1835 / 249 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

findet. Ich will mich jetzt nicht in eine Eroͤrterung derselben einlassen, aber ich wuͤnsche, die Aufmerksamkeit des Hauses und des Publikums dar⸗ auf zu lenken, in welche Lage das Ministerium versetzt werden muß, wenn nicht eine Bill, wie die gegenwaͤrtige, angenommen wird. Das Haus hat im Laufe der Diskussionen dieses Gegenstandes ge⸗ oͤrt, daß in nur zu vielen Ortschaften in Irland die Geistlichkeit sich in einem hoͤchst traurigen Zustande befindet, weil sie das ihr bestimmte Einkommen nicht empfaͤngt. Unser Zweck war, sowohl dem Frlaͤndischen Volke Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, als auch der Geistlichkeit Schutz zu gewaͤhren. Beides ist leider miß⸗ lungen. Die Folge hiervon ist, daß die Regierung, um die den Fraͤndischen Geistlichen vorgeschossene Million wieder zu erhalten, gegen alle Geistlichen der Irlaͤndischen Kirche, selbst gegen solche, die nichts empfangen haben und nicht die Mittel 1 Zahlung be⸗ sitzen, mit Strenge wird verfahren muͤssen. Dieses Verfahren, so hart und unbillig es auch seyn mag, muß dennoch, wenn ich die Zu⸗ stimmung des Hauses zu meiner Bill nicht erhalte, in Ausfuͤhrung gebracht werden, denn ich darf, als Minister der Krone, nicht die Verantwortlichkeit auf mich laden, das Gesetz des Landes zu sus⸗ pendiren, vielmehr muß ich die Anwendung desselben erzwingen. Ich hboffe indeß, das Haus wird mir darin beistimmen, daß es hoͤchst un⸗ gerecht und unnuͤtz seyn wuͤrde, von den Geistlichen, die entweder nichts erhalten haben oder durchaus zahlungsunfaͤhig sind, zu ver⸗ langen, daß sie ihren Antheil bezahlen sollten. Der Zweck der Bill, zu deren Einbringung ich die Erlaubniß des Hauses nachsuche, ist nicht, einen Pfennig an der Summe nachzulassen, sondern das Ministerium zu ermaͤchtigen, wenn es Gesuche von der Geistlichkeit erhaͤlt, worin auf eine genuͤgende Weise dargethan wird, daß die Parteien nicht zahlen koͤnnen, in solchen Faͤllen, sage ich, das Mi⸗ isterium zu ermaͤchtigen, die Forderung bis zu der Wieder⸗Ver⸗ ammlung des Parlaments, d. h. bis zum naͤchsten 1. April, suspen⸗

iren zu duͤrfen.“ (Beifall.) Der Minister erhielt die Erlaubniß zur Einbringung der

Bill, die auch noch in derselben Sitzung zum ersten Male ver⸗

lesen und zum Druck verordnet wurde.

Unterhaus. Sitzung vom 31. Aug. (Nachtrag) Vor den (gestern mitgetheilten) Schlußworten der Rede des Lord John Russell, womit derselbe auf Erwaͤgung der vom Oberhause zu der Munizipal⸗Reform⸗Bill angenommenen Amendements an⸗ trug, verdient noch folgende Stelle, als die Absichten des Mi⸗ nisteriums bezeichnend, herausgehoben zu werden:

„Ich habe nun“, sagte der Redner, „dem Hause meine Mei⸗ nung vorgelegt, und ich hege die Ueberzeugung, daß ich durch die verschiedenen Zugestaͤndnisse, welche das Ministerlum zu machen ge⸗ neigt ist, zur Genuͤge dargethan habe, wie gern dasselbe zu einer Verstaͤndigung in Bezug auf diese Bill gelangen moͤchte, durch wel⸗ ches die gute Verfassung der kuͤnftigen Corporationen nicht verhin⸗ dert und zugleich die Wuͤrde und der Charakter keines der beiden Haͤuser des Parlaments verletzt oder befleckt wuͤrde. Sollten aber diese Zugestaͤndnisse nicht genuͤgend scheinen, oder sollte das Ober⸗ haus auf anderen Amendements bestehen, so werde ich dennoch den Weg, den ich eingeschlagen habe, nicht bedauern. Ich bin der Mei⸗ nung gewesen, daß vor der Reform⸗Bill und seit Annahme dersel⸗ ben große Reformen noͤthig waren, und daß große und notorische Mißbraͤuche der Abhuͤlfe bedurften; und so Sabe ich eifrigst gegen jedes Verfahren des anderen Hauses protestirt, wenn es darauf an⸗ kam, die Rechte und die Wuͤrde dieses Hauses zu wahren; ich glaube aber, daß wir weder an Charakter noch an Wuͤrde verlieren werden, wenn wir zeigen, daß wir bereit sind, mit Maͤßigung und Nachgie⸗ bigkeit uͤber die Amendements des anderen Hauses zu diskutiren, und ich bin der Meinung, daß, wenn die jetziae Verfassung dieses Landes, die Verfassung mit drei gesetzgebenden Gewalten, fortbeste⸗ hen soll, wir nur auf solche Weise Verbesserungen in die Gesetzge⸗ bung eingefuͤhrt seben koöͤnnen.“

Sir R. Peel erklaͤrte sich (wie bereits gestern erwaͤhnt) in mehreren Punkten mit dem Ministerium einverstanden. So sprach er sich namentlich gegen die Wahl der Aldermaͤnner auf Lebens⸗ zeit aus, und glaubte, daß der Vorschlag des Lord Russell, sie auf 6 Jahre zuü ernennen, der Art sey, daß die Lords sich nicht weigern koͤnnten, ihm beizutreten. Im Ganzen war er auch der Ansicht des Lords, daß die Stadt⸗Secretaire nicht unabsetzbar seyn, und daß die Friedens⸗Richter nicht auf Lebenszeit ernannt werden duͤrften. Was die zur Stelle eines Stadtraths gefor⸗ derte Vermoͤgens⸗Qualification anbelangt, so war er dem von Lord Russell als inquisitorisch bezeichneten Verfahren, wie es durch das Amendement des Oberhauses, wonach der Mayor diese Aua⸗ lification erst untersuchen sollte, herbeigefuͤhrt werden wuͤrde, nicht weniger entgegen, als Lord John Russell, wenn er auch die Ver⸗ moͤgens⸗Qualification im Allgemeinen nicht mißbilligte. Dagegen verwarf er durchaus den Vorschlag des Ministers, daß bei Be⸗ setzung von Pfarrstellen alle Munizipal⸗Beamte gleiche Rechte haben sollten, welcher religioͤsen Sekte sie auch angehoͤren moͤch⸗ ten. „Wo buͤrgerliche Rechte, weltliche Geschaͤfte oder Gewerbe in Betracht kommen“, sagte er, „da wird man nie berechtigt seyn, einen Unterschied zwischen den verschiedenen Religions⸗Sek⸗ ten zu machen; wo aber die Rede davon ist, zu beurtheilen, ob ein Geistlicher der Anglikanischen Kirche zur Verwaltung eines geistlichen Amts befaͤhigt ist, da hat man eben so großes Recht, zu verlangen, daß die Entscheidung daruͤber den Mittgliedern dieser Kirche vorbehalten bleibe. Toleranz muß man eben so gut den Mitgliedern der herrschenden Kirche gewaͤhren, wie den Dissen⸗ ters.“ Schließlich sprach sich uͤbrigens Sir Robert sehr ent⸗ schieden dafuͤr aus, daß die Munizipal⸗Reform⸗Bill noch in die⸗ ser Session zum Gesetz werden moͤchte, und durch Nachgiebig⸗ keit, meinte er, sey dieser Zweck zu erreichen; schon jetzt sey man uͤber die Hauptsache einig, und das Prinzip, daß die Munizipal⸗ Behoͤrden vom Volke gewaͤhlt, beaufsichtigt und zum Theil jaͤhr⸗ lich einer neuen Wahl unterworfen seyn muͤßten, sey gesichert; die uͤbrigen Punkte seyen weniger bedeutend, und eine Verstaͤn⸗ digung daruͤber jetzt noch moͤglich, waͤhrend sie in der naͤchsten Sesston vielleicht nicht mehr herbeigefuͤhrt werden koͤnne. Herr Hume, der hierauf das Wort ergriff, meinte, daß nur die Bill in ihrer urspruͤnglichen Gestalt das Volk befriedigt haben wuͤrde; besonders erklaͤrte er sich gegen die Qualifications⸗Klausel und fragte, was denn die Pairs selbst fuͤr eine Qualification zu ihren Functionen aufzuweisen haben koͤnnten. Man spreche immer von einem Geiste des Friedens und der Ordnung, ohne zu be⸗ denken, daß es immer das Oberhaus sey, welches ohne Ruͤcksicht auf Vernunft und Delikatesse den Frieden und die Ordnung breche. Wenn die vom Unterhause vorgeschlagenen Reformen fortdauernd so behandelt wuͤrden, so sey es wohl endlich einmal an der Zeit, das Oberhaus selbst zu reformiren. Herr Grote wußte an den Pairs nur Eins zu bbene daß sie naͤmlich Entschlossenheit und Konsequenz gezeigt haͤtten, und wuͤnschte, das Untexhaus moͤchte sich dieselben in dieser Hinsicht zum Muster nehmen. Beide uͤbertraf an Heftigkeit Herr Roebuck. Er klagte die Lords an, daß sie dem Willen eines eintraͤchtigen Volkes mit Verachtung begegnet seyen; er fragte, warum die Repraͤsentanten des Vol⸗ kes die Beleidigungen einer so machtlosen Versammlung dulden sollten, da sie doch die Macht besaͤßen, dieselbe zu zermalmen. Kindisch und laͤppisch sey es, bei der vorliegenden Gelegenheit von Zugestaͤndnissen zu reden. Er gehoͤre zu denen, die es fuͤr noͤthig hielten, das Volk zu einem an Revoluütion graͤn⸗ zenden Zustande zu erregen, air⸗ 2 verhindern, daß eine solche Koͤrperschaft, wie das Oberhaus, sich die Herr⸗

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schaft und so lange er seine Hand an den „schmutzigen Fleck“ legen koͤnne, wo alle gute Maßnahmen ver⸗ stuͤmmelt oder verworfen worden seyen, koͤnne er nicht umhin, den Geist der Nachgiebigkeit zu verdammen, der vorzuherrschen scheine. Viel maͤßiger war der Vortrag des Herrn O'Connell, wenngleich auch er es nicht an scharfem Tadel uͤber das Ober⸗ haus fehlen ließ, und den Pairs den Vorwurf machte, daß sie jedem nuͤtzlichen Vorschlag in England entgegentraͤten, und auch nicht den mindesten Versuch machten, um den traurigen Zustand Irlands zu verbessern. Er erkannte an, daß die Minister in ih⸗ ren Zugestaͤndnissen so weit gegangen seyen, als ihnen Klugheit und Wuͤrde nur irgend gestatteten, und erklaͤrte es fuͤr raͤthlich, die Bill auch in ihrem neuen Zustande anzunehmen, da die Verbesse⸗ rungen, welche sie hervorrufe, bedeutend und Abhuͤlfe sonst in diesem Augenblick wenigstens gar nicht moͤglich sey. Es komme allerdings dem Unterhause zu, darauf zu achten, daß es in seinen Zugestaͤndnissen nicht zu weit gehe, aber nicht weniger zweckmaͤßig werde es fuͤr Andere seyn, deren Tage oder wenigstens Jahre gezaͤhlt seyen, zu uͤberlegen, ob sie nicht jetzt schon zu weit gegangen seyen. Dulde man die Faction, die jetzt im Öberhause herrsche, auch vielleicht in England noch laͤnger, so muͤsse man doch bedenken, daß in Irland, einem volkreichen Lande, die Saite der Geduld nicht viel laͤnger gespannt werden koͤnne, und nichts koͤnne den Ausbruch des Unmuths mehr beschleunigen, als wenn man sehe, daß das erste Ministerium, welches Irland Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu lassen Anstalt mache, in seinen besten Absichten die unuͤberwindlichsten Hindernisse erfahre. Am Schluß dieser Siz⸗ zung beantragte Herr Spring Rice die zweite Verlesung der Bill, wodurch die Zuruͤckforderung der an die Irlaͤndischen Zehn⸗ ten⸗Eigenthuͤmer vorgeschossenen Million noch suspendirt werden soll. Herr Hume meinte, man duͤrfe diese Bill nicht ohne die reiflichste Erwaͤgung passiren lassen, da das andere Haus die Zehnten⸗Bill, welche der Irlaͤndischen Geistlichkeit habe Abhuͤlfe gewaͤhren sollen, verworfen habe. Jedenfalls wuͤnschte er zu wissen, ob die Regierung jetzt noch militairischen Beistand zur Einsammlung von Gebuͤhren gewaͤhren wolle, von denen das an⸗ dere Haus gesagt, daß sie der Geistlichkeit nicht gebuͤhrten. Hr. Spring Rice hoffte, das ehrenwerthe Mitglied wuͤrde diese Frage morgen an Lord Morpeth richten, wenn derselbe auf sei⸗ nem Platz seyn werde; die Frage sey von aͤußerster Wichtigkeit, und deshalb waͤre es zu wuͤnschen, daß sie von dem edlen Lord beantwortet wuͤrde, in dessen Departement sie gehoͤre. Herr Hume erklaͤrte darauf, daß er am folgenden Tage den Lord Morpeth danach fragen werde, und Sir R. Peel bemerkte, diese Frage lasse sich nicht so leicht beantworten, denn es koͤnn⸗ ten Faͤlle eintreten, die man nicht vorauszusehen im Stande sey. Die Bill wurde demnaͤchst ohne Weiteres zum zweiten⸗ mal verlesen und die Diskussion im Ausschusse auf den folgen⸗

den Tag angesetzt.

London, 1. September. Die zu heute fruͤh einberufene Versammlung der Orangisten, welche der Großmeister, der Her⸗ zog von Cumberland, in seinem neulich erlassenen Briefe ange⸗ kuͤndigt hatte, wurde bei dem Vice⸗Großmeister, Lord Kenyon, um 11 Uhr abgehalten und sehr zahlreich besucht. Der Herzog von Cumberland war zugegen. Ueber den Beschluß der Ver⸗ sammlung ist noch nichts verlautet.

Der Herzog von Nemours wohnte gestern der Sitzung des Unterhauses bei und schien lebhaften Antheil an den Verhand⸗ lungen zu nehmen.

Die Morning Post enthaͤlt folgende Betrachtungen uͤber die jetzige parlamentarische Lage der Dinge in England: „Konnte wohl Lord Melbourne, als ein verstaͤndiger Mann, erwarten, das Oberhaus werde mitwirken zur Beraubung der Irlaͤndischen Kirche oder zur Umwaͤlzung aller Corporationen oder zur Bill uͤber die Schuldgefaͤngnisse, wodurch die in einem großen Handelsstaat so wichtigen Verhaͤltnisse zwischen Schuldnern und Glaͤubigern in Verwirrung gerathen waͤren? Nichts ist sicherer, als daß Melbourne nichts der Art von den Lords erwarten konnte auch hat er gewiß nie einen Gedanken daran gehabt. Daraus folgt, daß Melbourne und seine Kollegen das Land seit sechs Monaten zum Besten halten und damit zugleich die freilich geringe Zahl ehrlicher Leute unter ihren Anhaͤngern. Was anders war es als Taͤuschung, unwuͤrdige, truͤgerische Taͤu⸗ schung, Maßregeln in Berathung zu bringen, von denen ihre Urheber voraus wußten, daß sie im Hause der Lords nicht durchgehen wuͤrden? Waͤren Melbourne und seine Kollegen auf⸗ richtige Leute, sie wuͤrden offen zugestehen, daß sie mit allen ih⸗ ren Vorschlaͤgen nur auf den Busch klopfen wollten; sie haben ihre Experimente nur vorgenommen, um zuzusehen, inwiefern ein Zweig der Gesetzgebung die beiden andern entbehrlich machen koͤnne, und ob nicht das monarchische und das aristokratische Element in der gemischten Britischen Constitution dem demokratischen un⸗ terzuordnen sey. Die Organe der Verwaltung sagen uns, es muͤsse „neues Blut“ in die Pairie kommen, bevor sie mit der Gemeinen zusammenwirken koͤnne. Ja wohl neues und recht schlechtes Blut muͤßte in die Pairie geleitet werden, um sie em⸗ pfaͤnglich zu machen fuͤr die Russellsche Corporations⸗Bill. Wir fragen aber, haben das die Minister jetzt erst eingesehen? War etwa die große Entdeckung nicht vor sechs Monaten schon ge⸗ macht? Und wenn daruͤber kein Zweifel war, warum ha⸗ ben sie gesaͤumt, frisches Blut ins Oberhaus zu bringen; Die Ursache liegt sehr nahe. Sie wagten es damals nicht vorzu⸗ schlagen, wie sie es jetzt nicht wagen. Sie wollten dem Lande nur einen sechsmonatlichen Gehalt abnehmen, und das ist ihnen gelungen: sie haben ihr Geld in der Tasche; das Land hat be⸗ bekommen, was sie ihm gleich anfangs zudachten Nichts! Die Irlaͤndische Kirchenbill ist nicht zu Stande gekommen, weil Lord Melbourne und seine Kollegen es angemessen hielten, eine Bill einzubringen, von der sie voraus wußten, die drei Zweige der verfassungsmaͤßigen Gesetzgebung wuͤrden ihr nicht beistimmen. Das hat aber nichts zu sagen: Lord Melbourne und seine Kol⸗ legen sind zufrieden; sie haben ihre zwei Quartale bezogen. Grundlos ist die Behauptung, als sey das Volk von dem Un⸗ terhause ausschließlich repraͤsentirt. Die Gemeinen repraͤsentiren im Grunde nur die Waͤhler, also eine, wie die Pairs, bevorrechtete Klasse des Volks. Nach der Constitution be⸗ ruht in England die Staatsgewalt in Koͤnig, Lords und Ge⸗ meinen; nicht in Koͤnig, Lords und Volk, und wenn ein Mit⸗ glied des Unterhauses von einem „Hause des Volks“ spraͤche, waͤre es entweder unwissend und beschraͤnkt an Geist oder in groͤblicher Usurpation befangen. Nun fragt sich's nur: will das Volk von England von den Gemeinen allein regiert seyn und die ganze Staatsgewalt in den Haͤnden einer beguͤnstigten Klasse se⸗ hen? Wir unserer Seits wollen den Gemeinen so wenig eine despotische Macht zugestehen, als den Lords oder dem Koͤnig.“

Unter den vielen Petitionen, die dem Unterhause mit Hin⸗ sicht auf das von den Lords gegen die Munizipai⸗Reform⸗Bill beobachtete Verfahren vorgelegt sind, befindet sich auch eine, worin darum gebeten wird, daß eine Untersuchung angestellt werden

möge, um den Nutzen des erblichen Zweiges der gesetzgebenden Gewalt zu erforschen.

Da die Irlaͤndische Kirchen⸗Bill, zum großen Verdrusse O'Connell's, bis zur naͤchsten Session vertagt ist, so liegen dem Parlament weiter keine wichtige Geschaͤfte, außer der Munizipal⸗ Reform⸗Bill, mehr vor, und man sieht daher einer baldigen Prorogation desselben entgegen. Man glaubt, daß die Zwischen⸗ zeit zwischen beiden Sessionen dazu benutzt werden duͤrfte, ein Coalitions⸗Ministerium zu Stande zu bringen, in welchem Sir Robert Peel eine Hauptrolle spielen wuͤrde.

Der Courier sagt: „Einige Pairs haben das Geheimniß verrathen, weshalb die Bill in Betreff der Irlaͤndischen Polizei (eine der Maßregeln, welche das Ministerium zur Erhaltung der Ruhe in Irland an die Stelle der Zwangs⸗Bill vorgeschlagen hat) vom Oberhause verworfen worden. Sie enthielt naͤmlich eine Bestimmung, wonach Niemand unter die Konstabler sollte aufgenommen werden, wenn er nicht beschwoͤren koͤnnte, daß er keiner geheimen oder politischen Gesellschaft irgend einer Art an⸗ gehoͤre und in keine solche eintreten wolle.“

Nach den neuesten Berichten waren schon 7000 Mann von der Britischen Legion in Spanien gelandet. Der Rest sollte in diesen Tagen von Cork und Liverpool dahin abgegangen seyn.

Man erfaͤhrt, daß General Evans bereits mit Jaureguy in Streit

gerathen sey, und zwar wegen der Besetzung von Hernani, wel⸗ ches der Erstere befestigen wollte.

Das Koͤnigliche Kriegsschiff „Serpent“ hat am 29. Juni, nach lebhafter Verfolgung, den Spanischen Schooner „Sita“ an der Ostkuͤste von Cuba genommen, welcher 394 Sklaven an Bord hatte. Das Schiff hatte erst seit 39 Tagen die Afrikanische Kuͤste verlassen und nur 6 Sklaven verloren.

Im Standard liest man: „Die letzten Nachrichten aus Konstantinopel sind der Art, daß sie einen Krieg zwischen dem Sultan und Mehmed Ali als unvermeidlich besorgen lassen. Die Pforte wird die Leitung des Krieges dem Tahir Pascha uͤber⸗ tragen.

Die Bostoner Zeitungen berichten, daß in dem Staate Mississippi die groͤßte Aufregung in Folge der Maßnahme der fuͤr Freilassung der Sklaven gestimmten Partei vorherrsche, und daß der Gouverneur eine Proclamation erlassen habe, in wel⸗ cher er die Freunde der Emancipation (Abolitionisten, wie sie ge⸗ nannt werden) als eine Bande gesetzloser, gemeiner, niedertraͤch⸗ tiger Weißen bezeichnet, welche das Land durchziehen, um unter den Sklaven Empoͤrung zu erregen; der Gouverneur ermahmt zugleich die Civil- und Militair⸗Behoͤrden, auf ihrer Hut zu seyn und die groͤßte Wachsamkeit zu beobachten, um insurranm⸗ nelle Bewegungen zu unterdruͤcken, und besiehlt dem Generäl Quartiermeister, wenn er es fuͤr noͤthig halte, das Volk zu sei⸗ ner Selbstvertheidigung zu bewaffnen. In Charleston war die lebhafteste Unruhe durch die Nachricht entstanden, daß das von New⸗York ankommende Dampfboot Pamphlets am Bord habe, welche Aufhebung der Sklaverei predigen, und eine der Char⸗ lestoner Zeitungen empfahl, die Circulation dieser Pam. phlets zu verhindern. Das Volk griff den Vorschlag auf, machte zur Nachtzeit einen Angriff auf das Posthaus und ver brannte die verdaͤchtigen Packete.

Nach den Amerikanischen Blaͤttern sind jetzt als Kandidate fuͤr die Praͤsidentschaft der Vereinigten Staaten aufgetreten: vm Buren, von New⸗York; Lane, aus Ohio; Clay, aus Kentucky Harrisson, aus Indiana und White, aus Tenneseer.

Niederlande. 11“

Aus dem Haag, 1. Sept. Der Finanz⸗Minister ist in verwichener Nacht von seiner Reise nach Italien hierher zuruͤch ekehrt.

In Rotterdam hat der Klavier⸗Virtuos Herr Kalkbrenne mit ganz ausgezeichnetem Erfolge mehrere Konzerte gegeben. 8 Schweden und Norwegen.

Stockholm, 1. Sept. Der Koͤnig reiste am 23. Augus von Hernoͤsand weiter, machte die Ueberfahrt bei Faͤrjeholn und uͤbernachtete in Sundswell; am 24sten uͤber Wattjom nach Torphammars Bruk; am 25sten uͤber die Jaͤmtelandisce Graͤnze hinaus bis Grimnaͤs; am folgenden Tage uͤber O den, sala nach Oestersund. Ueberall Ehrenpforten, Triumphbogm, Volksgesaͤnge, Anreden und Antworten, Praͤsentationen, Erlei⸗ tung und Freudenfeuer. Der Koͤnig befand sich im beim Wohlseyn.

Am 28sten v. M. reiste die Kronprinzessin mit ihrem Ber der, dem Herzoge von Leuchtenberg, nach Rosersberg, machte an 30sten eine Lustfahrt nach dem Skokloster und traf gestern n Drottningholm ein. Gestern begab sich die Koͤnigin nach Hagt Deutschland. 2

Muͤnchen, 2. Sept. Ihre Majestaͤt die verwittwete K nigin wird sich dem Vernehmen nach nicht nach Wien begeba wie es fruͤher hieß, sondern noch laͤngere Zeit mit ihren erhab⸗ nen Gaͤsten in Tegernsee verbleiben.

Se. Durchlaucht Fuͤrst von Hohenlohe⸗Kirchberg ist u gestern hier angekommen und im Gasthofe zum schwarzen Adl abgestiegen. 1

Aschaffenburg, 2. September. Die Speyerer 3Z4 tung bringt folgenden, ihre gestrige Erzaäͤhlung berichtigend Artikel: „Die Geschichte des weiblichen Kaspar Hauser Hermersberg hat durch die Fama weit staͤrkere Schattirunge erhalten, als sie in der Wirklichkeir darbietet. In Folge eilg Liebes⸗Verhaͤltnisses, das sie angeknuͤpft hatte, und das die Bl gung ihrer Angehoͤrigen nicht erhielt, ward der Geist der Arnm zerruͤttet. In diesem Zustand behielt sie indessen ihr stile Wesen bei, und scheint uͤberhaupt nie in foͤrmlichen Wahnstc versunken gewesen zu seyn. Diese Geistesverwirrung wh. anlaßte die Aeltern, sich der laͤstigen Gegenwart ihrer T. ter durch Einsperrung derselben zu entledigen. Was man uͤbrigens im Publikum hier und anderwaͤrts von unterirdisce Behaͤltern erzaͤhlrt hat, worin dieselbe viele Jahre ohne Be gung zugebracht, von der außerordentlichen Anhaͤufung des l. raths, welcher sich durch die Laͤnge der Zeit mit der Ungllich lichen identisirt habe ꝛc. ꝛc., ist ohne Zweifel zum gröheh Leidwesen aller Freunde des Romantesken eben so unnch tig, als, nach der Meinung aller Aerzte, unmoͤglich. Der K ker bestand in einer Kuͤchen⸗Kammer zur ebenen Erde, Mg einer Bettstelle versehen; die Kost seiner Bewohnerin ug die der uͤbrigen Mitglieder des Hauses. Das Gemach wal uͤbrigens nie gescheuert und uͤberhaupt so unreinlich halten, daß Uneingeweihte es kaum einige Sekunden demselben auszuhalten vermochten. Nicht bestaͤndig war d Maͤdchen hier eingekerkert; zu verschiedenen Malen dul te sie, freilich nur auf kuͤrzere Perioden, ihr Gema⸗ verlassen, wo sie alsdann sich mit Spinnen und andern haͤugf chen Arbeiten beschaͤftigte. Wie selten man ihr indessen 19 Verguͤnstigung gestattet haben mag, erhellt aus dem Umscand

daß sie des Gebrauchs ihrer Fuͤße fast gaͤnzlich beraubt i man von voͤlligem Erloͤschen ihres Gedaͤchtnisses gesagt hat, ist licht weniger falsch; sie hat nicht bloß alle ihre 8Sege er⸗ lannt, sondern, wie es heißt, selbst das in ihrer Sache aufgesetzte Protokoll unterschrieben. Dem ganzen Orte war uͤbrigens ihr Aufenthalt bekannt, und Rohheit mehr als Grausamkeit scheint die Auelle dieser Behandlung gewesen zu seyn, die in ein noch düͤstereres Licht tritt, wenn man erfaͤhrt, daß die Mißhandelte die SFackeas fn sey, welche ihre harten Aeltern zu entschuldi⸗ gen gesucht. Stuttgart, 3. September. Se. Koͤnigl. Majestaͤt haben in Folge der nachgesuchten Enthebung des Fuͤrsten zu hehringen von dem Praͤsidium der Kammer der Standesherren burch hoͤchste Entschließung vom 26sten v. M. fuͤr den Rest der verfassungsmaͤßigen Dauer der jetzigen Staͤnde⸗Versammlung den fuͤrsten zu Hohenlohe⸗Langenburg zum Praͤsidenten der gedachten Kammer ernannt. 8

Baden, 3. Sept. Uebermorgen verlaͤßt re Kaiserliche Hoheit die Frau Prinzessin von Oranien kiee ee. e g slet Schaffhausen, Konstanz und Stuttgart nach dem Haag zuruͤck.

Hornberg, 28. August. Ihre Majestaͤt die verwittwete Koͤnigin von Neapel, Maria Isabella, ist Jss eg Abend hier eingetroffen und hat auf der Post ihr Absteige⸗Quartier genommen. Gestern besuchte Ihre Majestaͤt den schoͤnen Wasserfall zu Tri⸗ berg, kehrte hierher zuruͤck und setzte sodann nach eingenommenem Mittagsmahl Ihre Reise nach der Schweiz fort. g

Darmstadt, 3. September. Am 1. d. hat die, seit drei WVochen vertagt gewesene zweite Kammer unserer Landstaͤnde ihre Jhaͤtigkeit wieder begonnen. Der Praͤsident derselben hielt einen Vortrag uͤber die bisherigen Arbeiten dieser Kammer. Nach demselben haben (wie u. a. daraus hervorgeht) uͤber drei von der Staats⸗Regierung proponirte Gesetz⸗Entwuͤrfe, naͤmlich: 1) die Aufnahme und Beherbergung der Deserteurs und Refractairs; 2) die Erweiterung der Kompetenz der Friedensrichter in der Provinz Rheinhessen; und 3) die in den Provinzen Oberhessen und Starkenburg an geistliche Stellen zu leistenden Frohnden betr., beide Kammern sich zu uͤbereinstimmenden Beschluͤssen ver⸗ einigt, und es sind daruͤber gemeinschaftliche Adressen an Se. Koͤn. Hoh. den Großherzog erfolgt. Ueber folgende Gesetz⸗Ent⸗ wuͤrfe hat die zweite Kammer berathen und ihre Beschluͤsse der er— sten Kammer mitgetheilt, von derselben aber noch keine Antwort er⸗ halten; naͤmlich uͤber die Entwuͤrfe: 1) eines Forststrafgesetzes, 2) uͤber die Oeffentlichkeit des Verfahrens in Rheinhessischen Strassachen, 3) uͤber den Personal⸗Arrest bezuͤglich der Stadt Offenbach, 4) uͤber das Armenrecht in den Provinzen Starken⸗ burg und Oberhessen, 5) VJber Abaͤnderung des Artikels 386 des Rheinh. Strafgesetzbuches, und 6) üpJber den Gewerbsteuer⸗ Tarif. —. Der Praͤsident schloß seinen Vortrag u. a. mit den Worten: „Es geht hieraus (aus der gegebenen Ueber⸗ sicht der Geschaͤftslage) hervor, daß, auch ohne diejenigen Ar⸗ beiten in Anschlag zu bringen, welche außer den aufgezaͤhlten noch weiter durch Antworten der ersten auf ihr mitgetheilte Be⸗ schuͤsse der zweiten Kammer, so wie durch neue Propositionen der Staats⸗Regierung, oder neue Antraͤge und Beschwerden, entste⸗ hen koͤnnen, schon jetzt so viel 1 vorliegt, daß dadurch die Thaͤtigkeit der Ausschuͤsse und der Kammer auf nicht kurze Zeit in Anspruch genommen erscheint, wenn nicht nur uͤber alle Propositionen der Staats⸗Regierung, sondern, wie mit Recht er⸗ wartet werden kann, auch uͤber die gestellten Antraͤge und einge⸗ langten Petitionen berichtet, berathen und beschlossen werden soll. Ich uͤberlasse mich aber auch gern der Hoffnung, ein Jeder unter uns werde, so viel an ihm liegt, dazu beitragen, damit in Erfuͤllung gehe, was in der Thron⸗Rede vertrauensvoll geaͤußert wurde, näͤmlich: „Der Eifer der Staͤnde fuͤr das oͤffentliche Wohl buͤrge dafuͤr, daß dieselben, ungeachtet der Wichtigkeit und des Umfangs ihrer Arbeiten, durch angestrengte Thaͤtigkeit und Ent⸗ fernung unnoͤthiger Abschweifungen und Weitläuftigkeit, zur Ab⸗ kuͤtzung des Landtags beizutragen wissen wuͤrden.“

Frankfurt a. M., 31. August. (Schwaͤb. Merk.) Es wird versichert, daß die am letzten Mittwoch von unserer ge⸗ setzgebenden Versammlung gehaltene geheime Sitzung die Ver⸗ handlungen in Betreff des Anschlusses unserer Stadt an den Deutschen Zoll⸗Verein betraf, indem vermoͤge unserer Verfassung unser Senat ohne Vor⸗ und Mitwissen der gesetzgebenden Ver⸗ sammlung keine Vertraͤge mit andern Staaten abschließen kann. Man vermuthet, daß von Seiten des Senats alle geeigneten vorlaͤufigen Mittheilungen uͤber die in Berlin bisher gepflogenen Unterhandlungen in bemerkter geheimer Sitzung erfolgt seyen, und versichert, die Versammlung habe zur Genehmigung eines provisorischen Zoll⸗Tarifs ihre Zustimmung gegeben. Man sagt, daß die Einfuͤhrung des letzteren mit dem 1. Oktober statt⸗ finden werde. Der Bau eines Todtenhausses in unserer Vor⸗ stadt Sachsenhausen ist nun ausgefuͤhrt; dieses Gebaͤude enthaͤlt zur Aufbewahrung der Todten acht Zellen. In einer der letzten Nummern der Jahrbuͤcher wird jedoch daruͤber geklagt, daß die 1e dhishs neuen Todtenhauses nicht derjenigen e, welche sich an demjenigen auf dem Fran .

Friedhofe so sehr ruͤhmen lͤßt. 8 88l

Oesterreich.

88 Wien, 27. August. (Allgemeine Zeitung.) Seine Maestaͤt der Kaiser haben eine eigene Kommission ernannt, um die vor Einfuͤhrung der Consoleschen Gewehre bei den Feldjaͤ⸗ gern der Kaiserlichen Armee noͤthigen Versuche neuerdings vor⸗ when, und die angeblich vorzuͤgliche Brauchbarkeit dieser affe einer abermaligen strengen Pruͤfung zu unterwerfen. zu Kommissions „Mitgliedern wurden bestimmt: Baron von Schneider, Divisionair in Preßburg, der zu diesem Zweck seit einigen Wochen in Wien ist; Feld⸗Marschall⸗Lieutenant Augu⸗ g Kommandant des Feuerwerk⸗Corps, und Artillerie⸗General ce Da die ersten Versuche bei dem 6ten Jaͤger⸗Bataillon V1 Iger gemacht wurden, so sind ein Hauptmann und acht Ober⸗ nd Unterjaͤger jenes Bataillons zur Wiederaufnahme der Pro⸗ 8 gter den Augen der Kommission hierher beordert worden. Die szüglichsten Punkte, auf welche letztere ihre Ausmerksamkeit zu nec 99 8 wird, sind: Genauigkeit des Schusses, Schnelligkeit sn 1e. Quantitaͤt der Ladung, die auf die Kugel wirkt, mit⸗ Sal rieb derselben, Dauerhaftigkeit des Gewehrs, besonders des ngloses, Einsluß der Witterung auf seine Brauchbarkeit, Ver⸗ 8 Phunsg des Laufes durch das Schießen ꝛc. Herr Console ist selbst orag hier eingetroffen, um den vorzunehmenden Proben 1” beizuwohnen und dabei die technische Anleitung zu geben. . üen den Militair⸗Angelegenheiten beschaͤftigt gegenwaͤrtig un⸗ SSierung die Civil⸗Justiz⸗Gesetzgebung. Man erwartet in Ersthan zwar nicht, wie es in einer Deutschen Zeitung hieß, die Venen Hangteege Civil⸗Kodex, wohl aber ein neues Strafgesetz, 8” Goodm, eine erneuerte Gerichtsordnung. Der Entwurf schienen se 16 rdnung, der schon bei Lebzeiten des Kaisers F ranz er⸗ en war, hat im Ganzen Beifall, im Einzelnen, zum Vei⸗

st. Was

nigt haben.

63 8— spiel in gen erfahren; er erhielt daher bis jetzt noch nicht Gesetzeskraft

und wir sind noch auf die Wechsel⸗Ordnung 1 1717 s freh so wie auf Se ggg die nicht selten dem geschriebenen Gesetze widersprechen, beschraͤnkt. Unstreitig erfreuen sich die wieder er⸗ oberten und neu acquirirten Provinzen der Monarchie in einigen Zweigen der Legislatur mancher Verbesserung, die in Alt⸗Oesterreich noch zu den frommen Wuͤnschen gehoͤrt. Dies gilt besonders von dem Verfahren in Streitsachen, in welcher Beziehung wir jedoch der West⸗Galizischen Gerichts⸗Ordnung, die in den erwaͤhnten Pro⸗ vinzen gesetzliche Guͤltigkeit hat, durch Novellen immer naͤher ruͤcken, wie es letzthin mit der Bestimmung der Fall war, daß auf den Zeu⸗ genbeweis nicht wie bisher durch bedingte Urtheile, welche den Richter bei Faͤllung des Endspruchs in ein unbeugsames Dilemma versetzten, erkannt werden duͤrfe. Die naͤhere Eroͤrterung dieses Gesetzes und seines Einflusses auf die Geltendmachung der Pri⸗ vatrechte gehoͤrt nicht hierher. Der außerordentliche Tuͤrkische Botschafter, Achmed Pascha, hat, wie man hoͤrt, bereits seine Abschieds⸗Audienz bei Sr. Maj. dem Kaiser genommen; er hat die Reise nach Kalisch aufgegeben, und wird in kurzem nach Konstantinopel zuruͤckkehren. 1

8—

Wien, 2 September. Ihre Majestaͤten der Kaiser und die Kaiserin haben gestern fruͤh um 7 Uhr die Reise nach Tep⸗ litz angetreten.

1 Der Haus⸗, Hof⸗ und Staatskanzler Sr. K. K. Majestaͤt, Fuͤrst von Metternich, ist gleichfalls gestern fruͤh nach Boͤhmen abgereist.

Livorno, 26. August. Seit etwa vierzehn Tagen kommen hier einzelne Faͤlle vor, die mehrere unserer eh te 9s die asia⸗ tische Cholera, andere aber nur als sporadische Cholera oder ge⸗ woͤhnliche Brechruhr erkennen wollten. Nun scheint jedoch wenig Zweifel mehr obzuwalten, daß die astatische Cholera auch hier herrscht. Vorgestern erkrankten 28, gestern 20 Personen, und von diesen ist schon ein großer Theil gestorben. Zu gleicher Zeit haben sich in Florenz und laͤngs der Kuͤste suͤdwaͤrts von hier aͤhnliche Krankheitsfaͤlle gezeigt. Seit drei Tagen haben wir indessen haͤufige Gewitter mit starken Regenguͤssen, wodurch eine große Veraͤnderung in der Temperatur entstanden ist. Man hofft, daß dies dem Umsichgreifen der Krankheit einigen Einhalt thun wird. Die Fremden, die hier die Seebaͤder gebrauchten, flohen bei dem ersten verdaͤchtigen Todesfalle, und seitdem dauert S. 1 E“ der wohlhabendern Familien in

egelegenen Gegenden ununterbrochen fort, so d

Stadt ganz oͤde erscheint. 14“

Rom, 22. August. (Allg. Ztg.) Ein hier viel verbreite⸗ tes Geruͤcht von einer in Florenz entdeckten Verschwoͤrung macht um so groͤßeres Aufsehen, als man eine sich dort aufhaltende Roͤmische Familie als dabei betheiligt nennt, der Fuͤrst P. fluͤch⸗ tig geworden, und viele Personen in Haft gebracht seyn sollen. Den Zweck der Verschwoͤrung kennt Niemand; man versichert aber, sie sey von Auslaͤndern angezettelt worden, da diese, mit wenigen Ausnahmen, die Weisung erhalten haͤtten, sogleich das Land zu verlassen. Daß die Propaganda in Frankreich dabei thaͤtig gewesen, vermuthet man, da angeblich von Paris aus die Anzeige des Komplotts gemacht worden. Man befuͤrchtet, daß dasselbe sich noch uͤber andere Theile von Italien verzweige. Von den Unterthanen des Großherzogs waͤren dergleichen Verirrungen am wenigsten zu erwarten, da der Fuͤrst geliebt und verehrt ist. Der Prinz Leopold, Graf von Syrakus, ist vorgestern angekom⸗ men. Er trifft hier zufaͤllig mit dem Admiral Grafen Rigny zu⸗ sammen, den Franzoͤsische Blaͤtter in Auftrag des Koͤnigs Lud⸗ wig Philipp nach Neapel gehen lassen, um die Verbindung der Prinzessin Marie mit diesem Prinzen wo moͤglich zu Stande zu bringen. Der Admiral hat Ancona besucht, und die Franzoͤ⸗ sischen Schiffe, welche neue Mannschaft dahin gebracht hatten, in Augenschein genommen. Die Herzogin Gertrude Sforza⸗ Cesarini ist nach langjaͤhrigen Leiden gestorben. Der neuliche Urtheilsspruch in dem bekannten Prozesse soll ihr Ende beschleu⸗

MSIdath nd IW 1 Bucharest, 15. August. Briefe aus Ru uk melden da Fuͤrst Milosch dort eingetroffen, und von sehr 86 gezeichnet empfangen worden war. Indessen wurde dadurch eine Zoͤgerung von drei Tagen veranlaßt, so daß der Fuͤrst noch am 12ten in Rustschuk verweilte, und erst den solgenden Tag seine Reise zu Land nach Varna fortzusetzen gedachte. 8

Griechenland.

Athen, 18. Juli. (Allg. Ztg.) In Athen leiden wir von der großen Hitze um so mehr, als bei der Ausdehnung der Stadt und den vielen Ruinen noch keine durchgreifende Rein⸗ lichkeits⸗Polizei hat eingefuͤhrt werden wollen. Es giebt viele Kranke, und die Deutschen Soldaten sterben dutzendweise. In der Verwaltung der Armee erweist sich General Schmalz, wie man hoͤrt, griechenfreundlicher, als sein Vorgaͤnger, was beim Publikum einen guten Eindruck macht. Es heißt, daß Oberst von Brandt seinen Abschied genommen. In der naͤchsten Woche erwartet man die Errichtung der sogenannten Phalanx, als eines Eliten⸗Corps der Offiziere des Freiheits⸗Kampfes, zunaͤchst zum Dienste bei Sr. Majestaͤt bestimmt. Der greise Sparta⸗ ner⸗Fuͤrst, Peter Mauromichalis, soll zum Anfuͤhrer dieser Pha⸗ lanx ernannt seyn. Ich habe die Griechen noch fast keiner Maß⸗ regel mit so freudiger Erwartung entgegen hoffen gesehen, so leb⸗ haft ist bei ihnen das Gefuͤhl der Gerechtigkeit, welche die Regie⸗ rung jenen alten Streitern schuldig ist; und Alles berechtigt zu dem schoͤnen Glauben, daß diese Maßregel vollkommen gelingen wird. Ihr Einfluß auf Fesselung jener Hunderte von Kriegsleu⸗ ten an die geheiligte Person des Koͤnigs, und dadurch auf Be⸗ festigung des innern Friedens und auf Zaͤhmung und Milderung der Sitten, wird unberechenbar seyn. Auch der laͤngst verkuͤndigte Staats⸗Rath soll schon im Portefeuille und dem Ausschluͤpfen nahe seyn. Durch die Errichtung der Bank und durch die letztern zwei Maßregeln, welche freilich dem Staate Geld kosten, gewinnt die Regierung noch den großen Vortheil, daß sie jenes Heeres von Sup⸗ plikanten und Amts⸗Kandidaten, das die Thuͤren des Staats⸗Kanz⸗ lers taͤglich umlagert, groͤßtentheils entlebigt wird. Graf Ar⸗ mansperg hat vor einigen Tagen auf einem Spazierritt durch den Biß eines Pferdes eine Kontusion am Bein erhalten; doch kann er schon wieder ausreiten, und erfreut sich uͤberhaupt, trotz seiner vielen Arbeiten, einer sichtlich gebesserten Gesundheit. Hr. Kolettt, der dem Tode wirklich nahe gewesen, ist fortwaͤh⸗ rend in der Besserung. Binnen kurzem erwarten wir das erste Englische Dampfschiff, und bis Dampfschifffahrt zwischen hier und Europa in regelmaͤßigem

Gang zu

sehen. Wieder ein großer Schritt mehr zur Ent⸗

suͤcksicht auf die Art der Protest⸗Erhebung, vielfache Ruͤ⸗ 1

zum September hofft man die 2

Begruͤndung eines schnellen und

wickelung des Landes, durch sichern Verkehrs

gypten. b 8

Der Oesterreichische Beobachter theilt uͤber die Nieder⸗ lage der Aegyptier in Hedschas folgendes Schreiben aus Dschidda vom 21. Safer 1257 (18. Juni 1835) mit: „Die Araber Bi⸗ gial⸗El⸗Maa, die einen Theil des Stammes der Asirs ausma-« chen und fuͤr sehr kriegerisch gehalten werden, hatten mit Ibra⸗ him Pascha ihren partiellen Frieden geschlossen und ihm Geiseln als Buͤrgschaft des beschwornen Vertrages gestellt, kraft dessen sie Kameele fuͤr die Aegyptische Armee liefern und ihre Truppen mit den seinigen gegen die Araber vereinigen sollten. Nachdem mit der bis dahin siegreichen Aegyptischen Armee die Gebirge von Asir erreicht hatten, bemaͤchtigten sie sich daselbst mehrerer Engpaͤsse, die sie besetzten; ploͤtzlich aber ergriffen die Asirs, die sich bis dahin vor dem siegreichen Feinde zuruͤckgezogen hatten, die Offensive gegen die Aegyptische Armee, die nun zu glei⸗ cher Zeit von den Bigial⸗El⸗Maa verraͤtherischer Weise im Ruͤcken angegriffen und, zwischen zwei Feuer genommen, beinahe gaͤnzlich aufgerieben wurde. Ibrahim Pascha und der Scherif von Mekka retteten sich durch die Flucht nach Churfuda; ein großer Theil der Ihrigen, die dem Schwerdte der Araber ent kommen waren, fanden in der Wuͤste den Tod. Eine starke Ko lonne Araber ruͤckte gegen El⸗Hassa, einen Hafen am Rothen Meere mit einem kleinen, von den Aegyptiern erbauten Fort, das ihnen zum Kriegs⸗Depot diente; die schwache Besatzung mußte sich nach einem kurzen Widerstande ergeben. Ein Aegyptische Fahrzeug mit einer reichen Ladung, dessen Capitain nicht wußte, daß El⸗Hassa in die Haͤnde der Araber gefallen war, lief in die— sen Hafen ein und ward von den Arabern, welche die Schiffs mannschaft uͤber die Klinge springen ließen, erbeutet“

Inl and. 8

Berlin, 7. Sept. Von Seiten der Koͤnigl. Daͤnischen Regie⸗ rung ist der bisherige Vice⸗Konsul Kugler zu Stettin zum Wirk⸗ lichen Koͤnigl. Daͤnischen Konsul daselbst ernannt worden und ha in dieser Eigenschaft das Exequatur erhalten.

In die Haͤfen des Regierungs⸗Bezirks Stralsund sind waͤhrend des Monats August 64 Schiffe ein⸗- und 56 sind aus denselben ausgelaufen. Mit letzteren wurden seewaͤrts verschifft 1225 Wispel Weizen, 724 Wispel Roggen, 321 Wispel Gerste

und 309 Wispel Malz.

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

FA

1835. 6. September. Quellwärme 8,4 °R. Flußwärme 14,1 °R. Bodenwärme 12,1 °R. Ausdünstung 0,099“ Rh.

336,69“ Par. 337,03“ Par. 20,0°R. 14,5 ° R. 9,3 °R⸗ 10,2 °R. 45 vCt. 72 pCt. heiter. bezogen. 5 WSW, W. Niederschlag 0. Wolkenzug .. W. Nachtkälte 11,0 ° R. Tagesmittel, am 5ten: 330,74“ Par. 14,1 0 R. 5,5 0 R. 55 pCt. am 6ten: 336,79 % . 8585 5—

336,66“ Par. 9,9 °R. 7,0 °R.

80 pCt. heiter.

Luftdruck... Luftwärme .. Thaupunkt.. Dunstsättigung Wetter

Berliner Börese. Den 7. September 1835.

Amtlicher Faoands- und Geld-Cours-Zettel. Pr. Cour. 2₰ Pr. Tour- Brief. Seld. 82]Brief. Geld. 101 G 4 102 1⅞ 102 ¼

89 78

99 1 105 ½

6051l 102 ½ 101 4 18 101

101 ¾

81

Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. 4 Kur- u. Neum. do. 4 Schlesische do. 4 Rückst. C. und Z. Sch. d. K. u. N.

St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. PrämSch. d. Sech. Kurm. Obl. m. l. C. Nm. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do.

Elbinger do.

Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr. Grossh. Pos. do.

Gold al marco Neue Ducaten Friedrichsd'or Disconto

AAEEEEEEEEBIEIEI

102 ⁄¾

Auswärtige Börsen. 8 Amsterdam, 2. September. Niederl. wirkl. Schuld 54. 5 % do. 101 7 h16⁄fů3. Ausg. Schuld —. Kanz-Bill. 24. 4 ½ % Amort. 93 ¾. 3 ½2 % 77 ¾. Russ. 99 ⅞. Oesterr. 99 ¼. Freuss. Präm.-Scheine 104. do. 4 % Anl. 15765 Span. 5 % 32 ⅞. do. 3 % 205/16. Antwerpen, 1. September.

Span. 5 % 33. Zinsl. 14. Cortes 29 %¾. Neue

Coup. 18. Anl. 41. b 5 8 Frankfurt a. M., 4. September. esterr. 5 % Metall. 101 ⅞. 101 ½. 4 % 98. 97 ⅛. 2 ½ 0 56 ½. 1 % 24 1. Bank-Actien 1577. 1576. partial-Obfig. 126 7% Br. Loose zu 500 Fl. 114. 113 à. Loose zu 100 Fl. 213 ¾¼. Br. Preuss. Prüm.-Sch. 58 ¾. Br. do. 4 % Anl. 98 ¼. G. Foln. Loose 68 ⁄G. Br. 5 % Span. Rente 31 ⁄. 31 ½. 3 % 18 ⅛⅞. 18 ⅛.

Paris, 1. September.

5 % Rente pr. compt. 109. 70. fin cour. 109. 80. 3 % pr. Fne 79. 25. fin Lour. 79. 50. 5 % Neap. pr. compt. 97. 50. in cour. 97. 70. 5 % Span. Rente 234 ¾¼½. 3 % do. 22 ¾¼. Ausg. Schuld ¼6. Neue Anl. 40. 8 18 b 8

Wien, 2. September. 5 % Met. 101151 6. 4 % 98 1 2. Bank-Actien. 1312. Neu Anl. 5671316.

Koͤnigliche Schauspiele.

Dienstag, 8. Sept. Im Schauspielhause: Der gruͤne Do⸗ mino, Lustspiel in 1 Aufzug, von Th. Koͤrner. Hierauf: Jo⸗ seph in Aegypten, musikalisches Drama in 3 Abth., nach Alexan⸗ der Duval. Musik von Mehul. (Hr. Mantius: Joseph; Dlle. Lentz: Benjamin; Hr. Zschiesche: Jakob.)

Mittwoch, 9. Sept. Im Schauspielhause: Torquato Tasso Schauspiel in 5 Abth., von Goͤthe. (Hr. Lemm wird hierin als Antonio wieder auftreten.)

Koͤnigstaͤdtisches Theater.

Dienstag, 8. Sept. Die weiße Dame, komische Oper in 3 Akten. Musik von Boyeldieu. (Dlle. Vial: Anna, als Gast⸗ rolle. Hr. Hochginge. Georg Brown.)

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen . kon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. ge ns 18

Redacteur Caette? * 8 Avihaeeme . n.

Gedruckt bei A. W. Hayn