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naͤmlich landete Verzweiflung der armen Mutter denken, als sie ihren Sohn schon todt fand. Die Regierungs⸗Zeitung vom 10ten enthaͤlt ein
weelche die Minister der Koͤnigin uͤber die Vortheile der Verbrei⸗ tung des Unterrichts eingereicht haben.
man, daß am 13. August in der Stadt Caͤsarea ein Erdbeben
ecber augenblickli
Plan einer Vermaͤhlung der Koͤnigin mit dem Sohne des Prin⸗ zen von Sachsen⸗Koburg wurde wieder besprochen. In Lissabon glaubte man, daß die Unterhandlungen uͤber diese wichtige An⸗ gelegenheit bereits sehr weit gediehen seyen. Sir John Milley Doyle ist auf seine Bitte aus dem Portugiesischen Dienst ent⸗ lassen worden. Als er dem Kriegs⸗Minister sein Gesuch vortrug, bedauerte dieser zwar sehr den Verlust seiner Dienste, klingelte und befahl, daß die erforderliche Bewilligung
ausgefertigt werden sollte. Herr Lowther, Offizier in der Be⸗ freiungs⸗Armee, starb am 12ten d. M. an der Auszehrung; ein trauriger Zufall begleitete seinen Tod; eine Stunde darauf seine Mutter mit dem Paketboot; sie hatte einen Englischen Arzt mitgebracht, der die Hei⸗ lung des Kranken versuchen sollte; man kann sich die
sehr lichtvoll geschriebenes Dokument, eine Kollektiv⸗Denkschrift,
Dieses Aktenstuͤck ge⸗ reicht ihnen zur großen Ehre, und es ist darauf ein Dekret der Koͤnigin gegruͤndet, welches ein neues Unterrichts⸗System, ganz in Uebereinstimmung mit dem Inhalt der Denkschrift, anordnet und in seinen Bestimmungen von so viel Einsicht und Wohl⸗ wollen zeugt, daß man es unmoͤglich mit Gleichguͤltigkeit betrach⸗ ten kann. Es werden taͤglich zwei Herren aus England in Lis⸗ sabon erwartet, der Eine von der Londoner Muͤnze, der Andere ein Civil⸗Ingenieur, der bereits im Dienste der Regierung in Lissabon gewesen ist. Beide sind von der Portugiesischen Regie⸗ rung engagirt, der Erste, um ihr bei der Praͤgung der neuen Muͤnzen mit seinen Diensten zur Hand zu gehen, der Letztere, um die Gasbeleuchtung in der Staoͤt, den Straßenbau und an⸗ dere öͤffentliche Arbeiten zu leiten.“ 8 Die Morning Post enthielt gestern einen Artikel uͤber den General Evans, worin sie dessen Talente und Verdienste als ganz unbedeutend darstellte; er besaͤße, sagte dieses Blatt, weder wissenschaftliche Kenntnisse noch Erfahrung, er habe nie einen Rang im aktiven Dienst bekleidet, sondern nur als gewoͤhnlicher Lieutenant gedient, und er habe sich zuletzt gluͤcklich genug ge⸗ schaͤtzt, den Rang eines Feld⸗Offiziers zu erkaufen. „Diese Be⸗ hauptungen“, entgegnet hierauf der Courier, „sind sämmtlich falsch und ungegruͤndet. Der General Evans empfing seinen Unterricht in den wissenschaftlichen Zweigen des Militairwesens
in der Kriegsschule von High⸗Wycombe. Als er seine Studien beendigt hatte, ging er nach Indien und nahm Dienste bei der .“ ELutin, 19. Sept. Unser Großherzog hat, in
Ostindischen Compagnie; die dortige Kriegfuͤhrung genuͤgte aber seinem damaligen Eifer nicht; er trat daher in die Linie ein und war Dra⸗ goner⸗Lieutenant und Assistent des General⸗AQuartiermeisters, als er zuerst die Aufmerksamkert des Herzogs von Wellington auf der Halb⸗ insel erregte. Der Herzog hatte das Terrain in der Gegend von Pampe⸗ lona aufzunehmen befohlen, und diese Arbeit war so gelungen, daß Se. Gnaden sich den Offizier nennen ließ, der sie ausgefuͤhrt. Es war der General Evans, dessen Verdienste der Herzog nie vergaß, indem er ihn bei der Expedition nach dem Chesapeake zum Assistenten des General⸗Quartiermeisters ernannte und waͤh⸗ rend des ganzen Krieges in den Vereinigten Staaten keinen Of⸗ fizier so sehr auszeichnete, als ihn.“ Das genannte Blatt theilt nun mehrere Auszuͤge aus Depeschen mit, in denen der General Evans immer sehr belobt und zur Befoͤrderung empfohlen wird, und faͤhrt dann fort: „Nach der Schlacht von Neu⸗Hrleans, in welcher General Evans schwer verwundet wurde, kehrte er im Maͤrz 1815 nach Hause zuruͤck, um sich heilen zu lassen, und wurde zum Capitain und bald darauf auch zum Major befoͤrdert, ohne daß es ihm etwas kostete. Seine Wunden waren noch nicht ganz geheilt, als er zum Stabs⸗Offizier bei Sir William Pon⸗ sonby ernannt ward; er kaͤmpfte bei Waterloo unter diesem tapferen Offizier, der dort blieb, und fuͤr seine ausgezeichneten Dienste bei Waterloo erhielt General Evans den Oberst⸗Lieute⸗ nants⸗Rang, den er jetzt in der Britischen Armee bekleidet. Und was den Vorwurf anbetrifft, daß er nicht Erfahrung genug be⸗ sitze, um ein bedeutendes Truppen⸗Corps anzufuͤhren, so fragen wir, ob eine Stelle in der Armee wohl geeigneter ist, sich zum Anfuͤhrer einer Armee auszubilden, wie die eines General⸗Quar⸗ tiermeisters? Mehrere unserer besten Generale, die sich auf der Halbinsel am meisten auszeichneten, sind aus dieser Schule her⸗ vorgegangen. Wir brauchen nur Sir George Murray, den Grafen von Hopetoun, und den General Craufurd zu nennen. Unser Kollege mag immerhin die Ernennung des General Evans zu dem Kommando in Spanien seinen politischen Grundsaͤz⸗ zen zuschreiben, wenn die Post aber wuͤßte, von wem General Evans zuerst wegen seiner Tapferkeit, Geschicklichkeit und Erfahrung zu diesem Kommando vorgeschlagen wurde, so wuͤrde sie gewiß ihren Irrthum eingestehen. Ueberdies haben viele unserer Peninsular⸗Offiziere, die spaͤter bei Dom Pedro in Dienste traten, große Talente gezeigt, als sie militairische Func⸗ tionen von ganz anderer Art zu verrichten bekamen, als die wa⸗ ren, welche ihnen im Britischen Dienst oblagen. Als Beispiel fuͤhren wir nur den Oberst Hodges an, der durch seine tap⸗ sere und geschickte Vertheidigung von Porto so viel Ehre ein⸗ legte, und der doch im Kriege auf der Halbinsel nur, wie der General Evans, Lieutenant im 3ten Dragoner⸗Regiment war.“ Herr W. Allen, der als Artillerie⸗Hauptmann zu der Briti⸗ schen Legion in Spanien abgehen wollte, ist vor einigen Tagen hier vom Tode ereilt worden. Aus Briefen des Englischen Konsuls in Trapezunt erfaͤhrt
stattgefunden hat, welches 300 Hauser zerstoͤrte, wobei 50 Ein⸗ wohner ums Leben kamen. 8
Der Statthalter von Jamaika hat in seiner letzten Eroͤff⸗ nungsrede die Annahme eines Gesetzes in Betreff der Einwan⸗ derungen fuͤr unbedingt nothwendig erklaͤrt und sich daruͤber fol⸗ gendermaßen geaͤußert: „Die schreckliche Sterblichkeit und an⸗ dere Umstaͤnde, welche bei der Einfuͤhrung von Einwanderern obgewaltet haben, sind Ihnen zu bekannt, als daß sie von mir aufgezaͤhlt zu werden brauchten. Ich glaube daher, daß Sie die Festsetzung von Vorschriften in Bezug auf die Aufnahme und Beschuͤtzung solcher Einwanderer und auf die gehoͤrige Haltung der mit ihnen geschlossenen Uebereinkuͤnfte nothwendig finden werden.“ .
Die letzten Nachrichten aus Demerara, die bis zum 12. August reichen, sind sehr beunruhigenden Inhalts; die emanzi⸗ pirten Neger begingen in jener Kolonie allnaͤchtlich Diebstaͤhle und Raͤubereien.
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Niederlande.
Aus dem Haag, 25. Sept. In Nymwegen ist am 19ten
d. M. der General⸗Leutenant von Heldringh im 74sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen. Feenh n82K. 80. E81111X1X“ 8
Bruͤssel, 25. Sept. Gestern, als am zweiten September⸗
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naͤchst nach dem Rathhause, wo jede derselben vom ster eine Denkmuͤnze erhielt, und dann nach dem Park, wohin der feierliche Zug durch die jubelnde Volksmenge begleitet ward. Es hatten sich zu der Preis⸗Bewerbung die Musik⸗Gesellschaften von drei Dorf⸗Gemeinden, 4 Städten zweiten Ranges und drei Staͤdten ersten Ranges (Namur, Antwerpen und Hal) einge⸗ funden. Um 10 Uhr begann im Parke die Preis⸗Musik und um 2 Uhr fanden sich Ihre Majestaͤten auf der Koͤnigl. Tribuͤne ein. Von den Doͤrfern erhielt Quaregnon, von den Staͤdten zweiten Ranges Ixelles (eigentlich auch eine Dorf⸗Gemeinde) und von den Staͤdten ersten Ranges Namuͤr den ersten Preis. Es fanden hierauf noch andere oͤffentliche Unterhaltungen durch Bogen⸗ und Vogelschießen u. s. w. statt.
Gestern hat hier auch eine große Versammlung Belgischer Aerzte im geographischen Institut des Herrn Vandermaelen stattgefunden.
Die Zahl der Fremden, die zu unseren September⸗Festen gekommen, ist diesesmal ganz ungewoͤhnlich groß. Alle Gasthoͤfe sind besetzt und die Diligencen haben zur Fortschaffung des Pas⸗ sagiergutes besondere Guͤterwagen mitnehmen muͤssen. Die Om⸗ nibusse reichen nicht aus, um die Herbeistroͤmenden nach der Ei⸗ senbahn zu fahren, und in vielen Straßen koͤnnen die Wagen, der Volksmenge wegen, nicht fahren.
Daͤnemark. Sö
Kopenhagen, 25. Sept. Aus Helsingoͤr vom 23sten d. wird gemeldet: „Gestern ist die Englische Korvette „Kleopatra““, gefuͤhrt vom Capitain Grap, auf der Reise von London nach St. Petersburg auf hiesiger Rhede angelangt, nachdem dieselbe am 19. Sept. Mittags 12 Uhr auf Lessoͤe sich festgesegelt hatte; sie mußte, um wieder flott zu werden, mehrere Kanonen, Ketten u. s. w. in die Hollaͤndische Kuff „Ypeus“, Capitain H. de Weerd, welche eben in der Nähe war, uͤberladen. Letzterer verlangt fuͤr diese Dienstleistung 500 Pf. St. Der Chef der Korvette hat ihm aber nur 100 Pf. St. geboten. Am Bord der „Kleopatra“ be⸗ findet sich die Gemahlin des Lords Durham.“
In der hiesigen politischen Zeitung liest man: „Wie es heißt, wird die Anlegung einer Chaussee von Hamburg uͤber Oldesloe nach Luͤbeck nun wirklich beginnen und sind die erforderlichen An⸗ stalten getroffen, damit alles in diesem Winter so vorbereitet wer⸗ den koͤnne, daß die Arbeit mit dem Beginne des Fruͤhjahrs rasch vor sich gehen koͤnne.“
Deutschland.
Buͤrgermei⸗
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Erwaͤgung der mehrfachen Unzutraͤglichkeiten, welche aus der Schließung der Zuͤnfte auf eine feste Meisterzahl erwachsen, durch Verord⸗ nung vom 12ten d. bestimmt, daß fernerhin keine Zunft an eine geschlossene Meisterzahl gebunden, vielmehr jede derselben ohne Ausnahme von jetzt an verpflichtet seyn soll, alle diejenigen zur Gewinnung des Meisterrechts zuzulassen , welche einen obrigkeit⸗ lichen Erlaubniß⸗Schein zur Niederlassung als Handwerks⸗Mei⸗ ster beibringen.
Unterm 24sten v. M. ist eine Verordnung wegen Abtretung von Land und Materialien zu oͤffentlichen Wegen erschienen, worin die Breite aller eigentlichen Post⸗ und Landstraßen, ohne die zu wenigstens 4 Fuß Breite an jeder Seite anzulegenden Graͤben, zu 32 Fuß, die sonstigen groͤßeren Communications⸗ Wege ohne die Graͤben zu 24 Fuß und die der Kirch⸗ und Communications⸗Wege zwischen einzelnen Dorfschaften zu 16 Fuß bestimmt wird.
Karlsruhe, 24. September. Zu den bedeutendsten Er⸗ gebnissen des letzten Landtags und den erfreulichen Zeichen der Zeit, wodurch der menschenfreundlichen Regierung unseres Durch⸗ lauchtigsten Großherzogs ein neues Denkmal gesetzt, der Segen eines geordneten Staatshaushaltes recht fuͤhlbar beurkundet und den huͤlfsbeduͤrftigsten Menschen eine sichere Zufluchtsstaͤtte geoͤff⸗ net wird, gehoͤrt die beschlossene Errichtung einer großen, auf mehr als 400 Kranke berechneten allgemeinen Irren⸗Anstalt. Der⸗ jenigen, welche seit 1826 zu Heidelberg besteht, gebricht es an Raum, an der noͤthigen Isolirung, an zweckmaͤßiger Bauart, an Wus⸗ ser und an hinreichenden Gaͤrten, woraus in⸗ und außer⸗ halb der Anstalt unzaͤhlige Verlegenheiten entstanden sind. Die fuͤr die neue Anstalt gewaͤhlte Gegend im Mittelpunkt des Lan⸗ des und am Fuße eines schoͤnen Gebirges ist mit fließendem Wasser, uͤberhaupt mit allen den Eigenschaften, welche den Zweck der Anstalt zu foͤrdern vermoͤgen, und dabei noch mit einer An⸗ muth a e satter, wie sie in dem an Natur⸗Schoͤnheiten so rei⸗ chen Großherzogthum nicht groͤßer aufgefunden werden mag. Daß die vielbesprochene Trennung einer Heil⸗, und Ver⸗ sorgungs⸗Anstalt bei dem neuen Plane nur in derselben Lokalitaͤt und nicht an zwei verschiedenen Orten statthaben, daß fuͤr Kranke aus hoͤheren Staͤnden eine eigene Abthei⸗ lung entsprechend eingerichtet, vor Allem aber, daß die ganze Anstalt von Grund aus neu aufgebaut werden soll, wird alle die, welche mit den Beduͤrfnissen eines solchen Instituts ver⸗ traut sind und ihm mehr als einen nur secundairen Rang ein⸗ geraͤumt wissen wollen, wohlthaͤtig ansprechen. Die von der Re⸗ gierung nach sorgfaͤltig erhobenen Vorarbeiten geforderte und von den Staͤnden einstimmig bewilligte Summe belaͤuft sich auf 250,000 Fl. Mit der Ausfuͤhrung dieses großartigen Unterneh⸗ mens soll ungesaͤumt begonnen werden.
e Oesterreich.
Penhe Tevplitz, 26. Sept.*) Am 23ͤsten d. M. um 7 Uhr Mor⸗ gens begaben sich Se. Majestaͤt der Kaiser Ferdinand nach der Fistung Theresienstadt. Auf dem Wege dahin besichtigten Hoͤchst⸗ dieselben die daselbst aufgestellte Brigade des General⸗Majors Grafen Wrbna, deren Mannschaften vom Feldwebel und Wacht⸗ meister abwaͤrts der Kaiser eine dreitaͤgige Gratis⸗Loͤhnung be⸗ willigte. In Theresienstadt geruhten Se. Maäjestaͤt den komman⸗ direnden General in Boͤhmen, Feldmarschall⸗Lieutenant Grafen von Mensdorf, den e W ,e e. General der Ka⸗ vallerie, Grafen von Klebelsberg, so wie die uͤbrigen anwesenden Generale und Stabs⸗Offiziere, und den Bischof von Leitmeritz zur Tafel zu ziehen. Um 3 Uhr besichtigten Se. Majestaͤt dar⸗ auf die Festungswerke, wobei Allerhoͤchstdieselben von dem Ge⸗ neral⸗Genie⸗Direktor, Erzherzog Johann Kaiserl. Hoheit, be⸗ gleitet wurden. Um 7 Uhr Abends trafen Se. Majestaͤt wieder in Teplitz ein.
Wien, 24. Sept. Am 22. Sept. um 9 Uhr Morgens hat das neuerbaute Dampfboot „Zriny“ von 80 Pferden⸗Kraft, in Gegenwart der hohen Behoͤrden, die guͤnstigste Probefahrt ge⸗ macht. Da das Wasser seit einigen Tagen fortwaͤhrend sehr fiel, so saͤumte man keinen Augenblick, das Schiff seiner Bestimmung
*) Auch der gestrige Bericht aus Teplitz ist von diesem Tage, und nicht vom 27. September, wie es in der Leipziger Zeitung,
Festtage, begaben sich die konkurrirenden Musik⸗Gesellschaften zu⸗
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zuzufuͤhren. Noch am selben Morgen um 11 das Boot das hiesige Ufer und langte um 2 ¼ Uhr Preßburg an. Gleich bei seiner Ankunft begluͤckte Se. K
nehmigte eine kleine Spazierfahrt nach Theben und geruhte zudruͤcken. Das Schiff wollte, wenn es der Wasserstand erla am 23. September von Preßburg nach Pest abfahren. Die rection hat Alles angewandt, den Bau dieses Schiffes zu
ten Verbindungsmittels zwischen sie hat nichts gespart, um das Schiff mit Allem auszuftan was zur Bequemlichkeit der Reisenden dient und auf Reisen ausfuͤhrbar ist. — Das Dampfboot „Zriny“ wind se treten.
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Chur, 20. Sept. Durch eine nachtraͤgliche Veroͤff chung von Aktenstuͤcken in dem Waldstaͤtter Boten erfit man, mit welcher Energie die hierseitige Regierung ihre Nef als Schirmvogt des bischoͤflichen Stuhles von Chur gegen 9 Bossi geltend gemacht hat. Als Letzterer von Einsiedeln, wne sich hatte zum Bischof weihen lassen, nach Chur zuruͤckten wollte, um die bischoͤfliche Residenz zu beziehen, kamen ihm, 10. Juli drei Regierungs⸗Kommissarien zu Ragatz mit der; Verlangen schriftlich ausgestellten Erklaͤrung entgegen, daß ben die erforderlichen Maßregeln getroffen seyen, ihn noͤth igens selbst mit bewaffneter Hand von der Beziehung der bischöft Residenz abzuhalten; und daß, im Falle Se. Hochw., Hr. F dies dennoch versuchen wollte, er fuͤr alle daraus entstufe uͤble Folgen persoͤnlich verantwortlich gemacht werden wie Hierauf stellte Hr. Bossi die schriftliche Gegenerklaͤrung; daß er, nur der Gewalt weichend, und um andern zu beßh tenden, von ihm aber nicht provocirten Folgen und Aufrege vorzubeugen, sich enthalte, die bischoͤfliche Residenz in Chl beziehen; jedoch die durch seine rechtmaͤßige Ernennung zum schof von Chur wohlerworbenen Rechte sowohl auf die Reste als anderes ihm Zukommliches, von Amts wegen und aufs . tigste verwahrt und sich vorbehalten wissen wolle. Se. Hoch bewohnt auch seitdem noch seine fruͤhere domherrliche Wohnung
Tuärke.
Konstantinopel, 3. Sept. (Oest. Beob.) An lete v. M. hatte (wie auch bereits nach anderen Quellen berichte wurde) der Fuͤrst von Serbien, Milosch Obrenowits, säne 1. dienz beim Sultan, von welchem er mit besonderer Auszeichnu empfangen, und bei diesem Anlasse mit dem in Brillanten gef ten Portrait Sr. Hoheit, einem prachtvollen, mit Edelstein gezierten Saͤbel, einem mit goldgesticktem Kragen und brillam ner Schließe versehenen Ehrenmantel und einem reich aufgezälh ten Arabischen Hengste beschenkt wurde. seinerseits dem Sultan einen in Wien verfertigten, mit Bril⸗ ten reich besetzten Becher von massivem Golde, und den bhel Prinzen geschmackvoll mit Edelsteinen verzierte Uhren zum schenke dar.
Der vormals in Diensten des bekannten Ali Paschaͤh Janina gestandene Silihdar Poda ist vor einigen Tagen in ser Hauptstadt hingerichtet worden; dem Vernehmen nach, er des Einverstaͤndnisses mit den Rebellen von Skutari fuͤr sch dig befunden worden war. Außerdem sind noch mehrere & Personen, die in den Aufstand von Albanien verwickelt wa in dieser letzteren Zeit mit dem Tode bestraft worden.
An die Stelle des unlaͤngst nach einer langwierigen Ka heit mit Tode abgegangenen Pforten⸗Dolmetsches Esrar Ef ist Tedschelli Efendi in gleicher Eigenschaft ernannt worden⸗ Dem vormaligen Baruthane Emini (Intendanten der Puß⸗ stampfen) Said Bei ist das Amt eines Sure Emini oder fuͤhrers der diesjaͤhrigen Pilger⸗Karavane (nach Mekka) uͤben gen worden.
Nachrichten aus Kaißarie (Caͤsarea) zufolge, Theil dieser Stadt und zwei nahe liegende Doͤrfer durch ein beben zerstoͤrt worden. Ein diese Gegend bewaͤssernder Fluß⸗ hierbei gaͤnzlich verschwunden seyn.
sind ein gu
Konstantinopel, 4. Sept. (Journal d' Odessa.)“ Ellis hat eine Audienz beim Großherrn gehabt; auch hat er Persischen Gesandten einen Besuch abgestattet, bei welchem! gen der durch die Etikette vorgeschriebenen Formen einige U nehmlichkeiten stattgefunden haben sollen. Herr Ellis wird se Reise zur See auf dem Kriegs⸗Dampfboot „Pluto“ fortse welches ihn nach Trapezunt bringen soll, von wo dieser De mat sich zu Lande nach Teheran begeben wird. Man behau der „Pluto“ werde seine Ruͤckkehr benutzen, um eine Fahte den Kuͤsten des Schwarzen Meeres entlang zu unternehmen, zum Zweck haben soll, bereits begonnene Studien zu beend und mehrere Punkte auf der Karte zu berichtigen.
Am 27sten v. M. lief eine Tunesische Fregatte nebst Transportschiffen in den Hafen von Konstantinopel ein, die Schwiegersohn des Dey, Essik Bey, an Bord hatte, wel hierher koͤmmt, um die Huldigungen seines Schwiegervaters! Sultan zu Fuͤßen zu legen; er ist der Ueberbringer kost Geschenke, die in 3000 Dutzenden rother Muͤtzen (Fez), schoͤnen Negern, 200 Eseln von bester Rage, in einem Schme kaͤstchen fuͤr das Serail und in einer mit Goldmuͤnzen gefal Chatulle bestehen. Es ist dies ein wichtiges Ereigniß, indem die gute Wirkung beweist, welche die Expedition nach Teoe in Tunis hervorgebracht hat, wohin die Tuͤrkische Regieun ebenfalls einige Kriegsschiffe absenden zu wollen schien.
Die in der letzten Zeit aus Albanien hier eingegange⸗ Nachrichten lauten sehr guͤnstig; die ganze Armee des Sul befand sich in dem Thale von Berat, von wo aus sie mit Geschwader kommunizirte, und man beschaͤftigte sich mi Plan, wie man sich Skutari naͤhern wollte. Die Hoffnun einen gluͤcklichen Erfolg schien ganz sicher zu seyn.
Die Familie des Grafen von Armansperg ist auf 6 praͤchtigen Englischen Kriegs⸗Dampfschiff von Athen hier kommen, dem Vernehmen nach, um einer epidemischen Krant zu entfliehen, die in Griechenland ausgebrochen ist. — 4l Kobell, der sich zu Konstantinopel befindet, erwartet, wie es he die Ernennung zum Bayerischen Gesandten in Griechenland. Nachrichten aus Syra vom 25. August zufolge, dauetle
Epidemie, die seit einiger Zeit in Athen um sich gegriffe
und die man fuͤr ein gefaͤhrliches, von den boͤsen Ausduͤnstun der umliegenden Moraͤste herruͤhrendes Fieber hielt, noch iinm mit gleicher Heftigkeit fort; man fuͤrchtete in dieser Stadt sonders die große Hitze, welche dort in den letzten Wochen! August gewoöͤhnlich zu herrschen pflegt. Die Zahl der Krah⸗ hatte sehr zugenommen; die Sterblichkeit war fast immer di
wahrscheinlich in Folge eines Druckfehlers, hieß. zaet:
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Herr Koletti ist am 14ten nach Frankreich abgereist.
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hür 8 Die Angelegenheiten der hier ansaͤssigen Griechen sind noch gluüͤcklic
Hoheit der Erhherzog Palatin das Boot mit seinem Besuch, e saben in Pera und Galata sind geschlossen. Zufriedenheit mit den Fortschritten dieses Unternehmens allg, ist Mehmed Bey, den die Pforte nach Griechenland abge⸗
schleunigen, um dem laͤngst gefuͤhlten Beduͤrfnisse eines verm und Moldova abzußess
Vase erste Dienstreise von Pest nach Moldova am 11. Oktober
Metteter links, gingen voran, ihnen folgten der Kaiserl. Schwie⸗
Fuͤrst Milosch brach
*
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bt in Ordnung; da der Tuͤrkische Gesandte in Griechenland
Paͤsse gefordert und sich von Athen entfernt hat, so wird e Lage noch kritischer, und fast alle Tischler⸗ und Schuhmacher⸗ Dem Vernehmen
aot hatte, schon nach Smyrna zuruͤckgekehrt, von wo er sich wver. üglic nach Konstantinopel zu begeben gedachte.
Aus Aegypten gehen noch immer die traurigsten Nachrichten bn die Pest und uͤber die zu dieser Geißel noch hinzugekom⸗ ae Cholera ein. In Konstantinopel sind einige Erkrankungen Polnischen Juden vorgekommen; auch in bekannten Häaäͤu⸗ in von Pera haben sich Pestfaͤlle gezeigt, was großen Schrecken dieser Vorstadt verbreitet hat. Die ESFtadt Smyrna dagegen un man jetzt als von dieser Geißel befreit ansehen, da seit dem „August kein Pestfall dort vorgekonmien und der Gesundheits⸗
dastand daselbst seitdem sehr gut gerdesen ist, wie denn uͤber⸗
vupt, Dank den weisen Maßregeln der Behoͤrden und den Vor⸗ rungen, welche saͤmmtliche Einwohner bei Zeiten zu treffen beeilt, die Pest in diesem Jahre nicht sehr heftige Verhee⸗ ungen dort angerichtet hat. In den Dardanellen ist die Pest ast gan) verschwunden, und seit Anfang dieser Woche bis ge⸗ ern zihlte man taͤglich nur eine oder zwei Erkrankungen.
— Ueber die (oben erwaͤhnte) Audienz des Fuͤrsten von berbien, Milosch Obrenowits, bei Sr. Hoheit dem Sultan, schaͤlt die Serbische Zeitung vom 29. August (10 Sept.) fol⸗ inden amtlichen Bericht. „Die Audienz des Serbischen Fuͤrsten, derrn Milosch Obrenowits, hat am 16. (28.) August d. J. um 11 Uhr bormittags stattgefunden und war sehr großartig, wie sie nur ein maͤch⸗ ger und gnädiger Kaiser veranstalten konnte. Ihre Excellenzen der Heriasker Chosrew Pascha, der Kaiserl. Schwiegersohn Halil Pascha, der Groß⸗Admiral Tahir Pascha, der Muschir Achmed Hascha, der Namik Pascha und mehrere andere Kaiserl. Wesire pohnten derselben bei. Die Einfuͤhrung des Fuͤrsten in den ludienzsaal geschah in folgender Ordnung, naͤmlich: Chosrew daschs und Groß⸗Admiral Tahir Pascha, Ersterer rechts und
dersohn Halil Pascha und der Muschir Achmed Pascha nach, und zwar Erlerer hinter dem Chosrew und Letzterer hinter dem Tahir Pascha, sann schritt in der Mitte der Fuͤrst, hinter ihm dessen Gefolge, wel⸗ her Zug von mehreren anderen Tuͤrkischen Beamten geschlossen vurde. Se. Hoheit der Allergnaͤdigste Sultan, welcher auf ei⸗ im Canapee saß, begruͤßte den Fuͤrsten bei seinem Eintritte mit sen Worten: „Fuͤrst Milosch, sey willkommen!“ Fuͤrst Milosch, er eine Uniform trug, machte die gewoͤhnlichen Verbeugungen, ßte dann dem Kaiser nach herkoͤmmlichem Gebrauche den Fußz ud hielt in Serbischer Sprache folgende Dankrede an den Sul⸗ in: „Die goͤttliche Vorsehung hat mir gestattet zu erleben, und ie huldreichste Gnade Ew. Kaiserlichen Majestaͤt wuͤrdigte mich seute, vor dem Antlitze meines und so vieler gluͤcklichen Voͤlker großmaͤchtigen Kaisers und Herrn mich persoͤnlich darzustellen. kein Herz schwimmt in der Fuͤlle der gefuͤhlvollsten Dankbar⸗ eit, und diese Fuͤlle wird auch dadurch vermehrt, daß neben meiner persoͤnlichen auch die herzliche Dankbarkeit der Ser⸗ bischen Nation, welche unter dem Schatten des wohlthaͤ⸗ tigsten Thrones Ew. Majestaͤt ein Uebermaß des Gluͤckes emeßt, sich vereinigt. Die Weisheit, welche der ewige Von mit Ihrer Vernunft gepaart, und die Gerechtigkeitsliebe, welche der Himmel in Ihr Kaiserliches Herz ergossen, haben alle sene Hindernisse, welche die Uebelgesinnten der Kraft Ihres Thro⸗ ges und dem Gluͤcke Ihrer Voͤlker entgegenzustellen sich bemuͤh⸗ in, beseitigt. Und die Riesenwerke, wodurch Ew. Majestaͤt der erneuerer Ihres Thrones geworden sind, werden Ihren Namen unter den großen Kaisern aller Jahrhunderte verewigen, und die Geschichte wird Sie nach Verdienst feiern und hochpreisen. Ich aber, als Vorstand des mir von Ew. Maj. anvertrauten Serbischen Volkes, nahe mich mit meinem und des Volkes dankbarem Herzen vor die Fuͤße Ew. Maj. und bitte treuergebenst, daß diese unsere Dankbarkeit huldvoll aufgenommen werden wolle.“ Diese Anrede wurde von dem fuͤrstlichen Rathe Herrn Awram Petro⸗ niewits Griechisch und vom Herrn Nikolaus Aristarch, der als Leremonienmeister bei der Audienz fungirte, Tuͤrkisch dem Sul⸗ tan verdolmetscht, bei welcher Gelegenheit der Kaiserl. Schwie⸗ gersohn Halil Pascha dem Dolmetsch oͤfter ins Wort fiel, und zur deutlicheren Uebersetzung der Rede beitrug. Nach Beendi⸗ zung der Rede ließ der Sultan durch den Chosrew Pascha dem Fürsten in einem Etui sein Portrait, welches reich mit Brillan⸗ in besetzt ist, uͤberreichen; bei dessen Uebergabe sagte der Sul⸗ tan zum Fuͤrsten: „Dies wird Dir, Deiner Familie und Dei⸗ vem Hause gegeben;“ dann wurde ihm durch den Muschir Ach⸗ mned Pascha ein reich besetzter Saͤbel umguͤrtet, und durch die Kaiserl. Adjutanten ein mit einer brillantenen Schließe und Kra⸗ gen reich besetzter Harwanie (Ehrenmantel) umgehaͤngt. Mit diesen Merkmalen der besonderen Huld und Gnaoe fiel ünser geliebtester Fuͤrst Milosch nunmehr so geschmuͤckt und von Dankbarkeit durchdrungen zu den Fuͤßen des großmaͤchtigsten Kaisers und kuͤßte wieder nach dem herkoͤmmlichen Gebrauche den Fuß. Bei dieser Gelegenheit richtete der Sultan einige troͤstende Worte an den Fuͤrsten, welche die Bosnier und die re⸗ bellischen Albaneser betrafen; es sollen naͤmlich die Ersteren gleich⸗ falls der neuen Ordnung sich fuͤgen, und das Serbische Land nicht mehr belaͤstigen koͤnnen, auch die Letzteren durch die Trup⸗ pen, zeelche der Sultan zu Wasser und zu Lande dorthin brachte, zum Cehorsam gebracht werden. Auf diese Kaiserl. Bemerkung erwiederte der Fuͤrst dem Sultan: „Alle diese Unruhen, mein maͤchtigster Kaiser, werden vor Deiner Kraft so verschwinden, als atten sie nie existirt,“ welchem Ausdrucke der Sultan durch ein wohlgefäͤlliges Laͤcheln seinen Beifall zollte. Hierauf erklaͤrte der Sultan den Wunsch, daß ihm das Gefolge des Fuͤrsten nament⸗ licch vorgestellt werde, und als der Herr Aristarch sich anschickte, solches zu thun, rief der Sultan dem Fuͤrsten zu: „Miloschbeg! Miloschbeg soll selbst seine Suite vorstellen“, welchem Befehle ber Fürst sogleich Folge leistete. Mit dieser Praͤsentation endigte die Feierlichkeit und der Sultan sagte zu seinen Wesiren, sie sollten den Fürsten durch den ganzen Pallast, und durch ganz Konstantinopel fähren, ihm alle die Merkwuͤrdigkeiten der Hauptstadt zu zeigen. —
ach Beendigung der Audienz fuͤhrten den Fuͤrsten Ihre Excel⸗ senzen die Paschas in die Wohnung des Muschir Achmed Pascha, veiche gleichfalls in dem Kaiserlichen Palaste ist, wohin nach einer einen Weile ein praͤchtiger Araber mit kostbarem Reitzeug und goldenen Steigbuͤgeln, als Geschenk vom Sultan, dem Fuͤrsten Fßracht und von da in die Wohnung des Fuͤrsten abgefuͤhrt 86.— Waͤhrend des Aufenthalts bei Muschir Pascha uͤbergab Fäͤrst Milosch diesem die verschiedenen Geschenke, worunter sich In goldener, mit Brillanten reich besetzter und mit Tuͤrkischen In⸗ schriften versehener Becher fuͤr den 1 daß der Sultan sein Wohlgefallen daruͤber mit folgenden mWorten: „So kraͤftig als der Milosch ist, eben so gewichtig sind
—
uch seine Geschenke“ ausdruͤckte. — Den folgenden Tag ritt Fuͤrst
Sultan besonders auszeichnet,
„
Konstantinopel, und stattete dann mehreren Primaten und den zwei Patriarchen von Konstantinopel und Jerusalem seine Be⸗ suche ab. Beim Besuch des Patriarchen von Konstantinopel empfing ihn dieser mit allen den kirchlichen Ceremonien, und er⸗ theilte ihm auch seiner Seits den religioͤsen Segen auf die uͤrde eines Fuͤrsten von Serbien.“
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
New⸗York, 2. Sept. Die Evening Post enthaͤlt un⸗
ter der Ueberschrift: „An die Verstaͤndigen aller Parteien“ fol⸗
genden Artikel: „Es ist eine unbegreiflich große Thorheit, die⸗
ses Land nach Europaͤischen Prinzipien regieren zu wollen. Es
setzt dies eine Unbekanntschaft mit dem Mechanismus der Euro⸗
paͤischen Regierungen voraus, deren sich Jeder, der nur eine ge⸗
woͤhnliche Erziehung genossen, zu schaͤmen hat. Die Elemente zu
einer solchen Regierung fehlen hier durchaus, und obgleich hin⸗
terlistige Versuche gemacht worden sind und noch gemacht wer⸗
den, diese Elemente zu erschaffen, so sollte man sich doch erin⸗
nern, daß dergleichen nicht das Werk eines Tages ist, und daß,
bei dem jetzigen Zustande der Welt, es zweifelhaft ist, ob selbst
Menschenalter hinreichend seyn wuͤrden, um die fuͤr eine Euro⸗
paͤische Regierungsform geeigneten Elemente hier hervorzubringen.
Ein temporairer Wohlstand, welcher durch die naͤchste Generation,
oder noch fruͤher, durch eine unserer politischen Erschuͤtterungen
vernichtet werden kann, hat unsere Whig⸗Politiker mit Traͤumen
von Macht berauscht, die sie bei ihren Kraͤmer⸗Sitten und ihrer
mangelhaften Erziehung nicht zu realisiren im Stande sind. Sie
haben ungluͤcklicherweise ihre Kraͤfte voͤllig uͤberschaͤtzt. Sie sind
sehr schlechte Politiker, und haben ein Werk unternommen, das
der Geschicklichkeit und Energie der Macchiavell's und Napo⸗ leon's spotten wuͤrde. Ihr jungen Aristokraten seyd wunderbar unerfahren in diesem Geschaͤfte der Regierung und scheint nicht
zu wissen, daß diejenigen, welche Euch mit der Aussicht auf Sterne, Ordensbaͤnder und Wappenschilder schmeicheln, und ihre feilen Talente EuUch zum Verkaufe anbieten, nur fuͤr sich selbst Macht und Reichthum suchen und, mit Ausnahme Eures Reichthums, Alles an Euch verachten. Sie haben es nur auf Euer Geld abgesehen, und kehren Euch den Ruͤcken, so bald das Gluͤck Euch verlaͤßt. Seyd Ihr blind? Seht Ihr nicht, daß Sie arm und demuͤthig zu Euren Tischen kommen, und daß sie dieselben mit goldenen Schuͤsseln in den Haͤnden und Stolz im Herzen verlassen? Sie arbeiten nicht, sie aͤrndten, wo sie nicht gesaͤet haben. Der Landmann und der Handwerker leben von ihrer Haͤnde Arbeit und verlangen nichts von Euch, als daß Ihr sie in Ruhe laͤßt und ihnen namentlich nicht solche Leute zuschickt, die mehr versprechen, als sie im Stande sind, zu erfuͤllen. Denkt doch nur an die Versprechungen der Webster's und Calhoun's. Sie versprachen Euch eine Bank, ei⸗ nen hohen Zoll⸗Tarif und Verbesserungen im Inneren; aber was ist aus Allem geworden? Ihr habt die Zahlungen puͤnktlich und freigebig, aber auf eine hoͤchst thoͤrichte Weise vor der Vollendung des Werkes geleistet. Ihr habt Euer Geld weggeben, und nichts dafuͤr erhalten. Das Volkist jedoch jetzt auf seiner Huth, und faͤngt an, seinen wahren Vortheil zu begreifen. Es wird fernerhin allen Euren Entwuͤrfen zur Beschuͤtzung der Amerikanischen Industrie miß⸗ trauen, denn es weiß jetzt, wohin dieselben fuͤhren. Es hat kein Vertrauen mehr zu Eurem Bank⸗System, wodurch das Geld im Ueberfluß in Umlauf kommen sollte, denn dieser Ueberfluß an Geld hat, waͤhrend die Vorsteher der Bank und einige Beguͤn⸗ stigte reich wurden, Tausende von fleißigen Arbeitern um ihren Erwerbszweig gebracht, die Preise der Lebensmittel, der Klei⸗ dungsstuͤcke erhoͤht, ohne zugleich den Arbeitslohn verhaͤltnißmaͤ⸗ ßig zu vermehren, den Werth aller Dinge ungewiß gemacht, und der ganze Nutzen dieser Veraͤnderungen ist in die Haͤnde der Kapitalisten und derjenigen geflossen, welche diesen Plan erson⸗ nen haben. Wenn irgendwo das Volk sich geneigt zeigt, selbst die Ausuͤbung der Gesetze zu uͤbernehmen, so muͤssen entweder diese Gesetze oder die Verwaltung derselben mangelhaft seyn. Es bedarf keines Beweises, daß Gesetze fehlerhaft sind, welche die Banken von New⸗Haven, Providence und Baltimore auto⸗ risirten, Tausenden von Wittwen, Waisen und sleißigen Hand⸗ werkern in einem einzigen Tage Alles zu rauben, was vielleicht die Ersparniß eines sangen muͤhevollen Lebens war. Die arbei⸗ tende Klasse hat das groͤßte Interesse bei der baldigen Ruͤckkehr zu einer rechtlichen Gesetzgebung und die Reichen haben, indem sie auf dem Wege der Ungerechtigkeit so weit gegangen sind, mehr auf das Spiel gesetzt, als sie selbst glauben. Es muß fruͤ⸗ her oder spaͤter durch gute oder schlechte Mittel anders werden. Gebe der Himmel das Erstere.“
Iennlan d. ““ 8
Berlin, 30. Sept. Aus Trebnitz im Regierungs⸗Be⸗ zirk Breslau geht uns nachtraͤglich noch folgende Mittheilung vom Z4sten d. M. zu: „Vorgestern Nachmittags um 5 Uhr kamen Se. Majestaͤt der Koͤnig auf der Reise von Kalisch nach Breslau durch die hiesige Stadt. Die Buͤrgerschaft hatte, Al⸗ lerhoͤchstdenselben zu Ehren, eine sehr geschmackvolle Ehrenpforte errichten lassen, einige Koͤnigliche Beamten aber ihre Haͤuser mit Laubwerk geschmuͤckt, und am Abende, wo die Prinzen des Koͤ⸗ niglichen Hauses hier durchreisten, erleuchtet. Saͤmmtliche Be⸗ wohner der Stadt zeigten bei dieser Gelegenheit die altbewaͤhrte Schlesische Treue und Anhaͤnglichkeit an Se. Majestaͤt den Koͤnig und das ganze Koͤnigliche Haus. Am folgenden Tage besuchten des Kronprinzen Koͤnigliche Hoheit nach Hoͤchstihrer Ankunft die hiesige schoͤne katholische Kirche und setzten demnaͤchst die Reise nach Breslau fort.“
— Der Direktor des hiesigen Friedrich⸗Wilhelms⸗Gymna⸗ siums, Professor Spilleke, ladet durch ein besonderes Programm zu der auf den 2. und 3. Oktober anstehenden oͤffentlichen Pruͤ⸗ sung und Rede⸗Uebung der Schuͤler dieser Anstalt ein. Den in diesem Programm von dem Direktor selbst mitgetheilten Schul⸗ Nachrichten geht ein interessanter Aufsatz des Ober⸗Lehrers Bre⸗ semer, „Bemerkungen uͤber den Werth und die Glaubwuͤrdig⸗ keit der Kommentarien Caͤsars“ voran. Aus den statistischen Rachrichten heben wir bloß heraus, daß die Gesammt⸗Zahl der Schuͤler im letzten Quartale 414 betrug. Aufgenommen wur⸗ den 106, abgegangen sind 98, worunter 8, mit dem Zeugnisse der Reife, zur Universitaͤt. Das neue Schuljahr beginnt am 19. Oktober.
— An den Tagen des 21., 22. und 23. Sept. fanden auf der Stralsunder Bahn die diesjaͤhrigen Pferde⸗Rennen Neu⸗ Vorpommerns statt, bei denen Se. Durchlaucht der Fuͤrͤst zu Putbus, unter Assistenz des General⸗Lieutenants von Borstell und des Kammerherrn Barons von Krassow auf Divitz, das Richteramt uͤbernommen hatte. Am 21. September wurden 4 Rennen abgehalten. Fuͤr das erste um den von der Stadt Stralsund ausgesetzten Preis Jon 100 Friedrichsd'or (Pferde jeden Alters und Landes. Doppelter Sieg.) waren 10 Pferde
Milosch auf dem vom Sultan erhaltenen Pferde durch ganz
1Ss. worden, von denen jedoch nur 3 liefen, naͤmlich der „Brownlock“ des Herrn Paul Ebers in Berlin und der
de aller Laͤnder,
cher“ und die, „Eleanor’ des Herrn Mosson in Berlin. Der „Brownlock“ siegte in beiden Laͤufen und erhielt somit den Preis. In dem zweiten Rennen um den von dem Vereine ausgesetzten Preis von 100 Frd'or. (Pferde, in Neu Vorpom⸗ mern oder Ruͤgen Febnren, im ungestoͤrten Besitze der Zuͤchter. Einfacher Sieg) blieb von drei Pferden Sieger der Hengst „Boradin“ des Herrn von Owstien⸗Quilow. Bei dem dritten Rennen um den von Stralsunds Damen ausgesetzten Teppich (Pferde jeden Alters und Landes, die nie trainirt worden. Einfacher Sieg) ritten Herren. Von den angemeldeten 10 Pferden er⸗ schienen jedoch nur 6. Den Preis errang die „Herta“ des Herrn Holtz⸗Neparmitz. Das vierte Rennen galt dem von dem Ver⸗ eine ausgesetzten Preis von 80 Frd'or., fuͤr inlaͤndische Pferde im ungestoͤrten Besitze der Zuͤchter. (Einfacher Sieg.) Derselbe wurde, von 3 Pferden, die um denselben liefen, dem Hengste „Remus“ des Barons von Hertefeldt⸗Liebenberg zu Theil, der auch auf der Berliner Bahn in diesem Jahre einen Preis ge⸗ wann. — Am 22. September wurden abermals 4 Rennen abgehalten. In dem ersten, um die von Sr. Koͤnigl. Ho heit dem Kronprinzen ausgesetzte silberne Schale (Pfer doppelter Sieg), erreichte von 4 Pfer den abermals der „Brownlock“ des Herrn Paul Ebers in Berlin in beiden Laͤufen zuerst das Ziel, wodurch der Eigenthuͤmer dieses Pferdes in den einjaͤhrigen Besitz der Schale kommt, die er jedoch im naͤchsten Jahre vertheidigen muß. Das zweite Rennen war um den von dem Berliner Verein ausge⸗ setzten Preis von 150 Frd'or., wofuͤr der Sieger gekauft wird. (Inlaͤndische Pferde, doppelter Sieg.) In beiden Laͤufen siegte von 5 Pferden die braune Stute „Dorothea“ des Herrn Mosson in Berlin, im zweiten Laufe jedoch nur mit Einer Kopf⸗ laͤnge vor dem „Bravo“ des Barons von Maltzahn⸗Sommers⸗ dorf. Herr Mosson erklaͤrte sich bereit, die „Dorothea“ dem Verein fuͤr den ausgesetzten Preis zu uͤberlassen. Das dritte Rennen war ein Unterschrifts⸗Rennen untrainirter Pferde mit einem Einsatze von 5 Frd'or. Sechs Pferde, geritten von ihren Besitzern, liefen, von denen der braune Hengst „Unknow n“ des Herrn Paul Ebers Sieger blieb. Den Beschluß an die⸗ sem Tage machte ein Rennen der Landleute mit Pferden, die in Neu⸗Vorpommern oder Ruͤgen geboren. Den ersten Preis von 50 Rthlrn. gewann der Bauer Niejahr aus Lonnvitz, den zwei⸗ ten von 30 Rthlrn. der Bauer Zickermann von Vilmnitz und den dritten von 10 Rthlrn. der Bauer Graff aus Rubitz. — Am 23. September fand noch ein Jagd⸗Rennen um den von dem Vereine ausgesetzten Pokal mit Pferden jeden Alters und Landes statt. Die Entfernung betrug 1 Meile. Es er⸗ scheinen 3 Pferde, von denen die „Saraband“, eine braune Stute des Herrn Schlettwein⸗Teschendorf, Siegerin blieb. — Die Rennen wurden diesmal durch das schoͤnste Wet⸗ ter beguͤnstigt und hatten sich wie im vorigen Jahre der lebhaf⸗ testen Theilnahme zu erfreuen. Am 2ten Renntage wurde Ge⸗ neral⸗Versammlung gehalten und in derselben beschlossen, kuͤnftig versuchsweise, statt im Herbste, schon im Fruͤhjahr die Rennen Stralsunds beginnen zu lassen, um eine muthmaßlich groͤßere Konkurrenz herbeizufuͤhren.
— Man schreibt von der obern Mosel unterm 17ten d. M.: „Die Trauben sind im Allgemeinen gegen das vorige Jahr um wenigstens drei Wochen zuruͤck. Die Beeren sind in den meisten Bergen noch hart. Zwar ist die augenblickliche Witterung sehr guͤnstig; indessen ist die Zeit schon zu weit vorgeruͤckt, als daß man noch auf einen guten Wein zaͤhlen koͤnnte. Es darf nur ein mittelmaͤßiges Gewaͤchs erwartet werden: und da die Menge de? Trauben groß ist, und manche Vorraͤthe von fruͤher liegen, so vuͤrfte an vielen Lagen der Wein kaum den Werth der dadurch theuer gewordenen Faͤsser und der Steuer erreichen.“
Meteorologische Beobachtung. 1835. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 29. September. 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung. taaeaens eme AxeaAünEETScDʒRARrAcA KMnmmEF.ZS an 2 1 Luftdruck 335,82 Par. 336,17“ Par. 336,51 Par.] Quellwaͤrme 8,20 R. Luftwärme .. 6,490 R. 12,1 °R. 7,80 . Flußwärme 13,8 0 R Thaupunkt.. 4,5 0 R. 2,60 R. 2,20 R. 3 9 Dunstsättigung 85 vCt. 46 pCt. 64 pCt, Bodenwarme 12,2 0 R. Wetter heiter. heiter. heiter. Ausdünstung 0,088Rh. Niederschlag 0.
Wind NO. O. O.
Wolkenzug.. — O. — Nachtkälte 3,9 0 R. Tagesmittel: 335,17„ Par. 8,80 R.. 3,10 R.. 65 p„Ct. Auswärtige Börsen. Amsterdam, 25. September.
Niederl. wirkl. Schuld 54 ⁄6. 5 % do. 101 ⅛. Ausg. Schuld 15G12. Kanz-Bill. 24 ⅛. 4 ½ % Amort. 93 ½. 3 ¾ % 79 ⅛. Russ. 97 ½. Oesterr. 9913⁄0 ⁶63. Preuss. Präm.-Scheine 104 ½¼. 879,. 4 % Ani. —. 5 % Span. 391 2. do. 20% 1014. Antwerpen, 241. September.
32 ¾. Zinsl. 14. Cortes 31. Darmst. 25. Belg. 100 ⅞. Cons. 3 % 911 11“ .“ 1 s. 30% 4. Belg. . Span. Corte 3 1834 22 ¼. Zinsl. 18 %¼. Fareg. 19 2 2 ½ % acnn b. vvy. do. 10 S. 5 % Port. 88 ½. do. 3 % 58 ¼., Engl. Russ. 10757, Bras. 88. Chili 43. Columb. 34 ½. Mex. 38 ½. Peru 28 ¼. Paris, 24. September. Fer
5 % Rente 107. 95. 3 % do. 80. 65. 50 Span. 3 ½.. 3 % 21 ½. Neue Anl. 3 % Port. 59.
5 % Span.
Neu Anl. 41 ½. S.
Coup. —.
% Neap. 98. 30. 5 % —. Ausg. Schuld 14 ⅛. St. Petersburg, 22. September. Lond. 1015⁄122. Amsterdam 53 ¼. Hamburg 917 ¼ 2. Silber-Rub. 357 ½. 6 % Bank-Actien 131. Wien, 25. September. 4 % 99 ½. Bank-Actien 1330 ½. Neue
Paris 111.
5 % Met. 102 ⁄2. Aul. 576 ⅞. 8
Koͤnigliche Schauspiele. 8 Donnerstag, 1. Okt. Im Schauspielhause: Zum erstenmale et 8 Frasn 8 1 C 4 1 Akt, nach dem
Franz, von Kettel. Hierauf: Die 1 8 4 gbthe von E. Raupach. Nleichh üßles⸗ Possenspie
Freitag, 2. Okt. Im Opernhause: Der reisende Student, musikalisches Quodlibet in 2 Abth. Hierauf: Der Schweizer⸗ Soldat, militairisches Ballet in 1 Akt, von Hoguet.
1 Köͤnigstaͤdtisches Theater⸗ 8 Donnerstag, 1. Okt. Die Familten Capuleti und Montecchi Oper in 4 Akten, nach dem Italtaͤnischen. Musik von Bellini⸗ (Dlle. Haͤhnel: agehrgn 7 Gerhardt: Giulietra⸗) b Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und in des ersten Ransee Iec . 9 n Balkon Frei 2. 4 2 . : Freitag, 2. Okt. ZJulerl, die Putzmacherin, parodiren Posse mit Gesang in 2 Akten. (Herr Beckmann bibs. vneh⸗ ner Urlaubsreise zuruͤckgekehrt, hierin als Licinerl wieder auftreten.)
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RNeedacteur Corra.— —.————
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