16 jaͤhrigen Maͤdchen zuzuschreiben, welches im Schoße ihrer Fami⸗ lie mit gewissenhafter Sorgfalt erzogen worden ist. Dem Gedan⸗ ken, daß ihre Mutter, ihre Gouvernante sie ihr diktirt haben sol⸗ len, kann noch weniger Raum gegeben werden, besonders da in mehreren Briefen die groͤbsten Schmähungen auf Herrn und Frau von Morell vorkommen. Auch stehen die fruͤheren Gestaͤnd nisse La Nonciére's mit der Erklaͤrung der Kunstoerstaͤndigen im vollsten Widerspruche. Der Verdacht einer Schwangerschaft ist durch aͤrzt⸗ liche Untersuchung ebenfalls ganz beseitigt.“ — Der Krankheils⸗ Zustand des Frzuleins Morell hat seit dem 24. September und be⸗ sonders seit dem 21. Oktober ohne Unterbrechung fortgedauert. Be⸗ ruͤhmt⸗ Kerzte sind gerufen worden, um sich uͤber den Charakter der Krankheit auszusprechen. Sie schildern die Ungluckliche als mit Nerven⸗ zufaͤllen behaftet, die taͤglich 18 Stunden anhalten und jede Idee von Verstellung ausschließen. „Dieser beispiellose Zustand“, so lau⸗ tet das Gutachten der Aerzte, „hat seinen Grund in einer tief lie⸗ genden moralischen Affection und ist zusammengesetzt aus Somnznam⸗ bulismus, Starrsucht und convulstvischer Verzuͤckung“ Da Fraͤu⸗ lein Morell in der Regel nur nach Mitternacht lichte Stunden hat, so wied die junge Dame wahrscheinlich nur in naͤchtlicher Sitzung vöor der Jury vernommen werden koͤnnen, was den peinlichen Ein⸗ druck der Verhandlungen noch um ein Bebeutendes erhdhen duͤrfte. Als Mitschuldige des La Roncièêre sind der Bediente Samuel Gillieron und die Kammerjungfer Julie Genier angeklagt. — Mitt⸗ lerweile hat Herr La Roncisre in die öͤffentlichen Blaͤtter ein Schrei⸗ ven einruͤcken lassen, worin er es überhaupt als eine verdammuangs⸗ vuͤrdige Methode bezeichnet, eine Anklage⸗Akte 14 Tage vor der Eroͤffnung der gerichtlichen Verhandlungen zu publiziren und den Angeklagten diese ganze Zeit uͤber unter dem Schwerdte einer Be⸗ schuldigung zu lassen, ohne daß es ihm gestattet sey/ sich zu recht⸗ fertigen. „Was die Anklage gegen mich betrifft (fuͤgt der Schrei⸗ ber hinzu), die so geschickt ausgedacht worden ist, so begnuͤge ich mich vorläusig mit der Erklaͤrung, daß der Roman Stuͤck fuͤr Stuͤck zusammenfallen wird, und daß Niemand mehr als ich und meine Familie den Beginn des Prozesses wuͤnscht“ — Die Verhandlungen beginnen, wie bereit; oben erwaͤhnt, heute vor dem Assisenhofe. Der Advokat Herr Chair d'Estange wird den Angeklagten vertheidigen. Herr Guyot⸗Syonnest, ein hiesiger Sachwalter, widerlegt in den oͤffentlichen Blaͤttern die Behauptung, daß der Koͤrper des Barons Gros in der Seine gefunden worden sey; man habe ihn vielmehr in einem Pfuhl bei Meudon entdeckt, der nur 3 Fuß Wasser habe; Herr Gros habe seit mehreren Tagen an Congestionen gelitten, und seine Familie sey daher uͤberzeugt, daß er auf dem von ihm unternommenen Spaziergange einen Stickfluß gehabt habe, der in Ermangelung jeder aͤrztlichen Huͤlfe toͤbtlich geworden sey. Eben so falsch sey es, daß Herr Gros erst am Vorabend seines Todes sein Testament deponirt habe; er (Guyot) befinde sich bereits seit mehreren Monaten im Be⸗ sitze desselben. — Das Leichenbegaͤngniß des Barons Gros hat heute Vormittag stattgefunden. Die gewoͤhnliche große oͤssentliche Prozession am Frohn⸗ leichnams⸗Feste ist diesmal in Lyon unterblieben. Als Grund dieser Verfuͤgung giebt das dortige ministerielle Blatt an, daß Uebelgesinnte diese Gelegenheir haͤtten benutzen wollen, um tumul⸗ tuarische Auftritte herbeizufuͤhren; der Erzbischof habe sich darauf, um Gewißheit hieruͤber zu erhalten, persoͤnlich zu dem Praͤ⸗ fekten begeben, und nachdem dieser es ihm bestaͤtigt, daß allerdings Unruhen zu befuͤrchten seyen, insofern die Prozession auf öͤfent⸗ licher Straße stattsinde, habe jener Praͤlat, um den Boͤswilligen jeden Anlaß zu aͤrgerlichen Stoͤrungen zu benehmen, es fuͤr angemessen erachtet, die Pfarrer zu ersuchen, die Prozessionen auf das Innere ihrer Kirchen zu beschraͤnken. Die Nouvelle Minerve faͤllt schonungslos uͤber die Po⸗ lizei her, daß sie den General Donnadieu ungehindert habe von Prag nach Navarra veisen lassen. „Sollte die Polizei vielleicht nicht wissen“, erwiedert hierauf der Renovateur, „wie sie sich von diesem schweren Vorwurfe zu reinigen habe, so mag sie nur ganz einfach sagen, daß der General Donnadieu weder in Prag war, noch in Navarra ist; denn so verhaͤlt es sich wirklich.“
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 29. Juni. (Nachtrag.) Sir R. Inglis wuͤnschte das Haus auf einen Umstand aufmerksam zu machen, der sich am letzten Montage ereignet habe. „Auf den Antrag des edlen Lords, des Staats⸗Secretairs fuͤr das Innere“, sagte er, „wurde eine Debatte uͤber eine Petition in Betreff des von den katholi⸗ schen Mitgliedern geleisteten Eides auf den folgenden Tag ver⸗ tagt. Obgleich ich nun am Dienstage in dem Hause anwesend
war, wurde die Debatte beiseit geschoben, ohne daß ich etwas
davon erfuhr. Ich will nur bemerken, daß ich an dem vorzeiti⸗ gen Schluß derselben nicht Schuld bin. Im Gegentheil, ich haͤtte eher das Umgekehrte gewuͤnscht, denn ich bin nicht geson⸗
nen, mich einer feindlichen Begegnung geduldig zu unterwerfen, und
nichts soll mich verhindern, hier oder anderwaͤrts meine Ansichten offen und frei auszusprechen, was auch die ehrenwerthen Mitglieder sur Dublin und Tipperary (O Connell und Shiel) sagen moͤgen.“
Herr O' Connell: „Ich habe weiter nichts gesagt, als was
mir die gewoͤhnlichen Regeln der Debatte zu sagen gestatteten;
an die habe ich mich streng gehalten.“ Sir R. Inglis: „Ich meine Persoͤnlichkeiten.“ (Beifall.) Herr O Connell: „Per⸗
soͤnlichkeiten! Er beschuldigte mich des Meineids. (Beifall.) Ich möoͤchte wohl wissen, ob Jemand, der einen Anderen des Meineids
wweschuldigt, noch ein Recht hat, sich uͤber Persoͤnlichkeiten zu be⸗
chweren? (Hoͤrt Ich ließ mich an jenem Abende herab, eine Erlaͤu⸗ erung uͤber die Beschaffenheit des-Eides zu geben; ich werde es nie wieder thun; wenn mich aber Jemand des Meineids beschuldigt, so ann ich keinen Ausdruck finden, der hart genug ist, um ihm darauf zu dienen, aber in gemaͤßigterer Sprache kann ich ihn einer absicht⸗ lichen Luͤge ankjagen. (O, o! großer Beifall und Tumult.) Ich will mich nicht herablassen, schmutzige Worte mit einem Manne zu wechseln, der sich eine solche Beschuldigung gegen mich erlaubt. Ich habe das Bewußtseyn, daß Niemand in diesem Hause weni⸗ ger faͤhig seyn kann, ein solches Verbrechen, wie mir Schuld ge⸗ geben wird, zu begehen, als ich. Ich habe Faͤlle genug gesehen, wo sich diejenigen, die so viel Geschrei uͤber die Heiligkeit des Eides erheben, desselben in eben dem Augenblicke, wo sie am be⸗ reitesten waren, Anderen solche Vorwuͤrfe zu machen, zu Partei⸗ Zwecken bedienten. In diesem Hause hoffe ich Keinen der Art zu finden; wenn ich aber Einen finde, und mag es seyn, wer es will, der es wagen sollte, mir den Vorwurf zu machen, so werde ich ihn in den staͤrksten Ausdruͤk⸗ ken, die mir zu Gebote stehen, zurechtweisen.“ (Beifall.) Sir R. Inglis forderte hier den Sprecher auf, sich ins Mittel zu legen und die Rede⸗Freiheit in diesem Hause zu schuͤtzen; auch sey der Sprecher, so lange das Parlament bestehe, derjenige, der die persoͤnliche Ehre der Mitglieder zu beschuͤtzen habe. (O, o!
und hoͤrt, hoͤrt!) „Ich weiß wahrlich nicht“, fuhr das genannte
Mitglied fort, „was man mit dem Ausruf meint, durch den ich unterbrochen werde. Ich wuͤnsche, daß man aufstehe und sich er⸗ klaͤre.“ Herr O’'Connell: „Ich fordere den Sprecher auf, sich ins Mittel zu legen und nicht ein Mitglied von einem an⸗ deren des Meineids beschuldigen zu lassen.“ Der Spre⸗ cher erhob sich nun und sagte: „Ohne Zweifel hat
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in Bezug auf diese Ernennung vollko
man Ausdruͤcke gebraucht, die nur die Hitze der Debatt hervorgerufen haben kann. Ich muß es bedauern, daß ich von der Behauptung eines der aͤltesten Mitglieder die⸗ ses Hauses sagen gehoͤrt, diese Behauptung sey falsch. Freilich war die Sprache, die diese Aeußerung veranlaßte, ebenfalls stark; aber ich werde nie unterlassen, die große Unziemlichkeit und An⸗ stoͤößigkeit solcher Ausdruͤcke zu ruͤgen. Die Redefreiheit kann nicht besser bewahrt werden, als wenn sich die ehrenwerthen Her⸗ ren derjenigen Leidenschaftslosigkeit befteißigen, welche die Ver⸗ handlungen des Unterhauses charakterisiren muß. Hoffentlich wird die Sache hierbei ihr Bewenden haben.“ Als sodann Hr. Praed seinen (gestern erwaͤhnten) Antrag stellte, daß dem Hause alle auf die Absetzung des Lord Heytesbury von seinem Posten als General⸗Statthalter von Ostindien bezuͤgliche Papiere vorge⸗ legt werden sollten, ließ derselbe sich im Wesentlichen folgender⸗ maßen vernehmen:
„Man wird sich erinnern, daß im vorigen Oktober das dama⸗ lige Ministertium sich mit den Direktoren der Ostindischen Com⸗ pagnie uͤber die Ernennung eines neuen General⸗Gouverneurs von Ocindien nicht vereinigen konnte. Die Direktoren verlangten, daß, bis zu der Ernennung eines Nachfolgers fuͤr den Lord Bentinck, die Verwaltung des Amtes provisorisch dem Sir Ch. Metcalfe uͤbertra⸗ gen werden sollte, womit jedoch die Regierung nicht zufrieden war; bald darauf trat der Ministerwechsel ein, und das neue Ministerium genehmigte die Ernennung des Lord Heytesbury zum General⸗Gou⸗ verneur, und nottfizirte den Direktoren der Ostit dischen Compagnie diese Genehmigung. Zwischen Lord Heyresbury und dem dama⸗ ligen Praͤsidenten der Ostindischen Kontrolle fund kaum per⸗ soͤnliche Bekanntschaft statt; es konnten daher⸗meinem edlen Freunde keine unreine Partei⸗Motive Schuld gegeben werden. Als indessen im April d. J. die jetzigen Minister ans Ruder kamen, bestaͤtigten sie jene Ernennung nicht und erklaͤrten die Stelle fuͤr vakant. Es wurde den Direktoren der Ostindischen Compagnie keine Gelegenheit gegeben, die Sache in Erwaͤgung zu ziehen und ihre Meinung daruͤder zu aͤußern. Die Akte von 1833 verfuͤgt, daß, wenn die Direktoren der Compagnie innerhalb zweier Monate nach Erledigung der General⸗Gonverneurs⸗Stelle keinen Kandidaten fuͤr dieselbe der Regierung prasentiren, diese befugt seyn soll, selbst den Gouverneur zu ernennen, und da handelt es sich jetzt um die Frage, ob im vorliegenden Falle jene zwei Monate von dem Abtreten des Lord Bentinc oder von der Erledigung der Stelle durch die Zuruͤck⸗ nahme der Ernennung des Loro Heytesbury an gerechnet werden soll. Wie ich hoͤre, hat sich das Ministerium fuͤr das Erstere entschieden Wenn das wirklich die Absicht desselben ist, so behaupte ich, daß es ein unregelmäaͤßiges und verfassungswidriges Verfahren sey und die Ost⸗ indische Coͤmpagnie in eine unerhoͤrte Lage versetzen wuͤrde. Ist irgend ein triftiger Grund vorhanden, weshalb das Ministerium sich der Ernennung des Lord Heytesbury widersetzen koͤnnte? Wenn es bloß die volitische Meinungs⸗Verschiedenheit ist, so halte ich dies fuͤr keinen hinreichenden Grund, um einen solchen Schritt zu thun. Kann Lord Heytesbury deshalb kein tuͤchtiger Diener der Regierung seyn? Der edle Lord, der zuletzt die Ostindische Kontrolle leitete (Lord Ellenborough) hat keine Spur hinterlassen, aus welcher hervorginge, dafß er geneigt gewesen waͤre, seine Amtsgewalt zu mißbrauchen. Die erste Maßregel jenes edlen Lords war die Aufhebung eines eintraͤglichen Postens, den sein unmittelbarer Vorganger gegruͤndet hatte, und den derselbe gewiß beibehalten haben wurde. Außerdem empfahl er die Abschaffung des Gebrauchs einer fremden Sprache in den Indi⸗ schen Gerichtshoͤfen, des Gebrauchs, die Richter mit Gebuͤhren zu bezahlen, und der kostspieligen- Marine⸗Anstalt zu Bombay. Lord Heytesbury hat hohe und verantwortliche Negierungs⸗Aemter beklei⸗ det (boͤrt!); seine Rechtlichkeit und seine Talente sind nie bestritten worden, selöst nicht von seinen politischen Gegnern. Lord Hey⸗ tesbur) war Britischer Gesandter am Lissaboner Hofe waͤhrend der Verwaltung des Herrn Canning und erfuͤllte die schwierigen Funetionen, die ihm damals oblagen, auf eine so ausgezeichnete Weise, daß das Ministerium, welches auf das Canningsche folgte, sich verpflichtet fuͤhlte, ihm die Pairs⸗Wuͤrde zu verleihen, die er jetzt besitzt. Da der Charakter des Lord Heytesbury aneckannterma⸗ ßen so unbescholten ist, so kann ich keinen anderen Grund fuͤr die Zuruͤcknahme seiner Ernennung sinden, als die Verschiedenheit sei⸗ ner politischen Ansichten von denen des jetzigen Ministeriums.“
Sir J. Hobhouse erklaͤrte (wie bereits gestern gemeldet) den Antrag der Form und dem Wesen nach fuͤr unzulaͤssig. In Bezug auf die Ernennung des Lord Heytesbury uͤbrigens erklaͤrte er, von den persoͤnlichen Eigenschaften des edlen Lords durchaus nur Ruͤhmliches sagen zu koͤnnen, aber deswegen glaube er doch nicht, daß man ihn, den Minister, fuͤr die Nichtbestaͤtigung des⸗ selben tadeln koͤnne; er fragte Herrn Praed nur, ob er glaube, daß die Whigs im vorigen Oktober den Lord Heytesbury zum Gouverneur ernannt haben wuͤrden? „Nein“, sagte Hr. Praed. „Wuͤrde man nun damals,“ fragte Sir J. Hobhouse weiter, „uns deshalb geta⸗ delt haben?“ — „Nein.“ — „Und warum tadelt man uns denn jetzt? Aber das ist noch nicht die Hauptsache. Glaubt der eh⸗ renwerthe Herr, daß wir fuͤr die Handlungen des Lord Heytes⸗ bury als General⸗Gouverneur von Indien verantwortlich seyn wuͤrden?“ — „Allerdings.“ — „Dann gestatte der ehrenwerthe Herr uns auch, die Beamten, fuͤr die wir verantwortlich sind, nach unserem Gutbefinden zu ernennen. Findet er, daß wir durch die Ernennung irgend eine Verfassungs⸗Verletzung begehen, so klage er uns derselben vor dem Hause an, und wir werden Rede und Antwort stehen.“ 1 r
London, 30. Juni. Die Admiralitaͤt hat Befehl ertheilt, daß Seeleute, die in Folge der letzten Reduction nach Hause gesandt worden, wieder angenommen werden sollen, wenn sie noch laͤnger dienen wollen. Drei große Linienschiffe, „Brittannia“, „Royal“, „Adelaide“ und „Howe“, werden in Portsmouth aus⸗ geruͤstet, von wo die Fregatte „Barham“ naͤchstens nach der Spanischen Nordkuͤste abgehen wird.
Graf Gosford, Sir Ch. Grey und Capitain Gipps hatten heute fruͤh Geschaͤfte im Kolonial⸗Amte und werden wahrschein⸗ lich uͤbermorgen nach Kanada abgehen. —
Die Ernennung des Grafen von Durham zum Botschafter am St. Petersburger Hofe hat unter der hiesigen Presse nicht geringes Aufsehen erregt, da man eben so sehr gewohnt ist, den Grafen als den Revpraͤsentanten der radikalen Whig⸗Partei im Oberhause anzusehen, wie man den unter dem vorigen Ministe⸗ rium zu jenem Posten designirten Marquis von Londonderry als das Extrem der Tory⸗Partei zu betrachten pflegte. Die dem Ministerium zugethanen Blaͤtter ertheilen dieser Ernennung große Lobspruͤche und meinen, dieser eben so gewandte, als entschlossene und redliche Diplomat werde Englands Interessen auf einem so hochwichtigen Posten gewiß gehoͤrig vertreten. Der Courier will darin den doppelten Beweis finden, einmal daß die von den Tories uͤber die angeblich revolutionnairen Gesinnungen und Be⸗ strebungen des Grafen Durham verbreiteten Geruͤchte von dem Ministerium selbst fuͤr unrichtig gehalten wuͤrden, und dann, daß das Kabinet im Ganzen doch aufrichtig bemuͤht zu seyn scheine, den Wuͤnschen des Landes entgegenzukommen. Tory⸗ Blaͤtter meinen dagegen, man habe den Grafen vielleicht nur deshalb zum Botschafter in St. Petersburg ernannt, um in ihm einen gefaͤhrlichen Mitbewerber aus England zu entfernen. Merk⸗ wuͤrdig ist der Umstand, daß auch die Times, deren Opposition gegen das Ministerium uͤberhaupt von Tag zu Tage milder wird, mmen in die Lobeserhebun⸗
6 .“ “
gen der ministeriellen-Blaͤtter einstimmt. „Der edle Graf ’“, sagt sie, „wird jenen Posten, der ohne Zweifel der wichtigste und schwierigste in der ganzen Diplomatie Großbritaniens ist, auft gewissenhafteste, ehrenvollste und kraͤftigste ausfuͤllen. Die Ta⸗ lente, der gute Wille und die Energie Lord Durham's, wo et gilt, ein großes Ziel von nationaler Wichtigkeit zu erreichen, sind allgemein bekannt. Der edle Lord wird seinen Auftrag begreifen.“
Mit den Andeutungen, welche Lord Morpeth uͤber den In⸗ halt der von dem Ministerium einzubringenden Bill zur Regu⸗ lirung der Irlaͤndischen Kirchen⸗Angelegenheit gegeben hat sind selbst die ministeriellen Blaͤtter nicht allgemein zufrieden
indem einige es nicht billigen wollen, daß das durch die Resolu
tion des Unterhauses, welche zum Sturz des vorigen Ministe riums fuͤhrte, genehmigte Prinzip, wonach dem Parlamente daß
Recht zustehen soll, uͤber die Verwendung des uͤberfluͤssigen Kit
chen⸗Vermoͤgens zu verfuͤgen, nicht zum Gegenstande einer eig nen Bill gemacht, sondern nur in einen Anhang oder zweite Theil der Zehnten⸗Bill verwiesen worden ist, welche den Tit fuͤhrt: „Eine Bill zur besseren Regulirung der kirchlichen Ein kuͤnfte und zur Verbesserung des moralischen und religioͤsen Unten richts der Bevoͤlkerung von Irland.’ Die Eigenthüͤmer da geistlichen Zehnten sollen danach 75pCt. von dem bisherigen Be tugge der Zehnten erhalten; da aber (wie bereits gestern gemel⸗ det) den Zehntpflichtigen 30 pCt. von ihrer bisherigen Zehntenlas erlassen werden sollen, so sollen die fehlenden 5pCt. aus dem so genannten Perpetuitaͤts⸗Fonds bezahlt werden. Mehrere Blaͤtte bezeichnen diese Maßregel als eine Transaction, die keine von beiden Parteien befriedigen und dem Staate wiederum eine Million kosten duͤrfte.
Eine Deputation derjenigen Englischen Staͤdte, in welche Munizipal⸗Corporationen bestehen, hielt gestern eine Versamm lung zu Gunsten der Munizipal⸗Reform, in welcher mehren Resolutionen angenommen wurden „ um die liberalen Mitglieden des Unterhauses aufzumuntern, daß sie alles Moͤgliche aufbieten moͤchten, die Munizipal⸗Reformbill unverfaͤlscht noch in diesen Session durchzubringen. Der Courier haͤlt zwar die Besorg niß, daß man bei der großen Menge der vorgeschlagenen Amen⸗
dements am Ende mit der Bill in der Hes nchecschen Session 1
noch nicht zu Stande kommen moͤchte, vgrundlos, weil der Ruf, ja fast die politische Existenz der jetzigen Minister. davon abhaͤnge, glaubt aber doch, daß eine solche Aufmunterung nichtz schaden koͤnne. Dieselbe Deputation hatte gestern auch eine lange Unterredung mit Lord John Russell. 1 Heerr Roebuck, der neulich im Unterhause so heftig gege die Tagespresse zu Felde zog, hat jetzt eine Broschuͤre herausge geben: „Die gestempelten Zeitungen von London und ihre Mo⸗ ralitaͤt“ betitelt, in welcher er alle seine Vorwuͤrfe noch schaͤrfe wiederholt. Dies hat nicht nur tuͤchtige Erwiederungen von Sei⸗ ten der Tagesblaͤtter, sondern auch verschiedene Schreiben der Redacteure an Herrn Roebuck nach sich gezogen. Auffallend is darunter besonders ein Brief des Herrn Edward Sterling, den man allgemein fuͤr den Verfasser der Haupt⸗Artikel in der Times hielt. Herr Roebuck antwortet diesem: „Mein Herr, Ihr Schreiben ist mir durch den ⸗Oberst Campbell eingehaͤndigt wor, den. Sie druͤcken sich darin folgendermaßen aus: „„Ich habe niemals weder in technischer noch in moralischer Beziehung mit Herausgabe der Times etwas zu thun gehabt, noch auf die Ten⸗ denz oder die Auswahl ihrer politischen Artikel irgend einen Ein⸗
fluß geuͤbt, und kann daher nicht fuͤr das, was in jenem Blatm
enthalten ist, verantwortlich seyn.““ In Erwiederung hierauf Lo⸗
ich bereit, zu erklaͤren, daß ich die fragliche Stelle meiner Schrift, so weit sie Sie persoͤnlich betrifft, im Irrthum uͤber Ihren Cha⸗ rakter geschreben habe und sie deswegen desavouire und zuruͤck nehme und es sehr bedaure, Ihr Gefuͤhl so verletzt zu haben. Roebuck.“ Einen, dem Heren get des Examiner gemachten Vorwurf nimmt Herr Roebuck in Folge einer Reclamation deß selben auf aͤhnliche Weise zuruͤck.
Vorigen Sonnabend fand Cobbett's Leichenbegaͤngniß in säh nem Geburtsorte Farnham in der Grafschaft Surrey statt. Alla war aufs einfachste eingerichtet, dagegen folgten dem Verstorbe⸗ nen uͤber 8000 Menschen. Unter den Anwesenden bemerkte mun O Connell, der aber aus religioͤsen Skrupeln die Prozession nur bis an die Kirchthuͤr begleitete. 1
Miß Adda Byron, einzige Tochter des beruͤhmten Dichterz, wird sich, dem Vernehmen nach, mit Lord King vermaͤhlen.
Nach Berichten aus Lissabon vom 15ten d. war jetzt dor
von einer Vermaͤhlung der Koͤnigin mit dem Herzoge von Ne mours nicht im entferntesten mehr die Rede. Man beschwert sich uͤber die allzu große Sparsamkeit des neuen Ministeriums.
Es sollen hier Depeschen aus Madrid vom 21sten d. M, beruhigenden Inhalts, eingegangen seyn. Der General Alave soll von seiner Regierung den Auftrag erhalten haben, die Bri tisch⸗Spanische Legion nach den Baskischen Provinzen zu beglei ten, wo er ansehnliche Besitzungen hat.
Die Berichte aus Kahira uͤber Malta reichen bis zun 26sten v. M. Mehmed Ali hatte am Tage zuvor zwei Schrii⸗ ben, eines an Ibraͤhim Pascha, das andere an Scherif Pasche erlassen, wodurch ihnen vorgeschrieben wird, den Obersten Ches⸗ ney und dessen Plan wegen Beschiffung des Euphrats auf jede Weise zu unterstuͤtzen. Der Vice⸗Koͤnig hatte erst den Ferman des Sultans abgewartet, um danach zu handeln. Die Pest lief
in Aegypten nach, doch waren schon 50 — 60,000 Menschen in
Kahira daran gestorben.
Die Regierung hat der Kolonie Dominica ein Darlehn vog 80,000 Pfund und eine freie Gabe von 12,000 Pfund bewil ligt, die unter die dortigen Pflanzer nach Verhaͤltniß des Ver⸗ lustes, den dieselben bei der letzten großen Sturmfluth daselht erlitten, vertheilt werden sollen. Auch hat der Statthalter vorn
Dominica die zollfreie Einfuhr mehrerer Beduͤrfnisse noch auf 10
Monate laͤnger gestattet.
Aus Mexiko sind Nachrichten vom 7. Mai uͤber Newe⸗ York hier eingegangen. Die Sitzungen des allgemeinen Kongres ses waren am 30. April geschlossen worden; man glaubte aber der Praͤsident wuͤrde eine außerordentliche Versammlung im Lauft des Juni's zusammenberufen. Alles verkuͤndete, den Nord⸗Amen kanischen Blaͤttern zufolge, in den Mexitanischen Staaten eie Krisis. Santana's Popularitaͤt war im Abnehmen und die libes rale Partei hoͤchst erbittert uͤber sein willkuͤrliches Verfahren und sein Streben nach der Diktatur, so wie uͤber die Aufloͤsung der Lokal⸗Milizen. Die Staaten Tamaulipas, San Luis, Coahuila und Texas schienen sich der Empoͤrung anschließen zu wollen, waͤhrend man befuͤrchtete, daß die noͤrdlichen Staaten, vom Pa⸗ nuco⸗Flusse bis nach Kalifornien, sich gaͤnzlich von dem Merxika⸗ nischen Staaten⸗Bunde lossagen wuͤrden, um nicht laͤnger von dem anarchischen Treiben in der Hauptstadt abzuhaͤngen.
Berichten aus Lima vom 10. Maͤrz zufolge, hatte in Peru
wieder einmal eine Revolution stattgefunden. General Salaberry hatte sich der Forts von Callao bemaͤchtigt, und die Mitglieder der bestehenden Regierung hatten in Folge dessen mit 200 Mann die Hauptstadt verlassen. Seitdem waren alle Verbindungen
eins foͤrderlich seyn kann.
mit dem Innern abgeschnitten, und von beiden Seiten wurden Anstalten zu einem ernstlichen Kampfe getroffen.
Ueber das furchtbare Erdbeben in Chili erfaͤhrt man, daß die Stadt Concepcion von 25,000 Seelen durch dasselbe gaͤnzlich in einen Truͤmmerhaufen verwandelt ist. Die Anzahl der Um⸗ gekommenen ist noch nicht bekannt. Auch die Stadt und der Hafen von Talcahuana nebst etwa 30 Dorfschaften zwischen dem Stillen Meere und den Andes sind untergegangen. Die erste Erschuͤtterung fand am 20. Febr. statt und waͤhrte 4 Minuten. Berge und Thaͤler rollten wie Wogen, das Meer trat 25 bis 0 Juß uͤber seine gewoͤhnliche Hoͤhe und riß nicht allein die
ruͤmmer mit sich fort, sondern erreichte auch eine Menge der fuüͤchtigen Einwohner. 8 Niederlande.
Amsterdam, 30. Juni. Das hiesige Handelsblatt iebt unter den Gruͤnden, welche die Belgische Regierung bewo⸗ gen haben, sich gegen die indirekte Intervention in Spanien zu gklaͤren, auch den an, daß die maͤchtige Priesterpartei in Bel⸗ sien der Regierung der Koͤnigin nicht geneigt sey und ihre
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Wuͤnsche viel mehr fuͤr die Sache des Don Carlos sich ausge⸗
prochen haͤtten. Indessen meint das genannte Blatt, daß ngeachtet der vom Kriegsminister Baron Evain abgegebenen Erklaärung (s. Nr. 183 der St. Z.) die Anwerbungen unter der Hand in Belgien fortwaͤhrend noch stattfinden. Gestern ist zu Vlaardingen der erste Haͤringsjaͤger mit euem Haͤring angekommen. Er brachte 30 ¼ Tonnen mit, deren ede zu 700 Gulden verkauft wurde.
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 30. Juni. Se. Koͤnigl. Hoheit der Kron⸗ prinz ist heute fruͤh nach Medewi⸗Brunn in Lstgothland abge⸗ eist, wo Ihre Koͤnigl. Hoheit die Kronprinzessin mit Hoͤchstih⸗ in Kindern noch verweilt, um die Brunnenkur zu gebrauchen.
Die Reise Sr. Maj. nach Norrland und Norwegen wird un bestimmt stattfinden. Bereits ist ein Koͤnigl. Ordonnanz⸗ Pfftzier damit-beauftragt, zu untersuchen, ob die Straßen uͤber as Gebirge zwischen der Schwedischen Graͤnze und Drontheim lur die Koͤnigl. Equipagen fahrbar sind, da Se. Maj. in diesem Falle den Weg uͤber Jemtland nach Norwegen nehmen wollen.
Deutschland. Hannover, 3. Juli. Nach einem in der hiesigen Zei⸗
tung mitgetheilten „Programm und Statut des historischen
Vereins fuͤr Niedersachsen“ hat sich hierselbst ein Verein gebil⸗ det, welcher Materialien zur Geschichte, zunaͤchst der Lande zwi⸗ chen Weser und Elbe, zu sammeln und zu dahin gehoͤrigen For⸗ chungen anzuregen beabsichtigt. Das Protektorat hat mittelst des folgenden Schreibens an den General⸗Feldzeugmeister Gra⸗ en v. d⸗ Decken, d. d. Berlin den 4. Mai 1835, Seine Koͤnigl. oheit der Vice⸗Koͤnig Herzog von Cambridge uͤbernommen: „Mit Vergnuͤgen habe Ich vernommen, was Sie Mir in dem schreiben vom 27-en v. M. uͤber die Stiftung eines Hannoverisch hiseorischen Vereins mitgetheilt haben. Der Zweck des Vereins hat Meinen vollkommenen Beifall. „Ich bin daher gern bereit, dem Wunsche der Mitglieder zu willfaͤhren, und das Protektorat des Ver⸗ ins zu uͤbernehmen. — Sobald Ich von der Reise, auf welcher Ich Mich jetzt befinde, nach Hannover zuruͤckgekehrt seyn werde, wird es Mir angenehm seyn, von Ihnen speziellere Peeege e vernehmen, durch welche Mittel ich den Unternehmungen den hh prischen Ver⸗ 0 P 1Uu S.“* Nach Empfang dieses Schreibens Sr. Koͤnigl. Hoheit hat der Verein folgende Einladung zur Theilnahme an seiner Wirk⸗ amkeit erlassen: „Seit Deutschlands ruhmbekroͤnter Befreiung vom Fremdlings⸗ Foche, dem selbst die alten Welfenlande durch ein volles Jahrzehend heeisgegeben waren und in diesem truͤben Zwischenreiche die Feuer⸗ robe Deutscher Treue herrlich bestanden, keimte die Liebe zu gruͤnd⸗ icher Erforschung unserer Geschichte um so maͤchtiger empor. — Das Deutsche Volk hatte schmerzlich empfunden, was es waͤre, auf ine eigene Historie, auf nationale Selbststaͤndigkeit, ja auf die alten Ehrennamen zu verzichten und den Giftbaum einer fremden, meist eindseligen Groͤße, mit dem eigenen Herzblute zu begießen! — In llen Deutschen Gauen wurde den Denkmalen und urkundlichen Quellen der Vorzeit seither emsiger nachgespuͤrt. Von den Hochal⸗ pen bis an die nordischen Gestade entstanden uͤberall Vereine, die durch Anlegung von Antiquarien, Diplomatarien, Museen und Sammlungen jeder Art, durch topographisch⸗statistisch⸗historische Karten, durch gediegene Abhandlungen und Loͤsung schwieriger Streitfragen, durch Bewahrung alterthuͤmlicher Kunstwerke und ge⸗ chichtlicher Ueberreste vielfaches Verdienst erworben baben. — Doch nser klassischer Boden hat zu demselben Ziel, vor Leibnitz und seit eibnitz, solche Vorbilder der einflußreichsten Leistungen gegeben, daß es eltsam waͤre, da an Beispiele zu erinnern, von wo ein so edles Beispiel aus⸗ gegangen ist. — In der Anlage sind das Programm und die Statuten des gereins, dessen Protektorat Se. Koͤnigl. Hoh. der DurchlauchtigsteHerzog voan Cambridge d. d. Berlin den à. Mai 1835 in den huldvollsten usdruͤcken auf Sich zu nehmen geruhten. — Wenn das Gedeihen des Vereins bloß von dem vaterlaͤndischen Sinn und von der Theil⸗ nahme abhaͤngt, welche er auf die gegenwaͤrtige Aufforderung fin⸗ det, mag er wohl eines schoͤnen Erfolges zum Voraus versichert eyn. — Jeder wohlwollende Theilnehmer ist hiermit ersucht, diese Eintadung moͤglicht zu verbreiten. Die Erklaͤrung zum Beitritt ann an eben diese theilnehmenden Feunde, sie kann an jeden Be⸗ amten des historischen Vereines gerichtet seyn. — Hannover, 18. Juni 885, am XX. Jahrestage der Waterloo⸗Schlacht.“ 8 (Folgen die Unterschriften.)
Kassel, 25. Juni. Se. Hoh. der Kurprinz⸗Regent wird gegen Ende dieses Monats Kissingen verlassen, und uͤber Fulda, vo Hoͤchstderselbe einige Tage zu verweilen gedenkt, nach Kassel zuruͤckkehren. Bald nach der Ankunft will indessen der Prinz das inlaͤndische Bad zu Hofgeismar als Nachkur gebrauchen.
Zum Empfange der verwittweten Frau Landgraͤfin von Hes⸗ sen⸗-Rotenburg auf dem Schlosse zu Rotenburg hatte sich der Mi— ister des Auswaͤrtigen v. Trott, in Begleitung des Ministerial⸗ raths Koch, Referenten im geheimen Kabinette des Kurppinzen, in dessen Auftrag nach jener Stadt begeben. Eben dahin ist auch der Ober⸗Jaͤgermeister v. Baumbach abgegangen, dem vom Kur⸗ wrinzen, im Einverstaͤndniß mit Sr. K. Hoh. dem Kurfuͤrsten, die Sestimmung zu Vhei geworden ist, den Hrn. v. Steuber in der Ligenschaft eines Curator ventris abzuloͤsen, damit Letzterer auf Leinen Gesandtschafts⸗Posten in Wien zuruͤckkehren koͤnne. Im kotenburger Schlosse sind alle im Roͤmischen Corpus Juris fuͤr folche Faͤlle, wo ein posthumus erwartet wird, bei dessen Geburt Andere betheiligt sind, vorgeschriebenen Einrichtungen getroffen, nsbesondere ist ein Zimmer mit bloß Einem Eingange zur Nie⸗ derkunft der Frau Landgraͤfin ausersehen. Auch hat der komman⸗ birende Offizier der von hier nach Rotenburg abgesandten Ab⸗ heilung der Leib⸗Garde Instructionen bekommen, das Schloß nd dessen Thore mit Sorgfalt zu bewachen. Eine hiesige be⸗ onders zuvor in Pflicht genommene Hebamme, Madame Kapel⸗ zren, ist ausersehen, um der Frau Landgraͤfin bei ihrem Wochen⸗ hette huͤlfreiche Dienste zu leisten. Mehrere Tage hindurch hatte an indessen der Ankunft der hohen Woͤchnerin in Roten urg
mit Ausnahme zweier Stimmen, angenommen.
b 1] .“ b.“ vergeblich entgegengesehen; dieselbe war am 20sten d. von Berlin, in Begleitung ihres Bruders, des Fuͤrsten von Salm⸗ Reifer⸗ scheid⸗Krautheim, des Herrn v. Steuber und ihres Arztes, statt in Rotenburg, in Heiligenstadt angekommen, und von da war ein Koͤnigl. Preuß. Landrath in Kassel eingetroffen, um, wie man wissen wollte, mit dem hiesigen Ministerium Einiges zu verabreden, bevor die Landgraͤfin sich entschloͤsse, nach Rotenburg abzureisen. Dem Geruͤchte nach verlangte gedachte Fuͤrstin unter Anderm die Zuruͤckziehung des nach Rotenburg geschickten Mili⸗ tairs, indem der Landgraf, ihr verstorbener Gemahl, nie eine solche Ehrengarde bei seinen Lebzeiten gehabt habe, und auch sie derselben nicht beduͤrfe. Jedoch ist die Frau Landgraͤfin am 23sten d. Abends nunmehr wirklich auf dem Schlosse zu Roten⸗ burg angekommen. Zugleich sind die ehemaligen landgraͤflichen Hof⸗Offizianten dort bei derselben wieder in Dienst getreten.
Muͤnchen, 1. Juli. Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz befindet sich, den neuesten Nachrichten zufolge, noch immer im Bade bei Pesth.
Auf den Grund des §. 7 des constitutionnellen Edikts ist die verfuͤgte Beschlagnahme der Druckschrift: „Geschichte des Kaisers Napoleon, te Lieferung, Stuttgart, Scheible's Buch⸗ handlung“ durch Entschließung des Ministeriums des Innern be⸗ staͤtigt worden. Es hat demnach die Confiscation nebst dem Verbote dieser Druckschrift einzutreten.
Da sich auf die wiederholten Ausschreibungen des Koͤnigl. Stadtgerichts in Anspach Niemand meldete, um die Verlassen⸗ schaft des Kaspar Hauser anzutreten, so wurde dieselbe kuͤrzlich dem Fiskus uͤberwiesen. Kaspar Hauser besaß auch viele Pre⸗ tiosen, mit denen das Wunderkind besonders von dem schoͤnen Geschlechte war beschenkt worder — Der Sitz der nunmehr ins Leben tretenden Hypotheken⸗ und Wechselbank ist Muͤnchen; je⸗ doch wird naͤchstens in Augsburg ein Filiale, und spaͤter in je⸗ der Kreis⸗Hauptstadt eine aͤhnliche Anstalt errichtet werden. Der, jetzt schon 10 Millionen Gulden betragende Kapitalstock der Bank darf sich bis zu 20 Millionen ausdehnen. Die Privilegien dieser unter die Aufsicht und den Schutz der Staats⸗Regierung gestellten Privat⸗Anstalt sind auf 99 Jahre gegeben. Die Bank genießt das Augsburger Wechselrecht; sie hat das wichtige Vorrecht, im Betrag von „„ des Kapital⸗ stockes Banknoten aun porteur in Umlauf zu setzen, deren Be⸗ trag nicht unter 10 Gulden seyn soll. Von dem Kapitalstock werden ¹¾ zu Anlehen auf Grund und Boden, die uͤbrigen ³ fuͤr die uͤbrigen Bank⸗Geschaͤfte verwendet. Es ist der bestimmte Befehl des Koͤnigs, daß die Bank niemals Speculations⸗Ge⸗ schaͤfte uͤberhaupt, insbesondere aber keine Depotgeschaͤfte in aus⸗ laͤndischen Papieren fuͤr eigene Rechnung mache. Nichtsdestowe⸗ niger wird mit dieser Bank auch eine Leih⸗Anstalt auf Papiere, Waaren, Gold und Silber verbunden seyn. Ebenso wird die Bank eine auf Praͤmiensaͤtze gegruͤndete Lebens⸗Versicherungs⸗ und Leib⸗Renten⸗Anstalt errichten.
„Stuttgart, 1. Juli. Se. Majestaͤt der Koͤnig sind heute fruͤh mit Ihren Koͤnigl. Hoheiten den Prinzessinnen Marie und Sophie und dem Kronprinzen zum Gebrauch der Seebaͤder nach Scheveningen abgereist, und werden in den ersten Tagen des Monats August wieder in Stuttgart eintreffen. — Ihre Ma⸗ jestaͤt die Koͤnigin werden Sich mit Ihren Koͤnigl. Hoheiten den Prinzessinnen Katharina und Auguste morgen nach Gaggenau bei Rastadt begeben.
Vorgestern Abend ist Herr Seydelmann, von seiner Kunst⸗ reise nach dem noͤrdlichen Deutschland zuruͤckgekehrt, auf der hie⸗ sigen Hofbuͤhne zum ersten Male wieder aufgetreten. Er gab dieselbe Rolle, mit welcher er den glanzvollen Cyklus seiner Gast⸗ darstellungen in Berlin geschlossen hatte, naͤmlich den Abbé de *'Epée. Der Deutsche Courier sagt: „Uns ist von Seiten unseres sonst so ruhigen und kalten Publikums nicht bald ein solcher wahrer, aufrichtiger und enthusiastischer Jubel erinnerlich, wie der, welcher den großen Mimen begruͤßte. Lange konnte Seydelmann nicht zu Worte kommen, vor dem unermeßlichen Beifall, und als er dann aussprach, daß er sich hier in der Heimath fuͤhle, als er zu verstehen gab, daß er sich nicht von Stuttgart trennen werde, brach abermals ein vielfach wiederhol⸗ tes einstimmiges Bravo von dem zahlreich versammelten Publi⸗ kum aus.“ — Ein Lorbeerkranz und ein Gedicht empfingen den Kuͤnstler hier eben so, wie er in Berlin damit entlassen worden war. — Es hat uͤbrigens vorgestern vor dem Eintritte der ge⸗ woͤhnlichen zweimonatlichen Sommer⸗Ferien die letzte Vorstellung auf dem Koͤnigl. Hoftheater stattgefunden.
Karlsruhe, 27. Juni. Die Berathung uͤber den Gesetz⸗ Entwurf in Betreff der Bestreitung der Gemeinde⸗ Beduͤrfnisse hat nun gestern ihr Ende erreicht. Dieses Gesetz, welches den vielen Maͤngeln des bis jetzt in der Sphaͤre der Gemeinde⸗Oeko⸗ nomie bestandenen abhelfen soll, ward von der Kammer mit der groͤßten Umsicht berathen, indem sie wohl eine Aeußerung des Berichterstatters erwog und miterkannte, mit der er seinen Kom⸗ missionsbericht so schloß: „Sie unterstellt den Gesetz⸗Entwurf bescheiden Ihrer reiferen Wuͤrdigung, denn nur allzu lebhaft
draͤngte sich bei ihrer Berathung der Gedanke auf: an die Stelle ist ein schweres, nicht
einer Gesetzgebung eine andere zu setzen, immer lohnendes Unternehmen; wer sich dazu entschließt, der er⸗ waͤge wohl, daß seine Gabe nur dann Anspruch auf Anerkennung und bleibenden Dank hat, wenn das Gegebene entschieden das Besserse ist.“ Das Gesetz wurde von der ganzen Kammer,
Karlsru he, 30. Juni. In der heutigen geheimen Sitzung begann die Diskussion uͤber die Frage wegen des Beitritts zum
Zoll⸗Vereine, wurde aber bei weitem nicht beendigt. Nach sechs⸗ stuͤndiger Verhandlung hatten erst die Regierungs⸗Commissaire,
Finanz⸗Minister von Boͤckh und Staatsrath Nebenius, sodann
die Abgeordneten Rutschmann, Merk, Hoffmann, Buhl und Martin, und von diesen Mitgliedern bloß zwei gegen, die andern fuͤr den Anschluß gesprochen. So viel man hoͤrt, wollen die mei⸗ sten Mitglieder in dieser wichtigen Sache als Redner auftreten und zum Theil in ausfuͤhrlichen Vortraͤgen ihre Ansichten ent⸗ wickeln, so daß wohl schwerlich vor uͤbermorgen Abend um 6 Uhr das Haupt⸗Resultat bekannt seyn wird. ꝛ9) 3u zweifeln ist aber wohl nicht mehr an der Abstimmung fuͤr den Anschluß, da etwa 35 Mitglieder der Kammer dieser Ansicht seyn duͤrften. Die Kammer war heute vollzaͤhliger, als je, mit Ausnahme desjeni⸗ gen Tages von 1831, an welchem uͤber die Herstellung der Preß⸗ freiheit berathen wurde. Als Regierungs⸗ Commissaire waren heute anwesend: Finanz⸗Minister von Boͤckh, Minister des In⸗ nern Winter, und Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten von Tuͤrkheim, ferner die Staatsraͤthe Jolly, Geheimer Referendair Goßweiler und Ministerial⸗Rath Frey.
*) Wie dieses Resultat ausgefallen, haben wir bereits vorgestern unseren Lefern mittbeilen koͤnnen.“ bhti os
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AI. J tatt enn,
„Rom, 20. Juni. (Allg. Ztg.) Die vorgestrige Frohn⸗ leichnams⸗Prozession wurde mit der gewoͤhnlichen Pracht von der ganzen Geistlichkeit, den Kardinaͤlen und dem Papst, gehalten. Das schoͤnste Wetter beguͤnstigte den Umgang, wozu sich viele Tausende von Menschen unter den Arkaden der Peterskirche ein⸗ gefunden hatten, die mit Teppichen und Guirlanden geschmuͤckt waren. Unter den Zuschauern bemerkte man Dom Miguel und Don Sebastian mit seiner Gemahlin, welche in einer Koͤniglich verzierten Loge der Prozession zusahen. Dom Miguel lebt sehr eingezogen, ohne allen fuͤrstlichen Glanz, welches wohl seinen finan⸗ ziellen Umstaͤnden zuzuschreiben ist, da er bis jetzt noch keine von den ihm durch Traktat zugestandenen Summen aus Portugal bezo⸗ gen hat. Der durch seine Amme ihm gerettete Theil seines Ver⸗ moͤgens besteht hauptsaͤchlich in Diamanten, sonst soll er uͤber nichts zu verfuͤgen haben. Er gewann hier in der letzten Zeit immer mehr an Popularitaͤt. Ohne als sein Lobredner auftreten zu wollen, muß ich doch bemerken, daß Leute, die oͤfter Gelegen⸗ heit haben, ihn zu sehen, versichern, fast Alles, was man gegen seinen persoͤnlichen Charakter gesagt, sey grobe Verleumdung. Besonders soll er leutselig gegen seine Umgebungen und daher von seiner Dienerschaft so geliebt seyn, daß keiner ihn in seinem Ungluͤck verlassen willQ. In wie weit dieses wahr, muß ich dahin gestellt seyn lassen, fuͤhre aber nur die oben genannte Amme an, welche mit Lebensgefahr Portugal verließ, um ihm seine Dia⸗ manten und andere Kostbarkeiten nach Genua zu bringen, wohin er damals von hier aus ploͤtzlich reiste, um beides, Amme und Schaͤtze, in Empfang zu nehmen. — Marschall Bourmont hat hier bedeutende Guͤter gekauft, aber bis jetzt noch nicht um die damit verbundenen Titel angehalten: er scheint sich ganz aus dem oͤffentlichen Leben zuruͤckzuziehen und treibt das eintraͤgliche Geschaͤft eines Mercante di Campagna, indem er auch große Laͤndereien in Pacht genommen hat. Seine Soͤhne sind Gene⸗ rale und ihre Brust mit Miguelistischen Orden reichlich verziert.
Tuͤrkei.
Konstantinopel, 12. Juni. (Journal d'Odessa.) Man hat bemerkt, daß der Sultan, als er den Palast der suͤßen Wasser verließ, mit den Sultaninnen, welche Sonnenschirme trugen, in demselben Boote saß, was nie zuvor geschah. Als Ursache zu der Wohnungs⸗Veraͤnderung des Großherrn bezeich⸗ net man die vielen Schlangen, die bei den suͤßen Wassern zum Vorschein gekommen sind. Eine derselben ist sogar in ein Kiosk eingedrungen. — Zu Arnaut-⸗Koi wird ein schoͤnes Palais fuͤr die zweite Tochter des Sultans erbaut, deren Vermaͤhlung mit Mustapha Pascha von Adrianopel im naͤchsten Jahre stattsin⸗ den soll. — In einem nicht weit von dem Palast der suͤßen Wasser gelegenen Dorfe ist die Pest ausgebrochen und das⸗ selbe daher abgesperrt worden. — Jussuff⸗Pascha, ehemali⸗ ger Pascha von Varna, welcher als Kriegsgefangener in Odessa lebte und von der Tuͤrkischen Regierung eine Pen⸗ sion erhielt, soll seine saͤmmtlichen Guͤter zuruͤckerhalten; doch ist die Verordnung dazu noch nicht erschienen. — Seit mehreren Tagen ist der Divan sehr beschaͤftigt. Die Aus⸗ ruͤstung der Flotte und der Land⸗Armee wird mit großer Thaͤtig⸗ keit betrieben. — Es sind beunruhigende Nachrichten aus Alba⸗ nien eingegangen. — Die Pest ist leider in Smyrna ausgebro⸗ chen, und am 2. Juni sind 12 Kranke in das Hospital gebracht worden. In Alexandrien, wo sie schon verschwunden war, ist sie, nachdem der Hemsi einen Tag lang geweht hatte, mit ihrer fruͤ⸗ heren Wuth zuruͤckgekehrt. — Der nach Wien gehende außeror⸗ dentliche Gesandte des Sultans, Achmed Ferik Peßens wird dem Kaiser Ferdinand einen prachtvoll gestickten und mit Edelsteinen verzierten Sessel uͤberreichen. — Das Wetter ist jetzt endlich schoͤn geworden, und das Getraide verspricht eine gute Aerndte. — Das Dampfschiff „Newa“ hat am 7ten eine Lustfahrt nach den Prin⸗ vexesh E.“ Es hatte nur 27 Passagiere, wenn es indeß diese Fahrt wiederholt, so wird die hiesige voͤlker bald Gefallen daran sübsach 7s hiesig “
Griechenland.
Ueber den Schloßbau in Athen enthaͤlt die Alle emeine Zeitung nachstehenden Bericht: vneedeltngh⸗ sich, daß nach dem urspruͤnglichen Bauplan der Hauptstadt von Griechenland das Koͤnigliche Schloß an eine zu tief gelegene Stelle kam, und noch den Uebelstand veranlaßte, daß von ihm aus die Hauptstra⸗ ßen in divergirenden Linien gingen, wodurch die Winkel aller
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wurden. Der Koͤnig Otto hat deshalb schon vor Ankunft des Herrn Geheimen⸗Raths von Klenze, den die Regentschaft 1n. den hatte, diese Uebelstaͤnde zu heben und den Plan zu verbessern,
der beruͤhmte Architekt fand an Ort und Stelle b — 3 Platz dem neuen Anaktorion gebuͤhre; es ist die Leste ver h hen, in welchen sich die westliche gegen den Piraͤeus ge⸗ wendete Seite nach dem Dipylon in drei Absaͤtzen herab⸗ senkt, das Theseum einschließt, und sich bis an den Fuß der Pnyx und des Areopag ausbreitet. Sie ist hoch genug, um die Aussicht uͤber die Stadt und die Ebene zu beherrschen, und nie⸗ drig genug, um dem Zuge der alten Wasserleitung ohne kuͤnstliche Vorrichtungen zugaͤnglich zu seyn, offen den kuͤhlen Seewinden und in ihrer Aussicht alles, was das Panorama von Athen Gro⸗ ßes und Schoͤnes darbietet, umfassend. Den hoͤhern Theil des Platzes wird der Koͤnigsbau selbst einnehmen, von welchem Ter rassen nach den niedern Theilen, ihren Anlagen an Gebaͤuden und Pflanzungen fuͤhren, waͤhrend die Verschiedenheit der Erhoͤ hung, die schoͤnen Felsen und Grotten in ihrem Umfang zu dem mannigfaltigsten Wechsel Anlaß geben, und die reichläche Bewaͤs⸗ serung ein schnelles Heranwachsen der Gewaͤchse beguͤnstigen wird. Daß der Bau im Style der Griechischen Architektur entworfen wurde, war an sich und von dem Architekten zu erwarten; süͤd⸗ liche Lage und suͤdliches Klima und die dadurch gebotene Ruͤck⸗ sicht auf Beduͤrfniß und Bequemlichkeit, dann die Koͤnigl. Be⸗
bei Anlage und Ausfuͤhrung mit einander ausgeglichen werden; da⸗ durch wurde der Architekt den beschraͤnkten Verhaͤltnissen der an⸗ tiken Wohnhaͤuser entruͤckt, und in das Gebiet der oͤffentlichen Ge⸗ baͤude, der Prytaneen, der Stoen und anderer groͤßerer Anlagen gefuͤhrt. Folgendes ist der Entwurf: Nach dem Eintritt in die Neustadt von Athen, welche die Altstadt mit ihren alten und neuen Truͤmmern von drei Seiten umguͤrtet, gelangt man durch die Piraͤeusstraße an einen Platz, welcher den Namen des Euer⸗ geten⸗Platzes tragen wird. Die linke Seite desselben bilden der Senat und die Muͤnze, so wie eine große zu den Kasernen fuͤh⸗ rende Avenue; die zweite Seit nen 650 Fuß von einander entfernt zwei große Gebaͤude ein, welche die sechs Ministerien enthalten sollen. Zwischen diesen liegen die verschiedenen Arme
der sehr sanften Rampen, welche zur Auffahrt auf die verschiede⸗ nen Terrassenabsaͤtze der Schloßaniage hn Ls Sn de
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mit ihnen in Verbindung stehenden Straßen und Plaͤtze schief
erklaͤrt, daß an jener Stelle das Schloß nie gebaut wuͤrde, und
stimmung und die dadurch gebotene Ruͤcksicht auf Groͤße, mußten
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