⸗ nitzischen Jahrestages, eine oͤffentliche Sitzung halttea.

ngs-Naächrichten. Ann Flann Frankreich.

Zeitu

voor dem Anctionator Herrn Engelhardt in oder vor dem Artushofe angesetzt.

Die Taxe, der neueste Hypotheken⸗Schein und die oder Glaͤubigern uͤberlassen werden, diese aber, unter besonderen Kauf⸗Bedingungen koͤnnen in unserer der Bedeutung, daß sie außerdem werden fuͤr davon ausgeschlossen, so wie der Wiedereinsetzung in vori⸗

verden. gen Stand fuͤr verlustig erklaͤrt werden, andurch ge⸗

Kommission von allen bei ihnen wegen Schuldforderungen

an oftgenannte Personen anhaͤngigen Prozessen in Kennt⸗ che die Marseillaise anstimmten. Es entstand Streit, und de strator Huͤbner hat eine Summe von 4000 Rthlr. zu milden bewaffnete Macht mußte einschreiten, um die Haufen zu zerstreue x. Zwecken vermacht, und zwar: den katholischen Armen des Doms .

niß zu setzen, so wie von den angemeldeten Forderungen und Hinterdoms in Breslau 1000 Rthlr., dem katholischen Gym⸗ nasium daselbst fuͤr arme Schuͤler 1000 Rthlr., dem Buͤrger⸗ Hospital zu St. Anna und dem Hospital fuͤr arme Dienstboten, jedem 500 Rthlr., endlich dem Blinden- und dem Taubstummen⸗ Institut jedem 560 Rthlr. Dem Hospitale der Elisabethine⸗ rinnen zu Breslau ist von dem zu Strehlen verstorbenen Fraͤu⸗ lein von Radzikowska eine Summe von 500 Rthlr. zur Stiftung eines Krankenbetts, und dem dortigen Selenkeschen Institute fuͤr verarmte Kaufleute von dem in Breslau verstorbenen Schul⸗ Frat Groͤning ebenfalls eine Summe von 500 Rthlr. zuge⸗ allen.

In dem zweiten Quartale d. J. sind in den Hafen zu Swinemuͤnde 236 Schiffe, von zusammen 17,056 Lasten groß, eingelaufen. Darunter befanden sich 37 Daͤnen, 4 Mecklenbur⸗ ger, 2 Hanseaten, 1 Russe, 5 Schweden, 4 Norweger, Eng⸗ länder, 4 Hannoveraner, 4 Oldenburger, 26 Niederlaͤnder, 2 Oester⸗ reicher, 1 Franzose, 1 Amerikaner und 137 Preußen. Beladen waren 186 Schiffe (14,388 Lasten groß), geballastet 41 (2225 Lasten groß) und 9 (443 Lasten groß) waren Nothhafner. Ausgelau⸗ fen sind in demselben Zeitraume 33! Schiffe von zusammen 23,0 8b 8 Lasten Groͤße. Davon waren 278 (18,808 Lasten groß) be⸗ laden, 45 (2852 Lasten groß) geballastet und 8 (408 Lasten groß) Nothhafner. Von den eingelaufenen 137 Preuß. Schiffen waren 113 beladen, 16 geballastet und 8 Nothhafner, und unter den ausgelaufenen Schiffen befanden sich 244 Preußische, wovon 218 beladen, 19 geballastet waren und 7 zu den Nothhafnern gehoͤrten. 1

Auf Requisition der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe wird die nachstehende Bekanntmachung hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht:

2 Bekanntmachung.

Die Podolische Gouvernements⸗Liquidations⸗Kommission, neuerdings benachrichtigt von der Confiscation des beweglichen und unbeweglichen Vermoͤgens des Johann Cybulsky, Romuald und Eustach Januszkiewicz, des Vicars der Czarnokozinschen Kirche, Geistlichen Borkowski, des Kollegien⸗Registrators Hiero⸗ nim Raczynski und des Faͤhndrichs Tarczynski, macht auf Grund⸗ age der am 28. Juni 1832 Allerhoͤchst bestaͤtigten Vorschrift Fol⸗ gendes hiermit oͤffentlich bekannt:

1) Daß alle Kreditoren der ehemaligen Besitzer dieses konsis⸗ zirten Vermoͤgens, ohne den Ablauf der Termine zur Be⸗ friedigung ihrer resp. Forderungen abzuwarten, sofort ihre Anspruͤche mit Beibringung aller zu denselben gehoͤrenden Akten, Dokumente, Pfand⸗Verschreibungen und uͤbrigen Beweise dieser Podolischen Liquidations⸗Kommission einzu⸗ reichen haben, und zwar diejenigen, welche in Ruß⸗ land und dem Koͤnigreich Polen wohnen, innerhalb 6 Monaten, diejenigen aber, welche sich im Auslande be⸗ finden, spätestens binnen 12 Monaten, gerechnet von dem Tage des Erscheinens der ersten gedruckten Publication in einer der oͤffentlichen Zeitungen beider Russischen Haupt⸗ staͤdte, in einer der Warschauer Zeitungen oder dem Lithauischen Courier; wobei noch bemerkt wird, daß nur

diejenigen unbestrittenen und nicht durch Pfandrecht ge⸗

sicherten Schuld⸗Dokumente in die allgemeine Schulden⸗ masse, als zur Befriedigung geeignet, aufgenommen wer⸗ den koͤnnen, welche bis zum Anfange des Aufruhrs in Rußland ausgefertigt worden sind; diejenigen aber,

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derselben an Privat⸗Personen oder Behoͤrden, mit Bemer⸗ kung des wahrscheinlichen Belaufs und der Dokumente, auf welchen sie beruhen.

) Diejenigen, welche den obengenannten Verpflichtungen nicht nachkommen, setzen sich allen den Folgen und der Verant⸗ wortung aus, welche durch die allgemeinen Gesetze des Reichs fuͤr die zum Publications⸗Termin unterlassene An⸗ meldung der Schuld⸗Forderungen an Zahlungsunfaͤhige nicht zum Handelsstande gehoͤrige Personen, so wie gleich⸗ maͤßig fuͤr Verheimlichung denselben zustehender Geldzah⸗ Vermoͤgen, Kapitalien und Dokumenten, festgesetzt ind.

In Auftrag der Podolischen Liquidations⸗Kommission den 12. November 1834 und den 20. und 21. Februar 1835. (unterz.) Secretair Johann Kakurin.

Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. I Beobachtung. 337, 2 6“ Par. 336,5 0 Par. 337,0 4 Par. Quellwärme 7,2° R. 12,9 °R. 22,0 °R. 16,3 °R. Flußwärme 15, 6 °R. 12,09R. 13,*⸗R. 11,.9 R. Bodenwärme 12,00 93 yxCt. 53 vCt. 69 vCt. H F. heiter. heiter. bewoͤlkt. 2 öuö“ Winbd.... O. O. W. Niederschlag 0. Wolkenzug O. Dachtkalte 11,6 °R. Tagesmittel: 336,9 3 Par. 17,19 R.. 12,8° R. 72 vpCt.

1835. 4. Juli.

Luftdruck. Luftwaͤrme Thaupunkt Dunstsaͤttg Wetter.

Auswärtige Börsen. 8 Amsterdam, 30. Juni.

Niederl. wirkl. Schuld 55 ¾. 5 9% do. 160 ¼. Ausg. Schuld 122,1⁄. Kanz-Bill. 25 r. 4 ½ 0 Amort. 94 ½. 3 ½ 8 80. Russ. 98 ½ Oestecr. 96 ½. Preuss. Präm.-Scheine 111. do. 49 Anl. —. Spau. 5 % 40 ⅞. 32 25.

Antwerpen, 29. Juni. Zinsl. —. Cortes 29 ¼

Hamburg, 3. Juli.

Epgl. Russ. 105 ½. Hope in Cert. 98 ¾. Preuss. Präim.-Scheine 121 ½. Poln. 137 ¾. Neue Poln. Anl. 174. Dän. —. Port. 5 % 83.

3 56.

FSpan. 5 40 ¾

London, 30. Juni. Belg. 99. Span. Cortes 43 ¼. Obl. v. 1834

2 ½ 8 Holl. 55 5⅝. 5 ½ do. 100 ½. Port. 59 85 ½ 38 59. Eungl.-KRuss. —. Bras. 83. Columb. v. 1825 36 ½. Mex. 36 ½. Peru 30. Chili 46 ½.

Wien, 30. Juni. 4½% 97 ¼1 ½. Neue Anl. —.

Jons. 39 91 ½. 42. LZiasl. 12 ½⅛. Ausg. 18 ½.

5 % Met. 101 ½ ½ Bank-Actien 1345.

Koͤnigliche Schauspiele.

Montag, 6. Juli. Im Schauspielhause: Preciosa, Schau⸗ spiel mit Gesang und Tanz in 4 Abth., von P. A. Wolff. Musik von C. M. v. Weber. (Hr. v. Heidewaldt, vom Großh. Hof⸗Theater zu Strelitz: Don Alonzo, als letzte Gastrolle.)

Dienstag, 7. Juli. Im Schauspielhause: Der Stiesva⸗ ter, Lustspiel in 3 Abth., nach Hollberg, von E. Raupach. Hier⸗ auf: Der reisende Student, musikalisches Quodlibet in 2 Abth.

Fonigstaͤdtisches Theater. 8 Montag, 6. Juli. List und Phlegma, Vaudeville in 1 Akt,

von L. Angely. (Dlle. Muzarelli, vom K. K. priv. Theater an

der Wien zu Wien: Adolphine, als zweite Gastrolle.) Hierauf:

Dies wurde auch am 24sten, als sich die Gruppen wieder sa melten, noͤthig.

In Agde, wo die Cholera wieder ausgebrochen ist, waren a 18ten vier Todesfaͤlle, am 19ten fuͤnf, am 20sten acht und an 2isten drei, im Ganzen seit dem 1. Juni 107 Todesfaͤlle vorg, kommen. Das Geruͤcht, daß die Cholera in Toulon ausgehn chen sey, hat sich leider bestaͤtigt. Doch ist die Seuche bis zu 23sten nicht uͤber das Arsenal hinausgedrungen. Die St selbst ist noch frei. Bis zum 23sten waren neun Fäͤlle vore kommen, unter diesen 4 Todesfaͤlle.

Der Moniteur berichtet nach einer gestern Abend hier en gegangenen telegraphischen Depesche, daß Bilbao sich am Aöste Abends noch gehalten habe. Ueber die angeblichen Beschliͤse des Minister⸗Raths wegen der Absendung der Fremden⸗Legik nach Spanien enthaͤlt dieses Blatt auch heute noch nichte eben so wenig das Journal de Paris. Mittllerweile will! Messager wissen, daß die Convention in Bezug auf die Fra den⸗Legion gestern von dem Minister der auswaͤrtigen Angelege heiten und dem Spanischen Botschafter unterzeichnet worden se

Der Herzog von Frias hatte heute Morgen eine lange Ko ferenz mit dem General Desmichels. Der Herzog giebt sich, un verlautet, auch alle moͤgliche Muͤhe, eine abermalige Änleihe von?

Millionen Fr. unter der Garantie Englands, Frankreichs un

Portugals zu Stande zu bringen.

Alle Offiziere und sonstige Freiwillige, die in Spanist Dienste treten wollen, muͤssen sich hier beim General⸗Lieutenn Pajol, kommandirenden General der ersten Militair⸗Divisan melden. Die Boͤrse war heute sehr bewegt; man schloß aus der! fassung der obigen telegraphischen Depesche, daß man der Em tulation von Bilbao von einem Tage zum anderen entgegensehe muͤsse; uͤberdies weiß man schon seit mehreren Tagen nicht, v aus Valdez geworden, und dieser Umstand erhoͤhte die Beson nisse. Ueber die Folgen des Todes Zumalacarreguy's verlaug noch nichts Naͤheres; daß die Karlisten den Muth nicht vell ren haben, beweist die Fortdauer der Belagerung von Bilba Die Lage dieses Platzes an einem ziemlich breiten Flusse und einige feste Vertheidigungswerke in seinen Flanken machen de Einnahme desselben nicht leicht. Die kleine Stadt Portugaleth die Bilbao als Hafen dient, ist etwa 3 Lieues davon eutfenn Bereits am 20sten waren dort fremde Huͤlfstruppen angekon men; sie konnten aber nicht zur Stadt gelangen, weil die Be gerer durch die Versenkung mehrerer Fahrzeuge die Schifffat auf dem Flusse gehemmt hatten.

Heute schloß 5proc. Rente 108. —. Zproc. 78. 10. 5pr Neap. 95. 90. Span. 5proc. 40. Cortes 34 ½. Coup. 1 Ausg. Schuld 16 ½. 2 r proc. Holl. 57. 19.

Frankfurt a. M., 2. Juli. Oesterr. 5proc. Me 102 2⁄. 101 1½. 4proc. 98 ½. 98 12 „.⁄z. 2proc. 57 ½. 57 ½. Iproc. 2 G. Bank⸗Actien 1616. 1014. Part.⸗Obl. 140 ⅛. 140 ½. L9 zu 500 G. 117 ½. 117. Loose zu 100 G. 212 ½. Br. Pre Praͤm. Sch. —. —. do. 4proc. Anl. 98 ½. 97 ¼. Holl. öpn Obl. von 1832 94. Poln. Loose 69. G. 5proc. Spe Rente 39 ½. 3proc. do. perp. 24 ½. 24 ½.

3 Rebacteur Cottel. J“ eemamnn— Gedruckt bei A. W. Hayn.

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Allgemeiner

Bekanntmachungen.

Bekanntmachung. Deer dem Kaufmann Johann Samuel Zernecke zu⸗ Feborge, auf der Speicher Insel an der Mottlau o. 34 des Hypotheken⸗Buchs gelegene, auf 5456 Thlr. A sgr. 3 pf. Preuß. Courant gerichtlich veran⸗ n Speicher, unter dem Zeichen der weiße Baer, welcher massiv erbaut, und fuͤnf Etagen hoch ist, soll in nothwendiger Subhastation gegen baare Zahlung verkauft werden. Hierzu ist ein Termin auf den dreizehnten October dieses Jahres,

Registratur, so wie bei dem Auctionator eingesehen

Danzig, den 22. Maͤrz 1835 jaden,

Anig1. Preuß. Land⸗ und Stadtgericht.

4

Anzei

Edietal⸗Ladung.

den 22. 11““ W1 ““

den 20. Oktober

den 1. Dezember der Eroͤffnung eines Erkenntnisses in zu gewaͤrtigen.

W. Sch

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ger fuͤr die Preußischen Staat

vor uns in hiesiger Gerichtstelle gesetzmaͤßig zu er⸗ Nachdem der Huͤfner Johann Friedrich Kuͤhn, in scheinen, zuvoͤrderst in Ansehung ihrer Person gehöͤ⸗ dem zu hiesigem Gerichts⸗Bezirke gehoͤrigen Dorfesrig sich auszuweisen, hiernaͤchst ihre Anspruͤche und Nieska, bereits im Jahre 1814 in Folge der erlitte⸗ Forderungen gehoͤrig an⸗ und vorzubringen, hieruͤber nen Kriegsdrangsale eingetretener truͤber Stimmung nach Besinden mit dem bestallten Contradictor so⸗ sich entfernt, ohne seitdem von seinem Leben und wohl, als unter sich rechtlich zu verfahren, Aufenthalte Nachricht gegeben zu haben, so werden kͤto Gerichtswegen auf den Antrag dessen nachgelasse⸗ an welchem Tage die Akten inrotulirt werden sollen, ner praͤsumtiven Erben nicht nur Johann Friedrich zu beschließen, und sodann Kuͤhn, sondern auch, im Fall derselbe nicht mehr am Leben sein sollte, alle diejenigen, welche an dessen Vermoͤgen Erbe⸗ oder andere Anspruͤche zu haben ver⸗ meinen, und zwar jener, unter der Verwarnung, daß er außerdem werde fuͤr todt geachtet und sein Ver⸗ moͤgen den sich gebuͤhrend rechtfertigenden Erben 5 A.

Schloß Zabeltitz, den 18. April 1835. Die Gerichte daselbst.

98 vr eH. 8 Cooper Water Witch, 1 Vol. 870. Borderers.I] Svo. Morier Hajji Baba, 1 Vol. Sro. Capt. Voyage, 1 Vol. Svo. Bulwer’'s Student. 1 Vol.* 1 Thlr. Silvio Pellico Opere, 2 grols. Vol. F 3 Thlr. 10 sgr. Gnerarri la Battaglia di Beneren 2 Vol. 12 0. 2. Thlr. 15 sgr. Don Quijote de Mancha, en 1 Vol. Svo. 2 Thlc. 15 sgr. Noie ejem plares de Miguel de Cerväntes. 1 Vol. ¼ 1'Thlr. 20 sgr. Colletta Storia del Reame din 1835 pole dal 1734 sino al 1825, 2 Vol. Svo. nder Sache sich 10 sgr. Victor Hugo Angelo, 1 Vol. 120. 155 8 (Kératry Saphira ou Paris et Rome sous 'empy 3 Vol. 12m6. 3 Thlr. Le préche et la messe. 2 12m0. 2 Thlr. Barante Melanges historiques,! 1 Thlr. Grangeneuve par Mr. de Latouche.: 12m0. 2 Thle. Corbiére Scènes de mer, 2

1835,

8

enk, Dir.

]

Literarische Anz

Sepytemher 1835, Baudry's Collection of

A. Asher's Buchb., Linden No. 20: Novels à 1 Thlr. 20 sgr.

12 mo. 2 Thlr.

eigen.

Paris, 29. Juni. Der Groß⸗Referendar der Pairs⸗

Kammer, Herzog Decazes, hatte vorgestern Abend in Neuilly eine ee beim Koͤnige.

Heute beginnen vor dem hiesigen Assisenhofe die Verhand⸗ lungen eines Prozesses, der in der Reihe der causes célèbres einen der ersten Plaͤtze einnehmen wird und die Theilnahme der Pa⸗ riser so lebhaft in Anspruch nimmt, daß schon vor einigen Wo⸗ chen kein Eintritts⸗Billet mehr zu dem Sitzungs⸗Saale zu haben war. Es vereinigt sich aber auch in der That Alles, um dieser Rechtssache sowohl in juristischer als in psychologischer Hinsicht das hoͤchste Interesse zu verleihen. Die Stellung, die der Ange⸗ klagte, Emil de la Roncieère, Sohn eines General⸗Lieutenants und Neffe eines Pairs von Frankreich, in der Gesellschaft ein⸗ nimmt; die Art des Verbrechens, die Nichtswuͤrdigkeit, mit der es angelegt, die rasende Kuͤhnheit, mit der es ausgefuͤhrt wurde, sind gleich geeignet, Schauder und Entsetzen zu erregen, waͤhrend auf der andern Seite das Schicksal des jungen Maͤdchens, die das Opfer der Unthat geworden, die tiefste Nuͤhrung einfloͤßen muß. Die hiesigen Blaͤtter theilen die Anklage⸗Akte vollstaͤndig mit. Folgendes ist das Wesentlichste aus derselben:

Emil de la Roncière, Lieutenant im 1sten Lancier⸗Regimente, wurde von seinem Corps detaschirt, um den Lehr⸗Kursus an der Kavallerie⸗Schule zu Saumur, die unter dem Befehle des Generals Barons von Morell steht, mitzumachen. Er war 29 Jahre alt, als er Ende Maͤrz zu Saumur ankam, wo er sich bald durch sittenlosen Lebenswandel bemeeklich machtt, weshalb ihn guch der General Morell, dessen Familie sich damals noch nicht in Saumur befand, nicht zu sich einlud. La Roncidre speiste gewoͤhnlich bei dem Gast⸗ wirth Marlier im Hotel de l'Europe, und bald kamen anonyme Briefe mit den beleidigendsten Ausdruͤcken fuͤr die Frau des Wirths im Umlauf. Die Sache wurde so weit getrieben, daß die Familie Marlier sich genoͤthigt sah, Saumur zu verlassen. Anfangs August 1834 traf Frau von Morell, in Begleitung ihrer Tochter, Marie Morell, 16 Jahr alt, ihres Sohnes, Robert Morell, 12 Jahre alt, der Gouvernante der Tochter, Miß Allen, eines Bedienten, Sa⸗ muel Guilliéron, und eines Kammermaͤdchens, Julie Genier, bei ihrem Gemahl in Saumur ein. General Morell oͤff⸗ nete nun sein Haus den Offizieren der Kavallerie⸗Schule. Unter ihnen war Octave Estouilly dem General persoͤnlich empfoh⸗ len, und durch seinen rechtlichen Charakter der freundlichen Auf⸗ nahme, die er fand, wohl werth. La Roncidère, der sich in seinem Benehmen gebessert zu haben schien, wurde auch in die Gesellschaft gezogen, und kam bei einem Diner neben Fraͤulein Marie zu sitzen, gegen die er sich unter Anderem die unhoͤfliche Aeußerung erlaubte: „Sie haben eine liebenswuͤrdige Mutter; Schade, daß Sie ihr so wenig gleichen.“ Wenige Tage nach dem Eintreffen der Frau von Morell fand man an mehreren Orten im Hause anonyme Liebes⸗ briefe an sie, wogegen bald darauf Miß Allen und Fraͤulein Morell Briefe voll grober Beleidigungen erhielten. Ein Billet an die Mutter, unterzeichnet: E. de la R., endigte, wie folgt: „Ich werde heute den ganzen Tag um Ihr Haus herumstreifen; sehe ich Sie ausgehen, so soll mir das ein Zeichen seyn, daß Sie die Huldigung meiner ehrfurchtsvollen Liebe annehmen.“ Zur Stunde, wo Frau von Morell auszugehen pflegte, oͤffnete der General die Fenster nach der Loire⸗Bruͤcke und sah La Roncisre dastehen, der sich sogleich entfernte. (Diese Angabe und andere derartige sollen als Beweise dienen, daß die anonymen Briefe wirklich von La Roncisre herruͤhrten. Es wird sich im Verlaufe der Debatten zeigen, wie viel auf diesen Punkt ankoͤmmt, und wie sehr sich hier die Schwierigkeiten haͤufen, da die Kunstverstaͤndigen in den anonymen Briefen die Handschrift La Roncière's nicht er⸗ kennen wollen.) Auch General Morell erhielt anonyme Zuschriften; man sagte ihm geradezu, der Zweck sey, Verwirrung und Unfriede in die Familie zu bringen. In einem Briefe an das Fraͤulein heißt es: „Mein Haß wird Folgen haben, die Mariens Lebensgluͤck ver⸗ giften sollen. Der Tod waͤre fuͤr sie eine Wohlthat, denn sie wird ihr Daseyn in Kummer und Plage hinschleppen.“ Gleichzeitig er⸗ bielt Herr von Estouilly, der in eben nicht freundschaftlichen Ver⸗ haͤltnissen mit La Roncière stand, anonyme Briefe aͤhnlichen Inhalts. Am 28. August 1834 zeigte Estouilly einen dieser Briefe dem Lieutenant Ambert. Der C darin: „Ich werde die Ruhe der Familie Morell und die Deinige zu stoͤren wissen. Heute schreibe ich an Marie und suche sie recht zu demuͤthigen. Ich habe den Brief mit Deinem Namen

stouilly) unterzeichnet; er wird sicher in Mariens Haͤnde kommen, denn ich habe einen der Bedienten mit 5 Fr. bestochen“ Estouilly, indignirt üͤber die Bosheit, eilte zu Madame Morell; der Brief war wirklich gekommen! Am 8. September erhielt Estouilly aber⸗ mals ein Schreiben, das bei den Akten ist. Man bemerkt darin fol⸗ gende Stelle: „Ich habe Grund, zu vermuthen, daß Sie dem Ge⸗ neral Alles gesagt haben. Damit haben Sie mir einen wahren

ienst erzeigt. Marie wird um so mehr gequaͤlt. Ich habe mir ein paar Worte von ihrer Hand verschafft, und bemuͤhe mich nun, sie nachzumachen; wie es mir gelungen, moͤgen Sie aus der An⸗ lage sehen. Ich spitze meine Feder zu, um Ihnen im Namen der armen Trostlosen Artigkeiten zu sagen.“ In der That fand sich in diesem Briefe ein Billet, unterschrieben: „Marie von Mo⸗ relle, dem Anscheine nach von ihr an Esouilly gerichtet. Sie Pipft ihm darin sein kaltes Benehmen in den wunderlichsten Aus⸗ een vor. So sagt sie: „Du bist hart wie ein Felsen, und lh bin doch so sanft und zaͤrtlich; ich liebe Dich, denn Du bist ebenswürdig!⸗ Estouilly wollte La Roncière fordern; aber General, fuͤr die Ehre seiner Tochter beforgt, brachte ihn davon

Am 14. September erhielt Estouflly abermals ein anonymes

seine Drobungen durch ein unerhoͤrtes Attentat gegen Fraͤulein Mo⸗ rell zu verwirklichen. Am Dienstag den 23. Sept. waren Herr und Frau von Morell im Theater. Die Tochter, die zu Hause ge⸗ blieben war, hatte Besuch von einigen Freundinnen. Als diese fort⸗ gegangen waren, begaben sich Fraͤulein Morell und Miß Allen, ohne die Ruͤckkehr der Aeltern abzuwarten, zur Ruhe. Die Gouvernante hatte vor dem Schlafengehen die Thuͤre nach dem Gang, wie sie immer zu thun gewohnt war, vorsichtig zugeschlossen. Um 2 Uhr in der Nacht wird Marie ploͤtzlich aufgeweckt durch das Geklirr ei⸗ ner eingeschlagenen Scheibe. Das Fenster geht auf und ein Mann steigt ein. Er stuͤrzt sich auf die Thuͤre nach dem Schlaf⸗Kabinet der Miß Allen. Als Marie dies sieht, erhebt sie sich rasch und stellt sich hinter einen Stuhl unten am Bette. Hier nun konnte sie, beim hellen Mondschein, den Eingedrungenen ins Auge fassen. Er war von mittlerer Statur, im Tuchuͤberrock, mit einer rothen silberbor⸗ dirten Muͤtze. Um das Gesicht hatte er eine schwarze G Binde, unterm Kinn her uͤber die Ohren gezogen. Sein Blick war zum Erschrecken. Marie erkannte den La Roncidre, als derselbe mit den Worten uͤber sie herfiel: „Ich komme, mich zu raͤchen.“ Er konnte nicht gleich ihrer maͤchtig werden, denn sie hielt sich fest an den Stuhl, hinter welchen sie sich gefluͤchtet hatte. Nachdem er ihr aber diese Schutz⸗ wehr entrissen, faßte er sie bei den Schultern und warf sie zu Bo⸗ den, ihr das Nachtkamisol entwindend, das sich nicht wiedergefun⸗ den hat. Dann band er ihr ein Tuch um den Hals, und zog es so fest zu, daß sie kaum noch Athem holen konnte; hierauf nahm er einen Strick, wand ihn um den Leib des Maͤdchens, und schnuͤrte ihn mit aller Kraft zusammen. Jetzt fing er an, sie groͤblich zu miß⸗ handeln, schlu ste auf Bruse und Arm, biß ihr in das Handge⸗ lenk, und trat e mit Fuͤßen. Sie hoͤrte ihn sagen: Er wolle sich raͤchen fuͤr die Beleidigung, die ihm vor zwei Tagen widerfahren

sey. Bei diesen Worten wurde er immer wuͤthender, und verdop⸗ pelte seine Mißhandlungen. Marie hat ausgesagt, wie er in die⸗ sem fuͤrchterlichen Augenblick mit graͤßlichem Hohne sie angefletscht und dabei ausgerufen habe: „Seit ich Dich kenne, fuͤhlte ich den Wunsch in mir, Dich zu verderben.“ Wie weit der Frevler in der Mißhandlung gegangen, laͤßt der Anklage⸗ Akt nur vermuthen. 8 Genug, daß er zuletzt noch ein Messer nahm, und der Ungluͤcklichen einen Stich beibrachte. Marie war in Bewußtlosigkeit und Ohnmacht versunken; der Schmerz weckte sie auf und ein durchdringender Schrei entfuhr ihrer Brust. Miß Allen, die bis dahin ruhig fortgeschlafen hatte, wurde dadurch aufge⸗ schreckt, eilte herbei, und suchte die verriegelte Thuͤr einzusprengen. La Roncidre, als er den Laͤrm hoͤrte, stand jetzt auf und sagte „Nun hat sie genug!“ legte einen Brief auf den Tisch und entfernte sich, wie er gekommen war, durch's Fenster. Als die Gouvernante durch die gesprengte Thuͤr in's Zimmer trat, fand sie Marien ohnmaͤchtig und fast nackt auf dem Boden liegen. Der Hals war mit einem weißen Tuche, der Koͤrper mit einem Strick umwunden und enge geschnuͤrt; an mehreren Orten sah man Bluütflecke. Es dauerte lange, ehe die Ungluͤckliche auf die Fragen der Gouvernante zu antworten ver⸗ mochte; so wie sie aber zu sich gekommen war, erzaͤhlte sie der Miß Allen den ganzen Vorgang mit allen Einzelnheiten, wie sie oben an⸗ gefuͤhrt worden sind. Sie bat dringend, ihre Aeltern nicht gleich wecken zu lassen. Erst gegen 6 Uhr Morgens brachte ihnen die Gouvernante die Kunde von der naͤchtlichen Graͤuel⸗Scene. Zufaͤllig sah Marie, waͤhrend Miß Allen bei ihren Aeltern war, zu dem offenen Fenster nach der Bruͤcke hinaus; da faͤllt ihr Auge auf La Roncière im Ueberrock, mit der Mütze, wie er ihr noch vor Au⸗ gen stand. Er aber sah hinauf nach dem Fenster und laͤchelte! Baron Morell und seine Gemahlin, als sie ins Zimmer traten, fanden bestaͤtigt, was ihnen Miß Allen berichtet hatte. Sie sahen die eingestoßene Scheibe, die Blutflecken, das Tuch und den Strick, wodurch der Angstruf ihrer ungluͤcklichen Tochter erstickt worden war. Auch ihnen nannte Marie den La Ronciere als den Thaͤter; sie hat auch spaͤter in die⸗ ser Angabe nie geschwankt: sie ist fest uͤberzeugt, daß La Ronciere es war, der sie mit teuflischer Bosheit dem Verderben geweiht hat. Man muß mit den widerstrebenden Gefuͤhlen vertraut seyn, welche bei so EEE6“ eines Kindes das Mutterherz bewegen, um erklaͤrlich zu finden, daß Frau von Morell Alles aufbot, das Vor⸗ gefallene geheim zu balten. Auch geschah keine Anzeige bei den Gerichten, die erst spaͤter einzuschreiten Veranlassung bekamen. La Roncière hatte, wie bemerkt worden, einen Brief zuruͤckgelassen. Derselbe war versiegelt und an Frau von Morell uͤberschrieben; das Datum war: Mittwoch Nacht 1 Uhr; der Inhalt wie folgt: „Sie allein sollen den wahren Grund des Verbrechens erfahren, das ich zu begehen im Begriff bin. Es ist ein großes Ver⸗ brechen, das Reinste auf Erden zu beflecken. Ich habe Sie geliebt, ja angebetet. Sie haben mir dafuͤr nur Verachtung bezeigt. Jetzt will ich Ihnen ein Recht geben, mich zu hassen. Ich bat Sie einmal, auszugehen: an dem Tage blieben Sie auf Ihrem Zimmer. Der Elende (Estouilly) war so unverschaͤmt, Herrn von Morell Alles zu sagen. Ich habe ihm geschrieben, wo ich ihn faͤnde, wuͤrde ich ihm das Siegel der Schmach aufs Gesicht druͤcken. Ich erwarte ihn auf dem Kampfplatz. Ganz Paris soll erfahren, was Ihrer Tochter zu Saumur geschehen ist. Ich reise ab: es soll mir nicht vergoͤnnt seyn, mich an Ihrem Schmerz weiden zu koͤn⸗ nen!“ Wrrklich erhielt Estouilly am Mittwoch, 24. September, um 9 Uhr Vormittags durch die Stadtpost eine Herausforderung. Sie war von derselben Hand, wie die fruͤheren anonymen Briefe, gezeichnet: „Emil de la Ron..“, und lautete so: „Sie sind ein Elender, ein Feiger. Jeder Andere wuͤrde, nach den Briefen, die ich Ihnen schon geschrieben habe, Genugthuung gefordert haben. Statt dessen haben Sie mich bei dem General angegeben. Sie sind eine Memme. Ich werde Ihnen erster Tage das Siegel der Schmach

guf das Gesicht druͤcken. Es wird sich was Sie dann thun 1111q““

wieder zu sich kam, rief sie schluchzend:

„Nach den materiellen Beweisen, die gegen mich vorliegen Beweise, die mich, wenn die Sache vor Gericht kaͤme, erdruͤcken

1““

wuͤrden bin ich der Ehre meiner Familie schuldig, einen Schritt 8

zu thun. Ich nehme alle Ausdruͤcke in meinen Briefen an Sie zu⸗

ruͤck, gestehe, daß ich diese Briefe geschrieben habe, und bitte Sie deshalb um Verte bung. Seyen Sie großmuͤthig und verschwiegen.“ Und als Estouilly darauf forderte, er solle eben so gestehen, die anonymen Briefe, welche in das Morellsche Haus gekommen, ge⸗ schrieben zu haben, zugleich aber auf der Stelle Urlaub nehmen und Saumur verlassen, fuͤgte sich La Roncière auch diesem Ver⸗ langen. Sein zweites Billet an Estouilly lautet, wie folgt: „Ich dachte, Sie wuͤrden mit meiner Erklaͤrung von heute fruͤh sich be⸗

gnuͤgen; allein Sie draͤngen mich noch mehr in meiner ungluͤckli⸗

chen Lage. Ich erklaͤre also, der Schreiber der anonymen Briefe zu seyn, die dem General Morell, seiner Gemahlin und seiner Toch⸗ ter zugekommen sind. Ich erklaͤre, an Fraͤulein Marie ein Billet,

gezeichnet Estouilly, und an Sie ein Billet, gezeichnet Marie von Ich habe mir Urlaub erbeten und

Morell, geschrieben zu haben. 1 reise heute Nacht ab.“ Am 26. Sept. verließ La Roncière Sau⸗ mur und begab sich nach La Fleche. Man sollte nun denken, nach dem Duell und nach jenen Gestaͤndnissen muͤßten die anony⸗ men Briefe aufgehoͤrt haben. Aber nichts weniger als das. General Morell erhielt durch

vom 24. September 4 Uhr Morgens, worin mit frechem Wohl⸗

gehales auf das Attentat der Nacht hingedeutet wurde. „Mich dur⸗ -

ete nach Ihrem Blute, nach Ihrer Ehre, ich habe Alles erlangt. Ich hoffe, ja ich bin uͤberzeugt, Marie bewahrt ein Pfand ihres

Ungluͤcks. werden.“ In einem zweiten Billet an Marie frohlockt der Schret⸗

ber uͤber das Gelingen des verruchten Planes: „Sie sind nun das

elendeste der Geschoͤpfe; der Mensch, der sich beigehen ließ, Ihr Ritter seyn zu wollen, ist halb zu Schanden gehauen; ich habe ihn gezeichnet! Mich durchzuckt ein Gefuͤhl der Freude, das an Wahn⸗ sinn graͤnzt; ich schwelge in dem Gedanken, daß Sie nun von mir abhaͤngig sind; ein graͤßliches Band wird uns an einander knuͤpfen:

die Stadtpost ein Schreiben

Ihre Schande soll hald das Gespraͤch von ganz Paris

nach wenigen Monaten serden Sie mich auf den Knieen anflehen,

um Ihnen und noch einem Wesen einen Namen zu geben.“ In⸗ zwischen hatte sich Marie seit der Schreckensnacht vom

ver immer sehr unwohl befunden. Am 21. Oktober, als es eben mit ihrer

2½⁄. Septem-⸗

Gesundheit etwas besser zu gehen schien, fand sie um 10 Uhr Abends 8

auf ihrem Tische im Schlafzimmer ein Billet, gezeichnet E. R, worin es hieß: „Was Dir am Liebsten auf Erden Deine Mutter, Dein Vater, Estouilly sie werden in einigen Monaten nicht mehr am Leben seyn. Du hast mich verschmaͤht, meine Rache wird Dich treffen.“ Man fand Marien ohnmaͤchtig am Boden liegen, das Billet zerknittert in der krampfhaft geschlossenen Hand. Als sie

meine Mutter!“ Ihr Zustand verschlimmerte sich so sehr, daß man ihr die letzte Gie Gb Waͤbrend dieser Krankheit erhielt Frau von Morell durch die Stadtpost einen Brief, worin La Ron⸗ cière sich ganz enthuͤllte: „Ich habe nichts gethan, als Ihre Toch⸗ ter meuchlerisch mißhandelt; ich wollte sie nur in Verdacht bringen und Sie dadurch in die Nothwendigkeit versetzen, mir ihre Hand anzubieten. Gewiß haben Sie ihr auch Vorschlaͤge in diesem Sinne gemacht. Ste wird nicht darauf eingegangen seyn, aus Liebe zu dem aͤbscheulichen Menschen, der alle meine Plaͤne vereitelt. Jetzt athme ich nur noch Rache; ich muß Blut fließen sehen! Warlich, Ihr Pro⸗ tektor Gisquet wird mich nicht hindern.“ Nun endlich sah die Familie Morell ein, daß laͤngeres Schweigen nur groͤßeres Ungluͤck herbeifuͤhren duͤrfte. Der General reiste nach Paris, und am 27. Oktober 1834 wurden die Gerichte angegangen, eine Untersuchung einzuleiten. La Ronciére wurde am 2. Oktober auf der Straße verhaftet. Aus der Instruction des Prozesses ergiebt sich, daß er⸗ durch die Masse der gegen ihn obwaltenden Beweismittel uͤberwaͤl⸗ tigt, nichts Besseres ausgedacht hat, als die Rollen zu wechseln. Aus einem Angeklagten sucht er sich zum Anklaͤger zu machen. Fraͤulein Morell, ihre Mutter, die Gouvernante und Essouilly sol⸗ len sich verstanden haben, ihn zu verderben. Er leugnet jeden An⸗ theil an den anonymen Briefen, stellt sich, als zweifle er an der Wahrheit des Attentats, giebt zu verstehen, Mariens Krankheit sey nur erkuͤnstelt, und will sogar glauben machen, mit der ganzen Er⸗ findung sey es nur darauf abgesehen gewesen, die Folgen eines ver⸗ traulichen Umganges mit Estouilly auf ihn, den Unschuldigen, zu werfen. Oieses Verrbe digünge, Sostemmußtevorallen Dingenzueiner raͤflng der Handschrift in den anonymen Briefen fuͤhren. Wider alles Erwarten scheint nun aber die Aussage der Kunstver⸗ staͤndigen das Vertheidigungs⸗System La Roncisre's zu unterstuͤtzen, denn zwei derselben erklaͤren: 1) daß alle in Rede stehenden Briefe von einer und derselben Hand geschrieben waͤren, und daß es nicht La Roncisre's Hand sey; 2) daß sie glaubten, der „Marie von Morell“ unterzeichnete Brief sey von einer Frauenhand geschrieben. Zwei andere Kunstverstaͤndige sind aber noch viel wei⸗ ter gegangen; sie erklaͤren: 1) daß die 20 in Rede stehenden Briefe weder ganz noch theilweise von der Hand La Roncidre's waären; 2) daß das kleine Billet an Herrn von Estouilly, gezeichnet „Marie von Morell“, und ein anderer Brief an demselben, gezeichnet „Victorine Moyert“ augenscheinlich von der Hand des Fraͤuleins Morell sey; 3³) daß die 1s anderen Briefe, trotz dem, daß die Zuͤge verstellt seyen, doch so zahlreiche Zeichen der Aehnlichkeit mit der Handschrift des Fraͤuleins Morell an sich truͤgen, daß sie ihreben⸗ falls zugeschrieben werden muͤßten. In der Anklage⸗Akte heißt es in Bezug auf diese Erklaͤrungen, wie fälgt: „Der staͤrkste aller Beweise, die moralische Unmoͤglichkeit, erhebt sich gegen die Ansicht

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der Kunstverstaͤndigen. Der Stil der Briefe, die in denselben ent⸗ haltenen frechen Details, gestatten durchaus nicht, sie einem jungen

„Er mordet meinen Vater,