1835 / 189 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

wieder das der Aerzte ganz zu Gunsten des Fraͤuleins. Herr Be⸗ coeur, der Haus⸗Arzt der Familie Morell, sagte aus, daß das Fraͤulein von Morell vor dem 24. September 1834 vollkommen ge⸗ sund gewesen sey. Die Wunde des Fraäͤuleins habe er nicht untersucht, und auch aus Zartgefuͤhl nie mit dem Fraͤulein daruͤber gesprochen. Dagegen sagte die Hebamme Duhamel: „Ich habe am 21. Dez. v. J. auf Befehl des Instructions⸗Richters, gemeinschaftlich mit dem Doktor Lherminier, das Fraͤulein Marie von Morell untersucht. Wir haben die Narbe der Wunde gefunden, welche mit einem spitzen und schneidenden Instrumente gemacht worden ist. Die Narbe war 5 Linien lang und eine breit, und Alles deutet darauf hin, daß die Wunde geeitert hat.“ Der Doktor Lherminier bestaͤtigte diese Aussage. Der letzte in dieser Sitzung verhoͤrte Zeuge war der Dok⸗ or Dllivier, der die Art der Nervenzufaͤlle beschrieb, denen das Fraͤulein unterworfen ist, und die Versiache erzaͤhlte, die er ange⸗ stellt habe, um sich zu uͤberzeugen, daß keine Verstellung im Spiele sey. Seine Meinung stimmte mlt der aller uͤbrigen Aerzte uͤberein, daß der schreckliche Krankheits⸗Zustand leider nur zu wahr sey. Das Verhoͤr der von dem General⸗Advokaten vorgeladenen Zeugen ist nunmehr beendigt. (Ueber die Sitzung vom 2ten, in welcher die Entlastungs⸗Zeugen vernommen wurden und das Plaidoyer des Hrn.

Odilon⸗Barrot stattfand, wird morgen Bericht erstattet werden.)

Galignani's Messenger erklaͤrt sich fuͤr ermaͤchtigt, ei⸗ nem von mehreren Londoner Blaͤttern verbreiteten Geruͤcht, daß der Spanische Botschafter in Paris, Herzog von Frias, sich ge⸗ weigert habe, die Aushebung von Huͤlfs⸗Mannschaften fuͤr den Dienst der Koͤnigin von Spanien zu genehmigen oder zu unter⸗

stuͤtzen, und daß derselbe geantwortet, er koͤnne es nicht unter⸗

vorkommenden Cholera⸗Faͤlle auf 5 10 an.

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nehmen, etwas der Art zu thun, wie General Alava in England (s. den Art. London in Nr. 181 der St. Z.), auf das bestimm⸗ teste zu widersprechen, indem der Herzog von Frias nicht nur augenblicklich bereit gewesen sey, den Paan des Obersten Sir Robert Steele, der ein Corps von 1500 Mann zusammenbrin⸗ gen wolle, zu befoͤrdern, sondern auch vorgeschlagen⸗ habe, eine Abschrift von diesem Plan an den General Alava in London zu senden, da derselbe sich die Anwerbung Britischer Truppen be⸗ sonders angelegen seyn lasse.

Die (gestern mitgetheilte) Anzeige des Praͤfekten Grafen von Rambuteau ist das erste amtliche Aktenstuͤck, aus welchem man erfaͤhrt, daß die Fremden⸗Legion in der That bestimmt ist, gegen die Karlisten in Navarra und den Baskischen Provinzen zu kaͤm⸗ pfen. Der heutige Moniteur enthaͤlt hieruͤber noch keine Sylbe, und es scheint fast, als ob die Regierung beschlossen habe, diese indirekte Intervention auch nur auf indirekte Weise zur Kennt⸗ niß des Publikums gelangen zu lassen.

Der National sagt: „Die heute auf außerordentlichem Wege eingetroffenen Madrider Zeitungen vom 24. Juni melden, daß der General de la Hera (derselbe, der den Valdez im Ober⸗ Kommando ersetzt haben soll), seinen Abschied genommen habe.“ Einige andere hiesige Blaͤtter versichern, die Militair⸗Inten⸗ dantur habe wegen der Anwerbung von Freiwilligen fuͤr den Dienst der Koͤnigin von Spanien Contre⸗Ordre erhalten. Gewiß ist, daß die oberwahnte Ankuͤndigung des Grafen von Rambuteau heute noch nicht an den Straßen⸗Ecken angeschlagen war. Als Grund fuͤr jenen Gegenbefehl gab man an der heu⸗ tigen Boͤrse an, die Karlisten haͤtten bei der Annaͤherung der Christinos die Belagerung von Bilbao aufgehoben, und die Re⸗ gierung habe uͤberhaupt so guͤnstige Nachrichten uͤber den Stand der Dinge im noͤrdlichen Spanien erhalten, daß sie die Werbun⸗ gen zu einer indirekten Intervention fuͤr uͤberfluͤssig halte. Diese Geruͤchte hoben den Muth der Spekulanten, und machten, daß alle Effekten stiegen.

Ein Privat⸗Schreiben aus Bayonne vom 29. Juni meldet, daß Zumalacarreguy in seinem Geburtsorte Ormaisteguy beerdigt worden sey, und daß Don Carlos das Kommando uͤber die Ar⸗ mee selbst uͤbernommen habe.

Ein in Toulon erscheinendes Blatt giebt die dort taͤglich

I Großbritanien und Irland. . * Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 2. Julj. (Nachtrag.) In dem Ausschuß uͤber die Munizipal⸗Reform⸗Bill kamen Lord Stanley und Hr. O'Con⸗ nell hart an einander. Es handelte sich naͤmlich um die Frage, ob die Stadtschreiber, wie die Regierung es wuͤnschte, nur auf ein Jahr, oder, wie Lord Stanley vorschlug, auf so lange Zeit, wie sie sich kein Vergehen zu Schulden kommen ließen, er⸗ nannt werden sollten. Dieser suchte zu zeigen, daß haͤufige Ver⸗ aͤnderungen nur nachtheilige Folgen nach sich ziehen und persoͤn⸗ liche Animositaͤten und Jobbereien veranlassen wuͤrden. Im Laufe der Debatte fragte Herr O' Connell den edlen Lord, wie er auf der Bank, wo er jetzt sitze (er saß naͤmlich auf der ersten Oppositions⸗Bank unter den Tories), von veraͤchtlichen Jo be⸗ reien reden koͤnne? Lord Stanley fragte ihn, was er damit meine? worauf Herr H'Connell erwiederte, er meine gerade, was er gesagt habe. Der Wortwechsel wurde eine Zeitlang fortgesetzt. Lord Sandon mischte sich zuletzt ein und fragte, ob der gelehrte Herr den Vorwurf der Jobberei gegen alle In⸗

dividuen erheben wolle, die zu der Opposition gehoͤrten? Herr

O'’Connell erwiederte, er habe mit Individuen nichts zu thun;

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verstehen gegeben, daß er nicht mehr unter sie

auf den neutralen Baͤnken eine Zeit lang Platz

er rede politisch, aber nicht persoͤnlich, und nehme keinen An⸗ stand, der Opposition ihre Reiheit zu lassen. Lord Stanley gab nun einige Erklaͤrungen uͤber seine Stellung in diesem Hause. Er beabsichtige eben so wenig eine factioͤse Opposition gegen das jetzige, wie gegen das vorige Ministerium, und habe daher

enommen; einen vor⸗ deutlich zu passe, und er theile diese Ansicht, die ihn denn auch bewogen habe,

wie er letzthin von

allein die ironische Weise, habe ihm

maligen Freunden behandelt worden,

sich zur Opposition zu halten, obwohl seine fruͤheren Grundsaͤtze

Koͤnige auch der Franzoͤsische Gesandte in

7 unveraͤndert geblieben waͤren.

Dies nur, um sich dem Publikum gegenuͤber zu rechtfertigen, damit ein bloß persoͤnlicher Ortswech⸗ sel nicht als ein politischer angesehen werden moͤge. Lord John Russell meinte, sein edler Freund habe das Recht, sich seinen Sitz zu waͤhlen; er koͤnne nur bedauern, daß derselbe in so vie⸗ len Punkten von ihm abweiche. Lord Stanley ist demnach foͤrm⸗ lich zu den Tories uͤbergetreten und die sogenannte schwankende des Unterhauses, genannt der „Stanleysche Schweif“, at zu existiren aufgehoͤrt. Bei dem vorgestrigen Lever wurde dem

London, 3. Juli. 1 ““ Baron von

Varennes, durch den Franzoͤsischen Botschafter vorgestellt.

sist fuͤr Bury St.

Vice;Kammerherrn ernannte Lord Charles Fitzroy

Der zum t 1b Edmunds ohne Opposition wieder zum Par⸗

laments⸗Mitgliede gewaͤhlt worden.

Der

Hampshire Telegraph meldet als ein Geruͤcht, daß Lord Auckland, jetzt erster Lord der Admiralitaͤt, zum General⸗ Statthalter von Indien ernannt werden wuͤrde.

Der Liverpooler Standard sagt, die Dampfschiffe von Irland haͤtten am verflossenen Sonntage 2000 Irlaͤndische Ar⸗

beiter in Liverpool gelandet, die sich saͤmmtlich im groͤßten Elend

I1114 1 1 befaͤnden; die Transport⸗Kosten waren nur zu 3 Pence auf den Mann ausbedungen.

Cork und Limerick sind fuͤr Suͤd⸗Irland zu Depots der An⸗ werbungen fuͤr Spanien bestimmt worden.

Ueber die Explosion in der Kohlengrube von Wallsend bei Newcastle hat man jetzt naͤhere Details erhalten. Am 20. Juni war es gelungen, 4 noch lebende Arbeiter herauszuziehen; sie waren jedoch mehr oder weniger verbrannt und schienen wahn⸗ sinnig zu seyn, so daß man von ihnen keine Aufschluͤsse erlangen konnte; man hofft indeß, sie am Leben zu erhalten. Dem Einen mußte der Schenkel abgenommen werden. Am 22sten belief sich die Zahl der herausgezogenen Leichen auf 86. Unter den 14, die noch in der Grube stecken, glaubt man keinen mehr lebend zu finden. Bei der Explosion waren 104 Menschen, groͤßtentheils junge Leute, in der Grube.

Die Brigg „Columbine“ hat aus Malta Nachrichten uͤber die Britische Expedition nach dem Euphrat mitgebracht. Oberst Chesney und seine Begleiter waren am 3. April auf einer Insel an der Muͤndung des Orontes gelandet, die sie Amelien⸗Insel nannten, und befanden sich am 3. Mai noch daselbst. Die ein⸗ zelnen Theile des eisernen Dampfschiffes, welches den Euphrat beschiffen soll, wurden gluͤcklich ans Land gebracht. Capitain Est⸗ court hat die Ausbesserung des Weges vom Hrontes bis zum Euphrat uͤbernommen, Lieutenant Murphy die topographische Aufnahme der Issus⸗Bai, Oberst Chesney selbst und Lieutenant Lynch haben mit den Arabern Verbindungen angeknuͤpft. Die Einwohner der umliegenden Gegend waren in großer Anzahl her⸗ beigekommen und sahen den Vorkehrungen der Englaͤnder mit großem Erstaunen zu. .

Niederlande.

Aus dem Haag, 4. Juli. Der Kolonial⸗Minister Gene⸗ ral⸗Lieutenant van den Bosch hat eine Reise nach der Schweiz angetreten. Dem Vernehmen nach, ist derselbe von Sr. Maje⸗ staͤt dem Koͤnige zum Baron erhoben worden.

Belgien.

Bruͤssel, 4. Juli. Der Moniteur zeigt an, daß sich un⸗ ter den Antwort⸗Schreiben, welche auf die Notification der Ge⸗ burt des Kronprinzen eingegangen sind, auch ein solches von Sr. Heiligkeit dem Papste aus Rom vom 4. Juni befinde.

Im Journal d'Arlon liest man: „Wir vernehmen aus zuverlaͤssiger Quelle, daß es den Belgischen Militair⸗Autoritaͤten untersagt worden ist, fremde Deserteure anzuwerben; diese letz⸗ teren koͤnnen ebenfalls nicht mehr nach den Franzoͤsischen Graͤn⸗ zen abgefuͤhrt werden, weil Frankreich deren keine mehr will. Es wird ihnen daher, nachdem sie ihre Fahnen verlassen haben, nichts anders uͤbrig bleiben, als sich in den Provinzen Belgiens nieder⸗ zulassen; aber dann muͤssen sie sich uͤber ihre Unterhaltsmittel aus⸗ weisen, wenn sie nicht als Landstreicher betrachtet und bestraft werden wollen.“”) 1

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Kopenhagen, 3. Juli. Se. Majestaͤt der Koͤnig sind ge⸗ stern Abend um 7 ½ Uhr im erwuͤnschten Wohlseyn hier wieder eingetroffen. Die Reise wurde durch das neblige Wetter, wes⸗ wegen man oͤfter Anker werfen mußte, einigermaßen verzoͤgert. Se. Majestaͤt wurden auf der Zollbude von Ihrer Majestät der Koͤnigin, der Koͤnigl. Familie und ihren Hof⸗Etats, so wie von den Beamten der Stadt und einer unzäͤhligen Volksmenge, wel⸗ che Se. Majestaͤt jubelnd nach Amalienburg begleitete, empfangen.

1n Polen.

Warschau, 5. Juli. Se. Majestaͤt der Kaiser haben, in Betracht, daß der Haͤndel mit Russischen Waaren im Koͤnigreich Polen immer mehr zunimmt, und daß daher eine immer groͤßere Anzahl Russischer Kaufleute, Haͤndler und Fuhrleute nach dem Koͤnigreich koͤmmt, in Betracht, daß in Prozessen vor den Han⸗ dels⸗Gerichten die Parteien entweder persoͤnlich erscheinen, oder ihren gerichtlichen Sachwaltern doch einen speziell von ihnen da⸗ zu bevollmaͤchtigten Assistenten zur Seite stellen muͤssen, und in Betracht, daß den Russischen Kaufleuten und sonstigen Geschaͤfts⸗ maͤnnern, wenn sie vor dem Warschauer Handels⸗Tribunal zu ihrer Vertheidigung persoͤnlich erscheinen muͤssen, ihre Unkenntniß der Polnischen Sprache und der Mangel an solchen Mitgliedern des Handels⸗Tribunals, die der Russischen Sprache maͤchtig und mit dem Russischen Handel bekannt waͤren, so wie die beschraͤnkte Befugniß in dem Gebrauch von Rechtsbeistand, zumal fuͤr arme Personen, die Vertheidigung und die bei derlei Pro⸗ zessen so noͤthige Schnelligkeit in der Abmachung derselben sehr erschweren, auf Vorstellung des Administrations⸗Raths verord⸗ net, daß zu dem Personal des Handels⸗Tribunals der Wojewod⸗ schaft Masovien 2 Richter und 2 Stellvertreter und zu dem Personal des Appellations⸗Gerichts ein Assessor und ein Stell⸗ vertreter aus der Zahl der Russischen Kaufleute hinzugewaͤhlt werden sollen. Diese Wahlen sollen nach den bestehenden Vor⸗ schriften vorgenommen werden; Waͤhler jedoch sollen nur Russi⸗ sche Kaufleute und Haͤndler seyn koͤnnen, die sich in Warschau befinden und in die von der Regierungs⸗Commission des Innern bestaͤtigte Liste eingetragen sind, ohne Ruͤcksicht darauf, ob sie zu der Warschauer Kaufmannsgilde gehoͤren oder nicht.

Auf den letzten Warschauer Maͤrkten zaͤhlte man fuͤr den Korzez Roggen 18 ½ 19 ½i Fl., fuͤr Wäͤchen 21 ½ 22 ½, fuͤr Gerste 16 ½ 17 ¼ und fuͤr Hafer 12 Deutschland.

Meiningen, 30. Juni. Die Staͤnde⸗Versammlung des Herzogthums ist nach einer viermonatlichen Dauer am 23sten d. M. durch den Geheimenrath und dirigirenden Minister von Krafft wieder vertagt worden. Den wichtigsten Gegenstand ihrer Be⸗ rathungen bildeten die Finanz⸗Verhaͤltnisse des Staats, in wel⸗ chem durch den mit dem Jahre 1834 erfolgten Anschluß des Her⸗ zogthums an den großen Deutschen Zoll⸗Verein eine bedeutende Veraͤnderung eingetreten war. Das Resultat der von der Staats⸗ Regierung durch den Landtags⸗Kommissar, Regierungs⸗Assessor Blomeyer, gemachten Vorlagen und der staͤndischen Berathungen uͤber das Budget ist als ein sehr erfreuliches zu betrachten. Es ist naͤmlich durch die in Folge des Zoll⸗Anschlusses entstandene Mehreinnahme und durch Sparsamkeit in den Verwaltungs⸗ Ausgaben ermoͤglicht worden, nicht nur die beschwerliche Geleitsabgabe hinwegfallen zu lassen und geringere Saͤtze des Chausseegeldes einzufuͤhren, sondern auch die Grundsteuer um den vierten Theil jaͤhrlich zu mindern, die laͤstigen Chaussee⸗ baufrohnden, welche in Hand⸗ und Spanndiensten sowohl zu Re⸗ paraturen als zu Neubauten zu leisten waren, gaͤnzlich aufzuhe⸗ ben, die Sporteln bedeutend herabzusetzen, den Papier⸗, Karten⸗ und Kalenderstempel abzuschaffen und die Collateral⸗Gelder, welche bisher in die Staats⸗Kasse flossen, den Orts⸗Gemeinden zu uͤber⸗ lassen. Aber nicht nur diese betraͤchtlichen Erleichterungen sind den Staats⸗Angehoͤrigen zu Theil geworden, sondern auch viel

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als fruͤher, zu gemeinnuͤtzigen stalten und Zwecken, insbesondere fuͤr Chaussee⸗Neubauten zur Unterstuͤtzung der Landes⸗Kultur⸗ Vereine, zur Vo besserung der Lage der Geistlichen und Volks⸗ Schullehrer und deren Hinterbliebenen, zur Verbesserung der Gelehrtenschu⸗ len, fuͤr die Landesvermessung, fuͤr die Landes⸗Irren⸗Anstalt, sir den Hebammen⸗Unterricht u. s. w. bestimmt worden. erwuͤnschtes Ergebniß dieses Landtags sind auch die Gesetze, welch uͤber das Institut der freien Gerichtstage, uͤber die Friedensn. richte und uͤber die Sonntagsfeier erschienen sind, und sehr wejl thaͤtig wird in seinen Folgen seyn das Gesetz uͤber die Verbest rung der Besoldungen zu gering dotirter Pfarr⸗ und Schulfg len, wonach das jaͤhrliche Diensteinkommen eines selbststaͤndigg Pfarrers nicht unter 400 Fl. Rhn., das eines Schullehrers den groͤßern Staͤdten, deren Einwohnerzahl 3000 uͤbersteigt, rise unter 300 Fl. Rhn., das eines Schullehrers in den kleineren St ten und auf dem Lande bei einei Schulbezirke von 300 Einwohm oder mehr, nicht unter 250 Fl. Rhn. und das eines Schullehm in einem Ort von geringerer Einwohnerzahl nicht unter 200 Rhn. betragen soll.

Leipzig, 4. Juli. Der Verwaltungs⸗Rath der Saͤchsische Bobinet⸗Manufaktur“*) hat unterm 27. Juni einen Jahre Bericht (den vierten) uͤber dieses Unternehmen erstattet, an welchem wir Folgendes entlehnen. „Der Jahres⸗Betrieb der M nufaktur hat 12 ¾ pCt., von denen den Actionairs 9, * pCt. kommen, reinen Gewinn ergeben, die diesjaͤhrige Dividende mi hin eben so hoch herausgestellt, wie im vergangenen Jahre. E betrug fuͤr jede vollparticipirende Actie 28 Rthir. Das Instin selbst gewaͤhrt die reellste Sicherheit. Hindernisse, die einen Man gel an Arbeitern veranlaßten, wurden beseitigt, und die Directig versaumt nichts, was groͤßere Entfaltung des Unternehmens j Innern und nach Außen befoͤrdern kann. Jetzt ist die Manufakturz Harthau (bei Chemnitz) in einem großen Gebaͤude konzentrirt, worg ein Regulator eine gleichmaͤßige T riebkraft bei den so zarten und fih nen Bobinet⸗Maschinen bewirkt. Im vor. J. wurde die ers 20, breite Patent⸗Maschine aufgestellt, das Vollendetste, was man bisher im Bau der Bobinet⸗Maschinen geleistet hat. Dies un vieles Andere verdankt man Herrn Wieck. Die ehrenvollste N erkennung eines so redlichen Strebens spricht das Koͤnigl. De kret vom 15. April d. J. aus. Es ist naͤmlich auf Allerhoͤchstn und Hoͤchsten Besehl von dem Ministerium des Innern „b Saͤchsischen Bobinet⸗Manufaktur zu Harthau wegen fortschm⸗ tender Vervollkommnung ihrer Leistungen und großartiger Mw⸗ bildung des Unternehmens, auf Vorschlag des zur Beurtheil der Gewerb⸗Ausstellung des J. 1834 geordneten Pruͤfungs⸗Aus⸗ schusses, der erneuerte Anspruch auf die derselben im J. 182 verliehene große goldene Preis⸗Medaille zuerkannt worden.“

Muͤnchen, 4. Juli. Gestern feierten die Kuͤnstler dahier die Ruͤckkehr des Hrn. Akademie⸗Direktors v. Cornelius aus Rom durch ein laͤndliches Fest auf der Menderschwaig. Ueber 150 ausuͤbende Kunstgenossen mit einer betraͤchtlichen Zahl von Kunstfreunden umgaben hier den edlen Meister: Maler aller Gattungen, Bildhauer, Kupferstecher, Architekten, Graveure, Li⸗ thographen u. A. Auch Hr. Prof. Rauch aus Berlin, seit einer Woche unser Gast, hatte sich der Gesellschaft angeschlossen. Die Tafeln zum Mittagessen waren unter schattigen Baͤumen im Viereck angeordnet, in der Mitte desselben die Tafelmusik. Der Gefeierte wurde bei seiner Ankunft mit der herzlichsten Freude begruͤßt, und das Mahl war durch die erregteste Heiterkent, vurg Gesaͤnge, fuͤr das Fest gedichtet, und durch Toasts belebt. Co⸗ nelius selbst erhob sich, um zu erklaͤren, daß er, in das Vaterland zuruͤckgekehrt und die Luft der Heimath wieder athmend, sich ge drungen fuͤhle, das Wohl Sr. Maj. des Koͤnigs Ludwig, des großen und edlen Befoͤrderers der Kuͤnste, auszubringen. Enn allgemeiner Enthusiasmus empfing diesen Toast, worauf von den Kuͤnstlern ein Lied auf ihren Koͤniglichen Beschuͤtzer gesunger ward. Dann brachte einer der Gaͤste das Wohl des gefeierte Meisters selbst aus. Hierauf folgten Geseaͤnge auf den Heim̃gte⸗ kehrten, der sodann auch auf das Wohl des gefeierten Gastes aus Verlin unter freudigem Zurufe der Versammlung ank⸗ Das Fest, von der herrlichsten Witterung beguͤnstigt, setzte sich in gleicher Heiterkeit bis in die Nacht fort, und allgemein war das Gefuͤhl, daß eine aͤhnliche Feier, die so viele und ausgezeich⸗ nete Meister und Juͤnger der Kunst in solcher Einstimmigkei vereinige, diesseits der Alpen nur in Muͤnchen moͤglich sey (2) Herr Prof. Rauch, der das Noͤthige zur Aufstellung des von ihm modellirten und hier gegossenen kolossalen Denkmals au Köoͤnig Maximilian Joseph vorbereitet hat, hat uns diesen Mi tag verlassen, um uͤber Salzburg nach Wien zu reisen; doch hof fen wir ihn bis zum Oktober, wo die Enthuͤllung jenes Monu⸗ ments erfolgen soll, wieder hier zu sehen.

Karlsruhe, 4. Juli. Se. Hoheit der Erb⸗Großherzo und Ihre Koͤnigl. Hoheit die Erb⸗Großherzogin von Hessen fint diesen Morgen wieder von hier abgereist und nach Darmstaot zuruͤckgekehrt. 1

Die zweite Kammer der Landstaͤnde wird nunmehr vach Beendigung ihrer Berathungen uͤber den Zoll⸗Verein ihre in fentlichen Sitzungen kuͤnftigen Montag, den 6ten d. M., wieden fortsetzen. Auf der Tagesordnung ist außer der Anzeige neutem Eingaben die Diskussion uͤber den Gesetz⸗Entwurf, die Eigen⸗ thums⸗Abtrerungen im Zwangswege zum oͤffentlichen Nutzen be⸗ treffend, verzeichnet.

Am lsten d. M. feierte der allgemein geachtete General⸗Ma⸗ jor Corneli, Commandeur der ersten Infanterie⸗Brigade, sein 5) jaͤhriges Dienst⸗Jubilaͤum.

Darmstadt, 5. Juli. In der Sitzung der zweiten Kam⸗ mer vom 3ten d. fuͤhrte die Tagesordnung zur Berathung üͤber den Haupt⸗Voranschlag der Staats⸗Ausgaben fuͤr die Jahre 1833, 1834 und 1835. Beim Eingange des Ausschuß⸗Berichtez, der sich uͤber die Grundsaͤtze aussprach, von welchen der A schuß ausgegangen ist, entspann sich eine Discussion zwisch dem Praͤsidenten des Finanz⸗Ministeriums Frhrn. v. Hofman, den Abg. Schenck, Hellmann, v. Gagern, Goldmann und Hisc, veranlaßt durch die ganz eigenthuͤmlichen Verhaͤltnisse, daß us fast am Schlusse der Finanz⸗ Periode das Budget fuͤr diesebe zu berathen ist, und die dabei su beobachtenden Grundsaͤtze, waͤh⸗ rend das Finanz⸗Gesetz der vorhergehenden Finan Periode durch Prorogation fortgedauert hat. Die Staats⸗Riegierung sieht hierin auch das Recht, die Ausgaben des Budgets dieser Periode fortdauern zu lassen und solche als gerechtfertigt an, waͤhrend der Abg. v. Gagern namentlich dem widerspricht, in der Proroga⸗ tion des Finanz⸗Gesetzes nur das Recht der Regierung eeblickt, einstweilen die Steuern fortzuerheben, unter der Bedingung der nachtraͤglichen Bewilligung der Ausgaben durch die Staͤnde. Im

bedeutendere Summen,

*) Welche die bisher ausschließlich aus Nottingham in Fuß⸗. land bezogenen feinen Englischen Tuͤll⸗Gewehe auf das Gluͤcklichtte d wohlfeiler herstellt. b 1

Ein sese

Allgemeinen ist man der Meinung, daß erst bei der demnaͤchsti⸗ gen desinitiven Rechenschafts⸗Ablage der Gegenstand gehoͤrig zur Sprache kommen und erledigt werden koͤnne, und geht von die⸗

ser reinen Prinzipien⸗Frage zur Berathung der einzelnen Po⸗ sten uͤber.

Oesterreich.

Wien, 1. Juli. Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Fer⸗ dinand von Este ist gestern Abend hier eingetrossen.

Von Seiten Tyrols ist nun ebenfalls eine Begluͤckwuͤn⸗ schungs⸗Deputation hier angelangt und wird dieselbe von . MM. in den naͤchsten Tagen empfangen werden.

Seit einigen Tagen geht hier das Geruͤcht, daß der bisherige Kaiserliche Gesandte am Wuͤrttembergischen Hofe, Fuͤrst von

Schoͤnburg, die Botschafterstelle am Londoner Hofe waͤhrend der Abwesenheit unseres dortigen Botschafters, des Fuͤrsten Esterhazy, interimistisch zu versehen bestimmt sey.

Naͤchstens wird die angekuͤndigte Veraͤnderung in der Er⸗ hebung der Zoll⸗Abgaben eintreten; auch duͤrfte die projekirte Abaͤnderung in der Uniformirung der Deutschen Infanterie bald statthaben. Die Kommission, welche vom Hof⸗Kriegsrath be⸗

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auftragt ist, uͤber die zweckmaͤßigste Bekleidung des Infanteristen ein Gutachten abzugeben, soll auf weite Pantalons bei den Deutschen Truppen angetragen haben, die Ungarische aber wird wie bisher bekleidet bleiben.

Der Hospodar der Moldau, Fuͤrst Stourdza, hat hier Muͤnzenstempel verfertigen lassen, und es ist sonach zu vermuthen, daß genanntes Fuͤrstenthum in Zukunft eigene Muͤnzen auspraͤ⸗

en wird.

8 Ueber Konstantinopel melden die letzten Briefe aus Smyrna, daß die Pest daselbst fortwährend einige Opfer toͤglich fordere. Indessen waren scharfere Vorsichts⸗Maßregeln getroffen worden. Beinahe saͤmmtliche Kaufmanns⸗Gewoͤlbe waren geschlossen und der Handel lag gaͤnzlich darnieder.

Den neuesten Briefen aus Serbien zufolge, herrscht in diesem Lande die vollkommenste Ruhe und Zufriedenheit. Die biebe des Volkes zu seinem Fuͤrsten spricht sich bei jedem Anlasse auf unzweideutige Weise aus. Es laͤßt sich sonach nicht zweifeln, daß die durch die Protestation Rußlands und der Pforte her⸗ beigefuͤhrte neue Krifis gleichfalls ein gluͤckliches Ende errei⸗ chen werde

Die Krankheit, die in Trawnik und Sarajewo herrscht, soll nicht die orientalische Pest, sondern ein boͤsartiges hitziges Fie⸗ ber seyn, welches die Befallenen in 5 bis 8 Tagen toͤdtet, doch soll die Sterblichkeit keineswegs so groß seyn, als man Anfangs behauptete. Es bleiben also die an der Graͤnze angeordneten strengen Maßregeln so lange in Kraft, bis die ins Innere Bos⸗ niens abgeschickten Sachverstaͤndigen das Nichtvorhandenseyn der Pest außer Zweifel gesetzt haben. Bis dahin unterliegen an der Bosnischen Graͤnze Personen noch immer einer Quarantaine von 20, giftfangende Waaren von 42 Tagen. Die haͤufigen raͤube⸗ rischen Einfaͤlle von der Bosnischen Graͤnze machen es uͤbrigens unserer Regierung zur dringenden Pflicht, auch dagegen Vorkeh⸗ rungen zu treffen; es werden daher, sobald man die Ueberzeu⸗ gung erhalten, daß die Pest in Bosnien nicht vorhanden ist, von diesseits, im Einverstaͤndnisse mit den Tuͤrkischen Behoͤrden Erekutiv⸗Maßregeln gegen jene Raͤuber⸗Banden aufs nachdruͤck⸗ lichste genommen werden.

Die neuesten zu Triest eingegangenen Nachrichten aus A then in Bezug auf die Thron⸗Besteigung des Koͤnigs Otto haben selbst unter den dasigen Griechen keinen so erwuͤnschten Eindruck ge⸗ macht, als man haͤtte erwarten duͤrfen. Wer sollte es in einem Jahrhundert der christlichen Toleranz glauben, die meisten Grie⸗ chen, selbst die aufgeklaͤrtesten, hatten nichts anders erwartet, als daß Koͤnig Otto ihren Griechischen Glauben bei seiner Thron⸗ Besteigung annehmen werde. Die unter den Griechen daruͤber allgemein herrschende Ansicht findet sich damit nicht beruhigt, daß der Koͤnig die Zusicherung ertheilte, seine Nachkommen in dem Griechischen Glauben zu erziehen, und wer den Geist des zweifels kennt, der Griechen und Katholiken im Orient beseelt, darf sich nicht wundern, daß besonders die Griechische Geistlich⸗ keit in diesen allgemeinen Chorus der Klagen einstimmt. Be⸗ sonders die niedere Geistlichkeit, die auf einer sehr geringen Stufe der Aufklaͤrung steht, zeichnet sich durch ihren Haß gegen den Katholizismus aus, und traͤgt viel zu obiger Stimmung bei. Es Heize in Briefen aus Athen, daß der Koͤnig am 2. Juni den mit Oesterreich abgeschlossenen Handels⸗Traktat ratifizirt habe.

Schweiz. Neuchatel, 30. Juni. Se. Excellenz der General⸗Lieute⸗ vant von Pfuel, Gouverneur von Neuchatel, i sier eingetroffen. 8

Rom, 25. Juni. (Allg. Ztg.) Auf das Ansuchen des Kardinals Spinola, seiner Stelle als außerordentlicher Kommis⸗ sarius des Papstes in Bologna und Pesaro enthoben zu werden, hat die Regierung mit Bedauern eingehen muͤssen, da seine Ge⸗ sundheit so angegriffen ist, daß er sich ganz vom oͤffentlichen Le⸗ ben zuruͤckziehen will. Der Kardinal hat dieses Amt zur groͤß⸗ ten Zufriedenheit sowohl des Papstes als der Administrirten ver⸗ waltet, und man befindet sich in einiger Verlegenheit, durch wen man ihn ersetzen soll. Das Geruͤcht, der Kardinal Gamberini, Minister des Innern, sey dazu bestimmt, bedarf noch der Bestaͤ⸗ iigung. Unserer Regierung muß Alles daran liegen, diese wich⸗ iige Stelle einem Manne anzuvertrauen, der mit Milde Staͤrke und Kraft verbindet, welches bei Gamberini's hohem Alter nicht vorauszusetzen ist. Auch ist er dort geboren, und hat seine Guͤ⸗ ter in den Legationen, was zu Mißverhaͤltnissen fuͤhren koͤnnte. Auch der Kardinal Odescalchi soll den Wunsch geaͤußert haben, als Vikar des Papstes entlassen zu werden, da er sich nicht stark genug fühle, dies beschwerliche Amt mit Kraft zu fuͤhren. Man nennt Kardinal Velzi, von dem Orden der Dominikaner, als seinen Nach⸗ folger. Fruͤher hatte er als Maestro de' sacri Palazzi zugleich sur Zufriedenheit der Regierung dem Censor⸗Amte

se Monsignori Mai und della Genga Sermattei nennt man üs Kandidaten zur Kardinals⸗Wuͤrde. An Monsignore Mai's

telle soll der beruͤhmte Monsignore Mezzofanti als Secretair der Propaganda treten, wodurch allen Gelehrten, welche die vatikanische Bibliothek benutzen wollen, ein herber Verlust be⸗ vorsteht, da Mezzofanti als erster Custode dabei durch seine prach⸗Kenntnisse und Gefaͤlligkeit sich vor allen seinen Vor⸗ gängern auszeichnet. Doch der Papst will ihn befoͤrdern und nen Wirkungskreis vergroͤßern. Er wird vermuthlich in wenig Mhren Kardinal. Von den Portugiesischen Kriegsschiffen, nelche bei Genua stationirt sind, um die Schritte Dom Miguels Italien zu beobachten, an unseren Kuͤsten und hat vorgestern durch ein bewaffnetes 86 ein Neapolitanisches Schiff angehalten, um Erkundigung

er Dom Miguel's Anwesenheit in Porto d'Anzio einzuziehen.

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kreuzt seit einigen Tagen ein Schiff

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irs sosg 111“ 6“ 8 Man hat Dom Miguel gewarnt, und er wird vermuthlich sei⸗ nen Aufenthalt dort verlassen, um wieder in Rom zu wohnen.

84 8 Spanien.

Der Courier theilt einen Brief aus Bilbao mit, welcher bis zum 25sten d. M. geht und die Bemuͤhungen schildert, welche von dem die Spanische Flotille befehligenden Englaͤnder, Capi⸗ tain Henry, gemacht worden sind, um das von den Karlisten bedraͤngte Bilbao zu retten. Der Uberbefehlshaber der Christini⸗ schen Armee hatte so wenig fuͤr die Vertheidigung der ohnehin ganz offenen und von dominivenden Anhoͤhen umgebenen Stadt ge⸗ sorgt, daß beim Beginn des Bombardements (am 20.) kaum so viel Munition vorraͤthig war, daß die Geschuͤtze waͤhrend eines Tages bedient werden konnten; die gesammte Bevoͤlkerung der Stadt war daher geneigt, sich sogleich am ersten Tage der Uebermacht des Feindes zu ergeben. Commodore Henry, von dieser Lage der Dinge unterrichtet, beschloß noch einen letzten Versuch zur Rettung der Stadt zu wagen; er ließ seine Schiffe, so weit es ihm moͤglich war, den Fluß hinaufsegeln, und entsandte, als er sich noch zwei (Engl.) Meilen von Bilbao befand, drei Offiziere mit 25 Ma⸗ rine⸗Soldaten, mit aller vorraͤthigen Munition, Congreveschen Ra⸗ keten und zwei langen Achtzehnpfuͤndern. Als diese Verstaͤrkung in Bilbao anlangte, beschloß die Besatzung sogleich, sich bis aufs Aeußerste zu vertheidigen. Com. Henry brachte uͤberdies auf sei⸗ nen Schiffen 1000 Mann von St. Soͤbastian nach Portugalette, ver⸗ mochte aber nicht, sich mit Bilbao selbst in weitere unmittel⸗ bare Communication einzulassen, da die Karlisten zwei Boͤte in den Fluß versenkt und dadurch die Fahrt auf demsel⸗ ben gaͤnzlich gehemmt hatten. Mittlerweile hielt sich die Stadt fortwährend; die Congreveschen Raketen aͤußerten ihre vernichtende Wirkung unter den dichtgedraͤngten Feinden, und es hieß allgemein, daß die Verwundung des Zumalacarreguy durch eine Englische Kugel bewirkt worden sey. Am 2sten zogen die Karlisten den groͤßten Theil ihres Belagerungs⸗Corps zuruͤck, um Valdez entgegen zu gehen, von dem es endlich hieß, nachdem er die Stadt waͤhrend fuͤnf Tage in einem vertheidigungslosen Zustande sich selbst uͤberlassen hatte, daß er zu ihrem Entsatz anruͤcke. Von den zu Huͤlfe gesandten Englaͤndern ist ein Capitain der Marine⸗ Soldaten getoͤdtet worden; 8 Soldaten wurden verwundet, mei⸗ stens schwer. Am Schlusse des Briefes geschieht eines aberma⸗ ligen Versuches des Commodore Henry, der Stadt zur Huͤlfe zu Fig Erwaͤhnung; das Resultat desselben wird nicht mitge⸗ theilt.

111“q 8

Konstantinopel, 12. Juni. Am 15. Sefer (11. Juni) ist schon wieder ein Blatt der Tekwimi Wekaji erschienen, also nur neun Tage nach dem Erscheinen der vorigen Nummer, welcher Umstand schon lange zu den Ausnahmen von der Regel gehoͤrt, obgleich dem urspruͤnglichen in der Ankuͤndigung des Un⸗ ternehmes ausgesprochenen Plan zufolge, in jeder Woche ein Blatt erscheinen sollte. Die meisten Neuigkeiten, welche das vor⸗ liegende Blatt enthaͤlt, datiren noch aus dem vergangenen Mo⸗ nat Muharrem. So wird der feierliche Aufbruch des Sultans nach seinem Sommer⸗Palaste Beilerbei (Istawros), und der nicht minder feierliche Niedergang des Schiffes Neßretije (d. h. sein Lauf vom Stapel) mit Ausfuͤhrlichkeit berichtet. Das letztere herrliche Schauspiel begeisterte zehn der anwesenden Wuͤr⸗ dentraͤger, unter diesen auch den Redacteur der Tuͤrkischen Zei⸗ tung, zu improvisirten Versen, in welchen das Datum durch Zahlwerth der Buchstaben ausgedruͤckt ist, z. B. „Schoͤn glitt die Sie gerin (Neßretije) wie Wasser in das Meer“, „Gleich⸗ wie ein ungezuͤgelt Roß die Siegerin vom Stapel schoß u. s. w.“ Ein Zimmermann, der bei dieser Gelegen⸗ heit durch einen herabrollenden Balken am Fuße verletzt wurde, erhielt aus dem Schatze des See⸗Arsenals eine Entschaͤdigung von 50 Piastern; der Admiral Tahir Pascha aber einen kostbaren Brillant⸗Ring.

Die Tuͤrkische Zeitung berichtet ferner mit großer Umstaͤnd⸗ lichkeit uͤber einen Besuch, den Se. Hoheit am 25. Muharrem der großen Kaserne von Ramis Tschiftlik abgestattet, um die zweckmaͤßigen architektonischen Veraͤnderungen, welche in der neuesten Zeit an diesem Gebaͤude vorgenommen worden, in Au⸗ genschein zu nehmen. Im Vorhof der Kaserne standen drei Bataillone Linien⸗Truppen in zwei Gliedern unter Gewehr und praͤsentirten, waͤhrend der Sultan mit pruͤfendem Herrscherblick hindurchritt. Zu gleicher Zeit wurden 21 Kanonen geloͤst. Se. Hoheit rastete kurze Zeit in der fuͤr ihn bestimmten Abtheilung der Kaserne und erschien dann wieder, worauf die anwesenden Bataillone auf sein Geheiß verschiedene Manoͤvers ausfuͤhrten. Nach Beendigung derselben ließ sich der Sultan, in Begleitung der Wesire, saͤmmtliche neue Bauten und Einrichtungen zeigen, bei welcher Gelegenheit ein architektonischer Fehler im Bau der neuen Kriegsschule seinem Scharfblicke nicht entging. 1b

Der erwaͤhnten Kaserne gegenuͤber, an einem Orte, mit Na⸗ men Kara Acghadsch, befindet sich ein Waͤscherhaus, worin das Waschen der Kleider vermittelst einer Maschine vor sich geht, die innerhalb 24 Stunden 250 Kleider reinigt. Der Sultan be⸗ suchte von der Kaserne aus auch diese Anstalt, und uͤberzeugte sich durch den Augenschein, daß die Reinigung der Kleidungs⸗ stuͤcke vermittelst des Rades sammt Zubehoͤr nicht bloß weit schnel— ler von Statten geht, sondern auch, daß die Kleider durch diesen Prozeß noch reiner werden, als die mit Haͤnden gewaschenen. Se. Hoheit beschloß sofort in der genannten Kaserne ein Wasch⸗ haus mit einer aͤhnlichen Maschine erbauen zu lassen, nur in vergroͤßerten Maßstabe, so daß binnen 24 Stunden 10,000 Klei⸗ dungsstuͤcke gewaschen werden koͤnnen.

Nach demselben Blatte der Tekwimi Wekaji ist Behlul Pascha, bisheriger Statthalter des Sandschaks Bajesid, wegen gewisser durch den Pascha von Erserum notifizirter Pflichtwidrig⸗ keiten abgesetzt worden und das Sandschak Unter die Gerichts⸗ barkeit des letzterwaͤhnten Magnaten gekommen. Auch berichtet diese Zeitung, daß der Defterdar der Linien⸗Truppen, Nafis Efendi, wegen seiner taͤglich zunehmenden Berufs⸗Geschaͤfte, um einen Secretair angehalten hat, welcher ihm auch in der Person des bisherigen zweiten Bittschriftenmeisters bewilligt worden ist. Dieser neugeschaffene Secretair rangirt mit den Beamten dritter Klasse und erhaͤlt seine Besoldung aus dem Fonds der Linien⸗ Truppen.

In demselben Blatte wird schließlich gemeldet, daß Ab⸗ dallah Bei, einer der Emire von Daghestan, welcher im vergan⸗ genen Jahre mit seiner Mutter Konstantinopel besuchte, und von da nach Mekka pilgerte, vor kurzem wieder in Konstantino⸗ pel angelangt sey und, seinem lebhaftesten Wunsche zufolge, eine Anstellung an der dortigen Kriegsschule erhalten habe. Auch fuͤr den anstaͤndigen Unterhalt seiner Mutter ist Sorge getra⸗ gen worden. IEmmErm

Kon Der Griechische Abgeord⸗

stantinopel, 14. Juni. em Reis

ibesteigung seines Koͤnigs

16““

Efendi offtziell angezeigt, allein es heißt,

er habe darauf bloß eine Empfangsbestaͤtigung des Reis Efendi erhalten. Lord Ponsonby sandte einen Courier an den Konsul nach St. Jean d'Acre ab. Man vermuthet eine guͤnstige Ant⸗ wort in Betreff des Fermans die Dampfschifffahrts⸗Expedition auf dem Euphrat betreffend. Neuerdings spricht man von einer Reise des Sultans in die Provinzen, allein Viele bezweifeln, daß 4 F öspeten e. 8 zu. Die Pest in Smyrna hat sich sehr maͤßig gezeigt, die Sterbe⸗ faͤlle sind nur bis auf 10 Personen hre ngnha eägsse 28 In Folge der Nachrichten aus Albanien hat der Sultan dem Pascha von Janina befohlen, zur Huͤlfe des Pascha von Scutari aufzubrechen. Aus Rumelien sind 5000 Mann Trup⸗ pen eben dahin beordert. Saͤmmtliche partielle Insurrectionen in den verschiedenen Provinzen des Reichs bilden die Großherr⸗ lichen Truppen zum kleinen Kriege aus, und duͤrften in kurzem Zeitraum den kriegerischen Muth der Moslims aufs Neue bele⸗ ben, so daß der Verlust der ehemaligen Kerntruppen bei einer etwaigen auswaͤrtigen Krisis ersetzt scheint. Dieses Resultat er⸗ scheint unbestreitbar und ist fuͤr die Erhaltung des Osmanischen Reiches ein gluͤckliches zu nennen.

Von der Bosnischen Graͤnze, 24. Juni. Den neue⸗ sten Nachrichten aus Albanien bis zum 13. Juni zufolge, war die in Seutari ausgebrochene Insurrection noch nicht beendigt. Der Pascha hatte 2000 Mann Tuͤrkische Truppen Verstaͤrkung erhalten, allein die Insurgenten erhielten auch einigen Succurs aus Dulcigno, obgleich sich die Gebirgsbewohner noch ruhig verhielten. In dem halb verwaiseten Scutari begann bereits Mangel an Lebensmitteln einzureißen, da die Stadt von den Insurgenten ganz umlagert ist. Die Guͤter des in Banja⸗ Luga hingerichteten Rebellen⸗Chefs, Osman Alegovich, sind von dem Commissair des Sultans in Beschlag genommen worden. Nach Sarajewo wurden 2 Chefs der Raͤuber, welche so oft das Oesterreichische Gebiet verletzten, gefaͤnglich eingebracht. Andere Briefe sagen, daß 22 solcher Bosnischen Raͤuber hinge⸗ richtet wurden. h b

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

1 New⸗York, 6. Juni. Der New⸗York American aͤußert sich uͤber einen, im Wa shington⸗Globe, dem Regie⸗ rungs⸗Blatte, enthaltenen (und Nr. 182 der Sts. Ztg. mitge⸗ theilten) Artikel in Betreff der von den Franzoͤsischen Kammern verlangten Entschuldigung wegen einer Stelle in der Botschaft des Praͤsidenten folgendermaßen: „Die Sprache der Regierungs⸗ Blaͤtter und namentlich des Globe, des offiziellen Organs des Praͤsidenten, in Bezug auf die von der Franzoͤsischen Deputir⸗ ten⸗Kammer geforderte Erklaͤrung uͤber gewisse Stellen in der Bot⸗ schaft des Praͤsidenten, zeigt eine weit groͤßere Besorgniß fuͤr das, was sie die persoͤnliche Ehre des Praͤsidenten nennen, als fuͤr das Interesse des Volks und den Frieden des Landes. Was hat, fragen wir, die persoͤnliche Ehre des Praͤsidenten mit diesem Gegenstande zu schaffen und wie kann sie bei der Loͤsung dieser Frage betheiligt seyn? Bei Eroͤffnung des letzten Kongresses uͤber⸗ sandte der Praͤsident, wie gewoͤhnlich, seine Botschaft, und rieth in der Stelle, welche von unseren Verhaͤltnissen zu Frankreich handelte, Repressalien gegen Frankreich zu gebrauchen, weil dies nach seiner Meinung, das beste Mittel sey, um eine Entschaͤdi⸗ gung von dem genannten Lande zu erhalten. Hierin liegt nichts wodurch seine persoͤnliche Ehre oder sein Ruf betheiligt wird⸗ sondern es ist nur die Ausfuͤhrung eines Artikels der Constitu⸗ tion, es ist nur die Ausuͤbung einer Vollmacht der ere⸗ kutiven Gewalt, und nur als solche wurde der Vor⸗ schlag von beiden Haͤusern des Kongresses empfangen, erwo⸗ gen und verworfen. Wenn die Ehre des Präaͤsidenten in dieser Angelegenheit gefaͤhrdet ist, so ist es der Kongreß und das Volk der Vereinigten Staaten und nicht die Franzoͤsische Kammer, wodurch sie angegriffen wurde. Allein dem ist nicht so, und dies, so wie bei einer aͤhnlichen Gelegenheit die Anspie⸗ lung auf die persoͤnlichen Gesinnungen des Praͤsidenten, beweist nur, daß es immer gebraͤuchlicher wird, bei großen, die Nation betreffenden Fragen mehr die Art und Weise, wie die exekutive Gewalt dadurch affizirt wird, als ihren wahrscheinlichen Einfluß auf die Wohlfahrt oder die Wuͤrde der Nation zu erwaͤgen. Der Praͤsident that seine Pflicht nach seiner Ueberzeugung, als er die Ergreifung von Repressalien empfahl, der Kongreß handelte ebenfalls nach seiner Ueberzeugung, als er diese Empfehlung ver⸗ warf. Keine von beiden Parteien wird in ihrer Heimath fuͤr untruͤglich gehalten und das Land wuͤnscht wahrlich nicht, sich in neue Schwierigkeiten zu verwickeln, um die Untruͤglichkeit der einen oder der anderen im Auslande zu behaupten. Was die „Erlaͤuterungen“ betrifft, welche die Franzoͤsische Deputirten⸗Kammer verlangt, so sehen wir hierin wenn es nicht etwa an gutem Willen von unserer Seite sehlt, gar keine Schwierigkeit. Wir glauben gern, daß die Deputir⸗ ten⸗Kammer, nachdem sie die Entschaͤdigung als eine gerechte Forderung anerkannt hatte und uͤberzeugt war, daß die Botschaft des Praͤsidenten nicht an das Franzoͤsische Volk gerichtet war also auch nicht als absichtlich beleidigend fuͤr dasselbe betrachtet werden konnte, wir glauben, sagen wir, daß die Kammer nicht konsequent handelte, als sie eine genugthuende Erklaͤrung uͤbe die Botschaft verlangte. Da es sich aber nun einmal so verhaͤlt was ist natuͤrlicher, was gewoͤhnlicher, selbste unter den stolzesten Menschen, und was schicklicher fuͤr Regierungen, die nur abstrakte Wesen sind, als zu erklaͤren, daß es von Unserer Seite durch⸗ aus nicht die Absicht gewesen sey, zu beleidigen, da wir in Wahr⸗ heit nie diese Absicht gehabt haben.“ 4 6 Nord⸗Amerikanische Blaͤtter enthalten Nachrichten aus Mexiko bis zum 19. Mai. Bei der Schließung der Sitzungen des Kongresses am 30. April (s. Nr. 186 d. St 3. sagte der Praͤsident in seiner Rede unter Anderem, daß er für den, der Umgegend von Veracruz zugefuͤgten Schaden um so mehr eine billige Entschaͤdigung zu erhalten hoffe, da Spanien im Begriff stehe, die nationale Unabhaͤngigkeit Mexikos anzuerkennen. Der Vice⸗Praͤsident der Vereinigten Staaten von Mexiko hat ein Dekret bekannt gemacht, wonach den Erben oder Erb⸗ nehmern des Generals Don Augustin Iturbide, als Belohnuna fuͤr die Verdienste, welche er sich waͤhrend des Unabhängigkeits, Krieges um sein Vaterland erworben hat, eine Million Piast ausgezahlt und 20 Quadrat⸗Meilen Landes in Texas, NMeer Mori ber⸗ 8 S 8 1 8. x. 8 88 1“ fiteeh süifotstzn ais Eigenthum angewie⸗ Die Zahl der Anhaͤnger des Generals Alvarez nimmt taͤglich ab. Seine Avant⸗Garde ist von dem Oberst⸗Lieutenant Moreno angegriffen, mehrere Soldaten getoͤdtet und zwei gefangen worden. Alvarez hat an den General Bravo, der die Regie⸗ rungs⸗Truppen befehligt, einen Brief geschrieben, worin er sich

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obgleich unverbuͤrzt, 1