kam, verlangte zunaͤchst Herr Muteau, daß man bei den Assi⸗ senhoͤfen wieder wie fruͤher 5 Richter anstelle und sie an dem Ur⸗ theile Theil nehmen lasse, sobald die Jury sich nur mit 7 ge⸗ gen 5 Stimmen entscheide. Nach einigen Bemerkungen des Großsiegelbewahrers nahm jedoch Herr Muteau diese Pro⸗ position wieder zuruͤck, worauf Herr Agier sich derselben in sei⸗ nem Namen bemaͤchtigte, jedoch damit durchfiel. Herr Isam⸗ bert hielt hierauf noch einen sehr ausfuͤhrlichen Vortrag gegen die beantragte Reduction auf 7 gegen 5 Stimmen. Herr Arago suchte durch Zahlen zu beweisen, daß es eine falsche Berechnung sey, wenn man behaupte, daß Urtheile mit 7 gegen 5 Stimmen nicht mehr dem Irrthume unterworfen waͤren, als Uirtheile von 10 gegen 2 Stimmen, wie zu Zeiten der consti⸗ uirenden Versammlung. „Hier ist eine Berechnung“, fuͤgte er hinzu, „fuͤr deren Genauigkeit ich mich verbuͤrge: bei einer Majoritaͤt von 7 gegen 5 Snmmen verhaält sich die Wahr⸗ scheinlichkeit des Irrthums wie 1 zu 4; gesetzt aber auch, sie verhielte sich wie 1 zu 10, so frage ich Sie, meine Feeis⸗ ob es Ihnen denn gleichguͤltig seyn kann, wenn Sie die Gewiß⸗ heit haben, daß von 10 Verurtheilten Einer unschuldig auf's Blutgeruͤst gefuͤhrt wird. Bei 8 gegen 4 Stimmen, wie jetzt, verhaͤlt sich die Wahrscheinlichkeit des Irrthums wie 1 zu 8, wo⸗ gegen sie bei dem Englischen Geschwornengerichte nur wie 1 zu 86000 ist.“ Viele der anwesenden Deputirten wollten diese Be⸗ rechnungen nicht als richtig gelten lassen. Die Hrn. Odilon⸗Bar⸗ vot und Bricqueville meinten aber, dies sey auch vollkommen gleichguͤltig, da die Majorität der Kammer im Voraus beschlos⸗ sen habe, den Gesetz⸗Entwurf, was man auch dagegen vorbrin⸗ en moͤchte, anzunehmen. Diese Andeutung erregte einiges Mur⸗ en in den Centris. Noch ließen sich Hr. Renouard fuͤr und Hr. Nicod wider den Gesetz⸗Entwurf vernehmen. Der Letz⸗ tere erklaͤrte geradezu, daß er die beantragte Aenderung in der Organisation des Geschwornen⸗Gerichts fuͤr hoͤchst verderb⸗ lich halte, und daß er den Tag, an welchem die Annahme der⸗ selben erfolgen sollte, als einen Ungluͤckstag fuͤr ganz Frankreich
betrachten wuͤrde, da an demselben die heiligsten Garantieen
unter der Gewalt der Leidenschaften, die sich so oft unter den Mantel des gesellschaftlichen Interesse verbaͤrgen, erliegen wuͤrden. „Ich wuͤrde diesen Tag“, so schloß er, „zu jenen anderen zaͤh⸗ len, wo man sich ebenfalls der durch ein allgemeines Truͤbsal ver⸗ ursachten Aufregung bediente, um Maßregeln durchzusetzen, die, weit entfernt, die Ruhe, Ordnung und oͤffentliche Sicherheit wie⸗ derherzustellen, vielmehr bloß die Gaͤhrung der Gemuͤther naͤhr⸗ ten, politischen Haß erzeugten, und verderbliche Erschuͤtterungen herbeifuͤhrten.“ — Unter großem Beifalle der Oppositions⸗Mit⸗ glieder kehrte Herr Nicod auf seinen Platz zuruͤck. Die Fort⸗ setzung der Debatte wurde sodann auf den naͤchsten Montag ver⸗ legt, da der folgende Tag (Mariaͤ Himmelfahrt) ein Feiertag war. Paris, 15. Aug. Der Koͤnig arbeitete gestern mit dem Conseils⸗Praͤsidenten. Im Temps liest man: „Man hatte bemerkt, daß das gesirig? „Journal de Paris“ in seiner Berichterstattung uͤber die Sitzung der Deputirten⸗Kammer die von dem Großsiegelbewah⸗ rer ausgesprechenen, bedeutungsvollen Worte nicht enthielt. Man hoffte demnach. zur Ehre der Regierung, daß sie geleugnet oder wentgstens gemißoelligt werden wuͤrden. Dem ist aber nicht so; das Journal de Pareis sagt heute kein Wort uͤber diesen Gegenstand, und dies hat einen sehr einfachen Grund; der „Moniteur“ enthaͤlt nämlich die Phrase ganz woͤrtlich. Sie lautet in dem offiziellen Journale folgendermaßen: „„Wir wer⸗ den keine Aurnahme⸗Gesetze vorschlagen; wir sind, und wir wer⸗ den in der Charte bleiben; es muͤßten denn dringende Faͤlle von ganz besonderer Art uns zwingen, dieselbe zu uͤberschreiten.“ Und es ist der hoͤchste Huͤüter unserer Gesetze, das Oberhaupt der Maglstratur, welches gegen die Charte, das Erste von allen un⸗ seren Gesetzen, eine drohende Sprache fuͤhrt, gegen das Gesetz, auf welchem der constitutionnelle Thron und die erwaͤhlte Dyna⸗ stie beruhen. Und 24 Stunden, nachdem er diese Blasphemieen ausgesprochen, ist Herr Persil noch Großsiegelbewahrer. Wo sind wir, und wohin gehen wir!“ . b Man glaubt, daß der Pairshef am naͤchsten Montage sein Urtheil uͤber die entflohenen Theilnehmer an den Lyoner Unruhen pubhziren werde, 1 Die gewoöͤhnlichen Pferderennen auf dem Marsfelde finden in diesem Jahre an den Tagen des 6., 10., 13., 17. und 20. Septeꝛnber statt. Der Hauptpreis von 12,000 Fr. wird am 17. September zuerkannt. Um ihn zu erringen, muß die Bahn (der zweimalize Umkreis des Marsfeldes) in hoͤchstens 5 ½ Min. durchlaufen werden. In Marseille sind seit dem Ausbruche der Cholera 1891 Personen an dieser Seuche gestorben. Wegen des heutigen Feiertages werden morgen mehrere hie⸗ sige Blaͤtter nicht erscheinen. 116“ 1.“ Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 14. August. Das Haus beschaͤftigte sich waͤhrend des groͤßeren Theils des Abends im Ausschusse uͤber die Munizipal⸗ Reform⸗Bill mit der Diskassion eines von Lord Lyndhurst vorgeschlagenen Amendements wegen der Festsetzung von Quali⸗ ficationen, nicht fuͤr die Wahlbuͤrger, sondern fuͤr die Stadt⸗ rzthe. Se. Herrlichkeit sagte, die beste Art, um eine fuͤr alle Oete anwendbare Qualification festzustellen, sey, wenn man sie nech dem Belauf der Abgaben einrichte, mit Ruͤcksicht auf jede einzelne Stadt und jeden Flecken, d. h. die zum Stadtrath zu ernenuenden Personen sollten aus der Zahl derjenigen gewaͤhlt werden, die am hoͤchsten besteuert sind. Die Besteuerten jedes Fleckens sollten in sechs Klassen getheilt werden, und aus der Klasse derjenigen, weiche die meisten Abgaben zah⸗ len, sollten die Mitglieder des Stadtrathes gewaͤhlt wer⸗ den. Lord Brougham nannte dies eine so beunruhigende Neuerung, wie ihm noch niemals eine vorgekommen sey. Lord Wicklow erinnerte jedoch den edlen Lord, der andere, so wie seine eigenen Bills vergessen zu haben scheine, daß in einer Bill, welche von dem Ministerium eingebracht wurde, dessen Mitglied der edle und gelehrte Lord (Brougham) gewesen, eine in ihrem Princip ganz aͤhnliche Qualification angenommen wor⸗ den sey. In einer Vill zur Verbesserung der Art und Weise, wie in Irland gewisse Abgaben bestimmt werden, sey festgesetzt, daß die Magistrats⸗Personen nebst einer gewissen Anzahl von Hausbesitzern, die aus der Zahl der am hoͤchsten Besteuerten zu waͤhlen seyen, die Abgaben bestimmen sollten, Lord Devon sagte, daß in der Armen⸗Bill ein aͤhnliches Prinzip aufgestellt sey, und Lord Wharneliffe bemerkte, daß in der jetzt diskutir⸗ en Irlaͤndischen Municipal⸗Bill eine Abgabe von 5 Pfd. jaͤhr⸗ lich als eine Aualification vorgeschlagen sey. Nach einer langen Distussion sprach Lord Melbourne sich in sehr heftigen Aus⸗ druͤcken gegen das Amendement aus und fuͤgte hinzu, daß, wenn es angeneemmen werden sollte, dies fuͤr den endlichen Erfolg der
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Maßregel sehr nachtheilig seyn wuͤrde. Lord Lyndhurst erwie⸗ derte hierauf, er habe die Eintheilung in sechs Klassen nur so angefuͤhrt, weil es doch noͤthig sey, irgend einen Betrag festzu⸗ stellen, aber es stehe jedem edlen Lord frei, statt dessen eine be⸗ stimmtere Qualification, etwa von 1000 Pfund, vorzuschlagen. Endlich wolle er noch erklaͤren, daß er eben so sehr, wie der edle Viscount, wuͤnsche, daß die Bill, wenn sie in das andere Haus uruͤckgesandt werde, eine gute Aufnahme finden moͤge, und er hoffe, sie werde, wenn auch nicht unbedingt, angenommen, so doch guͤnstig aufgenommen werden. Dies sey ein Ausgang, den man sehnlichst herbeiwuͤnschen muͤsse. Lord Brougham erklaͤrte indeß, er werde gegen das Amendement stimmen, um darzuthun, daß er sich jeder Qualification, die auf Vermoͤgen beruhe, wider⸗ setze. Bei der Abstimmung wurde das Amendement mit 120 gegen 39, also mit einer Majorität von 81 Stimmen angenommen. Nach einer Rede des Lord Brougham wurde die Diskussion der Bill bis zur 24sten Klausel fortgesetzt, worauf sich Lord Wharneliffe erhob, um ein Amendement vor⸗ zuschlagen, das, wie er sagte, Ihre Herrlichkeiten wohl drei bis vier Stunden beschaͤftigen werde. Lord Lyndhurst erwiederte hierauf, wenn dies der Fall sey, so waͤre es besser, daß das Haus sich die Diskussion dieses Amendements fuͤr die naͤchste Sitzung vorbehalte. Obgleich das andere Haus sich im Ausschusse vier⸗ zehn Tage mit dieser Bill beschaͤftigt habe, so wolle er sich doch verpflichten, daß es hier nicht laͤnger als vier Tage dauern solle. Die Frage des Lord Brougham, ob der edse und gelehrte Lord die zwei Abende, die der Ausschuß schon gedauert habe, mitrechne, so daß sie die Bill am Dienstag durchbringen wuͤrden, beantwortete Lord Lyndhurst bejahend, worauf das Haus sich vertagte.
Unterhaus. Sitzung vom 14. August. Herr Hume trug heute darauf an, daß morgen eine Botschaft an die Lords gesandt werde, um die Erlaubniß fuͤr den Herzog v. Gordon und Lord Kenyon auszuwirken, daß dieselben dem Untersuchungs⸗ Ausschusse dieses Hauses uͤber die Orangisten⸗Logen beiwohnen duͤrften. (Hoͤrt, hoͤrt)). (Der Herzog v. Gordon, Kommandant der Citadelle von Edinburg und Chef eines Koͤnigl. Linien⸗Regi⸗ ments ist naͤmlich, wie bereits gemeldet, Vice⸗Großmeister der Orangisten⸗Logen fuͤr Schottland.) Da Oberst Perceval sich uͤber die parteiische Zusammensetzung dieses Comité's beschwerte, indem, wie er sagte, 16 Mitglieder desselben der einen und nur 7 der anderen Seite des Hauses angehoͤrten, trug Herr Hume darauf an, daß der Oberst zum Mitgliede des Comité's ernannt werde, was von der Versammlung theils mit Gelaͤchter, theils mit dem Ruf: „hoͤrt, hoͤrt! “ aufgenommen und von Oberst Perceval abgelehnt wurde. Sir T. Fremantle stellte Herrn Hume vor, ob es wohl redlich ge⸗ handelt sey, diese Untersuchung in dieser vorgeruͤckten Zeit der Session noch weiter zu verfolgen. (Hoͤrt! und O, o!) „Ich gebe zu“, fuhr er fort, „daß das ehrenwerthe Mitglied fuͤr Mid⸗ dleser zu meinem ehrenwerthen Freunde, dem Mitgliede fuͤr Car⸗ diff, und zu mir gekommen ist und uns gefragt hat, ob wir ihm nicht einige unserer Freunde nennen koͤnnten, die an dem Comité uͤber die Orangisten⸗Logen moͤchten Theil nehmen wollen. Wir antworteten ihm aber, daß wir auf unserer Seite des Hauses keine Mitglieder sinden wuͤrden, denen es belieben moͤchte, in die⸗ ser Jahreszeit noch in der Stadt zu bleiben und dem Comité beizuwohnen. (O, oh Nachdem wir sechs Monat lang einer sehr ermuͤdenden Session beigewohnt, sind wir wohl zu entschuldi⸗ gen, wenn wir an einem solchen⸗Tomité nicht mehr Theil neh⸗ men wollen. (Hoͤrt! und Gelaͤchter.) Kein einziges Mitglied auf dieser (der Oppositions⸗) Seite des Hauses kann an den Untersuchun⸗ gen des Comité's Theil nehmen; ist es also wohl redlich, diese Un⸗ tersechungen noch fortdauern zu lassen?“ Der erste Antrag des Herrn Hume wurde uͤbrigens ohne Abstimmung genehmigt, worauf dieser sich nochmals erhob und sagte: „Ich bitte jetzt um die Erlaubniß, beantragen zu duͤrfen, daß Capitain Gordon, das Mitglied fuͤr Aberdeen, zum Mitgliede des Comite's uͤber die Orangisten⸗Logen ernannt werde.“ (Hoͤrt, hoͤrt!) Capitain Gor⸗ don: „Ich muß diese Ehre ablehnen.“”“ (O! und Gelaͤchter.) Herr Hume: „So trage ich denn darauf an, daß Sir John Yarde Buller zum Mitgliede desselben ernannt werde.“ (Hoͤrt, hoͤrt) Sir J. Buller: „Ich hoffe, das Haus wird mich entschuldigen; ich wohnte dem Tomité uͤber die Orangisten- Legen bei der ersten Niedersetzung desselben im vorigen Maͤrz bei. Ich verblieb so lange darin, bis ich zum Mitgliede des Comité's uͤber die Wahl⸗Petition von Groß⸗Yarmouth ernannt ward; und nachdem ich an zwei so muͤhseligen Untersuchungen Theil genommen, hoffe ich, daß das Haus mich entschuldigen wird.“ (Lauter Ruf: Hoͤrt, hoͤrt! und hier und da ein O!) Herr Hume: „Göt, so beantrage ich, daß man den Majer Fancourk zum Mitgliede dieses Comite's ernenne.“ (Hoͤrt, hoͤrt) Major Fancourt: „Ich danke recht sehr fuͤr die Ehre,“ (Hoͤrt! und Gelaͤchter.) Auf den Antrag des Kanzlers der Schatzkammer wurde darauf die Sklaven⸗ Entschaͤdigungs⸗Bill zum drittenmale verlesen und passirte, und das Haus verwandelte sich alsdann in einen Ausschuß fuͤr die Mittel und Wege, in welchem der Minister auftrat, um die finanzielle Lage des Landes in diesem Jahre darzustellen., Er sagte, daß er dazu der hoͤchsten Nachsicht des Hauses be⸗ duͤrfe. Er werde sich bestreben, demselben Gange, wie sein Vorgaͤnger (Lord Althorp), zu folgen, nichts zuruͤckzuͤhalten und auch nichts zu uͤberschaͤtzen. Es entstehe große Schwierig⸗ keit durch die stattgehabten Herabsetzungen der Ausgaben und der Besteuerung; es sey noͤthig, die Anschlaͤge von vorigen Jah⸗ ren durchzugehen. Seit 1814 sey eine Steuerlast zum Gesammt⸗ belauf von nicht weniger als 40,191,000 Pfund nach und nach aufgehoben worden (hoͤrt, hoͤrt!), eine Summe, die, bis auf 5 oder 6 Millionen, fast dem ganzen jetzigen Belauf der Einnah⸗ men gleich komme. Nun habe aber der Brand, welcher die bei⸗ den Parlamentshaͤuser verzehrt, die Ausgaben um einen guten Posten vermehrt, um 69,700 Psund; und der Brand im FZoll⸗ Fün zu Dublin um 68,000 Pfund; noch seyen einige andere
asten diesmal einzubegreifen; 110,000 Pfund, die anstatt der Grafschafts⸗Steulern votirt worden; 25,000 Pfund fuͤr Unter⸗ richt der Neger in Westindien; 12,000 fuͤr die, welche durch den Orkan in Dominica gelitten; 10,000 für die Polen, und noch ei⸗ nige andere Posten. Diese Summen machten zusammen 436,009 Pfund, die der Reduction in diesem Jahre in den Weg traͤten. Die Einnahmen beliefen sich auf ungesaͤhr 46,087,000 Pfd., die Ausgaben auf 45,185,000, so daß sich ein Ueberschuß von 902,000 Pfund ergebe, als Resultat des im April d. J. beendigten Jahres, wel⸗ cher Ueberschuß aber, das Jahr angenommen, welches im Juli geendigt, auf 1,205,000 Pfund sich vermehre. Diese Angaben muͤßten zufriedenstellend seyn. Dafuͤr aber haͤtte man nun die Last durch die Entschaͤdigung fuͤr Westindien in Anschlag zu bringen. Zuvor aber wolle er den Kalkuͤl von Lord Althorp im vorigen Jahre mit den jetzigen Resultaten vergleichen. Die An⸗ schlaͤge seyen damals gewesen: Fuͤr die Einnahme 45,778,000,
Ausgabe 45,539,000 Pfd.; allein die Ausgabe habe 44,334,000
nicht uͤberschritten, und der Ueberschuß sey im Juli 228,000 Pfd. hoͤher gewesen, als ihn der edle Lord Perecha
nahme 45,550,000, Ausgabe 44,715,000, so von 835,000 Pfund bliebe. Die Einnahme Zoͤllen 20,000,000, Accisen 13,270,000, Pfd.; Stempel 6,998,000 Pfd.; Taxen 3,600,000
bestehe Pfd.; P
in Allem 45,550,000 Pfd. Die Ausgabe, einbegriffen die von der fundirten und unfundirten Schuld und die Zinsen der Westindischen Anleihe, mit 30,580,000 Pfd., dazu Land⸗ und Seemacht, Geschuͤtzwesen und Vermischtes 14, 135,000, Alles in Allem 44,715,000. Daher der genannte Ueberschu von 835,000 Pfd. Nun solle man aber nicht annehmen, da er einen Steuer⸗Nachlaß im Verhaͤltniß zu dem letztgenanntan Belauf vorzuschlagen habe. Wollte Gott, daß es geschehen koͤnnte es sey aber nur Pflichegefähl⸗ aus welchem er sich einem Va⸗, langen nach Reduction entgegensetze. Er beklage es, sagen u muͤssen, daß der Ueberschuß in Folge der jetzt von ihm machenden Anfuͤhrung schwinden werde. Man sey verpflite für die Westindischen Pflanzer von der Zeit an, wo sie n Verlust erlitten haͤtten, zu sorgen; fuͤr diese muͤsse also m 1. August 1834 an gesorgt werden. Es sey seine Pflicht, auf dem Lande lastenden Verbindlichkeiten in der groͤßten Au dehnung vorzutragen. Das Maximum des Zinsen⸗Belaufes mi der abgeschlossenen Anleihe wuͤrde 730,000 Pfund seyn; und sey die Moͤglichkeit da, daß das Beduͤrfniß auf 1,010,000 9f steigen koͤnne, allein es duͤrfe nicht angenommen werden, daß ij ses der Fall in diesem Jahre werden koͤnne, und er denke, i es mit 6 — 700,000 Pfund werde zu bestreiten seyn, und e ein wirklicher Ueberschuß von 150,000 bis 200,000 Pfund wm 250,000 bleiben werde. Angenommen, die noch nicht geliehen 5 Millionen wuͤrden unter denselben Bedingungen kontrash wie die jetzigen 15, so wuͤrde die jaͤhrliche Last 742,800 Iimh seyn. Er wolle nun die Gruͤnde anfuͤhren, nach welchen niee Staats⸗Einnahme berechnet. Zuerst, die Zoͤlle betreffend, wolzn lieber Quantitaͤten von Guͤtern anfuͤhren, als sie sofort zu Geue berechnen. Der Einfuhr⸗Belauf von Baumwolle sey gewesa. 1833: 284,469,000 Pfd.; 1834: 297,000,000 Pfd.; 185 320,000,000 Pfd., immer in dem mit dem jedesmaligen 5. Ayts geendigten Jahre, und der Zustand der Manufakturen lasse die Sachkundigen annehmen, daß keine Verminderung eintreten werde, da die Nachfrage im Zunehmen sey; gleichwohl nehme er nur den Durchschnitts⸗Belauf von den drei Jahren zu 310,000,900 Pfs. an. Der naͤchste Artikel solle Oel seyn, wovon die Abgabe herabgesetzt worden und der Verbrauch sich stark vermehrt habe. Auch der von Kaffee nehme zu. Der von Zucker sey gestiegen, als 1833: auf 3,687,000 Cnt.; 1834: 3,743,500; 1835: 3,746,000; der Anschlas fuͤr das naͤchste Jah solle demnach 3,726,000 Cnt. seyn. Er komme jetzt auf Thee; der Berbrauch war 1833: 39,720,000 Pfd.; 183⁄ 32,480,600 Pfo.; 1835: 35,5892,000 Pfund; anstatt aber einen sih vermehrten Verbrauch in Anschiag zu bringen, den er zwar erwarn wolle er nur 36,0 9,990 Pfd. fuͤr das Jahr vom 5. April 1835 h dahin 1836 setzen. Grund habe er, einer großen Zunahme en gegen zu sehen, weil sie sich taͤglich zeige, seit der Eroͤffnung deß freien Handels und der Konkurrenz, und fuͤr das kuͤnftige Iaß⸗ noch betraͤchtlicher nicht allein in Thee, Kaffee, Zucker werden muͤsf sondern in noch andern Artikeln; er wolle bloß Taback erwaͤhnn, dessen Verbrauch auch durch den Versuch der Zollherabsetzung zu⸗ genommen. Der Minister fuhr in der Aufzaͤhlung dieser He⸗ tails mehrere Stunden fort, und das Resultat seiner Rei wan, daß er, wegen der oben erwaͤhnten Mehr⸗Ausgaben dieses Jahren nur einige ganz unbedeutende Steuer⸗Reductionen vornehmen koͤnn Er glaubte jedoch, daß dies Resultat gewiß befriedigend erschein wuͤrde, weil es sich zeige, daß die allgemeinen Huͤlfsquellen s in eigem sehr bluͤhenden Zustande befenden, indem man, ungead tet solcher außerordentlichen Ausgaben, wie sie namentlich 1 Anleihe fuͤr Westindien verurfache, in keine Verlegenheit geratze sondern noch einen kieinen Ueberschuß habe. Herr Goulbumn (fruͤher Kanzler der Schatzkammer) zollte der useinandersetzung des Ministers seinen vollkommenen Beifall und billigte eg m⸗ mentlich, daß derseltbe in diesem Augenblick keine hedeu⸗ tende Steuer⸗Reductionen vorgeschlagen habe. HOberst Sibthorp dagegen war nicht besonders damit zoe frieden, doch gab er zu, daß selbst, wenn ein Engh vom Himmel herunterkaͤme und Kanzler der Schatzkammer wuͤrd er schwerlich allen Parteien moͤchte zu Gefallen handeln koͤnne (Gelaͤchter.) Herr C. Buller beklagte sich namentlich darite daß der ackerbautreibenden Klasse keine Erleichterung gew werde, und daß von einer Reduction des Zeitungs⸗Stempels! nichts gesagt worden seyv. Auch Herr Hume drang, winh woͤhnlich, auf groͤßeren Steuer⸗Nachlaß und auf bedeutene Verminderung der Ausgaben. Die von Herrn Spring 9 vorgeschlagenen Resolutionen wurden uͤbrigens ohne Weitercht genommen. 1b
London, 15. August. Der Koͤnig hat dem Marineb pitain David Dunn die Ritterwuͤrde verliehen.
Der zum Koͤnigl. Kammerherrn ernannte Lord Templan ist ein Schwiegersohn des Lord⸗Ober⸗Kammerherrn und warg letzt Militair⸗Secretair des General⸗Lieutenants Sir Ht Vyvyan in Irland.
Die Brighton Gazette versichert, daß die Angabe,! wuͤrden IJ. MM. zu Ende dieses Monats Brighton besuch zu den ganz ungegruͤndeten gehoͤre, die sich jaͤhrlich um li Jahreszeit wiederholten. Alle Anordnungen seyen getrossen, U den Hof dort erst zu Ende Oktobers oder Anfang Novemiat aufzunehmen.
Graf Matuszewicz geht im Laufe des naͤchsten Monalt uü seinen Posten nach Neapel ab. Er laͤßt jetzt mehrere sehr de gante Fuhrwerke, die er hier hat bauen lassen, einschisfen.
Als am gten d. eine zahlreiche Deputation von Kauftunn, welche bei den Reclamationen in Folge der fruͤheren Daͤnschen⸗ Consiscationen betheiligt sind, und worunter an 30 Mitzlide des Unterhauses (die Times will wissen, daß es vornese solche gewesen, welche damals Guͤter und Schiffe verbm⸗ zum Kanzler der Schatzkammer kam, erklaͤrte dieser ihnmn 9 er fuͤr diese Session sich nur im Stande sehe, auf n Des willigung zur Zahlung von Buchforderungen in dieser gasch anzutragen. 8 Bi
In Edinburg hat eine Versammlung achtungswerther he⸗ ger unter dem Vorsitze von Herrn W. Tait, dem Herausgene von „Taits Magazine“, die Zusammenberufung einer 88 Zahl dortiger Einwohner beschlossen, um sich uͤber ein dem H Daniel O' Connell zu gebendes oͤffentliches Diner zu berathenh
Zwischen Putney und Teddington kann man jetzt zur
zeit die Themse durchwaten.
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e Schweden und Norwegen. Stockholm, 14. August. Se. Koͤnigl. Hoheit der 8
prinz kam vorgestern mit seiner hohen Begleitung auf dem
m ylich Sein eigener Anschlag nun fuͤr das folgende Jahr sey: Eir eiten der Marine, des Volkes, wie des Hofes hier an. Spaͤ⸗
Brahe, dem Hofmarschall Freiherrn Koskull,
Jacobg, &
en Dampfschiff „Gylfe“ unter festlichem Empfang von
war Cour, wobei Se. Majestaͤt den Herzog von Leuchten⸗
daß ein Ueberschuf ra den Reichsherren und den Staatsraͤthen vorstellten, ihn — al ¹ 9 S 1 7 i 7 4
zusammen 33,270,0608 ch zum Seraphinen⸗Ritter ernannten und ihm Ihr eigenes amt 1,500,000 Pfd.; vermischte Einnahmen 200,000 Pfd.; Auf.
3 in sen v fͤr m
band zum Beweise Ihrer persoͤnlichen Zuneigung und Ihrer ülung fuͤr das Andenken seines Vaters, des Freundes Sr. dajestät, einhaͤndigten. Interessant ist in Beziehung auf die bevorstehende Reise des aanigs folgendes Schreiben aus Jemtland vom 1sten d., das man üzich im Aftonblad fand: „Die beabsichtigte Koͤnigl. Reise 8as Norwegen durch die hiesige Gegend ist der Gegenstand der slichen Gespraͤche und giebt den reichsten Anlaß zu Ueberlegun⸗ in, um nicht zu sagen Gruͤbeleien, oder, was aͤrger waͤre, Be⸗ egnissen. Es wird wohl von den Rapporten des Koͤnigl. Be⸗ isihabenden abhaͤngen, ob der Weg hierher eingeschlagen wird, und es ist zu glauben, daß diese Rapporte nichts Anderes ent⸗ salten koͤnnen, als: es sey wohl moͤglich, daß Se. Majestaͤt mit ühren Wagen und Ihrem Gefolge durchkommen koͤnnten, allein age Reise wuͤrde fuͤr Sie beschwerlich werden. Man darf nicht nvorbereitet auf Schwierigkeiten in einer Gebirgsgegend seyn, po erst seit einigen Dezennien Wagen zum Vorschein ge⸗ bmmen sind, wo die E mehrere Meilen von ren ungeheuern Wegstrecken ab wohnen, wo der Schnee an inigen Stellen noch auf dem Landwege liegt und wo endlich ine seit Menschengedenken nicht erhoͤrte Wasserfluth diesen Som⸗ er große Verheerungen auf den Landwegen angerichtet hat. Angeachtet aller Anstrengung sind noch verschiedene Wegstrecken fast unfahrbar, da das Wasser sich noch nicht gesenkt hat und der Weg so fortgespuͤlt oder uͤberschwemmt ist, daß noch keine Ausbesserung hat vorgenommen werden koͤnnen. Dieses verhaͤlt ich auch dort so, wo der Schnee noch liegt, dennoch hofft man ort, obgleich beispielshalber eine Schneetrift von ungefähr 60 llen lang und hier und da sieben Ellen tief noch uͤber dem Wege liegt, durch Schaufeln und mit Beihuͤlfe feuchter Luft jese und ihres gleichen vor Ausgang dieses Monats fortzuschaf⸗ in. Was die Pferde betrifft, rechnet man so: Fuͤr Se. Ma⸗ staͤt eigene Person mit Sr. Excellenz (dem General⸗Adjutan⸗ n) und Gefolge 20 Pferde; fuͤr die Koͤnigliche Kuͤche mit Zu⸗ ihor 30; fuͤr den Distrikts⸗General, den Landes⸗Hauptmann, im Regiments⸗Chef und die uͤbrigen von Amtswegen dienst⸗ suenden Personen 16: macht 66 Pferde, welche sich von bis 5 Meilen weit her anschaffen lassen, mit Ausnahme von höchstens drei Stellen des Pferde⸗ Wechsels, wo die Entfernung groͤßer seyn kann. Daß der verehrte und geliebte Monarch mit Freude auch in diesem entlegenen Theil seines Koͤ⸗ nigreichs wird empfangen werden, ist gewiß; moͤchte nur seine Gesundheit die Anstrengung aushalten, welche noch gefahrvoller durch kalte Naͤchte und vielleicht eintretenden Schneefall, beson⸗ ders im Gebirge, werden kann! Unbemerkt darf nicht gelassen werden, daß der zweckmaͤßigste Anspann vor dem Koͤniglichen Wagen sechs oder sieben Pferde seyn werde, wovon drei neben inander, denn mit vieren hat es mehr Ungelegenheit, indem das hierte Pferd nicht beqguemen Raum auf dem alten Wege hat, ondern oft in dem neuen Zubau, der sich noch nicht hat setzen ionnen, niedertritt.“
Die fuͤr die Reise amtlich angezeigte Route ist seitdem wie fülgt bestimmt: Am 16ten d. nach dem Koͤnigl. Lustschlosse Ro⸗ satberg, am 17ten nach Sahlestad (bis wohin J. Maj. Ihren bemahl begleiten), am 18ten nach Gefle, am 19ten nach Soͤ⸗ herhamn, am 20sten nach Huddikswall, am 2lsten nach Sunds⸗ val, am 22sten nach Hernoͤsand, am 23sten zuruͤck nach Sunds⸗ vall, am Zästen nach Torpshammar, am 25sten nach Grimsnaͤs, 26sten nach Oestersund, am 27sten nach Aberg, am 28sten ach Forssa, am 29sten nach Suhl in Norwegen, am 360sten nach evanger, am 31sten nach Drontheim.
Das Koͤnigl. Reise⸗Gefolge wird bestehen aus dem Grafen 1 dem Kabinets⸗Kam⸗ erherrn, Grafen Lewenhaupt, dem Koͤnigl. Adjutanten, Major backman und noch einem Ordonnanz⸗Offtzier. 8
Deutschland.
Altona, 19. August. Immer noch gehen neue Berichte von den furchtbaren Verheerungen ein, welche der Sturm vom ] bis zum 10. August in den Kuͤsten⸗Laͤndereien angerichtet hat. Lalgende Notizen daruͤber sind aus den Wagrischen und Feh⸗ marnschen Blaͤtrern entlehnt. In Fehmarn, wo man am 14ten mi der Aerndte, die ganz vorzuͤglich zu werden versprach, den Anfang machen wollte, wird der Schaden einzelner Landleute reichlich auf 1000 Mark berechnet. Die Gerste lag, von dem Sturm ausgeschlagen, auf dem Felde, wo die leeren Halme einen raurigen Anblick gewaͤhrten. Mit Weizen und Roggen stand nicht viel besser und auch der Hafer hatte bedeutend gelitten; dielen Leuten mag kaum so viel Getraide zum Einaͤrndten geblie⸗ ten seyn, als sie fuͤr ihren eigenen Hausstand gebrauchen. — n Heiligenhafen wurde der Verlust von sachverstaͤndigen Linwohnern vorlaͤufig auf etwa 1000 Tonnen Weizen und eben d viele Gerste geschaäͤtzt. — Aus Oldenburg wird geschrieben: „Die aͤltesten Oekonomen erinnern sich nicht, es je erlebt zu ha⸗ ben, daß bei einer noch voͤllig unreifen Frucht der Sturm eine solche Vernichtung anrichtete. Der Grund dieser Zerstoͤrung ist wohl in dem stoßweisen Anhalten des Sturms oder gar in einer krankhaften Construction der Pflanze selbst zu suchen. Fuͤr die hiesige Gegend ist der Schaden um so druͤckender, da auch das Bhenler⸗Korn (wahrscheinlich wegen der Duͤrre) nur hoͤchst mit⸗ 8 hig gerieth, und die Rappsaat⸗Aerndte nicht mehr als den
rag de⸗ dritten Korns gab.“ Ferner: „Besonders bieten die
eizen⸗Felder mit ihren kornenleeren Halmen einen traurigen dat. Von Gerste ist die sogenannte Kuͤhlgerste groͤßten⸗ 168 ausgeschlagen, weniger hat an manchen Stellen die Lehm⸗ 11. gelitten. Obstbaͤume, die nicht sehr geschuͤtzt standen, ste— 8 entleert von Fruͤchten mit zerschlagenem gelbem Laube da,
st das Kraut mancher Gemuͤse⸗Arten, wie von Kartoffeln, veagahh u. s. w. ist zerschlagen und verwelkt. Auf einem nahe Füicegen Gute hat der Sturm ein neu bestelltes Rappsaat⸗Feld ’18 8 ch verwuͤstet, indem er den leichten Boden sammt der Saat 8 b Luft trieb. ‚Unsere Kartoffel⸗Aerndte scheint noch schlech⸗ * rlaͤßrige werden zu wollen.“ Gaͤrten und Felder satscn hier durch die lange anhaltende Duͤrre bereits sehr ge⸗
Leipzig, 20. August. Es hat sich in unserer tadt der muskwürdige Fall zugetragen, daß in der Zeit dg 8. 12 14. Au⸗ tnlistn 5 Personen gestorben sind. Man weiß aus den Tod⸗ . daß dies nur vor 49 Jahren, und fast zu derselben ehreszeit, naͤmlich vom 12. — 18. August 17860, stattgefunden 1 aif Haͤgpals kamen von den 5 Verstorbenen I auf die Stadt, poriege ie Vorstadt und 2 auf das Waisenhaus; gegenwaͤrtig 8 50 auf die Stadt, 1 auf die Vorstadt und 1 auf das nan sia pital. 8 Noch interessanter erscheint das Verhaͤltniß, wenn c) erinnert, daß Leipzig kurz nach 1786, im Jahre 1789,
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32,144 Einwohner zaͤhlte, waͤhrend es gegenwaͤrtig 44,802 berglei⸗ chen in 1448 bewohnten Gebaͤuden (20 sind unbewohnt) umfaßt.
Spanien.
Die Times enthaͤlt nachstehendes Schreiben aus Barce⸗ lona vom 4. August, also vom Tage vor den letzten Unruhen: „Eine furchtbare Partei, die ihr Wesen im Geheimen und leider mit Erfolg treibt, sucht die arbeitende Klasse au zuregen und ihr die gefaͤhrlichsten Grundsäͤtze einzufloͤßen. Es hat sich hier ein Ar⸗ beiter⸗Verein gebildet, um die Fabriken⸗Besitzer zu einem hoͤheren Arbeitslohn zu zwingen. Er zaͤhlt wohl an 20,000 Mitglieder, und obgleich sehr friedliche Leute darunter sind, so ist doch die Macht des Beispiels nur zu bekannt, und nament⸗ lich, wenn es sich um Privat⸗Interessen handelt. Die Fabrikanten koͤnnen sich indeß nicht zu hoͤherem Lohn verstehen, da sie, in Folge des Buͤrgerkrieges und des uͤberhandnehmenden Schleichhandels, nicht mehr den Absatz fuͤr ihre Waaren finden wie fruͤher, und mehrere wuͤrden gewiß schon laͤngst ihre Laͤden geschlossen haben, wenn die Civil⸗Behoͤrden sie nicht, durch An⸗ drohung schwerer Strafe, davon abgehalten haͤtten. Außerdem wird beabsichtigt, die Constitution von 1812 in dieser Stadt zu proklamiren. Es ist schwierig, vorher zu sehen, was die Folge bieses verwickelten Zustandes der Dinge seyn wird. — Llauder hat Truppen aus dem Innern nach Barcelona beordert. Jau⸗ reguy, der an der Stelle des kranken Generals Saquetti das Kommando fuͤhrt, hat eine aus den vornehmsten Beam⸗ ten der Stadt bestehende Junta zusammenberufen, in welcher beschlossen wurde, auf keinen Fall das Einruͤcken von Truppen in Barcelona zu dulden, indem die Freiwilligen gedroht Fabhe sich mit dem Volke zu vereinigen, im Falle der General
lauder Zwangsmaßregeln ergreifen wolle. Die Stadt ist mit Flugschriften uͤberschwemmt, worin Llauder der abscheulichsten Verbrechen angeklagt wird. Die alte Erzaͤhlung von seiner Ver⸗ raͤtherei gegen seinen Wohlthaͤter, den Genetral Lacy, so wie sein Pluͤnderungs⸗System, sind mit den grellsten Farben geschildert. Die letztere Anklage ist, wie ich fuͤrchte, gegruͤndet, denn er er⸗ hob verschiedene Contributionen, wie er sagte, fuͤr den Dienst der Koͤnigin, doch ist es ihm nie eingefallen, Rechenschaft uͤber die Verwendung jener Summen abzulegen. Nicht weni⸗ ger begruͤndet ist die Beschuldigung, daß er den Moͤn⸗ chen gegen bedeutende Summen seinen Schutz zusagte. Nach den Vorfaͤllen in Saragossa sandten die Moͤnche eine De⸗ putation an ihn, welche den Wunsch aussprach, die Kloͤster zu verlassen. Er wiederholte jedoch, daß, so lange er in der Pro⸗ vinz kommandire, ihnen nicht die geringste Beleidigung wider⸗ fahren solle, und erneuerte die Versicherung seines Schutzes. Mehrere Offiziere außer Dienst haben Barcelona verlassen und sich zu Don Carlos begeben. Dasselbe hat zu Cerrera und an andern Orten zwischen Barcelona und Saragossa stattgefunden.“
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
New⸗York, 7. Juli. Der Praͤsident der Vereinigten Staaten ist am éten von Washington mit dem Dampfboot „Columbia“ nach dem Fort Calhoun abgegangen, wo er sich, seiner Gesundheit wegen, einige Wochen aufhalten will.
Der 4. Juli, der Jahrestag der Unabhaͤngigkeit der Verei⸗ nigten Staaten, wurde in Washington nur von einzelnen Pri— vat⸗Gesellschaften gefeiert. In New⸗York war die Feiter allge⸗ meiner, und man befuͤrchtete Unruhen, weil sich der Haß gegen die Irländer, die fast alle Buden um den Park herum einge⸗ nommen hatten, ganz laut aussprach. Die trefflichen Anordnun⸗ gen der Polizei verhinderten jedoch jede Unordnung, und der Tag ging ruhig vorüber. Die Transparente vor dem Theater und vor dem Amerikanischen Museum fingen am Abend Feuer und verbrannten. Das Theater erlitt dabet keinen Schaden, aber im Museum wurde ein Fenster von den Flammen zerstoͤrt.
Der Baron von Thierry, welcher (wie schon fruͤher gemel⸗ det) dem Praͤsidenten in Bogota Vorschlaͤge gemacht hatte zur Verbindung des Atlantischen⸗ und Stillen⸗Meeres, quer uͤber die Landenge von Panama; wird sich nach Neu⸗Seeland be⸗ geben, um daselbst eine Niederlassung zu gruͤnden.
Die Franzoͤsische Akademie hat den von ihr ausgesetzten
reis, der in einer goldenen Medaille, 1200 Franken an Werth, esteht, dem Herrn P. S. du Ponceau aus Washington fuͤr seine Abhandlung uͤber die Grammatik der unter dem Namen Lenni, Lenape, Mohegan und Chippemai bekannten Nordameri⸗ kanischen Sprachen, zuerkannt.
8 Nachrichten aus Louisiana zufolge, hat in dem Staate Texas zwischen den in Galveston stationirten Mexikanischen
nes Gefecht stattgefunden, wobei 6 Menschen getoͤdtet wurden. Welcher Partei diese angehoͤrten, wird nicht gesagt.
Am 1. Juni wuͤthete in den Grafschaften Albemarle und Chesterfield, im Staate Virginien ein furchtbares Hagelwetter, das sich dreimal an diesem Tage, nämlich um 5, um 7 und um 9 Uhr wiederholte. Die Wolken, welche eine gruͤnliche Farbe hatten, bildeten sich fast immer auf dem nämlichen Punkte in der Naͤhe von Everettsville, in der Grafschaft Albemarle, und zogen dann, mit furchtbarer Schnelligkeit, genau in der Richtung von Nordwest nach Suͤdost, den James⸗Fluß entlang, bis Dover, wo sie sich mehr suͤdlich wandten und uͤber den Fluß hinuͤbersetz⸗ ten. Die Hagelkoͤrner waren von außerordentlicher Groͤße, je⸗ doch nicht in allen Wolken gleich. Bei dem ersten und letzten Hagelschauer waren die meisten so groß, wie Wallnuͤsse, waͤhrend einige die Groͤße von Gaͤnse⸗Eiern erreichten. Diese zersplitter⸗ ten, so wie sie niederfielen. Die Hagelkoͤrner waren auch noch in anderer Beziehung merkwuͤrdig, indem sie vollkommen kugel⸗ foͤrmig, so glatt, wie polirter Marmor und, im Vergleich mit gewoͤhnlichem Hagel, weich waren, weshalb sie auch sehr leicht zerbrachen. Das Brausen dieser Hagelwolken, die unaufhoͤrli⸗ chen Blitze, das Rollen des Donners und das Herabstuͤrzen der glaͤnzenden Eiskugeln machten, wie Augenzeugen berichten, das Ganze zu einem wahrhaft erhabenen Schauspiele. Der am Ge⸗ treide, in Gaͤrten und an den Fenstern angerichtete Schade ist betraͤchtlich, doch wehete zum Gluͤck nur ein schwacher Wind, und bei dem Falle der groͤßten Hagelkoͤrner war voͤllige Windstille.
Briefen aus Jamaica vom 15. Juni zufolge, haben die Neger auf den Cayman's⸗Inseln, nachdem sie durch den Gouver⸗ neur fuͤr frei erklaͤrt worden sind, ihre fruͤheren Herren verlassen
‚wurden getoͤdtet und Mehrere gefangen.
und wollen eine eigene Stadt gruͤnden.
Zeitungen aus Buenos Ayres melden, daß die Indianer, welche große Verwuͤstungen in der Provinz Santa Fe anrichte⸗ ten, von den dortigen Truppen angegriffen und voͤllig geschlagen worden sind. Nur Einem gelang es, zu entkommen. Der Ka⸗ zike Blas Antonio, der die Indianer kommandirte und sich durch seine Raͤubereien und seine Treulosigkeit beruͤhmt gemacht hat, ist in dem Gefecht umgekommen. Vier und sechszig Indianer Auch siel eine große
ger, die keinen Verlust er⸗
Heerde Vieh in die Haͤnde der Sie litten.
bbel durch huldvolle Freundlichkeit.
Truppen und einigen Buͤrgern der Vereinigten Staaten ein klei⸗
Inland.
Aus Danzig meldet man unterm 18ten d. M.: „Bald nach Anbruch des gestrigen Tages ruͤckte die Garnison unserer Stadt zum Olivaer⸗Thore hinaus und vereinigte sich sodann mit den aus der Umgegend herbeigezoge⸗ nen Kavallerie⸗Regimentern auf dem großen Cxerzier⸗Platze. Um halb 10 Uhr Vormittags begaben sich Se. Majestaͤt der Kaiser, in Begleitung Sr. K. H. des Kronprinzen, zu Wagen dorthin, um die Truppen zu inspiziren und besichtigten hiernaͤchst die auf dem Hagels⸗ und dem Bischofs⸗Berge befindlichen Forts, so wie das Zeughaus. Ihre Majestaͤt die Kaiserin nahmen mittlerweile die Pfarrkirche in Augenschein. Im Laufe dieses Tages statte⸗ ten die Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaften auch dem Fuͤrst⸗ Bischof von Ermland in Oliva einen Besuch ab. Ein Ball paré dagegen, den die Stadt im Artushofe veranstaltet hatte, wurde von dem Fe. Kaiser⸗Paare nicht angenommen. Heute in aller Fruͤhe haben Se. Majestaͤt der Kaiser, und einige Stun⸗ den spaͤter die. uͤbrigen Hoͤchsten und Hohen Herrschaften, worun⸗ ter auch JJ. KK. HH. der Prinz und die Prinzessin Friedrich der Niederlande, unsere Stadt wieder verlassen.“
— Aus Frankfurt an der Oder geht uns fol⸗ gende gefaͤllige Mittheilung zuW „Der 20. August war fuͤr unsere Stadt ein froher festlicher Tag. Ihre Majestaͤt die Kai⸗ serin von Rußland kam auf Ihrer Reise nach Fischbach fruͤh gegen 9 Uhr durch Frankfurt. Zu Allerhoͤchstdero feierlichem Em⸗ pfang hatte die Stadt drei Ehrenpforten errichtet, von denen die⸗ jenige am Eingange in die Stadt, aus 5 gothischen Bogen be⸗ stehend, durch ihre Groͤße und geschmackvolle Decoration sich aus⸗ zeichnete. Alle Haͤuser der Straßen, durch welche der Weg der hohen Reisenden fuͤhrte, waren mit Festons, Kraͤnzen und Blu⸗ mengewinden geschmuͤckt. In Nischen von Laubwerk erblickte man die Buͤsten und Bildnisse der Kaiserin, des Koͤnigs und der hochseligen Koͤnigin Majestaͤten. Eine froͤhliche Menschen⸗ menge wogte vom fruͤhen Morgen an durch die Straßen, bis die hochgefeierte Tochter des geliebten Koͤnigs erschien. Unter dem Gelaͤute der Glocken und dem Hurrahrufe des Volks fuhr Aller⸗ hoͤchstdieselbe in unsere Stadt ein und erwiederte den lauten Ju⸗ An der großen Ehrenpforte brachte eine Deputation des Magistrats und der Buͤgerschaft, so wie die Geistlichkeit der Stadt der hohen Reisenden die Huldi⸗ gungen der tiefsten Ehrfurcht dar und Allerhoͤchstdieselben versi⸗ cherten mit herablassender Guͤte, uͤber den freundlichen Empfang der Stadt sehr erfreut zu seyn und den guten Sinn einer ge⸗ treuen Buͤrgerschaft mit Vergnuͤgen wahrzunehmen. Die Kaiserin fuhr hierauf langsam durch die Straßen und geruhte beim Wech⸗ seln der Pferde die Huldigungen der versammelten Generalitaͤt und hohen Staats⸗Beamten, so wie auch einige der dargebotenen Erfrischungen anzunehmen. Ruͤhrend und erhebend war es Al⸗ len, in der hohen Wuͤrde und Anmuth der Kaiserin das Anden⸗ ken der unvergeßlichen Koͤnigin lebhaft erneuet zu sehen. Im
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Berlin, 22. August.
der Großfuͤrst Konstantin Kaiserliche Hoheiten. Auf das . genehmste aber wurden Alle uͤberrascht, als sie zur Seite der hohen Monarchin deren Schwester, die Prinzessin Louise, Ge-. mahlin des Prinzen Friedrich der Niederlande, erblickten. Je weniger die Stadt auf die Erscheinung dieser Fuͤrstin vorberei⸗ tet war, desto erfreuender war der uͤberraschende Anblick des er⸗ habenen Schwester⸗Paares. Se. Koͤnigliche Hoheit der Prinz Wilhelm, Sohn Sr. Majestoͤt des Koͤnigs, hatte die Kaiserin von Kuͤstrin hierher begleitet, wird heute in unserer Stadt ver⸗ weilen und morgen Nachmittag mit Hoͤchstseiner Gemahlin, die von Berlin erwartet wird, die Reise nach Schlesien fortsetzen.“ — Der Direktor des Militair⸗Knaben⸗Erziehungs⸗Instituts zu Annaburg, Oberst von Bentheim, ist, wie das Militair⸗ Wochenblatt meldet, als General⸗Major mit Pension in den Ruhestand versetzt worden. — Am 29. Juni wurde der von dem Verein zur Befoͤrde⸗ rung der Landes⸗Verschoͤnerung in der Naͤhe der Stadt Wit tenberg angelegte Kreisgarten durch ein Festmahl eingeweiht wozu der 35ste Geburtstag Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Karl, Hoͤchstwelcher das Protektorat des Vereins uͤbernommen hat, eine eben so erfreuliche als wohl geeignete Veranlassung dar⸗ bot. Von freundlichen Umgebungen und dem schoͤnsten Wetter beguͤnstigt, fand das Fest, zu welchem sich zahlreiche Theilnehme aus allen Staͤnden — saͤmmtlich Mitglieder des Vereins — ein
gefunden hatten, einen lebhaften Anklang und es ward der⸗ Toast
auf den erhabenen Protektor in ansprechender Weise ausgebracht. — Am 15ten d. M. fand zu Koblenz die erste Versamm⸗ lung des kuͤrzlich in Vorschlag gebrachten Lokal⸗Ausschusses von dem Niederrheinischen landwirthschaftlichen Vereine statt. Es hatten sich zu derselben etwa 40 Mitglieder eingefunden. Auch wohnten der General der Kavallerie und kommandirende Gene⸗ ral des VIII. Armee⸗Corps, Herr von Borstell, so wie der Re⸗ gierungs⸗Vice⸗Praͤsident, Freiherr von Spiegel, den Verhandlungen bei. Beide erklaͤrten zugleich, daß sie gesonnen waͤren, dem Ver⸗ eine als wirkliche Mitglieder beizutreten, was alle Anwesende mit lebhafter Freude erfuͤllte. Nachdem die Statuten verlesen und zur Wahl des Vorstandes geschritten worden, kamen ver⸗ schie dene Abhandlungen zum Vortrage; unter ihnen ein Aufsatz des Professors Dr. Kaufmann in Bonn uͤber die Vorzuͤge eines Wollmarktes in Koblenz, der zu interessanten Debatten Anlaß gab. Nach einem festlichen Mahle trennte die Versammlung sich, indem der naͤchste Sitzungs⸗Tag auf den 26. Oktober ange⸗ setzt wurde. “
. 8 8 „Bei Gelegenheit der Vorstellung des neuesten Drama's von Victor Hugo: „Angelo, Tyrann von Padua“, auf dieser Buͤhne sind wir zu nachstehenden allgemeinen Betrachtungen, sowohl in Bezug auf die freie Bearbeitung desselben von Theodor Hell, als auf die mimische Darstellung, wie sie eigentlich beschaffen seyn muͤßte, veranlaßt worden.
Man mag es auch den unkraͤftigen Armen, die einen Ulys⸗ S zu spannen sich unterfangen, als Muth anrechnen und bre Anstrengung als Fleiß ruͤbmen, ja, man kann zugeben, daß derijenige, der etwas Rechtes leisten will, sich mehr als er ver⸗ mag zutrauen muß, und Alles diez, was zunäaͤchst nur von ei⸗ nem Individuum gilt, auch auf eine Gesellschaßt auf ein Zusammen⸗ wirken mehrerer Einzelner, mithin auch auf einen Buͤhnen⸗Verein, ausdehnen. Aber dessenungeachtet bleibt es eine ewige, unumstoͤßliche Wahrheit, daß in der Kunstsphaͤre der Fleiß ohne gehdriges Talent, die Anstrengung ohne zureichende Kraft keinen Werth haben kann. Am wenigsten aber wird die Sache dadurch gut gemacht, wenn, im Bewußtseyn unzulaͤnglichen Vermoͤgens, oder in zu muthigem Glauben an dessen Zulaͤnglichkeit, der Fleiß, in Ruͤcksicht auf die dloße Grame⸗ matik der Kunst, zwar etwas nicht eben Unrichtiges, ja Regelmä⸗ ßlges leistet, aber in Ermangelung der Kraft etwas ganz Anderes zur Anschauung bringt, als die Aufgabe fordert. Die genialen, aber monstroͤsen Dramen Victor Hugo’'s humanistren, die gewaltigen
Charaktere maͤßigen und die furchtbare Handlung mildern wo en/
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Gefolge der Kaiserin befanden sich die Großfuͤrstin Olga und