jestat der Koͤnig und nahmen auf der fuͤr Allerhoͤchstdieselben be⸗
—
ten. Gegen 9 ¼ Uhr erschienen unter lautem Jubel Se. Ma⸗
sonders erbauten, mit dem Koͤnigl. Preußischen, dem Kaiserl. Russischen und dem Kaiserl. Oesterreichischen Adler geschmuͤckten Tribune Platz; schon fruͤher waren die Prinzen und Prinzessin⸗ nen des Koͤniglichen Hauses, so wie Ihre Kaiserl. Hoheiten die Erzherzoͤge von Oesterreich und die übrigen fremden Hoͤchsten und Hohen Herrschaften eingetroffen. Trotz des anhaltenden Re⸗ gens gingen die Rennen in guter Ordnung von Statten; die etails daruͤber moͤgen einem besonderen Artikel vorbehalten blei⸗ ben. Mittags war bei Sr. Majestaͤt große Tafel, zu welcher auch die Chefs der hiesigen Behoͤrden und viele anwesende Rit⸗ terguts⸗Besitzer befohlen waren. Abends geruhten Allerhoͤchstdie⸗ selben, umgeben von Sr. K. H. dem Kronprinzen und den uͤbri⸗ gen Koͤnigl. Prinzen und Prinzessinnen, so wie Ihrer Durchl. der Frau Fuͤrstin von Liegnitz, und in Begleitung der fremden Hoͤchsten und Hohen Gaͤste, das Theater mit Ihrer Gegenwart zu begluͤcken. Bei dem Eintritt des allverehrten Monarchen erfolgte ein dreimaliges begeistertes Lebehoch des Publikums, welches sich ungeach⸗ ret des noch immer dauernden heftigen Regens so zahlreich eingefunden hatte, daß das Haus die Menge nicht zu fassen vermochte, und Tausende den Ruͤckweg antreten mußten. Se. Majestaͤt der Koͤ⸗ nig verließen das Theater erst am Schlusse der Vorstellung un⸗ rer demselben Jubel, der Allerhoͤchstdieselben bei Ihrem Erschei⸗ nen empfangen hatte. Die Stadt war abermals glänzend erleuch⸗ tet. — Gestern (10.) haben die Prinzen des Koͤnigl. Hauses, sowie der groͤßte Theil der Hohen Fremden uns verlassen, um sich nach Kalisch zu begeben. Se. Majestaͤt der Koͤnig werden die Reise dorthin erst heute (I1.) antreten, und geruhten gestern Vormittag noch das neue Gebaͤude des Elisabeth⸗„Gymnastums, die neu erbaute Kavallerie⸗Kaserne, den artesischen Brunnen, und die Promenaden um die Stadt, die auch gestern Abend wieder
festlich erleuchtet waren, in Augenschein zu nehmen.“ — Des Koöͤnigs Majestaͤt haben die nachstehende Allerhoͤchste
die Theilnahme aufs erfreulichste aus; insbesondere aber druͤck⸗
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: „Nun danket Alle Gott“, darauf eine Trauer⸗? zu Ehren der gefallenen Krieger, und endlich ein rauschendes Lebehoch fuͤr Se. Maj. den Koͤnig folgte. Dieser ernsten Handlung schlossen sich ein Scheibenschießen und andere Belustigungen an, und fuͤr den Abend hatte das Schuͤtzen⸗Corps auf dem hiesigen Rathhause einen Ball veranstaltet, der zahlreich be⸗ sucht war, und, so wie das Tagesfest, mit dem Wunsche endete, daß letzteres sich in den folgenden Jahren erneuern moͤge.“
— Die Universitaͤt Halle feierte am 10. d. M. das ö50jaͤh⸗ rige Doktor⸗Jubilaͤum eines ihrer wuͤrdigsten Lehrer, des Her⸗ zoglich Braunschweigischen Geheimen Justiz⸗Raths, ordentlichen Professors der Rechte und Ordinarius der Juristen⸗Fakultaͤt, Friedrich August Schmelzer. Die Mitglieder der Universitat, der Geistlichkeit und saͤmmtlicher Behoͤrden der Stadt beeiferten sich bereits am fruͤhen Morgen, dem gefeierten Jubilar ihre in⸗ nigsten Gluͤckwuͤnsche auszudruͤcken. In Abwesenheit des außer⸗ ordentlichen Regierungs⸗Bevollmaͤchtigten der Universitaͤt, Geh. Raths Dr. Delbruͤck, uͤberreichten der jetzige Prorektor, Prof. Dr. Eiselen, und der Universitaͤts⸗Richter, Direktor Schultze, die von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige dem Jubilar allergnaͤdigst verliehene Schleife zum rothen Adler⸗Orden dritter Klasse, begleitet von einem hoͤchst ehrenvollen Schreiben des Wirklichen Geheimen Staats⸗Ministers, Freiherrn von Altenstein Excellenz, welchem auch der Regierungs⸗Bevollmaͤchtigte einige freundliche Zeilen beigefuͤgt hatte. Die Universitaͤt selbst hatte in ihrem Namen von dem Professor und Vice⸗Ordinarius der Juristen⸗Fakul⸗ taͤt, Dr. Pernice, ein eigenes begluͤckwuͤnschendes Fest⸗Programm abfassen lassen, welches durch eine besondere Deputation des aka⸗ demischen Senats uͤbergeben wurde, so wie gleichzeitig ein An⸗ schlag des Professors der Beredtsamkeit, Dr. Meier, den Stu⸗ direnden das Fest des Tages verkuͤndigte. Die philosophische Fakultaͤt erfreute den funfzigjaͤhrigen Doktor der Rechte mit ihrer eigenen hoͤchsten Wuͤrde. Von nah und fern sprach sich
11“
„der das Lied
Rede Löüge 1
5 Hesterr. 56 ⁄. 1 % Br. Loose
Engl.
118. Poln. 5 % Port. 85.
I1 n
Cons. 30 1834 37. do. 102 ⅞. Bras. 86 à.
5 % Ren
Sclruld 13 ¼.
1
5 % Met.
Preuss. Pr.-Sch. 59 ⅛. 58 ⅞. 69. 68 ½à. 5 % Span. Rente 29 ¼. 29.
Zinsl. 5 % Port. 86 ¾.
Coup., also 110. 5 8 Neap. fin cour. 97. 80. 5 % Span. Rente 32 ½.
570. 2 ½ % 56 1.
Frankfurt a. M., 10. September. 5 % Metall. 102 ½. 102. 4 % 98 1. 98 ¼ 25. Br. Bank-Actien 1587. 1586 Partial-Obli zu 500 Fl. 114 ½. 114 ¼4. do. 4 % Anl. 98 ½¼. B.
Poln 3 % 17 ¾. 17 ½.
ss. 105 ½. Höpe in Cert. 99 ¼. Part; 136 ½¼½. Neue Poln. Aul. 3 % do 55. 1 b London, 8. September. 8 — 0 90 ½. Belg. —. Span. Cortes 39 ½. 11. Ausg. 16 ¼. 2 ½ % Holl. do. 3 % 55 ⁄%. Columb. 31 ½. 8 8 Paris, 7. September. te pr. compt. 107. 45. 3 % pr. compt. 79. 90.
3 % Port. 56 ¼. 88 Wien, 7. September. “ 102 ½.
1835. 12. September.
Meteorologische Beobachtung. Morgens ] Nachmittags Abends 6 Uhr. 2 uhr. 10 uhr.
Luftdruck... Lustwärme .. Thaupunkt.. Dunstsättigung
332,18“ Par.
“ meisters hier selbst,
Kabinets⸗Ordre an den Ober⸗Präͤsidenten der zu erlassen geruht: „Meine Anwesenheit in vertrauten pigen Fe ece der
Ueberall habe Ich das Bestreben gefunden, zur ordnungsmaͤßigen Geschaͤftsganges mitzuwirken, werthe freiwillige Beitritt der Dorfschulzen zur lizeilicher Maßregeln ist Mir nicht entgangen.
auf, Meine Ihnen bezeigte Zufriedenheit und lende Anerkennun
Konradswaldau, 8. September 1835.
Friedrich Wilhelm. An den Wirklichen Geheimen Rath und Ober⸗Praͤsidenten.“
— Man schreibt aus Juͤterbogk: „Seit dem Jahre 1819
wurde am 6ten d. zum ersten Male wieder auf
Weise das Andenken der Schlacht bei Dennewitz, unmittelbar
auf dem Schlachtfelde selbst, bei dem Sieges⸗D Der Landrath des Kreises hatte in Vereinigung m
Corps in Jüterbogk den ersten Impuls zu dieser Anordnung ge⸗ geben, die auch allgemein den freudigsten Anklang fand;
begaben sich am gedachten Tage,
Gottesdienste, die Mehrzahl der Einwohnerschaft
8 so wie viele Auswaͤrtige, die aus den benachbarten Städten und
1 Ortschaften herbeistroͤmten, hinaus zu der Siegesstaͤtte, wo der
Anfuͤhrer des Schuͤtzen Corps vor dem mit Eichenkraͤnzen ge⸗ schmüͤckten Denimele, eine der Wichtigkeit des Tages angemessene
Provinz Schlesien der Ihrer Leitung rovinz hat Mir hinreichende Beweise ves zweckmaͤ⸗ Behoͤrden und deren Abgeordneten gelie⸗ fert, und Ich bezeige Ihnen hiermit gern Meine Zufriedenheit.
Ich trage Ihnen der unter Ihrer Leitung geleisteten Dienste,
so wie des uͤberall sich erwiesenen guten Sinns der Bewohner dieser Provinz, zur oͤffentlichen Kenntniß zu bringen.
nach beendigtem Vormittags⸗
Jahren hindurch der Amalien durch ein huldreiches Handschr
Erhaltung eines und der lobens⸗ Ausfuͤhrung po⸗
(
Mittags vereinigten sich die M Behoͤrden der Stadt zu einem
Gnade, die ihm zu Theil ger Wohl seines Koͤniglichen Herrt Becher leerte.
Meine wohlwol⸗
dortigen Armen Der zu Loͤvenich verstorbene
aus 1686 Rthlrn. diese Stiftung ist Allerhoͤchsten
eine patriotische
ten Se. Durchlaucht der Herzog von Anerkennung der Sorgfalt, welche der Jubilar eine lange Reihe von
gung eine eigene Deputaͤtion der Stiftung beauftragt war. Kitglieder der Universitaͤt und die
in dankbarster Anerkennung und Vergegenwaͤrtigung jeglicher
— Der verstorbene Rentier Siquet zu Malmedy hat den 1— nen ein Legat von 2000 Rthlrn. ausgesetzt, und hat dieses Vermäaͤchtniß die landesherrliche Bestaͤtigung erhalten. —
durch letztwillige Anordnung eine Studien⸗Stiftung, und 2 Morgen Ackerland, begruͤndet.
Anhalt⸗Dessau Hoͤchstihre
. Stiftung zu Dessau gewidmet, Wolkenzug..
eiben aus, mit dessen Ueberbrin⸗
Wetter halbheiter.
TDagesmittel:
Beobachtung. 333,28 Par. 333,27 Par. 13,9 0 R. 8,40 R. 8,3 0 R. 7,4 0 R. 65 vCt. 92 pCt. halbheiter. halbheiter.
SDO. O. OSO. — 333,31%Par.. 9,6 0 R...
6,5 0 R. 4,690 R. 85 pCt.
Flußwärme 13 ⁄
Niederschlag 0. Nachtkälte 6,2 0 6,8 0 R.. 81 vpCt.
O.
g. 1
Loose zu 100 Fl. 213
168 ½¼. Dän.
uI 54 ¼. 30l
2ngl. Russ. 10--, —
tin cour. 107. 55, ohne
b 1 fin cour. 80. 5. S0 e 8. vheara, 8 6 8 Kronik des Ta g
4 % 981 ⁄2. Bank-Actien 1318. Neus ¹
Nach einmalzgen
Quellwaͤrme 820
6 M.
N. Bodenwärme 1220
Ausdünstung 0,079 1
/
8
Hambaurg, 11. September. 8 Preuss. Prüm.
E11q“
Berlin, Dienstag den löten September
Amtliche Nachrichten.
ce. Majestät der Koͤnig haben dem Garnison⸗Stabsarzt pirckenhauer zu Stettin den Rothen Adler⸗Orden vierter
Klasse zu verleihen geruht.
irkliche Geheime Rath Graf von Bruͤhl,
5
Abgereist: Se. Excellenz der W nd General⸗Intendant der Koͤnigl. Museen, ach Dresden. ¼
1“ 111“
n1““
8
Zeitungs⸗ üts Frankreich. Pairs⸗Kammer. Sitzung vom 8. September. In
zieser Sitzung, der die Minister Guizot, Persil, Humann, Thiers id Duperré beiwohnten, eroͤffnete der Marquis von Dreux⸗
Montag, Schauspiel in nodrama in 1 nirt von G. C. Blum.
Dienstag, Oper in 3 Ab
Festmahle, wo der Jubilar selbst, vorden, sichtbar geruͤhrt auf das nunter allgemeinem Jubelruf den
katholische Pfarrer Reuther hat bestehend
Orts genehmigt worden.
Mittwoch
enkmale gefeiert.
— Auswärti it dem Schuͤtzen⸗ “
Amsterdam Niederl. wirbl. Schuld 541 ½ 1 2. Kanz-Bill. 24 ⅛. 8 99 ½¾. Oesterr. 99 ½.
5 % Span. 307½.
und so
von Jüterbogk, do. 3
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4A ntwerpen
Anl. 39 %.
4 ½ % Amort. 94. Preuss. Präm.-Scheine 104 ½. do. 4 % Anl.
Span. 5 % 30 ¾. Zinsl. 13 ½.
ge Börsen. Montag, „ 8. September. . 5 % do. 101 ⅛. 3 ½ %
Ausg. Sch uld 78 ½. RKuss.
Dienstag,
2% 191870.
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„ 7. September. Cortes 28 ⅛.
vom Hoftheater zu Kassel: Mantius: Mayx.)
male: Die Soͤhne lavigne, von Th. Hell. 8
Köni 14. Sept. Die Reise auf gemeinschaftliche Koszain 1ö13“ 1 a zastrolle.) Vortz Der Journalist, Original⸗Lustspiel in 1 Akt, von Genze Intrigue und Lieh
VPosse in 5 Akten, von L. Angely. Stadttheater zu Breslau: Liborius,
Koͤnigliche Schauspiele.
14. Sept. Im Schauspielhause: Der arme
nohe von ufzug
Benda⸗⸗
15. Sept. th.
nach dem Franz. des Rousseau, Und: André, Lustspiel in 1
Im Schauspielhause:
Musik von C. M. v. Weber. Hr.
„16. Sept. Im Schauspielhause:
Eduard's, Trauerspiel in 3 Abth., nach
4 868 8 2
u——
gstaͤdtisches Theater.
15. Sept. Lestocq, oder:
Oper in 4 Akten. Musik von Auber.
komwar zu, daß Frankreich sich in sittlicher Akt valbeklagenswerthen Zustande
Der Fresschat Kaspar, als letzte Gastrolle. ¹9
Zum erst
on
—
Bekanntmachungen.
Gerichtliche Vorladung. Nachdem zu den insolventen Nachlaͤssen: Fohann Friedrich Just’s, Buͤrgers und Sattler⸗
. .
*
dh-n. Wolbrechts, Buͤrgers und Buchhaͤndlers 4 er, Fehaun Carl Ludwig Loͤwens, eines der Handlung⸗ „Beflissenen bierselbst, Andreas Schultheißens, eines hiesigen Lohnkutschers, ferner zu dem Vermoͤgen: Johann Carl Heinrich Graͤfs, Buͤrgers und Caffee⸗ schenkers allhier, auf beschehene Anzeige seiner Insolvenz, Concurs Prozeß eroͤffnet, und
der 9. Novbr. 1835 zum Liquidations⸗Termine anberaumt worden ist: so werden alle Glaͤubiger der ernannten Personen bei Verlust der Rechtswohlthat der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand geladen, daß sie gedachten Tages fruͤh um 11 Uhr auf hiesigem Rathhause in
2 “
s‚zer
Ier Richterstube in Person oder durch Bevollmaäch⸗
tigee welche zum Vergleiche instruirt und von Aus⸗ laͤndern mit gerichtlicher Vollmacht verseben sein muͤssen, erschelnen, mit dem betreffenden Nachlaß Vertreter oder Curztore Litis die Guͤte pflegen, und, wo moͤglich, einen Aeccord treffen, in dessen Entste⸗ hung binnen 6 Tagen, vom TeYcmine angerechnet, ihre Forderungen mit Beibringung des erforderlichen Bewoeises, Production der darauf Bezug habenden Urkunden, auch Deducirung der Prioritaͤt, liquidiren, mit dem betreffenden Nachlaß⸗Vertreter oder Cura- iore Litis, welcher binnen anderweiten 6 Tagen auf das Vorbringen der Glaäubiger sub poena confessi
et covvieti sich einzulassen und zu antworten, auch
die urschriftlich producirten Urkunden suh, poena re- eve ciu anzuerkennen hat, ferner, der Prioritaͤt hal⸗ ber, unter sich, von 6 zu 6 Tagen rechtlich verfah⸗ ren, mit der Quadruplik beschließen, und den 28 Decbr. 1835 Inrotulation der Acten, so wie 888 öE1I1X4X“ der Erdffnung eines Praͤclusiv⸗Vescheids, mit welcher Mittags um 12 Uhr in rontumzeciam der Nichter⸗ wvee verfahren werden wird, gewaͤrtig sein ollen.
Diejenigen, welche in dem anberaumten Liqqulda⸗ tions⸗Termine nicht erscheinen, oder nicht gehdrig liquidiren, sollen Dpro praeclasis, diejenigen aber,
welche, ob sie dem vorseienden Vergleiche beitreten wollen oder nicht, sich nicht deutlich erklaͤren, pro consentientibus geachtet werden, auch haben aus⸗ waͤrtige Glaͤubiger zu Annahme kaͤnftiger Zuferti⸗ gungen einen unter Stadtgerichts⸗Jurisdiction wohn⸗ 292 Bevollmaͤchtigten bei 58 Thlr. Strafe zu be⸗ stellen. 1
der
Endlich werden die Glaͤubiger, welche ihre For⸗ derungen bereits angemeldet haben, darauf aufmerk⸗ sam gemacht, daß diese Anmeldung laͤngstens im Li⸗ qutdations⸗Termine wiederholt werden muß.
Leipzig, den 11. Mai 1835. 1
Das Stadtgericht zu Leipzig. Winter, Stadtrichter. . d. K. S. C.⸗V.⸗O. Ediet al⸗Ladung.
Nachdem der Huͤfner Johann Friedrich Kuͤhn, in dem zu hiesigem Gerichts⸗Bezirke gehdrigen Dorfe Nieska, bereits im Fahre 1814 in Folge der erlitte⸗ nen Kriegsdrangsale eingetretener truͤber Stimmung sich entfernt, ohne seitdem von seinem Leben und Aufenthalte Nachricht gegeben zu haben, so werden Gerichtswegen auf den Antrag dessen nachgelasse⸗ nex praͤsumtiven Erben nicht nur Johann Friedrich Kuͤbn sondern auch, im Fall derselbe, nicht mehr am Leben sein sollte, alle diejenigen, welche an dessen Vermoͤgen Erbe⸗ oder andere Anspruͤche zu haben ver⸗ meinen, und zwar jener, unter der Verwarnung, daß er außerdem werde fuͤr todt geachtet und sein Ver⸗ moͤgen den sich gebuͤhrend rechtfertigenden Erben oder Glaͤubigern uͤberlassen werden, diese aber, unter dee Bedeutung, daß sie außerdem werden fuͤr davon ausgeschlossen, so wie der Wiedereinsetzung in vori⸗ gen Stand fuͤr verlustig erklaͤrt werden, andurch ge⸗ aden, 1
den 22. September 1835, vor uns in hiesigee Gerichtstelle gesetzmaͤßig zu er scheinen, zuvoͤrderst in Ansehung ibrer Person gehd⸗ rig sich auszuweisen, biernaͤchst ihre Anspruͤche und
Forderungen gehoͤrig an⸗ und vorzubringen, hieruͤber nach Befinden mit dem bestallten Contradictor so⸗ wohl, als unter sich rechtlich zu verfahren, den 20. Oktober 1835, an welchem Tage die Akten inrotulirt werden sollen, zu beschließen, und sodann den I. Dezember 1835 der Eroͤffnung eines Erkenntnisses in der Sache sich zu gewaͤrtigen. 1 Schloß Zabeltitz, den 18. April 1835. Die Gerichte daselbst. 8 W. Schenk, D
8
Oeffentliche Versteigerung des beruͤhmten v. Jabach'schen Familien⸗Gemaͤldes von Carl Le Brun in Koͤln.
Eins der vorzuͤglichsten Gemaͤlde Carl Le Brun's, Hofmalers von Ludwig XIV., ist unstreitig dasjenige, in welchem er um das Jahr 1662 seinen Goͤnner und Protektor, den als Besitzer großer Sammlungen
Linden Nr. 19, ist zu erhalten:
Allgemeiner Anzeiger fuͤr die Preußischen Staaten.
bekannten Rathsherrn in Koͤln, E. von Jabach, und dessen Familie darstellte. Dieses Bild faͤllt demnach in die Periode des Kuͤnstlers, wo er bereits vom Koͤnige in den Adelstand erhoven worden und dessen
haben, in den Portraits und historischen Gemaͤlden, deren er als erster Hofmaler des Koͤnigs von Frank⸗ reich eine große Menge verfertigte, die Vortrefflich⸗ keit jenes Bildes, bei welchem, wie er selbst sagte, die Freundschaft den Pinsel gefuͤhrt, zu erreichen. Auch wird jeder Kunstkenner gestehen, daß nicht leicht ein Erzeugniß der Franzoͤsischen Schule dieses Werk an Reichthum der Composition, an Richtigkeit der Zeichnung, an Wahrheit der Charaktere, an Anmuth des Colorits und an Zartheit der Ausfuͤhrung uͤber⸗ trifft. Das Bild mißt, mit Ausschluß des breiten goldenen Rahmens, 8 Fuß 9 Zoll in der Hoͤhe und 10 Fuß 5 Zoll (Rheinisch) in der Breite. Es ent⸗ haͤlt 6 lebensgroße Figuren, naͤmlich den Herrn von Jabach, dessen Frau und vier Kinder im Alter von etwa zwei bis vierzehn Jahren; dann noch das Por⸗ tratt des Malers selbst als Spiegelbild. Es wird kaum noͤthig sein, etwas Weiteres uͤber die Vorzüge dieses Gemaͤldes hinzuzufuͤgen, wenn wir an den Eindruck erinnern, den es auf Goͤthe zu wiederhol⸗ ten Maien gemacht und den er in seinem Leben und spaͤter in Kunst und Alterthum am Rhein zu schil⸗ dern versucht. Dasselbe blieb seit seiner Entstehung in ungetheiltem Besitze der Familie der Frau von Jabach, geb. Maria de Groote, und nur die Ver⸗ zweigung der Familie in viele, zum Theil weit ent⸗ fernt wohnende Betheiligte veranlaßt gegenwaͤrtig
Termin
auf Dienstag, den 20. Oktober 1835
zu Koͤln am Rhein anberaumt wird. Durch die koͤl⸗ nischen oͤffentlichen Blaͤtter wird 14 Tage vor dem Verkaufs⸗Termine bekannt gemacht werden, wo das⸗ selbe zur Ansicht der Liebhaber ausgestellt und ver⸗ steigert werden wird. Auch werden daselbst die Be⸗ dingungen zur Einsicht offen liegen.
nendx xne⸗
Literarische Anzeigen.
In Ferdinand Duͤmmler's Buchhandlung,
Handbuch uͤber den Königl. Preuß. Hof und Stagat fuͤr das Jahr 1835. gr. Kvo. geh. 2 Thlr. 10 sgr. “
v. b 9 Eg; nw 88. 5
Die Bedingungen des unentgeltlichen Musikalien⸗ Leih⸗Instituts von C. W. Froehlich & Gomp., Unterwasserstraße Nr. 8 (zwischen der Schleusen⸗ u Aunslerne werden gratis ausgegeben. Die
hoͤchster Gunst genoß, und nie soll er es vermocht
8 zum ersten Mal den oͤffentlichen Verkauf, wozu der.
So eben ist erschienen: 88 Bilder⸗Magazi fuͤr allgemeine Weltkunde.
Redigirt von Ferdinand M. Malven
Zweiten Jahrgangs drittes Heft. Mit 3 S ha h, . à ¾ Thlr. nsichten:
Muley Abd Freahman, Sultan von Muns — K. K. Oesterr. Gesandtschafts⸗Lager auf Wege nach Maquinay. des Hauptmann Baron Augustin).
Pgnorama von St. Petersburg. Bilder aus Pesth: Das Theater⸗ und Räh
8 ten⸗Gebaͤude. — Der Ausladungsplatz.
Inhalt: Landschafts⸗Bilder aus der weflih
Hemisphaͤre. — Stellenlese aus den in Paris erst
nenen ersten Lieferungen des d'Orbigne’schen N.
werks. — Zur Characteristik der Jagden in allen b
theilen: Indische Jagden im Allgemeinen. —
rallelen uͤber Spanien und Portugal von L. Basg
— Die Basken, dritter Artikel. — Die Lu⸗Tst
Fehselt. eneg. n den Kordon. — Elh
rung der Bilder. — Die Hauptstad 3
Osard geschildert. 8 ütstegt S Sowohl dieses neueste Heft als vollstaͤndige En
plare dieses ausgezeichneten unglaublich wohlt
Prachtwerkes sind stets vorraͤthig in der
Stuhrschen Buchhandlung in Berli 8 Schloßplatz Nr. 2. 8 Kunst⸗Anzeige. 8
In der Schenkschen Kunsthandlung in Bu schweig ist so eben erschienen und durch alle se Kunst⸗ und Buchhandlungen zu beziehen, in Ba durch George Gropius, Schloßplatz Nr.1 Der kranke Esel, gemalt von Pistorius lith, von C. Fischer in Berlin, in groß J. Folio. Preis auf Lelin. Päpier 3 Thlr. — — chin. dito 4 Thlr. „Wer wird sich nicht noch dieses vortrefflichen, jeder Hinsicht anziehenden Bildes von den Uh. Kunst⸗Ausstellungen zu Berlin und Halberfaht erinnern, welches die allgemeine Aufmerksamlket gesammten kunstsinnigen Publikums in Ansy nahm, und deßhalb jeder weitern Beschreibung V boben werden darf. Die Litbograpbie desselben mit solcher Praͤcision und Eleganz wiedergege auch der Druck im Koͤnigl. lithographischen Inft zu Berlin so wohl gelungen, daß dies Bild zu angenehmsten und vontendetsten Erscheinungen Art gehoͤren, und die Theilnahme aller Kenner Kunstfreunde in hohem Grade verdienen daͤrfte
—
Nr.]
1 8
dund als Befoͤrderer der Küͤnste und Wissenschaften
Cataloge fuͤr Pianoforte und Gesang sind fortgesetzt fuͤr Instrumental⸗Musik neue 1nn N
8— 8
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(Nach den Zeichnun
rezé die Berathungen uͤber das neue Preß⸗Gesetz. „Mit einem Gefuͤhle bitteren Schmerzes“, so hob er an, „be⸗
har te die Rednerbuͤhne, um ein Gesetz zu bekaͤmpfen, wo⸗ Kotzebue. Hierauf: Pygmalion, 1ke beuts die Neh 3
dure reiheit der Todesstoß versetzt werden soll. Ich gebe grene 5 Beztehung in einem hoͤchst befindet. Di 18 en öen ends mehr geehrt, die Regierung wird verachtet und verspottet, der Geish 8 Envpbrung regt sich uͤberall, Plaͤne des Hasses und der Fache bruͤten in den Gemuͤthern, Verbrechen und Selbstmorde neh⸗ nen mit jedem Tage zu; was ist aber die wahre Ursache aller dieser plebel? Diese Frage muß vor Allem untersucht werden, wenn man in richtiges Urtheil uͤber das uns vorgelegte Gesetz abgebden will. Eine oralische Unordnung ist es, wenn die Regierung sich in der Theo⸗ Agie zu den Grundsaͤtzen einer republikanischen Freiheit bekennt, waͤh⸗ rend sie sich in der That zu der absoluten Monarchie hinneigt. Es sst eine moralische Unordnung, wenn die Legislatur sich von zwei mit inender unvertraͤglichen Substanzen naͤhrt, wenn sie die Empoͤrung der Vergangenheit belohnt und in der Gegenwart verdammt. at sich die Deputirten⸗Kammer nicht zu einer konstituirenden Ver⸗ ammlung erhoben? Hat sie nicht 50 unserer Kollegen gewaltsam aus diesen Raͤumen entfernt? Hat sie nicht die Erblichkeit der Pat⸗ rie vernichtet?... Wenn es wirklich Ihre Absicht ist, m. H., die sittliche Ordnung neu zu begruͤnden, so sorgen Sie zunaͤchst dafuͤr, daß die Trauerfeier vom 21. Jan. wiederhergestellt werde, denn der Koͤnigsmord ist das groͤßte Attentat gegen das gesellschastliche
rinziv. Verlangen Sie aber nicht noch ferner von Frankreich eine
eistener zur Jahresfeier dreier Tage, an denen die Buͤrger gegen nander gewaffnet waren; zaͤylen Sie vielmehr diese Tage zu den Trauertagen; anstatt die Kapelle in der Straße Richelieu zur Ab⸗ tragung auszubieten, ehren Sie lieber das Dentmal der Erinnerung an ein Ereigniß, das ganz Frankreich in Schmerz versetzt hat. Wer steht Ihnen dafuͤr, daß nicht an dem Tage, wo ein zweiter Louvel sein Verbrechen beging, ihn der Anblick der Truͤmmer unserer Tempel dazu bewogen habe. Jch wiederhole es: die Jahresfeier der Juli⸗Revo⸗ lution ist die Jahresfeier der Anarchie.“*— Bei diesen Worten erhob sich ein gewaltiges Murren in der Versammlung. Herr Guizot meinte, die Juli⸗Revolution habe zur Vertheidigung der Ordnung und der Gesetze stattgefunden, und der Graf von Flahault, der die (letzten Worte des Herrn Dreux⸗Brezé als einen Schimpf fuͤr das Land betrachtete, verlangte, daß der Redner dieserhalb zur Ordnung verwiesen werde. Letzterer erklaͤrte jedoch, daß es weder in seiner Absicht gelegen habe, noch uͤberhaupt seine Gewohnheit sey, irgend JFemanden zu beschimpfen; daß er indessen jederzeit bereit sey, dem⸗ zenigen Satisfaction zu geben, der sich fuͤr beleidigt halten koͤnnte. Der Graf von Montalivet erwiederte, daß es sich hier keines⸗ weges um eine persoͤnliche Beleidigung handele; unmdoͤglich koͤnne man aber der Versammlung das Recht bestreiten, einen Redner zur Verantwortung zu ziehen, sobald er auf eine Revolution schmäaͤye, der die Regierung ihr Daseyn verdanke. Als anarchisch, fuͤgte er hinzu, koͤnne man nur die Jali⸗Verordnungen Karl's X bezeichnen, und er
imme sonach, wie sehr es ihn auͤch schmerze, dem Antrage des Grafen von Flahault bei. Der Praͤsident ermahnte hierauf den Marquis von Dreux⸗Brezé zur Ordnung, indem er sich auf den unguͤnstigen Eindruck berief, den seine (des Redners) obige Aeuße⸗ rung auf die ganze Versammlung hervorgebracht habe. Herr von Dreux⸗Brezé erklaͤrte, daß die geruͤgte Phrase sich nicht in sei⸗ nem Manuskripte befinde; er bedaure, daß sie ihm entschluͤpft sey, doch werde er sie nicht vecleugnen. Der Redner ließ sich darauf in eine Untersuchung der einzelnen Bestimmungen des Gesetz⸗Entwur⸗ fes ein „Der National⸗Konvent“, aͤuterte er, „hatte auf alle Preß⸗Vergehen die Todesstrafe gesetzt; dies war allerdings grau⸗ sam, indessen war die Strafe doch der Bezeichnung je⸗ ner Vergehen angemessen. Das neue Preß⸗ Gesetz dagegen mischt noch die Heuchelei zu der Grausamkeit; sobald Sie das Recht der freien Eroͤrterung vernichten, zerstoͤren Sie zugleich einen der Haupt⸗Grundsaͤtze der Juli⸗Revolution. Sie wollen, daß der Rechtsgang bei Preß⸗Vergehen moͤglichst rasch sey; damit die Strafe aber als gerecht erscheine, muß ihr auch eine gruͤndliche Untersuchung vorangehen; Sie dagegen setzen die materielle Gewalt an die Stelle der taͤglich sinkenden moralischen Ordnung. Ein solches Verfahren fuͤhrt zur Vernichtung derselben Volks⸗Souverainetaͤt, auf der die
[jetzige Regierung beruht, und ohne welche die Juli⸗Revolution nur
noch eine Luͤge seyn wuͤrde. Man hat von den Juli⸗Verordnungen gesprochen; ich behaupte, daß sie dem Geiste der Charte von 1814 a waren; dennoch habe ich sie getadelt. Das neue Preß⸗Ge⸗ etz aber laͤuft dem Geiste der Juli⸗Revolution schnurstracks zuwi⸗ der, und ich habe daher wobl ein Recht, es zu bekaͤmpfen.“
Der Herzog von Coigny warf der Regierung vor, daß sie sich der ihr schon jetzt gesetzlich zu Gebote stehenden Waffen nicht hinlaͤnglich bedient habe, um die Ausschweifungen der Presse und die Publication unwuͤrdiger und unschicklicher Karrikaturen zu bestrafen. Nichtsdestoweniger stimmte er zu Gunsten des Gesetz Entwurfes. — Der Graf von Montalembert, der bei dieser Gelegenheit zum ersten Male die Rednerbuͤhne betrat, in⸗ dem er das juͤngste Mitglied der Kammer ist, aͤußerte sich im entgegengesetzten Sinne. Nur die innigste Ueberzeugung, bemerkte er, habe ihn bewegen koͤnnen, in der gegenwaͤrtigen wichtigen
ebatte das Wort zu ergreifen, um von den verfassungsmaͤßigen reiheiten diejenige zu vertheidigen, auf die das Volk einen so hohen Werth lege. „Was ich verfechte“, sagte er,
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„ist die gesellschaftliche Ordnung, der durch ein gewaltsa⸗ mes Gesetz Gefahr droht; es ist die Juli⸗Regierung selbst, die sich die Gemuͤther entfremdet. Mit dem tiefsten Schmerze erfuͤllt es mich, wenn ich sehe, wie diese Regierung immer mehr ihren Ursprung verleugnet und den Grundvertrag verletzt. Es waͤre wohl moͤglich, daß sie durch dieses Betragen die Zahl ih⸗ rer Gegner selbst vermehrt haͤtte; die Zeit allein wird uns leh⸗ ren, ob ein System der Versoͤhnung nicht besser gewesen waͤre, als das System der Einschuͤchterung, das man gegenwaͤrtig be⸗ folgt. Die oͤffentliche Meinung hat sich von der Regierung ab⸗ gewandt, seitdem man gesehen, daß sie ein verabscheuungswuͤrdi⸗ ges Attentat in dem Interesse eines Systems ausbeuten will. Was
ich in dem Gesetze, abgesehen von der Fiscalitaͤt und der Jurisdic⸗
tions⸗Veraͤnderung, vorzuͤglich bekaͤmpfen werde, ist die Abschaffung des Rechtes der freien Eroͤrterung des Prinzips der Regierung.“ Der Redner erinnerte schließlich daran, daß in Frankreich alle Regierungen, die an die Preßfreiheit Hand angelegt, zuletzt zu Grunde gegangen waͤren. — Der Graf von Sainte⸗Aulaire trat hauptsaͤchlich zur Widerlegung des Marquis von Dreux⸗ Brezé auf. Nach einer Revolution, meinte er, sey es unum⸗ gaͤnglich nothwendig, die Staatsgewalt zu verstaͤrken; nun aber leide es keinen Zweifel, daß in neuerer Zeit die Presse schonungs⸗ los die heiligsten Grundsaͤtze angegriffen habe, waͤhrend anderer⸗ seits die deshalb Vorgeladenen oftmals freigesprochen worden waͤren; er glaube, daß unter diesen Umstaͤnden der Regierung wirksamere Mittel an die üng gegeben werden muͤßten, um dem Unfuge zu steuern. — Nach Herrn von Sainte⸗Aulaire ließ sich der Vi⸗ comte Dubouchage wider den (Beim Abgange der Post befand er sich buͤhne.) FIh 2
„Entwurf vernehmen. noch auf der Redner⸗ 1 E11“
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Paris, 8. Sept. Der Koͤnig arbeitete gestern nach ein⸗ ander mit dem Conseils⸗Praͤsidenten und mehreren Ministern.
Der Marschall Soult und der Fuͤrst von Talleyrand werden morgen wieder von hier abreisen; der Erstere nach seinem Land⸗ gute bei Beauvais, der Letztere nach Valençgay. 1
Der hiesige Englische Botschafter, Lord Granville, ist zum Gebrauche der Seebaͤder nach Dieppe gereist.
Der General Pelet ist so weit wiederhergestellt, daß er nach seinem Landgute bei Meaux hat transportirt werden koͤnnen. Dort wird er seine voͤllige Genesung abwarten.
Der Temps berichtet uͤber eine kuͤrzlich stattgehabte Unter⸗ redung zwischen Fieschit und dem Praͤsidenten des Pairshofes, Baron Pasquier, Folgendes: „Vor einigen Tagen ließ Fieschi, anscheinend ermuͤdet durch das allseitige Dringen in ihn, er moͤge seine Mitschuldigen nennen, und entschlossen, demselben ein Ende zu machen, Herrn Pasquier um eine Unterredung ersuchen. Hr. Pasquier saͤumte nicht, sich zu ihm zu begeben. „Das ist schoͤn, mein lieber Fieschi“, so redete ihn der Praͤsident an, „daß Sie sich entschlossen haben, sich mir zu entdecken. Ich danke Ihnen fuͤr dieses mir bewiesene Vertrauen. Lassen Sie uns
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denn plaudern, und das mit ganzer Offenheit!“ — „Ja wohl,
Herr Baron, so meine ich es auch“, entgegnete Fieschi, „ich sehe hier sonst nur niedrige Seelen um mich, die mich nicht ver⸗ stehen, und gegen die ich mich deshalb, das werden Siefuͤhlen, nicht aus⸗ sprechen kann.“ — P. „Natuͤrlich! deshalb habe ich mich auch Ihrem Wunsche sofort gefuͤgt. Wir wollen uns also mit aller Freimuͤthigkeit unterhalten. Womit wollen wir anfangen?“ — F. „Womit Sie wollen, lieber Herr Baron, der Gegenstand der Unterhaltung gilt mir vollkommen gleich.“ — P. „Wohl denn! Nicht wahr, Ihre Afsaire vom 28. Juli ist eine weit verzweigte? Wer sind Diejenigen, von denen die ersten Vorschlaͤge in Betreff derselben an Sie gelangt waren?“ — F. „Darauf kann ich Ihnen nicht antworten.“ — P. „Aber Sie sagten doch, Sie wollten ganz offenherzig mit mir reden?“ — F. „Versteht sich! allein ich glaubte nicht, daß meine Affaire vom 28sten zum Gegenstande unserer Unterhaltung genommen werden wuͤrde.“ — P. „Aber woruͤber wollen wir uns denn sonst unterhalten?“ — F „Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, daß ich die Wahl des Suͤjets unserer Conversation Ihnen gaͤnzlich anheimstelle; nur allein meine Affaire vom 28sten muß ich davon ausnehmen.“ — Der getaͤuschte Herr Pasquier machte noch einige Versuche, den In⸗ quisiten zum Reden zu bringen, mußte sich indessen ohne Erfolg wieder entfernen.“ 8 8 Das Ministerium soll bereits, obgleich das betreffende Gesetz noch nicht votirt ist, eine Censur⸗Kommission fuͤr die Theater er⸗ nannt und an die Spitze derselben den Herrn von Wailly ge⸗ stellt haben. 8 Eine in Leipzig erschienene „Adresse an das Franzoͤsi⸗ sche Volk“, welche angeblich den Koͤnig der Franzosen zum Ver⸗ fasser haben sollte, war in die hiesigen Blaͤtter uͤbergegangen, die in derselben Stoff zu heftigen Angriffen fanden. Der Moni⸗ teur erklaͤrt sich jetzt zu der Versicherung ermaͤchtigt, daß Alles, was man uͤber den Ursprung jener Adresse gesagt habe, eine reine Erfindung sey. 8 1 Herr Arago hat gestern in einem Berichte der hiesigen Aka⸗ demie der Wissenschaften angezeigt, daß die Ephemeriden aller Astronomen, die den Lauf des Halleyschen Kometen berechnet haͤtten, falsch waͤren. Herr von Pontecoulant sey von Allen derjenige, der der Wahrheit am naͤchsten gekommen sey. (2) Gestern Morgen bemerkte ein in der Rue des Petites⸗ Ecuries wohnender Schlaͤchter dicken Rauch aus dem Fenster eines benachbarten Hauses hervorbrechen. Er machte Laͤrm, und man uͤberzeugte sich bald, daß der Rauch aus dem Schlafzimmer des Hauseigenthuͤmers, Herrn Maës, kam. Die Thuͤr des Zim⸗ mers war verschlossen; man mußte sie mit Gewalt oͤffnen und fand Herrn Maës und seine Gattin ermordet in ihrem Bette, unter welchem die Moͤrder bei ihrer Entfernung Feuer angelegt hatten. Madame Maös war bereits todt. Herr Maës athmete noch einige Minuten; aber schon vor Ankunft der schnell herbei⸗ geholten herzte hatte er ebenfalls den Geist aufgegeben. Er war etwa 70, seine Frau 50 Jahr alt. Die Nachrichten aus Algier reichen bis zum 30. August.
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Wichtige Ereignisse waren bis dahin nicht vorgefallen. Gegen
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Abdel⸗Kader wird wohl vor dem Oktober nichts unternommen werden. Vom 10. bis zum 30. August waren etwa 1500 Per⸗ sonen an der Cholera gestorben. Es starben noch taͤglich unge⸗ gefaͤhr 50 Personen; die hoͤchste Zahl der Sterbefaͤlle an einem Tage war 115. gr
Im Moniteur liest man: „Nachrichten aus Bayonne vom 4ten melden, daß 22 Bataillone Karlisten Bilbao bedrohen. Am 3ten ist der Oberst Cordova, Bruder des Generals, in San Sebastian eingetroffen. Die Englaͤnder haben sich augenblicklich nach Portugalette eingeschifft. Ebendahin schickt man 2 Spani⸗ sche Bataillone. Diese Streitkraͤfte werden gemeinschaftlich mit 5000 Mann unter Espalette operiren, die sich in Balmaseda be⸗ finden. — An demselben Tage haben die an dem Ufer der Bi⸗ dassoa stehenden Karlisten mehrere Flintenschuͤsse auf Franzoͤsische Militairs abgefeuert, aber ohne einen derselben zu treffen. Man hat durch etwa 20 Kanonenschuͤsse geantwortet.“ 1
Der Indicateur theilt folgendes Schreiben aus Saint⸗ Jean⸗de⸗Luz vom 3. Sept. mit: „Eine in der vergangenen Nacht hier angekommene Trincadoure meldet, daß sie nach Bilbao, wohin sie bestimmt gewesen, nicht habe gelangen koͤnnen. In Portugalette angekommen, sey es ihr nicht moͤglich gewesen, den Strom weiter hinauf zu fahren, da die Feindseligkeiten auf allen Punkten in der Umgegend von Bilbao bereits begonnen haͤtten. Die von San Sebastian angekommene Post bestaͤtigt diese Nach⸗ richt; alle Englische Bataillone, mit Ausnahme eines einzigen, sind zur Vertheidigung von Bilbao unter Segel gegangen. — In diesem Augenblicke (10 Uhr Morgens) meldet ein von Bil⸗ bao angekommenes Fahrzeug, daß die Franzoͤsischen und Engli⸗ schen Konsuln nicht meht mit den bei Olavia stationirenden Schiffen kommuniziren konnten; daß bei seiner Abfahrt von Bil⸗ bao ein lebhaftes Feuer begonnen, und daß die Karlisten in großer Anzahl versucht haͤtten, sich des Platzes zu bemäaͤchtigen. Ein ande⸗ res Schreiben von der Graͤnze berichtet uns, daß man in der Richtung nach San Sebastian Kanonendonner hoͤre, und daß Jaureguy mit den Karlisten handgemein geworden sey. Auch versichert man, daß der Pfarrer Merino ploͤtzlich wieder erschienen sey und sich eines bedeutenden Geld⸗Transports, der nach Madrid unterweges war, bemaͤchtigt habe.“
In einem ministeriellen Blatte liest man: „An der Boͤrse wurde gestern erzaͤhlt, daß die Behoͤrden der Stadt Sa⸗ ragossa eine Summe von 11 Millionen Realen zuruͤckgehalten haͤtten, die durch die Unterzeichner der Spanischen Anleihe von Frankreich nach Madrid gesandt worden waren.“
Aus Toulon schreibt man vom 3. d.: „Am 14. August Abends ist das Englische Geschwader im Mittellaͤndischen Meere unter den Befehlen des Admirals Rowley in dem Hafen von Korfu vor Anker gegangen. Es besteht aus einem Schiffe von 140 Kanonen, 5 Schiffen von 80 Kanonen, 2 Fregatten von 60 Kanonen, und 2 kleinen Fahrzeugen. Die Ankunft dieser Flotte hat in Korfu, wo sie nicht erwartet wurde, viel Aufsehen gemacht.“
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 4. September. (Nachtrag.) Der Serjeant of arms zeigte in dieser Sitzung an, daß der wegen seines Beneh- mens als Zeuge in der Sache wider General Darling verhaftete Herr Maclean entsprungen sey. Er hatte sich aus dem West⸗ minster⸗Hotel vom Fenster auf eine Mauer 11 Fuß hoch an ei⸗ nem mit einem Halstuch zusammengeknuͤpften Handtuch herabge⸗ lassen und muß alsdann 14 Fuß hoch weiter von der Mauer en den Schlamm der Themse zur Ebbezeit hinabgesprungen seyn. Der General⸗Prokurator (Sir J. Campbell) vertheidigte sich gegen einen ehrenruͤhrigen Ausdruck im andern Hause, wo gesagt worden war, daß die dort verworfene Bill wider die Ge⸗ fangensetzung wegen Schulden „im Unterhause durchgeschmuggeit worden sey.“ (Hoͤrt! hoͤrt!)
Unterhaus. Sitzung vom 7. September. (Nach trag.) Herr Scholefield legte eine Petition von Mitgliedern der politischen Union in Birmingham wider die Amendements der Lords zu der Munizipal⸗Reform⸗Bill vor und bemerkte da⸗ bei, wenn das jetzige Ministerium, wie die Tories drohten, auf⸗ geloͤst wuͤrde, so wolle die Union in aller ihrer Macht wieder aufstehen, um dem Volke zur Erlangung seiner Rechte zu ver⸗ helfen. Herr Ths. Attwood unterstuͤtzte die Petition und be⸗ dauerte, daß die Minister in mehrere der Amendements einge⸗ willigt. Die Tories, sagte er, haͤtten dem Volke wahnsinniger Weise mit 50,000 Mann berittener Neomen gedroht (in der Morning⸗Post), wo aber wollten sie diese finden? Ja, wenn es selbst eine solche Zahl bewaffneter Neomen im Lande gaͤbe, denke er doch nicht, daß die Landwirthe und Manufalkturi⸗ sten, aus welchen sie bestaͤnde, sich zu einem Angrisf auf das Englische Volk vereinigen wuͤrden. (Hoͤrt!) Man drohe mit einem Tory-Ministerium und mit neuen Wah⸗ len. Er zweifle nicht, diese wuͤrden die Vermehrung der jetzigen Mehrheit von Reformern um 100 Mitglieder zum Ergebniß haben (Beifall), denn die Massen wuͤrden jetzt an der Sache Theil nehmen, wie sie es letzten Winter nicht gethan. Er habe schon gesagt, daß sich fuͤr Tory-Zwecke die 50,000 Neomen in England nicht finden wuͤrden, allein an der Weichsel stehe eine solche Truppenzahl, und er zweifle nicht, daß die Tories sich nach einer solchen Huͤlfe umsaͤhen. (Gelaͤchter.) Er warne den ed⸗ len Lord (Russell), die Augen offen zu haben und nicht zuzuge⸗ ben, daß eine fremde Macht England mit Blut uͤberschwemme. (Gelaͤchter.) In der (gestern theilweise gegebenen) Rede, womit Lord John Russell sodann auf die Einwilligung des Hauses in die von dem Oberhause mit der amendirten Munizipial⸗Re⸗ form⸗Bill nochmals vorgenommenen Veraͤnderungen antrug, äu⸗ ßerte sich derselbe unter Anderem noch folgendermaßen:
„Ich habe es mir bei allen Reform⸗Maßregeln, an denen ich
schrecken zu lassen, wenn auch nur ein Theil meiner Vorschlaͤge an⸗ enommen wuͤrde, waͤre es auch nur, um einen Schritt auf der Babn der Verbesserung weiter zu rüͤcken. Haͤtten wir eine absolute
Monarchie oder eine sireng demokratische Regierungsform, so koͤnnte
Theil genommen, zum Prinzip gemacht, mich dadurch nicht abe: