1835 / 191 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ihr hinauf zu kommen.

es eine Mutter, die versichern kann, daß ihre Dochter nie Romane gelesen habe! Ich frage auch, m. H., ob Fraͤulein von Morell sich nicht fruͤher schon durch Vorboten der Krankheit, von der sie jetzt befallen ist, seltsam aufgeregt gefuͤhlt hat? rn. muß Alles sagen, m. H., man muß den Charakter des jungen Maͤdchens ganz zu durchdringen suchen: sie scheint entschlossen; sie hat diesen Saal ohne Zittern betreten, sie hat Alles äelr, was sich in ihrem Zimmer zugetragen haben soll: c scheint, daß man leicht Eindruck auf sie machen kann; sie licot das Romanhafte und das Geheim⸗ nißvolle.“ (Murren in der Versammlung.) Praͤsident: „Die tiefste Ruhe ist eine Pütcht fuͤr das Publlkum.“ Herr Chaiz d'Estange: „Es is ein Fall eemittelt worden, der meine Behaup⸗ tung unterstuͤtzt. An einem in den Instructions⸗Akten angegebenen Tage ging Herr Brière, Militair⸗Intendant zu Saumur, auf dem Quni voraber. Er gruͤßte Frau von Morell, welche ihn bat, zu Herr Brière, ein Freund des Morellschen Hanses, fand sich sogleich ein, und Frau von Morell erzaͤhlte ihm, sie sey in ihrem Zimmer gewesen, als ein in einen Mantel gehuͤllter Mann sich ihrem Fenste; genaͤhert und et⸗ nige Zeichen gemacht habe. Sie seyh vom Fenster zuruͤckge⸗ treten, aber ihre Tochter sey außer sich zu ihr gekommen, und habe ihr erzaͤhlt, daß sie von ihrem Zimmer aus gesehen, wie jener Mann seinen Mantkel abgewoörfen und sich in die Loire gestuͤrzt vabe, und einige Schiffer ihn noch zu rechter Zeit gerettet haͤt⸗ ren. Here Brière bernhigte Frau von Morell so gutk er konnte, und stellte die Vermuthung auf, daß sich der Mann wohl zufaͤllig an dieser Stebe das Leben babe nehmen wollen. Am andern Mor⸗ gen ließ Frau von Morell den Herrn Brière rufen, und sagte ihm: „„Der Mann, der sich ins Wasser gestuͤrzt hatte, hat mir einen anonymen Brief geschrieben, in welchem er mir sagt, daß er sich meinethalben habe das Leben ushmen wollen.“% Ift nun an dieser ganzen Sache etwas Wahres? Hat sich ein Mann ins Wasfer ge⸗ Ruͤrzt? Nein, m. H., alle Nachforschungen, die man in dieser Be⸗ ztehung anstellte, sind fruchtlos grolieben. Wer hatke nun aber jenen Mann sich ins Waffer stuͤrzen sehen? Das Fraͤulein Marie von Morell! War das nicht vielleicht, m. H., eine der Wirkungen jener Krankhbeit, deren Keim vermuthlich schon lange in sich traͤgt. ob es nicht möalich ist,

sie

daß jenes

hatte, sich nicht auch durch itzre krankhafte Phantasie zu

gestuͤrzt anderen Irthuͤmern konnte verleiten lassen. an die vielen Faͤlle, wo Angeklagte der ihnen zur Last gelegken Verbrechen auf bloße Vermuthungen hin fuͤr schuldig Unzweifelhafteste darthat. Erwagen Sie, daß nicht der geringste materielle Beweis gegen La Roncière hat vorgebracht werden kön⸗

nen, daß phystsche und hcralhe Unmoͤglichkeiten vorhanden sind,

nstimmig und entschieden die Anklage affen⸗

daß die Handschriftskundigen e von ihm ab und auf seine Gegnerin zurüͤckwaͤlzen, und dann legen Sie die Hand aufs Herz und rigen Sie sich, ob Sie unter diesen Umstaͤnden eine innige und vollkommene

Schuld meines Klienten gewinnen koͤnnen!“

Nachdem Herr Chaix d'Estange sein Plaidoper beendigt hatte, fragte Herr Odilon⸗Barrot den Zeugen, Herrn Ja⸗ quemin, ob er nicht noch etwas in Bezug auf die Gesundheits⸗ Umstände des Angeklagten zu sagen habe. Herr Jaquemin erinnerte daran, daß in einem anonymen Briefe die Worte ge⸗ standen: „Ich wollte ihr (dem Fraͤulein) eine abscheuliche Krank⸗ heit mittheilen.“ Er koͤnne nun versichern, fuͤgte der Zeuge hin⸗ zu, daß La Roncière 4 Monate vor seiner Abreise eine solche Krankheit gehabt habe. Noch wollte Herr Jaquemin andere Dinge aussagen, um Herrn Chaix d'Estange zu widerlegen. Dies verbat sich indessen Herr Berryer (der Anwalt des jungen Maͤdchens), indem er sagte: „Herrn Jaquemin's Sache ist es nicht, gegen den Vertheidiger aufzutreten. Wir verlangen aus⸗ druͤcklich, daß er bloß als Zeuge spreche, und daß hier Jeder nur die Rolle spiele, die ihm zukommt.“ Diese Erklaͤrung fand allgemeinen Beifall, waͤhrend das Auditorium seine Mißbilligung zu erkennen gab, als Herr Jaquemin vollends sagte, daß er bloße Geruͤchte mittheilen wollte. La Roncière raͤumte uͤbrigens die angegebene Thatsache ein, behauptete aber, am 23. Juli schon gaͤnzlich wiederhergestellt gewesen zu seyn. Jetzt ergriff der General⸗Advokat das Wort, um sein Requisitorium zu hal⸗ ten. Seine Aeußerung, daß die Geschwornen hier bei der Ver⸗ urtheilung zwischen einem fleckenlosen jungen Maͤdchen und einem

Karvallerie⸗Offizier zu waͤhlen haͤtten, erregte ein leises Murren

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eines beleidigten Vaters verdammt h

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aber noch zweifeln, auf wessen Seite die Schuld ist?

fordern, willst ihn also als Vater in

ehrenwerthen Familien geschehen,

im Laufe der Prozeß⸗Verhandlungen zur Sprache

Der General⸗Advokat erklaͤrte sich den von dem Angeklagten der Familie Morell gewidmeten Haß ledig⸗ lich aus dem ihm am 20. September in der Wohnung des Ge⸗ nerals widerfahrenen Schimpf. Von diesem Tage an, meinte er, schreibe sich dessen Rachgefuͤhl her. La Roncidre habe sich gesagt: „Du kannst den General nicht zum Zweikampf heraus⸗ dem, was ihm am Theuersten ist, in der Ehre seiner Tochter beschimpfen; wird zuletzt die Sache ruchbar, so wird er sich noch gluͤck⸗ lich genug schaͤtzen, wenn er Dein Stillschweigen dadurch erkausen kann, daß er Dir die Hand seiner Tochter giebt.“ Waͤre, behauptete der General⸗Advokat, der General dem La Roncière am Morgen des 2ästen auf offener Straße begegnet, und haͤtte er ihm den Degen in die Brust gestoßen, so wuͤrde kein Geschwornen⸗Gericht diesen rechtmaͤßigen Ausbruch des Zorns aben. Am Schlusse seines Vortrages behauptete der General⸗Advokat die Anklage auch noch in Bezuig auf Samuel Gilliéron. Jetzt hielt Herr Berryer sein Plaidoyer fuͤr das Fraͤulein von Morell: „Ungeachtet der Ermuͤdung“, so hob er an, „die der gegen⸗ waͤrtige Kanpf Ihnen bereits verursacht hat, muß ich doch noch die Vertheidigungs⸗Rede, die Sie beute vernommen haben, beant⸗ worten. Es wird in gedraͤngter Kuͤrze und im Angesichte zweier von denen die eine oder die an⸗ dere in ihrem Kinde auf das Tiefste verletzt werden soll. Nur ein danke troͤstet mich hierbet, der große Unterschied naͤmlich, den ch in der Moralitaͤt dieser beiden Familien⸗Kinder gewahre, indem das eine seit seiner fruͤhesten Jugend seinen Aeltern nur Kummer verursacht hat, indeß das andere uns das Bild der erglesem Tugend bietet.“ Der Redner beleuchtete bierauf noch einmal alle gütecachte⸗ That⸗ achen (wobei er zugleich die Vermuthung des Herrn Chaix d'Estange, as Fraͤulein von Morell koͤnne wohl bei ihrem krankhaften Zustande eine Viston gehabt haben, durch das Faktum der erlittenen Mißhandlungen uruͤckwies), und schloß sodann mit folgenden Worten: „Doch muß einer on beiden Theilen nothwendig strafbar seyn. Wer von uns koͤnnte In meinen Augen ist La Roncieère der Schuldige. Wollte man ihn freisprechen, so muͤßte man die ganze Morellsche Familie fuͤr falsche Zeugen hal⸗ ten. Wie, ließe sich dies aber wohl annehmen? Nein, meine Her⸗ ren, sollte in diesem Kampfe die Ehre Martens unterliegen, sollte La Roncieére aus diesem Prozesse rein hervorgehen, so muͤßte jeder Ehrenmann fortan an der Gerechtigkeit verzweifeln und mit dem Schreiber eines der anonymen Briefe ausrufen: „Wozu nutzt es, noch ferner das Gute zu liebven“ „, n Nach diesem Plaidoyer, das mehrmals durch den Beifall des Auditoriums unterbrochen wurde, ward die Sitzung auf⸗ ehoben. 29 Seit der Eroͤffnung dieses Prozesses werden hier taͤglich von den Zeitungen, die daruͤber berichten, 5000 Exemplare be⸗ sonders abgesetzt, Der taͤgliche Spezial⸗Bericht uͤber die Ver⸗

in der Versammlung.

Sie werden entscheiden, m. H., Junge Maͤdchen, welches einen Mann im Wasser gesehen haben will, der sich niemals hinein⸗ Doeoenken S;, 8,s befunden wurden, und wo sich nach laͤngerer Zeit ihre Unschuld auf das

Ueberzeugung von der

Nachrichten mitgetheilte Dekret.)

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handlungen erscheint in einer Auflage von 45 50,000 Exem⸗ plaren, und, seltsam genug, zaͤhlt man in den Lese⸗Kabinetten und in den oͤffentlichen Gaͤrten, wo die Tages⸗Blaͤtter ausliegen, auf einen Mann 5 bis 6 Frauen.

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 4. Juli. Der Herzog von Richmond sprach die Hoffnung aus, daß der Britische Gesandte zu Paris der Fran⸗ zoͤsischen Regierung die Angemessenheit einer noch groͤßeren Ne⸗ duction des Zolls von Englischer Wolle, die in Frankreich ein⸗ gefuͤhrt wird, vorstellen werde; Franzoͤsische Wolle zahle bei ih⸗ rer Einfuhr in England einen Zoll von nur 1 Penny fuͤr das Pfund, waͤhrend Englische Wolle bei ihrer Einfuhr in Frank⸗ reich einem Zoll von 20 pCt. unterliege. Lord Auckland sagte, der Praͤstdent der Handels⸗Kammer werde diesen Gegenstand nicht außer Acht lassen, da derselbe in der That fuͤr das Inte⸗ resse der Gutsbesitzer von sehr großer Wichtigkeit sey; es staͤnden jedoch einem befriedigenden Arrangement noch einige kleine Schwierigkiiten entgegen. Lord Brougham brachte in Folge einer vor einigen Tagen gemachten Anzeige eine Bill ein, die auf seine Resolutionen in Betreff des oͤffentlichen Unterrichts, welche er damals auf Ersuchen des Lord Melbourne zuruͤckgenommen hatte, gegruͤndet war. Der erste Theil dieser Bill bezieht sich auf die Verbreitung des Unterrichts uͤberhaupt. Dann ent⸗ haͤlt sie Bestimmungen in Bezug auf die gehoͤrige und gewissen⸗ hafte Vertheilung und Verwendung der von dem Parlamente zu Unterrichtszwecken bewilligten Fonds; um diese Absicht zu erreichen, soll die Aufsicht uͤber jenes Geschaͤft Personen uͤber⸗ tragen werden, die der Krone und dem Parlament verantwort⸗ lich sind; es soll demnach eine aus drei Personen, dem Praͤsi⸗ denten des Geheimen⸗Raths, dem Großsiegelbewahrer und dem Staats⸗Secretair fuͤr das Innere, bestehende Unterrichts⸗Kon⸗ trollbehoͤrde gebildet und derselben, wenn man es fuͤr angemessen haͤlt, auch noch der Sprecher des Unterhauses hinzugefuͤgt wer⸗ den. Die Bill wurde zum erstenmal verlesen und zum Druck verordnet. Hierauf erhob sich der Marquis ö. Londonderry

„Da ich den edlen Viscount (Melbournte) auf seinem Platz sehe, so bitte ich ihn um Erlaubniß, seine Aufmerksamkeit noch einmal auf den Gegenstand lenken zu zuͤrfen, uͤber den ich ihn gestern befragte; ich meine das Dekret des Don Carlos, dessen Autbentizitaͤt der edle Viscount in Zweifel zog. Ein Korrespondent ist so guͤtig ge⸗ wesen, mir eine Mittheilung uͤber diesen Gegenstand zukommen zu so daß meine Behauptung hinsichtlich der Authentizitaͤt dieses Dokuments nicht von mir ausgeht und nicht bloß auf meinem Glau⸗ ben beruht. Mein Korresyondent schrieb mir: „„Mylord, damit Ew. Herrlichkeit den Minister belehren koͤnnen, benachrichtige ich Ew. Herrlichkeit, daß ich selbst das Sriginal⸗Dekret des Don Carlos gesehen habe, und sende Ihnen hiermit eine be⸗ glaubigte Abschrift und eine Uebersetzung desselben.““ (Der Mar⸗ zuis verlas hier das von uns vor einigen Tagen unter den Neuesten Hier haben Ew. Herrlichkeiten also das Original⸗Dekret in Spanischer Sprache. Ich glaube also wohl, daß ich den edlen Viscount auffordern darf, die Sache unter⸗ suchen zu lassen; ich glaube, daß ich, als Britischer Soldat, auf das energischste in ihn dringen darf, die noͤthigen Maßregeln zu ergrei⸗ fen, um zu ermitteln, welches die richtige Auslegung der durch Lord Elliot zu Stande gebrachten Convention ist. Meiner Ansicht nach, sollte augenblicklich eine Militair⸗Kommission an Don Carlos abgesandt werden, damit das Land erfahre, wie sich die Sache eigentlich verhalte. Es werden, wie man sieht, in unse⸗ rem Lande Truppen enrollirt, deren Bestimmung Spanien ist; und da ich weiß, daß das Spanische Landvolk einen sehr rachsuͤchtigen Charakter hat, so scheint es mir nothwendig, daß vor der Abfahrt dieser Individuen der Punkt entschieden werde, ob die besagte Con⸗ vention, die einen so schbnen Zweck hat, auch mit Hinsicht auf diese Streitkraͤfte vollstaͤndig ausgefuͤhrt werden soll. Ich fordere daher den edlen Viscount auf, unverzuͤglich den wahren Sinn und die richtige Auslegung der Convention zu ermitteln.“

Lord Melbourne ertheilte keine Antwort auf diese Inter⸗ pellation. Nach Ueberreichung einiger Bittschriften bat Lord Brougham um Erlaubniß, das Haus auf einen sehr wichtigen Umstand aufmerksam machen zu duͤrfen: „Wir sind nun“, sagte er, „schon bis zum 3. Juli gekommen, und wenn auch einige Motionen in Erwaͤgung gezogen worden, so sind doch die von uns erledigten oͤffentlichen Geschaͤfte fast so viel als Null. In der That, es hat gar keine Gesetzgebung stattgefunden. Die Munizipal⸗Corporations⸗Bill und andere sehr wichtige Maßregeln werden aus dem andern Hause noch erwartet. Es wird aber noch ziemlich lange dauern, ehe diese Maßregeln Ewrn. Herr⸗ lichkeiten vorgelegt werden koͤnnen. Ich kann daher nicht um⸗ hin, zu wuͤnschen, daß Ew. Herrlichkeiten irgend eine Maßregel zur Foͤrderung der Geschaͤfte annehmen, und ich schlage vor, daß Sie einstweilen Resolutionen eroͤrtern und annehmen, welche dieselben Grundsaͤtze umfassen, wie einige jener beabsichtigten Maßregeln. Wenn dies geschaͤhe, wuͤrden Sie spaͤterhin, sobald die Maßregeln selbst eingebracht werden, nur noch deren Details zu erwaͤgen 5 Lord Melbourne war damit nicht einverstanden. „Wenn“, sagte er, „das Land allgemein große und umfassende Maßregeln fordert, die ernstliche Berathung erheischen, so muͤssen Ew. Herrlichkeiten auch bereit seyn, sich den Muͤhen und Anstrengungen zu unterziehen, welche die Umstaͤnde verlangen; sie duͤrfen denselben nicht ausweichen. Uebrigens bin ich auch uͤberzeugt, daß wir keine Zeit erspa⸗ ren wuͤrden, wenn wir dem Vorschlage des edlen und gelehrten Lords folgen und mit der Annahme von Resolutionen vorschrei⸗ ten wollten. Wir wuͤrden uns dadurch nur noch weit mehr Arbeit aufbuͤrden, als wenn wir den gewoͤhnlichen Weg ein⸗ schlagen.“ Lord Brougham bemerkte, es wuͤrde aber gewiß noch zwei bis drei Wochen dauern, ehe die Corporations⸗Bill in das Oberhaus gelangen moͤchte, und unterdessen koͤnnte wohl etwas in Bezug auf die Irlaͤndische Kirchen⸗Bill gethan werden. Der Herzog von Wellington aber meinte, ehe man irgend einen Schritt der Art thun koͤnnte, wie ihn Lord Brougham empfehle, muͤßte doch vor allen Dingen dem Oberhause Mittheilungen uͤber die Grundlagen jener Bills gemacht werden; wenn er sich jedoch nicht irre, so laͤgen Ihren Herrlichkeiten erst zwei von den vier Berichten vor, auf welche die Munizipal⸗Reform⸗Bill basirt sey, obgleich dieselbe im Unterhause schon bedeutende Fortschritte ge⸗ macht habe: unter solchen Umstaͤnden, wenn es an den noͤthigen Aufschluͤssen gebreche, koͤnne man unmoͤglich irgend eine Entschei⸗ dung treffen. Lord Brougham sah sich demnach genoͤthigt, mit seinem Vorschlage zuruͤckzutreten. Am Schluß der Sitzung machte der Marquis v. Londonderry, einer fruͤheren Anzeige ufolge, auf ein Umlaufschreiben aufmerksam, welches der Lord⸗ dhathtage von Irland an die Magistrats⸗Personen im noͤrdli⸗ chen (dem vorzugsweise protestantischen) Theile Irlands erlassen hat, und worin er sie ermahnt, am kommenden 12. Juli jede Orangistische Prozession als gesetzwidrig zu verhindern. Dies Cirkular schien dem Marquis ganz unnoͤthig, und er betrachtete es, wenn auch nicht direkt, so doch implicite. als eine Art von Vorwurf fuͤr die Magistrats⸗Personen, den dieselben nicht ver⸗

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dienten, da sie bemuͤht seyen, ihre Pflichten aufs gewissenhafte und eifrigste zu erfuͤllen. Anstatt eines solchen Schreibens we es besser, meinte er, wenn man Unruhen besorgt haͤtte, ei Proclamation zu erlassen. Er wuͤnschte daher zu w sen, warum Lord Mulgrave dies ungewoͤhnliche P. fahren gewaͤhlt habe, zumal da seit dem Gesetz, we ches vor zwei oder drei Jahren gegeben worden, u wodurch solche Prozesslonen verboten wuͤrden, keine Aufzuͤge Art mehr stattgefunden haͤtten. „Wenn ich“, fuhr der Marny fort, „der Prozession gedenke, unter welcher der Lord⸗Lieutene in Dublin einzog, und die man nicht im Entferntesten zu m hindern versuchte, so scheint es mir, daß die Handlungsweise⸗ Irlaͤndischen Regierung sich nicht eben durch Unparteiligh auszeichnet. Ich habe auch gehoͤrt, daß ein Individuum, wi seit 40 Jahren unter allen Lord⸗Lieutenants bei dem Dult Hofstaat angestellt war, kuͤrzlich entlassen worden ist, um einemß wandten Lord Edward Fitzgerald's eines in Irland ziemlich! noͤsen Namens Platz zu machen. Wenn man wirklich dies viduum (Sir Stuart Bruce) nach 40jaͤhrigem Dienst so ruͤckst los verabschiedet hat, um den Posten einem Anderen zin get so muß ich sagen, daß dies ein sehr hartes Verfahren ist.“] Melbourne erwiederte, das Dokument, dessen der edle N quis erwaͤhnt, erklaͤre sich durch sich selbst; die Stellung Parteien in Irland und die Erklaͤrungen edler Lords auf anderen Seite des Hauses, daß es in Folge der Umstaͤnde, welche sie damals aufmerksam machten (der Prozession beim zuge des Grafen Mulgrave in Dublin), leichtlich am 12. zu Unruhen kommen koͤnnte, gaͤben dem edlen Marquis eine reichende Antwort, indem sie, ganz klar die Nothwendigkeit Erlassung jenes Umlaufschreibens darthaͤten; dasselbe sey weder außergewoͤhnlich noch unzeitig; vielmehr sey es g. natuͤrlich, daß Lord Mulgrave, bestrebt, die Ruhe aufrecht zue halten, die Magistrats⸗Personen auf das Verbot aller Partei⸗Umg aufmerksam gemacht habe; in den Jahren 1829, 1832 und 1- sey uͤbrigens eben so verfahren worden, das Umlausschtn werde also durch Praͤcedenz⸗Beispiele gerechtfertigt. „Ich e jedoch allen Grund, zu glauben“, so schloß der Minister, wohl vermoͤge des guten Sinnes, der in Irland herrscht,“ vermoͤge der Bemuͤhungen derjenigen, die darauf Einfluß a uͤben, daß, ungeachtet der von edlen Lords in diesem Hause aͤußerten Besorgnisse, keine Ruhestoͤrung vorfallen wird. Irlaͤndische Regierung verfaͤhrt nach Grundsaͤtzen der strafin Unparteilichkeit, und was die Angelegenheit betrifft, welce w edle Marquis am Schluß seiner Rede erwaͤhnt hat, so it das erste Mal, daß ich davon hoͤre. Der Lord⸗Lieutenam jedoch das Recht, in seiner Hofhaltung diejenigen Anordnnyg zu treffen, die ihm belieben, und es ist dies ein Punkt, n dem Ew. Herrlichkeiten wohl keine Kenntniß zu nehmen habha

Unterhaus. Sitzung vom 3. Juli. Der Sprat zeigte dem Hause an, daß er eine Petition empfangen hu worin uͤber eine unrechtmaͤßige Wahl fuͤr die Grafschaft Can geklagt werde. Es wurde sodann auf den Antrag Lord J. R. sell's ein Ausschuß ernannt, um denjenigen Theil der vor Ipswicher Wahl⸗Kommission abgelegten Zeugenaussagen zu m fen, der sich auf das Benehmen der Magistratspersonen bezit die Herrn Pilgrim angeblich wegen Veruntreuung anvertrau Guͤter verhaften ließen, so daß er vor jener Kommission 1 erscheinen konnte, und auf das Benehmen der Kaufleute Sa und Blake, die eine solche Klage gegen Herrn Pilgrim at⸗ gijg machten. Eine andere Motion des Lord Russell, dasme Haus sich waͤhrend der ferneren Dauer der Session des De stags und Donnerstags von 12 bis 3 und dann wieder un Uhr versammeln solle, wurde ebenfalls genehmigt. Den üuͤbri Theil der Sitzung fuͤllten wieder die Verhandlungen uͤber Munizipal⸗Reformbill im Ausschusse und man gelangte bis, 94sten Klausel.

London, 4. Juli. Der Koͤnig hat dem Herrn Fran⸗ Chantrey, Mitglied der Koͤniglichen Akademie der Kuͤnste,! Ritterwuͤrde verliehen. 1

Die gestrige Hof-Zeitung enthaͤlt die offizielle Anzei von mehreren diplomatischen Ernennungen, naͤmlich: des Grast von Durham zum außerordentlichen Botschafter und Bevollmit tigten bei Sr. Majestaͤt dem Kaiser von Rußland; des Hr Henry Ellis zum Botschafter bei dem Schach von Persien,; demselben die Gluͤckwuͤnsche Sr. Majestaͤt zu seiner Thronben gung zu uͤberbringen (Herr Ellis hat sich gestern eingescht um nach seiner Bestimmung abzugehen); des Herrn J—9 M'Reill zum Secretair bei dieser Gesandtschaft; des Capit Sir Edmund Lyoms zum bevollmaͤchtigten Minister bei qh Majestaͤt dem Koͤnige von Griechenland; des Herrn Henry ward Fox, ehemaligen Gesandtschafts⸗Secretair zu Turin, Gesandtschafts⸗Secretair am Wiener Hofe, und des Sir Alh der Malet, ehemaligen ersten Attaché's bei der Gesandtschaft Lissabon, zum Legations⸗Secretair am Turiner Hofe.

Der Times zufolge, wuͤrde Lord Durham erst zu Anf des Wügen. Füeng. 8* Bord eines Kriegsschiffs von hier me St. Petersburg abreisen. 3

Der Franzoͤfische Botschafter und der Daͤnische Gesan⸗ hatten gestern mit Lord Palmerston Unterredungen im auem tigen Amte. 1

Lord Glenelg, der Staats⸗Secretair fuͤr die Kolonieen, 8 gestern Abend den Koͤniglichen Kanadischen Kommissarien, Crn von Gosford, Sir Ch. Grey und Sir G. Gipps, einen

jed scheedeschinqu⸗ Jahn Walpole und Lord Mowe

Lord Howick hat Herrn Herrn Mordaunt zu seinem Privat⸗Secretair angenommen.

Da Herr Drummond, als Unter⸗Secretair des Lord⸗Liaf nants von Irland, an die Stelle von Sir William Gosset 99 soll, so wird dieser, wie der Courier versichert, den Posten 1 Sergeant⸗at⸗Arms im Unterhause erhalten, den Herr Seym niederlegen will.

Die vier Kandidaten, welche sich um den durch Tod erledigten Parlamentssitz fuͤr Oldham bewerben, sind he Lees, ein Konservativer, Herr Ashton Yates, ein Whig, zg John Cobbett, Sohn des Verstorbenen, und Herr Fergus 7 nor, Radikale. Die radikalen Waͤhler sollen uͤber die Verd 1 ihrer beiden Kandidaten nicht ganz einig seyn, indem Hanng bett einem Theil derselben in seinen Meinungen hinsichtli Trennung von Kirche und Staat nicht weit genug geht. 1

Da Lord Stanley und Sir J. Graham sich nun au Oppositions⸗Baͤnke gesetzt haben, so bemerkt die Timg das Gefuͤhl der Inferioritaͤt, welches sich bei den 91 176 schon in Gegenwart von Sir R. Peel verrathe, sich nicht inb mehren werde, indem sie zwei so maͤchtige Verbuͤndete zhien gesellt sähen und wohl wuͤßten, daß diese in sehr kurzer 8 ihm als Kollegen im Kabinet seyn wuͤrden. este

Mit Hinsicht auf den von Lord Brougham in der 86 8 Sitzung des Oberhauses gemachten Vorschlag, 9b er ei mes, es wuͤrde sehr drollig seyn, wenn die beiden Haͤu

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und denselben Gegenstand zu gleicher Zeit eroͤrterten und viel⸗ leicht zu Beschluͤssen kaͤmen, die mit einander geradezu in Wider⸗ spruch staͤnden; jedenfalls aber sey der Vorschlag sehr charak⸗ teristisch uͤr Lord Brougham.

Die Dubliner Evening Post meldet: „Der Untersuchungs⸗ Ausschuß uͤber die oͤffentlichen Arbeiten in Irland setzt seine Ge⸗ shaͤfte fort. Man zweifelt nicht, daß dem beschlossenen Darlehn von 500,000 Pfund eine Bewilligung von 50,000 zur Foͤrderung der öffentlichen Arbeiten wird hinzugefuͤgt werden. Man ver⸗ nimmt, daß die Regierung auf 75,000 Pfund zum Behuf der Scisf armachung des Shannon antragen will.“

Es heißt, daß man Beweise von der Existenz von Oran⸗ gisten. Logen in dhce1eg Regimentern in Irland erhalten habe.

Die Times bemerkt, der Umstand, daß der Marquis von kondonderry das angebliche Dekret des Don Carlos in Spani⸗ sher Sprache erhalten habe, sey kein Beweis fuͤr die Authentici⸗ tät desselben, denn es seyen ihr oft Dokumente vorgekommen, die man fuͤr Dekrete des Don Carlos ausgegeben habe, und die, ob⸗ gleich sie ihr in Spanischer Sprache und auf Spanischem Papier zugeschickt worden, sich doch als unecht erwiesen haͤtten; Perso⸗ nen, die ein Interesse dabei haͤtten, solche Dokumente zu fabrizi⸗ ren, sorgten gewoͤhnlich auch dafuͤr, daß man an der Sprache, dem Druck, dem Papier, dem Datum und Ort ihren Betrug unmoͤglich entdecken koͤnne; uͤbrigens aber, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, koͤnne das von Lord Londonderry vorgezeigte Dekret wohl authentisch seyn, wenigstens muͤsse man die Autoritaͤt des Marquis fuͤr eine sehr bedeutende gelten lassen.

Ein Offizier von einem aus Valparaiso hier angekommenen Schiff berichtet, daß das Erdbeben in Chili auch die Stadt auf der Insel Juan Fernandez gaͤnzlich zerstoͤrt habe. Sie lag in einem Thal, und die Einwohner fluͤchteten sich beim ersten Stoß auf die Berge. Das Meer trat einige Male uͤber und schwemmte saͤmmtliche Haͤuser fort, an deren Stelle es eine ungeheure Masse schwarzen Schlammes zuruͤckließ.

1 Niederlande.

Aus dem Haag, 4. Juli. Se. Maj. fruͤh aus dem Loo hier eingetroffen. Die Hollaͤndischen Blaͤtte einen Bericht uͤber die (gestern erwaͤhnten) unruhigen Auftritte in Amsterdam und stimmen saͤmmtlich darin uͤberein, daß durch⸗ aus keine politischen Beweggruͤnde dabei obgewaltet haͤtten.

Deutschland. 8 8 Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz

der Koͤnig ist heute

Hamburg, 9. Juli. Karl von Preußen ist unter dem Namen eines Grafen von Hohenstein nebst seiner erlauchten Gemahlin hier eingetroffen und denkt von hier nach Kuxhaven abzugehen.

Oesterreich. 8

Wien, 2. Juli. (Hannov. Ztg.) Se. K. H. der Erz⸗ hros Maximilian von Este wird, dem Vernehmen nach, den riherzogen Franz Carl und Johann ebenfalls nach Kalisch fol⸗ gen. Eine Deputation aus Erlau ist eingetroffen, um bei Sr. Maj. dem Koͤnige die Privilegien einer Koͤnigl. Ungarischen Freistadt zu erbitten. Unter dem Schutze des hochverdienten §. K. Staats⸗Ministers Grafen von Kollowrath lebt der Han⸗ dess⸗Stand in der Hoffnung, ein neues Institut ins Leben ge⸗ rufen zu sehen, dessen Beduͤrfniß fuͤr die industriellen Unterneh⸗ mungen lange gefuͤhlt, und fuͤr den Fabriken⸗- und Handels⸗ Stand, welcher sich bloß dem Waaren⸗Geschaͤfte widmet, von un⸗ berechenbarem Nutzen ist. Es ist naͤmlich im Werke, eine Waa⸗ ren⸗Leihbank zu errichten, an deren Spitze, wie sich der Han⸗ dels⸗Stand schmeichelt, der hochverdiente Freiherr von Dietrich, Chef des Hauses gleiches Namens, welcher seit 30 Jahren eine zierde der großen Haͤuser genannt wird, da er bei jeder Krisis, welche dem Staate oder Handels⸗Stande drohte, so werkthaͤtig einschritt, stehen soll. Bereits sind zahlreiche Adressen an densel⸗ ben zu diesem Behufe eingelaufen, und Graf Kollowrath hat den noͤthigen Schutz des Kaisers und seine thaͤtige Mitwirkung auf eine Weise zugesagt, daß die Entstehung dieses großen Un⸗ ternehmens sehr nahe zu hoffen ist.

Rom, 20. Juni. (Hannov. Ztg.) Das im Ganzen zu⸗ nehmende Vertrauen zur Regierung hat neuerlich ein dem Papste zur Ehre gereichendes neues Motiv erhalten. Ein junger Ver⸗ wandter Gregor's XVI. machte eine kleine Reise durch Italien. Von Neapel zuruͤckkehrend, verweilte er in Rom wieder einige Tage; aber ungeachtet es von einigen Seiten her nicht an schmeichelnden Zureden mangelte, den Juͤngling hier zu be⸗ holten, hat Se. Heiligkeit es nicht erlauben wollen, und der junge Reisende ist in sein Vaterland, nach Ober⸗ Nalien, schon wieder zuruͤckgerest. Seit dem Anfange des gegenwaͤrtigen Jahrhunderts hat das vormals so sehr beschrreeene Nepotenwesen ganz aufgehoͤrt. Pius VII. und

ius VIII. erlaubten keinem ihrer Verwandten, nach Rom zu ommen, und von Leo XII. ist nur ein Nepote, und zwar in mäͤßigem Grade, beguͤnstigt worden, der Msgr. della Genga, welcher so eben die Paͤpstliche Condolenz und Gluͤckwuͤnsche nach ien zu uͤberbringen hatte. Und dieser wird ohne Zweifel in

einer der naͤchsten Kardinals⸗Promotionen begriffen seyn; denn

nach einer alten Observanz erheben die Paͤpste zu dieser Wuͤrde beguͤnstigten Nepoten ihrer Vorgaͤnger.

Seit einigen Wochen kreuzt (wie bereits erwaͤhnt) eine Por⸗ tugiesische Korvette in der Naͤhe von Fiumicino, ohne Zweifel um den Infanten Dom Miguel zu beobachten, welcher sich in dem Landhause des Signor Mengacci, unweit dieser Stadt, auf⸗

t. Der Prinz aber ist auf der Jagd, die er mit dem aͤltesten

ohne dieses Lieferanten treibt, und dem Vernehmen nach feh⸗ len ihm die Mittel zu irgend einer Unternehmung, welche ihn ber die Graͤnzen hinausfuhren wuͤrde. 9

TXUrkel

Von der Serbischen Graͤnze, 27. Juni. bsch war mit seiner Gemahlin gestern in der Quarantaine von Semlin ganz unerwartet incognito eingetroffen, um seine Toch⸗ ter, welche an Herrn von Paik dort vermaͤhlt ist, zu sehen. Nach einem Aufenthalt von einigen Stunden, welche bloß dem gamilienleben gewidmet waren, kehrte er von der Quarantaine aus nach Serbien zuruͤck. Seitdem heißt es allgemein, daß er die Reise nach Konstantinopel unverzuͤglich antreten wolle, und daß er sich deshalb bei seiner Tochter beurlaubr haͤtte. 8 Reisende, welche aus Larissa eintreffen, erzaͤhlen, daß sich ort im Maͤrz d. J. gegen 80 Bayerische Deserteurs aus der wegend von Aus einfanden, welche den Islamismus annah⸗ starn und dort Handthierung treiben. Ihre Anzahl soll sogar nich er gewesen seyn, allein es hatten sich Mehrere nach Salo⸗ dal begeben, wo sich die Fraͤnkischen Konsuxln, um dem Skan⸗

ein Ende zu machen, veranlaßt fanden, ihre schnelle Fort⸗

r geben nunmehr ebenfalls

Fuͤrst Mi⸗

schaffung zu betreiben. Der Abfall vom Christenthume hat die⸗ sen Ankoͤmmlingen den Haß der Griechischen Bevoͤlkerung so sugezagen, daß es in Larissa oͤfters Excesse zwischen densel⸗ en giebt.

Smyrna, 10. Juni. Seeit gestern hat sich kein neuer Pestfall hier ereignet, und die ganze Bevoͤlkerung koͤmmt daruͤber zu Athem. Man hofft, daß dieses Uebel durch die ergriffenen

Vorsichts⸗Maßregeln hier im Keinmie erstickt werde.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 6. Juni. Dem New⸗York annual Re⸗ gister fuͤr 1835 zufolge, giebt es im Staate New⸗York 1830 Geistliche der verschiedenen christlichen Konfessionen, naͤmlich: Presbyterianer und Congregationalisten 562, Baptisten 442, Me⸗ thodisten 402, Episcopalen 181, Hollaͤndische Reformirte 116, vereinigte Reformirte 23, Lutheraner 30, verschiedene andere Sekten 74. Die Zahl der Advokaten und Anwalte betraͤgt 2052, die der Aerzte 2650. Die Miliz des Staates besteht aus 186,212 Mann, naͤmlich 7225 Mann Kavallerie, 1271 Mann reitender und 11,395 Mann Fuß⸗Artillerie, 163,301 Mann Infanterie und Jaͤger, und 50 Compagnieen Artillerie zu 3019 Mann, welche der Infanterie bestaͤndig oder fuͤr die Zeit der Inspektion beigegeben sind. Die Kanaͤle des Staates New⸗ York haben zuͤsammen eine Laͤnge von 548 Englischen Meilen und brachten im Jahre 1833 an Zoͤllen die Summe von 1,463,715 Dollars 22 Cts. ein.

Aus dem Bericht der New⸗Yorker Gesellschaft zur Verbrei⸗ tung der Sonntags⸗Schulen geht hervor, daß es jetzt 67 Schulen dieser Art in dem genannten Staate giebt, wobei 965 Lehrer und 1030 Lehrerinnen beschaͤftigt sind. Die Zahl der Schuͤler betraͤgt 13,308, naͤmlich: 5,502 weiße Knaben, 382 far⸗ bige Knaben, 131 farbige Maͤnner, 6542 weiße Maͤdchen, 578 far⸗ bige Maͤdchen und 273 farbige Frauen. 63 von diesen Schulen haben Bibliotheken, die 21,875 Buͤcher enthalten.

Die Zahl der oͤffentlichen Schulen betraͤgt, mit Einschluß von 23 Primair⸗Schulen, 55, mit 13,897 Schuͤlern, naͤmlich: 7354 Knaben und 6543 Maͤdchen, worunter 611 farbige Knaben und 631 farbige Maͤdchen.

Die Nachricht von der Annahme des Entschaͤdigungs⸗Gesetzes durch die Franzoͤsische Deputirten⸗Kammer erregte in New⸗Bed⸗ ford, im Staate Massachusetts, sehr große Freude, indem sich nun die Aussicht auf ungestoͤrten Fortgang der Fischerei darbie⸗ tet. Es wurden zur Feier dieses Ereignisses 152 Kanonenschuͤsse abgefeuert einer fuͤr jede Stimme der Majoöritaͤt der Depu⸗ tirten⸗Kammer.

Suͤd⸗Amerika.

Es sind in London Zeitungen aus Bogota und Carac⸗ cas angekommen, von denen die ersteren bis Ende Aprils und letztere bis zum 12. Mai reichen. Die Zeitung aus Venezuela enthaͤlt eine lange Korrespondenz uͤber einen Gegenstand, der fuͤr die Britischen Inhaber von Columbischen Obligationen von gro⸗ ßem Interesse ist. Als die Columbische Regierung die Anleihe in England kontrahirte, wurden gewisse Einkuͤnfte zur Zahlung der Zinsen und Einloͤsung des Kapitals verpfaͤndet, und bei der Theilung dieses Staates in drei unabhaͤngige Republiken wurde Venezuela fuͤr seinen Antheil an den Verpflichtungen, welche die Regierung des ganzen Landes eingegangen war, verantwortlich. Nichts destoweniger wurde im April dem in Caraccas versam⸗ melten Kongreß ein Dekret zur Konsolidirung des von Venezuela uͤbernommenen Theils der inneren Schuld Columbiens vorgelegt und zu ihrer Liquidirung Einkuͤnfte angewiesen, worauf die In⸗ haber. Columbischer Obligationen die naͤchsten Anspruͤche ha⸗ ben. Die Ungerechtigkeit, welche durch die Annahme dieses Dekrets wuͤrde begangen werden, ist klar auseinandergesetzt in einem Memoir, welches die Herren Powles, Ward und Comp. in La Guayra, Agenten der Britischen Glaͤubiger, dem Briti— schen Konsul in Caracas, Sir Robert Kerr Porter, uͤberreich⸗ ten, und dieser hat in einer Note an den Minister der auswaͤr⸗ tigen Angelegenheiten in Venezuela, Señor Michelena, nachdruͤck⸗ lich die Anspruͤche der Obligationen⸗ Inhaber unterstuͤtzt. Die Entscheidung der Regierung ist noch nicht bekannt, da die Zei⸗ tungen die Antwort des Ministers noch nicht enthalten. In Folge einer Meinungs⸗Verschiedenheit zwischen dem Kongreß und der exekutiven Gewalt sandte der Praͤsident der Republik, Senor Vargas, am osten eine Botschaft an den Kongreß, die seine Resignation enthielt. Am folgenden Tage zog der Kongreß die Botschaft in Erwaͤgung. Es waren 44 Deputirte zugegen, von denen 14 fuͤr und 30 gegen die Annahme der Resignation stimm⸗ ten. Darauf wurde eine Kommission ernannt zur Entwerfun einer Antwort an den Praͤsidenten und ihm diese sogleich vürch eine Deputation uͤbersandt. Der Praͤsident, welcher gefuͤrchtet zu haben scheint, daß sein moralischer Einfluß auf das Volk durch die zwischen ihm und der legislativen Gewalt entstandenen Differenzen geschwaͤcht werden moͤchte, fand jede Besorgniß der Art durch die Entscheidung des Kongresses widerlegt. Er er⸗ klaͤrte darauf, daß er der Ausuͤbung seiner Amts⸗Pflichten jedes persoͤnliche Opfer zu bringen bereit sey und nahm seine Resigna⸗ tion zuruͤck. Die Kammern vertagten sich darauf, indem der 30ste der zum Schluß der Session bestimmte Tag ist. Bogota⸗Zeitungen melden, daß der Senat am 21. April die am 23. zwischen Neu⸗Granada und Venezuela abgeschlossene Uebereinkunft, in Betreff der Anerkennung und Theilung der aktiven und passiven Schuld Columbiens, genehmigt und an die Kammern der Revpraͤsentanten uͤbersandt habe. Die buͤrgerlichen Streitigkeiten und blutigen Kaͤmpfe, welche die Re⸗ publik Aequator so lange Zeit verwuͤstet haben, sind durch den Sieg der einen Partei beendigt. Senor Rocafuerte ist an die Spitze der Regierung gestellt und hat einen National⸗Konvent zur Entwerfung einer Constitution zusammenberufen. Diese aus 45 Mitgliedern bestehende Versammlung sollte ihre erste Sitzung am 1. Mai halten.

Janlagg Berlin, 11. Juli. Bei der Wiederbesitznahme der das Großherzogthum Posen bildenden Gebietstheile befanden sich in demselben noch 47 Manns⸗ und 10 Frauen⸗Kloͤster, naͤmlich im Posener Departement 31 Manns⸗ und 7 Frauen⸗Kloͤster, im Bromberger Departement 16 Manns⸗ und 3 Frauen⸗Kloöͤster. In ihnen waren vorhanden 454 Moͤnche und 119 Nonnen, zu⸗ sammen 573 geistliche im Kloster lebende Personen, welche in Ansehung der Kloster⸗Regel und der Anzahl folgendermaßen ver⸗ theilt waren: In 2 Benediktiner⸗Kloͤstern 35 Moͤnche, in 10 Bernhardiner⸗Kloͤstern 89, in 4 Karmeliter⸗Kloͤstern 39, in 1 Kloster Canonicorum regularium Lateranensium 10, in 6 Cistercienser⸗ Kloͤstern 94, in 5 Dominikaner⸗Kloͤstern 50, in 7 Franziskaner⸗ Kloͤstern 53, in 1 Kreuzherren⸗Kloster 3, in 1 Piaren⸗Kloster 3,

in 1 Philippiner⸗Kloster 18, in 8 Reformaten⸗Kloͤstern 57, in 1

stehen, den Conventualen aber also diese Anstalten si der selbst aufloͤsen w gestorben, andere, auf wenige Indivi aber uͤber das Ver worden, daß die d ten Kapitalien schle Absolvirung dieser M gens⸗Substanz aber t

Trinitarien⸗Kloster nediktinerinnen⸗Kloste in 2 Cistercienserinne in 1 Norbertinerinnen⸗Kloster 20 6, zusammen 119 Nonnen. in einem Alter unter 20 ren 76, von 30 40 Jahren 65, von 40 50 60 Jahren 123 Jahren 44, von 80 90 Jahren 10 war 92 Jahr alt. 9. August 1816 wu die durch Ster nicht wieder ersetzt werden sollten, ich durch successiven Abgang ihrer rden.

Vikarie die

vermacht.

Zucker.

1694

Auslande

waͤrtigen Im lichem Belang gewesen. 1425 Ctr. Branntwein, Tonnen Haͤring, 332 Ctr. Oel, 119 Ctr. Pfeffer, 551 Ctr. 1071 Ctr. Schwefel, 4055 Ctr. 2421 Ctr. Thran, 13,994 Ctr. Wein und An Getraide sind nur 1953 S 57 Seeschiffe mit Holz 59,139 Kubikfuß eichenem Schiffsbauholz Ring Staͤben, 3661 Stuͤck Balk

In den Haͤfen des Regierungs⸗ auf der Rhede bei Leba kamen im und 42 gingen von dort wieder in See. tikel bestanden a) vom Auslande in 389 Haͤring; b) vom Inlande

dagegen sind

Tonnen und zwei, ihrer gen Roggen und Weizen, wurden verschifft 479 Klafter dem Inlande

1u1“

ist gut konservirt;

Zusammenlegen ent indessen verraͤth der Einschnitt unten am Schrift ist voͤllig derjenigen gleich, schlands gefunden wird, und das und geographischer Hinsicht gleich estimmungen, die im Jahre che noch vorhandene 23 Klbö⸗ ihr Personale bis auf 111 Jahren aufgehoben und die

angebracht war. in gleichzeitigen Urkun Dokument selbst in historischer merkwuͤrdig. Na 1833 ergangen sind, sollen saͤmmtli ster, nachdem, wie oben erwaͤhnt, Individuen ausgestorben, binnen 3 verschiedenen Bestandtheile von Bildungs⸗Anstalten fuͤr vinz verwendet werden.

Ctr. Leinwand; nach Butter, Knochen,

1835. 10. Juli.

Die

Durch die Allerh rde bestimmt,

von 60 70

Nonnen, in 1 K

Seitdem sind

zusammen 454 Moͤnche; r 16

n-⸗Kloͤstern 30,

8

ferner: in 1 Be⸗ atharinen⸗Kloster 7,

in 4 Klarissen⸗Kloͤstern 40, in 1 Theresianerinnen⸗Kloster Von diesen 573 Personen standen Jahren 21, von 20 30 Jah⸗

50 Jahren 119, von

Jahren 114, von 70— 80 Personen, und eine Nonne oͤchste Kabinets⸗Ordre vom daß die Kloͤster einstweilen be⸗ befall oder sonstiges Ausscheiden abgehen⸗

wodurch Mitglie⸗ mehrere Kloͤster aus⸗

nach Absterben ihres Personal⸗Bestandes bis duen aufgehoben worden, in beiden Faͤllen ist moͤgen eines jeden Klosters dergestalt disponirt

cht dotirten

essen uͤbereignet,

1 1 11. zu milden Stiftungen, richtung der Kranken⸗Anstalt der grauen Schwestern in Posen, theils zur Ausbreitung,

Befoͤrderung und Vervo

in der Seelsorge gesorgt worden war. waren noch vorhanden im Posener loͤster mit 44 Moͤnchen, 4 Nonnen⸗ ; im Bromberger Departement 6 Moͤnchs⸗ n, 3 Nonnen⸗Kloͤster ihnen befanden sich 13 Moͤnche wischen 80 90 und 1 von 96 Jahren; zwischen 80 90 Jahren. von den Nonnen 2 seit 50 60 Geluͤbde abgelegt und von 2 Nonnen war

es 1834

chen⸗ und Schulwesens verwendet wurden, stenz der noch uͤbrig gebliebenen Konventualen durch Bewilligung angemessener Pensionen und der den Kloͤstern oder

Schlusse des Jahr Departement 10 Moͤnchs⸗K Kloͤster mit 31 Nonnen Kloͤster mit 25 Moͤnche sammen 111 Individuen. Unter zwischen 70 80, 2 z 3 Nonnen zwischen 70 80 und 3 Von den Moͤnchen hatten 10, Jahren ihr Kloster⸗ dies seit laͤnger der noch bestehenden Kloͤster Chorherren des Augustiner⸗

als 60 Jahren geschehen.

duͤrften das

arunter begriffenen, mit Seelenmessen belaste⸗ Pfarreien mit der Verpflichtung zur die uͤbrigen Theile der Vermoͤ⸗

namentlich zur Er⸗

llkommnung des Kir⸗ nachdem fuͤr die Exi⸗

en Unterbringung in noch bestehen⸗

Am

mit 11 Nonnen, z

Die beiden aͤltesten Kloster der regulirten

Ordens (Canonicorum regularium La- teranensium) zu Trzemeszno und das Benediktiner⸗Moͤnchs⸗Klo⸗ ster zu Mogilno im Bromberger Depar tern bereits im Jahre 1068, also weni des Christenthums in Polen, ansehnliche Herzog Boleslaus geschenkt w kungs⸗Dokument, datirt lesimo sexagesimo octavo idus Aprilis mit wenig Abreviaturen und

tement seyn, welchem letz⸗ g Jahre nach Einfuͤhrung

Laͤndereien von dem

urden. Das noch vorhandene Schen⸗ de anno incarnationis dominical mil- in Ploze, ist auf scharfen Schriftzuͤgen geschrieben. Es

½ 8

Pergament

nur auf einer Zeile hat es durch eine beim

Der Kaufmann J. C. dortigen Lamberti⸗Pfarrkirche zu Summe von 5000

beck zu Warendorf haben dem d

Wenngleich der Schiffs⸗ nicht unbedeutend erscheint, inde 111 Schiffe einschließlich 83 bela einschließlich 9l beladenen von porte Stettins verhaͤltnißm

Quantitaͤt na

den Deut

ch den neuesten B

standene Reibung gelitten; Rande den Ort, wo es

ihres Vermoͤg die katholische

* G

Rthlr., und

da ausliefen

Es 337 Ctr. Bier, Kaffee, 106 Ct Reis,

aus

Stangen⸗Eisen,

531

Leinwand ꝛc.

das Siegel fehlt, welche

ens zur Ausstattung Geistlichkeit der Pro⸗

Thering zu Muͤnster hat der r Errichtung einer Curat⸗Blut⸗

die Geschwister Aver⸗

asigen Armen⸗Fonos 700 Rthlr.

Verkehr im verflossenen Monat müin den Hafen zu Swinemuͤnde denen eingingen und 116 Schiffe

„so sind doch die see⸗

aͤßig nicht von erheb⸗ wurden naͤmlich nur eingefuͤhrt: 4377 Ctr. Eisen, 2893

r. Kupfer, 1649 Ctr. 17,994 Ctr. Rosinen,

Syrup, 1279 Last Steinkohlen,

14,971 Ctr. roher

cheffel ausgefuͤhrt worden,

gegangen, welches in und Planken, 1035

een und 1657 Last Bohlen bestand.

Bezirks Coͤslin und

Monat Juni 38 Schiffe an Die

aupt⸗Einfuhr⸗Ar⸗ Schffl. Roggen und

Wein ꝛc. Nach dem Brennholz und 279 Ctr. Eisen, 150 Ctr.

Meteorologische Beobachtung.

6 Uhr.

Morgens

Nachmittags

2 Uhr. V

Abends 10 Uhr.

Nach einmaliger Beobachtung.

Luftdruck.... Luftwärme.. Thaupunkt .. Dunstsättig..

Wolkenzug..

336,69“ Par. 13,8 ° R. 10,20

76 pCt.

Tagesmittel:

336,07" Par...

““

993. 39 27 .

1

Kanz-Bill. 25 ½¼.

EWI11

St. Petersburg, Lond. 10 ½ ½. Amsterdam —. Kub. 357 ½. 5 Silber-Rub. 102.

336,34“ Par.

22,4 ° R. H ehin 47 pCt. heiter. SW. WSW.

regnig.

17,2 °

bG.ec Auswurtt ge Börsen. Amsterdam, 6. Juli. Niederl. wirkl. Schuld 56 9.. 4 ½ 9 Amort. 95 Preuss. Präm.-Scheine 108.

3 ½ 8 80 . do. 48 ℳ;q 928 Hamb*27.

335,170 Par. 15,4° R. 10,9 °R. 71 vCt.

59 do. 101

Quellwärme 7,2 °R. Flußwärme 17,6 ° R. Bodenwärme 13,2 ° R. Ausdünstung 0,099“Rh. Niederschlag 0,027 Rb Uvachtkäͤlte 13,4 °

11,1 ° R.. 65 —t.

4

9

8 ier

usg. Schuld —8. v;ss. 992. Oesterr. —. Span. 5 9 42.

uli

Paris 111 ¼. Silber

in 15,238 Schffl. ch nicht angegebenen Schiffs⸗Ladun⸗