uͤber „dies unnuͤtze Blutvergießen“ beklagt, als ob er nicht die Veranlassung dazu wäre.
Die Regierung hat einen Beschluß der Deputirten⸗Kammer, dem Herzoge von Monteleone seine im Jahre 1833 konsiszirten Guͤter zuruͤckzugeben, bestaͤtigt.
Inland. re’.
B Juli. Am 4ten d. M. Abends kamen Se. Majestaͤt der Koͤnig und IJ. KK. HH. der Kronprinz, so wie die Prinzessinnen Marie und Sophie von Wuͤrttemberg unter den Namen der Grafen und Graͤfinnen von Teck mit dem Dampfboote in Koͤln an, nahmen das Absteige⸗Quartier im
Gasthofe zum „Kaiserlichen Hofe“ und setzten am folgenden
Morgen Ihre Reise nach dem Bade Scheveningen fort. —
Beald nach Ihrer Abreise trafen IJ. KK. HH. die Frau Prin⸗ zessin von Beira und die drei Soͤhne des Don Carlos, naͤm⸗ lich der Prinz von Asturien, und die Infanten Johann und Ferdinand mit großem Gefolge in Koͤln ein und stiegen gleich⸗
falls im Gasthofe zum „Kaiserlichen Hofe“ ab. Gegen Mittag
nahmen die hohen Herrschaften die Domkirche und deren Merk⸗ wardigkeiten in Augenschein. JIJ. KK. HH. wollten bis zum folgenden Tage in Koͤln verweilen.
— Der Geheime Staats⸗ und Minister des Innern und
der Polizei, Herr von Rochow Excellenz, ist auf seiner Reise durch die Provinzen Pommern und Preußen am 3ten d. M.
Abends in Stralsund angekommen, und hat sich nach einem
dreitaͤgigen Aufenthalte am 7ten uͤber Wolgast und Anklam nach
Stettin begeben.
— Am 9ten v. M. wurde durch einen Brand im Domai⸗ nen⸗Forst Muͤtzelburg (Reg. Bez. Stettin), dessen Entstehung noch nicht zu ermitteln gewesen ist, eine mit Kiehnenholz bewach⸗ sene, circa 400 Morgen große Waldflaͤche theils stark beschaͤdigt,
theils voͤllig zu Grunde gerichtet. Das Feuer bedrohte die ganze
waldreiche Umgegend mit der groͤßten Gefahr und konnte nur durch die große Anstrengung der zu Huͤlfe eilenden Behoͤrden und laͤndlichen Anwohner auf jene Waldflaͤche beschraͤnkt werden, wobei jedoch ein armer Einwohner von einem umstuͤrzenden
Baume getroffen und leider lebensgefaͤhrlich verletzt wurde.
— Ein von heftigem Hagelschlage begleitetes Gewitter hat n der Gegend der obern Ihna (Pommern), und vorzuͤglich auf er Feldmark der Stadt Noͤrenberg einen großen Schaden ver⸗ irsacht, indem es die Aerndte auf einer Flaͤche von mehr als
600 Morgen total zerstoͤrte. Noch am vierten Tage nachher lag
der Hagel stellenweise einen halben Fuß hoch und die einzelnen
Stuͤcke hatten damals noch die Groͤße einer Haselnuß, obgleich
inzwischen schon wieder milde Witterung und warmer Regen ein⸗
getreten waren.
— Im Laufe des verflossenen Monats Juni sind in die
vier Seehaͤfen des Regierungs⸗Bezirks Stralsund 54 Schiffe
ein⸗ und 60 aus denselben ausgelaufen; mit letzteren wurden
uunter Anderem 578 Wispel Weizen, 149 Wispel Roggen, 491
Wibe Gerste, 115 Wispel Malz und 437 Tonnen Haͤringe
verschifft.
— Berichtigung. Im gestrigen Blatte der Staats⸗Zei⸗
tung S. 768, Sp. 2, Z. 57 v. u. l. „minder“ st. „wieder“.
16
E“
6““
KRenigliche Oper.
In Mozart’s „Don Juan“ nahmen am 8. Juli zwei Gaͤste, Mad. Fischer (geb. Schwarzboͤck) vom Großherzoglich Badenschen Hof⸗Theater zu Karlsruhe, als Donna Anna, und Herr Eicke, vom Stadt⸗Theater zu Breslau, als Don Juan, die besondere Theil⸗ nahme des Publikums in Anspruch. Die Erstere gab bereits im Herbste des Jahres 1831 auf dem Koͤniglichen Opern⸗Theater eine Reihe von Gastrollen, konnte sich aber nur getheilten Beifall er⸗ werven. Man ruͤhmte damals ihre allerdings herrlichen, unverwuͤst⸗ lichen Mittel, welche sie unter veraͤnderten Umstanden zu einer Kuͤnstlerin ersten Ranges erhoben haben wuͤrden; die Ansbildung derselben aber, so wie ihre Leistungen als Darstellerin standen damit en einem so unguͤünstigen Verhaͤltnisse, daß es ihr durchaus unmdglich werden mußte, die Stelle zu behaupten, zu welcher man sie, vermoͤge ihrer trefflichen Anlagen, von der Natur berufen glauben durfte. Seit ihrer Abwesenheit hat die Kuͤnstlerin indeß große und bedeu⸗ tende Fortschritte gemacht, und mit ungemeinem Fleiß Vieles nach⸗ geholt, was ihr fruͤber fehlte, so daß sie jetzt auf dem sicheren Wege ist, die Hoffnungen zu verwirklichen, zu denen sie damals berechtigte. Ihre Stimme gehoͤrt in der That zu den selte⸗ nen Erscheinungen; in jeder Lage gleich rein, frisch, voll und wohltoͤnend, bleidt sie auch bei der groͤßten Anstrengung immer noch angenehm, und dringt selbst uͤber die staͤrkste Instrumentirung maͤch⸗ tig hindurch. Gleich beim ersten Auftreten konnte man bemerken, daß die Saͤngerin eine ganz andere war, als fruͤher; sie trug das Recitativ bei der Leiche ihres Vaters und das darauf folgende Buett mit Octavio mit einem Ausdrucke und einer Gewalt der Declama⸗ tion vor, die das Publikum im Voraus aufs guͤnstigste fuͤr sie stim⸗ men mußte. Eben so trefflich gelang die Arie: „Or sai chi Fonore
“
Nilieqderl. wirkl. Schuld 55 ½ ½.
a.,
“ 77 4 räpire a me volse und der Beifall des Publikums brach hier in vollen Stroͤmen aus. Das Maskenterzett, in welchem die Saͤugerin fruͤher sehr unange⸗ nehm detonirte, wurde diesmal von allen Stimmen so rein und sicher ausgefuͤhrt, wie wir es lange nicht gehoͤrt haben, und selbst in der letzten Arie, einer gefaͤhrlichen Klippe, an welcher die meisten Saͤn⸗ gerinnen scheitern, und die unlaͤngst selbst eine Kuͤnstlerin von dem groͤßten Rufe nicht zu umschiffen vermochte, loͤste sie ihre Aufgabe auf eine vollkommen genuͤgende Weise; die schwierigen Passagen des Allegro waren so glatt und rein, wie man es von einer Kuͤnstlerin, die sich von Hause aus nicht als Bravour⸗Saͤngerin giebt, billiger⸗ weise nur verlangen kann. Die Intonation war in der ganzen Par⸗ tie fast durchgaͤngig rein und wuͤrde es uͤberall gewesen seyn, wenn die Saͤngerin ihr Organ nicht bisweilen ohne Noth zu sehr ange⸗ strengt haͤtte, — ein Uebelstand, der sich aber gewiß wird beseitigen lassen, wenn sie mit den akustischen Verhaͤltnissen des Opern⸗Thea⸗ ters sich wieder naͤher vertraut gemacht haben wird. — Das Pu⸗ blikum zeichnete die Gastin auf das ehrenvollste aus, und alle hier bemerkten Stellen wurden allgemein und anhaltend applaudirt. Da der Platz einer ersten Saͤngerin fuͤr die große Oper beim Koͤniglichen Theater leider noch immer unbesetzt ist, und da die Kuͤnstlerin sich auch in Beziehung auf ihr Aeußeres, ihre hohe, edle und imponi⸗ rende Gestalt wohl dazu qualifizirt, so glauben wir, daß durch das Engagement derselben, wenn andere bereits eingegangene Verbind⸗ lichkeiten ihr dies sonst gestatten, dem lang und dringend gefuͤhlten Mangel dauernd abgeholfen werden koͤnnte. — Was den zweiten Gast, Herrn Eicke, betrifft, so gewann auch dieser eine gute Meinung im Publikum fuͤr sich. Er ist im Besitze einer kraͤftigen und begeener Baritonstimme, die er zu einer so ungewoͤhnlichen Hoͤhe steigern kann, daß es ihm moͤglich wird, hoͤhere Tenorparthieen auszufuͤhren, ohne dabet zu dem sogenannten Punktiren seine Zuflucht zu neh⸗ men. Wenn auch seine heutige Leistung nicht durchgängig als mu⸗ sterhaft aufgestellt werden kann, so war doch Manches in derselben sehr zu loben, namentlich der Vortrag der Romanze im zweiten Akte, die wir selbst von beruͤhmten Saͤngern nicht mit dieser Zart⸗ heit und diesem tiefen Gefuͤhl singen gehoͤrt haben. Da der Gast noch jung ist und seine aͤußere Erscheinung ebenfalls fuͤr ihn spricht, so duͤrfte seine Erwerbung nicht bloß fuͤr ein kleines, sondern auch fuͤr ein groͤßeres Theater jedenfalls eine wuͤn⸗ schenswerthe und willkommene zu nennen seyn. — Im Uebrigen gehoͤrte die Vorstellung der Over, die unter der Leitung des Herrn General⸗Musik⸗Direktors Spontini stattfand, zu den gelungenen, und das zahlreich versammelte Publikum schien sehr zufrieden damit zu seyn. Auf den Hervorruf am Schlusse erschienen die beiden Gaͤ⸗ ste. Von unserm in der Oper beschaͤftigten Personale, verdient be⸗ sonders Madame Seidler, welche die Partie der Elvira mit lobens⸗ werthem Eifer durchfuͤhrte, eine ruͤhmliche Erwaͤhnung. In der naͤchsten Zeit duͤrfte das Repertoir der Koͤngglichen Oper wieder ein erhoͤhtes Interesse gewinnen, da nicht bloß die erste Auffuͤhrung der Auberschen Oper „se cheval de bronze“ bestimmt auf den 15ten d. M. angesetzt ist, sondern auch, außer der Oper „Lodoiska“ von Che⸗ rubini zum 3. August, noch mehrere andere aͤltere Meisterwerke aufs
2
82
Neue in Seene gehen sollen. 1
Berliner Börse. “
I1 D en 9. Juli 1835. 1313““
Amtl. Fonde- und Geld-Cours-Zettel. (Preufs. Cour.)
[WIf EriefGeld.] [If Friefsc'eld. 101¼ [100 ½⅞ [Ostpr. Pfandbr. — [102 98 ⅔ ,98 ½ Pomm. do. 106 ½ — 61 ½ 60 8 [Kur- u. Neum. do. 102 ½ — 106 ½
Kurm. Obl. m. I. C. 101 [100 [Schlesische do. — Neum. Int. Sch. do. 100vV%ꝗbZꝗ˖ sM—D˖sD˖¶ [Rkst. C. u. Z.-Sch. 100 ¾
St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Prüm. Sch. d. Sech.
Berl. Stadt-Obl. 101 ¾ d. K.- u. N. 84 — Königsb. do. — Elbing. do. — — Danz. do, in Th. 41 Westpr. Pfandbr. — Grosshz. Pos. do. —
216 ¾ 215 ½ 18 ¾ 1³ ⅔
3
Gold al marco Neue Duk... Fricdrichsd'or.. isconto
102 102 ½
13 ½ 4
mnnamnmmn.— Preuz,ss. Cour. Eraef.] Geld.
— 142
Wechsel-Cours.
Amsterdam dito
2 Mt. 141 ½ Kurz 2 Mt. 3 Mt. 2 Ut. 2 Mt. 2 Mt. 8 Tage — 2 Mt. 102 ¾ 3 Woch. 30 ½ Kurz —
152 ½ 151 ¾ London 6 26 † Paris — 103 ¾ 103 ½
Augsburg 8
Breslau
Leipzig
Frankfurt a. M. WZ. Petersburg
Warschau
100 Rbl. .600 Fl.
Auswärtige Börsen.
Amsterdam, 4. Juli. 5 9% do. 101 ⅞¾. Ausg. Schuld —.
nebst dem derselben vorausgehenden Recitativ,
Kanz-Bill. 25 ½. 4 ½ 8 Amort. 94 ½. 3 ½ 8 80. Russ. 99 ½. Oesterr.
euss. Prüm.-Scheine 110. do. 48% Anl. —. Span. 5 ⅔ Uz. Antwerpen, 3. Juli.
Zinsl. 16 ⅞. Cortes 32 ½. Coup. —. Neue
Span. 5 % Alz.
Span. Aul. 43. 1 Hamburg, 7. Juli.
Engl. Russ. 105 3. Hope in Cert. 99 ½. Paoln. 138 ½4. Neue Poln. Anl. 175 ⅜.
Preuss. Präm.-Scheine Dän. 74 ½. Port. N
Warschau, 5. Juli. Kuss. Assignat. 187. Wien, 4. Juli.
53 Met. 102,½. 48 97 ¾. Neue Aul. 583 ½. Bank-Actien 1330 9,
Frankfurt a. M., 6. Juli. Oesterr. 5proc. Metall 102 ½. 102 ½. 4proc. 98 9⁄8. 98,55. 2 proc. 58. Br. lproc. 252 G. Bank⸗Actien 1622. 1020. Part.⸗Obl. 140 ¼. 140 ½. Loose zu 500 G. 117 ½. 117. Loose zu 100 G. 213 ¼. G. Preus Proͤm.⸗Sch. 61 ½. Br. do. 4proc. Anl. 98 ¾. 98. Poln. Loch 69. G. 5proc. Span. Rente 39 ⅛. 39 ½. 3 proc. do. 24 ¼. 24
—
Meteorologische Beobachtung.
Nachmittags Abends Nach einmaliger 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung. InnPreeegas. „ üene 337,09"% Par.] 336,70“ Par. 336,97“ Par. Quellwärme 7,2 ° N. 13,6 ° R. 18,4 °R. 14,7 9 R. Flußwärme 17,4 °N 12,2 ° R. 13,1 ° R. 10,0 °R. Dunstsättig. 90 vCt. 72 pCt. 89 vCt. Wetter. regnig. heiter. heiter.
Wind O. D. W. Wolkenzug — 9SO. — Tagesmittel, 7ten: 337,95" Par. 15,4 ° R..ü. Sd . 8ten 890,8 15,6°
1835. 8. Juli.
Morgens 6 Uhr.
Luftdruck... Lustwärme.. Thaupunkt.. Ausdünstung 0,005 R. Niederschlag 0,032 R. Nachtkalte 10,7 ° R. 10,7 2° R. 71 vG. T“ 84
Koönigliche Schauspiele. r Freitag, 10. Juli. Im Opernhause: Die Vestalin, lyrisches
Drama in 3 Abth., mit Ballets. Musik von Spontini. (Magh,
Fischer: Julia und Hr. Eicke: Cinna, als Gastrollen.) Sonnabend, 11. Juli. Im Schauspielhause: Zum ersten male: Die Familie Hellbrandt, Posse in 2 Abth., nach Meles ville und Caramouche, von L. Angely. Hierauf: Der reisenee Student, musikalisches Quodlibet in 2 Abth. 1 Sonntag, 12. Juli. Im Opernhause: Fidelio, Oper in; Abth. Musik von L. van Beethoven. (Mad. Fischer: Fidlh, als Gastrolle. Hr. Zschiesche: Rokko. Dlle. Lenz: Marzelime) In Charlottenburg: Akt, Th. Koͤrner. Hierauf: Die Einfalt vom Lande, Lustspiel in! Abth., vom Dr. C. Toͤpfer. Montag, 13. Juli. 1 luzzo, Schauspiel in 5 Abth., nach einer alten Novelle, von . Raupach.
Königstaͤdtisches Theater.
Freitag, 10. Juli. Die Reise auf gemeinschaftliche Kosten, Posse in 5 Akten, frei nach dem Franz., von L. Angely. Vor her: Rataplan, 1 Peil⸗ Tambour, Vaudeville in I Akt, nac dem Franz., von F. Pillwitz.
8 b 11. Juli. Scenisch⸗musikalische Abend⸗Unter haltung in 3 Abth. (Im Kostuͤm.) Erste Nüaccchna. 0) Hu. verture und Scenen aus der Oper: „der Freischuͤtz“, von C. M. v. Weber. 2) Große Scene mit Chor aus der Oper: „Sem ramis“ von Rossini. Zweite Abtheilung: Huvertuͤre und Sa nen aus der Oper: „Wilhelm Tell“ von Rossini. D theilung: Scene aus der Oper „Othello“ von Rossini. (Dll⸗ Vial: Semiramis und Desdemona, als Gastrolle. — Dlle. Ger hardt, vom Stadt-Theater zu Leipzig, neu engagirtes Mitglic dieser Buͤhne: Agathe und Mathilde, als drittes Debuͤt. — H. Bayer, K. Bayerischer Hofsaͤnger zu Muͤnchen: Arnold Melcht)at und Othello, als letzte Gastrolle.) 1
Preise der Pläaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Balty des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.
Sonntag, 12. Juli. Der Alpenkoͤnig und der Menscen⸗ feind, Zauberspiel in 3 Akten, von Raimund. (Dlle. Muzarel Lieschen, als vierte Gastrolle.)
“ 8 1 n 82 11
8 EI1“ Ssm au⸗ 8 A 8 28 W.
Redacteur Cottel.
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Bekanntmachungen.
2 Steckbrietkf.
Der Post⸗Expeditenr und Steuer⸗Receptor Gustav Ruͤckert, welcher auf den Antrag der ihm vorge⸗ setzten Dienst⸗Behoͤrde wegen Unterschlagung Koͤnigl. Kassengelder und wegen Faͤlschungen zur Kriminal⸗ Untersuchung gegen und zur gefaͤnglichen Haft ge⸗ bracht werden sollte, hat sich derselben durch die Flucht entzogen. Alle Civil⸗ und Militair⸗Behoͤr⸗ den des In⸗ und Auslandes werden deshalb dienst⸗ ergebenst ersucht, auf den Ruͤckert ein wachsames Auge zu baben, denselben, wo er sich treffen laͤßt, zu arretiren und unter sicherer Bedeckung solchen hieher abliefern zu lassen.
Neuwary, den 259. Juni 1835.
Koönigl. Stadtgericht.
Roesener.
— Signalement.
Geburtsort: Femdee; Vaterland: Pommern; Gewoͤhnlicher Aufenthalt: Neuwarp: Religion: evan⸗
werden sollen.
1
Allgemeiner Anzeiger fuͤr
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß ge⸗ bracht, daß die Westpreußischen, auf der Herrschaft Vandsburg haftenden Pfandbriefe saͤmmtlich gekuͤn⸗ digt sind, daß dieselben im Hypothekenbuche geloͤscht und zu denselben von Weihnachten d. neue Koupons⸗Series ausgefertigt und ausgegeben Es wird daher jeder Besitzer eines Vandsbu gschen Pfandbriefs hierdurch aufgefordert, denselben mit den noch nicht faͤlligen Koupons, so⸗ vald als moͤglich, spaͤtestens aber bis zu Weihnachten d. J. an die unterzeichnete Landschafts⸗Direction ein⸗ zusenden, welchemnäaͤchst ihm sofort ein anderer West⸗ preußischer Pfandbrief von gleichem Betrage und mit gleichen Koupons zugesandt werden soll, und darauf aufmerksam gemacht, daß die Nichtbeachtung — dieser Bekanntmachung die Nachtheile des fuͤr solche Faͤlle vorgeschriebenen öͤffentlichen Aufgebots eines Pfandbriefs zur Folge hat.
Behle, den 6. Juni 1835.
Koͤnigl. Westpreußische Landschafts⸗Direc⸗ tion Schneidemuͤhlschen Departements.
wie den Kindern des Herrn Karl
J. ab keine Ki — 1 Strumpfstrickers in Berlin,
Legate an mich zu wenden. Leipzig, am 1. Juli 1835.
—y.B
gelisch⸗lutherisch: Alter: 29 Jahr; Stand, Gewerbe: Pocs⸗Expediteur; Groͤße: 5 Fuß 9 Zoll: Haare: blond, mehr ins Dunkle fallend; Stirn: frei; Au⸗ genbraunen: blond: Augen: blau; Nase: proportio⸗ nirt: Mund: gewoͤhnlich: Zaͤhne: vollstandig: Bart: schwach; Kinn: rund; Gesichtsfarbe: Zesund; Ge⸗ sichtsbildung: laͤnglich; Statur: kraͤftig: besondere Kennzeichen;: feine Narben von 1 ½ Zoll Laͤnge durch beide Lippen auf der linken Seite. Bekleidung: Rock: halb kalmuͤck, brauner Farbe; Hosen: blau tuchene; Siiefeln: schwarze kalbslederne; Hut: schwarz
henden h
Bekanntmachung. Das handeltreibende Publikum wird hierdurch be⸗ vecheicheigt⸗ daß die Meßhandelswoche der bevorste⸗ 8 esigen Laurentius⸗Messe mit dem neunten kuͤnftigen Monats August ihren Anfang nimmt, mit⸗ bin das Auspacken der kurzen Waaren schon am 3ten k. Mts,, aller andere Waaren hingegen am 5ten k. Mts von Mittags 12 Uhr an gestattet ist. Braunschweig, den 1. Juli 1835. Herzogl. Ober⸗Inspection der indirecten
v 11““
600 Fl. Poln. Cour. betraͤgt.
Mts. nachtraͤglich in C Berlin, den 4. Juli 1835.
die Preußischen Staaten.
Aufforderung.
Nachdem der unlaͤngst verstorbene Strumpf⸗ und Baretmacher Herr Ehrenfried Traugott Fuchs allhier der Frau Dorothee, verehel. Strumpfstricker Schu⸗ bach in Camenz, und eventuell deren Kindern, so
mittelst Erbvertrags Legate ausgesetzt und der Vertragserbe Herr August Gottfried Paucker allhier mich mit Regulirung der betreffenden Angelegenheit beauftragt hat, so fordere ich obgenannte Interessenten auf, sich mit den erfor⸗ derlichen Legitimationen wegen Empfangnahme der
Dr. Mertens.
Die am 29. Juni c. von dem Unterzeichneten im Auftrage der Bank von Polen zu Warschau durch die oͤffentlichen Blaͤtter bekannt gemachte Anzeige wird gegenwaͤrtig dahin berichtigt: daß der Preis, zu welchem die zahlbaren Bank Certificate uͤber Polni⸗ sche Pfandbriefe und deren faͤllige Coupons eingeldst werden, nicht 97; sondern 98 Thlr. Preuß. Cour. fuͤr Auf die bereits zul 97 ½ Thlr eingelbsten Certificrate und Coupons kann das hiernach zu wenig Erhobene bis zum 31sten d mpfang genommen werden.
Moritz Robert, Behrenstr. Nr. 45.
227
Steuern.
Wolff.
Literarische Anzeigen.
So eben ist erschienen und bei Amelang in Ber⸗ 9* lin, Breite⸗Straße Nr. 11, zu haben: 4
6, m Lrh b
Das Universum der Natur,
Vor⸗ und Mitwelt, von Hofrath Dr. Ludwit Reichenbach, Vorsteher des Koͤnigl. Naturalig Cabinets, Professor der Naturgeschichte und Dil tor des akad. botanischen Gartens in Dresden. Dritte Lieferung.
Heinrich Fuchs,
sen und Familten, entwickelt durch an
große Anzahl in Kupfer gestochene bildliche Das stellungen fuͤr Anfaͤnger und Freunde der turgeschichte erlaͤutert. Preis 20 sgr. Leipzig, Monat Inni 1835. 14 ¾
FWagner sche Buchhandlung
I 8 * 5
In der Schlesingerschen Buch und Musirhat lung, unter den Linden Nr. 34/ ist so eben erschiamn Nicodemus, die Entwickelung des Glautasag Jesus Christus, durch das lebendige Anschaue seiner Herrlichkeit. Ein Gemaͤlde aus de des Herrn, von J. A. G. Teschendorf. 12 hc (Zum Besten des Altars der zu restauriean St. Johanniskirche zu Stettin.) Der In dieses Werkes ist das Leben Jesu in Briefen.
Der Freimuͤthige. „
Den Wuͤnschen Vieler nachzukommen haben „ uns entschlossen, den Freimuͤthigen vom 1. Juf bis December mit 1 Thlr. pränumerando sa 8 ben, jedoch bitten wir um baldige Bestellung, Anzahl der Theilnehmer sich bedeutend mehtt.
*
erree, h ena mul. demesges
Hisee, e.
Kronik des Tages.
Bodenwärme 13,8 °
und bevollmaͤchtigte Minister am Koͤnigl. Sardinischen H
Die Braut, Lustspiel in 1 Akt, von
Im Schauspielhause: Corona von So
Dritte Ab 1
zur Unterhaltung und Belehrung ulbf.
Das Thierreich in seinen natuͤrlichen Kluf
Seeeee. Eöe
Berlin, Sonnabend den llen
———
Amtliche Rachrichten.
. ““
vee- 9 .. . 8₰* „— 8 8 1 Die Koͤnigliche Akademie der Kuͤnste hat auf den Antrag ihrer
musikalischen Section den Koͤnigl. Kammer⸗Musikus Friedrich
Wilhelm Wieprecht und den Hof⸗Blase⸗Instrumentenmacher Johann Gottsried Moritz hierselbst, in Betracht der von ihnen gemeinschaftlich erfundenen und als neu und vorzuͤglich brauchbar anerkannten chromatischen Baß⸗Tuba, zu ihren akademischen Kuͤnstlern ernannt und die Patente derselben ausfertigen lassen. 1“ Berlin, den 6. Juli 1835. 8 8 Koͤnigliche Akademie der Kuͤnste. 218 (gez.) Dr. G. Schadow, Direktor.
Abgereist: Der General⸗Major, außerordentliche Gesandte
ofe,
1ö1u“]
Graf zu Waldburg⸗Truchseß, nach Halle.
Frankreich. Pearis, 4. Juli. Der Englische und der Sicilianische Botschafter wurden vorgestern Abend in Neuilly von dem Koͤnige empfangen. Gestern arbeiteten Se. Majestaͤt daselbst mit dem Finanz⸗Minister.
In der gestrigen 28sten Audienz des Pairshofes wa⸗ ren 5 neue Angeklagte zugegen, von denen 4 dem in Lyon be⸗ standenen Central⸗Comité angehoͤrt haben, der fuͤnfte aber Seec⸗ tions⸗Chef der Gesellschaft der Menschen⸗Rechte gewesen ist. Keiner von allen fuͤnfen nahm an den Debatten Theil, und als der Praͤsident sie fragte, ob sie damit einverstanden waͤren, daß sofort zum Zeugen⸗Verhoͤr geschritten werde, antworteten sie, daß ihnen dies vollkommen gleichguͤltig sey. Der ehemalige Praͤfekt des Rhone⸗Departements, Herr von Gasparin, der darauf als Zeuge aufgerufen wurde, stattete einen ausfuͤhrlichen Bericht uͤber die damaligen Ereignisse in Lyon und uͤber die zur Wieder⸗
herstellung der Ruhe angewandten Maßregeln ab. Gegen 4 Uhr
wurde die Sitzung dreiviertel Stunden lang eingestellt. Bei Wie⸗ dereroͤffnung derselben berichtete der General Aymar, der waͤh⸗ rend jener Unruhen bekanntlich in Lyon kommandirte, uͤber die von ihm ertheilten Befehle, die uͤberall dahin gelautet, daß die Corps⸗Chefs mit Ruhe und Maͤßigung verfahren und etwanige Schmaͤhungen und Herausforderungen geduldig ertragen sollten. Der Advokat Favre fragte den General, ob es wahr sey, daß nach der Erstuͤrmung der Vorstadt Vaise die Soldaten mehrere Gefan⸗ ene erschossen haͤtten. Der General erwiederte, wie es nur moͤglich sey, o etwas vorauszusetzen, worauf der Advokat sich erbot, Thatsachen fuͤr seine Behauptung anzufuͤhren. Der General berief sich dar⸗ auf, daß er natuͤrlich nicht uͤberall in Person habe seyn koͤnnen, daß aber ein Mord, wie der von Herrn Favre bezeichnete, ihm gewiß zu Ohren gekommen seyn wuͤrde, worauf der Schuldige sofort vor ein Krtegsgericht gestellt und innerhalb 24 Stunden erschossen worden waͤre. Nichts dem Aehnliches sey ihm aber eemeldet worden; auch wuͤrde es eines Franzosen nicht wuͤrdig 9 „Nein“, erwiederte Herr Favre, „aber es ist wahr.“ Als der General⸗Prokurator ihm bemerklich machte, es sey doch seltsam, daß ein Advokat als Zeuge auftrete, um die Armee in Bezug auf Thatsachen anzugreifen, die er gar nicht gesehen, riefen mehrere der Angeklagten: „Wir haben es gesehen; ganz Lyon kennt das Faktum!“ und Herr Favre fuͤgte hinzu: „Der Gerichtshof kennt mich hinlaͤnglich, um zu wissen, daß, wenn ich eine Thatsache von solcher Wichtigkeir behaupte, ich meiner Sache gewiß syn muß. Aber es giebt auch noch andere Beweise; ich habe Zeug⸗ nisse in Haͤnden, woraus hervorgeht, daß Gefangene erschossen worden sind.“ General Aymar blieb nichtsdestoweniger dabei, daß die Angabe falsch sey, da sonst ohne allen Zweifel die staͤd⸗ tische Behoͤrde selbst uͤber jene Mordthaten bei ihm Klage ge⸗ fuͤhrt haben wuͤrde. Aus dem ferneren Verlaufe der Debatten ergab sich, daß waͤhrend der Lyoner Unruhen von dem Militair 322 Mann zuͤr Haͤlfte getoͤdtet, zur Haͤlfte verwundet worden sind. Von den Einwohnern blieben 109 auf dem Platze; die Zahl der Verwundeten wird nicht angegeben. — In der heu⸗
tigen Audienz brachte der Advokat Favre den obigen Gegen⸗
stand noch einmal zur Sprache; er erklaͤrte, daß, da sein eigenes Wort in Bezug auf die Erschießungen dem oͤffentlichen Ministe⸗ rium Tags zuvor nicht genuͤgt zu haben scheine, er heute 4 Zeugen
vorgeladen habe, die seine Behauptung bekraͤftigen wuͤrden. Unter die⸗
sen Umstaͤnden hielt der Praͤsident es denn doch der Klugheit gemaͤß, jedenfalls einzulenken. Er bemerkte daher, daß, wenn die angefuͤhrten hatsachen auch wirklich gegruͤndet waͤren, sie doch den Anstif⸗ tern der Unruhen in Lyon nicht zur Entschuldigung gereichen, sondern hoͤchstens dazu dienen koͤnnten, den Gerichtshof nachsich⸗ tiger fuͤr die Angeklagten zu stimmen. Aus den Aussagen der vorgeladenen Zeugen schien sich allerdings die Richtigkeit der Be⸗ auptung des Herrn Favre zu ergeben, da z. B. einer derselben erzaͤhlte, er habe mit eigenen Augen gesehen, daß auf der Tilsi⸗ ner Bruͤcke ein Gefangener von den Soldaten erschossen und der oͤrper in die Saone geworfen worden sey. Es fiel sonst bis zum Abgange der Post nichts Bemerkenswerthes vor.
In der Sitzung des Assisenhofes vom 2. Juli wurden mehrere Personen vernommen, die dem Herrn de La Roncieère im Allgemeinen das Zeugniß gaben, daß er sich in der Gesellschaft gut und anstaͤndig betragen. Ein Verwandter La Roncidre's, Herr von Chelincourt, sagte aus, daß er dem Bedienten Samuel eine sehr bedeutende Geldsumme geboten habe, wenn er ihm den
erfasser der anonymen Briefe nennen wollte; dieser habe aber stets versichert, daß er nichts davon wisse. — Nach Abhoͤrung saͤmmi⸗
*
““
kommenen Ueberzeugung
schriftlich eingestehen wuͤrde, wenn man
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licher Zeugen nahm Herr Odilon⸗Barrot als Advokat der Kläger das Wort, und aͤußerte sich im Wesentlichen wie folgt:
„Meine Herren! Wenn es ein Verbrechen giebt, welches nicht allein die gonze Strenge des Gesetzes, sondern auch das Brandmal der oͤffentlichen Meinung verdient, so ist es dasjenige, fuͤr welches die Familie Morell eine glaͤnzende Genugthuung von Ihnen ver⸗ langt. Es giebt in der That nichts Feigeres, nichts Entehrenderes, als jenes Attentat, welches sich an der Schwaͤche, an der Unschuld, fast noch an der Kindheit vergreift, welches im Dunkeln begangen wird und sich mit Geheimnissen umgiebt. Jenes Verbrechen ist, seiner Natur nach, fast der Ungestraftheit gewiß; denn abweichend von allen strafbaren Handlungen, bei denen man sich Gefahren aus⸗ setzt, hat es das Eigenthuͤmliche, daß es dem Opfer das Stillschwei⸗ gen gewissermaßen zur Nothwendigkeit macht. So weit geht die Abgeschmacktheit der Vorurtheile der Welt, daß, wenn das Schlacht⸗ opfer klagt, sich gleichsam ein Geist der Zweifelsucht und des Unglaubens, ein unbestimmter Hang zu boͤsartigen Auslegungen des Publikums bemaͤchtigt. Hat das ungluͤckliche Schlachtopfer nicht immer in dem Rufe der reinsten Tugend gestanden, ist es nicht, wie in diesem Falle, ein Kind, welches unter den Augen seiner Aeltern, seiner Freunde gelebt hat, und deshalb außer allem Verdacht steht, so wuͤrde eine solche Stimmung zu befuͤrchten seyn. Die Ver⸗ leumdung, diese moralische Schaͤndung, vielleicht noch fuͤrchterlicher als die materielle, wuͤrde ihr Opfer sogar in dem Heiligthume der Justiz aufsuchen. Diese Sache, meine Herren, ist nicht die ei⸗ ger einzelnen Mutter, es ist die aller Muͤtter, aller Familien. Wie maͤnche liebende Mutter wird nicht, wenn sie Kunde von den naͤheren Umstaͤnden dieses Prozesses erhaͤlt, mit aͤngstlicher Besorgniß denken: „„Bin ich auch wohl sicher im Innern meines Hauses? — Aich, meine Herren, in dieser Lage brauchen wir uns nicht zu erhitzen, wir brauchen uns nicht zu bemuͤhen, unser Auditorium aufzuregen und fuͤr unsern Gegenstand zu interessiren; im Gegentheil, die groͤßte Schwierigkeit fuͤr uns besteht darin, un⸗ serer Aufregung Herr zu werden, uns Ruhe, Maͤßigung aufzulegen; denn wir verlangen kein in der Leidenschaft erlassenes Urtheil, son⸗ dern wir fordern Gerechtigkeit von Ihrer neberzeugung. Und ich, dessen ganzes Leben der Vertheidigung der Angeklagten gewidmet war, und der ich durch eine grausgame Ausnahme, hoffentlich die einzige in meinem Leben, die Stimme gegen Angeklagte zu erheben im Begriff bin, ich werde, wie groß auch mein Abscheu vor dem Verbrechen und wie innig auch meine Ueberzeugung seyn moͤge, nie vergessen, daß ich es mit einem Angeklagten zu thun habe; ich werde nie ver⸗ gessen, daß man selbst das so gerechte Gefuͤhl der Entruͤstung nicht mißbrauchen darf, daß die Verurtheilung aus einer tiefen, voll⸗ hervorgehen muß, und nicht aus einer Ich werde Ihnen also, m. H.,
leidenschaftlichen Aufregung.
indem ich Sie dem lebhaften Eindrucke der Debatte entfuͤhre,
noch einmal die Thatsachen des Prozesses ins Gedaͤchtniß zuruͤckru⸗ fen, Ihnen dann aufrichtig und ehrlich meine Ueberzeugung, und die Elemente, aus denen ich sie geschoͤpft habe, darlegen, und Sie darauf Ihrem Gewissen uͤberlassen — Der Redner schildert nan zunoͤrderst die Familie Morell, von dir Niemand etwas Schlimmes weiß, und den Angeklagten La Roncière, gegen den sich taufend Stimmen erheben. boshaft, voll berechnender Tuͤcke; er war kein Spieler, nahm nicht Theil an Trinkgelagen, und mußte doch, ehe er 29 Jahr alt war, durch sieben Regimenter wandern; man schickte ihn nach Cayenne, er kam ungebessert zuruͤck; ich habe in den Akten des Kriegs⸗Mini⸗ steriums nachgesehen, warum man ihn so strenge behandelte. Was fand ich? Nicht einen Fall, wo er etwa gegen die Subordination gefehlt, sondern bloß Mißhandlungen gegen Untergebene. Bald hatte er einen Soldaten geschlagen, bald einen Stallknecht grausam gezuͤchtigt, bald sein Pferd mitten unter Frauen und Kin⸗ der gesprengt, bald einen Matre in seiner Amts⸗Kleidung auf's Groͤblichste insultirt. Auch stand deshalb der Ange⸗ klagte in einem schlechten Ruf, und als die Nachricht von den anonymen Briefen zu den Offizieren drang, riefen sie alle fast aus einem Munde: „„Das ist La Roncière!⁷⁷ Als Herr Odilon⸗ Barrot bei Erzaͤhlung der Thatsachen auf das schriftliche Gestaͤnd⸗ niß La Roncieére's kam, sagte er: „Der Besiegte (Estouilly), der Verwundete im Duell, schreibt dem Sieger die Bedingungen vor; er verlangt von ihm ein schimpfliches Gestaͤndniß, und dieser laͤßt sich demuͤthig dazu bereit finden M. H., pruͤfen wir uns, jeder Einzelne in seinem Innern! Ist Einer von uns, der die Wahrheit it eingesteh sie auf eine so beleidigende Weise, wie Estouilly, von uns verlangte? geschweige denn eine Luͤge! Wie, bei dieser Gelegenheit zeigt La Roncidère nicht das ge⸗ ringste Gefuͤhl menschlicher Wuͤrde! Der Angeklagte weint und tobt, wenn man seinen Muth bezweifelt; und er weint nicht, wenn man ihm die schmaͤhlichsten Bedingungen vorschreibt; im Gegentheil, er willigt ein, er bekennt sich zu einem Verbrechen, dessen sich selbst ein Ehrloser schaͤmen duͤrfte, indeß ein Mann von Ehre lieber tau⸗ send Tode sterben, als sich auch nur einen Augenblick, auch nur im Scherz zu einer solchen Schandthat bekennen wuͤrde. Wir reden hier bloß von dem Menschen, wir erinnern nicht einmal an den Offizier, dessen innerstes Leben, dessen innerster Gedanke die Ehre seyn soll, weil sich seine ganze Stellung auf Ehre gruͤndet, und der hier sei⸗ nen Kameraden sagt: „„Ich bekenne mich zu einem Verbrechen, das mich in Euren Augen schaͤndet, um das Aufsehen eines Prozesses zu vermeiden und meinen alten Vater zu schonen!““ — Wir lassen uns nicht darauf ein, zu untersuchen, ob es fuͤr La Roncidère kein anderes Mittel gab, die Ehre seines alten, ungluͤcklichen Vaters zu schonen; Jeder moͤge das nach seinen Gefuͤhlen beantworten, und moͤge sich fragen: ob die Ausrede eine Entschuldigung fuͤr die That it!? — Als der Advokat auf die Gruͤnde kam, welche die Familie Morell veranlaßt haͤtten, lange Zeit Schweigen uͤber das Attentat vom 23. September zu beobachten, verlas er eine Note, die der Ge⸗ neral von Morell kurz nach dem traurigen Ereignisse geschrieben hatte. Sie lautete folgendermaßen: „„O, Schande! Schmach! Fuͤrchterliches Ungluͤck! Erinnerung an ein Verbrechen, das mich ins Grab fuͤhren, und den Untergang aller der Meinigen herbeifuͤh⸗ ren wird: Werde ich die Kraft haben, das aufzuschreiben, was in dem tiefsten Innern der Erde begraben werden sollte? Das Unge⸗ heuer, unterstuͤtzt von dem Elenden, den er bestochen hatte, ist in das Zimmer meiner Tochter eingestiegen, und hat dort Alles an ihr veruͤbt, was die schaͤndlichste Brutalitaͤt nur ersinnen kann. Dieser Daͤmon, den die Hoͤlle zu unserem Unheil ausgespieen, hat sogar die Grausamkeit so weit getrieben, sich seines Verbrechens zu ruͤhmen und unsz selbst von allen Details seiner furchtbaren Schand⸗ that in den anliegenden Briefen zu unterrichten, welche die be⸗ stimmtesten Beweise seiner Schuld enthalten und ihn aufs Schaffott fuͤhren koͤnnten. Und ich habe, um mein ungluͤckliches Kind nicht oͤffentlich zu entehren, das Alles verheimlichen, tausend Qualen, tausend Tode erleiden, die Pflichten meines Standes erfuͤllen und schreckliche Feste geben muͤssen. Marie, geliebtes, suͤßes Schlacht⸗ opfer; Du, die mir das Liebste auf der Welt war. Engel an Rein⸗
„Ein harter, unvertraͤglicher Charakter, kalt,
heit, Hoffnung Deiner Familie, Stolz Deiner Aeltern, unschuldi ges, auf die feigste Weise erwuͤrgtes Lamm, wenn die Welt, in die Du noch nicht eingetreten warst, Dich zuruͤckstoͤßt, so wird Dir das Herz Deines Vaters immer ein Zufluchtsort seyn. Aber dieser letzte Zufluchtsort wird Dir bald sehlen — dieses so gemarterte Her; wird der Kummer bald gebrochen haben! (gez.) von Morell.“ (Die ses Schreiben, welches Herr Barrot mit tiefer Ruͤhrung im Tone vorlas, machte einen unbeschreiblichen Eindruck auf die Versammlung. Alle Blicke richteten sich auf den General Mo⸗ rell, der vergebens seine Thraͤnen zuruͤckzuhalten suchte.) Her Odilon⸗Barrot ging, nachdem er die Facta des Prozesses beleuchtet hatte, auf das Vertheidigungs⸗System des Angeklagten uͤber. Er erinnerte an die Bosheit, mit der man Geruͤchte von der Schwanger⸗ schaft des Fraͤuleins Marie in Umlauf gebracht, und sich vor Ge richt mit den Worten entschuldigt habe: „Es haͤtte doch seyn koͤn nen.“ Das Gutachten der Handschriftskundigen griff Herr Odilon Barrot erst dadurch an, daß er auf einzelne Aehnlichkeiten und wie⸗ der auf einzelne Abweichungen hinwies, die den⸗Kunstverstaͤndeae entgangen waͤren; dann aber that er im Allgemeinen dar, wie unzs verlaͤssig die ganze Kunst der Handschrifts⸗Expertise sey. Er fuͤhrt mehrere Beispiele an, wo auf die Aussage von Handschriftskundigen Leute verurtheilt worden waͤren, indeß sich spaͤterhin ihre Unschuld ergeben habe. Einer der Faͤlle von der Unzuverlaͤssigkeit der Kunst verstaͤndigen brachte die Versammlung zum Lachen: Vor kurzem legte eine Gerichtsperson falsche Aktenstuͤcke vor, um sie mit der Handschrift des Angeklagten zu vergleichen. Die Handschrift des Ange⸗ klagten besindet sich auf einem Bogen, auf dessen Rand der Richter selbf weitlaͤuftige Bemerkungen geschrieben hat. Der Sachverstaͤndige glaubt, diese Bemerkungen habe der Angeklagte geschrteben, und giebt sein
Gutachten dahin ab, daß diese Handschrift mit der in dem falschen
Aktenstuͤcke ganz identisch sey. Der Richter wurde also dadurch fuͤr den Verfaͤlscher erklaͤrt! (Gelaͤchter.) „Ein Handschriftskundiger“, faͤhrt Herr Odilon⸗Barrot fort, „der ein Verwandter des Herrn St. Omer ist und den wir gestern vernommen haben, erklaͤrt selbst
in einer Schrift „Ueber die Kunst, Handschriften zu pruͤfen“, daß
ihm die bestaͤndige Uebereinstimmung der Kunstverständigen, indem
seit 28 Jahren kein einziger Fall vorgekommen, wo sie verschiedene
Meinung gewesen waͤren, ein Raͤtbsel seyv. Mir aber ist sie kein Raͤthsel; die Kunstverstaͤndigen wollen das Vertrauen in ihre angeb⸗ liche Unfehlbarkeit nicht schwaͤchen; deshalb werden sie nie eingeste⸗
hen, daß sie verschiedener Meinung sind. Bei Gelegenheit des Pro-⸗ zesses des Herzogs von Rovigo sagte Herr Duvin, die Handschrifts⸗ kundigen glichen den Roͤmischen Auguren, sie koͤnnten sich nicht an⸗ sehen, ohne zu lachen.“ — Herr kot erinnerte mit wenigen Wor⸗ ten an Alles, was in den Debatten uͤber die außerordentliche Geschicklich⸗ keit La Roncière'’s in der Nachahmungskunst gesagt worden, und forderte
die Geschwornen dringend auf, die Handschriften selbst einer genauen Pruͤfung zu unterwerfen, und besonders auf die orthographischen Fehler aufmerksam zu seyn. Wie sollte, meinte er, Marie von Morell, wenn sie Verfasserin der anonymen Briefe gewesen, darauf. gekommen seyn, orthographische Fehler zu machen, da sie sehr richtig schreibt? B Das wuͤrde einen Grad von Verschlagenheit voraussetzen, der gar nicht anzunehmen sey. Von dem Angeklagten sey es indeß erwiesen, daß er oft unrichtig schreibe, und seltsamerweise faͤnden sich in den anonymen Briefen gerade solche orthographische Fehler, welche man auch in seinen fruͤheren Schriften bemerke. „Es giebt“, sagte Herr Odilon⸗Barrot, „noch eine andere Art von Exvertise, als die der Handschriftskundigen, und diese Expertise ist unfehlbar. Sie ist nicht rein materiell, sondern erfordert etwas Verstand, indem es bei ihr darauf ankommt, den Verfasser der Sitten und aus seinem Lebenswandel zu erkennen. sagt, der Styl sey der Mensch, und das ist sehr
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Man hat ge⸗ wahr. Es ist
ahmen, wenn der Styl etwas Eigenthuͤmliches hat. zu dieser moralischen Pruͤfung uͤber. Sind die anonymen Briefe von dem Fraͤulein von Morell? Marie von Morell ist 17 Jahre alt; sie ist nie im Theater gewesen, hat nie Romane gelesen, und hat das Lesen selbst aus der heiligen Schrift gelernt. Ste ist mit solcher Strenge erzogen worden, daß die Familie sogar oft der un⸗ gluͤcklichen Mutter Vorwuͤrfe daruͤber machte. Aber Frau von Mo⸗ rell schien in ihrer Handlungsweise von einer Art von Vorgefuͤhl geleitet worden zu seyn Sie schien zu ahnen, daß ihre Tochter ganz rein und vorwurfsfrei seyn muͤsse, um die Pruͤfung zu beste⸗ hen, die die Vorsehung ihr aufbewahrt hatte. Nun ist aber der Styl, der in den anonymen Briefen herrscht, degens, der sich ohne Ruͤcksicht der allerplumpsten Ausdruͤcke be⸗ dient, bald der eines Wuͤstlings, eines Roué's von gutan Ton, der mit Phrasen aus Komodien oder Romanen umherwirft. In einem Briefe heißt es: „„Diese Hunde von Glaͤubiger draͤngen mich von allen Seiten. Hole sie der Teufel und mich mit!“ M. H.⸗ wenn die Handschriftz⸗Kundigen zu Ihnen kaͤmen und versi⸗ cherten, Ihre 16jaͤhrige Tochter habe das geschrieben, wuͤrden Sie ihnen nicht mit Entruͤstung antworten: „„Das luͤgt Ihr!““ Herr Barrot las saͤmmtliche anonyme Briele laut vox, Und rief dann aus: „Meine Herren, wenn es Marie von Morell gewesen ist, die diese teuflische Korrespondenz gefuͤhrt, wenn sie diesen schaͤndli⸗ chen Plan angelegt und ausgefuͤhrt hat, so brandmarken Sie die⸗ selbe; denn sie ist dann das merkwuͤrdigste Ungeheuer, welches selt laͤnger Zeit auf dem Schauplatze der Welt erschienen ist, ein Wesen, dem das Verbrechen angeboren ist, eine teuflischere Schoͤpfung, als alle die, welche in neuerer Zeit die erhitzte Phantaste unserer Dra⸗ maturgen ans Licht gefoͤrdert hat““ Herr Odilon⸗Barrot beleach⸗
tete noch sehr ausfuͤhrlich die Behauptung des Angeklagten, daß die
ganze Sache von der Familie Morell angezettelt waͤre, um ihn ins Ungluͤck zu stuͤrzen, und wies das Laͤcherliche und Abgeschmackte ei⸗ ner solchen Behauptung auf eine sehr uͤberzeugende Weise nach. Die Aussage des Glasermeisters Jorry wurde von Herrn Barrot zu ei⸗ nem sehr scharfsinnigen Argumente benutzt. „Der Angeklagte be⸗ hauptet“, sagte er, „die Familie Morell habe die ganze Sache ange⸗ stiftet, und er hat viel Werth auf die Aussage des Jorry ge⸗ legt, der behauptet, das Loch in der Fensterscheibe sey der Art gewesen, daß man den Drehriegel nicht habe erreichen, und also das Fenster nicht oͤffnen koͤnnen. Man muͤßte in der That die ungemeine Klugheit der Familie Morell bewundern, wenn sie ihre Komoͤdie damit ansinge, die Fensterscheibe auf eine Weise zu zer⸗ schlagen, daß man das Fenster nicht von außen oͤffnen konnte ⁷— Nach einem dreistuͤndigen Vortrag, der nur einmal durch das Un⸗ wohlseyn eines Geschwornen wenige Minuten unterbrochen wurde, gelangte Herr Odilon⸗Barrot zum Schluß seines Plaidoyer's „Es wuͤrde der ungluͤcklichste Tag meines Lebens seyn“, sagte er, nan welchem meine Stimme dazu beigetragen haͤtte, einen Unschul⸗ digen zu verurtheilen. Aber in diesem Falle, ich erklaͤre es, steht meine Ueberzeugung unerschuͤtterlich sest. Ich bin in die Alterna⸗ tive versetzt, entweder Marie von Morell oder La Noncioͤre zu ver⸗ urtheilen. Als Mensch, als Familienvater, Allem gehorchend, was
an Gewissen und Vernunft in mir ist, kann ich nicht schwanken.
Meine Aufgabe ist erfuͤllt; Sie, meine Herren Geschwornen, ha⸗
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anonymen Briefe aus seinen
leichter, die Handschrift eines Menschen, als seinen Styl nachzu⸗ 8 8 Gehen wir
bald der eines Hau⸗ 1