prraktischen Brauchbarkeit,
11“”“;
der Tod des Individuums seine Grundlage, die Verwandtschaft, naͤber die Descenbenz — die Geburt. .
ziehung zur Familte als sein Haupt⸗Interesse, und durch diese umfaßt es die Betrachtung des Staates, so in das Gesammtleben des Vol⸗ kes eingreifend und darin seine Erklärung und Berechtigung sindend. Was der Willkuͤr des Individuums auf sein Eigenthum, als sein Recht,
. fret rechtes, die des Testamentes, in der namentlich die Freiheit als lei⸗!
““
die einen lebhaften Geist, vorzuͤgliche Kenntnisse und einen unermuͤdlichen Arbeitseifer zur Grundlage hatte, den liebenswuͤrdigsten Charakter, der in reiner, kraͤftiger Gesinnung und groͤßter Bescheidenheit sich aussprach, so daß er im Leben die innigste Zuneigung, im Tode aber die unbeschraͤnk⸗ teste Betruͤbniß Aller, die ihn kannten, erwarb. — Er und sein ungluͤckliches Schicksal werden hier lange in wehmuͤthiger Erin⸗ nerung bleiben.“
Literarische Nachrichten.
Das Erbrecht des Mittelalters. Zweiter Theil. Von Dr. Eduard Gans. Auch unter dem Titel: das Erb⸗ recht in weltgeschichtlicher Entwickelung. Vier⸗ ter Band 714 S. in 8. Stuttgart, Cotta, 1835.
„ Je staͤrker in unseren Tagen der Gegensatz der reinen Fach⸗ Gelehrsamkeit zum geistvollen Raisonnement hervortritt, und je eltener die Fruͤchte der erstern, je vergaͤnglicher die Bluͤthen des letztern zu werden beginnen, um so freudiger muͤssen wir die Fortsetzung eines Werkes begruͤßen, dessen kraͤftige und gesunde Reife ihm nicht ein bloßes ephemeres Daseyn, sondern eine le⸗ bensvolle Dauer auch bei den Nachkommenden sichert. Streit der philosophischen und historischen Rechtsschulen hat das Verdienst, diesem Buche das Daseyn gegeben zu haͤben, wie das Hervorgehen des Besten uͤberhaupt der Anspannung der
senschaft zu verdanken ist. Die pbilosophische Schule hatte nie we⸗ der die Benennung, welche von den Historikern ausging, noch die Unterschiede des Gegensatzes, welche dieselben Gegner fesistellten, bil⸗ ligen koͤnnen; da Fesör sich jenen Gegensatz uͤberhaupt nicht an⸗ erkannte. Leicht mochte sie der Gegenpartei die zugestandene Wahr⸗ beit zugeben, daß es ihr an Philosophie mangele; sie selbst aber, weit entfernt von der Geschichte zu abstrahiren, um sich, wie man den Außenstehenden gern vorspiegelte, in selbst⸗geschaffenen abstrakten Prinzipien zu bewegen, betrachtete die Geschichte vielmehr als ihren eigenthuͤmlichen Boden, als die Verwirklichung der Idee des Rech⸗ tes, deren Erfassung allein sie sich hingab. Denn es ist uͤberhaupt der Charakter der modernen Philosophie, die Geschichte nicht als einen Abfall von der Idee zu betrachten, sondern als deren noth⸗ wendige Entwickelung; sie weiß, wie weit das Recht der Erscheinung gehbe, nur mag sie nicht, was das Zufaͤllige und Unwirkleche an der⸗ selben ist, als das Bestimmende und Leitende gelten lassen. Sie wuͤrdigt und erkennet den Werth und die Selbststaͤndigkeit der ein⸗ elnen Voͤlker und ihrer Leistungen, nur mag sie dieselben nicht in ihrer Vereinzelung erfassen, oder glauben, daß irgend eine große
Sphaͤre des Lebens mit einem Volke so sehr abgeschlossen sey,
daß die Nachkommenden nichts Besseres zu thun vermoͤchten, als im heiligen Anschauen das Fruͤhere zu bewundern. Nein, ihr ist die Ge⸗ schichte vielmehr ein ewiges nothwendiges Fortschreiten des Geistes, eine ewige Erweiterung seiner Offenbarung, und dies auch im Ein⸗ zelnen zu begreifen, und dies kunstvoll darzustellen, ist die wahr⸗ bafte Aufgabe des Historikers. Und das Recht, jene großartige Seite des Voͤlkerlebens, sollte sich diesem Zusammenhange entzie⸗ hen? das Recht, das Gepraͤge des religidsen, moralischen und staatli⸗ chen Standpunktes der Nationen, sollte der Zufaͤligkeit der Erscheinung anhelmfallen oder seinem Begriffe nach in einem Volke als abgeschlossen auftreten, und nicht vielmehr jener bedeutenderen Auff ssung der Ge⸗ sammtgeschichte sich unterwerfen, so daß der Fortgang, den ein Volk uͤberhaupt in der Entwickelung der Idee darstellt, auch den Fortgang, welchen der Rechtsbegriff gewonnen hat, bezeichne? Diese Gedanken, zum Theil lange ausgesprochen, ehe die moderne Philosophie sie in ihrer Nothwendigkeit nachwies, waren wenig geeignet, Anklang bei den Juristen zu anden, die fest gebannt im Roͤmischen Rechte, einer⸗ seits ihr Auge nicht an die Weste der Aussicht gewoͤhnen konnten, welche die Universalrechts⸗Geschichte eroͤffnete, andererseits vor einem Unternehmen zuruͤckhebten, welches das Eingehen in die Sitte, Sprachen und Literatur einer Menge von Voͤlkern verlangte, die, weil nicht Rbmisch, den Meisten eine barbarische terra incognita waren. Und doch war auf dieser Seite das Pochen auf Gelehrsam⸗ keit, z. B. gegen Montesquleu, an der Tagesordnung, freilich nur in dem Sinne, daß man unter ihr die mikrologische Kenntniß
einzelner Details oder das Verbessern kleiner Irrungen verstand, 9 4
welches die fruͤheren Heroen, wie Gothofred, Cujas u. A. allein uͤbrig gelassen hatten. Solchem Anspruch gegenuͤver gebuͤhrte es den philosophischen Juristen, zu zeigen, wie sehr ein umfassendes Wissen, wie sehr die Wuͤrdigung der Einzelnheit der Betrachtung der Rechtswissenschaft in ihrem Sinne erforderlich sey. 1 Grundzuͤge nicht fuͤr bloße Arstractionen gelten, so mußten sie an
der Geschichte der Voͤlker, an ihren Institutionen und Rechten bis 1 ve- Detail nachgewiesen und so jener Vorwurf des
Umherschwankens in Prinzipien, denen die historische Basis fehle, von
Hrunde aus zernichtet werden. Daß Gans dies unternommen und Se Werke zum Theil vollendet, muß jeden, dem es mit — Lucas: Isidor, als letzte Gastrolle.) Und vielleicht moͤchte es scheinen, daß es dem ausgesprochenen Zwecke angemessener gewesen waͤre, nicht einen Theil des Rechtes, sondern die ganze Universalrechts⸗Geschichte in jener Weise zu bearbeiten.
der Wissenschaft Ernst ist, zugleich mit Freude und Dank erfuͤllen.
Allein wir glauben, daß der feine Takt, welcher den Verf. in allen seinen öffntlichen Leistungen stets das Angemessene und dem Mo⸗
nt Entsprechende finden laͤßt, ihm auch hier das Richtige und — Pent, bn sor Fime Denn eine Uiniversalrechts⸗Ges bichte wuͤrde weder
ein Eingehen in die aͤußerste Genauigkeit gestattet haben, welche wesent⸗
lich erfo derlich war, um jenes Vorurtheil zu zerstoͤren, noch wuͤrden jene V allzemeinen Gedanken auch jede einzelne Institution so haben beruͤhren koͤnnen, wie dies ein beschraͤnkterer Stoff erlaubt, wo der Blick sich nicht
so leicht in der Breite der Mannigfaltigkeit verliert. Und welcher
2⁄ . 2 ¹ 1 . 1 7 R 7 8 5E Thyeil des Nechtes war wohl geeigneter, als der vom Verf. gewaͤhlte; Goldgrotte“ erst morgen gegeben werden. Die dazu bereits ver⸗
kauften, mit „Donnerstag“ bezeichneten Billets bleiben
rbrecht hat seinen Boden in der Familie, der Wurzel des HanrEnn Lebens. Sein Beginn ist die Aufldsung der Familie —
So enthaͤlt es die stete Be⸗
gegenuͤber der Nothwendigkeit der Ratur aus dem Bande der Familie gegenubertreten kann, bildet die andere unterschiedene Stite des Erb⸗
tendes Prinziv sich geltend macht. So birtet denn der Stoff den
Vortheil, alle großen Kreise des Daseyns und der Kultur der Vdl⸗
u beruͤhren, obhne der sorgsamsten Vecfolgung des eigentlichen ve zanefe⸗ bindernd entgegenzutreten. Dieser Stoff nun is so echt
wissenschaftlich, mit solcher Klarheit spekulativen Bewußtseyns ge⸗
gltiedert, daß man alsbald der ljeberzeugung wird, dee Verf. habe nicht nur das Gebiet der Philosophie der Geschichte nach den Studien unserer neuesten Philosophen durchmessen, sondern thaͤtig und selbststaͤndig beigetragen, viele Seiten desselben aufzuklaͤcen, und viele Bestimmun⸗ gen, die eben nur aus genauer Kenntniß des Rechtes sich ergeben vonnten, hervorzuheben und aufzuzeigen. Vor nun 11 Jah⸗ ren mit den Staaten des Orients beginnend, wo das Recht noch nicht gelbst ist von dem Charakter des Religidsen, hat er in fortgesehtem Studlum das Werk durch Griechenland und Rom bis zu der Disferenz und der Vereinigung des Rbmi⸗ schen und Germanischen Rechtes im Mittelalter durchgefuͤhrt, nirgend mit den vorgefundenen Behandlungen sich befriedi⸗ end, sondern durch die Muͤhseligkeit der fremden verschiedensten prachen zu den Quellen vö welche oft noch unbekannt — wie z. B. fast durchaus im Spanischen Rechte — auf Reisen erst aufgesucht und bearbeitet werden mußten. Und fragt man, wie es den b ches Materlal zusammenzubringen, sondern auch zu baͤn⸗ , C 19* “ I “ 1 4 “
nicht nur
Der
Lustdruck. 338,25“ Par. 338,18“„Par. 337,860 Par.
Dunstsättig.ü Wetter.
Sollten jene
bleibt, wie der Staat die Familie schuͤtzend, solcher Willkuͤr
raͤften eines Einzelnen gelingen koͤnne, ein so umfangrei⸗
digen, so sind es vorzuͤglich zwei Eigenschaften des beruͤhmten Ver⸗ fassers, denen wir mehr oder minder in allen seinen Schriften be⸗ gegnen, die hier in Betracht kommen. Die eine ist die, daß ihm die Dinge, wie etwa Rechts⸗Institutionen oder Rechtsquellen u. s. w. stets von vornherein als Ganzes in ihrer wahren Wesenheit erscheinen, zumeist, ohne daß er einer muͤhsamen Combination und einer aͤngstlichen Kritik beduͤrfe; die andere, die mit jener einen gleichen Boden in der plastischen Anschauung des Verfassers hat, daß die Darstellung einzelner Theile genuͤgend süt, ihm das Ganze in wahrhafter Lebendigkeit vorzufuͤh⸗ ren. Hierdurch aber erlangt die schriftstellerische Leistung, außer der Sicherhett und Raschheit der Bearbeitung, zugleich eine Frische und Urspruͤnglichkeit der Darstellung, die den Verfasser vortheilhaft vor den meisten Deutschen Schriftstellern auszeichnen, und auch die ge⸗ lehrtesten Forschungen jener Eintoͤnigkeit und jener Sterilitaͤt ent⸗ heben, welche die Benutzung zu einem wahrhaft muͤhsamen Durcharbeiten machen. Es weht uns namentlich aus den allgemeinen Charakteristiken und Voͤlker⸗Darstellungen eine Frische des Styles entgegen, und zugleich eine so lebendige oratorische Gewalt, daß wir zumal in den beiden letzten Baͤnden an die besten Franzbͤsischen Muster erinnert werden. Denn sichtbarlich ist seit den ersten Baͤnden, in denen die Sprache der Schule hin und wieder noch als eine Fessel druͤckt, die kuͤnstlerische Darstellung des Verfassers unendlich fortgeschritten, und wir duͤrfen wohl an⸗ nehmen, daß, wie unter uns Deutschen die klassische Dietion der bei⸗
den Humboldt's, so namentlich die Franzoösische Weise, das Gelehrte
auch der Schoͤnheit der Sprache zuruͤckzugeben, vorgeschwebt habe. Fassen wir nun zusammen, welcher Schritt durch das vorliegende Werk gethan
8 Je us n ir wieder daß die Grundzuͤge der Universalrechts⸗ Kräͤfte, welche düͤrch Kampf erzeugt wird, im Leben wie in der Wis⸗ sey, so muͤssen wir wiederholen, daß die Grundzuͤg s
Historie, der Fortgang des Rechtsbegriffes in seiner Wanderung von Volk zu Volk, von Zeit zu Zeit, seine Beziehung zur allgemeinen
Geschichte, seine Unterschiede in den verschiedenen Voͤlker⸗Individua⸗ litaͤten fast wissenschaftlich begruͤndet und mit einer Gelehrsamkeit
durchgefuͤhrt worden, die in ihrer umfassenden Weite den Gegnern wohl eher Gelegenheit zur einzelnen Ruͤge, als Lust zu einem ernsten wissenschastlichen Kampfe, welcher in die Kraft des Gegners ein⸗ ginge, bereiten moͤchte. Und so duͤrfte das Werk nicht dem engen Kreise juridischer Leser angehbren, sondern vor allen dem Historiker, der mit philosophischem Geiste die innere Entwickelung des Voͤlker⸗ Lebens zu seinem Objekte macht. Uns wenigstens scheint mit Thi⸗ baut diese Weise der Behandlung allein zur wahrhaften v Rechts⸗Geschichte zu fuͤhren, nicht jene muͤßigen todten Sammlun⸗ gen von Lehrer⸗ und Buͤchernamen, nicht jene Anhaͤufung bibliogra⸗ phischer Notizen, die, unbekuͤmmert um das Leben des Rechtes im Volke, den Schein einer Gelehrsamkeit annehmen koͤnnen, aber jedes lebenskraͤftizen Hauches, jeder Bluͤthe, jeder Frucht durchweg ent⸗ behren. Sind Euch nur jene beiden Wege gegeben, pruͤfet, welcher Euch gefoͤrdert; an ihren Fruͤchten sollt Ihr sie erkennen.
Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.
1835. 21. Juli.
Quellwärme 7,4 ° R. Flußwärme 19,0 °R. Bodenwärme 14,9 °R. Ausdünstung 0,211“„ Rh. Niederschlag 0,018“ Rh. Nachtkälte 12,2 °R. Nachm. 5 Uhrklein Gew. 12,3 °R. 70 pECt.
14,9 °R.
12,02 R. 81 pCt. heiter. NW.
23,1 ⸗°R. 12,3 °R. 47 pCt. heiter. Wind NO. Wolkenzug. . ONRO. Tagesmittet: 338,06“„ Par. 17,729 R... Auswürtige Börsen. Amsterdaum, 17. Juli. Nieqderl. wirkl. Schuld 56. 58 do. 101 ¾. Kanz-Bill. 25 urv. 41½1 8 Amort. 94 ½ 3 ½ 8 79 ⅔ 99 ½ Preuss. Präm.-Scheine 106 do. 48 Anl. —.
15,2 ° R. 12,0 °R. 82 v„Ct. heiter. NO.
Luftwärme.. Thaupunkt..
——
Ausg. Schald —. Russ. 99 ½ Oesterr. Span. 5 8 41¼.
Antwerpen, 16. Juli. 40% Zinsl. 17 ⅞ Cortes 36 Belg. 100 ½. London, 17. Juli. Cons. 33 90 ½⅛. Belg. 100. Spau. Cortes 49 ¼. Obl. v. 1834 46 ¼ Zinsl. 13 ½. Ausg. 22 ¾. 2 ½ 8 Holl. 54 ½. 59 do. 101 ¼. Port. 59 38 60 ¼. Engl.-Russ. 109. Bras. 86. Columb. v. 1824 37 ½. Mex. 37 ½. Peru 30 ¼. Chüi 46 ½. 3 St. Petersburg, 14. Juli. Lond. 10 ¾ z3. Amstercdam 53 ¼. IHlamburg 9 ½½ UKub. 370 ½.
Span. 58 Neue
Spau. Anl. 50 ¼.
Coup. 22 ¼.
Paris 111. Silber-
Wien, 17. Juli. 49 98 Neue Anl. 580.
Köoöniagliche Schauspiele. Donnerstag, 23. Juli. Im Schauspielhause: lga, Trauerspiel in 5 Abth., von E. Raupach.
59 Met. Bank-Actien 1329. 81
102
Isidor und (Hr. Karl
Freitag, 24. Jult.
Gastrollen.)
Koͤnigstaͤdtisches Theater. Donnerstag, 23. Juli. Welcher ist der Braͤutigam? Lust⸗ spiel in 4 Akten. Vorher: Ein Mann hilft dem andern, Lust⸗ spiel in 1 Akt. Wegen eingetretener Hindernisse kann das Zauberspiel: „die
n, 8 zum Frei⸗ tag guͤltig. Zur heutigen Vorstellung gelten die mit „Freitag“ bezeichneten Billets.
MNeueste Nachrichten.
Paris, 16. Juli. Der Koͤnig kam gestern Mittag zur Stadt, arbeitete nacheinander mit mehreren Ministern und dem Grafen v. Rigny, und kehrte um 5 Uhr nach Neutlly zuruͤck.
Gestern wurde ein Minister⸗Conseil bei dem Conseils⸗Praͤsidenten gehalten. Lord Granville und der Spanische Botschafter hatten gestern eine Conferenz mit dem Herzog von Broglie. Dieser erhielt auch Besuche von dem Oestreichischen Botschafter und dem Preußischen Gesandten.
In der gestrigen Sitzung des Pairshofes wurden end⸗ lich gegen 4½ Uhr die Angeklagten, 39 an der Zahl, eingefuͤhrt. Bald darauf traten auch die Pairs in den Saal und der Praͤ⸗ sident verlas den Beschluß des Gerichtshofes auf den letzten Antrag des General⸗Prokurators. Derselbe lautet im Wesentli⸗ chen dahin, daß, da die Halsstarrigkeit einiger Angeklagten den Lauf der Gerechtigkeit nicht hemmen koͤnne, der General⸗Pro⸗ kurator sein Requisitorium auch in Abwesenheit dieser Angeklag⸗ ten halten und eine Abschrift davon auf das Bureau des Praͤsidenten niederlegen solle, damit dieselbe jedem Einzel⸗ nen der abwesenden Angeklagten mitgetheilt werden koͤnne. Zugleich wird verordnet, daß, falls der Widerstand jener Ange⸗ klagten sich erneuern sollte, daruͤber ein Protokoll aufgenommen, und letzteres bei der Eroͤffnung jeder Audienz vorgelesen werden solle; erner, daß, nachdem die Vertheidigung der anwesenden Angeklagten vernommen worden, auch die abt sel⸗ “ 1 “ “
——
der zu verfolgen fortfahre, ohne jedoch
aus Algier vom 1sten d. M. hat die Nachricht, daß Marste
stoßen.
in Saragossa bekannt geworden. war die Stadt in großer Aufregung; der Buͤrgerkrieg, die ruhen in Catalonien und die Einfaͤlle der von Aragonien, aufzuregen.
kehr mit dem Feinde,
gen des 5. Juli sammelten sich die Urbanos von dem Constitutions⸗Platze und stießen ein drohendes Geschrei; gen die Geistlichkeit aus; sie riefen, das Volr
dazu waͤren.
Karthaͤuser⸗, das Kapuziner⸗ (von Cuvallada), das Dominikaner⸗, das Augustiner⸗ ster.
— smultuanten die Constitution von 1822 mei 3 Im Opernhause: Die Zauberfloͤte, große Flcahg. st 6”
Ovxer in 2 Abth. Musik von Mozart. (Hr. Schaͤfer, vom Stadt⸗ Theater zu Hamburg: Tamino, und Mad. Fischer, vom Groß⸗ herzogl. Badenschen Hof⸗Theater zu Karlsruhe: Pamina, als
mit:
ben Behufe vorgefuͤhrt werden sollen, und daß, falls sie sich ale dann abermals widerspenstig zeigen sollten, ein Protokoll daruͤben aufgenommen, und demnaͤchst zum Urtheilsspruche uͤber saͤmm liche Lyoner Angeklagte geschritten werden solle. Den Beschlu dieser Sitzung machte die Vernehmung einiger noch nachtraͤglic vorgeladenen Zeugen. — In der heutigen Audienz wurde u
naͤchst, in Ausfuͤhrung jenes Beschlusses, das Protokoll vorgelesen⸗ — das heute Morgen in der Conciergerie uͤber die entschieden Weigerung der daselbst befindlichen Angeklagten, sich zur Audim zu begeben, aufgenommen worden ist. Jetzt endlich hielt de
8
8 n22, n, a ee, aee veen
eitung.
den 24ten Juli
General⸗Prokurator Martin sein Requisitorium uͤber die all meinen Thatsachen, die dem Prozesse zum Grunde liegen. b folgte gegen 2 ½ Uhr sein Substitut, Herr Chegaray, der die’en zelnen Punkte durchging, bei dem Abgange der Post seinen No. trag aber noch nicht beendigt hatte.
In einem an das Journal de Paris gerichteten Sog ben berichtigen die 11 April⸗Gefangenen, die bei der Entweitg der uͤbrigen aus Ste. Pélagie zuruͤckgeblieben waren, einige n gaben jenes Journals in seinem Bericht uͤber die Flucht n Gefangenen. Falsch sey es, daß sie durch die Behoͤrde zurie gehalten worden seyen, da diese von der Flucht nichts gewußt sich doch erst nach einer Viertelstunde nach der Flucht geste habe, als erfahre sie dieselbe; sie waͤren zuruͤckgeblieben, weil die Ansicht der Entwichenen uͤber das Resultat, welches ein d cher Schritt fuͤr die republikanische Partei haben koͤnnte, ne getheilt haͤtten; falsch sey es ferner, daß Herr Kersausie von dem rektor den Schluͤssel zu dem Keller, von wo aus die Flucht; schehen, erhalten habe; der Direktor habe ihm denselben foͤrme verweigert, und eben so den Herren Sauriac und Beaumap die zusammen dies Verlangen an ihn gestellt gehabt.
Fuͤnf von den Kerkermeistern und Waͤchtern in Ste. Pöla Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime hat man verhaftet. Keiner von den entwichenen Aprilgefangen⸗ ath, Praͤsident der Haupt⸗Verwaltung der Staats⸗Schulden, ist bis jetzt wieder ergriffen worden. hef der Seehandlung und der Verwaltung fuͤr Handel, Fabri⸗
Briefe aus Oran berichten, daß öG Fese 2708g ation und Bauwesen, Rother, aus den Rhein⸗Provinzen.
ihn erreichen zu koͤnme — reist: Der General⸗Maijor und Inspecteur der 1 Mehrere Staͤmme haben den Bund mit Abdel äden gebroc ehngne ea, Ser E 1414“ 1I und sich den Franzosen angeschlossen. — Nach einem Schrin 8 8 w
Kronik des Tages.
Sec. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Geheimen Ober⸗Tri⸗ bunals⸗Rath Hanstein den Rothen Aoöler⸗Orden zweiter Klasse it Eichenlaub zu verleihen geruht.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem vormaligen Stadtrath Geidler zu Koͤnigsberg in Preußen den Rothen Adler⸗Orden bierter Klasse zu verleihen geruht.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Kaiserlich Russischen Dbersten von Wrangel, von der Garde⸗Artillerie, den St. Fohanniter⸗Orden zu verleihen geruht.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Unterofsizier Block es 6ten Kuͤrasster⸗ Regiments (genannt Kaiser von Rußland) die Rettungs⸗Medaille mit dem Bande zu verleihen geruht.
Berichtigung: Der zum Residenten bei der freien Stadt rakau ernannte Kaiserl. Russische Kammerherr, Freiherr von ngern⸗Sternberg, ist nicht von Warschau hier angekom⸗ en, sondern von hier dorthin abgereist, und ist hiernach die gestteige Meldung zu berichtigen.
Clausel zum Gouverneur der Kolonie bestimmt sey, dort gn Freude erregt. Dieses Schreiben erwaͤhnt auch eines Geruͤch wonach bei Oran ein Treffen stattgefunden haben soll, in welche Abdel Kader 400 Mann verloren haͤtte.
Einer telegraphischen Depesche aus Bayonne zufolge, der heutige Moniteur mittheilt, waren am 13ten d. M zh Englische Freiwillige in St. Sebastian angekommen. Am d- hatten die Urbanos dieser Stadt 7 Hellaͤndische Stabs,Offzin verhaftet, die so eben gelandet waren, um zu Don Carlos,
Zeitungs⸗Nachrichten Ahn s8 l a nd.
b Frankreich.
Paris, 16. Juli. Die Koͤnigliche Verordnung, wodurch herrn Thiers ein Urlaub bewilligt wird, ist vorgestern von dem goͤnige unterzeichnet worden. Man weiß aber noch nicht, zu welcher Zeit der Minister davon Gebrauch machen wird.
Ih der heutigen Sitzung des Pairshofes ließen sich wie bereits erwaͤhnt worden) zwei Organe des oͤffentlichen Mi⸗ aisterums vernehmen. Der General⸗Prokurator Herr Martin bemuͤhte sich namentlich, zu beweisen, welchen verderblichen Ein⸗ zuß die Gesellschaft der Menschenrechte auf den sogenannten Nutuellisten⸗Verein in Lyon geuüͤbt habe; wie aus den Verbin⸗
dungen, in welche dieser Verein mit den Republikanern getreten, das Komplott hervorgegangen sey, und wie letzteres endlich zu dem offenen Angriffe gegen die Regierung gefuhrt habe. Der General⸗Advokat Herr Chégaray ließ sich in eine ausfuͤhrlichere Peleuchtung des ganzen Aufstandes ein, indem er mit den Ereig⸗ issen begann, die sich im Mirtelpunkte der Stadt zutrugen, und dem⸗ uͤchst zu denen uͤberging, deren Schauplatz die westlichen und fuͤdlichen Stadtviertel, so wie die Vorstadt Vaise waren. Sein Vortrag bauerte bis 5 Uhr, wo die Sitzung aufgehoben wurde. Morgen pird Herr Chegaray seine Rede beendigen, und nach ihm der General⸗Advokat von Latournelle diejenigen Begebenheiten be⸗ uͤhren, die sich in den oͤstlichen und noͤrdlichen Stadtvierteln hons, in den Vorstaͤdren la Guillotiere und Ste. Claire, so ae in den Landgemeinden zugetragen haben. In dem Maße, ie die Requisitorien vorschreiten, werden sie zum Drucke befoͤr⸗ dert, um den abwesenden Angeklagten durch einen Gerichtsdiener ensinuirt zu werden. Die Plaidoyers der Advokaten duͤrften am aͤchsten Dienstag (21sten) ihren Anfang nehmen.
Im Temps liest man: „Der Groß⸗Referendar der Pairs⸗ Kammer ist ofsiziell durch einen Brief des Herrn Gisquet und
“
In Bayonne sind am 9. einige Details uͤber die Vor Schon seit einigen Monng
Karlisten im Gehiet alles hatte dazu beigetragen, die Gemit Die Unthaͤtigkeit der Generale erweckte nicht ringeren Unwillen, als das Mißtrauen der Regierung, Nationalgarde mobil zu machen. Die Bildung des neu Ministeriums und einige Maßregeln schienen die Gaͤhru in Saragossa zu daͤmpfen, als sich das Geruͤcht verbreite der Clerus in Saragossa unterhalte einen strafbaren W
und biete alles auf, um den Ein Madrid zu erleichtern. Am M. Saragossa a
des Don Carlos in
selbst muͤsse Zuͤgel des Staats ergreifen, wenn die Behoͤrden nicht stark gen Der Poͤbel, durch das Geschrei der Urbanss hitzt, uͤberließ sich dem ganzen Ungestuͤme seines Charakters u zeigte, wie wenig Scheu es nun vor dem Klerus habe, dem in fruͤheren Zeiten blind gehorchte. Das Volk, die Urba selbst die Truppen, ein einziges Regiment ausgenommen, sit ten sich auf die Kloͤster, Alles zerstoͤrend und niederbrenm Unter den Kloͤstern, die dieses Schicksal getroffen hat, sind das Franziskan b und das Victoria⸗† Es wurde aber weder gepluͤndert, noch gemordet;
Moͤnche entkamen waͤhrend des Tumults. Nur ein Ruf w gehoͤrt: „Es lebe die Constitution!“ Es ist klar, daß die! 9 8 Nirgends; sich die Absicht, den Thron zu stuͤrzen; man wuͤnschte nur,
Regierung moͤchte die radikalen Prinzipien der Constitution
nehmen, und verlangte energische Maßregeln gegen die Karli
Am Abend des öéten hatten die Unruhen aufgehoͤrt, und es 3st hurch einen Bessch des Herrn Martin von dem Entweichen der nicht, als sollten sie sich wieder erneuern. die Besatzung von Saragossa befehligt, hatte
Gefangenen in Kenntniß gesetzt worden; einige Augenblicke spaͤ⸗ r wurde es Herr Pasquier. Weder dieser Letztere, noch der erzog Decazes haͤtte die Polizei der Gefaͤngnisse, da diese ihnen von Anfang des Prozesses an entzogen worden war. Es scheint, daß waͤhrend des Prozesses nicht bloß der Praͤsident, sondern auch der Groß⸗Referendar den Gefangenen die Erlaubniß, sich in die Kranken⸗Haͤuser zu begeben, oder einen halben oder ganzen Tag ußerhalb des Gefaͤngnisses in dem Schoße ihrer Familien zu⸗ zubnngen, bewilligt hatten. Diese wohlwollende Weise, Leute, die bloß durch ihre politischen Meinungen kompromittirt waren, zu behandeln, har mehr wie einmal der Gisquetschen Polizei nißfallen, die diese Gefangenen beschuldigte, daß sie die ih⸗ en gelassene Freiheit nur dazu benutzten, aufs neue Ver⸗ woͤrungen anzuzetteln. Die Verhaͤltnisse waren in der setzteren Zeit auf den Punkt gediehen, daß die Herren Dasquier und Decazes sich um die Beaussichtigung der Sefaͤngnisse gar nicht inehr kuͤmmerten, die auf diese Weise aus⸗ schießlich dem Ressort des Polizei⸗Praͤfekten anheim fiel. Der Polizei⸗Praͤfekt, der so beunruhigende Berichte abzustatten verstand, wo es sich um das bischen Freiheit handelte, das den Gefange⸗ nen durch Herrn Pasquier oder Herrn Decazes bewilligt wor⸗ den war, haͤtte seine Aufgabe in jener humanen Weise loͤsen ollen, die eine Pflicht zu erfüllen weiß, ohne selbige jemals zu übertreiben.“
Der Courrier francais enthaͤlt Folgendes: „Es herrscht noch immer viel Dunkelheit uͤber die Entdeckung der letzten Ver⸗ schoͤrung, und das hartnaͤckige Stillschweigen, das die Organe des Ministeriums in dieser Beziehung beobachten, giebt zu den 992 . e93z. degechendsen Geruͤchten Anlaß; mittlerweile halten wir die Span. 41 ½. Fproc.ü behe ; fuͤr wahrscheinlicher “ übrigen. Man
21 proc. Holl. 56. aeh n imlich, daß die Verschwornen, o er vielmehr diejeni⸗ 2p 8 gen, welche die Polizei der Verschwoͤrung bezuͤchtigt, was etwas ehr Verschiedenes seyn kann, 12 bis 14 an der Zahl sind, daß
Ee ücnmtlich aus der Provinz, theils von Straßburg, theils von de t und theils von Grenoble gekommen sind. Alle gehoͤren rniedrigsten Volksklasse an, und scheinen weder von Partei⸗
General Alvarez, es nicht fuͤr g net gehalten, sich einzumischen, da das Volk nichts weiter,! es lebe die Constitution! rief, und außerdem die Truppen nicht geneigt schienen, die Bewegung zu bekaͤmpfen. b
Vor einiger Zeit hatte sich ein Haufen Insurgenten verr telst eines Handstreichs in den Besitz von Prats⸗de⸗Mollo an Franzoͤsischen Graͤnze setzen wollen, war aber durch die Ber ner und die aus der Umgegend herbeigeeilten Milizen ausein dergesprengt worden, so daß sich ein Theil auf das Franzost Gebiet fluͤchten mußte. Das Journal de Parxis theilt diesen an sich voͤllig unbedeutenden Vorgang nachstehende Dae „Der Marquis de la Torre, der von Navarra geschickt worden war, um sich an die Spitze der Insum tion zu stellen, ist, wie es heißt, am 7ten in der Umgegend Mollo ergriffen nnd erschossen worden. Vier andere Chefs in dem Kampfe getoͤdtet und der Ueberrest der Insurgenten allen Richtungen hin lebhaft verfolgt worden. Am Iten wu auf unserer Graͤnze abermals dreizehn Gefangene gemacht. S andere Fluͤchtlinge wurden auf dem Alberesberge ergriffen. E lich sind drei Offiziere, Namens Antonio Palleja, Ramon M Villagarcia und Antonio Soriano, die Castres verlassen hun um sich den Insurgenten anzuschließen, bei der Bruͤcke von nes in einen Hinterhalt gerathen.“
An der heutigen Boͤrse war es sehr still und die Temnh blieb weichend. Als Grund dafuͤr gab man die Wahrscheinlt keit an, daß das Englische Ministerium veraͤndert werden wi
— Heute schloß 5proc. Rente pr. cour. 108. 90. 3proc. pr. compt. 78. 5proc. Neap. sin cour. 97. 10. 5proc. 26 ½. Ausg. Schuld 16 ¼. Cortes 39 ½.
compt. 108. 75. 1
—
Redacteur Cottel.
Gedruckt bei
geist noch von politischem Hasse geleitet worden zu seyn. Man fuͤgt hinzu, daß bis jetzt weder die Polizei noch die Justiz ein einziges Wort aus den Gefangenen haben herausbringen koͤnnen. Mehrere Tage hintereinander vor den Instructiens⸗Richter ge⸗ fuͤhrt, haben sie keine Antwort geben, ja nicht einmal ihre Na⸗ men nennen wollen. Wenn sie bei diesem Stillschweigen behar⸗ ren, so wird es schwer seyn, gegen sie etwas zu unternehmen, da nur Verdacht vorhanden ist, und weder ein corpus delicti noch ein Versuch der Ausfuͤhrung existirt.“
Großbritanlen und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 14. Juli. (Nachtrag.) Der Graf von Radnor ließ sich in seiner Rede zu Gunsten der Bill, wonach in gewissen Faͤllen die Unterzeichnung der 39 Glaubens⸗Artikel aufgehoben werden sollte, unter Anderem folgendermaßen vernehmen: „Ei⸗ nes der Haupt⸗Argumente, die in den vorjaͤhrigen Debatten fuͤr diese Unterzeichnung aufgestellt wurden, wurde von den angebli⸗ chen schlimmen Folgen hergenommen, welche die Abschaffung re⸗ ligioͤser Eidschwuͤre an den Deutschen Universitaͤten gehabt haben sollte, indem man behauptete, daß auf diesen Akademieen eine Masse von antichristlichen theologischen Grundsaͤtzen im Umschwunge sey. Man erlaube mir aber die Bemerkung, daß da, wo der National⸗Geist sich nicht so sehr zur spekulativen Phi⸗ losophie hinneigt, wie in Deutschland, auch solche Folgen nicht zu befuͤrchten sind. In jenem Lande findet man diese eigenthuͤmliche spe⸗ kulative Geistesrichtung nicht nur in religioͤsen Dingen, sondern auch in wissenschaftlichen und anderen allgemeineren Faͤchern vor⸗ herrschend. Unter den Deutschen Geologen zum Beispiel sind einige in ihren Forschungen so weit gegangen, daß sie am Ende herausfanden, der Mensch sey kein urspruͤngliches Geschoͤpf, son⸗ dern durch koͤrperliche Verwandlung aus einer Eidechse entstan⸗ den, die erst Affengestalt und zuletzt Menschengestalt erhalten habe. (Gelaͤchter.) Es ist also ganz verkehrt, die Deutschen Universi⸗ taͤten den Englischen als Warnung vorzuhalten, damit diese ihre religioͤsen Eide nicht abschaffen. Das Komischste jedoch bei die⸗ ser Sache ist, daß die meisten der in Deutschland umlaufenden
seltsamen anti⸗religioͤsen Lehren gerade von solchen Individuen
ausgegangen sind, welche theologische Lehrstuͤhle inne haben, und die folglich, als Theologen, selbst religioöͤse Eide haben schwoͤren muͤssen. Aber ehe Ew. Herrlichkeiten die Abschaffung der re⸗ ligioͤsen Eide ohne Weiteres verwerfen, geziemt es Ihnen doch, zu erwaͤgen, ob dieselben nicht noch in andern Laͤndern, außer Deutschland, abgeschafft worden sind, ohne daß der be⸗ zuͤchtigte theologische Rationalismus daraus erfolgte. In Bayern (dies scheint der Redner also nicht zu Deutschland zu rechnen!) und Frankreich werden den jungen Leuten, bei ihrer Zulas⸗ sung zu den Universttaͤten, keine religioͤse Eide abgefordert; es wird ein Jeder, welches auch seine religioͤse Ansicht seyn mag, zu den Universitaͤten, ja selbst zu den Lehrstuͤhlen derselben zuge⸗ lassen. Bologna und Rom fordern keinen religioͤsen Eid; zu Pisa, wo Griechen, Juden und Muhamedaner studiren, kennt man ebenfalls keinen; der einzige Unterschied, wenn ein Muha⸗ medaner promovirt, ist der, daß der Kanzler den Stuhl verlaͤßt und nicht den Vorsitz dabei fuͤhrt, und daß der Vice⸗Kanzler dann die akademische Wuͤrde verleiht. Zu Padua wird auch kein reli⸗ gioͤser Eid gefordert, und es kommt haͤufig vor, daß Englische Presbyterianer und Kalvinisten an dieser Universitaͤt eine Pro⸗ fessur bekleiden. Um wieder in unsere Heimath zuruͤckzukehren, so ist auch an der kürzlich zu Durham errichteten Universitaͤt fuͤr die dort Studirenden kein religioͤser Eid festgesetzt. Warum sollen denn also Oxford und Cambridge allein an religioͤse Eide gebunden seyn, die von den jungen Leuten nicht verstanden wer⸗ den und den Zweck, auf den sie berechnet sind, gar nicht erreichen? Auch ist es zu Oxford nicht immer so gewe⸗ sen, bekanntlich stand diese Universitaͤt einst nicht nur Per⸗ sonen aus verschiedenen Laͤndern, sondern auch von ver⸗ schiedenem religioͤsen Glauben offen. Wyclyffe war noch lange nach der Zeit, wo er er vor den Roͤmischen Hof gela⸗ den wurde, um wegen seiner ketzerischen Ansichten Rede und Antwort zu stehen, Professor der Theologie zu Oxford. Wenn durch die Unterzeichnung der 39 Artikel der Verband zwischen Kirche und Staat aufrecht erhalten werden soll, so scheint mir dies ein sehr wunderliches Mittel zu diesem Zweck. Fordert doch die Kirche selbst nicht einmal bei der Ertheilung ihrer Sakra⸗ mente von den Laien die Unterzeichnung jener Artikel. Und was die Universität Cambridge anbetrifft, so war ja der vorige Kanz⸗ ler derselben ein entschiedener Unitarier und konnte als solcher doch die 39 Artikelmit gutem Gewissen nicht unterzeichnen. Ich behaupte, daß zwischen der Untversitaͤt und der Kirche kein nothwendiger Zu⸗ sammenhang stattfindet, eben so wenig wie ein solcher zwischen der Kirche und den Fakultaͤten der Jurisprudenz, Medizin und Philosophie vorhanden ist. Einige bilden sich ein, die Univer⸗ siꝛaͤten und Kollegien seyen ein und dasselbe Ding; das ist aber keinesweges der Fall. Die Kollegien sind bloße Auswuͤchse der Universitaͤten. Die Universitaͤt Oxford bestand lange vorher, ehe an ihre Kollegien gedacht ward, und wenn selbst das Parlament mit einem Male allen diesen Kollegien den Garaus machen wollte, so wuüͤrden die Universitäten noch eben so fortbestehen, wie immer. Meiner Ansicht nach werden durch diese Bill keine Privilegien verletzt. Die Universitaͤten sind oͤffentliche Anstal⸗ ten, die Kollegien aber Privat⸗Institute, und wenn es auch an⸗ gemessen scheint, daß das Parlament die Vorschriften fuͤr die ersteren gebe, so darf es doch die Rechte der letzteren nicht beein⸗ traͤchtigen.“ Der Erzbischof von Canterbury suchte in seiner Entgegnung auf den Antrag des vorigen Redners besonders die Behauptung zu bekaͤmpfen, daß die 39 Artikel von denen, die sie unterzeichnen muͤßten, nicht verstanden wuͤrden, indem er bemerklich machte, daß ja eine zweimalige Unterzeichnung dersel⸗ ben stattfaͤnde, die eine bei der Aufnahme der jungen Leute an den Universitaͤten, die andere, wenn sie schon drei bis vier Jahre studirt haͤtten. „Das erstemal“, sagte er, „werden dem Eintre⸗ tenden die Artikel ganz einfach zur Unterzeichnung vorgelegt, ohne ihn vorher uͤber den Inhalt derselben zu examiniren, ja
ohne ihm einmal die Artikel vorzulesen. Diese erste Unterzeich
nung ist also ein bloßes Zeichen, daß er zu der Anglikanischen Kirche gehoͤrt und in deren Glaubens⸗Artikeln unterrichtet zu werden wuͤnscht. Er erhaͤlt sodann den noͤthigen Religions⸗Unterricht, und es werden ihm namentlich diese Artikel ausfuͤhrlich erklaͤrt. Nachdem er auf diese Weise seine Studien drei oder vier Jahre fortgesetzt hat, wird eine zweite Unterzeichnung der Artikel von ihm gefordert;
doch darf er sie nicht eher unterzeichnen, als bis sie ihm vorge⸗ lesen worden sind und er erklärt hat, daß er vollkommen damit
einverstanden ist. Nun gehen die jungen Leute gewoͤhnlich in dem Alter zwischen 17 und 19 Jahren auf die Universitaͤt und pflegen üb schen 20 und 22 Jahren den ersten akademischen Gra
zu erhalten, bei welcher Gelegenheit die zweite Unterzeichnung stattfindet; in diesem Alter aber ist doch wohl ein junger Mann im Stande, den Sinn der Artikel zu verstehen.“ (Daß die Bill mit großer Majoritaͤt verworfen worden, haben wir bereits ge⸗ stern gemeldet.) ’
London, 17. Juli. Der Koͤnig hat den Grafen Howth und Cork den St. Patricks⸗Orden verliehen.
Von den 24 Herzoͤgen, welche im Oberhause sitzen, und worunter sich die drei Bruͤber des Koͤnigs befinden, haben 1 an der Abstimmung uͤber die Bill wegen Abschaffung der Unter zeichnung der 39 Glaubens⸗Artikel bei der Immatriculation an den Universitaͤten Oxford und Cambridge Theil genommen; da⸗ von stimmten 5 fuͤr dieselbe, naͤmlich die Herzoͤge von Sussex, von Richmond, von Portland, von Bedford und von Norfolk, und 10 dagegen, naͤmlich die Herzoͤge von Cumberland, von Beau⸗ fort, von Rutland, von Manchester, von Dorset, von Northum⸗ berland, von Buckingham, von Leeds, von Newcastle und von Wellington.
In der Petition, welche dem Koͤnige neulich von den Irläaͤn⸗ dischen Baronets uͤberreicht wurde, verlangen dieselben unter An⸗ derem, daß ihnen, eben so wie den Englischen Baronets, erlaubt werde, das Zeichen ihrer Wuͤrde an einem orangefarbenen Bande um den Hals tragen zu duͤrfen. 8
Die ministeriellen Blaͤtter erinnern alle Reformer daran, daß der 20ste d. M. der letzte Termin fuͤr die Einregistrirung der Parlaments⸗Waͤhler sev.
Nan ist noch ungewiß darüber, wie die Englische Regierung die 20 Millionen zur Entschaͤdigung der Westindischen Pflanzer herbeischaffen wird; fuͤr das Wahrscheinlichste haͤlt man eine An⸗ leihe; Einige meinen durch Ausgabe von Schatzkammer⸗Scheinen, dies wird aber von den Meisten sehr bezweifeit.
Vorgestern kam es im Ostindischen Hause auf den Antrag eines Herrn Mills zu einer sehr lebhaften Debatte. Er ver⸗ langte naͤmlich die Vorlegung der zwischen der Ostindischen Kon⸗ trolle und dem Direktorial⸗Hofe stattgehabten Korrespondenz we⸗ gen der Resignation des Lord W. Bentinck und der Ernennung 8 seines Nachfolgers. Der Antrag wurde zwar nicht genehmigt, doch duͤrfte eine Veroͤffentlichung dieser Aktenstuͤcke naͤchstens statt⸗ haben. Es scheint naͤmlich, daß der jetzige Kolonial⸗Secretair, Lord Glenelg, fruͤher, als er noch Herr Grant und Preaͤ⸗ sident der Ostindischen Kontrolle gewesen, sich seines Einflusses bedient hat, um sich selbst die General⸗ Gouverneur⸗Stelle zu verschaffen. Die Times fordert den Minister auf, diese An⸗ sicht, die ziemlich deutlich zur Sprache gekommen, oͤffentlich zu widerlegen, zumal da es ihm gelungen sey, seinem Bruder, Sir Robert Grant, die Gouverneurstelle in Bombay, und seinem vertrauten Freund und Schuͤtzlinge, Herrn Macauley, eine Ost⸗ schasche Richterstelle mit 10,000 Pfd. jaͤhrlichem Gehalt zu ver⸗
affen.
In Glasgow haben etwa 30 betrunkene Soldaten ihre Bajonnette auf groͤbliche Weise gemißbraucht und eine Menge von Personen mehr oder weniger uͤbel zugerichtet. Der Streit hatte in einem Branntwein⸗Laden begonnen. Der Haupt⸗Raͤdelsfuͤhrer des Unfugs ist zu 60tͤͤgigem Arreste verurtheilt.
Oberst Shaw ist von Portugal hier eingetroffen.
Die große Frage, ob Dampfwagen auf gewoͤhnlichen Land⸗ straßen gebraucht werden koͤnnen, ist nunmehr durch den Dampf⸗ wagen der Herren Maudsley und Field bejahend entschieden, welcher bereits mehrere Fahrten nach Sloug und Reading ohn den mindesten Unfall mit einer großen Anzahl von Passagieren gemacht hat. Der Wagen hat im Durchschnitt 14 Englische Meilen stuͤndlich zuruͤckgelegt.
Auf der Eisenbahn von London nach Birmingham, welche neu angelegt wird, hat sich ein großes Ungluͤck ereignet. Der Bogen eines Tunnels, der zu diesem Behufe in der Naͤhe von Watford unter einem Landsite des Grafen von Essex gezogen wird, ist eingestuͤrzt, da er noch nicht vollkommen ausgemauert war. Wie viele Menschen bei dieser Gelegenheit umgekommen sind, ist noch nicht voͤllig bekannt; es sollen 13 Personen seyn, worunter sich angeblich auch der Erbauer dieses Tunnels befand. Drei der Ungluͤcklichen sind im schlimmsten Zustande ausgegra⸗ ben worden. —
Mehrere hiesige Blaͤtter enthielten vor einigen einen mit „Traveller“ unterzeichneten Artikel, in welchem die Einrichtung der oͤffentlichen Schulen (Johanneum uUnd Gymnasium) in Hamburg ausfuͤhrlich beschrieben und, nament⸗ lich im Vergleich mit den Englischen Erziehungs⸗Anstalten, sehr belobt wird. Als Zweck seines Schreibens giebt der Verfasser an, den Englaͤndern, die ihre Kinder haͤufig auf dem Kontinente, und besonders in Frankreich erziehen lassen, vorzugsweise die Schulen von Hamburg und Luͤbeck zu empfehlen, außerdem aber auch die Errichtung aͤhnlicher Anstalten in England zu veranlaß sen; der Verfasser schlaͤgt vor, durch einen besonderen, der Mu⸗ nizipal⸗Reform⸗Bill einzuschaltenden Artikel den groͤßeren Staͤd⸗ ten die Anlegung solcher Institute zur Pflicht zu machen.
Niederlande. “
Aus dem Haag, 18. Juli. Ihre Koͤniglichen H
der Prinz und die Prinzessin Albrecht 1 Preagch . en
ihrer Ruͤckreise aus dem Hauptquartier hierher dem General Chassé in Breda einen Besuch abgestattet und eine Collation ein⸗
Tagen
111 1.“ “