1835 / 284 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

und, ich kann wohl mit Recht binzufuͤgen, unchristlichen Begriffe getilgt zu sehen, ich meine getilgt, in so weit es die Re ierung die⸗ ses großen Landes betrifft. Meine Herren! Mit Hinstecht auf die Aeutzerung Ihrer Ansichten uͤber diese wichtigen Punkte habe ich Ihnen meinen Beifall zu erkennen gegeben. Ich bin jedoch auch nicht unempfindlich fuͤr die guͤnstigen Ausdruͤcke, mit denen Sie auf mein oͤffentliches Benehmen hingewiesen haben. Naͤchst dem Zeug⸗ nisse seines eigenen Gewissens muß einem Jeden der Beifall seiner Mitbuͤrger sehr erfreulich seyn. Seyn Sie also versichert, daß ich den Werth des mir gemachten Kompliments tief fuͤhle. Ich kann meinen Brief nicht schließen, ohne Sie zu ersuchen, dem Herrn Sheriff Solomons insbesondere meine waͤrmsten Gluckwuͤnsche zu der Erlangung jener hohen buͤrgerlichen Wuͤrde, welche ein Ziel seines gerechten Ehrgeizes war, abzustatten. Daß er die Pflichten dieses Amtes ehrenvoll und JnasGenbast er⸗ fuͤllen wird, daran zweifle ich nicht einen Augenblick. Daß sein Sheriffs⸗Jahr zur Freude und Genugthuung fuͤr ihn voruͤbergeben moͤge, ist mein herzlicher und aufrichtiger Wunsch, und somit ver⸗ bleibe ich, indem ich noch einmal mein Bedauern daruͤber wieder⸗ bole, daß ich mich verhindert sehe, bei dieser hoͤchst interessanten Ge⸗ legenheit zugegen und von diesem neuen Triumph der buͤrgerlichen und religiosen Freiheit Zeuge zu seyn, meine Herren, mit Verbind⸗ lichkeit Ihr F. Augustus.“ .

Der General Sir James Cockburn hat das Großkreuz des Guelphen⸗Ordens erhalten.

Dem Commander Back, bekannt durch seine Reise zur Auf⸗ suchung seines Freundes, des Capitains Roß, ist die Auszeich⸗ nung zu Theil geworden, daß ihn der Koͤnig, auf den Antrag der Lords der Admiralitaͤt, durch Geheimen⸗Raths⸗Befehl außer⸗ ordentlicher Weise zum Post⸗Capitain erhoben hat, da ihm die Zahl der Dienstjahre im Range eines Commander fehlte, welche erforderlich ist, damit das Avancement auf gewoͤhnlichem Wege durch die Admiralitaͤt vorgenommen werden koͤnne.

Bei einem konservativen Diner in Ipswich erschien am Frei⸗ tage der bekannte Oberst Fairman, der dem ihm vom Unterhause zugedachten gefaͤnglichen Verwahrsam entgangen war, und er⸗ regte lauten Jubel durch die Anzeige, daß er eine Klage gegen den Sprecher des Unterhauses, gegen den Sergeant of Arms und gegen den zur Untersuchung des Zustandes der Orangisten⸗ Logen niedergesetzten Parlaments⸗Ausschuß anhaͤngig gemacht habe.

Die Times tadelt das Journal des Débats deshalb, weil dieses Blatt die juͤngste Rede des Herrn Odilon Barrot mit de⸗ nen O Connell's vergleicht; die erstere, sagt die Times, sey eben so loyal als antirevolutionair gewesen, was man von den Reden des Letzteren nicht sagen koͤnne.

Der Observer meldet, daß nach einem Berichte des Trup⸗ pen⸗Commandeurs in Irland an den Ober⸗Befehlshaber der Armee, Lord Hill, Ersterer in Folge des von Letzterem ergange⸗ nen Verbots in Bezug auf die Errichtung von Hrangisten⸗Logen im Heere eine allgemeine Untersuchung habe anstellen lassen und jetzt zu der Ueberzeugung gelangt sey, daß dergleichen Logen in keinem dortigen Regimente mehr existirten.

Es heißt, daß die Vorbereitungen zu einer schon lange beabsichtigten Telegraphen⸗Verbindung zwischen London und Pa⸗ ris jetzt gaͤnzlich vollendet sind, und daß die Communication bin⸗

nen kurzem werde bewerkstelligt werden. Ein Herr Richardo und ein Franzdse sind die Unternehmer. In Frankreich wuͤrden vierzehn, in England neun Stationen seyn, die erste von diesen letzteren auf dem St. Georgenfeld, die letzte zu Folkestone in der Grafschaft Kent. Anfaͤnglich sollen nur die Preise der Fonds auf beiden Boͤrsen zu gewissen bestimmten Zeiten mitgetheilt werden, spaͤter will man die Verbindung auch zur Uebersendung anderer Mittheilungen benutzen. Die Nachrichten, heißt es, wuͤrden in anderthalb Stunden von London nach Paris ge⸗ langen. 8eAuf dem Geldmarkte werden jetzt sehr bedeutende Specula⸗ tionen in den Actien der Eisenbahn⸗Gesellschaften gemacht. Die Ursache davon ist der Erfolg, den die Manchester⸗Liverpooler

Bahn gehabt hat; doch fanden die spaͤteren Unternehmungen an

der hiesigen Boͤrse wenig Beachtung, bis das Projekt der Eisen⸗ bahn zwischen London und Birmingham einige Kapitalisten an dem letzteren Orte und in Manchester veranlaßte, sehr bedeutende Suimmmen bei dem Unternehmen anzulegen, weshalb die Actien bereits mit einem Avance von 30 Pfd. und mehr verkauft wor⸗ den sind. Zwei oder drei Individuen sollen jeder 100,000 Pfd. unterzeichnet haben. Dadurch stiegen alle Eisenbahn⸗Actien, ob⸗ gleich keine so bedeutend, als die eben erwaͤhnten. Die Londoner Kapitalisten befassen sich jedoch im Ganzen selbst weniger mit diesen Speculationen, als die Kapitalisten im Innern, besonders

n den Manufakturstaͤdten, welche indeß guch groͤßtentheils darin

nur ein Mitiel finden, ihr Geld anzulegen. Daß der Eifer der Spekulanten nicht abgenommen hat, beweist der Umstand, daß bei dem neuesten Eisenbahn⸗Unternehmen, dem sogenannten Nor⸗ thern Midland Railway, mehr als 4000 Unterschriften zuruͤckge⸗ wiesen werden mußten. Die Morning Chronicle sagt: „Wir haben 4 Kriegs⸗ Dampfschiffe mit schwerem Geschuͤtz armict, und in zehn Tagen koͤnnten wir 15 bis 20 Dampfschiffe, die jetzt im Kuͤstenhandel beschaͤftigt sind, ohne viele Muͤhe als Kriegsschiffe ausruͤsten und bemannen. Dessenungeachtet sind wir jedoch der Meinung, daß unsere Seemacht nicht in dem reduzirten Zustande bleiben sollte, in welchem sie sich jetzt befindet; 2 4000 Mann koͤnnten ganz wohl der Bemannung unserer Kriegsschiffe hinzugefuͤgt werden, ohne daß das Land sich daruͤber beschweren wuͤrde. Wir haben Grund, zu glauben, daß Jemand, den wir nicht genauer bezeich⸗ nen koͤnnen, sich diesen Gegenstand sehr zu Herzen nimmt, wie es denn auch einem braven Englischen Seemann zukommt, der fuͤhlt, daß die groͤßte Staͤrke seines Vaterlandes in dessen „hoͤl⸗ zernen Waͤllen“ besteht, welche durch wenige volle Ladungen alte Gewoͤlbe diplomatischer Schlauheit zu zerstoͤren wissen.“ Der Courier empfiehlt noch ganz besonders eine große schwimmende Batterie, aus Kriegs⸗Dampfschiffen zusammengesetzt, welche mit verhaͤltnißmaͤßig geringen Kosten erhalten werden koͤnne, und ver⸗ langt, daß fortwaͤhrend eine Englische Flotte in See gehalten werde, nicht nur hinreichend, um die Kuͤsten zu schuͤtzen, sondern unverzuͤglich jeden Angriff einer fremden Macht gegen die Eng⸗ lische Flagge oder das Englische Territorium zu raͤchen.

Im Juli dieses Jahres betrug die Zahl der registrirten Dampfschiffe in Großbritanien 397, mit einem Gehalte von 26,849 Tonnen. Nicht registrirt waren 84 und im Bauen be⸗ griffen 45 Dampfschiffe. Von der Gesammtzahl gehoͤrten 98 nach London, 56 nach Glasgow, 28 nach Liverpool, 14 nach Bristol, 15 nach Hull, 80 nach Neweastle und 14 nach Sun⸗ derland.

Lord Auckland ist mit seinen Begleitern am Sonnabend dem „Jupiter“ von Portsmouth nach Kalkutta abgesegelt.

Die Koͤnigliche Dampf⸗Fregatte „Phoͤnix“ ist von Ports⸗ mouth nach der Nordkuͤste von Spanien abgegangen.

Das Schiff „Ocean“, von Hamburg nach Reu⸗Orleans be⸗ stimmt, ist vorgestern um 2 Uhr Morgens bei Suͤd⸗West⸗Suͤd Sturm in der Nähe von Ramsgate gescheitert und zum voͤlligen

auf

1160 Wrack geworden; Mannschaft und Ladung sind geborgen, letztere jedoch sehr beschaͤdigt. .

Ueber die letzten Mißhelligkeiten zwischen der Koͤnigin Donna Maria und der verwittweten Herzogin von Braganza meldet die Times Folgendes: „Die Kaiserin erklaͤrte der Koͤnigin, in dem Palaste zu Belem nur residiren koͤnne, wenn die dazu gehoͤrige Quinta mit demselben verbunden werde, worauf Letztere die Sache von dem Minister des Innern, Herrn Fonseca Ma⸗ galhaes, ordnen zu lassen versprach. Diesem trug sie auf, da sie dem Begehren der Kaiserin zu willfahren nicht gesinnt sey, der⸗ selben den Palast von Villaviciosa in Alemtejo zur Verfuͤgung zu stellen, wo eine schoͤne Quinta sey. Der Minister remonstrirte gegen eine solche Verfuͤgung, die eine Art von gezwungenem Exil involvire, und welche er so wenig als seine Kollegen jemals in Bezug auf die Witwe Dom Pedro's gutheißen wuͤrden. Nach vielem Hin⸗ und Herreden ließ sich endlich die Koͤnigin bereden, der Kaiserin den Palast von Bemposta abzutreten und dagegen selbst den sogenannten kleinen Palast von Ajuda zu beziehen. Sie kuͤndigte der Kaiserin ihren Entschluß selbst an und be⸗ wohnt jetzt vorgaͤngig mit ihr zusammen den Palast de las Ne⸗ cessidades.“

Die Dauer des am 31. August in Lissabon publizirten Trak⸗ tats zwischen Spanien und Portugal in Betreff der freien Schiff⸗ fahrt auf dem Douro ist vom Tage der Ratisication an auf 25 Jahre bestimmt worden.

Man ist sehr gespannt auf den Inhalt des zwischen England und Portugal zu erneucrnden Handels⸗Trartats. Das Portu⸗ giesische Ministerium soll denselben auf eine gegenseitige vollkom⸗ mene Handels⸗Freiheit zwischen beiden Laͤndern zu basiren wuͤnschen. .

Die am 4. August durch den General⸗Gouverneur von Ja⸗ maika eroͤffnete gesetzgebende Versammlung dieser Kolonie ist be⸗ reits am 10ten desselben Monats wieder aufgeloͤst worden. Den Grund dazu bot dem Gouverneur eine Adresse, welche die Ver⸗ sammlung auf seine Eroͤffnunge⸗Rede erlassen hatte, und in wel⸗ cher sie die Maßregeln der Regierung in Bezug auf die Skla⸗ ven⸗Emancipation, von der sich alles und jegliches Leiden der Ko⸗ lonie herschreibe, einer scharfen Kritik unterworfen, zugleich aber einige von dem Gouverneur angezeigte Gesetz⸗Entwuͤrfe ohne Weiteres als unconstitutionnell verworfen hatte. Der Gouver⸗ neur hatte die Adresse des Repraͤsentanten⸗Hauses mit folgenden kurzen Worten beantwortet: „Meine Herren! Der ungewoͤhn⸗ liche Stil Ihrer Adresse verhindert mich, bei gegenwaͤrtigem An⸗ lasse etwas Anderes zu thun, als deren Empfang zu bescheini⸗ gen.“ Es herrschte nun große Aufregung in Jamaika, und das Benehmen des Marquis von Sligo wurde als hoͤchst uͤbereikt getadelt. In Folge der Auftloͤsung der Legislatur sollte alsbald zu neuen Wahlen geschritten werden.

Eine Zeitung von Charleston meldet sehr vergnuͤgt, daß zu Neu⸗Orleans eine Belohnung von 20,000 Dollars fuͤr den⸗ jenigen ausgesetzt worden sey, der kuͤhn genug waͤre, den Anfuͤh⸗ rer der Partei zu Gunsten der Sklaven;⸗ Emancipation, Herrn Arthur Tappan, zu fangen und den Substribenten gebunden zu uͤberltefern.

Aus Demerara sind Nachrichten bis zum 20. August an⸗ gelangt. Die dortigen Zeitungen beschaͤftigen sich hauptsaͤchlich mit der Erklaͤrung der Commissaire fuͤr die Vertheilung der Ent⸗ schaͤdigungs⸗Summe von 20 Millionen Pfd. Sterl. wegen der Sklaven⸗Emancipation. Die Kolonie Demerara erhaͤlt davon 4,297,000 Pfo. fuͤr 84,915 Sklaven, was auf den Kopf 50 Pfd. 12 Sh. 1 P. ausmacht, ein Verhaͤltniß, wodurch Demerara vorthellhafter als irgend eine andere Britische Kolonie gestellt wird, mit alleiniger Ausnahme von Jamatka. Der Werth der Sklaven in Berbice wird um 15 „Ct. niedriger angeschlagen, und es werden daher dort nur 45 Pfd. 10 Sh. auf den Kopf kommen. Eine große Schwierigkeit fuͤr die Sklaven⸗Besitzer entstand dadurch, daß, den gesetzlichen Bestimmungen zufolge, die Entschaͤdigungs⸗Summen nur in London ausbezahlt werden.

Das Dampfboot „Stanmer“, welches St. Thomas am 31. August verlassen hat, meldet, daß der furchtbare Orkan, der kuͤrz⸗ lich auf Antigua, Nevis und St. Christoph gewuͤthet, dort die schrecklichsten Verheerungen angerichtet hatte; 20 Schiffe wurden

auf den Strand getrieben. 8

Bruͤssel, 7. Okt. Dem Independant zufolge, ist der Fran⸗ zoͤsische Minister Thiers in Lille eingetroffen, von wo er nach Bruͤssel kommen wird, um die hiesige Industrie⸗Ausstellung und die Eisenbahn zu besichtigen.

Im Haag ist gestern die Kunst⸗Ausstellung von Gemaͤlden lebender Meister eroͤffnet worden. Die Anzahl der ausgestellten Kunstwerke belaͤuft sich auf 297. 8

1 Daͤnemark.

Kopenhagen, 6. Oktober. Die von dem Koͤnigl. Kom⸗ mistarius, Konferenzrath Oersted, gehaltene Eröoͤffnungs⸗Rede fuͤllt in der am 3ten d. erschienenen ersten Nummer unseres Staͤnde⸗Blattes uͤber 11 Spalten. Sie beginnt mit folgen⸗ den Worten: „Hochgeachtete Mitbuͤrger! Treue Mannen des Koͤnigs und Vaterlands! Es ist eine große und bedeutungsvolle Aufgabe, die uns zusammengefuͤhrt hat. Unser geliebter Koͤnig, der stets erkannt, daß er nicht um seiner selbst, sondern um des ihm anvertrauten Volkes willen die ihm von seinen Vaͤtern ver⸗ erbte Macht besitzt, hat durch ein dauerndes Institut demselben ein neues Unterpfand geben wollen, daß es auch hinfuͤhro in gleichem Geiste regiert werden solle. Er hielt es nicht fuͤr zu⸗ laͤssig, irgend eine Veraͤnderung in der Staats⸗Verfassung selbst zu wagen, bei welcher sich Daͤnemark nun seit 175 Jahren gluͤcklich befunden. Indem er aber sich und seinen Nach⸗ kommen die ganze Fuͤlle der Macht vorbehalten, die un⸗ sere Vater in die Haͤnde des dritten Friedrichs gelegt, hat der Koͤnig mit jener Staats Verfassung ein Institut ver⸗ einigt, welches ihm und seinen Nachfolgern auf dem Throne ein neues und umfassendes Mittel an die Hand giebt, um stets zu erfahren, was zum Besten des Volks gereicht, welches jedesmal mit dem eigenen Wohl des Koͤnigs zusammentreffen muß. Er gebot daher, daß Maͤnner, die durch die freie Wahl ihrer Mit⸗ buͤrger dazu berufen werden, von Zeit zu Zeit zusammentreten sollten, um sich wegen vaterlaͤndischer Angelegenheiten zu berath⸗ schlagen, bis diese durch die Beschlußnahme des Koͤnigs ihre endliche Erledigung finden. In den Versammlungen solcher vom Volke gewaͤhlten Maͤnner sollen die zerstreuten und ein⸗ ander so oft durchkreuzenden Gedanken und Wuͤnsche uͤber Ge⸗ genstaͤnde, die das oͤffentliche Wohl betreffen, gesammelt, klar entwickelt, allseitig uͤberlegt, berichtigt, und, wenn auch nicht jedesmal in einer gemeinsamen Ueberzeugung vereinigt, doch so durchgearbeitet werden, daß es der souverainen Macht leichter werden wird, das Beste zu pruͤfen und zu waͤhlen.“ Am Schlusse seines Vortrages sagte der Redner: „Durchdrun⸗ gen von gemeinsamer Liebe zu Koͤnig und Vaterland, von ge⸗!

daß sie

meinsamer Ehrfurcht fuͤr dessen Verfassung und von gemein mer Erkenntniß, daß alles scheinbare Gute, welches sich nur 8 einem zur Zerstoͤrung von Recht und Ordnung fuͤhrenden Wer erwerben laͤßt, nichts ist, als ein verfuͤhrerisches und verderblich⸗ Blendwerk, werden alle eintraͤchtig ihre Bestrebungen mit dene des Koͤnigs vereinigen, um die ruhige Entwickelung der Natic und das Fortschreiten in allem, was nuͤtzlich und ruͤhmlich ist 1 befoͤrdern. So werden Sie nicht allein in diesem Augenbiich Ihrer Mübuͤrger innigen Dank erwerben, sondern auch eing Saamen streuen, der unter dem Beistande dessen, der des Men schen Thun und Schickung leitet, zu einer gesunden und kraͤff⸗ gen Pflanze anwachsen wird, zu Heil und Segen fuͤr ferne Ge schlechter!“

Eine in der Kjoͤbenhavns⸗Post befindliche Abhandlun „über die buͤrgerliche Stellung der mosaischen Glaubens⸗Genostn in Daͤnemark, von Allgreen⸗Ussing“, worin er darauf aufmethh, macht, wie sehr die Daͤnische Regierung zu allen Zeiten eissz hat angelegen seyn lassen, die Lage derselben hier im Lanneg verbessern, und in allen Angelegenheiten, die nicht mit der Na gion in unzertrennlicher Verbindung stehen, sie auf gleichem zihe mit den Christen zu stellen, schließt mit folgenden Worten: darf auch nicht bezweifelt werden, daß die Regierung stetz diesem Geiste fortwirken werde, und daß jene Religions⸗Bekenne so wie sie an Aufklaͤrung und Bildung zunehmen, der ein elnn Gerechtsamen theilhaftig werden, von welchen sie durchs 6'; ausgeschlossen sind und zu welchen wir als die ersten und wit tigsten rechnen: Antheil an den staͤndischen Gerechtsamen.“

Kiel, 7. Okt. Die 6 beschlossenen Petitionen der Eint ner des 14ten Holsteinischen Wahl⸗Distrikts sind nunmehr den Abgeordneten desselben, zur Uebergabe an den Landtoyh gegangen. Fuͤnf derselben waren jede mit mehr als talah Unterschriften versehen, von denen reichlich die Haͤlfte allein ii die Propstei kommt, naͤmlich: 1) die Petition betreffend u gemeine Militair⸗Pflichtigkeit mit 1068 Unterschriften; 2) bi, betreffend Gewerbe⸗Freiheit mit 1031; 3) die, betreffend Ersi einer Sportel⸗Taxe mit 1005; 4) die, betreffend Oeffentlich keit der Landtags⸗Verhandlungen mit 1028; 4) die, betres fend Aufhebung der Reichs⸗Bank⸗Rechnung mit 1055; 6) die betreffend Vermessung und Bonittrung der Laͤndereien mit 360.

In Itzehoe ist die Dank⸗Adresse an den Koͤnig einstmmig genehmigt worden, nach Verwerfung eines Amendements von Seiten des Kaufmanns Lorenzen von hier, eine Verwahrung ein⸗ zuschalten, daß durch Gewaͤhrung des Staͤnde⸗Instituts in seiner

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is hatte

neuen Form die Rechte des Landes auf Steuer⸗Bewilligung, wie sie geschichtlich den Herzogthuͤmern Schleswig und Holstein zu⸗ gestanden haben, so wie die Verbindung dieser Herzogthuͤmer nicht fuͤr aufgehoben gelten sollte. Man beschloß, das Comit an keine Instruction zu binden.

Deutschland.

Dresden, 10. Okt. Se. Koͤnigliche Ho Prinz Wilhelm von Preußen (Sehn Sr. Majestaͤr des der sich mit den uͤbrigen Hoͤchsten Herrschaften

eit dem oͤnige) von Tevplitz nach

Prag begeben hatte, ist heute nebst Gemahlmn und Gefolge von

dort hier eingetroffen. Hoͤchstdieselben werden den morgenden Son tag hier verweilen und am Montag die Reise nach Fischbach i Schlesien antreten. Ihre Majestaͤt die Kaiserin von Rußloe⸗ ist direkt von Prag dorthin gegangen; Se. Majestät der Köhg von Rußland jedoch hat sich auf wenige Tage von Prag uac Wien begeben, wird inzwischen bis zum l5ten ebenfalls in Fist bach eintreffen, wo, dem Vernehmen nach, der Geburtstag 6r Koͤniglichen Hoheit des Kronprinzen von Preußen im Kreise de erlauchten beiden Herrscher⸗Familien gefeiert werden wird.

Hannover, 9. Okt. Seine Koͤnigl. Hoheit der Viceel

nig ist heute fruͤh von Rotenkirchen hier eingetroffen, und heh

dem Manoͤver der gegenwäaͤrtig hier usammengezogenen ersin Infanterie⸗Brigade beigewohnt. In Rotenkirchen befindn sich zum Besuche bei Ihrer Koͤnigl. Hoheit der Herzogin un Cambridge die Großherzogin von Mecklenburg⸗Strelitz Koͤnge Hoheit, Schwester der Frau Herzogin, die Prinzessin Wlhem von Hessen Koͤnigl. Hoheit, geborne Prinzessin von Daͤnemun Schwaͤgerin der Frau Herzogin, mit drei Kindern, und e Prinz Georg von Hessen Durchl., Bruder der Frau Herzogin

Muͤnchen, 6. Okt. Zur Feier des 25jaͤhrigen Bestant des landwirthschaftlichen Vereins war heute Vormittag oͤffentich und große Versammlung im Saale des landwirthschaftlichen W eins. Herr Staatsrath von Hazzi, Vorstand des General⸗. mité's, setzte in einer Rede das 25jaͤhrige Wirken des landwith schaftlichen Vereins auseinander. Nachmittags 2 Uhr smh auf der Theresien⸗Wiese das Wagenrennen statt.

Se. Durchl. der Herzog Max von Leuchtenberg ist am! d. Abends im besten Wohlseyn von seiner Reise nach Stockholn hier wieder eingetroffen. ’—

Ihre Koͤnigl. Hoh. die Frau Großfuͤrstin Helena von Nus land traf gestern Nachmittag gegen 4 Uhr von Muͤnchen h Augsburg ein, und setzte nach einer Stunde Aufenthalt de Reise nach Stuttgart fort. Es war eine Schuͤtzen⸗Compagnie de 3. Linien⸗Regiments (Prinz Car!) als Ehrenwache aufgezogen.

Darmstadt, 3. Oktober. Die Sitzungen unserer zweitg Kammer der Staͤnde folgten sich bisher in nicht gerade si großen Pausen, aber das Material, das in den neueren Sitzu gen zur Verhandlung kam, war meist wenig anziehend. Sei Anfang des Mai d. J. sind unsere Staͤnde beisammen, unl

wir zaͤhlen uͤbermorgen die 65ste Sitzung der zweiten Kamme

Dieses kann nicht gerade viel genannt werden, wenn man aue die neulichen dreiwoͤchigen Ferien abzieht. Aber noch entschieht ner stellt sich dieses heraus, wenn man uͤberlegt, wie gerge sehr wichtige und umfangvolle Gegenstaͤnde noch zur rathung zuruͤck sind, und ihre Berichte bisher nicht in Kammer gebracht wurden. Der naͤchste Gesetz⸗Entwu welcher in der zweiten Kammer zur Berathung konm ist der den Hausir⸗Handel und die mittelst Haufire betriebenen Gewerbe betreffende. Er wird uͤbermorgen berathen Auf die naͤmliche Tages Ordnung ist die Beschwerde des Aöoyt katen Bopp, uͤber die Verweigerung der Concession zur Heraut gabe einer Deutschen Rechts Zeitung, gesetzt. Seit einigen gen befindet sich Se. H. der Prinz Friedrich von Hessen, Bn der des Großherzogs, hier. Derselbe war viele Jahre in lien, Spanien und Portugal, in welchem letzteren Lande er si Dom Miguel socht, abwesend. Glaubwuͤrdigem Vernehmen nah hat er das bisher von Privaten bewohnte, sonst Graͤflich Erbach Schoͤnbergsche Schloͤßchen zu Zwingenberg an der Bergstraße am sich gekauft, und wird dasselbe fortan bewohnen.

Darmstadt, 8. Okt. In der Sitzung der zweiten Kan mer vom 5ten d. wurde uͤber die Beschwerde des Großherzogl Hofgerichts⸗Advokaten Bopp zu Darmstadt, „Verweigerung dc Konzession zur Herausgabe einer Deutschen Rechts⸗ Zeitung 1

weffend, Vericht erstattet. Schon auf dem vorigen Landtage Advokat Bopp Beschwerde gefuͤhrt, daß ihm die Erlaubniß zur Herausgabe einer Deutschen Rechts⸗Zeitung, ohne Angabe von Gruͤnden verweigert worden sey. Ein ausfuͤhrlicher Aus⸗ schuß⸗Bericht war uͤber die Sache erstattet worden, solche aber nicht zur Berathung in der Kammer gekommen, Herr Bopp wie⸗ derholte seine Beschwerde auf diesem Landtage; der jetzige dritte Ausschuß der zweiten Kammer bezog sich im Allgemeinen auf je⸗ nen Ausschuß⸗Bericht, glaubte die an die Kammer gerichtete Bitte, um Verwendung bei der Staats⸗Regierung fuͤr das Gesuch des petenten, so lange empfehlen zu muͤssen, als nicht besondere Hin⸗ vrnisse namhaft gemacht seyen, welche der Ertheilung der nach⸗ gesuchten Erlaubniß im Wege staͤnden, und trug demnach auf Folgege⸗ zung an. Abgeordnete Hardy, Mitglied des Ausschusses, war anderer Meinung und entwickelte dafuͤr in der heutigen Diskussion seine

Gruͤnde. Nach dem Bundesbeschlusse vom 20. September 1819

stehe es lediglich der Regierung zu, zu bestimmen, ob eine Zeit⸗ schift herausgegeben werden duͤrfe oder nicht. Wer unbedingt die Konzession ertheilen koͤnne, muͤsse sie auch verweigern duͤrfen, ohne Gruͤnde angeben zu muͤssen. Diese oͤffentlich mitzutheilen, *. aus manchen Ursachen nicht raͤthlich erscheinen. Es sey keine logische Schlußfolge, die Beschwerde fuͤr begruͤndet finden u wollen, weil die Regierung ihre Gruͤnde der Verweigerung nicht glaube mittheilen zu muͤssen. Der Art. 5. so wenig als der Art. 35. der Verfassungs⸗Urkunde koͤnnten fuͤr den Petenten sorechen, da der von der Verfassungs⸗Urkunde natuͤrlich aner⸗ kannte Bundes⸗Beschluß gegen ihn sey. Auch der Art. 81. der Verfassungs Urkunde nicht, denn es liege keine Unbilligkeit und keine rechtliche Kraͤnkung vor, da Niemand das Recht zur Her⸗ ausgabe einer Zeitschrift habe. (Ueber das Resultat dieser Dis⸗ kussion wird in der Großh. Hess. Zeitung noch nichts gemeldet.)

Oesterveich.

Prag, 8. Okt. Vorgestern um 10 Uhr Vormittags fand (vie bereits erwaäͤhnt) auf dem Exerzierplatze bemn Invaliden⸗ hause die Parade der Prager Garnison, bestehend aus dem In⸗ fanterie⸗ Regimente Hohenegg und Trapp, den Grenadier⸗Batatl⸗ ons Borosini und Devery, dem zwenten Jaͤzer⸗Batgaillen und vier Batterieen statt. Die ganze Parade wurde von dem Feld⸗ Marschall Lieutenant Fleischer kdommandert, welcher die General⸗ Kasors Fuͤrst Karl Auersperg und Baron Hauer unter seinen Befehlen hatte. Nachdem Se. Mzjestaͤt der Kaiser mit dem Kaiser von Rußland und seinen uͤbrigen erlauchten Gaͤsten die in drei Treffen aufgestellten Truppen abgeritten hatten, wurden einige taktische Evolutionen ausgefuͤhrt, die mit der Defilirung der Truppen vor Ihren Majestaͤten endigten. Ihre Majestaͤten die beiden Kaiserinnen und die uͤbrigen hier anwesenden Hoͤch⸗ sten Frauen wohnten der Parade in effenen Wagen bei. Se. Maäjestaͤt der Kaiser geruhten, der Mannschaft vom Feldwebel abwaͤrts, eine Ztaͤgige Gratts⸗Loͤhnung zu bewilligen.

Gestern fuhren Se. Majestaͤt der Kaiser mit Allerhoͤchstih⸗ ren erlauchten Gaͤsten nach dem Exerzierplatz bei Gbell, wo die Kavallerie⸗Brigade Fuͤrst Reuß, bestehend aus dem Regimente Kaiser⸗Kuͤrassier u nd Fiquelmont⸗Dragoner, aufgestellt war. Nach Abreitung der Treffen fuͤhrte die Brigade ein Exerzier⸗Manoͤver aus, und desilirte zuletzt mit halben Eskadronen im Schritt. Se. Majestaͤt der Kaiser geruhten dem General⸗ Maäjor Fuͤrst Reuß über oͤie vorzuͤglich gelungene Fuͤhrung dieses Manoͤvers, so wie den beiden Obersten uͤber den guten Zustand ihrer Regimenter zie besondere Allerhoͤchste Zufriedenheit in den gnaͤdigsten Aus⸗ drüͤcken an Tag zu legen, un) der Mannschaft vom Wachtmei⸗ str abwarts eine viertaͤgige Gratis⸗Loͤhnung zu bewilligen.

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Livorno, 30. Sept. Am heutigen Tage sind hier nur noch 4 Personen an der Cholera erkrankt, die zusehends abnimmt und verschwindet. Da viele fruͤher von hier ausgewanderte hiesige Einwohner bereits wieder zuruüͤckkehren, so hat unser Gouver⸗ neur, Baron Piccolomini, es fuauͤr um so noͤthiger gehalten, die

Durchraͤucherung und Desinfizirung aller Haͤuser, in welchen sich

Cholera⸗Kranke befunden haben, von Neuem einzuschaͤrfen. In Genua hat die Cholera ebenfalls schon so bedeutend nachgelassen, daß sie in wenigen Tagen verschwunden seyn duͤrste.

Florenz, 2. Okt. Neuerdings sind hier zwei der Cholera zerdaͤchtige Faͤlle vorgekommen; im Uebrigen lauten jedoch die Gesundheits⸗Berichte befriedigend.

Spanien.

Das Journal des Déöbats enthaͤlt folgendes Privat⸗ schreiben aus Madrid vom 28. Sept., ohne sich jedoch fuͤr den Inhalt desselben verbuͤrgen oder die darin ausgesprochenen An⸗ sichten und Muthmaßungen fuͤr die seinigen anerkennen zu wollen: „Herr Mendizabal ist nur zwei Tage ernstlich unwohl gewesen; seit dem 25ͤten hat er schon wieder einer Versammlung des Re⸗ egastsralhes beigewehnt, Seine bestaͤndigen Reisen nach dem ustschlosse der Koͤnigin und seine haͤufigen politischen Konferen⸗ en haben zwar noch keinen Ruͤckfall bewirkt, aber eine laͤngere auer dieser Anstrengungen, namentlich wenn seine Arbeiten nicht unter seine Kollegen vertheilt werden, muß seine Gesundheit ernstlich in Gefahr bringen. In den gewoͤhnlich gut unterrich⸗ teten Zirkeln nennt man folgende Personen als diejenigen, welche Hrn. kendizabalbei seinem schwierigen Unternehmen unterstuͤtzen werden: er Graf von Almodovar wuͤrde hiernach das Portefeuille des rieges, Martin de los Heros das des Innern und Gomes Be⸗ cerra das der Justiz und der Gnaden erhalten. Fuͤr die Ma⸗ rine nennt man den Herrn Ulloa, aber dies ist zweifelhaft, in⸗ dem dies Portefeuille, wie man versichert, noch nicht vergeben ist. Der General Alava wird heute Abend oder morgen fruͤh hier srwartet. Herr Mendizabal thut unterdeß alles Moͤgliche, um die Ruhe der Hauptstadt zu sichern und die der Provinzen wie⸗ der herzustellen. Gestern ließ er die ersten Kaufleute der Haupt⸗ stadt zu sich kommen, und machte ihnen den Vorschlag, eine Sub⸗ seription zu eroͤfnen, um ein Corps von 3000 Mann zu errich⸗ len, das einen doppelten Zweck haben sollte, einmal, dem Gra⸗ fen de las Navas, im Falle er die Hauptstadt ernstlich bedrohen sollte, einen kraͤftigen Widerstand entgegenzusetzen und dann, wenn Madrid beruhigt seyn wuͤrde, gegen die Karlisten von avarra zu marschiren. Dieser Vorschlag wurde gebilligt und der Minister stellte sich mit einer Summe von 12,500 Franken, an die Spitze der Subscriptions⸗Liste. Der Handelsstand von Madrid hatte dies nicht abgewartet, sondern schon vorher eine gdresse an die Koͤnigin erlassen und darin seine Zufriedenheit daruͤber ausgesprochen, daß Herr Mendizabal mit der Bildung des Kahinets beaustragt worden sey. Die Urbanos wollen, wie es heißt, eine aͤhnliche Adresse, mit deren Abfassung die Offiziere des zweiten Bataillons beschaͤftigt sind, an die Koͤnigin richten und darin das Recht verlangen, kuͤnftig ihre Anfuͤhrer selbst ernennen zu rfen. Der erste Gebrauch, den sie von diesem Rechte machen werden, das ihnen vielleicht zugestanden werden wird, obwohl die Klugheit diese Konzession nicht gutheißen kann, wuͤrde die

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Ernennung des Herrn Mendizabal zum Ober⸗Befehlshaber der vier Bataillone seyn. Man wird sich erinnern, daß dieser Mi⸗ nister sogleich beim Antritte seines Amtes sich beeilte, den Ba⸗ taillonen, welche auf Toreno's Befehl entwaffnet worden waren, die Waffen wieder zustellen zu lassen. Die Widerrufung des von Toreno gegen die Juntas erlassenen Dekrets hat in den Provinzen einen um so guͤnstigern Eindruck gemacht, als einige Juntas in ihren Adressen verlangt hatten, daß die Regierung dieses Aktenstuͤck zuruͤcknehme. Die Junta von Valencia hat sich aufgeloͤst. Die Junta von Galicien, an deren Spitze Murillo stand, hat sich nicht damit begnuͤgt, sich aufzuloͤsen, son⸗ dern hat auch noch der Regierung ihre Ergebenheit erklaͤrt. Gestern Abend hat Herr Mendizabal noch sehr spaͤt einen Cou⸗ rier aus Bareelona empfangen, der die wichtige Nachricht uͤber⸗ brachte, daß die Junta dieser Stadt die guͤnstiasten Gesinnungen fuͤr das Ministerium hege und daß sie sich aufloͤsen wolle, sobald die Regierung es fuͤr angemessen halte. Um diese guͤnstige Re⸗ action noch weiter zu verbreiten, sendet das Ministerium Couriere mit der Nachricht von der Unterwerfung der anderen Juntas in die noch zweifelhaften Provinzen. Das Beispiel wirkt maͤchtig. So hat die Nachricht von der Unterwerfung Corusja's an mehreren Or⸗ ten den vortheilhaftesten Eindruck gemacht. Mendizabal hofft, den Widerstand dadurch zu brechen, daß er das Dekret zur Zu⸗ sammenberufung der Cortes und das Gesetz füͤr die unbe⸗ schraͤnkte Preßfreiheit bald erscheinen zu lassen beabsichtigt. In diesem Augenblick ist Andalusien derjenige Theil des Landes, welcher der Regierung die ernstlichsten Besorgnisse erregt, obgleich sie die Bestrebungen des Grafen de las Navas, der die Bewe⸗ gungen in dieser Provinz leitet, zu uͤberwinden hofft. Indeß sind mehrere Unterhaͤndler, wie Qutroga, Chacon, selbst Aguilar, der intime Freund des Grafen, in ihren Sendungen an den edlen Demagogen gescheitert. Nach mehreren sehr heftigen Unterredungen, verließ Aguilar den Grafen und brachte dessen Ultimatum nach Madrid, das folgendermaßen lautet: 1) Konstituirende Cortes;

eine Maßregel zur Einberufung der Cortes, wie es zu Sevilla geschah, oder durch ein Einberufungs⸗Dekret, wobei das System

der Constitution von 1812 nicht erwaͤhnt wird. 2) Ein homo⸗ genes Minmnsterium, ohne Vermischung von Elementen, die Wi⸗ derwillen erregen koͤnnten. 3) Entfernung verjenigen Maͤnner aus dem Ministerium, die durch ihr fruͤheres Benehmen Gele⸗ genheit zu Mißtrauen geben. 4) Billigung desjenigen, was die Juntas gethan haben, indem man sie fuͤr die Bewaͤffnung und Ver⸗ theidigung, bis zur Ausrottung der Insurgenten, fortbestehen laͤßt; eine Maßregel, die großen Vortheil gewaͤhren wuͤrde, wenn man sie zu benutzen verstaͤnde. 5) Beibehaltung der Streitkraͤfte, welche sich in Espenaperros aufstellen werden, um sich mit der Organisirung des Armee⸗Corps zu beschaͤftigen, das sich in An⸗ dalusien bildet; die Reinigung des Landes von den Insurgenten, ohne daß bis zur Bekanntmachung des Fundamental⸗Gesetzes ir⸗ gend ein Corps auseinander gehen koͤnne, und die Ausdehnung ihrer Mission gegen die Insurgenten auf die Provinzen der Mancha und die Gebirge von Toledo. 6) Aufhebung des un⸗ gluͤcklichen Dekrets, wodurch die Nation in ihren Provinzial⸗ Junten geaͤchtet wird. 7) Die Festnehmung Toreno's, bis er dem Lande Rechenschaft von seiner Verwaltung abgelegt hat, weil man vernommen hat, daß er Paͤsse erhalten hat und ein Kriegsschiff ihn nach Italien bringen soll. Hauptquar⸗ tier Valdepenas, den 21. September 1835.“ Unterschriften.) N. B. zur Beantwortung bewilligt.““ Diese Vorschlaͤge sind, wie sie es verdienten, verworfen worden. Gestern Abend ist ein neuer Kommissar in das Hauptquartier nach Valdepesias abge⸗ gangen, welches 33 ½ Spanische Meilen von der Hauptstadt ent⸗ fernt liegt. Der Graf hat entschieden die Fahne der Revolution aufgepflanzt und an seine Freunde in Madrid geschrie⸗ ben, daß er entschlossen sey, die Anerkennung der Rechte der sieben Provinzen (naͤmlich der sechs Provinzen, welchen Andalusien besteht und der Mancha), die mit ihrem Vertrauen beehrt haͤtten, zu bewirken.

Vertrauen auf die Uebereinstimmung dieser Provinzen, uͤber die

1 (Hier folgen die „„Es werden acht und vierzig Stunden

——————ö——

aus ihn

Voll

er den Oberbefehl vielmehr usurvirt, als empfangen hat, bleibt ihm nichts weiter uͤbrig, als sich offen den exaltirtesten Dema⸗ 1

gegen in die Arme zu werfen. Dies hat er gethan. Blouse und einer rothen Muͤtze bekleidet, ist der Wahlspruch des edlen Grafen: Er stellt in seinem Namen Paͤsse aus und legt den Staͤdten Contributionen auf. Toledo allein hat den Befehl erhalten, in acht und vierzig Stunden 12,000 Rationen für die Soldaten des Grafen zu liefern. Wenn man den Grafen ungehindert bis an die Mauern von Madrid marschiren laͤßt, so wird be⸗ stimmt eine insurrectionnelle Bewegung daselbst und Madrid der Schauplatz der furchtbarsten gen werden. Mehrere Haͤuser sollen sogar schon auf der Zerstoͤrungs⸗Liste stehen. Was einigermaßen uͤber die Bewegun⸗ gen des 8 nicht weiter vordringt. Es geht hier das allgemeine Geruͤcht, daß die Central⸗Junta von Andalusien, welche aus den Juntas von Jaen, Cordova, Cadix, Granada und Sevllla besteht, ernst⸗ liche Vorstellungen an den Grafen erlassen und ihn aufgefordert hat, nach Cordova zuruͤckzukehren, indem zugleich die von ihm, ohne Berathung mit der Junta, eigenmaͤchtig ergriffenen Maß⸗ regeln gemißbilligt werden. Diese Nachricht waͤre jedoch, salls sie gegruͤndet seyn sollte, unangenehm fuͤr die Regierung. Man fuͤgt in der That hinzu, daß die Central⸗Junta von Andalusien dem Befehlshaber einer bewaffneten Kolonne, Namens Villapa⸗ dierma, Beschle ertheilt habe, die Verstaͤrkungen zu er⸗ waͤrten, die ihm unverzuͤglich zugesandt werden sollten und nach dem Eintreffen derselben auf Madrid zu marschiren und nicht eher anzuhalten, als bis den Forderungen Andalusiens Ge⸗ nuͤge geleistet, d. h. bis eine konstituirende Versammlung oder die Constitution von 1812 bewilligt worden sep. Briefe aus Cadix melden, daß daselbst fuͤr vier Millionen Englische Waa⸗ ren, aus Gibraltar kommend, ausgeschifft worden sind, ohne Zoll zu bezahlen, werl das Zoll⸗Amt, unter dem Vorwande, die Zoll⸗ Beamten nach Madrid marschiren zu lassen, ohne Aufsicht ist. Wir sind fast ohne alle Nachrichten vom Kriegs⸗ Schauplatze; man weiß nur, daß die Armee sich uͤber den Ebro zuruͤckziehen wird, um die Befehle des Kriegs⸗Ministers zu erwarten. Die Portugiesische Interventions⸗Frage ist noch nicht entschieden; sie giebt zu haͤusigen Courier⸗Wechseln Veranlassung. Mendizabal legt ein großes Gewicht darauf, daß die Intervention stattfinde.“ Tuͤrke

Konstantinopel, 16. Sept. Die Tuͤrkische Zeitung Tek⸗ wemi Wekaji vom 7. September (14ten des diesjährigen Dsche⸗ masi lewwel), mit welcher der fuͤnfte Jahrgang dieses Blattes beginnt, berichtet uͤber die Ankunft des Fuͤrsten Milosch in Kon⸗ stantinopel und uͤber seine schon aus anderen Quellen ihrem De⸗

tail nach bekannte feierliche Audienz vom 4ten Dschemasi' lewwel, in welcher der Sultan den Fuͤrsten mit den Worten: „Mi⸗

stattfinden, Unordnun⸗

rafen wieder beruhigen kann, ist der Umstand, daß er Bromberg, sondern dehnt sich

Mit einer Albanien waͤre mithin „„Alles durch das Volk und fuͤr das Volk!““

ein Nachkomme des Propheten.

8 88 11““

He sch gelduͤng“ (Milosch Bei, Du bist will⸗ ruͤßte. Auch die kostbaren Geschenke des Sultans

losch Bei, kommen!) beg

an Milosch (keinesweges aber die des Fuͤrsten an den Sultan) werden erwaͤhnt und spezifizirt. 8

4

Dieselbe Tuͤrkische Zeitung enthaͤlt noch folgende Artikel⸗

„Nachdem Toskanas Durchlauchtigem Großherzoge ein Sohn geboren worden, hat selbiger in der Freude seines Herzens einen dies frohe Creigniß verkuͤndenden und die lauterste freundschaft⸗ liche ns aussprechenden Brief an Se. Hoh. geschrieben, welcher Brief am 7ten des laufenden Monats durch den Toska⸗ nischen Geschaͤftstraͤger an der 1 lia (Ritter von Quaglia), persoͤnlich uͤberreicht worden t. De Gesandte erhielt bei dieser Gelegenheit die schon vorher nachge⸗ suchte Erlaubniß, dem erwaͤhnten Ereigniß zu Ehren in Buͤjuͤk⸗ dere ein Fest mit Kunstfeuern zu veranstalten, welches Vorhaben er denn, nach vorgaͤngiger Einladung der uͤbrigen fremden Ge⸗ sandten, wirklich ausgefuͤhrt.“ 1

„Der bisherige Dragoman des Divans, Eßrar Efendi, wel cher seit einiger Zeit unheilbar erkrankt war, ist in die ewig Wohnung hinuͤbergegangen. Da nun die Uebertragung dieses Amtes auf einen Anderen nothwendig geworden, und der bishe rige erste Mutereddschim der Dolmetscher⸗Kammer, Tedschell Efendi, schon laͤngere Zeit seine Tuͤchtigkeit in der Dolmetscher Kunst bewaͤhrt hat, so ist selbigem, nach des Großherrn erhabe⸗ nem Willen, am 3ten des laufenden Monats die besagte Wuͤrde zugewendet, das herkoͤmmliche Ehrenkleid angezogen und das seine jetzige Stellung charakterisirende Abzeichen zugetheilt wor⸗ den. Die hinterlassene Familie des Verstorbenen hat Seine Ho heit Ihrer Großherrlichen Gnade wuͤrdig erachtet.“

Hohen Pforte, Kwalir de Kwa⸗

„Nach alter loͤblicher Sitte wird alljaͤhrlich ein Paar Monate

vor dem Aufbruch der erhabenen Pilger⸗Karawane die Ima⸗ neh, d. h. das Amt eines Emins *) derselben einem Wuͤrden

traͤger der Hohen Pforte (am gewoͤhnlichsten Einem, der sich gerade außer Dienst befindet) uͤbertragen. Da nun der Wuͤrden⸗

traͤger Said Muhibb Efendi, gewesener Direktor der Groß herrlichen Pulver⸗Fabriken, dieses Amtes erledigt war, und de Uebernahme des vorhin genannten wuͤrdig befunden wurde, st ist derselbe, diesjaͤhriger Emin investirt worden.“

Als Beitrag zur Osmanischen Kultur⸗ und Literatur⸗Ge⸗

auf den Befehl Seiner Hoheit, am dritten dieses als

schichte ist zu bemerken, daß der Redacteur der Tekwimi⸗Wekaj

jetzt anfaͤngt, seine Zwischensaͤtze in Parenthesen zu bringen was als der erste Schritt dazu angesehen werden kann, daß bald auch alle unsere Interpunctions⸗Zeichen in die Tuͤrkische Schrei⸗ bung eingefuͤhrt werden duͤrften. 8

Konstantinopel, 16. Sept. (Allg. Ztg.) Lord Durham wird sich, insofern die Quarantaine abgekuͤrzt wird, in Odessa

nur einige Tage aufhalten, weiter gehen. Der Lord ist

gleitet, die von Odessa aus die Russischen Militair⸗ und Marine⸗

und dann direkt nach St. Petersburg von einigen Englischen Offizieren be⸗

Etablissements am Schwarzen Meere besichtigen, und dann nach Kiew, wo der Kaiser Nikolaus auf seinem Ruͤckwege von Deutsch⸗ 1

land uͤber ein Russisches begeben wollen. Was eigentlich Lord Durham hierher fuͤhrte, ist noch immer ein Geheimniß.

unterrichteter und freimuͤthiger Maͤnner trauen, so bestand die

Armee⸗Corps Revue halten wird, sich

Darf man dem Urtheile sonst wohl

Mission des Lords mehr darin, zu sehen und zu hoͤren, als sich selbst

auszusprechen. Die Oppositionen

in England und Frankreich

haben sich auch diesmal verrechnet, wenn sie behaupteten, Lord

Durham solle Alles aufbieten, Allianz, selbst gewaltsam, zu trennen. Nichts dergleichen ist ge⸗ schehen, der edle Lord reiste so ab, wie er gekommen, das heißt, ohne irgend ein Arrangement gemacht oder auch nur versucht zu haben, aber mit allen erdenklichen Ehrenbezeugungen uͤberhaͤuft. Ob spaͤter seine augenblickliche Anwesenheit noch Folgen zeigen wird, muß die Zeit lehren. 1 Den neuesten Nachrichten aus Skutari (vom 22. Sept.) Aufolge, ist der vom Sultan abgesandte Rumilt Walessit (Groß⸗ zesir von Rumelien), Mehmed Pascha, siegreich in diese Stadt eingezogen, nachdem die Insurgenten sich unterworfen hatten. Die Haͤupter derselben haben sich theils nach Bosnien und theils zu den Montenegrinern gefluͤchtet; der Aufstand in als beendigt anzusehen.

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EEE““ 16

Berlin, 12. Okt. Nachdem sich am 1. Okt. 1832 in Brom⸗ berg ein Verein zur Verschoͤnerung der Stadt und deren naͤchsten Umgebung gebildet, feierte derselbe am Aten d. sein Stiftungs⸗ Fest nach dreijaͤhrigem Bestehen. Der Ruͤckblick auf diese Zeit und das, was in ihr geleistet worden, war fuͤr die zahlreich ver⸗ sammelten Mitglieder hoͤchst erfreulich. Die Zahl der Letzteren hat sich in den drei Jahren seines Bestehens von 71 auf 162 vermehrt; der Verein beschraͤnkt sich nicht mehr auf die Stadt Broꝛ bereits auf den groͤßten Theil des Regierungs⸗Bezirks aus, in dessen Kreisen er 55 Mitglieder zählt. Durch seine Wirksamkeit ist zur Verschoͤnerung von Bromberg bereits Manches geschehen, insbesondere aber zeugen davon die jetzt bepflanzten und mit zierlichen Anlagen versehenen, die Stadt auf ihrer Suͤdseite umschließenden Berg⸗ Abhaͤnge, welche sonst nackt und oͤde dalagen. Der Zutritt auswaͤrtiger Mitglieder hat zur Begruͤndung einer Departements⸗Baum⸗ schule gefuͤhrt, mit welcher eine Lehr⸗Anstalt fuͤr Gaͤrtner und Gartenknechte verbunden werden soll. Diese erfreulichen Re⸗ sultate legte der Vorsitzende des Vereins in der zur Stiftungs⸗ Feier veranstalteten General⸗ Versammlung den Mitgliedern in einem ausfuͤhrlichen Jahres⸗Berichte dar und bereitete dadurch die Gemuͤther zu der heiteren Stimmung vor, die sich bei dem darauf folgenden Mittagsmahle unverkennbar und besonders leb⸗ haft aussprach, als dem allverehrten Landesvater ein stuͤrmisches Lebehoch gebracht wurde.

Am 6. d. M. fand zu Koblenz die erste allgemeine Versammlung des unlaͤngst ins Leben getretenen dasigen Gewerbe⸗ Vereins statt; die Mitglieder hatten sich zahlreich eingefunden. Nach einer Eroͤffnungsrede des DDr. Mohr uͤber Zweck und Be⸗ deutung des Vereins wurden die Statuten mitgetheilt und an⸗ genommen, darauf die Namen der Mitglieder, worunter der Fuͤrst zu Wied, der General⸗Lieutenant Aster, der Ober⸗Praͤsi⸗ dent der Rhein⸗Provinz, von Bodelschwingh, der Regierungs⸗Vich⸗ Praͤsident Freiherr von Spiegel u. A., verlesen, und endlich zu der Wahl des Vorstandes geschritten. Die sodann gehaltenen Vor⸗ traͤge betrafen I) einen neuen Erwerbzweig in dortiger Gegend durch Benutzung der Schieferberge an der Mosel zu Schiefer⸗

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um die Pforte von der Russischen

Ja nicht mit Emir zu verwechseln, wie manche Deutsche

Zeitungen thun. Emin (Araeisch) heißt ein Betrauter, Ener dem man etwas anvertraut hat; Emir aber (gleichfalls Arabisch 88 Einer, der zu befehlen hat, ein Stammesfuͤürst, 2

8

auch insbesondere